Es war schwer, es war wirklich schwer, irgendwie damit umzugehen. Direkt danach ist mir eine Zeit lang echt schlecht gegangen. Es hat Momente gegeben, wo es mir besser gegangen ist damit und dann Momente, wo es immer wieder schlechter war. Je nachdem, ob mich irgendwas dann getriggert hat, also wenn es dann gewisse Orte waren oder Gerüche. Das hat lang gedauert, bis ich es irgendwann überhaupt verzeihen habe, Kinder. Bis ich es realisiert habe, was da eigentlich passiert ist. Und ich glaube, das erste Mal wirklich darüber geredet habe ich dann, als ich in der CDK war. Weil ich war dann aufgrund dessen, habe dann einen Therapieaufenthalt gehabt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 14. in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 14 und da habe ich mich dann mit Patientinnen mal ausgetauscht und da hat es eine gegeben, mit der ich dann das erste Mal wirklich drüber geredet habe und sie war dann so, sozusagen mal so ein kleiner Schubser in die richtige Richtung, die mir dann gesagt hat, okay, das gehört verarbeitet und das ist passiert und du bist nicht schuld daran und das war dann dann der Moment, wo ich das verstanden habe und mich dann auch öffnen habe können. Ich verstehe das aber nicht ganz, warum das dann immer im Kopf herumschwirrt, weil rational wisse man es eigentlich eh, okay, das kann nicht mein Schuld sein. Aber auch, weil die Gesellschaft das immer wieder einredet, ja, aber du hättest ja das machen können, hättest ja nicht so Anzügen, hättest nicht so viel drungen, hättest nicht das da. Irgendwann glaubt man das dann auch selber. Es ist bei mir jetzt echt schon lange her, dass das passiert ist, aber es gibt immer noch Momente, wo ich mir denke, okay, aber was wäre, wenn, und hätte ich das da? Eig eigentlich kommt nicht der Schwachsinn, aber das ist dann so, das sitzt sich fest im Kopf irgendwie. Aber es ist niemals die Schuld der Opfer, niemals, in keinem Fall. Ja, das finde ich da extrem spannend. Ein bisschen irritierend auch, dass wenn sowas passiert, dass die Täter dann nicht so einsichtig sind und sie schämen sich nicht für die Tat, die sie begangen haben, sondern oh nein, aber was, wenn das irgendwer mitkriegt und was würden die dann sagen? Das ist eher so, ich habe Angst um meinen Ruf als irgendwas anderes. Dann habe ich auch die PTBS-Diagnose gekriegt, also posttraumatische Belastungsstörung. Und ich habe halt eben dann den Vorteil gehabt, dass ich dann Traumatherapie machen habe können. Und das hat mir auch sehr sehr geholfen. Es wird mich, ich glaube, mein ganzes Leben lang beschäftigen. Es wird immer ein Teil sein von meiner Geschichte auf jeden Fall, aber auch von mir und von meinen Ängsten. Aber ich merke das allein, ich habe zu der Zeit, wo das passiert ist, mit... Ich war zwölf oder so und mit der Zeit habe ich gemerkt, ich habe nicht mehr das Wort Vergewaltigung aussprechen können oder hören können, weil allein das hat mich schon wieder in Flashbacks versetzt. Und ja, jetzt stehe ich halt beim Bundesredewettbewerb und rede über meine Erfahrungen. Und das war ein sehr ermächtigendes Gefühl. Das war auch etwas, was mir sehr geholfen hat, dieser Redewettbewerb, mir die Macht wieder zurückzuholen, sozusagen. Das war wirklich ein gutes Gefühl. Ein bisschen retraumatisierend, würde ich sagen, weil man sehr viel damit konfrontiert wird. Aber sich hinzustellen und darüber zu reden und zu sagen, hey, ich bin immer noch da und ich kämpfe und es kriegt es mich nicht runter, ist ein sehr schönes Gefühl. Und ich glaube, ab dem Punkt, wo ich mir bewusst gemacht habe, dass ich nicht schuld daran bin, sondern eben die Täter und ich auch die Bestätigung von außen von außen bekommen, ist dann auch nochmal viel leichter geworden. Eigentlich ist es eher ein bisschen unmöglich, eine Frau zu sein, weil im Endeffekt ist es egal, was man tut, weil passen tut sowieso nicht. Aber es ist halt schwierig natürlich, wenn man von außen die ganze Zeit eingeredet wird, wie man zu sein hat. Je größer das Publikum ist, wo man das vorträgt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man zur Zielscheibe wird. Und das war auch das Spannende. Ganz viele junge Frauen sind dann auch zu mir gekommen und haben gesagt, ey, danke, dass du das gemacht hast, danke, dass du das sagst. Und haben mir dann eben eine Geschichte erzählt. Und es waren dann hauptsächlich Männer, die dann sich irgendwie drüber aufgeregt haben. Vor allem auch, dass ich über Rammstein geredet habe, das hat einem gar nicht gepasst. Aber meine Geschichte ist dann ein bisschen ins Lächerliche gezogen worden schon. Es sind dann teilweise wirklich Witze drüber gemacht worden. Es hat auch Aussagen gegeben wie, ja, hätte eh passieren sollen so mäßig. Also, eh gut, dass es passiert ist. Da waren einfach Wörter dazwischen, wo ich dann wieder gemerkt habe, okay, da haben wir noch viel Arbeit vor uns. Ja. Hat man halt dann irgendwie mitgekriegt, dass sowas erzählt worden ist. Und irgendwie trifft es mich natürlich schon. Vor allem, wenn ich mir denke, ich störe mich dahin und ich rede darüber und keiner von euch hätte das wahrscheinlich geschafft so darüber zu reden und dann wird man das auch nur, ja dann wird das kleingeredet, dann wird man das an den Kopf geworfen und vor allem die Aussage, ja gut, dass es passiert ist, ist, das kann ich nicht mal in Worte fassen, wie schlimm ich das finde, dass sowas überhaupt gesagt wird. Also ich habe das bei uns in der Schule auch gemerkt, also unsere Schule macht schon sehr viele Sachen echt richtig, aber das ist ein Thema, was wirklich fatal untergeht und ich habe das wieder ein bisschen hervorgehoben dann und dann ist es erst wieder Thema geworden. Und ich finde das ein bisschen schade, dass es in erster Linie gar nicht aufgegriffen wird. Es wird einem schon gar nicht erst, ein Beibrauch schon mal gar nicht, es wird gar nicht erst darüber geredet, weil das sollte man nicht und geschweige denn über Konsens und was das wirklich ist und wie man das wirklich weiß. Ich finde das hat auch viel mit der Prävention zu tun, dass man vor allem auch jungen Männern beibringt, was Konsens wirklich ist und dass wirklich nur ein konkretes Ja eigentlich zählt und alles darüber hinaus nicht passt und nicht okay ist. nicht passt und nicht okay ist. Also, stark sein müssen, also immer, das geht natürlich gar nicht, also... Weil die Sachen, die man da erlebt hat, die sind so schlimm und dramatisch, da kann man nicht immer stark sein. Das wird bei mir auch immer wieder Momente geben, wo es mich mal mehr einholt, wo ich dann mehr zum Grübeln anfange, mehr Flashbacks habe, mehr da wieder drinnen bin und Gefühle sind richtig und wichtig und es ist auch gut, dass man den dann zeigt und zeigt, okay, es belastet mich immer noch, das ist auch wichtig, dass ich Leuten darüber reden kann. Unglaublich. Und ich glaube, das habe ich vielen Leuten sagen können, denn viele haben sich dann auch an mich gewendet und haben mir dann auch andere Geschichten erzählt. Und es soll auf jeden Fall nicht untergehen. Das auf keinen Fall. Das muss man ja noch ganz stark vermitteln, dass das niemals untergehen darf, was da passiert ist. Jeder braucht seine Zeit, um das irgendwie so sehr aufgeräumt zu haben, dass man überhaupt in der Lage ist, darüber zu reden. Das ist ein wahnsinnig starker und wichtiger Schritt. Und ich habe einfach vielen Leuten gesagt, das erste Mal, wenn das mal ausgesprochen wird, macht es so viel leichter, danach wird es immer leichter. Es wird Phasen geben, wo es dann wieder schwieriger wird, vor allem wenn man es aufarbeitet, also wirklich professioneller aufarbeitet. Aber ab dem Punkt, wo man es geschafft hat, einmal darüber zu reden, ist so unglaublich viel geschafft und das ist immer schön zu beobachten. Aber es ist immer schwierig, weil man auch das den Leuten nicht aufzwingen will, dass sie sich äußern, wenn sie das nicht wollen, wenn sie das noch nicht schaffen. Man muss ihnen auf jeden Fall die Zeit geben, aber immer wieder vermitteln, wenn du mal drüber reden willst, dann bin ich da und ich bin immer da und ich werde dich nicht verurteilen und du bist sicher bei mir. Manchmal fällt es auch leichter, jemandem zu sagen, den man gar nicht kennt. Wenn man das anonym macht und das einfach irgendwie mal los wird, als dass man das vielleicht engen Freunden sagt oder vor allem auch Familie. Ich glaube, da hat man dann umso mehr Angst, was denken die dann über mich und was sagen die mir dann. Ich glaube, vor allem bei der Familie habe ich das auch gemerkt, die wissen bis heute nicht, um wen es da eigentlich gegangen ist. Sie wissen nur, dass es passiert ist, aber nicht, wer das war, weil dann, da habe ich auch noch viel zu große Angst gehabt irgendwie. Und aufschreiben ist sonst auch eine sehr gute Methode. Das mache ich auch ziemlich oft. Wenn ich Sachen nicht aussprechen kann, dann schreibe ich es auf oder schreibe Gedichte drüber. Alles, damit es irgendwie aus dir und aus dem System draußen ist. Das ist das Wichtigste. Auf jeden Fall mehr gesellschaftliche Akzeptanz, also vor allem weniger Täter-Opfer-Umkehr. Wenn einfach Opfern in erster Linie mal geglaubt wird, dann glaube ich, war das schon mal alles viel, viel, viel, viel einfacher. Ich hätte mir das schon gewünscht, dass mich da wer darauf anspricht und das irgendwie sieht. Aber das ist auch wieder sehr individuell. Also ich kenne ja sehr viele Frauen, die sich sogar derzeit immer nur in einer gewalttätigen Beziehung befinden und habe auch schon viele Gespräche mit ihnen geführt. Aber es ist ist natürlich auch komplett schwierig, da raus zu kommen. Ja, also mir geht das auch irgendwie nicht in den Kopf, wie man so etwas Grausames irgendjemandem an der erkennt hat, aber ich glaube, ich bin auch froh darüber, dass sie es nicht verstehen. Das Sicherfühlen ist generell ein bisschen schwierig. Also eben zum Beispiel bei diesen Flinterräumen, wo wirklich, ich will es nicht so gemein sagen, aber ja, cis Männer sind halt meistens das Problem, deshalb fühle ich mich schon mal sicherer, wenn sie nicht anwesend sind. Oder sie können auch sorgen, dass sie nicht so bedrohlich sind in dem Sinne. Ich glaube, das wird auch nochmal viel erleichtern, wenn man zum Beispiel auf der Straße heimgeht nachts irgendwie. Wenn die da ein bisschen mehr Rücksicht nehmen auf uns, die uns natürlich nichts tun wollen, dann wäre das auch noch ein bisschen einfacher. Natürlich wäre es schön, wenn wir das sozusagen in Anführungsstrichen selber hinkriegen würden, aber es ist natürlich auch voll schön, wenn wir Männer haben, die das wirklich verstehen und uns sagen, ich sitze mich auch dafür ein, weil das nicht wahr sein kann, dass das so behandelt wird. Ich stelle mir das wirklich oft vor, wie ich mein elfjähriges, zwölfjähriges Ich einfach in den Arm nehme und sage, hey, du hast das überlebt. Das ist nämlich auch, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, das einzusägen, ich habe das überlebt. Und das ist auch etwas, was viele Frauen dann nicht haben. Sie überleben das nicht. Und vor allem für die Frauen, die mich dann noch einmal mehr einsetzen. Einfach dieser Gedanke, wenn ich schon da bin, dann kann ich meine Stimme erheben. Für die, die es gar nicht können, die es nicht mehr können. Mich selbst bemitleiden, was ich auch dürfen habe, mir sind wirklich schreckliche Sachen an da geworden. Aber ich muss nicht immer Opfer bleiben. Als ich das dann checkt habe und das realisiert habe, als ich von meinem Opferdenken ins Kämpferinnendenken geswitcht habe, das war dann ein Punkt, wo ich dann richtig wütend war und seitdem bin ich eigentlich konstant sauer. Also ich glaube, das ist ein Thema, wo es wirklich verrückt war, wenn man nicht sauer war. Also da muss man wütend sein und da muss man laut sein vor allem. Ich glaube, dass viele Frauen ziemlich schwerfällt wütend zu sein, weil sie eben, ich glaube, auch sehr von Angst geprägt sind, was ich natürlich verstehe. Angst habe ich immer noch. Ich habe eine sehr große Angst gehabt, obwohl ich dann beim Bundeswettbewerb gestanden bin, aber man muss die Angst halt überwinden, so schwer wie es auch sein mag, aber es ist möglich und ich glaube, es werden immer mehr und sie werden da lauter und der Aufschrei, der bleibt auch. Es ist einfach unglaublich wichtig, dass die laut bleiben, sie dürfen sich nicht einschüchtern lassen, sie dürfen sich nicht runterrennen lassen und vor allem nicht stumm werden. Also das ist das Wichtigste eigentlich. Abschließend, meine Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb, möchte ich euch noch ein Zitat von Dasha Montka, welches ich auf Deutsch übersetzt habe, mitgeben. Dies bezieht sich auf den Vorwurf, dass man ja selbst schuld sei, wenn man sich auf eine bestimmte Art und Weise anzieht, da man ja damit provoziert. War es wirklich meine Schuld? fragte der kurze Rock. Nein, mit mir ist es auch passiert, sprach die Burka. Die Windel in der Ecke konnte noch nicht mal sprechen. Ich weiß zwar nicht, inwiefern eine Windel provozieren könnte, aber das ist nicht relevant. Denn im Endeffekt ist es egal, was man anhat. Nichts auf diesem Planeten gibt irgendwem das Recht, dich ohne deinen Konsens anzugreifen. Auch nicht der kurze Rock. Dankeschön. Thank you. you