WEBVTT

0
00:00:00.000 --> 00:00:27.879
 Vielen Dank. mit dem verheißungsvollen Titel Bin von Herzen gerne hier, Rilkes Linzer Episode.

1
00:00:28.719 --> 00:00:31.859
 Wir freuen uns sehr, dass Mag. Margot Nassal,

2
00:00:32.000 --> 00:00:36.679
 Direktorin Kultur und Gesellschaft, diese Schau eröffnen wird

3
00:00:36.679 --> 00:00:41.000
 und begrüßen Sie herzlich im Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich.

4
00:00:41.979 --> 00:00:52.359
 Ganz lieben Dank für dein Kommen.

5
00:00:58.979 --> 00:01:09.140
 Wir begrüßen Universitätsprofessor, Diplom-Theologen Dr. Michael Fuchs, Rektor der katholisch-theologischen Privatuniversität Linz, Dr. Julius Stieber, Kulturdirektor der Stadt Linz und Andreas Erdmann, leitender Dramaturg am Landestheater Linz.

6
00:01:16.700 --> 00:01:24.060
 Ich mache es kurz, seien Sie alle ganz herzlich begrüßt an diesem Abend und zu diesem Abend.

7
00:01:24.060 --> 00:01:24.939
 ganz herzlich begrüßt an diesem Abend und zu diesem Abend.

8
00:01:33.599 --> 00:01:34.180
 Texte Rainer Maria Rilkes sind gewissermaßen beinahe so etwas wie literarisches Volksgut.

9
00:01:41.200 --> 00:01:41.280
 Rilke zählt zu den besonders häufig zitierten Autoren, auf die man im Netz sehr rasch stößt,

10
00:01:45.780 --> 00:01:46.459
 auf der Suche nach poetischen Worten zu unterschiedlichen Anlässen.

11
00:01:51.900 --> 00:02:01.879
 Das Ding-Gedicht, das sogenannte Ding-Gedicht, wie etwa der Panther oder das Karussell, ist vermutlich vielen erinnerlich oder auch Zeilen wie Herr, es ist Zeit oder die Blätter fallen, fallen wie von weit.

12
00:02:02.519 --> 00:02:05.400
 Rilke ist freilich mehr als nur Lyriker.

13
00:02:05.980 --> 00:02:13.680
 Neben seiner Prosa ist auch seine stete Auseinandersetzung mit ästhetischen Fragen und Kunsttheorie bemerkenswert.

14
00:02:14.479 --> 00:02:27.979
 Auf zwei Jubiläen 2025, die 150. Wiederkehr von Rilkes Geburtstag, im heurigen Jahr der 100. Todestag. Auf diese zwei Jubiläen

15
00:02:27.979 --> 00:02:33.979
 reagiert die Literaturwissenschaft. Zu den zahlreichen Publikationen, die es bereits gibt,

16
00:02:34.159 --> 00:02:40.520
 gesellen sich weitere, vor allem Biografien, darunter jene der Leiterin des Deutschen

17
00:02:40.520 --> 00:02:46.199
 Literaturarchiv Marbach, wo wesentliche Teile des literarischen Nachlasses

18
00:02:46.199 --> 00:02:54.460
 Rilkes aufbewahrt werden. Der in die Habsburger Monarchie hineingeborene René Rilke war ein

19
00:02:54.460 --> 00:03:00.539
 unsteter Geist, der sich gar nicht so einfach verorten lässt. Neben den größeren biografischen

20
00:03:00.539 --> 00:03:05.419
 Stationen, die vielleicht mit ihm assoziiert werden, wie etwa die Geburtsstadt Prag

21
00:03:05.419 --> 00:03:11.680
 oder auch sein zeitweiliger Arbeitsmittelpunkt München, gibt es eine ganze Reihe, ja eine

22
00:03:11.680 --> 00:03:19.280
 Vielzahl von möglichen Rilke-Orten. In Italien wären Duino und Venedig zu nennen, dazu Orte in

23
00:03:19.280 --> 00:03:26.199
 Russland, dass er zweimal bereist hat, in der Schweiz, wo er gestorben ist, aber auch Paris, Worpswede,

24
00:03:26.539 --> 00:03:33.520
 wo er seine Frau kennengelernt hat und etliche andere mehr, sind solche Rilke-Orte.

25
00:03:33.939 --> 00:03:38.879
 Linz gehört eher nicht zu jenen Orten, die bei Rilke unmittelbar einfallen.

26
00:03:38.879 --> 00:03:44.500
 Das Schicksal teilt es wohl mit anderen, auch von mir jetzt nicht genannten,

27
00:03:44.919 --> 00:03:48.979
 wie etwa auch zwei Schulorten, Meerisch-Weißkirchen und St. Pölten,

28
00:03:49.379 --> 00:03:52.259
 die übrigens literarisch produktiv sind,

29
00:03:52.759 --> 00:03:56.560
 weil unter anderem auch Robert Musil in Meerisch-Weißkirchen war

30
00:03:56.560 --> 00:04:00.439
 und eine ähnliche Erfahrung dort gemacht hat.

31
00:04:00.439 --> 00:04:02.400
 Das jetzt nur als Fußnote.

32
00:04:02.879 --> 00:04:29.180
 Also Rilke gehört eher nicht zu den Orten, die man mit Rilke sofort in Verbindung bringt. Und doch ist der Aufhalt des Handelsakademieschülers Rilke 1891-92 in Linz nicht unwichtig auf dem Weg zum Werden eines Dichters, mit ein Grund dafür, diesen Linzer Monaten die Ausstellung zu widmen. Es ist uns ein

33
00:04:29.180 --> 00:04:34.860
 Anliegen, immer wieder zu zeigen, wie Literatur sich als ein räumliches und überzeitliches

34
00:04:34.860 --> 00:04:49.000
 Bezugssystem entfaltet, wie letztlich alles mit allem zusammenhängt und manches in Oberösterreich, ja in Linz, sein Momentum hat. Sie werden gleich mehr darüber erfahren.

35
00:04:49.779 --> 00:04:56.040
 Ich möchte schließen mit dem herzlichsten Dank an den wissenschaftlichen Konzepter der Ausstellung,

36
00:04:56.199 --> 00:05:06.699
 Dr. Bernhard Judex, unserem ehemaligen Kollegen am Institut, der mit größter Kompetenz Rilkes Spuren hier und anderswo nachgegangen ist.

37
00:05:07.180 --> 00:05:28.420
 Mag. Gerhold Tagwerker und Mag. Gerhard Spring, die Bilder und Texte mit schereuung am Institut trotz immer wieder unerwarteter Wendungen

38
00:05:28.420 --> 00:05:33.399
 mit zumindest äußerlicher Ruhe und großer Sorgfalt begleitet hat.

39
00:05:33.959 --> 00:05:47.279
 Stellvertretend für alle an diesem Vorhaben Beteiligten im Haus selbst und darüber hinaus einen ganz, ganz großen Dank. Wir wünschen Ihnen einen recht schönen Abend und eine anregende Begegnung

40
00:05:47.279 --> 00:05:51.980
 mit einem Kapitel Literatur und einem Kapitel Stadtgeschichte.

41
00:06:27.160 --> 00:06:36.620
 Applaus Oberösterreich begrüßen. Zur Eröffnung der Ausstellung Bin von Herzen gern hier, Rilkes Linzer Episode. Was für ein Titel, sind wir doch alle von Herzen gerne hier. Wir widmen uns heute

42
00:06:36.620 --> 00:06:41.779
 einer der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur, Rainer Maria Rilke, Direktorin

43
00:06:41.779 --> 00:06:47.000
 Dallinger hat es schon erwähnt, 1926, also vor genau 100 Jahren im

44
00:06:47.000 --> 00:06:55.379
 Dezember in der Schweiz verstorben. Ein Dichter, dessen Werk bis heute eine ungebrochene Faszination

45
00:06:55.379 --> 00:07:02.500
 auf uns alle ausübt. Sein Lebenswerk führt ihn von Prag über verschiedenste Stationen,

46
00:07:03.240 --> 00:07:05.860
 einige wurden schon genannt, einige sind präsenter,

47
00:07:06.160 --> 00:07:14.480
 manche unbekannt, eben auch nach Oberösterreich, nach Linz. Nach St. Pölten kam der 15-jährige

48
00:07:14.480 --> 00:07:29.319
 Rilke 1891 nach Linz, um die Handelsakademie am Schlossberg zu besuchen. Diese Linzer Zeit, die nur bis 1892 dauerte, ist kurz und doch von besonderer Bedeutung,

49
00:07:29.500 --> 00:07:37.279
 so besonders, dass wir uns hier heute dazu einfinden. Es ist eine Zeit des Übergangs, des Suchens,

50
00:07:37.279 --> 00:07:49.699
 des inneren Aufbruchs. Rilke beginnt zu schreiben, verfasst erste Gedichte und es ist, wie so oft im jungen Leben, auch eine Zeit der Liebe.

51
00:07:50.519 --> 00:07:56.459
 Die Liebe zur Linzerin Olga Blumauer führt schließlich dazu, dass er mit ihr nach Wien durchbrannte.

52
00:07:57.500 --> 00:08:03.399
 Die Beziehung hielt nicht, doch die Spuren dieser Erfahrung ebenso wie jene der Linzer Zeit bleiben.

53
00:08:11.379 --> 00:08:22.360
 ebenso wie jene der Linzer Zeit bleiben. Als Rilke im Mai 1892 Linz wieder verließ, geschah dies eben aus sehr persönlichen Gründen und gerade diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie eng biografische Erfahrungen und künstlerisches Werden eng miteinander verwoben sind.

54
00:08:22.360 --> 00:08:23.459
 eng miteinander verwoben sind.

55
00:08:27.199 --> 00:08:30.439
 Die Zeit in Linz ist damit ein wichtiger Baustein vom jungen Rilke hin zu jenem Dichter,

56
00:08:30.720 --> 00:08:32.940
 den wir heute kennen und schätzen.

57
00:08:34.080 --> 00:08:37.460
 Auch Oberösterreich blieb für ihn von Bedeutung.

58
00:08:37.840 --> 00:08:41.919
 1896 etwa hielt er sich mehrmals im Salzkammergut auf,

59
00:08:41.919 --> 00:08:44.179
 wo er mehrere Gedichte verfasste.

60
00:08:44.299 --> 00:08:49.899
 Landschaft, Stimmung und innere Bewegung fanden hier erneut zueinander.

61
00:08:50.919 --> 00:08:55.559
 Die Ausstellung hier im Stifterhaus widmet sich genau dieser prägenden Phase.

62
00:08:56.860 --> 00:09:00.080
 Sie wurde anlässlich des Todestags Rilkes gestaltet

63
00:09:00.080 --> 00:09:04.200
 und entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturmuseum Prag.

64
00:09:04.200 --> 00:09:04.919
 und entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturmuseum Prag.

65
00:09:10.379 --> 00:09:14.740
 In vier Stationen spannt sich der Bogen von der Geburt bis eben ins Jahr 1896 und beleuchtet damit bewusst einen Ausschnitt seines Lebens,

66
00:09:15.320 --> 00:09:19.820
 einer, der oft nur gestreift wird und hier jetzt in den Fokus gerückt wird.

67
00:09:21.580 --> 00:09:26.879
 Genau jene Fokussierung bedeutet auch eine neue Perspektive.

68
00:09:26.879 --> 00:09:32.759
 Sie bringt bislang Ungesehenes, vielleicht Ungelesenes ans Licht.

69
00:09:32.840 --> 00:09:37.240
 Sie stellt spannende Fragen, wie aus dem jungen René jener Dichter wurde,

70
00:09:38.259 --> 00:09:40.080
 dessen Worte uns bis heute begleiten.

71
00:09:41.179 --> 00:09:57.500
 Die Verbindung Rilkes zu diesen Orten verdichtete sich später noch, als er sich mit Adalbert Stifter und dessen Werk auseinandersetzte. Eine schöne, beinahe folgerichtige Verbindung zum heutigen Veranstaltungsort.

72
00:10:04.419 --> 00:10:05.460
 vom Kurator Bernhard Judex noch vertiefende Einblicke in die Ausstellung erhalten.

73
00:10:11.639 --> 00:10:15.820
 Schon jetzt darf ich ihm ganz herzlich danken für die umsichtige und differenzierte Blick auf Rilke, insbesondere auf die schon mehrfach genannte Zeit in Oberösterreich.

74
00:10:17.340 --> 00:10:22.539
 Ganz herzlich Gratulation an alle Beteiligten zu dieser äußerst gelungenen Ausstellung,

75
00:10:22.860 --> 00:10:24.659
 zur Gestaltung, zur Konzeption.

76
00:10:24.659 --> 00:10:25.299
 zu dieser äußerst gelungenen Ausstellung zur Gestaltung, zur Konzeption.

77
00:10:28.940 --> 00:10:33.360
 Stellvertretend Direktorin Petra Dallinger für ihr gesamtes Team zur wertvollen und immer hochgeschätzten Tätigkeit des Adalbert Stifterhauses.

78
00:10:34.279 --> 00:10:41.480
 Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, wünsche ich eine anregende und wie immer bereichernde Zeit

79
00:10:41.480 --> 00:10:43.740
 hier heute Abend im Stifterhaus.

80
00:10:44.500 --> 00:10:51.259
 Tauchen Sie ein in das Leben eines 15-Jährigen, der nach Linz kam, um eine Schule zu besuchen,

81
00:10:51.960 --> 00:10:56.480
 der glaubte, die Liebe gefunden zu haben und der vielleicht gerade aus diesen Erfahrungen heraus

82
00:10:56.480 --> 00:11:03.539
 seine Gedanken zu Papier brachte und der vielleicht damit auch den Grundstein für ein Werk legte,

83
00:11:03.539 --> 00:11:07.360
 das uns bis heute Geschenk und ein großer Schatz ist.

84
00:11:08.539 --> 00:11:13.519
 Erlauben Sie mir, Sie alle in die Eröffnung der Ausstellung mit einzuschließen.

85
00:11:14.019 --> 00:11:16.320
 Nochmals mit Rilkes Worten.

86
00:11:16.960 --> 00:11:19.259
 Wir sind von Herzen gerne hier.

87
00:11:20.179 --> 00:11:22.799
 Ich wünsche uns allen einen inspirierenden Abend.

88
00:11:23.059 --> 00:11:38.799
 Herzlichen Dank.

89
00:11:46.519 --> 00:11:48.519
 Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Sie sehr herzlich hier im Stifterhaus Linz begrüßen und freue mich, dass Sie hier sind.

90
00:11:57.159 --> 00:11:57.899
 Er war Barfußgeher und Vegetarier, einsamer Mönch und Eskapist, Gottsucher und Sehender, rastlos umhergetriebener und Reisender,

91
00:12:08.259 --> 00:12:08.720
 Bewohner zahlreicher Orte, Länder und Städte, deren Hektik und Armut ihn jedoch abschreckte. Ein seinem Werk bedingungslos hingegebener, auf der Suche nach dem wahren Wort,

92
00:12:11.340 --> 00:12:18.860
 nach der Formel der Weltpoesie sozusagen. Sich dem Zeitgeist versagend, jedoch zugleich angetrieben von den vielfältigen Veränderungen und Entwicklungen seiner Zeit.

93
00:12:19.580 --> 00:12:26.480
 Das einfache Leben verklärend, der leidenschaftlichen Suche nach Transzendenz und Überhöhung hingegeben,

94
00:12:26.879 --> 00:12:33.279
 dem Kontakt zum gesellschaftlichen Leben zugeneigt, seine guten Manieren und weitreichenden Kontakte

95
00:12:33.279 --> 00:12:39.840
 leidlich auskostend, finanzielle Unterstützungen und Hilfe annehmend, Briefe geflissentlich

96
00:12:39.840 --> 00:12:47.659
 beantwortend, als Ehemann und Familienvater scheiternd, dafür umso erfolgreicher als Liebender und Liebhaber,

97
00:12:48.259 --> 00:12:51.399
 Dichter von Weltruhm und von besonderem Charisma.

98
00:12:54.039 --> 00:13:00.379
 Ungebrochen bis heute sind die Modernität und Faszination und Wirkung seines Werks,

99
00:13:00.379 --> 00:13:06.960
 aber auch seiner Person Rainer Maria Rilkes, Nicht nur in der Welt der klassischen Leserinnen

100
00:13:06.960 --> 00:13:12.019
 und Leser sowie der germanistischen Forschung, sondern bis hin zur Popkultur, wenn man zum

101
00:13:12.019 --> 00:13:17.759
 Beispiel an Lady Gaga denkt, Gwyneth Paltrow oder der Generation Z und den Sozialen Medien,

102
00:13:17.759 --> 00:13:28.000
 wo Rilkes Werk auch sehr umfangreich rezipiert wird. Mehr als ein Dutzend Gedichtbände hat Rilke Zeit seines Lebens verfasst,

103
00:13:28.179 --> 00:13:33.820
 also unter anderem das Stundenbuch, das Buch der Bilder, die Sonnette an Orpheus und natürlich

104
00:13:33.820 --> 00:13:40.019
 die Duineser Elegien, um die bekanntesten zu nennen. Darüber hinaus den Roman, die Aufzeichnungen

105
00:13:40.019 --> 00:13:47.320
 des Malte Laurits Brügge und natürlich auch die bekannte lyrische Prosa

106
00:13:47.320 --> 00:13:51.000
 »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets« Christoph Rilke.

107
00:13:51.659 --> 00:13:57.720
 In seiner Frühzeit war Rilke auch als Dramatiker tätig, daneben verfasste er Kritiken und Rezensionen.

108
00:13:58.500 --> 00:14:02.919
 Sein Oeuvre ist in über 50 Sprachen weltweit übersetzt.

109
00:14:02.919 --> 00:14:09.539
 Darüber hinaus übertrug er selbst auch aus dem französischen Werke von Baudelaire, Malamé, Paul Valéry

110
00:14:09.539 --> 00:14:14.940
 und aus dem italienischen zum Beispiel von Dante Alighieri oder Leopardi,

111
00:14:15.840 --> 00:14:18.639
 sowie auch andere Dichterinnen und Dichter.

112
00:14:19.200 --> 00:14:26.460
 Dabei ist Rainer Maria Rilke geboren am 4. Dezember 1875 in Prag und ursprünglich auf den Namen

113
00:14:26.460 --> 00:14:37.639
 René Maria getauft, gerade erst einmal 51 Jahre alt geworden. Er verstarb am 29. Dezember 1926

114
00:14:37.639 --> 00:14:47.899
 an einer unheilbaren Form der Leukämie in einem Sanatorium in Valmont bei Montreux. Neuesten Theorien zufolge könnte es sich aber auch

115
00:14:47.899 --> 00:14:56.240
 um eine Bleivergiftung gehandelt haben. Seit 1919 lebte Rilke teilweise zurückgezogen und kränklich

116
00:14:56.240 --> 00:15:03.679
 in einem alten Steinturm im sogenannten Château de Muzot im Schweizer Wallis. Die Stationen seines

117
00:15:03.679 --> 00:15:06.779
 rastlosen Lebens, Sie haben es vorher schon gehört,

118
00:15:07.259 --> 00:15:11.720
 dass der Dichter auf Wanderschaft und Sinnsuche, auf Suche nach der poetischen Erfüllung und dem

119
00:15:11.720 --> 00:15:17.720
 wahren Ausdruck des Daseins und Sins verbracht hat, sind zahlreich. Eben neben seiner Heimat Prag

120
00:15:17.720 --> 00:15:28.139
 sind es München, Berlin, Worpswede, Venedig, Rom, Paris, Schloss Duino, auch in Nordafrika ist er gewesen, in Spanien, in Wien

121
00:15:28.139 --> 00:15:32.860
 und eben auch eine kurze Episode hat ihn nach Linz geführt.

122
00:15:34.279 --> 00:15:38.919
 Unüberschaubar sind seine weitreichenden Kontakte, Freundschaften und Liebesbeziehungen

123
00:15:38.919 --> 00:15:42.179
 zu vielen einflussreichen Persönlichkeiten der damaligen Gesellschaft.

124
00:15:43.080 --> 00:15:45.340
 Rilke war eine faszinierende Persönlichkeit,

125
00:15:45.340 --> 00:15:53.559
 die es vermochte, Menschen anzuziehen, wenngleich er selbst sich nicht richtig binden konnte. Mit

126
00:15:53.559 --> 00:15:59.440
 der Bildhauerin Clara Westhoff blieb er sein Leben lang verbunden und in Kontakt, auch wenn sie sich

127
00:15:59.440 --> 00:16:11.759
 schon bald nach der Heirat 1901 getrennt haben. Liebesaffären wie etwa mit Luandrias Salome, Sidonina Derni, Lualbert Salah, Magda von Hattingberg,

128
00:16:12.240 --> 00:16:15.980
 Paladine Klosowska und vielen anderen begleiteten sein Leben.

129
00:16:16.860 --> 00:16:23.779
 Paradoxerweise beschrieben einige seiner Geliebten ihn äußerlich als wenig attraktiv und geradezu abstoßend.

130
00:16:23.779 --> 00:16:25.960
 äußerlich als wenig attraktiv und geradezu abstoßend.

131
00:16:30.500 --> 00:16:31.059
 Beachtlich ist auch die Liste von Förderern und Mäzeninnen, die ihn unterstützt haben.

132
00:16:36.200 --> 00:16:36.659
 So etwa Karl und Elisabeth von der Heid, das Verleger-Ehepaar Anton und Katharina Kippenberg,

133
00:16:41.919 --> 00:16:42.659
 Marie von Thurn und Taxis, Nanni Wunderle-Volkhardt, die Brüder Reinhardt.

134
00:16:47.279 --> 00:16:54.240
 Auch Ludwig Wittgenstein begünstigte ihn neben Georg Trakl anlässlich einer Schenkung mit einer größeren Summe an Geld. Neben diesen persönlichen Kontakten sind es nicht

135
00:16:54.240 --> 00:16:59.379
 zuletzt zahlreiche Briefe, die Rilke mit dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben und

136
00:16:59.379 --> 00:17:27.920
 den Persönlichkeiten seiner Zeit verbunden haben. Zu erwähnen sind eben über die genannten hinaus der Worpsweder-Künstlerkreis um Heinrich Vogeler, die Pädagogin Ellen Kay, die Malerin Mathilde Vollmöller, Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil oder Stefan Zweig, Sigmund Freud, André Gide, Auguste Rodin, Leonid und Boris Pasternak, Marina Zvetajeva und diese Liste könnte man fast endlos fortführen.

137
00:17:29.119 --> 00:17:33.720
 Zurecht stellt Sandra Richter in ihrer erst kürzlich erschienenen Biografie fest,

138
00:17:33.880 --> 00:17:40.400
 dass bei Rilke im Grunde genommen alles zum Werk wird, seine Texte ebenso wie sein Leben und seine Briefe.

139
00:17:40.400 --> 00:17:44.579
 Die widersprüchliche Persönlichkeit eint Wirklichkeit und Dichtung.

140
00:17:44.579 --> 00:17:45.119
 Die widersprüchliche Persönlichkeit eint Wirklichkeit und Dichtung.

141
00:17:53.920 --> 00:17:55.480
 Die äußeren Lebensumstände und Rilkes Poesie fließen bei ihm ineinander und bilden ein Gesamtkunstwerk ganz unverwechselbarer Art.

142
00:18:05.299 --> 00:18:06.180
 Eine Ausstellung anlässlich von Rilkes 100. Todestag vermag nun keinesfalls auch nur einigermaßen hinreichend, all diese Aspekte zu beleuchten.

143
00:18:11.799 --> 00:18:15.380
 So kann auch die aktuelle Ausstellung im Stifterhaus Linz bloß einzelne Perspektiven hervorheben, die für das Leben und Werk dieses Dichter entscheidend gewesen sind.

144
00:18:16.240 --> 00:18:20.779
 Insbesondere die frühen Jahre von Rilkes Biografie stehen dabei im Zentrum.

145
00:18:21.339 --> 00:18:27.000
 Jene Zeit, die er selbst in Briefen, so etwa an Ludwig Ganghofer, wie auch in der

146
00:18:27.000 --> 00:18:33.180
 Ausstellung gezeigt, als überschattet und wenig glücklich skizziert hat. Jahre, die gleichwohl

147
00:18:33.180 --> 00:18:37.900
 als Voraussetzungen und Bedingungen seines Schreibens angesehen werden können, aber auch

148
00:18:37.900 --> 00:18:44.200
 als Notwendigkeit, um sich gerade da von Schreibens zu distanzieren und zu einem anderen zu werden.

149
00:18:46.140 --> 00:18:51.940
 gerade da von Schreibens zu distanzieren und zu einem anderen zu werden. Dass Rilke Sigmund Freuds Vorschlag zu einer Therapie abgelehnt hat, mag nicht zufällig gewesen sein, erschien ihm

150
00:18:51.940 --> 00:18:59.039
 vermutlich die Dichtung als die adäquatere Strategie der Lebensbewältigung. Die Ausstellung

151
00:18:59.039 --> 00:19:07.140
 Bin von Herzen gern hier, Rilkes Linzer Episode, beleuchtet die ersten 20 Jahre von Rilkes Biografie

152
00:19:07.140 --> 00:19:09.880
 und ist in fünf Stationen gegliedert.

153
00:19:10.960 --> 00:19:16.059
 Geboren und aufgewachsen in der Altstadt von Prag, also der ersten Station,

154
00:19:16.700 --> 00:19:22.440
 bildet die tschechische Metropole den Ort, an den Rilke in den ersten 20 Lebensjahren

155
00:19:22.440 --> 00:19:24.359
 auch immer wieder zurückkehren wird.

156
00:19:24.359 --> 00:19:25.000
 in den ersten 20 Lebensjahren auch immer wieder zurückkehren wird.

157
00:19:29.839 --> 00:19:31.460
 Seine Eltern, Josef und Sophie oder auch Vier, Rilke genannt.

158
00:19:36.920 --> 00:19:37.299
 Josef Rilke war ein Eisenbahnbeamter in leitender Funktion,

159
00:19:40.920 --> 00:19:41.440
 hat den Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen abbrechen müssen.

160
00:20:05.940 --> 00:20:12.720
 Seine Mutter Vier Rilke stammt aus großbürgerlichen Verhältnissen, also eine geborechen erzogen und hat selbst auch in ihren Erinnerungen darüber geschrieben,

161
00:20:12.720 --> 00:20:18.900
 wie er zum Beispiel als Ismene verkleidet in Mädchenkleidern an die Tür klopft, die Stimme

162
00:20:18.900 --> 00:20:23.960
 verstellt und mit ihr dann den Nachmittag verbringt und sagt, er hat den bösen René

163
00:20:23.960 --> 00:20:26.599
 fortgeschickt, weil die Jungen sind ja zu nichts Nütze.

164
00:20:27.279 --> 00:20:33.920
 Auch eine Episode, die er später in dem Roman Malte Laurits Brügge in anderer Form wiedergibt.

165
00:20:35.059 --> 00:20:38.940
 Er schreibt in einem Brief, sie behandelte mich wie eine große Puppe.

166
00:20:39.420 --> 00:20:48.240
 Die Beziehung war problematisch. Die Mutter, die etwas Unbestimmtes vom Leben wollte, hat den Jungen damals geprägt,

167
00:20:48.339 --> 00:20:53.700
 hat ihn aber auch zum Beispiel französisch, also sie hat mit ihm französisch gesprochen.

168
00:20:53.700 --> 00:21:00.640
 Diese Sprache hat er Zeit seines Lebens natürlich auch gepflegt, eben in den Übersetzungen, die er dann gemacht hat.

169
00:21:01.200 --> 00:21:07.700
 Und sie hat auch einen Aphorismenband herausgegeben, Ephemeriden genannt.

170
00:21:09.380 --> 00:21:16.400
 Die Familie zählte zur deutschsprachigen Minderheit in Prag und Rilke hatte auch,

171
00:21:16.400 --> 00:21:21.759
 das ist, finde ich, auch erwähnenswert, Interesse an der tschechischen Kultur seiner Landsleute

172
00:21:21.759 --> 00:21:26.700
 und hat natürlich über die Geburtsstadt Prag auch einige Texte verfasst,

173
00:21:26.839 --> 00:21:33.720
 also zum Beispiel der Gedichtband Larenopfer ist einer davon, die Prager Geschichten oder auch die Erzählung Ewald Tragi,

174
00:21:33.799 --> 00:21:37.880
 von der Sie eine Manuskriptseite auch bei der Ausstellung sehen.

175
00:21:50.440 --> 00:21:50.799
 Und 1886, also nach dem Besuch der Volksschule in Prag, kommt Rilke dann in die KOK-Militär- und Realschule St. Pölten.

176
00:21:54.160 --> 00:21:54.980
 Der Beginn einer Reihe von Jahren traumatischer Erfahrungen.

177
00:21:57.559 --> 00:21:57.759
 Rilke selbst war von eher schwächlicher Konstitution.

178
00:22:01.119 --> 00:22:01.319
 Das Turnen und der militärische Trill sind also zuwider gewesen.

179
00:22:04.819 --> 00:22:05.039
 Und er hat das auch in zahlreichen Briefen an seine Mutter wiedergegeben.

180
00:22:12.920 --> 00:22:13.920
 Er spricht von schlaflosen Nächten, die er weinend verbringt und steht aber doch die ersten vier Jahre in St. Pölten durch,

181
00:22:28.039 --> 00:22:28.140
 kommt dann in die Militäroberrealschule in Meereschweißkirchen und wird 1891 dann aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig entlassen. Also da ist dann sozusagen das Ende der militärischen Karriere,

182
00:22:34.200 --> 00:22:34.680
 die ja seinem Vater versagt geblieben ist und die er quasi nachholen sollte,

183
00:22:35.759 --> 00:22:37.119
 auch zu Ende gegangen.

184
00:22:40.000 --> 00:22:53.119
 Meerisch-Weißkirchen, Peter Maria Dallinger hat es schon erwähnt, ist eben auch der Ort, wo Robert Musil seine Schulzeit verbracht hat, zusammengefasst oder eben wiedergegeben auch diesen Druck dieser militärischen Erziehungsanstalten der K&K-Zeit,

185
00:22:53.240 --> 00:22:59.019
 prägend für viele Generationen in seinem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törles von 1906.

186
00:23:00.720 --> 00:23:07.079
 Interessant ist aber, dass Rilke trotzdem das Militärische oder den Militärischen nicht ganz abgeneigt ist.

187
00:23:07.079 --> 00:23:11.940
 Man sieht das auch in seinen Zeichnungen, die sehr interessant sind.

188
00:23:12.180 --> 00:23:19.539
 Und es gibt sehr viele Zeichnungen von Rilke, die im Deutschen Literaturarchiv in Marbach gesammelt werden.

189
00:23:20.759 --> 00:23:22.940
 Das sind Zeichnungen von Husan und Soldaten.

190
00:23:23.099 --> 00:23:26.500
 Also er hat sich für das Militärische doch durchaus interessiert.

191
00:23:27.940 --> 00:23:35.640
 Nach einer kurzen Erholung im Sommer 1891, also wir sind dann jetzt schon bei Station 3, dem Hauptteil natürlich der Ausstellung,

192
00:23:36.980 --> 00:23:49.740
 nach einer kurzen Erholung im Sommer 1891 in Prag, kommt Rilke also im September 1891 nach Linz, um dort die Handelsschule zu besuchen. Wenn er diese drei

193
00:23:49.740 --> 00:23:54.839
 Jahre Handelsschule absolviert hätte, hätte er sozusagen auch in den Militärdienst nochmals

194
00:23:54.839 --> 00:24:00.940
 eintreten können und in Briefen an seine Mutter sieht man auch, dass er dieser Idee gar nicht

195
00:24:00.940 --> 00:24:05.079
 abgeneigt war. Also er schreibt zum Beispiel aus Linz dann an Fia Rilke,

196
00:24:08.640 --> 00:24:09.119
 ich habe den Rock des Kaisers nur ausgezogen, um ihn wieder anzuziehen.

197
00:24:14.000 --> 00:24:19.180
 Ich bin eigentlich der Offizierslaufbahn gar nicht abgeneigt, aber das, was mich eben so abgestoßen hat, war dieser militärische Trill und dieser Druck,

198
00:24:19.339 --> 00:24:23.240
 der ihn in St. Pölten und Meerisch-Weißkirchen begleitet hat.

199
00:24:24.299 --> 00:24:30.000
 Die wahren Hintergründe aber, warum Rilke tatsächlich nach Linz gekommen ist, kann man nur vermuten.

200
00:24:30.140 --> 00:24:34.220
 Also ich muss an dieser Stelle auch sagen, es gibt natürlich schon Vorarbeiten,

201
00:24:34.220 --> 00:24:40.960
 zum Beispiel von Joachim Stork, einem Rilke-Biografen, der sich mit dieser Linzer Episode beschäftigt hat.

202
00:24:41.920 --> 00:24:47.220
 Und auch hier werden die Gründe nicht ganz eindeutig genannt. Ich habe

203
00:24:47.220 --> 00:24:53.059
 versucht, es so weit wie möglich zu recherchieren, aber es bleibt auch vieles noch im Unklaren,

204
00:24:53.059 --> 00:25:00.640
 weil diese Dokumente nicht vorhanden sind oder weil es nicht so genau belegt ist. Man vermutet

205
00:25:00.640 --> 00:25:27.680
 allerdings, dass der Onkel von Rilke, Jaroslav Ritter von Rüliken, ein einflussreicher Advokat in Prag und auch Abgeordneter des tschechischen Nationalrats, dass der über seine Verbindungen, die weit über Prag hinausgereicht haben, möglicherweise an die Familie Truot angeknüpft haben. Hans und Amalie Trouault hat eben Rilke in der Linzer Zeit 1891-92 gewohnt, am Graben 19.

206
00:25:27.819 --> 00:25:33.380
 Das Haus existiert in dieser Form nicht mehr, aber Sie sehen historische Fotos bei der Ausstellung.

207
00:25:34.460 --> 00:25:40.619
 Und das war ein großbürgerliches Linzer angesehenes, großbürgerliches Linzer Ehepaar.

208
00:25:40.619 --> 00:25:46.000
 Hans Trouault war Druckereibesitzer der Druckerei Johannes Fechtinger und Erben am Hauptplatz.

209
00:25:47.539 --> 00:25:51.960
 Und bei dieser kinderlosen Familie hat Rilke eben gewohnt.

210
00:25:52.500 --> 00:26:00.000
 Und wie er schreibt, hat er sich in Linz deutlich wohler gefühlt als in der Militärschule.

211
00:26:00.880 --> 00:26:03.000
 Er schreibt, in Linz ist alles so gemütlich und freundlich.

212
00:26:04.000 --> 00:26:14.180
 Er knüpft Kontakte zum gesellschaftlichen Leben, befreundet sich mit einem Schulkollegen, Kajetan Wimhölzl, dem Sohn des damaligen Bürgermeisters, Johannes Evangelist Wimhölzl.

213
00:26:15.000 --> 00:26:26.740
 Und er geht auch ins Landestheater, fertigt Zeichnungen an, Kostümbilder zum Beispiel oder Zeichnungen auch von Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Handelsschule selbst gilt er als guter Schüler

214
00:26:26.740 --> 00:26:32.000
 und er wird als Stütze der Anstalt vom Direktor Effenberger lobend erwähnt.

215
00:26:32.619 --> 00:26:38.500
 Linz, also die Zeit 1891-92, ist auch der Beginn seiner literarischen Tätigkeit.

216
00:26:39.319 --> 00:26:43.440
 Er nimmt Teil an einem Preisausschreiben einer Zeitschrift mit einem Gedicht

217
00:26:43.440 --> 00:26:49.460
 »Die Schleppe ist jetzt Mode« und schreibt auch eine Antwort auf die Waffen nieder,

218
00:26:49.619 --> 00:26:53.319
 also eine Replik auf Bertha von Suttners Pazifismus.

219
00:26:53.799 --> 00:26:59.200
 Auch hier spiegelt sich ein bisschen das militärische oder der militärische Impetus Rilkes wieder.

220
00:26:59.200 --> 00:27:04.180
 Also es ist eigentlich eben ein Pamphlet gegen Bertha von Suttner,

221
00:27:04.599 --> 00:27:11.339
 das er hier verfasst und das er in der Zeitschrift Böhmens Deutsche Poesie und Kunst von Eduard Kastner herausbringt.

222
00:27:13.019 --> 00:27:22.940
 Und auch einzelne Gedichte aus dem Band Leben und Lieder, der 1894 veröffentlicht wird, sind in Linz entstanden.

223
00:27:22.940 --> 00:27:23.660
 sind in Linz entstanden.

224
00:27:29.180 --> 00:27:29.559
 Das Ende der Linzer Episode ist die Affäre mit dem Kindermädchen Olga Blumauer,

225
00:27:41.299 --> 00:27:41.940
 einer etwas älteren Frau oder einem Mädchen, das bei der Familie Zellenka angestellt ist, eben als Kindermädchen.

226
00:27:47.440 --> 00:27:47.579
 Und mit ihr flieht er auf abenteuerliche Weise im Mai 1892 nach Wien.

227
00:27:53.099 --> 00:27:53.140
 Auch hier weiß man nicht genau die Hintergründe. Man kann vermuten, dass er auch versucht hat,

228
00:27:59.920 --> 00:28:14.440
 in Wien auch wieder Kontakt an Eduard Kastner, den Herausgeber der Zeitschrift, also Kontakt aufzunehmen. Und diese Flucht, diese abenteuerliche Flucht, die natürlich weder von seinem Onkel, von seinem Vater und auch von der Familie Tho gut geheißen wird, bedeutet dann das Ende der Linzer Episode.

229
00:28:46.799 --> 00:28:46.900
 Und die vierte Station führt uns dann zu einer Sommerfrische, also mit dem Titel der Sommerwob, ein Märchen, ein Aus dort einzelne Gedichte über Bad Geusern vor allem,

230
00:28:52.319 --> 00:29:00.559
 also die Mühle von Bad Geusern hat es ihm angetan, ein Ausflugslokal, das er auch zeichnet, über das er ein Gedicht verfasst, bei Geusern überhaupt, Gosau See, Hallstatt und Bad Ischl sind die Stationen

231
00:29:00.559 --> 00:29:08.819
 seiner Reise und über diese Orte schreibt er auch Gedichte, die ihn in die Landschaft eigentlich führen, die auch eine Stifterlandschaft ist.

232
00:29:09.819 --> 00:29:26.099
 Und an dieser Stelle wäre eben auch zu erwähnen, dass August Sauer, der erste Stifter-Editor, Rilkes Lehrer in der Universitätszeit in Prag war. Also Rilke hat nach der Matura begonnen, unter anderem eben

233
00:29:26.099 --> 00:29:32.940
 Literatur zu studieren und einer seiner Lehrer war August Sauer und zu ihm und seiner Frau Hedda

234
00:29:32.940 --> 00:29:39.279
 Sauer, die ihm später auch aus Bad Ischl dann eine Karte schreibt, knüpfte eben freundschaftliche

235
00:29:39.279 --> 00:29:45.759
 Kontakte. Das Ehepaar hat ihn unterstützt in seinen dichterischen ersten Versuchen.

236
00:29:50.500 --> 00:29:51.259
 Und damit endet sozusagen auch dieser Parcours der Ausstellung,

237
00:29:56.559 --> 00:29:56.700
 bevor man in der fünften Station noch einige seiner Werke nachlesen kann.

238
00:30:00.000 --> 00:30:06.700
 Also es gibt auch einen kleinen Büchertisch mit Werken von Rilke und auch eine kleine Erklärung zu seinen Texten, zu seinen bekanntesten Texten.

239
00:30:08.799 --> 00:30:14.039
 Ja, am Schluss der Ausstellung sehen Sie auch noch ein kleines Artefakt aus dem Stifterhaus.

240
00:30:14.200 --> 00:30:20.640
 Rilke hatte nämlich mit einem Dichter, mit einem oberösterreichischen Dichter Kontakt gehabt.

241
00:30:20.640 --> 00:30:37.920
 Also der hat ihn gefragt, ob er was tun kann für ihn, hat sich an den damals schon bekannten Rilke in den 1920er Jahren gewendet und es handelt sich um Max Narbeshuber, der vielleicht den meisten von Ihnen auch nicht sagt, aber es gibt eben diesen Rilke-Brief im Stifterhaus Linz.

242
00:30:58.579 --> 00:31:27.500
 Es ist ein abschlägiges Urteil, also Max Narbeshuber war damals noch nicht bekannt, Rilke nennt ihn auch Marberhuber in seinem Brief und sagt also, es wäre eigentlich besser, wenn er einer anderen Tätigkeit nachgehen würde als dem Literaturarchiv Marbach, also das Rilke-Gernsbach-Archiv, das aus privatem Besitz 2022 erworben wurde, ist eine wahre Fundgrube eben mit Briefen, Fotos, mit Manuskripten und eben auch den Zeichnungen von Rilke. Ein Teil dieses Bestandes ist auch im Literaturarchiv in Marbach gezeigt

243
00:31:27.500 --> 00:31:32.920
 worden bei einer großen Rilke-Ausstellung. Und die erste Station, also die Prager Station,

244
00:31:33.579 --> 00:31:38.740
 ist in Kooperation mit dem Literaturhaus Prag entstanden, wofür wir uns auch ganz herzlich

245
00:31:38.740 --> 00:31:47.160
 bedanken. Mein Dank gilt vor allem an das Haus, an Peter Maria Dallinger für die Einladung, diese Ausstellung kuratieren zu dürfen,

246
00:31:47.700 --> 00:31:56.859
 an Sarah Pöringer, die die Ausstellung begleitet hat, an Sandra Maletz, die die Rechte eingeholt hat, dieser ganzen Objekte, was sehr viel Arbeit war.

247
00:31:58.099 --> 00:32:00.880
 Und natürlich auch an Georg Hofer.

248
00:32:02.880 --> 00:32:08.039
 Weiters möchte ich mich bedanken bei Gerhard Spring für die Grafik, für den Druck bei

249
00:32:08.039 --> 00:32:16.319
 Petro Loschinski, für Aufbau und Technik bei Albin Thum und Andreas Steindl und natürlich, last but not

250
00:32:16.319 --> 00:32:26.180
 least, ganz besonderer Dank an die Gestaltung durch Gerold Tagwerker. Sie sehen, die Ausstellung ist bewusst nüchtern gestaltet vielleicht,

251
00:32:26.180 --> 00:32:32.000
 wenn man das so sagen darf, bewusst reduziert und spiegelt eigentlich den

252
00:32:32.000 --> 00:32:38.759
 ästhetischen Blick von Rilke selbst sehr gut wider, wie ich finde. Rilke hat zum

253
00:32:38.759 --> 00:32:42.420
 Beispiel auch den Druck seiner eigenen Texte immer wieder begleitet, also das

254
00:32:42.420 --> 00:32:51.680
 äußere Erscheinungsbild war ihm sehr wichtig und es ist eine sehr klare und ein ästhetischer Reduktionismus,

255
00:32:52.619 --> 00:32:55.500
 der Rilke, glaube ich, auch durchaus entspricht.

256
00:32:56.240 --> 00:32:58.680
 Und ich möchte auch noch hinweisen auf eine Publikation,

257
00:32:59.500 --> 00:33:00.319
 die erscheinen wird.

258
00:33:00.539 --> 00:33:02.859
 Also das heißt, Sie können jetzt zwar noch nicht

259
00:33:02.859 --> 00:33:05.839
 einen Begleitkatalog erwerben, aber hoffentlich

260
00:33:05.839 --> 00:33:11.839
 bald. Also wir arbeiten daran, dass dieser auch erscheinen möge, noch im Rahmen der Ausstellung

261
00:33:11.839 --> 00:33:21.700
 natürlich. Und darf auch eine Lesung, glaube ich, ankündigen am Museumstag. Tag des Denkmals wird

262
00:33:21.700 --> 00:33:45.200
 Franz Vorschauer aus Texten Rilkes lesen. und Sie finden auch bei der Ausstellung Begleittexte zu den einzelnen Zitaten, die Sie hier ansehen und nachlesen können.

263
00:33:45.200 --> 00:33:49.819
 Und ich wünsche Ihnen eine schöne Ausstellung, eine schöne Eröffnung und

264
00:33:49.819 --> 00:33:54.880
 machen Sie die Ausstellung gerne in Linz und im Umfeld bekannt und publik.

265
00:33:54.880 --> 00:33:58.839
 Ich freue mich, wenn es Ihnen gefällt und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

266
00:33:58.839 --> 00:34:19.519
 Danke. Vielen Dank, es ist vollbracht.

267
00:34:19.719 --> 00:34:23.539
 Wir dürfen Sie einladen, noch hier zu bleiben, einen Schluck zu trinken,

268
00:34:23.539 --> 00:34:28.000
 ins Gespräch zu kommen mit Rilke oder mit unseren Gästen miteinander.

269
00:34:28.420 --> 00:34:30.260
 Danke für Ihr Interesse und für Ihr Dasein.

