Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Es ist ein Stolz. Nein. Ja, hallo und herzlich willkommen zum heutigen Benefiz-Event im Theatertribüne. Einen Tag nach dem 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Vorab möchte ich sagen, es gibt irgendwo eine Spendenbox. Hier gibt es eine Spendenbox, ganz wichtig, bitte in der Pause oder am Ende nach der Veranstaltung hier Spenden reingeben für das Raumhaus links und draußen beim Eingang, also bei der Abendkasse oder bei der Ober gibt es nochmal eins. Dann bitte Handys ausschalten, ganz wichtig, damit dann jedes Bett gut siehtzi bei der Lesung nicht gestört wird. Ja, und 16 Tage gegen Gewalt von Frauen seit 2018 gibt es ein sichtbares Aktionszeichen seitens der UN. Auftakt war gestern, 25. November, ich weiß jetzt nicht, wie es in Linz ist. In Wien gibt es auf alle Fälle das Justizministerium in Orange, Sie sehen, in Orange, da die Wand ist orange, Orange als sichtbares Zeichen für diese Aktionen bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Wahrscheinlich wissen Sie, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen eines der am weitesten verbreitetsten Menschenrechtsverletzungen ist. In diesem Sinne würde ich gleich mal beginnen mit der Vorstellung unserer Ehrengäste und ich darf zu mir ganz kurz auf die Kugel bitten, Landtagsabgeordnete und Landesfrauensprecherin, das Renate Heitz und Gemeinderätin Paulina Wesseler des Stadtbundes in Vertretung des Bürgermeisters. Bitte um einen Applaus. einen Applaus. Das Mikro ist eingeschaltet, oder? Eigentlich schon, ja. Wunderbar. Bernate, Paulina. Wir haben heute einen wirklich wichtigen Anlass, es sollte natürlich nicht nur während dieser 16 Tage gegen Gewalt Aktionen geben, sondern auch noch für sich das ganze Jahr hindurch. Ich halte mir die Mikro-Gurke da immer vor das Gesicht, weil ich habe ja immer die Headphones, aber ich bin das so gewohnt von früher. Renate, es gibt seit heute einen nationalen Aktionsplan seitens des Bundesministeriums. Ganz kurz, was wird passieren in Zukunft? Die Bundesministerin Eva Maria Holzleitner hat gleich im März, als sie als Frauenministerin angetreten ist, die Erstellung eines nationalen Aktionsplans in Aussicht gestellt und heute passt soweit. Die Bundesregierung hat das jetzt beschlossen und es sind sehr erfreuliche und fortschrittliche Programmpunkte in diesem Plan enthalten. Das beginnt bei der Bildung, also es geht beim nationalen Aktionsplan nicht nur um Aktivitäten des Frauenministeriums, sondern um eine breite Palette auch in anderen Ministerien. Es werden Kinderschutzkonzepte erstellt werden in den Schulen, die psychosoziale Gesundheit der jungen Menschen bildet einen Schwerpunkt und das Pflichtschulfach Demokratie soll eingeführt werden. Im Sexualstrafrecht ist man noch ein bisschen zurückhaltend. Die SPÖ-Frauen drängen ja darauf, dass das Prinzip nur Ja heißt Ja im Sexualstrafrecht verankert werden soll. Claudia Plakholm steht noch etwas auf der Bremse und fordert eine internationale Expertise ein, vor der haben wir keine Angst, weil in den Ländern, wo es eingeführt wurde, ist was erfolgreich und hat den Frauen tatsächlich geholfen. Und 2026 soll die Fußfessel- bzw. Anwender für Hochrisiko-Gewalttäter eingeführt werden. Und 2029 die flächendeckende Einführung der Gewaltambulanzen, wo wir ja in Oberösterreich heuer schon durchgesetzt haben, zuerst gegen den Widerstand der Frauenlandesrätin und durch einen tragischen Vorfall, dann hat sie doch zugestanden, dass auch in Oberösterreich möglichst rasch eine Gewaltambulanz eingeführt werden soll, weil es den Frauen hilft, weil die Dokumentationen in den Gewaltambulanzen zu mehr Verurteilungen vor Gericht führen und das natürlich den Frauen hilft. Okay, ein schon sehr politisches Statement. Paulina Wesseler, wir müssen uns denken, wir haben ein relativ langes Programm. Gemeinderätin der Stadt Linz, warum ist es Ihnen heute wichtig, hier im Rahmen dieser Benefizveranstaltung, in einer Veranstaltung gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu sprechen. Was ist da Ihr besonderes Anliegen? Erstens einmal auf jeden Fall sicher Danke sagen für Initiativen und für Menschen, die sich engagieren in dieser Stadt. Und das passiert ja auch vielfältiger Art und Weise. Wir erinnern jetzt während der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen, ganz speziell der Vereine und der Organisationen und der Frauen, die sich in diesem Bereich in unserer Stadt ganz stark engagieren und finden das natürlich großartig, wenn da auch sozusagen der Scheinwerfer gelenkt wird auf ein Thema, das ja leider oft im Stil passiert oder auch in letzter Zeit, und das ist mir ein ganz besonderes Anliegen, ja auch immer mehr auf verschiedenen Ebenen auf der Welt, aber auch bei uns in Österreich, auch immer mehr ins Private wieder zurückgeschoben wird, immer mehr zu einem individuellen Problem gemacht wird, sexuelle Übergriffe, die ökonomische Unfreiheit von Frauen, Reproduktionsrechte, da erleben wir im Moment sehr viel Rückbau und das ist ja alles ein Konglomerat aus der tatsächlich strukturellen Gewalt, die wir ja nach wie vor als Gesellschaft haben und hier jedes Engagement, das es gibt, finde ich begrüßenswert. Aber vielleicht ein Spur weit auch, was mir ganz persönlich ein ganz wichtiges Anliegen ist, wir leben ja in einer Zeit, in der, ich sage immer so gern, Angstschüler und Auseinanderdividierende offensichtlich ein bisschen an der Macht sind und uns auch erklären wollen, wie wir denn als Gesellschaft angeblich sind. Und ich erlebe als Gemeinderätin, ob das große Glück der Bürgermeister, das öfter zu vertreten und bin dann bei Forschungen wie heute, aber bei vielen, vielen Kreativen, sei es Sport, sei es Kultur, sei es Kunst, sei es persönliche Initiativen, egal wo man hinkommt. Ich lerne in Linz immer so viele Menschen kennen, die sich engagieren, die aufeinanderacht, dass es unsere DNA, füreinander einzustehen und aufeinander schauen und den feministischen Sinn dagegen, die Machtstrukturen, die es noch immer gibt, anzukämpfen, das ist genau so ein Teil von uns. Wunderbar. Die Familie ist ja die kleinste politische Zelle. In der Familie fängt das an, aber wo geht es dann weiter? Es geht ja dann raus in die Gesellschaft und wenn dann die Familie das Spiegelbild unserer Gesellschaft ist, wo stehen wir denn da? Und dazu möchte ich Sie erstmal herzlich auf Ihre Plätze zurückweisen. Danke. Ich möchte Sie erst einmal herzlich auf Ihre Plätze zurückweisen. Danke. Ich mache das alles ein bisschen provisorisch. Ich würde jetzt gleich zum nächsten Teil der Veranstaltung einleiten, überleiten. Und zwar kommt jetzt die Elisabeth Dutzi, die ausgesucht aus ihrem Buch Leiseise laut still präsentiert wird und Raul, kennen Sie Raul? Ja, er ist Raul. Rudi aus Linz. Ja genau, also ich bin sehr fasziniert von Rudi aus Linz. Rudi aus Linz wird die Elisabeth musikalisch umra Rahmen. Herzlichen Applaus. Hallo. Einen wunderschönen guten Abend. Bevor ich jetzt vier Teile aus meinem Buch Leise, laut, still Gewalt geschieht hinter der nächsten Tür lese, möchte ich mich noch bei Cornelia Meczizuka und Rodi Mühlener für die Einladung bedanken, genauso wie bei meiner Tochter Alina und ihren Freundinnen Laura, Jana und Marie für die Betreuung am Büchertisch und beim Kinder DTribüne links. Christine und Paula im Netz Eine riesige, rot getigerte Katze versucht mit ihren Pfoten die tanzenden Locken der fünfjährigen Christine einzufangen. Ich hätte ewig zusehen können, wie das hellblonde Mädchen vor Lachen glückst. Die Abendsonne erleuchtet die Veranda und Christine sitzt im Schneidersitz auf dem terrakottafarbenen Steinboden. Ihr Vater tritt aus der Tür und ich ziehe meinen Kopf hinter den Büschen im nebenanliegenden Quartier etwas zurück. Ich ziehe meinen Kopf hinter den Büschen im nebenanliegenden Quartier etwas zurück. Dr. Watts beobachtet eine Weile den zauberhaften Anblick. Dann bereitet er der Glückseligkeit zwischen seiner Tochter und der Sandpfote abrupt ein Ende. Er teilt Christine mit, die Familie müsse umziehen, weil das Haus zu teuer sei. Christine spricht den ersten Gedanken. Darf Jimmy mit übersehen? Laut aus. Der Psychiater treibt die niederträchtige Lüge voran. Wie kannst du es nur wagen, an deine blöde Katze zu denken, wenn wir solche Probleme haben? Christine läuft weinend um das Hauseck zu den Revisln. Mama, müssen wir wirklich umziehen? Und warum kann ich Jimmy nicht mitnehmen? Bevor die Mutter nachfragen kann, wie Christine auf so eine Idee kommt, funkt Dr. Watz dazwischen und witzelt über Christines Spinnereien. Er fühlt sich unbeobachtet und stellt die Fünfjährige vor der Mutter als Lügnerin hin. Dem Kind wächst irgendwann noch eine lange Nase. Das muntere Mädchen übernimmt Verantwortung für ihr Haustier, doch der Vater seckt genüsslich an ihren sozialen Ästen, die zu wachsen beginnen. In meiner Erinnerung hörte ich niemals ein logines Wort, das seiner Tochter gegolten hätte. Er zeigt kein Interesse für eine einzige Sache in Christins Leben, wie beispielsweise diese urkomische Katze, sondern legt seinen Fokus auf Silja Zahacken. Musik Vor rund zwei Jahrzehnten hatte ich Einsicht auf diese Veranda, weil der lebende Gartenzaun sehr lückenhaft war und manche Szenen vergisst man einfach nicht. Ich fragte mich oft, was wohl hinter diesen Mauern tatsächlich geschah, denn die Gesichtsausdrücke aller Familienmitglieder sprachen andere Bände als der Glanz vermuten ließ. Und doch wusste ich nicht genug, um etwas zu unternehmen. Die Geschehnisse dieser wenigen Monate, die ich nebenan wohnte, glichen eher dem Vorspann eines Röders. Man weiß nicht wirklich, was kommt, aber man ahnt, es wird noch schlimmer. Christine plapperte in diesem Alter häufig drauf los, wenn mich Kater Jimmy in meinem Gartenteil besuchte und sie hinter ihm her war. Häufig sucht das Mädchen die Hilfe ihrer Mutter, doch stets fällt Dr. Watz dazwischen und bezeichnet sie als verlogenes Kind, deren Fantasie keine Grenzen kennt. Somit baut er laufend bei niederwalzenden Gegebenheiten vor, damit das heranwachsende Mädchen irgendwann aufhört, der Mutter zu berichten. Der Mutter, mit der ich ihn um wieder ein Glas Wein trank. Eine begabte, interessante Frau, die tausend andere Leben hätte leben können. Martina. Auch sie war mit seinem Gift indiziert, geblendet von seiner Sonne mit hinterhältigen Strahlen, seinen Liebesbriefen, seinem inszenierten Geheule, seinem Charme, seiner wohldossierten Worte der Erniedrigung, die der Wirkung von aussehen gleich kamen und seinen Drohungen. und seinen Drohungen. Maske schneidert nur für sie, seiner Liebsten. Aber auch nie zu viel davon auf einmal und immer mit Weichspülprogramm dazwischen, damit er über ihre Liebe Kontrolle behält. Dr. Watz erblickt Martina das erste Mal, als sie das Haus, in dem seine Praxis ist, verlässt. Er stand am Fenster und beobachtete sie, wie sie ihre blonden Locken hinters Ohr strich, bevor sie in das winzige Auto einstieg, ihren Lippenstift im Rückspiel nachzog, sich angurtete, den Wagen startete und geschickt aus der knappen Parklücke rausfuhr. Er blickte noch lange in die Richtung, in die sie verschwand. Er sah eine Fee mit einer verrosteten Ente und es dauerte, bis er wieder zu sich kam. Dann setzte er sich an den Schreibtisch und verfasste einen Brief über diese Minuten, die sein Leben veränderten, sagt er, schreibt er und weiß, dass er sie bald damit beeindrucken wird. Die Art ihres Lächelns lässt erahnen, was dieser Brief damals in Martina ausgelöst haben muss, als sie davon erzählt. Niemals zuvor und niemals danach habe ich diesen Ausdruck in ihrem Gesicht gesehen. Nur beschreibt Martina mit keinem einzigen Satz ihr eigenes Erleben. Auch nicht, als ich danach frage. Ich denke lange darüber nach und erst viele Jahre später begreife ich, dass Martina ab der ersten Stunde an seinem funkelnden Netz klebte, bewegungslos in ihren eigenen Emotionen. Sein Gefühlsleben oder das, was er vorgab zu fühlen, ist zugleich das, was auch sie zu fühlen hatte. Martina finanziert unter anderem mit Nachhilfe Stunden ihr Studium und eine Schülerin und ein Stockwerk oberhalb der kürzlich eröffneten Praxis von Dr. Watz. Er ist der einzige praktizierende Psychiater in dieser Kleinstadt im Waldviertel. Als er das zweite Mal das Rad an der alten Ente hört, rennt er in das Treppenhaus und spricht sie an. hört, rennt er in das Treppenhaus und spricht sie an. Er habe gehört, dass sie ihm die Schnachel für Stunden gebe und er könne Hilfe bei der Übersetzung einer Fachliteratur brauchen. Sie vereinbaren einen Termin und nach getaner Arbeit lädt er Martina zum Abendessen ein. Drei Monate später zieht sie bei ihm ein. Keine Mühen werden gescheut. Er kocht. Er bügelt nicht nur die Wäsche, die tatsächlich nach Klette schreit, sondern auch ihre Unterwäsche, die unter dem Bügeleisen nur so dahinschmilzt. Er liebt eben jedes Teil überjüdisch von ihr. Dunkelrote Rosenblätter und handgeschriebene Liebesschüre pflastert er quer durch das Haus. Martina soll auf Wolken schweben und komplett den Halt verlieren. Er redet von einem Liebeswunder, wie es die Welt noch nie gesehen hat und bei der 20-jährigen Martina fruchten seine Inszenierungen wundersam. Keine sechs Monate sind seit dem ersten Abendessen vergangen, als die beiden vor den Altar streiten. Doch schon in der Hochzeitsnacht fühlt sich Dr. Watz zu müde, um dieses grandiose Liebeswunder auszuleben. Für die Zählung der Hochzeitsgabengeldscheine reichen seine Kräfte aber allemal. Die erste Zurückweisung schmerzt Martina, doch sie meidet eine Konfrontation mit dem frisch angetrauten Ehemann und schmiedet sich ausreden für sein Verhalten zurecht. Still. Nicht lange nach den Flitterwochen steht Martina nach dem ersten Streit mit ihrem Mann vor einem Rätsel. Diese Form der Auseinandersetzung kennt sie nicht. Während die Sonne untergeht, bleibt sie lange auf den flachen Stufen zum Garten mit einem lebenden Gefühl sitzen und denkt nach. Was war das? Thank you. Nettos Mia gedeiht Wenige Stunden nachdem ihr fünfter Geburtstag gefeiert wurde, schreit Mia im Keller. Sie schreit lange, bevor sie kraftlos zusammen sinkt und nur noch ein leises Wimmern das Zittern ihres Körpers begleitet. Sie hat Angst. Das Mädchen hört ihr Herz bis zu den schlieffen Klopfen. Ihre Mutter wird sie doch nicht die ganze Nacht hier unten eingesperrt lassen. Sie hat die Torte ja nicht absichtlich fallen lassen. Und warum durfte sie ihre eigene Geburtstags-Torte nicht tragen? Sie sah die verlockernde Mehlspeise, auf dem sich ein aufgedrucktes Marzipan-Einwohn befand, lange an. Es ist doch mein Geburtstag, dachte sie und nahm das himmlische Stück Stolz in ihre kleinen Hände, während die Mutter die Gäste im Garten begrüßte. in ihre kleinen Hände, während die Mutter die Gäste im Garten begrüßte. Sehr langsam tastete sie sich Schritt für Schritt voran und erblickte lächelnd ihre Großeltern. In diesem Moment übersah sie vor der Terrassentür den herumliegenden Turnschuh ihres Bruders und stolperte. Die prachtvolle Torte knallte der Mutter direkt vor die Füße. Das Schlagobers verteilte sich explosionsartig auf den Waden der Gäste und in Mias Gesicht. Der Kopf des Einhorns saß auf dem großen Zeh von Regina Müller, ihrer Mutter. Das Mädchen begann zu weinen, krabbelte hoch und streckte die Arme nach ihrer Mama aus. Die Mutter wich zurück und sah ihre Tochter mit einem Blick an, den sie nie vergessen wird. Mias Vater eilte herbei und wollte sie trösten, doch Regina Müller hielt ihren Mann zurück. Die Oma nahm Mia an der Hand und auf dem Weg ins Badezimmer hörte sie ihrer Mutter noch lauter als lachen. Was für ein Tollpatsch dieses Kind doch ist. Im Keller hört Mia dieses Lachen wieder, neben dem Trommelwirbel in ihrem Kopf. Sie versucht sich die Ohren zuzuhalten, doch der Lärm wird immer lauter. Die Fünfjährige klopft sich mit den Fäusten gegen die Schläfen, bis alle Kräfte aufgebraucht sind. Nächsten Morgen und ganze zwölf Stunden später holt Regina Müller ihre Tochter aus dem Keller. Sie lag zusammengekauert auf der Turmante zwischen den Sportgeräten. Der Vater ging gestern früh abends mit Mias Bruder Jan fischen. Als die beiden zurückkamen, meinte die Mutter nur, Mia schläft schon lange, war ein langer Tag. Nun sitzt das Mädchen am hartischen Frühstückstisch. Ihr Vater stellt ihr eine Frage nach der anderen, doch sie reagiert auf keine einzige. Sie isst nichts, sie trinkt nichts. Kurt sieht seine Frau fragend an, doch die zuckt nur mit den Schultern und trinkt ihre grüne Tee. Er reinigt das Gehirn, predigt sie permanent. Konzentration ist das Wichtigste. Ohne Konzentration keine saubere Leistung. Zu ihrem Mann sagt sie an diesem Sonntagmorgen, nachdem er sie kurz in die Küche bat, hör auf, sie immer so mitleidig anzusehen. Mia macht gerade eine prägende Phase durch, du wirst sehen. gerade eine prägende Phase durch. Du wirst sehen, so eine Widerspenstigkeit wie gestern wird sie sich so schnell nicht mehr erlauben. Kurt Müller, mir gefällt das gar nicht. Mia sieht aus, als ob sie krank wäre. Sieh dir ihre Augen an. So habe ich unsere Tochter noch nie zuvor gesehen. Siehst du das nicht? Meine Güte, vielleicht hat sie nicht so gut geschlafen, das kommt schon mal vor. Hör auf, sie immer so zu verhätscheln, damit tust du ihr keinen Gefallen. Also sei so gut und reiß dich ein wenig zusammen. Regina Müller wendet sich ab und sieht das Gespräch hiermit als beendet an. Sie hat jetzt ohnehin keine Zeit mehr, denn es gibt Wichtigeres zu tun. Eine Arbeit für die Universität. Über Pädagogik. Und damit kennt sie sich schließlich aus. Fünf Jahre später hört Mia ihrer Mutter zu. Still. Sie kennt die meisten ihrer Sätze auswendig. Dann trägt das Mädchen die Torte mit zwei Kerzen obendrauf, die einen Zehner darstellen in den Garten. Sie beißt einmal in die Seitenfront hinein, bevor sie mit einem ordentlichen Schwung die komplette Schokoladenbarbeite in die Rosen knallt. Dann schreit sie wie am Spieß. Mama! Als die Mutter herbeieilt, schreit sie weiter mutterend brand. Ich bin gestolpert. Meine Torte. Jetzt habe ich keine Geburtstagstorte mehr. Mias Mutter meint dazu, habe ich vorhin nicht gesagt, dass du zu nichts zu gebrauchen bist. Mias Torte starrt bereits vor dem tatsächlichen Anschlag. Am Abend räumt Mia ihre neue weiße Kommode ein. Obendrauf ist ein ovaler Spiegel, den man bewegen kann. So kann sie endlich ungestört in ihrem Zimmer Frisuren ausprobieren. Alle Bänder, Spangen und Kettchen verteilt sie in den kleinen Schubladen, als ihre Mutter das Kinderzimmer betritt. Regina Müller beugt sich über ihre Tochter, kippt den Spiegel so weit, damit das Mädchen, das sie vor zehn Jahren geboren hat, in die Augen blicken kann. Diese Kommode kommt morgen wieder weg. Glaube ja nicht, dass ich deinen Auftritt von heute Nachmittag ohne Konsequenzen durchgehen lasse. Solltest du dir je wieder eine derartige Unverschämtheit erlauben, wird es für dich nie mehr Geschenke geben. Hast du verstanden? Mia räumt die feingeordneten Schublade wieder aus und wirft heulend die Spangen und alle anderen Dinge in den Messkübel. die Spangen und alle anderen Dinge in den Messkübeln. Wie sehr sich Mia auch in allen Angelegenheiten bemüht, sie wird nie so gut wie Jan sein. Ihr zwei Jahre älterer Bruder wirft stetig einen Schatten auf Mias Licht. Seine Meinung hat Gewicht und ihre Ansichten sind Spinnereien. Jan mag seine Schwester und Mia mag Jan, doch deren Mutter hat ihr eigenes spezielles Wertesystem. Die Ergebnisse stehen für Regina Müller im Vorfeld fest. Über die Jahre hinweg wächst in Mia die Empfindung, tatsächlich nicht patent genug zu sein, was ihr im Gymnasium ordentlich zusetzt. Zudem hört sie ständig, du konzentrierst dich nicht genug. Du lässt dich von tausend Blödheiten ablenken. Du kapierst einfach nichts. Sieh dir Jan an. Er ist immer bei der Sache. Meine Mutter würde mich sofort mit jedem willfremden Kind, das bessere Noten schreibt, austauschen, nur damit sie angeben kann. Erzählt mir Ihren Freundinnen. Wenn sie schlechte Ergebnisse erzielt, bedeutet das drei Wochen radikalen Hausarrest. Sie darf keine Freunde außerhalb des Unterrichts treffen. Drei Orte stehen dann im Umkreis von einem Kilometer am Stadtrand von Salzburg zur Verfügung. Das Elternhaus, die Schule und am Sonntag die Kirche. Sie lernt keine Silbe mehr als üblich, aber es bleibt unendlich viel Zeit, um sich ausgeschlossen zu fühlen. Von der Familie, von den Freunden. Oft fragt sie ihren Bruder am täglichen Schulweg, wie er das macht. Warum gelingt dir alles und mir nichts? Jan empfindet das völlig anders und versucht, mir aufzumuttern. Mir gelingt selten etwas, so wie ich es möchte. Du denkst nur, dass es so ist, weil Mama immer so ein Theater macht. Mach dir doch nichts draus. Du kannst ganz andere Sachen. Und bist du lustig. Ich mag dich genauso, wie du bist. Mia, du bist der Einzige, der mich witzig findet. Mama denkt, ich bin dumm. Jan schlägt ihr vor, etwas zu gestalten, womit die Mutter eine Freude haben könnte. Mia beginnt Bilder zu malen. Sie zeichnet mit Bleistift. Sie malt mit Ölkreide, sie pinselt mit Wasserfarben. Die Bilder werden immer bunter, vor allem aber immer größer. Auf ein Bild ist sie besonders stolz. Die Zehnjährige präsentiert ihrer Mutter ein abstraktes Porträt von Jahren und diese betrachtet es abschätzig. Jahren und diese betrachtet es abschätzig. Was soll das denn sein? Pass bitte auf, dass du mit diesen Farben keine Flecken auf dem neuen Teppich verursachst. Bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet, stopft Mia alle Mahlutensilien in die Lieblingstasche ihrer Mutter und wirft das gesamte Zeug in die Salzsache. Irgendwann erholt sie sich davon, um fortan die Suche nach ausgefallenen Tortenrezepten aufzunehmen. Je mehr Schichten und je aufwendiger die Verzierungen, desto besser. Aber wiederum erntet das Mädchen nur herbe Kritik von ihrer Mutter. Wir, das sind zu viele Kalorien, wir, wir können nicht ständig Kuchen und Torten essen. Wir, wer räumt diesen ganzen Dreck wieder weg? Jan will Architekt werden. Mit 17 Jahren entwirft er den Plan für ein Glashaus im Garten. Der Großvater unterstützt ihn bei diesem Bauvorhaben und wochenlang dreht sich innerhalb der Familie alles um das Glasprojekt. Mias Mutter redet davon, als ob sie selbst in den gläsernen Palast einziehen würde. Die künftigen Bewohner heißen allerdings Tomaten. Mia bietet ihrem Bruder ebenfalls Hilfe an, doch ehe Jan das erste Wort aussprechen kann, schwingt die Mutter ihre schneidende Zunge. Lass deine Finger davon. Kannst du dir nicht einmal selbst etwas Sinnvolles einfallen lassen? Mir beginnt den Garten zu hassen, vor allem das blöde Glashaus noch, bevor die erste Scheibe gesetzt ist. Die Einweihung des durchsichtigen Tomatenpalazzos gleicht den Feierlichkeiten der Geburt eines Kindes. Über den gesamten Nachmittag hinweg überbieten sich die Gäste mit Lobeshömlern, als ob es einen Preis für die kreativste Rede geben würde. Mias Mutter legt die Latte von Stunde zu Stunde höher. Mia hört zu, still. Eine gute Woche später erspielt Mia den Basketball der Nachbarn wenige Meter vor dem Gartenzahn. Es ist ein ruhiger Nachmittag. Die 13-jährigen Zwillinge der nebenan wohnenden Familie Lala donnern genau diesen orangefarbenen Ball oftmals in die Rosenstauben von Mias Mutter. Die Eltern kommen frühestens in zwei Stunden nach Hause und Jan verweilt bei einem Freund. Kurz zuvor hörte Mia die Buben noch spielen, dann fuhr der wagende Nachbarn weg. Sie schlendert quer durch den Garten und lugt über die eineinhalb Meter hohen Kirschlorbeersträucher. Die Terrassentür der Nachbarn ist geschlossen und sämtliche Ruhläden heruntergelassen. Vor dem Abendessen ertönt ein Schrei, schrill und laut. Die Stimme ist kaum wieder zu erkennen. Mutter, Vater und mehr rennen in den Garten, bremsen vor Jans Projekt ab und erstarren. Die Abendsonne lässt das zersprungene Spezialglas von ihnen nun blinken, dass Mia Mühe hat, die ob sie jeden Moment vor Wut in einem ähnlichen Scherbenhaufen zerspringen könnte, übertrumpft tausendmal das kleine Mitgefühl für Jan. Mias Bruder steht wie versteinert da. Er hypnotisiert die Glasstücke, als hätte sein Blick die Funktion der Rückspieltaste einer Fernbedienung. Doch die unzähligen Splitter bewegen sich nicht zurück in ihre Ursprungsposition. Anhand des Basketballs stellt sich gar nicht erst die Frage, wer Jans Kunstwerk zertrümmert haben könnte. Die folgenden Kettenreaktionen an Vorwürfen und Anklagen zerrüttet Verhältnisse aller Art. Jan wird wieder lebendig, rennt entrüstet zu den Nachbarn und fordert eine Entschuldigung von Tobi und Erwäck. Die beiden wissen nicht, wovon er spricht. Spinnst du? Wir haben dein Glashaus nicht zerschlagen. Jan versucht trotz unbändiger Wut ruhig zu bleiben. Ich glaube euch ja, dass es keine Absicht war, aber eine Entschuldigung ist wohl das Mindeste. Die Kinder schreien nun im Chor. Wir waren es nicht, worauf sich auch Jans Stimme erregt. Ihr seid das Letzte. Ich will nichts mehr mit euch zu tun haben. Frau und Herr Müller wollen vorerst den nachbarschaftlichen Frieden bewahren und suchen das Gespräch mit den Lada-Eltern. Diese verteidigen ihre Söhne, ohne zu wissen, was wirklich geschah. Kaum sind die Mögers weg, rufen sie Tobi und Erik zu sich. Kinder, solche Dinge geschehen, aber ihr müsst euch dafür entschuldigen. Die Buben haben keinerlei Einsicht, weil sie wissen, dass diese Tat nicht auf ihr Konto geht und sind sauer auf ihre Eltern. Wie könnt ihr fremden Menschen mehr glauben als uns? Das ist so gemein. Wir werden uns keinesfalls für etwas entschuldigen, was wir nicht getan haben. Thüring knallen. Seit diesem Tag wird nicht mehr nach Backpulver, Staubzucker oder speziellen Schraubenziehern gefragt. Es reicht gerade noch für den kürzesten Gruß, der zu Ende gegangen ist, bevor er überhaupt begonnen hat. Manchmal täuschen die Müllers auch vor, die Laders nicht zu sehen. Mia beobachtet das Geschehen um sich herum. Ihre Mutter produziert wegen der Verräter von nebenan so etwas wie ein Familienkollektiv. Mehr noch, ihr Verhalten gleicht einer stillen Verschwörung und hierbei wird jedes Mitglied benötigt. Auch Mia, zumindest für eine Weile. Die Rechnung ging auf und Mia fasst Mut für weitere Pläne. Sie speichert gut ab, was funktioniert und was nicht. Wie erreicht sie das größte Mitleid und wie weit ändern Menschen dadurch das Verhalten zu ihren Gunsten? Læs mer på min kanal. Musik Ich überspringe jetzt einige Lebensjahre und Seiten und lese am Ende der Geschichte einen Teil, als Mia bereits in einer Beziehung mit Niki lebt. Die Liebe vergeht in diesem Moment wie die Sterne im Morgenlicht. Niki beobachtet Mia von der Couch aus und erschreckt an ihren eigenen Gedanken. beobachtet mir von der Couch aus und erschreckt an ihren eigenen Gedanken. War es überhaupt eine Liebe? Oder war es nur die Vorstellung von dem, was sie fühlen wollte, was sie sehen wollte, was sie so sehr glauben wollte, weil sie alles in ihrer Herzensmacht stehende versuchte, weil sie sich nicht vorwerfen wollte, einfach aufzugeben, wenn ein paar Probleme auftauchten? Wollte sie das ihrem eigenen Herzen beweisen? Oder mir? Was ist eigentlich in deren Herz los? Ist ihre Freundin in der Lage, etwas zu fühlen? Oder ist alles nur ein Ausloten des Wahnsinns? War es einfach der Wunsch nach der großen Liebe, ohne zu wissen, was das genau sein soll? Aber wie hätte sie es denn herausfinden können? Wo ist denn genau die Grenze zwischen der sogenannten partnerschaftlichen Unterstützung und der zerstörerischen Ausbeutung? Wann hätte sie denn hellhörig werden sollen? Die Verhaltensmuster von mir studierte sie Tag für Tag, erkannte viele ihrer glänzenden Darstellungen und war dennoch machtlos. Egal, ob sie die Ruhe bewahrte, ob sie Mias Aktionen ignorierte oder mit durchaus aussagekräftigen Argumenten agierte, oder mit durchaus aussagekräftigen Argumenten agierte. Jeder Versuch war zwecklos und führte in ein kaum aushaltbares Desaster. In all diesen Situationen wurde Mia dermaßen verletzend und ordinär, dass sie Niki aufgab. Nichts mehr sagte, weil sie auch nichts mehr hören wollte. Das Gift von Mias Worten schmerzte nicht nur in ihren Ohren, sondern im gesamten Körper und jeder weitere Laut hätte Mias tollwütiges Verhalten nur noch angetrieben. Niki kann sich nicht mehr erinnern, wann sie begonnen hat, bereits im Vorfeld auszuloten, wie sie eine Tragödie verhindern könnte. Sie lotete oft. Sie lotete vergeblich und ohne Kompass. Sie verlor ihren Ausgangspunkt und suchte nach einem Ziel, das sich konstant auflöste. Sie hätte auch von einer Sekunde auf die andere falsch atmen können und sie hätte nicht herausfinden können, ob sie nach Mias Empfinden falsch ein- oder ausatmete. Lukas überredete sie oft mit unermüdlichem Einsatz zu den wenigen gemeinsamen Abenden wie erst kürzlich. Diese Atemzüge, gefüllt mit verbotener Freude, führten zu dem Bild, das sie nun betrachtet. Sie liegt auf der Couch und ist wie gelähmt. Selbst in diesem Moment, in dem sie spürt, wie die Liebe oder was immer das war, schwindet. Ist das möglich? Ist es nur die Sorge um ihr Leben? Die Angst? Niki weiß, sie wird noch eine unbestimmte, aber doch nicht allzu lange Zeit brauchen, um das für sich selbst herauszufinden. Oder auch nicht. Vielleicht packt sie schon morgen die Koffer. Sie sieht sich von ihrer Liegeposition aus um und überlegt, was sie wohl mitnehmen würde. Ihre Bücher auf jeden Fall. Die Möbelstücke, die sie gekauft hat auch. Oder vielleicht doch nicht. Will sie noch von dem Tisch essen, von dem so viele Torten stürzten, will sie irgendetwas mitnehmen, das sie an diese Zeit erinnert. Sie fragt sich, wo sie beginnen würde, zu packen und gesteht sich ein, dass ihre Kraft im Moment nicht einmal reichen würde, um eine einzige Schachtel einzuräumen. Am liebsten würde sie auf der Stelle nur mit einer Handtasche bei der Tür hinaus marschieren und in ein anderes Land fliehen. Nichts anderes tun, als irgendwo den Horizont zwischen dem Himmel und dem Meer betrachten. Wie lange würde sie wohl brauchen, um wieder sie selbst zu werden? Ihr fällt eine kürzlich gesehene Dokumentation über Bali ein, als Mia sie aus ihren Zukunftsträumen reißt. Ich kümmere mich um meine Freundin. Dieser Schleimer soll sich besser um seine eigene dämliche Freundin kümmern. Was will er immer von dir? Niki fühlt sich ganz und gar nicht kräftig genug umzustreiten, aber sie hasst es, wenn Mia derartig über Lukas spricht. Er ist wie ein Bruder für Niki und ein wertvoller Freund. Mit geschlossenen Augen sagt sie leise, lass Lukas in Ruhe, du weißt, was Sache ist. Mias Lust, ihre Partnerin zu maltratieren, scheint in keinem Zustand nachzulassen. Ach ja? Weiß ich das wirklich? Ich höre schon lange nicht mehr, was du immer so treibst. Vielleicht spielst du Spiele mit mir und stehst in Wahrheit auch auf Männer. Du denkst, ich merke nicht, dass du mich fertig machen willst. Ich würde niemals zu Drogen greifen, wenn dein Verhalten erträglich wäre. Ist dir eigentlich klar, was du mit mir machst? Theatrale schiebt mir hier beide Hände, um sie gleich wieder fallen zu lassen. Sieh mich an, was aus mir geworden ist. Hier liege ich nun erbärmlich in den Scherben und bettle an deine Liebe, während sich dein Freund Lukas um dich kümmert. Liebe, während sich dein Freund Lukas um dich kümmert. Ich könnte im Sterben liegen und alle würden sich zuerst um dich sorgen. Das war schon in meiner Kindheit so. Warum verletzt mich das überhaupt noch? Ich sollte mich längst daran gewöhnt haben. Ich wette, du tust ihm leid, weil du mit mir zusammen bist. Niki beobachtet weiterhin auch sich selbst. Was geschieht mit ihren eigenen Gedanken, wenn Mia versucht, alles zu drehen und zu wenden? Es ist gar nicht lange her, da gelang es Mia noch, dass Niki irgendwann während des Szenarios tatsächlich den Fehler bei sich selbst suchte. Doch Dinge ändern sich. Sie sieht wie von außen zu. Doch Dinge ändern sich. Sie sieht wie von außen zu. Sie fühlt sich nach wie vor miserabel, aber die Wut auf Mias vernebelte Aktion ist um so vieles größer, als die gewohnte Sorge um sie. Mit jedem weiteren Satz, den Mia da unten auf dem Fußboden von sich gibt, wächst in Niki die Klarheit und Bekräftigung, den Wahnsinn zu beenden. Niki erwidert kein Wort und schließt die Augen. Ignoriert Mia völlig. Wie damals, als ihre Freundin am Geburtstag das allererste Mal durchdrehte. Das wäre der Zeitpunkt gewesen, um das geplante Vorhaben durchzuziehen. Nichts ahnend und liebeshungrig wurde sie an diesem Morgen allerdings im Handeln Tränen schwach. Aus heutiger Sicht war es die Offenbarung von miras narzisstischen Wesen. Niki ist sich nicht sicher, ob sie auch als Soziopathin durchgehen würde. Ein Therapeut, den sie in den vergangenen Monaten ein paar Mal aufsuchte, sprach diese Worte aus, worauf sie sich ein Buch besorgte, um mehr darüber zu erfahren. Sie versteckte es in ihrem Büro und las daraus, wann immer sie ein paar Minuten Zeit dazu fand. Niki nimmt den stetig zunehmenden Lärm, den diese Person auf dem Boden produziert, im Augenwinkel wahr. Aber sie hört nicht mehr hin. Nicht mehr. Sie registriert nicht, dass Mia mittlerweile auf alle Empfehlen durch die Wohnung kappelt und wütet. Niki ist zu sehr mit ihrer Vorfreude auf die kommende Freiheit beschäftigt. Ingi ist zu sehr mit ihrer Vorfreude auf die kommende Freiheit beschäftigt. Sie beginnt in dieser Minute, ihre Energie für die Trennung zu sammeln, anstatt sie für Mia zu verschwenden. Sie spürt den Ansatz eines Lächelns in ihrem Gesicht und ein feines kurzes kribbelndes Bauch. Sie hört wie aus weiter Ferne ein Rauschen. So könnte sich die Brandung auf Bali anhören. Doch es ist nur das Wasser, das Mia in die Badewanne einlässt. Sie badet doch sonst nur im Winter, wenn es tagsüber Minusgrade hat, wundert sich Niki. Vielleicht friert sie wegen der Rauschnachwirkungen oder Mila muss sich ins kalte Wasser legen, um die Wut abzukühlen, weil Niki nicht auf das Topsuchsplädoyer einstieg. Es ist das allererste Mal, dass ihre Rechnung so ganz und gar nicht aufging. Und der Aufwand war enorm. Das wird es sein, denkt Niki weiter. Soll sie doch machen, was sie will. Es sind bereits zu viele Gedanken um sie. Niki möchte viel lieber wieder an Bali denken. Doch es gelingt ihr nicht mehr. Die Wanne muss längst überlaufen, wenn Mia nicht bald abtret. Nikki trinkt ihre Cola aus und setzt sich langsam auf. Wäre sie doch nicht mehr hier, müsste sie nicht mehr nachsehen. Wütend darüber, dass Mia ihr Unwesen nun doch wieder so weit treibt, dass sie agieren muss, marschiert sie Richtung Badezimmer. Das Wasser läuft ihr bereits an der angelegten Tür entgegen. Niki klopft und stößt die Tür auf. Mia liegt bleich im hellroten Wasser. Sie stürzt zu Mia, zerrt deren Oberkörper hoch, dreht mit der anderen Hand den Hahn ab und tastet wild nach dem Stöpsel. Mia ist noch bei Bewusstsein. Eine Hand ist blutig geströmt. Sie sieht im Wasser nicht, dass sich die Schnittwunde nicht an der Pulsader befindet, sondern seitlich davon. Niki kämpft mit Mias Körpergewicht und zieht mit einem Fuß das T-Shirt herbei. Die Wanne leert sich langsam. Sie legt Mias Kopf ab, bindet ihren Unterarm ab. Das Herz klopfte bis zu den Schläfen, während Mia zufrieden grinst. Niki knotet und knotet, um bei ihr zu fest sie kann. Erst jetzt, als Mia schreit, Au, spinnst du, du bringst mich herum, wirft es Niki emotional an einen Ort, an dem sie, weiß sie nicht mehr. Die Erinnerung dazu existiert nicht. Sie zog sich lediglich trockene Sachen an, nahm ihre Handtasche und ging wie ferngesteuert auf los. Nach einigen Hausetten setzte sie sich auf eine Bank und rief Lukas an. I'm going to make a Gourmet Terima kasih. Juni steht auf. Auf Junis Arbeitsplatz liegt seit ein paar Tagen eine Einladung. Sie stiert auf die symmetrische Handschrift ihrer Schwester und spielt sich im Geiste die skurrilsten Ausreden zusammen, um nicht an Ullas Geburtstagsfeier teilnehmen zu müssen. Sie will den 50er in großen Kreis feiern und Jonis versucht, Ulla umzustimmen. Warum können wir nicht einfach einen schönen Abend zusammen verbringen? Oder ein Wochenende, irgendwo hinfahren, nur wir beide, so wie immer, überhörte Ulla einfach. Das Läuten des Telefons beendet abrupt Jonis Tagträume über exotische Viren, die sie eventuell für außerwächtig drei Tage niederstrecken könnten. Es ist Ulla und sie fleht ihre Schwester eindringlich an. Es bedeutet mir alles, Joni. Bitte komm. Wurde sie es einem halb. Jonis Sohn studiert zum Glück ein Semester in Madrid, denn Theo würde sich keineswegs abhalten lassen, mitzukommen. Jahrelang tat er kund, wie blöd er es findet, keine Verwandtschaft zu haben. Abgesehen von einer einzigen Tante, die drei- bis viermal im Jahr daherkommt und ihm viel zu kindische Shirts überreicht. Verstorbene Großeltern, mütterlicherseits Phantomvater. Er sei das einzige Kind in der Schule, das absolut niemanden auf den Standbaum vorzuweisen hat. Er wäre mit einer einzigen Oma zur Not auf Schwerhör, völlig zufrieden gewesen. Aber so gar nichts Altes, das ist echt beschissen, wenn man nicht weiß, woher man abstammt, sagte Theo auch immer wieder. Wir brauchen niemanden, der sich in unser Leben einmischt. Wir haben uns und das ist das Wichtigste, antwortete Joni und drückte Theo dabei an sich, damit er ihre Tränen nicht sah. Theo dabei an sich, damit er ihre Tränen nicht sah. Als Joni und ich uns im Frauenhaus das erste Mal begegnen, sind wir beide 23 Jahre alt. Einen Tag im Monat schneide ich zu einem Minimalpreis solche Haare, die schon lange nicht mehr auf eine Art berührt wurden, damit ein Glanz durchdringen könnte. Frauen fühlen sich meist nicht stark oder schön, nachdem sie verprügelt oder vergewaltigt wurden. Jeder Schlag donnert im Innenweiter. Jede wertlose Berührung vernichtet ein Teilchen Identität. Gewalt lässt die Ausstrahlung verblassen. Die grundverschiedenen Lebenserfahrungen interessieren Joni und mich nicht, aber das Fühlen und Denken verbindet uns von Anfang an. Der siebenjährige Zwerg Theo lebt durch Jonis Leben und der Erzeuger soll verloren gegangen sein, bevor Joni vom neuen Leben in ihren Bauch erfuhr. Als siebzehnjährige Mutter verlässt sie mit dem damals einjährigen Baby das Dorf und kehrt nie mehr zurück. Anhand der Betonung, wie sie das Dorf ausspricht, wage ich lange Zeit nicht nachzufragen. Einzelheiten sind nicht relevant, sagt sie zudem. Ihr letzter Freund brach ihr die Hand, weil sie nicht auf ihre eigene Zeit und ihre persönlichen Entscheidungen verzichten wollte. Nun lebt die junge Mutter für einige Wochen hinter diesen Schutzmauern. Joni schloss die Schule mit zwei Jahren Verspätung ab und organisiert nach diversen Weiterbildungen bei einem Konzern interne Fortbildungen in der Personalentwicklung. Nach ihrem vorübergehenden Aufenthalt im Frauenhaus wohnen wir beide viele Jahre im gleichen Wohnhaus. Joni im ersten Stock, ich im vierten und die kinderlose Pensionistin Frau Sommer im Erdgeschoss. Theo freundet sich rasch mit Frau Sommer an. Das schlaue Kerlchen holt sich einfach eine Ersatz-Oma. Als meine Tochter das Licht der Welt er blickt, ist Theo bereits ein Teenager. Manchmal vermute ich, er sieht in ihr eine kleine Schwester und so wächst seine zusammengebastelte Familie nach und nach. Als er realisiert, dass meine Tochter Lea selbst nach der Scheidung regelmäßigen Kontakt zu ihrem Vater hat, beginnt Theo erneut nachzufragen. Ich kann ihn verstehen und spreche meine beste Freundin darauf an. Was ist wirklich dran an der Geschichte mit dem verlorenen Vater? Weidest du wegen ihm das Dorf? Ungewohnt schroff reagiert Joni. Lass dieses Thema einfach. Und dann kommt der Tag 26 Jahre später, an dem das erste Mal jenes Tarot nicht umfahren und gemieden wird wie ein verseuchtes Katastrophengebiet, sondern schweigend angesteuert. Direkt in die Mitte, in das verbotene Dorf, wo eine üble Sache zu lauern scheint. Ich bremse vor einer dreitägigen Mirage ab und warte, bis Joni bereit ist, die Autotür zu öffnen. Ihre Hand hält verkrampft den Griff fest, während sie starr in die Sackgasse hineinblickt. Drei Häuser links und vier rechts. Hinter den Fensterscheiben des gegenüberliegenden Anwesens tritt eine Person zurück. Ich rechne damit, dass sie gleich sagen wird, dreh um und fahr irgendwo hin, nur weg von hier. Aber da läuft Ulla bereits auf der anderen Seite auf uns zu. Joni öffnet die Autotür. Die Feier soll erst in zwei Stunden beginnen. Ulla wiederholt sich pausenlos bei Kaffee und Zigaretten in der schattigen Laube. Joni, ich bin dir unendlich dankbar, dass du heute hier bist. Schwester Herz, für mich ist deine Anwesenheit das schönste Geburtstagsgeschenk. Wenige Meter weiter blinken die Gläser an der meterlangen Tafel. Drei Augenpaare schweifen zu dem Schein, der darüber hängt. Und zwei von ihnen wissen nicht, wo sich das Unausgesprochene verbirgt. Und zwei von ihnen wissen nicht, wo sich das Unausgesprochene verbirgt. Ein Jugendfreund von Ulla baut eine Digibult in der Laube auf. Er kennt meinen Geschmack über all die Jahre, sagt sie. Der Garten fühlt sich stetig. Roman spielt eben The First Time Ever I Saw Your Face von Roberta Flack. Joni kriezt. Er ist immer noch in dich verliebt. Ja, ja, ich kann es genau sehen. So ein Blödsinn, das ist gefühlte 100 Jahre her. Außerdem hat er eine Freundin. Und nun sieht er, dass du frisch geschieden bist. Joni glinzelt Ulla an und ich füge lachend hinzu. Und seine Begrüßung sprach Bände. Wir werden von weiteren Gästen unterbrochen. Joni verhält sich auf einmal gegen ihre Natur passiv, regt sich kaum, lässt sich begrüßen. Nur von einem nicht, Max. Viele nennen ihn Onkel Max, Ein infernales Pulverfass. Entweder wieder angebiedert oder gemieden. Zweifellos der Diktator seines Verliers. bei Max. Ein Blick in seine Augen reicht, während er meine Hand schüttelt und erschaut mich. Blutleeres Läckchen in Zeitlupe. Abhauen ist das einzige Wort, das ich akut denken kann. Ich lasse Joni nicht aus den Augen, während ich mich durch den sowohl zauberhaften als auch toten Garten auf Joni zubewege. Aus den kleinen Lautsprecherboxen in den Bäumen tönt in die Erdhörnheit von Phil Collins. Ich muss kurz wegen Ulla grinsen, als mir klar wird, dass Joni diesen Wachs wie eine fleischfressende Pflanze weidet. Abseits der Gesellschaft lehnt ein junges Mädchen, von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet an einem Baum. Sie starrt abwesend in die Ferne. Die weiche Hügellandschaft in allerlei mutierenden Gründhöhlen scheint sie nicht wahrzunehmen. Das ist Roberta, die Tochter einer Nachbarin, sagt plötzlich Ulla neben uns. Sie ist schwanger. Der Vater ist irgendein Typ, der sie kaum kannte. Er verschwand, bevor sie von dem wachsenden Menschen in ihren Bauch erfuhr. Das arme Ding. Und noch so jung. Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu. Joni, warst du nicht etwa im gleichen Alter damals, als du schwanger wurdest? Meine Güte, sie erscheint mir noch jünger als du damals. Ulla neigt den Kopf zur Seite. Schade, dass Theo nicht hier ist. Er ist ein besonderer Junge. Du kannst echt stolz auf ihn sein. Joni steht wie eingefroren da. Sie zungt Roberta mit ihrem Blick. Ulla wird von weiteren Gästen beglückwünscht und ich würde meine Freundin am liebsten aus diesem Geistergarten wegzehren. Joni taut wiederum auf, um zielstrebig das Sektglas zu leeren. taut wiederum auf, um zielstrebig das Sektglas zu leeren. Sie scheint haarscharf aus der Ferne zu spüren, wo die Atome von Max ausdünsten, weil sie mit dem Rücken zu ihm permanent die Position ändert, sobald er es tut. Die restlichen Gäste scheinen für Joni nicht mehr zu existieren. Sie marschiert schnurstracks zum Baum an der Gartenmauer, zu Roberta. Neugierig folge ich ihr und höre, wie Joni, ohne das Mädchen anzusehen, die Frage als Feststellung ausspricht. Es war das lachsfarbene Schwein. Die 16-Jährige zuckt zusammen. Wovon sprechen sie? Große, dunkle Augen blicken Joni an. Der schmale Mädchenkörper steckt bei 32 Grad in einem mehrschichtigen Kleiderhaufen und beginnt nach Jonis Satz kaum merklich zu zittern. Robertas Zustand einen Zombie aus der lebenswürdigen Juni hervor. Mit einem Blick, wie ich ihn noch nie an ihr gesehen habe, dreht sie sich langsam um und erfasst ihn. Denjenigen, der sich selbstgefällig die lachsfarbenen Erben hochkrempelt. Die Sehnen am Hals meiner langjährigen Freundin scheinen zu explodieren, als sie losmarschiert. Ich traue ihr in diesem Moment Dinge zu, die ich ihr vor einer Stunde noch nicht zugetraut hätte. Tage später erfahre ich, dass sie auf dem Weg zum Schnaps sämtliche Frauen im Vorbeigehen räuchte. Muss ja nicht jeder schwanger geworden sein. Ulla ruft die Gäste zur Tafel. Joni posiert wie eine Statue neben ihrer Schwester und hypnotisiert Max. Er setzt ein herablassendes Grinsen auf und versucht, sie zu ignorieren. Doch ganz wohl ist ihm sichtlich nicht. Mir auch nicht. Joni steht unter Starkstrom und sieht aus, als würde sie jeden Moment ihr Sektglas zerdrücken. Als sich alle Gäste auf den fliederfarbenen, gebolsterten Stühlen niedergelassen haben, beginnt Joni zu grinsen, als ob sie den Teufel verführen wolle. Sie ist eine andere und doch sie selbst. Ich könnte das, was jetzt geschehen wird, nicht aufhalten und ich will es auch gar Es ist Jonis Leben. Jonis Schmerz. Jonis Entscheidung. Joni steht auf. Sie hebt das Glas und ruft ihm über die Tafel hinweg zu. Max. Er verschwenkt seine Arme, zieht die Augenbrauen hoch und grinst herabwürdigend. Joni hebt ihr Kinn und fixiert ihn mit einer furchtlosen Energie, die er von Frauen in seinem Umfeld nicht gewohnt zu sein scheint. Wie schön, dich nach so langer Zeit wiederzusehen. Max scheint irritiert zu sein. Er versucht zwar, sich nichts anmerken zu lassen, doch er schwitzt gewaltig und befördert seinen alten Stahlkörper in eine aufrechte Kampfhaltung. Sein Grinsen gleicht mittlerweile eher einem Fletschen. Würde diese Grimasse nicht meiner Freundin gelten, würde ich lauthalslos lachen. Dann zwinkerte er die Runde, um zu signalisieren, wie töricht Jonis Auftritt doch ist. Eine durchgeknallte Ebene. Joni verharrt in der Festigkeit ihres Willens und lässt sich von seinem Prumpftauftritt nicht verunsichern. Sie spricht nun besänftigend sanft. Max, wie viele Kuckuckskinder gedenkst du eigentlich noch in die Welt zu setzen? Nein, lass mich korrigieren. Dieser Begriff erscheint mir zu harmonisch. Sie holt Luft und fährt mit ironischem Unterton fort. Wie sagt man eigentlich dazu? Wie bezeichnet man den Vorgang, wenn jemand mit Gewalt ins Leben gerufen wird? Ich meine, wenn jemand absichtlich eine Person aus dem Leben befördert, dann ist diese Aktion klar tituliert. Mord, Totschlag, nicht wahr? Joni lässt nicht ab vom Blick auf Max. Die Gesichtsfarben der Gäste lassen steigende Körpertemperaturen erahnen. Ulla, eine der rötlicheren Sorte, versucht ihre Schwester zu beschwichtigen. Joni, lass uns feiern. Es ist mein Geburtstag. Aber selbstverständlich, lass uns weiterfeiern, das könnte doch alles so gut Joni nimmt einen Schluck und schleudert das haltvolle Glas auf den Steinboden hinter sich Weiterfeiern, egal was um uns herum geschieht, nicht wahr? Wegschauen und weiterfeiern Dann greift sie nach einem neuen Glas und schenkt sich seelenruhig ein. Ullas alter Freund scheint hinter den Boxen abgetaucht zu sein und eine Playlist läuft leise weiter. The Pictures of You von The Cure sollte wohl ursprünglich Ulla eine unsichtbare Hand reichen. Diese Feier mit all den sorgfältig auserwählten Songs hat er sich vermutlich anders vorgestellt. Ich will auch eine Sache mit euch feiern. Tut mir echt leid, Schwesterherz, dass es deinen Geburtstag trifft. Aber so ist das nun einmal mit besonderen Jubiläen. Da kann man sich das Datum nicht aussuchen. Heute ist der 10. Juli. Was für ein Tag. Joni prostet Max zu. Auf uns. Sie zelebriert den Weg des Glases an ihre Lippen. Alle stören sie an, wie sie in ihrem dunkelgrünen Sommerkleid straff dasteht. Der Stoff fließt an dem leicht gebräunten Körper entlang und endet oberhalb ihrer Knie. Joni fährt fort. Es war der 24. Geburtstag, Ulla. Heiß wie heute, schön wie heute. Ich hatte die Topfentorte mit Heidelbeeren für dich gebacken, deine Lieblingstorte. Ich wollte, dass zumindest eine Sache an deinem Geburtstag so ist wie damals, als Mama noch bei uns war. Weißt du noch? Vielleicht wollte ich einfach den Duft um mich haben, den Simon produzierte. Ulla hat Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten. Wir waren beide frisch verliebt. Ich das allererste Mal und ich erzählte dir von meinen Empfindungen, von der Sanftheit männlicher Lippen, von Umarmungen, einem neuen Gefühl von Geborgenheit, das verschwunden schien, nachdem Mama und Papa gestorben waren. 16. Und du sagtest mir, tu es erst, wenn du sicher bist, dass du es willst. Nun wendet Joni ihren Blick von Ulla auf Max und sagt, aber dazu kam es nie. Er hält ihren Blick nicht stand. Ich würde dir ja gerne das Wort überlassen, Onkel Max, aber heute bin ich dran. Deine ignoranten Versionen interessiert ohnehin niemanden, auch wenn du davon überzeugt bist, dass alle heimlich von deinem unerotischen Gehabeträumen. Es kommt dir gar nicht erst in den Sinn, dass du abstoßender Frauen wirken könntest und weil diese Tatsachen deine Gehirnwindungen nicht verarbeiten können, fällst du für sie her wie ein Vieh. Du wirst nie wissen, wie es ist, tatsächlich begehrt zu werden. Joni hält einen Moment inne. Verzeih mir, ich schweife ab. Wir haben schließlich etwas zu feiern. Die Unbeirrtheit des Vorhabens spült sich in ihrem scharfen Ton wieder. Max, du und ich, weißt du noch? Heute vor 26 Jahren. Es war schon dunkel. Ulla verschwand mit ihrer neuen Flamme und ich tänzelte zur Garage, um meinen Fahrer zu holen. Denn ich wollte den interessanten Typ treffen, der bereits mit 17 besser wusste, wie man ein Mädchen anfasst, als du es je wissen wirst. Joni holt ein schwarz-weiß gepunktetes Büchlein aus der Tasche und schwenkt es über ihren Kopf. Ich wollte mein Tagebuch heute Nacht hier an diesem Ort verbrennen und endgültig von der grauenvollsten Nacht meines Lebens Abschied nehmen. Dann verpasst sie dem Buch einen heftigen Schlag und setzt fort. Durch dieses Vorhaben werde ich etwas aufschieben. Ich halte es für sinnvoller, euch ein bisschen daraus vorzulesen. Nicht viel, nur das Wesentliche. Joni zieht an dem ausgefransten Band, schlägt das Buch auf und beginnt zu lesen. Thank you. Applaus Ich bin selber noch ganz berührt, deswegen fehlt mir gerade die Worte, aber ich fasse mich wieder. Was war denn dein Anliegen? Man kann ja auch Comedien schreiben, man kann irgendwie, ja, oder Krimis oder warum gerade solche tiefgründigen Geschichten, die das Leben schreibt, so angefangen von der Mia, die schon als Kind so von den Eltern Gewalt erlebt, vorwiegend von der Mutter und das dann weiter ausführt, also sie ist erwachsen. Was war dein Anliegen? ausführt, was sind sie am besten dazu? Was war dein Anliegen? Mein Anliegen von der Aufbereitung vom Buch war, zum einen Geschichten zu erzählen, also ich komme dann noch einmal zur zweiten Frage, worum das Thema, mit Erläuterungen drinnen, weil es gibt genug Filme auf Netflix, wo man sich sowas auch anschauen kann, aber wenn junge Menschen sich das ansehen, dann wird das ins Gesicht geschmissen und sehen vielleicht, ja das ist ein Arschloch, aber wenn junge Menschen sich das ansehen, dann wird das ins Gesicht geschmissen und sehen vielleicht, ja das ist ein Arschloch, aber was wirklich geschieht in der Form der Manipulation mit Erläuterungen, das gibt es eigentlich so in der Form nicht. Es gibt natürlich genug Fachbücher, tolle Fachbücher unter anderem, aber die liest nicht jeder und ich wollte Geschichten erzählen, wo man aber schon ein bisschen herausfinden kann, okay, da passiert was, was passiert da, wann und wie. Also das war zumindest mein Anliegen, warum ich die Geschichten so erzählt habe, mit eben diesen Erläuterungen. Die Thematik ist zum einen meiner Oma gewidmet. Die hat mir das als junges Kind erzählt, sie hat das erlebt, dass sie wie der Opa im Krieg war, ich will da gar nicht drauf eingehen, aber ich war sehr jung, als sie mir das erzählt hatte und das hat mich als Frau, und ich bin eine Frau und jederzeit kann mir das passieren, zum Glück habe ich keine Erfahrung mit körperlicher und sexueller Gewalt, einmal kurz, psychische Gewalt in einer Beziehung, das war harmlos im Vergleich zu diesen Geschichten, aber trotzdem habe ich dann angefangen mich dafür zu interessieren und mit dem Thema zu beschäftigen. Genau. Das heißt, ich habe da kurz den Inhalt dann gelesen und so, es steht auch drinnen, dieses Buch kann helfen. Inwiefern kann es helfen? Das was ich zuerst erklärt habe, dass man zumindest, also ich denke nicht, dass das jetzt das richtige Buch ist, wenn wer gerade frisch die Erfahrungen gemacht hat oder wenn eine gewisse Phase vorbei ist, sicherlich schon, aber bevor überhaupt junge Frauen, wenn die in Beziehungen schreiten, dass sie erkennen, wie ein Manipulationsspiel eben abläuft bei den meisten männlichen Tätern. Ich habe heute noch ein Beispiel gemacht mit Frauen, weil ich mir denke, es gibt es umgekehrt genauso. Das ist vielleicht bei der Lesung, ich weiß jetzt nicht, ob das wer miterleben hat können, aber dass man das in der Geschichte sieht, okay, da passiert jetzt die Manipulation. Hallo, aufpassen, das ist nicht gesund. Genau, dass man es eher erkennt und darum denke ich mir schon, ja, zur Reflexion. Also auch zur Prävention. Ja genau, und dass man auf jeden Fall ehemalig eine professionelle Hilfe einspricht. Genau. Und merkt, okay, bin ich mir nicht sicher, ist da jetzt in der Beziehung oder in der Konstellation, die ich gerade erlebe, ist das jetzt ganz sauber oder nicht und dann einfach professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, weil das ist glaube ich schon wichtig, dass man, je früher, dass man sich davon lösen kann, desto besser. Wie hast du das bemerkt? Relativ still. Aber woran? Ich habe zwar nicht gewusst, was es ist. Es war in meinen mittleren Zwanzigern und ich war damals, also davor habe ich ausschließlich gemacht, was ich wollte und ich habe auch nie davor und danach schlechte Erfahrungen gemacht. Aber es war eine orientierungslose Phase meines Lebens und ich habe viele Umbrüche gehabt in meinem Leben und die waren alle interessant und anstrengend und spannend, aber nie mehr so orientierungslos. Und da hat der Teufel zugeschlagen, sag ich jetzt einmal so wie es ist. Ich habe auch Bücher gelesen dann. Ich habe gelesen und habe mir gedacht, na dann hat es was. Das ist nicht normal. Zuerst denkt man sich halt, der spielt ein bisschen an was es ist und wie. Und dann, wenn man das erkennt, ich glaube, da macht man sofort einen Schritt in die andere Richtung. Weil dann schaut man zu und erkennt das. Also ja, ich finde, das ist das Um und Auf. Also aus meiner Sicht, ja. Das heißt, dein Anliegen wäre ja auch vor allem, dass junge Frauen dieses Problem lösen. Ja, genau. Und auch junge Männer. Und auch, also in jedem Alter. Weil ich glaube, man kann nie sagen, wann so etwas passieren könnte. Ja, ein Appell an alle, also sich dieses Buch zu kaufen, zu lesen, leise, laut, still. Gibt es das draußen zu kaufen? Ja, es gibt es draußen zu kaufen und natürlich im Buchhandel überall genauso. Und ja, auch heute. Dann Rudi Raul, Rudi aus Linz. Ich habe mir dann schon überlegt, was ich dich fragen soll. Warum dieser Abend, warum dieser Genufiz-abend für das Frauenhaus Linz? Naja, wir wollten eigentlich voriges Jahr schon aktiver teilnehmen an den 16 Tagen und heuer hat es dann geklappt, auch mit der Organisation im Vorfeld und so, weil es einfach wichtig finde, Frauen umzumachen, indem man einer Art sagt, sie sind nicht allein. umzumachen, indem einer sagt, sie sind nicht allein. Es gibt dieses Phänomen viel zu oft. Und auch den Männern zu sagen, sie sind nicht die einzigen. Man kann sich auch als Mann beraten lassen. Ich persönlich finde es besonders wichtig, aber da wissen Fachleute besser Bescheid, dass wir unsere Buben zu selbstbewussten Männern erziehen, die keine Angst vor Frauen haben, die sie dann schlagen müssen oder sonst irgendwie unterdrücken. Ja, und deswegen haben wir heuer gesagt, wir nehmen jetzt einmal aktiv teil an den 16 Tagen mit zwei Veranstaltungen, eben heute leise laut still und am 3. Dezember dann veranstaltet das Frauenbüro bei uns noch den Poet-Wisslein. Und wenn wir teilnehmen, dann war es für uns klar, dass wir da Benefizabende draus machen wollen. Und einfach ganz zielgerichtet Spenden sammeln. Und wir haben uns heuer für das Frauenhaus Wien entschieden. Ja, also das war es für den ersten Teil dieser Veranstaltung. Vielen Dank. Ich würde sagen, lassen Sie diese Lesung noch auf sich wirken. diese Lesung noch auf sich wirken. Reden Sie darüber, diskutieren Sie über Gewalt, über Nichtgewalt, über Sichtbarmachung von Gewalt, über die Tabus, die es gibt in unserer Gesellschaft, was Gewalt angeht. Und wir sehen uns dann nach der Pause wieder. Es gibt dann einen kurzen Filmtreber zu dem Thema und die Diskussionsrunde. Und vergessen Sie nicht zu spenden. Vielen Dank.