Herr Professor, wann haben Sie nach Ihrem Medizinstudium in Wien die Kardiologie als Ihren Schwerpunkt erkannt und warum? Das war eigentlich eine Fügung des Schicksals, würde ich sagen. Ich habe in Wien studiert von 1980 bis 87 und war damals bei der katholischen Hochschulgemeinde und war damals aktiv auch in dieser Gemeinde und bin dann über Umwege auf einen Professor gestoßen in Wien, der Professor Weber hieß und der sich an der Kardiologischen Universitätsklinik in Wien mit Herzrhythmusstörungen befasst hat, sodass mein erster Job eigentlich, noch ein wissenschaftlicher Job, nicht als fertiger Arzt, schon irgendwo im Krankenhaus, dann an der Universitätsklinik Wien für Kardiologie war. Sie haben ja erst vor kurzem in Salzburg diese Fritz-Kendl-Medaille erhalten. Das ist ja nicht irgendetwas, sondern das ist eine Auszeichnung, die, glaube ich, eine Person im Jahr bekommt. Und die waren oder sind eben Sie. Können Sie uns nur erklären, wer eigentlich der Fritz Keindl war und warum eben eine Medaille nach seinem Namen benannt wurde? Das ist auch eine interessante Fügung des Schicksals, weil er war mein erster Chef. Das heißt, damals, als ich an der Universitätsklinik für Kardiologie in Wien war, war er damals Klinikchef und hat gleich auch ganz wichtige Aktionen damals gemacht. Schach dem Herztod, vielleicht können Sie sich erinnern. Das war damals schon unter Defibrillation und Reanimation waren damals schon die Schlagworte, wie kann man bei einem Menschen, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat, noch etwas tun und man kann helfen. Und das ist er, das war er der Gründervater. Und dieser Gründervater hat sozusagen der Fritz Kendl mit Eli auch den Namen gegeben und war als Fügung des Schicksals mein erster Chef. Interessant, ja. Seit Jahren befassen Sie sich mit dem Thema Herzrhythmusstörungen und haben dazu eine spezielle Behandlungsmethode mit Ihrem Team im Ordensspital der Elisabethinen entwickelt. Wie unterscheidet sich diese Methode von der bisher angewendeten? Wenn man Rhythmusstörungen, das heißt Abnormitäten des Herzschlags, des Herzrhythmus, unser Herz schlägt ungefähr 60 Mal pro Minute, zumindest in Ruhe, behandeln will, dann gibt es mal drei Möglichkeiten. Möglichkeit eins ist Medikamente. Möglichkeit zwei sind Geräte, Schrittmacher, Defibrillatoren, die es schon seit 1958 gibt, die es schon seit Jahrzehnten gibt und die Millionen Menschen brauchen. Hauptsächlich primär mal begründet, wenn langsamer Herzschlag da war. Heute bereits bei Rhythmusstörungen längst im Einsatz, wo böse Rhythmusstörungen da sind, die man defibrillieren kann. Und jetzt kommen wir zur dritten Stütze. Die dritte Stütze sind diese Verfahren, wo wir mit Sonden, mit Drähten, die wir von der Leiste einbringen und über die Gefäße hochschieben ins Herz, bestimmte Areale im Herzen verlöten, isolieren, lahmlegen können. Das hat man bisher mit thermischen Methoden gemacht, also mit Hitze und Kälte. Da legen wir elektrische Felder an, Feldstärken, die ganz gezielt auf die Herzmuskulatur abgehen und dort wirken und dort diese Zellen, die wir unter Beschuss haben, sozusagen auslöschen, ohne dass Hitze oder Kälte entsteht. Was den Vorteil hat, wenn ich neutral bin, weder heiß noch kalt, dass ich in der Umgebung des Gewebes vom Herzen, da gibt es andere Organe, es liegt ziemlich zentral im Körper, das Herzen, diese Gewebe nicht schädige. Wir haben heute so eine Mischung zwischen immer noch thermischen Methoden, weil wir da sehr viel Erfahrung gesammelt haben, auch da war ich in der Forschung sehr aktiv, aber diese Elektroporation, gepulste Feldablation heißt das, hat sich und wird sich immer mehr durchsetzen. Meine Aufgabe international ist aber auch neben dieser Forschung und Lehre letztlich auch eine politische inzwischen. Ich habe angefangen, mich europäisch in einer Herzrhythmusgesellschaft zu betätigen, bereits vor 15 Jahren ungefähr, und bin immer mehr hineingekommen, habe mein Netzwerk vergrößern können, international, europäisch, aber auch weltweit. Netzwerk vergrößern können, international, europäisch, aber auch weltweit. Und ich habe mich dann auf Bitte anderer Kollegen dann auch letztlich der Wahl zum Präsidenten gestellt. Ich muss ungefähr 50 Prozent meiner Arbeitszeit dem widmen. Das sind sehr viele E-Mails am Tag, oft 30, 40, 50, die man auch beantworten muss. Sehr viele Telekonferenzen, die ich halten muss. Und es sind sehr, sehr viele Flüge. Ich hatte in den letzten beiden Jahren ungefähr 150 Flüge. Allein für die ERA, European Heart Lymphomastization. Das ist weltweit dann auch dadurch, dass man das natürlich als europäischer Präsident bin ich für 57 Staaten in Europa zuständig. Als gebürtiger Müllviertler wohnen Sie in Schweinbach und fahren wie viele andere aus der Region tagtäglich im Frühverkehr zur Arbeit. Oder gibt es da eine bessere Lösung? Oft schauen noch, wenn es im Winter zu kalt ist und zu eisig, was fahre ich mit dem Rad? Das weiß man inzwischen. Und das ist Spaß, das ist Sport, das kommt mir sehr entgegen. Ich stehe normalerweise um halb sechs auf und fahre dann so kurz vor sechs weg, ungefähr eine halbe Stunde hin und zurück, jeweils 15 Kilometer circa. Und das mache ich mit Leidenschaft, weil das mir auch die Möglichkeit gibt, Sport zu treiben in einer Zeit, die ich sonst nicht hätte und dafür aufbringen könnte. Herr Professor, ich meine, dass gerade Sie als Kardiologe sehr wohl wissen, wie wichtig es ist, dass wir uns bewegen, nämlich sehr viel bewegen, unseres Herzens wegen. Was können Sie unseren Seherinnen und Sehern mitgeben, um auch im Alter fit und gesund zu bleiben? Naja, ich bin jetzt 65 und gehe auch Ende des Jahres in Pension. Ich werde dann noch weiterarbeiten, auf verschiedenen Ebenen, auch medizinisch. Aber was kann man mitgeben? Das Wichtigste ist, dass man das, was jeder weiß, dann auch für sich selbst umsetzt. Das heißt, dass man sich vernünftig ernährt, dass man versucht, dass man nicht übergewichtig ist. Und wenn man übergewichtig ist, dass man abnimmt. Lebensstilmodifikation ist extrem wichtig, aber schwierig. Man braucht etwas, was weiterläuft. Es muss nach vorne gehen und nicht nur nach hinten und in die Rückschau. Man braucht einen Sinn. Man muss dem Leben neue Ziele geben. Natürlich, die Familie, das ist kein Hobby, das ist eine ganz wichtige Sache, eine Bedingung meines Lebens. Aber ich habe die Musik und ich bin bei einem Chor, bei dem Wartberger Chor, zusammen mit meiner Frau. Ich bin in der katholischen Kirche aktiv, ich bin im katholischen Bildungswerk aktiv, weil mir das was bedeutet. Auch das spirituelle Leben ist etwas, was wichtig ist und das ich für mich selber als wichtig erkannt habe. Und wie geht es Ihrer Familie mit Ihnen, der so viel unterwegs ist und so viel auf Reisen? Das müsste man der Familie fragen. Ich glaube, dass ich mit meiner Frau sehr viele Hobbys habe und ich bin mit meiner Frau in die Volksschule gegangen. Familie ist für mich extrem wichtig. Meine drei Kinder sind auf gutem Weg, alle drei. Ich habe eine Tochter und wir haben eine Tochter, nicht nur ich, die Diplomatin ist und die jetzt nach Rumänien geht mit ihrer Familie für vier Jahre. mit ihrer Familie für vier Jahre. Ich habe dadurch auch schon das erste Enkelkind, auf das ich sehr stolz bin. Und ich habe noch zwei Söhne. Einer ist, der Michael, professioneller Musiker, Trompeter in Deutschland, in Braunschweig unter anderem. Johannes ist Pfleger auf der Neurologie im Wagner-Jaurich für fixierte Patienten, für psychiatrische Patienten. Und die Tochter heißt Vera. Unter welchem Motto üben Sie eigentlich Ihren Beruf aus? Es ist wichtig, sich selbst ernst zu nehmen. Das ist wichtig. Tue ich auch. Aber man sollte es nicht nicht so wichtig nehmen. Vielen Dank für diese Schlussworte, die wirklich sehr viel uns sagen und mitgeben und wünschen Ihnen weiterhin noch viel Erfolg in Ihrem Beruf und auch Ihrer Familie. Alles Gute! Dankeschön! Und danke für das Gespräch! Gerne!