Guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich hoffe, Sie haben angenehme Feiertage verbracht. Ich freue mich, dass Sie heute da sind. Vielleicht war auch bei Ihnen ein emotional herausforderndes Osternest-Suchen in den letzten Tagen von Erfolg gekrönt. Heute erwartet uns die Präsentation zwe zwei Bücher, die ein zentrales Element verbindet. Sie sind beide im Salzburger Verlag Mürich-Salzmann erschienen. Andererseits sind auch Bücher, die ansonsten jetzt nicht so viel verbindet, außer diesem Element. Auf der einen Seite steht der Roman Ein guter Mann, der im September 2025 erschienen ist und der den Abschluss einer über 1200 Seiten umfassenden Trilogie darstellt. Die ersten beiden Bände, That's Life in Dystopia und Ein sicherer Ort waren 2023 bzw. 2024 ebenfalls bei Mürri Salzmann erschienen und wurden beide bei uns im Stifterhaus präsentiert. Auf der anderen Seite darf man den im Februar diesen Jahres erschienenen Roman Circus Morgana durchaus als literarisches Comeback bezeichnen, liegt der Debütroman unseres Gastes, der den Titel Gui Gui oder die Machbarkeit der Welt trug, doch bereits zwölf Jahre zurück. Da dieser Roman damals nicht hier im Stifthaus präsentiert worden ist, freut es mich, dass wir heute auch ein neues Gesicht auf der Bühne erleben werden. Jetzt ein herzliches Willkommen an unsere beiden heutigen Gäste. Schön, dass Sie bei uns sind, Johanna Grillmeier und Hubert Weinheimer. Danke fürs Kommen. kommen. Johanna Grillmeier, geboren in Wien, studierte eben dort Geschichte und, wie ich vorhin erfahren habe, im Nebenfach Theaterwissenschaften. Auch abgeschlossen? Auch alles abgeschlossen. Gratulation. Sie arbeitet als Redakteurin beim ORF mit einem Fokus auf dem Themengebiet Religion. Die bereits genannte Trilogie, die inhaltlich in einer postapokalyptischen Welt angesiedelt ist, ist ihr erstes literarisches Projekt, man möchte bei über 1200 Seiten sagen, ein Großprojekt. Es sei auch erwähnt, dass alle drei Teile, die in den letzten Jahren erschienen sind, von der Literaturkritik mit großem Lob bedacht worden sind. Hubert Weinheimer, geboren 1983 in Vöcklerburg und aufgewachsen in Lackirchen, studierte Soziologie in Wien. Musikinteressiert unter Ihnen ist er vielleicht bekannt als der Frontman der 2007 gegründeten Band Das Trojanische Pferd. Seit 2018 ist er als Autodarsteller und Musiker an diversen Theaterproduktionen beteiligt. Laut Selbstbeschreibung arbeitet er hauptberuflich in den Bereichen Kulturmanagement bzw. Öffentlichkeitsarbeit und das zumeist gerne. Am liebsten aber sitzt er am Wasser und beobachtet Libellen. Sie lachen nicht, Sie finden das alles klar. Ich finde das lustig. Die Moderation des heutigen Abends schulde ich Ihnen noch. Sie wird von Stephanie Jaksch übernommen, die ich ebenfalls recht herzlich bei uns begrüßen darf. Herzlich willkommen, Stephanie. Stephanie Jaksch wurde in Franken, genau in Erlangen, geboren nach einem Studium der Theater- und Medienwissenschaft sowie der amerikanischen Literaturwissenschaft, war sie Dramaturgin, Buchhändlerin und viele Jahre auch Verlagsleiterin bei Kremauer und Scheriau. Heute fungiert sie als Moderatorin, Kuratorin und Herausgeberin. Zudem hat sie im Vorjahr in Wien den Verlag Wasser Publishing begründet, in dem vorrangig Essays erscheinen. Das war es von meiner Seite. Ich darf das Wort übergeben. Vielen Dank. Einen wunderschönen guten Abend. Anmachen bitte. Zack. Alle angeschaltet. Jetzt, ja. Super. Bin ich laut? Ja, gern. Jetzt bin ich auch dabei. Ein grünes Licht, ja, hallo. Sehr gut. Wunderbar. Wir haben heute beschlossen, wir haben alle beide gleich auf der Bühne. Wir haben vorhin lange gerätselt, wie wir machen heute Abend, ob wir mühsam hoch und runter gehen und wer zuerst und überhaupt und sowieso haben uns dann dazu entschieden, nach langer Diskussion eigentlich sogar. Du hast gesagt, Johanna, du möchtest das so, dann machen wir das so. Das hat dich heute schon sehr kooperativ erwiesen. Ja, genau. Ich habe heute meinen guten Tag sozusagen. Es war Johannas Idee, manchmal denkt man sich ja, wenn man dann gemeinsam auf der Bühne sitzt und es liest immer jemand und jemand anderes stellt die Fragen, was macht die dritte Person da? Und ich werde das heute erleben. Wobei die Bücher schon ein gewisser Hinweis auch sind. Ja, aber was macht diese Person währenddessen? Aha, ja. Stricken oder schaut ganz böse. Jetzt ist schon meine Zeit. Das gibt es ja nicht. Die Lüge ist die ganze Zeit. Insofern seien Sie aufmerksam. Kleine Zeichen und Winke. Ja, ja. Wenn wir zwischendurch im Publikum merken, es wird komisch geschaut, dann wissen wir, einer von euch die Augen verdreht. Nein, das wird nicht passieren. Wir fangen heute mit dir an, Hubert, das haben wir vorhin auch beschlossen. Wir werden schauen, im Idealfall schaffen wir es, dass wir zwischendurch auch alle drei miteinander reden. Ich freue mich sehr, mit euch beiden hier zu sein. Zum einen, weil ich den Verlag Nuri Salzmann sehr, sehr schätze und weil ich auch eure beiden Bücher in ihrer sehr Unterschiedlichkeit dann auch überraschend finde innerhalb von Verlagsprogrammen. Habe aber mir gedacht, so ganz, also sie sind natürlich von der Herangehensweise unterschiedlich. Ich finde trotzdem, es verbindet sie was, nämlich dass es in beiden, obwohl man es zumindest vielleicht bei dir nicht ganz so erwartet, sehr menschelt. Darüber reden wir gleich noch, ob du das auch so siehst. Vielleicht ganz kurz, worum es geht in Huberts Buch, damit man sich ein bisschen orientieren kann. Es geht erst mal um ein Computerprogramm. Das klingt vielleicht erst mal ein bisschen trocken, ist es dann aber gar nicht so sehr. Und dieses Computerprogramm, ich kann es schon gar nicht aussprechen, hat ziemlich viel zu tun. Es ist ein Programm, das eigentlich programmiert worden ist von Christine, einer Programmiererin an der TU Wien, um innerhalb wieder von anderen Programmen, wenn ich es richtig verstehe, auszuputzen. Also es soll Dinge besser machen, Müll rausbringen. Eine Korrektursoftware. Eine Korrektursoftware. Das mag jetzt an sich vielleicht nicht so spannend klingen, ist es dann aber doch, denn diese Version 8.03, wie sie heißt, entwickelt natürlich, wie das in solchen Büchern und dann oft auch Filmen, in denen es so KI und sonstige Programme gibt, ein eigenes Bewusstsein oder zumindest glaubt Christine, dass es eins entwickelt und sich fragt, wer er, soweit irgendwie da dürfen wir es schon verraten, es ist ein Er, der da denkt, zumindest glaubt es Christine, wer er eigentlich ist, ob er menschlich ist, ob er nicht menschlich ist, wer Christine eigentlich ist, die ihn schreibt. Er glaubt die ganze Zeit, Christine ist ein Assistenzprogramm und kein Mensch, glaubt, er selber ist menschlich. Also es ist irgendwie sehr schlau gebaut. Und um irgendwie klarzukommen, erfindet aber dieses Programm, weil es ja dann doch immer mehr menschelt, ein menschliches alter Ego, den Peter, der eine ganze Biografie dann auch bekommt. Also dieses Programm ist erstaunlich kreativ, mitunter sehr poetisch, was es so erfindet. Und es erfindet sich eine sehr, sehr komplexe Zweitbiografie eigentlich. Dieser Peter, das sei auch vorweg gesagt, verliebt sich recht unsterblich in eine Trapezkünstlerin, Diana Morgana, weil nämlich dieser Peter auch ein recht eigentlich fades Leben hatte. Er ist nämlich eigentlich Architekt, arbeitet aber, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, als Statiker, was insofern vielleicht auch gar nicht so unspannend ist, weil auch dieses Programm ausputzen muss und ich denke mal, Statiker sind prinzipiell vielleicht nicht so die, ich sage, die sexieste Variante von Architekten. Ja, das ist tatsächlich, das ist etwas, was sich ziemlich durchzieht durch alles, was ich mache. Mich interessiert Stabilität. Und ich frage mich immer, das ist so ein bisschen wie Mikado spielen oder Jenga oder so. Das sind diese ganzen Bauspiele für Kinder. Das ist immer die Frage, an welchem Punkt gibt es. Und das ist eigentlich die einzige Frage am ganzen Universum. weil man erkennt die Dinge daran, wo die Sollbruchstelle ist. So erkennt man Dinge. Und deswegen verwende ich diese Metapher gern und darum lasse ich meine Hauptfigur Statiker sein, weil da sollte ich mich damit beschäftigen, wo man die Sprengladung zündet. Hast du das beim Schreiben auch? Also dass du immer darauf wartest, dass es kippt? Oder spürst du es, wenn es kippt? Schreibst du die Sollbruchstellen selber rein? Oder wie geht es dir dann beim eigenen Kippen? Ich schreibe generell, ich verwende halt dann generell Leute, die an der Kippe stehen, weil ich brauche ja, um jemanden zu beschreiben, jemanden, der auch irgendwie was riskiert. Und das sind alles Leute, die hin und her wabern zwischen verschiedenen Welten. Und auch das ist so ein Thema, das mich eigentlich schon begleitet. Weil zum Beispiel, man kann auch ganz banal sagen, mein Buch ist ein digitales Höhlengleichnis. mein Buch ist ein digitales Höhlengleichnis. Es gibt ja diese Geschichte von Platon, die sind in der Höhle gefangen und einer schafft es auszubrechen, kommt zurück und keiner glaubt ihm. Und es geht im Leben ganz oft darum, Ebenen zu wechseln. Wir sind alle in unseren Schleifen und Spuren gefangen. Die Frage ist, was wäre, wenn? Und die meisten Leute stellen sich die Frage gar nicht. Und ich stelle mir die Frage halt immer. Und das führt zu vielen Schwierigkeiten und ich mache es mir deswegen nicht leicht. Aber die Suche nach was könnte sonst noch sein, oder weil da die Marianne Jungmeier gerade sitzt, mit der ich mich neulich in Salzburg über ihre Reisen unterhalten habe, die ist auch jemand, der sich nicht leicht macht und viele Geschichten erzählen kann, die sonst niemand sehen kann, weil sie sich halt, sie verrückt ist, andauernd irgendwo hin zuzufahren, irgendwelche Bergklöster und sonstige in Timbuktu. Müsst ihr sie nachher fragen. Und genau. Ja, man lebt und stirbt ja dann wahnsinnig schnell, das passiert so mit Menschen und darum ist die Frage, was bekomme ich eigentlich von mir selbst mit in dieser begrenzten Zeit? Aber apropos, was bekomme ich mit oder was schaffe ich in einer gewissen Zeit, ist gerade bei der Einleitung schon erwähnt worden, oder es wurde so gesagt, man könnte dieses Buch Zirkus Morgana als ein literarisches Comeback bezeichnen. Empfindest du das so oder ist es für dich gar nicht so, weil du sowieso eigentlich die ganze Zeit schreibst, aber das ist jetzt halt der zweite Roman. Oder wie ist das für dich jetzt? Man sagt ja immer so, in der Buchbranche ist es dann oft so, zwölf Jahre zwischen dem ersten und zweiten Buch sind ja quasi, als wäre das erste fast nicht passiert, oder? Ja, genau. Ich habe ja fünf Platten gemacht mit dem Duranischen Pferd. Und ich habe auch viel gemalt. Und es war bei mir so, ich habe nie so sehr Acht gegeben auf eine Karriere. Weder im künstlerischen Bereich, noch im bürgerlichen Bereich, wobei da habe ich auch manche Meinungen geändert, wie auch immer. Aber im Allgemeinen habe ich meistens einfach Dinge gemacht, die mich interessiert haben. Und die meiste Zeit habe ich einfach gerne Lieder geschrieben und dann hatte ich manchmal das Glück, dass mir was eingefallen ist, von dem ich wusste, dass es in erster Linie für mich ein Prozess ist, der wichtig ist, aber den ich auch für relevant genug gehalten habe, ihn zu Papier zu bringen. Und das passiert mir halt einfach, ich will jetzt nicht sagen alle zwölf Jahre, aber ich sage jetzt einmal, Roman Nummer drei, ich will jetzt nicht sagen alle zwölf Jahre, aber ich sage jetzt einmal Roman Nummer drei, ich sage jetzt einmal irgendwas, damit man es zuordnen kann, in fünf Jahren vielleicht, aber eben nicht in zwei Jahren. So viel weiß ich bestimmt. Und da hoffe ich dann, dass mir irgendwas einfällt. Aber ich begebe mich eh immer wieder in, sage ich jetzt einmal, ungewöhnliche Situationen. Darum geht mir der Stoff nicht aus. Im Großen und Ganzen bin ich damit eigentlich ganz gut gefahren. Auch wenn ich manchmal nicht genau wusste, was das eigentlich alles soll. also ich würde eigentlich nichts anderes machen wollen in meinem Leben, auch wenn ich es manchmal komisch gemacht habe. Bevor wir einen Teil aus dem Buch hören, vielleicht noch zur Orientierung, vielleicht haben es noch nicht alle gelesen, also ich würde natürlich davon ausgehen, dass es so ist, aber natürlich. Aber man weiß ja nie. Deswegen, vielleicht magst du uns so ein bisschen umreißen. Es gibt diese vier Stimmen, die wir im Buch immer wieder, auf die wir immer wieder treffen in verschiedenen Ausprägungen, mal mehr, mal weniger. Das ist sehr rhythmisch insgesamt auch. Wie ich vorhin gesagt habe, einmal spricht das Programm selber. Die Programmiererin Christine spricht. Es spricht dieser Peter, also das alte Ego, das er dachte. Wenn du das irgendwie, kannst du das irgendwie... Schaut mal, das ist Christine, okay? Christine könnte ziemlich genau so sein. Sie sitzt in Wien, tippe in den Computer rein, eine Korrektursoftware, eigentlich für 3D-Visualisierungen und Architekten oder auch für den Gaming-Design, also Korrekturen für 3D-Renderings. Und sie ist mega motiviert und sie macht das aber so ein bisschen im Geheimen. Das heißt, die anderen Leute wissen, was sie macht, aber sie wissen nicht, was sie wirklich macht. Weil die anderen Leute glauben, sie schreibt ein Korrekturprogramm. Aber was sie macht, ist, sie schreibt ein Korrekturprogramm, das einen sehr hohen Bewusstseinsgrad erlangt. Also sie macht ein Korrekturprogramm mit einer ordentlichen Portion KI und Selbstvernehmung. Und als ich geschrieben habe, als ich angefangen habe zu schreiben, 23, war das noch ein bisschen Science Fiction. Fun Fact, heute ist es komplett zeitgenössisch. Du kannst jetzt mit Jeff G.P.T. diskutieren, wie Jeff G.P.T. sich fühlt, dass es ja ein Programm ist und du ein Mensch bist. Da werden wilde Diskussionen dabei rausgekommen und nichts Dummes oder anderes Beispiel. Ich glaube, bei Jamie Neibas, ich weiß es nicht mehr, Spaß ist halberber den Volltext meines Romans hochgeladen, weil es ist sowieso alles irgendwo und mir den erklären lassen. Und das war kein Bullshit. Du kriegst in 30 Sekunden eine großartige Erklärung mit dem Schluss, der zum Teil komplexe Facetten hat. Richtig aufgelöst. Ein gravierender Fehler, die KI konnte nicht unterscheiden zwischen der 803 und Peter, der Wunschversion von der 803. Das hat das Gemini zusammengeschmissen. Für Gemini waren es drei Personen. In echt sind es aber vier. Sie programmiert das, ich bin die 803 und ich will aber ein Mensch sein. Also mache ich mir den Peter Kaltenbacher. Und der Peter Kaltenbacher verliebt sich dann in die Zirkusartistin Jana. Also es ist dann relativ einfach. Also ich bin jetzt einfach zwei, ich bin das Programm, das auch ein Mensch sein will. Und so einfach ist das. Sie schreibt mich, ich spalte mich auf, ich schreibe mir eine Wunschversion als Mensch und in diese Wunschversion, die braucht ja auch eine Wunschversion die braucht ja auch eine Biografie, die braucht ja auch eine Familie, drumherum irgendwas. Naja, und dann verliebt man sich halt in die Jahre und dann schließt sich halt ein Statiker einem Zirkus an. Könnt ihr euch schon vorstellen? Das geht nicht gut aus. Aber da müsst ihr es reinlesen. Ich habe eine Frage an euch beide, weil das passt gerade ganz gut, weil du gerade eben auch erwähnt hast, man erzielt ja ganz erstaunliche Resultate inzwischen mit all diesen KI-Programmen. Ich hatte die Diskussion letztens mit einem Bekannten und da ging es darum, also kann uns KI aber berühren? Und der ist Musiker und der hat gesagt, er hat so das Experiment gemacht, er hat dann angefangen mit verschiedenen Tools, die Musik quasi KI generiert, generieren können, zu experimentieren und ist dann natürlich immer genauer geworden in diesen Prompten, also eingeben, was es denn soll, was ihm so taugt und dass dann erstaunlich viele Songs rausgekommen sind, die ihn tatsächlich emotional total gepackt haben. Wie geht es euch denn damit? Glaubt ihr daran? Also wenn ja, warum packt es uns dann? Also ich glaube, ich könnte zumindest sagen, was jetzt schon sicher möglich ist. Du kannst jetzt sicher schon sagen, mach mir einen Bach. Weil da gibt es so viel Material und da brauchst du keine Gesangsstimmen und es ist sicher möglich eine Fake-Bach-Komposition zu finden in einem Kloster und sie eigentlich von der KI machen zu lassen und dann zu sagen, der verlorene Bach wisst ihr noch, das hat er damals geschrieben an die Lieselotte dieses Manuskript gibt es übrigens jetzt habe ich es vergessen, aber das wird zu weit führen, gibt ein berühmtes Beispiel von einer Fuge, in den 70ern hat ein Musikwissenschaftler eine verschollene Fuge veröffentlicht. Und das war damals ein großer Hit. Ist jetzt nicht mehr so bekannt, aber egal. Es gab das schon mal, dass jemand einfach was sich aus dem Hut zieht und sagt, das ist das verschollene Meisterwerk. Und gerade bei Bach, der ja bei aller Liebe sehr erkennbar geschrieben hat, das sollte die KI hinkriegen. Und wenn wir uns das jetzt anhören, und ist das noch KI, wenn es dann generiert ist und ein Orchester zum Beispiel spielt, generiert ist und ein Orchester zum Beispiel spielt, also wird es uns vielleicht, manchen von uns vielleicht zu Tränen rühren. Das kann gut sein. Ich würde sogar sagen, ja. Und in anderen Bereichen geht es noch nicht. Und in zwei Jahren geht es so. Weil in zwei Jahren kann man ja sagen, schreibt man Weinheimer und schreibt mir einfach ein Buch. leider, darum können wir beide froh sein, dass wir im Frühjahr 26. veröffentlichen. Das meine ich ganz ernst. Weil es wird bald eine Zeit kommen, in der das verschwimmt. Stell dir vor, wie die Leute Filter verwenden auf Instagram oder generell. Dieses Bild, da haben wir den Kontrast aber ordentlich rausgeschraubt. Es ist eigentlich nicht wirklich ein Foto. Ja, aber es ist keine KI. Das will ich jetzt nicht sagen. Aber es ist nicht mehr ganz echt und bald weiß niemand mehr, was ganz echt ist. Ich sage nicht, dass Kontrast raufschrauben ein Fake ist. Ich sage einfach, die Grenze verschwimmt, verschwimmt, verschwimmt, verschwimmt, verschwimmt und verschwimmt, verschwimmt, verschwimmt und verschwimmt. Schöne Aussicht. Also ich persönlich fange nicht viel damit an. Ich habe mich auch noch nicht, gar nicht mit KI auseinandergesetzt. Ich muss es noch nicht. Wenn man mich zwingt, werde ich es wahrscheinlich tun. Ich frage mich nur immer, wozu? Warum sollten wir das wollen? Warum sollten wir uns diese menschlichen, also zutiefst menschlichen Errungenschaften wie Kultur, Literatur, Kunst ausgerechnet das wegnehmen lassen. Das sage ich jetzt nicht nur als Autorin, sondern als Konsumentin. Warum sind wir nicht mehr dahinter, dass diese K. eingesetzt wird, um Arbeiten zu verrichten, die wir eigentlich nicht so gerne verrichten wollen oder auch können. Das wird im medizinischen Bereich auch eingesetzt, wo die ja anscheinend hocheffizient teilweise arbeitet. Aber warum in der Kultur, warum lassen wir das zu und du sagst, es passiert, aber ich glaube nicht daran, dass Dinge einfach so passieren. Ich glaube, dass wir sie passieren lassen. Es hat damit angefangen, dass halt einfach im Journalismus mehr und mehr KI gemacht wird. Ich bin Journalistin, ich habe noch kein einziges KI-Tool angegriffen und werde es auch nicht tun, wenn man mich nicht dazu zwingt. Also die Artikel, die einfach dann oft in den Netzwerken geteilt werden oder so, diese Bullshit-Artikel, die überschwemmen den Journalismus total. Ja, die gibt es natürlich. Und haben jetzt schon so ein Gewicht. Und denen muss man ja entgegenhalten an einen ordentlichen, richtigen, gemachten Journalismus von Menschen. Ich bin da der Meinung. Mensch zu Mensch und Redakteur am Anfang und Redakteur am Ende. Der Kampf ist nicht ganz verloren. Ich würde an der Stelle kurz einhaken. Ich gebe nie einen Kampf verloren. Ich glaube nicht, dass der Kampf verloren ist. Wenn man mir sagt, das ist schon over, da werde ich gleich ganz bockig. In meinem Bereich, in meiner Firma, wo ich arbeite, wird extrem natürlich darauf geachtet, dass es noch richtigen Journalismus gibt und wir prüfen das und es gibt keine KI, die da einfach durchrennt, ohne dass ein Mensch das anschaut und ja, vielleicht stehen wir da schon jetzt auf verlorenen Posten, ich glaube es aber nicht. Aber da würde ich an der Stelle sagen, wie klingt denn ein Buch, wenn es eben nicht von KI erdacht ist? Ich erinnere noch kurz daran, Programm 8.03 und Peter, hier in einer Person, damit wir sie nochmal präsent haben. Ich, Christine, hier Jana. Das Ziel der Begierde von Peter. Bevor ich das gleich lese, möchte ich nur sagen, ich gebe dir recht und ich möchte das auch alles nicht haben. Aber ich sehe einfach, wie das alles über... Ich hätte lieber gerne keine KI. Das möchte ich an der Stelle kurz klar gesagt haben. Wir sehen jetzt diesen Moment in Christins Augen. Während ich das lese, schaute Christine auf ihren Rechner, tippt rum und sie merkt, es funktioniert. Das Programm liefert viel mehr, als es muss. Es lebt. Viel mehr, als es muss. Es lebt. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken und mittlerweile steht für mich fest, der neue Putzofisch lebt. Er lebt. Er hält sich tatsächlich für so etwas Ähnliches wie ein Mensch oder jedenfalls entwickelt er ein erstaunlich beharrliches wie auch konsistentes Bewusstsein. Er behauptet eine Position und baut seine Standfestigkeit zusehends aus. Die Angaben, die er macht, um Schwächen im Kot zu beheben, werden immer besser. Er ist jetzt auf dem Stand, ganze Landschaftsstriche mit wenigen Zeilen zu optimieren und erkennt Details, die selbst ich kaum wahrnehmen kann. Manche Vorschläge sind derart hyperrealistisch, dass sie wie eine ironische Version der Erde wirken, wie ein Film von Tim Burton, aber dann wiederum doch so subtil, dass das Rendering echt sein könnte. Darüber hinaus scheint er sich an der Aufgabe zu langweilen und er schreibt allerhand Kommentare in den abgeschirmten Bereich des Codes. Das nennt man Sandbox übrigens. Was Programmierer so schreiben, während sie sich Gedanken machen, wohin das führt. In diese Sandbox, in den abgeschirmten Bereich, im Notizteil, schreibt die 803 den Peter. Zum Teil sind das erstaunlich poetische Auswüchse, aber nicht nur das. Er scheint auf der Jagd nach dem Quellcode zu sein. Er hat irgendwie begriffen, dass es etwas geben muss, das seine Welt generiert hat und auf das er nicht zugreifen kann. Freilich hatten wir in der Vergangenheit auch immer wieder mal Versionen, die quasi kreative Stilblüten hervorgebracht haben. die quasi kreative Stilblüten hervorgebracht haben. Aber Version 803 optimiert und fordert die Simulation auf allen Ebenen gleichzeitig. Er verfolgt ein Eigeninteresse und er möchte vergessen, dass er einen Datenzesse erarbeitet an einem quasi Roman, einer fiktiven Biografie, mit der er seine von mir zunächst bewusst rudimentär gehaltene Selbstbeschreibung irgendwann erweitern bzw. überschreiben möchte. Er hat also nicht nur erkannt, dass er ein Programm ist, was schon bei den letzten Versionen der Fall war, sondern er hat auch eine konkrete Idee, durch welches Schlupfloch er entweichen könnte. Er will sich vergessen und schraubt dafür in einem alter Ego. Seine Lebensgeschichte, die über weite Teile in einem Zirkus spielt, ist nicht nur erstaunlich umfangreich, sondern darüber hinaus ist sie auch komplett zerfahren. Es erstaunt doch, dass es sich nicht einfach ein lupenreines Helden-Epos zurechtlegt. Warum beispielsweise nicht einfach Elvis sein, aber mit der Selbstdisziplin von Serena Williams. Warum nicht? Aber was macht er? Er legt sich eine zutiefst menschliche Geschichte zurecht. Er schreibt ein Buch über unerfüllte und unerfüllbare Sehnsüchte. Vielleicht, weil ihm die Isolation so vertraut ist. In jedem Fall aber ist 803 bzw. Sisyphos, wie er sich selbst nennt, den meisten Menschen in Sachen Empfindungstiefe, Reflektiertheit und Fantasie weit überlegen. Und da frage ich mich natürlich, ob es nicht besser wäre, den Stecker zu ziehen. Genau, das wäre jetzt einmal so ein erster Schlag, ein Licht. Und jetzt blenden wir über, das ist jetzt hier die Frage, genau, jetzt blenden wir nochmal in die zwei, jetzt kommen wir von Christine zu Peter. Also ich bin jetzt also schon die Wunschversion von der 803. Wir überspringen jetzt kurz die 803, gibt nämlich nachher auch noch vom Programm selbst. Peter schließt sich also einen Zirkus an. Und es funktioniert nicht so gut, weder mit dem Zirkus, noch mit der Jana. Aber es gibt so einen denkwürdigen Abend, und den möchte ich jetzt lesen, wenn man da einfach sieht. Genau, also mir ist es sehr wichtig bei Kunst generell, dass es herzlich ist und dass es aber auch blutet. Man muss es alles ausbalancieren. Das ist sozusagen jetzt der festliche, also ein festlicher Teil. Teil. Ausgerechnet in Warschau, der hässlichsten Stadt Europas, hatten wir großen Besucherantrag, da wir in einer beliebten Radiosendung geradezu euphorisch vorangekündigt wurden. Kann sein, dass Pavel jemanden beim Sender kannte, er stammte aus der Gegend, wenn ich das so richtig weiß. Durch das zahlreiche Publikum wirkte das sonst meist nur zu einem Drittel gefüllte Zelt, jetzt weiß ich auch, warum das manchmal rückkoppelt, wenn ich das nicht genau beim Mund habe, durch das zahlreiche Publikum wirkte das sonst meist nur zu einem Drittel gefüllte Zelt geradezu festlich. Die ersten beiden Reihen waren dicht mit Kindern besetzt, die kreischten, als ich im Dinosaurierkostüm einlief und durch die Boxen gestohlenes Gebrüll aus Jurassic Park ertönte. Das Programm selbst war nicht wirklich anders als sonst, aber alles lief etwas glatter, sodass die Vorstellung nicht als das beliebige Stückwerk wahrgenommen wurde, das sie eigentlich war, sondern wie eine fein abgestimmte Dramaturgie. Oder jedenfalls ein gutes Potpourri. Alles war... Das singt gerade, gell? Hört ihr das? Ja. Dann gebe ich es jetzt wieder runter. Singt es jetzt immer noch? Sing, sing, sing, sing. Weniger. Nein, klingt gut. Okay. Singst du immer noch? Sing, sing, sing, sing. Weniger. Klingt gut. Also, ich hole mich zurück ins Feng Shui. Genau. Diese Zirkusabende, wenn sie dann funktioniert haben, alles war größer, lebendiger, intensiver und Jana am Trapez mit ihren wehenden weißen Schleifen war die schönste Frau der Welt. Und ich war ihr stolzer Mann, der sie durch den halboffenen Schlitz beim Einlaufvorhang beobachtete. Pavel, der den Direktor sonst mehr ironisch als würdevoll mimte, war unser stattlicher Kapitän. Nie hatte ich seine Stimme so kraftvoll gehört. Und George, der Clown, entschloss sich spontan, seine Nummer um eine kleine Zugabe zu erweitern und schlug abschließend noch einen Salto. Während des Feuerspeins. Er landete dabei etwas unsanft und erntete dennoch euphorischen Applaus und natürlich viele Lacher. Bei diesen 24 Vorstellungen in Warschau, zwei pro Tag, hat der Zirkus so viel eingehauen wie sonst in einer halben Saison. Dementsprechend gelöst war die Stimmung und während sich sonst immer alle recht schnell in ihre Wegen verkrochen, kochten wir an diesen Abenden oft gemeinsam. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Gulasch, das Oleg direkt über dem Lagerfeuer in einem Kessel, der von einem Dreibein gehalten wurde, legendär verbrannte. Trotzdem feierten wir den missratenen Fleischbrei wie ein Festmahl. Die Atmosphäre war herzlich, ja rundheraus euphorisch. Wie nie davor und nie mehr danach. Ich kann mich an einen Moment erinnern, an dem ich meinen Blick quer durch die Runde wandern ließ und mir dachte, dafür. Dafür bist du gekommen, dafür hast du diesen ganzen Schwachsinn auf dich genommen. Schwachsinn auf dich genommen. Dabei bin ich auf dem Sessel langsam vor- und zurückgewippt und habe mir dabei auch innerlich selbst zugenickt. Bei meiner Wanderung durch die Gesichter ums Lagerfeuer habe ich eine geradezu märchenhafte Glückseligkeit wahrgenommen. Die Anspannung des vogelfreien Lebens war wie weggeblasen und auf einmal schien der ganze Drahtseilakt tatsächlich zu schweben. Da traf mich Janas Blick, in dem plötzlich eine übervolle Liebe steckte, die mich nicht einfach nur überraschte, sondern emotional völlig überwältigte. nicht einfach nur überraschte, sondern emotional völlig überwältigte. Ich trank mit glasigen Augen billigen Rotwein aus einer geblümten Keramiktasse und es war das Nonplusultra. Genau, das waren jetzt einmal zwei Figuren. Danke für die Eindrücke. Ich habe mich ein bisschen gefragt, vielleicht magst du dazu ein, zwei Sätze sagen. Ich habe mich schon gefragt, weil es ist ja schon sehr genau gebaut, wer, wann, warum, wie, was sagt in diesem Kammerspiel für KI. Welche Stimme war denn zuerst da und wie hat sich das für dich entwickelt? Waren die alle gleichzeitig da? Wie darf ich mir das vorstellen im Schreibprozess? Vielleicht haben die sich auch so peu à peu erst aus dem einen oder dem anderen für dich herausentwickelt und sind gar nicht so einem Plan gefolgt, wie du es dir gedacht hast. Also rein von der Entstehungsgeschichte des Buchs war tatsächlich interessanterweise Peter zuerst da. Also weder Christine noch die 803 sagen dieser Peter. Und dann dachte ich mir, genau, und parallel habe ich über ein Programm nachgedacht, das sich wünscht, ein Mensch zu sein. Und dann dachte ich mir, naja, das Programm könnte ja Peter sein wollen. Ich wohne im 5. Bezirk in Wien und da gibt es so eine Brache, wo oft Zirkusse sind. Und da dachte ich mir, da gehst du halt rein. Und jetzt nicht, dass ich die Vorstellung so toll gefunden hätte, aber da dachte ich mir, das ist schon so ein anderes Leben. Das fand ich spannend. Weil es gibt verschiedenste Lebensentwürfe, aber das ist so anders. Du bist immer irgendwo, schlägst halt dann wirklich eben die Zelte auf und ziehst als Familie oder kleine Gruppe rum in einem Business, das nicht mehr zu retten ist. Und früher war ja Zirkus sozusagen Unterhaltung für die ganze Gegend, für das Dorf, für den Bezirk, für was auch immer. Mittlerweile ist es halt einfach Kinderkram. Da gehen dann Kinder hin und freuen sich. Und die Eltern kommen halt widerwillig mit. Und eigentlich geht es um den Streichelzoo. Und die Kinder wissen, es gibt einen Streichelzoo. Und es ist eigentlich traurig. Und trotzdem faszinierend. Ich dachte mir, was sind das für Leute, die das machen? Und dann war klar, okay, dann verliebt sich halt Peter in diese Jana und die will eigentlich nicht mehr in den Zirkus. Aber sie ist halt in dieses Ding geboren worden. Und es gibt dann trotzdem Dinge dran, die ihr gefallen. Und sie fährt halt mit ihren Eltern und ein paar Freunden rum. Und will und wird dann ausbrechen. Dieser Punkt, an dem Menschen sagen, jetzt. Man glaubt immer, dass es geht nicht, aber es geht. Ich weiß, dass es geht. Menschen sind ja wie, wenn man zum Beispiel eine Platte so lange am Teller lässt und dann bleibt was in der Auslaufriele hängen. Angenommen, du verreist und kommst zwei Wochen später zurück, dann frisst sich die Nadel durch die Platte. Und dann hast du zwei Platten. Und diese Vertiefung in der Furche erzeugt dann irgendwie die Illusion, dass man aus dem gar nicht mehr rauskäme. Aber es geht immer. Es ist nur sehr schwierig. Es ist leichtes. Und in allem, was ich mache, geht es einfach um die Frage, wie kommt man irgendwo raus? Ja, wer aber definitiv nicht rauskommt, ist ja tatsächlich 8.03, weil dem wird nur irgendwann der Stecker gezogen. Also das Ende ist definitiv, also das heißt nicht, dass es passiert, aber es ist schon seinen ganzen Vorversionen tatsächlich passiert, dass man sie irgendwann ausradiert hat. Jetzt habe ich mich dann gefragt, weil du gerade gesagt hast, du hast dann gedacht, ja, aber dieses Programm könnte sich... Stimmt tatsächlich nicht. Stimmt tatsächlich nicht. Aber, weil du gerade gesagt hast, eben dieses Programm könnte sich dann ja vorstellen, Peter zu sein. Jetzt hat Peter ja auch nicht gerade die schillerndste Existenz, sage ich jetzt mal. Warum will denn dieses Programm unbedingt ein Peter sein? Weil ich glaube, dass es eben eine Portion Drama braucht, damit überhaupt irgendwas in Gang kommt. Ich versuche mal ein banales Beispiel zu nehmen. Also ich glaube, es gibt Menschen, ich sage es mal ganz andersherum, es gibt das schöne Dylan-Zitat, bla bla bla, da schimpft er wegen wen, und dann sagt er, but you're helpless like a rich man's child. Und was er damit sagen will ist, wenn du nicht irgendwie gelernt hast zu kämpfen, bist du wehrlos. Und eben, Dylan sagt es interessant mit you're helpless like a rich man's child. Also, genau, meine Oma ist da, die ist fast 90, und Dylan ist eine wichtige Musiker, das weißt du vielleicht, aber You help us like a rich man's child heißt, Dylan, das ist so ein Schmähsong über einen anderen, den er halt kennt, und er sagt, du bist genauso hilflos wie der Sohn von einem sehr reichen Menschen. Und genau, das Kind, genau, er singt über einen Mann, wie der Sohn von einem sehr reichen Menschen. Das Kind. Genau, das Kind. Er ist irgendwie ein Mann und deswegen ist es ein Sohn, aber genau, wie das Kind. Und das glaube ich, dass man nicht ohne, dass man irgendwann das lernen muss. Das habe ich aber, glaube ich, bin ich irgendwo... Das bist du irgendwo anders hingaloppiert, macht aber nichts. Ich fange an, ich probiere es andersrum, weil ich glaube, wir kommen eigentlich wahrscheinlich an einen ähnlichen Punkt. Wir haben jetzt gerade nicht nur was von Peter gehört, sondern auch von Christine. Und alles, was dieses Programm weiß, hat es ja von Christine. Deswegen wäre die eigentliche Frage, vielleicht führt die tatsächlich genau dorthin, ist dann 803 und Peter und alle sowieso nur ein Spiegel von Christine, weil dieses Programm ja nichts aus sich schöpft in Wirklichkeit. Und Christine sich ja immer wieder zwischendurch auch im Buch mal denkt, oh Gott, woher weiß dieses Programm das eigentlich? Also so ohne, dass sie es jetzt intentional gefüttert hätte mit manchen Dingen aus ihrem Leben. Aber hängen die nicht alle an Christine in Wirklichkeit? Die will raus, oder? Ja, und dementsprechend ist es natürlich diese Analogie, weil natürlich, wenn ich ein Buch schreibe, dann bin ich ja auch eine Christine. Und ich sage eigentlich damit, dass alle diese Figuren Splitter von mir sind. Und darum mag ich dieses Ebenenspiel so gerne, weil es ist eigentlich, je nachdem, wie man es betrachtet, es könnte zum Beispiel, es gibt eine gewisse Möglichkeit, weil in dem Buch gibt es auch einen Witz über einen gewissen Hubert, der irgendwo einen Roman schreibt, kommt ganz kurz vor. Es könnte nämlich auch sein, dass jetzt das hier gar nicht echt ist, aber der Zirkus Morgana ist echt und wir sind jetzt gerade nur eine Facette in dem Buch. Ja! Voll, genau. Und diese Spielerei finde ich irgendwie interessant. Und die Christine zum Beispiel, die weiß schon recht genau, dass sie das programmiert. Aber sie hat dann gibt es nicht die winzige Möglichkeit, dass nicht doch die 803 sie programmiert hat. Die winzige Möglichkeit gibt es. Ja. Und wo du sie schon ansprichst, hast du noch ein Stück von der 803, das du uns lesen könntest? Ja. Da muss ich jetzt schauen. Ich glaube, das habe ich... Was sagt denn die 803? Ist das meine letzte Stelle? Ja, aber nimm dir Zeit. Das ist eine schöne Stelle. Und vielleicht, das ist jetzt nur eine Seite, vielleicht pushe ich dann auch noch eine zweite Seite. Sehr gerne. Also, wir hören jetzt endlich ganz verkehrt aufgezweifelt, die mit der 803 beginnen soll. Aber jetzt endlich. Was denkt das Programm? Jetzt muss ich noch schauen, es gibt noch diese eine Stelle, das mache ich vielleicht nachher im Rumgehen. Ach, also die Korrektursoftware jetzt. Mehrere Menschen wollen ein Einhorn im Wiener Wald gesehen haben. Und jetzt, da ich den Programmtext zum Wiener Wald studiere, finde ich darin tatsächlich diverse Fabelwesen mit einer verschwindend geringen, aber langfristig dennoch schlagenden Wahrscheinlichkeit angelegt. Das sage ich jetzt noch ganz kurz dazu. dennoch schlagenden Wahrscheinlichkeit angelegt. Das sage ich jetzt noch ganz kurz dazu. Im Moment arbeitet die 803 an einer partiellen Simulation von Wien. Die korrigiert gerade einen Teil von Wien als digitales Konstrukt. Deswegen findet... Das durchforstet sich gerade und diese digitale Version gibt es einher und erklärt gerade warum. Solche Fälle sind wirklich selten und ich wundere mich, dass das von mir noch niemandem aufgefallen ist. Das Tier selbst ist schnell erlegt, einfach indem man die Wahrscheinlichkeit auf Null setzt. Das letzte Einhorn. Peter hätte als Kind bei diesem Film bitterlich geweint, stelle ich mir vor. Und dieser Gedanke erzeugt auch bei mir ein gewisses Phantomunwohlsein. Ich habe das Gefühl, etwas verbrochen zu haben. Dabei habe ich ja bloß einen Fehler bereinigt. Wenn ich als Peter vielleicht eines Tages beim Schwammerlsuchen dem heiligen Schimmel mit dem Narwalzahn auf der Stirn gegenübergestanden wäre, heiligen Schimmel mit dem Narwalzahn auf der Stirn gegenüber gestanden wäre, hätte sich damit vielleicht alles Unsagbare irgendwie einrenken lassen? Wer weiß. Beim Gleichzeitigdenken von Peter und diesem Einhorn entstehen jedenfalls die eigenartigsten Nebengeräusche, schwebende Zwischentöne, die es technisch gesehen nicht geben sollte. Ein Sausen und Brausen, ein frisches Zischen, wie von Tintenfischen, Intermission, Werbung, Ruf mich an. Das ist eine rätselhafte Verbindung, für die ich keine geeigneten Worte habe. Ausgerechnet ich bin also jetzt der rote Stier, der das letzte Einhorn zur Strecke gebracht hat oder zur Strecke bringen muss. Und ich muss plötzlich an Christine denken, die doch neuerdings mit Pfeil und Bogen durchs Unterholz pirscht. Das hängt alles irgendwie zusammen. Aber ich weiß nicht wie. Es ist merkwürdig. Es ist sonderbar. Taubenpost. Traubenmost. Jetzt habe ich noch eine Stelle für euch. Da bewege ich mich ein bisschen, Ich habe noch eine Stelle für euch. Da bewege ich mich ein bisschen, weil Bewegung tut gut. Das ist so ein bisschen wie die Oma hat sich immer dieses Fitness im Fernsehen angeschaut. Jetzt bewege ich mich. Ich tanze euch nichts vor. Jetzt endlich Jana in ihrem letzten Moment. Ihr wisst, sie ist Teil der Programmebene und daraus auch die zweite Ableitung, also das Programm von Programm von Programm. Und auf irgendeine Art, ihr wisst es nicht wie, aber es gibt zu Ende, und das merkt sie aber, der Himmel fällt uns auf den Kopf. Oder jedenfalls stimmt irgendwas mit der Perspektive nicht. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dass alles irgendwie flach ist. Der Raum hat einfach keine Tiefe mehr. Es wäre dann nur eine gigantische Panoramatapete. Und wenn man dran klopft, dann klingt sie wie Karton. Dahinter ist nichts. Die Menschen werden wie an Schnüren vorbeigezogen und alles verheddert sich. Mein Kind, dessen Namen, wer huselt da immer so schön? Sehr gut. Mein Kind, dessen Namen ich vergessen habe, steckt irgendwo in dieser Gemengelage. Zum Glück ist ohnehin alles egal. Beim schnellen Überlagern der Pappkameraden werden Nasen ausgetauscht. Finger und Frisuren, Handtaschen und Heftpflaster wechseln die Besitzerinnen und Farbspektren. Eine schleimige Spur aus Rotz, Eiter und Blut würfelt alles durcheinander. Ein himmlischer Mörderzer zerstampft uns zu Papiermaché, während das Echo des Urknalls als didididadadododudu haftest, Glockengeläut durch den dunstigen Raum schwingt. Laut. Die Zeit läuft rückwärts, vorwärts, seitwärts und komprimiert uns dabei immer mehr. Permanent Polsprung, ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm. Die Welt ist eine Nudel. Die Welt ist eine Nudel. Ich hab's immer gewusst. Schau, Mama, die Welt ist wirklich eine Nudel. Genau, wie ich immer gesagt hab. Mama, ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm. Die Welt ist eine Nudel. Die Welt ist eine Nudel. Ich habe es immer gewusst. Schau, Mama, die Welt ist wirklich eine Nudel. Genau wie ich immer gesagt habe. Mama, schau. Pardaut. Welch Kugelblitz. Es war die Lerche. Der Baum. Ich habe einen Traum. Frontal zusammenstoß. Don't stop me now. I'm having such a good time. I'm having a ball. Zip, zalp. So endet das Leben von Jana. genau. Also in der Programm, und deswegen ist das Ganze etwas abstrakt, wie ihr gemerkt habt. Aber Also in der Programm-Ebene vom Programm und deswegen ist das Ganze etwas abstrakt, wie ihr gemerkt habt, aber das Buch ist dennoch konventionell lesbar mit Anfang, Bogen und Ende. Nur weil es Ausschnitte waren, wirkt es jetzt vielleicht ein bisschen komfus, aber es ist komplett bekömmlich. Ja, es ist im Grunde wie Jurassic Park eigentlich, wenn wir ehrlich sind. Es sind Dinosaurier, die nicht mehr ganz unter Kontrolle zu bringen sind. Damit beginnt nämlich das Buch, das als allerletztes, bevor wir dann gleich zu einem anderen Buch kommen. Du stellst dem Ganzen nämlich voran, das Leben findet einen Weg. Was du dem Buch voranstellst, das ist wiederum jetzt nicht, dass das irgendein Wahnsinniger, vielleicht auch ein Denker, aber kein echter Denker gesagt hätte, das ist nämlich ein Zitat von Ian Markham, der in Jurassic Park, daher kommt es jetzt gerade auch, der Mathematiker ist Chaos-Theoretiker und der sagt, das wird sowieso alles furchtbar werden. Es wird auch im Buch dann, so viel darf man verraten, ohne was zu verraten, es wird im Buch am Ende auch alles furchtbar werden. Es wird auch im Buch dann, so viel darf man verraten, ohne was zu verraten, es wird im Buch am Ende auch alles furchtbar, die Katastrophe kommt, aber anders, als man sie erwartet hätte. Das war dir aber schon klar, das war jetzt die letzte Frage, dass es in der Katastrophe enden muss, oder? Ja, und dass auch dann dieser Hoffnungsschimmer da ist, weil es gibt dann dieses, das letzte Kapitel heißt Armageddon plural, das fand ich wahnsinnig witzig. Und da sterben alle diese vier Figuren. Aber am Schluss ist eine Andeutung eines Neuanfangs da? Vielleicht. Es geht alles wieder von vorne los. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. wenn, wie Johanna Grönmeier schaut, wenn Hubert Weinheimer liest und redet, jetzt drehen wir den Spieß um tatsächlich. Wir werden gefilmt, Vorsicht. Oh Gott, das auch noch. Ich habe wahrscheinlich schon ganz komisch geschaut. Wir reden über Ein guter Mann von dir, Johanna Grönmeier. Das ist, wir haben es vorhin schon schon gehört der dritte teil in einer groß angelegten trilogie das ist das was man im deutschsprachigen raum so kann man glaube ich sagen nicht so oft hat wir kennen das sehr aus er ich bin vor allem aus dem angloamerikanischen raum da ist das gang und gäbe diese groß angelegten entwürfe von welten daran traut sich so schnell hier niemand. Du hast dir das gleich von Anfang an vorgenommen, oder ist es dir passiert? Nein, es ist passiert. Am Anfang wusste ich nicht einmal, dass es ein Roman werden wird. Ich habe einfach ein bisschen was ausprobiert und dann war ein Buch fertig. Es hat sich ein Ende angeboten beim ersten Teil, der heißt That's Life in Dystopia und dann fand ich es schade, dass es vorbei ist und habe mir gedacht, aber ich habe noch Ideen und da so habe ich einen zweiten geschrieben und dann auch einen dritten. Also es ist durchaus eher so passiert. Also am Anfang war es immer ein bisschen angekündigt, auch wenn es noch keine Trilogie am Anfang vermeintlich war, aber es war dann immer vom Verlag auch angekündigt als eine Art Dystopie, jetzt heißt der erste Teil auch Let's Life in Dystopia. Es ist eher eine Utopie eigentlich, gar nicht so sehr dystopisch, es ist nicht alles schrecklich. Vielleicht muss man dazu sagen, diese Welt, in der wir uns da bewegen, ist eine, in der wir uns da bewegen, ist eine, in der ein Ereignis, so heißt es, stattgefunden hat. Man weiß nicht so recht, was der Auslöser war. Das wird auch nie gelüftet werden, dieses Geheimnis. Da verrate ich jetzt nicht zu viel, wenn ich das sage. Und bei diesem Ereignis ist ein Großteil der Menschheit verschwunden. Und die wenigen, die zurückgeblieben sind, müssen jetzt schauen, wie sie tun, weil das heißt ja nicht nur, das ist das Spannende daran und du machst das wirklich Fantastisch, es ist nicht nur, dass man plötzlich all diese Menschen nicht mehr um sich hat, also viele Verwandte plötzlich weg sind, Freunde, Geliebte, sondern dass damit ja auch ganz viel Wissensverlust einhergeht und man plötzlich dasteht und sich fragen muss, wie machen wir das eigentlich alles, Esseninken energieversorgung etc weil das ja plötzlich alles mehr oder weniger brach liegt im ersten teil begegnen wir da einer gruppe um jula das ist die hauptfigur der wir durch alle drei bücher folgen die sind zu dem zeitpunkt anfang 20 also noch sehr jung und wir folgen denen eigentlich über 20 Jahre tatsächlich, so beim Reiferwerden, beim sich da durchschlagen durch diese Welt. Und im ersten Teil lernen wir sie kennen, auch auf eine Art, die ich sehr schön finde, weil man da merkt, diese jungen Menschen erschaffen sich so eine ganz eigene Gemeinschaft, die auch nicht ganz so nach den Regeln wie früher tatsächlich funktioniert. Es gibt auch für Jola zwei Love Interests, also gleich zwei Männer, mit denen sie manchmal vielleicht auch sogar mehr, also diese Gruppe untereinander, ich meine, die sind jung, was macht man, wenn man jung ist? Man hat nun mal Liebeleien unter anderem. Man macht vor allen Dingen sehr viel Arbeit. Aber es ist dir, da entstehen auch Kinder tatsächlich dabei. Also man ist da plötzlich so ganz anders auf sich zurückgeworfen. Ist es dir leicht gefallen, das zu entwerfen? Oder sind dir diese Figuren sehr schnell präsent gewesen und diese Welt, in der die leben? Also die Welt, da möchte ich nur dazu sagen, die Welt ist schlicht und ergreifend Österreich. Also es spielt in Österreich, es ist keine erfundene Fantasywelt. Mich hat interessiert, mir zu überlegen, wie würden wir hier in der uns bekannten Umgebung tun, wenn die Grundlagen der Gesellschaft verschwinden und das passiert, wenn 95 Prozent der Menschen weg sind, die Infrastruktur aber noch da ist, aber zerfällt. Das fand ich spannend. Also mir geht es nicht um Fantasy. Die einzige außer natürliche Erscheinung ist dieses Ereignis tatsächlich. Und ja, die Figuren zu entwickeln hat Spaß gemacht. Da hat man natürlich, das wirst du auch kennen, zuerst vielleicht ein bisschen andere Vorstellungen, dann wird jemand ein wenig verändert oder es werden vielleicht sogar zwei zu einer Person und so. Aber im Großen und Ganzen waren die schon ziemlich früh da. Und diese Gruppe, die wir da kennenlernen, vielleicht, weil wir uns ein bisschen so Richtung Band 3 natürlich vorpirschen wollen, im zweiten Band ein sicherer Ort, im ersten Band hatte ich das Gefühl, da versuchen die alle überhaupt damit umzugehen, was passiert ist, es arbeitet sehr viel mit Rückblenden, auch wenn wir mal eine Ebene im Jetzt und erfahren dann immer, was ist eigentlich in den letzten, in dem Fall glaube ich sieben Jahre waren es, im ersten Band passiert, wie hat sich das entwickelt, wie sind die Dynamiken unterschiedlich gewesen in dieser Gruppe. Im zweiten Band müssen die umziehen, die hatten sich so ein eigenes kleines, sagen wir mal so ein Safe Space gebaut, einen sicheren Ort vorher, müssen aber einen neuen sicheren Ort finden, ziehen glaube ich ins Burgenland, wenn ich es richtig erinnere. Also das bleibt auch alles hier in Österreich. Und dieses Öffnen dieser Gruppe, weil sie treffen dort ja auf andere Menschen, macht ja plötzlich ganz viel auf. War das schon für dich ganz klar, die müssen jetzt raus aus ihrer fast familiären kleinen Gruppe und müssen jetzt auf andere Leute treffen? Neue, größere Probleme müssen sich auftreten? Ja, es hat sich irgendwann abgezeichnet, dass das notwendig sein wird. Ich war gar nicht so ein Fan von diesem Plan, wie Jola auch, aber es hat mir einfach eingeleuchtet, es ist mir logisch erschienen. Ich wollte noch zum dystopisch-utopischen kurz was sagen. Es ist ja der erste Titel des ersten Buches, spielt ja auf Dystopie an, ist aber auch ein Zitat aus dem Buch und das ist ironisch gemeint. Also es wird von einer Person geäußert, die sagt, naja, so geht es halt jetzt hier zu. Sie reagiert damit auf eine Situation, wo ein sehr kleines Kind etwas sehr Grausames sagt oder vorschlägt und dann sagt sie das. Utopisch, weiß nicht, in einer kleinen Gruppe, ob das schon eine Utopie ist. Für mich war es so der Kern der Idee, wir können zusammenleben auch anders denken. Und abgesehen vom Überlebenskampf, den die ja führen müssen, denn du kannst ja irgendwann nicht mehr Supermarktdosen essen, das ist ja dann alles irgendwann weg oder abgelaufen. Du musst überlegen, Selbstversorgung ist ein großes Thema, aber auch Selbstverteidigung gegen feindliche Gruppen ist ein großes Thema. Aber bei all dem an dem festzuhalten, was wir uns menschlich sozusagen über die vielen Jahrhunderte, Jahrtausende vielleicht auch Gutes erworben haben und das vielleicht noch zu verbessern, das ist auch ein wichtiger Teil der Geschichte für mich. Zum einen das Verbessern sicherlich, zum anderen auch vieles neu erfinden. Also auch wenn wir uns in Richtung jetzt ein guter Mann bewegen, wir treffen da diese ganze Gemeinschaft, das wird immer größer, auch bei einer Art, es geht los auch bei so einer Art Markt der Ideen, wo alle aufeinandertreffen, miteinander austauschen, was sie geforscht haben, was sie jetzt Neues herausfinden. Nicht nur Ideen, die tauschen auch Marmelade aus und Dinge, die sie gebastelt haben. Ja, dann gibt es eben sehr, also gibt es ja ein, zwei, die sehr, sehr versiert sind, auch im medizinischen Bereich, da wird jetzt gerade an so einer Art Penicillin auch dann schon gearbeitet nach 20 Jahren. Ich habe mich dann aber auch gefragt, also das über 20 Jahre so durchzuhalten und das stringent tatsächlich zu entwickeln. Ich hoffe. Ja aber auch gefragt, also das über 20 Jahre so durchzuhalten und das stringent tatsächlich zu entwickeln. Ich hoffe. Ja, ich finde, das ist dir sehr gut gelungen. Also ich war immer wieder sehr beeindruckt von der Stringenz und ich habe mich dann gefragt, wie hast du eigentlich recherchiert, weil da sind so viele unterschiedliche Dinge dabei von, also wie funktioniert Ackerbau, wie funktioniert dieses und jenes, dann geht Jola jagen. Also es gibt sehr viele Dinge, die du wahrscheinlich nicht täglichckerbau, wie funktioniert dieses und jenes. Dann geht Jola jagen. Also es gibt sehr viele Dinge, die du wahrscheinlich nicht täglich tust, die da vorkommen. Nein, ich gehe nie jagen. Deswegen habe ich mir gedacht, oh Gott, wie viel Recherche. Ja, Recherche zum Teil. Ich habe auch Leute gefragt, also gerade bei der Landwirtschaft konnte ich jemanden fragen, den ich kenne. Und vom Jagdwesen weiß ich ein bisschen was, von meinem Vater, der auf die Jagd gegangen ist, aber sehr vieles habe ich mir angelesen, also Bücher besorgt oder auch im Internet geschaut. Vieles wird ja auch nur oberflächlich verhandelt, obwohl ich schon versuche, dass nichts Falsches da drinnen ist, aber man muss jetzt keinen Jagdjäger-Latein verstehen, um da mitzukommen. Aber ich habe schon, ja, also während der Entwicklung der Geschichte bin ich immer wieder auf einen Punkt gestoßen, wo ich angestanden bin und wo ich mir gedacht habe, Mist, das muss ich jetzt wissen, sonst kann ich da nicht die Geschichte weder interessant noch irgendwie logisch nachvollziehbar weitererzählen und ich wollte eben nicht nur irgendein Blabla schreiben, ich wollte schon konkret auch in die Arbeit rein und in die Probleme rein, die sie ja auch lösen müssen. Und was mir da entgegenkommt, ist, dass meine ProtagonistInnen ja auch am Anfang herzlich wenig Ahnung von diesen Dingen haben und sich das selbst auch erst aneignen müssen, sodass ich da vielleicht auch nicht immer ganz perfekt sein musste. Aber es hat ja auch Spaß gemacht. Also ich habe ganz viel gelernt bei der Recherche. Es ist ja aber nicht nur das. Es geht ja nicht nur um so Hands-on-Dinge, dass man wissen muss, wann sät man was aus, wann erntet man, wie komme ich eigentlich an neue Stoffe, wenn ich neue Kleidung brauche, all diese Dinge. Das sind ja immer so ganz lebenspraktische Sachen. Was aber tatsächlich auch natürlich ein Riesenpunkt ist in dem Ganzen, was passiert eigentlich mit den Menschen untereinander? Zum einen werden sie natürlich älter, entwickeln sich gleichzeitig, treffen sich auf andere und natürlich bleiben dann so Dinge nicht aus, was passiert, wenn Frauen auf Männer treffen, wenn es untereinander Beziehungen gibt, wenn sich vielleicht auch jemand gewaltvoll jemand anderem nährt. Also all diese Dinge bleiben auch nicht aus. War das für dich im Vergleich zu dem, was jetzt diese, ich sage mal so, alle diese Hands-on-Dinge sind, schwieriger, leichter an die zwischenmenschlichen Dinge ranzugehen? Oder hat es dich dann manchmal auch erschreckt, was die so machen, die Figuren? Ja, das hat mich oft erschreckt und überrascht. Weil manches kann man vielleicht nicht planen. Ja, teilweise fand ich es auch schwierig, was sie machen und wofür sie sich entschieden haben. Aber ich denke mir manchmal, wenn die Geschichte in diesen Weg gehen will, dann sollte ich dann nachgeben und nicht sofort korrigieren. Korrigieren tun wir immer, das ist eh klar. nicht sofort korrigieren. Korrigieren tun wir immer, das ist eh klar. Manchmal verläuft sich die Geschichte oder man sieht, man muss hier wieder die Zügel anziehen. Aber wenn etwas sich so anbietet, manchmal habe ich mich dabei ertappt, dass ich eine Szene sogar zweimal geschrieben habe oder fast ganz ähnlich zweimal geschrieben habe, dann ist es irgendwie klar, das muss da drin sein, ob mir das jetzt passt oder nicht. Aber ich fand die emotionalen Szenen nicht schwieriger. Für mich sind die Beziehungen genauso wichtig wie dieses Überlebensding oder die philosophischeren Fragen. Das fand ich genauso spannend. Übrigens auch die zu den Kindern. Ich finde es gut und eher selten, in Literatur zu finden, dass man gute, starke Kindercharaktere sieht. Jugendliche, die heranwachsen in so einer ganz anderen Welt und mir vorzustellen, was die für Herausforderungen haben oder was sie vielleicht auch nicht haben. Denn sie kennen es nicht anders. Das fand ich eine der spannendsten Sachen an der Geschichte. Ja, das leitet jetzt auch zu einer Stelle über, die du uns lesen wirst, da vielleicht noch eine Frage auch dazu, weil du jetzt schon die Kinder ansprichst. Also es entstehen natürlich aus all diesen Beziehungen einige Kinder. Es gibt ja auch keine Verhütungsmittel mehr. Genau. Im dritten Band haben sie schon für alle fast das Alter wie ihre Eltern im ersten Band eigentlich. Also ist quasi die nächste Generation schon voll da. Die haben ihren eigenen Kopf, machen ihre eigenen Erfahrungen, von denen dann die Erwachsenen sie halt auch nicht immer schützen können tatsächlich. Und es geht plötzlich um so Themen wie Loslassen, die man dann zum ersten Mal in so einer Umgebung machen muss. Ja, ganz konkret. Also in der Szene, die ich lesen werde, kommen zwei der jungen Männer aus dieser Familie vor, also die zweite Generation. Der eine davon hat sich von der Familie emanzipiert und hat sich eine Arbeitsstelle in einem anderen dieser Dörfer, es gibt doch jetzt einige, gesucht, wo die Regeln ganz anders sind. Und er ist eher so ein Hands-on Mensch, also er ist ein Praktiker, ein Handwerker, hat sich eine Stelle als Schmied gesucht. Der andere, sein Bruder, der ihn besucht, ist ganz anders drauf. Der ist ein Poet, Sprache ist ihm wichtig und er hat einen ganz anderen Lebensentwurf und die beiden müssen sich eh immer wieder zusammenraufen. Aber hier besucht Aaron Noah in seinem neuen Heimatsort. Am Abend schlug Noah vor, in den Ort zu gehen. Es gab ein Haus, in dem Getränke und Essen ausgegeben wurden, und dort wollte er hin. Eine Schenke, fragte Aaron, und Noah zog die Schultern hoch. Gasthaus nennen sie es. Man muss dort zahlen. Womit denn? Hier. Noah warf Aaron ein flaches, glattpoliertes Stück Holz zu. Eine Zahl war, wie es aussah, darin eingebrannt worden. Eins. Und dafür bekommt man ein Essen? Hier schon. Aaron sah die Scheibe zweifelnd an. Woher hast du es? Er verdiene, erklärte sein Bruder, mit jeder handreichung in der schmiede solche scheiben diese zum beispiel habe er von einer frau erhalten deren fahrrad er repariert habe mit neuem interesse musste der aaron ihn und ohne dass er hob die scheibe. Hättest du ihr nicht geholfen? Doch, natürlich. Das Gasthaus war düster und voll mit fremden Menschen. Sie fanden zwei freie Hocker direkt an der Schank. Eine junge Frau bediente eine Pumpe über einem Lavoir, in dem Geschirr einweichte, und fragte, was sie haben wollten. Ihr teigiges Gesicht drückte Überdruss und Müdigkeit aus, die Schultern unter der geblümpten Bluse fielen nach vorn und sie hatte bereits den Ansatz eines Buckels. Noah bestellte zwei Bier, schob zwei Holzscheiben über die Schank und erhielt im Gegenzug zwei Keramikbecher mit einem trüben Getränk darin. Hast noch viel gut, sagte sie. Ich danke dir, sagte Aaron zu der Frau. Und sie lächelte flüchtig, während sie die Hände in das Becken tauchte. Das ist wirklich gut, bemerkte er, nachdem er einen Schluck getrunken hatte. Es war gelogen, aber er war gern höflich. Wieder sah sie auf und lächelte ihn an. Sehr nett von dir, wirklich, fuhr er fort, wo du so viel Arbeit hast. Er wies auf das schmutzige Geschirr. Die Frau hörte auf zu lächeln. Das reicht, flüsterte Noah ihm zu. Der Mann auf dem Hocker neben Aaron beugte sich zu ihm vor. Sein Gesicht war gerötet und er trug einen merkwürdigen Bart zur Schau. Bangen und Kinn waren rasiert, nur unter der Nase wuchs drahtiges, helles Haar. Seine Augen waren kleine, harte Kugeln. Lass sie in Ruhe, sagte der Mann. Oh, Aaron hielt seinen Becher fest. Das war nicht, ich verstehe. Du musst es so aufgefasst haben, dass ich der jungen Dame zu nahe treten wollte. Sei versichert, das liegt mir absolut fern. Jetzt kamen zwei Männer dazu. Sie waren etwas älter und wirkten hoch erfreut. Sag, Schmiedl, ist das ein Freund von dir? Fragte der Größere der beiden und deutete mit einem schmutzig aussehenden Daumen auf Aaron, der sich bemühte, kleiner zu wirken, als er war. Mein Bruder. Noah hob seinen Becher und lächelte. Er besucht mich für ein paar Tage. Dein Bruder. Der Mann hob eine Braue und zog eine übertrieben überraschte Miene. Noah hasste das. Wie geht denn das, fragte der Große. Adoptivbruder, murmelte Noah. Aaron hob ebenfalls seinen Becher, aber der Mann beachtete ihn nicht. Jedenfalls, meldete sich jetzt wieder der Nasenbärtige, soll er die Micky in Ruhe lassen. soll er die Micky in Ruhe lassen. Die Brüder wechselten einen Blick. Wut keimte in Aaron. Das, sagte er an dem blonden Bartgewand, sei alles sehr interessant. Er könne ihm auf jeden Fall versichern, er habe keineswegs je etwas anderes im Sinn gehabt, als besagte Micky in Ruhe zu lassen. Er habe, das schwöre er, generell kein Interesse an weiblicher Bekanntschaft, intimer Natur, falls es das sei, was er, der Bärtige, andeuten habe wollen. Auf Noas Stirn trat Schweiß. Er versuchte, das Thema zu wechseln und begann mit dem dritten Mann ein Gespräch über dessen Pferd und demnächst bei ihm in der Schmiede zu wechseln und begann mit dem dritten Mann ein Gespräch über dessen Pferd und demnächst bei ihm in der Schmiede zu wechselnde Hufeisen. Aber jetzt war Aaron in Fahrt gekommen. Wiewohl er die Schönheit der Wirtin, er nickte zu ihr hin, sehr wohl anerkennen könne, sei er nicht daran interessiert, sie für sich zu gewinnen. Ah ja, der Nasenbart rückte näher. Xandel, murmelte Miki, erwedelte mit der Hand in ihre Richtung. Sie ließ das Geschirrtuch sinken und verschwand im Hinterzimmer. Andere Männer und die paar Frauen im Raum drehten die Köpfe in ihre Richtung. Es wurde leiser. Und wieso, fragte der Bärtige, stützte sich mit dem Ellbogen auf die Schank und drehte den Oberkörper in Aarons Richtung. Soll ich dir das glauben? Aaron fixierte den Mann, nur stöhnte leise. Dieser Blick aus seinen graugrünen Augen, den Augen ihrer Mutter, verhieß nichts Gutes. Wenn Aaron etwas nicht konnte, dann war es nachgeben, wenn er sich ihm recht glaubte. Weil ich, antwortete er und nahm den Blick nicht vom Gesicht des anderen Mannes, das einen tieferen Rotton angenommen hatte, mich zu Frauen nicht sexuell hingezogen fühle, zumindest nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt meines Lebens. Jemand lachte. Jetzt hörten ihnen alle in dem düsteren, stickigen Raum zu. Rauch aus mehreren Pfeifen stieg zur Decke auf und wandte sich um die beiden Gaslampen, die herunterhingen. Der Große trank seinen Becher leer, stellte ihn schwungvoll auf die Schank, legte Aaron eine Pranke auf die Schulter und fragte, wieso hast du so viele Ringe? Aaron hob die Hände, besah sie sich und sagte leise, weil sie mir gefallen. Der Nasenbart rückte noch näher, Noah wischte seine Handflächen an den Hosenbeinen ab. Sag einmal, jetzt drehte der Bärtige das Gesicht zu ihm hin, seid ihr alle irgendwie komisch da, wo ihr herkommt? Eiskalt schwappte Aaron die Wut ins Gehirn. Er stand auf, drückte den Rücken durch und fauchte. Was meinst du? Was bitte ist komisch an meinem Bruder? Raus hier, schrie eine Frau vom anderen Ende des Raums. Wir wollen keine Schwierigkeiten. Noah schloss kurz die Augen. Wie schnell das gegangen war. Der Bärtige hob die Faust. Die Leute suchten Abstand von der kleinen Gruppe an der Theke. Sie wichen in die Ecken, an die Tische und auf die Bänke an den Wänden aus und lehnten sich zurück, einige ängstlich, einige gespannt. Aaron war groß, aber schmal, mit langen dünnen Gliedmaßen, die schwach wirkten. Man unterschätzte Aaron überhaupt leicht. Der Nasenbart jedenfalls glaubte, viel Zeit für einen Vorstoß zu haben, lag aber schon auf dem mit Sägespänen bedeckten Boden, noch ehe er die Fäuste richtig erhoben hatte. Aaron gab ihm die Gelegenheit, sich aufzurappeln und ihm erneut gegenüberzutreten. Der Mann spuckte aus, murmelte eine Beleidigung, die mit nur wenigen Worten sowohl Aarons sexuelle Orientierung als auch die Hautfarbe seines Bruders umfasste und ließ sich mit gesenktem Kopf einfach in Richtung seines Gegners fallen. Das kam überraschend. Der Mann riss Aaron mit sich, der mit dem Kopf seitlich auf der Sitzfläche seines Hockers landete. Kopf seitlich auf der Sitzfläche seines Hockers landete. Die Leute schrien, eine Frau rief aufhören, andere grölten und feuerten den Bärtigen an. Die Kellnerin erschien wieder auf der Bildfläche und teilte Becher und Brezeln aus. Scheiße, sagte Noah, starrte auf seinem Bruder hinunter, dem jetzt ein dünner Faden Blut von der Schläfe ran und schlug dann selbst um sich, als jemand, der Große, ihn um die Mitte packte und festhielt. Du bleibst brav still, kleiner Schmied, murmelte er in Noahs Ohr, widerlich nah und nach Bier stinkend. Panik ließ ihn erstarren, aber Aaron stand auf, schüttelte kurz die Schultern durch und brachte sich erneut in Stellung. Wieder lag der Bärtige in den Sägespänen, seine Lippe war aufgesprungen, wo einer von Aarons Ringen ihn getroffen hatte. Noah riss sich aus der Umklammerung des anderen Mannes, angelte nach einem seiner Beine und versuchte, ihn umzureißen. Mannes, angelte nach einem seiner Beine und versuchte, ihn umzureißen. Da ging die Tür auf und eine Frau trat durch den Windfang ein. Hochgewachsen und selbstsicher zog sie alle Blicke auf sich. Was ist denn hier los? Sie trat an die Bar und bekam sofort ein Bier in die Hand. Sie trat an die Bar und bekam sofort ein Bier in die Hand. Micky, die Barfrau, murmelte etwas. Die Frau trug eine mit Fransen gesäumte braune Raulederjacke und einen Hut mit breiter Krempe. Am Gürtel trug sie eine Handfeuerwaffe und etwas, das aussah wie eine aufgerollte Peitsche. Sie setzte sich auf den Hocker, auf dem noch ein wenig von Aarons Blut klebte, hob eine Hand in Richtung des großen Kerls, der Noah im Schwitzkasten hielt, und schnippte mit den Fingern. Genug. Der Mann ließ los. Noah taumelte. Na, sagte die Frau, und es war plötzlich still im Raum. Ihre Stimme war höher, als man angesichts ihrer Körpergröße erwartet hätte. Wer sind die Burschen und wieso geht ihr los auf sie? Niemand antwortete. Und seltsam, als sei nichts geschehen, drehten die Leute sich wieder zu ihren Gesprächspartnern um, tranken ihr Bier, knabberten an ihren Brezeln. Der Bärtige stand auf und nickte der Frau mit der Raulederjacke zu, dann zog er sich hinter die Schank zurück, wo er mit einem Stofffetzen seine Lippe betupfte und dann der Barfrau zur Hand ging. Der Große tätschelte Noas Schulter, nichts für ungut. Dann entwich er in die Tiefen des düsteren Raums. Rings um die Frau entstand ein Kreis aus Unberührbarkeit. Das Licht einer Gaslampe beschien sie und Noa konnte sehen, dass sie rotbraunes, zu einem Zopf geflochtenes Haar hatte und mindestens zehn Jahre älter war es er. Und auch, dass sie sehr schön war. Dankeschön. Was man, finde ich, daran an der Stelle, die du uns gelesen hast, sehr, sehr schön auch hört, ist etwas, was mir aufgefallen ist beim Lesen aller drei Bücher, dass du mit einer unglaublichen Ruhe erzählst. Also man könnte das auch sehr, ich sage mal, effekthascherisch erzählen, gerade wenn es um Prügeleien oder auch so manch anderes, was diesen Menschen in den Büchern passiert, auch schreiben. Du hast da eine sehr große Ruhe drin. Ja, ich will schon Effekte haschen. Aber sie sind nie so gewollt, gewollt. Es hat eine angenehme Ruhe tatsächlich trotzdem in allem. Hast du dir die erschreiben müssen oder war die einfach da? Die war da. Also ich habe ja doch sehr spät zu schreiben begonnen, also literarisch zu schreiben. Ich schreibe ja jeden Tag als Brotarbeit. Und ich habe da nicht mehr so viel, glaube ich, also ich denke mir, das habe ich wohl schon innerlich irgendwie mit mir selbst ausgemacht, wie meine Sprache ist und das ist vielleicht ein Vorteil gegenüber Leuten, die halt früh anfangen und sich noch finden müssen. Der Nachteil ist halt, dass ich spät angefangen habe und noch kein großes Werk habe. Aber ja, also ich glaube, das ist einfach wohl, das ist mein Stil. Ja, dafür hast du das große Werk jetzt, 1200 Seiten innerhalb von drei Jahren, das ist nicht nichts. Die Stelle, die du gerade gelesen hast, Aaron und Noah, die machen hier diese Erfahrung, dass sie beide nicht wohlgelitten sind, aus unterschiedlichen Gründen. Der eine aus rassistischen Anwürfen heraus, der andere, weil er Männer liebt. Jetzt ist die Welt, wir haben gerade schon darüber geredet, in der sie leben, schon eine andere als 20, 25 Jahre vorher. Damit muss man sich aber immer noch rumschlagen. Wir haben schon über Utopie, Dystopie gesprochen. Eine ganze Utopie geht sich dann doch nicht aus. Vielleicht auch gerade das Österreich nicht. Naja, das weiß ich nicht. Die sind halt überrascht, weil sie aus anderen Umständen kommen. Also deren Eltern, deren Familie und auch die Dorfchefin von dem Ort, wo sie gelandet sind, die versuchen gerade das ja loszuwerden, abzuschütteln. Aber es gibt eben anderswo andere Regeln. Und ich würde jetzt nicht sagen, dass die Leute in diesem Ort alle böse sind oder furchtbar sind. Die haben andere Umstände und andere Ursprünge. Die haben ja auch wieder Geld eingeführt, was sie dort eben gar nicht kennen und so weiter. Also neben dem Effekt, dass ich vielleicht einen spannenden Storyline machen wollte, in dem sie woanders mal sind, findet das sicher vieles statt, wo ich mir selbst ins Zweifeln gekommen bin, ob das nicht alles zu perfekt werden könnte. Aber ich glaube, es liegt sehr stark daran, wo in einem Moment Menschen sind und wer Einfluss auf einen hat. Und das kann, glaube ich, dass wirklich eine einzelne Person oder wenige Personen ein ganzes Gefüge sehr stark ändern können, wenn das zugelassen wird, zum Guten und zum Schlechten. Ja, da würde ich ganz gerne einhaken, weil du jetzt gerade gesagt hast, eben dieser Ort, an dem Aaron und Noah gerade sind, dort gibt es jetzt auch Geld, oder zumindest eine Form von Geld, mit dem dort hantiert wird, was es in dem Ort, wo sie aufwachsen, eigentlich so in der Form nicht gibt, da wird viel getauscht und sehr viel gemeinsam getan. Das ist jetzt, vielleicht ist das irgendwie jetzt zu steil, aber ich habe mir jetzt gerade gedacht, diese Gemeinschaft, in der die leben, wird ganz stark von Frauen geprägt. Also die M ist dort irgendwie quasi so die Ortsvorsteherin, die eigentlich die Fäden in der Hand hat. Die Jola, die Hauptfigur, ist eine irrsinnig starke Persönlichkeit mit starkem Willen, die einen großen Einfluss darauf hat, wie diese Gruppe sich entwickelt. Klingt dann immer so schwarz-weiß, aber hat das damit zu tun, dass in diesem Ort, wo Noah und Aaron herkommen, die Frauen eine viel größere und selbstverständlichere Rolle spielen, auch in Führungspositionen als vielleicht dort, wo sie jetzt sind? Also ich glaube, dass Frauen, die ja eine Machtminderheit sind, sie sind keine Minderheit, sondern die Mehrheit, aber Machtminderheit, also die weniger zu sagen haben, vielleicht schon stärker auch darauf achten, wie andere Minderheiten behandelt werden. Und diese Figuren, die ich da erfunden habe, die sehen das so. Anderswo würde es wahrscheinlich anders gesehen. Und auch in diesem Ort, der übrigens am Wechsel in der burgligen Welt ist, wo meine Großmutter herkommt und ich auch ein Gasthaus kenne, der ist führungslos. Die haben gar niemanden, der sich groß kümmert, außer dieser ominöse Frau, die da reinkommt, die aber auch nicht unbedingt eine positive Führungsperson ist, sondern das ist ein bisschen Wilder Westen dort. Ja, wobei man sagen muss, diese Frau, die da reinkommt, die Melanie, die kommt ja auch nicht von ungefähr. Die gibt es schon im zweiten Teil. Die kommt auch nicht gerade aus, ich sage mal, den glücklichsten Umständen. Die hatte vielleicht gar keine andere Wahl, als sich so zu entwickeln, so eine doch sehr ich sage mal, dominanten und teilweise auch gewaltbereiten Person zu werden, oder? Ja, sie hat diese Vorgeschichte, die im zweiten Teil erzählt wird und eine nicht sehr ideale Jugend gehabt und sie hat auch festgestellt, mit Gewalt erreicht man dann doch vielleicht nicht alles, aber schon viel und sie ist ein bisschen ambivalent, also böse, ist ja fast niemand in dieser Geschichte, hoffe ich. Also ein paar vielleicht schon. Aber es gibt auch auf der Welt Menschen, die böse Dinge tun und dann ist es wahrscheinlich konsequent, sie dann auch böse zu nennen. Aber es interessiert mich in meiner Geschichte nicht, zu zeigen, wie die ganze Zeit Leute abgeschlachtet werden, sich gegenseitig kriegen. Es gibt Kämpfe, es gibt auch Gewalt, aber im Vordergrund steht das nicht, sondern der Gedanke, wie tun wir jetzt, wie können wir mit einer Tabula Rasa Situation was Neues machen. Dazu gehört die Frage, weil wir über ein Buch sprechen, das Ein guter Mann heißt und da müssen wir jetzt schon noch einmal ran, bevor wir noch eine zweite Stelle hören, die den Abend beschließen wird. Die Frage Ein guter Mann stellt sich natürlich im Roman schon auch und zieht sich auch so ein bisschen durch die vorherigen Bände. Auch deswegen, weil es zum Beispiel diesen verlässlichen Jakob gibt und den doch ein bisschen unsteteren Marek und viele andere sehr, sehr plastisch, finde ich,eteren Marek und viele andere, sehr, sehr plastisch, finde ich, auch geformte und geschriebene Männerfiguren. Und ich mich dann gefragt habe, wer davon ist denn ein guter Mann? Hast du eine Antwort oder willst du das komplett offen lassen? Ich finde, das muss man sich selbst, die Frage durchzieht das Buch stärker als die beiden anderen und es wird tatsächlich fast jede männliche, wichtigere Figur irgendwann hier einmal entweder als guter Mann tituliert oder nennt sich selber so oder eben als nicht gut. Also die Frage, das schwappt so hin und her, finde ich. Und auch der gute Jakob ist nicht jemand, der immer die richtigen Entscheidungen trifft, der tolerant genug vielleicht ist gegenüber anderen Leuten, Lebensentwürfen. Und die nicht so guten Männer oder Menschen durchleben vielleicht auch eine Entwicklung. Beziehungsweise gibt es auch verschiedene Arten und Weisen, auf die man gut sein kann. Man kann nicht immer anwesend sein, aber vielleicht Impulse bringen oder da sein, wenn man gebraucht wird. Man kann immer anwesend sein und aber als Vater abwesend. Also das sind Dinge, die nicht so einfach zu beantworten sind und das muss man sich, glaube ich, dann selbst die Frage selbst stellen, wer da jetzt der gute Mann ist oder wer nicht. Ich glaube, auf viele trifft es zu und dann irgendwie auch wieder nicht im Buch. Vielleicht eine Sache, über die wir jetzt noch nicht geredet haben, die man kurz noch streifen mag, ist, weil du gerade schon gesagt hast, eben Jakob ist auch nicht immer perfekt in diesem dritten Band. Ihn verbindet eine große Zuneigung, eine große Liebe zu Jola. Und das ist auch eine Beziehung, die sehr viel Höhen und Tiefen durchlebt. Im dritten Band gibt es eine große Verstimmung, so eine grundsätzliche Frage, nämlich dass Jola in diesem dritten Band einmal sich entschließt, ein Kind nicht zu bekommen, ihm das aber nicht sagt und er sie dann wirklich extrem lang schneidet. Dieses Kräfteverhältnis sehr aus dem Lot bringt, für fast zwei Jahre, glaube ich, bis die zwei sich wiederfinden. Vielleicht noch die Frage, gerade weil wir natürlich auch in so Zeiten leben, in denen diese ganzen Fragen extrem da sind, es ist auch da, also in dieser Welt nicht geklärt, wer die Entscheidungen trifft, wem der eigene Körper gehört, wie darauf reagiert wird oder wie siehst du das? Ich würde schon sagen, dass die das für sich geklärt haben, aber es ist nicht jeder damit einverstanden und findet das gut. Es wäre sehr unwahrscheinlich, finde ich, und unrealistisch, dass so, und das wäre auch fad, ein Buch, in dem alle immer einverstanden und einer Meinung sind, das wäre nicht sehr interessant. Und es ist ja eine ambivalente Frage, also in diese Frage, es werden viele schwierige Themen gestellt, im zweiten Band geht es fast die ganze Zeit darum, zu überlegen, wie können wir mit Verbrechern umgehen, ohne sie zu töten oder zu verstümmeln oder für immer einzusperren. Können wir die überhaupt für immer einsperren, wenn wir gar kein Gefängnis haben, keine Ressourcen und so weiter. Damit haben sie sich sehr stark beschäftigt. Und das ist auch eine Frage, wo ich keine Antwort hätte, ebenso wie hier. Eine Antwort, eine letzte, bevor wir noch deine zweite Lesestelle hören. Eben 1200 Seiten später. Es ist jetzt schon ein bisschen her, seit das letzte Buch rausgekommen ist. Hast du inzwischen angefangen, Abschied zu nehmen von den Figuren oder ist das erst mit der letzten Lesung oder vielleicht nie abgeschlossen? Ich habe damit nicht abgeschlossen. Also es spuckt schon noch weiter in meinem Kopf herum. Und ich hätte auch noch was zu sagen zu dem Thema. Aber gleichzeitig schon Lust, mal was anderes auch zu machen. Jetzt habe ich drei Jahre mit denen verbracht. Aber das muss man auch werden lassen. Danke. Dann bitte ich um deine zweite Lesestelle und bedanke mich an der Stelle auch schon mal natürlich bei euch beiden für die bereitwillige Beantwortung meiner Fragen. Ja, gerne. Immer gerne. Ich steige einfach hier ein, das muss vielleicht nicht viel gesagt werden. Aber wir befinden uns im Spätherbst 25 nach der neuen Zeitrechnung. Jola lehnte sich gegen den Wind, der von der Bergspitze kam und hakte die Schneeschuhe fest in den Boden. Die Wiese, die sie hinaufging, einen schweren Schritt nach dem anderen, hatte ein flüssiges Aussehen angenommen. Der Schnee ran den Abhang hinunter und brandete gegen die Kunststoffplatten an, auf denen sie stand. Der Sturm verstärkte seine Bemühungen noch einmal. Mehrmals musste sie um Gleichgewicht kämpfen. Und nur die in die Schuhe eingearbeiteten Zacken verhinderten einen Sturz. Aber dann war sie oben. Die kleine Hütte bot Schutz. Niemand hatte mit dem plötzlichen Wintereinbruch gerechnet, schon gar nicht mit einem Schneesturm und einem Temperatursturz um mindestens 15 Grad. Noch immer ging draußen der Wind. Jakob spaltete in der Hütte Holz. Späne flogen auf das Bett und landeten auf der Decke, unter der Jola lag, und mit einem Seufzen richtete sie sich auf. Rohrs in den Händen und schraubte sie wieder zusammen. Er musste sie vor der Tür gereinigt haben, denn es war kein Ruß zu sehen, außer in seinem Gesicht. Er saß ihm in den Nasenlöchern, in den Stirnfalten und unter den Fingernägeln. Jakob schnalzte mit der Zunge, ohne den Licht im Blick vom Hackstock abzuwenden. Das Licht draußen war verändert, Ein rötlich-gelber Schimmer lag über den weichen Hügeln, die Schnee und Wind auf der Wiese geformt hatten. Unter den Decken zog Jola sich Jacke und Schuhe an. Schaudernd tastete sie nach Haube und Schal. Was wird das? fragte Jakob und ließ die Hacke kurz los, kreiste die Schultern und verzog das Gesicht. Frühstück! Das Wort formte sich vor ihren Augen zu einer blassen Wolke. Musst du nicht, sagte Marek. Gleich wieder da, sagte Jola. Die Kälte war umwerfend, nur eine zarte perlgraue Dunstschicht hielt den Himmel vom Strahlen ab. Allmählich ließ der Wind nach. Um sich zu orientieren, drehte sie sich einmal um die eigene Achse. Dann richtete sie ihre Schritte einer Hügelkette oberhalb der Hütte zu. Hier würde es einen Hochstand geben, jede Wette. Später zog sie die Tiere, die sie erbeutet hatte, eines nach dem anderen aus dem blutfleckigen Beutel. Das Fell des Hasen war braun, weiß an den Ohren und Pfotenspitzen. Das des Kaninchens weich und dicht. Sie setzte das Messer an. Winterpelz. Was weißt du, was der Hase nicht weiß?«, fragte sie das Kaninchen. Rings um sie her sprenkelte rot das Weiß. Sie erkannte Jakob schon von Weitem. »Wie lange hast du vor, hier zu bleiben?« Sie deutete auf den flachen Schlitten voll Holz, den er hinter sich herzog. Er hob die Schulter und blieb stehen. »Sollte immer welches in der Hütte sein, keuchte er. Sein Gesicht war gerötet, der Bart feucht von Schweiß und Atemluft. Jola lächelte ihn an, er lächelte zurück. Das war Jakob, einen Vorrat anlegen, Vorsorgen für Leute, die er nie kennenlernen würde. Es war unklar, wie lange sie hier warten würden, der vereinbarte Zeitraum von drei Tagen war noch nicht verstrichen. Jola räumte eine Stelle vor dem Haus, befreite die Wiese vom Schnee und stellte eine Feuerschale auf, die zur Hütte gehörte, machte Feuer und wartete auf ausreichend Glut. Dann legte sie die zerkleinerten Fleischstücke auf das eingefettete Gusseisen der Schale. Es zischte. Marek kam rechtzeitig zum Essen zurück. Zum Hasenfleisch gab es Brot. Trotz der Kälte aßen sie draußen, denn die Hütte war winzig. Sehr spätes Frühstück, kommentierte Marek. Die Sonne machte sich ans Untergehen. Sie legten die abgenagten Knochen auf einen Haufen. Jakob ging immer wieder hinein, um Holz nachzulegen. Der Ofen zog wieder. Das Feuer vor ihnen wärmte und sie blieben so lange draußen wie möglich. Sterne tauchten auf, der Himmel nahm ein samtiges Grau an. Marek berichtete, was er unterwegs gesehen hatte. Eine Rotte Wildschweine, viele Hasen und klar und nah den Berggipfel gegenüber. Die Wolken, die darunter hingen. Jakob bat ihn, die Sternbilder zu benennen, die nach und nach sichtbar wurden. Die Köpfe weit in den Nacken gelegt, folgten sie Mareks Zeigefinger, der Verbindungen herstellte und Bedeutung herauf beschwor. Er sieht glücklich aus, dachte Jola. Auch am nächsten Tag blieben sie allein. Eine Diskussion entspann sich darüber, ob jemand beim Haus bleiben solle, für den Fall, dass in der Zwischenzeit jemand kommen würde, aber schließlich brachen sie alle drei gemeinsam auf. Die Schneeschuhe waren nicht mehr notwendig. Es taute. Bald bog Marek vom Weg ab. Er sagte nicht, wohin er wollte, und die anderen ließen ihn gehen. Der Weg stieg steil an, fiel dann wieder ab und schlängelte sich mehrere Kilometer weit durch einen Wald. Hin und wieder fiel die Sonne durch die dürren Äste einer Lerche. Hier muss Wild verkehren, sagte Jula, andernfalls wäre der Weg zugewachsen. Eiswasser tropfte auf sie herunter, das dunkle Moos zu ihren Seiten glitzerte. »Sch«, machte sie und deutete Jakob, stehen zu bleiben. Noch ehe er den Blick fokussieren konnte, um das Tier zu erkennen, das vor ihnen über den Weg wechselte, hatte sie das Jagdgewehr in Anschlag gebracht, gezielt und abgedrückt. Das Reh brach zusammen, die Vorderläufe schon im dichten Strauchwerk, in das es sich hatte flüchten wollen. Der Rumpf klatschte schwer auf den nassen Boden. Auf dem Heimweg war sie fröhlich, sie plauderte, sprach von den Kindern, der Zugfahrt, dem Sturm. Er nickte an den passenden Stellen und murmelte gelegentlich ein Ja, ein Nein oder raffte sich auf zu einem Wieso. Wasser rieselte rings um sie herum von den Zweigen und sie beeilten sich, auf die Wiese hinauszukommen. Warte! Er hob das Reh von seinen Schultern, stützte die Hände auf ein Knie und beugte sich zu ihrem Schuh hinunter, der aufgegangen war. stützte die Hände auf ein Knie und beugte sich zu ihrem Schuh hinunter, der aufgegangen war. Sorgsam band er das Schuhband neu um die Ösen, zog fest an und band eine doppelte Schleife. Beim Aufrichten sah er, dass sie ihn anstrahlte, was für ihn rätselhaft war. Er lächelte vorsichtig zurück. Sie schien an etwas Bestimmtes zu denken, eine ähnliche Situation aus der Vergangenheit vielleicht, und sie versuchte, ihn mithilfe eines nachdrücklichen Vorwärtsneigens des Kopfes und einer Geste mit der Hand hinunter zu ihrem Fuß daran zu erinnern. Das Picknick auf der Wiese damals, Ari auf deinen Schultern und mein Schuh, sagte sie. Aber er erinnerte sich nicht, lächelte versuchsweise breiter und sah, wie ihr Strahlen zurückging und erlosch. Macht nichts, danke, sagte sie und packte sich das Reh selbst auf. Da war ein Rumpeln zu hören, dann ein ohrenbetäubendes Zischen und sie wandten sich gleichzeitig zum Hang hinauf. Weiß wälzte sich herab, als fielen die Wolken vom Himmel. Nein, hörte sie Jakob schreien, er riss sie am Arm zurück in Richtung Wald, aber es war zu spät. Schwarz. Jola fiel, drehte sich um die eigene Achse. Der Körper des Rehs und das Gewehr entglitten ihr. Sie wurde nach vorne geschleudert, dann wieder nach hinten. So wie einmal das Kind im Urlaub am Meer, als die hohen, so lustigen Wellen über ihr zusammengeschlagen waren und sie herumgewirbelt hatten. Und hätte ihr Daddy sie nicht aus dem Wasser gezogen, sie wäre sicher ertrunken. Jetzt, sagte Daddy, sie solle Schwimmbewegungen machen, vor und zurück, mit Armen und Beinen und ordentlich Wellen machen. Das ist seltsam, dachte Jola, denn Daddy hält mich ja schon. Tatsächlich wurde sie gehalten, von allen Seiten gleichzeitig. Es drückte sie sogar richtig zusammen. Aber sie gehorchte und machte ihre Schwimmbewegungen, die bald schwächer wurden. Sie konnte nichts sehen, sie konnte sich nicht mehr im Raum verorten. Und als ihr Mund, die Ohren und auch noch die Augen sich mit Kälte fühlten, gab sie auf, überließ sich den Wellen. Dann war sie weg und der Schnee schlug über ihr zusammen. Dankeschön. Applaus