Herzlich willkommen im Namen vom Depot. Ich freue mich sehr, dass so viele heute zu uns ins Depot gefunden haben. Ich darf, bevor ich gleich übergebe, noch kurz ein paar Hinweise sagen. Also erstens auch herzlich willkommen im Livestream für alle, die zuschauen und auf Radio Orange und auf DorfTV. Und falls Sie oder ihr nicht zu hören sein wollt, also zu sehen ist sowieso niemand vom Publikum, aber falls Sie auch nicht zu hören sein wollen, dann bitte, wenn Fragen sind und ich das Mikrofon überreiche, einfach das Mikrofon ablehnen, dann hört man es nur im Raum. der Initiative Minderheiten recht herzlich bedanken für die mittlerweile langjährige Kooperation. Sehr fruchtbar und immer schön, wenn ihr da seid. Da freuen wir uns immer. Und genau, dann darf ich noch auf das Programm hinweisen. Wir haben das hinten aufliegen und da gibt es, wir haben jetzt bis Dezember noch einige Diskussionen auch zum Thema Demokratie zum Beispiel und auch zu Rechtsextremismus. Also wir freuen uns, wenn das nicht das letzte Mal ist, dass wir uns in dieser Runde sehen. Genau, jetzt darf ich übergeben an Cornelia Kogoy von der Initiative Minderheiten und ich freue mich auf einen spannenden Abend. mich auf einen spannenden Abend. Ja, auch von mir herzlich willkommen im Namen der Initiative Minderheiten zu unserem Symposium, die manipulierte Öffentlichkeit, Netzradikalismus als Bedrohung für Demokratie und Minderheiten. Darf Sie auch oder euch sehr herzlich begrüßen. Die Zahlen, mit denen wir uns heute beschäftigen, sind beunruhigend. Mehr als zwei Drittel der im Jahr 2024 von der Antisemitismus-Meldestelle der israelitischen Kultusgemeinde dokumentierten Vorfälle ereigneten sich auf Social Media. Der aktuelle Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands zeigt zudem, dass im selben Jahr rund ein Viertel der nach dem Verbotsgesetz rechtsextremistischen Delikte im Internet begangen wurde. Und diese Liste, kann man sich vorstellen, ließe sich noch lange fortsetzen. rechtsextreme Frauen und queerfeindliche Inhalte im Netz mit einer so enormen Geschwindigkeit verbreiten und dadurch den Hass und die Gewaltbereitschaft gegen Minderheiten verstärken. Wir haben uns gefragt, was denn dabei genau passiert. Also welche Rolle spielen zum Beispiel Algorithmen, Filterblasen und Echokammern, welcher Zusammenhang besteht zwischen Online-Hass und realer Gewalt und welche Verantwortung tragen auch die klassischen Medien und ihre sozialen Social Media Auftritte. Zentral sind bei uns dabei natürlich auch jetzt bei diesem Symposium die Erfahrungen und Perspektiven von Minderheitenangehörigen, die selbst von digitalem Hass betroffen sind. Und natürlich stellt sich die wahrscheinlich schwierigste Frage, was können wir dagegen tun? was können wir dagegen tun. Also ist Medienkompetenz zum Beispiel, das ist ein Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig fällt, ein Teil der Lösung oder eben andere, das werden wir jetzt alles hören. Und morgen dann zum Abschluss, also das dritte Panel, da möchten wir dann auch vielleicht noch einen positiven Blick wagen und Best-Practice-Beispiele aus der Zivilgesellschaft und aus der Erwachsenenbildung diskutieren bzw. vorstellen. Ja, und dazu haben wir großartige Expertinnen eingeladen. Wir sind uns sicher, dass sich einige Antworten, also dass sie uns auch einige Antworten darauf geben werden oder uns zumindest helfen, die richtigen Fragen vielleicht klarer und präziser zu stellen. Bevor wir aber beginnen mit der ersten Keynote oder mit der Keynote, möchte ich mich sehr, sehr herzlich bei allen bedanken, die maßgeblich an der Umsetzung dieses Symposiums beteiligt sind. Allen voran das Team vom Depot. Also auch für uns ist es immer toll, mit euch zu arbeiten und mit euch zu kooperieren und hier zu sein. Danke an Eva Brückner, an Sarah van Dordrecht, an Iona Moro, wir haben es gerade gehört oder gesehen, und Meto Najewski und dann danke an unsere FördergeberInnen, an die Abteilung Erwachsenenbildung im BMFF, im Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung und wir freuen uns sehr, dass Palina Sochal vom BMFF heute hier ist und ja, danke auch an die ÖGBB, die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung. Danke an meine Kolleginnen Sabine Schweighofer und Ebo Usun. Und auch schon jetzt ein großes Dankeschön voraus an alle TeilnehmerInnen, an unsere ModeratorInnen, die nicht nur moderieren werden, sondern auch an der Konzeption praktisch mitgearbeitet und viele Inputs gegeben haben. Gerd Falchers, Stefan Vater und Jessica Bär und zusätzlich auch danke an Hakan Gürses, der zwar nicht moderiert, aber trotzdem dabei war. Ja, und mein letztes Dankeschön, beziehungsweise mein ganz, ganz, ganz besonderes Dankeschön für die inhaltliche Konzeption, für die Ideen, für die Recherchen. Kurz eigentlich die Mastermind hinter dieser Veranstaltung, Gamze Ongan. Danke. Danke. Sie ist ganz druckfrisch jetzt geliefert worden. Sie liegt hinten auf. Bitte gerne mitnehmen und wir freuen uns natürlich auch über jedes Abo und auch über Spenden. die ja nie zufrieden sind, die wir anlässlich des 50. Jubiläums des Volksgruppengesetzes, also zufrieden, es bezieht sich auf die Volksgruppen, die immer wieder fordern, anlässlich des 50. Jubiläums des Volksgruppengesetzes am 27. Oktober im Haus der Geschichte veranstalten. Das Programm findet sich auch hinten, auch auf der Website und ja, alle herzlich eingeladen und ich wünsche euch, Ihnen jetzt auch ein spannendes oder uns auch ein spannendes Symposium und darf nun Beate Hausbichler bitten für die Keynote und ich stelle sie auch noch kurz vor. Ich stelle sie auch noch kurz vor. Beate Hausbichler ist seit 2008 Redakteurin bei der Standard und leitet seit 2014 dessen gesch politischen Bewegung ein profitables Label wurde. Und 2023 gab sie gemeinsam mit Nora Mann das Buch heraus, gerade gerückt, vorverurteilt, skandalisiert, verleumdet, wie die Biografien prominenter Frauen verzerrt werden. Ja, wir freuen uns auf die Keynote. Vielen, vielen herzlichen Dank. Dankeschön. Ja, vielen Dank, dass ich da sein darf. Wenn ich vorgestellt werde, dann fällt mir immer auf, dass meine Buchtitel zu lang sind. Irgendwie sollte ich was ändern. Ja, meine Keynote ist auch in der aktuellen Ausgabe der Stimme nachzulesen. Und ich werde ein paar große Themen ansprechen, über die wir hoffentlich im Anschluss dann noch ein bisschen weiter in die Tiefe gehen können. Ich spreche grob zusammengefasst über das Geschäft mit der Wut. Grob zusammengefasst über das Geschäft mit der Wut. Obwohl der Kampf um Aufmerksamkeit noch nie so hart war wie heute, gibt es erstaunlich wenig Antworten auf die Frage, wie wir mit diesem Kampf eigentlich umgehen sollen. Was dieser Kampf mit Frauenrechten, Minderheitenrechten, mit politischen Debatten eigentlich macht. Und welche Rolle wir selbst darin spielen? Ob wir es uns überhaupt leisten können, nicht mitzuspielen? Und was wir tun können, wir Medienleute, wir Leserinnen, Aktivistinnen oder einfach als Menschen, die verstehen wollen, was gerade passiert, was wir anders machen könnten, verstehen wollen, was gerade passiert, was wir anders machen könnten, um diesen Kampf um Aufmerksamkeit nicht noch weiter anzufeuern, anzutreiben. Denn unübersichtlicher und chaotischer ist nicht nur die politische Lage geworden. Auch die Kommunikation darüber findet heute in mehr und immer unterschiedlicheren medialen Räumen statt. In klassischen Medien, auf Social Media, Newsletter, Podcasts, Videos, Chats, Kommentarspalten und so weiter. Wir leben in einer Zeit mit schier unendlich vielen Inhalten und unserer begrenzten Möglichkeit, diesen Inhalten Aufmerksamkeit zu schenken. Dass der Kampf um Aufmerksamkeit also größer ist denn je, liegt auf der Hand. als der Stadtplaner, Softwareentwickler und eben Autor Georg Frank in seinem Buch Ökonomie der Aufmerksamkeit schrieb, das 1998 erschienen ist, dass Information im Überfluss existiert. Also hat es schon vor so vielen Jahren moniert und das hingegen eben unsere Aufmerksamkeit begrenzt ist. Und dass aus diesen Gründen, aus Aufmerksamkeit eine zentrale Währung wird, die Währung unserer Zeit. Dadurch entsteht eine Art mentaler Kapitalismus, in dem Wissen, Ideen und die Aufmerksamkeit dafür eine soziale als auch eine wirtschaftliche Bedeutung erhalten. als auch eine wirtschaftliche Bedeutung erhalten. Die errungene Aufmerksamkeit bringt soziales Ansehen, Reputation und Glaubwürdigkeit, was wiederum monetarisiert werden kann. Wir kennen dieses Bild, das Frank hier beschreibt, in erster Linie einmal von klassischen Medien, also Zeitungen, diversen Nachrichten und Magazinformaten. Für diese klassischen Medien ist das aber die Vergangenheit. Sie hatten mal ganz für sich allein die Rolle, Informationen zu sammeln, zu gewichten, zu prüfen und diese Arbeit unter anderem durch Anzeigen und Werbungen zu finanzieren. Inzwischen fließen die Werbeeinnahmen bekanntlich weg von klassischen Medien hin zu Tech-Unternehmen wie Meta, Amazon, Google. Die schier unendliche Information oder anders erst mal nur Inhalte liefern. Also gehen wir zurück einen Schritt von Information und hin zu nur Inhalte. Inhalte oder Content ist ein Begriff, also Content ist ein Content einer, der in klassischen Medien einfach nicht vorgekommen ist. Heute ist Content als Begriff auch in den klassischen Medien ein sehr relevanter Begriff. Content bedeutet sowohl eine aufwendige Investigativrecherche, die mit ein paar Kacheln auf Instagram beworben wird. Gleich darunter kommt gleich ein Meme vom norwegischen Fußballstar Erling Haaland. Die Deadline für diesen Text war zur Fußball-WM. Und ich habe in einer Tour Haaland-Memes angezeigt bekommen. Ich weiß nicht, warum. Aber das ist eben so auffällig an diesen Feeds, die wir haben. Wir haben Content und sie sind einfach alle komplett nivelliert. Wir haben Recherchen, die Wochen, Monate gedauert haben, abwechselnd mit Dingen, die unterhaltsam sind, die lustig sind, die falsch sind und so weiter. Alles in einem Zug. und so weiter. Alles in einem Zug. Wir nehmen in unseren Feeds auf Social Media oder in Kurznachrichtendiensten alles schier gleichzeitig und innerhalb von wenigen Sekunden wahr. Ohne Abstufung, ob es wichtig oder weniger wichtig ist. Content in Massen. Der Content stammt von uns selbst, von Medien, von Aktivistinnennen, von Unternehmen oder politischen Akteuren. Alle landen in ein und demselben Feed. Doch genau darin lag zunächst auch eines eigentlich der großen Versprechen der sozialen Medien, nämlich Demokratisierung. Plötzlich konnten nicht mehr nur Redaktionen, Verlage oder Rundfunkanstalten bestimmen, welche Themen Öffentlichkeit bekommt, sondern jeder und jede kann Inhalte produzieren, veröffentlichen und damit potenziell ein großes Publikum erreichen. Redaktionen agieren nicht mehr allein als Gatekeeper und Sortierer der öffentlichen Debatten. Und das klingt erstmal gut. Bis heute sind Leitungspositionen in Medienhäusern auch in Österreich oder vor allem in Österreich von Männern dominiert, weiß, heterosexuell und mit ähnlichen sozioökonomischen Hintergrund. Minderheiten und Frauenrechte waren und sind selten auf dem Radar dieser Journalisten. Im Laufe der 2010er Jahre, und das ist genau diese Zeit des Aufstiegs der sozialen Medien, zeigte sich, wie sehr Themen in Redaktionen ignoriert werden, obwohl sie unzählige Menschen tagtäglich betreffen. Wie sie aber trotzdem auf politischer und menschenrechtlicher Ebene medial völlig unterrepräsentiert sind. Dass das anders werden würde, das hat MeToo gezeigt. Das ist wohl das bekannteste Beispiel, wie eine Masse oder eine Riesensumme von Einzelbeispielen ein Thema den klassischen Medien aufgedrängt wurde. Oder auch die Bewegung Black Lives Matter wäre ohne digitale Kanäle nicht in dieser Dimension möglich gewesen. Klassische Medien konnten hier lediglich nachziehen. Sie waren in diesen Fällen nicht diejenigen, die das Ausmaß von in dem Fall sexueller Belästigung oder von rassistischer Gewalt aufdeckten. Es brauchte vielmehr unzählige Einzelerzählungen, um glaubhaft zu machen, hier gibt es tatsächlich ein Problem und es betrifft sehr, sehr viele. Doch diese durchaus positive Entwicklung oder diese positiven Beispiele in Sachen Aufmerksamkeit, Ökonomie aus der jüngeren Vergangenheit werden zunehmend von anderen Entwicklungen überlagert. Das Erstarken von Hasskampagnen gegen Minderheiten und die digitale Gewalt gegen Frauen, wie sie etwa im Fall der prominenten Moderatorin und Schauspielerin vor ein paar Monaten, die Colleen Fernanders sehr deutlich wurde. Das zeigt, wie weit die Realität inzwischen von dieser Demokratisierungshoffnung und von einer diverseren Repräsentation, wie weit sich diese Realität oder diese Vorstellung oder dieser Wunsch aufgelöst hat. Vor diesem Hintergrund klingt es zunehmend merkwürdig und irgendwie seltsam, soziale Medien noch immer als Instrumente der Demokratisierung zu beschreiben. Denn längst stellt sich nicht mehr nur die Frage, wer Zugang zur öffentlichen Kommunikation hat oder zu öffentlichen Debatten, sondern auch, welche Inhalte Aufmerksamkeit bekommen und wer über die Regeln dieses digitalen Raums entscheidet. Gerade angesichts der ideologischen und politischen Ausrichtung der großen Plattformbetreiber bekommt diese Frage eine neue Dringlichkeit. Mark Zuckerberg sprach sich etwa für mehr maskuline Energie in Unternehmen aus und fuhr Maßnahmen gegen Hassrede bei Meta stark zurück. Elon Musk hat X zu einer Plattform gemacht, auf der rechtsextreme und menschenfeindliche Inhalte besonders sichtbar sind. Männer wie sie gestalten die Architektur sozialer Medien und die Möglichkeit von Diskursen. Und innerhalb dieser Bedingungen konkurrieren wir alle um Aufmerksamkeit, um die größtmögliche Aufmerksamkeit für das, was wir zu sagen, zu zeigen oder zu verkaufen haben. Und das längst nicht mehr nur als Medienunternehmer, Unternehmerinnen. Wir konkurrieren nicht nur als Journalistinnen, Autoren, Menschenrechtsaktivisten, als Linke oder Rechte, als interessierte Bürger mit einer Meinung, sondern wir konkurrieren auch immer sehr stark als wir selbst. Denn in diesem Kampf um Aufmerksamkeit reicht es längst nicht mehr, einfach etwas zu sagen zu haben. Wir müssen uns selbst, unsere Persönlichkeit, unser Engagement, unsere Haltung sichtbar machen und diese Haltung auch möglichst gut zuspitzen, uns präsentieren und immer wieder Neues liefern. Gleichzeitig muss all das einen roten Faden aufweisen, eine kohärente Erzählung über uns selbst oder unseren Social Media Auftritt, der eben auch immer wir selbst ist. Das schreibt die Journalistin und Essaystin Gia Tolentino in dem wirklich großartigen Buch Trick Mirror über das inszenierte Selbst. über das inszenierte Selbst. Wir sind also unter einem permanenten Druck zur Selbstinszenierung und geben bereitwillig immer mehr von uns preis, um im Strom der Inhalte nicht unterzugehen. Wir spielen diesen Kampf um Aufmerksamkeit mit. Nicht unbedingt, weil wir ihn wollen, sondern weil die Alternative offenbar ziemlich erschreckend ist. Unsichtbarkeit. Das könnte zumindest eine Teilantwort auf die Frage sein, warum digitale Diskurse so schnell derart emotional werden. Warum innerhalb kürzester Zeit so große Begeisterung entsteht, aber auch so starke Ablehnung und heftige Reaktionen auf das eine wie das andere. Weil das, was wir als Content in die Welt geben, und sei es nur eine politische Position, immer auch ein Teil von uns selbst ist. Wer öffentlich Stellung bezieht, macht damit nicht nur eine Meinung sichtbar, sondern auch ein Stück der eigenen Identität. Das Persönliche, das Private ist somit eine enorm wichtige Zutat, um Gehör zu finden. Digitale Räume fordern Sie auch ein, wer darin sichtbar sein will. Wobei, so genau wissen wir das ja nicht, was Sie einfordern, diese Algorithmus, die Sichtbarkeit garantieren. Immer wieder beobachte ich auf Instagram Menschen, die schreiben, ach, ich muss jetzt wieder mal ein Selfie posten, es wäre wegen dem Algorithmus. Dabei wissen wir wenig darüber oder eigentlich fast gar nichts darüber, was uns als Personen in die vorderste Reihe katapultiert. Es ist in jedem Fall sehr wichtig, sich vor Augen zu führen, was es für den politischen Diskurs bedeutet, dass inzwischen fast alle mit denselben Mitteln um Aufmerksamkeit konkurrieren. alle mit denselben Mitteln um Aufmerksamkeit konkurrieren. Der Kampf um Aufmerksamkeit bietet somit einen Resonanzraum, in dem bestehende Ängste und gesellschaftliche Spannungen aufgegriffen, verstärkt und verbreitet werden. Reaktionäre, rechte, rassistische und antifeministische Akteure knüpfen hier ganz gezielt an und gesellschaftliche Gruppen werden gegeneinander in Stellung gebracht. Oder es werden angebliche Kämpfe entfacht, die es so konkret eigentlich gar nicht gibt, nie gegeben hat. Es wird Stimmung gegen Äußerungen oder vermeintliche Verhaltensweisen von bestimmten Gruppen gemacht. Und wir wissen oft gar nicht, wer da Stellung wofür bezieht. Als zentrales Feindbild wurden in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich die Woken erschaffen. Der Kampf gegen Wokeness ist weniger eine Reaktion auf ein klar umrissenes politisches angebliches Problem. Es ist ein strategisch eingesetzter, diffuser Begriff, der Feindbildpolitik ermöglicht. Ein Begriff, der es rechten und konservativen Akteuren ermöglicht, sehr unterschiedliche gesellschaftliche Ängste zu bündeln und für sich selbst zu mobilisieren und politisch einzusetzen. Wokeness wurde in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt auch durch den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump, zu einem politischen Kampfbegriff. Stay woke bezog sich mal auf eine gebotene Wachsamkeit gegenüber Rassismus. In den vergangenen Jahren wurde Vogue aber als reflexhaftes, übertriebenes Schutzbedürfnis für Minderheiten und Frauenrechte oder für die Anliegen für Klimaschutz oder Menschenrechte umgedeutet. Doch gerade in seiner Unschärfe wurde der Begriff politisch wirksam. Es wurden immer öfter Anti-Wokeness-Kräfte gefordert, die den überbordenden Forderungen, den ständigen Shitstorms oder der angeblichen Cancel Culture von Feministinnen, Klimaaktivisten oder Menschenrechtsaktivistinnen etwas entgegenhalten. Rechtsaktivistinnen etwas entgegenhalten. Es wurde immer wieder suggeriert, dass wir kurz davor werden, dass Minderheitenrechte die Mehrheitsgesellschaft überrollen. Anti-Walkness muss nicht genau benennen, was eigentlich bekämpft wird. Und dadurch können sich unterschiedliche Gruppen darin wiederfinden, von konservativen Milieus bis hin zu weit rechtsstehenden Akteuren. Es werden unmittelbare Bedrohungen konstruiert. Sehr deutlich zeigte sich in den letzten Jahren, dass bei dem Thema Transrechte eine sehr kleine, aber stark diskriminierte Bevölkerungsgruppe, die immer im Zuge dieses Wagnis-Diskurses oder Anti-Wagnis-Diskurses als sehr mächtige und aggressive gesellschaftliche Gruppe und Bedrohung dargestellt wurde. So entsteht ein politischer Gegner, das wurde beispielhaft gezeigt, der in dieser überzeichneten Form gar nicht existiert. gar nicht existiert. Die besondere Wirksamkeit solcher Strategien entsteht dadurch, dass er auch die politische Mitte anspricht. Die Botschaft lautet sinngemäß, man muss nicht rechts oder extrem sein, man kann einfach gegen die angeblichen Übertreibungen der Woken sein. Dadurch können selbst radikale politische Positionen als vermeintliche Gegenreaktion, als Selbstverteidigung erscheinen. Und es gibt leider sehr, sehr wenige Analysen, Social-Media-Analysen, die zeigen, wo Debatten überhaupt herkommen und wie groß sie eigentlich sind. Und die New York Times hat das im Sommer vor einem Jahr bei einem Jeans-Spot gemacht und das war eben sehr gewinnbringend und dieses Beispiel möchte ich kurz erzählen. Und zwar, es war ein Jeans-Spot mit der US-amerikanischen Schauspielerin Sydney Sweeney. Es war im Sommer 2025 und es war weltweit, also in allen Medien, war von einer wahnsinnigen Aufregung, was diesen TV-Spot anbelangt, zu lesen. anbelangt, zu lesen. Der Spot zeigte eine junge Frau, also Sydney Sweeney, und eben der Slogan war ein Wortspiel von Jeans und Jeans, also Genen auf Englisch. Sweeney ist in dem Spot eben, sie ist blauäugig, sie ist blond und sie spielt in diesem TV-Spot mit dem ähnlichen Klang, also mit der Homophonie von Jeans und Jean. Sie sagt eben, ich habe großartige Jeans und schaut irgendwie verschwörerisch in die Kamera. Und es wird ganz bewusst damit gespielt, was kritikwürdig ist. Der Punkt ist aber daran, dass sich eigentlich niemand besonders aufgeregt hat, wie aber berichtet wurde. Es war letztendlich so, dass sich gezeigt hat, dass sehr rechtsstehende und reichweitenstarke Accounts erst eine angebliche woke Empörung inszeniert haben. Es gab schon Posts zu dieser Kampagne, aber es war absolut nicht dieses Ausmaß, das behauptet wurde. Aber das waren eben nur zwei und das waren Posts, die eher sehr belustigend oder amüsiert oder sarkastisch über diese Kampagne geschrieben haben. Der eine Post, der hat so gelautet, sie hat gute Jeans, so wie sie gute Gene hat. Haha, wie bei den Nazis. Dieser Post, der hat tatsächlich fünf Millionen Aufrufe bekommen. Dieser Post, der hat tatsächlich 5 Millionen Aufrufe bekommen. Und dann gab es auf TikTok noch einen ähnlichen Nazi-Vergleich, ähnlich sarkastisch in der Tonalität, ganz so wie der erste Post. Und der hat 3,5 Millionen Aufrufe. Also es waren eigentlich zwei Posts, die relativ schnell viele Millionen Aufrufe hatten. Aber das war es. relativ schnell viele Millionen Aufrufe hatten, aber das war es. Die New York Times hat eben geschaut, wie viel Aufmerksamkeit die ganzen anderen Posts zu diesem Thema bekommen haben, aus eher links stehenden Provenienz offensichtlich. Und das waren so, glaube ich, drei Viertel Posts, die nicht mehr als 500 Mal gesehen wurden, was sehr, sehr wenig ist. Was ist dann passiert? Das Thema wurde trotzdem richtig groß. Und zwar an dem Moment, wo der sehr, sehr reichweitenstarke republikanische Senator Ted Cruz, das in seinem Podcast aufgegriffen hat und gesagt hat, die verrückte Linke, jetzt greift sie auch noch schöne Frauen an. Also die inhaltliche Kritik ist wieder eine andere Ebene, die ist natürlich kaum nachvollziehbar, aber die Argumentationslinie sieht man ganz schön. Eben die verrückte Linke regt sich wieder über irgendetwas auf. Dabei geht es ja nur um eine schöne Frau. Und dann ist diese Sache richtig groß geworden. Also nachdem Ted Cruz das aufgegriffen hat, sind diverse Medien aufgesprungen. Und die Schlagzeile war sinngemäß, alle regen sich wegen diesem Spot auf, was de facto nicht so war. Ähnliche Dynamiken zeigen sich auch bei Debatten zur Diskriminierung von Transpersonen. Da habe ich selbst bei Artikeln von mir beobachten können, dass sich plötzlich in einer Tonalität sehr aggressive Rückmeldungen ergeben haben, vor allem auf Social Media, die von vermeintgt habe, dann hat sich gezeigt, das sind Accounts, die gleichzeitig sehr rechte Positionen vertreten, die auch manchmal radikale Tierrechtspositionen vertreten. Also dass es ein wildes Gemisch an Positionen ist, wo einfach nicht glaubwürdig ist, dass diese Person jetzt tatsächlich inhaltliche Kritik an mir übt. inhaltliche Kritik an mir übt. Also wenn man da irgendwie, das kann man händisch natürlich nur hin und wieder machen, aber das ist auch so ein Themenbereich und eine Gruppe, wo sich ganz klar zeigt, da gibt es diese Empörung eigentlich gar nicht so von den Betroffenen selbst, sondern sie wird einfach behauptet. Und diese Beispiele, also sowohl diese Trans-Thematik als auch dieses vorige Beispiel von diesem Sydney-Sweeney-Spot, das zeigt schon auch, ich habe vorhin gesagt, dass das eine Nachricht oder ein Beitrag in vielen verschiedenen Medien war. Das heißt auch, dass eben klassische Medien nicht davor zurückscheuen, möglichst aggressive und fragwürdige Äußerungen aus den sozialen Medien herauszugreifen und Stellverträge für eine gesamte Bewegung darstellt. Aus einzelnen Positionen wird dann ein vermeintlicher Beleg für die Absurdität des gesamten Anliegens. Die Anti-Rassismus-Aktivistinnen spinnen, die LGBTIQ-Aktivistinnen sowieso. Wir haben es also einerseits mit einer gezielten Verzerrung politischer Debatten zu tun und andererseits haben wir die Situation, dass Content einzig zu dem Zweck produziert wird, Feindbilder zu schaffen. Und das immer öfter gar nicht mehr vorrangig aus einer bestimmten Überzeugung, einer extremen Ideologie heraus, sondern in erster Linie, um Geld zu verdienen. Das zeigt aktuell auch die Menosphier. Dieser Begriff, also die Menosphier, ist bereits bekannt und beschreibt die digitalen Netzwerke antifeministischer Akteure. In den vergangenen Jahren verwendeten Fachleute jedoch vermehrt den Begriff Neomanusphäre. Damit ist gemeint, dass sich der Fokus von der reinen Vermittlung antifeministischer Ideologie hin zu Antifeminismus als Content verschoben hat. In der Neomanusphäre ist die Monetarisierung ein zentraler Aspekt. Und dafür gibt es mehrere Ursachen. Zum einen haben sich die sozialen Medien sehr stark verändert in den letzten 10, 15 Jahren. in Blogs, in Foren oder in Facebook-Gruppen ab. Und heute wird antifeministische Ideologie vor allem auf Plattformen wie Twitch, Podcast, TikTok und YouTube verbreitet, besonders über Livestreams. Und das Ziel ist eben, große, also sehr viel Frauen, große Mengen zu produzieren, sehr viel frauenfeindlichen Content zu produzieren, der einfach herzustellen und zu konsumieren ist. Das ist das sogenannte Slop-Content. Das sind eben Inhalte, die sich leicht und schnell verbreiten lassen und wo sich auch relativ schnell Geld damit verdienen lässt. Ein Vorreiter war eben Andrew Tate und in dessen Farbe Wasser sind eben viele weitere Akteure, die sich etablieren konnten und ähnliches Manusphirmaterial verbreiteten, wie eben Veronika Kracher in ihrem Buch Bitch Hunt analysiert. Also Kracher schreibt da wirklich eine sehr tiefgehende Analyse über diese Neomanusphir. Auch in der Verbreitung von Rechtsradikalismus zeigt sich inzwischen, wie sehr es nicht nur um den Gewinn von WählerInnen für Parteien, etwa der AfD, geht, sondern um einen Markt. In diesem Zusammenhang ist etwa das Format des deutschen Podcasters Benjamin Behrens sehr interessant. Darüber wurde im Sommer auch sehr viel berichtet. Er nennt sein Format unscripted, der dazugehörige Slogan lautet, der Meinungsfreiheit verpflichtet. Die KI-Zusammenfassung auf Google beschreibt die Interviews von Benjamin Berndt als rohe, unzensierte und ungeschnittene Tiefeninterviews. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Podcaster durch ein vierstündiges Interview des AfD-Politikers Björn Höcke bekannt. Vier Stunden hat das Interview gedauert. Interview ist eben ein bisschen eine verwirrende Bezeichnung, weil Bernd hat ihn einfach reden lassen. Also er fragt nicht nach, er ordnet nicht ein, er stellt nicht richtig. nicht nach, er ordnet nicht ein, er stellt nicht richtig. Und eben Google beschreibt es als rohe und unzensierte Zusammenfassung. Benjamin Berndt dürfte damit wirklich wahnsinnig viel Geld verdienen. Also Benjamin Berndt ist eine interessante Figur, der hat schon verschiedene Startups, verschiedene kleine Unternehmen gegründet, er hat eine Baby-Tragefirma gehabt, ich glaube, damit hat er weit nicht so viel Geld verdient, wie mit diesem Podcast jetzt, mit dem er einfach reich geworden ist. Also das zeigt auch ganz schön die Monetarisierung, also dieses Zurückziehen auf eine vermeintlich neutrale Position und so zu tun, er ist total allergisch dagegen, dass man ihn als Journalist bezeichnet, weil er eben sagt, dass die Leute selbst urteilen sollen und lädt dann eben Leute wie AfD-Politiker ein. Wir stehen derzeit schier ohnmächtig vor dieser Architektur, digitale Räume. Trotzdem agieren wir selbst in diesen Räumen, in die auch klassische Medien inzwischen vollends eingezogen sind. Wir dürfen aber eben nicht vergessen, unsere Handlungsmacht, also wenn man das alles so auflistet und erzählt, dann hat man das Gefühl, man kann nichts tun, außer sich zurückziehen, gar nichts mehr verwenden oder selbst aktivistisch digital aktiv zu sein, was verhältnismäßig zermürbend sein kann. wir müssen uns, finde ich, schon die Frage stellen, ob man wirklich zu allem was sagen muss, auch zu Themen, wo man sich nicht näher auskennt. Das klingt jetzt etwas nach Rückzug, was ja tatsächlich auch für Frauen in digitalen Räumen passiert. Das meine ich aber nicht so, sondern wirklich für ein überlegteres Handeln in digitalen Medien, was in politischen Debatten einfach dieses Spiel der Aggressivität, des Edgy-Seins, der Empörung, dass man einfach bewusst schaut, dass man das weniger mitspielt, weil es einfach der demokratischen Öffentlichkeit wahnsinnig schadet. Und offen gestanden ist es auch für uns Journalistinnen immer wieder schwierig, ist es auch für uns Journalistinnen immer wieder schwierig, sich diesen Dynamiken zuende inhaltliche Auseinandersetzung komplett unmöglich ist? Oder ist die andere Möglichkeit, man nimmt sich Zeit, um etwas zu veröffentlichen, wenn eigentlich schon längst die nächste Sautausdorf getrieben wird. Und dann kann man halt nur darauf hoffen, dass es ein paar Leserinnen gibt, die sich auch noch dafür interessieren, wenn etwas schon drei Tage her ist. Eher nicht, ist meine Erfahrung. Also es ist jeden Tag eine Entscheidung, die sich letztendlich offengestanden auch meistens falsch anfühlt. Nicht nur für mich persönlich, auch für klassische Medien generell, die tagtäglich gegen Leserinnen schwund und für ihre Relevanz kämpfen. Es ist also eine Suchbewegung für eine informierte demokratische Öffentlichkeit, die noch ziemlich am Anfang steht. Dankeschön. Vielen Dank. und mit mir aufs Podium bitten. Ich glaube, die haben sich zum Teil da hinten versteckt. Genau, kommt bitte hervor. Kleine Umbaupause. Das ist gut für das System. Ja. Fangen Sie schon an zu diskutieren. Also nochmal herzlich willkommen von meiner Seite an Sie und an das Podium hier. Jetzt gleich im Anschluss an die Keynote von Beate Hausbichler. Die erste von insgesamt drei Panel-Diskussionen. Die erste und einzige heute. Keine Sorge, wir machen da jetzt nicht bis 24 Uhr. Aber morgen geht es gleich weiter. Also auch ein Hinweis, wir werden nicht alles heute restlos diskutieren können, aber wir können dann einige der Fragen dann hoffentlich auch morgen in den beiden Panel diskutieren und besprechen. Das Thema hier ist sozusagen ein bisschen auch als eine Einstiegsrunde gedacht, heißt Desinformation, Algorithmen und KI. Da sind gleich auch ein paar Begriffe dabei, über die wir im Laufe der Diskussion sprechen werden. Und wir haben unterschiedliche Perspektiven hier am Panel vertreten. Stark ist die journalistische Perspektive vertreten, aber wir haben eben auch die wissenschaftliche Perspektive hier. Alle vier Diskutantinnen haben in ihrem beruflichen Alltag mit dem Phänomen Desinformation, Fact-Checking etc. zu tun und damit unterschiedliche Berührungspunkte. Grundpunkte. Grob, warum soll es in den nächsten nicht ganz eineinhalb Stunden gehen? Was verstehen wir überhaupt unter Desinformation? Vielleicht auch die Frage, weil die kommt zwischen den Zeilen immer wieder daher, was ist eigentlich neu daran? Ist was neu daran? Ein bisschen auch, aber ich würde das gerne klein halten, technische Aspekte, die dahinter stehen. Also im Titel ist schon das Schlagwort Algorithmus vorgekommen. Da müssen wir vielleicht kurz drüber reden auch. Oder die Begriffe Echokammer, Filterblase sind schon erwähnt worden. Einiges, was wir da besprechen müssen. Ich versuche das abzukürzen. Wo sind die Probleme und die Lösungen? Also alles das werden wir heute jetzt besprechen. Und deswegen fangen wir jetzt am besten gleich an und ich möchte mit dir, Eva Wackenreuther, beginnen. Ich werde euch alle drei, Beate Hausbichler ist ja schon vorgestellt worden, dann auch schrittweise vorstellen. Der Hausbücher ist ja schon vorgestellt worden, dann auch schrittweise vorstellen. Eva Wackenreuther ist Journalistin und Fact-Check-Expertin beim ORF. Dort seit 2024 in der Abteilung ORF de facto zuständig für die Überprüfung von Bildern, Videos und Informationen. Davor warst du schon in diesem Bereich tätig, nämlich bei der Nachrichtenagentur AFP und bei der Internationalen Nachrichtenagentur und davor auch schon, nämlich bei einem der ersten Fact-Check-Blogs in Österreich bei Fakt ist Fakt. in Österreich bei Fakt ist Fakt. Was macht deine Fakt-Checkerin? Was machst du da, wenn du am Königlberg jeden Tag rauf hast mit dem Bus? Was ist so dein tägliches Geschäft? Eigentlich ganz viele verschiedene Dinge. Es gibt jetzt nicht so den einen gleichen Ablauf, den jeden Tag habe, was aber eigentlich das Aufregende an dem Ganzen ist. Wir haben im Prinzip so drei große Aufgaben. Das ist einmal Medienkompetenz vermitteln, das heißt wir haben jeden Freitag einen Workshop, wo wir Schülerinnen und Schülern beibringen, wie Medien arbeiten, wie man Fakes erkennen kann. Wir machen das aber auch mit Lehrerinnen und auch mit den Journalistinnen im Haus, weil das ist ein Thema, wo jeder eigentlich ständig mitlernen muss. Auch ich denke mir die ganze Zeit, wenn ich so einen Workshop mache, oh je, die Folie von vor sechs Monaten kann ich eigentlich alle wieder in die Tonne treten. Das ist Punkt eins. Punkt zwei ist, wir berichten ganz viel über Desinformation und auch Missinformation. berichten ganz viel über Desinformation und auch Missinformation. Das heißt, wenn irgendwie das Thema aufkommt, wo eine falsche Information, eine Kampagne in irgendeiner Art und Weise relevant geworden ist, und zwar auch nur dann, also wir wollen jetzt nicht jeden berühmt machen, der irgendwie Blödsinn verbreitet hat, weil sonst könnte man nichts anderes mehr berichten, dann sind wir dafür zuständig. Und ich glaube, das Wichtigste und was die Leute auch am meisten interessiert, ist der dritte Bereich, das ist die Verifikation. Das heißt in dem Fall, auch die Journalistinnen und Journalisten im ORF haben regelmäßig Fragen, ist das Video echt, ist dieses Bild von diesem Ereignis oder alt, ist es irgendwie aus einem anderen Kontext, wer ist überhaupt die Quelle dafür und sei es für lapidare Fragen wie Urheberrechte klären und dann sind wir die Anlaufstelle, wo man hinschreiben kann und sagt, gibt es hier bitte eine kurze Einschätzung, ob wir dieses Video tatsächlich in der Zeit im Bild zeigen sollen oder ob das eine katastrophale Idee wäre, das zu zeigen. Und da sind wir dann zuständig, eine Einschätzung zu tätigen. Okay, jetzt hast du selbst in deiner, warte, ich bleibe noch bei dir, erwähnt, Dess- oder Missinformation, was ist da der Unterschied? Der Hauptunterschied ist die Intention. Also Missinformation ist wie ein Missgeschick, etwas, das versehentlich passiert und Desinformation ist wirklich mit der Absicht, jemanden zu täuschen, ist in der Praxis, also ich glaube, in deiner, ihrer Forschung ist es wirklich eine wichtige Unterscheidung. In der Praxis tun wir uns oft extrem schwer, da jetzt zu entscheiden, ob jemand das nicht weiß, das absichtlich ignoriert, weil es ja oft jetzt nicht irgendwie Donald Trump ist, wo man weiß, er ist schon mal darauf hingewiesen worden, sondern irgendwelche Privatpersonen, wo man das einfach schwer eruieren kann. Und wie groß ist eigentlich euer Team? Wir sind jetzt drei Personen. Okay. Eine Frage habe ich aber noch. Das Material, was du da jetzt dann täglich von den Kolleginnen und Kollegen bekommst, ist das eher international oder national? Und was sind dann tatsächlich, gibt es da bestimmte Muster, was sind die Intentionen, die Motive, die da dahinterstehen, wenn sie als Falschinformation aufgedeckt werden? Ganz unterschiedlich, aber ich würde sagen, so grob gibt es zwei Trends. Einmal ist es auf Themen aufzuspringen, die besonders emotionalisieren. Also alles, was irgendwie für Streit sorgt, das sind Themen, die auch im Desinformationsumfeld erfolgreich sind. Also da sind wir von Klimawandel bis Migration und Feminismus sind immer Hot Topics. Und das zweite wichtige Themenfeld wäre vielleicht alles, was Breaking News ist. Also die falsche Information setzt oft gar keine eigenen Themen, sondern die hängen sich so dran an Themen, die sowieso medial schon erfolgreich sind, wenn irgendwie ein Anschlag passiert, ein Unglück passiert. Dann wollen alle wissen, was passiert jetzt und ein Teil davon ist ja auch Missinformation, dass Leute einfach ein altes Video von Überschwemmungen in Niederösterreich posten, obwohl es eigentlich zwei Jahre alt ist und nicht von heute. Und das vermischt sich dann, weil einfach in diesen Situationen einfach ein großes Bedürfnis nach Infos da ist, gleichzeitig noch nicht so viel gesicherte Information vorhanden ist. Das heißt, es ist leichter reinzukommen und es ist auch lukrativ. Jetzt habe ich doch noch eine Nachfrage, aber ich schwöre, es ist die letzte. Es ist gut, ich bin freiwillig gerne hier. Aber die anderen wollen auch reden. Propaganda ist nicht dasselbe wie Des- oder Missinformation. Also ist das auch ein großer Bestandteil? Weil du hast das jetzt nicht erwähnt. Also Krieg ist oftmals der Schauplatz von falschen Informationen, wo Bilder oder Videos auch veröffentlicht werden. Ist das ein tägliches? Ja, auch. Aber es mischt sich drunter. Also es macht für meine Arbeit wenig Unterschied. In der Bewertung ist es falsch oder richtig, ob es jemand absichtlich, um ein Wahlziel zu erreichen, gepostet hat oder ob es sich selbst einen Selbstläufer gestartet hat auf Social Media. Okay, danke. Viktoria Kirner, du bist Journalistin und Juristin und hast eine Videoreihe beim Wiener Online-Medium, die Chefredaktion, die heißt, darf man so? Und da wird eben alles mögliche Juristische zum Thema zum digitalen Leben thematisiert, also KI-Kennzeichnung, Smart Classes, gerade sehr aktuell oder eben zum Beispiel auch Deepfakes. Und außerdem hältst auch du Workshops zum Umgang mit Desinformation und Verschwörungsmythen. Desinformation und Verschwörungsmythen. Und ganz kurz für alle, die die Chefproduktion vielleicht nicht kennen, die wurde 2021 gegründet als unabhängiges Online-Medium, speziell für junge Menschen, mit einem zugänglichen und diversitätsorientierten Journalismus und spielt seine Inhalte auf Instagram und TikTok aus. Social Media werden oft als der Ort, ob das stimmt oder nicht, das werden wir noch besprechen, für Falschinformationen bezeichnet. Was bedeutet das für euch als ein Online-Medium, das genau dort an diesem Ort selbst seine Informationen ausspielt? Also ich glaube, ich kann jetzt nicht für Melissa Erkurt sprechen, die das gegründet hat, aber ich weiß natürlich, dass das eine der Motivationen war, Informationen dort hinzubringen, wo sie auch überwiegend konsumiert werden. Also auch dazu gibt es ja laufend Analysen. Man sieht, die Hälfte aller Jugendlichen konsumiert vorrangig Informationen auf Social Media. Das ist die Hauptquelle. Man sieht auch generell, jetzt nicht nur auf Jugendliche bezogen, fast ebenfalls, ich glaube, ein gutes Drittel nur findet, dass die klassischen Nachrichtenmedien vertrauenswürdig sind. Also wir sehen auch da, die Vertrauenswürdigkeit sinkt immer mehr. Wir alle wissen, ich erzähle nichts Neues, dass sich Informationen viel, viel mehr auf Social Media abspielen. Und man hat sich einfach Gedanken gemacht, wie kann man junge Leute erreichen? Man sieht ja, auch wenn es jetzt um die Diskussion Social Media-Verbot unter 14 und so weiter geht, es gibt ja irrsinnig viele Bubbles, die für Eltern nicht zugänglich sind, die für ältere Leute nicht zugänglich sind. Niemand weiß so genau, was schauen Jugendliche eigentlich genau auf ihren Handys. Und das war so ein bisschen der Versuch, sie zu erreichen. Ich glaube, man kann jetzt nach ein paar Jahren Bilanz ziehen. Ganz gelungen ist das dennoch nicht, weil unsere Zielgruppe ist, ich glaube, zwischen 18, vielleicht 19 und doch 35 oder so. Also wir haben es auch hier nicht geschafft, tatsächlich die Teenager irgendwo abzuholen, weil es ist ein bisschen ähnlich wie das, was Eva vorher gesagt hat. Man muss Materialien zur Desinformation alle sechs Monate erneuern. Viel, viel öfter noch muss man man eigentlich Inhalte anpassen, Ausschau halten nach Trends, was beschäftigt die jungen Leute wirklich und da aber auch gut unterscheiden, weil wir sind nun mal trotzdem ein Medium, wir arbeiten journalistisch, wir arbeiten nicht aktivistisch und wir sind keine Influencerinnen, aber bis zu einem gewissen Grad vermischt sich das auch auf unserer Plattform, um eben junge Leute zu erreichen und ich kann nur sagen, wir haben keine Lösung dafür gefunden. Es ist aber auf jeden Fall ein Ansatz und der beginnt zu wirken. Aber wir müssen sehr stark dahinter sein, da oft nachzujustieren, um die Reichweite dann nicht zu verlieren. Aber kann man sich das, also sozusagen quasi TikTok und Instagram sind quasi Programme. Das ist jetzt natürlich nicht zufällig passiert, dass die Chefredaktion dort ist, wie du sagst, wo sie gesehen rezipiert wird. Aber Beate Hausbichler hat das vorhin erwähnt. Ich möchte nur zitieren, was sie gesagt haben. So quasi, da ist auf Instagram gibt es zwei Kacheln und das eine ist dann von die Chefredaktion ein möglicherweise sehr aufwendig gestalteter recherchierter Beitrag und das andere ist weiß ich nicht was, ja, ein sehr salopp hingepostetes Posting. Trotzdem, wie kann man damit umgehen? Gibt es da Tricks oder tut einem das weh, wenn man sich denkt, da hat jemand fünf Sekunden für dieses Posting gebraucht und das hat viel mehr Klicks als wir für diesen journalistischen Content, für den wir viel, viel länger gearbeitet haben? Also der Trick ist, wenn man da trotzdem mitmischen will, ist auch selber so einen Content-Mix zu haben, würde ich jetzt mal sagen. Tatsächlich ist es so, ich weiß bei der Redaktionsbesprechung schon genau, dass wahrscheinlich der Beitrag, der die Redakteurin vielleicht eine Stunde, zwei Zeit kostet, wahrscheinlich viel besser gehen wird, als mein Informationsvideo zum Thema KI-Kennzeichnung. Es interessiert einfach wenig Leute und man muss, natürlich gibt es dann viele Kniffe und Tricks, wir sind alle sehr bemüht, ich auch mit dieser Videoreihe darf man so, dass eben in einfache Sprache und möglichst schnelle Schnitte, viele Bilder, viele Beispiele und so weiter. Natürlich sind das alles journalistische Tricks, um auf diesen Plattformen gesehen zu werden. Aber auch da, wir haben es ja eh schon angesprochen, Algorithmus, niemand weiß, was der wirklich macht. Ist Shadowban real or not? Also so, ja, bei vielen Faktoren kann man sagen, da weiß ich jetzt schon, ein Video wird geshadowbanned. Wenn ich das Wort Pornografie oder so verwende, gerade jetzt im Zusammenhang mit sexualisierten Deepfakes, weiß ich jetzt schon, wenn ich nicht alles rausschneide und mute, wird das einfach nicht ausgespielt. Ja, ich glaube, es ist so ein bisschen beides. Man muss genauso die lustigen, leicht zugänglichen Inhalte machen, wenn man so ein Medium ist wie wir, um eben diese Bubble zu erreichen. Und dann so, wie wenn man so einer Katze so Medizin füttert, ein bisschen ins Futter mit reinmischen und dann einfach schnell die Inhaltsvideos auch dazu schieben und dann haben wir eh gerade viel Reichweite und dann schauen die Leute das auch, ich weiß nicht ob das die Lösung sein wird, ja Wie war das? A spoonful of sugar, right? Ja, genau Makes the medicine go round Okay, Algorithmus, das Stichwort ist jetzt gefallen Da lasse ich jetzt mal Hanna May, vormals Hanna Metzler, wir haben uns jetzt im Vorfeld noch nicht darauf geeinigt, wir bleiben einfach bei Hanna, das ist das Einfachste. in Wien und Paris studiert und im Bereich soziale Neurowissenschaften promoviert. Und im Mittelpunkt deiner Forschung steht die psychologische Auswirkung sozialer Medien, wenn ich das richtig zusammenfasse, und insbesondere die Frage der Verbreitung von Desinformation. Und eines deiner Hauptanliegen oder Argumente, auch in dem übrigens nochmal zu erwähnen der aktuellen Stimme, wo nicht nur die Keynote, sondern auch ein Artikel von dir und auch von Eva abgedruckt ist. Eines deiner Hauptanliegen ist uns zu sagen, dass viel, was wir über Desinformation wissen, nicht stimmt. Wenn ich das ein bisschen salopp zusammenfasse. Was stimmt denn da alles nicht? Das Nichtstimmen kommt mir auch ein bisschen extrem vor. Das ist der extreme Aufhänger, mit dem man dann auch mich in irgendwelchen Medien gut präsentieren kann. Ich glaube, vieles ist vereinfacht dargestellt. Und bei einigen Dingen kann man schon auch sagen, sie sind komplett falsch. Ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll. Bei Fehlinformationen ist es so, dass es tatsächlich, wenn man Posts, die irgendwelche News-Webseiten, ob das jetzt irgendwelche alternativen, dubiosen Seiten sind oder klassische Medien, wenn man solche Posts runterlädt und dann überprüft, wie viel kommt tatsächlich aus Medien, die aus wenig vertrauenswürdigen Quellen kommen. Es ist so einer der Standards, auf die sich Wissenschaftler haben einigen können, weil es immer ganz schwierig ist, eben zu definieren, was ist jetzt wirklich falsch und was ist richtig, vor allem in dieser riesigen Datenmenge, die wir auf Social Media haben. Da kann man nicht jeden Post überprüfen. Und da macht man das anhand Rankings oder wie sagt man da, Scores, Vertrauensscores, sagen wir in der Wissenschaft, die bestimmten Medien aufgrund verschiedener journalistischer Kriterien zugesprochen wurden. Und da gibt es dann eben ein bestimmtes Spektrum, das nennt man wenig vertrauenswürdig. Und wenn wir diese Posts hernehmen, dann sind das viel weniger, als man denken würde. Das variiert immer ein bisschen, je nachdem, wie man es genau definiert, zwischen ein bis sogar 20 Prozent, habe ich mal gesehen in einer Studie, wie viel wirklich Fehlinformation ist aus den Nachrichten, die es insgesamt gibt. Und dann muss man auch immer noch schauen, wie viele Menschen lesen tatsächlich Nachrichten. Vielleicht auch ein bisschen das Problem, wer schaut sich denn diese ausführlicheren, komplizierteren Beiträge oder so an. Es sind eh ganz wenig Menschen, die Nachrichten lesen und oft lesen Menschen auch nur Headlines, also die Titel. Also insgesamt gibt es einfach nicht so viel Fehlinformation, wie wir glauben könnten, mit der gesellschaftlichen Dynamik, die man darum wahrnimmt. Und meine Konklusio aus den Jahren der Fehlinformationsforschung war, dass auch das so ein Aufmerksamkeitsökonomie-Problem ist, dass es eine kleine radikale Minderheit gibt, die wirklich, und da gibt es ganz viele eindeutige Studien, 80 Prozent aller Teilens und Kommentierens der Fehlinformationen, der Hassredeposts in den sozialen Medien ausmacht und diese kleine radikale Minderheit bekommt von uns allen ganz ganz ganz viel Aufmerksamkeit. Es ist kein Problem, aber es ist nicht, der durchschnittliche Mensch auf Social Media ist nicht der, der ganz viel Fehlinformationen liest und verbreitet und glaubt. Die allermeisten Menschen glauben die extremeren Sorten von Fehlinformationen nicht. Ich weiß nicht, ob ich weiter ausholen soll über Algorithmen und Echokammern, da gibt es überall so Verkomplizierungen. Vielleicht zwei weitere Begriffe noch, Filterblase und Echokammer, weil auch da habe ich rausgelesen und gehört, dass du da nicht unbedingt der Meinung bist, dass das ein großes Problem in den sozialen Medien ist. Ja, es ist wieder die Frage, gibt es Dinge, sind sie ein Problem und wie lösen wir die Probleme? Echokammern gibt es. Die aktuellste, beste Studie, die mir dazu einfällt, war in den USA. Wieso das meiste, was wir leider in der Wissenschaft haben. Auf Facebook, ich glaube 2023, die hat eben wirklich sehr detailliert über, ich glaube, alle US-Bürger auf Facebook, die relativ regelmäßig aktiv sind, da Statistiken veröffentlicht. in einer Echokammer sind. Das heißt, sie bekommen 75% der Inhalte oder mehr aus gleichgesinnten Quellen, also die, die ihre Einstellung bestätigen. Es gibt aber auch 25% der User auf Facebook in den USA, die das Gegenteil machen. Die lesen 75% der Inhalte aus ihnen nicht gleichgesinnten Quellen und die anderen 50% der Facebook-User sind irgendwo dazwischen. Das heißt, es gibt Echokammern, aber sie betreffen wieder eine geringere Anzahl Menschen, als wir glauben. Und dann ist vor allem die wichtige Frage, wenn wir jetzt Echokammern abschaffen würden, würde das bestimmte Probleme, wie die Polarisierung in der Gesellschaft, zum Positiven verändern? Und da ist die relativ klare Antwort der Wissenschaft, nein. Im Gegenteil, da gibt es auch richtig gute Studien, die zeigen, dass wenn ich Menschen extremen Positionen oder starken Meinungen der anderen politischen Seite einfach aussetze, über eine gewisse Zeit auf Social Media, dass die sich dann mehr radikalisieren, dass sie vorher Moderater waren und jetzt denken, die Deppen, was die da in die Welt rausschreien. Das heißt, die Lösung kann nicht sein, einfach weg mit Echokammern, weil wir als Menschen einfach soziale Wesen sind, die für das Zusammenleben in relativ kleinen Gruppen gemacht sind, von 100, 150 Menschen und nicht für so eine große globalisierte Welt. Wir brauchen unsere Gruppen aus gleichgesinnten Menschen, wo wir wissen, welcher Person kann ich vertrauen und welcher nicht. Wenn ich das einfach alles abschaffe, ist es einfach zu einfach. Nach relativ wenig und gleichzeitig zitiere ich Eva Wackenreuther, die in ihrem Text schreibt, von der Epidemie der Falschinfo und das Tricks bin ja in einem Bereich, da muss man vielleicht an die Wissenschaftlerin noch oder der Satz, der sofort kommt, das stimmt ja alles nicht. Also das ist eben, wo man denkt, diese DebattenthUp ein super Beispiel, das ist ja eigentlich eins, der wirklich am besten bevorsteht, also es ist extrem gut bevorsteht, es gibt extrem viele Studien und man kann aber keinen einzigen Beitrag über die Lohnschere schreiben, ohne dass unterhalb nicht unzählige und das ist wirklich, seit ich den Job mache, seit 18 Jahren so, dass unterhalb unzählige Nachrichten sind, das stimmt so nicht. Und dann werden unterschiedlichste Studien mit unterschiedlichsten Fragestellungen als Beleg, als Beweis reingepostet. verstehen nicht, ja, es gibt Studien, es gibt Faktenzahlen, aber es gibt natürlich immer auch ein Forschungsdesign, es gibt immer auch eine bestimmte Fragestellung und es gibt natürlich auch immer auch einen Interpretationsspielraum, weil natürlich kann ich hergehen und sagen, jede Frau entscheidet in Österreich selbst, ob sie einen schlecht bezahlten, mit vielen Frauen bevölkerten Beruf macht oder Ingenieurin wird. Ja, das kann man jetzt so nicht so schnell wegreden. Das stimmt bis zu einem gewissen Grad, aber bis zu einem ganz großen Grad stimmt es auch nicht. Also da stoßen eben Themen aufeinander, die durchaus eben einen relativ großen Interpretationsspielraum haben, wo es auch viel um Weltanschauung geht, auf der einen Seite, auf Themen, wo es sehr gute Forschungen gibt, wo es viele Studien gibt und man wird sich trotzdem nicht einig und es ist trotzdem immer dieser Vorwurf der Falschmeldung da. Und ich finde, das ist ja immer so interessant, das war ja auch vor Social Media so. Ich habe das schon tausendmal erzählt, dieses Beispiel. Ich kann mich an einen Profilartikel von, glaube ich, vor 15 Jahren erinnern. Der hatte den Titel Mythos Lohnschere, um bei dem Beispiel zu bleiben. Das war eigentlich ein guter, ausgewogener Artikel. Er hatte aber diesen Titel. Dieser Artikel, glaube ich, ist unter Artikel von mir schon 25.000 Mal reingepostet worden. Also das ist aus einem klassischen Medium dann genommen. Also es ging nur um die Verkürzung, um diese Verknappung. Jetzt würde man sagen, ach, eine Instagram-Kachel, es geht auch mit Titel. Also das ist so in diesem Text nicht drinnen gestanden. Es ist immer wieder so einfach so angedeutet worden, dass das eine völlige Übertreibung ist. Aber dieses Verhältnis aus, was ist Debatte, was ist Weltanschauung, was ist Interpretation auf der einen Seite und auf der anderen eben, was sind die Hard Facts, das ist, glaube ich, auch eine Wissenslücke, die bei vielen einfach da ist, bei vielen Leserinnen. Und wenn ich es richtig interpretiere, was vorher schon auch gesagt worden ist, vielleicht ist auch gar nicht so quasi die Quantität entscheidend, ob es jetzt ein Prozent ist oder ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger, aber es ist eben ein lautes 1%. Genau, ja, also das wollte ich vorher noch erwähnen, das ist auch etwas, was ich höre, seit ich beim Standard bin, dass die User, die eben sehr, sehr, wie soll ich sagen, teilweise übergriffig, einfach mies unter Artikel posten, dass man immer wieder sagt, es sind ganz wenige. Stimmt schon, es sind echt wenige, es sind immer wieder dieselben. Also wir haben so Heavy-User, die einfach wirklich, wo man sich denkt, wow, die machen zwölf Stunden nichts anderes. Also die posten oft, die tauschen immer wieder die Accounts aus, werden gesperrt, kommen immer wieder neu rein. Das ist eine kleine Gruppe, aber das macht was mit Journalistinnen, das macht was mit dem öffentlichen Diskurs und eben, das ist schon so alt das Thema und das kann man immer wieder sagen, aber im Arbeitsalltag muss ich ehrlich gesagt sagen, es hilft mir oft nicht, weil es einfach so konstant an Präsenz und an Raum gewinnt oder an, ja, irgendwie einen, also unsere Aufmerksamkeit so viel darauf gelenkt ist, dass das, ja, es nützt nichts, dass es eine kleine Gruppe ist. Vielleicht nutzt es doch was, aber für die alltägliche Arbeit als Journalistin ist es wirklich mühsam. Es interessiert mich jetzt, jetzt verletze ich fast gerade persönlich, es wird mich das andere nicht interessieren, aber lesen Sie die Postings unter Ihren eigenen Artikeln? Nein, grundsätzlich nicht. Ich bin nur deshalb etwas emotional, weil ich es letzte Woche gemacht habe. Großer Fehler. Ich habe einen Artikel zur Frauenministerin geschrieben und war eben total überrascht. Ich habe mir gedacht, ich mache heute einen gemütlichen, konsensualen Kommentar. Und dann schaue ich rein, ein paar Stunden später, da waren 500 Postings drinnen. Ich habe mir gedacht, wieso? Wieso regen sie da die Leute auf? Und ja, da habe ich seit langem, ich glaube seit Monaten wieder mal reingeschaut. Aber sonst mache ich es nicht. Nein, nie. Ist gesünder. Es ist jetzt ein bisschen angeklungen, dass es natürlich auch die Gefahr gibt, dass korrekte Information als falsche Information abgetan wird. Eva, du hast das in deinem Artikel in der Stimme auch geschrieben, dass das möglicherweise vielleicht sogar das größere Problem ist, dass das Echte als Fake durchgeht. Vielleicht kannst du das noch ein bisschen erklären. Ja, also ich glaube, wir sprechen alle sehr viel über das Thema, dass Desinformation unsere Meinung verändert. Also dass ich jetzt einen Artikel in einem Posting in sozialen Medien lese und dann wird der sozialdemokratische Wähler plötzlich rechtsextrem. So einfach ist es jetzt nicht. Wir haben relativ solide Weltbilder, Wertvorstellungen. solide Weltbilder, Wertvorstellungen. Was ich als Kehrseite dieser Medaille oft beobachte, ist das praktisches Beispiel, wir posten irgendetwas als Zeit im Bild auf Social Media. Es ist eine völlig egal, welches Thema es ist. Es wird zehn Minuten später, wird zumindest eine Person aber ganz oft auch wirklich hunderte, Tausende Leute drunter schreiben. Ist das echt? Ist das wirklich so? Ihr seid so peinlich, ihr seid auf KI reingefallen. Also das kommt zunehmend mehr und das macht auch Sinn, weil wenn wir uns jetzt überlegen, vor fünf Jahren, dass die Zeit im Bild auf KI reingefallen wäre, total unwahrscheinliches Szenario, heute durchaus denkbar. Das heißt, je mehr wir über falsche Informationen sprechen als Gefahr, desto realer ist ja auch die Einschätzung eines durchschnittlichen, vernünftigen Users aus, der dann vermutet, das könnte jetzt KI sein. Und das führt dann zum Beispiel so weit, dass wir Postings posten, die einfach nur echt sind. Also wir posten, es ist in China ein Unwetter, wir posten, Justin Trudeau ist zurückgetreten und es kommt dann eine Herrscher an Leuten in den Kommentaren, sodass wir dann umgekehrt darauf reagieren müssen und ein zweites Posting machen müssen und erklären müssen, daher wissen wir jetzt, dass Justin Trudeau auf diesem Foto tatsächlich zurückgetreten ist. Es ist ein echtes Foto und, also nicht zurückgetreten, sondern halt einfach seinen regulären letzten Tag im Amt hatte, weil wir kennen den Fotografen und es gibt einen Livestream, da ist das passiert. Und es gibt einen Livestream, da ist das passiert. Wir wissen, dass das geplant war. Also wir müssen uns dann wirklich quasi rechtfertigen für etwas, wo wir früher niemals in Frage gestellt worden wären. Und das ist eigentlich ein Ziel von Desinformation, nicht jetzt so zu machen und deine Meinung zu verändern, sondern eine allgemeine Unsicherheit reinzubringen, weil das trifft dann vor allem natürlich Medien, Wissenschaft, etablierte Akteurinnen, nennt man auch Liars Dividend, also die Lügner, die profitieren da überdurchschnittlich, weil wenn man sich jetzt vorstellen würde, wir hätten heute das Ibiza-Video, dann würden wir nicht darüber diskutieren, was die Konsequenzen politischer Natur wären, sondern würden wir erstmal, ich behaupte jetzt einfach mal mindestens zwei Tage damit beschäftigt sein, zu klären, ob es das Video überhaupt gibt. Ich schwöre, hier steht bei mir bei den Stichwortzeiten Ibiza-Video und ich sehe HC Strache, jetzt sage ich das auch, ich sehe Heinz-Christian Strache, wie er diese Rede hält und nicht sagt, das war eine psoffene Geschichte, sondern das ist doch ein Fake-Video. Das hätte er wahrscheinlich heute gesagt. Ich darf mich in dem Zusammenhang, ich beschäftige mich vor allem eben mit dem Thema Deepfakes momentan und also genau zu diesem Thema, man sagt ja oft so oder im öffentlichen Diskurs wird ja immer so der Ruf nach Deepfake-Detektoren laut und man sagt so, irgendwann jetzt sind wir doch technisch so weit, dass es doch Detektoren geben muss, das kann ja nicht mehr so lange ein Problem sein, in Zukunft werden wir das Foto in irgendeinen Generator geben und der wird uns sagen, ob das ein Deepfake ist und dazu gibt es zwei Beobachtungen oder Feststellungen, einerseits es gibt keinen Generator, der 100% treffsicher ist, ich glaube die Info, die ich zuletzt angeschaut habe, war der teuerste kommerzielle Deepfake-Detektor hat auch nur, also nur aber eine Treffsicherheit von rund 80 Prozent und gleichzeitig hat er aber auch bei Untersuchungen fast über 60 Prozent von Material, das nicht Fake war, als Fake eingestuft. Das heißt, da sieht man das und das schwappt eben auch in die öffentliche Wahrnehmung über, das was auch gerade Eva gesagt hat, dass die Kehrseite der Medaille ist eben, dass zunehmend auch die Bevölkerung, anstatt dass man sagt, die Bevölkerung wird geschulter in dem, zu sehen ist das fake oder nicht, wird die Bevölkerung in Summe misstrauischer und das schwächt halt auch das Vertrauen in Journalismus. Darf ich da auch noch etwas dazu sagen,? Ich glaube, ich werde nichts öfter gefragt, wie, welche Tools benutzt ihr denn? Also auch gar nicht Techniken, sondern Tools. Alle wünschen sich die eine Software, wo man ein Foto, ein Video reinwirft und die allumfassende Wahrheit rausbekommt. Und einerseits ist es dieses technische Problem. Wir nutzen zwar auch Detektionstools, wir versuchen die in so Layern anzuwenden, damit man zumindest verschiedene Schwächen von verschiedenen Tools ein bisschen ausgleicht, aber sie sind nie der Wahrheit letzter Schuss und neben diesen ganzen technischen Problemen kommt auch ein Anwenderproblem dazu. Ein praktisches Beispiel, wir haben vor kurzem, es war im Frühjahr, ich glaube es war das, hat Andreas Babler ein Video gepostet. Wirklich komplett fades Video. Er spricht auf Englisch und lädt halt zu seinem Kongress in Spanien ein. Und dann haben ganz viele Leute gesagt, der Andreas Babler, der kann ja gar nicht gut Englisch. Das Video kann nicht echt sein, weil der spricht da gut Englisch in dem Video. Und dann hat jemand ein Detektionstool herangezogen und hat dieses Video da reingeschmissen und dieses Detektionstool hat ein Ergebnis gebracht. Das ist ein Detektionstool, das eigentlich einen ganz guten Ruf hat, das wir auch nutzen, das natürlich auch die Einschränkungen hat, die du erwähnt hast, aber das hat dann gesagt, das ist ein KI-Video. die Einschränkungen hat, die du erwähnt hast, aber das hat dann gesagt, das ist ein KI-Video. Und dann sind da total viele auch rechtspopulistische bis rechtsextreme Medien darauf angesprungen, das war natürlich gefundenes Fressen für die und wir haben es uns dann genauer angeschaut und eigentlich war es nämlich ein bisschen anders. Das Detektions-Tool hatte Recht, es gab eine KI-Veränderung, aber das war nicht, weil der englische Babler KI generiert worden ist, sondern weil die SPÖ ein bisschen Audioprobleme wohl hatte, also der Ton klang relativ hallig. Und man hat dann einfach in der Nachbearbeitung wohl irgendeine Art Filter drübergelegt, der oft schon mit vorinstalliert ist in vielen Bearbeitungsprogrammen, wo man selbst gar nicht weiß, ob das jetzt ein manuelles oder ein KI-Tool ist und hat einfach den Ton ein bisschen verbessert. Also wenn man die zwei Videos Seite bei Seite anschaut, er sagt Wort identisch, nichts ist verändert, es ist einfach nur das Hintergrundrauschen ein bisschen verändert worden und dieser Detektor-Tool hat das Richtige ausgespuckt, aber die Anwenderinnen haben komplett den falschen Schluss draus gezogen und das sehen wir auch in anderen weniger dramatischen Beispielen die ganze Zeit, wenn das Tool sagt, das ist 79 Prozent echt, sagt der eine, oh mein Gott, das ist extrem weit weg von 100 und der andere sagt, ja viel mehr als die Hälfte, super, poste ich. Viktoria, du machst ja Workshops mit Jugendlichen auch, ist da dieses Thema auch, dass der Glaube generell an echte Informationen verloren geht und dann man sozusagen mehr Desinformation sieht als Information? Das mit Sicherheit. Ich beobachte generell, also ich sage mal, diese Kurse an Schulen, das sind Schülerinnen in der Regel zwischen 14 und 18, die generell, also wir gehen dann immer durch, wer sind denn die Akteurinnen in der Medienlandschaft, wer hat welche Interessen, so Grundsatzmedienbildung machen wir immer als erstes und viele von ihnen, denen sind viele Akteurinnen gar kein Begriff, weil sie eben so weit weg sind vom klassischen Medienkonsum und die bewegen sich eben nur auf Social Media und innerhalb dieser Bubbles, dass ich eigentlich, ja, wie soll ich sagen, es ist so ein bisschen, es ist kein Grund, es ist vielleicht, ich würde es gar nicht Grundmisstrauen gegenüber klassischen Medien nennen, es spielt einfach keine Rolle. spielt eine Rolle, wer welcher, weiß ich nicht, Influencer gerade Meinung zu Dingen hat oder welche Meinungen einfach auf ihren Plattformen viral sind. Aber es ist definitiv nicht so eine aktive Entscheidung. Ich misstraue jetzt Medien, aber die werden ihnen einfach nicht in den Feed gespielt teilweise. Also wenn ich sage, wie informiert sie euch? Maximal kommt dann die ZIP auf Instagram mal, weil die haben halt eine gute Reichweite. Aber das war es dann meistens auch schon. Was wir jetzt gehört haben von den Tools, die sind eben kein Allheilmittel. Das heißt, auch so etwas wie eine KI-Kennzeichnungspflicht würde jetzt nicht alle Probleme lösen, die es ja jetzt schon gibt bei Videos und Fotografie oder Bilddarstellungen. Vermute ich, ist aber nicht mein Exotis. Kann ich kurz nur was zur Klinik erzählen? Es tut mir wirklich leid, aber ich habe mich gerade so eingehend damit beschäftigt. Das ist wirklich irre, weil diese Kennzeichnungspflicht, einerseits passiert es eben jetzt auch Medien, dass, also es ist ja prinzipiell zu begrüßen, dass jetzt auf Plattformen wie Instagram und Co. gekennzeichnet werden muss, wenn es KI-Inhalte sind. Erstens, erste Beobachtung, sehr oft wird es trotzdem nicht gekennzeichnet, weil es durchrutscht oder weil einfach man sich denkt, na schauen wir mal, ob das geahndet wird. Zweitens betrifft es ja nur die Ployer, also quasi Personen, die das betrieblich einsetzen, also Profile, die Geld damit verdienen, werbliche Akteurinnen auf diesen Plattformen, das heißt Privatpersonen sind ausgeschlossen. Und eine wirklich spannende Beobachtung, diese Kennzeichnungspflicht ging jetzt mit 2. August online, wurde jetzt verpflichtet mit 2. August und kurz davor wurde ein Entwurf zu den Leitlinien dazu von der EU veröffentlicht. Also es gibt quasi das Gesetz und dann gibt es Leitlinien, die sagen, wie ist das genau anzuwenden und auszulegen. Und ich habe mit diesem Entwurf gearbeitet für ein Infovideo, das wir gemacht haben, kurz vor Start. Und da in diesem Entwurf ist gestanden, es sind nur quasi Personen verpflichtet, die das betrieblich nutzen. Das ist die sogenannte Privatausnahme. Leute, die das privat benutzen, also Haushaltsausnahme, die das privat benutzen, fallen da nicht rein. Aber es war eine Klausel drin, Personen, Privatpersonen, die zum Beispiel ein Fake-Bild oder Video erstellen, zu einem Thema, das von öffentlichem Interesse ist und geeignet ist, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen, die müssen auch kennzeichnen. Das war in diesem ersten Entwurf drinnen. Das würde bedeuten, dass beispielsweise, das war auch als Beispiel angefügt, eine Privatperson im Vorfeld von Wahlen fertigt einen Deepfake von einem Kandidaten an, das geht viral, wird tausendfach geteilt, ist natürlich geeignet, die Meinung zu ändern oder die Wahrnehmung zu ändern in der Öffentlichkeit. Das muss gekennzeichnet werden. Vier Tage vor dem 2.8., bevor das in Kraft ging, wurden dann wirklich sehr kurzfristig die finalen Leitlinien veröffentlicht und sang- und klanglos ist dieser Passus verschwunden. Und das ist, finde ich, sehr bedenklich, weil natürlich, eben woher kommen die Fehlinformationen? Ja, ganz oft eben nicht von betrieblichen, beruflichen Akteuren, sondern von Privatpersonen, die das entweder mit einer Intention oder auch ohne Intention verbreiten. Und das richtet sehr, sehr großen Schaden in einer Demokratie an. Also ich bin sehr überrascht, dass dieser Passus nicht überlebt hat. nicht überlebt hat. Darf ich auch noch etwas ergänzen? Ich finde, ein ganz wesentlicher Punkt an dieser KI-Kennzeichnungspflicht ist, das ist eine EU-Gesetzgebung, die du erwähnt hast, und die sollte nationales Recht überführt werden. Die nationale Behörde in Österreich, die dafür zuständig wäre, existiert schlicht noch nicht. Das ist ein bisschen wie, wenn man eine Gurtpflicht einführt und dann sagt, die Polizei schaut aber nicht drauf. Sogar wenn die Methode sinnvoll wäre, theoretisch, in dem Moment, wo sie einfach nicht umgesetzt wird und straffrei geht, sind natürlich die größten Schurken die, die am besten damit davon kommen. Es ist keine Richtlinie, sondern eine Verordnung. Es muss nicht direkt in nationales Recht umgesetzt werden, aber es braucht eben die Behörde, die das dann auch ahndet, wenn das nicht beachtet wird. Genau, das gibt es einfach nicht. Weil wir jetzt mitten in dieser Debatte um Deepfakes und KI sind, du hast vorhin mehrere Studien, glaube ich, gibt es dazu, zu der Quantität von Desinformationen zitiert. Da habe ich mir eine aufgeschrieben, die ist aus dem Jahr 2020. Jetzt gibt es eine rasante Entwicklung. Heute können wir alle Deepfakes am Handy praktisch produzieren und 2020 hat noch keiner gewusst, was das eigentlich ist. Also sind diese Studien eigentlich dann auch noch aktuell? Studien zu Deepfakes aus 2020 gibt es, glaube ich, nicht. Nein, nein, okay, war zu kompliziert formuliert von mir. Ich meine, die Studien zu Desinformation, dass der Anteil so gering ist, wodurch die Entwicklung gerade durch KI so stark beschleunigt. Es ist ein riesiges Problem in der Wissenschaft und mit Social Media sowieso, mit KI noch mehr. Wissenschaft dauert, vor allem gute Wissenschaft dauert mindestens drei Jahre für eine gute Studie, mindestens. Das heißt, es kann immer nur hinterher sein. Man muss sich dann fragen, welche grundlegenden Dinge wissen wir, mit denen wir darüber nachdenken können, was die Auswirkung von etwas sein könnte. sein könnte. Ich traue mich im Bereich KI, generative KI vor allem viel weniger vor. Ich habe dazu nie geforscht. Ich kann da nicht viel sagen. Ich glaube, was man trotzdem, worüber man nachdenken muss, knüpft viel mehr an das an, was vorher auch schon Thema war, was das eigentlich eigentlich, was das Problem in der Wahrnehmung der Menschen ist. Du hast ganz treffend gesagt, man sieht nicht einen Post und dann glaubt man was anderes. Wir haben ein relativ stabiles Weltbild. Wir können relativ gut checken, passt etwas, ist etwas plausibel mit unserem Weltbild. Wir können relativ gut lernen, aus welcher Quelle kommt es, vertraue ich der oder vertraue ich der nicht. Also wir haben so Mechanismen der Plausibilitätsüberprüfung als Menschen, die dazu führen, dass wir nicht alles, was reinkommt auf Social Media glauben. Und ich glaube, dass das immer wichtiger werden wird. Ich glaube auch, ich versuche da immer vorsichtig optimistisch zu sein, dass das weiter funktionieren wird. Menschen sind grundsätzlich eben eher skeptisch. Das Problem ist nicht, dass wir zu leichtgläubig sind und Fehlinformationen glauben, sondern dass wir das Vertrauen in Wissenschaft, in Medien, in Medizin usw. verlieren als Gesellschaft. Und darum ist diese Debatte um Fehlinformation, wie sie in den letzten Jahren geführt worden ist, für mich ein bisschen fehlgeleitet, weil sie vielmehr hin muss dazu, dass wir Vertrauen stärken und dass wir sagen, es geht um eine kleine radikale Minderheit und lasst uns nicht alle von der an der Nase rumführen. Beim Thema Fehlinformation jetzt, ich hätte noch etwas ganz anderes gewartet, wenn es um die Hassrede geht und Thema wie Frauenfeindlichkeit und so weiter ist ja auch nicht ein Fehlinformationsthema. Und es gibt da schon Forscher, die einfach über KI und generierte Inhalte nachgedacht haben, die sagen, wir werden lernen, es wird Anpassungsschwierigkeiten geben, aber wir wissen mittlerweile auch alle, wenn ich ein Foto sehe, dass ich das nicht automatisch glaube, nur weil es ein Foto ist. Das haben wir gelernt. Dasselbe wird passieren mit Videos. Wir werden es nicht mehr glauben. Und was richtig wichtig werden wird, ist, dass es eben Medien gibt, die gute Arbeit machen, die eben dann checken können, ob etwas stimmt oder nicht. Und wir brauchen Vertrauen in Medienwissenschaft und so weiter, damit Menschen sich auf diese Quellen dann verlassen können. Und da gibt es Forscher wie Hugo Mercier, Sascha Althei, die da recht optimistisch drauf schauen, dass da wird es jetzt Hopperlas geben, da werden super tragische Einzelbeispiele immer wieder vorkommen, aber die nicht glauben, dass wir quasi jetzt als große Öffentlichkeit der Massen Manipulation durch Deepfakes oder so aufliegen werden, weil Menschen eben lernen. Weil genau dieser Prozess, den ihr beschrieben habt, dass die Leute immer weniger vertrauen, weil das führt ja schon dazu, dass sie viel weniger auch Videos vertrauen. Also es ist sicher ein großes, schwieriges, komplexes Problem. Die Lösungen haben wir noch nicht. Ich glaube trotzdem, dass es nicht unbedingt heißt, weil es jetzt KI gibt, sind wir verloren und es wird alles den Bach runtergehen. Ich glaube schon, dass wir Menschen auch denken, zutrauen dürfen und dass es nicht unbedingt heißt, weil es jetzt KI gibt, sind wir verloren und es wird alles den Bach runtergehen. Ich glaube schon, dass wir Menschen auch denken, zutrauen dürfen und dass es vielen Menschen auf Social Media nicht um Wahrheit geht. Die gehen da nicht hin, um Nachrichten zu lesen, die Jugendlichen. Die wollen ihre Influencer sehen, die wollen Unterhaltung, sonst was. Das heißt auch, dass sie nicht unbedingt alles, was sie sehen, wirklich immer für bare Münze nehmen und glauben, weil es ihnen darum gar nicht geht, ist es wahr oder falsch. Und wenn es wirklich darum geht, ist jetzt eine Pandemie oder nicht, dann fangen die Menschen schon an, viel mehr wieder beim ORF und beim Standard und weiß nicht wo Nachrichten zu lesen, weil es ihnen dann um gute Informationen geht. Also das wäre so irgendwie die Position, solange wir gute, öffentliche, vertrauenswürdige Medien haben, gibt es schon als Gesellschaft etwas, auf das wir uns gemeinsam berufen können. Und dann sind wir nicht alle hoffnungslos Deepfakes und KI ausgeliefert. Da kommt jetzt wieder die Hoffnung zum Tragen. Ganz kurz noch. Ich wollte gerade sagen, bevor wir dann ins Publikum gehen und natürlich auch Fragen aus dem Publikum sammeln, wollte ich jetzt noch Beate Hausbichler die Möglichkeit geben, weil da jetzt habe ich die wörtlich nicht mehr im Ohr, aber qualitätsvolle Medien, die eine wichtige Rolle haben etc. ist gerade erwähnt worden. Da fällt mir natürlich neben dem ORF der Standard ein. Also sehen Sie auch etwas Positives in der ganzen Debatte um KI und Desinformation, dass die Menschen möglicherweise auch kritischer und geschärfter werden dadurch? Ja, aber wenn, genau wie du gesagt hast, wenn, da braucht es bestimmte Anlässe dafür, wo die Leute dann eben das Gefühl haben, ich muss jetzt meine Informationen wo holen, wo ich es vielleicht vor Jahren getan habe, jetzt aber schon lange nicht mehr war und die können wir ja nicht bestellen. In dem Zusammenhang glaube ich einfach, dass die Medienförderung in den nächsten Jahren einfach ein wahnsinnig wichtiger Punkt werden will, also wie die Medienförderung in Österreich aufgestellt ist. Das ist ja schon, ja, das kann man wirklich stark hinterfragen. Also eine Kronenzeitung, die einfach über viele Themen, also die ist ja nicht einmal beim Presserat. Die Kronenzeitung wird ständig vom Presserat gerügt. Es gibt ständig unzählige Beschwerden, es ist ihnen einfach wurscht. Also sie machen ja ihre Titel und teilweise auch ihre Passagen aus Geschichten nicht so, wie sie sie machen, als Unwissenheit, sondern das ist einfach Kalkulation. Und sie müssen ja auch nichts befürchten. Also zum Beispiel, wenn jetzt eine Medienförderung viel stärker nach Qualitätskriterien daran geknüpft ist, dann wird das Medien helfen, wo es eben nicht gerade einen vor kurzem ausgebrochenen Ukraine-Krieg gibt, im Leifticker in den ersten Wochen und in den ersten Monaten oder Gaza Israel wahnsinnig viel los ist auf der Seite oder bei der Pandemie, aber dann wird es dann auch schon wieder weniger, wenn einfach diese Ereignisse stärker wieder in den Alltag überlaufen. Also wir brauchen da einfach eine ganz starke Medienförderung, die einfach mehr Unabhängigkeit und mehr Autonomie erlaubt und die einfach klassische Medien nicht ständig in die Situation bringt, dass sie überlegen müssen, welche Debatten müssen wir jetzt auch noch mitbetreuen, mitbegleiten, obwohl sie eigentlich nicht sonderlich relevant sind, aber halt offensichtlich gerade sehr unterhalten. Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe und das sollte auch nicht unsere Aufgabe werden müssen. Dankeschön. Jetzt schaue ich in die Richtung. Jetzt gibt es die Möglichkeit für Fragen aus dem Publikum an das Podium. Und wir nehmen einfach dieses Mikro. Wer mag denn was? Dankeschön, vielen Dank an das wirklich ausgezeichnete Podium. Ich habe ein bisschen eine provokante Frage und die ist, brauchen wir überhaupt noch Facts? Also wenn ich das so zuhöre und Aufmerksamkeit ist Ware, wie die Frau Hausenbichler eingeführt hat, dann frage ich mich, also wenn ich das so anhöre, geht es überhaupt darum? Ich habe selber eine Tochter, die ist 14 und oft habe ich das Gefühl, es geht um Unterhaltung. Also geht es darum, dass man da jetzt Wahrheiten erfährt? Das ist so die eine Frage. Und eine zweite Frage hätte mich noch interessiert, schon zu Algorithmen. Ich habe unlängst eine Präsentation gesehen, da wurde ein antisemitisches Posting gezeigt. Also das war auch eine Studie, die haben das untersucht. Und kurz danach, ähnlich wie es erwähnt wurde, es gab ganz schnell ganz viele Likes, kam McDonalds. Und da war eben auch der Hinweis, wer profitiert davon. Und da würde mich nur interessieren, ob es da Erfahrung gibt und warum funktioniert das so. Okay, danke. Ich würde vorschlagen, wenn es mehrere Fragen noch gibt, dann sammeln wir ein bisschen. Bitteschön. Wir sammeln, ja, genau. Also ich finde es zunächst erstmal wichtig, dass man sozusagen die Dialektik der digitalen Subjektivierung hervorhebt. Also natürlich, es gibt gesellschaftliche Lernprozesse, natürlich sind wir nicht sozusagen nur passive Rezeptienten oder Konsumenten. Gleichwohl würde ich aber doch, auch vor dem Hintergrund meiner eigenen Forschung, stärker noch dieses Moment betonen wollen, was die unbewusste Dimension der Subjektivierung betrifft. Also gerade über die Kulturindustrie, gerade über das Infotainment, natürlich vielleicht noch viel subtiler und auch wirksamer beeinflusst werden kann. Und ich glaube, natürlich muss man nochmal kategorial trennen, was ist jetzt sozusagen die Fake News, was sind wirklich Hate Speech Momente. Dennoch sehen wir ja schon, dass sich gesellschaftlich ja auch, also in globaler Hinsicht haben wir diesen Trend zum Autoritären und der kommt ja schon auch dadurch, dass sich etwas verdichtet, was wir vorher medienkritisch immer schon problematisiert haben. Also welche Positionen, welche Stimmen werden wie dargestellt, werden Konflikte mythologisiert, werden sie sozusagen auch nachvollziehbar analysiert? Also sprich, diese ganze Frage des Lernens. Also ich glaube, da kommen wir nicht weiter, wenn wir auch sozusagen schon auch nochmal psychoanalytische Überlegungen mit einbeziehen und uns auch im klaren Sinn, wie sehr es ja möglicherweise nicht nur Hirnfunktionen sind, die irgendwie beeinflusst werden, sondern natürlich auch unsere eigene Selbstverständlichkeit, ja auch durch diese permanente, Permanenz dieser Kommunikation. Also man kann sich ja gar nicht mehr entziehen. Und dass das eben schon auch was macht und damit auch irgendwelche narzisstischen Anerkennungsbedürfnisse einerseits gefördert werden, also die einfach auch demokratie bedenklich sind. Und daher würde ich mir natürlich auch wünschen, es gibt noch eine ganz andere Form der Medienregulierung, die natürlich auch genau mit sowas sensibel umgeht und Medienpädagogik, letztendlich gesellschaftliche Aufklärung. Danke. Jessica, gleich. Ich habe eine Frage, die mich jetzt sehr beschäftigt, weil ich morgen das Panel über Hasskommunikation gegen Minderheiten moderiere. dieser seltsame intrinsische Widerspruch aufgefallen, dass man sozusagen einen qualitativen, engagierten, informierten, überprüfbaren Journalismus will und verlangt und fördert und gleichzeitig aufgrund eben dieses Aufmerksamkeitsökonomie-Problems in den Postings darunter und dazu genau die Art von Kommunikation produziert oder produzieren muss, die man eigentlich nicht möchte. Also es gab ja auch mal eine Zeit, wo nicht jeder unter jedem Artikel seine Meinung, seinen Hass, seine Aggression, seine Fehlinformation oder was auch immer kundtun konnte. Also dieser seltsame Widerspruch, dass sozusagen offenbar das eine ohne das andere aus ökonomischen Gründen nicht mehr zu haben ist. Vielleicht dazu etwas. Vielleicht noch eine Wortmeldung. Stevie. Und dann gehen wir wieder aufs Podium und dann machen wir gerne noch eine zweite Runde. Ich hätte eine Frage, die so ein bisschen an diese Autoritarismusfrage anschließt, sonst aber ehrlich gesagt in eine andere Richtung geht, aber nämlich zu dieser Entstehung von diesem sogenannten alternativen Medien und ich meine jetzt die Rechten, also Express auf 1 News und so weiter und so fort, die ja sozusagen als Medien auftreten, daherkommen, auch von vielen, die die konsumieren, als solche wahrgenommen werden und gleichzeitig unglaubliche Desinformationsschleudern sind. Und sozusagen, welche Rolle spielen die in dem Ganzen? Weil das sind eben jetzt nicht die Einzelpersonen, die da irgendwie falsche Informationen verbreiten, sondern das ist sehr organisiert. Danke. Ich schaue jetzt da wieder in die Richtung. Ihr könnt euch selber gerne rausnehmen. Also nicht jede Person muss jede Frage beantworten, wo ihr meint, wo ihr am meisten am besten was zu sagen habt. Wer mag denn von euch beginnen? Ich würde gerne was zu der Frage. Wer mag denn von euch beginnen? Ich würde gerne was zu der Frage, brauchen wir Facts sagen? Ich finde die Idee, wenn man sie mal weiterspinnt, vielleicht sollten wir alle anfangen, das, was auf Instagram, TikTok und Co. passiert, generell nicht als Facts zu werten und uns quasi damit so einen Konsens damit zu finden, dass das rein der Unterhaltung dient. Dazu muss man sich aber die Frage stellen, auf wen zielen Desinformationen? Wer ist Gegenstand von Desinformationskampagnen? Das sind großteils Minderheiten und zum allergrößten Teil Frauen. Wenn wir über Deepfakes reden, reden wir eigentlich nicht über die Beispiele, die wir vorher schon hatten, der gefakte Politiker und was weiß ich, sondern wir reden zu 98 Prozent über sexualisierte Deepfakes. Und von diesen sexualisierten Deepfakes, die betreffen bis zu 100 Prozent Frauen. Und da gab es ja auch jetzt vor ein paar Wochen im September diese viel zitierte Studie vom Frauenrat, der aber nicht nur der Frauenrat, auch UN Women hat dazu Untersuchungen gemacht. Es ziehen sich ein erheblicher Teil von Frauen aus dem Netz zurück. Sie schränken ihr Verhalten ein aus Angst davor, dass ihre Bilder missbraucht werden, aber auch Thema Hass im Netz. Auch hier gibt es Untersuchungen. Personen, die Antisemitismus erfahren, sind weniger likely, noch mal laut zu sein im Internet, weil sie sich eher zurückziehen. Und zu dem Titel der heutigen Veranstaltung, die manipulierte Öffentlichkeit, Öffentlichkeit ist nicht nur durch aktives Fakes streuen manipuliert. Öffentlichkeit ist dadurch manipuliert, dass sich ein wesentlicher Teil der Gesellschaft aus ihr zurückziehen muss. Weil wer macht dann die Meinungsbildung? Wer ist im Digitalen, in der digitalen Öffentlichkeit vertreten? Keine Frauen, keine Minderheiten. Wir brauchen Facts, sehr dringend. Danke. Ja, ich würde noch gern zu dieser Frage was sagen. Gibt es das eine ohne den anderen? Also ich glaube, es ist schon auch klar, dass der Standard sein Forum hat und auch unterhält, weil es natürlich Leserinnen auf die Seite bringt. Oder nicht nur Leserinnen, sondern vor allem, man sieht es ja an den Postings, dass die Leute teilweise die Texte gar nicht lesen, sondern die Überschriften lesen oder die Teaser lesen und das war es dann und sofort ins Forum gehen und über etwas diskutieren, was sie gar nicht gelesen haben. Vor circa zehn Jahren oder fünf Jahren, ich weiß nicht mehr, haben wir bei D-Standard eine super Aktion gehabt. Ich glaube, wir haben es zwei Jahre durchgehalten, dass wir am Dienstag einen forumsfreien Dienstag hatten. Es war ein Traum. Es war super, aber ist dann wieder abgeschafft worden. Es geht einfach schon natürlich darum, viele Leserinnen zu gewinnen, viele Leute zu gewinnen, die teilhaben, aber es ist auch wieder so, dass im Forum beim Standard schon vorwiegend Männer aktiv sind und auch, wie ich schon vorhin gesagt habe, eher immer die Gleichen diskutieren. Man sieht das auch in anderen Zeitungen in Deutschland. Die haben schon auch ein Forum, aber die moderieren offenbar wahnsinnig streng. Vielleicht haben sie auch weniger Postings, das kann ich jetzt nicht sagen. Aber das ist natürlich schon immer eine Entscheidung, wie streng bin ich bei einer Forenmoderation. Und als ich beim Standard angefangen habe, da haben wir ja wirklich diesen seltsamen Zustand gehabt, dass wir selbst als Redakteurinnen das Forum moderiert haben. Und da ist natürlich jede Redakteurin unter ihrem Artikel besonders streng gewesen, natürlich nicht hundertprozentig objektiv, aber da hat schon, also ich kann mich erinnern, es gibt so ein Gefühl für einen Schneeball-Effekt der Diskussion unter einem Artikel und da braucht man natürlich schon eine Bereitschaft, diesen Schneeball-Effekt aufhalten zu wollen. Und das ist natürlich auch eine grundsätzlich finanzielle Frage, inwieweit will man diese Schneeball-Effekte im Negativen auch aufhalten, womit wir wieder bei der Presseförderung wären letztendlich. Ja, gerne. Ich würde gerne die Fragen aufgreifen zum Thema Aufmerksamkeitsökonomie und zwar mit einem unterstrichenen Ökonomie, weil ich finde, wir behandeln das hier und auch ganz allgemein sehr stark als soziale, als politische Phänomene. In Wahrheit steckt aber ein riesiges finanzielles, ökonomisches Interesse dahinter, das oft ausgeblendet wird. Also wir beschäftigen uns damit, wer diskutiert, wie groß sind diese Gruppen, wie erreicht man diese Gruppen Und wenn ich in die Praxis schaue, ist es zum Beispiel so, beim Angriff auf den Iran, das war so das erste massenmedial große Ereignis, wo KI-Fakes wirklich gut waren. Und dann haben wir uns die angeschaut und es gab zum Beispiel relativ gute Videos und Fotos, KI generiert, die haben Flugzeuge der Israelis gezeigt, die total zerstört waren. Und dann wurde ich gefragt, ist das jetzt iranische Propaganda, dass da die israelische Seite als diese Verliererseite dargestellt wird? Und dann haben wir uns die Accounts angeschaut und haben auf diesen Accounts gleichzeitig auch genau das Gegenteil gesehen. Also da haben wir israelische und iranische Flugzeuge in den genau gleichen Posen gesehen, weil deren Ziel war gar keine politische Propaganda zu betreiben und jetzt irgendwie ein bestimmtes Narrativ zu pushen, wer da den Konflikt bestimmt, sondern das Ziel war einfach, ah, okay, viele Leute googeln jetzt wahrscheinlich gerade Iran-Konflikt, womit kann ich mit Clickbait Geld machen? ich bediene einfach mal beide seiten gleichzeitig und haut auf efex raus und das ist einerseits ein total unterschätztes problem andererseits glaube ich persönlich aber auch eigentlich viel zu unter sanktioniert also wir haben recherchen gemacht beim orf einer einerseits zu Bordaktivitäten in unseren Kommentaren, wo wir Millionen an Kommentaren analysiert haben und solche Netzwerke analysiert haben. Wir haben andererseits Recherchen gemacht, wo wir gezielt Falschinformationen und Hassrede und auch nach Verbotsgesetz verbotene Inhalte gemeldet haben und es war uns ein leichtes, riesiger Prozentsatz an Inhalten und auch des geschäftseinbringenden Inhaltes Fälschungen und Betrugsmaschen sind. Und meine Meinung ist, das müsste einfach auch von Plattformseite viel struktureller angegangen werden, weil wenn man das jetzt irgendwie mit Klimawandel vergleichen würde, dann sagen wir jetzt alle die ganze Zeit eine Diskussion, wie man richtig recycelt, während wir eine riesige Müllfabrik auf der Straße sehen haben. Ich hoffe, ich denke an alles, denn einige Fragen noch nicht beantwortet. Ich fange mal an bei dem was ist das eigentliche Problem? Ich mag die Diskussion total, weil ich das Gefühl habe, dass der Diskurs um Fehlinformationen sich schon geändert haten oder so. Also das ist das Problem, dass Fehlinformation, Desinformation eigentlich fast immer was politisch motiviertes ist und deswegen diese Medien einer der Kanäle sind, wie Fehlinformation in die Welt gestreut wird. Wer dann genau wo dahinter steckt, wo Russland mit im Spiel ist und so weiter, ich kenne mich nicht gut genug aus, aber es ist ganz, ganz sicher, was strategisch ist. Es ist auch ganz sicher, diese alternativen Medien sind vor allem rechts und konservativ und das ist nicht nur bei uns so, es ist auch in den USA so. Diese Superscherer von Fehlinformation, das ist im rechten politischen Lager. Es ist eine ganz, ganz asymmetrische Verteilung. Vielleicht auch, weil die Mainstream-Medien solche Positionen nicht vertreten und dann müssen die alternative Medien schaffen. Das ist auch so eine These in der Wissenschaft, wo sie das Gefühl haben, dass sie ihre Meinungen äußern können. Dann war irgendwo eine Frage zu, was sind die, also es war irgendwo die Annahme, dass Social Media die Ursache sind für die gesellschaftlichen Veränderungen, die wir sehen. Und ich glaube, das ist so eine Hauptannahme, die mir wichtig war, immer in Frage zu stellen, wenn ich mir die eigentlichen wissenschaftlichen Fakten dazu angeschaut habe. Mir ist wichtig, dass wir die richtigen Probleme lösen. Und ich glaube, dass Fehlinformation und auch die Hassrede, dass die Symptome sind von tieferen gesellschaftlichen Problemen und dass wir schon Social Media regulieren sollten. Solche Dinge sind nicht gut, aber wir werden damit die grundlegenden Probleme nicht los. Und darum glaube ich, wir müssen wirklich auch dahin schauen, die Polarisierung wächst seit den 70er Jahren. Warum? Die wirtschaftliche Lage wird immer instabiler, es gibt den Klimawandel, es gibt wieder mehr Krieg, es gibt Migration, die anscheinend vielen Menschen ein Dorn im Auge ist. Ich verstehe es selber nicht so gut, weil ich gehöre nicht in dieses politische Lager. Aber ich glaube, es geht darum, dass wir als Gesellschaft verstehen, woher dieser ganze Unmut kommt und woher dieses ganze Misstrauen in uns als linke Elite, in der Wissenschaft, in der Medizin, in der Politik, im Journalismus. Wir sind ja alle nicht die Menschen, die dann diese alternativen Medien lesen und verbreiten. Also ich glaube, dass es ganz wichtig ist, als Gesellschaft dahin zu schauen und dass es dafür nicht reicht, nur Social Media zu regulieren. Und das Letzte, was ich noch sagen wollte, die Ökonomie ist wirklich wichtig, was du gesagt hast und ich vermute, dass ein Problem ist, dass wir Monopole haben bei Social Media, wo eine Person wie Elon Musk bestimmt, wie die Regeln auf einer Social Media Plattform sind. Wir haben in der klassischen Medienlandschaft erkannt, dass wir öffentliche Medien brauchen. Social Media gibt es noch nicht so lange, da sind wir nicht so weit. Aber ich glaube, der Weg muss dahin führen, dass wir auch irgendwie öffentlich finanzierte oder sonst wie finanzierte soziale Medienplattformen haben. Und ich glaube auch vielleicht, dass es nicht gut ist, wenn es zentralisiert ist, diese Macht. Es gibt zum Beispiel Plattformen wie Mastodon, die sind noch langsam nicht so spannend wie TikTok. Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Weg in die Richtung führt, dass nicht eine Person zentralisiert entscheiden kann, was die Spielregeln sind von einem Algorithmus auf Social Media. Und das sind aber alles viel komplexere Probleme, als nur zu sagen, die bösen Ingenieure in Silicon Valley von diesen Social Media Plattformen, da müssen wir wirklich als Gesellschaft ganz viele grundlegende demokratiepolitische Themen angehen. Und ich glaube, deswegen wird mehr über Fehlinformationen geredet. Und die leichtgläubigen Menschen, und da machen wir doch mal eine Online-Intervention, dass die Leute die Nachrichten nicht glauben, weil das einfacher zu tun ist. Und das ist, glaube ich, auch mein Hauptanliegen, einfach das gesagt zu haben. Es geht nicht darum zu sagen, oh, Fehlinformation ist ja gar nicht so häufig. Es geht darum, auf die wirklich wichtigen Probleme zu schauen und nicht die falschen Probleme zu lösen. Danke. Das hat ein bisschen schon wie ein Schlusswort geklungen, aber wir hätten noch kurz Zeit für eine kurze zweite Runde. Ich habe jetzt Hakan, du wolltest dich zu Wort melden und jetzt sehe ich gerade noch eine zweite Frage. Bitte. Danke. Heute war die Presse aufgemacht mit so einer Schlagzeile, die KI scheitert am österreichischen, also an der Sprache sozusagen. Es ist tatsächlich ein Interview mit der Redakteurin des österreichischen Wörterbuchs, das sieht man da. Irgendwie war das für mich so sehr stimmig, das ist tatsächlich Echokammer, also so ist die Presse. Das ist tatsächlich Echokammer. Also so ist die Presse. Und früher waren, glaube ich, diese Grenzen zwischen den, vor allem Printmedien, viel klarer, also sogar klassenbezogen. Es gab die Arbeiterzeitung, viel später ist das Standard gekommen, die Presse hat es schon immer gegeben auf diese Weise etc. Und natürlich die Krone. Also das hat man schon ganz genau gewusst und weiß man heute auch in etwa. Warum betone ich das? Weil es wurde sehr viel über verschiedene Aspekte, sehr wichtige Aspekte des, wenn wir sagen mal, Problems gesprochen. Es gibt natürlich einen Aspekt, schon ein bisschen angeklungen auch, man könnte fast schon sagen, so Wahrnehmungstheorie oder wie auch immer. Es gibt natürlich eine erkenntnistheoretische Ebene bei der ganzen Frage, nämlich was meinen wir, wenn wir sagen Wahrheit oder Fakt oder wie auch immer. Es ist insofern nicht unwichtig, weil gerade in der Zeit der Pandemie war das sehr wichtig, diese Debatte. Vor allem eben der letzte Bildungsminister in Österreich, das war für ihn, glaube ich, fast schon eine Art, wie soll ich sagen, ja, er war fasziniert von dieser Frage, dass wir leider nicht an die Wissenschaft glauben. Also tatsächlich auch mit diesem Wort glauben oder nicht der Wissenschaft vertrauen. Und er hat verschiedene sogar Strategien entworfen, wie wir das doch beheben können, dieses Problem. Hat zum Beispiel Kabarettistinnen und Kabarettisten gefragt, ob sie nicht irgendwie so wie bei diesem, wie heißt es in dem Fernsehen, diese Partie da, dieses Science Busters oder so, dass man so etwas ähnliches macht, damit die Leute halt an die Wissenschaft glauben und so. Und da kam ein Buch heraus, ich weiß nicht, das war so ein, glaube ich, hat auch so einen Essay-Preis gewonnen von Alexander Bogner, Epistemisierung des Politischen heißt es. Und dort wird die These vertreten, was ich sehr gescheit fand eigentlich, die Politik lebt nicht unbedingt vom Wissen, die Politik lebt von Affekten, von Gefühlen großteils und natürlich auch von ganz klar geklärten schon für die einzelnen Menschen, für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger Richthaltungen oder wie auch immer. Und ich glaube nicht, dass eine Debatte über das Faktische oder über die Faktizität sozusagen, dieses Problem ändern kann. Ich glaube, es geht vielmehr um die Frage der Geltung, um sozusagen diesen Gegensatz von Habermas zu verwenden. Ich weiß nicht, wie ihr das seht. Das wäre sozusagen eine etwas so gestellte Frage. Danke. Und eine Wortmeldung hatten wir noch. Ich hätte eine Frage zum Thema Hate Speech. Und da würde mich interessieren, auch allgemein, wie und aus welchem Hintergrund entsteht überhaupt Hate Speech? Auch gerne aus der wissenschaftlichen oder auch journalistischen Perspektive und Einschätzung. Dann würde ich sagen, danke und ich drehe mich wieder um und es gilt dieselbe Regel wie vorhin. Ihr dürft euch gerne herauspicken. Ich würde da gerne zum Hacker noch was sagen. Ja, ich glaube das auch, dass das ganz, dass das in der Corona-Zeit zu so wahnsinnig vielen Verwerfungen geführt hat, dass da eben viele das Gefühl hatten, mir wird jetzt etwas dauernd als wissenschaftliche Wahrheit präsentiert, was in meine tiefste persönliche Privatsphäre reingeht. Und das wurde ja dann irgendwie so als Widerstand geframed und als Aufbegehren gegen eine Autorität. Also ich glaube, gerade in dieser Zeit hat sich gezeigt, wie sehr Menschen dann auch diesen Habitus von wir wissen und wir präsentieren euch jetzt als Medium die Fakten und wir klären euch auf und für euch folgt dieses und jenes daraus. Also das war schon in der Corona-Zeit wirklich ein Lehrbeispiel oder ein Musterbeispiel. Ich habe das ja vorher nie erlebt, wie die Leute damit umgehen und was für Aggressionen und was für Spaltungen das auch mit sich bringt. Ich glaube, das ist auch ein bisschen das, was ich vorher gemeint habe, dass es einerseits natürlich gibt Fakten und Themen, die sich einfach belegen lassen, aber eben so Begriffe wie Wahrheit, Lebensrealität, dass das schon auch Themen sind, wo eben der Faktor Weltanschauung einfach viel zu stark vernachlässigt wird und dass das einfach Ideologie oder Weltanschauung ja immer als etwas gilt, was grundsätzlich problematisch ist. Aber wir haben gewisse Themen, auch in unserer Verfassung zum Beispiel, haben wir Gleichberechtigung verankert. Also es gibt ja Themen, die sowohl in einer Blattlinie oder auch in einer Verfassung verankert sind, als etwas, da wollen wir als Gesellschaft hin. Und das ist etwas, das, glaube ich, wird dann in bestimmten Situationen, die schwierig sind, viel zu stark zurückgedrängt, sodass das zu immensen Kränkungen führen kann und ich glaube, das haben wir eben erlebt während der Covid-Zeit und ich glaube, dass wir teilweise die Folgen, auch die Wahlergebnisse noch immer, ich glaube, wir haben das noch immer nicht aufgearbeitet, noch immer spüren. Danke. Mag noch jemand? Ich kann nichts wahnsinnig schön Intellektuelles dazu sagen, aber wir haben genau aus diesem Grund, dass es eben nicht um die Wahrheit geht oft, sondern um die Affekte. Ja, ein Fehlinformationsprojekt gestartet, wo es um die Emotionen rund um Missinformation geht und da ist auch eben unsere These und auch unsere Ergebnisse waren ganz stark, dass die Emotionen da sind, dass die Aufmerksamkeit anziehen und dass es den Leuten gar nicht so wichtig ist, ob das Zeug wahr oder falsch ist, sondern dass es da immer darum geht, dass es etwas ist, das sie bestätigt in ihrer Wahrnehmung oder dass es etwas ist, mit dem sie in ihrer sozialen Gruppe Status bekommen können. Und deswegen posten sie solche Dinge. Glauben sie vielleicht auch oberflächlich? Wenn man fragen würde, glaubst du es wirklich, weiß ich nicht. Vielleicht haben sie sich dann doch geheim hinten gelassen, keine Ahnung. Aber es geht viel mehr um das Soziale und das Affektive als um, ist es wahr oder falsch, ganz sicher. Und ein Stück weit, obwohl ich wirklich wieder auch keine Expertin für Hassrede bin, beantwortet das, glaube ich, auch die Frage, wie entsteht Hassrede. Ich kenne schon Forschung dazu, die zeigt, dass die Menschen, die online aggressiv sind, dass auch offline sind. Das ist jetzt nicht so, das passiert auf einmal auf Social Media, da gibt es wirklich sozusagen aggressive Individuen und die machen das online vor allem, weil sie da viel weniger Konsequenzen haben, weil sie da eine breite Öffentlichkeit erreichen und zum Beispiel ihrer Gruppe, von der sie Bestätigung wollen, in der sie Status wollen, zeigen können, wie hart sie nicht sind, was für extreme Dinge sie da sagen und damit einfach wieder sich selber Status holen. Ich glaube, da reden wir auch ganz viel wieder von vielleicht dieser Gruppe, die eher männlich ist, radikale politische Meinungen hat, das Gefühl hat, sie verliert in der aktuellen Gesellschaft. Stimmt ja vielleicht aus ihrer Sicht auch, die sind nicht mehr wirtschaftlich so abgesichert, wie sie es früher waren. Ich glaube schon, dass es viele FPÖ-Wähler gibt, denen es nicht so gut geht wie irgendwelchen Menschen, die dann halt die SPÖ oder die Grünen wählen. Ich glaube, die haben schon wirklich Probleme und die Aggressiven unter diesen Menschen suchen sich halt online, digitale Räume eher, weil sie dort das leicht machen können, weil die Hemmschwelle viel geringer ist, weil die Öffentlichkeit groß ist und es keine Konsequenzen gibt. Das wäre so ein bisschen meine psychologische Erklärung, die ich mir zusammenreime, ohne wirklich jetzt wahnsinnig viele Studien über Hassrede gelesen zu haben. Danke. Wollt ihr beide noch was aufgreifen aus der letzten Runde? Zur Hassrede hätte ich noch kurz einen Einwurf. Und zwar hat die Susanne Kaiser ja dieses Buch Politische Männlichkeit geschrieben. Und die hat, finde ich, was Hassrede betrifft, schon einen interessanten Punkt. Sie sagt eben, dass in digitalen Räumen gibt es meistens kein Regulativ, wie im analogen Raum. Also wenn man jetzt, ein plumpes Beispiel, aber den Stammtisch nimmt, ist die Chance, dass irgendjemand dabei sitzt, der dann sagt, naja, jetzt komm mal runter oder übertreib nicht so oder das ist jetzt schon mies, was du da sagst, sondern dass man in digitalen Räumen noch stär ich finde, das ist eigentlich ein ganz spannender Punkt, dass es einfach diesen verstärkenden Effekt digital viel stärker gibt. Vielleicht eine Sache, die mir noch eingefallen ist, auch ein bisschen im Anschluss zu dem, was du gerade vorhin gesagt hast, zur Hate Speech. Ich habe in meinen Zwanzigern, während meiner Studienzeit, zehn Jahre in der Parlamentsdirektion gearbeitet, immer mal wieder auch im Informationsservice. Habe da nicht nur schriftliche Anfragen, sondern auch Telefonanfragen bearbeitet. Das heißt, wir waren da so quasi der Mülleimer der Republik teilweise. Also es gab natürlich viele gehaltvolle Anfragen, aber auch sehr viele Anfragen von wirklich sehr unzufriedenen und sehr verzweifelten Bürgerinnen, die meistens gar nicht wussten, was Gewaltenteilung ist und dass sie hier jetzt nicht mit dem Bundespräsidenten sprechen können, die auch die Funktionen eines Parlaments gerade nicht verstanden haben. Aber was ich am allermeisten in dieser Arbeit gelernt habe, war, da gibt es Leute, die fahren mit einem Tempo 180 in diesen Telefonhörer rein, aber nicht aus Bosheit, sondern weil sie meistens von Behördenstellen schon quasi von Stelle A bis zu Stelle Z geschickt wurden, ihnen niemand zugehört hat, sie das Gefühl haben, sie sind ohnmächtig, ihnen sind die Nachrichten zu viel, ihnen ist der Behördenweg zu viel, sie haben vielleicht, das was du auch gesagt hast, gewisser Weise in irgendeinem Aspekt vielleicht kein super tolles Leben, nicht finanzielle Mitteln, whatever. Und dann stehen sie einem System gegenüber, das nicht dazu ausgerichtet ist, auf ihre Anliegen einzugehen, Sie werden nicht gehört. Natürlich werden Sie im digitalen Raum gehört, weil da sind Sie laut, da haben Sie diesen Raum, da haben Sie auch die Bestätigung von ganz vielen Gleichgesinnten. Das ist jetzt wirklich ein bisschen eine weit hergeholte Definition davon, aber ich musste sehr, sehr oft daran denken, sehr, sehr oft daran denken, dass spätestens dann, als ich den Leuten halt kurz zugehört habe und sie das irgendwie abbauen konnten, meistens sehr zahm waren und sich extrem bedankt haben und dann so klein mit Hut waren am Telefon. Also, weiß nicht, das ist vielleicht ein Plädoyer dafür, dass sich auch staatliche Strukturen ändern müssen, um Leuten dieses Gefühl der absoluten Ohnmacht zu nehmen. Und das wird schlimmer, je mehr wir eben auch Entwicklungen der USA, technischen Entwicklungen unserer Welt ausgesetzt sind, wir fühlen uns mehr und mehr hilflos. Wir sind fast am Ende, deswegen möchte ich noch eine ganz kurze Abschlussrunde machen. Ich habe es auch in der Vorbereitung befürchtet, wir werden dann vielleicht irgendwie sehr deprimiert da rausgehen, deswegen habe ich mir gedacht, ich brauche eine positive Abschlussrunde. Und meine Frage war, was war denn, oder meine Frage ist, was war denn in den letzten Tagen, Monaten oder vielleicht auch halben Jahr was Positives, was ihr in diesem Zusammenhang, was wir heute diskutiert haben, erlebt habt, wo ihr sagt, okay, es ist doch nicht alles verloren. Reihe um, wer anfangen macht, wer schon was weiß. Ich muss einfach immer die Tagespresse nennen, die hält einfach meine Tage oft auf und da war irgendwie zuletzt bei der ganzen SPÖ-Zeiler-Debatte, das war einfach so lustig und so gut gemacht und es ist wirklich einer der Gründe, warum ich Instagram habe. Das ist eigentlich der Ort, wo ich dann wirklich mit der Tagespresse mal richtig lachen kann. Also eine Art von positiver Fehlinformation unter Anführungszeichen. Viktoria? Tatsächlich habe ich das ein paar meiner Friends erzählt, weil es mir die Hoffnung kurz zurückgegeben hat. In meiner Insta-Bubble wurde mir wirklich, warum auch immer, ein Reel eingespielt, ein Video von Widerhoe Coffee Roasters, einem kleinen Kaffeebetrieb in irgendeinem amerikanischen Provinzstadt. Also ich weiß wirklich nicht, wie ich in diesen Algorithmus gekommen bin, dass mir sowas gezeigt wird. Auf jeden Fall hätte es ein Video sein sollen. Zwei Frauen filmen sich, wären sie, also es sind Gäste in diesem Café, wären sie mit dem Owner von dem Café diskutieren. Und der Owner sagt mehrmals zu ihnen, ich habe sie jetzt höflich gebeten, ihr Meeting hier nicht abzuhalten. Und dann wird klar, das sind Pro-Life-Aktivists. so Einschränkung der Meinungsfreiheit und was auch immer. Und er ist halt eh ganz ruhig und sagt, es tut mir leid, weder ich noch meine Frau stehen dafür, wofür sie stehen und es ist mein Café und ich bitte sie nochmal höflich jetzt zu gehen. Und gepostet wurde das eben von den zwei Frauen, den Pro-Life-Aktivists, in der Hoffnung, dieses Café zu zerstören. Und es war klar, das geht viral. Ich habe das gesehen und ich dachte mir schon in der ersten Minute, ich kann das nicht jetzt auch noch aushalten, dieses kleine Café wird da jetzt niedergemacht, ich will die Kommentare gar nicht sehen dazu. Wir werden fix alle über diesen Typen herfallen. Es war einfach das völlige Gegenteil. Es waren, ich glaube, es haben zwei Millionen Leute gesehen und es war der überwiegende Teil von Leuten, die gesagt haben, dieser Mann ist so ein neuer Heiliger dieser Provinzstadt, whatever. Und es war dann ursüß. Ich bin dann voll reingekippt, weil ich dann dieses Café, ich bin dem dann gefolgt. Und habe dann auch gesehen, dass der noch so ein Video gemacht hat. Normal haben die halt so 500 Views, seine Videos. Und das hatte halt zwei Millionen. Und dann so, hey, danke, dass es hier offensichtlich eine Community gibt, die mich da einfach davor bewahrt hat. Und hat irgendwie auch meine, es hat meinen Tag irgendwie erhellt und ich dachte mir, es ist noch nicht alles verloren, es ist nicht nur Hate Speech, es gibt auch Unterstützung, es sind auch unterschiedliche Meinungen zulässig, aber es ist auch okay, wenn man irgendwo die Grenze zieht und es wird unterstützt. Cool, danke. Eva? Ich mache gerne, meins ist ein bisschen trocken, deswegen vielleicht irgendwas. Jetzt habe ich mehr Druck, dass meins nicht trocken ist. Ich habe in den letzten sechs Monaten mit dergleichen nichts zu tun gehabt. Ich habe keine neuen Studien zu Fehlinformationen, Algorithmen oder sonst irgendwas gelesen, weil ich ein Baby bekommen habe. Ich kann mich zurückerinnern an die Zeit bevor, als ich noch als Wissenschaftlerin gearbeitet habe, dass es immer mehr spannende Studien gab dazu, wie man Algorithmen positiv verändern kann. Und ein Beispiel, das ich nennen mag, ist, dass es einen Bridging-Algorithmus gibt, der versucht, diese Posts nach oben zu pushen in der Timeline, wo Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen kommentiert und geliked und so weiter haben. Und das hat wirklich dazu geführt, dass dann mehrere Seiten interessiert waren an diesen Posts und dass die auch eine gewisse Reichweite bekommen haben. Einfach nur so als Message. Man kann Algorithmen, obwohl sie nicht wahnsinnig große Effekte haben, man kann diese nicht wahnsinnig großen Effekte auch so nutzen, dass dabei weniger polarisierende Inhalte rauskommen. Danke. Ja, ich habe an die workshops gedacht die wir mit kindern und jugendlichen führen und die staaten eigentlich meistens damit dass wir sie fragen welche medien sie konsumieren und dann sagen die ganz oft ja die zip auf instagram und dann fragen wir sie und was haltet ihr so vom orf und dann sagen sie den orf konsumieren sie nicht und dann gesagt ja was ist mit der zeit im bild auf instagram ja die zeit im bild hat ja nichts mit dem ORF zu tun und dann denkt man sich, oh je, das geht jetzt nicht gut weiter und in der Tat ist es aber meistens so, dass es schon gut weitergeht, also ich glaube, wir unterschätzen da Kinder und Jugendliche brutal und sind da alle immer sehr pessimistisch und sagen, ja, wenn ich als Erwachsener schon so überfordert bin, wie soll dann mein 14-jähriger Sohn das rausfinden? Und in diesem Workshop sehe ich eigentlich, okay, der hat zwar vorher gefragt, was hat die Zeit im Bild bitte mit dem ORF zu tun, aber dann hat er total clevere Techniken entwickelt. Also die wissen alle, was Ragebait ist, die wissen alle, wie Algorithmen funktionieren, die sind ihren Lehrerinnen und Lehrerinnen bei der Bilderrückwärtssuche sowas von voraus und ich muss dann oft eher die Lehrerinnen betreuen als die Schülerinnen. Aber das um zu sagen, ich glaube, es ist nicht alles verloren und man kann auch ein bisschen klüger werden und nicht nur man kann, sondern ich glaube, man muss auch, weil eine ganz, ganz wichtige Strategie von politischen Bewegungen ist, uns das Gefühl zu geben, dass wir machtlos sind und das sind wir nicht. Herzlichen Dank. Mir bleibt jetzt noch die Aufgabe, Applaus hinweisen, wo Artikel zum Thema drinnen sind von unseren Podiumsteilnehmerinnen von heute und auch von morgen. Und damit komme ich zum letzten Punkt. Morgen ab 10 Uhr geht es hier wieder weiter mit einem Panel zu Minderheiten im Fokus, Dynamiken, digitaler Hasskommunikation und um 12 Uhr mit dem dritten Panel gegenstrategien und demokratische Resilienz. Damit wünsche ich noch einen schönen Abend und ich weise darauf hin, draußen gibt es eine Bar, das heißt niemand muss sofort weglaufen, jedenfalls nicht, weil hier zugesperrt wird. Applaudissements.