ESC in Wien: Wie inklusiv ist das größte Musikevent Europas wirklich? Wenn im Mai der Eurovision Song Contest nach Wien kommt, wird die Stadt wieder zur Bühne für ein internationales Millionenpublikum. Doch neben Glitzer, Pop und großer Show stellt sich auch die Frage: Wie inklusiv ist dieses Event wirklich? Im Studioformat Das Dreieck diskutierten die Moderatorinnen Katja Ilnizki (FS1) und Katharina Obermayer (OKTO) mit Matthias Friedrich, dem Deputy Head of Event des ORF, sowie der OKTO-Moderatorin Ivana Veznikova über den Weg zu einem inklusiven Großevent. Veznikova, die die Sendereihe Perspektivenwechsel moderiert und selbst Rollstuhlfahrerin ist, betonte dabei die Bedeutung echter Mitgestaltung. „Nichts über uns ohne uns“ Für Ivana Veznikova hat sich die Sicht auf den ESC im Laufe der Jahre komplett verändert: Früher war die Show ein lustiges TV-Event im Freundeskreis, heute steht die Forderung nach echter Partizipation für sie im Zentrum. Gemäß dem Grundprinzip „Nichts über uns ohne uns“ sollten Menschen mit Behinderung nicht länger nur als passives Publikum betrachtet werden. Teilhabe reiche laut Veznikova nicht aus, vielmehr müssten Menschen mit Behinderung als aktive Gestalter*innen auf der Bühne, in Redaktionen und Organisationsteams gleichermaßen vertreten sein. Es gehe hierbei nicht nur um bauliche Hürden, denn die eigentlichen Barrieren seien oft unsichtbar, sagt Veznikova. Menschen mit Behinderung werden noch immer häufig mit Zweifeln konfrontiert: „Ja, und wie soll das gehen?“ Gerade im Kulturbereich fehle es häufig an Ermutigung und Sichtbarkeit. Barrierefreiheit ist mehr als eine Rampe Für Matthias Friedrich ist klar: Inklusion dürfe beim Eurovision Song Contest kein bloßes Schlagwort sein. „Wir sind auf jeden Fall inklusiv“, sagt er, und verweist auf konkrete Maßnahmen, die bereits seit dem Sommer geplant seien. Dazu zählen barrierefreie Infopoints, zusätzliche rollstuhlgerechte Toiletten, Assistenzhunde, Reizentlastungsräume, Vibrationswesten für gehörlose Menschen sowie kostenlose Begleitpersonen. Auch Menschen mit Behinderung sollen als „Volunteers“ aktiv am Event mitwirken. Veznikova begrüßt diese Schritte, mahnt aber zugleich, dass man bei Inklusion nie von „genug“ sprechen dürfe. Denn, sobald man glaube, genug getan zu haben, höre die Weiterentwicklung auf. Barrierefreiheit sei kein starres Konzept, sondern etwas, das ständig weitergedacht werden müsse. ORF in der Vorbildrolle? Friedrich sieht darin auch einen klaren Auftrag für den ORF: „Als öffentlich-rechtliches Medium müsse man Vorbild sein – nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Der ESC biete die Chance, Offenheit und Teilhabe sichtbar zu machen, auch wenn die Gesellschaft, so Friedrich, von „echter“ Barrierefreiheit noch weit entfernt sei. Wenn es gelingt, Inklusion nicht nur mitzudenken, sondern selbstverständlich zu leben, dann wäre „United by Music“ tatsächlich mehr als ein Motto. Hier gehts zum vollständigen Beitrag!Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 29.04.2026