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FS Misik Folge 562: Mit Rechten reden? Das hat ja bisher prima geklappt ...

von dorftv / am 21.09.2018

Was passiert, wenn sich Aufhusser wie in Chemnitz legitimiert fühlen Mit Rechten reden? Na, in Chemnitz scheint das ja ein großer Erfolg zu werden, wenn das zu Dialogen führt wie in den vergangenen Tagen. Da formulierte der amtierende Ministerpräsident von Sachsen tatsächlich in Frageform: "Sind wir uns darüber einig, dass der Hitlergruß nicht okay ist?" Wenn nicht, dann muss man halt einen Kompromiss schließen. Rechter Arm auf halbmast wäre vielleicht ein schöner Mittelweg.

"Mit Rechten reden!", dieser Ruf schallt seit längerer Zeit durch den gesamten deutschsprachigen Raum und unterstellt, dass Radikalisierung und Polarisierung eine Folge davon seien, dass die Menschen zu wenig miteinander sprechen würden, oder gar eine Folge davon, dass Ressentiment und Ausländerfeindlichkeit aus den öffentlichen Diskursen verbannt würden. Wer Letzteres immer noch glaubt, dem hilft auch kein Blick ins Fernsehprogramm mehr. Im Grunde ist das Gegenteil wahr: Erst die Dauerpräsenz des rechten Wahns auf allen Kanälen ließ ein Klima entstehen, in dem ganz Europa zu kippen droht und das in Chemnitz eben eskaliert ist.

Privat mit jedem reden

Natürlich soll man mit jedem reden. Im Privaten ohnehin. Öffentlich ist das schon eine vertracktere Sache. Den durchgeknallten Meinungsmüll in die öffentliche Debatte einer Demokratie zu integrieren heißt zugleich, ihn zu legitimieren. Als eine Meinung, die man genauso gut haben kann wie jede andere.

Aber vor allem hieß "mit Rechten reden" zuletzt immer mehr "wie Rechte reden". Die Gesamtheit dieser Diskurse findet so statt, dass der Eindruck entsteht, die Aufhusser und Ressentimentschürer haben irgendwie recht: Ja, wenn sie sich so Sorgen machen, dann müsse man ihnen schon irgendwie entgegenkommen, damit man sich in der Mitte treffen kann. Aber so funktionieren eben gesellschaftliche Gespräche nicht. Akzeptiert man das Themensetting, spielt man als nützlicher Idiot mit beim schönes Spiel des Klimavergiftens.

Legitimierte Haltungen

Auf diese Weise mit Rechten zu reden legitimiert Haltungen, statt sie zu bekämpfen. Es verschiebt die Grenze des Sagbaren. Es bedeutet, sich auf die Argumente der Radikalen einzulassen, ihnen Millimeter für Millimeter nachgeben. Es bedeutet, dass Demokraten schwächeln, sich selbst als defensiv erleben. Es untergräbt die Standfestigkeit und das Selbstvertrauen der liberalen Demokraten und lässt sie als zaudernd erscheinen. Kurzum: Es wird den Rechten nicht zu wenig entgegengekommen. Sondern viel zu viel.

Robert Misik, 2.9.2018 - derstandard.at/2000086544900/Mit-Rechten-reden-Hat-ja-prima-geklappt
http://derstandard.at
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