Die vierte Elegie

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Created at 19. Nov. 2014

by Hugo

Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke

Vorgetragen von Ruth Ritter

Die vierte Elegie

München, 22. und 23. November 1915

Die vierte Elegie ist eine Kritik des menschlichen Bewusstseins.[75] Das menschliche Bewusstsein ist „nicht einig“[76], das heißt, es produziert Widersprüche: „Uns aber, wo wir Eines meinen, ganz / ist schon des Andern Aufwand fühlbar.“[77] Als Kontrast dient, wie auch in der achten Elegie, das Bewusstsein der Tiere: Die Zugvögel und die Löwen wissen nichts vom Tod und sind einig mit sich selbst. Die Spaltung des menschlichen Bewusstseins entsteht einerseits durch Erinnerung, durch das Bewusstsein des Vergehens der Zeit („Alles / ist nicht es selbst. O Stunden in der Kindheit, / da hinter den Figuren mehr als nur / Vergangnes war und vor uns nicht die Zukunft“[78]) – dieses Problem wird gesondert in der achten Elegie behandelt. Andererseits wird das Bewusstsein durch zwischenmenschliche Beziehungen gespalten. Als Beispiel dafür wird die Liebesbeziehung herangezogen, deren bruchlose Vereinigung – wie in der zweiten Elegie beschrieben – scheitert: „Treten Liebende nicht immerfort an Ränder, eins im andern, / die sich versprachen Weite, Jagd und Heimat.“[79] Deutlicher wird die Konfliktsituation zwischen Eltern und Kind dargestellt: Die Angst des Vaters, die im Widerspruch zur Hoffnung des Kindes steht, bleibt im Sohn noch über den Tod des Vaters hinaus lebendig.[80]

Im Zentrum der Elegie steht die Beschreibung eines inneren Theaters hinter des „Herzens Vorhang“[81]. Dabei werden die Puppe und der Engel als Extrempole und Gegenbilder menschlichen Seins beschrieben: Die Puppe als reine Äußerlichkeit, reines Objekt – Das Gesicht der Puppe ist reines „Aussehn“[82] –, der Engel als reine Innerlichkeit, reines Subjekt. Auf der „Puppenbühne“[83], wenn die Marionettenpuppen von einem Engel gespielt werden, wird die Spaltung des menschlichen Bewusstseins aufgehoben: „Dann kommt zusammen, was wir immerfort / entzwein, indem wir da sind.“[84]

Die letzte Strophe spricht vom reinen Bewusstsein des Kindes: Es ist noch ungespalten und kennt keine Zeit. Es wird danach gefragt, wer das Kind dieser Bewusstseinsform beraubt hat, und beklagt dies als Mord.

http://de.wikipedia.org/wiki/Duineser_Elegien#Die_vierte_Elegie

Produktion:

Fina Esslinger
Georg Ritter
Simon Ritter
Aranka Jell

© 2014

Produktion

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