Siedlung Greilstraße

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Created at 6. Dec. 2021

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by architektenfreund

SIEDLUNG GREILSTRAẞE
Julius Schulte, 1913

Im März 1912 beschloss die soeben gegründete Bau-und Wohnungsgenossenschaft Familie den Ankauf von Gründen am Römerberg, um dort ihre erste, zwölf Häuser umfassende Siedlung zu realisieren. Die Planung wurde den Architekten Alfred Rodler und Julius Schulte übertragen. Die Bauwerber mussten 10% der Baukosten als Eigenkapital aufbringen, der Rest wurde durch staatlich gesicherte Kredite finanziert. So war es möglich, Wohnraum für Interessenten unterschiedlichster Herkunft zu schaffen. Entsprechend differenziert waren die Haus- bzw. Wohnungsgrößen. Neben Einfamilienhäusern, die fast Villencharakter besaßen, entstanden auch Zweifamilienhäuser, deren Wohnungen Minimalanforderungen genügten. Die Hanglage ermöglichte eine bewegte und attraktive Gruppierung der Gebäude bei optimaler Belichtung und Durchlüftung. Um ein möglichst abwechslungsreiches und malerisches Bild der Siedlung zu erzeugen, setzten die Architekten eine Vielzahl von Elementen ein, die von Bau zu Bau variiert wurden. Das fantasievolle Formenrepertoire war dabei so weit vereinheitlicht, dass ein geschlossener, bis heute nachvollziehbarer Gesamteindruck eines gewachsenen, organisch in die Topografie eingebetteten Ensembles entstand. Bis 1926 bewohnte Familie Schulte das Haus Greilstraße 10. In dessen Untergeschoß betrieb Julius Schulte sein bescheidenes Architekturbüro. (Georg Wilbertz)

Ilse Pattiss

Das erste der zwölf Häuser, die in den Jahren 1912–13 in der Greilstraße errichtet wurden, gehörte dem Ehepaar Maria und Bernhard Wiesmayr. Ilse Pattiss ist deren Enkelin. Sie lebt von Geburt an und bis heute äußerst gerne in dem Haus. Architekt Schulte ist nicht nur Planer des Objekts. Er hatte an der Adresse einige Jahre lang auch sein Büro.

„Wie das insgesamt über die Jahre angelegt worden ist, der ganze Freinberg, ist das eine Zierde für Linz. Da sind schöne alte Bauten – und Grün! Was will man eigentlich mehr? Es ist wunderschön, dass an der Peripherie diese alten Häuser noch dastehen. Wenn ich die Häuser in der Greilstraße vergleiche mit den Neubauten in der Gegend, dann ist da ein Riesenunterschied.“

 

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Kühne Schulte Gegenwart

Filmische Porträts

In nicht einmal zwei Jahrzehnten schufen Curt Kühne (1882–1963) als Stadtbaudirektor und Julius Schulte (1881–1928) als sein Mitarbeiter bzw. selbständiger Architekt wesentliche Bausteine der modernen Linzer Raumentwicklung auf dem Weg zur Großstadt. Unter den äußerst prekären Bedingungen der Zeit zwischen den Weltkriegen planten sie bedeutende Wohnbauten, Schulen und kommunale Einrichtungen für die Stadt, die bis heute in Betrieb und Nutzung sind.

Das afo hat für die Ausstellung Kühne Schulte Gegenwart (19.11.2021–18.2.2022) unterschiedliche Persönlichkeiten – Bewohner*innen, Architekt*innen, Expert*innen, Eigentümer*innen – zum Interview geladen, um anhand von zehn Beispielbauten zu erfahren, was sich rund ein Jahrhundert später von den „sozialen Stadtbausteinen“ der Zwischenkriegszeit lernen lässt: Wie sieht der private oder berufliche Alltag darin aus? Welche Qualitäten werden besonders geschätzt? Was bedeuten diese Bauten und Siedlungen für die Stadt und ihre Bewohner*innen?

Hinweis: Parallel zur Ausstellung im afo zeigt das NORDICO Stadtmuseum Linz bis 18.4.2022 Gebaut für alle. Curt Kühne und Julius Schulte bauen das soziale Linz (1909-1938).

Konzept und Interviews: Tobias Hagleitner

Ton, Kamera, Schnitt: Reinhard Zach

afo architekturforum oberösterreich, 2021

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