Die Sendung wurde vom hr untertitelt. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Kinosendung Perspektiven. Mein Name ist Julia Püringer und ich freue mich sehr über meinen heutigen Gast, die Regisseurin Julia Wieczorek. Ihr Film Die noch unbekannten Tage startet am 25. September im Kino und erzählt die Geschichte der Flucht ihrer Familie aus Polen Ende der 80er Jahre. Wir werden noch weiter über diese Inhaltsangabe sprechen, weil sie deckt den Inhalt dieses Films nur sehr ungenügend ab, wenn ich das so sagen darf. Herzlich willkommen, Jola. Vielen Dank für die Einladung. Du hast ein ganz besonderes Format für deine Doku, ich bin auch mit dem Wort Doku irgendwie unzufrieden, keine Ahnung, wie du das siehst, gefunden. Deine Eltern haben dir Briefe zur Verfügung gestellt, die sie damals geschrieben haben. Es gibt Homemovie-Filme, es gibt aber auch sehr viel nachgedrehte Filme, die ausschauen wie Homemovie-Filme und du hast quasi deine Eltern, weiß nicht, ob gezwungen, das richtig gemacht ist, diese Reise rückwärts nochmal anzutreten, damit du auch Zeugen davon sein kannst, weiß nicht, ob gezwungen das richtige Mal ist, diese Reise rückwärts nochmal anzutreten, damit du auch Zeugin davon sein kannst, von etwas, was du wahrscheinlich nur aus Erzählungen oder ungenügend aus Erzählungen kennst. Ja, ich wollte eine Reise zurück machen mit den Zeitzeuginnen, die damals für die Entscheidungen verantwortlich waren. Zwingen, also gefällt mir nicht so gut. Ich habe sie mehr oder weniger eingeladen. Es gab schon einen Moment, wo wir uns zusammengesetzt haben beim Esstisch im Haus von meinen Eltern und ich sie gefragt habe, ob sie dieses Abenteuer mit mir machen möchten. irgendwie, was es bedeuten wird und wie groß oder klein das Projekt wird. Ich habe es immer sehr klein gedacht, immer sehr intim, immer als ein Familienprojekt sozusagen. Und wir sind mit dem Projekt, glaube ich, auch mitgewachsen, stückchenweise. Und uns ständig angepasst an die neuen Situationen, vor denen wir gestanden sind. Aber sie haben natürlich Ja gesagt von Anfang an, sonst hätte ich gar nicht die erste Förderung beantragt. Wie hast du eine, ich nehme an, du wirst mal geschaut haben, was alles da ist und wie bist du dann dabei gelandet, wie du es umgesetzt hast? Oder ist es dann anders geworden, als du es geplant hast? Nein, es ist relativ ähnlich dem, wie ich es eingereicht habe, glaube ich, für die Herstellung. Man schreibt ja auch ein Konzept und es gab sogar ein Drehbuch in diesem Fall. Das hat mir einfach nur geholfen, das zu suchen und hoffentlich zu finden, was ich gehofft habe. Aber ich brauche einfach diese Schreibarbeit, um mich besser fallen zu lassen und auch auf Unvorbereitetes offen zu bleiben. Und es war natürlich schon so, dass das ein langer Prozess ist. Man beginnt mal mit einem ersten Entwurf und dann sieht man irgendwie, welche Elemente kann ich einbauen, was könnte möglich sein. Man sucht irgendwie auch Inspiration in anderen Filmen, auch in Literatur. Was hast du dir da angeschaut? Eine große Arbeit, die ich immer sehr geschätzt habe, war von Sarah, da muss ich jetzt nochmal, Stories We Tell. Sarah Pauly? Sarah Pauly, genau. Der Film von Sarah Pauly, Stories We Tell. Sarah Pauly? Sarah Pauly, genau. Der Film von Sarah Pauly, Stories We Tell. Über ihre Adoption? Ist das über ihre Adoption? Genau, über ihre Suche nach ihrem wahren Vater. Und sie hat da ja auch viel Material nachgestellt. Das ganze Super-8-Material ist nicht wirklich original, sondern es ist nachgedreht. Und das hat mir ein bisschen Mut gegeben. Ich habe mir gedacht, ja, warum nicht? Vor allem, weil es in meinem Film ja auch um Vergessen geht und um diese Lücken zu schließen, die das Vergessen und die Zeit und die Erinnerung machen, die kann man ja vielleicht dann irgendwie mit nachgedrehtem Super-8-Material fühlen. Und eine andere Arbeit, die mich auch inspiriert hat, war der marokkanische Film, das müssen wir dann nochmal, ich will den ganzen Satz nochmal sagen, Mothers of All Lies, ein marokkanischer Film von einer jungen Regisseurin, wo sie auch ihre Familie mit einem Massaker, das in Marokko stattgefunden hat, verbindet und versucht irgendwie herauszufinden, was damals tatsächlich passiert ist. Der Film ist leider nie in Österreich gestartet. Bis jetzt, was ich sehr schade finde, wenn Sie den irgendwo online finden, bitte schauen Sie sich an. Sie baut mit lauter so Papierpuppen die ärgsten Dinge nach. Und auch die eigenen Eltern stehen dann in diesen nachgebauten. Und die Oma. Der Vater baut mit ihr ein Modell nach von der ganzen Stadt, von dem Dorf. Und die ganze Familie ist auch etwas unwillig bei diesem Prozess. Also es ist nicht immer leicht, über etwas zu sprechen, worüber einfach sehr lange gar niemand gesprochen hat. Große Empfehlung, danke, dass du den erwähnst. Genau, der hat mich auch irgendwie, natürlich irgendwie, wir haben anders nachgebaut. Wir haben auch kurz überlegt, ob wir an einem Modell arbeiten wollen. Wir haben dann aber die Erinnerungsräume geschaffen. Auch dadurch, weil meine Mama schon immer schlechter gesehen hat und ich dann gedacht habe, es wäre besser, wenn sie dann wirklich in einem Raum kommt und nicht irgendwie versucht, irgendwie etwas zu erkennen und zu entdecken. Und dann habe ich mich aber sehr auch durch autosoziobiografische Literatur inspirieren lassen. Ich habe viel Annie Arnaud gelesen, viel Didier Riband. Aber was mir auch sehr Mut gebracht hat, war das Buch von Doxysche Pommes, die ja auch ihre Integrationsgeschichte in dem Buch verarbeitet. Und ja, all diese Bücher haben mir gesagt, wenn ich die Literatur kann, dann kann ich es vielleicht auch im dokumentarischen Kino. Du hast quasi die Erlaubnis gesucht von anderen, die diesen Weg gegangen sind, dass du das darfst. Man darf recyceln, man darf sich von überall was herholen, was selber zusammenbauen. Man darf auch kopieren. Ich finde, man darf das. Es ist, glaube ich, eine große Illusion zu glauben, dass man alles neu erfinden muss. glaube ich, eine große Illusion zu glauben, dass man alles neu erfinden muss. Und die Collage ist ja dann irgendwie das Interessante. Und die eigene Stimme und der eigene Weg kreiert dann sowieso etwas Neues. Ich finde, du bildest ja doch auch gut ab, dass Erinnern auch ein Prozess ist mit großen Lücken. Dass es auch die eine Erinnerung, die dann alles erklärt, nicht gibt, weil jede Person sowieso andere Auslassungen hat, Dinge anders erinnert, oder? Extrem. Also die Erinnerung ist eine verrückte Sache. Jeder kann sich ganz anders an ein Event erinnern, obwohl es alle gleich erlebt haben und um diesen Schauplatz gestanden sind. Wir können uns ja auch nur erinnern, weil wir auch vergessen und dadurch irgendwie entsteht dann irgendwie eine eigene Konstruktion, die mit der Zeit sich auch kontinuierlich verändert, weil man neue Erfahrungen macht und darauf irgendwie anders die Erinnerung wieder aufbaut. Und ich habe das total gemerkt, wie ich irgendwie meine Eltern interviewt habe, wie ich meine Mutter und meinen Vater getrennt interviewt habe, wie anders sie sich an alles erinnert, wer sich an was erinnern kann und was vergessen wurde. Und ich habe mir dann aber gedacht, das kann man umarmen, das kann man alles geltend machen, das darf alles existieren in diesem filmischen Raum. Das ist genau das Interessante. Die Wahrheit liegt dann irgendwo im Dazwischen. Mir hat mal eine Autorin erklärt, dass quasi unser Gehirn sich auch umbaut. Es erinnert sich jetzt nicht mehr so, wie es sich vor fünf Jahren erinnert. Also genau wie du sagst, die neuen Erfahrungen bauen die Erinnerungen um. Ich habe sehr bei deinem Film an die Joan Didion denken müssen, mit diesem berühmten Zitat, We tell ourselves stories in order to live. Ab dem Moment, wo man eine Geschichte daraus baut, hat es natürlich sofort einen Anfang, ein Ende, Höhepunkte. Und das echte Leben ist ja keine Aneinanderreihung von Geschichten, sondern wir verwenden das, um es zu strukturieren irgendwie, damit wir nicht verzweifeln angesichts dieses Graut und Truben durcheinander. Extrem. Also ich glaube, wir erinnern uns auch dramaturgisch. Also ich glaube, wir erinnern uns auch dramaturgisch. Also nach Aristoteles. Es funktioniert, weil es einfach auch irgendwie eine Erinnerungsdramaturgie in uns widerspiegelt. Insofern ist ja dein Job quasi ideal, um solchen Herausforderungen zu begegnen, oder? Ja, ich weiß aber nicht, ob ich noch einmal eine so persönliche Reise angehen würde. Also das ist dann schon nochmal was anderes, wenn man mit Menschen arbeitet, die einem so nahe stehen und die eigene Geschichte versucht irgendwie zu erzählen. Also ich war, glaube ich, auch sehr naiv und war mir gar nicht bewusst, wie schwierig das werden könnte. Das wollte ich dich auch fragen. Das muss ja emotional eine große Herausforderung für alle gewesen sein. Wie seid ihr damit umgegangen? Auch das Ding, über das man lange nicht gesprochen hat, wieder auftauchen und wieder... Habt ihr psychologische Begleitung gehabt oder wart ihr selber die psychologische Begleitung? Ich hatte schon psychologische Begleitung. Ich glaube, das ist relativ extrem wichtig. Ich glaube, immer beim Filmemachen, bei kreativen Prozessen auch eine Therapie nebenbei zu machen. Aber der Dreh war ja nicht irgendwie in einem durch. Wir haben zuerst den Roadtrip gemacht. Das war noch während der Entwicklung. Dann hatten wir wieder eine Pause. Wir haben gewartet, bis das Geld kommt, die Förderungen kommen. Dann haben wir wieder eine Pause. Wir haben gewartet, bis das Geld kommt, die Förderungen kommen. Dann haben wir wieder ein bisschen was gedreht. Ich habe auch immer wieder allein mit meiner Mama in einem sehr intimen Rahmen mit der Super-8-Kamera gefilmt. Also es war nicht immer alles irgendwie in einer Wucht. Man hatte immer Zeit dazwischen auch mal wieder irgendwie nur die Familie zu sein, ich die Tochter und meine Eltern die Eltern. Aber die Rollen waren halt schon eine Herausforderung. Also ich habe mich oft irgendwie so hin und her gerissen gefühlt, weil vor allem bei dem Roadtrip war auch unser Sohn dabei, mein Partner war dabei, ich war Mutter, ich war Tochter, ich war Regisseurin, ich war die Autorin, ich habe den Ton gemacht und von wegen doch belassiert. Und das hat dann schon geschlaucht. Und meine Eltern haben mich ja natürlich auch nicht gekannt in der Rolle der Regisseurin. Das war für sie, glaube ich, schon noch speziell, mich da irgendwie in der Arbeit zu begleiten. Aber schlussendlich haben wir es dann, glaube ich, auch alle sehr genossen, seine Reise zu machen, uns näher zu kommen, Sachen anzusprechen, die vielleicht ein bisschen tabu waren. Das löste auch irgendwie etwas aus. Das ist dann irgendwie schon auch ein Befreiungsakt. waren sie, glaube ich, auch irgendwie eher dazu bereit, weil sie auch das Gefühl hatten, sie sind es nicht nur mir auf eine Art schuldig, sondern sie wollen es auch für ihren Enkel machen, also für die nächste Generation, dass auch mein Sohn weiß, woher er kommt, warum er einen polnischen Nachnamen trägt. Und ich glaube, wäre ich nicht Mutter geworden in diesem Zeitrahmen, dann wäre der Film auch wahrscheinlich anders geworden. Eine andere Dringlichkeit, oder? Eine andere Dringlichkeit, aber auch eine andere Empathie. Ich habe das auch selber gemerkt, als ich ein Kind gehabt habe. Gerade wenn man sehr jung ist, in den Teenagerjahren, aber auch noch in den frühen Zwanzigern, ist die Eltern sind an allem schuld, ist so ein total naheliegender Gedanke und ab dem Moment, wo man selber ein Kind hat, ist es natürlich nicht mehr so super. Man kommt drauf, dass Eltern Menschen sind. Ja, dass man Fehler macht. Mit bedürfnissen Meinungen, Dingen, die sie tun. Und das habe ich, ich habe eigentlich sehr lachen müssen, wie, was man als Kind, nämlich nur als Kind und auch nur auf die eigenen Eltern einen sehr verstellten Blick hat, weil man sie immer in dieser Funktion erlebt, von klein auf. Und sie sind irgendwie die ersten Menschen, die man gut kennt. Ja, die man am besten kennen wird über das ganze Leben, weil man verbringt fast niemanden so viele Jahre wie mit den Eltern. Natürlich kommt es darauf an. Aber man kennt sie nur als Eltern. Sie waren vorher angeblich auch schon Menschen. Ja, aber das Kind sieht nur die Mama und den Papa. Um das kurz dem Publikum zu schildern, was da passiert. Also ihr, jetzt deine Eltern, du, dein Bruder und hinter der Kamera noch deine Familie, deine quasi junge Familie, fahrt gemeinsam nach Polen, besucht die Wohnung, in der deine Eltern mit euch gelebt haben. Ist es tatsächlich dieselbe Wohnung oder eine ähnliche Wohnung? Es ist eine darunter, weil in die eigene konnten wir da nicht rein und deshalb filme ich auch nicht die Wohnung selber, sondern einfach nur den Blick vom Balkon. Aber wir sind in dem Wohnblock, wir fahren mit dem Lift. Wir gehen durch diese Gänge. Und der Lift geht inzwischen. Das ist ein Running Gag in dem Film. Also Gag eigentlich nicht. Das war aus dem 14. Stock, oder? Es ist der 13. Stock gewesen. Und sie haben gerade den Lift umgebaut. Und wir kamen wirklich noch im letzten Moment, weil sie haben, der rechte Lift war schon modern und schon umgebaut. Und der linke war noch der alte. Also wir haben wirklich noch so die letzte Woche vom alten Lift erlebt. Quasi historisches Dokument. Das wollte ich auch fragen, wie leicht war es, Orte wieder zu finden, also architektonisch auch, oder wo drehen zu können, war das schwierig oder war es dir auch ein bisschen egal, wo drehen zu können, war das schwierig oder war es dir auch ein bisschen egal, weil du eh spielerisch dich, also die berüchtigte Authentizität war ja gar nicht so wichtig oder? Ich habe schon an Locations gesucht, die uns ein bisschen irgendwie den Kommunismus nach vibrieren, also wo man noch irgendwie ein Echo spürt. Das Hotel haben wir vielleicht gefunden, es ist unsicher, ob es tatsächlich dieses Hotel war. Wir haben es gesucht. Wir waren uns dann alle unschlüssig, es hätte dieses sein können, musste es aber nicht sein. Aber das reicht ja, oder? Und irgendwie mal einfach eine Suche zu ermöglichen und dann zu schauen, was passiert. Ich hatte schon einen Produktionsassistenten, der vorab so ein bisschen gesucht hat, aber zum Beispiel diese Disco Polo, das habe ich durch Zufall dann gefunden. ein aussterbendes Phänomen, das gibt es immer weniger, weil die Generation, die noch Disco Polos gemacht hat, einfach auch ausstirbt. Und das war ein totaler Glücksgriff und meine Eltern waren irgendwie total nostalgisch, auf einmal wieder auf seiner Balanga, wie man in Polen sagte, zu sein. Das Wohnhaus war natürlich irgendwie klar, wir sind aber auch in die Geburtsstadt meiner Mama gefahren, auch an den Friedhof. Das ist dann alles nicht im Film, aber es ging nur darum, uns zurückzuversetzen in dieses Leben damals in Polen. Wie wäre es gewesen, wenn wir geblieben wären? Was ist noch übrig von dem Leben, was wir damals gekannt haben? Und dann passieren so magische Sachen, dass wir dieses Fotostudio gefunden haben, wo wir das Familienfoto nachstellen. Und dann zeige ich das Original und die Fotografin deckt auf und sieht, ah, das ist Kodak-Papier. Wir waren die Ersten, die Kodak-Papier nach Polen importiert haben. Also wahrscheinlich war dieses Fotostudio, das war wahrscheinlich mein Vater, der dieses Foto gemacht hat, weil ein anderes Fotostudio hatte nie Kodak-Papier. Und dann waren wir zufällig wirklich in dem gleichen Fotostudio wieder. Also das Leben schreibt dann seine eigene Geschichte. Dann kommt quasi diese, dann sehen wir Dreiskirchen, du hast quasi diesen Ankunftsort, also dieses Zimmer nachgebaut oder nachbauen lassen. Wie seid ihr da, wie seid ihr an das herangegangen? Hast du da unabhängig von deinen Eltern recherchiert, mit Fotos, mit TV-Material, wie das ausgeschaut hat oder wie habt ihr das gemacht? Kaum. Also wir wollten wirklich so Erinnerungsräume schaffen und wir haben uns vorwiegend an den Erinnerungen meiner Eltern orientiert. Das heißt, an den zwei Interviews, okay, was klebt an den Türen, was für Stickers hätten es sein können. Aber es waren ja nur Andeutungen. Ich wollte es nie eins zu eins machen. Und diese Räume dienten halt einfach dann auch irgendwie, um diese Memory of the Body zu wecken. Ich war mir dessen bewusst, dass vielleicht meine Mama nicht mehr sich gut ausdrücken kann, nicht mehr viel erzählen kann, aber trotzdem merkt man, dass etwas passiert in ihrem Körper, wenn sie in diese Räumean und seinen Filmen, der ja auch sehr viel mit Memory of the Body arbeitet. Ich habe auch ein paar Bücher dazu gelesen. Das ist wirklich extrem spannend, dass wir immer glauben, alles ist im Hirn gespeichert, aber es ist in unserem ganzen Körper gespeichert. Warst du da nervös vorher? Ja, weil ich wusste nicht, was passieren wird. Also das war wirklich so, wow, okay, hoffentlich funktioniert das. Ich wusste auch nicht, wie meine Eltern reagieren werden. Ich wollte unbedingt eine Retraumatisierung vermeiden. Da hatte ich total Angst, dass das vielleicht irgendwie zu viel wird. Gleichzeitig hatte ich auch schon das Gefühl, dass die Distanz, also die Zeit schon sehr viele Wunden geheilt hat, dass da irgendwie dieses Kapitel auch schon für sie so in einer Art abgeschlossen war, schon viel darüber gesprochen wurde durch den Roadtrip, durch die Interviews, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, ich glaube, ich traue es ihnen zu, aber wir waren auch jederzeit bereit, abzubrechen, wenn es zu viel geworden wäre. Dann gibt es die Ankunft im Salzkammergut und ich finde das ja, wir neigen ja immer zu großem Ausdruckkitsch, wenn wir über das Salzkammergut und ich finde das ja, wir neigen ja immer zu großem Ausdruckkitsch, wenn wir über Salzkammergut reden. Und ich finde, dein Film zeigt sehr deutlich, wie sehr wir andere Perspektiven brauchen, auch auf Land und Leute. Und dann kommen deine Eltern dort an und werden halt auch irgendwie von Beginn an mal ausgebeutet als günstige Arbeitskräfte, oder? Natürlich, das passiert oft und schnell. Ich glaube, das passiert heutzutage noch viel eher. Aber zuerst mal kommt die Faszination natürlich. Also die Faszination von diesem Westen, von dieser Natur, von all diesen Läden, den vollen Geschäften. Ich glaube, das war zuerst mal so ein Wow-Moment, sowohl für meine Eltern als auch für uns Kinder. Mein Vater hat das schon 1988 einmal erlebt und war immer noch sehr unter einem Einfluss. Aber dann kamen natürlich relativ flott auch so die ersten Enttäuschungsmomente, weil ich war mir dessen ja auch gar nicht bewusst, was das dazu mal bedeutet hat, in einem neuen Land Fuß zu fassen. irgendwie durchgeschlagen. Es gab keine Übersetzungsfunktionen. Natürlich hatten wir Wörterbücher dabei, aber man geht aufs Amt und versucht irgendwie eine Anmeldung oder eine Schulanmeldung zu machen und ich weiß gar nicht, wie sie das gemacht haben. Natürlich ist man dann abhängig von anderen Menschen, die hoffentlich einem helfen wollen, aber man weiß es ja nicht. Man wird irgendwie skeptisch. Irgendwie ist das jetzt ein Freund oder ein Helfer oder eher jemand, der einen in eine Falle lockt. Und dann, ja, man weiß ja auch nicht, wo man in einem Jahr sein wird. Also wir warteten auf ein Asylverfahren, also wir waren im Asylverfahren noch. Wir wussten nicht, gibt es ein Positiv oder ein Negativ, wie man damals sagte. Und das wahre Ziel war ja was, Australien oder Kanada? Eigentlich Kanada. Es war aber auch Schweden, Australien eine Möglichkeit, es war sogar Südafrika eine Möglichkeit. Also sie wussten nicht, sollen sie Deutsch lernen oder Englisch lernen, sie haben eine Zeit lang beides parallel gelernt, bis dann irgendwann mal klar wurde, dass es wahrscheinlich dann vielleicht doch nicht mehr über irgendeinen großen Teich geht. Damit haben sich deine Eltern dann abgefunden, dass es Österreich bleiben wird? Nein, wir haben ein negatives Asyl bekommen. Das war klar, dass das schon mal sehr viel unmöglich macht. Und dann hätte man in Kanada einen privaten Sponsor gebraucht und den haben sie dann nicht gefunden. Mein Vater hatte zwar Studienkolleginnen noch, die ausgewandert waren, aber es war einfach so, okay, es wird wirklich kompliziert und vielleicht warten wir vier, fünf Jahre und dann müssen wir wieder von woanders anfangen. Wir sehen einen kurzen Ausschnitt von Die noch unbekannten Tage von Julia Wierzarek über ihre Familie, die aus Polen geflohen ist, Ende der 1980er Jahre. Hier in Polen noch jemand zu Hause. Es sind 38 Millionen und die sind alle in den Westen gegangen. Du musst blühen. Du bist blühe, du bist blühe. Du bist blühe, du bist blühe. Du hast nie gerne über diese Zeit gesprochen. Über den Übergang von dort nach hier. Vom Osten in den Westen. Juš nagrybaš? Mhm. Aha. Zum Dušu ni pamiętam z tego teš juš. Nie. A co ješte pamiętaš? Ich will die Zeit, die uns bleibt, nützen, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Wir warteten auf das neue Leben. Vor uns lag eine große Anzahl von noch unbekannten Tagen. Ich verstehe, dass der Film für dich ein sehr aufwendiger Prozess war, weil es auch privat, glaube ich, ein sehr aufwendiger Prozess ist. Und gleichzeitig ist Österreich das Migrationsland. Wir haben, ich glaube, ein Viertel aller EinwohnerInnen von Österreich hat Migrationshintergrund. Also ist das eigentlich eine total gängige, weitverbreitete Geschichte, die du erzählst. Wie hast du das gemerkt, auch vom Feedback, vom Publikumsfeedback? Weil ich denke, es werden sich ja sehr viele Leute da traurig und begeistert wiederfinden, oder? Ja, also bei der Weltpremiere in Saarbrücken war das unglaublich, wie viele Polinnen und Polen im Saal waren. Bei der Weltpremiere in Saarbrücken war das unglaublich, wie viele Polinnen und Polen im Saal waren. Und jemand ist aufgestanden und hat gemeint, er war Kinogäher, hat sogar in der Filmindustrie gearbeitet und hat gemeint, er hatte noch nie einen Film gesehen, der auch seine Geschichte erzählt. Ich hoffe schon, dass der Film in ganz vielen Migrationsgeschichten resoniert, weil das war auch immer unser Ziel. Also wir wollten immer eine kollektive Geschichte erzählen. Wir wollten immer von uns aus auf das große Migrationsgeschichten, also mehr als eine erzählen. Eine von tausend, die aber halt dann doch irgendwie in einer ähnlichen Weise passiert. Natürlich unterscheiden sich alle, aber dieser Erlebnishorizont ist einfach sehr ähnlich. Dieses woanders aufgeben und woanders neu starten. Und was war nochmal deine Frage? Das war es gerade. Genau, mit dem Publikum. Also das ist natürlich total schön, wenn dann Menschen irgendwie sagen, wow, ich finde mich da wieder. Und tatsächlich ist es so, es ist schwierig in Wien eine echte Wienerin, einen echten Wiener zu finden. Es gibt ja auch diesen Witz irgendwie, was ist die zweite Sprache Wiens? Und das ist das Deutsche, weil die erste halt meistens irgendwie die Sprache der Eltern ist. Trotzdem beobachte ich, dass es für die erste Generation, also für die, die auswandern, schwierig ist, Wörter zu finden, Sprache zu finden, das Ganze irgendwie nach außen zu kommunizieren. Ich glaube, erst die Kinder, also ich und die, die vielleicht noch im Ausland geboren sind, also in der ersten Heimat geboren sind und dann hier aufgewachsen sind, wir finden halt dann irgendwie Möglichkeiten, das nach außen zu kommunizieren, wie toxische Pommes, wie ich. Es gibt jetzt, glaube ich, auch ein neues Buch, was rauskommt von Stanic, auch ihre Geschichte über das Ankommen hier. Und das ist natürlich irgendwie total schön für mich, dass man da einfach jetzt irgendwie so solidarisiert und sagt, ja, auch das sind Realitäten, auch das muss man erzählen. Und das sind auch österreichische Geschichten, genau. Und ich finde, dass unser Filmland, also jetzt vor allem auch bei den Spielfilmen, das unfassbar schlecht abbildet. Also wir haben, bis vor kurzem haben wir quasi, haben Schlossbesitzerfilme über die Flüchtlingskrise gemacht. Ja, das ist ein Seitenhieber Fahnecke. Das kann uns nichts erzählen. Es kann uns nichts erzählen über die Konflikte von Menschen. Es sind so, ich sage immer so, so Thesenfilme. Aber wir brauchen Filme über Menschen und erstaunlicherweise können halt Leute, die selber Migrationshintergrund haben, vielleicht besser Migrationshintergrund erzählen oder Leute, die Menschen mit Migrationshintergrund nicht zuhören, sollten es vielleicht lassen jetzt so. Das reicht ja schon mal. Und ich finde auch, also ich habe letztens mit einer Freundin lange darüber gesprochen und wir haben gesagt, wir haben in der Schule immer gelernt, die Perspektive von Österreich auf die Welt und haben lange gebraucht, um darauf zu kommen, dass es eine der uninteressantesten Perspektiven ist, die man haben kann. Weil die österreichische Meinung über irgendwas halt allein durch die Größe des Landes bedingt uns gar nichts beibringt. Und ich finde, über unser Land, wie das schon klingt, über Österreich lernt man halt viel mehr über Leute, die gar nicht ursprünglich von da kommen, weil das eine ganz andere Perspektive ist, wenn man was anderes schon kennt. Naja, und wir sind ja auch keine Insel, wir sind mitten in Europa. Wir haben an jeder Ecke, fahren wir 200 Kilometer in den Norden, Osten oder Westen, kommen wir in eine Grenze. Deswegen ist es so absurd, dass man überhaupt denkt über das als Land von Österreich. Wir müssen es immer in einem geografischen Kontext, in einem historischen Kontext sehen. Was ist schon österreichisch? Was ist schon eine österreichische Geschichte? Also ohne den Einfluss von außen. Wie wenn man so einen Kreis drum herum malt und dann sagt, das ist es. Ja, wie Olga Kosanovic auch irgendwie im Lipizzaner-Film, also auch die Lipizzaner sind zugewandert. Wir müssen auch immer schauen, woher kommen diese ganzen Traditionen, auf die die FPÖ zum Beispiel pocht und irgendwie auf die sie so stolz sind. Das ist ja auch alles Einfluss von anderen Kulturen, von anderen Ländern. Also eben, das ist dann schon so. Also ich habe einfach den sehr großen Wunsch, dass sich sehr schnell auch unsere Filmlandschaft ändert und das abbildet, weil wir halt auch auf die interessantesten Geschichten verzichten, wenn wir das ignorieren, finde ich. Ja, Filmlandschaft, Bücher, Kunst, alles darf jetzt irgendwie Platz finden und andere Perspektiven. Und ich hoffe auch, dass sich das jetzt irgendwie wandelt und dass man mehr zuhört und weniger versucht irgendwie auszupläern. Ja genau. Oder halt irgendwie mit österreichischem Geld irgendwo hinfahren, dann dort die Bilder mit heimnehmen und so tun, als ob man damit irgendwas Sinnvolles getan hätte. Du hast selber erzählt und bitte unterbricht das sofort, wenn du das zu persönlich findest, das ist mir nur etwas, was man sehr vertraut ist, wenn man selber ein Kind bekommt, ist der Wunsch nach einer Erzählung noch viel größer, oder weil es dann nicht bei einer selber endet. Und du hast eh schon angedeutet, dass das auch ein Antrieb war. Wie ist es dir damit gegangen? War das auch stressig? Oder war das halt, dass man plötzlich aus dieser doch sehr disparaten Familiengeschichte versucht, was Erzählbares zu machen irgendwie, oder? Nein, es war gar nicht, ich glaube, es hat es mir leichter gemacht, ehrlich gesagt, weil ich das Gefühl habe, ich erzähle in eine Richtung, ich erzähle zu meinem Sohn hin, also ich mache es auch für ihn. Es gab mir eine Ausrede, um ein bisschen tiefer zu graben oder den Mut, irgendwie auch Fragen zu stellen, die ich sonst nicht gefragt hätte. Weil ich das Gefühl hatte, ich mache es eben für mich, ich mache es für meinen Sohn, ich mache es natürlich auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Weil ich das Gefühl hatte, wir hören so selten Integrationsgeschichten, die so ganz genau nacherzählt werden, irgendwie von einem Monat zum anderen, die Veränderungen, die Gemütszustände, diese Verzweiflung, diese Trauer um das Land, wo man eigentlich gerne zurück möchte, aber einfach nicht kann. Aber irgendwie, natürlich war es schwierig, irgendwie auch mit meinem Sohn zu drehen, weil er war noch sehr klein und ich habe teilweise noch gestillt und irgendwie, es war wirklich ein bisschen ein Chaos. Aber gleichzeitig habe ich mir gedacht, es ist so schön, ich glaube, der Film wird einfach an Bedeutung gewinnen. Wenn der Elio vielleicht dann auch 25 oder 30 ist und dann auf einmal diesen Film entdeckt, wo er noch seine Großeltern erleben kann und das Leben, von wo seine Mutter damals gekommen ist. Also ich glaube, ich bin mir jetzt noch gar nicht bewusst, was für eine Bedeutung er hoffentlich dann irgendwann mal gewinnen wird. Waren deine Eltern auch manchmal überrascht, weil die eigene Erinnerung ist ja ein Hund und sie werden ja auch gar nicht mehr alles so präsent gehabt haben oder vielleicht auch ein bisschen anders, als es dann in den Briefen war. Und noch eine Anschlussfrage ist, war man in den Briefen nach Hause immer ganz ehrlich? Weil ich nehme an, man wird ja auch ein paar hässliche Sachen vielleicht verharmlost haben oder damit sich daheim keiner Sorgen macht. Also inwieweit war das alles verlässliches Material? Natürlich, also natürlich waren meine Eltern manchmal überrascht über das, was sie damals geschrieben haben, wie sie den Westen empfunden haben, auch irgendwie über die Asylanträge, die ich gefunden hatte. Also da habe ich ja auch die ersten Skizzen gefunden. Meine Mama hat alles aufgehoben. Aber die hat wahrscheinlich den selben Hintergedanken gehabt wie du, oder? Ja, sowieso. Aber es ist schon so gewesen, dass Sachen, um die Familie zu Hause nicht in Sorge zu halten, einfach verheimlicht wurden. Dass es teilweise eben ein bisschen netter beschrieben wurde, je nachdem an wen geschrieben wurde. Meine Mutter hat sehr viel an die Schwester geschrieben und bei der Schwester war sie sehr viel ehrlicher. Auch die Briefe zwischen meinen Eltern, die waren ziemlich tachles. Aber an die Eltern, da wurde es ein bisschen weniger geschönt. Also mehr geschönt, genau. Und ich habe aber versucht, das schon so ein bisschen auszufiltern oder genau in dem Moment vielleicht irgendwie aufzugreifen, wenn es irgendwie gepasst hat. Wir hatten auch eine schöne Szene, die leider nicht im Film war. Es gibt diese Telefonzellen, die in Dresdkirchen standen, viele Jahre lang und die dann auf die Biennale gebracht wurden. Da gibt es das schöne Foto, wo sie auf dieser Gondel oder in Venedig sind. Genau, genau. Und wir fuhren dann nach Venedig und haben das dort auch gedreht, weil mein Vater eben genauso wie die Künstlerin erzählt hat, es wurde so viel verschönt. Also man hat erzählt, was für leckere Suppen man dort bekommt und wie toll einem alle aufgenommen haben. Und man konnte da auch mithören. Und das war so schräge Dissonanz zu der Realität, zu der man dann aber nach der aus der Telefonzelle gestiegen ist, zurückkehrte. Und ich habe dann versucht, irgendwie das ein bisschen einzubauen, aber die Szene ist dann halt gekippt, weil es einfach, ja, so in eine andere Richtung gegangen wäre. Dann wären wir auf einmal in Venedig gewesen. Das hätte einfach nicht gepasst. Ich wollte hier fragen, wie viele Darlings du killen musstest. Du hast ja scheinbar auch mit anderen Familienkontakt gehabt, die noch weiter ausgewandert sind. musstest. Du hast ja scheinbar auch mit anderen Familien Kontakt gehabt, die noch weiter ausgewandert sind. Also einerseits wie ist dieser Prozess des Darlingskillens und ist es so wie beim Schreiben, also wie ich es als Journalistin kenne, dass auch die Dinge, die nicht mehr vorkommen, trotzdem ihre Spuren hinterlassen? Ja, man sammelt beim Dokumentarfilmen. Es ist ja wirklich irgendwie, manchmal fühle ich mich irgendwie so ein bisschen wie eine Bärin, die durch den Wald geht und alle Früchte einsammelt in den Korb und dann schaue ich irgendwie, was irgendwie am besten... Das tue ich mit dieser Totenmaus. Genau. Oder welche Marmeladenmix irgendwie aus welchen Bären irgendwie schmeckt am besten. Und irgendwie ist es auch schön, all diese Geschichten einzusammeln. Ich weiß ja auch nicht, ob ich das nicht später irgendwie wieder aufnehmen kann in einem Kurzfilm oder in einem anderen Film. Aber das Darling-Killen ist natürlich immer sehr schmerzvoll. Wir mussten eben vor allem diese Begegnungen, diese Besuche durch die Erinnerungsräume, die haben wir eben auch mit anderen Polinnen und Polen gemacht, die ungefähr zur gleichen Zeit mit uns in Dresdkirchen waren. Polinnen und Polen gemacht, die ungefähr zur gleichen Zeit mit uns in Dresdkirchen waren. Und das waren extrem schöne Momente, super rührend, wunderbare Geschichten. Es war unglaublich toll, wie die Leute mit uns das geteilt haben. Aber wir haben dann relativ früh einfach gemerkt, das ist zu ausgefledert, das geht in eine andere Richtung. Wir müssen bei unserer Familie bleiben, wir müssen irgendwie uns fokussieren. Das geht in eine andere, wir müssen bei unserer Familie bleiben, wir müssen irgendwie uns fokussieren. Aber ich habe es, ich habe diese Geschichten hier drinnen und vielleicht mache ich irgendwann mal was mit diesen Geschichten. Das ist etwas, was natürlich einen dann irgendwie, ja, dass man im Rucksack halt mit sich trägt und es ist in Ordnung. Dein Partner hat den Film geschnitten. War das einfach oder schwierig? Es war total überraschend einfach. Ich habe ja mich am Anfang ein bisschen geweigert, deshalb hatte ich zuerst eine polnische Editorin, die Eva Gollis. Mit ihr habe ich den Rohschnitt gemacht. Und Eva kennt halt sehr gut den politischen und wirtschaftlichen Kontext aus Polen. Sie hat aber nie im Ausland gelebt und kennt meine Familie nicht so gut. Also es war super, mit ihr den Rohschnitt zu machen, weil wir haben lange gebraucht und dann hatte sie keine Zeit mehr und dann kam Ruben dazu und es war überraschend total gut, weil wir einfach uns das Gleiche gefällt, wir können ausprobieren. Wir haben angefangen, uns extrem zu spielen. Es war wirklich so ein spielerischer Prozess und wir sind relativ schnell weitergekommen, haben dann eben auch die Struktur des Films mehrmals hin und her geworfen und haben geschaut, was passiert, wenn wir diese Szenen nach vorziehen. Und das hat dann wirklich Spaß gemacht und es war teilweise auch viel einfacher, weil dann ist unser Sohn schon im Bett gewesen, hat geschlafen, dann konnten wir einfach noch zwei, drei Stunden schnell im Arbeitstimmer verbringen. Es war ein sehr fluider Prozess und manchmal sind uns dann beim Frühstück Sachen eingefallen, so, ah, das probieren wir gleich aus. Ja, ich habe mich am Anfang so ein bisschen geweigert, so Berufliches und Privates zu vermischen, aber schlussendlich bei diesem Film,, so Berufliches und Privates zu vermischen, aber schlussendlich bei diesem Film, wo sowieso so viel Privates ist, was dann auch schon verschleppt ist. Du hast sehr schöne polnische Songs im Film, die mir natürlich gar nichts sagen, aber mein Eindruck ist, die sind relativ bekannt. Was haben die für eine Backstory oder wie hast du die gefunden? Das Lied, was jetzt im Film ist, finde ich auch total schön, aber es ist nicht so ein Hit gewesen. Ursprünglich wollten wir ein anderes Lied, nämlich von Marek Rehuta, die noch unbekannten Tage. Das Lied heißt Nik Turicheschnies Name und das war wirklich ein großer Hit. Und auch meine Eltern tanzten in der Disco Polo zu dem Lied. Und irgendwie hat das Lied mich zum Titel inspiriert, aber wir haben die Rechte nicht bekommen. Also der Erbe ist der Sohn und der hat sich quergestellt und das war leider auch nicht möglich. Und dann war ich kurz verzweifelt und dann habe ich aufgemacht und weitergesucht. Und dann habe ich dieses schöne Lied gefunden, was ja eigentlich so ein Kinderlied ist. Aber es erzählt eben von diesem Traum, den man sich baut, aus Realitätsstücken, die man versucht irgendwie in eine andere Welt zu bringen und das machte dann so Sinn für die Reise, die meine Eltern damals gemacht haben, nämlich aus dem, was da war, versuchen irgendwie doch für uns Kinder auch einen geschützten Rahmen, einen Traum zu bauen, der uns vor ihren Problemen auch ein bisschen schützt. Und dann hat mir mein Vater noch erzählt, dass er später wahrscheinlich mal auf einer Party war und so. Und dann habe ich mir gedacht, ach super, gut, dann kennen die sich vielleicht auch noch irgendwie so über ein paar Ecken. Passt. Und ja, ich bin jetzt total glücklich eigentlich, dass das sich nochmal geändert hat. Du hast im Film TV-Material von diesen Grenzkontrollen. Wo hast du das aufgetan? Und ich sage das jetzt, weil mir die Sabine Dervlinge immer erzählt, wie irre teuer es ist, Fernsehmaterial zu benutzen, wie dir das gelungen ist. Oder ist das? Nein, in unserem Fall ist das Material vom ORF. Und die haben das extrem gut dokumentiert. Dadurch, dass die Gesetze sich ständig geändert haben, jede paar Monate waren neue Einreisebestimmungen. Und dann wurde dann immer so richtig so, um Mitternacht ist die neue Bestimmung. Und dann hat der Journalist die Uhr reingehalten in die Kamera und dann hat man beobachtet, wie um eine Minute nach zwölf irgendwie die Einreise geschlossen wurde oder man andere Summen Geld brauchte, um reinzureisen oder ein anderes Visum. Und da hatte ich wirklich Glück, dass das super dokumentiert war. Es war auch für mich irgendwie ein unglaubliches Geschenk. Und dadurch, dass der ORF aber den Film mitfinanziert hat und dass es ja auch eine Art Produktion ist, haben wir das ein Künstler dann bekommen. Und wir hatten auch einen Historiker, den Georg Schütz, der für uns die Recherche gemacht hat. Der hat sich sehr ins Zeug gelegt und hat wirklich irgendwie tolles Material für uns gefunden. Und das hat Spaß gemacht. Das war wirklich schön. Da gibt es diese überraschende Szene mit dem Trafikanten, wo dann über die alten Zigarettensorten diskutiert wird, der da sagt, das war so eine tolle Zeit? Ja, es gibt diese Nostalgie vom Ostblock. Es gab ja auch viele gute Sachen. Die Kultur war extrem zugänglich. Bücher, Konzerttickets, Theatertickets, das war für alle Klassen zugänglich. Es gab auch weniger Klassenunterschiede. Es gab die, die wieder Partei waren, die hatten natürlich mehr Privilegien und der Rest hatte ungefähr plus minus die gleichen. Weil natürlich ab 1945 irgendwie da alles durch den Sozialismus einfach verstaatlicht wurde und Wohnungen mussten geteilt werden. Wenn jemand eine größere Wohnung war, weil er eben aus einer bürgerlichen Gesellschaft war, dann musste man halt irgendwie zusammenrücken und das andere Zimmer halt mit einer anderen Familie teilen. Und das hat natürlich schon so gemacht, dass man sich nicht so ganz alleine gefühlt hat. Es war eine große Solidarität in der Gesellschaft. Man hat Tauschhandel betrieben. in der Gesellschaft. Man hat Tauschhandel betrieben. Wir hatten zum Beispiel, in unserer Familie wurde nie Wodka getrunken oder Zucker, aber wir hatten diese Essensmarken für Zucker und Wodka. Und die wurden dann halt getauscht gegen andere Produkte. Zum Beispiel konnte man das gegen Mehl tauschen, dann konnte man wieder mehr backen. Meine Großeltern hatten einen großen Garten am Land und wir hatten halt immer guten Zugang zu Gemüse und Obst. Das war natürlich auch nicht selbstverständlich. Aber schlussendlich war dann doch die Vielschirmslage einfach so schwierig und mein Vater konnte einfach nicht mehr für die Familie aufkommen. Meine Mama war dann gerade noch in Karenz. Und ja, sie haben sich dann wirklich dafür entschieden, irgendwie es doch mal woanders zu versuchen. Ich glaube, vor allem für uns auch. Ja, das kommt in deinem Film sehr deutlich auch raus. Du hast, da ging es ja um einen anderen Film, du hast ja über deinen Film Stories from the Sea gesagt, dass dein Beruf dir hilft, an Orte zu kommen, wo du sonst nicht hinkommst. Und ich habe gedacht, selbst in diesem Film ist dir das geglückt. Also ich glaube, du bist die einzige Person, die es geschafft hat, eine Zeitreise herzustellen, außerhalb von Science Fiction. Schön, dass du das so siehst. Ja, natürlich. Also die Kamera als Katalysator, die Kamera als eine Ausrede, um irgendwie tiefer zu graben an Orte. Also Orte, es muss ja nicht immer ein geografischer Ort sein, sondern eben in dem Falle eben eine Reise in die 80er. Und das gibt einem einfach so ein bisschen eine andere Energie. Es wurde viel ernster, wie die Kamera dann hinzugekommen ist. Ich finde das so, also ich kenne es auch wieder nur vom Schreiben, aber es ist halt ein super Werkzeug, auch um unangenehme oder schwierige Dinge mit einer offiziellen beruflichen Ausrede anzuschauen. Und dann verlieren sie ein bisschen ihren, also bei mir ist es so, ihren Schrecken, wenn man Ausreden hat, um zu recherchieren, um andere Leute zu fragen, wie es denen so geht. Und plötzlich ist man auch nicht allein mit dieser Geschichte, oder? Ja, weil man denkt sich, es hat einen öffentlichen Charakter. Es darf auch gesagt werden, weil es vielleicht auch anderen hilft, sich nicht allein zu fühlen. Aber einem selber eben auch. Ja, und man verliert die Angst. Es gibt irgendwie so, es eröffnet sich ein anderer Raum, der irgendwie eine Öffnung mit sich bringt. Und gleichzeitig wolltest du ja eigentlich ursprünglich nicht selber so viel vor der Kamera sein. Du wolltest nur da hinten stehen und dir alles anschauen. Ja, das wurde nach dem ersten Drehtag gekippt. Also ich habe das sofort gemerkt. Erzähl. Ja, wir sind zu diesem Wohnblock gefahren und ich habe mich hinter Seraphins Spitze gestellt, der die Kamera gemacht hat mit der Tonangel und dann habe ich auf einmal gedacht, das fühlt sich komisch an. Irgendwie so, wenn ich meine Eltern vor die Kamera stelle und es unsere Geschichte ist, dann muss ich mich auch davor stellen. Und dann bin ich einfach so bei der Kamera vorbei und habe mich davor gestellt und dann hat das Heraphim auf mich geschwenkt und ich habe mir gedacht, ja, ich glaube, es ist richtig so. Du warst bereit. Ich war bereit. Ich glaube, es ist einfach auch etwas, mit den Eltern und mit meiner Familie auf einer Ebene zu bleiben. Also nicht irgendwie mich in die Regieposition zu begeben und von dort aus irgendwie in eine doch andere Hierarchie dieser Geschichte zu erzählen, sondern eben auf einer kompletten gleichen Ebene. Und deshalb bin ich am Anfang immer mit diesem Boom unterwegs, weil wir haben dann einfach keine Tonfrau, keinen Tonmann mitgehabt, weil wir uns gedacht haben, das mache eh ich oder manchmal springt der Ruben ein. Und deshalb bin ich da im ersten Teil vom Film ständig mit dieser Angst. Ich bin ja eine furchtbare Tonfrau. Das ist ein Familienunternehmen geworden quasi. Es wurde ein Familienunternehmen. Auch da bitte, wenn du da nicht darüber sprechen willst, auch da frage ich so genau nach, weil meine Familie selber betroffen ist. Ich finde, dass deine Mutter über die Demenz diagnostiziert worden ist und ich finde das total schön, dass du das mitnimmst und auch total normal. Also meine Mutter hat auch Demenz gehabt und bei mir war das immer so, was man so darüber wusste, das wird alles so schrecklich und das wird so und ich habe das aber überhaupt nicht so erlebt. Wie ist es dir da damit gegangen? Also es ist für die, also meine Erkenntnis war, dass ich trauriger war als meine Mutter, weil die, die vergessen, vergessen auch, dass sie vergessen. Es ist eben nicht Alzheimer, es ist ein Benson-Syndrom und das verläuft irgendwie ein bisschen anders. Und sie war sich schon dessen bewusst, was sie gestern noch konnte und heute nicht mehr kann und dass sie sich immer weniger zurechtfindet. Und diese Traurigkeit kann einen schon erschlagen. Das war für uns alle fordernd, auch wie gehen wir mit dieser neuen Situation um, wie mit dem Vergessen, wie mit dem Erinnern und auch da habe ich aber gemerkt, wie schön die Form des Films sein kann, nämlich mit dem Film versuchen, mit der Kamera zu versuchen, irgendwie das Vergessen einzufangen oder die Erinnerungen einzufangen, die kurz davor ist, in Vergessenheit zu geraten und so irgendwie auch, ich wollte mich von Anfang an immer auf meine Mutter vor der Krankheit fokussieren, auf diese starke Frau, die sie war, die diese Schritte gewagt hat, diesen Mut hatte, irgendwie in einem neuen Land, fremden Land irgendwie neu anzufangen. anzufangen und es war natürlich schon ganz am Anfang irgendwie die Hoffnung da, vielleicht können wir es umgehen, vielleicht müssen wir es auch gar nicht ansprechen, vielleicht wird man es gar nicht merken, dass sie erkrankt ist, aber nach dem Roadtrip war klar, es darf und ich glaube, es muss einfach so auf einer ganz zärtlichen und kleinen Ebene mitschwingen und es gibt auch dem Film dann auch eine andere Urgenz und eine andere Form, eben diese Geschichte nochmal einzufangen. Aber es war ein Lernprozess für alle und es war mir dann aber auch extrem wichtig, dass meine Mama noch irgendwie genau weiß, was wir machen und dass sie sich dessen bewusst ist, dass hier ein Film gemacht wird. Und insofern wurde es dann halt schon auch ein bisschen so ein Rennen um die Zeit, dass wir halt einfach noch es schaffen, irgendwie alles rechtzeitig einzufangen. Und ich habe mir dann natürlich auch Plan B und C überlegt, was ist, wenn es dann nochmal länger geht, auch mit der Förderung und wir vielleicht nochmal um ein Jahr schieben müssen, was mache ich dann? Und dann hatte ich aber natürlich die Briefe, die mir geholfen hätten. Ich habe halt schon das Material gehabt, was wir in der Entwicklung gefilmt haben und natürlich all das Archivmaterial und das ORF-Material, was mir geholfen hätte. Also ich konnte mich dann immer auch ein bisschen an anderen Sachen, also es auf verschiedene Arten erzählen. Und das finde ich aber, das ist was, was man auch auf einer persönlichen Ebene mitnehmen kann, dass gar nicht von dieser einen Person alles abhängt und sie nicht bis zum Schluss alles liefern können muss, weil das finde ich auch von den Eltern grundsätzlich sehr viel verlangt ist, dass sie alles bezeugen müssen, alles erzählen müssen und auch ohne, dass sie eine Krankheit haben, wo sie Dinge vergessen. Aber das wollte ich dir fragen, ob das auch deine Meinung ist. Sie sind einem auch nicht alle Antworten schuldig? Nein. Natürlich nicht. Also sie haben ein eigenes Leben, sie sind nicht nur die Eltern. Und dein Papa macht das ein paar Mal auch sehr deutlich. Und deshalb habe ich es dann aber noch reingenommen, weil ich mir gedacht habe, okay, es wird auch nicht alles gesagt und das ist in Ordnung so. Das steht ihm ja auch zu. Ein paar Geheimnisse dürfen Geheimnisse bleiben. Unbedingt. Gibt es noch etwas, was ich dich nicht gefragt habe, was dir total wichtig ist, was du dazu sagst? Nein, mir fällt es auch nicht sein. Dann sage ich dir vielen lieben Dank, liebes Publikum. Der Film läuft ab 26.25. Warte, warte, warte. Die doch unbekannten Tage startet am 25. September in Österreich in den Kinos. Große Empfehlung. Vielen Dank für deinen Besuch, Björn. Vielen Dank, Julia.上期不聊