Liebe Gäste, im Namen der Stadt Linz, Abteilung Linz Kultur, darf ich Sie sehr herzlich begrüßen zu dieser Veranstaltung im Musikpavillon. Wir freuen uns sehr, diese Veranstaltungsreihe schon zum 36. Mal veranstalten zu können. Und wir freuen uns natürlich, dass Sie wöchentlich die Sommerabende mit Musik und Literatur bei freiem Eintritt genießen können. Das genaue Programm finden Sie am Eingang aufliegend, sowie unter www.linz.at. Vielen Dank. www.linz.at slash Musikpavillon sowie auf Facebook und Linz Termine. Am Eingang finden Sie noch unsere Mülltrennstation. Ich bitte Sie davon, Gebrauch zu machen. Ich darf das Mikro weitergeben an Stefan Kögelberger. Viel Spaß. Vielen lieben Dank, Herbert, für die Begrüßung von Seiten der Stadt Linz. Auch von meiner Seite, von der Seite des Stifterhauses einen schönen guten Abend. Es freut mich sehr, dass Sie sich heute hierher gekämpft haben bei tropischen Temperaturen. Es soll ein Fehler nicht gewesen sein. Es ist dies heute die zweite Veranstaltung unserer Reihe Stifterhaus Außerhaus. Letzte Woche, vielleicht waren einige hier, waren Birgit Birnbacher und Margarete Affenzeller zu Gast. Eine ganz großartige Veranstaltung, aber die heutige wird dieser, ich bin ganz sicher, in nichts nachstehen. Ich darf ganz herzlich unsere beiden Gäste begrüßen. Der eine ist von weit her angereist, die andere eine Linzer Lokalmatadorin. Wie man so schön sagt, ich bitte um einen dosenden Applaus für Thomas Gardi und Dominika Meindl. Applaus sein vierter ist. Der Roman trägt den Titel Liefern und ist im Frühjahr dieses Jahres im Tropenverlag erschienen. Ein paar biografische Eckdaten zu unserem heutigen Gast. Thomas Gardi wurde 1974 in Galiläa geboren und lebt heute in Berlin. Mit zwölf Jahren zog er für drei Jahre mit seiner Familie nach Wien, wo er die amerikanische Schule besuchte. Sein damals erlerntes Deutsch bezeichnet Gardi in einem Interview als sehr mündlich, da er die Sprache über Hören und Sprechen, nicht aber über Lesen und Schreiben erlernt hat. Er studierte Literatur und Erziehungswissenschaft in Jerusalem, Berlin und Beersheba, korrekt? Korrekt. Korrekt. Neben seinen eigenen literarischen Arbeiten ist er auch als Herausgeber tätig. Weil eben erst die 50. Auflage der Tag der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt zu Ende gegangen ist, sei erwähnt, dass auch Thomas Gardi dort einmal gelesen hat beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Weißt du noch wann? Genau zehn Jahre her. Vor genau zehn Jahren, 2016, war er dort zu Gast. 2022 wurde er für seinen Roman Eine runde Sache mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Die Moderation des heutigen Abends übernimmt, wie schon angekündigt, Dominika Meindl. Sie ist regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern des Stifterhauses oder auch des alten Schlachthofs in Wels natürlich ein Begriff. Sie ist gebürtige Linzerin und tritt in der Literaturszene als Autorin, Moderatorin, Herausgeberin. Auch schon mal? Ja. Ach, sagen wir ja. Gerade im Entstehen begriffen anscheinend. In Erscheinung. Außerdem organisiert sie literarische Veranstaltungen und sie leitet die Original-Linzer Worte. Zudem ist sie Regionalsprecherin der Grazer Autorinnen-Autoren-Versammlung Oberösterreich. Ihr erster Roman, selbe Stadt, anderer Planet, erschien 2024 im PIKUS-Verlag, wurde auch im Stifterhaus vorgestellt und wir freuen uns bereits auf ihren nächsten Roman, der im August diesen Jahres erscheinen wird. Auch eine Sommerlektüre hoffe ich. August ist nicht mehr weit hin. Mehr Himmel als gut für uns ist, wird der Titel sein. 2025 wurde sie mit dem Kunstförderpreis der Stadt Linz ausgezeichnet. Das war es von meiner Seite und ich wünsche uns einen anregenden Abend mit Dominika Meindl und Thomas Gardi. So eine tolle Anmoderation. Ich habe jetzt schon Striche gemacht, weil ich habe das auch alles vorbereitet. Ich vergesse das immer wieder, dass das im Stifterhaus so super professionell gemacht wird, dass man als Moderatorin eigentlich die Volée zu den Fragen übergehen kann. Und ich schaue, dass ich mich ja heute deswegen kurz halt, ich möchte es einmal schaffen, dass sich das Publikum beschwert, Sie haben zwänglich geredet heute, Frau Meindl. Ich habe es noch nie geschafft. Und Thomas hat vier Lesestellen vorbereitet. Ich habe sehr optimistisch gesagt, das schafft man schon. Aber es kann sein, dass es zu lange wird. Nicht für mich. Ja eben, für mich auch nicht. Ich habe es noch nie geschafft. Ja, wir schauen mal. Wir sind ja nicht direkt im Stifterhaus. Vielleicht können wir da gar nicht rausgeschmissen werden. Dass wir drei Stunden dauern. Wir gehen dann dazwischen einmal in die Donau baden. Ich bin selbst schon gespannt. Ich überlege jetzt gerade, was ich überhaupt, ich werde einfach nur ein paar enthusiastische Sätze zu liefern sagen und vorher eine Frage ans Publikum, bitte jetzt sich nicht bloßgestellt zu fühlen, wer von Ihnen bestellt regelmäßig per Boten LieferantInnen-Essen? Sie werden das Buch überhaupt nicht verstehen. Vielleicht trauen Sie es nicht so zu sagen. Das ist irgendwie immer mit einem gewissen ethischen Charme verbunden. Ja, also ich stehe dazu, ich kann nicht kochen, aber brauchen wir, nein, das macht nichts, das macht wirklich nichts, wenn Sie nicht liefern lassen. Die zweite Frage wäre gewesen, wer gibt dann Trinkgeld? Aber die brauche ich jetzt gar nicht stellen. Und dann sage ich es jetzt auch nur noch theoretisch, wenn sie dieses Buch gelesen haben, werden sie sehr viel mehr Trinkgeld geben wollen. Ich habe es wirklich geliebt. Es war mir eine Freude. Ich bin schon eingeladen gewesen, in Graz darüber zu sprechen, und zwar mit einem gewissen Klaus Karstberger, der dich auch sehr mag, und dem wir auch Broken German, jetzt musst du sagen, ob es jetzt so stimmt, aber dass du beim Bachmannpreis gelesen hast, wer kennt das Buch? Ich beneide alle, die es noch nicht kennen. Wir haben bei dieser literarischen Soiree nicht nur über Liefern gesprochen, sondern auch über Broken German, der Name ist Programm. Wir waren alle ganz süchtig nach diesem Deutsch und waren ein bisschen, haben wir dann eingestanden, ein bisschen enttäuscht, als Liefern in sehr dudenkonformen, schönem Deutsch erschienen ist. Wir können darüber noch sprechen. Wir wollen eigentlich immer nur Broken German von dir lesen, aber du hast völlig recht, vor allem mit diesem Buch Liefern. Es ist toll, es sind ganz viele Stränge, es spielt an verschiedensten Orten, es ist auf seine Art vielsprachig, es ist hochpolit ohne in irgendeiner form hyper moralisch zu werden man wird noch den kapitalismus zwar nur stärker ablehnen aber trotzdem weiter teil davon bleiben es geht ums kastensystem der globalisierten welt und liefern der titel bezieht sich ganz stark auf jene die die das Essen liefern, die Einkäufe liefern, rund um die Welt. Lieber Thomas, ich glaube, dass jetzt, wie verspringt es jetzt wirklich, im Idealfall kannst du dadurch länger lesen. Ich sage es nur einmal, ich habe es geliebt, dieses Buch, kaufen Sie es bitte. Wir haben einen Büchertisch, wie immer. bitte. Wir haben einen Büchertisch, wie immer. Vielleicht nur ganz, nur zur Einleitung und du musst es gar nicht beantworten, sondern du könntest dann einfach beginnen zu lesen. Ist das Wichtigste beim Schreiben oder beim Geschichten erzählen, der Perspektivwechsel? Diese Lust, sich in andere hinein zu versetzen? Ich glaube nicht, dass es im Allgemeinen das Wichtigste beim Schreiben ist. Das war mir wichtig an diesem Roman, weil es um Essenslieferanten geht, in unterschiedlichen Orten und Städten auf der Welt. Und ich war nie Essenslieferant, ich habe es nie gemacht. Und es geht um Menschen, es gibt ein Kapitel aus Delhi und es gibt ein Kapitel aus Istanbul und es gibt ein Kapitel aus Buenos Aires und ich war auch nie ein Mensch von dort und deswegen verlangt es für mich und für diesen Roman ziemlich viel Perspektivwechsel und was ich gemerkt habe, etwas, was es von mir verlangt hat und was für meine Schreiben wichtig ist, ist sehr viel zuzuhören. Was man vielleicht nicht in erster Linie, das erste, worüber man denkt, wenn man über Schreiben denkt, man denkt über sich selbst ausdrücken, aber dieses Roman hätte es nicht geben können, ohne ein sehr, sehr konzentriertes und langjähriges Zuhören und eine Suche nach jemand anderem zu verstehen. Ich schlage vor, dass wir über die Entstehung des Buches gleich sprechen und damit die Menschen sich auskennen. Lies bitte doch. Mache ich gerne. Lies bitte doch. Mache ich gerne. Es geht, wie gesagt, um Essenslieferanten in sechs unterschiedlichen Städten auf der Welt, in sechs unterschiedlichen Romanteilen. Ich lese ein paar ersten Seiten aus dem ersten Teil, das in Tel Aviv stattfindet. Hört ihr mich alle auch dort hinten? Ja? Passt das? Gut. Filmon, sagte der Wächter zu mir, willkommen im globalen Dorf. Wir brauchen hier einen Dorftrottel. Wäre das nicht was für dich? Und ich sagte ja. Und ich dachte mir, fuck nein. Und lächelte ganz groß und ging rein. Gut, aber die ist irgendwie zu kurz, diese Geschichte. Nicht wahr? Irgendwie zu knapp. Und warum geht es im Leben für nicht um Zeit? Tick-Tack, Tick-Tack, Tick-Tack. Nicht gleich zum Handy greifen, um Zeit und Weite, Zeit und Drang. Also dann eben ein Perspektivwechsel, meine Damen und Herren, Perspektivwechsel. Wirkt wie ein mittelalterliches Allheilmittel. Wie ein Alchemisten-Zaubertrank. Ein Seelendunger. Ein Horizont-Extrakt. Kommen Sie her, meine Damen und Herren. Treten Sie näher mit Bewohnern des globalen Dorfes. Perspektivwechsel. Perspektivwechsel hilft Perspektivwechsel. Hilft auch gegen Selbstmitleid. Auch gegen Aussichtslosigkeit. Erlöst von chronischem Purismus. Lindert Erbennabelschau. Lockert Identitärfixationen. Hilft zudem gegen Opferglorie. Perspektivwechsel, Perspektivwechsel. Treten Sie näher, meine Damen und Herren. Kommen Sie her. Noch näher, bitte. Bitte noch einen Schritt. Ja, danke. Also. Ja, danke. Also. Er stand also in der Küche und wischte die Arbeitsfläche und die Spule sauber. Der Edelstahl erstrahlte im Neonlicht, das Radio spielte irgendwas. Bestimmt was Frohliches, etwas Erhebendes. Er streckte sich, seine Schuhe seifenwassernass, warf die Putzlappen in den Eimer, ging aus der Küche nach vorne und stand da im leeren Raum des Cafés, seit drei Tagen schon ohne Stühle und Tische. Er suchte sein Abbild, aber auch der große Spiegel war nicht mehr da. Das Foto des Mannes mit der Perlenkette, seine Haut in der Farbe reifer Pflaumen, harte Perlmutkugeln auf den weichen Altersfalten seines Nackens hatte der Zweithandhändler nicht mitnehmen wollen. Zwei beinlose Stühle lagen aufeinander in der Ecke wie nach einer Schlacht. Die Kaffeemaschine hatte er schon geputzt und demontiert, also kochte er Wasser im Wasserkocher, machte sich so seinen kaffee rauchte eine zigarette unter der decken ventilator bei der bar trank seine kaffe warf die kippe auf den boden er werde hier später sowieso noch ein letztes mal sauber machen müssen durch die großen fensterscheiben sah er dass draußen ein parkplatz frei wurde und heute die kaputten stuhle aus der Ecke, stellte sie auf die Straße, um den Parkplatz für André freizuhalten. Dann ging er wieder rein durch das leere Café nach hinten in die Küche. Nur den großen Offen musste er noch machen und seinen Geschirrspüler. Die Kühlschränke hatte er schon sauber, die Kabel waren ausgesteckt, ihre Türen ganz weit offen, wie bei einem letzten Keuchen, wie tote Fische in einem verschmutzten Waschmittelflussbett. Jedes dritte Kaffee, das in Tel Aviv aufmacht, geht pleite und macht nach weniger als einem halben Jahr zu. In dieser Küche hatte er schon drei Jahre fast jeden Tag verbracht. Also konnte er sich auch freuen, hatte ja länger gehalten als erwartet. Und zum Glück ist das Kaffee nicht seins. Perspektivwechsel. Perspektivwechsel Perspektivwechsel hilft auch gegen Aussichtslosigkeit, hilft auch gegen Zukunftsängste, hilft auch gegen Hab-kein-Kraft-mehr. Er machte die Offentür auf, schüttelte die Spraydose und bespritzte die offenen Innereien mit weißem Schaum. Ließ den Reiniger darin flüstern, chemisch wispern, machte dann mit seinem Geschirrspuller weiter. Ein letztes Mal vor der Maschine. Ließ sie leer laufen, nur mit Finnisch und viel Antikal. Hörte, wie das Wasser drinnen spritzte und rauschte und rieselte wasser gut fürs nachdenken auch wenn es nur aus rohren und sprüharmen fließt und nicht mehr es werden kommt oder von regen drei jahre hat er vor dem spüle gestanden in die dreckigen geschirr gefüllt ist dann dampfen draus geholt die teller und schalen auf die regale in der küche die gläser und das besteck für die keller auf die durchreiche heute kommt andrei und holt das alles ab, verkauft es wieder. Und wer wird nach mir vor dieser Spulmaschine stehen? Vielleicht wieder ich. Neues Café, alter Job. Und wer hat die Spulmaschine eigentlich vor mir benutzt? Die Dynastie ist lang. In dieser Stadt spulen nur noch Eritreer das Geschirr in Restaurants. Aber wir sind auch nicht schon immer hier gewesen. Wer hat hier vor uns das Geschirr sauber gemacht? Er ließ das letzte Wasser aus der Maschine fließen, schob sie von der Wand weg, nahm ein Messer von Regal und ritzte seinen Namen auf die Rückseite in den Edelstahl. Philmon was here. Philmon war hier, aber wer wird Philmon morgen be in seiner Wohnung ohne Arbeit? Kann noch lang dauern, bis jemand in der Stadt eine neue Küchenhilfe brauchen wird. Die Plage plagt. In dem Café darf jetzt wieder keiner sitzen. So viele schließen und das für immer. Jetzt auch hier. Eine Weile hat es noch funktioniert mit dem Café, mit Pappboxen, Tüten und Essenslieferanten, Typen mit Helmen und viereckigen Rucksäcken. Die stürmten ins Café café rannten voll beladen wieder raus bring bring indigo jamm viel geschirr war da nicht mehr zu spülen film und hat nun nicht die pfannen und die topf abgewaschen in dem morgen kam er früh in die küche schnitt und schäl, putzte das Gemüse und bereitete alles vor. Später vormittags kam dann Simon und kochte das warme Essen. Simon machte die Salate und die Sandwiches, packte das Essen in Boxen. Die Boxen in Tüten und die Tüten mit Bons stellte er auf die Bar für die Riders. Die stürmten herein handy in der hand jeder mit seinem kubischen globus auf dem rücken packten die tüten in ihre klobigen rucksäcke liefen dann wieder raus in die stadt weiter so frieden und riders auf e Riders auf Motorrädern und Riders auf E-Rollern, schwitzend auf den schwarzen Asphaltstraßen unter dem overhead glühenden Sonne. Es war sein achtes Jahr in Tel Aviv. Acht Jahre, seit er zusammen mit zwölf Menschen die ganze Sinai-Wüste durchquert hatte und in einer Nacht auch die Grenze von Ägypten nach Israel. Die Israelis sagen, er sei hier im September noch nie so heiß gewesen, aber er wusste nicht, ob er ihnen glauben konnte oder ob das bloß Nostalgie war. Kann sich ein Körper wirklich erinnern, wie heiß es ihm vor 25 Jahren gewesen ist? Bald wird es aber cooler, bald wird es aber cooler, murmelten die Riders und fuhren weiter. Algorithmisch, fernbedient. Bis auch das nicht mehr funktionierte für Romy und ihr Café. Sie hatte zumachen müssen. Konkurrenz zu hoch, Gewinn zu niedrig. Die Kellner waren schon lange weg. Simon war nach Hause gegangen, fiel nur noch drei Tage geblieben, um alles sauber zu machen, was zu verkaufen war. Zum Schluss ging auch er. Kurz und ungut. Ein Mann. Sein Name ist Philmon, verliert seinen Job. Er muss jetzt einen neuen finden. Draußen plagt die Plage alles zu. Freie Arbeitsplätze gibt's kaum noch die Preise steigen ständig und morgen muss er auch noch zu Schei Miete bezahlen und auch die für den nächsten Monat und weiter Geld nach Deutschland schicken muss er auch noch an seine Daniat und die kleine Israel es wird noch lange dauern bis Dan Danijat es hinkriegt, alles in Deutschland so zu erledigen, dass auch er endlich dorthin kann, zu seiner Frau und seiner Tochter. Morgen wird er Danijat anrufen, endlich mit ihr darüber sprechen. Danijat, ich habe meine Arbeit verloren. Das hat er gestern schon vor gehabt und auch vorgestern und an den dank davor auch hat sich nicht dazu bringen können es eher zu sagen bloß kein selbstmitleid jetzt filmen bloß nicht da reinfallen. So ist es halt. Du bist nicht der Einzige, der davon betroffen ist. Die Perspektive. Die Perspektive. Philmon stand also in der Küche und wischte die Arbeitsfläche und die Spüle sauber. Der Edelstahl erstrahlte im Neonlicht. Ich kann kurz applaudieren, das geht sich schon aus. Danke. Also das Thema, oder der Stoff, so muss man es sagen, in germanistischen Kreisen ist ausnehmend ergiebig. Es ist ein Phänomen, das sich um die ganze Welt verbreitet hat. Wahrscheinlich gibt es nur in ganz wenigen Ländern keine Lieferdienste. Ich möchte dich gerne befragen, wie du recherchiert hast. Du hast mehr als drei Jahre an dem Roman gearbeitet und du warst dafür sehr viel unterwegs. Der Carsten Berger hat ganz frech gesagt, ja der wollte halt unterwegs sein. Aber du hast ja dabei auch ganz offensichtlich viel gearbeitet. Also wie war, die Schauplätze könnte ich jetzt aufzählen. Wir sind jetzt in Tel Aviv gewesen, wo, und das ist auch wieder so interessant, man erfährt dann so fast wie nebenbei, dass dort jetzt die Schmutzarbeit, die neue Arbeiterklasse erledigen die Eritreer, die über den Landweg dorthin fliehen, die übrigens nur einen viel ärgeren Militärdienst abzuleisten haben als junge Israelis, ich glaube, die sind ja da jahrelang gefangen in Diensten eines Unrechtsstaats. Also die Eritreer müssen da die Schmutzarbeit machen, ich springe jetzt ein bisschen herum, wir sind in Neu-Delhi, wo eine frustrierte Journalistin arbeitet und sich etwas liefern lässt von einer Frau, die verlassen worden ist, also Indien, und da erfährt man immer wahnsinnig viel. Ich liebe das beim Lesen. Okay, ja, so ist jetzt gerade die Stimmung in Tel Aviv, Delhi, dann sind wir in Buenos Aires, wo ein Venezuelaner sich durchschlägt. Bocca Juniors Fan. Bist du übrigens Fußballfan? Ich gucke es gern. Ich hatte nie eine Mannschaft, aber ich schaue es sehr gerne an. WM auch? Was? WM auch? Ja, gestern war ich da draußen, als das Gewitter angefangen hat. Das war ein Phänomen. Jetzt haben wir gerade die total seriöse Moderation zusammen. Bist du jetzt schon so lange in Berlin, dass du traurig bist, dass die Deutschen ausgeschieden sind? Nein, nein. Naja, du schleimst jetzt nur in Österreich ein, weil man da immer so ein Minderwertigkeitskomplex hat. Aber sind die Österreicher froh, wenn die Deutschen rausfliegen? Ja? Okay, Applaus für Deutschland. Nicht mehr so froh. Das sind ja unsere großen Geschwister, die Deutschen. Okay, also jetzt so, der unseriöse Teil endet jetzt schon wieder. Genau, ja. Okay, also jetzt so, der unseriöse Teil ändert jetzt schon wieder. Genau, dann gibt es das letzte Kapitelspiel, die in Kenia, den Namen jetzt wieder, Nawaischa, da warst du auch sehr lange, und hast auch dort lange recherchiert, dann ein sehr interessantes Kapitelspiel in Istanbul, wo plötzlich der Ich-Erzähler auftaucht und dort eine Geschichte, eine sehr schöne, lange Geschichte erzählt. Das ist auch nebenbei ziemlich lustig, das Kapitel. Das können wir nachher noch sprechen. Und was habe ich noch? Berlin natürlich, in Berlin. Und die Leben der Menschen sind miteinander verwoben, mit großer Leichtigkeit. Also das geschafft, also Text im Wortsinne und es hat ein ziemliches Tempo, das Tempo, das die Lieferdienste versprechen. Und jetzt ist die lange Einleitung zu der Frage, wie hast du recherchiert? Das scheint alles sehr genau zu sein. Man erfährt wirklich sehr viel aus den verschiedenen Ländern über das Leben der Boten. Ja, mir war es wichtig, nicht zu wissen, worüber jeder Romanteil oder jede Geschichte in jeder Stadt sein wird, bevor ich in die Stadt gefahren bin. Dann bin ich in jeder Stadt hingefahren, ohne zu wissen, worüber die Geschichte sein wird und habe es dann entwickelt durch die Gespräche mit den Essenslieferanten. Und wie dieser Kontakt mit ihnen gewesen war, vor jeder Reise habe ich Kontakt aufgenommen mit Menschen aus der Zivil arbeiten oder in Gewerkschaften, die sich für Arbeitsrechte von Essenslieferanten engagieren und habe erzählt, wer ich bin und was ich machen will. die mir helfen wurden. Dann bin ich dort gereist und dann hat in jeder Stadt die Person, die mir geholfen hat aus der Zivilgesellschaft, durch seine oder ihre Kontakte hatte ich zu treffen und sozusagen Interviews oder einfach Gespräche mit Essenslieferanten und Essenslieferantinnen. Das ist eher eine männliche Arbeit, deswegen mehr Männer, aber auch Frauen, die es machen. Und so ist es gekommen, so sehr viele Interviews. Ich war in jeder Stadt fünf, sechs Wochen mit einer Ausnahme von Istanbul. Dort hatte ich ein Arbeitsstipendium, das länger war. Aber ich war so fünf, sechs Wochen in jeder Stadt und habe jeden Tag mit Essenslieferanten gesprochen über ihr Leben, über Arbeitsverhältnisse und Zustände, aber auch einfach über ihr Leben. Ich meine, die Menschen, die definieren sich nicht durch ihre Arbeit. Sie sind auch Menschen, die lieben und haben Familien und haben Hobbys und haben Sehnsüchte und Leidenschaften usw. Also die Menschen kennengelernt und jeder Stadt kennengelernt durch die Perspektive von den Essenslieferanten. Das ist Liefernis einerseits, ein Roman über Essenslieferanten. Das ist, Liefern ist einerseits ein Roman über Essenslieferanten in der globalen Welt, aber andererseits ist es auch ein Roman über die globale Welt durch die Sichtweise von Essenslieferanten. So war das mehr oder weniger, so lange Interviews mit Essenslieferanten. In jeder Stadt mehr oder weniger nach zwei, drei Wochen von Gesprächen mit Essenslieferanten, währenddessen ich noch nicht wusste, worüber der Geschichte in jeder Stadt Teil sein wird, nach zwei, drei Wochen entstand langsam eine Dramaturgie von dem jeweiligen Kapitel. Okay, was ist für die Menschen in Istanbul wichtig? Was ist für die Lieferanten in den Bundesarien wichtig? Welche spannende Geschichte, eine Geschichte auch über die jeweiligen Globalstaaten. Welche Geschichte kann ich erzählen? Und so entstanden langsam die Geschichten eins nach dem anderen. Was beim Buch, also wie für jede gelungene große Literatur, es gibt keine vordergründige politische Botschaft, man wird aber nachher wirklich die Welt anders sehen, also durchaus auch politisch eingenommen. Ich möchte hier trotzdem eine Frage stellen, die halt jetzt vordergründig ist. Es wird da drinnen zum Teil organisieren sie sich, sie helfen einander ohnehin, also natürlich die Eritreer haben ihre Tricks, die wiederum mit anderen Nationalitäten kooperieren. Das ging ja sonst gar nicht anders. Also Konkurrenz ist da sehr relativ. Und mich beim Lesen immer sehr interessiert, ich nehme jetzt die Sozialdemokratie immer besonders in die Pflicht, aber diese neue Arbeiterklasse, die ja wirklich ausgenutzt wird, oder Phil Monn ist acht Jahre in Israel und kann sich einfach nichts aufbauen. Er hat ja nur Glück, dass er dann nach Deutschland kommt. Also warum wird denn diese neue und sehr große Arbeiterklasse von überhaupt niemandem vertreten, weil sie ihn nicht wählen dürfen? Oder wird es jetzt allmählich besser? Wird sich dann irgendwann einmal gewerkschaftlich jemand organisieren? Das ist eine gute Frage wegen der Wahlrecht. Darüber habe ich nicht nachgedacht. Naja, in Istanbul können die Menschen wählen, weil in Istanbul machen fast alle sind fast alle Lieferanten oder alle Lieferanten aus der Türkei. Ich kann nur ahnen, aber ich glaube, die Arbeitsrechte, die wir heute in den unterschiedlichen Orten kennen, sind gemacht, bevor jeder von uns einen kleinen Computer in seiner Tasche hatte. Das sind andere Zeiten. Und unsere ganze Arbeitswelt ist so organisiert, dass Gewerkschaften nur mit Menschen arbeiten können, die einen Arbeitsvertrag haben und ein Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und in diesem Fall gibt es keine Arbeitsverhältnisse zwischen keine Ahnung, Volt und den Menschen, die für Volt arbeiten. Und deswegen gibt es da eine Lücke in dem Gewerkschaftssystem, weil sie nicht organisiert werden können. Regierungen haben kein Interesse, die Regeln so zu ändern, damit diese Menschen geschützt sein werden von ungerechten Arbeitsverhältnissen und so bleibt das. Die Ausnutzung dieser Lieferanten funktioniert in jedem Land und in jedem Land anders. Das ist auch unangenehm interessant gewesen. In Deutschland kümmert man sich jetzt schon langsam daran, oder zumindest werden ja aus Indien sehr viele junge Männer, zum Teil auch gut gebildet, angeworben mit irgendwelchen vorgetäuschten, also bei dir ist es ein Maschinenbaustudium, also irgendwelche, wir würden in Linz sagen, schwindeligen, fairen Lehrkurse, die kommen gar nicht auf die Uni, weil sie dann Schulden haben und das abzahlen müssen. Also das erfährt man aus dem Buch, wie man zum Beispiel in Argentinien ausgenutzt wird. Anders als in Istanbul, aber ausgenutzt werden die überall. Dafür wollte ich dich auch noch, ich lobe dich heute, ich habe überhaupt keinen kritischen Teil vorbereitet, ist dir eh wurscht. Wird dir eh nicht verlangt. Du machst es dir eben moralisch nicht leicht, also man geht es gar nicht, es ist gar kein moralischer Roman, darum ist es auch ein sehr guter Roman. Und da kommen alle Seiten in Kritik oder auch nicht. Eher nicht, es wird ja jeder in seiner, du bist sehr fürsorglich mit deinen Figuren oder mit den Menschen in deinen Büchern. Und es kriegen aber genauso gut diese aufgeklärten Linken ihr Fett weg. Zum Beispiel, wenn die demonstrieren und dann steht, da müssen die Kuriere an der Ampel warten oder sie sind da gefangen im Stau und dann sagt einer, ja, sie spielen Demokratie und wir verlieren Geld. die in Deutschland lebt, spielt mit anderen Kindern und das ist eine Szene und die ist stellvertretend für das ganze Buch. Und dann wird ein Mädchen beschrieben, das ist ganz liberal, wahrscheinlich auch von sehr achtsamen, zwei Lesben sind die Mütter. Und du musst nicht alle Menschen lieben und dann sagt dieses Verzogene Biest, ja, und ich liebe keine Kinder mit Haut wie Dreck. Also es ist so. Genau, in dieser Ambivalenz ist alles dargestellt. Vielleicht noch eine Frage, bevor ich dich bitte, wieder weiterzulesen. Mir ist es beim Lesen, ich bin in diesem heißen Sommer in einem Lehnstuhl im Garten gelegen und habe mir gedacht, Wahnsinn, und ich werde dafür bezahlt. Das ist ein Privileg. Wie geht es dir mit dem Beruf des Schriftstellers? In dem Fall habe ich meine Privilegien benutzt, meine Bewegungsfreiheit benutzt, um nicht nur in all diese Orte zu fahren und Urlaub zu machen, sondern auch so hinzufahren und eine Art Kunst zu machen und auch eine Art politische Arbeit. eine Art Kunst zu machen und auch eine Art politische Arbeit. Es geht mir gut mit der Schriftstellerarbeit. Dafür und ohne den Vergleich zu machen, arbeite ich auch per Paket, soll ich so sagen. Ich meine, die Lieferanten arbeiten per Paket. Die kriegen Geld von jeder Lieferung. Und das stimmt auch für mich. Ich habe auch keinen Arbeitsvertrag und kriege auch Geld per Paket. Hinweis auf den Büchertisch wieder. Aber ich habe mich wirklich als, also während ich diese Reisung gemacht habe, habe ich mich wirklich als Lieferant verstanden. Also kein Essenslieferant, aber als Lieferant von Geschichten und von Erzählungen. Und das Buch habe ich irgendwie als so eine Tragetasche gesehen, voll mit Geschichten, die ich aus den Lieferanten gesammelt habe und dann jetzt liefere ich sie weiter in den unterschiedlichen Orte, wo ich angeladen bin und freue mich auf jede Einladung und auf jede Lieferung. Dann darf ich dich bitten, liefere uns doch noch einen Text, Linz bestellt. Ich lese aus Berlin. Jeden Tag, jede Nacht lacht das Schicksal und in dieser Nacht lachte es knirschend. Knarzend lachte es mit dem eisigen Schnee unter Pawans Schuhen, während er sein E-Bike durch die Winternacht schob. Wer reitet so spät? Knisternd, knirschend, knarzend, hundert Wörter für Schnee unter Stiefeln. Es ist Pawan, der Maschinenbaustudent aus Haryana mit seinem kaputten E-Bike. Und das Schicksal lacht. Er hatte gerade 30 Kilo Einkäufe in den vierten Stock geliefert. und als er dem Herrn an der Tour atemlos die Tüten und Flaschen übergab, sagte Herr Kirsch zu ihm, das sei ein sechster Pack Sprudelwasser zu viel. Pawan solle die zweite Packung bitte wieder mitnehmen. Er werde sich bei Ratzfatz selbst um die Rückerstattung kümmern. Pawan wollte ihm bieten, die Flaschen doch bitte trotzdem zu behalten. Wasser wird ja nicht schlecht. Er kannte aber diesen Herr Kirsch nicht gut. Erst zwei oder dreimal hatte er ihm schon Einkäufe geliefert und bisher beschränkten sich ihre Gespräche auf Bitte und Danke. Eine Beschwerde konnte Pawan sich nicht leisten und wie Herr Kirsch auf seine Bitte reagieren würde, konnte er nicht abschätzen. Anstatt ihn also zu bitten, die Flaschen zu behalten, bat Pawan ihn um Verzeihung. Steckte sein Trinkgeld ein, nahm den Sechserpack unter den einen Arm und die zwei leeren Ratzfatz-Taschen unter den anderen und stieg die Treppen wieder hinunter. Im zweiten Stock ging das Licht aus, verlor das Gleichgewicht, fing sich noch, fummelte im finsteren Treppenhaus nach dem Schalter, machte das Licht wieder an und ging die letzten zwei Stockwerke runter. Im Erdgeschoss blieb er drinnen stehen vor der Haustür und stellte den Sechserpack Sprudel neben sich auf den Boden. Er wischte das beschlagene Turglas frei und da war schon wieder sein Spiegelbild. Das rechte Auge etwas kleiner als der linke, der rechte Mundwinkel leicht angehoben. Dieser neue Bart, mit dem er erfolglos versuchte, sein schiefes Lächeln zu überdecken. Da war er wieder, sarkastisch, widerwillen. Das ständige Grinsen klebte schon seit zwei Monaten auf seinem Gesicht. Das Licht ging aus, seine ironische Spiegelung wurde durchsichtig, und durch sein schwaches Abbild hindurch konnte er sehen, wie es draußen auf seinem Ratzfatz-E-Bike heftig schneite. Er drückte wieder auf den Lichtschalter. Wackelig genug war es schon gewesen, auf der Hinfahrt mit 30 Kilo auf den gefrorenen Straßen zu radeln. Doch als er im Ratzfatz-Hub die Einkäufe von Kirsch auf das E-Bike lud, hatte er die Last gleichmäßig auf die rechte und die linke Seitentaschen verteilen können. Jetzt hatte er einen Sechserpack- Sprudel dabei, den er zurückbringen musste. Er durfte die Packung nicht aufmachen. Drei Flaschen rechts, drei links, war also unmöglich. Eine hintere Tasche hatte er nicht. Also neun Kilo auf der linken Seite, kein Gewicht auf dem rechten. Und das auf Eis. Er zog sein Handy raus, schon zehn nach elf. Seine Freundin hatte versucht, ihn zu erreichen. Er streifte die Handschuhe ab und siebte, Kiran, Babe, still at work. Call you later. Im Treppenhaus ging das Licht schon wieder aus. Acht Euro kostet ein Sechserpack. Er schaltete das Licht an und ließ das Sprudelwasser neben der Eingangstür stehen. Das Handy steckte er in die Hosentasche, streifte sich die Handschuhe über, zog die gelbe Ratzfatzjacke und den wollenden Schlauchschal zurecht, verschob den Herbst, sodass es richtig saß, und trat hinaus in die Kälte. Der Wind blies gewaltig. Pawan hatte zu kämpfen, die Seitentaschen rechts um rechts an das E-Bike zu hängen. Dann stieg er auf und drehte den Schlüssel, aber es passierte nichts. Er drehte ihn noch mal, wieder nichts. Er stieg ab und schob das Bike so nah er konnte an die Haustür vor mehr Licht und Schutz vor Wind und Schnee. Er nahm die beiden Seitentaschen ab und legte sie neben sich. Als er die Handschuhe auszog, achtete er darauf, dass seine Finger nicht feucht wurden. Er durchsuchte die Taschen seiner Radjacke, fand eine offene Packung Taschentücher, legte sich das weiche Papier über die Finger und schraubte vorsichtig die Verbindungen zwischen Batterie und Motor auf, trocknete sie ab, eine nach der anderen und schraubte sie wieder an. Danach richtete er sich auf und drehte den Schlüssel wieder. Aber wieder aber es passierte nichts im treppenhaus verlosch das licht er kontaktierte sein schichtleiter doch im hub war gerade keiner der ihm helfen konnte wenn jemand käme meinte der leiter wurde er in schicken so rief pavan seine freund aus dem hub an der war aber mit einkäufen in der andere richtung unterwegs er würde sich melden, wenn er von seiner Tour zurückkäme. Pawan steckte sein Handy in die Hosentasche zurück. Er hälte die Seitentaschen wieder an, stieg auf sein E-Bike und begann zu treten. Schnell gab er auf, viel zu schwer. Er stieg ab und begann es zu schieben. Feuchtigkeit in den Elektro-Kontakten, schon das zweite Mal diesen Monat. Unter seinen Stiefeln quitschte und knarlste und ächzte der Schnee. Maschinenbau quitschte und knarrte und ächzte der Schnee. Maschinenbau, Maschinenbau, wo sonst sollte man das lernen, wenn nicht in Deutschland? Pavan war fünf gewesen, als seine Familie die erste AEG-Waschmaschine erstanden hatte, diese Wunder der Mechanik. Für die Haushaltshilfe war es eine große Erleichterung gewesen. Für seine Eltern ein Grund für Stolz und mehr Geltung, für Pavan eine Quelle des Staunens. Sunita hatte ihm, wenn sie Wäsche machte, die Knöpfe drücken lassen und mit seiner Schwester Kavita durfte er dann vor den tanzenden Kleider sitzen und die Waschtrommel beobachten, wie sie sich drehte. Eine Erleichterung war es natürlich auch für Nilam gewesen, das Kindermädchen. Als Pawan sieben war, hatte seine Mutter seinen kleinen Bruder Adita bekommen. Die Familie wuchs. Der Haushalt war streng vegetarisch, dazu musste alles immer frisch zubereitet werden. Kochen bedeutete viel Arbeit, putzen genauso. Pabans Großmutter, schon alt, konnte zu Hause nur noch wenig helfen und auch Sunita wurde nicht jünger und so war der neue Miele Geschirrspüler ins Haus gekommen. So war also der neue Miele Geschirrspüler ins Haus gekommen. Nach jeder Mahlzeit befüllten Pavan und Kavita ihn, und Pavan bestaunte all diese drehbaren und schiebbaren Teile. Dann schloss er die Tür, drehte einen Knopf, drückte eine Taste und konnte von draußen hören, wie es aus Rohren und Sprüharmen in den Miele hineinspritzte und rauschte und rieselte. Ein gezähmter Monsoon, made in Germany. Auf den Feldern, neben den grünen amerikanischen John Deere Maschinen, standen die Klass-Traktoren und Grubber. In der Garage neben der Royal Enfield die brüllende BMW seines Onkels. Maschinenbau. Wo sonst? Durch die kalte Berliner Nacht schob Pavan weiter das kaputte E-Bike. 30 Kilo Aluminium auf Rädern, 30 Kilo Aluminium auf Rädern auf Eis. Die Seitenstraßen waren etwas windgeschüttert, doch dort lag der Schnee. Es wurde kein Splitt oder Salz gestreut. Doch dort lag der Schnee, es wurde kein Splitt oder Salz gestreut. Die Hauptstraßen waren wohl geräumt, aber dort blies dir der Wind ins Gesicht, dann musstest du nicht nur mit dem schweren E-Bike ohne Akku kämpfen, sondern auch mit dieser nordpolaren Naturgewalt. Er wechselte die Route von Seitenstraße zu Hauptstraße und wieder zurück. Wenn es sein Eber gewesen wäre, hätte er es vielleicht irgendwo auf der Straße abgeschlossen, neben einem Späti. Die haben lange auf und es gibt nicht Spätnachtslicht. Wenn es sein Eber gewesen wäre, hätte er sich bestimmt darum gekümmert, dass die Elektroverbindungen gut isoliert sind, dass die Kette geölt und die Bremsen justiert sind und ebenso das Vorderlicht und das Rücklicht. Und wenn es seins gewesen wäre, hätte er auch den Schlüssel für die Akkuhalterung dabei gehabt, um den Akku zu wechseln. Das E-Bike gehörte aber nicht ihm, sondern Ratzfatz. Er musste es zu jedem Schichtende in den Hub zurückbringen, egal was passierte. Er schob das Rad an einer Bar vorbei, hielt an und schob es wieder drei, vier Meter zurück, bis er unter der Markise stand, die ihn ein bisschen von den Schneerigen schützte. Er schaute durchs Fenster hinein. Schon wieder diese dämlichen Höllenlächeln. Der Arzt hatte ihm versprochen, das werde von allein weggehen. Er musste sich nur ausruhen. Viel ausruhen und Stress reduzieren. Langsamer leben. Danke sehr. Danke. Danke. Bis langsamer werden in diesen Beschleunigungstreibern den Boten. Ich möchte jetzt dann Frageblock, das klingt immer so blöd, über die Sprache sprechen, wenn es die recht ist. Broken German, da steht keine Übersetzerin drinnen. Jetzt ist ja gerade wieder das 50. Bachmann-Wettlesen. Hast du das mitverfolgt? Du kannst ruhig Nein sagen. Nein, nein, nein. Also nur so ab und zu ins Internet rein. Aber nicht geschaut, nein. Aber ich habe das nur gut in Erinnerung. Das war vor zehn Jahren ein ganz schöner Bahö, wie wir hier sagen würden, ein Bohai. Wahrscheinlich ist das auch ein jidisch-israelisches Lehnwort, Bohai. Als du es wagtest, in diesem Kunst-Pitch hin zu lesen. Und da haben dann wirklich jemand gesagt, der kann ja gar nicht Deutsch, das ist ja eine Riesenfrechheit. Die es nicht gesehen haben, dass das ja... Das ist Österreich. Ja, genau. Das ist nicht Deutsch. Wir brauchen immer Deutsch. Ich werde mal irgendeinen Mundort-Text dort lesen. Bitte, mich dort eingeladen werden. Das Gedichtlein. Es ist natürlich schon eine Kunstsprache, die sehr genau konstruiert ist und ihre Lust macht. Also wir lieben die wirklich. Aber du bist ein seriöser Schriftsteller, der seine Sprachen wohl beherrscht aber erzähl mal also es gibt eine lange und ich nehme an sehr gute zusammenarbeit mit anne birkenhauer die in jerusalem lebt und übersetzt und die deine übersetzerin ist aber also bei dem kapitel nimm es ist wo der ich erzähleler nach Istanbul fliegt mit seinem besten Freund. Es ist gesondert, dass Anne Birkenhauer das mit dir, also hat sie es übersetzt, du schreibst dir das nicht auf Deutsch, die anderen Kapitel, oder schon? Das hätte ich per Internet in Erfahrung kriegen können. Naja, ich habe den Roman auf Deutsch geschrieben, mit der Ausnahme von der Istanbul-Kapitel, das ich auf Hebräisch geschrieben habe und Anne Birkenhauer es dann ins Deutsch übersetzt hat. Und den restlichen Kapiteln, also den anderen Kapiteln, die ich auf Deutsch geschrieben habe, hat Anne Birkenhauer zusammen mit mir lektoriert. mit mir lektoriert. Das war der Arbeitsprozess, also ein sehr tiefes Arbeitsprozess. Wir waren wirklich online miteinander auf der Lektoratarbeit. Auf jedem Satz haben wir gemeinsam gesprochen. Da gibt es auch diesen Kapitel in Istanbul, das ich auf Hebräisch geschrieben habe. Es geht um, es ist auch der einzige Kapitel, das in ersten Person ist. Es fängt an in Berlin, es geht da um zwei Israelis, die sitzen auf dem Bar und es ist Februar, es ist wirklich sehr, sehr, sehr kalt. Und sie haben beide Glatze und sie beschweren sich über die Kälte und wie kalt es ist ohne Haare. Und die überlegen sich nach Istanbul zu fahren, um sich Haare transplantieren zu lassen. Die Finanzierung dieses Unterfragen ist extrem lustig und da ist jetzt auch die Frage, jetzt muss wieder der Karstberger herhalten, kann man das verraten? Ja, ja, ja, dann ruhig. Also ein toller Betrug, der Ich-Erzähler, der Auto ist, soll einer Jury vorsitzen, wo in israelischer Sprache was eingereicht werden kann und prämiert wird. Und er sagt, ah, das war so eine kleine Szene, und er hat aber einen sehr guten Freund und dem schlägt er vor, ich nominiere dich, du kriegst das Preisgeld, wir teilen uns, lassen uns beide in Istanbul die Haare einpflanzen. Und der Karstberger sagt, das ist ganz normal, so macht man das im Betrieb. Du musst nichts verraten. Weder ich noch Klaas Karstberger haben keine Haare. Genau, das steht sogar in meinen Unterlagen, bei Karstberger nicht in Verdacht, kommt sich Haare einpflanzen zu lassen. Ja, ich auch nicht. Bei Karstberger nicht in Verdacht, kommt sich Haare einpflanzen zu lassen. Ja, ich auch nicht. Aber wäre es dir vorstellbar, moralisch so ein Ding zu drehen? Nein. Ich meine, das ist ja auch was Gutes an der Schriftstellerarbeit. Die Sachen, die ich mir nie getraut hätte, ich hätte das natürlich nie gemacht. Aber die Idee ist wirklich super. Aber dann kann man das irgendwie tun in das Fiktive und das Schreiben und dann ist es irgendwie schon, als ob ich es getan habe. Aber ich finde es sehr inspirierend. Wenn ich es einfach gemacht hätte, hätte nur ich und dieser Freund von mir es gewusst. Und jetzt, ich habe es irgendwie in Schrift gemacht und jetzt wissen davon alle. Es ist irgendwie effektiver. Ich überlege jetzt gerade, wenn ich das nächste Mal in einer Jury sitze, aber man hat leider immer diese Kontrollorgane. Das wird meistens stark überwacht. Aber jetzt kannst du es machen, weil die Leute denken, naja, jetzt würde ich es nie machen. Er hat sich schon verraten jetzt. Wieder das perfekte Verbrechen, auf das muss er jetzt verzichten. Ja, vielleicht nächstes Mal. Wenn ich hier auch in meinem Leben in einer Jury wieder sitzen würde. Ich werde dich vorschlagen für den Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz. Aber der ist so schlecht dotiert, dass man da ganz wenige Haare transportiert kriegen könnte. So ein Ronaldo-Dreieck da vorne. Bitte lass mir seriösere Fragen stellen. Was war denn die Überlegung? Warum wolltest du das Istanbul-Kapitel denn auf Hebräisch schreiben? Naja, ich wollte, im Grunde genommen wollte ich ein Kapitel auf Hebräisch schreiben, weil es ist nach wie vor einer meiner literarischen Sprachen und ich habe ein Buch auf Deutsch geschrieben, genommen wollte ich ein Kapitel auf Hebräisch schreiben, weil es ist nach wie vor eine der literarischen Sprachen. Und ich habe ein Buch auf Deutsch geschrieben, aber wollte auf Hebräisch als literarische Sprache nicht verzichten. Dazu ist es mir immer wichtig, also ich finde, Romane sind sowieso multilinguale Geschöpfe, immer, und es war mir wichtig, es noch stärker zu betonen mit einer wirklich anderen Sprache mittendrin, damit diese Sprachunreinheit wirklich präsent ist. wirklich präsent ist. Und dazu war es mir wichtig, dass jeder, ihr wisst ja, wie das ist, jeder Stadt auf der Welt hat einen anderen Klang, jeder Stadt hat einen anderen Beat, eine andere Melodie. Und es war mir wichtig, jeder Roman-Teil, jeder Roman-Teil in dieser Stadt, in der Roman, einen anderen Beat zu geben, eine andere Musikalität und einen anderen Rhythmus. Und ein Kapitel auf Hebräisch zu schreiben, war meine Art und Weise, noch einen Klang zu finden für einen Romanteil in dem Roman. Das war vielleicht auch einer der wichtigsten Gründe dafür. Und warum es war mir wichtig, dass der Roman Talav Hebräisch nicht Tel Aviv sein wird, weil ich wollte diese Konstruktion von Nationalität und Sprache voneinander so zu nehmen, weil man spricht Hebräisch auch auf anderen Orten auf der Welt und nicht nur in Israel. Und man kann auch eine Istanbuler Geschichte auf Hebräisch schreiben. Und das war so im Grunde genommen meine Gründe. schreiben und das war so im Grunde genommen meine Grunde. Und noch die letzte Frage vor dem dritten Leseblock. Ich bin ja, es ist ein bisschen peinlich, aber nach irgendeinem Kriterium muss man die Bibliothek zu Hause hier ordnen und Farbe ist mir zu random. Deine Bücher stehen bei mir bei der deutschen Literatur. Also BRD Literatur quasi. Stehen sie dort richtig? Du wirst ja hoffentlich auch in Israel gelesen. Gefeiert. Ja, ich werde gelesen. Ich publiziere wirklich wenige auf Hebräisch. Die hebräische Sprache, die literarische Landschaft Es ist blöd, natürlich, Hebräisch ist ja weltweit verbreitet. ist ziemlich beschissen. Wegen politischen Gründen so faschistoidische Tendenzen führen nicht zu großartigen literarischen Szenen, wie auch von hier kennt. Und deswegen ist der hebräischsprachige Landschaftsmarkt ziemlich auf den Knien. Und ich habe seit ziemlich langem kein Roman für Brecht geschrieben, weil es einfach Deutschland oder die deutsche Sprache ist so meine literarische Sprache geworden. Obwohl die wird jetzt in Zyprisch übersetzt und in Israel veröffentlicht, das freut mich. Und ja, also ich glaube, ich stehe auf dem richtigen Regal bei deiner Bibliothek. Ich möchte immer alles richtig machen. Bibliothek. Ich möchte immer es richtig machen. Ich glaube, so was, also ein Deutsch, ich bin kein deutscher Schriftsteller, wegen meiner Nationalität oder welchen Pass ich in meiner Tasche habe, sondern es geht nach der Sprache und nach dem literarischen Raum, wo die Literatur stattfindet und den literarischen Raum, die die Literatur ermöglicht. Diese Literatur hat einen deutschsprachigen Raum ermöglicht. Ich hätte so etwas, so einen Roman hätte in dem hebräischen Raum nie erstanden können. Wegen Geld, wegen Publikum. Es ist so ein deutschsprachiger Roman. Ich war heute hier in einem Buchladen und habe gesehen, da gab es Regale für österreichische Literatur und Regale für internationale Literatur. Also die Literatur aus Deutschland war dann auf der internationalen Literatur das Regale. Ich fand es etwas verwirrend. Ist das normal? So ist das hier? Ja, in den besonders gut sortierten Buchläden gibt es dann sogar noch so ein Regal mit der oberösterreichischen Literatur. Also es muss alles sehr ordentlich sein, dass man sehr auskennt. Aber ich habe auch tatsächlich, das ist eigentlich eh blöd, weil wo dann bayerische Autorinnen einordnen. Naja, man kommt wirklich, man kommt vom Hundertsten ins Tausendste, man kommt in das Teufelsküche, wenn man so nationalistisch einordnet. Aber man findet es ja wirklich leichter. Was, was? Man findet es ja wirklich leichter. Die deutschsprachige Literatur. Man konnte immer die Buchhändlerin fragen, aber das... Das kann sowieso nie schaden. Also ich fand es irgendwie, das hat mich überrascht. Das muss ich jetzt noch nachdenken, ob das komisch ist. Wahrscheinlich ist es so viel, du musst mir dann nachher... Normalerweise, also ich kenne das, Das muss ich jetzt noch nachdenken, ob das komisch ist. Wahrscheinlich ist es so vieles. Du musst mir dann nachher... Normalerweise, also ich kenne es, dass die Regale sortiert sind nach Sprachen, weil die Sprache macht die Literatur und nicht die Nationalität, von der das Buch kommt. Aber ich glaube, es wird bei uns sowieso wenig Nicht-Deutsches verkauft. Wir sind sowieso mehrsprachig. Der Dialekt und dieses Hochdeutsch, erste lebende Fremdsprache. Thomas, bitte lies noch was. Wir sind übrigens noch, wir sind gut in der Zeit. Ich weiß nicht, ob man, ich habe gar nicht mehr so, ich kann nur Fragen stellen, aber du könntest jetzt auch, wenn du Lust hast, einfach beide Passagen in einem lesen. Soll ich jetzt... Du entscheidest, was soll ich tun? Ich werde es diktatorisch entscheiden. Ich wünsche mir von dir, dass du jetzt beide Passagen noch liest und wenn dann noch Zeit übrig ist, dann können wir sie verplaudern oder das Publikum kann auch noch was sagen. Meistens sagen sie nichts. Ich glaube, einer reicht. Wenn ich euch anschaue. Dann liest sie aber besonders schön, bitte. Ihr dürft aussuchen. Ich kann euch ein Kapitel aus Buenos Aires lesen. Da geht es um ein Essensdifferant aus Buenos Aires zu lesen. Da geht es um einen Essenslieferanten aus Buenos Aires. Oder ich kann euch ein Kapitel, das letzte Kapitel aus Naivasha, Kenia lesen. Das ist das einzige Kapitel, das nicht um einen Essenslieferanten geht, sondern um eine Rosenernte in einer Rosenfarm in Naivfarm in Eivasha, in Kenia, in der Teil in dem Roman, wo die zwei Männer mit dem Glatze sitzen und beschweren sich über die Tatsache, dass es so kalt ist und so weiter. Die sitzen in der Kneipe und dann kommt ein Rosenverkäufer in der Bar hinein und diet ihn, Bruder, es ist zu kalt hier, die Rosen wachsen hier bestimmt nicht. Und die fragen ihn, wo die Rosen herkommen. Und er erzählt, dass die Rosen aus Kenia kommen. Und dann in dem Roman reden die drei Männer dann über die Tatsache, dass die zwei jetzt in Berlin sitzen können, in einer Kneipe und für einen Preis, der niedriger als ein großes Bier ist, drei Euro, können sie eine frische Rose aus Kenia kaufen. Und so endet der Roman in einer Abwägung und endet nicht mit einer Geschichte über Essendifferanten, sondern über eine Rosenerderin in der Wasche Kenia, die die Rosen dort erntet. Wollt ihr noch eine Lieferantengeschichte aus Buenos Aires hören oder über die Rosenernte? Was? Das Publikum ist gespalten. Ich plädiere für die Rosen, damit auch eine Frau vorkommt. Kommt eh vor, aber... Und ich nehme es auf meine Kappe, wenn Sie dann unzufrieden sind. Bitte nicht mit Thomas unzufrieden sein. Reihen von Kohl hatte sie schon öfter gesehen und ebenso Reihen von Mais, Reihen von Zuckerrohr und Spinat und Cassava, Tomaten und Paprika, Bohnen und Erbsen, doch Reihen voll Rosen waren ein verblüffender Anblick. Egal, wie oft sie schon von Blumenfarmen gehört hatte, egal, wie oft sie diese Farmen von außen schon gesehen hatte, so etwas war für sie unvorstellbar gewesen. Sie betrat das Gewächshaus, einen riesigen Teppich, grün und erdfarbige Streifen, geschmückt mit tiefroten Knospen. War das schön oder einfach nur seltsam? Gezüchtete Blumen. Akini ging mit der Gruppe neuer Arbeiterinnen tiefer in das Gewächshaus. Alle in grünen Staubmänteln von Neuwascher Blumen. Handschuhe von den Fingerspitzen bis zu den Ellbogen und mit einer Astungsschere in der Tasche. Alles soeben von ihrem Supervisor erhalten. Akini folgte ihm mit den anderen auf dem breiten Weg, links und rechts von ihnen lange Reihen von Rosensträuchern. Dann hielt er an und drehte sich um und die Gruppe blieb stehen. Er hieß sie alle noch einmal bei Naivasha Blum herzlich willkommen und sagte ein paar Sätze über die Arbeit auf der Farm und die Bedeutung des Blumenanbaus nicht nur für Naivasha, sondern für ganz Kenia und Akini, so froh, nach so vielen Monaten endlich Arbeit gefunden zu haben, versuchte sich auf den Supervisor zu konzentrieren, statt rechts und links die unendlichen Reihen mit tausenden winzigen Rosen anzustarren. Sie war nur für einen Monat eingestellt worden, eine Woche vor Beginn der Ernte zum Valentinstag. Sie wollte einen guten Eindruck machen, wollte die Arbeit auch nach diesem Monat behalten. Und hier kommt mein Team, sagte der Supervisor und Akinik drehte den Kopf. Hinter ihnen kam eine Gruppe von Frauen ins Gewächshaus, alle in den gleichen grünen Staubmänteln. Der Supervisor kam auch, selbst in einem ähnlichen Staubmantel, aber in Weiß, wies jeder neue Arbeiterin eine erfahrene Ernte zu. Ich bin Sarah, komm mit. Akini folgte ihrer Erntelehrerin, breite Rücken, leichtes Hinken, die Haare unter einem roten Kopftuch, bis die eine Reihe anhielt und sich zu ihr umdrehte. Auf einem weißen Stück Plastik, festgenagelt an einer Holzstange, stand in Handschrift Sarah Ondiambo Odur. Die sieben Reihen hier links sind meiner. Sarah trat in die spur zwischen den ersten zwei reihen sie stellte sich vor den ersten strauch schnitt einen langen stil mit roten knospe ab und hielt in aki hin die namen die rose und hielt mit reibehandschuhen fingern im stil und der frischen roten noch fast geschlossene blüte zwei frauen in den gleichen grauen handschuhen von ellbogen bis zum fingerspitze wenn du eine knospe erntest sagte sara die noch zu sehr geschlossen ist wird sie in europa nicht blühen wenn du sie zu spät schneidest, wird sie sich zu früh öffnen, noch unterwegs, anstatt im Laden oder beiden Kunden zu Hause. Schau dir diese große gut an und jetzt komm, stell dich vor mich auf die andere Seite der Reihe. Akini trat in die Spur auf der anderen Seite der Sträucher, stand ihrer Lehrerin nun gegenüber und schaute sie an. Falten rund um Mund und Augen, er grauendes Haar unter dem Kopftuch. Sie ist so alt wie meine Mutter. Sarah griff in den Strauch. Ihre rechte Hand bewegte sich flink zwischen den Stielen und Knospen. Sie schnitt einen Stiel und legte ihn auf ihren angewickelten linken Arm, wie ein Baby. Dann durchsuchte sie den Strauch weiter. Ihr Hand tanzte zwischen den Knospen, schnitt noch vier oder fünf Rosen und ging dann weiter zum nächsten Strauch weiter. Ihr Hand tanzte zwischen den Knospen, schnitt noch vier oder fünf Rosen und ging dann weiter zum nächsten Strauch. Jetzt du. Nein, nicht mit der Schere, zeig sie mir nur mit dem Finger. Das war nicht Akinis erster Test an diesem Tag. Um sechs Uhr früh hatte sie schon vor dem Tor von Neuwaschablum gestanden, mit mindestens 300 anderen Menschen, die ebenfalls gerade Arbeit suchten. Eine lange, schnurgerade Reihe von Frauen, eine kurze Reihe von Männern rechts vom Eingang. von frauen eine kurze reihe von männern rechts vom eingang um sieben uhr war der manager der personalabteilung rausgekommen in begleitung einer angestellten eine zeitarbeit firma die beiden begannen mit der reihe der frauen eine nach der anderen akini hatte gewusst, was sie antworten musste, dass sie Erfahrung als Ernterin habe, dass ihre Schwester Athieno hier im Packhaus arbeite. Athieno Judith Ocos. Sie war keine gute Lügnerin und hatte diese Antworten die letzten drei Abende mit Atieno zu Hause geübt, nachdem die Kinder im Bett waren. Und dann hatte sie vor dem Tor gestanden und hatte es diesmal geschafft. Ihren Ausweis fest in der Hand, die Stimme deutlich und fest. Der Manager der Personalabteilung war ein geübter Lugendetektor. Dass Akini Erfahrung hatte, stimmte nun leider Gottes nicht. Trotzdem hatte sie diese Hürde erfolgreich genommen und es hineingeschafft. Nach all den Monaten vor so vielen Blumenfarmentoren, es war nicht zu fassen. Doch dann kam schon die nächste Prüfung im Büro der Personalabteilung. Dort sollte sie demselben Manager die richtigen und vollständigen dokumente zeigen nichts durfte fehlen und dann musste sie ihm gelassen und ruhig wieder sagen auf welchen farben sie bereits gearbeitet hatte rift valley roses und noch mal den namen Und nochmal den Namen ihrer Verwandten in Naivasha Blum, Atieno Judith Okoth. Bei einer gelogenen Aussage und einer, die wahr ist, so direkt hintereinander, sind die Unterschiede in der Stimme leichter zu bemerken. Und außerdem war Akini jetzt mit der Manager des Personalabteilung allein im Raum und nicht draußen geschützt von Stimmengewirr von 300 Arbeitssuchenden und den dröhnenden Lastwagen, die hinter ihnen auf der South Lake Road fuhren. Doch sie hatte auch diese Prüfung bestanden. Danke, Akini, sagte der Manager. Hier geht's weiter zur medizinischen Untersuchung. Was gar keine Untersuchung war, sondern eine Befragung. In dem Raum stand sie einer kranken Schwester gegenüber und durfte auch hier nichts falsches tun oder sagen, also kein Wort von ihrem angeborenen Lungenproblem. Chronische Krankheiten? Nein. Atemwegskomplikationen? Nein. Sonst wäre sie raus und jemand anderer wurde an ihrer Stelle beglückt durch das Tor der Farm eintreten. Vorher durch solche Prüfung schlug ihr Herz schneller und das Blut rauschte in ihrem Hirn, so auch als sie jetzt Sarah gegen Oberstein ein Rosenstrauch zwischen ihnen und auf die richtigen Knospen zeigen musste. Sie fing an mit der größten Knospe. Das war die sicherste Wahl. Dann zeigte sie auf zwei weitere Knospen, die bestimmt auch schon reif genug waren. Unter den vielen kleinen Knospen am Strauch gab es drei, bei denen Akini unsicher war und sie wusste nicht, was den besseren Eindruck auf ihre Erntellerin machen würde, ihre Bedenken zu zeigen und so auch ihre Verantwortung für die Blumen oder sich einfach zwischen Ja und Nein zu entscheiden, um Selbstbewusstsein zu demonstrieren. Doch noch während sie in diesen Sekundenbruchteilen verweilte, sagte Sarah, Mädchen, du hast nicht den ganzen Tag, um vor einem Strauch so zu stehen. Ich muss bis Ende des Tages 800 Stiele ernten. Bereite dich darauf vor, dass du hier schnell arbeiten musst. Nächste Woche beginnt die Ernte für Valentins. Dann wirst du alleine 2000 Stiele pro Tag schneiden müssen. Und nach Valentines kommt Muttertag in England. Und drei Wochen später auch Edelfitter. Sarah schnitt eine große Knospe ab, die legte sie auf ihren linken Arm, wo schon ein paar Stiele lagen. Dann schnitt sie auch die drei anderen Knospen, auf die Akini gezeigt hatte, und legte sie zu den restlichen und noch einen Stiel von den dreien, bei denen Akini sich unsicher gewesen war. Sarah hielt die knospe zwischen den fingern und blickte sich um er ist weit weg sagte sie und jetzt schau mädchen ich zeig dir was sarah listenblick noch einmal schweifen und blies dann sanft und geschlossene Knospe. Die öffnete sich leicht. Ein Trick, sagte Sarah, wenn du sie mal zu klein geerntet hast. Mach das aber nicht oft und lass dich dabei nicht erwischen. Akini ging weiter gegenüber von Sarah auf der anderen Seite des Beetes und schaute zu, wie sie arbeitete. Von ihrem Strauch schnitt Sarah nicht mehr als vier, fünf Stiele. Wir behandeln die Sträucher so, sagte Sarah, dass sie ihren vollen Bluteschub rechtzeitig zu Valentinsernte bekommen. Nächste Woche wirst du es sehen. Danke sehr. Danke. Danke. Na ja, dann soll es das jetzt gewesen sein. Ich meine, ich freue mich auch jetzt auf Feierabend, das ist meine letzte Moderation, lieber Thomas, vor dem Sommer. Lass dir noch eine Frage stellen, die ist jetzt aber wirklich so quasi literaturserviceartig orientiert. Die Menschen hier lesen, wenn sie es nicht schon getan haben, liefern, das ist ja wohl klar, Rufzeichen, gibt es ein Buch, das wir im Sommer lesen sollten? Fällt dir jetzt spontan irgendwas ein, irgendeine Kollegin, die du sehr liebst und empfiehlst? Kann auch etwas Älteres sein. Ja, Iris von Laura Freudenthaler. Ja, Freudenthaler, super. Das lese ich gerade. Habe ich heute gekauft in den Buchladen bei der Osterreichischen Literatur. Und bis schon Mitte durch, das ist ein wunderbarer Roman. Es heißt Iris von einer wunderbaren Schriftstellerin, die kann ich nur empfehlen. War die nicht schon im Stifterhaus mit Arson vielleicht? Sogar mit Iris. Im Stifterhaus, da kommen nur die Besten der Besten. Und arbeitest du schon an einem neuen Roman? Das ist ja die ganz klassische. Ich habe so kleine Gedanken, aber ich meine, das ist ein Roman, ich glaube, mein wichtigstes Tool ist mein Neugier. Und nach drei Jahren von Recherche ist mein Neugier so auserschöpft. Ich muss zuerst mal so meine Lustorgane ruhen lassen und dann würde ich weitermachen wollen. Also du machst jetzt eine Sommerpause? Ich mache eine Sommerpause, ja, genau. Und Lesungen. Das ist eh Arbeit. Sag doch denen, dass das eh nicht anstrengend ist. Ja, es ist eine total andere Art von Arbeit, dass sie so irgendwie rausgehen und schreiben, dass sie irgendwie reingehen. So phasenhaft. Ja dann, lass dir Danke sagen, so ein schöner Abend. Stefan, was ist denn als nächstes im Stifterhaus? Achso, na dann. dann umso herzlicher bitte für Thomas Gadi, einen riesen Applaus. Und vielen Dank dir für die Moderation. Ich nehme stark an, dass Thomas auch signieren wird. Ja, vielen Dank, Thomas Gadi und Dominika Meid, für eine sehr launige und doch nachdenklich machende Lesung. Das war unsere letzte Veranstaltung in Linz vor der Sommerpause. Es gibt noch eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Stifterhaus-Außerhaus. Am 7.7. wird Wea Kaiser ihren Roman Fabula Rasa oder die Königin des Grand Hotel in der Stiftervilla in Kirchschlag vorstellen. Also wenn Sie irgendwie mobil sind, ist ein sehr schönes Gebäude und sehr schönes Ambiente, könnte man hinfahren. Meine Kollegin Sarah Püringer wird moderieren von meiner Seite. Vielen Dank, dass Sie uns so zahlreich besucht haben im Stifterhaus die ganze Saison. Es geht im September weiter. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Sommer, alles erdenklich Gute und wem es etwas bedeutet, ein WM-Finale mit österreichischer Beteiligung. Jetzt aber noch einmal kurz zurück zu liefern. Das Buch können Sie hier am Büchertisch erwerben. Auch andere Werke von Thomas Gardi und ich glaube auch ein Werk von Dominika Meindl, möglicherweise. Jedenfalls sind die beiden sicher gerne bereit zu signieren. Ich freue mich auf ein Wiedersehen im September und wünsche Ihnen einen schönen Sommer.