Wohnanlage Kaufleitnergründe

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Created at 13. Dec. 2021

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by architektenfreund

WOHNANLAGE KAUFLEITNERGRÜNDE
Curt Kühne, 1925

Im Jahr 1924 beschloss die Stadtregierung unter Bürgermeister Josef Dametz die Errichtung einer weiteren, städtisch finanzierten Wohnanlage. Für Curt Kühne war die Bebauung der Kaufleitnergründe das zweite große Wohnprojekt im Auftrag der Stadt. Vorrangiges Ziel war die Schaffung einer möglichst großen Zahl an Unterkünften in möglichst kurzer Zeit. In zwei Bauphasen entstanden zehn Blöcke mit insgesamt rund 250 kompakten Kleinwohnungen. Teils bestanden sie nur aus einer Wohnküche (Gesamtfläche 19 m²), teils aus Wohnküche und Zimmer (rund 33 m²). Sanitäreinrichtungen wurden zur gemeinschaftlichen Nutzung am Gang untergebracht. Auch acht Geschäftslokale waren Teil des Projekts. Es wurde so gebaut, dass eine Zusammenlegung der Kleinwohnungen bei abnehmender Wohnungsnot möglich war. Einen Ausgleich zum bescheidenen Platzangebot im Inneren bietet der Außenraum: Die Häuser sind versetzt auf den beiden länglichen Grundstücken angeordnet, dass jeweils zwei außenliegende Objekte mit einem mittig platzierten abwechseln. So ergibt sich ein durchgrüntes Gefüge aus halboffenen Innenhöfen. In der Architektur der Kaufleitnergründe sind erstmals die typischen Formen aus dem Repertoire Curt Kühnes auszumachen: Spitzbögen, hier als Schwibbögen in den verbindenden Tormauern zwischen die Blöcke gefügt, gehören genauso dazu wie dekorative Elemente aus Sichtziegeln oder eingetiefte Eingänge und abgestufte Fensteröffnungen. (Tobias Hagleitner)   

Nikolaus Stadler

Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz (GWG) ist zuständig für ein Portfolio von knapp 20.000 Wohnungen. Viele davon sind Altbestand – so auch die Wohnanlage Kaufleitnergründe von Curt Kühne. Die Häuser werden derzeit in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt modernisiert (Fertigstellung 2022).

„Die günstige Verfügbarkeit von Grund war damals der große Vorteil, das hat sich leider ins komplette Gegenteil verkehrt. Grund ist heute knapp und damit auch sehr teuer und es ist extrem schwierig, Wohnanlagen in dieser Qualität mit einer relativ geringen Dichte zu errichten. Durch den Kostendruck muss es entsprechend dichter werden.“

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Kühne Schulte Gegenwart

Filmische Porträts

In nicht einmal zwei Jahrzehnten schufen Curt Kühne (1882–1963) als Stadtbaudirektor und Julius Schulte (1881–1928) als sein Mitarbeiter bzw. selbständiger Architekt wesentliche Bausteine der modernen Linzer Raumentwicklung auf dem Weg zur Großstadt. Unter den äußerst prekären Bedingungen der Zeit zwischen den Weltkriegen planten sie bedeutende Wohnbauten, Schulen und kommunale Einrichtungen für die Stadt, die bis heute in Betrieb und Nutzung sind.

Das afo hat für die Ausstellung Kühne Schulte Gegenwart (19.11.2021–18.2.2022) unterschiedliche Persönlichkeiten – Bewohner*innen, Architekt*innen, Expert*innen, Eigentümer*innen – zum Interview geladen, um anhand von zehn Beispielbauten zu erfahren, was sich rund ein Jahrhundert später von den „sozialen Stadtbausteinen“ der Zwischenkriegszeit lernen lässt: Wie sieht der private oder berufliche Alltag darin aus? Welche Qualitäten werden besonders geschätzt? Was bedeuten diese Bauten und Siedlungen für die Stadt und ihre Bewohner*innen?

Hinweis: Parallel zur Ausstellung im afo zeigt das NORDICO Stadtmuseum Linz bis 18.4.2022 Gebaut für alle. Curt Kühne und Julius Schulte bauen das soziale Linz (1909-1938).

Konzept und Interviews: Tobias Hagleitner

Ton, Kamera, Schnitt: Reinhard Zach

afo architekturforum oberösterreich, 2021

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