Ich bin Lucie Stahl, ich bin Professorin für künstlerische Fotografie hier am Haus seit ungefähr viereinhalb Jahren. Ich bin bildende Künstlerin und eben auch Professorin und verbinde diese beiden Bereiche. Und ja, ich bin sehr froh, dass ich jetzt hier seit viereinhalb Jahren arbeiten kann und finde das hier eine ganz tolle Situation, weil es einem viele Freiräume bietet, weil es ein bisschen das, was sozusagen einerseits eine Schwierigkeit ist, das etwas ab vom Hauptgeschehen ist gleichzeitig auch eine wahnsinnig schöne Situation, weil es eben viele Freiräume gibt, weil es viele Möglichkeiten zum Experimentieren gibt und ein bisschen weniger vielleicht diese Ellbogenlandschaft darstellt. Am Anfang war es eigentlich nur so eine kleine Spielerei, würde ich sagen, weil ich mich einfach viel damit beschäftigt habe, dass unsere Generation, beziehungsweise meine Generation einfach nicht mehr so viel besitzt. Also jetzt nicht im kapitalistischen Sinne, sondern einfach Schleusertner Schaltplatten gesammelt oder CDs oder Kassetten. Und das einzige, was uns bleibt praktisch, ist irgendwie unser DS und Nintendo Dogs. Und deswegen habe ich hier ein riesen Nintendo gebaut und einfach dann in Hülfen meiner Mikrowohne gefilmt, um zu zeigen, dass das praktisch der Nintendo-Dorb ist im echten Leben. Genau, das war schon alles. Oder ich kann auch vielleicht nochmal so ganz generell sagen, es gibt immer viele Studierende, die sich auch mit gefundenem Material beschäftigen. Wir haben zum Beispiel hier eine Arbeit von Christoph Biesenberger, der auf Flohmärkten alte Kameras sammelt und dann immer jeweils vor Ort mit der Kamera Fotos macht. Und da kann man dann immer das Datum sehen und die Abzüge aus dieser jeweiligen Kamera in Rahmen, die er genau an diesen Orten auch findet. Also auch so ein bisschen so eine Reflexion über die Veränderung des Bildmediums oder des Mediums dieser fotografischen Möglichkeiten. Wir können gerne mal über diese Arbeit sprechen, weil sie so einen sehr aktuellen Hintergrund hat. Das ist eine Arbeit von Fahimeh Ghasemi. Sie kommt aus dem Iran und ist natürlich zurzeit sehr in einem schwierigen Zustand. Und sie hat Arbeiten gemacht, die sie schon tatsächlich im Iran noch angefangen hatte. Sie ist jetzt ungefähr seit einem Dreiviertel, halben, Dreivierteljahr bei uns. Und sie hat hier Medienbilder von Straßensituationen mit dem Körper einer nackten Frau überlagert, einfach um sozusagen diese Situation darzustellen. Sie hat auch sonst so Arbeiten gemacht, wo sie ihre eigenen nackten Porträts oder eben ihren nackten Körper im Taxi quasi nach außen gehalten hat und Filme davon gemacht hatte, damals noch im Iran. Also sehr politische, sehr, ja, auch gefährliche zum Teil Arbeiten gemacht. Und ich finde es jetzt wahnsinnig schön, dass sie es jetzt noch geschafft hat, eine Arbeit zu machen, trotz der schwierigen Lage. In den künstlerischen Arbeiten und auch ein bisschen vielleicht im Habitus, wie sie arbeiten, interessiert mich vor allem das Kollektive oder auch ein bisschen das, dass man aufeinander Acht gibt, dass man sozusagen sehr genau arbeitet, sehr genau hinschaut. Die Präsentation im Raum, das hat mir jetzt hier beispielsweise viel Freude bereitet, dass die Studierenden sehr stark aufeinander achten. Also dass jetzt nicht eine Person sich einen riesigen Platz aussucht, sondern dass alle ein bisschen schauen, dass jede Person unterkommt. Und vielleicht eben auch ganz klar dieses, egal ob man jetzt analog oder digital arbeitet oder ob man konzeptuell arbeitet, dass man sehr genau hinschaut, dass man sehr genau überlegt, was man macht und nicht einfach riesige Materialien verschwendet oder verarbeitet. Wie geht das weiter? Gute Frage. Ich finde es einen wahnsinnig interessanten Punkt, gerade jetzt in Zeiten von künstlicher Intelligenz, dass das so ein starkes Interesse wieder wird. Also das war ja zum Beispiel zu meinen Studienzeiten ganz anders. Ich bin direkt nach den ersten Versuchen, sage ich mal, in der analogen Fotografie dann ziemlich schnell in die digitale Fotografie umgestiegen, weil das für mich so etwas Zukunftsweisendes hatte. Und ich finde es jetzt eben interessant, dass die Studierenden viel stärker Interesse an der analogen Fotografie wieder haben und an diesem Materiellen, an diesem haptischen, an den ja auch den experimentellen Möglichkeiten, was für mich jetzt auch wieder irgendwie plötzlich dieses Interesse sehr stark geweckt hat. Und ich finde es eben gerade jetzt zu diesen Zeiten, wo alles digital auch viel schneller möglich wird, noch viel schneller sozusagen, dass man da diesen Rückbezug hat auf sowas ganz Materielles, wahnsinnig spannend und ja, freue mich, dass es hier die Möglichkeiten wieder gibt. Das ist was ganz Besonderes.