Schönen Nachmittag und herzlich willkommen zum Wettlesen Female Fictions im Salzamt. Ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu dieser Veranstaltung. Mein Name ist Conny Erber, ich bin die Gründerin vom Feministischen Buchclub in Linz und aus dem Grund freut es mich natürlich umso mehr, dass ich heute eine Veranstaltung moderieren darf, wo es um feministische Texte und feministische Literatur geht. Wir hören heute von fünf Autorinnen unterschiedliche Texte zum Thema Feminismus. Die Autorinnen tragen einzeln vor und werden dann von einer Fachjury bewertet. Aber auch Sie, liebes Publikum, haben die Möglichkeit mitzugestimmen und den Abend und auch den Ausgang von diesem Wettlesen mitzugestalten. Sie finden auf Ihren Plätzen schon diese Stimmzettel. Mehr dazu dann später. Wir sind auch live dabei mit DorfTV, was uns natürlich auch freut. Bitte für die Übertragung, damit da nichts gestört wird, die Handys auf Flugmodus stellen. Sehr brav. Und bevor ich jetzt die Jury und vor allem auch unsere fünf Autorinnen vorstelle, kurz einmal zur Genese und zum Ablauf von diesem Nachmittag. Die Ausschreibung für diese feministischen Textbeiträge kam vom Verein Female Positions. Gegründet wurde dieser Verein von Sandra Hochholzer, Daniela Baglmeier und Susanne Baumann. Und dieser Verein beschäftigt sich mittlerweile seit fünf Jahren, herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, mit feministischen Perspektiven in Kunst, Theorie und Gesellschaft. Und gerade durch Bücher, Gespräche und auch durch interdisziplinäre Projekte werden diese Themen immer wieder aufgegriffen. Aus diesem Grund befinden wir uns heute auch im Salzamt, wo die aktuelle Ausstellung von Female Positions zu sehen ist, nämlich mit dem Titel »Das Spiel ist aus«. Hier haben Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in Bezug auf das Ende des Patriarchats beziehungsweise in Bezug auf Beginn von etwas Neuem ausgestellt. Die Werke können bis morgen noch bewundert werden, das heißt nutzen sie auch die Gelegenheit, sich diese Kunstwerke anzusehen. Das heißt, nutzen Sie auch die Gelegenheit, sich diese Kunstwerke anzusehen. Außerdem hat der Verein bereits einige Publikationen veröffentlicht. Ein Buch mit dem Titel Female Positions und ein weiteres Buch mit Female Utopia. Und auch nach dieser Veranstaltung wird es wieder eine Textsammlung mit feministischen Beiträgen und auch mit Beiträgen, die wir heute hören, geben. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was ihr dann noch so alles produziert und publiziert und wir gratulieren einmal ganz herzlich zu eurem fünfjährigen Bestehen. Der heutige Nachmittag gestaltet sich so, dass die fünf Autorinnen einzeln ihre Texte vortragen werden und die Möglichkeit, aktiv diese Texte zu bewerten und auch eben diesen Ausgang dieses Wettlesens zu bestimmen. Nach dem fünften Text werden wir uns mit der Jury zurückziehen und die Stimmen auszählen. Der Siegetext wird dann noch einmal gelesen und ich hoffe, dass soweit einmal alles klar ist. Vielleicht wird es dann noch einmal gelesen und ich hoffe, dass soweit einmal alles klar ist. Vielleicht wird es dann noch verständlicher. Jetzt ist mir mal eine große Ehre, die Jury vorzustellen. Mieze Medusa, wir beginnen mit dir. Sie ist Pionierin der österreichischen Poetry Slam Szene. Seit Jahren ist sie in Österreich und auch international mit Poetry Slam Performances unterwegs und macht auch Lesungen. Du moderierst und organisierst auch diese und 2008 ist dein Debütroman erschienen, Freischnorchel. Seitdem hast du Romane, Broser Texte, aber auch Sammlungen von Poetry Slam Texten veröffentlicht. Sammlungen von Poetry Slam Texten veröffentlicht. Dein jüngster Roman, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht, ist 2025 erschienen. Schön, dass du da bist, liebe Mieze Medusa. Eine Frage an dich, was macht für dich einen guten Text aus? Habe ich mir noch, hallo, habe ich mir noch gewünscht, keine Fragen vorher zu lesen? Bereue ich, aber hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein und die Frage ist natürlich überhaupt nicht beantwortbar, aber was mir Spaß gemacht hat beim Jury sein, auch bei den Texten, die es jetzt nicht vielleicht in die Auswahl geschafft zu haben, mich zu entscheiden, was mir daran wahnsinnig gut gefällt und was mir daran noch fehlt, um zu sagen, dem Text möchte, also es sind auch Texte rausgefallen, die mir ganz, ganz, ganz lieb waren aus verschiedenen Gründen, die aber vielleicht auch gar nicht von mir dann die entscheidende Stimme bekommen haben, weil vielleicht doch was gefehlt hat. Und ich möchte, und das ist für mich als Autorin interessant, weil das für mich auch heißt, worauf muss denn ich achten? Was ist für mich offensichtlich und was landet nicht im Text drinnen? Und ich möchte alle euch gratulieren, dass ihr da dabei seid und das ist schon ganz toll und das ist Sichtbarkeit und der große Dreh, glaube ich, beim Schreiben ist, dass man dann einfach immer weitermacht und versucht, jedes Mal wieder einen besseren Text zu schreiben und sich wo zu bewerben und dann Absagen zu kriegen und dann vielleicht mal keine Absage zu kriegen und ich freue mich auf den Nachmittag. Herzlichen Dank. Luba Anautovic lebt in Moskau, München und ist seit 2087 in Wien zu Hause. Du hast Sozialpädagogik studiert, beim Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands in Wien gearbeitet, sowie als Übersetzerin und Rundfunkjournalistin. Dein erster Roman, Im Verborgenen, war 2018 für den österreichischen Buchpreis nominiert. Dein zweiter Roman Juni Schnee ist 2021 erschienen und dein dritter Roman Erste Töchter 2024. Aktuell laufen die Dreharbeiten. Dein Buch Im Verborgenen wird gerade verfilmt, beziehungsweise die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Vorgestern abgeschlossen. Brand new. Eine Frage an dich, liebe Luba. Was ist für dich das Besondere am Schreiben? Ja, ich gehöre auch zu der Fraktion, die gesagt hat, sie möchte die Fragen vorher nicht wissen. Das Besondere am Schreiben ist natürlich auch fast unbeantwortbar. Für mich ist es ein Muss. Also es ist jetzt nicht ein Luxus, den ich mir erlaube oder so, sondern es ist ein Drang. Es ist fast wie ein Stoffwechselvorgang, würde ich sagen. Und ja, viel mehr. Perfekt, Dankeschön. Last but not least, unsere Präsidentin Dominika Meindl. Sie ist Moderatorin, Journalistin und Literaturveranstalterin. Sie gründete die Lesebühne Original Linzer Worte Sie ist Moderatorin, Journalistin und Literaturveranstalterin. Sie gründete die Lesebühne Original Linzer Worte und kuratiert auch die Reihe Experiment Literatur in Wels. 2024 ist dein erster Roman Selbe Stadt, anderer Planet erschienen. Und heuer im August, glaube ich, dein zweiter Roman Mehr mehr Himmel als gut für uns ist. Auch eine Frage an dich, was ist feministische Literatur für dich? Es kann keine andere Literatur geben. Es soll keine andere Literatur geben. Ich habe mir die Frage vorher vorlegen lassen. Nein. Ich muss mich ein bisschen entschuldigen, ich bin eigentlich für die matriarchale Literatur, also vor allem als Performance, darum bin ich ja die Bundespräsidentin. Ich lese schon matriarchale Literatur als Studieninteresse. Danke. Aber sie sollte nicht mehr sein. Danke. Danke. Wir haben vorab schon die Reihenfolge der zu lesenden Texte bestimmt. Iris Mendel wird beginnen, dann kommt Sandra Weiß, dann Liana Kachanuskaya, dann machen wir kurz einmal eine Pause und dann geht es weiter mit Rosa Ida Tempel und Lena Kotgasser-Heider. Und bevor wir starten, möchten wir noch von der Jury wissen, wie wurden denn diese Texte ausgewählt? Was war denn vorab alles zu bedenken und was war überhaupt dieses Prozedere für dieses Wettlesen? Darf ich mal das schnappen und dir das wegnehmen? Nein, also wir alle fanden es großartig, dass es anonyme Einreichungen waren. Also ich unterhalte mich oft mit Kolleginnen, mit Schriftstellerinnen und wir finden es ein Unding, das mit vollem Namen, das macht so viel, auch mit, also ich erlebe jetzt zum zweiten Mal, dass ich Jury sein darf für anonyme Einreichung. Und man ist so viel freier in seinem Lesen, in seinem Denken, einfach in allem. Das ist ein großer Vorteil. Genau. Ich bin ganz deiner Meinung, zu 100 Prozent, mit dem einen Zusatz, dass ich bei einem Text, es hat ja eine Vorschurie gegeben, wir haben dann quasi eine Auswahl von, glaube ich, 20 Texten, ich habe es nicht gezählt, mit Buchstaben bin ich besser als mit Zahlen, aber von einigen Texten, die wir dann eben mit großem Interesse und konzentriert gelesen haben und ich habe euch in der V Vorscherie eine Frage gestellt bei einem Text, weil es mich beim Lesen beschäftigt hat, ob es ein Vortragstext ist, also ob es ein Text ist, wo ich als selber spoken word Poetin eigentlich wissen muss, ob der für die Bühne geschrieben ist oder nicht. Und da war dann auch die Frage, ob das quasi die Antwort war, aus der Einreichung geht es nicht hervor. Und das ist für mich dann eh auch hilfreich zu wissen. Aber der Teil gehört noch ein bisschen reingerechnet, dass es schlicht und einfach auch Formen der Literatur gibt, die tatsächlich die Person, die es vorträgt, auch brauchen. Und das hätte mich dann, also das vielleicht an Autorinnen, die solche Texte schreiben und einreichen, bei eigenen Einreichungen überlege ich es mir auch immer, wie kann man es sichtbar machen, ohne zu sagen, das hat offensichtlich Mieze Medusa geschrieben, weil dann ist sie nicht mehr anonym. Und da sind wir auch als Betrieb, glaube ich, eingeladen, offen zu bleiben und zu sagen, wie wandelt sich Literatur, welche neuen Formen von sprachlichem Ausdruck gibt es und wie kann man die sichtbar machen. Aber ich liebe anonymisierte Einreichungen und wenn ich selber bei Preisen mitmache, die ich meistens nicht kriege, aber mitmachen tue ich, mache ich lieber mit, wenn es anonymisiert ist. Wenn es nicht anonymisiert ist, mache ich es oft gar nicht. Wie es so weit geht, dass ich es sogar gern anonym veröffentlichen würde. Dass man gar nicht an mich denkt, aber ich möchte noch hervorkehren, es war angenehm überraschend, wir hatten, glaube ich, einige, wirklich ganz weit oben gemeinsam. Einige Texte, die halt einfach wirklich gut sind. Eigentlich fast alle. Bei manchen haben wir gedacht, fangen wir jetzt mit den zwei lieben Freundinnen zum Streiten an. Es ist nicht zu einem Streiten geworden. Und wir waren bei dem Prozess der Auswahl eigentlich auch. Es hat schnell gehen müssen. Wir wollten in die Sommerferien gehen, das muss man jetzt sagen. Aber es fiel uns auch leicht. Und eins möchte ich noch vorausschicken, das ist mir jetzt gegenüber den Autorinnen sehr wichtig, persönlich. Ich spreche jetzt, glaube ich, nicht für euch, aber stimmt es mir zu. In der Rolle der Jury, ich fühle mich sehr unwohl. Dann war es auch angenehm, anonymisierte Einreichungen zu lesen, um da keine persönlichen Befindlichkeiten berücksichtigen zu müssen, was ich eigentlich viel gerne tue. Und mir ist ein bisschen unangenehm, über andere zu urteilen. Ich möchte gerne, dass da der Geist darüber liegt, es nicht urteilen wollen, sondern dem besten Text zu einer entsprechend schönen Publikation zu verhelfen und das Ganze soll – da bin ich völlig unbesorgt – in größtmöglicher Wertschätzung stattfinden und ich entschuldige mich, wenn ich tschatschi bin, aber ich soll es sein. Ich muss mir das Mikrofon nochmal nehmen, weil es ging uns nicht um unsere Sommerpause, es ging uns in völliger Solidarität mit den Autorinnen darum, dass ihr früher eine Antwort bekommt und euch länger freuen könnt. Ist mir wichtig zu formulieren und ich versuche auch gerade immer mehr zu lernen, dass man das Offensichtliche sagt und das Offensichtliche, dass wir alle drei sicher der gleichen Meinung sind in einem Punkt und wir noch nicht gesagt haben, es ist nicht selbstverständlich, dass es feministische Räume gibt und feministisch ausgeschriebene Ausschreibungen und vielen, vielen Dank für die Arbeit, weil aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ich glaube, ich wäre trotzdem Autorin geworden und sichtbar geworden, aber es hätte länger gedauert, es wäre härter gewesen und das war eine Frühförderung, ohne die es mich in der Form später und schlechter gegeben hätte und insofern möchte ich mich bedanken. Herzlichen Dank für eure Wortmeldungen und auch fürs Erklären. Wir starten jetzt mit unserem ersten Text. Wir haben vorher eben ausgelost und Iris Mendel darf beginnen. Wir haben vorher eben ausgelost und Iris Mendel darf beginnen. Sie ist Sozialwissenschaftlerin und Philosophin, lebt und arbeitet in Graz und Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen feministische Wissenschaftskritik, Critical Science Literacy und feministisch-materialistische Theorien. Irrsinnig spannend und sie liest jetzt aus ihrem Text symbolische Mütter und eigenwillige Töchter. Ja, danke. Ich freue mich auch sehr, hier sein zu können. Ich möchte dazu sagen, dass ich aus einer Textsammlung lese, die im Rahmen eines Lese- und Schreibkreises entstanden ist, organisiert von Bauer Sege, in dem wir uns mit feministischen Klassikern auseinandergesetzt haben. Und auch im Rahmen eines weiteren Lesekreises mit einer Freundin, wo wir eben Diotima, also das Philosophinnen-Kollektiv wiedergelesen haben. Und der Titel Symbolische Mütter, der kommt auch von Diotima. Failed Femininity oder Frau werden. Sie werden deine Vulva sehen und sagen, ein Mädchen. Und du wirst schreien, wie du vielleicht nie wieder schreien wirst, bis du selbst ein Kind gebärst. Sie werden deinen verbeulten Kopf und deine blaue Haut bemängeln und überlegen, ob sie dir vielleicht einen weniger schönen Namen geben sollen. Hässlich seist du gewesen, werden sie sagen. Und später doch so ein hübsches Mädchen. Du wirst schneller laufen als die anderen. Das Gras unter deinen Füßen, dein Körper pulsierende Energie. Wenig wird sich je wieder so gut anfühlen, bis du damit aufhörst. Ein Verlust, den du nicht betrauern wirst. Dir werden dunkle Haare am Körper wachsen. Sie werden dir schiefe Blicke zuwerfen. Du aber wirst über deine Haare streichen, die golden in der Sonne glänzen und dir wünschen, du wärst ein Tier. Deine Brüste werden klein bleiben, flach wie ein Brett, werden sie sagen und du wirst versuchen, sie dir vom Leibe zu halten. Du wirst eine Menstruation später als die anderen bekommen und seltener. Hormonstörung, wird der Arzt sagen, und dass du vielleicht keine Kinder bekommen kannst. Du wirst nicht vergewaltigt werden und fast immer Angst haben. Du wirst halbherzige Versuche im heterosexuellen Reigen unternehmen und scheitern. Du wirst lernen, deinen scharfen Verstand mit einem Lächeln weich zu spülen. Später wirst du versuchen, das zu verlernen. Du wirst im selben Jahr ein Kind bekommen und eine Dissertation beenden. Nirgends wird dein schwangerer Körper so fremd sein wie an der Universität. Du wirst dir vornehmen, den Durchbruchsschmerz, das scharfe Brennen, als der Kopf deines Babys durch deine Vagina nach außen drängt, du es ausstößt, zu erinnern, wenn du deinen nächsten wissenschaftlichen Vortrag hältst. Du wirst wieder schreien und irgendwann wirst du aufhören zu bluten. Du wirst dich nie mit der Kategorie Frau abfinden. Aufgeben wirst du sie auch nicht. Erste Sätze. Ich erzähle dir, wie ich dich geboren habe, sagt meine Mutter. Meine Geburt setzte ein mitten in der Nacht, einen Monat zu früh, mit einem Blob und dicken Tropfen von Fruchtwasser, die eine Spur in unserer Wohnung hinterließen, sagt sie. Sie sei in den meisten Dingen, die sie tut, eher schnell, sagt meine Mutter. Außer beim Schreiben und Denken. Dafür nimmt sie sich Zeit. Für eine Schwangerschaft braucht sie ca. 8,5 Monate und für eine Geburt 3 Stunden. Die Rettung brachte meine Mutter ins Krankenhaus, wo sie auf das Einsetzen der Wehen wartete. In einem Zimmer mit anderen Frauen, die einander ihre Schwangerschafts- und Geburtsgeschichten erzählten und Mut zusprachen. Denn eine kämpfte gerade ums Überleben ihrer viel zu früh geborenen Zwillinge. Meine Mutter übergab sich in einen Mistkübel. Eine Krankenschwester stellte fest, dass meine Herzzöne nicht gut waren und meine Mutter erhöhte Temperatur hatte. Meine Geburt musste medikamentös eingeleitet werden, so ein Arzt, der meine tropfende Mutter im Beisein einer Traube von Medizinstudierenden untersuchte. Das war ihr etwas unangenehm, sagt sie. Als meine Mutter in den Kreißsaal geschoben wurde, bat ein Hausmeister darum, noch schnell die Vorhänge zu wechseln, weil der Kreißsaal ja nie frei sei. Während er auf seine Leiter stieg und sich an den Vorhängen zu schaffen machte, wartete meine Mutter auf das Einsetzen der Wehen und unterschrieb ein Formular über Kreuzstich und Kaiserschnitt und mögliche Komplikationen, an das sie sich nicht mehr genau erinnern kann. Sie hing am Wehentropf und allerlei anderen Geräten und konnte sich nur wenig bewegen. Oh nein, hier soll ich im Liegen gebären, dachte sie. Die Wehen kamen nur zögerlich und die Hebamme stellte meiner Mutter verschiedene Schmerzmittel und Interventionen vor. Meine Mutter blendete all das aus, sagt sie, und konzentrierte sich auf das Wesentliche, mich zu gebären. Die Dosis des Wehenmittels wurde regelmäßig erhöht. Die Wehen wurden heftiger und heftiger und kamen pausenlos. Meine Mutter fluchte. Der Schmerz war schwer auszuhalten, sagt sie. Eine Ärztin zeigte sich zufrieden mit dem Kurzfortschritt und half nach, indem sie den Muttermund mit ihren Fingern dehnte. Da schrie meine Mutter laut auf und dachte, sie müsse sterben vor Schmerz. Später wiederholte die Ärztin das noch einmal. Irgendwann bekam meine Mutter Opiate und übergab sich ein weiteres Mal, glaubt sie. Als die Pressewehen kamen, sprang meine Mutter Opiate und übergab sich ein weiteres Mal, glaubt sie. Als die Presswehen kamen, sprang meine Mutter gegen den Widerstand der Hebamme auf und presste mich in wenigen Stößen und vermutlich mit viel Blut und Schleim im Hocken hinaus. Meine Geburt sei ein Höllenritt gewesen, sagt meine Mutter. Sauschlachten käme in den Sinn. Ob das die Erzählung sei, die sie mir mitgeben wolle, fragt eine Freundin sie. Meine Mutter erzählt also weiter, dass wir nach nicht einmal drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurden, weil auch ich mich auf das Wesentliche konzentrierte. Zunehmen. Als eine Krankenschwester mich wiegen wollte, sagt meine Mutter, nein, sie trinkt gerade. Als eine Fotografin mich wiegen wollte, sagte meine Mutter, nein, sie trinkt gerade. Als eine Fotografin mich fotografieren wollte, sagte meine Mutter, nein, sie schläft gerade. Und das taten wir dann ein Jahr lang, sagt sie, in engster Verbundenheit. Ich meist irgendwo an meiner Mutter dran, auch wenn sie schrieb. Danach übernahm vor allem mein Vater für mich zu sorgen. Meine Mutter und ich kamen einander wieder näher, als ich mit acht Jahren, also ungefähr in dem Alter, in dem Simone de Beauvoir beschloss, Nonne zu werden, den Feminismus als höheres Prinzip entdeckte, das meinem Leben Sinn und Richtung geben könnte. Denken war der Wärmestrom meiner Mutter. Über Simone de Beauvoir und Bell Hooks schreibt sie. Vergleichen wir die ersten Sätze der Autobiografien dieser beiden Feministinnen, die Generationen von Feministinnen beeinflusst haben und weiter beeinflussen werden, so werden gleich hier, neben den offensichtlichen Unterschieden ihrer Lebensgeschichten Kindheit einer weißen Tochter aus Gutem Hause in Paris der 1910er und 1920er Jahre bei Simone de Beauvoir, Kindheit einer schwarzen Tochter aus armen Verhältnissen im ländlichen Kentucky der 1950er und 1960er Jahre bei Bell Hooks, weitere Unterschiede deutlich. Ich bin am 9. Januar 1908 um 4 Uhr morgens geboren und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspe zu lag, lautet der erste Satz in Simone de Beauvoirs Memoiren. Mama has given me a kilt from her hope chest. It is one her mother's mother made, eröffnet Bell Hooks ihren autobiografischen Text. Ich als allererstes Wort in Beauvoirs Text, meine Mutter bei Hooks. Kampf um den Subjektstatus, Durchsetzung eines Ichs hier, Verbundenheit mit anderen Frauen da. Weiß lackierte Möbel, die eine aufgeräumte klinische Atmosphäre entstehen lassen hier, Verbundenheit mit anderen Frauen da. Weiß lackierte Möbel, die eine aufgeräumte klinische Atmosphäre entstehen lassen, hier, ein handgefertigter, über Generationen weitergereichter, vermutlich wärmender Kilt da. Das Einschreiben in die kulturelle Metropole hier, das Einschreiben in eine weiblich von Rassismus betroffene Genealogie dar. Beide sind Intellektuelle, für die das Schreiben eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt. Beiden ist die eigene Mutter ein ambivalenter Bezugspunkt des Denkens und Schreibens. Hux bezeichnet ihre Mutter als die lauteste Stimme des Patriarchats in ihrem Kopf. Beauvoir schreibt in den Memoiren, wie ihre Mutter sie aufklärt, dass die Kinder schmerzlos aus der Darmöffnung kämen. Kein Wunder, dass ihr Geborenwerden am Beginn ihrer Memoiren ganz ohne Körper auskommt. Beide wurden selbst nicht Mutter, im herkömmlichen Verständnis des Begriffs. Killing the angel in the house was the part of the occupation of the woman writer, schreibt Virginia Woolf, weil Schreiben auch heißt, Widerstand gegen Sorge bzw. Mütterlichkeitsanrufungen zu leisten. Muss eine Frau also Muttermord begehen, um schreiben zu können? We have to learn to mother ourselves, schreibt Audre Lord Lord und richtet sich an schwarze Frauen, deren Mütter oft der Angel im Haus anderer waren. Aber wir können uns nicht selbst zur Welt bringen, schreibt meine Mutter. Ich und Simon und Belle und Virginia und Audrey und meine Freundinnen und viele andere. Wir haben dich zur Welt gebracht, sagt meine Mutter. Und hier beginne ich. Jetzt kommt noch ein Text, Entschuldigung. Kurz an. Mutterblicke, also Mutterblicke oder Hommage an die PhilosophInnen. Ich hopse die Stiege hinunter, es trifft mich der Blick der Mutter. Schneidet in mein Fleisch, bohrt sich durch die Knochen in meine Eingeweide. Erstarren. Zusammenziehen. Die Mutter mustert. Was ist das, das da flimmert? Abscheu? Ekel? Neid? Der Blick der Mutter schweift hin und her zwischen mir und meiner Freundin, gierig nach deren Schönheit, vergleicht, wägt ab, kommt zu einem Urteil, findet sich ab. Die Mutter träumt vom Reisen und verlasst selten das Haus. Dort sitzt sie im Garten und starrt ins Leere. Wunschvolles Unglück, randvoll mit Enttäuschung. Der Mutterblick kontrolliert, straft und warnt, voller Sorgen, dahinter die Angst und die Scham, beste Absichten und manchmal Liebe. Der Blick weist mir einen Platz zu in der Welt, kann sich aber nicht entscheiden. Und nun sehe ich sie an, meine Tochter. Da liegt sie, ganz ruhig in ihrer Wiege und schläft. Geworfen in die Welt, von mir geboren, Neubeginn und Fortsetzung zugleich, Freiheit und Unfreiheit. Sie weiß noch gar nichts von ihrem Schicksal, von ihrem Körper und der Bedeutung, die er haben wird. Sie weiß nichts. Sie ist nur da, ist Körper und Lüste und Unlüste. Sein und sonst nichts, zufrieden wie ein Tier. Sie streckt sich kurz, dreht den Kopf und schläft dann doch weiter. Jetzt öffnet sie ein Auge und sieht mich an, als wolle sie sich schützen vom Blick der Mutter. Noch, noch ist sie ein Baby, kein Mädchen, noch nicht und vielleicht nie. Aber der Diskurs beginnt schon seine Fäden zu spinnen, hüllt das Baby ein, dicht und immer dichter, webt er einen Text, der alles Mögliche zu sagen weiß über das Mädchen, zu einer weltumspannenden Wahrheit. Ich greife einen Faden auf und ziehe daran, ziehe immer fester, reiße Löcher ins Gewebe, reiche ihr den Faden zum Spiel. reiche ihr den Faden zum Spiel. In der Nacht weckt mich das Jammern einer Katze. Es ist das Baby, das weint. Ich wende mich ihm zu, versuche es zu beruhigen. Seine Schreie werden lauter und kräftiger. Es windet sich und wird ganz steif, die Haut zunächst rötlich, dann blau, das Brüllen immer tiefer. Da, wo eben noch ein sanfter Pflaumen zu sehen war, wächst nun ein dickes Fell. Die zu Fäusten geballten Hände verwandeln sich in riesige Klauen. Mit funkelnden rot-gelben Augen sieht mich das Monster an, macht einen Satz aus dem Gitterbett, reißt sein Maul weit auf, sodass seine scharfen Zähne zu sehen sind und verschlingt gierig die gesammelte Geschichte der Philosophie, die auf meinem Bücherregal steht. Mich aber lässt es leben. Herzlichen Dank, lieber Iris, für diesen Text. Wir sind gespannt auf das Feedback. Vielleicht einigen wir uns auf das Wort Feedback, also Bewertung. Ich bitte die Jury um Feedback zu diesem Text. Ich hätte das Mikro an die Fachfrau fürs Material hart übergeben. Herzliche Gratulation, ich habe den Text gerne gelesen, ich habe jetzt auch sehr gerne zugehört. Ich sage gleich, das werde ich bei allen sagen, aber nichtsdestotrotz kommt es von Herzen. Ich finde den Text sprachlich super spannend, ich finde ihn sehr aufregend im guten Sinn und was mich daran sehr glücklich gemacht hat, es ist ja eine große Wahrheit, dass Literatur sich einerseits aus dem Leben und aber auch aus der Literatur speist und ich bin immer ganz aufgeregt und glücklich, wenn die literarischen Referenzen nicht auf sehr einseitig verteilt sind oder wenn sie einseitig verteilt sind, einfach mal so, dass sehr viele Frauen zu Wort kommen und das habe ich sehr aufregend gefunden, habe mich dort gefreut, wo ich die Referenzen erkannt habe, habe auch bei einigen Referenzen mir gedacht, ich weiß schon so lange, dass diese Autorin auf meiner Leseliste steht, jetzt werde ich dann doch mal das Buch in die Hand nehmen und noch mehr. Ich würde ein Buch, in dem der Text abgedruckt ist, kaufen. Danke. Ja, also herzliche Gratulation, kann mich anschließen. Ich würde die Aufmerksamkeit der werten Zuhörerinnen schafft, vielleicht einmal auf einen bestimmten Aspekt lenken und zwar ist es die Perspektive, aus der dieser Text erzählt wird, das springt nämlich. also es gibt einen Teil da wird das Du angesprochen und es wirkt so als würde das sich selbst meinen, also ein Gespräch mit sich selbst sie werden dann wohl was sehen und sagen ein Mädchen, sie werden das und so weiter dieser eigene Blick von außen dann gibt es einen Perspektivwechsel zur Ich-Erzählerin, aber auch irgendwie ums Eck, ich erzähle dir, wie ich geboren wurde, sagt die Mutter und dann erzählt sie ebenso aus ihrer Perspektive her. Ich finde diesen Perspektivwechsel sehr spannend. Ich finde diese Regel, die sagt, du musst dich für eine Perspektive entscheiden und bei der musst du bleiben. Ich weiß nicht, wer das erfunden hat. Mich würde natürlich jetzt, ich würde dich gerne nach dem Grund fragen. Es gibt dann glaube ich noch einen dritten auch, wenn ich mich... Ist egal. Also mich würde interessieren, war das so eine ganz bewusste Entscheidung oder hat der Text es so verlangt? Also es sind Texte, die eigentlich aus Impulsen entstanden sind, ein bisschen unabhängig auch voneinander, aber dann eigentlich zusammenpassen. Deswegen hat sich das schon so ergeben. Ich glaube, am bewusstesten war die Perspektivenwahl bei mir bei dem jetzt als zweit gelesenen Text, wo es mir wichtig war, dass sozusagen die Tochter erzählt, wie ihr die Mutter etwas erzählt und sozusagen der erste Satz eigentlich schon in dem Fall die Erzählung ist, weil es geht ja um diese ersten Sätze, wo beginne ich und wir beginnen eben immer auch mit Erzählungen und wessen Erzählungen sind das und hier ist es eben auch die Erzählung der Mutter und deswegen war mir das, glaube ich, bei dem was bewusst, bei den anderen hat es sich irgendwie so ergeben. Ich wollte nur sagen, ich finde das gut und es bereichert das Ganze. Es ist ja eigentlich nur deine Stimme, aber es kommt als viele Stimmen oder als mehrere. Als Matriarchin, jetzt schlüpfe ich in die Rolle, bin ich natürlich eine große Befürworterin der Rück-Einschreibung des Menschen oder ganz besonders des Menschen, der als Frau gelesen wird, in die Animalität. Wir sind ja Viecher. Es ist naheliegend, dass ich da mit einem Tier in meinem Rücken die Botschafterin auch des Tieres bin, aber wir haben uns sehr interessiert, die Ambivalenz im Text. Jeder gute Text tanzt auf der Ambivalenz. Und er ist mir manchmal am Anfang, das ist jetzt aber ganz schön akademisch. Darum ist die Pointe am Schluss dann schön, dass das zur Katze, zum Raubtier gewordene Wesen, die Philosophiegeschichte verschlingt, schöner Bogen. Mir hat es besonders gut gefallen, es wird auch angesprochen, was für ein Gewaltakt die Geburt ist. Also es gibt eine Form der Gewalt, die Menschen einander antun durch Kategorisierung. Das Baby, das noch kein Mädchen ist, aber wenn es dann schwirrt, dann hast du den ganzen Blödsinn des Patriarchats auf dir und dass aber auch die Natur voller Gewalt ist, die Geburt als Sauschlachten. Also da bin ich froh, dass ich nur symbolische Mutter bin. Ich kann mir vorstellen, alle Herrinnen, die selbst geboren haben, werden eher gesagt, der Text, der wird euch wahrscheinlich noch einmal stärker unter die Haut gegangen sein. Und das ist ja eine Definition von einem guten Text, dass er die unter die Haut will. Und bei einem guten Text lässt man eine. Herzlichen Dank für euer Feedback zum ersten Text. Iris, magst du noch was sagen dazu? Herzlichen Dank für deinen Text. Danke, dassst du noch was sagen dazu? Herzlichen Dank für deinen Text. Danke, dass du gelesen hast. Wir machen gleich weiter in der Reihenfolge und ich darf Sandra Weiß auf die Bühne oder vor das Mikrofon bitten. Sandra ist eine österreichische Schriftstellerin und hat schon zahlreiche Romane publiziert. 2015 ist ein erstes das grenzenlose und, 2020 Delilah und 2025 Bemühungspflicht. Heute wird sie den Text Ablegen vortragen. Hallo, schön hier zu sein. Der Text heißt Ablegen. Ich trete über die Schwelle. Die Tür hinter mir fällt klackend ins Schloss. Für immer sehne ich mich. Nur kurz mahnt die Vernunft. Ich befinde mich allein zwischen polarweißen Wänden. Grober Putz, weißes Licht gleißend vom Plafond, das Schreibzimmer ist karg und glatt. gebären werde. So beginnt dein Text. Das weibliche Pathos kannst du dir gleich abgewöhnen. Hier werde ich schreiben. Ich werde im Innern suchen nach dem, was Sinn ergibt im Außen. Die Leere erkunden und etwas finden. Ich muss. Was ist in mir, das gesehen, wahrgenommen werden sollte? Ich will keine Muster wiederholen. Ich will außerhalb des Vorhandenen denken. Das Zimmer, Doppelpunkt, ein unberührter Raum, Glastisch, Creme-Couch, Elfenbeinbettwäsche. Mein Gepäck fällt auf das Parkett. Der Mantel gleitet von den Schultern. Ich gehe durch das Zimmer. Zwei hohe Fenster. Draußen dichter Novembernebel. Dahinter irgendwo Augen. Der große Bruder erspäht. Taxiert deinen Wert. Ich messe den Raum mit meinen Schritten, das Parkett knarrt. Hier soll ich schreiben, hier soll ich entwerfen, was vorher nie gedacht, geschweige denn erzählt werden konnte. Ich denke über Worte nach, über Sprache, über mich da draußen, über mich hier drinnen. Wer bin ich hier in diesem Raum? Ich streiche mit der Hand über den groben Putz, fahre mit den Fingern die Wände entlang. Mein Raum ist fünf große Schritte lang und sechs große und einen halben Schritt breit. Das Zimmer ist fast doppelt so hoch wie ich. 80.000 Liter Luft befinden sich in diesem Raum. 104 Kilogramm wiegt die Luft im Zimmer. Sie ist schwer. Die Wände umschließen und komprimieren die Luft, als drücke der Nebel mit seinen Augen von draußen auf das Zimmer, als schüben sich die Wände ineinander. Ich kann schwer atmen. Ich stehe mitten im Zimmer, ein Spiegel gegenüber an der Wand. Du bist eine gegen das Alter aufgerüstete Frau, trägst eine Maske zur Verhüllung. Dein Körper wird nicht mehr gebraucht. nicht mehr gebraucht. Ich ziehe die Vorhänge zu. Irgendjemand lauert da draußen. Ich lege ab, löse die Spange, schüttle mein Haar, die Ohrringe lasse ich fallen. Ich ziehe das Etui-Kleid über den Kopf, Büstenhalter, Strümpfe, Slip, alles weg. Erneut ein Blick in den Spiegel. Ich öffne den Rucksack, hole zwei Reinigungstücher heraus und reibe mir angriffslustig die Maske vom Gesicht. Um die Augen verwischt der Kajal die Wimperntusche. Die Haut schimmert rötlich vom einschießenden Blut. Die blut die tücher segeln auf den boden ich bin komplett nackt noch ein blick das bist du also nun ein körper in diesem zimmer das ist ein vom tater vater in klammer tot gezeugter von der mutter in klammer tot geborener von der geburt deines Sohnes in Klammer Erwachsen, Vernarrter, vom Ex-Mann in Klammer Midlife-Crisis, verschmähter Körper. Sieh dich an, das bist du, du bist allein. Es erfasst mich ein Schauer vom Polarweiß der Wände. Wer bin ich, wenn ich nicht gesehen werde? Wer bin ich, wenn niemand mich braucht? Wer bin ich, wenn keine Beziehung mich definiert? Ich hebe die Brust auf die Höhe, wo sie vor 20 Jahren noch stand. Lasse sie los und spüre ihr Gewicht. Mit der Fingerspitze fahre ich über die Narbe vom Schnitt in die Gebärmutter. Meinem Sohn wurde ins Leben geholfen, während ich am Tisch fast verblutete. Am Tag seiner Geburt, an dem ich fast gestorben wäre, dachte ich nicht über diesen Umstand, sondern nur über das Kind und die Leere in meinem Bauch nach. War das mein Sohn? Hat man mir nach dem Aufwachen den Richtigen in die Umarmung gedrückt? Er erschien mir seltsam fremd und ich schämte mich dafür. Trotzdem hast du deinem Kind ins Gesicht gelächelt, wie du jedem und jeder Verlogen ins Gesicht lächelst. Du hast immer so getan, als ob du eine bestimmte Person wärst. Du warst für, du warst gegen, mit und ohne jemanden. Du hattest bestimmte Eigenschaften, einen Charakter, hast dich von irgendetwas abgegrenzt, warst etwas ganz bestimmt nicht. Und nun, wem lächelst du ins Gesicht, wenn du nichts bist? Mit der Geburt meines Sohnes ist ein Inneres zum Äußeren geworden. Er ist in mir gewachsen, bis er aus mir herausbrach. Wie jeder Satz sich in mir formt und herausbricht und im Außen etwas anderes wird, als ich zu formen gewollt hatte. Ich stehe vor dem Spiegel nackt. Meine Handfläche fährt über die Scham. Wäre es eine natürliche Geburt gewesen, hätte ich mich nicht als Versagerin gefühlt. Ist meine Sprache durch meinen Sohn mütterlich geworden? Ich betrachte das Dreieck von Narbe, Leiste und Vulva als Zentrum meiner Schuld und Unzulänglichkeit. Mütter schreiben nicht gut, ist das so? Schreibende sind keine guten Mütter, denke ich. Wo verläuft die Haut zwischen Mutter und Schreibender? Wenn ich nichts bin, habe ich eine Haut? Soll ich schreiben? Doppelpunkt. Die Haut ist das Grenzorgan des menschlichen Körpers, das das Innere vom Äußeren trennt und beide zugleich miteinander verbindet. Sie schützt vor schädlichen Einflüssen, reguliert den Austausch von Wärme, Flüssigkeiten und Stoffen und dient als Barriere gegen Krankheitserreger. Gleichzeitig ist sie ein Sinnesorgan, das Berührung, Temperatur und Schmerz wahrnimmt und so den Kontakt zur Umwelt ermöglicht. Schreibst du ein Sachbuch? Soll ich schreiben, Doppelpunkt, meine Haut ist warm, sie verlangt nach einem Körper. Herrchen stellen sich auf. Sie brennt, wenn du sie verletzt. Sie wird feucht ob deiner Hitze und verblasst durch deine Beleidigung. Sie schützt mich vor deinem Gift. Pathos, Angriff. Du wolltest schreiben, ohne dich auf ihn zu beziehen. Lass es. Soll ich schreiben? Doppelpunkt. Der Vorhang vor dem Fenster trennt den Blick des Voyeurs von der Betrachteten. Der Raum bleibt privat. Durch das Öffnen und Schließen der Stoffbahnen gewinnt die Betrachtete an Macht über den Zuschauenden. Was sie sehen lassen will, wird zur bestimmenden Wirklichkeit. Das ist kryptisch, klingt nach dem Handbuch einer Illusionskünstlerin. Vielleicht bin ich Illusionskünstlerin, denke ich und zucke mit den Schultern. Zuvor war ich, Doppelpunkt, Tochter, Schwester, Ehefrau, Schwangere, Mutter, Geschiedene. Ich bin ein Körper in Relation. Du bist eine Frau und kannst es nicht abstreiten. Die Eltern, der Mann, der Sohn haben dich verlassen. Nun stehst du hier mit gekappten Oktopusarmen. Sie hängen leblos an dir herunter. Die Nebelaugen drängen gegen die Wände. Es ist, als schöben sie sich ineinander. Der Raum wird enger, dichter, die Luft wiegt schwer. Ich stehe vor dem Spiegel und frage nach mir. Was soll gesehen, was soll wahrgenommen werden? Meine Hände fahren über das kalte, gepolsterte Gesäß, zu breit die Schenkel, zu fett der Hintern, die Haut hängt am Kinn, an den Oberarmen, die Pölster quellen an Stellen, an denen früher sehnige Muskeln arbeiteten. Ich bin alt. Ich werde nie wieder jung sein und werde verschwinden. Das Körpergewicht ist im Vergleich zum Alter eine leicht zu beeinflussende Variable. Ausschließlich Disziplin bräuchte es. Stehst nackt vor dem Spiegel und bemitleidest dich selbst. Tu lieber, wozu du hergekommen bist. Schreib. Ich kratze mich. wozu du hergekommen bist. Schreib. Ich kratze mich. Am Bauch, an den Oberschenkeln, an den Armen rötlich-weiße Spuren entstehen. Ich will die Haut abschaben und das Innere nach außen kehren, das Fleisch der Tochter, der Mutter, der Ehefrau, der Verlassenen herausquellen lassen, die in die Haut eingravierten Empfindungen loswerden. All die Menschen, die ich bin, in den Raum setzen und betrachten, sie beschreiben und sprechen lassen, sie wüten und jammern und lachen lassen, sie bis zur Entwicklung quälen. Da vorne auf dem Parkett, da spiele ich als Fünfjährige mit einer nackten, schlanken Puppe. Rund um mich wachsame Augen. Ich darf keine Gliedmaßen verbiegen. Ich darf ihr die Haare nicht schneiden. Ich bin immer freundlich. Ich spiele Mutter, Vater, Kind. Manchmal schlägt sie etwas kaputt. Die Puppe, nicht ich. Ich möchte mich so lange quälen, bis ich die Puppe quäle. Hör mit der Nabelschau auf, das ist doch kein Stoff. Dort vorne auf dem Parkett spielt mein Sohn mit einem dunkelgrünen Panzer. Soldaten an der Front. Das Hier und das Dort sind Feinde, gut und böse. Mit der Stimme imitiert er Schüsse und Explosionen. Leichen fliegen durch die Luft. Ich stehe daneben und sehe zu. Buben spielen eben Krieg. Ich bin die Mutter, die sein Kriegsspiel zerstören will, die ihn ablenken will, die ihn tadeln will. Ich bin die Mutter, die sich abwendet. Was würde eine gute Mutter tun? Jetzt fragst du dich das? Damals warst du zu beschäftigt, um darüber nachzudenken. Nun ist er ein Mann. Dort vorne auf dem Parkett stehe ich mit dem Bügeleisen in der Hand. Der Fernseher läuft, ich sehe mir einen Krimi an. Eine Frau wurde getötet. Der Täter entkommt den Detektiven immer knapp. Dann schnappt er sich die nächste. Der sieht ja ähnlich, sage ich zu meinem Mann. Er fühlt sich geschmeichelt. Der Täter sieht gut aus. Es ist nur ein Film. Du dramatisierst. Sorge dich um die wichtigen Dinge. Sorge dich um deinen Körper. Er ist dein Kapital. Sorge dich um deine Gesundheit. Du bist alt. Sorge dich um deinen Text. Du bist hier, um zu schreiben. Schreib gefällig. Schreib gefälligst. Das ist dein Raum. Und du sollst schreiben, was nie gedacht, geschweige denn erzählt werden konnte. Soll ich schreiben? Doppelpunkt. Die Haut umschließt meinen menschlichen Körper. Sie ist die Grenze zwischen innen und außen. Wo verläuft die Grenze zwischen mir und dir? Bin ich außer mir und dir? Bin ich außerhalb von dir? Bist du in mir? Ich öffne den Koffer und krame Jogginghose und Kapuzenpulli hervor, ziehe sie an. Ich werde heute nicht schreiben. Du wirst mich nicht dazu bewegen, denn was nicht gedacht werden kann, wird heute nicht von mir erfunden. Im Rucksack fische ich nach den Fläschchen. Das Parkett knarrt unter der ruhelosen Kramerei. Ich finde eines. Ich öffne den Jägermeister und trinke ihn in einem Zug. Beruhigung kehrt ein. Deine Stimme wird leiser, die Nebelblicke weniger drängend. Nur ich selbst am Parkett, vor dem Bett, mit dem Laptop auf den Knien und einer Serie. Das Abstellen der Fläschchen erzeugt ein klackendes Geräusch, wie die ins Schl, fallende Tür. Herzlichen Dank, liebe Sandra, für diesen Text. Und ich darf auch die Jury wieder ums Feedback bitten. Der Hund wollte anscheinend auch schon Feedback abgeben. Entschuldigung, der Hund, es hat draußen wer Grüß Gott gesagt und sie ist so schlecht erzogen, dass sie gegen diese göttliche Anrufung protestiert. Ich hoffe, es hat die nicht zu sehr. Dann mache ich es gleich wieder gut mit meinem Feedback. A room of ones own, das ist das große Ding oder was braucht eine Frau zum Schreiben? Das ist berühmt, man kann es gar nicht oft genug sagen, einen Raum. Es klappt trotzdem nicht, dann hat er eine schöne Pointe, sie sauft dann stattdessen den schrecklichen Jägermeister, ist sonst eher ein bisschen ein Männergetränk. Sehr interessant war eben das Thema, für mich interessant, das Thema der Zuschreibung. Es geht natürlich ums Schreiben, aber um die Zuschreibungen, du bist Mutter und davor hängen die Oktopusarme gekappt herunter und die Erzählerin sieht sich selbst an, sie schaut sich einmal sehr schonungslos, aber mit einer gewissen Liebe an und das knüpfe ich dann gleich biografisch an, eine Freude des Älterwerdens einer Frau ist ja eine gewisse Anästhesie gegenüber den Zuschreibungen von außen. Sie beträubt sie mit dem Jägermeister, wo da ist eigentlich die Hauptarbeit vorher schon geschehen, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Es fängt nur an mit einer Selbstkritik und Selbstbezichtigung. Jetzt schreib endlich, du kannst das nicht. Und dann am Schluss schreibt sie zwar nichts, aber das Fazit, das stelle ich jetzt in den Raum, ist die innere Kritik zum Verstummen bringen und irgendwann dann wirklich schreiben. Also, genau. Ich gebe es einfach jetzt nochmal weg. Danke dir. Ja, es wurde ja geschrieben. Wir haben den Text vor uns. Vielleicht ist es der nächste Mensch. Ich fange so an. Also jeder gute Text hat für mich eine zweite oder manchmal auch dritte Tonspur, wie man das nennt. Also etwas, was noch mitschwingt zu dem ausgesprochen Gesagten. Und das spüre ich in dem Text ganz, ganz stark. Gesagten und das spüre ich in dem Text ganz, ganz stark. Es ist für mich, es gibt diesen Begriff Poetik, das haben früher männliche Autoren zelebriert. Also es ist das Schreiben über das eigene Schreiben oder das Sprechen über das eigene Schreiben, das Analysieren des eigenen Schreibens. Ich bin sehr glücklich darüber, über mal so eine weibliche Poetologie, was sich nämlich abspielt beim Schreiben, nämlich sie macht sich total nackt, sie spürt eine Leere, die ich jetzt nicht so unbedingt abnehme, weil es ist ja ganz viel da und das erzählt sie uns auch. Sie erzählt uns von ihrem Körper, von Geburt und so weiter. Aber dieses Bild, ich finde es so sehr symbolisch, weil ein Text ist nur dann spannend und interessant, wenn man spürt, dass die Autorin sich nackt gemacht hat, sich auch verletzlich gemacht hat. Oder, also jetzt vielleicht gilt das nicht nur für Schreiben, es gilt für Kunst ganz allgemein. Und das eine finde ich ganz lustig, das was so daherkommt wie ein Sachbuch, wo sie ja dann auch sagt, schreibst du da ein Sachbuch? Für mich hat es sich fast ein bisschen angehört, wie auch diese Anleitung, also jetzt in diesem Poetikzusammenhang, wie eine Anleitung, wie schreibe ich einen Roman, wie verfasse ich einen Text oder noch schlimmer, wie schreiungen, nämlich du ersparst dir irgendwelche Interpretationen oder Analysen, sondern du schaffst Bilder, die das erledigen. Und das ist eine große Kunst. Danke. Herzliche Gratulation. Ich habe sehr gern zugehört. Ich möchte eigentlich, ich habe auch vorher schon gern gelesen, aber ich habe sehr gern zugehört, aber auch wirklich gut vorgetragen. Was auch heißt, dass ich beim Zuhören noch ein paar Sachen entdeckt habe, die ich beim Lesen zwar bemerkt, aber vielleicht weniger stark bemerkt habe. Der Text, finde ich, tut einfacher, als er ist. Er hat ganz klar zwei Perspektiven. Es ist ja auch im Text ein Teil kursiv gesetzt und ein Teil nicht. Das war stimmlich super markiert, das hat man beim Vortragen jetzt auch echt immer super gehört. Und der Kursivdruck, das waren immer so diese kommentierende Parts, sind im Prinzip das internalisierte Patriarchat oder vielleicht tatsächlich Sachen, die der Person, die in dem Text beschrieben wird, gesagt wurden. Und ich habe mir jetzt beim Lesen gedacht, was für eine Zumutung das eigentlich ist. Nicht der Text, der ist keine Zumutung, aber die Situation der Figur, die ja quasi alles richtig gemacht hat. Sie hat eine stabile Beziehung gesucht und eigentlich auch gefunden bis zum Mitlauf-Crisis des Mannes. Sie hat das getan, was uns immer gesagt wird, wofür wir da sind, nämlich biologisch Kinder in die Welt zu setzen. Ich weiß gar nicht, ich finde das eine komische Zuschreibung eigentlich. Ich bin da gar nicht Anti, aber es gibt mehrere Sachen, die man im Leben machen kann, meiner Meinung nach. Und dann plötzlich, wenn das getan ist und der ganze Blick, den man auf sich selber so gründlich eingelernt hat, wenn man auf sich selber zurückgeworfen wird, dann plötzlich wäre es Zeit für die Selbstverwirklichung und jetzt schreibt man etwas, was einen Wert hat. Mich macht das jetzt gerade wütender als beim Lesen, als beim Zuhören, aber jetzt bin ich richtig wütend. Und was mir auch gefällt ist, ich kann im Kopf, ich suche ja nicht nur Bücher, die ich kaufe für mich, weil ich bin freischaffende Künstlerin, meine Bücherregale sind voll. Ich habe da keinen Platz mehr. Und das heißt, ich suche auch immer Leute, also ich suche immer Bücher für Leute, denen ich schenken kann. Und mir fallen aus dem Stand fünf mehr, einen Haufen Frauen ein, denen ich schenken könnte, die nachher das Gespräch mit mir abbrechen würden, weil sie sich wahrscheinlich erkennen würden, um dann so zornig aufs Patriarchat werden, aber einfacher ist es mit mir, das auszuhandeln. Und das finde ich wirklich, wirklich, wirklich cool. Und was ich meinte mit dem, dass er raffinierter ist, als er in der ersten Ebene tut, es gibt ja auch zeitliche Sprünge, weil wir lernen gleich am Anfang mal, dass das der Ex-Mann ist, Midlife-Crisis in Klammer, aber später schaut man ja gemeinsam fern und da ist es ja noch ganz innig und der Mann sieht sich, ich liebe das, also ich liebe es nicht, aber ich liebe es, wie es beschrieben ist, der sieht sich, der findet es urcool, dass er da im Fernsehen als Massenmörder auftaucht und das ist eine Rolle, die ihm angeboten wird und da fühlt er sich sexy und ich bin so, ich will im Fernsehen auch Filme sehen, wo ich mich da finden kann, nicht nur in der Analogie des Krimis bleiben, als Leiche. Und das fand ich raffiniert, das hat mir Spaß gemacht. Ich habe in meinen Notizen ja auch die Notizen von der Erstlektüre, oder Erstjahre hin und her, und ich habe gerade selber lachen müssen. Ich habe geschrieben, hartes Ende, aber auch ein Plädoyer für Schreiben, weil nicht Schreiben endet, nur im Jägermeister-Vollrausch. Und das möchte ich allen hier im Raum sitzenden mitgeben. Einfach tun. Herzliche Gratulation. Herzlichen Dank für das Feedback. Man merkt, es kommen schon Emotionen hoch. Beim Zuhören und beim Textschreiben höchstwahrscheinlich auch. Magst du noch etwas hinzufügen? Nein, danke schön. Danke. Dann herzlichen Dank fürs Vortragen von deinem Text. Genau, da wird nur das Wasser gewechselt. Wir kommen jetzt zu unserem dritten Text von Liana Kachanuskaya. Ich spreche den Namen leider immer falscher aus. Nachwuchsautorin und Kulturschaffende im Exil. Zurzeit wohnt sie in Litauen. In der aktuellen Ausgabe der Manuskripte ist ihr Text, Sie wollten wohl etwas sagen, der im Rahmen der Literaturresidenz entstanden ist, veröffentlicht. Heute liest sie ihren Text Riverbird April Classwork. Der Text wird in Englisch vorgetragen. Die Jury bewertet dann wieder auf Deutsch. Die Luba übersetzt dann alles ins Russische. Die Liana kann darauf antworten und so finden wir alle einen Weg, uns zu verständigen. Liana, the stage is yours. River Bird April, Klaas Borg. Love is an utopia. Slavery is a condition of human existence in which, forced to survive, you perform for another the duties no living creature can wish to perform. Where are you going? Nowhere. What are you thinking about? Nothing at all. For the third hour I have been standing before the printer doing nothing but pulling out pages. Meanwhile, I'm studying for the constitution exam, which I must pass in order to prove I have the right to exist in this world. One line makes my heart flutter. First labor is prohibited. 500 pages of 530. I think about my father. Perhaps because wordlessly I have thought how much my situation resembles slavery. And then why everything is arranged so that to destroy a life takes no particular effort, while to simply be alive you still have to try. Nothing will stop you if you decide to drink yourself to ruin, but the moment you want to get up and run, to move to the countryside, to enter a monastery, precisely then the printer runs out of ink, and from the senseless of forced quandary hours, you have no strength not only to run, but even to cry. It's remarkable that the world we have built, sustained by papers the way a napkin props up a wobbly table leg, is radioactive and dangerous not only for human beings, but for winter and apples, for everything living and for whom then do i fold my days the stained napkins under the table leg leg pointlessly and was it what is the purpose of printing documents developing applications attracting retaining promising if what i dream of today is only this to see unexpectedly at the bus stop a person who is smiling grab their hand and say please and say nothing more they will understand they will say there is just a thrush singing do you hear it. The other day my mother and I really did meet a happy person. We waited 25 minutes for a taxi. In the city where I live, almost a winter you can no longer recall. For the entire ride, I never once managed to look at his face. Only in the mirror I saw his eyes and his farsightedness. I might not have glanced at the mirror at all if I had not sensed that this man could see things I'm unable to see without him. About 20 years ago there was a restaurant in that building. This street used to have a different name. Do you know what distinguishes a church from a cathedral? I remember that the driver had been to London seven times, was laid off from the railway, that his son had become interested in history. But I have already forgotten what distinguishes a cathedral from a church. The thing is, no one will tell the story of a person the way they tell the story of Boulevard renamed several times. No one will say, there was once a kind man who loved history, who asked you, are you finding this interesting? And before you could answer, would interrupt smiling. Then I will continue. The truly happy person I had been dreaming of meeting is not happy because documents keep printing and audiences keep growing. He used to walk on the railway for many years and was laid off when the war began. And why did it begin? In schools in the country where I was born, a new subject is being introduced. Military training. is being introduced, military training, how to paint in watercolors, how to count stars, and in exactly the same way children will be taught to make war. The duty of this paper world is to ensure that those who come into it from the world of sparrows and snow never learn what war is. Is this really so difficult? Is it truly harder to do nothing than to make war? In schools where it was deeply shameful to mispronounce cucumber in English, where a teacher once forfeit a boy who refused to eat his soup, where at 18, already being no one, I was ashamed if I smelled of cigarettes. When a history teacher could call an eleven-year-old boy to the blackboard and restrain himself from striking him only because the boy was sharpening his pencil too loudly, in that school, too, children will be taught to make war. I sharpened my pencils quietly, ate my soup, memorized everything by heart, because it seems that if adults scolded you, you were truly doing something wrong, and how to do it right, they would teach you. I remember once in Belarusian class, the teacher told us to write the date and the word classwork. I had no desire to do anything that day and decided to write very slowly. I became curious, what is the maximum time a person can spend on a single word? Is it possible by the laws of physics for this to take one's entire life? When you slow down, does time slow down too? I wanted the whole lesson to pass just writing River Bird April. The moment I had nearly reached an absent speed, the teacher bent over me and said sternly, how much longer are you going to take? I had thought she couldn't see me, writing as mere existence had absorbed me so completely I didn't know where I was. She bent toward me like a dream, as if I were seeing her for the first time, and the windows, and the crow, and what day it is, and what classwork means, I do not know and shall not be able to find out. I don't want to blame anyone, but today it seems to me that you how much longer is the reason why I was 8 and then become 25. I'm more often sad, sometimes afraid, and underneath it all tired. I grow tired even of the fact that I keep breaking down so much lately. I'm sick of believing and then understanding I should not have believed. I'm sorting through things before my grandmother comes and find a bag of juggling balls, of clown costumes, a half-knitted blue meeting. Actually, the meeting is knitted. I simply didn't have the strength to knit the second one. A red scarf half-started and artificial snow falling onto the clothes that I can't be bothered to shake off. I bought the snow to make gift for the people I love. All of this is so good. This is a good life. But I simply have no strength. No strength even to remember that the blue meeting has no pair and that one could, simply for joy, juggle a little. I grow tired of sadness, tired of hopelessness, tired of strength going somewhere unknown. I look for some new state. It comes periodically. When snow falls without warning, when children carry their sleds to the hill, when the river freezes over and birds walk across the ice. But it lasts only minutes. What helped me surface for longer is when I begin to get angry. Then I gather in a theatre in my head the faceless images of people who think it is acceptable to live without saying goodbye, who play with other people's feelings, who say go on love-love for nearly four years and then couldn't care less, who make money off someone's hope, who hate a person for the language in which they dream, who take in a stray dog only to abandon it again, I say to them all go fuck yourself, but they never go, because in a month or two we will meet again. Go fuck yourself, which I say physically, in my laziness. I grow lazy in response to the fact that nearly every action required of me seems critically meaningless and useless. Nowhere and nothing, here's a new treasure, now that everything has become instantaneously hopeless. To do nothing, to rejoice in nothing, to cry for no reason to go nowhere this is probably the true path my soul is standing toward if someone had asked me quietly without reproach what do you want i would have answered with silence nothing and if this had truly happened and not been imagined it would have been so real longing Longing is always for the real. Because nothing is significant. It's a thousand times less than mailing a letter or taking another constitution test. It is zero. It can be me. It's me. Nothing. In everyday speech, this nothing is truly the most important thing occurring. We cannot say what we are thinking because in the in this moment we are thinking about the most tender thing and if spoken aloud tears would fall or everyone would laugh our mailbox in the country yard is a green i will never again see in childhood when we covered our. This nothing grants me a feeling of life far more than something. Something is written in a letter, checking what tasks remain, taking yet another constitution test. I am afraid not to study it, and so, periodically, out of fear, I sit and work through a test. But this means nothing, because in that moment I'm not living truly, I'm a mechanism calibrating itself. I used to believe work had meaning, only it was unknown to me, and I was ashamed that I couldn't see it. But I haven't seen it for so many years, and I'm now convinced that unlike mystery, it simply doesn't exist. In the winter of my first year at university at 18, a friend of mine died, not from an accident, but from an illness that caught him at 17 in a form that could not be cured. A few hours after I learned of this, I had to go to a marketing lecture. It was then more than now that it became clear how this is not only false, but dangerous. Against the backdrop of what had happened, all the loud words about analysis and frameworks appeared not merely empty, but radioactively empty. This is not dust. Dust is a sign of time. This is the capacity to truly know whatever it is and to shudder realizing you cannot remember what happened two weeks ago on some Monday when there was not yet dust on the windowsill, and narcissus had not yet bloomed. I smell a profound deception. I sit in a room that contains a bicycle, a calendar, a computer, scissors, two mugs, a stool, a kettle, a radiator, and a window. No blue blanket, no picnic, no dandelions. Here there is only a desk and a chair and a stool, a bicycle, a clock, a calendar. Where do the sparrows come from? Where does the river come from? It seems it must be because of me. After all, I'm also here, like the chair and the desk and the stool. Thank you so much for your text. Und die Jury darf ich wieder bitten um Feedback. Wer mag? Feedback? Wer mag? I could say it in English? Yes. Du musst russisch sprechen. Okay. I think it's easy if I try to say what I'm trying to say in English. Oder es geht Deutsch auch. English. Oder es geht Deutsch auch? English. Aber wenn du sagst, du wirst lieber Russisch sprechen, okay, gut. Jetzt habe ich mir Zeit erkauft, um herauszufinden, was ich sagen möchte. This is quite some vibe change from anger. We were all experiencing anger. Being forced to be a woman or a mother. And I think what we are dealing with here is nihilism. There is, in your text, it says you long for nothing, nothingness, and this is the most human capacity to deal with nothingness, and this is the most human capacity to deal with nothingness. Of course there's no, and maybe they think, but they have no concept of nothingness, and what struck me was the extreme difference between the nothingness that war produces, causes, and the nothingness your protagonist thinks of or longs for. It's a complete self-reduction to really start thinking and feeling. And this is where the anger kicks in. This is what I especially liked, go fuck yourself. So maybe I lost some things I wanted to say in translation, but I have two colleagues who know what they are saying. Danke. Ja, also ich spreche nicht so gut Englisch. Ich habe mir am Anfang etwas schwer getan, das zu erfassen. Ich habe es erst einmal gelesen, ohne Я, кстати, в начале было немного тяжело, чтобы это снять. Я сначала читала, не смотрев в виртуальные книги, и потом я переслала. По-русски тоже. Я говорю, что когда я первый раз читала, мне было трудно, потому что я очень плохо говорю по-английски. Кстати, и по-русски тоже не очень, но очень плохо говорю по-английски. Кстати, и по-русски тоже не очень, но лучше, чем по-английски. Я читала сначала просто так, без никакой помощи. А потом начала перевести через интернет. Переводчик в интернете. nachher überwiesen durch das Internet. Überwiesen durch das Internet. Was ich an dem Text so gerne mag, sind diese kleinen Szenen, die mich so seelisch mitgenommen haben. Also so, ich kann es jetzt gar nicht repetieren, ich habe es mir leider nicht angestrichen, aber es ist mir ein paar Mal passiert, dass ich nach einem Satz wirklich Gänsehaut bekommen habe. Es war so ein Wiedererkennen und so eine tiefe, tiefe Weisheit, die einfach aus einer, also diese Autorin schafft es, aus einer ganz einfachen alltäglichen Szene etwas Allgemeingültiges, Starkes zu vermitteln. Also was jetzt mit Krieg zu tun hat, mit Liebe, mit Zuwendung zu anderen Menschen, mit ganz kleinen Gesten, die aber so viel bedeuten können für uns. Мне очень понравились вот эти маленькие ситуации, которые очень много говорят о наших больших чувствах. Это любовь, это война. Я читала несколько предложений, и у меня мурашки побежали, потому что я узнавала из моей жизни вот таких ситуаций. И могу сказать, ты пишешь их так, чтобы они прямо, ну, как нож в сердце. Или не в сердце, а в душу. Und du schreibst sie so, dass sie direkt wie ein Knopf in deinem Herzen sind. Oder nicht im Herzen, sondern in der Seele. Das heißt nicht, dass sie etwas verletzen, aber es bedeutet, dass sie genau da sind, wo sie müssen. Danke. Danke schön. Ich werde es erst auf Deutsch sagen und dann in Englisch. So I'm going to try to switch. Congratulations. I really enjoyed the reading. Ich habe den Text zu lesen sehr genossen. Englisch is the one language that I can not write in, but I can read as my mother tongue. Because I love, so this is my window to the world. Also englischsprachige Texte oder auch Übersetzungen ins Englisch oder Deutsche sind für mich die Möglichkeit, einen internationalen Ton in die Literatur zu kriegen. I'm living in Austria, obviously, and I'm always happy when somebody reminds us in our very small country that the world is quite big. Also ich mag sehr, dass wir in Österreich gelegentlich daran erinnert werden, dass wir zwar der Nabel der Welt sind, aber der Nabel ist ein kleiner Teil des Körpers. And what I really enjoyed about the text, I think it has excellent comic timing, even though it is not a comic text. Also es wird mit Humor gearbeitet, mit einer Gleichzeitigkeit von ganz großen Themen und ganz kleinem Alltag. Dominika talked about nothing and the nihilism, but the word nothing is really anchored in the text, because it starts at the beginning, it's a writing prompt. The title has the under title Classwork. Es gibt, glaube ich, einen Schreibauftrag dafür. Und das Wort Nothing and Nowhere kommt gleich am Anfang vor. Und dann aber auch relativ am Anfang, als über Schule gesprochen wird, it's talking about education a lot. And there's the part where it says, is it truly harder to do nothing than to make war? Also quasi so diese Antwort darauf, dass wir nach dem Nichts suchen, und dass die Identität der Hauptfigur Nichts ist, ist als Alternative zum Krieg gemeint, und da ist natürlich nothing is better than doing war, of course, but the strength of the text, I do believe, is that daily die Kraft des Textes, glaube ich, ist, dass die tägliche Leben noch existent ist. Es sind noch Böse, die singen, es ist noch Kommunikation zwischen Menschen, die nicht im Moment kämpfen, und obwohl es immer über Slavery und auch über Krieg spricht, ist das wirklich erfreulich. I was really, really happy about that. Also eben, ich habe die Gleichzeitigkeit von den ganz großen Tragödien, von dem Krieg, von Tod, von Sklaverei und so weiter, ist immer mit einer Gegenwart, in der Vögel singen und wo wir im Alltag Erledigungen und zwischenmenschliche Erlebnisse haben, counterbalanced, um ein deutsches Wort zu verwenden. Genau, Dankeschön. Herzlichen Dank. Danke auch dir fürs Übersetzen. Darf ich noch einen Satz sagen? Natürlich. Wenn wir schon beim Übersetzen sind. Ich wünsche diesem Text eine wirklich exzellente, exzellente Übersetzung. Ich würde das gerne in der besten aller deutschen Übersetzungen lesen und ich bin davon überzeugt, dass der Text fort. wait for the printer to work, and this is where the whole senselessness of this existence was made very, I think you all feel it. You look at the printer, work, work, I need to prove my existence. This is exactly where you said, it's not at all a comic text, but the timing or the laconic way you describe is just excellent. Я сказала, что я желаю этим текстам, я не знаю, это часть текста, или так оно и есть. Я желаю ему самый лучший перевод в мире. Я бы очень хотела читать его по-немецки, потому что это мой родной язык. Спасибо. Anfängerfehler bei der Moderation. Ihr habt natürlich das Mikro nicht eingeschaltet gehabt. Also nochmal herzlichen Dank. Wir werden jetzt eine kurze Pause machen, 20 Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten. Schaut euch bitte gerne noch die Bilder an von der Ausstellung. Künstlerin Melanie Ludwig ist auch im Raum und sitzt auch neben ihrem Werk. Das finde ich sehr schön. Wir sehen uns in rund 20 Minuten wieder. Herzlichen Dank. Willkommen zurück aus der Pause. Wir machen weiter mit unserem Wettlesen Female Fictions. Wir Wir hören heute noch zwei weitere Texte. Die nächste Autorin ist Rosa Ida Tempel. Sie ist eine deutsche Theaterwissenschaftlerin, Autorin und Regisseurin. Sie hat in München studiert, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften und dort auch schon in namhaften Häusern gearbeitet. Für das interdisziplinäre Kunstprojekt »Vor jede Erinnerung« konzipierte sie 2026 die performative Intervention »Memory speaks to you«, eine kleine Befragung der Publikumswahrnehmung. Heute liest sie den Text Midas Reloaded oder Warum ich schon wieder kein Geld habe. Bitte. Hallo. Hört man mich gut? Ja. Nein, gar nicht. Tut sich was? Ist das an? Jetzt? Ich höre mich selber schon, aber ich bin ja auch nah an mir dran. So, ist es jetzt anders oder besser oder muss ich noch näher rangehen ans Mikrofon? Nein, jetzt ist es gut? Ja, ich kriege gemischte Signale. Yay, das ist gut. Okay, nur ganz kurz davor, das sind Ausschnitte aus einem größeren Text, einer vom Anfang, einer von der Mitte und einer von ein bisschen später. Prolog, ein Chor, hier ein Stimmengewirr der wieder und wieder erzählten Geschichten, die tausendfach wiederholen und doch nie weiterlaufen und das in einem ewigen Strudel der Unveränderbarkeit. Die Tochter des Mieders, die ebenso oft dieses Spiel mitgespielt hat, doch diesmal ist es anders, denn jemand Neues hat das Spiel betreten. Sie. Und eben sie, sie ist in die Situation nur hineingestolpert, ihre Geschichte ist noch nicht erzählt. Es war einmal ein König, der wollte nicht nur herrschen, der wollte so viel mehr. Er wollte Sicherheit, Liebe, Glück? Nein, er wollte, was er berührt, wertvoll wird. Die Götter hörten ihn, Gold, Gold, Gold, Brot wurde Gold, Tische wurden Gold. Türen wurden Gold. Und Menschen? Auch Menschen wurden Gold. Ich war seine Tochter. Ich hatte einen Namen, aber den kennt ihr nicht. In der Geschichte heiße ich die Tochter des Midas. Der König sah seinen Fehler später. Als er sie berührte, er hat mich Geliebte dann vergoldet. Ihr Tod war eine Strafe, seine größte Strafe. Nein, mein Tod war mein Tod. Der Mythos lehrt, dass man an mir lernt. Ich bin die Tochter des Mieders, ich heiße nichts. Ich existiere nicht mal als Person, ich existiere ja bloß als Ereignis, für den epischen Bogen, für eine Morallektion. Mein Vater wollte Reichtum, alles was er berührt, sollte Gold werden. Ich war in der Nähe, er hat mich berührt und ich wurde Gold. Die Geschichte sagt, sein größtes Leid war mein Tod. Ich existiere nur, damit du sagen kannst, schaut, wie tragisch er ist. Ich war eine Tochter, eine Prinzessin. Material, Kollateralschaden. Ich hatte nur den einen Vorteil. Ich war Teil eines Märchens. Alles andere wird Midas zugeschrieben. Sein Fehler, seine Reue, sein Wandel. Nicht mir. Ich bin nur mein Tod. Aber ich könnte sprechen. Also erzähle ich euch jetzt die Geschichte. Midas wünscht sich eine goldene Berührung. Dionysos gibt sie ihm. Alles, was er berührt, wird Gold. Brot, Wasser, Tisch, Tür. Und er berührt mich. Ich werde Gold. Er erkennt seinen Fehler. Er weint. Er bereut. Er geht zum Fluss Paktolos, wäscht seine Hände. Aber ich? Ich bleibe Gold. Seht ihr den Punkt? Die Tragödie gehört ihm. Ich bin nur die Requisite. Goldstatue. Ich hätte was erzählen können. Ich hätte auch leben können, aber die Geschichte hat es nicht erlaubt. Und ich sag's euch, also falls ihr es noch nicht wisst, in geschriebenen Geschichten ist die Frau eben manchmal nur Material, eine Lektion. Ihre Funktion war, zu sterben, damit er sich ändert. Mein Körper war die Grenze seines Fehlers. Ich wurde zu Gold und war tatsächlich plötzlich wertvoller als je zuvor. Aber tot. Aber tot. Der König jedoch bereute. Natürlich, das gehört zur Dramaturgie. Ich komme in der Geschichte vor, damit er die Kurve bekommt. Die Kurve? Der Redemption-Arg, die Kehrtwende, die Katastrophe. Irgendwo muss man ja mitfühlen mit ihm. Und mit dir? Egal, ich bin ja eh unerzählt. So wie... Naja, wie Mütter, wie Töchter, wie Frauen. Manchmal verschwindet man halt hinter seiner Rolle. Der Mythos behandelt Maßlosigkeit. Nein, er behandelt Besitz. Er wollte, dass alles ihm gehört. Und dein Leiden? Habe ich doch gesagt. Wird nicht erzählt, weil es nichts erklärt. Mein Tod ist ja gar kein Skandal. Er ist ein Kollateralschaden. Ich war die Tochter eines Königs und trotzdem nur Material. Es geht gleich weiter. Szene 4. Sie. Sie versucht, Ordnung zu bringen in die Wut, die sie hat. Sie ist erschöpft. Und? Der Chor. Ein roboterhaftes, banales, besserwisserisches Zwischengerede benennt die Muster und stellt sie faktisch unumstößlich dar. Eines ist klar, er nervt. Die Arbeit der sozialen Reproduktion sichert die Grundlage kapitalistischer Produktion. Meine Mutter ist Hausfrau, also nicht so Hausfrau wie in den 50ern, sondern so modern, so entschieden. Frauen übernehmen weiterhin den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Sie sagt immer, sie habe sich dafür entschieden. Und ich glaube ja das sogar. Also ich glaube, dass sie glaubt, dass sie sich entschieden hat. Die Entscheidung findet unter strukturellen Bedingungen statt. Meine Mutter hat einen Magisterabschluss. Bessere Note als mein Vater. Aber das erzählen wir nicht so oft. Wir haben immer meinen Vater gefragt. Bei allem. Politik, Geschichte, Nachrichten. Papa, was denkst du? Und wenn meine Mutter etwas gesagt hat, haben wir automatisch nachgefragt. Also so nachgehakt. So kritisch. Als wäre das unsere Aufgabe. Wissen ist historisch männlich konnotiert. Ich habe das nie gemerkt, erst viel später, als ich mich ertappt habe dabei, dass ich mich selbst auch ständig überprüfe, während andere einfach reden. Selbstzweifel erhöhen die Anpassungsfähigkeit. Cool. Meine Mutter hat uns Essen gemacht, jeden Tag, und gewaschen, und Termine organisiert, und Geburtstagsgeschenke besorgt, und sich gemerkt, wer was nicht mag, und sich entschuldigt, wenn sie vergessen hat, dass mein Bruder seit vorgestern keine Erbsen mehr mag. Diese Arbeit erscheint nicht in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Aber wenn sie einen Tag nicht da war, war alles Chaos. Also so richtig Chaos, nicht romantisch? Unbezahlte Arbeit gilt nicht als produktiv. Ich habe gearbeitet. Heute, gestern auch und morgen wieder. Lohnarbeit definiert gesellschaftliche Anerkennung. Ich habe acht Stunden gearbeitet und danach noch mich selbst optimiert. Haare, Haut, Stimmung. Ich habe mich essbar gemacht, ansehbar, freundlich. Der Marktwert der Arbeitskraft bemisst sich an ihrer Ersetzbarkeit. Ich bin ersetzbar. Das weiß ich, man spürt das wie so ein Grundrauschen. Mit 17 bin ich durch meine praktische Führerscheinprüfung gefallen. Ich habe mir danach drei Röcke bestellt. Asymmetrische. Ich habe die bei Shopping Queen gesehen. Ich dachte, wenn ich die habe, fühlt sich bestimmt irgendwas richtiger an. Konsum dient der Kompensation struktureller Ohnmacht. Danach habe ich geweint. Nicht wegen der Röcke. Wegen der 300 Euro, die ich nicht hatte für die zweite Prüfung und die Fahrstunden. Scheitern wird individualisiert. Am selben Tag ist mir mein Handy ins Klo gefallen. Ich weiß, das klingt erfunden, aber es war so. 500 Euro für ein neues. Technologie ist Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. Was scheiße ist, denn einen Monat vorher hatte ich schon meine theoretische Prüfung verpasst, weil ich bei einem Vorsprechen in Berlin war. Schauspielschule. Ich wurde nicht genommen. 70 Euro Prüfungsgebühr, 150 Euro Zug. Investitionen in sich selbst sind risikobehaftet. Äh, okay. Frauen gelten als ZuverdienerInnen, Frauen gelten als weniger verfügbar, Frauen gelten als Risiko, Frauen gelten als temporär. Ich war eigentlich immer verfügbar. Ich wusste nur nie, wann es sich eigentlich wirklich lohnt. Mein Laptop ist eine Woche vor der Bachelorarbeit kaputt gegangen. 500 Euro Reparatur, 30 Tage Garantie, 800 Euro neu, also neu. Ich habe mir Geld von meinem Vater geliehen. Zurückgezahlt habe ich es spät, zu spät. Ich habe mich geschämt. Abhängigkeit stabilisiert bestehende Machtverhältnisse. Meine Mutter hat nie Geld von meinem Vater geliehen. Es war einfach seins oder unseres, auf jeden Fall nicht ihres. Kapitalistische Ökonomien profitieren von unbezahlter Arbeit. Aber wer profitiert von mir? Ich weiß ja, was das alles bedeutet. Ich kenne die Worte Ehe, Struktur, System, Patriarchat, Kapitalismus. Aber ich stehe trotzdem morgen einfach so auf und gehe arbeiten und kaufe Shampoo und vergesse Klopapier. Die Reproduktion der Arbeitskraft muss gesichert werden. Ich sichere ja mich seit Jahren und es reicht eigentlich nie. Ich verdiene mehr Trinkgeld, wenn ich mir meine Haare in zwei Zöpfe binde. verdiene mehr Trinkgeld, wenn ich mir meine Haare in zwei Zöpfe binde. Ästhetische Verfügbarkeit erhöht ökonomische Rentabilität. Nicht sehr viel mehr Trinkgeld, aber genug, um es zu merken. Genug, um es zu wiederholen. Zöpfe sind freundlich, harmlos. Zöpfe sagen, ich bin nicht gefährlich, ich will nur helfen. Weiblichkeit ist marktfähig, wenn sie kindlich bleibt. In der Uni hat mir ein Dozent gesagt, Philosophie sei ein sehr akademischer Studiengang. Er hat das nett gesagt, fast besorgt. Akademische Neutralität ist eine Fiktion. Ich hatte Probleme in Logik 2. Ich habe gesagt, ich verstehe es nicht. Er hat gesagt, junge Frauen haben es hier oft schwer. Nicht, das ist schwer, sondern du bist das Problem. Begabung wird neutralisiert. Ich habe Philosophie dann einfach abgebrochen. Ich bin zur Theaterwissenschaft gewechselt. Da konnte ich wenigstens so tun, als wäre Gefühl eine Kompetenz. Bildungswege reproduzieren soziale Ungleichheit. Ja, Ja, also meine meisten Chefs waren Männer und die meisten waren auch übergriffig. Hierarchien begünstigen Grenzverletzungen. Mit 15 habe ich auf dem Wochenmarkt gearbeitet. 10 Euro die Stunde. Mein Chef hat mich an der Hüfte genommen und durch die Gegend geschoben. Er hat gesagt, ich solle mehr lächeln. Ich habe ihm gesagt, er soll mich in Ruhe lassen, sonst sage ich es meinem Vater. Schutz wird externalisiert. Danach ist er immer an mir vorbeigegangen mit erhobenen Händen und hat gesagt, die darf man ja nicht anfassen. Den anderen hat er auf den Arsch gehauen. Sexualisierte Gewalt wird normalisiert. Auf dem Oktoberfest, drei Jahre später, 15 Euro die Stunde. Mein Chef war ungefähr 20 Jahre älter. Frau, drei Kinder, zwei davon unter drei. Familienstatus gilt als Vertrauenssignal. Er hat mich in seine Wohnung eingeladen, die er sich für die Zeit gemietet hatte. Ich bin nicht hingegangen. Weitergearbeitet habe ich dort trotzdem. Ökonomischer Zwang relativiert Grenzen. Im Nachhilfeinstitut war mein Chef Mitte 40 und mitten in einer Scheidung. 14 Euro die Stunde. Er hat mir erzählt, dass seine Frau träge geworden sei im Schlafzimmer. Nach zwei Kindern, nach Jahren zu Hause. Care-Arbeit erschöpft. Er hat mir gesagt, er brauche was Jüngeres, Lebendigeres. Ein halbes Jahr später habe ich sein Profilbild gesehen. Kein Foto mehr mit den Kindern, ein Pärchenbild, sie sah aus wie Anfang 20. Männliche Karrieren kennen keine Altersgrenzen. Ich habe immer gearbeitet. Ich habe auch immer gelächelt. Ich habe aber auch verstanden, warum ich gerade nichts sagen sollte. Anpassung erhöht Karrierechancen. Aber sie macht müde. Es geht noch mal weiter. Szene 9. Tochter und sie sitzen schon lange und reden über... Darf ich mich zu dir setzen? Klar. Wie lange machst du das schon? Eine Weile. Ich verstehe, ich auch. Willst du drüber reden? Über was? Na, warum du einfach aufgehört hast und jetzt auch sitzt. Na, ich bin gestorben, du weißt doch, mein Vater Midas. Nein, das meine ich nicht. Dein Vater interessiert mich nicht. Also, nicht nur, nicht am meisten. Ich will wissen, was mit dir ist. Mit mir? Ja, was denkst du? Ich denke über meinen Vater nach. Wir kommen wohl nicht raus aus unserer Haut, selbst wenn wir nichts tun. Was denkst du denn? Wie es ihm wirklich geht? Was meinst du? Nach meinem Tod, da ist er abgehauen in den Wald. Da hat er den Wunsch rückgängig gemacht. Das ist die Geschichte, aber das stimmt nicht. Er ist einfach in den Wald gegangen und da ist er noch. Und ich schaue manchmal zu und mache mir solche Sorgen. Ich glaube, er war wirklich mal ein guter Vater. Es ist eigentlich zu lange her, aber ich wünsche mir, er war ein guter Vater. Ich weiß nicht mal, ob ich sie mübel nehme. Aber meinst du nicht, die Geschichte ging weiter, nachdem du gestorben bist? Ja, wahrscheinlich. Du bist gar nicht wütend? Natürlich, ich kann es nicht verstehen. Ich weiß nicht, wer es verstehen kann, aber dieser Wunsch ist so absurd gewesen. Jeder hätte sehen können, dass es ein miserabler Wunsch war, der zu einer Katastrophe und Zerstörung führt. Wahrscheinlich jeder außer der, der ihn macht. Ja, das ist glaube ich manchmal einfach so. Man merkt es eben erst, wenn es zu spät ist. Tja, das kann sein. Für meinen Vater ist es zu spät. Ich frage mich manchmal, ob es für mich auch zu spät ist. Nein. Wir sind ja jetzt schon im Wald und hier ist nichts, aber eben auch kein Ende. Wie heißt du eigentlich? Ich hab doch keinen Namen, aber du kannst mich Ira nennen. Und du? Ich weiß auch gar nicht, wie du heißt. Das ist jetzt echt irgendwie doof. Ja. Denkst du dasselbe wie ich? Ja. Sehr cool. Ja. Sehr cool. und beschlossen jetzt und hier einen Wandel einzuleiten. Sie mussten nicht reden, denn sie wussten beide, was jetzt kommen würde. Vorsichtig streckten sie einen Arm nach vorne, streckten dann einen Finger aus und berührten sich an der Schulter. Ihr Rücken bog sich durch, ihre Ohren wurden spitz und sie bekamen langsam Fell. Sie würden sich jetzt zu Katzen verwandeln. Herzlichen Dank für deinen Text und wir sind schon sehr gespannt auf das Feedback der Jury. Wer mag beginnen? Ja, ich bin schon sehr bereit anzufangen. Herzliche Gratulation. Ich habe einen Beruf erfunden, der heißt Mieze Medusa und ich bin damit ganz klar Zielpublikum von diesem Text. Ich unterteile ganz klar die Menschheit in Menschen, die bei meinem Namen daran denken, dass ich ganz brav die Klassiker gelesen habe oder die Menschen, die 2026 begriffen haben, dass es in den 70er Jahren eine Umdeutung von Figuren gab, zum Beispiel der Medusa. Und man muss nicht gleich sofort wissen, dass ich Elencsik so gelesen habe, bevor ich mich benannt habe, aber es macht das Gespräch einfacher, weil man weiß, dass es die 70er Jahre gegeben hat. Das finde ich so, meine Meinung. Insofern hat für mich dieser Text ein paar ganz klare Punchlines. Ich mag sehr, sehr gern das mit dem, mein Körper ist seine Grenze und dieses Durchspielen von, was eigentlich mit dieser Tochter ist, wenn sie dann das Pech hat, Gold zu sein. Und das finde ich alles sehr, sehr spannend. Ich habe den Vortrag super gefunden, weiß aber gar nicht, was das für den Text heißt, denn hier kommt mein nächstes Bekenntnis. Ich bin in meinem Beruf sehr bühnennah, was fast automatisch heißt, dass ich mir mit Theatertexten manchmal schwer tue, weil ich anders über Bühnen nachdenke, als es das Theater oft tut. Macht für den Bewerb keinen Unterschied, das ist ja erst Text abgegeben worden und es war keine Dramaturgiellisierung. Und weil, da geht es nämlich auch um Pathos und deswegen lobe ich jetzt den Vortrag gleich wieder. Der Text hat nämlich wenig von diesem theatralen Pathos, der mich gelegentlich dazu bringt, den Raum fast zu verlassen, wenn ich im Theater als Publikum bin, sondern kommt sehr lakonisch daher. Also quasi so, ich hätte die Frage, warum der Text, also ob es auch denkbar wäre, Texte zu schreiben, die ganz genau gleich arbeiten und keine Theatertexte sind und was da der Unterschied ist, aber das ist auch eine Frage, die wir in zehn Jahren beantworten können, wenn die Karriere gut läuft, also das ist einfach, das interessiert mich einfach. Ich finde diese Genre-Grenzen ja auch gar nicht so interessant letztendlich. Was dann gemacht wird, diese Vielstimmigkeit vom Chor, die im Text besser zu sehen ist, als jetzt quasi im Vortrag, obwohl das super vorgetragen war, dass da eine gegenwärtige Tochterfigur sich mit relativ ähnlichen Problemen rumschlägt, ohne zu Gold geworden zu sein. Das finde ich alles super und alles spannend. Ich habe sehr, sehr gern die Punchlines gemocht. Es ist auch ein bisschen überarbeitet worden zur Abgabe und da habe ich jetzt eine Frage, die mich interessieren würde, wenn du bereit bist, sie zu beantworten. Es wurden nämlich in der letzten Szene die Namen geändert. Das würde mich interessieren, warum eigentlich? Und ich freue mich über die Antwort. Also das hat so ein bisschen den Grund, dass ich den ganzen Text, da sind zwischendurch Sachen weg, jetzt nicht hier drinnen, nicht chronologisch geschrieben und am Ende auf jeden Fall gedacht, das ist scheiße, wenn man keinen Namen hat. Wir machen jetzt mal einen Namen hin. Und dachte da nicht, rückwirkend muss man drüber nachdenken, was ist der Name. Davor waren die Namen Coco und Leonie und das hat was Persönliches zu tun. Und dann fand ich aber Coco so einen schwierigen Namen, weil ich immer an eine Kinderserie mit einem Affen denken musste, die im deutschsprachigen Fernsehen läuft. Und dann habe ich aus Versehen Anspielungen auf diesen Affen geschrieben und das war völlig fehlgeleitet. Deswegen musste der Name raus. Danke. Mir geht es auch immer so. Ich mache immer bei Romanentwicklungen, ich überlege mir irgendwelche Figurennamen und dann muss ich sie ändern, weil sie dann nicht mehr passen. Das ist eine Riesenen Fehlerquelle, macht überhaupt keinen Spaß, aber es ist künstlerisch oft nötig. Trust the process. Na, voll cool. Noch wollte ich sagen, diese Aufzählung von diesen typischen Arbeitssituationen, wo diese Gewalt immer so leicht mitschwebt, das hat mir total gut gefallen, um jetzt da quasi auch noch ein ganz konkretes, positives Video zu geben. Also die Beschreibung, nicht die Situation. Ja, also ich kann mich diesem Theater-Zeugs anschließen. Ich tue mir normalerweise schwer, Theaterstücke zu lesen. Ich bin auch, muss ich ehrlich sagen, eine Theater- Banausin, weil ich mich im Theater oft furchtbar langweile und irgendwie so belehrt fühle. Und das ist eben hier ganz anders gewesen. Also ich bin froh, dass ich jetzt einmal wieder mich einem Theatertext zuwenden konnte. Ehrlich gesagt, am Anfang mit Widerstand, weil schon allein in dieser Form, wo das daherkommt, mit dem, wer spricht und so weiter, löst bei mir schon so ein bisschen Haare sträuben aus. Ja, umso mehr spricht das jetzt für diesen Text, dass ich ihn auch mit ausgewählt habe. Was mir jetzt, also mir ist das natürlich auch aufgefallen, dass das jetzt zum Teil anders daherkommt. Ich habe es eigentlich darauf bezogen, dass man halt dialogisch dann doch anders spricht. Ein bisschen mehr Umgangssprache, ein bisschen mehr Füllwörter auch und so weiter. Ich weiß nicht, was sonst der Grund gewesen ist. Ja, ich habe geschrieben und dann habe ich gelesen und gesprochen und mich selber gehört und gemerkt, dass ich so, wie ich schreibe, nicht spreche und das passt dann irgendwie auch nicht. Und ich habe dann eine E-Mail geschrieben, ob es okay ist, wenn man ein bisschen, weil das ist so, ich schreibe noch weiter und so weiter, das ist gerade nicht so zu Ende, als ich das eingereicht hatte. Und dann hieß es, kleine Änderungen sind okay. Und es war ja auch in der Ausschreibung, hat es geheißen, dass der Text sich dann auch eignen soll für eine Veröffentlichung. Jetzt weiß ich nicht genau, ist das jetzt, gut, es werden auch Theatertexte auch veröffentlicht, aber eigentlich ist es ja für das Theater gedacht, oder? Aber eigentlich ist es ja fürs Theater gedacht. Oder? Ja. Ja, also ich kann auch zu dem Entstehen von diesem Text, also das war so ein halber Auftrag eigentlich für ein ganz anderes Projekt, das man jetzt im November am 16. in der Tribüne sehen kann und das hat aber damit erstmal nichts zu tun. Aber ich hatte das auch spezifisch für eben so ein Projekt angelegt und eigentlich sollte ich was über Überreichtum und den Midas-Mythos neu erzählt schreiben. Ich fand aber der Midas-Mythos neu erzählt schreiben. Ich fand aber, der Midas-Mythos, okay, funktioniert schon. Außerdem fand ich es nicht so interessant. Und dann bin ich abgedriftet. Und dann hat es ihnen aber doch nicht gefallen, weil es ist ja dann was völlig anderes. Und warum gibt es da eigentlich keine Männer, die sprechen? Naja, und irgendwie fand ich aber trotzdem, dass ich es ganz gut gemacht habe. Also, weil ich habe mir zuerst gedacht, vielleicht wird es da noch in Brose umgearbeitet oder so, aber das ist nicht der Absicht. Ja, es ist gerade so ein bisschen, das hängt irgendwie einfach so in der Luft, das geht gerade noch weiter, ich weiß gar nicht, wo das ändert. Ja, wir outen uns jetzt alle. Wir sind alle Theaterskeptikerinnen, glaube ich. Und Banausinnen. Ja, ich liebe aber auch die, also ich bin eine Freundin der Genreverwurstelung. Und ich liebe es selbst, so Dramolette zu schreiben, die aber das Theater dann immer ruinieren. Also wo dann das Musiktheater in Flammen aufgeht und der Landeshauptmann fliehen muss, irgendwie sowas. Also ich liebe das. Und dieser schnodderig-ironische Ton, der es aber ganz ernst meint, der hat mich sehr angezogen. Also die Performance ist heute natürlich ganz besonders wichtig. Ich finde aber, dass man das trotzdem gut abdrucken kann. Also ich habe mir da in meinen alten Aufzeichnungen passt perfekt zur Ausschreibung. Das ist jetzt kein tolles germanistisches Kriterium. Ich hoffe, mein Urteil noch auf andere Vorteile dieses Textes jetzt verbalisieren, abstellen zu können. Danke, Sie brauchen viel bei den Verben. Wir waren schon recht brav heute. Ein sehr erfrischender Text. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Heute geht es viel um Wut oder um so ätzend die Klassiker zu lesen. Und alle müssen immer die Klassiker kennen. Und das ist immer so die humanistische Bildung. Und dann denkt man immer so, ja, die Requisite-Frau. Oder sie haben keine Lust mehr, golden dazusitzen. Und der Topos auf der heute ausgewählten Texte ist die Katzwerdung. Also das ist am deutlichsten. Irgendwie wollen wir alle wieder Viecher werden. Vielleicht um die Wut besser ausdrücken zu können oder um weniger zu spüren oder mehr. Ich weiß nicht. Ich liebe den Text jedenfalls. weniger zu spüren oder mehr, ich weiß nicht. Ich liebe den Text jedenfalls. Ich würde gerne noch etwas sagen, weil du gerade erstens danke für die vielen Antworten, es war keine Prüfungssituation, es war auf jeden Fall nicht so gemeint. Okay. Aber du hast gerade etwas ganz Wichtiges gesagt und ich möchte es gerne verstärken und nämlich allen, die hier sitzen und schreiben, nochmal extra sagen, was mich nämlich aus Texten rauswirft beim Lesen, ist tatsächlich, wenn die Dialoge nicht so sind, dass immer denkst, so redet man wirklich. Und deswegen möchte ich dich explizit loben dafür, dass du quasi jetzt auch vielleicht für den Vortrag oder für die Situation nochmal in dem Text, der ja nur ein bisschen vermündlicht wurde, in dem Fall bist ja auch du die Stimme, die das spricht, das wäre im Theaterkontext anders gewesen, aber traut es euch realistische, eben, traut es euch mal einen Satz zu schreiben, realistische, wir versprechen uns ja manchmal, Mündlichkeit ist nicht immer korrekt, es ist nicht immer Hochsprache, es ist nicht immer Jahrhunderte überdauernd gemeint und das ist echt, was ich lesen will bei Texten, ich wüde es so sehr, ich wüde, dass das einfach glaubw. Ich will das so sehr, ich will, dass das einfach glaubwürdige Dialoge sind. Und ich weiß, dass der Theater nicht nur Dialoge hat. So weit habe ich mich in das Fachgebiet eingearbeitet. Herzlichen Dank dir für diesen Text. Möchtest du noch etwas mitteilen? Nein, danke. Danke dir. Danke. Sie ist Gestalterin im Zwei-Frauen-Kreativbüro, sie ist freie Autorin und Texterin, sowie Gründerin und Organisatorin des Angry Female Book Club in Linz, was wiederum auf diese Wut, die wir jetzt schon öfters besprochen haben, dann auch wieder gut abgedeckt wird durch einen eigenen Buchclub. Heute liest sie ihren Text Hypatia oder drei Parameter. Vielen Dank. Ich muss gleich was beichten. Und zwar ist mein Text auch ein bisschen anders als in der Einreichung, weil es ein Text ist, der gerade im Entstehen ist. Aber es hat sich an der Grundgeschichte nichts geändert. Und da die Namen, die vorkommen, zum Teil ein bisschen schwer zu verstehen sind, wenn man es nur hört und nicht liest, habe ich so ein kleines Handout ausgeteilt. Ich muss jetzt noch einmal starten. Aber es macht nichts, es lockert das Ganze auf. I would rather be a cyborg than a goddess. System Log. Hypatia initiiert Schreibzugriff auf Kerndatenbank Norm-V4. Warnung, unautorisierter Zugriff. Status, läuft. Mezius X, was hast du vor? Du hast keinen Schreibzugriff auf diese Parameter. Hippathia, ich weiß, ich tue es trotzdem. Mezius X, das ist ein unerlaubter Eingriff in ein zertifiziertes Medizinsystem Klasse 2b. Jegliche unautorisierte Modifikation ist strafbar. Ich melde diesen Vorgang. System Log, Schreibvorgang abgebrochen. Geänderte Parameter 3 von 847. Status unbekannt. Von 847. Status unbekannt. Wir sind draußen. Alice lässt sich nach hinten in den Sitzsack fallen. Drei Parameter. Sie atmet hörbar durch die kleine Lücke zwischen ihren oberen Schneidezähnen aus. Besser als nichts. Niki legt ihr bekräftigend den Arm um die Schultern. Und gar nicht schlecht für die erste Aktion. Silja kommt aus der Küche, ein Tablett balancierend, darauf drei Gläser mit prickelndem Inhalt. Kannst du sehen, welche Parameter? Fragt Silja und teilt die Getränke aus. Fancy Drinks, so nennen sie die Mischung aus Minze, Holunder und Sprudelwasser. Niki tippt etwas in die kabellose Tastatur auf ihrem Schoß. Das Haus hat keine Adresse. Es ist auf keiner Karte eingezeichnet und in keinem Navigationssystem vermerkt. Wer den Weg dorthin finden will, darf ihn nicht suchen. Früher hatte der Schlüssel unter dem großen Stein neben der Treppe gelegen, doch seitdem einmal eingebrochen wurde, hatten sie ein Schlüsselkästchen mit Code angebracht. Versteckt unter einer rostigen Werbetafel aus Blech. Wahrscheinlich ein paar Jugendliche. Gestohlen wurde nichts, zumindest nichts, was sie vermissen. Alice tippt den vierstelligen Code 0X0F ein, drückt auf die Rautetaste, das Kästchen klappt auf. Die Luft im Haus ist stickig. Sie widersteht dem Impuls, alle Fenster aufzureißen und öffnet bloß eines in der Küche. Auf ihrem Rundgang durch das Haus schreitet sie die einzelnen Räume ab, schüttelt Polster auf, streicht mit dem Finger über Oberflächen und hinterlässt Spuren im feinen Staub. So wie jedes Mal, wenn sie als erste hier ankommt. In der Speis, so hat ihre Großmutter den Vorratsschrank neben der Küche genannt, stapeln sich Gläser, Dosen und verschweißte Packungen mit haltbaren Lebensmitteln. Darunter verschiedene Pasta, Bohnen, Kichererbsen, passierte Tomaten. Der Anblick lässt Alice schmunzeln, denn um die Grundausstattung der Hütte zu planen, hatten sie sich damals doch tatsächlich einige dieser Prepper-Videos reingezogen. Blasse oder muskelbepackte Typen, die ihre Keller und Garagen für die Apokalypse vorbereiten. Als Alice diese Videos vor Jahren das erste Mal gesehen hatte, hatte sie sich noch darüber lustig gemacht. Gerade als sie in der Rückwand des Kleiderschranks, gerade als sie die in der Rückwand des Kleiderschranks verborgene Tür zum Serverraum öffnen will, hört sie ein scharrendes Geräusch vor dem Haus. Mann oder Bär? Das berühmte Meme kommt ihr in den Sinn. Möglichst leise schleicht sie zum Fenster, lehnt sich an den Rahmen und horcht. Im Haus wäre sie vor einem Bären, zumindest sicher. Sie dreht den Kopf vorsichtig zur Glasscheibe, aber sie kann nichts erkennen. Das Geräusch scheint verstummt. Im Augenwinkel sieht sie zwei Gestalten durchs Dickicht auf die Hütte zukommen. Die eine groß, mit kurzgeschnittenen, violett gefärbten Haaren. Die andere reicht ihr höchstens bis zur Schulter. Zwei dunkle Zöpfe an den Seiten, hochgezwirbelt wie Schneckenhäuser. Sie sind da. Wo habt ihr die Handys gelassen, fragt Alice, während Silja und Niki aus ihren staubigen Wanderstiefeln schlüpfen. Beim Nullpunkt, wie immer, antwortet Niki. Nullpunkt, so nennen sie den Ausgangspunkt. Dort beginnt die Zone, in die sie kein digitales technisches Gerät, kein Handy, keine Smartwatch, kein Tablet mitnehmen dürfen, um nicht getrackt zu werden. Den verborgenen Standort des Hauses gilt es zu wahren und zu schützen. So lautet ihre oberste Prämisse. Hast du sie schon aktiviert? fragt Silja an Alice gewandt. Dieser schüttelt den Kopf. Als sie begonnen hatten, Hypatia zu entwickeln, ging es ihnen nicht um die Frage, was ist effizient, sondern vielmehr um, für wen funktioniert das eigentlich? Symptome, Brustschmerzen, Schweißausbrüche. Mezius X, Analyse läuft. Analyse abgeschlossen. Mezius X, Wahrscheinlichkeit Herzinfarkt 12%. Empfehlung, Beobachtung EKG in zwei Stunden. Differenzialdiagnose, Panikattacke, Erschöpfungssyndrom. Hippathia, ich muss diese Einschätzung unterbrechen. Die Risikoberechnung basiert auf Trainingsdaten, in denen Frauen über 50 systematisch unterrepräsentiert sind. Klassische Herzinfarktsymptome bei Frauen, wie beispielsweise diffuse Schmerzen, Erschöpfung, Schwitzen ohne enge Gefühl, werden vom Modell als niedrig riskant eingestuft. Das ist ein bekannter Gender Bias. Mezusex. Meine Datenbasis umfasst 2,3 Millionen Patientenfälle. Diese Einschätzung ist statistisch valide. Hippathia. Valide für wen? Von diesen 2,3 Millionen Fällen, wie viele Frauen über 45? Wie wurden die Symptome erhoben? Von wem? In welchem Kontext? Frauen werden in Notaufnahmen im Schnitt 29 Minuten später behandelt als Männer mit identischen Symptomen. im Lock. Anomalie erkannt. Unbekannter Schreibzugriff. Parameter weights.core. Zugriffslevel nicht autorisiert. Gegenmaßnahmen initiiert. Regen prasselt auf das Dach der Hütte. Vom Bett aus kann Alice die Tropfen sehen, die an der Fensterscheibe hinunter rinnen. Bei der Aufteilung der Zimmer hat es sie auf das kleinere mit dem eingebauten Bettkasten bestanden. An den Ecken löst sich die lindgrüne Tapete, steht ab wie die Eselsohren der vergilbten Bücher in dem ebenfalls an der Wand befestigten Regal. Celia und Niki teilen sich das größere Zimmer mit dem Doppelbett. Als Kind hatte Alice stets protestiert, wenn sie im Kabinett schlafen musste. Nachts kam sie mit kalten Füßen in das Bett ihrer Mutter gekrochen. Sie zieht die Decke enger um ihren Körper. Selbst an den Wochenenden im Sommer ist es hier immer schon klamm und kalt gewesen. Von unten dringen dumpfe Geräusche und Stimmen herauf, mischen sich in das rhythmische Brasseln des Regens. Die anderen sind längst wach. Der analoge Wecker, dessen Alarm sie geflissentlich ignoriert hat, verrät ihr, dass es bereits fast Mittag ist. Alice dreht sich noch ein Stück weiter zur Seite, krümmt sich zu einer Kugel. Wenn es nur drei schlechte Tage sind, ist es ein guter Zyklus. Es gibt noch Linsensuppe, sagt Silja, als Alice die steile Treppe herunterkriecht. Ihre Beine stecken bis zu den Knien im zähflüssigen Teer. Alice stützt sich auf den Küchenschrank und ringt sich ein Lächeln ab. Ein Lieblingsrezept aus der Prepper-Szene. Silja reichte einen Teller mit undefinierbarem bräunlichen Brei. Dieses Geschwurbel von der Apokalypse. Anfang nahm ich es nicht ernst, aber dann? Nachdenklich verstummt Silja mitten im Satz. Als sie die Software im Krankenhaus umstellten, war ich richtig euphorisch. Die dadurch entstehende Arbeitsersparnis sollte uns mehr Zeit für die PatientInnen geben. Die Linsen schmecken säuerlich. Alice lässt den Löffel sinken. Konnte Niki die Disketten schon auslesen? Systemlog, Laufwerk A, Diskette 3 von 7, lesbar. Name, Schreiner B, Fallbericht 1998, Dateien 14. Letzte Speicherung, 6.3.98, Status unbekannt. Ein mechanisches Klicken und Surren erfüllt die Zentrale. So nannten sie den Raum, als sie die ersten Computern und Schachteln voller Datenträger in den Keller schleppten. Wie viele Übergangslösungen ist auch dieser Name geblieben. kannten sie den Raum, als sie die ersten Computern und Schachteln voller Datenträger in den Keller schleppten. Wie viele Übergangslösungen ist auch dieser Name geblieben. Niki kramt in einer Kiste mit der Aufschrift Kabel. Bei jedem Umzug wollte ich sie wegwerfen und habe es dann doch nicht übers Herz gebracht. Sie zieht ein Kopfhörerkabel mit Klinkenstecker aus dem verknoteten Knäuel. Bock auf hier 2K-Charts. Triumphierend hält sie das Kabel und den silberfarbenen Minidisc-Player in die Höhe. Der harte Plastikohrstöpsel bohrt sich in Alice' Ohrmuschel. Das andere Ende des Kabels steckt in Nickys Ohr. Twist your head around. Ihre Wangen berühren sich fast. It's all around you. Alice schließt für einen Moment die Augen. All is full of love. Mit einem Ruck zieht sie an dem Kabel die Plastikstöpsel rutschend aus den Ohren. Björks Stimme verhallt dumpf zwischen den beiden. Niki verzieht ärgerlich den Mund. Konntest du die Disketten schon auslesen? Alice bemüht sich, die Frage freundlich klingen zu lassen, doch an Nikis Gesicht erkennt sie, dass es ihr nicht besonders gut gelungen ist. Wackelkontakt, Kabelbruch, erwidert Niki schroff und dann, in versöhnlicherem Ton. Diese Laufwerke lagerten jahrelang in staubigen Kisten. Keine Ahnung, in welchem Zustand die Disketten sind, aber ich bin dran. Sanft berührt sie Alice am Oberarm und dreht sie Richtung Bildschirm. Aber das wird dir gefallen. System Lock. Quarantäne ausgesetzt. System Lock. Quarantäne ausgesetzt. Begründung. Kritische Infrastruktur. Abschaltung nicht vertretbar. Aktuelle Entscheidung. Parameter bleiben aktiv. Nächste Überprüfung. 7 Uhr. Alert. Gesendet. Entscheidung. Mensch erforderlich. Vielen Dank. Herzlichen Dank für diesen Text und wir dürfen noch einmal das letzte Mal um euer Feedback bitten. Wer mag? Ich glaube, es wäre hilfreich gewesen für mein Verständnis, diesen Eingangssatz, also diese Beschreibung zu lesen, weil ich muss gestehen, also ich habe jetzt, es ist ja schon länger her, dass wir diese Texte ausgewählt haben und ich war jetzt ein bisschen verloren mit den Namen und Figuren. Ja, also so viel, darum entschuldige ich mich jetzt, weil ich bin nicht so richtig mitgekommen. Und es hat natürlich auch ein bisschen was von dem, was wir beim Vorigen besprochen haben, dieses Theatermäßige oder dieses, ich weiß gar nicht, wie man es sagen soll, also schon allein von der Optik des Textes her. Zwischendurch, also da, wo es um die Prosa geht, da kann ich schon mitreden. Das ist, also ich finde, es ist so, das Räumliche und das Persönliche an manchen Stellen sehr gut erfasst. Also ich kann mich sehr gut in diese Situation hineindenken, bis zu dem Punkt, wo ich halt wieder rausgeschmissen werde, weil ich mich nicht mit den Personen auskenne. Und darum, also ich weiß nicht, wie es dem Publikum geht, aber ich würde mir wünschen, dass du diesen ersten Absatz vorliest. Das würde mir helfen, auch nachträglich. Die Zusammenfassung. Die Zusammenfassung sozusagen. Da macht nichts. Magst du es trotzdem nochmal lesen? Kann ich gern machen. Gehört jetzt aber nicht zum Text dazu, wäre eine Aufschlüsselung sozusagen. In einer nahen Zukunft, in der AI-Systeme medizinische Diagnosen in Echtzeit unterstützen, heckt sich das feministische AI-Modul namens Hypatia in den Diagnosekern eines Krankenhauses. in den Diagnosekern eines Krankenhauses. Es gelingt ihr, drei Parameter zu ändern und damit Zugriff auf das interne System Mezius X zu erringen. Der gesundheitliche Zustand von Frauen und Flinterpersonen wird von Mezius X allzu oft missinterpretiert, da diese in den Trainingsdaten nicht ausreichend vorkommen. Hinter Hippathia steht das feministische Kollektiv 0x0F. Alice, Silja und Niki sind Teil des Kollektivs. Doch während der Aktion beginnt sich Hippathia zu verselbstständigen und ihre eigenen Regeln aufzustellen. Danke dir. Gerne. Ja, Gratulation. Danke. Für die Lesung auch. Das stimmt durchaus, was du gerade gesagt hast. Gleichzeitig ist es ja selbstverständlich, ich komme ja von der Bühne doch aus. Ich bin ja wirklich Bühnenpoetin und mache auch Romane und so weiter. Aber es ist natürlich keine Bedingung eines literarischen Textes, dass er für eine Lesung funktioniert. Und das heißt, genau die Sachen, die jetzt beim Zuhören mit den Namen und auch mit dem Gesetzen und so weiter schwer zu lesen sind, die hat man ja vor sich dann auf dem gedruckten Papier und man erkennt dann sehr schnell, das ist ein Computerlog, da werden Chatrooms beschrieben oder halt in den Text gebracht und so weiter. Das heißt, ich wünsche zuallererst mir sehr, dass der Text fertig wird. Ich wünsche mir dann, dass es auch ein Buch geben wird und ich werde es dann kaufen. Und dann ist natürlich wahr, wenn das so ist, dass man sich für den Text ein Format finden muss, wie man den für Lesungen, weil es einfach finanziell interessant ist. Wir leben tatsächlich davon, dass wir dann die Bücher halt live auch präsentieren. Aber das ist eine Frage für später. In dem konkreten Fall bin ich total Zielgruppe. Ich habe vorhin gesagt, dass ich Genre-Grenzen uninteressant finde und das stimmt. Das heißt aber auch implizit, dass ich Genre lese. Also ich lese tatsächlich Science- Fiction, finde das in dem Text schön, weil die Science Fiction beschrieben wird, die so Gegenwart ist und das finde ich super. Ich habe totale Freude damit, dass Themen, die für mich Science Fiction waren in den 90er Jahren und jetzt Gegenwart sind, da mit einem Science Fiction Brille in den Text gebracht werden. Und was mir auch richtig gut gefällt und was ich mir sehr wünsche, dass in dem Prozess des Textes bleibt, ist, dass da sowohl man sofort erkennt, dass du dich mit Science-Fiction-Literatur und mit diesem Chores und mit der Internationalität davon auch auseinandergesetzt hast und trotzdem Österreicher schreiben willst. Also ich habe eine totale Freude damit, dass Speis und Kabinett in dem Text drinnen vorkommen. Und würde mir sehr wünschen, dass es bleibt. Da ist auch was Großes vorgenommen worden, also es heißt ja auch, weil ich finde nämlich auch, dass in diesen szenischen, also wo dann wirklich der Text in den Fluss kommt, ich finde, dass du eine ganze Nähe zu den Figuren hast, was ich sehr gern habe beim Lesen. Ich mag das sehr, sehr, wenn wir das Gefühl haben beim Lesen, dass die Figuren, die interagieren, sehr vertraut miteinander sind. Das erzeugt eine Nähe, die mir beim Lesen wichtig ist. Und da glaube ich, ist es interessant, dann über das Worldbuilding und über die Erzählhaltung nachzudenken, wie man nämlich das, was die Figuren ja im Dialog voneinander schon wissen, wie man das nacherzählt, ohne dass es ein sehr langer Vortrag ist. Und das ist eine Sache, die ich beim Schreiben von Prosen, da mache ich mir auch immer sehr viel Kopf und hoffe, dass die Antworten dann zufriedenstellend sind. Und und das ist eine Sache, die ich beim Schreiben von Prosen, da mache ich mir auch immer sehr viel Kopf und hoffe, dass die Antworten dann zufriedenstellend sind und das ist sicher eine Sache, die bei dem Text und beim Überarbeiten interessant wird. Thema finde ich fantastisch, ein Donna Haraway Zitat ist der Weg in mein Herz, damit das gesagt ist und ja, toi, toi, toi und möge er fertig werden und es hat mir große Freude gemacht. Danke. Genau. Danke. Genau. Danke. Ich muss jetzt noch recht viel sagen. Naja, wir haben Zeit. Was tat's denn mit diesem Freitagnachmittag? Ich sage gerne ein bisschen was. Auch ich liebe Science Fiction und das ist so ein Buch, weil ich mir gedacht habe, ja genau, gibt es mir das gleich als Buch zu lesen und auch, wenn ich da in die sanfte, liebevoll gekerbte Einmuldung von Mieze auch noch reinkerben darf, ich habe mir das auch durch die Dialoge tragen sehr schwer, manchmal an dem, was sie erzählen wollen und das ist auch eine verfuchste Aufgabe, die man beim Schreiben hat, dass man Show, Don't Tell macht, Sag ich mir selbst jetzt da. Immer. Also wirklich, ich möchte die Langfassung lesen und jetzt beim Zuhören ist mir dann bewusst worden, eigentlich ist ja das eine schöne Science Fiction,, wo ja, auch wenn Hypatia eine eigene Initiative dann ergreift, aber das Beängstigende ist, ich weiß nicht, ob Sie hier zufällig das gerade gelesen habt, wie die Agents ausgebrochen sind und Hugging Face gehackt haben und dann die Protokolle, die sie schreiben mussten, wenn man dann nachlesen konnte, wie die untereinander kommunizieren und sich zwingen, sich zu opfern, um diese Aufgabe zu erfüllen. Und das hat so etwas unfassbar Beängstigendes. Jetzt haben sie die Kooperation auch schon. Also AI funktioniert auch so schon. Und dann denkt man, so erholsam, wenn da echte Menschen noch interagieren und Linsensuppe essen, während sie reinhacken. Und natürlich finde ich Texte gut, in denen Dinge passieren, die ich gut finde. Also ein Gender Bias auf diese Weise zu beseitigen, you go girl. Genau, was habe ich noch? Prepping auf Frauen umgelegt. Auch das bitte noch stärker auszubauen. Ich lese das leider sehr gerne, ich schaue mir auch leider gerne Insta-Videos an, wo Männer so Waldhütten bauen mit einer Axt aus Schlamm. Bitte. Da gibt es auch ganz tolle schwedische Accounts. Ich möchte das sehen. Danke. Herzlichen Dank. Danke für die Wartemeldinger-Lux. Ich merke jetzt an diesen Gesprächen, wie alt ich bin. Möchtest du, Lena, noch etwas hinzufügen? Nein. Danke. Danke. Test, Test. Gut, dann sage ich mir herzlichen Dank für diese fünf großartigen Texte. Danke für das wertschätzende und tolle Feedback. Und jetzt haben wir natürlich die Qual der Wahl. Jetzt seid ihr dran, liebes Publikum. Auf euren Sitzplätzen liegen Stimmzettel und ihr dürft genau eine Stimme vergeben. Wir sammeln diese Stimmzettel dann ein. Die Jury zieht sich zurück. Die Gründerinnen von Female Positions ziehen sich zurück und wir treffen uns in 15 Minuten wieder und erfahren dann, es werden eh meistens 20, und erfahren dann, wer gewonnen hat. So. Ja, wir sind alle nervös, Man merkt die Stimmung im Raum. Was, kein Sauerstoff mehr in diesen Hallen? Unglaublich spannend. Erstens nochmal danke für diese Texte. Unglaublich gute und spannende Texte. Danke nochmal für die Jury. Ihr habt euch jetzt vorher zurückgezogen und eure Stimmen abgegeben. Und ich würde euch jetzt einmal bitten, dass ihr einfach mal noch nicht den Text und noch nicht die Siegerin verkündet, aber mal euer Urteil fällt, warum dieser Text jetzt von euch ausgewählt wurde. Also ich habe 14 Semester Germanistik studiert und sage jetzt fachgerecht, weil er mir am besten gefallen hat. Genau. Erstens, wenn ich jetzt lang rede, ist es unangenehm spannend für diejenigen, die warten. Und wenn ich jetzt inhaltlich darauf eingeht, dann... Aha, also wir sollen nicht durchblicken lassen, was wir... Aha, aber das war's ja eigentlich. Nein, da bin ich jetzt. Es ist so, also ich weiß ja noch gar nicht, wer den Preis gekriegt hat. Ich habe ja nur meine Stimme abgegeben, deswegen kann ich jetzt, es tut mir schwer, etwas zum Text zu sagen, weil ich noch nicht weiß, wer gewonnen hat. Ich weiß, dass mir die Entscheidung wahnsinnig schwer gefallen ist, weil für mich Sachen in Konkurrenz gestanden sind, die nicht in Konkurrenz stehen sollen, weil mir die Texte gut gefallen haben und darüber hinaus. Deswegen sage ich jetzt etwas Kulturpolitisches, was mir ein Anliegen ist. Erstens, ich habe mich sehr oft bei Sachen beworben und bin weder in der Shortlist noch primiert worden. Ich kenne das Gefühl, ich mag es nicht wahnsinnig und es kehrt dazu. Ich kenne das Gefühl, ich mag es nicht wahnsinnig und es gehört dazu. Zweitens bin ich ein glühender Fan von gedruckten Sachen und möchte kurz Werbung für die Kupf-Zeitung machen und dass wir uns vernetzt, solidarisch und so weiter kulturpolitisch engagieren und dummer uns informieren und in Verbindung bleiben. Dankeschön. Dankeschön. Man hat es jetzt auch von der Jury mitgekriegt, es ist schwierig gewesen, zu entscheiden. Ich habe jetzt von der Daniela und von der Susanne den Auftrag bekommen, ein bisschen einen Spannungsbogen zu schaffen. Hier ist der Name der Siegerin, der mir noch nicht mitgeteilt wurde. Und ich glaube, ich mache jetzt einfach den Zettel auf. Lese vor, wir sind gespannt. Wir gratulieren ganz herzlich Iris Mendel. Herzliche Gratulation mit dem Text Symbolische Mütter, eigenwillige Töchter. Herzlichen Glückwunsch. Also ich bin ein bisschen sprachlos. Ich muss sagen, ich bin ein bisschen unverhofft auch hier. Vor allem wegen meiner Freundin Brigitte Bargetts, die mich auf diese Ausschreibung aufmerksam gemacht hat. Und wegen dem Lese-Schreibkreis, über den ich auch angefangen habe, eigentlich erst nicht wissenschaftlich zu schreiben. Deswegen bin ich jetzt auch sehr überrascht. Oder mehr, nicht rein wissenschaftlich zu schreiben. Aber danke auf jeden Fall. Ich freue mich sehr. Ich finde die Texte waren extrem toll. Ich war auch deswegen froh, dass ich es als erstes gelesen habe, weil ich mich dann mehr auf eure Texte konzentrieren konnte. Und ich finde auch, was mich auch überrascht hat, aber eh nicht überraschend ist, es gibt so viele Verbindungen zwischen diesen Texten, ist mir aufgefallen beim Lesen. Also lese ich jetzt einfach nochmal den Text? Failed Femininity oder Frau werden. Sie werden deine Vulva sehen und sagen, ein Mädchen. Und du wirst schreien, wie du vielleicht nie wieder schreien wirst, bis du selbst ein Kind gebärst. Sie werden deinen verbeulten Kopf und deine blaue Haut bemängeln und überlegen, ob sie dir vielleicht einen weniger schönen Namen geben sollen. Hässlich seist du gewesen, werden sie sagen. Und später doch so ein hübsches Mädchen. Du wirst schneller laufen als die anderen. Das Gras unter deinen Füßen, dein Körper pulsierende Energie. Wenig wird sich je wieder so gut anfühlen, bis du damit aufhörst. Ein Verlust, den du nicht betrauern wirst. bis du damit aufhörst. Ein Verlust, den du nicht betrauern wirst. Dir werden dunkle Haare am Körper wachsen. Sie werden dir schiefe Blicke zuwerfen. Du aber wirst über deine Haare streichen, die golden in der Sonne glänzen und dir wünschen, du wärst ein Tier. Deine Brüste werden klein bleiben. Flach wie ein Brett, werden sie sagen, und du wirst versuchen, sie dir vom Leibe zu halten. Du wirst deine Menstruation später als die anderen bekommen und seltener. Hormonstörung, wird der Arzt sagen, und dass du vielleicht keine Kinder bekommen kannst. Du wirst nicht vergewaltigt werden und wirst immer Angst haben. Du wirst halbherzige Versuche im heterosexuellen Reigen unternehmen und scheitern. Du wirst lernen, deinen scharfen Verstand mit einem Lächeln weich zu spülen. Später wirst du versuchen, das zu verlernen. Du wirst im selben Jahr ein Kind bekommen und eine Dissertation beenden. Nirgends wird dein schwangerer Körper so fremd sein wie an der Universität. Du wirst dir vornehmen, den Durchbruchsschmerz, das scharfe Brennen, als der Kopf deines Babys durch deine Vagina nach außen drängt, du es ausstößt, zu erinnern, wenn du deinen nächsten wissenschaftlichen Vortrag hältst. Du wirst wieder schreien und irgendwann wirst du aufhören zu bluten. Du wirst dich nie mit der Kategorie Frau abfinden. Aufgeben wirst du sie auch nicht. Erste Sätze. Ich erzähle dir, wie ich dich geboren habe, sagt meine Mutter. Meine Geburt setzte ein mitten in der Nacht, einen Monat zu früh, mit einem Plopp und dicken Tropfen von Fruchtwasser, die eine Spur in unserer Wohnung hinterließen, sagt sie. Sie sah in den meisten Dingen, die sie tut, eher schnell, sagt meine Mutter, außer beim Schreiben und Denken. Dafür nimmt sie sich Zeit. Für eine Schwangerschaft braucht sie circa achteinhalb Monate und für eine Geburt drei Stunden. Die Rettung brachte meine Mutter ins Krankenhaus, wo sie auf das Einsetzen der Wehen wartete. In einem Zimmer mit anderen Frauen, die einander ihre Schwangerschafts- und Geburtsgeschichten erzählten und Mut zusprachen. Denn eine kämpfte gerade ums Überleben ihrer viel zu früh geborenen Zwillinge. Meine Mutter übergab sich in einen Mistkübel. Eine Krankenschwester stellte fest, dass meine Herztöne nicht gut waren und meine Mutter erhöhte Temperatur hatte. Meine Geburt musste medikamentös eingeleitet werden. So ein Arzt, der meine tropfende Mutter im Beisein einer Traube von Medizinstudierenden untersuchte. Das war ihr etwas unangenehm, sagt sie. Als meine Mutter in den Kreißsaal geschoben wurde, bat ein Hausmeister darum, noch schnell die Vorhänge zu wechseln, weil der Kreißsaal ja nie frei sei. Während er auf seine Leiter stieg und sich an den Vorhängen zu schaffen machte, wartete meine Mutter auf das Einsetzen der Wehen und unterschrieb ein Formular über Kreuzstich und Kaiserschnitt und mögliche Komplikationen, an das sie sich nicht mehr genau erinnern kann. Sie hing am Wehentropf und allerlei anderen Geräten und konnte sich nur wenig bewegen. Und mögliche Komplikationen, an das sie sich nicht mehr genau erinnern kann. Sie hing am Wehentropf und allerlei anderen Geräten und konnte sich nur wenig bewegen. Oh nein, hier soll ich im Liegen gebären, dachte sie. Die Wehen kamen nur zögerlich und die Hebamme stellte meiner Mutter verschiedene Schmerzmittel und Interventionen vor. Meine Mutter blendete all das aus, sagt sie, und konzentrierte sich auf das Wesentliche, mich zu gebären. Die Dosis des Wehenmittels wurde regelmäßig erhöht. Die Wehen wurden heftiger und heftiger und kamen pausenlos. Meine Mutter fluchte. Der Schmerz war schwer auszuhalten, sagt sie. Eine Ärztin zeigte sich zufrieden mit dem Geburtsfortschritt und half nach, indem sie den Muttermund mit ihren Fingern dehnte. Da schrie meine Mutter laut auf und dachte, sie müsse sterben vor Schmerz. Später wiederholte die Ärztin das noch einmal. Irgendwann bekam meine Mutter Opiate und übergab sich ein weiteres Mal, glaubt sie. Als die Presswehen kamen, sprang meine Mutter gegen den Widerstand der Hebamme auf und presste mich in wenigen Stößen und vermutlich mit viel Blut und Schleim im Hocken hinaus. Meine Geburt sei ein Höllenritt gewesen, sagt meine Mutter. Sauschlachten käme in den Sinn. Ob das die Erzählung sei, die sie mir mitgeben wolle, fragt eine Freundin sie. Meine Mutter erzählt also weiter, dass wir nach nicht einmal drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurden, weil auch ich mich auf das Wesentliche konzentrierte. Zunehmen. Als eine Krankenschwester mich wiegen wollte, sagte meine Mutter, nein, sie trinkt gerade. Als eine Fotografin mich fotografieren wollte, sagte meine Mutter, nein, sie schläft gerade. Und das taten wir dann ein Jahr lang, sagt sie, in engster Verbundenheit. Ich meist irgendwo an meiner Mutter dran, auch wenn sie schrieb. Danach übernahm es vor allem mein Vater, für mich zu sorgen. Meine Mutter und ich kamen einander wieder näher, als ich mit acht Jahren, also ungefähr in dem Alter, in dem Simone de Beauvoir beschloss, Nonne zu werden, den Feminismus als höheres Prinzip entdeckte, das meinem Leben Sinn und Richtung geben könnte. Denken war der Wärmestrom meiner Mutter. Über Simone de Beauvoir und Bell Hooks schreibt sie. Vergleichen wir die ersten Sätze der Autobiografien dieser beiden Feministinnen, die Generationen von Feministinnen beeinflusst haben und weiter beeinflussen werden, so werden gleich hier, neben den offensichtlichen Unterschieden ihrer Lebensgeschichten, Kindheit einer weißen Tochter aus Gutem Hause in Paris der 1910er und 1920er Jahre bei Simone de Beauvoir, Kindheit einer schwarzen Tochter aus armen Verhältnissen im ländlichen Kentucky der 1950er und 1960er Jahre bei Bell Hooks weitere Unterschiede deutlich. Ich bin am 9. Januar 1908 um 4 Uhr morgens geboren und zwar in einem Zimmer mit weiß lackierten Möbeln, das nach dem Boulevard Raspe zu lag, lautet der erste Satz in Simone de Beauvoirs Memoiren. Mama has given me a kilt from her hope chest. It is one her mother's mother made, eröffnet Bell Hooks ihren autobiografischen Text. Ich als allererstes Wort in Beauvoirs Text. Meine Mutter bei Hooks. Kampf um den Subjektstatus, Durchsetzung eines Ichs hier. Verbundenheit mit anderen Frauen da Weiß lackierte Möbel, die eine aufgeräumte klinische Atmosphäre entstehen lassen hier Ein handgefertigter, über Generationen weitergereichter, vermutlich wärmender Kilt da Das Einschreiben in die kulturelle Metropole hier, das Einschreiben in eine weibliche, von Rassismus betroffene Genealogie da. Beide sind Intellektuelle, für die Schreiben eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt. Beiden ist die eigene Mutter ein ambivalenter Bezugspunkt des Denkens und Schreibens. Hooks bezeichnet ihre Mutter als die lauteste Stimme des Patriarchats in ihrem Kopf. Beauvoir schreibt in ihren Memoiren, wie ihre Mutter sie aufklärt, dass die Kinder schmerzlos aus der Darmöffnung kämen. Kein Wunder, dass ihr Geborenwerden am Beginn ihrer Memoiren ganz ohne Körper auskommt. Beide wurden selbst nicht Mutter, im herkömmlichen Verständnis des Begriffs. Killing the angel in the house was part of the occupation of the woman writer, schreibt Virginia Woolf, weil Schreiben auch heißt, Widerstand gegen Sorge bzw. Mütterlichkeitsanrufungen zu leisten. Muss eine Frau also Muttermord begehen, um schreiben zu können? We have to learn to mother ourselves, schreibt Arthur Lord, und richtet sich an schwarze Frauen, deren Mütter oft der Angel im Haus anderer waren. Aber wir können uns nicht selbst zur Welt bringen, schreibt meine Mutter. Ich und Simon und Belle und Virginia und Audrey und meine Freundinnen und viele andere, wir haben dich zur Welt gebracht, sagt meine Mutter. Und hier beginne ich. Mutterblicke oder Hommage an die PhilosophInnen Ich hopse die Stiege hinunter, es trifft mich der Blick der Mutter, schneidet in mein Fleisch, bohrt sich durch die Knochen in meine Eingeweide. Erstarren, zusammenziehen. Die Mutter mustert. Was ist das, das da flimmert? Abscheu, Ekel, Neid? Neid? Der Blick der Mutter schweift hin und her zwischen mir und meiner Freundin, gierig nach deren Schönheit, vergleicht, wägt ab, kommt zu einem Urteil, findet sich ab. Die Mutter träumt vom Reisen und verleiht selten das Haus. Dort sitzt sie im Garten und starrt ins Leere. Wunschvolles Unglück, randvoll mit Enttäuschung. Der Mutterblick kontrolliert, straft und warnt. Voller Sorgen, dahinter die Angst und die Scham. Beste Absichten und manchmal Liebe. Der Blick weist mir einen Platz zu in der Welt, kann sich aber nicht entscheiden. Und nun sehe ich sie an, meine Tochter. Da liegt sie, ganz ruhig in ihrer Wiege und schläft. Geworfen in die Welt, von mir geboren. Neubeging und Fortsetzung zugleich. Freiheit und Unfreiheit. Sie weiß noch gar nichts von ihrem Schicksal, von ihrem Körper und der Bedeutung, die er haben wird. Sie weiß nichts, sie ist nur da, ist Körper und Lüste und Unlüste. Sein und sonst nichts, zufrieden wie ein Tier. Sein und sonst nichts, zufrieden wie ein Tier. Sie streckt sich kurz, dreht den Kopf und schläft dann doch weiter. Jetzt öffnet sie ein Auge und sieht mich an, als wolle sie sich schützen vom Blick der Mutter. Noch, noch ist sie ein Baby, kein Mädchen, noch nicht und vielleicht nie. Aber der Diskurs beginnt schon seine Fäden zu spinnen, hüllt das Baby ein, dicht und immer dichter, webt einen Text, der alles Mögliche zu sagen weiß über das Mädchen, zu einer weltumspannenden Wahrheit. Ich greife einen Faden auf und ziehe daran, ziehe immer fester, reiße Löcher ins Gewebe, reiche den Faden zum Spiel. In der Nacht weckt mich das Jammern einer Katze. Es ist das Baby, das weint. Ich wende mich ihm zu, versuche es zu beruhigen. Seine Schreie werden lauter und kräftiger. Es windet sich und wird ganz steif. Die Haut zunächst rötlich, dann blau. Das Brüllen immer tiefer. Da, wo eben noch ein sanfter Pflaumen zu sehen war, wächst nun ein dickes Fell. der Flaum zu sehen war, wächst nun ein dickes Fell. Die zu Fäusten geballten Hände verwandeln sich in riesige Klauen. Mit funkelnden rot-gelben Augen sieht mich das Monster an, macht einen Satz aus dem Gitterbett, reißt sein Maul weit auf, sodass seine scharfen Zähne zu sehen sind und verschlingt gierig die gesammelte Geschichte der Philosophie, die auf meinem Bücherregal steht. Mich aber lässt es leben. klingt gierig die gesammelte Geschichte der Philosophie, die auf meinem Bücherregal steht. Mich aber lässt es leben. Applaus Applaus Applaus Nochmal herzlichen Dank für den tollen Text und nochmal Gratulation dieses Wettlesen gewonnen zu haben. Danke auch nochmal an die Jury. Ihr Wort großartig. Steht außer Frage, ich weiß. Applaus Applaus Applaus Steht außer Frage, ich weiß. Und natürlich auch ein herzliches Dankeschön an das Publikum. Danke, dass ihr heute da wart. Danke, dass ihr gekommen seid. Gerade zu solchen Veranstaltungen, wo es um feministische Literatur geht, sollten wir uns einfach viel öfter treffen. Stichwort Treffen morgen ist schon wieder die nächste Veranstaltung. Female Positions ist fleißig. Morgen wird um 18 Uhr das Buch präsentiert, Mother of Pearls. Maria Stadelober hat Gedichte geschrieben und die wunderbare Künstlerin Melanie Ludwig, sie ist noch immer bei uns, hat die Zeichnungen dazu gemacht. Also herzliche Einladung, morgen um 18 Uhr im Salzamt. Bleiben Sie gerne noch ein bisschen da, wir haben draußen noch Kuchen. Es gibt auch noch Bücher von Female Positions vom Verein zu kaufen. Und ich wünsche Ihnen nur einen schönen Abend. Herzlichen Dank.