Literatur im Dorf: Eine Anthologie über das Weggehen, Bleiben und Zurückkehren „Heimat, das sind die Menschen, die mir nahestehen.“Die Autorin Marlen Schachinger-Pusiol bringt auf den Punkt, worum es in der neu erschienenen Anthologie Wannst net fort muaßt, so bleib? geht: um Herkunft und Identität, um Orte, die prägen, und um die Frage, ob Heimat etwas ist, das bleibt – oder etwas, das man mitnimmt. Bei Literatur im Dorf sprach Silvana Steinbacher, Moderatorin der Reihe Literatur im Dorf, mit der Herausgeberin Christa Prameshuber und der Autorin Marlen Schachinger-Pusiol über das Buch, das im Trauner Verlag erschienen ist. 32 oberösterreichische Autorinnen nähern sich darin dem Thema Heimat auf ganz unterschiedliche Weise. „Für mich gibt es mehrere Heimaten“, sagt Prameshuber, die seit vielen Jahren in der Schweiz lebt. Heimat sei dort, wo Menschen sind, „die man schätzt, die einen schätzen und wo man sich geborgen fühlt“. Die Idee zur Anthologie entstand aus einer sehr persönlichen Bewegung heraus: „Irgendwann wurde mir klar, dass dieses Spannungsfeld zwischen Weggehen und Bleiben, zwischen Herkunft und gelebter Gegenwart längst nicht nur mein Thema ist, sondern ein allgegenwärtiges“, sagt Christa Prameshuber. Das Buch sei aus dem Wunsch heraus entstanden, unterschiedliche Stimmen zusammenzuführen und sichtbar zu machen. Der Titel, entlehnt aus der oberösterreichischen Landeshymne, erhielt bewusst ein Fragezeichen – denn genau dieses Fragezeichen öffne den Raum für Zweifel, Bewegung und Widerspruch. Die Anthologie versammelt Stimmen verschiedener Generationen: Die jüngste Autorin ist 20, die älteste 80 Jahre alt. „Man spürt manchmal sehr viel Lebenserfahrung und Reife, und manchmal die Spontanität der ganz Jungen“, sagt Prameshuber. Wichtig war ihr eine breite Mischung: Stadt und Land, unterschiedliche Regionen, verschiedene Lebenswege. Ein Bezug zu Oberösterreich musste vorhanden sein. Schachinger-Pusiol kam als letzte Autorin dazu. Nach einer Lesung in Wien sprach Prameshuber sie an und nach vierzehn Tagen Schonfrist, die Schachinger-Pusiol noch heraushandeln konnte, war ihr Text Was wir erben entstanden. Darin geht es um Rückkehr, Erinnerung und um ein Ich, das sich mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert sieht. Politisch plakativ sei das Buch nicht, obwohl der Begriff „Heimat“ oft rechtspopulistisch vereinnahmt werde. Schachinger-Pusiol widerspricht aber einer rein unpolitischen Auslegung: „Zwischen den Zeilen klingen durchaus politische Themen an, zum Beispiel die gesellschaftliche Schere, das Stadt-Land-Verhältnis oder die Frage, wie man sich einer vereinnahmenden Heimat entziehen kann.“ Am Ende zeigt die Anthologie laut Prameshuber vor allem eines: Heimat ist kein fixer Ort. Sie kann Landschaft sein, Sprache, Geruch, ein Mensch, ein Kaffeehaus oder ein verlorenes Gefühl. Hier gehts zum vollständigen Beitrag!Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 07.05.2026