WEBVTT

0
00:00:00.000 --> 00:00:38.420
 Sweet Heute geht es ganz klar um eine andere Sache, und zwar um die künstlerische Seite hier im Haus.

1
00:00:38.420 --> 00:00:43.259
 Und es freut mich wirklich sehr, dass Sie alle hier so zahlreich erschienen sind.

2
00:00:43.380 --> 00:00:46.840
 Und ich darf Sie nochmals allesamt recht herzlich

3
00:00:46.840 --> 00:01:08.799
 in unserem Haus begrüßen. Denn wir sind überzeugt, dass eine Stadt nicht nur aus Leitungen oder Netzen oder Fahrplänen besteht,

4
00:01:09.340 --> 00:01:15.239
 sondern auch aus Ideen, aus Haltung und vor allem aus Neugier.

5
00:01:16.879 --> 00:01:18.640
 Und das ist das Kunstforum.

6
00:01:19.219 --> 00:01:21.180
 Und genau für diesen Gedanken steht es.

7
00:01:21.180 --> 00:01:30.079
 Es ist ein Ort, an dem man nicht alles sofort verstehen muss, an dem Fragen erlaubt

8
00:01:30.079 --> 00:02:13.580
 sind und an diesem Ort, da darf man auch einmal stehen bleiben, ohne sofort eine Lösung zu erwarten. Musik Wir haben eine textile Welt und eine bildhafte Welt auf einem harten, festen, vorgegebenen Bildträger.

9
00:02:13.580 --> 00:02:15.539
 So könnte man das schauen.

10
00:02:16.159 --> 00:02:22.219
 Zuerst könnte man natürlich sagen, dass es zwischen Malachai und der Pizzerie bedeutet.

11
00:02:22.520 --> 00:02:24.860
 Das ist so offensichtlich, kann man sagen.

12
00:02:34.060 --> 00:02:34.639
 Malerei und Tapisserie bedeutet, das ist so offensichtlich, kann man sagen, aber könnte es auch sein zwischen den Welten, weil jeder Mensch seine eigene Welt hat und jeder Künstler auch.

13
00:02:40.919 --> 00:02:46.539
 Und bei den Werken von mir und von die Margit kann man unterschiedliche Welten sehen. Welt ansehen. Und ich sage das Besondere oder was sich jetzt im Großen und Ganzen unterscheidet zu

14
00:02:46.539 --> 00:02:53.319
 einer malerischen Arbeit auf Leinwand ist, dass der Bildträger zur gleichen Zeit entsteht wie der

15
00:02:53.319 --> 00:02:59.139
 Bildinhalt. Also man baut das gesamte Werk gemeinsam von null bis zur Fertigstellung

16
00:02:59.139 --> 00:03:09.319
 hinauf. Und das heißt, es geht dadurch über einen viel längeren Zeitraum, weil es einfach eine langsame Arbeit ist.

17
00:03:09.319 --> 00:03:18.400
 Und ich sage, meine Arbeiten, wenn ich schnell und viel dabei sitze und schnell sozusagen vorankomme,

18
00:03:18.939 --> 00:03:22.960
 dann bin ich in drei, vier Monaten mit einer Arbeit fertig.

19
00:03:22.960 --> 00:03:29.479
 Also die Themen sind vor allem die Verbindung zwischen Menschen und der Welt herum.

20
00:03:30.539 --> 00:03:36.659
 Ich finde es, dass kein Mensch separat aus der Welt steht.

21
00:03:36.659 --> 00:03:39.560
 Also wir sind immer sehr, sehr stark mit der Welt verbunden.

22
00:03:39.699 --> 00:03:41.060
 Wir sind eins mit der Welt.

23
00:03:42.300 --> 00:03:44.620
 Und darum geht es in meiner Kunst.

24
00:03:47.379 --> 00:03:53.199
 eins mit der Welt und darum geht es in meiner Kunst, also verbunden mit der Außenwelt zu sein und mit sich selbst auch damit verbunden zu sein. Planung eigentlich nur insofern,

25
00:03:53.199 --> 00:04:00.939
 als ich mir eine Skizze oder eben einen Entwurf vorher mache, das schon. Aber ansonsten ist auch

26
00:04:00.939 --> 00:04:07.379
 sehr viel spontan, was direkt dann während der Arbeit entsteht, vor allem auch die Vorabgebung.

27
00:04:08.419 --> 00:04:16.420
 Ich weiß natürlich, warum es um die Arbeit geht und ich wähle den Titel davon, also vom Thema.

28
00:04:16.420 --> 00:04:21.939
 Aber wie genau ich das Werk nenne, entscheide ich ganz zu Ende.

29
00:04:26.139 --> 00:04:30.660
 nenne, entscheide ich ganz zu Ende und ja, ich probiere eine oder andere Variante und einfach nach dem Gefühl schaue ich, wie es wird.

30
00:04:30.899 --> 00:04:37.300
 Die Künstlerin, Grafikerin und Illustratorin Xenia Gerasimenko erhielt ihre Ausbildung

31
00:04:37.300 --> 00:04:42.680
 in Wladivostok und Moskau, einerseits in den bildenden Künsten, aber auch andererseits

32
00:04:42.680 --> 00:04:45.100
 in Wirtschaftswissenschaften. Das finde ich

33
00:04:45.100 --> 00:04:50.560
 auch sehr bemerkenswert. Vor wenigen Jahren kam sie nach Österreich, wo sie mit der Malerei

34
00:04:50.560 --> 00:04:56.800
 ihren neuen Lebensraum erkundete und eine Möglichkeit fand, sich diesen Lebensraum

35
00:04:56.800 --> 00:05:17.959
 auch ein bisschen anzueignen. Ich glaube, weil ich ein ruhiges Leben haben möchte und so dass ich meine Kunst frei üben kann und so dass ich mit anderen Leuten sehr ruhig unterhalten kann ohne irgendwelche Begrenzungen.

36
00:05:18.600 --> 00:05:39.000
 Und mir gefällt der europäischer Raum und Österreich besonders gern.

37
00:05:43.000 --> 00:05:45.879
 Nachdem ich meistens nur einen Bleistiftentwurf habe und die Farbigkeit erst während der Arbeit entsteht,

38
00:05:45.879 --> 00:05:52.120
 heißt das für mich auch, ich muss immer reagieren auf das, was ich schon habe. Das heißt, ich kann

39
00:05:52.120 --> 00:05:57.220
 mich nicht einfach fallen lassen und dahin arbeiten, sondern es braucht einfach Konzentration.

40
00:05:57.220 --> 00:06:02.199
 Leb studierte Malerei und Grafik an der Kunstuniversität in Winz und absolvierte

41
00:06:02.199 --> 00:06:10.379
 darüber hinaus unter anderem eine kunsttherapeutische Ausbildung. Von der Malerei aus fahren sie zur Tapisserie und gerade hier scheint mir ein Begriff

42
00:06:10.379 --> 00:06:14.699
 aus dem Mittelalter besonders treffend, die Bildwirkerei. Liebe Margit, das haben wir jetzt

43
00:06:14.699 --> 00:06:19.180
 nicht abgesprochen, ich hoffe es passt dieser Begriff, ich finde den einfach sehr schön. Also

44
00:06:19.180 --> 00:06:26.000
 die Bildwirkerei, ein alter Begriff für Tapisserie, dieses Wirken des Bildes, aber auch im Bild.

45
00:06:26.000 --> 00:06:46.720
 Da hinten sieht man hier diese Figur, die aus einer hockenden, in einer aufrichtenden und wirklich aufrecht stehenden Position sich in einer Arbeit bewegt. eigentlich auch tatsächlich, wie es heißt, dieses innere Aufrichten des Menschen.

46
00:06:46.720 --> 00:06:52.899
 Also so und ist eben bildhaft dargestellt über eine Aufstehbewegung.

47
00:06:52.899 --> 00:07:00.160
 Aber da geht man schon um diese Frage, wie erlangt man als Mensch eine innere Aufrichtung

48
00:07:00.160 --> 00:07:11.339
 und also so ein Themenkomplex. Und im Bild versuche ich das dann auszudrücken, diese Bewegung, die da stattfindet.

49
00:07:12.000 --> 00:07:19.459
 Jede Arbeit existiert hier zunächst als Zeichnung und im Fall von Margit Leb sogar als Vorlage 1 zu 1, wie sie erzählt hat,

50
00:07:19.579 --> 00:07:21.680
 bevor sie sich dann im Gewebe materialisiert.

51
00:07:22.319 --> 00:07:25.439
 Und damit steht Leb in einer sehr langen kunsthistorischen Tradition,

52
00:07:25.439 --> 00:07:30.740
 die von den mittelalterlichen Wildteppichen über die Tapisserien der Renaissance bis hin zu den

53
00:07:30.740 --> 00:07:36.519
 textilen Avantgarden des 20. Jahrhunderts reicht. Die Tapisserie war über Jahrhunderte hinweg nicht

54
00:07:36.519 --> 00:07:41.000
 nur Träger repräsentativer Bilderzählungen, sondern auch ein Medium des Speicherns,

55
00:07:41.000 --> 00:07:46.800
 Verdichtens und Übersetzens von Welt. Okay, ja, also das Bild heißt

56
00:07:46.800 --> 00:07:48.800
 Auf die Suche nach dem Glück.

57
00:07:48.800 --> 00:07:55.399
 Und es geht darum, dass oft bei so vielen Menschen es so im Leben geht,

58
00:07:55.399 --> 00:07:59.600
 dass die Dinge hierherum wirklich schön sind

59
00:07:59.600 --> 00:08:04.399
 und es geht so viele schöne magische Sachen im Leben.

60
00:08:04.399 --> 00:08:09.439
 Und trotzdem, wenn man irgendetwas Persönliches, irgendwelche Schwierigkeiten hat,

61
00:08:09.439 --> 00:08:11.100
 sieht man diese Dinge nicht.

62
00:08:11.420 --> 00:08:19.980
 Schaut man ganz an sich selbst drin und man sieht die Schönheit der Welt nicht immer.

63
00:08:20.459 --> 00:08:46.580
 In ihren Bildern begegnet uns, begegnet ihnen eine hybride Ikonografie. Figuratives, monströses, traumhaftes, organisches. Pflanzen, Blüten, Tiere, menschliche Gestalten und rätselhafte Details. Sie haben es bestimmt schon entdeckt, da hinten die Teekanne oder ein Hase und das erinnert natürlich an Alice in Wonderland, aber auch in surrealistische Traumräume, in denen das Alltägliche ins

64
00:08:46.580 --> 00:08:53.340
 Unwahrscheinliche kippt. Diese Verwebung von Realität und Imagination knüpft an Traditionen

65
00:08:53.340 --> 00:09:00.000
 des fantastischen Realismus und der europäischen Wunderkammerkultur, in denen das Sehen selbst zum

66
00:09:00.000 --> 00:09:18.000
 Ort und zum Akt der Verwandlung wird.

67
00:09:20.000 --> 00:09:32.320
 Also das ist Schwärmerei. Und da habe ich immer wieder mal einen Vogelschwarm beobachtet, diese Bewegung, die da entsteht.

68
00:09:32.879 --> 00:09:38.879
 Und das ist Zufall, wo ich sage, da sehe ich etwas, was mich fesselt und wo ich mir dann überlege,

69
00:09:38.940 --> 00:09:42.399
 wie kann ich das umarbeiten oder aufbereiten für mich.

70
00:09:42.399 --> 00:09:49.019
 Ich finde, Ihre Arbeiten wirken oder sind geradezu transkron, also Sie durchschreiten Zeitebenen,

71
00:09:49.100 --> 00:09:53.519
 Sie gehen zurück, Sie docken an das Gegenwärtige, aber auch an die Zukunft.

72
00:09:53.519 --> 00:09:59.539
 Sie erzählen mühelos von den unterschiedlichen kulturellen, symbolischen und ästhetischen Einschreibungen,

73
00:09:59.940 --> 00:10:03.419
 die sich über Jahrhunderte in der Tapisserie sedimentiert haben.

74
00:10:03.860 --> 00:10:09.600
 Die Arbeiten oszillieren zwischen Bild und Objekt, zwischen Fläche und Körper, zwischen Auflösung und Präsenz.

75
00:10:10.059 --> 00:10:16.419
 Dabei wohnt der Technik selbst ein kontinuierliches Werden inne, ein Prozess, der niemals vollkommen abgeschlossen ist.

76
00:10:16.419 --> 00:10:22.120
 In diesem Bild über die Verbindung mit der Welt habe ich Blau gewählt,

77
00:10:22.340 --> 00:10:28.399
 weil Blau eine sehr ruhige und tiefe Farbe für mich persönlich ist.

78
00:10:28.399 --> 00:10:37.399
 Und wenn es um Blau geht, fühle ich immer Ruhe. Deshalb habe ich zu diesem Bild Blau

79
00:10:37.399 --> 00:10:39.840
 ausgewählt. So ist es beispielsweise.

80
00:10:41.919 --> 00:10:48.179
 Also ich beneide meinen Mann, der in der Vorhand Arbeit fährt und dann ist er dort und auf die Nacht kommt er wieder.

81
00:10:48.179 --> 00:10:55.320
 Und wenn man seinen Arbeitsplatz daheim hat, dann mischen sich da ganz viele andere Dinge mit ein.

82
00:10:55.320 --> 00:11:08.879
 Aber ich bin trotzdem, also ich habe ja Aufträge, die ich als Plan zu erfüllen habe. Und man muss dann einfach diese Konsequenz haben, dass man sagt,

83
00:11:08.879 --> 00:11:14.519
 fünf Stunden am Tag gehen dem Atelier und Punkt. Also das geht sonst nicht.

84
00:11:14.519 --> 00:11:21.259
 Warum male ich? Weil ich ohne Malen und Zeichnen überleben nicht kann. Es ist einfach so,

85
00:11:21.259 --> 00:11:26.220
 also wenn ich nicht male und nicht zeichne, fühle ich mich selbst nicht,

86
00:11:26.220 --> 00:11:33.500
 ich verliere mich total in der Welt. Das ist meine Essenz, kann man sagen, Fintessenz.

87
00:11:33.500 --> 00:11:44.100
 Also generell wünsche ich mir, dass die Textilkunst wieder mehr Beachtung findet,

88
00:11:44.100 --> 00:11:51.440
 ja, aber ich glaube, dass dieser Wunsch schon im Werden ist, weil man kann das außen rundherum beobachten,

89
00:11:51.440 --> 00:11:56.559
 dass es immer mehr Ausstellungen gibt, wo man Textilkunst zu sehen bekommt.

90
00:11:56.559 --> 00:12:05.360
 Und dass auch diese Aufmerksamkeit, die sich, finde ich, auch verdient, wieder gegeben wird.

