Mein Name ist Ingrid Brodnig, ich bin Journalistin und Autorin und ich beschäftige mich mit Hass im Netz, mit Desinformation, wie wir als Gesellschaft antworten können. Desinformationen, wie wir als Gesellschaft antworten können. Sie haben ja bereits vor zehn Jahren das Buch Hass im Netz geschrieben. Was hat sich seitdem geändert, dass Sie nun ein Buch über die Frau als Zielscheibe im Netz geschrieben haben? Ich habe vor zehn Jahren Hass im Netz geschrieben und jetzt, zehn Jahre später, Feindbildfrau, wo es um Hass im Netz gegen Frauen geht. Und beim Lesen meines alten Buchs aus 2016 fiel mir auf, ich habe Postings als Hasskommentar als Beispiel gebracht, die ich heute nicht mehr nehmen würde, weil sie mir zu harmlos erscheinen. Einerseits glaube ich, dass ich mich an sehr viel gewöhnt habe, aber auch, dass wir als Gesellschaft eine Verrohung durchlaufen haben. Also, dass wir vieles noch immer unfreundlich finden, aber nur noch bei ganz extremen Sachen, dass wir überhaupt das Hasskommentar wahrnehmen, weil wir so viel gewohnt geworden sind. Und was macht digitale Gewalt mit Frauen, das sich so sehr davon unterscheidet, was Männer im Netz erleben? Alle Geschlechter können Hass im Netz erleben. Jedem Mann, jeder Frau, jeder Person kann das leider passieren, aber bei Frauen ist es oft sexualisiert. Es geht um die Gurtlinie, es geht ums Aussehen und das hat eine besonders beleidigende, aufwühlende Ebene. Frauen wird zum Beispiel häufig mit der Vergewaltigung gedroht und solche Posts sind ja gezielt darauf ausgerichtet, dass sie jemanden beschämen und dass sie auch Leute so ein bisschen zum Rückzug motivieren können. Und haben Sie beim Recherchieren für das Buch etwas erfahren, das Sie überrascht oder sogar schockiert hat? Ich war überrascht, wie viele Abgeordnete, also hochrangige Politikerinnen mir selbst erzählt haben, dass sie zum Beispiel eine Reaktion ergriffen haben, dass sie zum Beispiel nicht mehr auf AXE, der Plattform von Elon Musk oder weniger sind, dass sie einen Redebeitrag zurückgezogen haben oder eine Person, die gesagt hat, sie auch deshalb, auch wegen dem Hass im Netz, hat sie nicht mehr kandidiert. Worauf ich hinaus will, ist, gerade Politikerinnen, mit denen ich geredet habe, die sind ja eine besonders privilegierte Gruppe, die auch viel gewohnt ist. Und selbst hier merkt man, dass Frauen das schon sehr zu denken gibt, dass sie auch versuchen, sich aktiv dagegen zu wehren, aber dass es schon eine Wirkung hat, was Leute im Internet erleben. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass jeder und jede etwas tun kann. Was kann man machen, wenn man so ein Muster beobachtet im Netz? Ich habe für mein Buch auch mit der psychologischen Psychotherapeutin, so heißt es in Deutschland, Dorothee Scholz gesprochen, die arbeitet mit Betroffenen von Hass im Netz und hat zu mir gesagt, den ganzen Tag Hasskommentare zu lesen, das kann auch verschieben, wie Leute die Welt da draußen wahrnehmen, wie isoliert sie sich fühlen, also das kann quasi so eine negative Auswirkung haben. Und wichtig ist aber, wenn andere Menschen dann sagen, das hast du nicht verdient oder ich finde nicht okay, wie über XYZ gesprochen wird oder du leistest wichtige Arbeit, dann kann das auch wieder helfen. Das kann ein bisschen was zurechtrücken. Und wir können alle ein Korrektiv sein, dass Leute, dass Frauen, die solche Hassfällen erleben, dass sie merken, die anderen da draußen finden das auch nicht okay. Und Sie haben vorhin schon erwähnt, dass es so eine Art Buddy gibt. Können Sie das noch mal kurz erklären, was das genau ist? Ein Tipp für Menschen, die gerade eine Hasswelle erleben, ist das Buddy System. Also wenn ich gerade so wirklich viele Anfeindungen, Beleidigungen, auch Bedrohungen erfahre, dass ich das nicht nur selbst moderiere, mitlese, sondern einem guten Freund, einer Freundin, den Lebensgefährten, der Lebensgefährtin den Kanal gebe, den Zugang zum Social Media Eingang quasi oder zum E-Mail-Postfach und die sollen Screenshots machen, die sollen löschen, wenn was gelöscht werden soll, die sollen das quasi scannen. Und man selbst ist gedanklich freigespielt, weil was gelöscht werden soll. Die sollen das quasi scannen und man selbst ist gedanklich freigespielt, weil was glaube ich solche aggressive Pros oft auch wollen ist, sie wollen einem die eigene Energie und die eigene Zeit rauben und indem wer anders betreut, ist man gedanklich wieder freigespielt, da ist es schon sinnvoller einfach spazieren zu gehen. I'm just pointing at you.