WEBVTT

0
00:00:45.780 --> 00:00:46.380
 Hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, hmm, Caroline Fanta, brachte mich am 30. Juli 1898 in Wien zur Welt.

1
00:00:49.159 --> 00:00:49.820
 Mein Vater gab mir als Simon Dicker seinen Namen.

2
00:00:52.579 --> 00:00:53.719
 Frederike heiße ich, so entschieden es meine Eltern.

3
00:00:58.380 --> 00:00:59.100
 Die wohlige Wärme und fürsorglich elterliche Liebe blieben mir nur kurze Jahre.

4
00:01:02.060 --> 00:01:03.380
 Meine Mutter, Caroline Fanta, ist früh von mir gegangen.

5
00:01:06.939 --> 00:01:07.480
 Mama verstarb 1902 und ich war erst vier Jahre alt.

6
00:01:10.560 --> 00:01:11.420
 Mein Vater musste alle elterlichen Aufgaben übernehmen.

7
00:01:15.140 --> 00:01:15.680
 Der Verdienst von Papa Simon war als Papierverkäufer sehr klein.

8
00:01:17.359 --> 00:01:18.060
 Seine Aufgabe eine große.

9
00:01:20.859 --> 00:01:22.120
 Mich als kleines Kind alleine großzuziehen.

10
00:01:30.180 --> 00:01:40.340
 Friedl, wie das Mädchen schon bald im großen Namen gerufen wurde, kam notgedrungen mit in den Laden, in welchem Vater Simon arbeitete. Ein eigenes Universum tat sich vor Friedl auf. Das

11
00:01:40.340 --> 00:01:50.140
 war eine Welt von Regalen, Papieren, Farbstifte und vieles zur Gestaltung mehr, was es zu entdecken gab.

12
00:01:50.780 --> 00:02:00.900
 Das spätere Leben, entscheidend beeinflusst, sollte Friedls schöpferischer Geist davon durchdrungen werden.

13
00:02:12.180 --> 00:02:12.840
 Meine ausgeprägte Fantasie nahm einen besonderen Lauf und formte aus allem im Laden Vorhandenen in mir eine wahre Wunderwelt.

14
00:02:21.139 --> 00:02:23.699
 Bilder aus den geliebten Büchern, Bilder aus dem wirklichen Leben beeinflussten die frühkindlichen Zeichnungen und Modellierungen aus meiner Hand. Mein Vater jedoch mahnte mich.

15
00:02:21.139 --> 00:02:21.800
 aus meiner Hand.

16
00:02:23.699 --> 00:02:24.900
 Mein Vater jedoch mahnte mich.

17
00:02:28.300 --> 00:02:29.159
 Das teure, gute und strahlend weiße Papier ist kostbar.

18
00:02:32.759 --> 00:02:34.080
 Nicht gekritzeltes, sondern nur ordentliches darf darauf.

19
00:02:36.379 --> 00:02:37.039
 Das ist der nicht beliebige Hintergrund,

20
00:02:40.939 --> 00:02:46.039
 aufgrund dessen heute die Kohleskizzen Friedl Dickers auf zu billigem Zeitungspapier kaum erhalten sind.

21
00:02:47.039 --> 00:02:54.780
 Der Zustand drohender Verarmung mit den elterlichen Aufgaben zumal überforderte Vater,

22
00:02:55.680 --> 00:03:06.439
 sowohl finanziell als auch sozial-emotional, endete bald. Eine Sandkistenbekanntschaft namens Charlotte Schön

23
00:03:06.439 --> 00:03:10.560
 ehelichte Simon Dicker 1904.

24
00:03:11.319 --> 00:03:17.300
 Wärme und Liebe zogen wieder in den gemeinsamen Haushalt Friedls ein.

25
00:03:19.560 --> 00:03:48.439
 Eine Entwicklung durch ein damals weltoffenes Wien zog aus der bescheidenen Wohnung in der Harngasse im 9. Wiener Gemeindebezirk in Richtung soziales und kulturelles Zentrum. Museum, die Buchläden oder affischierte Plakate von Kunstausstellungen, von Sezessionen oder

26
00:03:48.439 --> 00:03:56.580
 Galerien, alles so scheinbar sind für Friedl sich bewegende Bilder. Alles wurde wie geformt,

27
00:03:56.759 --> 00:04:06.680
 gestaltet, gemahlen. Und wofür? Die Schule, welche ich besuchen durfte, gab nur mäßig Antwort auf meine vielen Fragen,

28
00:04:06.680 --> 00:04:09.319
 meine bewegte Fantasie und Welt entsprechend.

29
00:04:09.319 --> 00:04:18.560
 Rasch zerstoben 1914 alle Fantasien auf die Zukunft einer blühenden Menschheit.

30
00:04:18.560 --> 00:04:28.800
 Alle Hoffnungen von Weltoffenheit ergingen sich in Sturzbächen von Tränen, ausgelöst durch einen endlosen Strom

31
00:04:28.800 --> 00:04:36.779
 menschenvernichtenden Metall, welcher mit Pulver und menschenverachteten Tod regnen lässt.

32
00:04:38.120 --> 00:04:43.540
 Mein Vater Simon belegte zur selben Zeit trotz widrigen Umständen meinen innigen Wunsch,

33
00:04:43.540 --> 00:04:46.060
 an der Wiener Grafischen Lehr-

34
00:04:46.060 --> 00:04:53.019
 und Versuchsanstalt eine Ausbildung zu absolvieren. Zur Lehre der Fotografie besuchte ich in die Klasse

35
00:04:53.019 --> 00:04:58.399
 des Meisterfotografen Johannes Beckmann, aber das ist und war bei Weitem nicht genug.

36
00:05:00.899 --> 00:05:13.779
 Nach Absolvierung dieses Lehrganges schrieb ich mich in der Textilabteilung der K&K Kunstgewerbeschule ein, wo ich Kurse bei Franz Zinek besuchte.

37
00:05:14.620 --> 00:05:24.480
 Dieser berufliche Werdegang, der für meine Zeit sicher ungemütlich war, der konnte durch Arbeit am Theater finanziert werden.

38
00:05:36.220 --> 00:05:46.779
 Der konnte durch Arbeit am Theater finanziert werden. Meine Arbeiten dort bestanden aus Requisiten, Zusammenstellen, Kostümen nähen, selbst auftreten und sogar Theaterstücke schrieb ich. Er eröffnete eine private Kunstschule in Wien und Friedl Dicker studierte an dieser.

39
00:05:48.000 --> 00:05:56.879
 Ihr starker Drang nach Bildung, Kunst und Perfektion im Umgang mit Textilien und Menschen wollte befriedigt sein.

40
00:05:58.519 --> 00:06:01.500
 Sie studierte in Wien bei Itten bis 1919.

41
00:06:02.680 --> 00:06:08.620
 Dann zog es Johannes Itten nach Weimar und das heute berühmte Bauhaus.

42
00:06:10.680 --> 00:06:23.939
 Friedl Dicker zog nach Weimar mit und fand am dortigen Bauhaus nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch ihrem Interesse nach Aufgaben in Hülle und Fülle.

43
00:06:23.939 --> 00:06:25.120
 ihrem Interesse nach Aufgaben in Hülle und Fülle.

44
00:06:34.160 --> 00:06:34.519
 Die Begegnungen am Bauhaus mit der Avantgarde von Schaffenden wie Otto Dorfner, Walter Gropius,

45
00:07:11.759 --> 00:07:16.439
 Georg Muche und Lionel Feininger beeinflusste meine formgebende Welt des Textil Gestaltens nachhaltig. Ganz besonders die Vorlesungen von Paul Klee motivierten mich als junge Studentin, den damals ungewöhniter Franz Singer in der Bauhaus-Theatergruppe von Lothar Schreier.

46
00:07:17.600 --> 00:07:20.759
 Einzig Tränen wurden dadurch geboren.

47
00:07:21.980 --> 00:07:29.319
 Die mit Singer gezeugten Kinder durften das Licht der Welt nicht erblicken. Aus Unterwerfung

48
00:07:29.319 --> 00:07:38.420
 und Demut, da Singer mit der Sängerin Emmi Heim verheiratet einen Sohn hatte. Erst nach dem Tod

49
00:07:38.420 --> 00:07:48.899
 von Singers Sohn trennten sich die privaten Pfade. Beruflich gingen die beiden noch lange gemeinsame Wege.

50
00:07:50.579 --> 00:07:57.399
 Schon 1923 gründeten Dicker und Singer eine Werkstätte bildender Kunst,

51
00:07:57.399 --> 00:08:06.740
 in welcher neben Spielzeug und Schmuck auch für Dicker typisches Textiles und Buchbinderarbeiten entstanden.

52
00:08:07.639 --> 00:08:15.079
 Aufgrund ihrer Nähe zum Theater wurde ebenso umfangreiche Ausstattungen dafür erzeugt.

53
00:08:15.800 --> 00:08:22.620
 Geschäftige Reisen zwischen den damaligen Metropolen Wien, Berlin, Dresden, Leipzig

54
00:08:22.620 --> 00:08:25.720
 und Köln wurden damit verursacht.

55
00:08:28.139 --> 00:08:38.159
 Erst 1925 zog es mich wieder zu mehr Ruhe für die Umsetzung meiner Fantasien nach Wien zurück.

56
00:08:39.240 --> 00:08:46.460
 Hier eröffnete ich mit Freundin Martha Döberl ein Buchbinderei und Textilatelier.

57
00:08:47.500 --> 00:08:54.379
 Ebenso gründeten wir das Architekturbüro Dicker Singer in der Wasserburg Gasse 2,

58
00:08:55.600 --> 00:09:00.600
 in welchem wir uns besonders auf Innenarchitektur spezialisierten.

59
00:09:28.539 --> 00:09:43.539
 Als Skizzen und Modelle sich in reale Möbel bis zur Komplettausstattung von Räumen und Gebäuden entwickelten, wurde die gestalterische und technische Umsetzbarkeit unserer praxisbezogenen Ausstattungsgegenstände sehr bald repräsentationsbedürftiger Ausdruck der gehobenen Bürgerschicht. Die avantgardistischen Entwürfe und Gegenstände wurden in internationalen Architekturzeitschriften wie Architectural Review oder DOMOS rezitiert und gepriesen.

60
00:09:43.899 --> 00:09:45.379
 oder Domus, rezitiert und gepriesen.

61
00:09:51.320 --> 00:09:55.679
 Aufträge für Stapelstühle, Klappsofas und vieles andere mehr kamen aus Wien, Puderbest, Berlin und Prag.

62
00:09:56.860 --> 00:10:01.500
 Mit unseren Atelierarbeiten erregten wir hohes Aufsehen

63
00:10:01.500 --> 00:10:04.740
 und erlangten zahlreiche Auszeichnungen,

64
00:10:04.740 --> 00:10:09.399
 unter anderem 1927 in Berlin

65
00:10:09.399 --> 00:10:18.559
 bei der Ausstellung Kunstschau und in Wien bei der Ausstellung Modernes Design im Jahr 1929.

66
00:10:36.759 --> 00:10:43.919
 Für das expansive Rote Wien bekamen wir als Duo die Kasinger im Jahr 1930 den repräsentativen Auftrag, den Montessore-Kindergarten im Wiener Goethehof auszustatten. Die einzelnen Räume wurden mit multifunktionalen Möbeln ausgestattet.

67
00:10:43.899 --> 00:10:44.720
 wurden mit multifunktionalen Möbeln ausgestattet.

68
00:10:50.100 --> 00:10:51.220
 Klapptische und Stapelstühle waren funktionell einsetz- und abbaubar.

69
00:10:59.039 --> 00:11:00.120
 Am Horizont zeigten sich die ersten dunklen Wolken des aufkeimmenden Faschismus in Österreich.

70
00:11:04.200 --> 00:11:10.399
 In Deutschland färbten sich diese Wolken schon braun. Der Untergang der goldenen 20er Jahre löste erste Tränen unter Entwöhnung

71
00:11:10.399 --> 00:11:15.179
 von Freiheit der Kunst und der Kunst des freien Lebens.

72
00:11:17.360 --> 00:11:29.000
 Erst 1931 begann Friedl Dicker, sich intensiv mit Pädagogik und Kinder auseinanderzusetzen. Zuvor trennte sie

73
00:11:29.000 --> 00:11:38.580
 sich von Franz Signer, dem sie viel Tränen mitsamt ihrer Kinder opferte. Ich leite jetzt Kurse für

74
00:11:38.580 --> 00:11:45.940
 Kindergärtnerinnen mit dem Ziel, damit eine Form von Kunstpädagogik zu vermitteln.

75
00:11:47.039 --> 00:11:52.059
 Nicht die Kinder allein sollten auf Kunstsensibilität gebracht werden,

76
00:11:52.220 --> 00:11:56.179
 nein, die Erwachsenen sollen ein Gefühl entwickeln,

77
00:11:56.860 --> 00:12:04.000
 die Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten unserer Kinder zu erkennen und zu fördern.

78
00:12:04.000 --> 00:12:09.000
 Ein völlig neuer Ansatz von Kunstpädagogik,

79
00:12:10.399 --> 00:12:17.000
 welcher mir in späterer Zeit der unendlichen Tränen half Hoffnung zu stiften.

80
00:12:18.139 --> 00:12:23.360
 Das alles im Auftrag des damals fortschrittlichen Roten Mints.

81
00:12:23.360 --> 00:12:25.360
 des damals fortschrittlichen Roten Mints.

82
00:12:31.379 --> 00:12:32.179
 Als in Österreich die Wolken von tiefschwarz im Braun sich zu färben begannen,

83
00:12:35.799 --> 00:12:37.179
 der Austrofaschismus die Schwelle der Tür schon durchschritten,

84
00:12:40.299 --> 00:12:42.019
 begann sich Friedl Dicker zu politisieren.

85
00:12:54.360 --> 00:13:12.879
 Durch die Arbeit ihres Freundes John Hartfield sensibilisiert, begann auch Friedl Dicker, sich mit dem politischen Plakat und Fotomontage zu beschäftigen. sondern einzig darum, eine gesellschaftsrelevante Arbeit gegen die Unterdrückung der Freiheit von Mensch, Meinung und Gedanken zu leisten.

86
00:13:14.039 --> 00:13:26.899
 Ich trat zur selben Zeit der Kommunistischen Partei bei und nutzte jede erdenkliche Möglichkeit, meine Meinung in vielfältiger Form kundzutun.

87
00:13:28.820 --> 00:13:34.799
 Nach dem Februaraufstand 1934 gegen das faschistische Dolfus-Regime

88
00:13:34.799 --> 00:13:39.519
 wurde ich als aufmüpfige Frau sofort inhaftiert.

89
00:13:40.580 --> 00:13:50.659
 In monatelanger Haft musste ich dem Austro-faschistischen Frauenbild entsprechend zwangsweise Häftlingskleidung flicken.

90
00:13:51.799 --> 00:13:58.399
 Die demütigenden Zwangsarbeiten steckte ich heimlich lächelnd weg.

91
00:13:59.000 --> 00:14:07.899
 Die Not der Stunde lässt mich das ironisch als ausgiebigen Nähkurs in Feinstückerei interpretieren.

92
00:14:08.440 --> 00:14:10.799
 So war es ein kleineres Problem.

93
00:14:13.299 --> 00:14:18.139
 Nach ihrer Entlassung aus der demündigenden Haft

94
00:14:18.139 --> 00:14:29.960
 floh Friedl Dicker 1934 umgehend vor Transallierung und Schikanen in die noch demokratisch-freie Tschechoslowakei.

95
00:14:31.139 --> 00:14:37.840
 Der Aufenthalt in der Hauptstadt Prag wurde kein Wunschaufenthalt, wie sie äußerte.

96
00:14:37.840 --> 00:14:47.759
 Mir geht es, freundlich gesagt, sehr mäßig. Prag will mir nicht Freund werden.

97
00:14:49.259 --> 00:14:55.379
 Den notwendigen Lebensunterhalt verdiente sie mit Kunstunterricht

98
00:14:55.379 --> 00:15:00.299
 sowie praktischen Arbeiten bei Sanierungen von Wohnungen.

99
00:15:01.460 --> 00:15:07.860
 Die übrige Zeit füllte Friedl Dicker mit Aktivitäten im kommunistischen Widerstand,

100
00:15:08.539 --> 00:15:13.240
 welcher sich um die Buchhandlung Schwarze Rose organisierte.

101
00:15:16.620 --> 00:15:23.399
 Zu ihrem weiteren Namen Brandeis kam Friedl Dicker im Jahr 1936,

102
00:15:24.200 --> 00:15:27.720
 als sie mich, Pavel Brandeis, heiratete.

103
00:15:28.720 --> 00:15:35.899
 Mit der Verehlichung erwarb meine nunmehrige Gattin Friedl die tschechische Staatsbürgerschaft

104
00:15:35.899 --> 00:15:41.259
 und war somit berechtigt, ihr eigenes Architekturbüro zu führen.

105
00:15:51.379 --> 00:15:58.960
 nachdem nazi deutschland im märz 1938 zuerst in österreich einmarschierte und so dann in teilen der tschechoslowakei entzogen sich die kapra ist durch einen umzug in das provinzstädtchen

106
00:15:58.960 --> 00:16:07.659
 ronoff wo pavel brandeis eine stelle als buchhalter in der ortsansässigen Textilfabrik erhielt.

107
00:16:08.659 --> 00:16:16.340
 Obwohl Freunde von Friedl Dicker Brandeis für sie ein Ausreisevisum für Palästina ermöglichten

108
00:16:16.340 --> 00:16:28.820
 und zur Emigration ermunterten, wollte Friedl ihren Ehemann nicht alleine in der unsicheren Situation belassen. Für Pavel Brandeis

109
00:16:28.820 --> 00:16:49.399
 war ein Erwerb eines Visum nach Palästina nicht möglich. Über den Sommer des Jahres 1940 und 1941 1941 lebte ich mit meinem Mann auf einem in der Nähe von Ronow liegenden Bauernhof.

110
00:16:50.600 --> 00:17:10.019
 Auf diesen wurde mein gesamtes Archiv eingelagert. Paul Weingraf eine Schau von zwölf Werken meines Schaftens in der Londoner Galerie Arcadia ausgestellt.

111
00:17:10.839 --> 00:17:20.960
 Die Deutschnationalen konnten und wollten ihren unbändigen Hass gegenüber allen Tschechen Juden nicht zügeln.

112
00:17:21.960 --> 00:17:28.000
 Nach dem Überfall 1939 war die beängstigende Wartefrist vorüber.

113
00:17:29.059 --> 00:17:36.700
 Die Massendeportationen von Juden in den Osten zur täglichen Tragödie geworden.

114
00:17:37.779 --> 00:17:43.900
 Dazu gehörten vorerst Friedls Schwiegermutter, ein Schwager und dessen Frau,

115
00:17:43.900 --> 00:17:49.180
 welche in einem Konzentrationslager der Nazis ermordet wurden.

116
00:17:52.740 --> 00:17:59.220
 Als mich die Nachricht von der Ermordung meiner neuen Familie erreichte,

117
00:18:00.579 --> 00:18:05.400
 hörte ich mit dem Mahlen auf, meine Zäsur.

118
00:18:06.619 --> 00:18:09.799
 Das unaufhörliche Ticken von Zeit,

119
00:18:10.559 --> 00:18:13.240
 welche den jüdischen Mitbewohnern

120
00:18:13.240 --> 00:18:16.559
 bis in die letzten Winkel ihres Daseins verfolgte,

121
00:18:17.420 --> 00:18:21.759
 wurde von den Schergen der nationalsozialistischen Hetzgesellschaft

122
00:18:21.759 --> 00:18:30.859
 Schlag für Schlag, mit Woll wollust zur unabänderlichen pein diese pein erreichte

123
00:18:30.859 --> 00:18:48.460
 letztendlich auch friedel dicker und pavel brandeis am 16 dezember 1942 der, an dem beide in das nahegelegene Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden.

124
00:18:49.079 --> 00:18:55.279
 Ich, Pavel, wurde als gelernter Zimmermann in eine Arbeitskolonne eingeteilt.

125
00:18:55.859 --> 00:19:01.779
 Ich, Friedl, wurde als Künstlerin in die technische Abteilung gewiesen,

126
00:19:05.140 --> 00:19:13.720
 technische Abteilung gewesen, in welcher die Aufgabe erfüllt wurde, das Lager Theresienstadt vorteilhaft als Geschenk des Führers an die Juden darzustellen.

127
00:19:16.579 --> 00:19:24.299
 Das anfängliche Durchgangslager, letztendlich aber Konzentrationslager Theresienstadt,

128
00:20:06.500 --> 00:20:14.740
 Letztendlich aber Konzentrationslager Theresienstadt, etwa 70 Kilometer nördisse für Inspektionen des Internationalen Rot aller Zufriedenheit und Sorgenlosigkeit ihre Lieben bzw. ihren

129
00:20:14.740 --> 00:20:27.220
 Lebensabend verbringen können. Von außen betrachtet sollte der Eindruck erweckt werden, alle Informationen über das deutsch-nationale Dritte Reich,

130
00:20:27.720 --> 00:20:34.359
 den deutsch-nationalen Horden, welche die Juden benachteiligten oder transalierten,

131
00:20:34.920 --> 00:20:41.000
 gar zu Tode bringen sollten, seien defetistische Ergüsse von Kommunisten

132
00:20:41.799 --> 00:20:46.380
 und andere von den Nazis tituliertes Gesindel.

133
00:20:47.259 --> 00:20:54.180
 Eine bittere Realität war jedoch, die Juden bleiben sich selbst überlassen

134
00:20:54.180 --> 00:21:01.440
 und organisierten gegen den Willen der faschistischen Herrscher ihre Lebensumstände so weit wie möglich.

135
00:21:02.400 --> 00:21:08.900
 Ein selbstverwalteter Judenrat wurde eingerichtet. Konzerte und Theater

136
00:21:08.900 --> 00:21:17.000
 wurden von den jüdischen Bewohnern selbstverwaltet organisiert. Von Lebensmittel bis zu dringend

137
00:21:17.000 --> 00:21:28.920
 benötigten Hygieneartikel wurde versucht, dieses zu bekommen. Sogar Kindergärten und Schulen sowie Kinderheime für Waisen gab es.

138
00:21:31.140 --> 00:21:38.920
 Hier kam meine Ausbildung und Erfahrung mit Pädagogik und Kunst vollends zur Geltung.

139
00:21:56.700 --> 00:21:58.700
 Durch ihren Einsatz und Geduld wurden viele Tränen und Verzagtheit, die Eindrücke von Gewalt und Unterdrückung in Darstellungen und Bilder von Hoffnung der Kinder verwandelt.

140
00:22:07.000 --> 00:22:07.599
 Diese Frau, welche selbst nie Kinder bekommen durfte, ermöglichte Dutzenden Kindern in Theresienstadt

141
00:22:09.940 --> 00:22:10.539
 Mahlkurse und vieles mehr.

142
00:22:18.440 --> 00:22:19.460
 Durch ihren pädagogischen Umgang wurden die Todesschwangeren Umstände zu Papier gebracht.

143
00:22:24.500 --> 00:22:25.519
 Auch sie selbst versuchte, die Realitäten zu Papier zu bringen.

144
00:22:29.559 --> 00:22:35.359
 Entstanden sind dabei Landschaften, Allegorien und Stilleben, welche auf Karton und Rückseiten von Formularen aufgebracht wurden.

145
00:22:36.619 --> 00:22:40.559
 Kein Ausdruck von tatsächlichen Erlebten im KZ Theresienstadt.

146
00:22:41.839 --> 00:22:44.500
 Sollte das überhaupt möglich sein?

147
00:22:44.500 --> 00:22:46.819
 Therese-Stadt. Sollte das überhaupt möglich sein?

148
00:22:56.440 --> 00:23:11.579
 Als stummen, aber ausdrucksvollen Zeugen kann der Koffer bezeichnet werden, welcher durch einen meiner Vertrauten in Theresienstadt versteckt werden konnte. Dieser, mein Koffer, gibt heute im Jüdischen Museum in Prag Auskunft von Schrecken und Hoffnung,

149
00:23:12.599 --> 00:23:25.859
 wie zum Beispiel im Theaterstück Brunibar, zu welchem ich und die Kinder das Bühnenbild gestalteten und ebenso auf der Bühne als Schauspielerinnen mitarbeiteten.

150
00:23:32.859 --> 00:23:39.359
 Eine unserer Zeit gemäße Geschichte von menschlichen und tierischen Freunden, welche sich mit den Protagonistinnen Bebicek und Aninka solidarisieren.

151
00:23:51.500 --> 00:24:06.279
 Es galt, als vermeintlich Schwache den undurchsichtigen, aber starken Drehordelspieler Pundiba zu überlisten. Für die uns umgebenden Lagerkinder in Theresienstadt ein hoffnungsvoller Lichtblick durch angewandte Pädagogik in schweren, dunklen Zeiten.

152
00:24:07.779 --> 00:24:18.000
 Das war ein ausdrucksvoller Versuch, einen Hauch von Normalität in das zerstörte Leben der Menschen in Theresienstadt zu bringen.

153
00:24:19.299 --> 00:24:28.440
 Für Stunden war das Verkleiden mit Kostümen zu Theatervorstellungen vor allem für die Kinder eine innere Welt möglich,

154
00:24:29.000 --> 00:24:32.019
 welche außen schon in Trümmen lag.

155
00:24:34.380 --> 00:24:45.559
 Als im Herbst 1944 5000 Männer aus dem KZ Theresienstadt für den Bau eines neuen Lagers selektiert wurden,

156
00:24:46.640 --> 00:24:48.900
 war auch Pavel Brandes dabei.

157
00:24:50.279 --> 00:24:54.319
 Friedl, welche ihren Mann nicht alleine gehen lassen wollte,

158
00:24:54.759 --> 00:24:59.700
 bestand darauf, sich mit auf die Transportliste setzen zu lassen.

159
00:25:00.960 --> 00:25:07.480
 Der Transportzug ging am 8. Oktober 1944 nach Auschwitz.

160
00:25:08.740 --> 00:25:23.559
 Noch vor dem Abtransport wurde der vorhin erwähnte Koffer mit den Zeichnungen der Kinder und ihrer Arbeiten an einen vertrauten Freund im Lager Theresienstadt zum Verstecken übergeben.

161
00:25:23.000 --> 00:25:25.000
 zum Verstecken übergeben.

162
00:25:35.000 --> 00:25:36.000
 Eintrag im Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945

163
00:25:40.000 --> 00:25:51.839
 9. Oktober 1944 Mit einem Transport des Reichssicherheitshauptamtes sind 1550 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt eingetroffen.

164
00:25:53.160 --> 00:26:01.799
 Nach der Selektion werden 191 Frauen und mehrere Dutzend Männer in das Durchgangslager eingewiesen.

165
00:26:09.099 --> 00:26:17.619
 Durchgangslager eingewiesen. In den Gaskammern des Krematoriums 2 werden 2000 jüdische Männer, Frauen und Kinder getötet. Sie sind mit dem Transporten des Reichssicherheitshauptamtes

166
00:26:17.619 --> 00:26:35.799
 aus Theresienstadt und Triest gekommen. Eine dieser Frauen war ich, Friedl Dicker Brandeis, welche am 9. Oktober 1944 im

167
00:26:35.799 --> 00:26:43.599
 deutschnationalen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau durch Vergasung ermordet wurde.

168
00:26:50.619 --> 00:27:00.640
 durch Vergasung ermordet wurde. Mein Gatte Pavel Brandals wurde von der sowjetischen Roten Armee aus dem Vernichtungslager Auschwitz befreit. Einige dieser Bilder von Kindern aus der

169
00:27:00.640 --> 00:27:07.500
 Resenstadt, die jetzt im jüdischen Museum in Prag aufbewahrt werden, sind auch

170
00:27:07.500 --> 00:27:15.559
 in der Ausstellung des Museums zu sehen. Auf einen Strom von Tränen fließen Dokumente

171
00:27:15.559 --> 00:00:00.000
 des Schreckens und einer Hoffnung, welche mit keinem Bild dargestellt werden kann.

