Die durchschnittlichste aller Durchschnittsfrauenrollen ist weiß, jung, sexy - und tot.

Passend zum aktuellen Streik in Hollywood dreht sich in der dritten Folge von Bitchinaround alles um das Thema Frauen im Film. Moderatorin Sarah Mo Praschak unterhält sich mit Vivian Bausch, Parisa Ghasemi und Marie Luise-Lehner über deren Dasein als film- und kunstschaffende Frauen in Österreich.

Die österreichische Filmbranche ist noch immer meilenweit davon entfernt, repräsentativ, divers und inklusiv zu sein. Der österreichische Film Gender Report vom November 2021 beweist: Frauen sind weiterhin strukturell benachteiligt, so erhalten sie zum Beispiel nur 25 Prozent der Fördermittel. Auch zeigte sich: je mehr Geld in eine Produktion fließt, umso weniger Frauen sind beteiligt.

Vivian Bausch, die erst in Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaft studierte und dann noch einen Master an der Hochschule für Film und Fernsehen in München machte, berichtet, dass es ihr als Arbeiterkind sehr schwer gefallen sei, sich ein Leben als Künstlerin vorzustellen. Sie habe sich lange nicht zugetraut, sich ein Leben als Filmemacherin zu finanzieren und erst mit 27 ernsthaft begonnen, diesen Traum zu verwirklichen.

Parisa Ghasemi machte ähnliche Erfahrungen: auch sie hat sich lange nicht als „künstlerischen Charakter“ gesehen und lange gebraucht, um sich für den Film als künstlerische Ausdrucksform zu entscheiden. Sie betont besonders den kollaborativen Charakter des Filmemachens - daher hat sie auch das Internationale Kurzfilmfestival Linz gegründet. Dabei legt die Filmemacherin und Aktivistin viel Wert auf Dialog, Diversität und Independent Film, sie möchte ein möglichst vielfältiges Programm erstellen, dass Raum für Austausch bietet. Ghasemi meint, es gehe gar nicht darum, in einem einzigen Film möglichst divers zu sein und viele verschiedene Problemaktiken zu thematisieren; stattdessen solle das Programm als Ganzes verschiedenste Perspektiven abbilden. Das Format des Kurzfilms wählte sie, da ihr Kurzfilme authentischer und echter vorkommen. Anders als kommerzialisierte Langfilme bräuchten sie kein großes Publikum, welches mit seinem Geld die Filme finanziert - so könnten sich Filmemacher*innen viel freier ausleben.

Diesen Aspekt betont auch Marie Luise-Lehner. Sie ist kunstschaffende Allrounderin und hat mit vielen verschiedenen Kulturszenen Erfahrungen gemacht: angefangen hat sie mit der Verlegung von Büchern, bewegte sich dann in die Filmbranche und spielt außerdem noch in der feministischen Punkband Schabka. Außerdem ist sie ausgebildete Intimitätskoordinatorin und legt ihren Fokus Luise-Lehner auf Klasse und Sexualität. Ihr letzter Film „Mein Hosenschlitz ist offen. Wie mein Herz“ setzt sich humorvoll mit Queerness und der Sexualität von FLINTA-Personen auseinander.

Luise-Lehner lritisiert die aktuelle Situation der Filmbranche stark: diese sei bisher noch viel zu hierarchisch organisiert, die Macht läge in den Händen reicher Männer und der Umgang mit Schauspielenden am Set sei „ganz schrecklich“. Doch auch die Produktionsweise in der Filmbranche sei viel zu stark kapitalisiert und schlösse viele Menschen aus; wer zum Beispiel Betreuungspflichten hat, kann einfach keine zwölf Stunden am Tag arbeiten und eventuell noch zwei bis vier Überstunden machen. Generell ließe der neoliberale Effizienzgedanke kaum Raum für kollektive Arbeit und setze Arbeiter*innen enorm unter Druck.

Die Regisseurin bewertet eine Frauenquote zwar als positiv, fordert jedoch eine vollständige Umstrukturierung der Filmbranche, um das Problem ernsthaft anzugehen.

Das Gespräch wird vom Bitchinaround-Team immer wieder mithilfe von Ratespielen und Einspielern aufgelockert, sodass die Folge trotz des eher ernsten Themas Spaß macht und unterhält.

Hier geht‘s zur ganzen Folge!

Verfasst von Vivian Grabowski am 26.07.2023