Jugendschutz im Netz: Warum ein Verbot allein nicht ausreicht Immer mehr Schulen in Österreich wagen derzeit ein Experiment: drei Wochen ohne Social Media. Schüler*innen verzichten bewusst auf TikTok, Instagram und Snapchat, um zu sehen, wie sich ihr Alltag ohne permanente digitale Reize verändert. Während einzelne Schulen solche „Social-Media-Fasten“-Phasen testen, wird auf politischer Ebene bereits schärfer diskutiert: Soll Social Media für Jugendliche künftig ganz verboten werden – und wenn ja, wie sinnvoll wäre das? In der Sendung Stachel im Fleisch beschäftigen sich die Geschäftsführerin von MediaClan, Marion Breitschopf, und der Mitgründer des Forum MedienBildung, Simon Moser im Gespräch mit Martin Wassermair mit dieser Frage. Medienführerschein als Kompass? Pädagoge Simon Moser sieht vor allem bei jüngeren Jugendlichen eine besonders sensible Phase. „Zwischen 10 und 14 gibt es eine riesengroße Vulnerabilität“, erklärte er. In diesem Alter suchen viele nach Orientierung und sind besonders anfällig für algorithmisch gesteuerte Inhalte. Moser spricht sich zwar für ein Verbot aus, sieht dies jedoch als strategisches Werkzeug: „Es geht darum, Zeit zu gewinnen.“ Ein solches Verbot soll seiner Ansicht nach nicht nur die Plattformen in die Pflicht nehmen, sondern auch die Gesellschaft aufrütteln und ein Bewusstsein für die großen Gefahren schaffen. Während dieses Verbot kurzfristig schützt, soll es den nötigen Raum öffnen, um langfristig Medienkompetenz aufzubauen. Hier setzt Moser auf den österreichischen Medienführerschein: Das vierjährige Programm begleitet Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur „digitalen Mündigkeit“. Digitale Freiheit braucht Schutz, keine Mauern Netzpionierin Marion Breitschopf warnt vor vorschnellen politischen Antworten: Zwar schließt sie strengere Regeln nicht aus, betont jedoch, dass diese nur als datenschutzsichere und EU-weite Lösung denkbar seien. „Was auf der anderen Seite nicht geht, ist, dass man mit einem Jugendschutzgesetz das Recht auf freie Meinungsäußerung aushebelt“, sagte sie. Besonders skeptisch sieht sie daher Forderungen nach einer Klarnamenpflicht oder staatlichen Identitätsprüfungen, die aus ihrer Sicht das Risiko bergen, sensible Nutzerdaten weiter zu sammeln, statt sie zu schützen: „Wenn man etwas für die Kinder tut, dann bitte machen wir es für die Kinder und für die Jugendlichen und nicht für die Plattformen, damit diese noch mehr Daten erhalten oder für irgendwelche Herrschaftsfantasien, dass man sich ausweisen muss, wenn man etwas im Internet sagen will.“ Social-Media-Verbot – und dann? Einerseits weisen Studien zunehmend auf psychische Belastungen durch exzessive Social-Media-Nutzung hin, andererseits eröffnen digitale Plattformen Räume für Kreativität, Information und Teilhabe. Klar ist deshalb vor allem eines: Ein Verbot allein reicht nicht – denn die eigentliche Frage beginnt erst nach dem Verbot. Wer Jugendliche wirklich schützen will, muss mehr tun, als Apps zu sperren. Darin waren sich auch die Studiogäste einig: Es braucht Medienbildung, Orientierung, Begleitung und einen geschützten Rahmen, in dem junge Menschen lernen, sich souverän in digitalen Räumen zu bewegen. Verfasst von Rijalda Licina-Besic am 17.03.2026