Googles erstes Rechenzentrum in Österreich: Risiko für Umwelt und Demokratie? In Kronstorf bei Enns entsteht derzeit Googles erstes Rechenzentrum in Österreich – ein Projekt mit über 42.000 Quadratmetern verbauter Fläche auf 50 Hektar ehemaligem Ackerland. Die Gegend gilt traditionell als einer der fruchtbarsten Böden des Landes. Genehmigt wurde die Anlage wie ein gewöhnlicher Gewerbebetrieb. Im Gespräch mit Rudolf Schober von der Solidarwerkstatt schildert Harald Müllner, Sprecher der Bürgerinitiative "Kronstorf Rechenzentrum", die umstrittenen Genehmigungsverfahren rund um das Google-Rechenzentrum. Von den offiziellen Schritten habe die lokale Bevölkerung kaum direkt erfahren. Man sei „eigentlich irgendwie über die regionalen Medien“ informiert worden, nicht durch Gemeinde oder Behörden. Müllner recherchiert seit Monaten Genehmigungsunterlagen und Gutachten. Sein Befund: „Das ist einfach ein Datenzentrum, und so ein Gebäude gibt es in Österreich nicht in der Gesetzgebung.“ Eine Umweltverträglichkeitsprüfung habe es deshalb nie gegeben. Die Dimensionen sind gewaltig: Im Vollbetrieb soll die Anlage eine Anschlussleistung bis zu einem Gigawatt erreichen – rund zwölf Prozent des gesamten österreichischen Stromverbrauchs. Die Austrian Power Grid rechnet damit, dass das Rechenzentrum jährlich so viel Strom verschlingt wie 900.000 Haushalte, mehr als alle Haushalte Oberösterreichs zusammen. Woher dieser Strom kommen soll, ist unklar: Auf eine Anfrage im Landtag hieß es lediglich, Google könne den Strom „überall kaufen, wo es will“ – auf dem freien europäischen Markt, der unter Auflagen auch Atomstrom als „grün“ einstuft. Die Bürgerinitiative befürchtet, dass der massive Energiebedarf den Druck auf die Strompreise erhöhen und Österreichs Abhängigkeit von Strom aus Atom- und Fossilenergie verstärken könnte. Auch beim Wasser sind die Zahlen enorm: Täglich sollen rund 17,5 Millionen Liter Grundwasser zur Kühlung entnommen werden – zehn Prozent des oberösterreichischen Trinkwasserbedarfs. Das Wasser wird um zwei bis vier Grad erwärmt, mit Chemikalien gegen Algen und Verkalkung versetzt und anschließend in die Enns zurückgeleitet. Eine mikroklimatische Untersuchung zu möglichen Folgen wie verstärkter Nebelbildung oder Vereisung im Umkreis fand laut Müllner nie statt. Offen bleibt auch, was in der Anlage tatsächlich verarbeitet wird: Weder Datenschutzbehörde noch österreichischer Nachrichtendienst konnten Auskunft geben, wie sich der US-amerikanische Cloud Act zur europäischen DSGVO verhält. „Das ist eine Blackbox“, so Müllner – und genau das gibt der Initiative ihren Namen. Die Bürgerinitiative kritisiert, dass trotz gigantischer Gewinne durch Rechenzentren kaum Arbeitsplätze entstehen. Laut Google soll es in Kronstorf nach der Fertigstellung 2027 100 neue Arbeitsplätze geben. Verhindern lässt sich der Bau nicht mehr. Die Bürgerinitiative ist nicht grundsätzlich gegen KI, sie arbeitet laut Müllner selbst teilweise damit – dennoch fordert sie klare gesetzliche Vorgaben, echte Umweltprüfungen und eine demokratisch kontrollierte digitale Infrastruktur statt eines stillen Ausverkaufs an internationale Konzerne. Hier gehts zum vollständigen Beitrag! Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 15.07.2026