WEBVTT

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00:00:00.000 --> 00:00:15.500
 Guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte.

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00:00:16.199 --> 00:00:19.940
 Mein Name ist Sarah Pöringer und ich freue mich, Sie heute begrüßen zu dürfen.

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00:00:20.800 --> 00:00:25.940
 Heute Abend, Sie wissen Bescheid, werden die Heimrat-Becker-Preise 2026 verliehen.

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00:00:26.839 --> 00:00:32.020
 Der von der Interessensgemeinschaft Heimrat-Becker betreute Preis wird seit 2003 vergeben

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00:00:32.020 --> 00:00:36.159
 und seit 2004 jeweils im Hause eines anderen großen Dichters,

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00:00:36.280 --> 00:00:39.240
 nämlich hier im Hause Adalbert Stifters im Stifterhaus.

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00:00:40.079 --> 00:00:42.439
 Die Verleihung findet traditionell im Mai statt,

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00:00:42.640 --> 00:00:46.679
 in Erinnerung an Heimrat Beckers Geburtstag am 9. Mai 1925.

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00:00:47.880 --> 00:00:55.000
 Ganz herzlich begrüßen möchte ich Michael Merigi, Sohn von Margret Becker und Stiefsohn von Heimrat Becker, der heute unter uns ist.

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00:00:55.100 --> 00:00:55.780
 Herzlich willkommen.

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00:01:05.959 --> 00:01:09.019
 Ich möchte auch noch ein paar Worte zur Juryzusammensetzung sagen und an dieser Stelle ganz kurz öffentlich erläutern,

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00:01:09.140 --> 00:01:10.959
 wie sich die Jury zusammensetzt.

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00:01:11.579 --> 00:01:14.620
 Seit 2010 besteht die Jury aus Thomas Eder,

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00:01:14.799 --> 00:01:17.340
 dem Vertreter der Interessensgemeinschaft Heimrat-Becker,

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00:01:17.879 --> 00:01:21.420
 aus Franz Josef Cernin, dem ersten Preisträger von 2003

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00:01:21.420 --> 00:01:26.079
 und dem Preisträger bzw. der Preisträgerin des vorangegangenen Jahres,

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00:01:26.540 --> 00:01:31.819
 dieses Mal also Liesl Uyveri. Ihnen, Thomas Eder, auch ein herzliches Willkommen. Schön,

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00:01:31.819 --> 00:01:41.719
 dass Sie hier sind im Stifterhaus. Und die Jury kann sich heute sozusagen zurücklehnen,

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00:01:41.799 --> 00:01:45.480
 die Arbeit ist getan. Thomas Eder wird jedoch ein paar Worte zu

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00:01:45.480 --> 00:01:51.359
 den PreisträgerInnen sagen und natürlich auch zu den Entscheidungen der Jury und eben die Juryentscheidung

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00:01:51.359 --> 00:01:57.980
 erläutern. Nun aber zu den PreisträgerInnen. Wir dürfen ganz herzlich den Preisträger des

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00:01:57.980 --> 00:02:04.280
 Förderpreises zum Heimrat Beckerpreis 2026 im Stifthaus begrüßen. Herzlich willkommen Matthias

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00:02:04.280 --> 00:02:08.319
 Müller und sozusagen gleich hinterher seinen Laudator Peter Waterhaus.

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00:02:08.419 --> 00:02:09.159
 Herzlich willkommen.

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00:02:14.960 --> 00:02:20.240
 Der neue Texte-Essepreis 2026 geht an Benedikt Ledebuer.

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00:02:20.360 --> 00:02:22.020
 Auch Ihnen ein herzliches Willkommen.

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00:02:29.120 --> 00:02:34.419
 Buhr auch Ihnen ein herzliches Willkommen. Und schließlich begrüßen wir den Laudator für die diesjährige Preisträgerin des Heimrath-Bäcker-Preises, ein bekanntes Gesicht im Stifterhaus, Florian Huber.

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00:02:34.580 --> 00:02:49.740
 Schön, dass Sie da sind. Und zum Abschluss freut es mich, Ihnen die Heimrat Becker Preisträgerin des Jahres 2026 vorzustellen, Anne Cotton, die selbstverständlich heute auch lesen wird.

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00:02:50.099 --> 00:02:54.060
 Ich darf Sie um einen herzlichen Willkommensapplaus bitten. Schön, dass Sie da sind, Anne Cotton.

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00:02:59.919 --> 00:03:07.520
 Ja, und nun übergebe ich mit der Aussicht auf äußerst interessante Laudationen und Lesungen im Zeichen Heimrat Beckers an Thomas Eder. Vielen Dank.

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00:03:15.099 --> 00:03:26.300
 Liebe Freundinnen, liebe Freunde, liebe Preisträgerinnen, herzlich willkommen auch von meiner Seite für die Jury und für die Interessengemeinschaft Heimrat Becker zu dieser Preisverleihung der Heimatbecker-Preise.

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00:03:26.800 --> 00:03:34.900
 In diesem Jahr, ja, der Heimatbecker-Preis ist ja ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Preis innerhalb der österreichischen Preislandschaft.

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00:03:34.900 --> 00:03:43.900
 Zum einen mal aufgrund der Großzügigkeit des Preisspenders und Preisstifters, nämlich der beiden Preisstifter und Preisspender,

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00:03:44.419 --> 00:03:44.780
 Preisspenders und Preisstifters, nämlich der beiden Preisstifter und Preisspender,

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00:03:50.879 --> 00:03:55.719
 Margret und Heimrath Becker, die den Erlös aus dem Verkauf des Vorlasses von Heimrath Becker damals und auch des Archivs der Edition Neue Texte und der Zeitschrift Neue Texte,

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00:03:55.740 --> 00:04:00.680
 diesen Verkaufserlös dafür gestiftet haben, dass dieser Preis am Leben bleiben kann.

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00:04:01.680 --> 00:04:05.939
 Wie uns auch die Idee von Heimrath Becker, das wird nach zwei, drei Preisen wird das

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00:04:05.939 --> 00:04:10.280
 Geld verbraucht sein oder vielleicht auch fünf Preisen. Hätten wir nicht sozusagen auch das Land

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00:04:10.280 --> 00:04:16.819
 Oberösterreich und das Ministerium und die Stadt Linz gewonnen, hier einzuspringen, dadurch ist es

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00:04:16.819 --> 00:04:22.279
 doch schon jetzt der 24. Preis, der verliehen wird und vielleicht können wir noch einmal 24 und dann

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00:04:22.279 --> 00:04:46.839
 noch einmal 24 und dann sind schon die Jüngeren unter Ihnen angehalten, sozusagen hier dann diesen Preis einmal zu übernehmen, auch in der Ausgestaltung. Damals war das Etikett experimentelle Literatur oder eben neue Texte im Sinne der Edition,

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00:04:46.980 --> 00:04:51.339
 neue Texte, wie Heimatbecker sie verlegt hat, vergeben werden soll.

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00:04:52.160 --> 00:04:57.819
 Das ist sozusagen die Herausforderung, die uns dann, glaube ich, als Jury und auch als mit Literatur Befasste immer trifft.

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00:04:57.819 --> 00:05:05.680
 Was heißt denn jetzt eigentlich, so einen Preis zu vergeben, wenn die Etiketten, die da zur Verfügung stehen,

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00:05:05.800 --> 00:05:10.660
 wie experimentelle Literatur, wie Avantgarde-Literatur, selbst unklarer werden

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00:05:10.660 --> 00:05:14.060
 und vielleicht auch einer weiteren Befragung bedürfen.

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00:05:14.620 --> 00:05:17.980
 Und so haben wir uns eigentlich in der Jury immer darauf verständigt,

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00:05:18.439 --> 00:05:22.660
 dass wir ästhetische Qualität als das Wichtige und Herausragende nehmen.

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00:05:23.120 --> 00:05:30.920
 Auch das natürlich sagt nicht sehr viel, aber es ist ein Prozedere, dass die Jury sich dann Texte, die sie vorher sich ausgesucht haben,

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00:05:30.920 --> 00:05:38.540
 ein Pool von Texten wechselseitig einander vorlesen und dann an den Texten versuchen

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00:05:38.540 --> 00:05:43.639
 zu entscheiden und an den Texten etwas herauszufinden und dann für die Preisfindung

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00:05:43.639 --> 00:05:45.519
 das zur Verfügung zu stellen.

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00:05:46.199 --> 00:05:51.180
 Die Arbeiten der Preistragenden, über die Sie von den Lobenden ausführlich hören werden,

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00:05:51.660 --> 00:05:55.699
 hängen, wie mir scheint, auf vielfache Weise auch mit der Arbeit Beckers zusammen,

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00:05:56.339 --> 00:06:01.220
 vor allem eben durch die ästhetische Qualität, über die Sie dann ja hören werden,

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00:06:01.339 --> 00:06:06.519
 aber auch vielleicht ein paar andere Linien, die ich nur in zwei Sätzen sagen will,

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00:06:07.100 --> 00:06:15.160
 nämlich diese Befassung Heimatbeckers mit dieser Frage danach, wie man mit der Literatur anderer,

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00:06:15.160 --> 00:06:27.019
 mit dem Material, fremdem Sprachmaterial umgehen kann und noch dazu nicht jetzt nur im Selbstzweck oder in der Ausstellung von literarischen Verfahren, sondern mit Blick

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00:06:27.019 --> 00:06:34.439
 auf das, worauf sich dieses Sprachmaterial bezogen hat. Das ist sozusagen die große Leistung der

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00:06:34.439 --> 00:06:40.819
 Nachschrift und dieses Nachschriftprojekt Heimatbeckers, der sich hier mit dem Material

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00:06:40.819 --> 00:06:52.500
 und der Literatur der Shoah, nämlich der Täter- und der Opfertexte, aber auch der Aufarbeitung in dokumentarischer Zitatliteratur auseinandergesetzt hat.

61
00:07:05.639 --> 00:07:06.199
 Werk des Förderpreisträgers oder in dem Buch des Förderpreisträgers Birnengasse der Titel,

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00:07:13.560 --> 00:07:19.120
 das mit Zitatweisen eine sehr ähnliche Ausrichtung, die aber dann doch in andere Richtung sich vom Gegenstand her ausdifferenziert, wie das bei Heimatbecker auch der Fall war und das anders

63
00:07:19.120 --> 00:07:48.000
 übernimmt. Ja, die Preise sind dotiert mit 9.000 Euro der Hauptpreis, 4.000 Euro der Förderpreis und seit 2016 gibt esudatio auf die Hauptpreisträger,

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00:07:48.660 --> 00:07:52.600
 auf die Bäckerpreisträgerin Anne Kortenhörn von Florian Huber

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00:07:52.600 --> 00:07:55.420
 und im Anschluss werden Benedikt Ledebuer und ich,

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00:07:55.500 --> 00:07:58.019
 also Benedikt Ledebuer, der Förderer, der ESSE-Preisträger,

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00:07:58.420 --> 00:08:01.019
 noch ein kurzes Gespräch führen.

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00:08:04.439 --> 00:08:09.319
 Matthias Müllers bedächtiges und beharrliches Werken und Wirken hat die

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00:08:09.319 --> 00:08:15.160
 Jury, also Liesl Uivary, Franz Josef Cianin und mich selbst, überzeugt und

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00:08:15.160 --> 00:08:20.680
 eingenommen. Wie könnte ein Buch aussehen, das nur aus Fremdmaterial besteht, hat

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00:08:20.680 --> 00:08:25.100
 sich Heimrath Becker eben gefragt und die Frage in seiner Nachschrift neben vielem

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00:08:25.100 --> 00:08:32.759
 anderen umkreist. Und eine ähnliche Frage, aber mit anderem Gegenstand, liegt vielleicht am Beginn

73
00:08:32.759 --> 00:08:40.399
 von Matthias Müllers Buch Birnengasse, wo er das Zitieren umkreist, selbst zitierend, nämlich

74
00:08:40.399 --> 00:08:50.559
 Zitate sind Zikaden und die Frage nach der Möglichkeit von Zitieren zugleich mit der Unmöglichkeit des wortwörtlichen Zitierens vermutet.

75
00:08:51.299 --> 00:08:58.620
 Und ich zitiere jetzt eben nicht, was Matthias Müller hier zum Unmöglichen des Nichtzitierens sagt,

76
00:08:58.820 --> 00:09:09.080
 sondern bitte Sie, dass Sie das vielleicht auch nachlesen. Sie haben die Möglichkeit, das nachzulesen. Ich meine aber, dass hier dieses nicht wortwörtliche Zitieren können

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00:09:09.080 --> 00:09:12.360
 und nicht wortwörtlich zitieren können prinzipiell

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00:09:12.360 --> 00:09:17.139
 eine sehr tiefe Einsicht auch ermöglicht

79
00:09:17.139 --> 00:09:20.559
 und vielleicht auch hier eine ganz andere Form

80
00:09:20.559 --> 00:09:28.639
 in Matthias Müllers Werk Buch Birnengasse einnimmt, als dies in der Nachschrift

81
00:09:28.639 --> 00:09:35.120
 Heimat Beckers war. Denn hat Becker das Sprachmaterial der Täter und der Opfer und der Aufarbeitung der

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00:09:35.120 --> 00:09:42.159
 Shoah durch seine dokumentierende Zitatpraxis mit Erkenntnisinteresse ausgestellt, so scheint mir

83
00:09:42.159 --> 00:09:46.539
 Matthias Müller in die Dichtung und in die Sätze anderer Dichterinnen

84
00:09:46.539 --> 00:09:53.700
 hineingehen zu wollen und sie vielleicht sich anschmiegend und überhaupt anschmiegend nachzumachen

85
00:09:53.700 --> 00:10:01.299
 oder nachzumalen und immer wieder ihnen nachzugehen. Die Laudatio und den Lobpreis auf Matthias Müller

86
00:10:01.299 --> 00:10:05.500
 wird Peter Worterhaus halten, der, wie ich meine, zu wissen,

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00:10:05.639 --> 00:10:10.700
 das Buch und sein Bestehen ebenso wie seinen Autor von Beginn an kennt.

88
00:10:11.539 --> 00:10:38.639
 Und ja, ich darf Peter Worte sagen darf zu diesem Buch,

89
00:10:39.440 --> 00:10:41.679
 Birnengasse und zu Matthias Müller.

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00:10:42.580 --> 00:11:19.860
 Ich habe mich über die Einladung gefreut. Nach Nase kommt immer ein Beistrich.

91
00:11:31.559 --> 00:11:34.779
 So beginnt eines der Prosa-Gedichte in Matthias Müllers Birnengasse.

92
00:11:39.120 --> 00:11:41.240
 Wer weiß, was ein Beistrich ist, sieht in dem kurzen Satz keinen.

93
00:11:43.679 --> 00:11:45.240
 Sieht in diesem Satz ebenso keine Nase.

94
00:11:49.360 --> 00:11:50.759
 Sieht man in diesem Satz das Kommen, dass irgendetwas kommt?

95
00:11:55.740 --> 00:11:56.840
 Oder weiß man es nicht mehr, vergisst es, was das Kommen ist?

96
00:11:59.279 --> 00:12:00.940
 In diesem Satz kommt kein Beistrich.

97
00:12:06.179 --> 00:12:07.159
 Beistriche, sind sie überhaupt fähig und in der Lage zu kommen? Wie kommen oder wie kämen Beistriche, sind sie überhaupt fähig und in der Lage zu kommen?

98
00:12:09.700 --> 00:12:10.480
 Wie kommen oder wie kämen Beistriche?

99
00:12:11.460 --> 00:12:12.440
 Wie tun sie das?

100
00:12:13.720 --> 00:12:15.360
 Oder tun sie es eben nicht?

101
00:12:16.139 --> 00:12:18.279
 Was tun sie?

102
00:12:21.539 --> 00:12:23.059
 Kann man aber Kommas und Kommata kommen hören?

103
00:12:26.139 --> 00:12:29.659
 Können die Kommas kommen, weil sie nicht Beistrich heißen und nichts streichen, nichts stricheln?

104
00:12:30.500 --> 00:12:31.679
 Sind sie Ankömmlinge?

105
00:12:32.539 --> 00:12:35.279
 Sind sie Ankömmlinge, weil sie so heißen?

106
00:12:36.679 --> 00:12:38.799
 Nach Nase kommt immer ein Beistrich,

107
00:12:38.799 --> 00:12:44.279
 wenn das Wort Komma oder Kommen oder Kommt dem Wort Nase folgt.

108
00:12:45.240 --> 00:12:47.820
 Nur in der Gegenwart, im Präsens kommt der Beistrich.

109
00:12:48.059 --> 00:12:50.919
 Nach Nase kam kein Beistrich.

110
00:12:52.580 --> 00:12:55.039
 In dem Satz muss man etwas vergessen.

111
00:12:55.940 --> 00:12:58.840
 Wer den Beistrich nicht vergessen kann, wird das Komma nicht finden.

112
00:13:00.539 --> 00:13:09.419
 Wer sich nicht mehr an den Beistrich erinnert, wird wissen oder verstehen, dass in diesem Satz nach der Nase der Beistrich kommt.

113
00:13:10.759 --> 00:13:16.799
 Immer kommt, immer dann kommt, wenn das Wort kommt nach der Nase geschrieben steht oder neben ihr.

114
00:13:17.679 --> 00:13:21.460
 Wer schon weiß, was ein Komma ist, sieht es in diesem Satz wahrscheinlich nicht.

115
00:13:21.700 --> 00:13:24.259
 Da steht keines, also ist da keines.

116
00:13:24.879 --> 00:13:28.159
 Aber da ist eines. Das Komma

117
00:13:28.159 --> 00:13:34.440
 kann nicht kommen, wenn wir wissen, was ein Komma ist, wenn wir wissen, dass es ein Beistrich ist.

118
00:13:35.399 --> 00:13:48.340
 Vielleicht ist die Literatur ein Komma, eine kommende, noch nicht da, trotz vieler, vieler Veröffentlichungen, sie kommt erst.

119
00:13:53.679 --> 00:13:54.980
 Um die vergessenen, unbekannten, die neuen Kommas zu finden, brauchen wir Hühner.

120
00:13:59.820 --> 00:14:02.700
 So kann man Matthias Müllers, jetzt komme ich schon mit dem Buchstaben durcheinander,

121
00:14:04.320 --> 00:14:08.799
 brauchen wir Hühner. So kann man Matthias Müllers Birnengasse verstehen.

122
00:14:09.840 --> 00:14:15.740
 Wir bedürfen solcher Hühner, die wir vergessen haben, an die wir wenig oder keine Erinnerung haben.

123
00:14:16.639 --> 00:14:18.759
 Wir brauchen Hühner, die wir nicht kennen.

124
00:14:20.419 --> 00:14:23.720
 Mit solchen Hühnern gelingt uns ein Ausgleich.

125
00:14:23.740 --> 00:14:24.860
 Mit solchen Hühnern gelingt uns ein Ausgleich.

126
00:14:32.820 --> 00:14:37.659
 Wir können das Gegebene und Verfügbare ausgleichen mit dem Nichtgegebenen und Unverfügbaren. Wir können mit dem Huhn das sogenannte Ungleichgewicht herstellen.

127
00:14:38.519 --> 00:14:41.179
 Wir können mit dem Huhn das Un finden.

128
00:14:41.620 --> 00:14:44.559
 Was für eine wunderbare Methode oder Hilfe.

129
00:14:48.559 --> 00:14:58.779
 Wir können den Huhnsinn finden, sogar die Unendlichkeit. Der Beistrich, der nach Nase kommt, ist wahrscheinlich ein Huhn, ein Hühnervogel, etwas

130
00:14:58.779 --> 00:15:06.799
 nicht recht fliegendes, aber startklar. Es stellt das wichtige Ungleichgewicht in der Welt wieder her.

131
00:15:07.519 --> 00:15:12.860
 Wahrscheinlich ist das Huhn wichtiger als das Gewicht der Welt, nämlich unwichtiger.

132
00:15:13.980 --> 00:15:18.620
 Matthias Müller jedenfalls bittet uns, Huhn suchen zu gehen.

133
00:15:19.059 --> 00:15:20.740
 Uns? Wir?

134
00:15:23.379 --> 00:15:27.740
 Wer versucht hat, eines Huhns habhaft zu werden, weiß es.

135
00:15:28.779 --> 00:15:30.340
 Hühner lassen sich nicht fangen.

136
00:15:31.299 --> 00:15:35.139
 Sie können, weil ihre Flügel klein sind, nicht recht fliegen,

137
00:15:36.320 --> 00:15:38.480
 nicht in die Luft, in den Himmel flüchten.

138
00:15:39.480 --> 00:15:42.299
 Was tun die Hühner also dagegen, gefangen zu werden?

139
00:15:44.320 --> 00:15:47.320
 Es scheint, dass sie dort, wo sie gerade hocken,

140
00:15:47.899 --> 00:15:53.679
 einbeinig stehen oder zweinbeinig und wo man nach ihnen die Arme und Hände ausstreckt,

141
00:15:54.100 --> 00:15:59.720
 gar nicht mehr sind. Startklar gewesen und plötzlich anderswo sind, links oder rechts von

142
00:15:59.720 --> 00:16:09.700
 sich oder hinter sich sind, neben sich, nicht weit weg. Aber dort nicht, wohin die Hände gestreckt sind, wohin der Blick geht.

143
00:16:10.779 --> 00:16:12.059
 Das Huhn ist anderswo.

144
00:16:13.159 --> 00:16:17.720
 Es verhält sich beinahe wie die Wahrheit, wie Michel Foucault sie beschrieben hat

145
00:16:17.720 --> 00:16:30.620
 in seiner Vorlesung über Hühner, die ich in Los Angeles am Davidson Conference Center der University of Southern California im Oktober 1981 gehört habe.

146
00:16:31.379 --> 00:16:37.700
 Spuren der Los Angelina Vorlesung sind nachzulesen in Der Mut zur Wahrheit,

147
00:16:38.379 --> 00:16:47.259
 am Ende seiner allerletzten Vorlesung, gehalten am Collège de France 1984. In der Übersetzung von Jürgen Schröder sagt er,

148
00:16:49.259 --> 00:16:58.519
 aber was ich zum Abschluss hervorheben möchte, ist Folgendes. Es gibt keine Einsetzung der Wahrheit

149
00:16:58.519 --> 00:17:06.700
 ohne eine wesentliche Setzung der Andersheit. Die Wahrheit ist niemals dasselbe.

150
00:17:08.759 --> 00:17:12.079
 Clifford Gertz hat dann Foucault so beschrieben,

151
00:17:12.079 --> 00:17:15.559
 He has become a kind of impossible object,

152
00:17:16.539 --> 00:17:21.319
 a non-historical historian, an anti-humanistic human scientist.

153
00:17:22.359 --> 00:17:28.480
 He is what any French savant seems to need to be these days,

154
00:17:29.259 --> 00:17:37.039
 elusive, a hoon, as readers in Austria and Germany would say. Time magazine,

155
00:17:37.180 --> 00:17:45.579
 zitierte damals Foucault, der gesagt haben soll, do not ask me who or hoon I am and do not ask me who or who I am and do not ask me to remain the same.

156
00:17:46.359 --> 00:17:49.700
 Leave it to our police to see that our papers are in order.

157
00:17:50.420 --> 00:17:51.779
 Alles in Ordnung.

158
00:17:54.019 --> 00:17:57.579
 Auch in der Birnengasse ist die Rede von einer Setzung.

159
00:17:58.259 --> 00:18:01.880
 Was sich in der Gasse setzt, ist ein Huhn,

160
00:18:01.880 --> 00:18:05.259
 von welchem man auch sagen könnte, dass es nicht dasselbe ist,

161
00:18:06.099 --> 00:18:12.200
 dass es sich im Abstand vom Selben setzt, dass es nicht bei sich selbst hocken bleibt.

162
00:18:12.960 --> 00:18:15.900
 Beschrieben wird das so in der Birnengasse.

163
00:18:16.539 --> 00:18:25.440
 Als es Abend wurde, standen wir auf und bemerkten, dass sich ein Huhn zwischen uns gesetzt hatte.

164
00:18:27.099 --> 00:18:29.779
 Die zwei Sitzenden haben es zuvor nicht bemerkt.

165
00:18:30.140 --> 00:18:37.119
 Sie stehen auf, da erst bemerken sie das Huhn, bemerken sie, dass es zwischen ihnen war.

166
00:18:38.279 --> 00:18:43.279
 Als es noch zwischen den Zweien war, haben sie das Huhn nicht bemerkt, nicht gesehen.

167
00:18:44.559 --> 00:18:47.619
 Es war wie nicht da, es war wie ein Huhn, es war wie ein Un.

168
00:18:48.579 --> 00:18:51.720
 Es war nicht selbes, es war vielleicht die Wahrheit.

169
00:18:52.180 --> 00:18:56.599
 Die zwei stehen, als es Abend wird, bemerken spät etwas,

170
00:18:56.599 --> 00:19:01.299
 das sie Huhn nennen und für die Wahrheit halten dürfen.

171
00:19:02.259 --> 00:19:08.680
 Das Huhn beobachtet mit halb offenen Augen die Bewegung der zwei. Nähern sie sich ihm,

172
00:19:08.680 --> 00:19:16.119
 bereitet es sich auf Flucht oder Verschwinden vor, also auf den Schutz der Wahrheit, die Bewahrung

173
00:19:16.119 --> 00:19:28.200
 der Wahrheit. Die zwei lernen schnell, dass Abstand eingehalten werden soll. So kann das Huhn wahr bleiben und anders. Nach Nase kommt immer ein

174
00:19:28.200 --> 00:19:37.660
 Beistrich. Erst nur einer, später vielleicht wieder einer. So genau weiß niemand, wie das vor sich geht.

175
00:19:38.420 --> 00:19:45.039
 Aber ein Beistrich ist ja immer etwas sehr Verbindendes.

176
00:19:47.680 --> 00:19:48.619
 Warum ist ein Beistrich etwas Verbindendes?

177
00:19:52.119 --> 00:19:52.859
 Gilt er nicht als Einschnitt, als Trennungszeichen?

178
00:19:56.099 --> 00:19:56.599
 Die Grundbedeutung des griechischen Wortes ist schneiden.

179
00:19:59.000 --> 00:19:59.160
 In der Birnengasse schneidet der Beistrich nicht.

180
00:20:00.579 --> 00:20:01.180
 Er wird gesetzt wie ein Huhn.

181
00:20:03.279 --> 00:20:04.319
 Er ist eingesetzt in den Satz.

182
00:20:08.259 --> 00:20:09.519
 Aber ein Beistrich ist ja immer etwas sehr Verbindendes.

183
00:20:16.819 --> 00:20:27.740
 Er sitzt und verbindet hier mitten in dem Wort, mitten in Verbindendes. Zwischen der vorletzten und der letzten Silbe ist ein Strich. Und er trennt die zwei Silben nicht. Obgleich die zwei Silben in zwei verschiedenen Zeilen stehen, sind sie verbunden.

184
00:20:28.940 --> 00:20:30.319
 Es verbindet sie der Strich.

185
00:20:30.619 --> 00:20:33.779
 Er ist jenes etwas immer sehr Verbindendes.

186
00:20:35.200 --> 00:20:37.339
 Wir können vergessen lernen, was ein Komma ist.

187
00:20:38.339 --> 00:20:40.099
 Und können lernen, was ein Komma ist.

188
00:20:40.960 --> 00:20:44.740
 Wir können in der Birnengasse lernen, was das andere ist.

189
00:20:44.740 --> 00:20:45.240
 Die ganze Birnengasse lernen, was das andere ist.

190
00:20:48.420 --> 00:20:49.160
 Die ganze Birnengasse ist nicht dasselbe, das wir kennen.

191
00:20:53.119 --> 00:20:54.259
 Sie ist keine Birne, keine Birnen und keine Gasse.

192
00:21:00.200 --> 00:21:11.480
 Sie ist vielleicht keine Birne, weil sie keine Bir und sagst, schau, schau, aber dein bloßer Finger hinterlässt keine Spuren.

193
00:21:12.519 --> 00:21:16.559
 Das ist eine Berührung, die noch lange danach zu spüren ist.

194
00:21:18.940 --> 00:21:28.740
 Ist da nichts zu spüren? Ist ein Huhn zu spüren, entwischt da etwas und will nicht dasselbe sein, nicht das mit sich

195
00:21:28.740 --> 00:21:45.180
 Identische. Du und der Finger zeigen auf die und die Dinge. Wie zeigen sie auf die? Zeigen sie auf die, ohne die zu zeigen. Zeigen Sie tatsächlich nichts.

196
00:21:45.359 --> 00:21:51.779
 Zeigen Sie nur in eine Richtung, auf etwas, zu etwas, nach etwas hin.

197
00:21:52.759 --> 00:21:55.460
 Gibt es nichts zu zeigen? Ist da nichts?

198
00:21:55.460 --> 00:21:59.359
 Läuft da das Unhuhn? Ist das der Huhnsinn?

199
00:22:01.279 --> 00:22:04.240
 Aber dein großer Finger hinterlässt keine Spuren.

200
00:22:06.099 --> 00:22:09.240
 Das ist eine Berührung, die noch lange danach zu spüren ist.

201
00:22:10.480 --> 00:22:13.599
 Keine Spuren, aber spüren.

202
00:22:14.579 --> 00:22:19.480
 Was ist das, das berührt wird und lange danach noch zu spüren ist?

203
00:22:20.779 --> 00:22:24.700
 Kein das, kein dasselbe.

204
00:22:30.279 --> 00:22:33.359
 Kein das, kein dasselbe. Wie bezeichnet man das, das nicht dasselbe ist?

205
00:22:46.900 --> 00:22:49.220
 Finger sind Sterndeuter, dazu sind ja Zeigefinger da. Du kratzt mich an meiner Nase und bei jedem Niesen beglschst du mich, eine so schöne Stelle gefunden zu haben.

206
00:22:58.839 --> 00:23:10.759
 Hier können wir zuschauen, wie der Nebensinn oder Huhnsinn gefunden wird, die Nebenstelle und dass es den anderen Sinn gibt. Die Sterndeuter, sie deuten, interpretieren Sternkonstellationen am Himmel, sie lesen in den

207
00:23:10.759 --> 00:23:18.779
 Konstellationen die Gegenwart oder die Welt oder sagen Zukunftiges voraus. Während sie im Himmel

208
00:23:18.779 --> 00:23:27.680
 lesen, während sie Konstellationen dort deuten, übersehen sie etwas. Man könnte sagen, sie sehen nichts vor der Nase.

209
00:23:28.640 --> 00:23:35.480
 Im und am Himmel lesen sie die Konstellationen vor und neben der Nase sehen sie das Unhimmlische nicht,

210
00:23:36.279 --> 00:23:46.160
 sehen sie den Nebenstern nicht, sehen sie die Stelle nicht. Zu sehr mit Bedeutung beschäftigt, sehen sie die Stelle nicht und Lestelle nicht.

211
00:23:47.460 --> 00:23:51.259
 Du kratzt mich an meiner Nase und bei jedem Niesenbeglück wünschst du mich,

212
00:23:51.400 --> 00:23:54.720
 eine so schöne Stelle gefunden zu haben.

213
00:23:55.640 --> 00:23:58.059
 Diese Stelle, queste Stelle.

214
00:23:59.000 --> 00:24:00.599
 Die Sterndeuter sehen sie nicht.

215
00:24:01.839 --> 00:24:02.500
 Warum nicht?

216
00:24:03.799 --> 00:24:10.700
 Es gibt zweierlei Sterndeuter. Die einen deuten die Sterne, zeigen sie. Die anderen

217
00:24:10.700 --> 00:24:21.099
 deuten auf sie, zeigen mit dem Zeigefinger auf sie, zeigen sie aber nicht. Sie finden keine Anschauung,

218
00:24:22.019 --> 00:24:27.359
 keine Weltanschauung. Sie können etwas anschauen ohne Anschauung. Sie können eine

219
00:24:27.359 --> 00:24:34.000
 Birne anschauen und keine Birnenanschauung haben. Aber wer die Sterne, die Birnen, die Nase oder die

220
00:24:34.000 --> 00:24:47.640
 Welt ohne Anschauung anschaut, sieht vielleicht viel Unbekanntes. Also was? Welche Stelle? Stelle? Welche Sterne?

221
00:24:50.059 --> 00:24:57.759
 Im Rahmen einer Verleihung des Heimrat-Bäcker-Preises liegt wahrscheinlich auch LTI,

222
00:24:58.960 --> 00:25:08.619
 das Buch von Viktor Klemperer, Lingua Terzi Imperi, Sprache des Dritten Reichs. Das zwölfte Kapitel handelt von der

223
00:25:08.619 --> 00:25:16.119
 Weltanschauung und von der zufälligen Lektüre in einem der Judenhäuser Dresdens, in die zu

224
00:25:16.119 --> 00:25:28.480
 übersiedeln jüdische Dresdner Bürger gezwungen wurden, dem Haus in der Josefstraße 15b, auf der Grundlage des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden gezwungen,

225
00:25:29.519 --> 00:25:39.680
 erlassen am 30. April 1939. Nach einer Weisung von Hermann Göring im September 1939 für die

226
00:25:39.680 --> 00:25:45.980
 Unterbringung in Judenhäusern zu sorgen, wurden in Dresden zunächst 37 dazu gemacht.

227
00:25:47.460 --> 00:25:52.839
 Die Familie Klemperer lebte in mehreren solcher Judenhäuser seit 1940.

228
00:25:54.720 --> 00:26:00.500
 1944 fällt Viktor Klemperer ein Buch in die Hände und wird zur Zufallslektüre.

229
00:26:01.359 --> 00:26:03.920
 Arthur Schnitzlers Weg ins Freie.

230
00:26:14.099 --> 00:26:29.099
 Artur Schnitzlers Weg ins Freie. Eine scheinbare Nebenbemerkung zieht seine Aufmerksamkeit auf sich, das Wort Weltanschauung sei logischerweise der Wille und die Fähigkeit, die Welt wirklich zu sehen,

231
00:26:29.519 --> 00:26:33.279
 ohne durch eine vorgefasste Meinung beirrt zu sein.

232
00:26:35.619 --> 00:26:39.900
 Klemperer anerkennt diese logische Bedeutung der Weltanschauung,

233
00:26:39.900 --> 00:26:49.099
 nämlich den Begriff Anschauen unmystisch, uns als richtiges Sehen des Vorhandenen aufzufassen

234
00:26:49.099 --> 00:26:53.759
 und unterscheidet die unlogische Bedeutung der Weltanschauung,

235
00:26:54.140 --> 00:27:02.359
 welche anschaut, deutet, meint, zeigen will, ohne zu sehen, die Bedeutung liest, ohne zu lesen.

236
00:27:08.680 --> 00:27:17.059
 Bedeutung liest, ohne zu lesen. Klemperer sieht, dass Weltanschauung zum, wie er sagt, Pfeilerwort der LTI geworden ist. Noch der bildungsloseste spreche bei allerlei Gelegenheiten von seiner

237
00:27:17.059 --> 00:27:27.359
 Weltanschauung. Er entdeckt das Wort sogar in den Statuten der DAF. Denn in den Satzungen der Deutschen Arbeitsfront, der DAF,

238
00:27:27.460 --> 00:27:29.900
 die mir einmal in der Fabrik vor die Augen kamen,

239
00:27:29.900 --> 00:27:33.940
 in diesem Statut einer Organisation aller Schaffenden,

240
00:27:34.579 --> 00:27:38.859
 war ausdrücklich nicht von Versicherungsprämien die Rede,

241
00:27:39.819 --> 00:27:45.180
 sondern von Beiträgen zu einer weltanschaulichen Gemeinschaft.

242
00:27:48.299 --> 00:27:54.079
 Die Zeigefinger in der Birnengasse bilden keine weltanschauliche Gemeinschaft.

243
00:27:54.839 --> 00:27:58.299
 Sie sind Sterndeuter, die die Sterne nicht deuten.

244
00:27:58.299 --> 00:28:03.400
 Sie zeigen die Sterne nicht, finden aber die schöne Stelle

245
00:28:03.400 --> 00:28:09.319
 und ganz im Nebensinn oder im Unsinn die schönen Sterne. Sie

246
00:28:09.319 --> 00:28:17.400
 zeigen auf die Sterne ohne Schau und Show. Bald nach der Schnitzerlektüre findet Viktor Klemperer

247
00:28:17.400 --> 00:28:25.759
 irgendwo im Haus Josef Goebbels zuerst 1934 und danach mehrmals veröffentlichte Sammlung von Tagebucheintragungen

248
00:28:25.759 --> 00:28:30.579
 vom Kaiserhof zur Reichskanzlei und liest sie.

249
00:28:31.819 --> 00:28:35.880
 Am 27. Februar 1933 notiert Goebbels,

250
00:28:36.720 --> 00:28:41.680
 die große Propagandaaktion zum Tage der Erwachenden Nation

251
00:28:41.680 --> 00:28:48.500
 ist nun in allen Einzelheiten festgesetzt. Sie wird wie eine herrliche Schau in

252
00:28:48.500 --> 00:28:58.220
 ganz Deutschland abrollen. Ganz Deutschland, das ist wohl ein gedeutetes Land, welches niemand sehen

253
00:28:58.220 --> 00:29:05.619
 kann und in welchem niemand sehen soll. Die Birnengasse gibt es gewiss in keinem Land.

254
00:29:06.359 --> 00:29:09.319
 Keiner kann sie deuten, sie ist wahrscheinlich keine Gasse

255
00:29:09.319 --> 00:29:12.160
 und die Birnen sind keine Birnen,

256
00:29:12.160 --> 00:29:18.079
 aber dieses schöne Buch kann auf sie zeigen und auf Sterne.

257
00:29:19.539 --> 00:29:22.519
 Am Ende der kleinen Prosa von der Nase,

258
00:29:22.740 --> 00:29:25.400
 dem Beistrich und dem Deuten steht,

259
00:29:26.799 --> 00:29:29.980
 ein Schmettern wird hier zum Schmetterling.

260
00:29:31.019 --> 00:29:34.480
 Ein Schmettern wird hier zu einem Schmetterling.

261
00:29:35.859 --> 00:29:42.640
 Wenn dem so ist, dann wissen wir an diesem Ende weder, was ein Schmettern ist,

262
00:29:42.940 --> 00:29:45.680
 noch was ein Schmetterling ist,

263
00:29:48.440 --> 00:29:49.319
 aber erkennen, wie das eine zum anderen wird.

264
00:29:54.680 --> 00:29:55.819
 Vielleicht kann man sagen, das Schmettern deutet den Schmetterling nicht,

265
00:29:57.480 --> 00:29:58.819
 aber es deutet auf ihn hin.

266
00:30:02.579 --> 00:30:08.920
 Es zeigt ihn nicht, kann aber auf ihn zeigen. Wer auf Schmetterlinge zeigt, führt eine Schmetterlingsshow auf, ohne sie zu zeigen.

267
00:30:09.740 --> 00:30:13.380
 Wer auf einen Schmetterling zeigt, ist wahrscheinlich selbst ein Schmetterling.

268
00:30:16.059 --> 00:30:22.000
 In Kapitel 2 finden wir wieder eine Nase, auf die das Wort kommt folgt.

269
00:30:23.500 --> 00:30:25.980
 Nase kommt von nasal.

270
00:30:27.339 --> 00:30:31.599
 Wenn die Nase zu ist, merken wir erst, dass es sie gibt.

271
00:30:32.559 --> 00:30:37.579
 Nasal wiederum leitet sich von naval, navus ab.

272
00:30:38.480 --> 00:30:39.259
 Na sowas.

273
00:30:40.319 --> 00:30:43.720
 Also von Schiff und Navigation.

274
00:30:44.500 --> 00:30:47.099
 Das bedeutet immer der Nase nach.

275
00:30:50.180 --> 00:30:55.940
 Spätestens an dieser Stelle bemerken wir, dass die Birnengasse eine Straße oder ein Etwas ist,

276
00:30:56.039 --> 00:31:00.460
 das irgendwo hin will zu den Sternen und Stellen wahrscheinlich.

277
00:31:00.779 --> 00:31:08.799
 Ist sie eine Stellengasse, mit gelben Stellen, hanget und voll mit wilden Müllern und Rosen das Land in den Bodensee.

278
00:31:09.519 --> 00:31:13.880
 Ist die Birnengasse ein Weg zum See und zum Sehen und zum Birnendeuten?

279
00:31:15.059 --> 00:31:18.900
 Leitet die Gasse ab? Leitet sie von der Gasse ab?

280
00:31:18.900 --> 00:31:20.900
 Nase kommt von nasal.

281
00:31:22.519 --> 00:31:27.259
 Wer das liest, weiß fast nicht mehr, was hier was ist und wie das Kommen kommt.

282
00:31:28.220 --> 00:31:31.940
 Kann eine Nase kommen, wenn nach ihr immer der Beistrich kommt?

283
00:31:33.240 --> 00:31:36.099
 Nasal leitet sich von naval ab.

284
00:31:36.839 --> 00:31:38.799
 Ja, das ist richtig.

285
00:31:39.619 --> 00:31:46.119
 Durch Ab- und Umleitung, Wegleitung, Weggehen kommt nasal von naval.

286
00:31:46.880 --> 00:31:49.160
 Nasal ist ein Abkömmling von naval.

287
00:31:49.900 --> 00:31:52.880
 Vielleicht ist das Buch Seite für Seite ein Abkommen.

288
00:31:54.779 --> 00:31:57.259
 Nasal leitet sich von navus ab.

289
00:31:58.000 --> 00:32:01.299
 Ja, das ist richtig, die Richtung stimmt.

290
00:32:01.960 --> 00:32:04.140
 Die Nase fährt von navus weg.

291
00:32:04.819 --> 00:32:07.039
 Die Nase ist ein Schiff, das wegsegelt.

292
00:32:07.660 --> 00:32:11.339
 Die Nase kann navigieren ohne Kompass und mit nah sowas.

293
00:32:12.839 --> 00:32:17.559
 Die Birnengasse hat in sich eine Richtung, in die der Kompass nicht zeigen kann.

294
00:32:18.839 --> 00:32:30.960
 Die Birnen können in sie zeigen. Schöne birnenförmige Zeiger. Man kann den Birnen nachgehen. Den Birnen nach. Es bedeutet,

295
00:32:31.099 --> 00:32:40.359
 wenn man ein Sterndeuter in Müllers Sinn ist, der Nase nach. Birnen sehen aus wie birnenförmige Nasen.

296
00:32:41.599 --> 00:32:45.579
 Ich meine mich zu erinnern, dass die Birnengasse früher Bienengasse hieß.

297
00:32:47.099 --> 00:32:49.079
 Birnen kommen nach Bienen.

298
00:32:49.980 --> 00:32:54.099
 Ja, logisch, richtige Reihenfolge, sagt die Biologin und sagt der Imker.

299
00:32:55.440 --> 00:33:00.539
 Es gibt also keinen Nabel der Welt und die Birnen kann niemand zeigen.

300
00:33:02.019 --> 00:33:04.359
 Kannst du mir einen Birnenbaum zeigen?

301
00:33:15.160 --> 00:33:21.420
 Nein. War Huhn ein Wort oder eine Silbe? Es ließ sich schwer fangen wie ein Verb. Es konnte verschwinden wie ein Substantiv, aber eine

302
00:33:21.420 --> 00:33:28.440
 Erinnerung, eine Wärme oder eine Feder blieb zurück. Ein Adjektiv, weil es gern verdutzt war.

303
00:33:29.779 --> 00:33:32.940
 Eine richtungsanzeigende Präposition.

304
00:33:34.740 --> 00:33:40.039
 Ging es einem Wort voraus, öffnete es neue Möglichkeiten.

305
00:33:41.180 --> 00:33:46.279
 Nicht mehr Sinn, sondern Huhnsinn, auch weil es andere Augen hatte.

306
00:33:47.180 --> 00:33:52.220
 Aus dem Gleichgewicht ins Ungleichgewicht geraten.

307
00:33:53.079 --> 00:33:56.599
 Nicht endlich, sondern unendlich.

308
00:33:58.299 --> 00:34:02.460
 Ja, also ich könnte da noch einiges sagen, glaube ich.

309
00:34:02.460 --> 00:34:05.059
 noch einiges sagen, glaube ich.

310
00:34:07.640 --> 00:34:11.679
 Aber vorerst nur herzlichen Glückwunsch an Matthias Müller und herzlichen Glückwunsch an die Jury

311
00:34:11.679 --> 00:34:46.659
 für die gute Entscheidung. Applaus Ich sage auch nochmal vielen, vielen Dank für den Preis

312
00:34:46.659 --> 00:34:51.059
 und nochmal vielen Dank an Peter für die schöne Laudatio.

313
00:34:52.519 --> 00:34:55.280
 Ich werde jetzt nicht aus der Birnenkasse lesen.

314
00:34:56.119 --> 00:34:57.400
 Das tut mir fast ein bisschen leid.

315
00:34:59.699 --> 00:35:05.039
 Sondern aus einem neuen Text, der aber glücklicherweise unfertig ist.

316
00:35:09.000 --> 00:35:15.780
 Und ich werde aus dem ersten Abschnitt lesen und aus dem letzten Abschnitt lesen,

317
00:35:15.780 --> 00:35:28.159
 mit der Hoffnung, dass ich es ein bisschen schaffe, die Struktur, vielleicht die Symmetrie und die Ordnung von diesem Text

318
00:35:28.159 --> 00:35:31.679
 vielleicht ein bisschen sichtbarer zu machen.

319
00:35:32.519 --> 00:35:34.639
 Und das Henne liegt nur da, dass ich nicht zu lange lese,

320
00:35:34.639 --> 00:35:38.599
 also dass ich vielleicht auch fertig werde.

321
00:35:41.519 --> 00:35:47.119
 Und der Text heißt gerade, ein Haus ist kein Baum.

322
00:35:50.599 --> 00:35:51.739
 Prolog.

323
00:35:52.960 --> 00:35:54.039
 Erstens.

324
00:35:55.780 --> 00:35:58.639
 Ein Haus teilt sich auf in Abschnitte.

325
00:35:59.539 --> 00:36:08.480
 In Stockwerke und Halbstöcke, zum Beispiel in Dachgeschoss, Mezzanin, Hochparterre, Parterre, Souterrain.

326
00:36:10.119 --> 00:36:13.820
 Auf allem liegt etwas Licht, im Licht liegt etwas Staub.

327
00:36:15.400 --> 00:36:21.659
 Ein Haus verzweigt sich weiter in Wohnungen, bewohnte oder unbewohnte,

328
00:36:22.360 --> 00:36:28.119
 verfallene oder vergessene, leere oder in ihrer Verlassenheit völlig verlassene Wohnungen.

329
00:36:29.539 --> 00:36:33.099
 Als wäre das Verzweigen ein Aufbäumen gegen den Zerfall.

330
00:36:34.099 --> 00:36:36.300
 Als müsste nicht alles zerfallen in Stücke,

331
00:36:37.139 --> 00:36:39.300
 als würde nicht alles zerfallen zu Staub,

332
00:36:40.039 --> 00:36:42.280
 als würde nicht alles zerfallen zu Licht.

333
00:36:42.920 --> 00:36:44.960
 Ein Haus wurzelt.

334
00:36:51.039 --> 00:36:55.039
 Zweitens, aber ein Haus ist kein Baum, sagte U.

335
00:37:10.699 --> 00:37:15.320
 Abschnitt 1, Kapitel 2 1. Ein Haus ist ein Haus.

336
00:37:16.400 --> 00:37:27.539
 2. Ein Haus ist ein Haus, ist ein Kapitel 3. Erstens, hier ist kein Ort,

337
00:37:28.679 --> 00:37:31.440
 keine Ferne und Nähe, keine Tiefe.

338
00:37:32.260 --> 00:37:35.619
 Weiter, kein Licht und kein Licht,

339
00:37:35.900 --> 00:37:37.500
 das mit Licht verwechselt werden könnte.

340
00:37:38.500 --> 00:37:41.179
 Nur die Abwesenheit der Körper erinnert an,

341
00:37:41.179 --> 00:38:05.019
 zweitens, die lebenden Körper, die toten Körper, die leblosen Körper, die verlorenen Körper, Erinnert an 2. Die Körper, die ihre Augen nicht schließen können, die scheinbar lichtlosen Körper, die niemandem gehören.

342
00:38:05.760 --> 00:38:11.900
 Licht und Stille fallen zusammen im Traum des Körpers, der träumt, mitten im Flug.

343
00:38:16.019 --> 00:38:24.000
 Drittens. Der Himmel ist eingeteilt und darunter scheint die Sonne und die Menschen müssen sterben.

344
00:38:25.179 --> 00:38:27.260
 Was ist mehr oder weniger als das?

345
00:38:28.679 --> 00:38:29.460
 Nichts geschieht.

346
00:38:30.619 --> 00:38:32.000
 Nichts fällt zusammen.

347
00:38:33.280 --> 00:38:34.420
 Alles ist an seinem Platz.

348
00:38:35.360 --> 00:38:37.519
 Geordnet, ungeordnet.

349
00:38:38.960 --> 00:38:59.420
 Die Wörter und Dinge berühren sich fast nicht.

350
00:39:00.539 --> 00:39:06.260
 Kapitel 6 1. Ein Haus ist eine Ausweglosigkeit.

351
00:39:09.260 --> 00:39:13.940
 2. Häuser werden zuerst nach unten gebaut.

352
00:39:14.800 --> 00:39:17.780
 Das ist noch immer zu spüren, wenn ein Haus betreten wird.

353
00:39:18.519 --> 00:39:21.900
 Jeder Schritt in ein Haus hinein ist zuerst ein Schritt hinunter.

354
00:39:22.699 --> 00:39:24.320
 Ein Abhang, ein Abgrund.

355
00:39:25.139 --> 00:39:27.340
 Es ist viel zu leicht, in ein Haus zu geraten.

356
00:39:28.840 --> 00:39:29.280
 Drittens.

357
00:39:30.960 --> 00:39:33.360
 Jedes Haus ist vielleicht tiefer, als es hoch ist.

358
00:39:34.219 --> 00:39:38.559
 Aber es ist nicht hoch genug, als dass es unmöglich wäre, darüber zu sprechen.

359
00:39:39.559 --> 00:39:47.559
 Jedes Stockwerk teilt sich nochmals auf in Wohnungen, Räume, Zimmer, Zimmer in Zimmer in die Türen führen

360
00:39:47.559 --> 00:39:53.820
 und jede Trennung, jedes Teilen und Verzweigen vergrößert die Oberfläche im Inneren eines Hauses,

361
00:39:54.440 --> 00:39:58.599
 bis das Außen nur noch ein verschwindend kleiner Teil des Inneren geworden ist.

362
00:40:01.500 --> 00:40:14.219
 Viertens. Am besten ist es also, bei der Beschreibung eines Hauses von Anfang an den Ausweg, die Eingangstür und das Fenster darüber durch das Lichtfeld nicht aus den Augen zu verlieren.

363
00:40:15.219 --> 00:40:26.679
 Am Anfang mit dem Ende beginnen und dem Verlauf der Treppen nicht aufs Geratewohl zu folgen, den leichteren Ausstiegen und Ausgängen misstrauen, sich nicht auf Ausgänge verlassen.

364
00:40:27.980 --> 00:40:31.500
 Fünftens. Auch nicht, wenn die Eingangstür offen steht.

365
00:40:32.219 --> 00:40:35.800
 Auch nicht, wenn über der Eingangstür ein Glasfenster angebracht ist,

366
00:40:36.199 --> 00:40:38.820
 durch das unter Tags noch Tageslicht hereinfällt,

367
00:40:39.280 --> 00:40:42.460
 das nicht mit dem Licht der Lampen im Stiegenhaus verwechselt werden kann.

368
00:40:43.159 --> 00:40:50.900
 Auch nicht, wenn das Licht der Lampen im Stiegenhaus schwach und das Tageslicht unter Tage im Sommer so stark ist, dass das Licht nicht mit

369
00:40:50.900 --> 00:40:58.820
 Licht verwechselt werden kann. Sechstens, auch nicht im Winter, wenn das Licht der Sonne nicht

370
00:40:58.820 --> 00:41:05.820
 brennt und das Licht der Lampe im Stiegenhaus so stark ist, dass Licht mit Licht nicht verwechselt werden kann.

371
00:41:06.619 --> 00:41:13.440
 Auch nicht, wenn das Licht nicht brennt und die unteren Stockwerke nur von dem Fenster über der

372
00:41:13.440 --> 00:41:18.900
 Eingangstür beleuchtet werden, während die oberen Stockwerke im Dunklen liegen. Auch nicht, wenn das

373
00:41:18.900 --> 00:41:25.960
 Licht brennt und die unteren Stockwerke im Dunklen liegen, während die oberen Stockwerke nicht brennen. Auch nicht,

374
00:41:26.039 --> 00:41:32.599
 wenn über das Geländer gelehnt mehr Sonne sichtbar ist als draußen. Auch nicht, wenn von unten nach

375
00:41:32.599 --> 00:41:41.000
 oben im Stiegenhaus betrachtet die Sonne nicht immer von außen scheint. Siebtens. Aber natürlich

376
00:41:41.000 --> 00:41:46.920
 wird im Sommer unter Tage das Licht im Stiegenhaus nicht eingeschaltet und Licht kann nicht mit Licht verwechselt werden.

377
00:41:47.739 --> 00:41:54.619
 Aber natürlich wird im Winter in der Nacht das Licht im Stiegenhaus nur eingeschaltet werden, wenn draußen die Sonne nicht brennt.

378
00:41:56.719 --> 00:42:06.260
 Achtens. Ob die Sonne brennt oder nicht, das Licht an der untersten Stufe des Stiegenhauses zum Erliegen kommt, jeder Schritt nach unten führt.

379
00:42:06.980 --> 00:42:13.239
 Das Haus ist ein Haus, das sich in unendlich viele Hüllen und Hüllen in Hülsen teilt, getrennt und verbunden

380
00:42:13.239 --> 00:42:17.519
 und damit die Oberfläche im Inneren des Hauses unendlich vergrößert.

381
00:42:18.599 --> 00:42:31.019
 Neuntens, zwei Zimmer, drei Räume, fünf Stockwerke, sieben brennende Sonnen, elf Fenster, die nicht nach draußen führen, 13 Personen, die darin wohnen.

382
00:42:32.679 --> 00:42:36.900
 Zehntens. Zwei Zeiten ohne Gleichzeitigkeit.

383
00:42:37.599 --> 00:42:51.400
 Drei Zimmer, die ins Zimmer führen und durch fünf Türen miteinander verbunden sind, sieben Sonnen, die nicht brennen, elf Fenster, durch die das erloschene Licht fällt und am Boden, der nicht aufhört, neben der 13 liegen bleibt.

384
00:42:52.360 --> 00:43:04.760
 Elftens. Zwei unendliche Oberflächen, die eine innen, die andere nicht außen, die drei unendliche Räume bilden, die sich in fünf unendliche Zimmer teilen,

385
00:43:05.300 --> 00:43:09.739
 verbunden durch sieben Türen, die zu nichts führen, auch nicht in die Unendlichkeit.

386
00:43:10.739 --> 00:43:13.400
 Von den Personen, die hier wohnen, sind elf bereits verloren.

387
00:43:14.400 --> 00:43:19.460
 Nur die dreizehnte hält sich an der Hand, die sie hält und nicht loslässt.

388
00:43:24.960 --> 00:43:25.920
 Kapitel 7

389
00:43:25.920 --> 00:43:35.980
 1. Es ist der 17.05. 17.05. und eine Person tritt gerade durch die Eingangstür in das Haus.

390
00:43:36.980 --> 00:43:40.400
 Der Blauregen blüht und niemand weiß warum.

391
00:43:50.099 --> 00:44:02.679
 warum. Zweitens, es ist der 19.02.02.03 und eine Person sitzt allein im Stiegenhaus, in dem das Licht nicht brennt. Drittens, es ist der 5.02.03.53 und eine Person tritt durch die falsche Tür. Es

392
00:44:02.679 --> 00:44:09.119
 ist der 11.11.13.19 und eine Person und eine andere treffen sich zufällig

393
00:44:09.119 --> 00:44:18.639
 nicht im Stiegenhaus. Fünftens. Es ist der 17.03.17.19 und die Personen treten auf und ab,

394
00:44:19.179 --> 00:44:25.880
 gehen von Zimmer zu Zimmer, als gäbe es keine Ausweglosigkeit, als wüssten sie nicht, dass sie sterben müssen.

395
00:44:25.880 --> 00:44:36.559
 8. Es ist der 23.05. und der Blaurigen blüht, ohne dass jemand das Haus betreten hätte,

396
00:44:36.559 --> 00:44:49.099
 auch um 2.02 Uhr. 9. Es ist der 11.02. 3.23 Uhr. Niemand hat vergessen zu sterben.

397
00:44:50.519 --> 00:45:01.079
 10. Es ist der 11.07. 23.47 Uhr und das Stiegenhaus liegt allein im Dunkeln, ohne dass jemand da wäre, um das Licht einzuschalten.

398
00:45:01.079 --> 00:45:03.039
 um das Licht einzuschalten.

399
00:45:03.639 --> 00:45:04.780
 Elftens.

400
00:45:06.480 --> 00:45:06.820
 Es ist der 23.02.

401
00:45:08.260 --> 00:45:09.519
 23.59 Uhr.

402
00:45:12.500 --> 00:45:13.639
 Also ist es die ganze Zeit fast Mitternacht.

403
00:45:14.239 --> 00:45:15.139
 Zwölftens.

404
00:45:16.239 --> 00:45:16.760
 Es ist der 11.07.

405
00:45:18.559 --> 00:45:19.460
 13.57 Uhr.

406
00:45:21.179 --> 00:45:23.960
 Jemand betritt gerade das Haus, der schon lange nicht mehr an brennende Sonnen gedacht hat.

407
00:45:24.840 --> 00:45:25.639
 Der Blauregen hat

408
00:45:25.639 --> 00:45:53.260
 aufgehört zu blühen. Niemand weiß warum. 13. Es ist noch immer der 17. auf. Jetzt lese ich einen Abschnitt, außer die Zeit

409
00:45:53.260 --> 00:46:06.820
 erlaubt ist vielleicht noch einen zweiten, aus dem letzten, aus dem siebten Abschnitt. Abschnitt 7, Kapitel 2. Erstens.

410
00:46:16.000 --> 00:46:17.059
 Als ich drei Jahre alt geworden war, sagte U, hatten die Wörter mich so sprachlos werden lassen, dass ich längst zu sprechen begonnen hatte.

411
00:46:19.159 --> 00:46:21.960
 Aber ich erkannte den Unterschied noch nicht.

412
00:46:22.599 --> 00:46:23.539
 Zweitens.

413
00:46:29.579 --> 00:46:30.639
 Als ich sieben Jahre alt geworden war, sagte U, gab es längst keine Gleichzeitigkeit mehr.

414
00:46:33.159 --> 00:46:34.099
 Es kam zu keinen zufälligen Begegnungen.

415
00:46:36.980 --> 00:46:38.340
 Das Licht durfte nicht mit Licht verwechselt werden.

416
00:46:38.940 --> 00:46:39.860
 Drittens.

417
00:46:51.239 --> 00:47:08.099
 Als ich 13 Jahre alt geworden war, sagte U, war mir längst klar geworden, dass es ein Zufall ist, dass ich ich war und nicht die Maus, der ich einen Teil von ihr in mich aufgenommen habe, gegessen und verdaut habe, ein anderer Teil von ihr,

418
00:47:08.099 --> 00:47:12.480
 den ich unbeabsichtigterweise getötet habe, in mir weiterlebt,

419
00:47:12.980 --> 00:47:18.800
 während ein Teil von mir, der unbeabsichtigterweise weiterlebte, in ihr gestorben ist.

420
00:47:21.480 --> 00:47:46.059
 Viertens. Sterben früher oder später so sein wird, als wäre sie bloß ein weiteres Stockwerk nach unten gezogen

421
00:47:46.059 --> 00:47:50.699
 oder ein weiteres Zimmer weiter ins Innere des Hauses, zu dem sie keinen Zugang mehr haben,

422
00:47:51.260 --> 00:47:56.159
 bleibt in mir vielleicht für immer ein Mädchen, das in seinem Zimmer sitzt und auf die Tür schaut,

423
00:47:56.420 --> 00:48:06.079
 die sich nicht öffnet. Fünftens. Als ich 29 Jahre alt geworden war, sagte U, lebte ich längst nicht mehr im Souterrain.

424
00:48:06.840 --> 00:48:07.719
 Das war ausweglos.

425
00:48:08.579 --> 00:48:12.639
 Ich war für eine Zeit zu A hochgezogen, bei der ich eine Weile gelebt hatte,

426
00:48:13.239 --> 00:48:18.659
 bis sie zu B zog, damit sie gemeinsam leben, atmen, essen müssen und sterben können.

427
00:48:19.619 --> 00:48:22.320
 Ich war für eine Zeit sehr allein, aber nicht für lange.

428
00:48:29.880 --> 00:48:30.400
 eine Zeit sehr allein, aber nicht für lange. Siebtens. Als ich 43 Jahre alt geworden war,

429
00:48:37.260 --> 00:48:42.239
 sagte U, war der Frühling längst vorüber. Der Blauregen blühte nicht mehr. Ich hatte eine Zeit mit I zusammengelebt und war sehr glücklich gewesen. Danach lebte ich eine Zeit mit L zusammen

430
00:48:42.239 --> 00:48:46.000
 und war sehr glücklich gewesen, ohne sie jemals zu vergessen.

431
00:48:47.360 --> 00:48:53.739
 Manchmal schaute ich aus dem Fenster, um mich selbst anzuschauen und dachte, ich hätte mich in all den Jahren nicht verändert.

432
00:48:54.760 --> 00:49:02.320
 Aber wahrscheinlich kam es mir damals nur so vor, weil ich in dem Augenblick und in all den früheren Augenblicken die kleinste Veränderung,

433
00:49:02.760 --> 00:49:06.880
 die ja so schnell vorübergehen wie der Vogelgesang nicht wahrnehmen konnte.

434
00:49:09.699 --> 00:49:17.199
 Neuntens. Als ich 61 Jahre alt geworden war, sagte U., waren alle längst verloren.

435
00:49:18.179 --> 00:49:22.739
 Die Untergänge und Überschwemmungen lagen hinter uns und es machte keinen Unterschied,

436
00:49:23.059 --> 00:49:26.599
 zwischen welchem Abschnitt oder in welches Kapitel sie stattgefunden hatten.

437
00:49:27.780 --> 00:49:31.420
 Ich lebe noch immer in einem Zimmer, atme und muss essen.

438
00:49:32.460 --> 00:49:36.860
 Aber ich habe, nachdem am Ende niemand mehr vom Anfang da war, außer ich,

439
00:49:37.860 --> 00:49:39.840
 mein Leben noch mit so vielen Menschen geteilt,

440
00:49:39.840 --> 00:49:42.780
 dass ein einziges Alphabet nicht ausreicht, um sie alle zu benennen.

441
00:49:43.699 --> 00:49:45.760
 Und noch immer gingen die Menschen

442
00:49:45.760 --> 00:49:57.139
 ab und zu, als wüssten sie nicht, dass sie sterben müssen. Zehntens. Als ich 71 Jahre alt geworden war,

443
00:49:57.699 --> 00:50:03.519
 sagte U., hatten alle Menschen längst vergessen, dass es ein Zufall ist, dass sie Menschen sind,

444
00:50:05.679 --> 00:50:14.659
 längst vergessen, dass es ein Zufall ist, dass sie Menschen sind, dass sie genauso gut hätten Vögel sein können, Ungeziefer, Geziefer oder Mäuse, dass sie A, B, H oder M hätten sein können.

445
00:50:16.579 --> 00:50:26.380
 Elftens. Als ich 79 Jahre alt geworden war, sagte U, aber niemand mehr da war, um sie zu hören, war mir längst klar

446
00:50:26.380 --> 00:50:33.300
 geworden, dass auch ich nicht bis zur Unendlichkeit gelangen werde, außer vielleicht nach innen. A

447
00:50:33.300 --> 00:50:38.780
 hatte ihr Buch über die Architektur des Hauses nie zu Ende geschrieben, aber sie hatte auch nie

448
00:50:38.780 --> 00:50:45.119
 aufgehört, es zu beginnen. Sie hatte nur angefangen, es mit den anderen gemeinsam zu schreiben,

449
00:50:48.500 --> 00:50:49.539
 sodass jede Seite eine andere Seite des Hauses beschrieb.

450
00:50:53.579 --> 00:50:54.300
 Und obwohl H. sich nicht daran erinnern konnte, sie geschrieben zu haben,

451
00:50:56.980 --> 00:50:57.059
 erkenne ich ihn auf den folgenden Seiten genauso wieder,

452
00:51:01.559 --> 00:51:02.480
 wie ich A., B., M. und meine Großmutter wiedererkenne.

453
00:51:06.659 --> 00:51:07.320
 Ich kann die Seiten lesen und obwohl es draußen bereits dunkel wird,

454
00:51:10.360 --> 00:51:11.360
 ist es für einen Augenblick so, als wäre keine Zeit vergangen,

455
00:51:13.500 --> 00:51:29.739
 als wäre die ganze Zeit fast Mitternacht. Kapitel 5

456
00:51:29.739 --> 00:51:34.920
 Erstens. Ein Haus teilt sich auf in Gesang.

457
00:51:36.099 --> 00:51:39.440
 Zwei Himmel, das bedeutet vielleicht den nächsten Tag.

458
00:51:40.639 --> 00:51:42.360
 Zählt der Himmel als Peripherie?

459
00:51:43.739 --> 00:51:49.480
 Er ist eines der überzähligen Regionen, die in einem Haus, aber außerhalb seiner Architektur liegen.

460
00:51:50.300 --> 00:51:54.519
 Das bedeutet, er zählt als Stockwerk. Er darf bewohnt werden.

461
00:51:55.440 --> 00:51:58.139
 Alles liegt da, als reichte die Sonne aus.

462
00:51:59.440 --> 00:52:05.340
 Zweitens. Ein Mensch allein, wieder ein Mensch allein.

463
00:52:06.480 --> 00:52:09.159
 Ein Vogel, noch ein Vogel.

464
00:52:10.260 --> 00:52:12.519
 Eine grammatische Vervielfältigung der Vögel.

465
00:52:13.619 --> 00:52:15.599
 Ein Mensch ist mindestens zwei Vögel.

466
00:52:16.860 --> 00:52:18.599
 Ein Mensch ist nicht allein.

467
00:52:20.940 --> 00:52:21.699
 Drittens.

468
00:52:23.340 --> 00:52:47.019
 Die Verwandtschaft der Menschen mit den Vögeln, der Vögel mit den Wärtern, die auffliegen, Drittens. Laute von Flügelschlägen in lose und blicklose Körper. Sie wollen bei den Vögeln bleiben. Sie

469
00:52:47.019 --> 00:52:58.239
 sind den Vögeln näher. Das Reden kommt auf. Kapitel 6. Erstens. Und während eine Person

470
00:52:58.239 --> 00:53:03.840
 schon lange zu dem Staub auf den Flügeln unzählbar vieler weißer, erschöpfter Schmetterlinge,

471
00:53:03.840 --> 00:53:09.420
 der nicht mit ihrem Auffliegen verwechselt werden konnte, zerfallen war, wird das Gesicht einer anderen

472
00:53:09.420 --> 00:53:18.960
 Person in der Spiegelung des Fensters langsam zu einem Vogel. Zweitens. Und während der Vogel in

473
00:53:18.960 --> 00:53:23.500
 der Spiegelung des Fensters versucht, sich in dem Gesicht wiederzuerkennen, das ihn spiegelt,

474
00:53:23.500 --> 00:53:24.320
 ist es versucht, sich in dem Gesicht wiederzuerkennen, das ihn spiegelt,

475
00:53:28.900 --> 00:53:29.440
 blüht in dem zergliederten und zerspiegelten Auge der Blauregen fast so,

476
00:53:33.579 --> 00:53:36.760
 als wäre es das Auge, in dem sich das Licht spiegelt, das blüht.

477
00:54:02.860 --> 00:54:08.960
 Kapitel 7 Vielen Dank nochmal. Vielen Dank, Matthias Müller und herzliche Gratulation zum Förderpreis, zum Heimatbäckerpreis.

478
00:54:08.960 --> 00:54:09.699
 Vielen Dank.

479
00:54:18.280 --> 00:54:26.119
 Ich darf Ihnen aus der ausführlichen Schriftbegründung für ein Kottn vorlesen, dieses Heimatbäckerpreises für Anne Cotton.

480
00:54:27.420 --> 00:54:32.900
 Das Werk von Anne Cotton ist im Jahr 2007 mit der aufleuchtenden Publikation

481
00:54:32.900 --> 00:54:38.820
 ihres Bandes Fremdwörterbuch Sonette im Surkamp Verlag in die literarische Welt gekommen.

482
00:54:40.420 --> 00:54:44.079
 Cotton belebte damit die Form des Sonetts in Doppelsonetten,

483
00:54:53.320 --> 00:54:53.420
 zum Teil auf die Verfahren und die Proponentinnen der konkreten Poesie anspielend, zum Teil mit Fachwörtern jonglierend, neu.

484
00:55:00.320 --> 00:55:13.179
 Diese Relation ist auch in dem Essay-Band »Nach der Welt«, die Listen der konkreten Poesie und ihre Folgen, deutlich. In immer eigenständigem Ton zeichnet die Autorin darin entscheidende Aspekte unter anderem des Werks von Oskar Pastio und Heimat Becker nach, immer mit Blick auf Anknüpfungsmöglichkeit eigenen Schreibens.

485
00:55:26.780 --> 00:55:27.440
 vereint Langgedichte und Prosa-Reflexionen, Hawaii, das Ost-West-Zentrum für vergleichende Philosophie,

486
00:55:33.280 --> 00:55:33.860
 nebensächliches Tritt in den Vordergrund, ein Bezug zu dem wird konstruiert, was zufällig da ist,

487
00:55:42.219 --> 00:55:42.840
 etwa zur Sprache als Fels im Rücken, zu vielleicht Peter Handkes Mordsgerwald, zum Pflügen unter der Erde, wie es heißt.

488
00:55:48.139 --> 00:55:48.860
 Ihr soeben erscheinendes Buch, Poller Idyllen, über das wir, denke ich, auch noch hören werden,

489
00:55:55.059 --> 00:55:56.579
 modelliert die als Poller gelesenen Stehtexte und sie stecken in einem Botaniksubstrat.

490
00:56:02.059 --> 00:56:07.500
 Cottons Texte insgesamt bewegen sich zwischen den Genres, womit nicht nur Lyrik und Prosa gemeint sind, ihr Werk spielt unter anderem auch mit Science-Fiction, Theorie, Essay oder Reisebericht.

491
00:56:08.219 --> 00:56:11.219
 Die Verwendung verschiedener Sprachen ist Thema und Mittel,

492
00:56:12.179 --> 00:56:16.659
 was Texte einerseits global ortet, verortet.

493
00:56:16.659 --> 00:56:21.599
 Zu den Lokalisierungen gehören so verstreute Orte wie Nagoya und Berlin-Schöneberg,

494
00:56:21.940 --> 00:56:24.880
 Kansas, Häggeland, Honolulu und der Kahlenberg.

495
00:56:26.559 --> 00:56:31.840
 Ähnlich überraschend sind nicht selten die Metaphern und Wortspiele, die Begleichsetzung von Homophonien mit Wurmlöchern,

496
00:56:32.199 --> 00:56:38.820
 die Wirklichkeit durchlässiger, sozusagen poröser oder schwammartiger machen sollen. Auch fragile

497
00:56:38.820 --> 00:56:47.840
 Kuppelkonstruktionen werden ermöglicht. Die Texte könnten in ihrem Zitat- und Anspielungsreichtum herausfordernd

498
00:56:47.840 --> 00:56:53.500
 wirken, doch in ihrer Seltsamkeit und Originalität bleiben sie untauglich für die Verwendung als

499
00:56:53.500 --> 00:56:59.920
 Statussymbole. Bei aller Formbezogenheit suchen die Texte immer auch eine Anbindung an die Welt

500
00:56:59.920 --> 00:57:07.039
 und ihre Verfasstheit. In diesem Punkt sind sie oft in wohltuender Weise zu wenig ideal für die

501
00:57:07.039 --> 00:57:16.199
 Avantgarde im strengen Sinn. Aber was hieße das schon ideal oder gar Avantgarde-ideal? Ich möchte

502
00:57:16.199 --> 00:57:22.000
 Herrn Korten im Namen der Interessengemeinschaft Heimatbecker herzlich zum Preis gratulieren.

503
00:57:22.139 --> 00:57:45.280
 Loben wird sie Florian Huber, der als Wissenschaftstheoretiker, Philosoph, Essayist, Lektor, Herausgeber und Veranstalter viele Seiten des literarischen Lebens kennt und wohl auch auf so fruchtbare Weise in sich vereint. geforscht zum Verhältnis von Literatur und Naturwissenschaften.

504
00:57:45.900 --> 00:57:50.199
 Er lebt nun wieder in Wien als Verlagslektor, Literaturkritiker, Veranstalter.

505
00:57:50.920 --> 00:57:54.300
 Seine letzten Bücher, unter anderem die Studie

506
00:57:54.300 --> 00:57:56.760
 Der Schreiber schreibt zu Hermann Beckers Nachschrift

507
00:57:56.760 --> 00:58:02.659
 oder die Herausgabe von Durch die Wiese, Insekten und Spinnentiere

508
00:58:02.659 --> 00:58:09.840
 unter der literarischen Lupe in Vorbereitung ist, wenn es dunkel wird, literarische Nachtstücke mit Tieren.

509
00:58:10.500 --> 00:58:14.400
 Und ich darf Florian Huber nun bitten, ein Korten zu loben. Bitte.

510
00:58:26.719 --> 00:58:27.320
 Vielen Dank, Thomas.

511
00:58:35.619 --> 00:58:38.400
 Bevor ich jetzt zum Lob auf N. Cotton ansetze, noch eine Nachbemerkung zur bemerkenswerten Laudatio von Peter Waterhouse und zur großartigen Lesung von Matthias Müller.

512
00:58:39.119 --> 00:58:45.860
 Mir ist dabei auch ein Satz von N. Cotton aus dem Erzählungsband Der schaudernde Fächer in Erinnerung gekommen.

513
00:58:46.719 --> 00:58:47.880
 Da heißt es an einer Stelle

514
00:58:47.880 --> 00:58:50.739
 und es regnete ganz schön viel Kommas.

515
00:58:52.519 --> 00:58:55.340
 Und dieser Satz ist, glaube ich, auch ein erstes Indiz dafür,

516
00:58:55.739 --> 00:58:58.300
 dass Texte, zumindest die, die den Namen verdienen,

517
00:58:59.019 --> 00:59:01.579
 immer auch Beziehungen zu anderen Texten unterhalten.

518
00:59:02.519 --> 00:59:04.699
 Dementsprechend werde auch ich, Emanuele Audazio,

519
00:59:04.699 --> 00:59:05.960
 auf N. Cotton über diese Beziehungen sprechen. zu anderen Texten unterhalten. Dementsprechend werde auch ich in meiner Laudatio auf Enkorten

520
00:59:05.960 --> 00:59:08.739
 über diese Beziehungen sprechen.

521
00:59:09.599 --> 00:59:12.139
 Beginnen möchte ich allerdings ganz konventionell,

522
00:59:12.800 --> 00:59:15.260
 wie es einer Laudatio vielleicht angemessen scheint.

523
00:59:16.139 --> 00:59:18.219
 Konventionell, aber nicht zuletzt auch deshalb,

524
00:59:19.099 --> 00:59:21.360
 weil die Rede von der Konvention und die Frage,

525
00:59:21.360 --> 00:59:25.179
 was überhaupt eine Konvention begründet und in die Welt setzt,

526
00:59:25.460 --> 00:59:30.320
 glaube ich, auch etwas ist, das ganz konstitutiv für das Schreiben und Nachdenken von Anne

527
00:59:30.320 --> 00:59:37.039
 Cotton ist, das sich auch durch all ihre Werke und Arbeiten zieht. Ich beginne also mit der

528
00:59:37.039 --> 00:59:43.039
 Grußformel, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Anne, und ich beginne mit etwas anderem,

529
00:59:48.420 --> 00:59:48.940
 liebe Anne, und ich beginne mit etwas anderem, was gewissermaßen der Laudatio zu eigen ist,

530
00:59:56.000 --> 00:59:58.659
 nämlich mit einer Reflexion auf die Biografie der Verfasserin, die ja heute zu würdigen steht.

531
01:00:05.860 --> 01:00:12.960
 Dass die Biografie hier ihren Platz bekommt, ist aber nicht nur dem Umstand geschuldet, dass Anne sich immer wieder mit der Rede von der Konvention befasst hat, im theoretischen genauso wie im literarischen Kontext.

532
01:00:14.019 --> 01:00:19.300
 Es ist vor allen Dingen auch dadurch begründet, dass wenn man einen Blick auf ihre jüngste Publikation,

533
01:00:19.400 --> 01:00:24.039
 Thomas Eder hat sie schon angesprochen, tut, nämlich auf Poller Idyllen, nicht umhinkommt,

534
01:00:24.039 --> 01:00:25.280
 sich auch mit der

535
01:00:25.280 --> 01:00:30.500
 Biografie der Verfasserin auseinanderzusetzen und das liegt zunächst einmal auch an der Form,

536
01:00:30.699 --> 01:00:37.880
 in der diese Biografie in diesem Buch in Erscheinung tritt. Dementsprechend werde ich im Folgenden,

537
01:00:38.360 --> 01:00:42.780
 in meinen Ausführungen auch nicht unterscheiden zwischen dem, was man gemeinhin Figurenrede

538
01:00:42.780 --> 01:00:48.940
 nennt in der Literaturwissenschaft oder die Position der Autorin, des Autors, zwischen Poetik und Erzähltext,

539
01:00:49.079 --> 01:00:51.559
 zwischen Gedicht und Essay und so fort.

540
01:00:52.239 --> 01:00:58.039
 Vielmehr möchte ich etwas ernst nehmen, was Anne Cotton in einem anderen ihrer Werke zu Papier bringt,

541
01:00:58.440 --> 01:01:02.199
 nämlich in Hauptwerk Soft Soft Porn aus dem Jahr 2013.

542
01:01:03.099 --> 01:01:07.440
 Dort heißt es gleich zu Beginn, Allgemeinheit kann nur ein produktiver

543
01:01:07.440 --> 01:01:13.760
 Vorsatz sein, mit alten Wörtern neue Erfahrungen zu beschreiben, von denen ich nicht weiß, was sie

544
01:01:13.760 --> 01:01:19.500
 sind. Deswegen das alles eben recht fehlerhaft wie Ganghardt von Füllen. Nur eine gewisse

545
01:01:19.500 --> 01:01:25.460
 Brutalität, der Auswahl, der Beschreibung überhaupt, mag das Produkt einer angehäuften Erfahrung sein.

546
01:01:26.360 --> 01:01:28.840
 Aus demselben Grund findet die Veröffentlichung überhaupt statt.

547
01:01:29.940 --> 01:01:32.260
 Dafür bitte ich um Nachsicht und lege meine Gründe dar.

548
01:01:32.760 --> 01:01:34.179
 Kartierung, Forschung.

549
01:01:34.820 --> 01:01:36.880
 Es sind ja ganz gewiss immer verschiedene Versionen.

550
01:01:37.480 --> 01:01:38.880
 Ich will die Angst davor verlieren.

551
01:01:39.679 --> 01:01:42.639
 Und in der Tat, wenn man auf die Biografie der Autorin blickt,

552
01:01:43.179 --> 01:01:47.239
 so wie sie im Hauptwerk Softsoftporn formuliert wird,

553
01:01:48.280 --> 01:01:53.539
 dann macht man auch die Erfahrung, dass diese Biografie deutlich geschieden ist von der

554
01:01:53.539 --> 01:01:58.400
 Formulierung, die man in Poller Idyllen wiederfindet. Dort heißt es gleich zu Beginn,

555
01:01:59.539 --> 01:02:07.940
 ein Kotten ist Schriftstelli, Übersetzi und Theorifassi. Theorifuzzi, man weiß nicht, was man lesen soll.

556
01:02:09.019 --> 01:02:12.059
 Auffällig ist aber nicht nur die Wortendung, auffällig ist überhaupt,

557
01:02:12.719 --> 01:02:16.820
 dass ein Grotten zunächst einmal sehr viel Wert auf das liegt, wenn man über Konventionen spricht,

558
01:02:17.360 --> 01:02:20.699
 was in der Literaturwissenschaft als Paratext adressiert wird.

559
01:02:20.699 --> 01:02:25.039
 Also als etwas, das sich neben dem eigentlichen Text, neben dem Haupttext

560
01:02:25.039 --> 01:02:31.519
 ereignet, was ihm vorausliegt oder neben ihm zu liegen kommt. Eine Pointe, und Sie

561
01:02:31.519 --> 01:02:33.880
 erahnen es schon, in der Auseinandersetzung mit dem Werk von

562
01:02:33.880 --> 01:02:38.280
 Enkrotten besteht aber genau darin, dass solche Ordnungen nicht nur ausgestellt

563
01:02:38.280 --> 01:02:43.400
 werden, sondern dass sie auch durch die literarische Form unterlaufen werden,

564
01:02:43.840 --> 01:02:50.280
 dass sie selbst zu einem Bestandteil der literarischen Erkenntnisgewinnung gemacht werden

565
01:02:50.280 --> 01:02:58.039
 und dass dementsprechend auch die Frage sich erübrigt, ob wir es tatsächlich mit einem Neben- oder mit einem Voraus- oder einem Nachgeordneten zu tun haben.

566
01:02:58.739 --> 01:03:06.340
 Diese unterschiedlichen Dimensionen der Ordnung des literarischen Textes werden von der Autorin unterlaufen und dass es

567
01:03:06.340 --> 01:03:11.400
 auch darum geht, das zu unterlaufen, wird vielleicht auch schon in dieser Adressierung

568
01:03:11.400 --> 01:03:18.980
 des schreibenden Subjekts als Theorie-Fuzzy oder Theorie-Futzi deutlich. Darin verbergt sich ja

569
01:03:18.980 --> 01:03:25.900
 auch ein Gleichklang von Endungen, eine Verspieltheit, die das Y markiert durch seine Form, in der es als Schrift

570
01:03:25.900 --> 01:03:30.440
 erscheint, ein Formbewusstsein, das aber natürlich darüber hinausreicht, so eine Art umgekehrter

571
01:03:30.440 --> 01:03:36.000
 Stabreim vielleicht auch. Etwas, das jedenfalls konstitutiv ist, wie mir scheint, für das Schreiben

572
01:03:36.000 --> 01:03:42.199
 von Enkotten und dementsprechend ist es auch eine Konsequenz, dass diese Y-Endung natürlich auch

573
01:03:42.199 --> 01:03:48.980
 noch eine andere Dimension besitzt. Es ist nämlich auch der Versuch, die geschlechtliche Ordnung ein Stück weit hinter sich zu lassen

574
01:03:48.980 --> 01:03:52.840
 oder zumindest darauf aufmerksam zu machen, dass diese Ordnung immer schon am Werk ist

575
01:03:52.840 --> 01:03:57.519
 und die Frage zu provozieren, was diese Ordnung eigentlich tut mit der eigenen Lektüre,

576
01:03:57.960 --> 01:04:02.320
 aber auch mit dem, was man als schreibendes Subjekt kennenzulernen glaubt,

577
01:04:02.320 --> 01:04:04.260
 bei der Lektüre ihrer Schriften.

578
01:04:07.599 --> 01:04:15.300
 kennenzulernen glaubt bei der Lektüre ihrer Schriften. Dieses Entgendern nach Hermes Fettberg ist nämlich auch Ausweis einer Fluidität des handelnden und schreibenden Subjekts und eines

579
01:04:15.300 --> 01:04:20.599
 Anspruchs, der die Arbeit von Anne, glaube ich, immer schon durchzieht. Es ist ja oft bemerkt

580
01:04:20.599 --> 01:04:24.539
 worden und Thomas Eder hat noch mehr darauf hingewiesen, dass sich Anne ganz unterschiedlichen

581
01:04:24.539 --> 01:04:28.059
 Domänen des Wissens in ihrer Arbeit widmet, dass sich ihr Schreiben

582
01:04:28.059 --> 01:04:31.940
 also aus unterschiedlichen Quellen speist, wenn man über die Beziehungen nachdenkt,

583
01:04:32.199 --> 01:04:36.619
 die ihre Texte mit anderen Texten unterhalten. Und es ist deswegen, glaube ich, auch nur

584
01:04:36.619 --> 01:04:41.980
 konsequent, dass sich die Arbeit von Anne nicht in dem, was man im konventionellen Sinn

585
01:04:41.980 --> 01:04:48.599
 unter dem Machen von Literatur versteht, erschöpft. Ich denke zum Beispiel auch an ihre Arbeit als Musikerin und Performerin,

586
01:04:48.699 --> 01:04:51.239
 zum Beispiel im Verbund mit ihrer Schwester Lucy Cotton,

587
01:04:51.739 --> 01:04:55.880
 aber auch gemeinsam mit Sabine Schoh und Monika Rink als Teil der Rotten King Show

588
01:04:55.880 --> 01:04:59.599
 oder an ihre vielen Arbeiten zu und mit bildender Kunst

589
01:04:59.599 --> 01:05:04.679
 und eben an die schon angesprochene Auseinandersetzung mit Theorie und Literaturtheorie.

590
01:05:04.860 --> 01:05:05.739
 Und Literaturwissenschaft ist ja nur ein kleinerchene Auseinandersetzung mit Theorie und Literaturtheorie und Literaturwissenschaft

591
01:05:05.739 --> 01:05:10.179
 ist ja nur ein kleiner Teil dieser Auseinandersetzung, wie man hier hinzufügen darf.

592
01:05:11.480 --> 01:05:15.300
 N. Cotton ist nicht zuletzt auch selbst als Forschende tätig,

593
01:05:16.119 --> 01:05:20.659
 und zwar auch in einem, wenn man so möchte, konventionellen Sinn, im akademischen Kontext.

594
01:05:20.659 --> 01:05:26.099
 Und man kann natürlich auch denken an das Übersetzen von Theorie und Literatur in andere

595
01:05:26.099 --> 01:05:32.260
 Sprachen und aus anderen Sprachen und die Bewegung des Übersetzens und Übertragens, die ja auch etwas

596
01:05:32.260 --> 01:05:39.000
 ist, was sich von dem Anfang an durch ihr Werk zieht. Bereits 2007, also zum Zeitpunkt, als ein

597
01:05:39.000 --> 01:05:48.380
 Kotten in der Buchform dubitiert mit Fremdwörter, Buchsonnette, wird diese Vielgestalt des Werkes thematisch. Da

598
01:05:48.380 --> 01:05:54.920
 schreibt sie in einem Aufsatz mit dem programmatischen Titel etwas mehr. Ein Vorschlag für den Sinn von

599
01:05:54.920 --> 01:06:00.639
 Dichtung wäre, meine ich, Strukturen und dynamische Strukturen zu zeigen oder zu proben. Solche, die

600
01:06:00.639 --> 01:06:05.039
 anders sind, als das im Alltagssprachgebrauch etablierte. Andere Versionen.

601
01:06:05.780 --> 01:06:10.280
 Ohne Rücksicht auf Dummheit, aber mit dem größten Willen zur Klarheit und Offenheit.

602
01:06:11.639 --> 01:06:19.579
 Man kann also sagen, dass allem Schreiben von N. seit jeher eine bemerkenswerte Offenheit eignet,

603
01:06:19.579 --> 01:06:22.980
 dass diese Offenheit aber auch verbunden ist mit einer Skepsis,

604
01:06:23.380 --> 01:06:33.619
 die vielleicht eben auch schon in der Rede vom Theorie-Fuzzy oder Fuzzy deutlich wird. Diese Skepsis ist auf der einen Seite dem eigenen

605
01:06:33.619 --> 01:06:39.039
 Tun geschuldet, andererseits aber auch den verschiedenen Domänen des Wissens, von denen ich

606
01:06:39.039 --> 01:06:44.780
 gesprochen habe, den unterschiedlichen Feldern, auf die sich ihr eigenes Tun erstreckt und abspielt.

607
01:06:47.980 --> 01:06:53.860
 unterschiedlichen Feldern, auf die sich ihr eigenes Tun erstreckt und abspielt. Bei Fuzzy denke ich natürlich auch an Fuzzy Logic und N auch ganz bestimmt. Das ist also nicht allein so, dass diese

608
01:06:53.860 --> 01:07:00.960
 Endung nur im Entgendern aufgeht und aufgehoben ist. Und bei Fuzzy Logic denkt man natürlich auch

609
01:07:00.960 --> 01:07:08.659
 an den damit verbundenen inhärenten Widerspruch, nämlich an die Frage, ob es sich eigentlich um eine unscharfe Logik handelt,

610
01:07:08.800 --> 01:07:11.119
 wenn man an eine Wortbedeutung von Fassi erinnert,

611
01:07:11.800 --> 01:07:16.039
 oder vielmehr um eine Logik, die dem Unscharfen beizukommen sucht.

612
01:07:16.800 --> 01:07:20.679
 Man würde vielleicht mit Blick auf das N-Werk von N behaupten wollen,

613
01:07:20.679 --> 01:07:26.039
 dass es immer beides ist, dass es nicht allein das eine oder das andere ist,

614
01:07:26.139 --> 01:07:30.239
 sondern dass diese beiden Domänen, wie es bei ihr an anderer Stelle auch nachzulesen ist,

615
01:07:30.280 --> 01:07:32.880
 in einem dialektischen Verhältnis miteinander stehen.

616
01:07:35.199 --> 01:07:41.780
 Diese Dialektik wird auch deutlich mit Blick auf ihr umfangreichstes Proserbuch aus dem Jahr 2019,

617
01:07:42.119 --> 01:07:47.000
 Liophilia, da heißt es an einer Stelle, alles hat eine logische Erklärung.

618
01:07:48.199 --> 01:07:49.239
 Nicht, wenn Leute handeln,

619
01:07:49.440 --> 01:07:51.679
 die beim Denken Lücken in der Logik haben, sage ich.

620
01:07:52.260 --> 01:07:53.780
 So wie ich, füge ich hinzu.

621
01:07:57.760 --> 01:08:00.099
 Es geht also auch darum,

622
01:08:00.320 --> 01:08:02.880
 im Schreiben so etwas wie den Widerspruch

623
01:08:02.880 --> 01:08:04.659
 begreiflich zu machen.

624
01:08:06.980 --> 01:08:11.980
 Und dieses begreiflich machen ist vielleicht eine Erinnerung auch an eine andere Wortbedeutung von Fuzzy, nämlich etwas,

625
01:08:12.420 --> 01:08:17.779
 das schwer zu greifen ist, etwas, das nur verschwommen ist, das sich der Greifbarkeit,

626
01:08:18.300 --> 01:08:26.199
 des Angegriffenseins ein Stück weit auch entzieht. Und es geht vielleicht auch um Zustände, die mit diesem Verschwommensein, mit

627
01:08:26.199 --> 01:08:32.060
 diesem Unangreifbaren verbunden sind. Vielleicht geht es auch um so etwas wie Müdigkeit, auch das

628
01:08:32.060 --> 01:08:38.060
 eine Bedeutung, die man mit Fassi assoziieren kann. Und auch diese Müdigkeit ist wiederum etwas,

629
01:08:38.619 --> 01:08:47.479
 das sich, glaube ich, in zweifacher Hinsicht mindestens durch das Werk von N zieht. Einerseits geht es hier um ein müdes, um ein erschöpftes Denken,

630
01:08:48.060 --> 01:08:50.020
 ein Denken, das nach Erneuerung strebt,

631
01:08:50.460 --> 01:08:52.159
 so wie Texte, wie wir vorhin gehört haben,

632
01:08:52.340 --> 01:08:56.279
 immer eine Richtung einschlagen, zu etwas streben.

633
01:08:57.079 --> 01:08:58.899
 Andererseits geht es hier aber auch darum,

634
01:08:59.140 --> 01:09:00.539
 dieses müde zu denken,

635
01:09:00.699 --> 01:09:03.420
 also sich nicht nur dem Wachen und Klaren zu verschreiben.

636
01:09:03.880 --> 01:09:07.659
 Erinnern Sie sich an das Zitat von vorhin, wo von Klarheit und Offenheit die Rede war,

637
01:09:08.319 --> 01:09:16.340
 sondern auch darum, diese Müdigkeit ernst zu nehmen, sie produktiv zu machen für das eigene Denken und Schreiben.

638
01:09:18.140 --> 01:09:25.279
 Dieses Produktivmachen spiegelt sich, glaube ich, auch wieder, wenn wir die Lektüre fortsetzen,

639
01:09:25.460 --> 01:09:29.439
 dort, wo wir vorhin sie unterbrochen haben, nämlich bei der Biografie der Autorin.

640
01:09:30.220 --> 01:09:35.500
 Auf den Theorie-Fassi folgt folgende Sendenz.

641
01:09:36.119 --> 01:09:39.260
 Ihre Poetikvorlesungen werfen einen langen Schatten.

642
01:09:41.020 --> 01:09:45.619
 Das ist zum einen der Schatten der Theoriegeschichte, wie ich meine,

643
01:09:46.819 --> 01:09:48.800
 und dieser Schatten der Theoriegeschichte,

644
01:09:49.260 --> 01:09:52.060
 zudem hat N. einmal Folgendes notiert,

645
01:09:52.680 --> 01:09:56.000
 dass nämlich das Licht von Aufklärung und Gerechtigkeitssinn

646
01:09:56.000 --> 01:09:58.720
 manchmal andere Zusammenhänge ausblendet,

647
01:09:59.279 --> 01:10:00.720
 die vielleicht nicht gut zu heißen,

648
01:10:00.720 --> 01:10:03.779
 aber doch bis in unsere hellen Zeiten wirksam sind

649
01:10:03.779 --> 01:10:08.279
 und durchaus nicht so sehr mit der uns geläufigen Logik im Klinsch sind,

650
01:10:08.739 --> 01:10:09.920
 wie wir gerne glauben möchten.

651
01:10:12.079 --> 01:10:16.300
 Es geht hier also auch um die Abgründe, die mit dem Denken einhergehen,

652
01:10:17.180 --> 01:10:21.819
 aber auch um die Aporie, um das Unerklärliche und um das,

653
01:10:22.539 --> 01:10:25.760
 was das eigene Denken gewissermaßen in den Schatten stellt.

654
01:10:25.920 --> 01:10:32.000
 Also nicht nur um das, was das Denken erhält, sondern auch um das, was das Denken verdunkelt,

655
01:10:33.699 --> 01:10:37.399
 was sich unserer Wahrnehmung, unserer Erkenntnis entzieht.

656
01:10:38.180 --> 01:10:43.420
 Und zwischen diesen beiden Polen oszilliert immer wieder das Schreiben und Nachdenken von N.

657
01:10:43.880 --> 01:10:48.859
 Oder, wie es eben im jüngsten Werk Poller an anderer Stelle heißt,

658
01:10:49.640 --> 01:10:51.319
 inzwischen Vermutungen.

659
01:10:52.079 --> 01:10:54.359
 Alles, was ich über Bete weiß, lernte ich.

660
01:10:54.979 --> 01:10:56.880
 Man bohrt sich wie ein Regenwurm durch den Tag

661
01:10:56.880 --> 01:10:58.579
 und die Welt verklebt einem das Gesicht.

662
01:10:59.319 --> 01:11:00.819
 Ein Gegenständ fällt sätlich ab,

663
01:11:01.359 --> 01:11:03.159
 um von sofort nachdringenden Weiteren

664
01:11:03.159 --> 01:11:08.100
 für den unbedarften Blick eines Kindes im Vorschulalter ähnlich absurden Gegenständen ersetzt zu werden.

665
01:11:10.640 --> 01:11:25.800
 Es ist also nur konsequent, wenn man so möchte, beim Lesenigten Werk erfahren kann, nicht nur einschüchternd,

666
01:11:25.899 --> 01:11:31.680
 sondern sie ist auch mit Möglichkeiten des Denkens und mit dem Eröffnen einer neuen Welt verbunden.

667
01:11:32.399 --> 01:11:36.920
 In einer Welt aber, heißt es bei Anne, an anderer Stelle, die aus nichts als freier Wahl besteht,

668
01:11:37.300 --> 01:11:41.319
 dürften nur Leute durchkommen, denen unsinnige und pessimistische Gedanken nicht einmal einfallen.

669
01:11:47.699 --> 01:11:53.439
 Gedanken nicht einmal einfallen. Vielleicht ist es auch deshalb wenig überraschend, dass ich bei der Lektüre von Anne immer auch an andere Denkerinnen und Denker, an andere Texte erinnert

670
01:11:53.439 --> 01:11:58.560
 bin. Zwar nicht nur an die Texte, die da unmittelbar zitiert werden, sondern auch an eine Vielzahl

671
01:11:58.560 --> 01:12:08.119
 anderer möglicher Bezüge. Oder wie Anne wiederum an anderer Stelle so gewandt formuliert, bestimmte Probleme

672
01:12:08.119 --> 01:12:12.420
 kehren in Form von leidigen Schlaufen immer wieder. Sie sind uninteressant für jene Art von

673
01:12:12.420 --> 01:12:16.739
 Wissenschaftler nie, die mit dem Anspruch an die Arbeit gehen, Dinge ein für allemal zu klären.

674
01:12:18.380 --> 01:12:21.779
 Weniger uninteressant eigentlich als vielmehr leidig, um nicht zu sagen ärgerlich, für die,

675
01:12:21.779 --> 01:12:28.319
 die tagtäglich mit den Auswirkungen dieser Probleme zu tun hat oder besser Phänomene, um sich den Möglichkeiten einer psychologischen Lösung noch

676
01:12:28.319 --> 01:12:33.159
 offen zu halten, für die ist es dann ein verlockendes Feld, auf dem jeder Fortschnitt geradezu wüste

677
01:12:33.159 --> 01:12:41.300
 praktische und tropische Anwendungen verspricht. Kommen wir also auf die leidigen Schlaufen. Eine

678
01:12:41.300 --> 01:12:49.340
 solche leidige Schlaufe verläuft sich, so bläst Pascal, zu einem anderen großen Denker des Wachen und des Müden.

679
01:12:52.039 --> 01:13:02.880
 Bei Pascal in einer seiner berühmtesten Sentenzen heißt es einmal, der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das Schwächste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr.

680
01:13:05.960 --> 01:13:12.100
 schwächste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr. Und das, was hier zunächst einmal ins Auge fällt, die Verbindung von Denken und Materie, von Körper und Geist, ist nicht nur etwas, das das

681
01:13:12.100 --> 01:13:18.060
 Forschungsprojekt von N. Cotton informiert, es ist vielleicht auch nicht ganz zufällig, dass das

682
01:13:18.060 --> 01:13:30.260
 Schilfrohr wenigstens seiner äußerlichen Form nach auch Assoziationen zum grottenschen polar unterhält auch in ends denken und schreiben

683
01:13:30.260 --> 01:13:36.399
 spielt die verbindung von körper und geist eine zentrale rolle auch das kann man ihre biografie

684
01:13:36.399 --> 01:13:41.720
 unternehmen auf die wir an dieser stelle aber nicht weiter eingehen wollen auch pascal ringt

685
01:13:41.720 --> 01:13:52.239
 mit der beziehung zwischen körper und geist mit der Überwindung dessen, was man Subjektivität nennen kann und was sein Denken, glaube ich, auszeichnet und es mit

686
01:13:52.239 --> 01:13:57.920
 Enkotten in vielfältige Beziehungen setzt, ist der Versuch, von sich selbst Abstand zu gewinnen.

687
01:13:59.859 --> 01:14:05.359
 Bei Pascal geschieht das durch den Bezug auf das Weltall und auf die Religion.

688
01:14:05.840 --> 01:14:11.020
 Bei Enkotten ist es vielleicht nicht die Religion, aber es ist vielleicht eine metaphysische Skepsis,

689
01:14:11.020 --> 01:14:18.260
 die einen solchen Fluchtpunkt markiert, jedenfalls einen Fluchtpunkt, der auch das Versprechen nach Sinnstiftung,

690
01:14:18.579 --> 01:14:27.300
 das so viel zeitgenössische Literatur bereitzuhalten, suggeriert, ein Stück weit in Zweifel zieht und bisweilen auch mit

691
01:14:27.300 --> 01:14:34.319
 Ironie und Spott überzieht. Noch einmal ein Zitat aus einem Text mit dem bezeichnenden Titel

692
01:14:34.319 --> 01:14:40.479
 Fast dumm. Besonders anfällig, schreibt N. an dieser Stelle, scheinen wir Schriftsteller mit

693
01:14:40.479 --> 01:14:45.600
 unseren in Spezialecken gestärkten Egos dafür zu sein, die eigenen Erlebnisse als

694
01:14:45.600 --> 01:14:50.319
 beispielhaft anzunehmen und die eigenen Einfälle unbesehen für überraschend ungewöhnlich,

695
01:14:50.939 --> 01:14:52.239
 ja game-changing zu halten.

696
01:14:55.399 --> 01:15:02.460
 Ernst Kunst erschöpft sich eben nicht in einer solchen Poetik des Egos, vielmehr, um

697
01:15:02.460 --> 01:15:09.619
 nochmal die Phrase von vorhin aufzugreifen, übt sich ihre Literatur darin, von sich selbst abzusehen.

698
01:15:10.619 --> 01:15:15.600
 Oder, wie Anne mit Blick auf die Metrik des Gedichts einmal formuliert,

699
01:15:16.159 --> 01:15:20.359
 generell schlage ich evolutionäre statt heroischer, soll heißen auktorialer.

700
01:15:20.399 --> 01:15:30.520
 Ich habe diese Form gewählt, weil ich diesen Effekt erzielen will und mein Werk und die Mittel zum Zweck dieses perfekt erfolgreichen Werks total unter Kontrolle habe, als Erklärungsform vor.

701
01:15:31.239 --> 01:15:36.760
 Die Metrik ergibt sich hier, wie sich Spurrillen und Waschbrettstrukturen auf unasphortierten Straßen ergeben.

702
01:15:37.880 --> 01:15:39.819
 Ein Satz aus dem Jahr 2023.

703
01:15:48.800 --> 01:15:49.220
 Und das ist ein Gefühl, dieses von sich selbst absehen, wie ich aus eigener Lektüreerfahrung behaupten möchte,

704
01:15:51.460 --> 01:15:52.079
 das sich auch auf die Lesenden überträgt.

705
01:15:55.899 --> 01:15:56.539
 Oder noch einmal ein, ein bisschen Stolz hilft immer.

706
01:16:00.579 --> 01:16:03.979
 Im Moment des Schreibens verschwindet der Unterschied, ob ich es denke, ob es gedacht wird von jemandem, der nicht ich sein muss oder ob der Gedanke von Sprache und Welt erzeugt wird.

707
01:16:04.600 --> 01:16:06.279
 Aber es kommt auch wieder nur ein Satz heraus.

708
01:16:06.819 --> 01:16:09.399
 Ein Satz, der auf die Situation wartet, in der er mächtig wird.

709
01:16:09.920 --> 01:16:12.840
 Und dann kommt ein Akademiker in die Küche und schreibt das auf.

710
01:16:13.920 --> 01:16:14.560
 Und so fort.

711
01:16:16.420 --> 01:16:24.119
 Die Küche ist, glaube ich, kein Zufall, der da in den Text Einzug hält als Raum.

712
01:16:24.119 --> 01:16:26.359
 der da in den Text Einzug hält als Raum.

713
01:16:31.439 --> 01:16:34.479
 Die Küche erinnert nicht zufällig an das Alltägliche und den Gebrauch des Alltäglichen in der Lyrik, in der Dichtung von Liesl Uivary,

714
01:16:35.479 --> 01:16:40.180
 die ja mitverantwortlich dafür ist, dass N. Cotten jetzt als Teil der diesjährigen Jury

715
01:16:40.180 --> 01:16:43.039
 den Heimrath-Becker-Preis empfangen wird dürfen.

716
01:16:45.619 --> 01:16:49.279
 Liesl Uivary ist ein wichtiger Fluchtpunkt für das Schreiben von N.

717
01:16:49.960 --> 01:16:53.859
 Und tatsächlich findet sich im Nachwort zur Neuauflage von Uyveris,

718
01:16:54.680 --> 01:16:59.800
 dem konkreten Poesie geschuldeten Band Sicher und Gut, folgende Bemerkung von N.

719
01:17:00.560 --> 01:17:09.720
 Gestresst durch den von individualistischem Leidungsdruck begleiteten verzweifelten Versuch, besser zu sein als das normale Leben, wird die Kunst manchmal schlechter, dümmlicher.

720
01:17:11.260 --> 01:17:21.359
 Dieser Gefahr kann man hinzufügen, erliegen weder N. Cotton noch Liesl Ulveri in ihrem Sprechen, in ihrem Schreiben, in ihrem Nachdenken über Literatur.

721
01:17:27.500 --> 01:17:34.220
 über Literatur und es fügt sich an dieser Stelle auch noch mal daran zu erinnern, wie Thomas Eder es ja auch schon eingangs gemacht hat, dass ihre Dichtung deswegen auch mit der konkreten Poesie

722
01:17:34.220 --> 01:17:42.180
 und mit der Geschichte literarischer Avantgarden eng verbunden ist. Der Titel ihrer wissenschaftlichen

723
01:17:42.180 --> 01:17:45.699
 Auseinandersetzung, wenn man so möchte, mit der konkreten Poesie nach der Welt,

724
01:17:46.159 --> 01:17:53.399
 verweist vielleicht auch einmal mehr auf den langen Schatten der Poetik, von dem N in der Biografie zu ihrem neuesten Band,

725
01:17:53.920 --> 01:18:06.500
 Poller, spricht. Er bestätigt vielleicht auch die Konsequenz, mit der dieses Werk über die vielen Jahre gewachsen und verfolgt worden ist, dass da nämlich sehr viele Figuren von Anfang an angelegt sind,

726
01:18:06.960 --> 01:18:13.739
 dass sie aber auch in immer neuen Varianten aufgestellt, vorgeführt, hinterfragt und wieder abgerissen werden.

727
01:18:29.180 --> 01:18:35.319
 Auch die Fremdwörter Buchsonette bestätigen das aufs Schönste. Thomas Eder hat darauf hingewiesen, dass hier Formen, die zum Teil auch von der konkreten Poesie tradiert worden sind,

728
01:18:35.760 --> 01:18:40.600
 noch mal hinterfragt werden und vor allen Dingen auch dadurch hinterfragt,

729
01:18:40.699 --> 01:18:44.420
 dass hier nicht einfach eine Regel exekutiert wird oder eine Methode gefolgt wird,

730
01:18:44.520 --> 01:18:48.319
 sondern dass der Regelverstoß selbst auch zu einem Prinzip dieser Texte wird.

731
01:18:48.859 --> 01:18:54.479
 Und man kann vielleicht sagen, dass es weniger darum geht, die Regeln nur zu erschüttern oder abzuräumen,

732
01:18:54.600 --> 01:18:57.439
 sondern dass das, was eine Regel wird, überhaupt erst verständlich wird,

733
01:18:57.520 --> 01:19:00.640
 wie Christian Steinbacher mal bemerkt hat in diesem Zusammenhang,

734
01:19:01.220 --> 01:19:06.859
 dadurch, dass die Regel so konsequent überschritten und unterlaufen wird. Und dieses

735
01:19:06.859 --> 01:19:13.199
 Unterlaufen und Überschreiten, und damit komme ich auch zum Ende, ist, glaube ich, etwas, das sich

736
01:19:13.199 --> 01:19:20.199
 auch im Thematischen dieser Dichtung immer wieder findet, immer wieder anzutreffen ist, nämlich auf

737
01:19:20.199 --> 01:19:27.060
 der Ebene der Beziehungen, die die Autorin, die die Texte nicht nur mit anderen Menschen,

738
01:19:27.520 --> 01:19:34.579
 sondern auch mit Dingen und Phänomenen unterhalten, vor allen Dingen auch mit Phänomenen, die

739
01:19:34.579 --> 01:19:45.779
 sich nicht in Sprache abbilden lassen oder zumindest nicht restlos sprachlich vermittelt und darstellbar sind.

740
01:19:50.220 --> 01:19:50.739
 Man kann zum Beispiel denken an die Liebe als ein Sujet,

741
01:19:54.640 --> 01:19:55.880
 das auch schon die Lyrik der Fremdwörterbuchsonette prägt.

742
01:19:58.000 --> 01:19:58.300
 Das Dichten sagst du, macht dich schrecklich müde,

743
01:20:00.199 --> 01:20:00.579
 das Ich-Sagen erschöpft mich mehr, sag ich,

744
01:20:03.239 --> 01:20:03.800
 breit doch dein Wir aus, du, das meint uns beide,

745
01:20:08.260 --> 01:20:10.180
 und dann machen wir Picknick drauf, heißt das im Sonett, Mythenomie, Wir.

746
01:20:18.119 --> 01:20:18.479
 Also auch hier werden Beziehungen begründet und hier wird noch etwas anderes vorgeführt,

747
01:20:25.800 --> 01:20:26.199
 nämlich, dass die Mythenomie mehr ist als ein Begriff oder anders gesagt, wenn es denn nur ein Begriff ist,

748
01:20:29.000 --> 01:20:29.420
 dass die Begriffe auch die Funktion haben, die Welt zu ordnen,

749
01:20:34.100 --> 01:20:38.020
 dass mit ihnen auch eine Praxis einhergeht und eine Qualität des gottischen Schreibens scheint mir von Anbeginn darin auch zu bestehen, diese Qualität,

750
01:20:39.279 --> 01:20:47.279
 diesen Umstand ernst zu nehmen, indem hier nicht nur über etwas theoretisch gehandelt wird,

751
01:20:47.560 --> 01:20:52.840
 sondern auch gezeigt wird, welche lebenspraktischen Einsichten damit verbunden sind,

752
01:20:53.439 --> 01:20:59.359
 welche Hindernisse diese Praxis aber auch überwinden muss und wo sie vielleicht an ihre Grenzen kommt.

753
01:21:00.359 --> 01:21:08.579
 Oder, um vielleicht noch am letztes Mal an Inkotten zu denken und etwas aus ihrem Werk zu zitieren,

754
01:21:09.420 --> 01:21:13.739
 es gibt ja Wissende da draußen, auch wenn es von niemandem gewusst wird.

755
01:21:14.500 --> 01:21:36.979
 Liebe Anne, herzlichen Glückwunsch zum Heimrath-Becker-Preis. Danke, lieber Florian Huber.

756
01:21:38.819 --> 01:21:51.600
 Und danke an die Jury, Thomas Eder, Franz-Josef Cianin, Lise Ulvari und an das Land Oberösterreich und die beiden anderen Partner, oder sind es vielleicht noch mehr.

757
01:21:52.699 --> 01:22:00.720
 Ich kenne Florian Huber, seit wir uns beim Standardwettbewerb für junge Literatur getroffen haben, da waren wir unter 18.

758
01:22:04.819 --> 01:22:05.000
 unter 18 und ich finde es fabelhaft, dass wir uns in diesem Kontext,

759
01:22:07.720 --> 01:22:08.539
 und wir hätten uns das damals niemals vorstellen können,

760
01:22:14.840 --> 01:22:18.199
 dass wir in der österreichischen Literaturszene so gehätschelt und gehegt und gepflegt werden von den älteren Kolleginnen und Kollegen,

761
01:22:18.960 --> 01:22:22.260
 dass wir uns hier in diesem Kontext so noch einmal begegnen können.

762
01:22:23.319 --> 01:22:28.500
 Also insgesamt bin ich in einer sehr allgemeinen Weise von Dankbarkeit erfüllt.

763
01:22:29.319 --> 01:22:38.680
 So rum, und wenn man noch einen Gedanken hinzufügen kann, bin ich ja auch herumgekommen und auch in Berlin zum Beispiel sehr geprägt worden,

764
01:22:38.979 --> 01:22:43.960
 was die österreichische Szene und meine Beziehung zu ihr vielleicht auch ein wenig erschüttert hat.

765
01:22:43.960 --> 01:22:45.460
 israelische Szene und meine Beziehung zu ihr vielleicht auch ein wenig erschüttert hat.

766
01:22:49.399 --> 01:22:49.560
 Und insgesamt kann man aber von beiden Seiten sagen oder von beiden Dimensionen,

767
01:22:55.180 --> 01:22:55.260
 die unten haben eine große Toleranz für die oben und die oben haben eine große Toleranz für die unten,

768
01:22:56.920 --> 01:22:57.880
 wenn man das in dieser Grobheit sagen kann.

769
01:23:04.119 --> 01:23:28.420
 Und auch dafür kann ich meine große Dankbarkeit empfinden, dass man sich in diesen Zwischenbereichen, dass man da so lange überleben kann und auch die Resonanz, also das Vertrauen in die existierende Resonanz nicht verlieren. Trauern S wächst. Ich habe einen Text mitgebracht, der ein wenig experimentell ist im Sinn von frisch,

770
01:23:28.420 --> 01:23:40.039
 also offene Gedanken in dem Vorfeld und in dem Kontext sich fügend. Der Text heißt Dranbleiben und greift quasi ein Motiv auf,

771
01:23:40.239 --> 01:23:46.399
 das in einem Text am Anfang von Die Anleitungen der Vorfahren aufgreift.

772
01:23:46.979 --> 01:23:49.359
 Das heißt Eine kurze Landung der Suika.

773
01:23:50.539 --> 01:23:55.060
 Die Suika ist ein Teil der relativistischen Flotte,

774
01:23:55.479 --> 01:23:59.720
 ein Begriff aus der Science-Fiction von Karl-Heinz und Angela Steinmüller.

775
01:24:00.640 --> 01:24:04.100
 Also es ist Fan-Fiction, dieses Langgedicht, und darin heißt es immer wieder,

776
01:24:09.720 --> 01:24:10.020
 also dieses Raumschiff zieht immer weg und dann heißt es, halt, halt, bleiben wir noch einen Augenblick da.

777
01:24:18.439 --> 01:24:18.640
 Im Grunde bildet dieser Move einen für mich sehr typischen Move beim Schreiben ab, dass ich immer wieder denke, ach, jetzt bin ich fertig,

778
01:24:22.739 --> 01:24:24.119
 doch noch zurückkomme zu dem Gedanken, um ihn von der anderen Seite zu sehen.

779
01:24:26.979 --> 01:24:29.239
 So komme ich auch immer wieder nach Wien zurück oder nach Linz.

780
01:24:30.939 --> 01:24:31.859
 Der Text heißt also dranbleiben.

781
01:24:35.060 --> 01:24:36.100
 Was pickt, das fliehen wir und kommen doch wieder zurückschauen.

782
01:24:39.100 --> 01:24:43.119
 Weiteres zur Problematik der Unruhe für Schriftsteller nie, die zumindest zu einem gewissen Grad auf ihren vier Buchstaben sitzen sollten,

783
01:24:43.560 --> 01:24:45.539
 so Liesl Ulveri, einst zu mir mündlich.

784
01:24:46.340 --> 01:24:48.859
 Was passiert, wenn sie es nicht schaffen und trotzdem schreiben?

785
01:24:49.840 --> 01:24:53.079
 Weiters erwogen werden die Implikationen solcher Fluchttendenzen

786
01:24:53.079 --> 01:24:56.260
 für den Kunst- und Avantgardebegriff in ihrer lockeren soziologischen

787
01:24:56.260 --> 01:25:00.460
 beziehungsweise lokalen Verankerung, auch in Sozio und Dialekt.

788
01:25:01.680 --> 01:25:05.739
 In Erinnerung auch an die Phrase Intentionen auf,

789
01:25:08.140 --> 01:25:09.260
 deren Merkwürdigkeit

790
01:25:09.260 --> 01:25:12.060
 unendliche Reflexionen auslösen kann.

791
01:25:12.060 --> 01:25:12.920
 Also Celan

792
01:25:12.920 --> 01:25:15.720
 interessiert das.

793
01:25:18.680 --> 01:25:20.199
 Meinung interessiert das.

794
01:25:21.680 --> 01:25:22.239
 Irgendwie,

795
01:25:22.760 --> 01:25:24.180
 ja egal, das führt woanders hin.

796
01:25:25.039 --> 01:25:28.859
 Eins, beim Rückbau der Sitzecken und Ofenbänke der Postmoderne.

797
01:25:30.579 --> 01:25:34.659
 Dass aber die Schwierigkeit seiner Philosophie in selbstverschuldeter Verwirrung

798
01:25:34.659 --> 01:25:39.420
 beziehungsweise ihr fröhlicher Radikalismus in der bloßen Lust an der Übertreibung begründet sei,

799
01:25:40.039 --> 01:25:41.380
 das wird man nicht sagen können.

800
01:25:42.479 --> 01:25:46.300
 Rhizom-Denken und Schizo-Aalyse, Etiketten eines anderen Denkens,

801
01:25:46.460 --> 01:25:49.500
 verkleben mit ihrem anarchistischen Slang, was sie bezeichnen.

802
01:25:50.760 --> 01:25:53.319
 Schreibt Mark Rölli im Schwerpunkt Gilles Deleuze,

803
01:25:53.420 --> 01:25:57.359
 Einleitung zur Ausgabe Deleuze im Journal Phänomenologie 2002.

804
01:25:58.939 --> 01:26:01.600
 Es ist eine wunderschöne Metapher, dieses Verkleben,

805
01:26:01.600 --> 01:26:03.680
 die zwar auf den ersten Blick dezent wirkt,

806
01:26:04.039 --> 01:26:10.079
 nur um dann bei näherem Hinsehen Erinnerungen an wildes Herumschrubben zu wecken, etwa um Etiketten von

807
01:26:10.079 --> 01:26:15.399
 beispielsweise Einweckgläsern oder Büchern zu entfernen, um die beetikettierten Gegenstände

808
01:26:15.399 --> 01:26:21.800
 ihrer nächsten Verwendung zuzuführen. Oswald Wiener würde hier vielleicht Einspeicheln sagen

809
01:26:21.800 --> 01:26:25.760
 und damit eine Vorstufe der geistigen bzw. wie wir wissen

810
01:26:25.760 --> 01:26:32.140
 ungetrennt körperlich-mentalen Verdauung meinen. Im Bild beginnen die im Speichel enthaltenen

811
01:26:32.140 --> 01:26:37.479
 Stoffe schon, das Objekt weich zu machen und zu zerlegen, die internen hartmachenden Verbindungen

812
01:26:37.479 --> 01:26:42.920
 zu lockern und zu lösen, bevor die Arbeit von mechanischen Apparaten wie Zähne und Zunge und

813
01:26:42.920 --> 01:26:50.779
 schließlich von der peristaltisch unterstützten Chemie übernommen werden. Im Fall geistiger Q-Objekte, Quasi-Objekte oder Objekte

814
01:26:50.779 --> 01:26:56.859
 oder Objekte mit dem faulen Einzeichen, das ich noch nicht erfolgreich eingeführt habe,

815
01:26:57.899 --> 01:27:02.260
 würde man, vertraute man der Metapher, von analogen Zusammenarbeiten mehrerer Phasen und

816
01:27:02.260 --> 01:27:10.899
 Mittel ausgeben, die einen ausgewählten Teil der Umwelt zu einem Teil eines biologischen Innenlebens verarbeiten. Reste werden dann der Ausscheidung

817
01:27:10.899 --> 01:27:17.500
 zugeführt, dem Amentes, dem Vergessen oder den Halden des Verdrängten, einem imaginären Container?

818
01:27:17.800 --> 01:27:23.039
 Nein, bitte nicht. Es sind vergangene Ladungen, deren Rhythmen, dünne Spuren, Erinnerungen,

819
01:27:24.220 --> 01:27:26.239
 Erinnerungen kann man wohl mit Sicherheit sagen,

820
01:27:26.340 --> 01:27:31.039
 da das Wort nichts uns Bekanntes bezeichnet, gebrauchter Kombinationen,

821
01:27:31.220 --> 01:27:35.180
 wie Wege, die man gegangen, Menschen, die man getroffen, Texte, die man gelesen,

822
01:27:35.579 --> 01:27:37.159
 Musikstücke, die man gespielt hat.

823
01:27:38.420 --> 01:27:42.260
 Aktuell wird das alles als unnötige Information nicht weiter beachtet.

824
01:27:43.399 --> 01:27:46.819
 Es steht aber doch irgendwie noch für unerwartete

825
01:27:46.819 --> 01:27:53.880
 Bedarfe und das Potenzial des Spuks zur Verfügung. Mehr als das in dieser Allgemeinheit ist schwer zu

826
01:27:53.880 --> 01:28:01.020
 wissen. Vielleicht kann man sich auch ein Holzlager vorstellen. Leim ist Horror, wenn man unaktuelle

827
01:28:01.020 --> 01:28:05.279
 Lebenszusammenhänge auch wieder abbauen möchte. Schrauben sind gut.

828
01:28:06.020 --> 01:28:09.880
 Kleber ist generell eine schlechte Idee, so die meinige mobile Ideologie.

829
01:28:10.560 --> 01:28:12.859
 Kleber macht Zeit in nur eine Richtung gehen.

830
01:28:13.340 --> 01:28:16.239
 Kleber macht Bestandteile nicht mehr für anderes brauchbar.

831
01:28:16.939 --> 01:28:19.760
 Genau das aber ist die Strategie des Bauens immer schon gewesen.

832
01:28:19.979 --> 01:28:23.420
 Zementieren, Fakten schaffen, Deutungen in die Landschaft setzen,

833
01:28:23.420 --> 01:28:27.579
 die die Wege der Bewohnenden umleiten und nur unter sehr großem Aufwand

834
01:28:27.579 --> 01:28:29.340
 wieder aus der Welt geschaffen werden können.

835
01:28:31.460 --> 01:28:34.779
 Verkleben ist ganz auf der Seite von Präsenz und Futur Simplex,

836
01:28:35.479 --> 01:28:39.319
 um ein Wort von Janine zu zitieren,

837
01:28:39.319 --> 01:28:42.000
 und in dieser Perspektive gewissermaßen geil.

838
01:28:42.739 --> 01:28:45.479
 Beim Verkleben werden die internen Verbindungen ja zunächst

839
01:28:45.479 --> 01:28:49.819
 locker und elastisch gezogen, doch verwandelt sich die locker schmatzende Zusammenfügung im

840
01:28:49.819 --> 01:28:56.319
 Verlauf des Trocknungs- bzw. Aushärtungsprozesses in enge, möglichst unlösbare Verbindungen oder

841
01:28:56.319 --> 01:29:06.579
 Beziehungen. In Verrottungsprozessen hingegen ist oft der Kleber das langlebigste. Wie ist es bei der Libido? Das führt in falsche Richtungen.

842
01:29:07.560 --> 01:29:12.140
 Ein schwerer Vorwurf war diese institutionelle Verhärtung des lockeren Sprechs bei den

843
01:29:12.140 --> 01:29:17.640
 lockersprechenden der Postmoderne, also nicht schon angelegt, in den anzügenden Positionen

844
01:29:17.640 --> 01:29:22.380
 als unsubtrahierbarer Teil der Motivation überhaupt und auf diese Weise zu sprechen.

845
01:29:23.420 --> 01:29:26.100
 Beim Abbau der Sitzecken der Postmoderne wird

846
01:29:26.100 --> 01:29:35.100
 der Hinternabdruck dieser Leute negativ sichtbar von hinten unten. Zwei, Klebrig revisited, mit so

847
01:29:35.100 --> 01:29:41.800
 wenig Durchhaltevermögen, einer dieser leicht unrunden Besuche. Ich suche Klebrig bei Freud,

848
01:29:41.979 --> 01:29:45.500
 weiß, dass ich diese Stelle schon vor langer Zeit gesucht habe.

849
01:29:49.699 --> 01:29:51.159
 Diesmal ergibt eine Internetsuche als erstes ein Zitat vom Dichter Werner Kofler.

850
01:29:54.220 --> 01:29:54.800
 Darin der Verweis auf die 22. Vorlesung Freuds.

851
01:29:56.220 --> 01:29:57.000
 An diesem Punkt war ich schon mal.

852
01:29:59.260 --> 01:30:00.279
 Die Abzweigungsbereitschaft steigt.

853
01:30:02.300 --> 01:30:02.760
 Ich, Schlefrig, lese falsch.

854
01:30:19.500 --> 01:30:26.899
 Zwölfte Vorlesung und finde die folgende Stelle, die mich aber zu interessieren beginnt. Der Traum eines Mannes, der seinen Vater vor mehrerenliegende Dinge. Der Vater ist gestorben, das wissen wir.

855
01:30:27.500 --> 01:30:30.079
 Dass er exhumiert worden entspricht nicht der Wirklichkeit,

856
01:30:30.260 --> 01:30:32.560
 die ja auch für alles Weitere nicht in Betracht kommt.

857
01:30:32.560 --> 01:30:36.920
 Aber der Träumer erzählt, nachdem er vom Begräbnis des Vaters zurückgekommen war,

858
01:30:37.060 --> 01:30:38.720
 begann ihn ein Zahn zu schmerzen.

859
01:30:39.380 --> 01:30:42.479
 Er wollte diesen Zahn nach der Vorschrift der jüdischen Lehre behandeln.

860
01:30:42.619 --> 01:30:50.159
 Wenn dich dein Zahn ärgert, so reiße ihn aus und begab sich zum Zahnarzt. Der aber sagte, einen Zahn reißt man nicht, man muss Geduld mit

861
01:30:50.159 --> 01:30:54.960
 ihm haben. Ich werde etwas einlegen, um ihn zu töten. Nach drei Tagen kommen sie wieder, dann werde ich

862
01:30:54.960 --> 01:31:03.119
 es herausnehmen. Dies herausnehmen, sagt der Träumer plötzlich, das ist das Exhumieren. Sollte der

863
01:31:03.119 --> 01:31:05.159
 Träumer recht haben?

864
01:31:08.739 --> 01:31:15.899
 Es stimmt zwar nicht ganz, nur so ungefähr, denn der Zahn wird ja nicht herausgenommen, sondern etwas, das Abgestorbene aus ihm. Aber dergleichen Ungenauigkeiten darf man der Traumarbeit nach anderen Erfahrungen wohl zutrauen.

865
01:31:16.920 --> 01:31:23.060
 Dann hätte der Träumer den verstorbenen Vater mit dem getöteten und doch erhaltenen Zahn verdichtet, zu einer Einheit verschmolzen.

866
01:31:23.520 --> 01:31:25.380
 Kein Wunder dann, dass im Manifestentraum

867
01:31:25.380 --> 01:31:30.300
 etwas Sinnloses zustande kommt, denn es kann noch nicht alles auf den Vater passen, was vom Zahn

868
01:31:30.300 --> 01:31:35.319
 gesagt wird. Wo wäre überhaupt das Tertium Comparationis zwischen Zahn und Vater, welches

869
01:31:35.319 --> 01:31:41.500
 diese Verdichtung ermöglicht? Es muss aber doch wohl so sein, denn der Träumer fährt fort. Es sei

870
01:31:41.500 --> 01:31:47.560
 ihm bekannt, wenn man von einem ausgefallenen Zahn träumt, so bedeutet es, dass man ein Familienmitglied verlieren werde.

871
01:31:49.039 --> 01:31:54.500
 Wir wissen, dass diese populäre Deutung unrichtig oder wenigstens nur in einem skurrilen Sinne richtig ist.

872
01:31:55.260 --> 01:32:01.020
 Umso mehr wird es uns überraschen, das so angeschlagene Thema doch hinter den anderen Stücken des Trauminhalts aufzufinden.

873
01:32:02.340 --> 01:32:03.020
 Soweit Freud.

874
01:32:10.880 --> 01:32:15.880
 aufzufinden. Soweit Freud. Zunächst interessiert es mich, dieses angeschlagene Thema, weil ich von Menschen inklusive mir selbst gelegentlich den horrenden Gedanken hatte, ob sie oder wir nicht

875
01:32:15.880 --> 01:32:23.199
 schon vor Jahrzehnten gestorben sind. Hirntod auf eine spezielle Weise. Posthistoire, in dem keine

876
01:32:23.199 --> 01:32:25.060
 neuen Gedanken möglich sind,

877
01:32:29.300 --> 01:32:29.680
 da zum Beispiel alles verworfen oder als mehr oder weniger irrelevant abgetan wird,

878
01:32:32.539 --> 01:32:37.239
 was sich nicht im Licht der gegenwärtig etablierten Weltdeutung nutzbar machen lässt. So las ich erst gestern bei Franz Josef

879
01:32:37.239 --> 01:32:40.539
 einen kritischen Kommentar über diese Art der Bewirtschaftung als Haltung

880
01:32:40.539 --> 01:32:47.739
 eines Kommentars von jemandem über die Nutzbarmachung von Goethe,

881
01:32:48.060 --> 01:32:51.140
 der im Prolog zu Faust II ja so aktuell anwendbar sei.

882
01:32:51.939 --> 01:32:54.520
 Er brachte es gut auf den Punkt und ich wäre nicht draufgekommen,

883
01:32:54.640 --> 01:33:01.760
 weil ich selbst umgekehrt historische Texte, Zweckseinfühlung in die Vergangenheit lese.

884
01:33:02.640 --> 01:33:06.220
 Auch wenn dies wieder unter anderem schon auch dazu dient,

885
01:33:06.420 --> 01:33:09.300
 die mir in vielen Hinsichten nicht wirklich einleuchtende Gegenwart

886
01:33:09.300 --> 01:33:10.859
 genealogisch zu verstehen,

887
01:33:11.399 --> 01:33:13.920
 immer natürlich auf der Suche nach archimedischen Punkten

888
01:33:13.920 --> 01:33:15.619
 und kritische Hebel anzusetzen.

889
01:33:16.560 --> 01:33:18.399
 Aber die Vergangenheit als Krempellager,

890
01:33:19.079 --> 01:33:20.939
 das man sich nicht leisten kann zu ändern,

891
01:33:20.939 --> 01:33:23.739
 aber wo man immerhin immer ein passendes Teil findet

892
01:33:23.739 --> 01:33:27.600
 und die Vergangenheit als mächtige Präfiguration der Gegenwart,

893
01:33:27.800 --> 01:33:30.819
 Monumentalarchitektur, Straßenbau und so weiter,

894
01:33:31.020 --> 01:33:36.020
 sind ja nur zwei Punkte auf einem Spektrum zwischen tatkräftiger opportunistischer Nutzung

895
01:33:36.020 --> 01:33:38.640
 und vorsichtiger paranoider Beobachtung.

896
01:33:39.859 --> 01:33:43.079
 Irgendwo in dieses Bad muss ich mich einlassen,

897
01:33:43.479 --> 01:33:50.159
 wenn ich, wie immer vorgenommen, nie realisiert, nie erfolgreich realisiert, aufhören will, mich herauszunehmen.

898
01:33:52.060 --> 01:33:56.579
 Lässt man sich aber ein, beginnen sofort die Verdrängungsprozesse zu schwappen.

899
01:34:00.739 --> 01:34:13.159
 Mehr zum Tod im Leben 3. Gedanken wie das eines quasi nekrotischen Fortlebens nach dem erkenntnistheoretischen Absterben sind furchterregend, besonders wo man sich selbst davon betroffen fühlt.

900
01:34:14.779 --> 01:34:18.760
 Ich schreibe dies im Postsektal nach einem Gespräch mit unserem Nachbarn Hubert.

901
01:34:19.279 --> 01:34:27.819
 Unsere Gespräche sind von Wohlwollen und Hilfsbereitschaft seinerseits, Erkenntlichkeit meinerseits geprägt, aber holprig, da ich mich keinem Dialekt zugehörig fühle.

902
01:34:28.340 --> 01:34:31.420
 Aber auch von meinem Hochdeutsch kann man nicht gerade sagen, dass es sitzt.

903
01:34:32.039 --> 01:34:39.140
 Es springt vielmehr auf und läuft herum, nach diesem, jenem Schnüffeln, schwanzwedelnd freilich, wie Ilse Kilic manchmal bemerkte.

904
01:34:39.140 --> 01:34:44.520
 Und Leute finden mich auch grundsätzlich sympathisch, wie mein Freund immer wieder mit Staunen bemerkt.

905
01:34:44.520 --> 01:34:45.119
 finden mich auch grundsätzlich sympathisch, wie mein Freund immer wieder mit Staunen bemerkt,

906
01:34:50.359 --> 01:34:58.039
 beziehungsweise es wäre aufwendiger, mich unsympathisch zu finden. Das wittern alle und nur Leute, die sich selbst ganz klare Kriterien haben, meistern diesen Aufwand. Aber alles das

907
01:34:58.039 --> 01:35:02.899
 sieht nicht nach Arbeit aus, hat offensichtlich keine Ordnung und bringt auch alle anderen

908
01:35:02.899 --> 01:35:07.460
 durcheinander. Das wird schon noch, meinte Hubert, apropos der unsichtbaren,

909
01:35:07.600 --> 01:35:10.960
 aber an Spuren in meinem Sprechen offensichtlich erkennbaren Unruhe

910
01:35:10.960 --> 01:35:15.520
 und zuversichtlichen Ratlosigkeit, die mich zweifellos umgeben, unvermittelt.

911
01:35:16.100 --> 01:35:18.000
 Die Abläufe werden sich schon finden.

912
01:35:19.420 --> 01:35:23.939
 Bei der Freiwilligen Feuerwehr trainieren sie den ganzen Winter die Abläufe für den Bewerb

913
01:35:23.939 --> 01:35:26.380
 und haben gerade den zweiten Platz Silber gewonnen,

914
01:35:27.359 --> 01:35:33.699
 also wo die jeweilige Aufgabe per Los zugeteilt wird und nicht fix ist wie eine Stimme im Quartett.

915
01:35:35.239 --> 01:35:39.699
 Hingegen habe ich, wenn sich Automatismen einschleichen, mich sofort im Verdacht.

916
01:35:40.079 --> 01:35:42.880
 Übrigens sagte meine Schwester, die Cellistin, etwas Interessantes,

917
01:35:42.880 --> 01:35:43.300
 Übrigens sagte meine Schwester, die Cellistin, etwas Interessantes,

918
01:35:50.640 --> 01:35:50.840
 dass das Entspannende an der Kammermusik ist, dass die Rollen nicht wechselbar sind.

919
01:35:57.340 --> 01:36:04.640
 Du kannst als Geige das Cello hassen, aber du kannst leider nicht denken, dass du es besser können würdest. Das habe laut Lucy die Gespräche innerhalb der Quartette sehr gestützt, dieses Wissen,

920
01:36:05.159 --> 01:36:09.539
 das wir in vielen gesellschaftlichen Diskussionen inklusive Literatur ja nicht haben.

921
01:36:12.840 --> 01:36:14.960
 Also Aufgabe per Los zugeteilt.

922
01:36:15.680 --> 01:36:21.199
 Im Silberbewerb, während Bronze, da muss jeder immer nur das machen,

923
01:36:21.319 --> 01:36:23.720
 was er oder sie speziell trainiert hat.

924
01:36:25.420 --> 01:36:29.500
 Hingegen habe ich, wenn sich Automatismen bei mir einschleichen, mich sofort im Verdacht.

925
01:36:30.260 --> 01:36:35.619
 Automatismen bewegen sich in einem Leben wie meinem eher näher an Idiosynkrasien als am üblichen

926
01:36:35.619 --> 01:36:42.739
 und sind daher als potenzielle Störfaktoren in der Zusammenarbeit mit anderen einzustufen.

927
01:36:43.220 --> 01:36:45.220
 Ich versuche sie auszubügeln.

928
01:36:46.159 --> 01:36:47.260
 Ich bin nicht hirntot,

929
01:36:47.779 --> 01:36:49.439
 sondern lernbereit. Gegenüber Hubert

930
01:36:49.439 --> 01:36:51.180
 nehme ich sofort wie ein gelehriger Hund

931
01:36:51.180 --> 01:36:53.220
 die Rolle einer Person ein, die viel jünger ist,

932
01:36:53.279 --> 01:36:55.100
 als ich bin. Eine Art gelehriger,

933
01:36:55.220 --> 01:36:57.100
 sensibler, nur etwas verkrusteter und

934
01:36:57.100 --> 01:36:58.460
 begriffsstutziger Teenager.

935
01:36:59.000 --> 01:37:01.199
 Was so weit geht, dass ich die Atmosphären nicht richtig

936
01:37:01.199 --> 01:37:03.319
 erkenne. Aber man kann mit mir nicht gut rumstehen.

937
01:37:03.500 --> 01:37:05.880
 Also kann man mit mir nicht gut rumstehen.

938
01:37:07.159 --> 01:37:09.640
 Aber ich habe eine To-Do-Liste voller kleiner Hints,

939
01:37:10.079 --> 01:37:13.720
 Hints von Hubert, die ich schon teils ausgeführt habe.

940
01:37:13.960 --> 01:37:17.239
 Ich baue auf diese Kommunikation durch die Füße, durch die Tat,

941
01:37:17.359 --> 01:37:19.619
 um zu erkennen zu geben, dass meine Ohren funktionieren.

942
01:37:20.199 --> 01:37:22.659
 Dann ist nicht nur das mentale Weiterleben gesichert,

943
01:37:23.199 --> 01:37:25.579
 vielleicht wächst das Leben auch noch irgendwann in eine Form,

944
01:37:25.739 --> 01:37:28.779
 die sich gut an die Bestehende anschließt und doch so beweglich ist,

945
01:37:30.020 --> 01:37:33.819
 wie die possige Fichtenskyline, die ein bisschen der von Manhattan ähnelt.

946
01:37:35.260 --> 01:37:36.840
 Vier Weltobsessionen.

947
01:37:37.180 --> 01:37:41.899
 Ängste, Brennnesselmassaker, Analyse der stellvertretenden Handlungen.

948
01:37:42.800 --> 01:37:44.680
 Muss es denn ein Irrationalismus sein,

949
01:37:44.840 --> 01:37:47.619
 der den Hinweis auf eine zweckentfremdete Motivation gibt?

950
01:37:48.859 --> 01:37:57.359
 Im Gegenteil, sind es nicht die rationalisiertesten Erklärungen, hinter denen sich die Gelüste, die sich am stärksten meinen, verstecken zu müssen, verstecken?

951
01:37:58.899 --> 01:38:05.039
 Brennnesselmassaker. Eine lange, sinnschwache Tätigkeit, während der man genug Zeit hat, darüber nachzudenken,

952
01:38:05.159 --> 01:38:08.319
 warum man eigentlich gerade dazu die Motivation aufgebracht hat.

953
01:38:09.720 --> 01:38:10.840
 Das Moos bleibt da.

954
01:38:12.119 --> 01:38:14.880
 Im Literaturkontext ist es genug, das zu sagen.

955
01:38:15.180 --> 01:38:18.600
 Man versteht, was gemeint ist. Alles andere wäre pedantisch und zu lang.

956
01:38:18.979 --> 01:38:20.020
 Das Moos bleibt da.

957
01:38:20.539 --> 01:38:26.420
 Im thesigen Kontext hingegen sollte ich erläutern, was ich denn genau damit sagen will und wem und warum,

958
01:38:26.960 --> 01:38:28.819
 also wie die Ironie genau beschaffen ist.

959
01:38:29.319 --> 01:38:31.000
 Das nagelt mich auf den Text fest,

960
01:38:31.119 --> 01:38:35.220
 während bei der Literatur die Bedeutung mit dem Publikum wechseln kann.

961
01:38:36.140 --> 01:38:37.840
 Ich lasse das mal so stehen,

962
01:38:38.500 --> 01:38:40.300
 wie die andere Hälfte der Brennnessel halte.

963
01:38:41.180 --> 01:38:42.279
 Tu mal einer Freude rein.

964
01:38:42.920 --> 01:38:44.479
 Nein, warte noch einen Augenblick.

965
01:38:46.479 --> 01:38:52.520
 Noch einen Moment bei diesem hier dranbleiben. Siehst du, wie Motive wiederverwendest, wie Farben, Gesten bei Malern, Moves bei Kunsteisläufer

966
01:38:52.520 --> 01:39:01.600
 nie, weil dir der Move gefällt, entspricht nicht qua Identität, dass es zu mir passen würde und ich es

967
01:39:01.600 --> 01:39:06.899
 daher gar bejahen würde. Es antwortet einem Bedürfnis, das ich oft habe,

968
01:39:07.039 --> 01:39:09.760
 und malt eine Selbstkorrektur nach, die ich oft mache.

969
01:39:09.760 --> 01:39:18.460
 Aber wenn das die abgekürzte evolutionäre Narrative ist,

970
01:39:18.800 --> 01:39:20.300
 dieses Zweckdenken nämlich,

971
01:39:20.939 --> 01:39:29.819
 dann ist die darunterliegende plausible, tatsächliche Geschehnisform die des Energiesparens.

972
01:39:29.819 --> 01:39:38.720
 So wie man abgekürzt sagen könnte, ein Fluss macht ein Knie, weil es nicht weiß, dass es gerade durchstechen könnte.

973
01:39:39.199 --> 01:39:46.819
 In Wirklichkeit wird da in jedem Augenblick die energiesparendste Entscheidung getroffen vom Wasser.

974
01:39:48.180 --> 01:39:50.520
 Also es braucht nicht zu überraschen, dass es Knie gibt.

975
01:39:52.279 --> 01:39:55.720
 Es zintert allerdings der Text hier in LKR-Modus.

976
01:39:57.079 --> 01:40:00.720
 Anna Freund hingegen schreibt, nein, LKR schreibt auch sehr knapp,

977
01:40:00.920 --> 01:40:03.380
 aber auch Anna Freund sehr knapp und sehr plausibel.

978
01:40:04.060 --> 01:40:09.619
 Es ist also leicht, Schlüsselsätze abzunicken und weiterzulesen, aber eine Erläuterung wie die folgende bringt

979
01:40:09.619 --> 01:40:28.520
 sehr viele bedenkenswürdige Konsequenzen mit sich. but equally to former defensive measures against the instincts. Thus, he not only transfers undistorted infantile id impulses,

980
01:40:28.760 --> 01:40:32.939
 which become subject to a censorship on the part of the adult ego secondarily,

981
01:40:33.439 --> 01:40:37.680
 and not until they force their way to conscious expression.

982
01:40:38.380 --> 01:40:42.399
 He also transfers id impulses in all those forms of distortion

983
01:40:42.399 --> 01:40:44.560
 which took shape while he was still in infancy.

984
01:40:53.220 --> 01:40:56.100
 5. Plötzlich ein Flash von Erkenntnis. Timing wird mich retten.

985
01:40:59.340 --> 01:40:59.720
 Jetzt weiß sicher wieder keiner, was ich meine. Ich eigentlich auch nicht.

986
01:41:12.699 --> 01:41:12.840
 Es ist eine Losung, die den Eindruck macht, als könnte sie sich auf sinnige und von mir noch nicht geahnte Weise bewahrhalten. Gibt es solche Sätze, die sich als Orakel zu erkennen geben? Der Wiederholungszwang.

987
01:41:17.420 --> 01:41:17.520
 Anna Freud legt den Finger auf den für mich interessantesten Punkt. Das, was wiederholt wird,

988
01:41:21.880 --> 01:41:29.079
 etwas schon Verwandeltes ist. Aus meiner Sicht, vielleicht gibt es keinen ursprünglichen oder richtigen Trieb, keine Erklärung. Es könnte doch recht zufällig sein, an welchem Ende man das Netzwerk des Verwechselbaren zuerst anhebt.

989
01:41:29.500 --> 01:41:31.479
 Früher oder später wird man den Rest kennenlernen.

990
01:41:32.159 --> 01:41:35.399
 Aber je nach dem Ende, wo man es aufzäumt, wird die Erklärung anders lauten,

991
01:41:35.640 --> 01:41:37.180
 das zu Erklärende anders aussehen.

992
01:41:39.680 --> 01:41:44.659
 Sechs, weiterlesend Anna Freud, die Fluchtreaktion wird sogar explizit benannt.

993
01:42:05.479 --> 01:42:10.899
 weiterlesend Anna Freud, die Fluchtreaktion wird sogar explizit benannt. reaction of flight from a positive love fixation in latent female homosexuality or the submissive feminine masochistic attitude to which Wilhelm Reich has called attention in male patients whose

994
01:42:10.899 --> 01:42:13.579
 relations to their fathers were once characterized by aggression.

995
01:42:15.739 --> 01:42:20.579
 Ob es sogar ein Markenzeichen ist einer Kaste von Menschen, die früh resignierten, die ihre

996
01:42:20.579 --> 01:42:28.319
 wirklichen Interessen als völlig unmöglich in der realen Welt einsehen und dann immer quasi pro forma funktionieren, als ginge sie das alles nichts an?

997
01:42:29.479 --> 01:42:33.819
 So bündelte man andere Kategorien von Menschen zusammen als die übliche Identitätspolitik,

998
01:42:34.760 --> 01:42:37.039
 die von einem Richtigen ausgeht.

999
01:42:39.159 --> 01:42:43.460
 Die Rationalisierungen also als cover für Verbotene oder Versagte,

1000
01:42:43.520 --> 01:42:50.979
 aus welchem Grund auch immer, mit schambehaftete Wünsche und dann die Gewohnheit von Vorwänden, ein Labyrinth, eine Wirtschaft von kleinen Lebenslügen und Verschiebungen,

1001
01:42:51.760 --> 01:43:07.720
 entsteht das Bild zu eines Schiebepuzzles. Und aus dem kommt das Bild heraus, das ich von Karl Bühler hier hineinsetzen möchte, nämlich der Funktionslust, die im Grunde viel mehr Driving Force sein könnte als jegliches Trauma,

1002
01:43:07.840 --> 01:43:10.260
 Schmerz oder Schonhaltungen.

1003
01:43:12.020 --> 01:43:16.239
 Die Freude an der Virtuosität

1004
01:43:16.239 --> 01:43:20.180
 im Umräumen von Schonhaltungen könnte

1005
01:43:20.180 --> 01:43:24.220
 wesentlich mehr zu deren Perpetuierung beitragen,

1006
01:43:25.060 --> 01:43:30.899
 auch längst nachdem der grundsätzliche Kleber verrottet ist

1007
01:43:30.899 --> 01:43:34.260
 oder die Situation, die diesen Kleber brauchte.

1008
01:43:35.420 --> 01:43:39.079
 Man kann also froh sein, wenn es so einfach ist wie ein Jogeltisch

1009
01:43:39.079 --> 01:43:42.439
 mit dem Geheimfach für wichtige Dokumente unter der schweren Tischplatte,

1010
01:43:42.439 --> 01:43:45.460
 die so dick ist, dass sie nicht verbrennt, wenn das Haus verbrennt,

1011
01:43:45.760 --> 01:43:47.399
 die Dokumente also geschützt werden.

1012
01:43:48.039 --> 01:43:48.840
 Diese Dokumente.

1013
01:43:50.060 --> 01:43:51.720
 Die Jade, die der Prinz zu viel hat

1014
01:43:51.720 --> 01:43:53.119
 in der Erzählung der Roten Kammer.

1015
01:43:54.260 --> 01:43:55.640
 Der Poller, der als Schildträger

1016
01:43:55.640 --> 01:43:58.380
 vom Bauer der Wassermühlen 2008 benutzt wurde

1017
01:43:58.380 --> 01:44:01.279
 und daher in einer Nasswiese mitten im Stanzertal steht,

1018
01:44:01.659 --> 01:44:03.119
 mit der die Erbauung der Wassermühle

1019
01:44:03.119 --> 01:44:04.760
 erklärenden Aluminiumplakette.

1020
01:44:06.699 --> 01:44:10.560
 Displaced Objects, deren Trajectoire,

1021
01:44:10.819 --> 01:44:14.239
 Karriere, Weg nach A nach B,

1022
01:44:15.479 --> 01:44:18.420
 ein verlässlich vor den Objekten verrottener Kleber.

1023
01:44:22.680 --> 01:44:24.800
 Von da ist alles Reverse Engineering.

1024
01:44:26.060 --> 01:44:31.579
 Ich danke für die Langmut und wünsche uns noch interessante Gespräche und ich danke für den Preis.

1025
01:44:42.020 --> 01:44:43.840
 Es bleibt ein Geheimnis.

1026
01:44:43.840 --> 01:44:45.840
 Es bleibt ein Geheimnis.

1027
01:44:47.359 --> 01:44:48.079
 Herzliche Gratulation.

1028
01:44:48.880 --> 01:44:48.960
 Danke, Thomas. Danke, Thomas.

1029
01:44:54.079 --> 01:45:00.619
 Wir haben uns vorgenommen, ein Gespräch zu führen mit dem Essertreisträger,

1030
01:45:00.840 --> 01:45:10.939
 mit Benedikt Ledebohr, der vielleicht mit ein paar Punkten uns noch den Abend, den Ausklang bringen kann.

1031
01:45:11.880 --> 01:45:15.739
 Der kurze Ausklang zum langen Abend.

1032
01:45:28.319 --> 01:45:28.460
 viel studiert und schreibt seit vielen Jahren einerseits Gedichte, also das poetische Opfer,

1033
01:45:35.899 --> 01:45:36.579
 noch im letzten Jahrtausend erschienen, aber auch mit den Essays die Befassung, wie ich meine,

1034
01:45:45.380 --> 01:45:46.159
 mit grundlegenden Mustern der skeptischen Philosophie, des Skeptizismus in der Philosophie.

1035
01:45:48.020 --> 01:45:49.819
 Und ich möchte einfach ein paar Punkte da ansetzen, aus deinem

1036
01:45:49.819 --> 01:45:51.340
 einen Band Montaigne,

1037
01:45:51.680 --> 01:45:54.260
 der im Jahr 2010 erschienen ist

1038
01:45:54.260 --> 01:45:56.260
 und andererseits

1039
01:45:56.260 --> 01:45:58.260
 die Übersetzung, das ist auch ein wichtiger

1040
01:45:58.260 --> 01:46:00.100
 Punkt in deinem Werk,

1041
01:46:00.239 --> 01:46:01.920
 nämlich die Übersetzung der Dichtung

1042
01:46:01.920 --> 01:46:03.699
 anderer und dieser

1043
01:46:03.699 --> 01:46:10.500
 John Donne, nach John Donne, eine Nachdichtung in einer Reise.

1044
01:46:10.979 --> 01:46:16.039
 Vielleicht kann ich da so einen kleinen Bogen spannen und dich dann bitten, dass du vielleicht auf das versuchst,

1045
01:46:16.079 --> 01:46:17.779
 irgendwie einzugehen und das zu erläutern.

1046
01:46:18.420 --> 01:46:28.119
 Nämlich zum einen gehst du in deinem Sextus Empiricus Kapitel in den Präliminarien in diesem Montaigne-Buch

1047
01:46:28.119 --> 01:46:34.380
 von der Wittgenstein-Kritik an Augustinus aus.

1048
01:46:34.380 --> 01:46:39.560
 Also dieser Beginn der philosophischen Untersuchungen, wo Wittgenstein davon spricht,

1049
01:46:40.180 --> 01:46:50.819
 dass Augustinus ein eigenartiges oder für ihn nicht akzeptables und zu einfaches Bild des Sprachenlernens entwickeln würde.

1050
01:46:50.840 --> 01:46:52.520
 Oder von Sprache an sich.

1051
01:46:52.539 --> 01:46:56.260
 Von Sprache an sich und wie die Sprache sozusagen auch gelernt wird,

1052
01:46:56.260 --> 01:47:00.199
 nämlich in dem Sinn, dass Sprache insofern gelernt wird,

1053
01:47:09.079 --> 01:47:12.380
 als käme ein Kind in ein fremdes Land und lernte eine Sprache und hätte aber schon das Denken und die eigene Sprache.

1054
01:47:15.880 --> 01:47:20.380
 Zweimal wird Augustinus bei Wittgenstein zitiert in den philosophischen Untersuchungen.

1055
01:47:21.100 --> 01:47:26.840
 Und das erste Mal ist es eben dieses Einfache, wo er nur bringt das Beispiel,

1056
01:47:27.000 --> 01:47:30.760
 dass Augustinus in den Konfessionen es am Anfang bringt, wo er sagt, wie habe ich Sprache

1057
01:47:30.760 --> 01:47:35.819
 gelernt, eigentlich, dass die Sprache immer wiederholt wurde und dann habe ich durch Wiederholung

1058
01:47:35.819 --> 01:47:43.739
 gemerkt, wofür sie da sind, die Worte, was mit ihnen bezeichnet wird und er bringt dann,

1059
01:47:43.739 --> 01:47:47.560
 er sagt, das ist ein primitives Sprachspiel quasi,

1060
01:47:47.680 --> 01:47:49.899
 eine primitive Auffassung von Sprache.

1061
01:47:50.539 --> 01:47:55.020
 Und er bringt das dann mit den Farbmustern,

1062
01:47:55.020 --> 01:47:58.260
 wenn er Platten holt, und bringt das da.

1063
01:47:58.539 --> 01:48:01.640
 Und das zweite Mal, wie er das dann bringt mit dem Kind,

1064
01:48:02.159 --> 01:48:06.100
 das kommt in ein anderes Land und die Sprache nicht beherrscht

1065
01:48:06.100 --> 01:48:07.399
 und dann die Sprache lernt.

1066
01:48:08.079 --> 01:48:11.579
 Es kann deswegen lernen, weil es ja schon eine andere Sprache hat.

1067
01:48:12.300 --> 01:48:18.739
 Das ist eigentlich schon der Zweifel daran, an dieser primitiven, also da gesteht er dem August,

1068
01:48:18.739 --> 01:48:22.600
 da spürt er das oder er benutzt es dann eigentlich, wie zu sagen, es ist so,

1069
01:48:22.720 --> 01:48:24.760
 aber da ist ja schon noch mehr da, nicht?

1070
01:48:21.579 --> 01:48:21.979
 nützt es dann eigentlich, wie zu sagen,

1071
01:48:24.039 --> 01:48:25.960
 es ist so, aber da ist ja schon noch mehr da, weil auch beim ersten

1072
01:48:25.960 --> 01:48:27.899
 primitiven Sprachspiel sind eben

1073
01:48:27.899 --> 01:48:30.560
 sehr viele Voraussetzungen

1074
01:48:30.560 --> 01:48:31.960
 schon da, dass der

1075
01:48:31.960 --> 01:48:33.720
 überhaupt von einer Farbskala,

1076
01:48:34.140 --> 01:48:35.819
 mit der Farbskala das zeigen,

1077
01:48:35.939 --> 01:48:36.800
 dass man das sieht.

1078
01:48:37.520 --> 01:48:39.619
 Und wie beim

1079
01:48:39.619 --> 01:48:41.479
 Peter Waterhouse gewesen ist, dieses

1080
01:48:41.479 --> 01:48:43.779
 Zeigen und Nichtsehen, das hat mich daran

1081
01:48:43.779 --> 01:48:44.779
 erinnert, dass

1082
01:48:44.779 --> 01:48:46.520
 Augustinus

1083
01:48:46.520 --> 01:48:48.159
 sagt, Worte bedeuten

1084
01:48:48.159 --> 01:48:49.859
 nichts und eben wenn man deutet,

1085
01:48:50.079 --> 01:48:52.100
 dann sieht man nicht, weil dann hat man ja

1086
01:48:52.100 --> 01:48:54.239
 schon das Schema, was man projiziert

1087
01:48:54.239 --> 01:48:55.560
 auf etwas, was vielleicht

1088
01:48:55.560 --> 01:48:57.619
 sozusagen gar nicht da ist,

1089
01:48:58.000 --> 01:49:00.020
 sondern es ist nur die Aufforderung,

1090
01:49:00.380 --> 01:49:01.859
 schau hin

1091
01:49:01.859 --> 01:49:03.500
 und dann

1092
01:49:03.500 --> 01:49:04.680
 mach das.

1093
01:49:04.680 --> 01:49:05.939
 Und das untersuche ich hin und dann mach das und das

1094
01:49:05.939 --> 01:49:09.359
 untersuche ich dann

1095
01:49:09.359 --> 01:49:11.659
 und dann sage ich eben

1096
01:49:11.659 --> 01:49:13.680
 dass er nicht den eigentlichen

1097
01:49:13.680 --> 01:49:15.199
 Sprachdialog den

1098
01:49:15.199 --> 01:49:17.520
 Augustinus geschrieben hat, den Magistro

1099
01:49:17.520 --> 01:49:19.619
 das ist sozusagen von Kratulos

1100
01:49:19.619 --> 01:49:21.279
 von Platon Dialog

1101
01:49:21.279 --> 01:49:23.539
 wo genau das verhandelt wird

1102
01:49:23.539 --> 01:49:25.060
 mit Hermogenes.

1103
01:49:29.079 --> 01:49:38.600
 Also entweder ist das konventionell, wir einigen uns, was die Sprache bedeutet, das beruht auf Konvention oder der Name hat einen Zusammenhang mit dem, wofür er steht,

1104
01:49:39.920 --> 01:49:41.720
 einen natürlichen Zusammenhang.

1105
01:49:41.720 --> 01:49:42.579
 einen natürlichen Zusammenhang.

1106
01:49:49.380 --> 01:49:49.520
 Und Augustinus korrigiert das in dem Sinn, dass er sagt,

1107
01:49:53.699 --> 01:49:58.840
 ja, Worte bedeuten eben nichts, sie sind Aufforderungen und entweder du kannst eben schauen mit den Sinnen,

1108
01:49:59.100 --> 01:50:01.899
 dich nach außen richten auf das, was da ist

1109
01:50:01.899 --> 01:50:09.140
 und das Wort bringt diese Aufforderung, schau doch oder schau in dich hinein,

1110
01:50:09.260 --> 01:50:18.420
 weil er ist natürlich Neu-Platoniker und glaubt nicht wie Aristoteles, dass wir eine Tabula rasa sind

1111
01:50:18.420 --> 01:50:26.760
 und erst alles sozusagen eingeschrieben bekommen durch die Welt, sondern wir sind eben schon geboren mit einer inneren Orientierung

1112
01:50:26.760 --> 01:50:33.020
 und Schematas, die sozusagen aktiviert werden, wenn wir nach innen schauen.

1113
01:50:35.039 --> 01:50:39.060
 Was hat das auch dann damit zu tun, oder du führst das dann, glaube ich, heraus,

1114
01:50:39.539 --> 01:50:45.300
 dass es diesen Unterschied eben gibt zwischen dem nach außen gerichteten Sprachlernen jetzt wiederum,

1115
01:50:45.899 --> 01:50:47.800
 das durch ein Hinweisen

1116
01:50:47.800 --> 01:50:49.119
 oder ein Zeigen vielleicht,

1117
01:50:50.020 --> 01:50:52.060
 nicht ein Bedeuten, sondern ein Zeigen gemacht wird

1118
01:50:52.060 --> 01:50:53.460
 und das ist nach innen schauen,

1119
01:50:53.859 --> 01:50:55.819
 wie das dann Wittgenstein ja auch sieht,

1120
01:50:56.380 --> 01:50:58.039
 dass es eben das Anschlagen

1121
01:50:58.039 --> 01:50:59.239
 einer Taste auf dem

1122
01:50:59.239 --> 01:51:01.539
 Vorstellungsklavier sei

1123
01:51:01.539 --> 01:51:04.000
 oder dass so ein Bild

1124
01:51:04.000 --> 01:51:06.899
 vor der Seele erscheint,

1125
01:51:07.020 --> 01:51:11.100
 wie das, glaube ich, in den Wittgenstein-Formulierungen in Abgrenzung jetzt zu Augustinus heißt.

1126
01:51:11.119 --> 01:51:17.000
 Genau, in Abgrenzung, weil er eben nicht kennt in dem Magistro

1127
01:51:17.000 --> 01:51:18.880
 oder auf jeden Fall nicht rezipiert zu haben,

1128
01:51:19.039 --> 01:51:22.020
 der kommt auf jeden Fall nicht vor in den philosophischen Untersuchungen,

1129
01:51:22.020 --> 01:51:26.000
 weil in dem Augustinus dann schon eine,

1130
01:51:26.359 --> 01:51:27.859
 da gibt es dann vier oder fünf

1131
01:51:27.859 --> 01:51:29.560
 verschiedene Arten von Zeichen

1132
01:51:29.560 --> 01:51:31.800
 und da kommen auch Dinge vor, die dann bei

1133
01:51:31.800 --> 01:51:33.699
 Wittgenstein vorkommen, zum Beispiel,

1134
01:51:34.140 --> 01:51:35.140
 dass ich irgendwie,

1135
01:51:36.260 --> 01:51:37.939
 erstens zum Beispiel das Zeigen,

1136
01:51:38.039 --> 01:51:40.180
 das Zeichen, dass das Zeigen bedeutet

1137
01:51:40.180 --> 01:51:41.939
 und nicht das, worauf gezeigt

1138
01:51:41.939 --> 01:51:43.920
 wird. Also das Zeichen,

1139
01:51:43.920 --> 01:51:45.600
 das Wort sein bedeutet.

1140
01:51:45.819 --> 01:51:47.880
 Oder dann macht er sich Gedanken eben,

1141
01:51:48.199 --> 01:51:51.859
 wie kann ich etwas verständlich machen, indem ich es vorführe.

1142
01:51:52.359 --> 01:51:54.699
 Aber dann muss ich das ja das Vorführen begrenzen,

1143
01:51:54.859 --> 01:51:58.539
 damit ich verstehe, dass das jetzt beispielhaft zu verstehen ist.

1144
01:51:59.439 --> 01:52:04.199
 Und alle diese Dinge, und da hat eine ganze Hierarchie von Zeichnen,

1145
01:52:04.619 --> 01:52:06.000
 die sich dann auch finden.

1146
01:52:07.479 --> 01:52:10.340
 Ich habe das aber eigentlich, ist es bei mir ja nur,

1147
01:52:10.539 --> 01:52:15.199
 sind das eben nur Präliminarien für die Hinführung zu Montaigne,

1148
01:52:15.199 --> 01:52:18.899
 der in seinem Essay von der Apologie de Raymond Sebon

1149
01:52:18.899 --> 01:52:24.140
 eben diese zwei skeptischen Traditionen der Akademiker

1150
01:52:24.140 --> 01:52:29.460
 und der dogmatischen von Sexus Empiricus in dieses Essay einarbeitet,

1151
01:52:30.060 --> 01:52:37.479
 das ihm ja vom Vater irgendwie aufgezwungen wurde, der sollte irgendwie für die Gegenreformation tätig werden

1152
01:52:37.479 --> 01:52:43.000
 und die Gegenreformation hat die Skepsis eben dazu gebraucht, um sozusagen den Protestantismus,

1153
01:52:43.000 --> 01:52:47.039
 der sich auf rationale Argumente gestürzt hat,

1154
01:52:47.039 --> 01:52:54.239
 irgendwie in die Schranken zu weisen und die Skepsis sozusagen gegen Reformation zu befördern.

1155
01:52:54.720 --> 01:53:05.340
 Und er dreht das dann plötzlich um und wird dann der Skeptiker, der sozusagen auch den Skeptiker selbst irgendwie umwirft.

1156
01:53:06.439 --> 01:53:08.039
 Ja, was könnte das aber

1157
01:53:08.039 --> 01:53:09.619
 alles sozusagen zu tun haben

1158
01:53:09.619 --> 01:53:11.920
 mit deiner Arbeit

1159
01:53:11.920 --> 01:53:13.600
 an der Übersetzung?

1160
01:53:14.199 --> 01:53:16.300
 Du hast ja dann in diesem John Donne

1161
01:53:16.300 --> 01:53:17.659
 Projekt, hast du dann auch

1162
01:53:17.659 --> 01:53:19.920
 das Nachwort. Die überschneiden sich ja auch

1163
01:53:19.920 --> 01:53:22.039
 quasi, die sind ja auch so 20

1164
01:53:22.039 --> 01:53:23.800
 Jahre, haben sie gleichzeitig gelebt

1165
01:53:23.800 --> 01:53:25.020
 und das hat damals, wie ich diese Skepsis oder wie ich dieses Montaigne Die sind ja auch so 20 Jahre, haben sie gleichzeitig gelebt.

1166
01:53:31.340 --> 01:53:31.899
 Und das hat damals, wie ich diese Skepsis oder wie ich an Montaigne gearbeitet habe,

1167
01:53:36.579 --> 01:53:37.159
 habe ich eben als Ausgleich am Nachmittag dann immer John Donne übersetzt.

1168
01:53:44.159 --> 01:53:45.140
 Und daraus hat sich dann die Beschäftigung auch mit der Übersetzungstheorie ergeben.

1169
01:53:48.199 --> 01:53:50.880
 Und da findet sich ja wieder das Gleiche, dass man sagt, ja eben, da haben wir ja gesprochen,

1170
01:53:51.140 --> 01:53:55.859
 also das mit dem Jakobsson nicht zum Beispiel,

1171
01:53:56.020 --> 01:53:58.340
 dass ein Sprachverstehen nur rein struktural,

1172
01:53:58.560 --> 01:54:03.579
 wo im Sprachverstehen nur Synonyme und Definitionen gelten,

1173
01:54:03.840 --> 01:54:26.000
 das ist Sprachverstehen, oder ist eben Verstehen unterhalb der Sprache, wie weit kann man da sozusagen von generativen Mechanismen oder Bedeutungs...

1174
01:54:28.000 --> 01:54:36.359
 Ich stelle es damals dann, also dort zwischen Descartes, der das radikale Skeptizismus ist,

1175
01:54:36.420 --> 01:54:43.340
 der dann eben kommt, das einzig Sichere ist, dass sich eben Cogito Ergo sung,

1176
01:54:43.340 --> 01:54:45.979
 und dann die skeptischen Philosophen wie

1177
01:54:45.979 --> 01:54:48.720
 Mersenne und Pascal, die wir heute schon gehört haben,

1178
01:54:48.920 --> 01:54:50.100
 und der Mersenne sagt ja,

1179
01:54:50.399 --> 01:54:51.420
 jede Tätigkeit,

1180
01:54:51.939 --> 01:54:53.680
 das kann auch das Scheißen sein,

1181
01:54:53.819 --> 01:54:55.079
 es muss nicht das Denken sein,

1182
01:54:55.619 --> 01:54:56.699
 beweist, dass du bist.

1183
01:54:57.579 --> 01:54:58.880
 Also da gibt es diese Kritik,

1184
01:54:59.680 --> 01:55:02.039
 und ich weiß nicht,

1185
01:55:02.180 --> 01:55:03.600
 was liegt da jetzt auf jeden Fall?

1186
01:55:03.720 --> 01:55:05.619
 Aber welche Spur könnten wir noch finden,

1187
01:55:05.699 --> 01:55:07.640
 nämlich jetzt auch zu deiner praktischen Tätigkeit

1188
01:55:07.640 --> 01:55:09.840
 des Übersetzens, an dem du ja gerade

1189
01:55:09.840 --> 01:55:11.699
 arbeitest, nämlich dass du Tristan und Sarah

1190
01:55:11.699 --> 01:55:13.859
 Wo die Wölfe

1191
01:55:13.859 --> 01:55:14.460
 trinken,

1192
01:55:15.100 --> 01:55:18.000
 übersetzt

1193
01:55:18.000 --> 01:55:19.319
 und dann nicht nur

1194
01:55:19.319 --> 01:55:21.779
 dem Ergebnis der Übersetzung

1195
01:55:21.779 --> 01:55:23.960
 nachhängst, wie ich das verstanden habe,

1196
01:55:24.659 --> 01:55:26.619
 sondern auch dem Vorgehen.

1197
01:55:26.739 --> 01:55:31.520
 Ja, es war eben, wie du auch sagst, du hast ja auch diese Untersuchungen gemacht

1198
01:55:31.520 --> 01:55:34.859
 beim Memorisieren eines Hölderlinns Gedichts

1199
01:55:34.859 --> 01:55:37.939
 und versuchst dich dabei selbst zu beobachten,

1200
01:55:38.539 --> 01:55:41.960
 im Sinne von Oswald Wieners Denktheorie.

1201
01:55:42.859 --> 01:55:46.520
 Und ich habe das damals versucht, mache ich das doch am Übersetzen

1202
01:55:46.520 --> 01:55:47.920
 auch, währenddem ich bei

1203
01:55:47.920 --> 01:55:49.560
 John Dunn noch verschiedene,

1204
01:55:51.100 --> 01:55:52.880
 wo ich dann sozusagen hypothetisch

1205
01:55:52.880 --> 01:55:54.699
 nehme an, es gibt eine generative

1206
01:55:54.699 --> 01:55:56.560
 Poetik, die sozusagen

1207
01:55:56.560 --> 01:55:58.180
 mir aufgefallen ist,

1208
01:55:58.640 --> 01:56:00.460
 bei strukturalen Übersetzungen

1209
01:56:00.460 --> 01:56:02.159
 oder Analysen,

1210
01:56:02.739 --> 01:56:04.399
 wie zum Beispiel das berühmte Gedicht

1211
01:56:04.399 --> 01:56:06.300
 von Baudelaire-Lechart,

1212
01:56:06.640 --> 01:56:11.300
 was von Lévi-Strauss und Jakobson gemeinsam analysiert wird,

1213
01:56:11.380 --> 01:56:14.340
 wo sie zeigen an den verschiedenen Schichten,

1214
01:56:14.600 --> 01:56:19.800
 wie diese strukturale Ersetzbarkeit oder Austausch der Elemente

1215
01:56:19.800 --> 01:56:22.239
 innerhalb eines Gedichts funktioniert.

1216
01:56:22.720 --> 01:56:25.359
 Nicht nur wie bei Lévi-Strauss, dem Mythologiker,

1217
01:56:25.579 --> 01:56:29.859
 wo du zwischen den Mythen sozusagen

1218
01:56:29.859 --> 01:56:31.800
 in Varianzen feststellen kannst und

1219
01:56:31.800 --> 01:56:35.239
 austauschbare Elemente es gibt, die eben

1220
01:56:35.239 --> 01:56:38.039
 die Mythen dann verschieden machen und wo es ja eigentlich

1221
01:56:38.039 --> 01:56:41.079
 nicht darum geht, um die Struktur der Mythen selbst,

1222
01:56:41.079 --> 01:56:43.600
 sondern die Struktur der Austauschbarkeit.

1223
01:56:44.020 --> 01:56:47.460
 Also es ist eigentlich die Struktur der Austauschbarkeit. Also es ist eigentlich die Struktur der Austauschbarkeit,

1224
01:56:47.979 --> 01:56:50.060
 die struktural erforscht wird.

1225
01:56:50.500 --> 01:56:52.680
 Und in meinem Übersetzen habe ich das dann,

1226
01:56:52.739 --> 01:56:55.880
 und dann ist mir aufgefallen, dass da sehr viel historischer

1227
01:56:55.880 --> 01:57:01.619
 und soziologischer und sehr viele Kontexte benutzt werden,

1228
01:57:01.619 --> 01:57:05.439
 um das zu motivieren, diese Art von.

1229
01:57:06.079 --> 01:57:09.920
 Und ich habe dann gesagt, ja, ich mache jetzt das Gleiche beim Übersetzen

1230
01:57:09.920 --> 01:57:14.880
 und versuche sozusagen eine generative Poetik mir zusammenzuzimmern

1231
01:57:14.880 --> 01:57:18.380
 und habe das eben dann philosophisch versucht zu reflektieren.

1232
01:57:18.380 --> 01:57:22.119
 Das ist aber ein sehr, du hast es ja gesehen, das Nachwort.

1233
01:57:22.880 --> 01:57:42.659
 Und so weit würde ich heute nicht mehr gehen. Aber ich mache es immer noch, ich übersetze immer noch und jetzt mache ich eben diese Selbstbeobachtung beim Übersetzen und schaue, was bringt mich, was ich alles berücksichtige dabei.

1234
01:57:42.640 --> 01:57:44.239
 was ich alles berücksichtige dabei.

1235
01:57:47.899 --> 01:57:50.939
 Weil du das angesprochen hast, diese Jakobs- und Levi-Strauss-Analyse hat ja auch eine gewisse Überzeugungskraft und Stärke,

1236
01:57:51.579 --> 01:57:56.039
 gerade bis zu dem Punkt, wo dann doch wieder Bedeutungen zurückkehren.

1237
01:57:56.220 --> 01:58:00.859
 Also wo das nur auf einer rein strukturalen Ebene analysiert wird

1238
01:58:00.859 --> 01:58:07.880
 oder auseinandergenommen wird, ist nichts dagegen einzuwenden,

1239
01:58:07.979 --> 01:58:14.020
 weil es auch eine Art von Abwehr von Subjektivität und von Innerlichkeit und von überhaupt Erleben ermöglicht.

1240
01:58:14.020 --> 01:58:19.239
 Und auf dieser Ebene kann man wohl nur zustimmen, aber sie bleiben dort eben auch nicht stehen.

1241
01:58:19.399 --> 01:58:20.600
 Sie gehen dann noch ein Stück weiter.

1242
01:58:21.060 --> 01:58:24.800
 Und vielleicht kann man auch, um es jetzt nicht zu sehr in den Jakobs, sondern in den Levi Strauss zu gewichten,

1243
01:58:21.979 --> 01:58:23.699
 ein Stück weiter. Und vielleicht kann man auch, um es jetzt nicht so sehr in den Jakobs, sondern in den

1244
01:58:23.699 --> 01:58:26.039
 Lévi-Strauss zu gewichten, du zitierst dann auch

1245
01:58:26.039 --> 01:58:27.760
 Bertrand Russell, der

1246
01:58:27.760 --> 01:58:30.319
 in diesem Dann-Nachwort,

1247
01:58:30.939 --> 01:58:31.520
 wo es dann

1248
01:58:31.520 --> 01:58:33.939
 bei Russell heißt, dass man

1249
01:58:33.939 --> 01:58:36.279
 Käse, also Käse jetzt unter Anführungszeichen,

1250
01:58:37.039 --> 01:58:38.140
 nur dann

1251
01:58:38.140 --> 01:58:40.399
 auch auf eine angemessene

1252
01:58:40.399 --> 01:58:42.119
 Weise verstehen kann, wenn man

1253
01:58:42.119 --> 01:58:44.180
 in einer nicht sprachlichen Art mit

1254
01:58:44.180 --> 01:58:46.239
 Käse jemals zu tun gehabt habe.

1255
01:58:46.340 --> 01:58:48.300
 Genau, bekannt geworden ist.

1256
01:58:49.039 --> 01:58:55.359
 Und das ist sozusagen dann die andere Art, dass man eben sagt, ja, es ist eben nicht die,

1257
01:58:55.819 --> 01:59:00.460
 es ist das, was man kennt und was man schon hat und dann hilft dir das sozusagen,

1258
01:59:01.359 --> 01:59:05.600
 helfen die Namen und dann kannst du dir Begriffe bilden, die werden dann bezeichnet

1259
01:59:05.600 --> 01:59:07.680
 und die haben dann verschiedene Umfänge

1260
01:59:07.680 --> 01:59:09.060
 und deswegen der, der den,

1261
01:59:10.279 --> 01:59:11.720
 der Franzose

1262
01:59:11.720 --> 01:59:12.600
 hat wahrscheinlich ein

1263
01:59:12.600 --> 01:59:15.819
 differenzierteres Käseverständnis

1264
01:59:15.819 --> 01:59:16.739
 als

1265
01:59:16.739 --> 01:59:19.199
 ein Oberösterreicher.

1266
01:59:21.819 --> 01:59:24.119
 Gut, vielleicht

1267
01:59:24.119 --> 01:59:32.800
 ist der Schlierbacher ein ganz gutes Ende auch des heutigen Gesprächs.

1268
01:59:32.800 --> 01:59:35.680
 Und ich darf dir noch einmal zum SE-Preis gratulieren.

1269
01:59:36.060 --> 01:59:41.420
 Wir hoffen sehr auf diese Selbstbeobachtung beim Übersetzen, das auslesen zu dürfen.

1270
01:59:41.680 --> 02:00:07.539
 Ich kann das schon noch sagen, ich bin gescheitert, das hat mir der Ostwald übrigens auch bestätigt, dass da nicht viel zu holen sei in der Selbstbeobachtung beim Übersetzen, weil er eben ja die Sprache, die Worte sind an die Bedeutung gelötet und man kann den Prozess des Verstehens daran nicht beobachten, weil man eben schon die Abkürzung nimmt.

1271
02:00:08.319 --> 02:00:13.819
 Und man kann trotzdem sagen, ja gut, auf was achtest du dann sonst alles,

1272
02:00:13.979 --> 02:00:16.380
 damit das sozusagen irgendwie...

1273
02:00:16.380 --> 02:00:20.520
 Für mich ist es jetzt so ein essayistischer Roman eher geworden,

1274
02:00:20.640 --> 02:00:23.439
 wo ich eben dann meinen ganzen Assoziationen auch folge

1275
02:00:23.439 --> 02:00:27.579
 und wo das Übersetzen der rote Faden ist.

1276
02:00:29.279 --> 02:00:30.399
 Ich übersetze

1277
02:00:30.399 --> 02:00:31.939
 eben Gedichte von Tristan Zahra

1278
02:00:31.939 --> 02:00:33.739
 und sein Gedichtband, und der heißt

1279
02:00:33.739 --> 02:00:35.020
 Waw Lelu,

1280
02:00:35.819 --> 02:00:36.979
 wo die Wölfe trinken.

1281
02:00:38.239 --> 02:00:40.260
 Das ist vielleicht auch noch, um das noch zu ergänzen,

1282
02:00:40.260 --> 02:00:42.119
 dass vielleicht das Gelötetsein

1283
02:00:42.119 --> 02:00:44.359
 der Bedeutung an die Wörter ist der eine Moment

1284
02:00:44.359 --> 02:01:09.020
 und das sind die Abkürzungen, und der andere Moment ist, dass diese Prozesse, die sozusagen zu dieser Umwandlung von sprachlichem Verstehen oder Input in Gedankenprozesse, dass die nichtbeobachtung nicht zugänglich, außer und vielleicht an manchen Punkten kann man so ein Zipfelchen davon erhaschen,

1285
02:01:09.739 --> 02:01:15.279
 wenn es zu Schwierigkeiten kommt oder wenn man etwas missversteht oder wenn eben Fehler auftauchen,

1286
02:01:15.279 --> 02:01:23.020
 die so eine Irritation erzeugen, die dann erfordern, dass man auf einer Schichtenebene annimmt,

1287
02:01:28.680 --> 02:01:32.300
 vielleicht auf einer Schiftenebene annimmt, dass das auf einer höheren Ebene sich dann manifest machen lässt und man darüber etwas sagen kann, aber immer nur auf sehr indirekte Weise.

1288
02:01:32.520 --> 02:01:35.800
 Also Denken und Sprechen hängen nicht allzu tief zusammen,

1289
02:01:36.319 --> 02:01:41.779
 sondern es ist eher eine gewohnte, konventionalisierte Form in dieser Theorie.

1290
02:01:41.920 --> 02:01:45.539
 Es gibt nicht andere Theorien, die das vielleicht auch hineinsteuern,

1291
02:01:45.619 --> 02:01:46.420
 über diese,

1292
02:01:48.159 --> 02:01:49.619
 also wenn das so als Instrument,

1293
02:01:49.739 --> 02:01:50.779
 die Sprache, dann das so,

1294
02:01:50.899 --> 02:01:53.819
 also wenn wir, was wir

1295
02:01:53.819 --> 02:01:55.920
 heute auch schon vielfach von postmoderner

1296
02:01:55.920 --> 02:01:57.720
 Theorie gehört haben, da würde man das natürlich

1297
02:01:57.720 --> 02:01:59.020
 genau nicht so sehen.

1298
02:02:01.039 --> 02:02:01.779
 Ja, dann

1299
02:02:01.779 --> 02:02:03.140
 wir freuen uns auf

1300
02:02:03.140 --> 02:02:05.100
 Zara in der Lektüre

1301
02:02:05.100 --> 02:02:06.880
 der Übersetzung und des

1302
02:02:06.880 --> 02:02:09.300
 Übersetzungsromans, also ein Roman

1303
02:02:09.300 --> 02:02:10.319
 über das Übersetzen

1304
02:02:10.319 --> 02:02:12.399
 oder ein Essaystische

1305
02:02:12.399 --> 02:02:14.600
 ich weiß es auch noch nicht

1306
02:02:14.600 --> 02:02:18.840
 Ja, dann vielen Dank

1307
02:02:18.840 --> 02:02:21.039
 Benedikt Ledebuer und Gratulation zum

1308
02:02:21.039 --> 02:02:34.479
 Dankespreis Gratulation zum Preis. Danke.

1309
02:02:39.479 --> 02:02:40.079
 Ja, das war die Verleihung der Heimrott-Becker-Preise 2026.

1310
02:02:49.079 --> 02:02:49.239
 Ich möchte der Preisträgerin und den Preisträgern nochmal sehr herzlich im Namen des Stifterhauses gratulieren und mich bei allen Beteiligten des Abends bedanken.

1311
02:02:56.880 --> 02:02:57.140
 Herzlichen Dank an Thomas Eder, Peter Waterhaus, Matthias Müller, Florian Huber, N. Cotton und Benedikt Ledebohr.

1312
02:02:59.699 --> 02:03:00.479
 Es war uns eine große Freude, Sie heute alle hier zu haben.

1313
02:03:13.380 --> 02:03:14.079
 Und ich möchte Sie auch noch auf die Veranstaltung nächste Woche am Dienstag aufmerksam machen. Um 19.30 Uhr werden Lisa Spalt und Franziska Füchsel ihre neuen Bücher vorstellen und ins Gespräch mit Ihnen schütztreten.

1314
02:03:25.640 --> 00:00:00.000
 Ja, das war es jetzt von meiner Seite. Bleiben Sie gerne noch bei uns. Trinken Sie vielleicht noch ein Getränk im Literaturcafé, lassen Sie den Abend bei uns ausklingen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen, bald wieder hier im Stifterhaus. Vielen Dank und auf Wiedersehen.

