Guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte. Mein Name ist Sarah Pöringer und ich freue mich, Sie heute begrüßen zu dürfen. Heute Abend, Sie wissen Bescheid, werden die Heimrat-Becker-Preise 2026 verliehen. Der von der Interessensgemeinschaft Heimrat-Becker betreute Preis wird seit 2003 vergeben und seit 2004 jeweils im Hause eines anderen großen Dichters, nämlich hier im Hause Adalbert Stifters im Stifterhaus. Die Verleihung findet traditionell im Mai statt, in Erinnerung an Heimrat Beckers Geburtstag am 9. Mai 1925. Ganz herzlich begrüßen möchte ich Michael Merigi, Sohn von Margret Becker und Stiefsohn von Heimrat Becker, der heute unter uns ist. Herzlich willkommen. Ich möchte auch noch ein paar Worte zur Juryzusammensetzung sagen und an dieser Stelle ganz kurz öffentlich erläutern, wie sich die Jury zusammensetzt. Seit 2010 besteht die Jury aus Thomas Eder, dem Vertreter der Interessensgemeinschaft Heimrat-Becker, aus Franz Josef Cernin, dem ersten Preisträger von 2003 und dem Preisträger bzw. der Preisträgerin des vorangegangenen Jahres, dieses Mal also Liesl Uyveri. Ihnen, Thomas Eder, auch ein herzliches Willkommen. Schön, dass Sie hier sind im Stifterhaus. Und die Jury kann sich heute sozusagen zurücklehnen, die Arbeit ist getan. Thomas Eder wird jedoch ein paar Worte zu den PreisträgerInnen sagen und natürlich auch zu den Entscheidungen der Jury und eben die Juryentscheidung erläutern. Nun aber zu den PreisträgerInnen. Wir dürfen ganz herzlich den Preisträger des Förderpreises zum Heimrat Beckerpreis 2026 im Stifthaus begrüßen. Herzlich willkommen Matthias Müller und sozusagen gleich hinterher seinen Laudator Peter Waterhaus. Herzlich willkommen. Der neue Texte-Essepreis 2026 geht an Benedikt Ledebuer. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen. Buhr auch Ihnen ein herzliches Willkommen. Und schließlich begrüßen wir den Laudator für die diesjährige Preisträgerin des Heimrath-Bäcker-Preises, ein bekanntes Gesicht im Stifterhaus, Florian Huber. Schön, dass Sie da sind. Und zum Abschluss freut es mich, Ihnen die Heimrat Becker Preisträgerin des Jahres 2026 vorzustellen, Anne Cotton, die selbstverständlich heute auch lesen wird. Ich darf Sie um einen herzlichen Willkommensapplaus bitten. Schön, dass Sie da sind, Anne Cotton. Ja, und nun übergebe ich mit der Aussicht auf äußerst interessante Laudationen und Lesungen im Zeichen Heimrat Beckers an Thomas Eder. Vielen Dank. Liebe Freundinnen, liebe Freunde, liebe Preisträgerinnen, herzlich willkommen auch von meiner Seite für die Jury und für die Interessengemeinschaft Heimrat Becker zu dieser Preisverleihung der Heimatbecker-Preise. In diesem Jahr, ja, der Heimatbecker-Preis ist ja ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Preis innerhalb der österreichischen Preislandschaft. Zum einen mal aufgrund der Großzügigkeit des Preisspenders und Preisstifters, nämlich der beiden Preisstifter und Preisspender, Preisspenders und Preisstifters, nämlich der beiden Preisstifter und Preisspender, Margret und Heimrath Becker, die den Erlös aus dem Verkauf des Vorlasses von Heimrath Becker damals und auch des Archivs der Edition Neue Texte und der Zeitschrift Neue Texte, diesen Verkaufserlös dafür gestiftet haben, dass dieser Preis am Leben bleiben kann. Wie uns auch die Idee von Heimrath Becker, das wird nach zwei, drei Preisen wird das Geld verbraucht sein oder vielleicht auch fünf Preisen. Hätten wir nicht sozusagen auch das Land Oberösterreich und das Ministerium und die Stadt Linz gewonnen, hier einzuspringen, dadurch ist es doch schon jetzt der 24. Preis, der verliehen wird und vielleicht können wir noch einmal 24 und dann noch einmal 24 und dann sind schon die Jüngeren unter Ihnen angehalten, sozusagen hier dann diesen Preis einmal zu übernehmen, auch in der Ausgestaltung. Damals war das Etikett experimentelle Literatur oder eben neue Texte im Sinne der Edition, neue Texte, wie Heimatbecker sie verlegt hat, vergeben werden soll. Das ist sozusagen die Herausforderung, die uns dann, glaube ich, als Jury und auch als mit Literatur Befasste immer trifft. Was heißt denn jetzt eigentlich, so einen Preis zu vergeben, wenn die Etiketten, die da zur Verfügung stehen, wie experimentelle Literatur, wie Avantgarde-Literatur, selbst unklarer werden und vielleicht auch einer weiteren Befragung bedürfen. Und so haben wir uns eigentlich in der Jury immer darauf verständigt, dass wir ästhetische Qualität als das Wichtige und Herausragende nehmen. Auch das natürlich sagt nicht sehr viel, aber es ist ein Prozedere, dass die Jury sich dann Texte, die sie vorher sich ausgesucht haben, ein Pool von Texten wechselseitig einander vorlesen und dann an den Texten versuchen zu entscheiden und an den Texten etwas herauszufinden und dann für die Preisfindung das zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten der Preistragenden, über die Sie von den Lobenden ausführlich hören werden, hängen, wie mir scheint, auf vielfache Weise auch mit der Arbeit Beckers zusammen, vor allem eben durch die ästhetische Qualität, über die Sie dann ja hören werden, aber auch vielleicht ein paar andere Linien, die ich nur in zwei Sätzen sagen will, nämlich diese Befassung Heimatbeckers mit dieser Frage danach, wie man mit der Literatur anderer, mit dem Material, fremdem Sprachmaterial umgehen kann und noch dazu nicht jetzt nur im Selbstzweck oder in der Ausstellung von literarischen Verfahren, sondern mit Blick auf das, worauf sich dieses Sprachmaterial bezogen hat. Das ist sozusagen die große Leistung der Nachschrift und dieses Nachschriftprojekt Heimatbeckers, der sich hier mit dem Material und der Literatur der Shoah, nämlich der Täter- und der Opfertexte, aber auch der Aufarbeitung in dokumentarischer Zitatliteratur auseinandergesetzt hat. Werk des Förderpreisträgers oder in dem Buch des Förderpreisträgers Birnengasse der Titel, das mit Zitatweisen eine sehr ähnliche Ausrichtung, die aber dann doch in andere Richtung sich vom Gegenstand her ausdifferenziert, wie das bei Heimatbecker auch der Fall war und das anders übernimmt. Ja, die Preise sind dotiert mit 9.000 Euro der Hauptpreis, 4.000 Euro der Förderpreis und seit 2016 gibt esudatio auf die Hauptpreisträger, auf die Bäckerpreisträgerin Anne Kortenhörn von Florian Huber und im Anschluss werden Benedikt Ledebuer und ich, also Benedikt Ledebuer, der Förderer, der ESSE-Preisträger, noch ein kurzes Gespräch führen. Matthias Müllers bedächtiges und beharrliches Werken und Wirken hat die Jury, also Liesl Uivary, Franz Josef Cianin und mich selbst, überzeugt und eingenommen. Wie könnte ein Buch aussehen, das nur aus Fremdmaterial besteht, hat sich Heimrath Becker eben gefragt und die Frage in seiner Nachschrift neben vielem anderen umkreist. Und eine ähnliche Frage, aber mit anderem Gegenstand, liegt vielleicht am Beginn von Matthias Müllers Buch Birnengasse, wo er das Zitieren umkreist, selbst zitierend, nämlich Zitate sind Zikaden und die Frage nach der Möglichkeit von Zitieren zugleich mit der Unmöglichkeit des wortwörtlichen Zitierens vermutet. Und ich zitiere jetzt eben nicht, was Matthias Müller hier zum Unmöglichen des Nichtzitierens sagt, sondern bitte Sie, dass Sie das vielleicht auch nachlesen. Sie haben die Möglichkeit, das nachzulesen. Ich meine aber, dass hier dieses nicht wortwörtliche Zitieren können und nicht wortwörtlich zitieren können prinzipiell eine sehr tiefe Einsicht auch ermöglicht und vielleicht auch hier eine ganz andere Form in Matthias Müllers Werk Buch Birnengasse einnimmt, als dies in der Nachschrift Heimat Beckers war. Denn hat Becker das Sprachmaterial der Täter und der Opfer und der Aufarbeitung der Shoah durch seine dokumentierende Zitatpraxis mit Erkenntnisinteresse ausgestellt, so scheint mir Matthias Müller in die Dichtung und in die Sätze anderer Dichterinnen hineingehen zu wollen und sie vielleicht sich anschmiegend und überhaupt anschmiegend nachzumachen oder nachzumalen und immer wieder ihnen nachzugehen. Die Laudatio und den Lobpreis auf Matthias Müller wird Peter Worterhaus halten, der, wie ich meine, zu wissen, das Buch und sein Bestehen ebenso wie seinen Autor von Beginn an kennt. Und ja, ich darf Peter Worte sagen darf zu diesem Buch, Birnengasse und zu Matthias Müller. Ich habe mich über die Einladung gefreut. Nach Nase kommt immer ein Beistrich. So beginnt eines der Prosa-Gedichte in Matthias Müllers Birnengasse. Wer weiß, was ein Beistrich ist, sieht in dem kurzen Satz keinen. Sieht in diesem Satz ebenso keine Nase. Sieht man in diesem Satz das Kommen, dass irgendetwas kommt? Oder weiß man es nicht mehr, vergisst es, was das Kommen ist? In diesem Satz kommt kein Beistrich. Beistriche, sind sie überhaupt fähig und in der Lage zu kommen? Wie kommen oder wie kämen Beistriche, sind sie überhaupt fähig und in der Lage zu kommen? Wie kommen oder wie kämen Beistriche? Wie tun sie das? Oder tun sie es eben nicht? Was tun sie? Kann man aber Kommas und Kommata kommen hören? Können die Kommas kommen, weil sie nicht Beistrich heißen und nichts streichen, nichts stricheln? Sind sie Ankömmlinge? Sind sie Ankömmlinge, weil sie so heißen? Nach Nase kommt immer ein Beistrich, wenn das Wort Komma oder Kommen oder Kommt dem Wort Nase folgt. Nur in der Gegenwart, im Präsens kommt der Beistrich. Nach Nase kam kein Beistrich. In dem Satz muss man etwas vergessen. Wer den Beistrich nicht vergessen kann, wird das Komma nicht finden. Wer sich nicht mehr an den Beistrich erinnert, wird wissen oder verstehen, dass in diesem Satz nach der Nase der Beistrich kommt. Immer kommt, immer dann kommt, wenn das Wort kommt nach der Nase geschrieben steht oder neben ihr. Wer schon weiß, was ein Komma ist, sieht es in diesem Satz wahrscheinlich nicht. Da steht keines, also ist da keines. Aber da ist eines. Das Komma kann nicht kommen, wenn wir wissen, was ein Komma ist, wenn wir wissen, dass es ein Beistrich ist. Vielleicht ist die Literatur ein Komma, eine kommende, noch nicht da, trotz vieler, vieler Veröffentlichungen, sie kommt erst. Um die vergessenen, unbekannten, die neuen Kommas zu finden, brauchen wir Hühner. So kann man Matthias Müllers, jetzt komme ich schon mit dem Buchstaben durcheinander, brauchen wir Hühner. So kann man Matthias Müllers Birnengasse verstehen. Wir bedürfen solcher Hühner, die wir vergessen haben, an die wir wenig oder keine Erinnerung haben. Wir brauchen Hühner, die wir nicht kennen. Mit solchen Hühnern gelingt uns ein Ausgleich. Mit solchen Hühnern gelingt uns ein Ausgleich. Wir können das Gegebene und Verfügbare ausgleichen mit dem Nichtgegebenen und Unverfügbaren. Wir können mit dem Huhn das sogenannte Ungleichgewicht herstellen. Wir können mit dem Huhn das Un finden. Was für eine wunderbare Methode oder Hilfe. Wir können den Huhnsinn finden, sogar die Unendlichkeit. Der Beistrich, der nach Nase kommt, ist wahrscheinlich ein Huhn, ein Hühnervogel, etwas nicht recht fliegendes, aber startklar. Es stellt das wichtige Ungleichgewicht in der Welt wieder her. Wahrscheinlich ist das Huhn wichtiger als das Gewicht der Welt, nämlich unwichtiger. Matthias Müller jedenfalls bittet uns, Huhn suchen zu gehen. Uns? Wir? Wer versucht hat, eines Huhns habhaft zu werden, weiß es. Hühner lassen sich nicht fangen. Sie können, weil ihre Flügel klein sind, nicht recht fliegen, nicht in die Luft, in den Himmel flüchten. Was tun die Hühner also dagegen, gefangen zu werden? Es scheint, dass sie dort, wo sie gerade hocken, einbeinig stehen oder zweinbeinig und wo man nach ihnen die Arme und Hände ausstreckt, gar nicht mehr sind. Startklar gewesen und plötzlich anderswo sind, links oder rechts von sich oder hinter sich sind, neben sich, nicht weit weg. Aber dort nicht, wohin die Hände gestreckt sind, wohin der Blick geht. Das Huhn ist anderswo. Es verhält sich beinahe wie die Wahrheit, wie Michel Foucault sie beschrieben hat in seiner Vorlesung über Hühner, die ich in Los Angeles am Davidson Conference Center der University of Southern California im Oktober 1981 gehört habe. Spuren der Los Angelina Vorlesung sind nachzulesen in Der Mut zur Wahrheit, am Ende seiner allerletzten Vorlesung, gehalten am Collège de France 1984. In der Übersetzung von Jürgen Schröder sagt er, aber was ich zum Abschluss hervorheben möchte, ist Folgendes. Es gibt keine Einsetzung der Wahrheit ohne eine wesentliche Setzung der Andersheit. Die Wahrheit ist niemals dasselbe. Clifford Gertz hat dann Foucault so beschrieben, He has become a kind of impossible object, a non-historical historian, an anti-humanistic human scientist. He is what any French savant seems to need to be these days, elusive, a hoon, as readers in Austria and Germany would say. Time magazine, zitierte damals Foucault, der gesagt haben soll, do not ask me who or hoon I am and do not ask me who or who I am and do not ask me to remain the same. Leave it to our police to see that our papers are in order. Alles in Ordnung. Auch in der Birnengasse ist die Rede von einer Setzung. Was sich in der Gasse setzt, ist ein Huhn, von welchem man auch sagen könnte, dass es nicht dasselbe ist, dass es sich im Abstand vom Selben setzt, dass es nicht bei sich selbst hocken bleibt. Beschrieben wird das so in der Birnengasse. Als es Abend wurde, standen wir auf und bemerkten, dass sich ein Huhn zwischen uns gesetzt hatte. Die zwei Sitzenden haben es zuvor nicht bemerkt. Sie stehen auf, da erst bemerken sie das Huhn, bemerken sie, dass es zwischen ihnen war. Als es noch zwischen den Zweien war, haben sie das Huhn nicht bemerkt, nicht gesehen. Es war wie nicht da, es war wie ein Huhn, es war wie ein Un. Es war nicht selbes, es war vielleicht die Wahrheit. Die zwei stehen, als es Abend wird, bemerken spät etwas, das sie Huhn nennen und für die Wahrheit halten dürfen. Das Huhn beobachtet mit halb offenen Augen die Bewegung der zwei. Nähern sie sich ihm, bereitet es sich auf Flucht oder Verschwinden vor, also auf den Schutz der Wahrheit, die Bewahrung der Wahrheit. Die zwei lernen schnell, dass Abstand eingehalten werden soll. So kann das Huhn wahr bleiben und anders. Nach Nase kommt immer ein Beistrich. Erst nur einer, später vielleicht wieder einer. So genau weiß niemand, wie das vor sich geht. Aber ein Beistrich ist ja immer etwas sehr Verbindendes. Warum ist ein Beistrich etwas Verbindendes? Gilt er nicht als Einschnitt, als Trennungszeichen? Die Grundbedeutung des griechischen Wortes ist schneiden. In der Birnengasse schneidet der Beistrich nicht. Er wird gesetzt wie ein Huhn. Er ist eingesetzt in den Satz. Aber ein Beistrich ist ja immer etwas sehr Verbindendes. Er sitzt und verbindet hier mitten in dem Wort, mitten in Verbindendes. Zwischen der vorletzten und der letzten Silbe ist ein Strich. Und er trennt die zwei Silben nicht. Obgleich die zwei Silben in zwei verschiedenen Zeilen stehen, sind sie verbunden. Es verbindet sie der Strich. Er ist jenes etwas immer sehr Verbindendes. Wir können vergessen lernen, was ein Komma ist. Und können lernen, was ein Komma ist. Wir können in der Birnengasse lernen, was das andere ist. Die ganze Birnengasse lernen, was das andere ist. Die ganze Birnengasse ist nicht dasselbe, das wir kennen. Sie ist keine Birne, keine Birnen und keine Gasse. Sie ist vielleicht keine Birne, weil sie keine Bir und sagst, schau, schau, aber dein bloßer Finger hinterlässt keine Spuren. Das ist eine Berührung, die noch lange danach zu spüren ist. Ist da nichts zu spüren? Ist ein Huhn zu spüren, entwischt da etwas und will nicht dasselbe sein, nicht das mit sich Identische. Du und der Finger zeigen auf die und die Dinge. Wie zeigen sie auf die? Zeigen sie auf die, ohne die zu zeigen. Zeigen Sie tatsächlich nichts. Zeigen Sie nur in eine Richtung, auf etwas, zu etwas, nach etwas hin. Gibt es nichts zu zeigen? Ist da nichts? Läuft da das Unhuhn? Ist das der Huhnsinn? Aber dein großer Finger hinterlässt keine Spuren. Das ist eine Berührung, die noch lange danach zu spüren ist. Keine Spuren, aber spüren. Was ist das, das berührt wird und lange danach noch zu spüren ist? Kein das, kein dasselbe. Kein das, kein dasselbe. Wie bezeichnet man das, das nicht dasselbe ist? Finger sind Sterndeuter, dazu sind ja Zeigefinger da. Du kratzt mich an meiner Nase und bei jedem Niesen beglschst du mich, eine so schöne Stelle gefunden zu haben. Hier können wir zuschauen, wie der Nebensinn oder Huhnsinn gefunden wird, die Nebenstelle und dass es den anderen Sinn gibt. Die Sterndeuter, sie deuten, interpretieren Sternkonstellationen am Himmel, sie lesen in den Konstellationen die Gegenwart oder die Welt oder sagen Zukunftiges voraus. Während sie im Himmel lesen, während sie Konstellationen dort deuten, übersehen sie etwas. Man könnte sagen, sie sehen nichts vor der Nase. Im und am Himmel lesen sie die Konstellationen vor und neben der Nase sehen sie das Unhimmlische nicht, sehen sie den Nebenstern nicht, sehen sie die Stelle nicht. Zu sehr mit Bedeutung beschäftigt, sehen sie die Stelle nicht und Lestelle nicht. Du kratzt mich an meiner Nase und bei jedem Niesenbeglück wünschst du mich, eine so schöne Stelle gefunden zu haben. Diese Stelle, queste Stelle. Die Sterndeuter sehen sie nicht. Warum nicht? Es gibt zweierlei Sterndeuter. Die einen deuten die Sterne, zeigen sie. Die anderen deuten auf sie, zeigen mit dem Zeigefinger auf sie, zeigen sie aber nicht. Sie finden keine Anschauung, keine Weltanschauung. Sie können etwas anschauen ohne Anschauung. Sie können eine Birne anschauen und keine Birnenanschauung haben. Aber wer die Sterne, die Birnen, die Nase oder die Welt ohne Anschauung anschaut, sieht vielleicht viel Unbekanntes. Also was? Welche Stelle? Stelle? Welche Sterne? Im Rahmen einer Verleihung des Heimrat-Bäcker-Preises liegt wahrscheinlich auch LTI, das Buch von Viktor Klemperer, Lingua Terzi Imperi, Sprache des Dritten Reichs. Das zwölfte Kapitel handelt von der Weltanschauung und von der zufälligen Lektüre in einem der Judenhäuser Dresdens, in die zu übersiedeln jüdische Dresdner Bürger gezwungen wurden, dem Haus in der Josefstraße 15b, auf der Grundlage des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden gezwungen, erlassen am 30. April 1939. Nach einer Weisung von Hermann Göring im September 1939 für die Unterbringung in Judenhäusern zu sorgen, wurden in Dresden zunächst 37 dazu gemacht. Die Familie Klemperer lebte in mehreren solcher Judenhäuser seit 1940. 1944 fällt Viktor Klemperer ein Buch in die Hände und wird zur Zufallslektüre. Arthur Schnitzlers Weg ins Freie. Artur Schnitzlers Weg ins Freie. Eine scheinbare Nebenbemerkung zieht seine Aufmerksamkeit auf sich, das Wort Weltanschauung sei logischerweise der Wille und die Fähigkeit, die Welt wirklich zu sehen, ohne durch eine vorgefasste Meinung beirrt zu sein. Klemperer anerkennt diese logische Bedeutung der Weltanschauung, nämlich den Begriff Anschauen unmystisch, uns als richtiges Sehen des Vorhandenen aufzufassen und unterscheidet die unlogische Bedeutung der Weltanschauung, welche anschaut, deutet, meint, zeigen will, ohne zu sehen, die Bedeutung liest, ohne zu lesen. Bedeutung liest, ohne zu lesen. Klemperer sieht, dass Weltanschauung zum, wie er sagt, Pfeilerwort der LTI geworden ist. Noch der bildungsloseste spreche bei allerlei Gelegenheiten von seiner Weltanschauung. Er entdeckt das Wort sogar in den Statuten der DAF. Denn in den Satzungen der Deutschen Arbeitsfront, der DAF, die mir einmal in der Fabrik vor die Augen kamen, in diesem Statut einer Organisation aller Schaffenden, war ausdrücklich nicht von Versicherungsprämien die Rede, sondern von Beiträgen zu einer weltanschaulichen Gemeinschaft. Die Zeigefinger in der Birnengasse bilden keine weltanschauliche Gemeinschaft. Sie sind Sterndeuter, die die Sterne nicht deuten. Sie zeigen die Sterne nicht, finden aber die schöne Stelle und ganz im Nebensinn oder im Unsinn die schönen Sterne. Sie zeigen auf die Sterne ohne Schau und Show. Bald nach der Schnitzerlektüre findet Viktor Klemperer irgendwo im Haus Josef Goebbels zuerst 1934 und danach mehrmals veröffentlichte Sammlung von Tagebucheintragungen vom Kaiserhof zur Reichskanzlei und liest sie. Am 27. Februar 1933 notiert Goebbels, die große Propagandaaktion zum Tage der Erwachenden Nation ist nun in allen Einzelheiten festgesetzt. Sie wird wie eine herrliche Schau in ganz Deutschland abrollen. Ganz Deutschland, das ist wohl ein gedeutetes Land, welches niemand sehen kann und in welchem niemand sehen soll. Die Birnengasse gibt es gewiss in keinem Land. Keiner kann sie deuten, sie ist wahrscheinlich keine Gasse und die Birnen sind keine Birnen, aber dieses schöne Buch kann auf sie zeigen und auf Sterne. Am Ende der kleinen Prosa von der Nase, dem Beistrich und dem Deuten steht, ein Schmettern wird hier zum Schmetterling. Ein Schmettern wird hier zu einem Schmetterling. Wenn dem so ist, dann wissen wir an diesem Ende weder, was ein Schmettern ist, noch was ein Schmetterling ist, aber erkennen, wie das eine zum anderen wird. Vielleicht kann man sagen, das Schmettern deutet den Schmetterling nicht, aber es deutet auf ihn hin. Es zeigt ihn nicht, kann aber auf ihn zeigen. Wer auf Schmetterlinge zeigt, führt eine Schmetterlingsshow auf, ohne sie zu zeigen. Wer auf einen Schmetterling zeigt, ist wahrscheinlich selbst ein Schmetterling. In Kapitel 2 finden wir wieder eine Nase, auf die das Wort kommt folgt. Nase kommt von nasal. Wenn die Nase zu ist, merken wir erst, dass es sie gibt. Nasal wiederum leitet sich von naval, navus ab. Na sowas. Also von Schiff und Navigation. Das bedeutet immer der Nase nach. Spätestens an dieser Stelle bemerken wir, dass die Birnengasse eine Straße oder ein Etwas ist, das irgendwo hin will zu den Sternen und Stellen wahrscheinlich. Ist sie eine Stellengasse, mit gelben Stellen, hanget und voll mit wilden Müllern und Rosen das Land in den Bodensee. Ist die Birnengasse ein Weg zum See und zum Sehen und zum Birnendeuten? Leitet die Gasse ab? Leitet sie von der Gasse ab? Nase kommt von nasal. Wer das liest, weiß fast nicht mehr, was hier was ist und wie das Kommen kommt. Kann eine Nase kommen, wenn nach ihr immer der Beistrich kommt? Nasal leitet sich von naval ab. Ja, das ist richtig. Durch Ab- und Umleitung, Wegleitung, Weggehen kommt nasal von naval. Nasal ist ein Abkömmling von naval. Vielleicht ist das Buch Seite für Seite ein Abkommen. Nasal leitet sich von navus ab. Ja, das ist richtig, die Richtung stimmt. Die Nase fährt von navus weg. Die Nase ist ein Schiff, das wegsegelt. Die Nase kann navigieren ohne Kompass und mit nah sowas. Die Birnengasse hat in sich eine Richtung, in die der Kompass nicht zeigen kann. Die Birnen können in sie zeigen. Schöne birnenförmige Zeiger. Man kann den Birnen nachgehen. Den Birnen nach. Es bedeutet, wenn man ein Sterndeuter in Müllers Sinn ist, der Nase nach. Birnen sehen aus wie birnenförmige Nasen. Ich meine mich zu erinnern, dass die Birnengasse früher Bienengasse hieß. Birnen kommen nach Bienen. Ja, logisch, richtige Reihenfolge, sagt die Biologin und sagt der Imker. Es gibt also keinen Nabel der Welt und die Birnen kann niemand zeigen. Kannst du mir einen Birnenbaum zeigen? Nein. War Huhn ein Wort oder eine Silbe? Es ließ sich schwer fangen wie ein Verb. Es konnte verschwinden wie ein Substantiv, aber eine Erinnerung, eine Wärme oder eine Feder blieb zurück. Ein Adjektiv, weil es gern verdutzt war. Eine richtungsanzeigende Präposition. Ging es einem Wort voraus, öffnete es neue Möglichkeiten. Nicht mehr Sinn, sondern Huhnsinn, auch weil es andere Augen hatte. Aus dem Gleichgewicht ins Ungleichgewicht geraten. Nicht endlich, sondern unendlich. Ja, also ich könnte da noch einiges sagen, glaube ich. noch einiges sagen, glaube ich. Aber vorerst nur herzlichen Glückwunsch an Matthias Müller und herzlichen Glückwunsch an die Jury für die gute Entscheidung. Applaus Ich sage auch nochmal vielen, vielen Dank für den Preis und nochmal vielen Dank an Peter für die schöne Laudatio. Ich werde jetzt nicht aus der Birnenkasse lesen. Das tut mir fast ein bisschen leid. Sondern aus einem neuen Text, der aber glücklicherweise unfertig ist. Und ich werde aus dem ersten Abschnitt lesen und aus dem letzten Abschnitt lesen, mit der Hoffnung, dass ich es ein bisschen schaffe, die Struktur, vielleicht die Symmetrie und die Ordnung von diesem Text vielleicht ein bisschen sichtbarer zu machen. Und das Henne liegt nur da, dass ich nicht zu lange lese, also dass ich vielleicht auch fertig werde. Und der Text heißt gerade, ein Haus ist kein Baum. Prolog. Erstens. Ein Haus teilt sich auf in Abschnitte. In Stockwerke und Halbstöcke, zum Beispiel in Dachgeschoss, Mezzanin, Hochparterre, Parterre, Souterrain. Auf allem liegt etwas Licht, im Licht liegt etwas Staub. Ein Haus verzweigt sich weiter in Wohnungen, bewohnte oder unbewohnte, verfallene oder vergessene, leere oder in ihrer Verlassenheit völlig verlassene Wohnungen. Als wäre das Verzweigen ein Aufbäumen gegen den Zerfall. Als müsste nicht alles zerfallen in Stücke, als würde nicht alles zerfallen zu Staub, als würde nicht alles zerfallen zu Licht. Ein Haus wurzelt. Zweitens, aber ein Haus ist kein Baum, sagte U. Abschnitt 1, Kapitel 2 1. Ein Haus ist ein Haus. 2. Ein Haus ist ein Haus, ist ein Kapitel 3. Erstens, hier ist kein Ort, keine Ferne und Nähe, keine Tiefe. Weiter, kein Licht und kein Licht, das mit Licht verwechselt werden könnte. Nur die Abwesenheit der Körper erinnert an, zweitens, die lebenden Körper, die toten Körper, die leblosen Körper, die verlorenen Körper, Erinnert an 2. Die Körper, die ihre Augen nicht schließen können, die scheinbar lichtlosen Körper, die niemandem gehören. Licht und Stille fallen zusammen im Traum des Körpers, der träumt, mitten im Flug. Drittens. Der Himmel ist eingeteilt und darunter scheint die Sonne und die Menschen müssen sterben. Was ist mehr oder weniger als das? Nichts geschieht. Nichts fällt zusammen. Alles ist an seinem Platz. Geordnet, ungeordnet. Die Wörter und Dinge berühren sich fast nicht. Kapitel 6 1. Ein Haus ist eine Ausweglosigkeit. 2. Häuser werden zuerst nach unten gebaut. Das ist noch immer zu spüren, wenn ein Haus betreten wird. Jeder Schritt in ein Haus hinein ist zuerst ein Schritt hinunter. Ein Abhang, ein Abgrund. Es ist viel zu leicht, in ein Haus zu geraten. Drittens. Jedes Haus ist vielleicht tiefer, als es hoch ist. Aber es ist nicht hoch genug, als dass es unmöglich wäre, darüber zu sprechen. Jedes Stockwerk teilt sich nochmals auf in Wohnungen, Räume, Zimmer, Zimmer in Zimmer in die Türen führen und jede Trennung, jedes Teilen und Verzweigen vergrößert die Oberfläche im Inneren eines Hauses, bis das Außen nur noch ein verschwindend kleiner Teil des Inneren geworden ist. Viertens. Am besten ist es also, bei der Beschreibung eines Hauses von Anfang an den Ausweg, die Eingangstür und das Fenster darüber durch das Lichtfeld nicht aus den Augen zu verlieren. Am Anfang mit dem Ende beginnen und dem Verlauf der Treppen nicht aufs Geratewohl zu folgen, den leichteren Ausstiegen und Ausgängen misstrauen, sich nicht auf Ausgänge verlassen. Fünftens. Auch nicht, wenn die Eingangstür offen steht. Auch nicht, wenn über der Eingangstür ein Glasfenster angebracht ist, durch das unter Tags noch Tageslicht hereinfällt, das nicht mit dem Licht der Lampen im Stiegenhaus verwechselt werden kann. Auch nicht, wenn das Licht der Lampen im Stiegenhaus schwach und das Tageslicht unter Tage im Sommer so stark ist, dass das Licht nicht mit Licht verwechselt werden kann. Sechstens, auch nicht im Winter, wenn das Licht der Sonne nicht brennt und das Licht der Lampe im Stiegenhaus so stark ist, dass Licht mit Licht nicht verwechselt werden kann. Auch nicht, wenn das Licht nicht brennt und die unteren Stockwerke nur von dem Fenster über der Eingangstür beleuchtet werden, während die oberen Stockwerke im Dunklen liegen. Auch nicht, wenn das Licht brennt und die unteren Stockwerke im Dunklen liegen, während die oberen Stockwerke nicht brennen. Auch nicht, wenn über das Geländer gelehnt mehr Sonne sichtbar ist als draußen. Auch nicht, wenn von unten nach oben im Stiegenhaus betrachtet die Sonne nicht immer von außen scheint. Siebtens. Aber natürlich wird im Sommer unter Tage das Licht im Stiegenhaus nicht eingeschaltet und Licht kann nicht mit Licht verwechselt werden. Aber natürlich wird im Winter in der Nacht das Licht im Stiegenhaus nur eingeschaltet werden, wenn draußen die Sonne nicht brennt. Achtens. Ob die Sonne brennt oder nicht, das Licht an der untersten Stufe des Stiegenhauses zum Erliegen kommt, jeder Schritt nach unten führt. Das Haus ist ein Haus, das sich in unendlich viele Hüllen und Hüllen in Hülsen teilt, getrennt und verbunden und damit die Oberfläche im Inneren des Hauses unendlich vergrößert. Neuntens, zwei Zimmer, drei Räume, fünf Stockwerke, sieben brennende Sonnen, elf Fenster, die nicht nach draußen führen, 13 Personen, die darin wohnen. Zehntens. Zwei Zeiten ohne Gleichzeitigkeit. Drei Zimmer, die ins Zimmer führen und durch fünf Türen miteinander verbunden sind, sieben Sonnen, die nicht brennen, elf Fenster, durch die das erloschene Licht fällt und am Boden, der nicht aufhört, neben der 13 liegen bleibt. Elftens. Zwei unendliche Oberflächen, die eine innen, die andere nicht außen, die drei unendliche Räume bilden, die sich in fünf unendliche Zimmer teilen, verbunden durch sieben Türen, die zu nichts führen, auch nicht in die Unendlichkeit. Von den Personen, die hier wohnen, sind elf bereits verloren. Nur die dreizehnte hält sich an der Hand, die sie hält und nicht loslässt. Kapitel 7 1. Es ist der 17.05. 17.05. und eine Person tritt gerade durch die Eingangstür in das Haus. Der Blauregen blüht und niemand weiß warum. warum. Zweitens, es ist der 19.02.02.03 und eine Person sitzt allein im Stiegenhaus, in dem das Licht nicht brennt. Drittens, es ist der 5.02.03.53 und eine Person tritt durch die falsche Tür. Es ist der 11.11.13.19 und eine Person und eine andere treffen sich zufällig nicht im Stiegenhaus. Fünftens. Es ist der 17.03.17.19 und die Personen treten auf und ab, gehen von Zimmer zu Zimmer, als gäbe es keine Ausweglosigkeit, als wüssten sie nicht, dass sie sterben müssen. 8. Es ist der 23.05. und der Blaurigen blüht, ohne dass jemand das Haus betreten hätte, auch um 2.02 Uhr. 9. Es ist der 11.02. 3.23 Uhr. Niemand hat vergessen zu sterben. 10. Es ist der 11.07. 23.47 Uhr und das Stiegenhaus liegt allein im Dunkeln, ohne dass jemand da wäre, um das Licht einzuschalten. um das Licht einzuschalten. Elftens. Es ist der 23.02. 23.59 Uhr. Also ist es die ganze Zeit fast Mitternacht. Zwölftens. Es ist der 11.07. 13.57 Uhr. Jemand betritt gerade das Haus, der schon lange nicht mehr an brennende Sonnen gedacht hat. Der Blauregen hat aufgehört zu blühen. Niemand weiß warum. 13. Es ist noch immer der 17. auf. Jetzt lese ich einen Abschnitt, außer die Zeit erlaubt ist vielleicht noch einen zweiten, aus dem letzten, aus dem siebten Abschnitt. Abschnitt 7, Kapitel 2. Erstens. Als ich drei Jahre alt geworden war, sagte U, hatten die Wörter mich so sprachlos werden lassen, dass ich längst zu sprechen begonnen hatte. Aber ich erkannte den Unterschied noch nicht. Zweitens. Als ich sieben Jahre alt geworden war, sagte U, gab es längst keine Gleichzeitigkeit mehr. Es kam zu keinen zufälligen Begegnungen. Das Licht durfte nicht mit Licht verwechselt werden. Drittens. Als ich 13 Jahre alt geworden war, sagte U, war mir längst klar geworden, dass es ein Zufall ist, dass ich ich war und nicht die Maus, der ich einen Teil von ihr in mich aufgenommen habe, gegessen und verdaut habe, ein anderer Teil von ihr, den ich unbeabsichtigterweise getötet habe, in mir weiterlebt, während ein Teil von mir, der unbeabsichtigterweise weiterlebte, in ihr gestorben ist. Viertens. Sterben früher oder später so sein wird, als wäre sie bloß ein weiteres Stockwerk nach unten gezogen oder ein weiteres Zimmer weiter ins Innere des Hauses, zu dem sie keinen Zugang mehr haben, bleibt in mir vielleicht für immer ein Mädchen, das in seinem Zimmer sitzt und auf die Tür schaut, die sich nicht öffnet. Fünftens. Als ich 29 Jahre alt geworden war, sagte U, lebte ich längst nicht mehr im Souterrain. Das war ausweglos. Ich war für eine Zeit zu A hochgezogen, bei der ich eine Weile gelebt hatte, bis sie zu B zog, damit sie gemeinsam leben, atmen, essen müssen und sterben können. Ich war für eine Zeit sehr allein, aber nicht für lange. eine Zeit sehr allein, aber nicht für lange. Siebtens. Als ich 43 Jahre alt geworden war, sagte U, war der Frühling längst vorüber. Der Blauregen blühte nicht mehr. Ich hatte eine Zeit mit I zusammengelebt und war sehr glücklich gewesen. Danach lebte ich eine Zeit mit L zusammen und war sehr glücklich gewesen, ohne sie jemals zu vergessen. Manchmal schaute ich aus dem Fenster, um mich selbst anzuschauen und dachte, ich hätte mich in all den Jahren nicht verändert. Aber wahrscheinlich kam es mir damals nur so vor, weil ich in dem Augenblick und in all den früheren Augenblicken die kleinste Veränderung, die ja so schnell vorübergehen wie der Vogelgesang nicht wahrnehmen konnte. Neuntens. Als ich 61 Jahre alt geworden war, sagte U., waren alle längst verloren. Die Untergänge und Überschwemmungen lagen hinter uns und es machte keinen Unterschied, zwischen welchem Abschnitt oder in welches Kapitel sie stattgefunden hatten. Ich lebe noch immer in einem Zimmer, atme und muss essen. Aber ich habe, nachdem am Ende niemand mehr vom Anfang da war, außer ich, mein Leben noch mit so vielen Menschen geteilt, dass ein einziges Alphabet nicht ausreicht, um sie alle zu benennen. Und noch immer gingen die Menschen ab und zu, als wüssten sie nicht, dass sie sterben müssen. Zehntens. Als ich 71 Jahre alt geworden war, sagte U., hatten alle Menschen längst vergessen, dass es ein Zufall ist, dass sie Menschen sind, längst vergessen, dass es ein Zufall ist, dass sie Menschen sind, dass sie genauso gut hätten Vögel sein können, Ungeziefer, Geziefer oder Mäuse, dass sie A, B, H oder M hätten sein können. Elftens. Als ich 79 Jahre alt geworden war, sagte U, aber niemand mehr da war, um sie zu hören, war mir längst klar geworden, dass auch ich nicht bis zur Unendlichkeit gelangen werde, außer vielleicht nach innen. A hatte ihr Buch über die Architektur des Hauses nie zu Ende geschrieben, aber sie hatte auch nie aufgehört, es zu beginnen. Sie hatte nur angefangen, es mit den anderen gemeinsam zu schreiben, sodass jede Seite eine andere Seite des Hauses beschrieb. Und obwohl H. sich nicht daran erinnern konnte, sie geschrieben zu haben, erkenne ich ihn auf den folgenden Seiten genauso wieder, wie ich A., B., M. und meine Großmutter wiedererkenne. Ich kann die Seiten lesen und obwohl es draußen bereits dunkel wird, ist es für einen Augenblick so, als wäre keine Zeit vergangen, als wäre die ganze Zeit fast Mitternacht. Kapitel 5 Erstens. Ein Haus teilt sich auf in Gesang. Zwei Himmel, das bedeutet vielleicht den nächsten Tag. Zählt der Himmel als Peripherie? Er ist eines der überzähligen Regionen, die in einem Haus, aber außerhalb seiner Architektur liegen. Das bedeutet, er zählt als Stockwerk. Er darf bewohnt werden. Alles liegt da, als reichte die Sonne aus. Zweitens. Ein Mensch allein, wieder ein Mensch allein. Ein Vogel, noch ein Vogel. Eine grammatische Vervielfältigung der Vögel. Ein Mensch ist mindestens zwei Vögel. Ein Mensch ist nicht allein. Drittens. Die Verwandtschaft der Menschen mit den Vögeln, der Vögel mit den Wärtern, die auffliegen, Drittens. Laute von Flügelschlägen in lose und blicklose Körper. Sie wollen bei den Vögeln bleiben. Sie sind den Vögeln näher. Das Reden kommt auf. Kapitel 6. Erstens. Und während eine Person schon lange zu dem Staub auf den Flügeln unzählbar vieler weißer, erschöpfter Schmetterlinge, der nicht mit ihrem Auffliegen verwechselt werden konnte, zerfallen war, wird das Gesicht einer anderen Person in der Spiegelung des Fensters langsam zu einem Vogel. Zweitens. Und während der Vogel in der Spiegelung des Fensters versucht, sich in dem Gesicht wiederzuerkennen, das ihn spiegelt, ist es versucht, sich in dem Gesicht wiederzuerkennen, das ihn spiegelt, blüht in dem zergliederten und zerspiegelten Auge der Blauregen fast so, als wäre es das Auge, in dem sich das Licht spiegelt, das blüht. Kapitel 7 Vielen Dank nochmal. Vielen Dank, Matthias Müller und herzliche Gratulation zum Förderpreis, zum Heimatbäckerpreis. Vielen Dank. Ich darf Ihnen aus der ausführlichen Schriftbegründung für ein Kottn vorlesen, dieses Heimatbäckerpreises für Anne Cotton. Das Werk von Anne Cotton ist im Jahr 2007 mit der aufleuchtenden Publikation ihres Bandes Fremdwörterbuch Sonette im Surkamp Verlag in die literarische Welt gekommen. Cotton belebte damit die Form des Sonetts in Doppelsonetten, zum Teil auf die Verfahren und die Proponentinnen der konkreten Poesie anspielend, zum Teil mit Fachwörtern jonglierend, neu. Diese Relation ist auch in dem Essay-Band »Nach der Welt«, die Listen der konkreten Poesie und ihre Folgen, deutlich. In immer eigenständigem Ton zeichnet die Autorin darin entscheidende Aspekte unter anderem des Werks von Oskar Pastio und Heimat Becker nach, immer mit Blick auf Anknüpfungsmöglichkeit eigenen Schreibens. vereint Langgedichte und Prosa-Reflexionen, Hawaii, das Ost-West-Zentrum für vergleichende Philosophie, nebensächliches Tritt in den Vordergrund, ein Bezug zu dem wird konstruiert, was zufällig da ist, etwa zur Sprache als Fels im Rücken, zu vielleicht Peter Handkes Mordsgerwald, zum Pflügen unter der Erde, wie es heißt. Ihr soeben erscheinendes Buch, Poller Idyllen, über das wir, denke ich, auch noch hören werden, modelliert die als Poller gelesenen Stehtexte und sie stecken in einem Botaniksubstrat. Cottons Texte insgesamt bewegen sich zwischen den Genres, womit nicht nur Lyrik und Prosa gemeint sind, ihr Werk spielt unter anderem auch mit Science-Fiction, Theorie, Essay oder Reisebericht. Die Verwendung verschiedener Sprachen ist Thema und Mittel, was Texte einerseits global ortet, verortet. Zu den Lokalisierungen gehören so verstreute Orte wie Nagoya und Berlin-Schöneberg, Kansas, Häggeland, Honolulu und der Kahlenberg. Ähnlich überraschend sind nicht selten die Metaphern und Wortspiele, die Begleichsetzung von Homophonien mit Wurmlöchern, die Wirklichkeit durchlässiger, sozusagen poröser oder schwammartiger machen sollen. Auch fragile Kuppelkonstruktionen werden ermöglicht. Die Texte könnten in ihrem Zitat- und Anspielungsreichtum herausfordernd wirken, doch in ihrer Seltsamkeit und Originalität bleiben sie untauglich für die Verwendung als Statussymbole. Bei aller Formbezogenheit suchen die Texte immer auch eine Anbindung an die Welt und ihre Verfasstheit. In diesem Punkt sind sie oft in wohltuender Weise zu wenig ideal für die Avantgarde im strengen Sinn. Aber was hieße das schon ideal oder gar Avantgarde-ideal? Ich möchte Herrn Korten im Namen der Interessengemeinschaft Heimatbecker herzlich zum Preis gratulieren. Loben wird sie Florian Huber, der als Wissenschaftstheoretiker, Philosoph, Essayist, Lektor, Herausgeber und Veranstalter viele Seiten des literarischen Lebens kennt und wohl auch auf so fruchtbare Weise in sich vereint. geforscht zum Verhältnis von Literatur und Naturwissenschaften. Er lebt nun wieder in Wien als Verlagslektor, Literaturkritiker, Veranstalter. Seine letzten Bücher, unter anderem die Studie Der Schreiber schreibt zu Hermann Beckers Nachschrift oder die Herausgabe von Durch die Wiese, Insekten und Spinnentiere unter der literarischen Lupe in Vorbereitung ist, wenn es dunkel wird, literarische Nachtstücke mit Tieren. Und ich darf Florian Huber nun bitten, ein Korten zu loben. Bitte. Vielen Dank, Thomas. Bevor ich jetzt zum Lob auf N. Cotton ansetze, noch eine Nachbemerkung zur bemerkenswerten Laudatio von Peter Waterhouse und zur großartigen Lesung von Matthias Müller. Mir ist dabei auch ein Satz von N. Cotton aus dem Erzählungsband Der schaudernde Fächer in Erinnerung gekommen. Da heißt es an einer Stelle und es regnete ganz schön viel Kommas. Und dieser Satz ist, glaube ich, auch ein erstes Indiz dafür, dass Texte, zumindest die, die den Namen verdienen, immer auch Beziehungen zu anderen Texten unterhalten. Dementsprechend werde auch ich, Emanuele Audazio, auf N. Cotton über diese Beziehungen sprechen. zu anderen Texten unterhalten. Dementsprechend werde auch ich in meiner Laudatio auf Enkorten über diese Beziehungen sprechen. Beginnen möchte ich allerdings ganz konventionell, wie es einer Laudatio vielleicht angemessen scheint. Konventionell, aber nicht zuletzt auch deshalb, weil die Rede von der Konvention und die Frage, was überhaupt eine Konvention begründet und in die Welt setzt, glaube ich, auch etwas ist, das ganz konstitutiv für das Schreiben und Nachdenken von Anne Cotton ist, das sich auch durch all ihre Werke und Arbeiten zieht. Ich beginne also mit der Grußformel, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Anne, und ich beginne mit etwas anderem, liebe Anne, und ich beginne mit etwas anderem, was gewissermaßen der Laudatio zu eigen ist, nämlich mit einer Reflexion auf die Biografie der Verfasserin, die ja heute zu würdigen steht. Dass die Biografie hier ihren Platz bekommt, ist aber nicht nur dem Umstand geschuldet, dass Anne sich immer wieder mit der Rede von der Konvention befasst hat, im theoretischen genauso wie im literarischen Kontext. Es ist vor allen Dingen auch dadurch begründet, dass wenn man einen Blick auf ihre jüngste Publikation, Thomas Eder hat sie schon angesprochen, tut, nämlich auf Poller Idyllen, nicht umhinkommt, sich auch mit der Biografie der Verfasserin auseinanderzusetzen und das liegt zunächst einmal auch an der Form, in der diese Biografie in diesem Buch in Erscheinung tritt. Dementsprechend werde ich im Folgenden, in meinen Ausführungen auch nicht unterscheiden zwischen dem, was man gemeinhin Figurenrede nennt in der Literaturwissenschaft oder die Position der Autorin, des Autors, zwischen Poetik und Erzähltext, zwischen Gedicht und Essay und so fort. Vielmehr möchte ich etwas ernst nehmen, was Anne Cotton in einem anderen ihrer Werke zu Papier bringt, nämlich in Hauptwerk Soft Soft Porn aus dem Jahr 2013. Dort heißt es gleich zu Beginn, Allgemeinheit kann nur ein produktiver Vorsatz sein, mit alten Wörtern neue Erfahrungen zu beschreiben, von denen ich nicht weiß, was sie sind. Deswegen das alles eben recht fehlerhaft wie Ganghardt von Füllen. Nur eine gewisse Brutalität, der Auswahl, der Beschreibung überhaupt, mag das Produkt einer angehäuften Erfahrung sein. Aus demselben Grund findet die Veröffentlichung überhaupt statt. Dafür bitte ich um Nachsicht und lege meine Gründe dar. Kartierung, Forschung. Es sind ja ganz gewiss immer verschiedene Versionen. Ich will die Angst davor verlieren. Und in der Tat, wenn man auf die Biografie der Autorin blickt, so wie sie im Hauptwerk Softsoftporn formuliert wird, dann macht man auch die Erfahrung, dass diese Biografie deutlich geschieden ist von der Formulierung, die man in Poller Idyllen wiederfindet. Dort heißt es gleich zu Beginn, ein Kotten ist Schriftstelli, Übersetzi und Theorifassi. Theorifuzzi, man weiß nicht, was man lesen soll. Auffällig ist aber nicht nur die Wortendung, auffällig ist überhaupt, dass ein Grotten zunächst einmal sehr viel Wert auf das liegt, wenn man über Konventionen spricht, was in der Literaturwissenschaft als Paratext adressiert wird. Also als etwas, das sich neben dem eigentlichen Text, neben dem Haupttext ereignet, was ihm vorausliegt oder neben ihm zu liegen kommt. Eine Pointe, und Sie erahnen es schon, in der Auseinandersetzung mit dem Werk von Enkrotten besteht aber genau darin, dass solche Ordnungen nicht nur ausgestellt werden, sondern dass sie auch durch die literarische Form unterlaufen werden, dass sie selbst zu einem Bestandteil der literarischen Erkenntnisgewinnung gemacht werden und dass dementsprechend auch die Frage sich erübrigt, ob wir es tatsächlich mit einem Neben- oder mit einem Voraus- oder einem Nachgeordneten zu tun haben. Diese unterschiedlichen Dimensionen der Ordnung des literarischen Textes werden von der Autorin unterlaufen und dass es auch darum geht, das zu unterlaufen, wird vielleicht auch schon in dieser Adressierung des schreibenden Subjekts als Theorie-Fuzzy oder Theorie-Futzi deutlich. Darin verbergt sich ja auch ein Gleichklang von Endungen, eine Verspieltheit, die das Y markiert durch seine Form, in der es als Schrift erscheint, ein Formbewusstsein, das aber natürlich darüber hinausreicht, so eine Art umgekehrter Stabreim vielleicht auch. Etwas, das jedenfalls konstitutiv ist, wie mir scheint, für das Schreiben von Enkotten und dementsprechend ist es auch eine Konsequenz, dass diese Y-Endung natürlich auch noch eine andere Dimension besitzt. Es ist nämlich auch der Versuch, die geschlechtliche Ordnung ein Stück weit hinter sich zu lassen oder zumindest darauf aufmerksam zu machen, dass diese Ordnung immer schon am Werk ist und die Frage zu provozieren, was diese Ordnung eigentlich tut mit der eigenen Lektüre, aber auch mit dem, was man als schreibendes Subjekt kennenzulernen glaubt, bei der Lektüre ihrer Schriften. kennenzulernen glaubt bei der Lektüre ihrer Schriften. Dieses Entgendern nach Hermes Fettberg ist nämlich auch Ausweis einer Fluidität des handelnden und schreibenden Subjekts und eines Anspruchs, der die Arbeit von Anne, glaube ich, immer schon durchzieht. Es ist ja oft bemerkt worden und Thomas Eder hat noch mehr darauf hingewiesen, dass sich Anne ganz unterschiedlichen Domänen des Wissens in ihrer Arbeit widmet, dass sich ihr Schreiben also aus unterschiedlichen Quellen speist, wenn man über die Beziehungen nachdenkt, die ihre Texte mit anderen Texten unterhalten. Und es ist deswegen, glaube ich, auch nur konsequent, dass sich die Arbeit von Anne nicht in dem, was man im konventionellen Sinn unter dem Machen von Literatur versteht, erschöpft. Ich denke zum Beispiel auch an ihre Arbeit als Musikerin und Performerin, zum Beispiel im Verbund mit ihrer Schwester Lucy Cotton, aber auch gemeinsam mit Sabine Schoh und Monika Rink als Teil der Rotten King Show oder an ihre vielen Arbeiten zu und mit bildender Kunst und eben an die schon angesprochene Auseinandersetzung mit Theorie und Literaturtheorie. Und Literaturwissenschaft ist ja nur ein kleinerchene Auseinandersetzung mit Theorie und Literaturtheorie und Literaturwissenschaft ist ja nur ein kleiner Teil dieser Auseinandersetzung, wie man hier hinzufügen darf. N. Cotton ist nicht zuletzt auch selbst als Forschende tätig, und zwar auch in einem, wenn man so möchte, konventionellen Sinn, im akademischen Kontext. Und man kann natürlich auch denken an das Übersetzen von Theorie und Literatur in andere Sprachen und aus anderen Sprachen und die Bewegung des Übersetzens und Übertragens, die ja auch etwas ist, was sich von dem Anfang an durch ihr Werk zieht. Bereits 2007, also zum Zeitpunkt, als ein Kotten in der Buchform dubitiert mit Fremdwörter, Buchsonnette, wird diese Vielgestalt des Werkes thematisch. Da schreibt sie in einem Aufsatz mit dem programmatischen Titel etwas mehr. Ein Vorschlag für den Sinn von Dichtung wäre, meine ich, Strukturen und dynamische Strukturen zu zeigen oder zu proben. Solche, die anders sind, als das im Alltagssprachgebrauch etablierte. Andere Versionen. Ohne Rücksicht auf Dummheit, aber mit dem größten Willen zur Klarheit und Offenheit. Man kann also sagen, dass allem Schreiben von N. seit jeher eine bemerkenswerte Offenheit eignet, dass diese Offenheit aber auch verbunden ist mit einer Skepsis, die vielleicht eben auch schon in der Rede vom Theorie-Fuzzy oder Fuzzy deutlich wird. Diese Skepsis ist auf der einen Seite dem eigenen Tun geschuldet, andererseits aber auch den verschiedenen Domänen des Wissens, von denen ich gesprochen habe, den unterschiedlichen Feldern, auf die sich ihr eigenes Tun erstreckt und abspielt. unterschiedlichen Feldern, auf die sich ihr eigenes Tun erstreckt und abspielt. Bei Fuzzy denke ich natürlich auch an Fuzzy Logic und N auch ganz bestimmt. Das ist also nicht allein so, dass diese Endung nur im Entgendern aufgeht und aufgehoben ist. Und bei Fuzzy Logic denkt man natürlich auch an den damit verbundenen inhärenten Widerspruch, nämlich an die Frage, ob es sich eigentlich um eine unscharfe Logik handelt, wenn man an eine Wortbedeutung von Fassi erinnert, oder vielmehr um eine Logik, die dem Unscharfen beizukommen sucht. Man würde vielleicht mit Blick auf das N-Werk von N behaupten wollen, dass es immer beides ist, dass es nicht allein das eine oder das andere ist, sondern dass diese beiden Domänen, wie es bei ihr an anderer Stelle auch nachzulesen ist, in einem dialektischen Verhältnis miteinander stehen. Diese Dialektik wird auch deutlich mit Blick auf ihr umfangreichstes Proserbuch aus dem Jahr 2019, Liophilia, da heißt es an einer Stelle, alles hat eine logische Erklärung. Nicht, wenn Leute handeln, die beim Denken Lücken in der Logik haben, sage ich. So wie ich, füge ich hinzu. Es geht also auch darum, im Schreiben so etwas wie den Widerspruch begreiflich zu machen. Und dieses begreiflich machen ist vielleicht eine Erinnerung auch an eine andere Wortbedeutung von Fuzzy, nämlich etwas, das schwer zu greifen ist, etwas, das nur verschwommen ist, das sich der Greifbarkeit, des Angegriffenseins ein Stück weit auch entzieht. Und es geht vielleicht auch um Zustände, die mit diesem Verschwommensein, mit diesem Unangreifbaren verbunden sind. Vielleicht geht es auch um so etwas wie Müdigkeit, auch das eine Bedeutung, die man mit Fassi assoziieren kann. Und auch diese Müdigkeit ist wiederum etwas, das sich, glaube ich, in zweifacher Hinsicht mindestens durch das Werk von N zieht. Einerseits geht es hier um ein müdes, um ein erschöpftes Denken, ein Denken, das nach Erneuerung strebt, so wie Texte, wie wir vorhin gehört haben, immer eine Richtung einschlagen, zu etwas streben. Andererseits geht es hier aber auch darum, dieses müde zu denken, also sich nicht nur dem Wachen und Klaren zu verschreiben. Erinnern Sie sich an das Zitat von vorhin, wo von Klarheit und Offenheit die Rede war, sondern auch darum, diese Müdigkeit ernst zu nehmen, sie produktiv zu machen für das eigene Denken und Schreiben. Dieses Produktivmachen spiegelt sich, glaube ich, auch wieder, wenn wir die Lektüre fortsetzen, dort, wo wir vorhin sie unterbrochen haben, nämlich bei der Biografie der Autorin. Auf den Theorie-Fassi folgt folgende Sendenz. Ihre Poetikvorlesungen werfen einen langen Schatten. Das ist zum einen der Schatten der Theoriegeschichte, wie ich meine, und dieser Schatten der Theoriegeschichte, zudem hat N. einmal Folgendes notiert, dass nämlich das Licht von Aufklärung und Gerechtigkeitssinn manchmal andere Zusammenhänge ausblendet, die vielleicht nicht gut zu heißen, aber doch bis in unsere hellen Zeiten wirksam sind und durchaus nicht so sehr mit der uns geläufigen Logik im Klinsch sind, wie wir gerne glauben möchten. Es geht hier also auch um die Abgründe, die mit dem Denken einhergehen, aber auch um die Aporie, um das Unerklärliche und um das, was das eigene Denken gewissermaßen in den Schatten stellt. Also nicht nur um das, was das Denken erhält, sondern auch um das, was das Denken verdunkelt, was sich unserer Wahrnehmung, unserer Erkenntnis entzieht. Und zwischen diesen beiden Polen oszilliert immer wieder das Schreiben und Nachdenken von N. Oder, wie es eben im jüngsten Werk Poller an anderer Stelle heißt, inzwischen Vermutungen. Alles, was ich über Bete weiß, lernte ich. Man bohrt sich wie ein Regenwurm durch den Tag und die Welt verklebt einem das Gesicht. Ein Gegenständ fällt sätlich ab, um von sofort nachdringenden Weiteren für den unbedarften Blick eines Kindes im Vorschulalter ähnlich absurden Gegenständen ersetzt zu werden. Es ist also nur konsequent, wenn man so möchte, beim Lesenigten Werk erfahren kann, nicht nur einschüchternd, sondern sie ist auch mit Möglichkeiten des Denkens und mit dem Eröffnen einer neuen Welt verbunden. In einer Welt aber, heißt es bei Anne, an anderer Stelle, die aus nichts als freier Wahl besteht, dürften nur Leute durchkommen, denen unsinnige und pessimistische Gedanken nicht einmal einfallen. Gedanken nicht einmal einfallen. Vielleicht ist es auch deshalb wenig überraschend, dass ich bei der Lektüre von Anne immer auch an andere Denkerinnen und Denker, an andere Texte erinnert bin. Zwar nicht nur an die Texte, die da unmittelbar zitiert werden, sondern auch an eine Vielzahl anderer möglicher Bezüge. Oder wie Anne wiederum an anderer Stelle so gewandt formuliert, bestimmte Probleme kehren in Form von leidigen Schlaufen immer wieder. Sie sind uninteressant für jene Art von Wissenschaftler nie, die mit dem Anspruch an die Arbeit gehen, Dinge ein für allemal zu klären. Weniger uninteressant eigentlich als vielmehr leidig, um nicht zu sagen ärgerlich, für die, die tagtäglich mit den Auswirkungen dieser Probleme zu tun hat oder besser Phänomene, um sich den Möglichkeiten einer psychologischen Lösung noch offen zu halten, für die ist es dann ein verlockendes Feld, auf dem jeder Fortschnitt geradezu wüste praktische und tropische Anwendungen verspricht. Kommen wir also auf die leidigen Schlaufen. Eine solche leidige Schlaufe verläuft sich, so bläst Pascal, zu einem anderen großen Denker des Wachen und des Müden. Bei Pascal in einer seiner berühmtesten Sentenzen heißt es einmal, der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das Schwächste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr. schwächste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr. Und das, was hier zunächst einmal ins Auge fällt, die Verbindung von Denken und Materie, von Körper und Geist, ist nicht nur etwas, das das Forschungsprojekt von N. Cotton informiert, es ist vielleicht auch nicht ganz zufällig, dass das Schilfrohr wenigstens seiner äußerlichen Form nach auch Assoziationen zum grottenschen polar unterhält auch in ends denken und schreiben spielt die verbindung von körper und geist eine zentrale rolle auch das kann man ihre biografie unternehmen auf die wir an dieser stelle aber nicht weiter eingehen wollen auch pascal ringt mit der beziehung zwischen körper und geist mit der Überwindung dessen, was man Subjektivität nennen kann und was sein Denken, glaube ich, auszeichnet und es mit Enkotten in vielfältige Beziehungen setzt, ist der Versuch, von sich selbst Abstand zu gewinnen. Bei Pascal geschieht das durch den Bezug auf das Weltall und auf die Religion. Bei Enkotten ist es vielleicht nicht die Religion, aber es ist vielleicht eine metaphysische Skepsis, die einen solchen Fluchtpunkt markiert, jedenfalls einen Fluchtpunkt, der auch das Versprechen nach Sinnstiftung, das so viel zeitgenössische Literatur bereitzuhalten, suggeriert, ein Stück weit in Zweifel zieht und bisweilen auch mit Ironie und Spott überzieht. Noch einmal ein Zitat aus einem Text mit dem bezeichnenden Titel Fast dumm. Besonders anfällig, schreibt N. an dieser Stelle, scheinen wir Schriftsteller mit unseren in Spezialecken gestärkten Egos dafür zu sein, die eigenen Erlebnisse als beispielhaft anzunehmen und die eigenen Einfälle unbesehen für überraschend ungewöhnlich, ja game-changing zu halten. Ernst Kunst erschöpft sich eben nicht in einer solchen Poetik des Egos, vielmehr, um nochmal die Phrase von vorhin aufzugreifen, übt sich ihre Literatur darin, von sich selbst abzusehen. Oder, wie Anne mit Blick auf die Metrik des Gedichts einmal formuliert, generell schlage ich evolutionäre statt heroischer, soll heißen auktorialer. Ich habe diese Form gewählt, weil ich diesen Effekt erzielen will und mein Werk und die Mittel zum Zweck dieses perfekt erfolgreichen Werks total unter Kontrolle habe, als Erklärungsform vor. Die Metrik ergibt sich hier, wie sich Spurrillen und Waschbrettstrukturen auf unasphortierten Straßen ergeben. Ein Satz aus dem Jahr 2023. Und das ist ein Gefühl, dieses von sich selbst absehen, wie ich aus eigener Lektüreerfahrung behaupten möchte, das sich auch auf die Lesenden überträgt. Oder noch einmal ein, ein bisschen Stolz hilft immer. Im Moment des Schreibens verschwindet der Unterschied, ob ich es denke, ob es gedacht wird von jemandem, der nicht ich sein muss oder ob der Gedanke von Sprache und Welt erzeugt wird. Aber es kommt auch wieder nur ein Satz heraus. Ein Satz, der auf die Situation wartet, in der er mächtig wird. Und dann kommt ein Akademiker in die Küche und schreibt das auf. Und so fort. Die Küche ist, glaube ich, kein Zufall, der da in den Text Einzug hält als Raum. der da in den Text Einzug hält als Raum. Die Küche erinnert nicht zufällig an das Alltägliche und den Gebrauch des Alltäglichen in der Lyrik, in der Dichtung von Liesl Uivary, die ja mitverantwortlich dafür ist, dass N. Cotten jetzt als Teil der diesjährigen Jury den Heimrath-Becker-Preis empfangen wird dürfen. Liesl Uivary ist ein wichtiger Fluchtpunkt für das Schreiben von N. Und tatsächlich findet sich im Nachwort zur Neuauflage von Uyveris, dem konkreten Poesie geschuldeten Band Sicher und Gut, folgende Bemerkung von N. Gestresst durch den von individualistischem Leidungsdruck begleiteten verzweifelten Versuch, besser zu sein als das normale Leben, wird die Kunst manchmal schlechter, dümmlicher. Dieser Gefahr kann man hinzufügen, erliegen weder N. Cotton noch Liesl Ulveri in ihrem Sprechen, in ihrem Schreiben, in ihrem Nachdenken über Literatur. über Literatur und es fügt sich an dieser Stelle auch noch mal daran zu erinnern, wie Thomas Eder es ja auch schon eingangs gemacht hat, dass ihre Dichtung deswegen auch mit der konkreten Poesie und mit der Geschichte literarischer Avantgarden eng verbunden ist. Der Titel ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung, wenn man so möchte, mit der konkreten Poesie nach der Welt, verweist vielleicht auch einmal mehr auf den langen Schatten der Poetik, von dem N in der Biografie zu ihrem neuesten Band, Poller, spricht. Er bestätigt vielleicht auch die Konsequenz, mit der dieses Werk über die vielen Jahre gewachsen und verfolgt worden ist, dass da nämlich sehr viele Figuren von Anfang an angelegt sind, dass sie aber auch in immer neuen Varianten aufgestellt, vorgeführt, hinterfragt und wieder abgerissen werden. Auch die Fremdwörter Buchsonette bestätigen das aufs Schönste. Thomas Eder hat darauf hingewiesen, dass hier Formen, die zum Teil auch von der konkreten Poesie tradiert worden sind, noch mal hinterfragt werden und vor allen Dingen auch dadurch hinterfragt, dass hier nicht einfach eine Regel exekutiert wird oder eine Methode gefolgt wird, sondern dass der Regelverstoß selbst auch zu einem Prinzip dieser Texte wird. Und man kann vielleicht sagen, dass es weniger darum geht, die Regeln nur zu erschüttern oder abzuräumen, sondern dass das, was eine Regel wird, überhaupt erst verständlich wird, wie Christian Steinbacher mal bemerkt hat in diesem Zusammenhang, dadurch, dass die Regel so konsequent überschritten und unterlaufen wird. Und dieses Unterlaufen und Überschreiten, und damit komme ich auch zum Ende, ist, glaube ich, etwas, das sich auch im Thematischen dieser Dichtung immer wieder findet, immer wieder anzutreffen ist, nämlich auf der Ebene der Beziehungen, die die Autorin, die die Texte nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Dingen und Phänomenen unterhalten, vor allen Dingen auch mit Phänomenen, die sich nicht in Sprache abbilden lassen oder zumindest nicht restlos sprachlich vermittelt und darstellbar sind. Man kann zum Beispiel denken an die Liebe als ein Sujet, das auch schon die Lyrik der Fremdwörterbuchsonette prägt. Das Dichten sagst du, macht dich schrecklich müde, das Ich-Sagen erschöpft mich mehr, sag ich, breit doch dein Wir aus, du, das meint uns beide, und dann machen wir Picknick drauf, heißt das im Sonett, Mythenomie, Wir. Also auch hier werden Beziehungen begründet und hier wird noch etwas anderes vorgeführt, nämlich, dass die Mythenomie mehr ist als ein Begriff oder anders gesagt, wenn es denn nur ein Begriff ist, dass die Begriffe auch die Funktion haben, die Welt zu ordnen, dass mit ihnen auch eine Praxis einhergeht und eine Qualität des gottischen Schreibens scheint mir von Anbeginn darin auch zu bestehen, diese Qualität, diesen Umstand ernst zu nehmen, indem hier nicht nur über etwas theoretisch gehandelt wird, sondern auch gezeigt wird, welche lebenspraktischen Einsichten damit verbunden sind, welche Hindernisse diese Praxis aber auch überwinden muss und wo sie vielleicht an ihre Grenzen kommt. Oder, um vielleicht noch am letztes Mal an Inkotten zu denken und etwas aus ihrem Werk zu zitieren, es gibt ja Wissende da draußen, auch wenn es von niemandem gewusst wird. Liebe Anne, herzlichen Glückwunsch zum Heimrath-Becker-Preis. Danke, lieber Florian Huber. Und danke an die Jury, Thomas Eder, Franz-Josef Cianin, Lise Ulvari und an das Land Oberösterreich und die beiden anderen Partner, oder sind es vielleicht noch mehr. Ich kenne Florian Huber, seit wir uns beim Standardwettbewerb für junge Literatur getroffen haben, da waren wir unter 18. unter 18 und ich finde es fabelhaft, dass wir uns in diesem Kontext, und wir hätten uns das damals niemals vorstellen können, dass wir in der österreichischen Literaturszene so gehätschelt und gehegt und gepflegt werden von den älteren Kolleginnen und Kollegen, dass wir uns hier in diesem Kontext so noch einmal begegnen können. Also insgesamt bin ich in einer sehr allgemeinen Weise von Dankbarkeit erfüllt. So rum, und wenn man noch einen Gedanken hinzufügen kann, bin ich ja auch herumgekommen und auch in Berlin zum Beispiel sehr geprägt worden, was die österreichische Szene und meine Beziehung zu ihr vielleicht auch ein wenig erschüttert hat. israelische Szene und meine Beziehung zu ihr vielleicht auch ein wenig erschüttert hat. Und insgesamt kann man aber von beiden Seiten sagen oder von beiden Dimensionen, die unten haben eine große Toleranz für die oben und die oben haben eine große Toleranz für die unten, wenn man das in dieser Grobheit sagen kann. Und auch dafür kann ich meine große Dankbarkeit empfinden, dass man sich in diesen Zwischenbereichen, dass man da so lange überleben kann und auch die Resonanz, also das Vertrauen in die existierende Resonanz nicht verlieren. Trauern S wächst. Ich habe einen Text mitgebracht, der ein wenig experimentell ist im Sinn von frisch, also offene Gedanken in dem Vorfeld und in dem Kontext sich fügend. Der Text heißt Dranbleiben und greift quasi ein Motiv auf, das in einem Text am Anfang von Die Anleitungen der Vorfahren aufgreift. Das heißt Eine kurze Landung der Suika. Die Suika ist ein Teil der relativistischen Flotte, ein Begriff aus der Science-Fiction von Karl-Heinz und Angela Steinmüller. Also es ist Fan-Fiction, dieses Langgedicht, und darin heißt es immer wieder, also dieses Raumschiff zieht immer weg und dann heißt es, halt, halt, bleiben wir noch einen Augenblick da. Im Grunde bildet dieser Move einen für mich sehr typischen Move beim Schreiben ab, dass ich immer wieder denke, ach, jetzt bin ich fertig, doch noch zurückkomme zu dem Gedanken, um ihn von der anderen Seite zu sehen. So komme ich auch immer wieder nach Wien zurück oder nach Linz. Der Text heißt also dranbleiben. Was pickt, das fliehen wir und kommen doch wieder zurückschauen. Weiteres zur Problematik der Unruhe für Schriftsteller nie, die zumindest zu einem gewissen Grad auf ihren vier Buchstaben sitzen sollten, so Liesl Ulveri, einst zu mir mündlich. Was passiert, wenn sie es nicht schaffen und trotzdem schreiben? Weiters erwogen werden die Implikationen solcher Fluchttendenzen für den Kunst- und Avantgardebegriff in ihrer lockeren soziologischen beziehungsweise lokalen Verankerung, auch in Sozio und Dialekt. In Erinnerung auch an die Phrase Intentionen auf, deren Merkwürdigkeit unendliche Reflexionen auslösen kann. Also Celan interessiert das. Meinung interessiert das. Irgendwie, ja egal, das führt woanders hin. Eins, beim Rückbau der Sitzecken und Ofenbänke der Postmoderne. Dass aber die Schwierigkeit seiner Philosophie in selbstverschuldeter Verwirrung beziehungsweise ihr fröhlicher Radikalismus in der bloßen Lust an der Übertreibung begründet sei, das wird man nicht sagen können. Rhizom-Denken und Schizo-Aalyse, Etiketten eines anderen Denkens, verkleben mit ihrem anarchistischen Slang, was sie bezeichnen. Schreibt Mark Rölli im Schwerpunkt Gilles Deleuze, Einleitung zur Ausgabe Deleuze im Journal Phänomenologie 2002. Es ist eine wunderschöne Metapher, dieses Verkleben, die zwar auf den ersten Blick dezent wirkt, nur um dann bei näherem Hinsehen Erinnerungen an wildes Herumschrubben zu wecken, etwa um Etiketten von beispielsweise Einweckgläsern oder Büchern zu entfernen, um die beetikettierten Gegenstände ihrer nächsten Verwendung zuzuführen. Oswald Wiener würde hier vielleicht Einspeicheln sagen und damit eine Vorstufe der geistigen bzw. wie wir wissen ungetrennt körperlich-mentalen Verdauung meinen. Im Bild beginnen die im Speichel enthaltenen Stoffe schon, das Objekt weich zu machen und zu zerlegen, die internen hartmachenden Verbindungen zu lockern und zu lösen, bevor die Arbeit von mechanischen Apparaten wie Zähne und Zunge und schließlich von der peristaltisch unterstützten Chemie übernommen werden. Im Fall geistiger Q-Objekte, Quasi-Objekte oder Objekte oder Objekte mit dem faulen Einzeichen, das ich noch nicht erfolgreich eingeführt habe, würde man, vertraute man der Metapher, von analogen Zusammenarbeiten mehrerer Phasen und Mittel ausgeben, die einen ausgewählten Teil der Umwelt zu einem Teil eines biologischen Innenlebens verarbeiten. Reste werden dann der Ausscheidung zugeführt, dem Amentes, dem Vergessen oder den Halden des Verdrängten, einem imaginären Container? Nein, bitte nicht. Es sind vergangene Ladungen, deren Rhythmen, dünne Spuren, Erinnerungen, Erinnerungen kann man wohl mit Sicherheit sagen, da das Wort nichts uns Bekanntes bezeichnet, gebrauchter Kombinationen, wie Wege, die man gegangen, Menschen, die man getroffen, Texte, die man gelesen, Musikstücke, die man gespielt hat. Aktuell wird das alles als unnötige Information nicht weiter beachtet. Es steht aber doch irgendwie noch für unerwartete Bedarfe und das Potenzial des Spuks zur Verfügung. Mehr als das in dieser Allgemeinheit ist schwer zu wissen. Vielleicht kann man sich auch ein Holzlager vorstellen. Leim ist Horror, wenn man unaktuelle Lebenszusammenhänge auch wieder abbauen möchte. Schrauben sind gut. Kleber ist generell eine schlechte Idee, so die meinige mobile Ideologie. Kleber macht Zeit in nur eine Richtung gehen. Kleber macht Bestandteile nicht mehr für anderes brauchbar. Genau das aber ist die Strategie des Bauens immer schon gewesen. Zementieren, Fakten schaffen, Deutungen in die Landschaft setzen, die die Wege der Bewohnenden umleiten und nur unter sehr großem Aufwand wieder aus der Welt geschaffen werden können. Verkleben ist ganz auf der Seite von Präsenz und Futur Simplex, um ein Wort von Janine zu zitieren, und in dieser Perspektive gewissermaßen geil. Beim Verkleben werden die internen Verbindungen ja zunächst locker und elastisch gezogen, doch verwandelt sich die locker schmatzende Zusammenfügung im Verlauf des Trocknungs- bzw. Aushärtungsprozesses in enge, möglichst unlösbare Verbindungen oder Beziehungen. In Verrottungsprozessen hingegen ist oft der Kleber das langlebigste. Wie ist es bei der Libido? Das führt in falsche Richtungen. Ein schwerer Vorwurf war diese institutionelle Verhärtung des lockeren Sprechs bei den lockersprechenden der Postmoderne, also nicht schon angelegt, in den anzügenden Positionen als unsubtrahierbarer Teil der Motivation überhaupt und auf diese Weise zu sprechen. Beim Abbau der Sitzecken der Postmoderne wird der Hinternabdruck dieser Leute negativ sichtbar von hinten unten. Zwei, Klebrig revisited, mit so wenig Durchhaltevermögen, einer dieser leicht unrunden Besuche. Ich suche Klebrig bei Freud, weiß, dass ich diese Stelle schon vor langer Zeit gesucht habe. Diesmal ergibt eine Internetsuche als erstes ein Zitat vom Dichter Werner Kofler. Darin der Verweis auf die 22. Vorlesung Freuds. An diesem Punkt war ich schon mal. Die Abzweigungsbereitschaft steigt. Ich, Schlefrig, lese falsch. Zwölfte Vorlesung und finde die folgende Stelle, die mich aber zu interessieren beginnt. Der Traum eines Mannes, der seinen Vater vor mehrerenliegende Dinge. Der Vater ist gestorben, das wissen wir. Dass er exhumiert worden entspricht nicht der Wirklichkeit, die ja auch für alles Weitere nicht in Betracht kommt. Aber der Träumer erzählt, nachdem er vom Begräbnis des Vaters zurückgekommen war, begann ihn ein Zahn zu schmerzen. Er wollte diesen Zahn nach der Vorschrift der jüdischen Lehre behandeln. Wenn dich dein Zahn ärgert, so reiße ihn aus und begab sich zum Zahnarzt. Der aber sagte, einen Zahn reißt man nicht, man muss Geduld mit ihm haben. Ich werde etwas einlegen, um ihn zu töten. Nach drei Tagen kommen sie wieder, dann werde ich es herausnehmen. Dies herausnehmen, sagt der Träumer plötzlich, das ist das Exhumieren. Sollte der Träumer recht haben? Es stimmt zwar nicht ganz, nur so ungefähr, denn der Zahn wird ja nicht herausgenommen, sondern etwas, das Abgestorbene aus ihm. Aber dergleichen Ungenauigkeiten darf man der Traumarbeit nach anderen Erfahrungen wohl zutrauen. Dann hätte der Träumer den verstorbenen Vater mit dem getöteten und doch erhaltenen Zahn verdichtet, zu einer Einheit verschmolzen. Kein Wunder dann, dass im Manifestentraum etwas Sinnloses zustande kommt, denn es kann noch nicht alles auf den Vater passen, was vom Zahn gesagt wird. Wo wäre überhaupt das Tertium Comparationis zwischen Zahn und Vater, welches diese Verdichtung ermöglicht? Es muss aber doch wohl so sein, denn der Träumer fährt fort. Es sei ihm bekannt, wenn man von einem ausgefallenen Zahn träumt, so bedeutet es, dass man ein Familienmitglied verlieren werde. Wir wissen, dass diese populäre Deutung unrichtig oder wenigstens nur in einem skurrilen Sinne richtig ist. Umso mehr wird es uns überraschen, das so angeschlagene Thema doch hinter den anderen Stücken des Trauminhalts aufzufinden. Soweit Freud. aufzufinden. Soweit Freud. Zunächst interessiert es mich, dieses angeschlagene Thema, weil ich von Menschen inklusive mir selbst gelegentlich den horrenden Gedanken hatte, ob sie oder wir nicht schon vor Jahrzehnten gestorben sind. Hirntod auf eine spezielle Weise. Posthistoire, in dem keine neuen Gedanken möglich sind, da zum Beispiel alles verworfen oder als mehr oder weniger irrelevant abgetan wird, was sich nicht im Licht der gegenwärtig etablierten Weltdeutung nutzbar machen lässt. So las ich erst gestern bei Franz Josef einen kritischen Kommentar über diese Art der Bewirtschaftung als Haltung eines Kommentars von jemandem über die Nutzbarmachung von Goethe, der im Prolog zu Faust II ja so aktuell anwendbar sei. Er brachte es gut auf den Punkt und ich wäre nicht draufgekommen, weil ich selbst umgekehrt historische Texte, Zweckseinfühlung in die Vergangenheit lese. Auch wenn dies wieder unter anderem schon auch dazu dient, die mir in vielen Hinsichten nicht wirklich einleuchtende Gegenwart genealogisch zu verstehen, immer natürlich auf der Suche nach archimedischen Punkten und kritische Hebel anzusetzen. Aber die Vergangenheit als Krempellager, das man sich nicht leisten kann zu ändern, aber wo man immerhin immer ein passendes Teil findet und die Vergangenheit als mächtige Präfiguration der Gegenwart, Monumentalarchitektur, Straßenbau und so weiter, sind ja nur zwei Punkte auf einem Spektrum zwischen tatkräftiger opportunistischer Nutzung und vorsichtiger paranoider Beobachtung. Irgendwo in dieses Bad muss ich mich einlassen, wenn ich, wie immer vorgenommen, nie realisiert, nie erfolgreich realisiert, aufhören will, mich herauszunehmen. Lässt man sich aber ein, beginnen sofort die Verdrängungsprozesse zu schwappen. Mehr zum Tod im Leben 3. Gedanken wie das eines quasi nekrotischen Fortlebens nach dem erkenntnistheoretischen Absterben sind furchterregend, besonders wo man sich selbst davon betroffen fühlt. Ich schreibe dies im Postsektal nach einem Gespräch mit unserem Nachbarn Hubert. Unsere Gespräche sind von Wohlwollen und Hilfsbereitschaft seinerseits, Erkenntlichkeit meinerseits geprägt, aber holprig, da ich mich keinem Dialekt zugehörig fühle. Aber auch von meinem Hochdeutsch kann man nicht gerade sagen, dass es sitzt. Es springt vielmehr auf und läuft herum, nach diesem, jenem Schnüffeln, schwanzwedelnd freilich, wie Ilse Kilic manchmal bemerkte. Und Leute finden mich auch grundsätzlich sympathisch, wie mein Freund immer wieder mit Staunen bemerkt. finden mich auch grundsätzlich sympathisch, wie mein Freund immer wieder mit Staunen bemerkt, beziehungsweise es wäre aufwendiger, mich unsympathisch zu finden. Das wittern alle und nur Leute, die sich selbst ganz klare Kriterien haben, meistern diesen Aufwand. Aber alles das sieht nicht nach Arbeit aus, hat offensichtlich keine Ordnung und bringt auch alle anderen durcheinander. Das wird schon noch, meinte Hubert, apropos der unsichtbaren, aber an Spuren in meinem Sprechen offensichtlich erkennbaren Unruhe und zuversichtlichen Ratlosigkeit, die mich zweifellos umgeben, unvermittelt. Die Abläufe werden sich schon finden. Bei der Freiwilligen Feuerwehr trainieren sie den ganzen Winter die Abläufe für den Bewerb und haben gerade den zweiten Platz Silber gewonnen, also wo die jeweilige Aufgabe per Los zugeteilt wird und nicht fix ist wie eine Stimme im Quartett. Hingegen habe ich, wenn sich Automatismen einschleichen, mich sofort im Verdacht. Übrigens sagte meine Schwester, die Cellistin, etwas Interessantes, Übrigens sagte meine Schwester, die Cellistin, etwas Interessantes, dass das Entspannende an der Kammermusik ist, dass die Rollen nicht wechselbar sind. Du kannst als Geige das Cello hassen, aber du kannst leider nicht denken, dass du es besser können würdest. Das habe laut Lucy die Gespräche innerhalb der Quartette sehr gestützt, dieses Wissen, das wir in vielen gesellschaftlichen Diskussionen inklusive Literatur ja nicht haben. Also Aufgabe per Los zugeteilt. Im Silberbewerb, während Bronze, da muss jeder immer nur das machen, was er oder sie speziell trainiert hat. Hingegen habe ich, wenn sich Automatismen bei mir einschleichen, mich sofort im Verdacht. Automatismen bewegen sich in einem Leben wie meinem eher näher an Idiosynkrasien als am üblichen und sind daher als potenzielle Störfaktoren in der Zusammenarbeit mit anderen einzustufen. Ich versuche sie auszubügeln. Ich bin nicht hirntot, sondern lernbereit. Gegenüber Hubert nehme ich sofort wie ein gelehriger Hund die Rolle einer Person ein, die viel jünger ist, als ich bin. Eine Art gelehriger, sensibler, nur etwas verkrusteter und begriffsstutziger Teenager. Was so weit geht, dass ich die Atmosphären nicht richtig erkenne. Aber man kann mit mir nicht gut rumstehen. Also kann man mit mir nicht gut rumstehen. Aber ich habe eine To-Do-Liste voller kleiner Hints, Hints von Hubert, die ich schon teils ausgeführt habe. Ich baue auf diese Kommunikation durch die Füße, durch die Tat, um zu erkennen zu geben, dass meine Ohren funktionieren. Dann ist nicht nur das mentale Weiterleben gesichert, vielleicht wächst das Leben auch noch irgendwann in eine Form, die sich gut an die Bestehende anschließt und doch so beweglich ist, wie die possige Fichtenskyline, die ein bisschen der von Manhattan ähnelt. Vier Weltobsessionen. Ängste, Brennnesselmassaker, Analyse der stellvertretenden Handlungen. Muss es denn ein Irrationalismus sein, der den Hinweis auf eine zweckentfremdete Motivation gibt? Im Gegenteil, sind es nicht die rationalisiertesten Erklärungen, hinter denen sich die Gelüste, die sich am stärksten meinen, verstecken zu müssen, verstecken? Brennnesselmassaker. Eine lange, sinnschwache Tätigkeit, während der man genug Zeit hat, darüber nachzudenken, warum man eigentlich gerade dazu die Motivation aufgebracht hat. Das Moos bleibt da. Im Literaturkontext ist es genug, das zu sagen. Man versteht, was gemeint ist. Alles andere wäre pedantisch und zu lang. Das Moos bleibt da. Im thesigen Kontext hingegen sollte ich erläutern, was ich denn genau damit sagen will und wem und warum, also wie die Ironie genau beschaffen ist. Das nagelt mich auf den Text fest, während bei der Literatur die Bedeutung mit dem Publikum wechseln kann. Ich lasse das mal so stehen, wie die andere Hälfte der Brennnessel halte. Tu mal einer Freude rein. Nein, warte noch einen Augenblick. Noch einen Moment bei diesem hier dranbleiben. Siehst du, wie Motive wiederverwendest, wie Farben, Gesten bei Malern, Moves bei Kunsteisläufer nie, weil dir der Move gefällt, entspricht nicht qua Identität, dass es zu mir passen würde und ich es daher gar bejahen würde. Es antwortet einem Bedürfnis, das ich oft habe, und malt eine Selbstkorrektur nach, die ich oft mache. Aber wenn das die abgekürzte evolutionäre Narrative ist, dieses Zweckdenken nämlich, dann ist die darunterliegende plausible, tatsächliche Geschehnisform die des Energiesparens. So wie man abgekürzt sagen könnte, ein Fluss macht ein Knie, weil es nicht weiß, dass es gerade durchstechen könnte. In Wirklichkeit wird da in jedem Augenblick die energiesparendste Entscheidung getroffen vom Wasser. Also es braucht nicht zu überraschen, dass es Knie gibt. Es zintert allerdings der Text hier in LKR-Modus. Anna Freund hingegen schreibt, nein, LKR schreibt auch sehr knapp, aber auch Anna Freund sehr knapp und sehr plausibel. Es ist also leicht, Schlüsselsätze abzunicken und weiterzulesen, aber eine Erläuterung wie die folgende bringt sehr viele bedenkenswürdige Konsequenzen mit sich. but equally to former defensive measures against the instincts. Thus, he not only transfers undistorted infantile id impulses, which become subject to a censorship on the part of the adult ego secondarily, and not until they force their way to conscious expression. He also transfers id impulses in all those forms of distortion which took shape while he was still in infancy. 5. Plötzlich ein Flash von Erkenntnis. Timing wird mich retten. Jetzt weiß sicher wieder keiner, was ich meine. Ich eigentlich auch nicht. Es ist eine Losung, die den Eindruck macht, als könnte sie sich auf sinnige und von mir noch nicht geahnte Weise bewahrhalten. Gibt es solche Sätze, die sich als Orakel zu erkennen geben? Der Wiederholungszwang. Anna Freud legt den Finger auf den für mich interessantesten Punkt. Das, was wiederholt wird, etwas schon Verwandeltes ist. Aus meiner Sicht, vielleicht gibt es keinen ursprünglichen oder richtigen Trieb, keine Erklärung. Es könnte doch recht zufällig sein, an welchem Ende man das Netzwerk des Verwechselbaren zuerst anhebt. Früher oder später wird man den Rest kennenlernen. Aber je nach dem Ende, wo man es aufzäumt, wird die Erklärung anders lauten, das zu Erklärende anders aussehen. Sechs, weiterlesend Anna Freud, die Fluchtreaktion wird sogar explizit benannt. weiterlesend Anna Freud, die Fluchtreaktion wird sogar explizit benannt. reaction of flight from a positive love fixation in latent female homosexuality or the submissive feminine masochistic attitude to which Wilhelm Reich has called attention in male patients whose relations to their fathers were once characterized by aggression. Ob es sogar ein Markenzeichen ist einer Kaste von Menschen, die früh resignierten, die ihre wirklichen Interessen als völlig unmöglich in der realen Welt einsehen und dann immer quasi pro forma funktionieren, als ginge sie das alles nichts an? So bündelte man andere Kategorien von Menschen zusammen als die übliche Identitätspolitik, die von einem Richtigen ausgeht. Die Rationalisierungen also als cover für Verbotene oder Versagte, aus welchem Grund auch immer, mit schambehaftete Wünsche und dann die Gewohnheit von Vorwänden, ein Labyrinth, eine Wirtschaft von kleinen Lebenslügen und Verschiebungen, entsteht das Bild zu eines Schiebepuzzles. Und aus dem kommt das Bild heraus, das ich von Karl Bühler hier hineinsetzen möchte, nämlich der Funktionslust, die im Grunde viel mehr Driving Force sein könnte als jegliches Trauma, Schmerz oder Schonhaltungen. Die Freude an der Virtuosität im Umräumen von Schonhaltungen könnte wesentlich mehr zu deren Perpetuierung beitragen, auch längst nachdem der grundsätzliche Kleber verrottet ist oder die Situation, die diesen Kleber brauchte. Man kann also froh sein, wenn es so einfach ist wie ein Jogeltisch mit dem Geheimfach für wichtige Dokumente unter der schweren Tischplatte, die so dick ist, dass sie nicht verbrennt, wenn das Haus verbrennt, die Dokumente also geschützt werden. Diese Dokumente. Die Jade, die der Prinz zu viel hat in der Erzählung der Roten Kammer. Der Poller, der als Schildträger vom Bauer der Wassermühlen 2008 benutzt wurde und daher in einer Nasswiese mitten im Stanzertal steht, mit der die Erbauung der Wassermühle erklärenden Aluminiumplakette. Displaced Objects, deren Trajectoire, Karriere, Weg nach A nach B, ein verlässlich vor den Objekten verrottener Kleber. Von da ist alles Reverse Engineering. Ich danke für die Langmut und wünsche uns noch interessante Gespräche und ich danke für den Preis. Es bleibt ein Geheimnis. Es bleibt ein Geheimnis. Herzliche Gratulation. Danke, Thomas. Danke, Thomas. Wir haben uns vorgenommen, ein Gespräch zu führen mit dem Essertreisträger, mit Benedikt Ledebohr, der vielleicht mit ein paar Punkten uns noch den Abend, den Ausklang bringen kann. Der kurze Ausklang zum langen Abend. viel studiert und schreibt seit vielen Jahren einerseits Gedichte, also das poetische Opfer, noch im letzten Jahrtausend erschienen, aber auch mit den Essays die Befassung, wie ich meine, mit grundlegenden Mustern der skeptischen Philosophie, des Skeptizismus in der Philosophie. Und ich möchte einfach ein paar Punkte da ansetzen, aus deinem einen Band Montaigne, der im Jahr 2010 erschienen ist und andererseits die Übersetzung, das ist auch ein wichtiger Punkt in deinem Werk, nämlich die Übersetzung der Dichtung anderer und dieser John Donne, nach John Donne, eine Nachdichtung in einer Reise. Vielleicht kann ich da so einen kleinen Bogen spannen und dich dann bitten, dass du vielleicht auf das versuchst, irgendwie einzugehen und das zu erläutern. Nämlich zum einen gehst du in deinem Sextus Empiricus Kapitel in den Präliminarien in diesem Montaigne-Buch von der Wittgenstein-Kritik an Augustinus aus. Also dieser Beginn der philosophischen Untersuchungen, wo Wittgenstein davon spricht, dass Augustinus ein eigenartiges oder für ihn nicht akzeptables und zu einfaches Bild des Sprachenlernens entwickeln würde. Oder von Sprache an sich. Von Sprache an sich und wie die Sprache sozusagen auch gelernt wird, nämlich in dem Sinn, dass Sprache insofern gelernt wird, als käme ein Kind in ein fremdes Land und lernte eine Sprache und hätte aber schon das Denken und die eigene Sprache. Zweimal wird Augustinus bei Wittgenstein zitiert in den philosophischen Untersuchungen. Und das erste Mal ist es eben dieses Einfache, wo er nur bringt das Beispiel, dass Augustinus in den Konfessionen es am Anfang bringt, wo er sagt, wie habe ich Sprache gelernt, eigentlich, dass die Sprache immer wiederholt wurde und dann habe ich durch Wiederholung gemerkt, wofür sie da sind, die Worte, was mit ihnen bezeichnet wird und er bringt dann, er sagt, das ist ein primitives Sprachspiel quasi, eine primitive Auffassung von Sprache. Und er bringt das dann mit den Farbmustern, wenn er Platten holt, und bringt das da. Und das zweite Mal, wie er das dann bringt mit dem Kind, das kommt in ein anderes Land und die Sprache nicht beherrscht und dann die Sprache lernt. Es kann deswegen lernen, weil es ja schon eine andere Sprache hat. Das ist eigentlich schon der Zweifel daran, an dieser primitiven, also da gesteht er dem August, da spürt er das oder er benutzt es dann eigentlich, wie zu sagen, es ist so, aber da ist ja schon noch mehr da, nicht? nützt es dann eigentlich, wie zu sagen, es ist so, aber da ist ja schon noch mehr da, weil auch beim ersten primitiven Sprachspiel sind eben sehr viele Voraussetzungen schon da, dass der überhaupt von einer Farbskala, mit der Farbskala das zeigen, dass man das sieht. Und wie beim Peter Waterhouse gewesen ist, dieses Zeigen und Nichtsehen, das hat mich daran erinnert, dass Augustinus sagt, Worte bedeuten nichts und eben wenn man deutet, dann sieht man nicht, weil dann hat man ja schon das Schema, was man projiziert auf etwas, was vielleicht sozusagen gar nicht da ist, sondern es ist nur die Aufforderung, schau hin und dann mach das. Und das untersuche ich hin und dann mach das und das untersuche ich dann und dann sage ich eben dass er nicht den eigentlichen Sprachdialog den Augustinus geschrieben hat, den Magistro das ist sozusagen von Kratulos von Platon Dialog wo genau das verhandelt wird mit Hermogenes. Also entweder ist das konventionell, wir einigen uns, was die Sprache bedeutet, das beruht auf Konvention oder der Name hat einen Zusammenhang mit dem, wofür er steht, einen natürlichen Zusammenhang. einen natürlichen Zusammenhang. Und Augustinus korrigiert das in dem Sinn, dass er sagt, ja, Worte bedeuten eben nichts, sie sind Aufforderungen und entweder du kannst eben schauen mit den Sinnen, dich nach außen richten auf das, was da ist und das Wort bringt diese Aufforderung, schau doch oder schau in dich hinein, weil er ist natürlich Neu-Platoniker und glaubt nicht wie Aristoteles, dass wir eine Tabula rasa sind und erst alles sozusagen eingeschrieben bekommen durch die Welt, sondern wir sind eben schon geboren mit einer inneren Orientierung und Schematas, die sozusagen aktiviert werden, wenn wir nach innen schauen. Was hat das auch dann damit zu tun, oder du führst das dann, glaube ich, heraus, dass es diesen Unterschied eben gibt zwischen dem nach außen gerichteten Sprachlernen jetzt wiederum, das durch ein Hinweisen oder ein Zeigen vielleicht, nicht ein Bedeuten, sondern ein Zeigen gemacht wird und das ist nach innen schauen, wie das dann Wittgenstein ja auch sieht, dass es eben das Anschlagen einer Taste auf dem Vorstellungsklavier sei oder dass so ein Bild vor der Seele erscheint, wie das, glaube ich, in den Wittgenstein-Formulierungen in Abgrenzung jetzt zu Augustinus heißt. Genau, in Abgrenzung, weil er eben nicht kennt in dem Magistro oder auf jeden Fall nicht rezipiert zu haben, der kommt auf jeden Fall nicht vor in den philosophischen Untersuchungen, weil in dem Augustinus dann schon eine, da gibt es dann vier oder fünf verschiedene Arten von Zeichen und da kommen auch Dinge vor, die dann bei Wittgenstein vorkommen, zum Beispiel, dass ich irgendwie, erstens zum Beispiel das Zeigen, das Zeichen, dass das Zeigen bedeutet und nicht das, worauf gezeigt wird. Also das Zeichen, das Wort sein bedeutet. Oder dann macht er sich Gedanken eben, wie kann ich etwas verständlich machen, indem ich es vorführe. Aber dann muss ich das ja das Vorführen begrenzen, damit ich verstehe, dass das jetzt beispielhaft zu verstehen ist. Und alle diese Dinge, und da hat eine ganze Hierarchie von Zeichnen, die sich dann auch finden. Ich habe das aber eigentlich, ist es bei mir ja nur, sind das eben nur Präliminarien für die Hinführung zu Montaigne, der in seinem Essay von der Apologie de Raymond Sebon eben diese zwei skeptischen Traditionen der Akademiker und der dogmatischen von Sexus Empiricus in dieses Essay einarbeitet, das ihm ja vom Vater irgendwie aufgezwungen wurde, der sollte irgendwie für die Gegenreformation tätig werden und die Gegenreformation hat die Skepsis eben dazu gebraucht, um sozusagen den Protestantismus, der sich auf rationale Argumente gestürzt hat, irgendwie in die Schranken zu weisen und die Skepsis sozusagen gegen Reformation zu befördern. Und er dreht das dann plötzlich um und wird dann der Skeptiker, der sozusagen auch den Skeptiker selbst irgendwie umwirft. Ja, was könnte das aber alles sozusagen zu tun haben mit deiner Arbeit an der Übersetzung? Du hast ja dann in diesem John Donne Projekt, hast du dann auch das Nachwort. Die überschneiden sich ja auch quasi, die sind ja auch so 20 Jahre, haben sie gleichzeitig gelebt und das hat damals, wie ich diese Skepsis oder wie ich dieses Montaigne Die sind ja auch so 20 Jahre, haben sie gleichzeitig gelebt. Und das hat damals, wie ich diese Skepsis oder wie ich an Montaigne gearbeitet habe, habe ich eben als Ausgleich am Nachmittag dann immer John Donne übersetzt. Und daraus hat sich dann die Beschäftigung auch mit der Übersetzungstheorie ergeben. Und da findet sich ja wieder das Gleiche, dass man sagt, ja eben, da haben wir ja gesprochen, also das mit dem Jakobsson nicht zum Beispiel, dass ein Sprachverstehen nur rein struktural, wo im Sprachverstehen nur Synonyme und Definitionen gelten, das ist Sprachverstehen, oder ist eben Verstehen unterhalb der Sprache, wie weit kann man da sozusagen von generativen Mechanismen oder Bedeutungs... Ich stelle es damals dann, also dort zwischen Descartes, der das radikale Skeptizismus ist, der dann eben kommt, das einzig Sichere ist, dass sich eben Cogito Ergo sung, und dann die skeptischen Philosophen wie Mersenne und Pascal, die wir heute schon gehört haben, und der Mersenne sagt ja, jede Tätigkeit, das kann auch das Scheißen sein, es muss nicht das Denken sein, beweist, dass du bist. Also da gibt es diese Kritik, und ich weiß nicht, was liegt da jetzt auf jeden Fall? Aber welche Spur könnten wir noch finden, nämlich jetzt auch zu deiner praktischen Tätigkeit des Übersetzens, an dem du ja gerade arbeitest, nämlich dass du Tristan und Sarah Wo die Wölfe trinken, übersetzt und dann nicht nur dem Ergebnis der Übersetzung nachhängst, wie ich das verstanden habe, sondern auch dem Vorgehen. Ja, es war eben, wie du auch sagst, du hast ja auch diese Untersuchungen gemacht beim Memorisieren eines Hölderlinns Gedichts und versuchst dich dabei selbst zu beobachten, im Sinne von Oswald Wieners Denktheorie. Und ich habe das damals versucht, mache ich das doch am Übersetzen auch, währenddem ich bei John Dunn noch verschiedene, wo ich dann sozusagen hypothetisch nehme an, es gibt eine generative Poetik, die sozusagen mir aufgefallen ist, bei strukturalen Übersetzungen oder Analysen, wie zum Beispiel das berühmte Gedicht von Baudelaire-Lechart, was von Lévi-Strauss und Jakobson gemeinsam analysiert wird, wo sie zeigen an den verschiedenen Schichten, wie diese strukturale Ersetzbarkeit oder Austausch der Elemente innerhalb eines Gedichts funktioniert. Nicht nur wie bei Lévi-Strauss, dem Mythologiker, wo du zwischen den Mythen sozusagen in Varianzen feststellen kannst und austauschbare Elemente es gibt, die eben die Mythen dann verschieden machen und wo es ja eigentlich nicht darum geht, um die Struktur der Mythen selbst, sondern die Struktur der Austauschbarkeit. Also es ist eigentlich die Struktur der Austauschbarkeit. Also es ist eigentlich die Struktur der Austauschbarkeit, die struktural erforscht wird. Und in meinem Übersetzen habe ich das dann, und dann ist mir aufgefallen, dass da sehr viel historischer und soziologischer und sehr viele Kontexte benutzt werden, um das zu motivieren, diese Art von. Und ich habe dann gesagt, ja, ich mache jetzt das Gleiche beim Übersetzen und versuche sozusagen eine generative Poetik mir zusammenzuzimmern und habe das eben dann philosophisch versucht zu reflektieren. Das ist aber ein sehr, du hast es ja gesehen, das Nachwort. Und so weit würde ich heute nicht mehr gehen. Aber ich mache es immer noch, ich übersetze immer noch und jetzt mache ich eben diese Selbstbeobachtung beim Übersetzen und schaue, was bringt mich, was ich alles berücksichtige dabei. was ich alles berücksichtige dabei. Weil du das angesprochen hast, diese Jakobs- und Levi-Strauss-Analyse hat ja auch eine gewisse Überzeugungskraft und Stärke, gerade bis zu dem Punkt, wo dann doch wieder Bedeutungen zurückkehren. Also wo das nur auf einer rein strukturalen Ebene analysiert wird oder auseinandergenommen wird, ist nichts dagegen einzuwenden, weil es auch eine Art von Abwehr von Subjektivität und von Innerlichkeit und von überhaupt Erleben ermöglicht. Und auf dieser Ebene kann man wohl nur zustimmen, aber sie bleiben dort eben auch nicht stehen. Sie gehen dann noch ein Stück weiter. Und vielleicht kann man auch, um es jetzt nicht zu sehr in den Jakobs, sondern in den Levi Strauss zu gewichten, ein Stück weiter. Und vielleicht kann man auch, um es jetzt nicht so sehr in den Jakobs, sondern in den Lévi-Strauss zu gewichten, du zitierst dann auch Bertrand Russell, der in diesem Dann-Nachwort, wo es dann bei Russell heißt, dass man Käse, also Käse jetzt unter Anführungszeichen, nur dann auch auf eine angemessene Weise verstehen kann, wenn man in einer nicht sprachlichen Art mit Käse jemals zu tun gehabt habe. Genau, bekannt geworden ist. Und das ist sozusagen dann die andere Art, dass man eben sagt, ja, es ist eben nicht die, es ist das, was man kennt und was man schon hat und dann hilft dir das sozusagen, helfen die Namen und dann kannst du dir Begriffe bilden, die werden dann bezeichnet und die haben dann verschiedene Umfänge und deswegen der, der den, der Franzose hat wahrscheinlich ein differenzierteres Käseverständnis als ein Oberösterreicher. Gut, vielleicht ist der Schlierbacher ein ganz gutes Ende auch des heutigen Gesprächs. Und ich darf dir noch einmal zum SE-Preis gratulieren. Wir hoffen sehr auf diese Selbstbeobachtung beim Übersetzen, das auslesen zu dürfen. Ich kann das schon noch sagen, ich bin gescheitert, das hat mir der Ostwald übrigens auch bestätigt, dass da nicht viel zu holen sei in der Selbstbeobachtung beim Übersetzen, weil er eben ja die Sprache, die Worte sind an die Bedeutung gelötet und man kann den Prozess des Verstehens daran nicht beobachten, weil man eben schon die Abkürzung nimmt. Und man kann trotzdem sagen, ja gut, auf was achtest du dann sonst alles, damit das sozusagen irgendwie... Für mich ist es jetzt so ein essayistischer Roman eher geworden, wo ich eben dann meinen ganzen Assoziationen auch folge und wo das Übersetzen der rote Faden ist. Ich übersetze eben Gedichte von Tristan Zahra und sein Gedichtband, und der heißt Waw Lelu, wo die Wölfe trinken. Das ist vielleicht auch noch, um das noch zu ergänzen, dass vielleicht das Gelötetsein der Bedeutung an die Wörter ist der eine Moment und das sind die Abkürzungen, und der andere Moment ist, dass diese Prozesse, die sozusagen zu dieser Umwandlung von sprachlichem Verstehen oder Input in Gedankenprozesse, dass die nichtbeobachtung nicht zugänglich, außer und vielleicht an manchen Punkten kann man so ein Zipfelchen davon erhaschen, wenn es zu Schwierigkeiten kommt oder wenn man etwas missversteht oder wenn eben Fehler auftauchen, die so eine Irritation erzeugen, die dann erfordern, dass man auf einer Schichtenebene annimmt, vielleicht auf einer Schiftenebene annimmt, dass das auf einer höheren Ebene sich dann manifest machen lässt und man darüber etwas sagen kann, aber immer nur auf sehr indirekte Weise. Also Denken und Sprechen hängen nicht allzu tief zusammen, sondern es ist eher eine gewohnte, konventionalisierte Form in dieser Theorie. Es gibt nicht andere Theorien, die das vielleicht auch hineinsteuern, über diese, also wenn das so als Instrument, die Sprache, dann das so, also wenn wir, was wir heute auch schon vielfach von postmoderner Theorie gehört haben, da würde man das natürlich genau nicht so sehen. Ja, dann wir freuen uns auf Zara in der Lektüre der Übersetzung und des Übersetzungsromans, also ein Roman über das Übersetzen oder ein Essaystische ich weiß es auch noch nicht Ja, dann vielen Dank Benedikt Ledebuer und Gratulation zum Dankespreis Gratulation zum Preis. Danke. Ja, das war die Verleihung der Heimrott-Becker-Preise 2026. Ich möchte der Preisträgerin und den Preisträgern nochmal sehr herzlich im Namen des Stifterhauses gratulieren und mich bei allen Beteiligten des Abends bedanken. Herzlichen Dank an Thomas Eder, Peter Waterhaus, Matthias Müller, Florian Huber, N. Cotton und Benedikt Ledebohr. Es war uns eine große Freude, Sie heute alle hier zu haben. Und ich möchte Sie auch noch auf die Veranstaltung nächste Woche am Dienstag aufmerksam machen. Um 19.30 Uhr werden Lisa Spalt und Franziska Füchsel ihre neuen Bücher vorstellen und ins Gespräch mit Ihnen schütztreten. Ja, das war es jetzt von meiner Seite. Bleiben Sie gerne noch bei uns. Trinken Sie vielleicht noch ein Getränk im Literaturcafé, lassen Sie den Abend bei uns ausklingen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen, bald wieder hier im Stifterhaus. Vielen Dank und auf Wiedersehen.