Medien und Demokratie: Wenn Öffentlichkeit zur Ware wird „Das Prinzip „Wirkung“ ist das Unheilsprinzip der Medien und dieses Unheilsprinzip heißt Werbung.“ Mit dieser These eröffnet Armin Thurnher, Herausgeber und ehemaliger Chefredakteur der Wochenzeitung Falter, am 11. März 2026 im Café Central in Linz eine Debatte über die Krise des Journalismus in Österreich. Im Gespräch mit Otto Tremetzberger, Mitgesellschafter von DORFTV, beschreibt Thurnher eine Medienlandschaft, in der ökonomische Logiken zunehmend die demokratische Funktion von Öffentlichkeit überlagern. Vom Bürger zum „Idioten“ Während Medien einst dazu dienten, den Privatmenschen zum politisch handelnden Bürger zu machen, bewirkt die moderne Aufmerksamkeitsökonomie laut Thurnher zunehmend das Gegenteil: Aufklärung tritt in den Hintergrund, während Desinformation und Fragmentierung zunehmen. Durch die algorithmische Steuerung großer Tech-Plattformen werde der Einzelne zum „Idioten“. Das ist im klassisch-antiken Sinne gemeint – der „Idiot“ als isoliertes Wesen, das vor allem als steuerbarer Konsument erscheint. In der Folge würden demokratische Prozesse und der Sozialstaat geschwächt, während zugleich der Einfluss großer Konzerne und superreicher Akteure wächst. Die „Nummer Zwei“ fördern statt den Boulevard mästen In Österreich zeigt sich dieses „Unheilsprinzip“ laut Thurnher besonders deutlich in der Inseratenpraxis. Die bestehende Medienförderung bezeichnete er als „gesetzlich geregelte Bestechung“, die vor allem den Boulevard stärke. Als Gegenmodell verwies er auf skandinavische Länder: Dort werde gezielt die „Nummer Zwei“ am Markt gefördert. Während das österreichische System reichweitenstarke Medien weiter begünstigt und damit bestehende Machtverhältnisse verfestigt, stärken Länder wie Norwegen bewusst zweitplatzierte Anbieter, um Wettbewerb und Meinungsvielfalt zu sichern. Auch der ORF geriet in die Kritik: Thurnher warf der Führung vor, sich hinter einem „journalistischen Neutralismus“ zu verstecken, statt „Klartext zu reden“. In einer Zeit, in der rechtspopulistische Akteure die Meinungsfreiheit für ihre Zwecke instrumentalisieren, dürfe ein öffentlich-rechtliches Medium nicht passiv bleiben. Der ORF müsse sich stärker als gesellschaftspolitischer Akteur verstehen und eine europäische Gegenposition zu den großen Tech-Konzernen entwickeln. Thurnher, ein „dunkler Optimist“, wie er sich selbst in dieser Situation bezeichnet, sieht im Verfall der alten Strukturen die Chance für eine Selbstermächtigung des Publikums, indem man erkennt, in welcher hegemonialen Auseinandersetzung wir uns befinden und welche Kräfte hinter den Silicon-Valley-Unternehmen stehen, um überhaupt wirksam Gegendruck entfalten zu können. „Hoffnung ist nicht Zuversicht“, so Thurnher, aber durch unerbittliche Kritik könne aus dem „Humus“ der verrotteten Öffentlichkeit wieder Neues wachsen.Hier gehts zum vollständigen Beitrag!Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 30.03.2026