Herzlich willkommen zur Fortsetzung unserer Sommerbildungswochen. Mein Name ist Sangeeta Sundarizam-Sturm und ich darf Sie und Euch heute durch die Veranstaltung begleiten und die Veranstaltung moderieren. Heute ist das Thema Rassismuskritik und antirassistische Kämpfe in der feministischen sozialen Arbeit. Unsere Vortragenden heute sind Professorin, Doktorin Nivedita Krasat und Doktorin Lusinia Kaichetta. Und ich freue mich sehr, dass ihr heute hier mit uns seid. Und ich werde euch dann im Anschluss an ein paar allgemeine Informationen näher vorstellen. Herzlichen Dank auch an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die heute an dieser Veranstaltung teilhaben und mitmachen. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir wieder so zahlreich da sind. Also ich sehe, es sind jetzt schon 29 Online-Teilnehmerinnen und heute hier bei uns über 10, würde ich jetzt sagen. Genau, sehr schön. und Gewalt und es ist ein Projekt vom Verein Das Kollektiv, kritische Bildungs-, Beratungs- und Kulturarbeit von und für Migrantinnen in Kooperation mit dem Verein MAIS und mit der Unterstützung von der Integrationsstelle Oberösterreich, der österreichischen Gesellschaft für politische Bildung, der RT Foundation Vienna, dem Frauenreferat Land Oberösterreich und dem Frauenbüro der Stadt Linz. Wir sind jetzt bereits bei der dritten Veranstaltung im Rahmen der Sommerbildungswochen. Letzten Mittwoch wurden die Sommerbildungswochen mit einleitenden Gedanken und Worten von Gagana Mineva und Rubia Salgado sowie mit Vorträgen von Celine Barry und Kim Carrington eröffnet, mit dem Thema antikoloniale feministische Solidaritäten. Danach hat auch ein Workshop stattgefunden zum Thema Gewaltformen und Bildungsarbeit. Das war am Freitag letzte Woche, wo es auch darum gegangen ist, worauf ist zu achten in unserer Arbeit mit migrierten und geflüchteten Frauen, was hat das mit Gewalt zu tun und was können wir auch tun dagegen. Wir hatten zuerst einen Workshop und dann auch einen Videobeitrag von Nivedita Plassat zum Thema digitale Gewalt, zu dem wir dann rege diskutiert haben. Und genau in dem Zusammenhang wurden auch Begriffe wie Abolitionismus nochmal besprochen. Wir haben in dem Workshop versucht, Begriffe, die einfach für die Sommerbildungswochen wichtig sind und auch noch wichtig sein werden, aufzugreifen. sind und auch noch wichtig sein werden, aufzugreifen. Heute widmen wir uns, wie ich schon gesagt habe, dem Thema Rassismuskritik und antirassistische Kämpfe in der feministischen sozialen Arbeit. Ich würde bitte alle bitten, ihre Mikros auszuschalten für jetzt, weil wir sonst alle Geräusche hören. Florina, ich weiß nicht, ob du mich hörst. Es wäre... Danke schön. Florina, ich weiß nicht, ob du mich hörst. Es wäre... Danke schön. Wäre es möglich, dass die Technik vielleicht Florina auf Stumm schaltet? Tut mir leid, ich bin... Danke schön. Gut, ich möchte jetzt mit der Vorstellung der Vortragenden weitermachen. Professorin, Doktorin Nivedita Klaasath ist Professorin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin, wo sie unter anderem den Studiengang Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession leitet. Davor war sie 15 Jahre tätig in einer NGO zum Themenkomplex Gewalt gegen Migrantinnen. Seit Anfang der 90er Jahre ist sie zudem maßgeblich daran beteiligt, Räume für Schwarze, Women of Color in Deutschland zu gestalten. Sie hat den ersten und zweiten bundesweiten Kongress für Schwarze Frauen, Migrantinnen, im Exil lebenden und jüdischen Frauen mitorganisiert, mit durchgeführt und mit MyAIM dokumentiert. Die Initiative für FEMOKO 2013 geht auch auf sie zurück. Dann möchte ich Lusinia Kajeta, Doktorin Lusinia Kajeta, vorstellen. Sie ist Sozialethikerin in selbstorganisierten politischen Kontexten und sie ist Mitbegründerin und Mitarbeiterin von MAIS, einer Selbstorganisation von Migrantinnen in Oberösterreich, wo sie jahrelange Erfahrung unter anderem mit Beratungsarbeit, Forschungstätigkeit gemacht hat und in beiden Bereichen auch zum Thema Gewalt gegen Migrantinnen und Sexarbeitenden in den Bereichen gearbeitet hat. Zudem ist sie Mitgestalterin der Universität der Ignorantinnen, freie Autorin und Leiterin von Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Linz und Wien und auch zum Themenkomplex Selbstorganisation und politisches Handeln. politisches Handeln. Heute wird Nivedita Plassat mit dem Vortrag beginnen und deswegen werde ich ganz kurz zu dem Vortrag einleitend etwas sagen und dann, bevor Lusenia Cajeta drankommt, werde ich dazu noch ein paar Worte sagen. Der Vortrag von Nivedita beinhaltet einen rassismuskritischen Blick auf den Themenkomplex Gewalt gegen Frauen. Sie sagt, obwohl Gewalt alle Frauen betrifft, gibt es hier trotzdem nochmal eine weitere Komponente, und zwar die rassistische Tendenz, auch in diesem feministischen Diskurs eingebettet in kolonialer Kontinuität. Dieser Vortrag soll diese Tendenzen darstellen, ihre Irritationen und auch Erklärungsansätze aufzeigen, über die wir dann noch weiter diskutieren können. In dem Sinne würde ich gerne dir, Neve Dita, das Wort weitergeben. Ah, ich habe noch etwas vergessen, es tut mir leid. Ganz kurz, und zwar zu Zoom noch etwas. Wir würden euch bitten, jetzt die Mikros ausgeschalten zu lassen während den Vorträgen. Eure Videos könnt ihr ausgeschalten lassen oder eingeschalten, das ist euch überlassen. Wichtig ist auch zu sagen, dass die Vorträge aufgezeichnet werden. Wenn das jemandem unangenehm ist, aufgenommen zu werden, wie gesagt, bitte einfach die Kameras ausschalten. Die Aufzeichnung wird sich auf die Vorträge fixieren und auch die Diskussion danach zwischen den Vortragenden wird aufgezeichnet, aber da ist auch wieder der Schwerpunkt auf den Vortragenden. Ich würde euch auch bitten, eure Fragen, die ihr während den Vorträgen schon sammelt und habt, einfach in den Chat zu stellen, weil wir die dann später aufgreifen werden. Genau, hier ist wieder ein Mikro an und wieder aus. Dann wollte ich noch sagen, wir haben technische Unterstützung von MEB Veranstaltungstechnik. Das heißt, wenn etwas nicht funktionieren sollte, haben wir da technischen Support. Und ich werde auch noch einen Link in den Chat schicken für anschließende offene Fragen und Kommentare. Den werde ich dann gleich geben. Genau. Falls jemand von euch eine Teilnahmebestätigung braucht, bitte ich euch dann um ein Mail. Ich werde die E-Mail-Adresse auch in den Chat stellen und wie gesagt, wir freuen uns dann auch im Anschluss über Feedback, Fragen, Gedanken und so weiter. Und jetzt übergebe ich wirklich das Wort an dich, liebe Dieter, und sage nochmal herzlichen Dank. Bevor ich anfange, also ich würde mein Bildschirm freigeben und dann sehen Sie als erstes auch gleich, dass ich eine Trägerwarnung habe. Und das ist, glaube ich, wichtig, weil ich werde Ihnen das eine oder andere Bild zeigen. Und zwar nicht, jemand hat ein Mikro noch an. Ich werde Ihnen das eine oder andere Bild zeigen, nicht um das zu verbreiten, sondern einfach um zu verdeutlichen, was ich eigentlich meine. Und ich hoffe, dass Sie mir das verzeihen werden, deswegen eben die Trägerwarnung im Vorfeld, weil das eben keine schönen Bilder sind. Aber ich glaube, das eine oder andere Bild muss man sehen, um zu verstehen, wie absurd eigentlich das ist, was eben selbsternannte feministische Akteure nun teilweise betreiben. Die Ausgangslage, die ist mir wichtig. Also ich glaube, theoretisch wissen wir alle, dass Gewalt gegen Frauen alle Frauen betreffen kann, unabhängig von Hautfarbe, Herkunftsschicht, Alter etc. Das wissen wir und ich glaube, das würden viele Menschen auch so beantworten. Dasselbe gilt auch für Täter, würde ich sagen, oder? Und das ist eben das Spannende, dass auf der theoretischen Ebene würden wir natürlich dem allen zustimmen, viele würden dem zustimmen, aber gleichzeitig haben wir eine Hypervisibilität, also eine Übersichtbarkeit von Gewalt gegen Frauen in Communities, die muslimisch vorgestellt werden. Das ist mir auch wichtig, weil manche dieser Communities sind wirklich muslimisch, manche werden aber zu muslimischen Communities deklariert. Das wäre so, wie wenn ich nicht von Österreicherinnen spreche, sondern von Christinnen. Vielleicht sind ja viele Österreicherinnen sogar Christinnen, aber das ist schon absurd, dass man bestimmte Herkünfte nur mit der Religion gleichsetzt. Das heißt, es geht hier um Communities, die vielleicht muslimisch sind, aber immer als muslimisch konstruiert werden und oder schwarz sind oder eben als solch imaginiert werden. Und zwar diese Hypervisibilität findet es in den Medien, in manchen NGOs, aber eben auch in Politik. Wir stellen fest, dass Gewalt durch Männer, die als andere wahrgenommen werden, häufig kulturalisiert wird. Wenn aber Gewalt quasi innerhalb der deutschen oder österreichischen Gesellschaft stattfindet, dann wird es häufig individualistisch erklärt. Also banal gesprochen, wenn ein Herr Müller, Frau Müller schlägt, dann ist es eben vielleicht ein zynisch gestörter Täter oder er hat ein Alkoholproblem oder wie auch immer. Wenn der Mann aber einen anderen Namen hat und man sich vorstellt, dass er schwarz, bunt oder muslimisch ist, wird das Verhalten ganz anders erklärt, nämlich eher culturalistisch. Gleichzeitig haben wir, und das finde ich auch ganz bedauerlich im öffentlichen Diskurs, auch eine Hypervisibilität von feministischen Akteurinnen, die sich meiner Meinung nach eines sehr rassistischen Narrativs bedienen, beziehungsweise Femokrate nennen. Zu diesem Konzept komme ich später nochmal. Femokratinnen, zu diesem Konzept komme ich später nochmal, das sind vor allen Dingen Personen, die das Thema Gewalt gegen Frauen missbrauchen für einen rassistischen Diskurs. Dann fange ich aber vielleicht erstmal mit einer Definition an. Das ist eine Definition von Sarah Farris, die sagt, Zitat, Femonationalismus bezieht sich sowohl auf die Ausbeutung feministischer Themen durch Nationalistinnen und Neoliberale in antimuslimischen Kampagnen, als auch auf die Beteiligung mancher Feministinnen und Femokratinnen in der Stigmatisierung von muslimischen Männern unter der Fahne von Gendergerechtigkeit. Zitat Ende. Beim ersten geht es wirklich darum, Personen, die sich eigentlich überhaupt nicht für Feminismus interessieren, die es urplötzlich tun, wenn es darum geht, die andere Frau zu retten, in dicken Anführungsstrichen. Gleichzeitig geht es aber eben auch darum, dass antimuslimische Kampagnen dadurch unterstützt werden, dass man das Thema eben auch instrumentalisiert. Für Deutschland und Brasilien, da habe ich es versucht, ein bisschen grau zu schreiben, weil auch da das Problem bleibt, ich will keine Werbung für diese Organisation machen, also Organisationen, die sich selbst feministisch nennen, aber sehr rassistisch agieren. Das ist zum Beispiel die Organisation Terre de Femmes in Deutschland, die Zeitschrift Emma, aber auch Einzelpersonen wie Seran Ateş und Nesla Kelek, letztere sogenannte Kronzeuginnen. Das finde ich einen ganz spannenden Begriff. Den hat Yasemin Cuman kreiert und zwar interessant ist, dass Seran Ateş und Nes Schlakelek beide in türkischen Familiengeburten aufgewachsen sind. Das ist ein Unterschied, wie wir Erfahrung gemacht haben. Interessant ist aber, dass beide sehr, sehr rassistische Sachen sagen, eben genau über diese Community. Damit werden sie zu Kronzeuginnen. Und viele Deutsche würden sich vielleicht gar nicht trauen, um sowas zu sagen, weil sie Sorge hätten, dass man sie als Rassistinnen beschimpfen würde. Aber sie nehmen dann ihre Kronzeuginnen und sagen, also wenn selbst Frauen aus der Community das so sagen, dann wird es wohl stimmen. Also das ist eine ganz spannende Position. Ich habe versucht, für Österreich eine Kronzeugin zu finden. Gott sei Dank habe ich keine gefunden, aber möglicherweise gibt es die auch. Die gibt es in Frankreich, die gibt es in Belgien, die gibt es in Holland, ich bin mir sicher in Österreich gibt es die auch. Nun zeige ich Ihnen das erste Problematikbild. Vielleicht können Sie es nicht erkennen, deswegen sage ich nochmal, das ist von November, Dezember 2015, also noch vor der ersten Silvesternacht. Und da sehen Sie eben von der Zeitschrift Emma ein Titelbild, das heißt, wir helfen Flüchtlingen, aber die Frauenrechte dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Es gibt diese Fantasie, dass in dem Moment, wo wir geflüchteten Personen unterstützen, bleiben die Frauenrechte auf der Strecke. Das ist eigentlich eine interessante Sicht der Dinge. Wenn wir uns überlegen, wer vor allen Dingen flieht, wissen wir auch, dass sehr viele politisch aktive Menschen fliehen, vielleicht sogar durchschnittlich politisch aktiver als die durchschnittliche deutsche oder österreichische Gesellschaft. Und wie gesagt, das ist eben vor der ersten Silvesternacht und da könnte man so weit gehen, zu sagen, in der Diskursanalyse, ob nicht solche Zeitungsartikel oder eben Titelbilder auch dazu beitragen, dass später bestimmte Diskurse in eine bestimmte Richtung gehen. Wichtig ist vielleicht aber, sich nochmal aus meiner Sicht dieses Themenkomplex nochmal anzugucken, das war auch die Post-Priorität. Wir kennen vermutlich alle die Istanbul-Konvention inzwischen, also eine Europaratskonvention, die das Thema Gewalt gegen Frauen sehr, sehr umfassend bearbeitet. Spannend ist aber, wenn man sich das nochmal genauer anguckt, dass es eine Überbetonung beziehungsweise eine gesonderte Nennung und Motivation in mancher Gewalt formiert. Und das geht immer einher mit der Stereotypisierung mancher Communities, zum Beispiel Zwangsheirat, zum Beispiel das Wort Ehrenmord, also bestimmte Begrifflichkeiten, die von vornherein eine problematische Konnotation haben, werden leider auch in der Istanbul-Kommvention verwendet. Spannend finde ich zum Beispiel bei dem Komplex Zwangsheirat, das ist eben eine Forderung von Dengoli und Chandler, das sind beides Feministinnen aus Großbritannien, die gesagt haben, sie verstehen eigentlich nicht, warum Zwangsheirat eine extra Begrifflichkeit braucht, sondern warum kann man das nicht als eine Form von häuslicher Gewalt mitdenken? Alleine schon, um dafür zu sorgen, dass Zwangsheirat im feministischen Diskurs mitgedacht wird, finde ich eigentlich eine ganz spannende Idee. Also warum wird es nochmal extra genannt? Aber auch, wenn wir uns angucken, bei Artikel 38 ist die Rede von Verstümmelung weiblicher Genitalien. Da werden aber eben nicht die sogenannten Intim-OPs oder die sogenannten geschlechtsangleichenden OPs an Intersex-Kinder mit berücksichtigt, sondern tatsächlich lediglich FGN. Der letzte Punkt ist eben ein Dauerbrenner, Artikel 42. Da ist die Rede von Taten im Namen der sogenannten Ehre, also Ehrenmord. Und auch da denke ich, wir wissen aus feministischer Perspektive, heute sind auch viele Beraterinnen da, Wir wissen aus feministischer Perspektive, heute sind ja auch viele Beraterinnen da, wir wissen, dass der gefährlichste Augenblick im Leben einer heterosexuellen Frau der Augenblick ist, wo sie sich entweder von ihrem Partner trennt oder aber wo sie ihre Trennung verkündet. Das heißt, wir wissen, dass die Partnerin-Tötung häufig im Zusammenhang mit Trennungsabsichten steht. Warum heißt es in dem einen Punkt Partnerin-Tötung und im anderen ihre Mord? Das heißt, auch die Istanbul-Konvention, die ansonsten sehr umfassend ist, was Gewalt gegen Frauen angeht, ist an diesem Punkt leider etwas problematisch. Herr Medita, bitte? Du hast deine PowerPoint-Präsentation noch nicht freigegeben. Ach so! Ich dachte, ihr seht sie die ganze Zeit, entschuldigt. Dann gehe ich noch mal, das tut mir total leid, ich habe mich schon gewundert, dass ich euch nicht sehe, aber jetzt. Eine Frage noch, wäre es möglich, dass du ein bisschen langsamer sprichst, weil ich glaube wegen der Verbindung ist es ein bisschen schwierig und das wäre super. Ein paar Teilnehmerinnen haben das schon angemerkt, dass sie es nicht so gut hören können, verstehen können. Genau, danke schön. Und entschuldige, dass ich die PowerPoint, ich habe die ganze Zeit an der PowerPoint gearbeitet und wusste nicht, dass ihr mich seht. Entschuldige. Genau, in diesem ganzen Komplex, wenn wir von antimuslimischem Rassismus und Gender sprechen, passiert etwas, was sehr problematisch ist, nämlich dass antimuslimische Diskurse verwoben werden mit Kategorien wie Kultur, Religion, Ethnizität, Geschlecht und Klasse zu einem sehr komplexen, eben auch intersektionalen Geschlecht. Die Kategorie Geschlecht, und das finde ich ganz spannend, das sagt auch Yasemin Schumann, dass die Kategorie Geschlecht im antimuslimisch-rassistischen Diskurs eine sehr, sehr zentrale Rolle spielt. Es gibt immer diesen Topos der unterdrückten muslimischen Frau, welches einhergeht mit dem Stereotyp des frauenverachtenden muslimischen Mannes. Der Sexismus, und das ist eben das Unruhige, wird im antimuslimischen Rassismus zu einem kulturellen Wesen, zu des Islam erklärt, dem als Musliminnen markierte Menschen nicht entrinnen können. In diesem Fall werden eben kulturelle Eigenschaften naturalisiert, indem sie allen Personen einer kulturell definierten Gruppe zugeschrieben werden und damit implizit auch einen Konnektivcharakter abnehmen. Das ist ein etwas kompliziertes Zitat. Ich finde aber, dass es sehr, sehr deutlich macht, worum es hier geht. Dass es eben diese Idee gibt, dass alle Menschen, die muslimisch sind, wer auch immer ein Muslim oder ein Muslimer ist, dass alle diese eine Sache eint, nämlich fern von jeglichen feministischen Ideen auf allen Seiten. Wir wissen, dass die Kulturalisierung eine never-ending-story ist seit über 20 Jahren. Wir wissen aber gleichzeitig auch, und vielleicht deswegen mache ich dazu nur eine kurze Folie, dass Kultur im Grunde genommen die politisch korrektere Bezeichnung ist für Rasse, aber mit demselben Ergebnis. Ich hoffe, dass niemand mehr außer der extremen Rechten heute argumentiert, dass bestimmte Gruppierungen rassisch nicht zusammenpassen, aber kulturell wird es immer wieder, also das Wort kulturell wird verwendet, gemeint ist aber eben das Gleiche und am Ende kommt im Grunde genommen raus, die einen und die anderen können nicht zusammenarbeiten. Spannend ist aber auch, dass diese kulturspezifische Betrachtung nun im Zusammenhang mit dem sogenannten debianten Verhalten des konstruierten Andern stattfindet. Das erkläre ich dann nochmal. Das heißt, wenn eine Person etwas macht, was erwünscht ist, dann ist die Person eine Österreicherin. wahrgenommen wird, dann wird sie sofort zu der anderen erklärt. Das heißt, es geht nur darum, wenn jemand etwas macht, was nicht erwünscht ist, aber auch nur dann, wenn ich die andere Person als eine andere wahrnehme. Damit wird ethnisierten Menschen jegliche Individualität abgesprochen. Und, und das finde ich auch interessant, dass das Kulturalisieren etwas ist, was nur Migrantinnen erfahren oder auch schwarze Personen erfahren. Und allein schon deswegen kann es diskriminierend bewertet werden. Ich habe selten erlebt, dass in Deutschland zum Beispiel bei Gerichtsverhandlungen, wo es um Gewalt gegangen ist, man überlegt hat, ob nicht die Tat in Zusammenhang damit besteht, dass der Täter ein Christ ist. Ich habe auch noch nie erlebt, dass man die Bibel zurate gezogen hat, um zu gucken, ob diese Tat jetzt irgendwie in der Bibel gerechtfertigt wird. Soweit ich weiß, ich bin jetzt nicht besonders bibeltreu im Bibelfest, aber ich weiß, dass auch in der Bibel sich sehr frauenfeindliche Passagen finden, was jetzt nicht weiter auffällig ist, weil die Bibel ist ja nun auch schon ein paar Jahre alt. Dasselbe gilt aber eben auch für den Koran. Und das ist ganz interessant, dass man den Koran ein bisschen behandelt wie zeitgenössische Literatur, dass man im Koran Stücke heraus sucht, um Verhalten von Menschen heute zu erklären. Und das ist, wie gesagt, beim Christentum, da habe ich übrigens ein bisschen von Ihnen lachen. Ich finde das auch zum Lachen, aber es ist eigentlich, also wie gesagt, die Absurdität wird deutlich, wenn man das über den Christentum erklärt, aber genau das passiert eben mit Menschen, die man für muslimisch hält. Und das ist auch ein Problem, dass die Erkennung migrations- oder milionspezifischer Aspekte und intersexualer Realitäten erschwert werden, wenn ich mich auf eine kulturalisierte Darstellung fokussiere. Frauenrechtsrelevante Themen, die dazu beitragen, ist eine ganze Reihe. Zwangsheirat habe ich ja schon angesprochen. Und Sie sehen, ich spreche nicht von Zwangsverheiratung, sondern Zwangsheirat, weil es auch diese Idee gibt zu sagen, jede Frau, die sich nicht traut, sich von ihrem Ehemann zu trennen, ist auch eine Form von Zwangsheirat. Und da geht es überhaupt nicht darum, also der Fokus geht nicht darum, wie die Ehe zustande kam, sondern es geht darum, dass die Ehe eben auch erhalten wird unter Druck und so weiter. Tödliche häusliche Gewalt, weibliche, aber auch männliche Genitalbeschneidung, Vokabote, Kopftuchverbote. Mein Lieblingsbeispiel Frauen schwimmen, also in Saarbrücken haben ich glaube sogar die Kirche vor Ort hatte eben ein interkulturelles Damenschlimmen eröffnet. Selbst da ist es sehr antimuslimisch diskutiert worden. Aber auch junge Eheschließungen im Kontext von Krieg und Flucht, Kindersterblichkeit und Geburt und sehr viel anderes mehr. Und das Schlimme ist, dass diese Liste, ich führe sie schon seit ein paar Jahren, wird jedes Jahr länger. Und schlimm ist es, diese Liste, ich führe sie schon seit ein paar Jahren, die wird jedes Jahr länger. Und das zeigt nochmal, dass eben die Diskurse um antimuslimischen Rassismus im Kontext von Gewalt an Frauen oder an Kindern immer länger wird. Und das macht mir ehrlicherweise Sorge und auch Angst. Die kolonialen Kontinuitäten finde ich darin sehr, sehr deutlich erkennbar. Und zwar sowohl in den Disposen als auch in den Narrativen, aber auch in den Handlungen. Und da würde ich gerne nochmal ein Zitat des Kollegen Aram Siai heranziehen, der dem Kern kolonialen Denkens folgendermaßen zusammenfasst. Zitat, es geht um die Verweigerung gleicher Rechte mit der Begründung, die anderen seien einfach nicht so rational wie wir, hier ist das weiße Wir gemeint, selbstverständieren, andererseits aber gute Gründe zu finden, warum einige Menschen doch gleicher sind als andere und letztere doch nicht die gleichen Rechte bekommen sollen. Zitat Ende. Ich würde das gerne an dem Beispiel des Kopfstuhlverbotes erklären. Als Feministin hoffe ich, werden wir uns einig, dass eine grundfeministische Idee eigentlich immer die war, zu sagen, der Staat soll sich nicht einmischen in dem, was Frauen anziehen, aber auch in dem, was sie ausziehen. Also wir wollen nicht, dass der Staat sich derart am weiblichen Körper beteiligt. Die einen Staaten wollen, dass Frauen ein Kopftuch anziehen, die anderen wollen aber, dass die Frauen ein Kopftuch ausziehen. Aus feministischer Perspektive ist es völlig irrelevant, ob an- oder ausziehen. Das Problem ist, dass der Staat sich am weiblichen Körper quasi beteiligt. Interessant ist, dass es aber trotzdem mehrere feministische Organisationen in Deutschland, ich vermute auch in Österreich, gibt, die, obwohl sie Feministinnen sind, sich für ein Kopfschutzverbot einsetzen. Und das ist schon interessant. Und das ist auch eine sehr spannende koloniale Kontinuität, weil dieses Entschleiern ist ein ganz klassisches koloniales Bild. Es gibt ganz furchtbare Bilder, wie Sie sehen, dass in der Kolonialzeit Frauen öffentlich entschleiert worden sind. Dieses Bild ist mein Lieblingsbeispiel in negativer Sicht. Gucken Sie sich das mal an. Das ist von 2016. Ich meine, mehr Kolonialismus geht aus meiner Sicht nicht. Sie sehen auf der linken Seite eine weiße Person mit Hosen, mit behaarten Beinen. Diese weiße Person gibt ihr feministisches Blut an eine schwarze Frau im Rock, die ein Buch in der Hand hält und der ein Lichtlein aufgeht. Die weiße Person kann die Bücher ignorieren, weil sie hat ja schon die Erleuchtung. Ich meine, mehr Kolonialismus geht eigentlich nicht. Und das ist eben eine feministische Organisation. Und das war, wie gesagt, vor fünf Jahren, also da war ich schon einigermaßen erstaunt, dass man sich 2015 noch traut, solche Bilder rauszugeben. Aber natürlich haben auch die Feministinnen of Color nicht geschwiegen. Sie haben geantwortet mit, also das eine ist, dass sie sagen, der weiße Feminismus ist radikal rassistisch. Und haben dann das Bild quasi umgedreht und haben den Rassismus in diesem Bild nochmal thematisiert. Und das wäre jetzt ein Klassiker auch im Kolonialismus, diese Idee, dass weiße Menschen meinen, Women of Color, People of Color, schwarze Personen quasi zur Erleuchtung zu bringen mit ihrem Wissen und auch wie gesagt, die weiße Person trägt Hosen und ist schon so weit emanzipiert, dass sie sich zu Beinen nicht basiert. Schwarze Person sieht man nicht, ob sie Haare hat oder nicht, aber sie trägt Rocks, also noch nicht so weit wie klassisch weißer feministischer Sicht. Was hier passiert, ist eigentlich sehr spannend und auch das ist eine alte koloniale Kontinuität, die ich einfach nur so kurz zusammentrage. Blick auf die Uhr. Da geht es vor allen Dingen darum, dass weiße Frauen als sexuell befreit, rational, finanziell eher unabhängig und gebildet dargestellt werden. Sie sind aufgeklärt, sie handeln individuell, sie sind zur Emanzipation fähig. Sie können Opfer im patriarchalen System sein, aber sie haben eine Handlungsmacht und sie sind Menschenrechtsgeberinnen. Auf der anderen Seite werden Women of Color eben sexuell unterdrückt dargestellt oder promised. Also es gibt keine Normalität, es ist die eine oder andere Extreme. Wir werden als emotional dargestellt, arm und ohne formale Bildung. Unser Verhalten wird religionisiert und kulturalisiert. Wir werden traditionell familiär dargestellt und wir werden als Opfer unserer Männer dargestellt, die Unterstützung von außen brauchen. Und wir haben vor allen Dingen die Rolle der Menschenrechtsverletzten. Und auch das ist, wie gesagt, sehr, sehr alt, aber gleichzeitig auch ein weiteres Kern-Element ist, dass zum Beispiel weiße Frauen eigene Verhaftung in kultureller, religiöser Tradition häufig negieren, gleichzeitig dies aber bei dem sogenannten Anderen darauf überfokussieren und Geschlecht oder Gender als zentrale Kategorie genutzt wird zur Legitimierung von sogenannten Zivilisierungsmissionen. Dazu gehört zum Beispiel, und das finde ich das wirklich Beunruhigende, zu diesen Zivilisierungsmissionen gehört auch die Instrumentalisierung des ganzen Themenkomplexes Gewalt in sogenannten anderen Communities für problematische politische Zwecke zum Beispiel. Jetzt habe ich Beispiele aus Deutschland. Ich fürchte, Österreich wird ähnliche haben. Es geht um eine Schürung einer Angstpolitik. Es geht um Kriege. Sie erinnern sich vielleicht, dass George Bush, der mit Feminismus sowas von gar nichts auf dem Hut hatte, den Afghanistan-Krieg legitimiert hat, damit, dass er die Frauen von der Burka befreien will. Ich dachte ja, der sollte vielleicht mal amerikanische Frauen von den Evangelisten befreien. Da hätte er auch genug zu tun. Aber es ist total interessant, dass eben jemand wie George Bush, selbst er quasi diese Themen missbraucht. Wir haben in Deutschland eine Gesetzesveränderung aus 2007, die sehr problematisch ist. Angeblich sollte sie Betroffene in Zwangsheirat schützen. Tatsächlich erlaubt sie aber die Heiratsmigration nur noch nach Deutschtest. Dann haben Sie alle sicherlich von der Silvesternacht in Köln gehört, oder von den beiden Silvesternächten. Und danach war es möglich, das Asylgesetz zu verschärfen. Das muss man sich wirklich überlegen. Das Asylgesetz hat eigentlich nichts mit sexuellen Strafverhandlungen zu tun, aber die Antwort war eben über das Asylgesetz. Diese Folie würde ich, glaube ich, kurz überführen und bleibe bei den Kernelementen, weil ich das auch wichtig finde, sich nochmal das zu vergegenwärtigen und auch mal dem Beispiel von George Bush zu bleiben. Hier ist ein ganz spannendes Beispiel von von Emmett, die darauf hinweist, auf eine sehr interessante Figur, nämlich Evelyn Baring, der war ein sogenannter Earl of Cromwell 1883 bis 1907. Er war ein britischer Generalkonsul in Ägypten, wo er sich in Ägypten für die Befreiung der Frau eingesetzt hat, in allererster Reihe, in England war er gleichzeitig Präsident einer Organisation, die gegen das Wahlrecht für Frauen war. Dass dieselbe Person zur selben Zeit erst im Inland daran beteiligt, Frauenrechte einzuschränken, aber im Ausland, wenn es darum geht, die andere Frau zu zivilisieren, ist in allererster Reihe Missbrauch der feministischen Ideen. Frau zu zivilisieren, ist an allererster Reihe Missbrauch der feministischen Ideen. Heute haben wir in Deutschland die CSU, die AfD und so weiter. In Österreich haben sie auch reichlich Personen, die in diese Richtung tätig sind. Und sehr frei nach Spivak ist es der klassische alte Satz, White men saving black and brown women from brown and black men. Es geht immer darum, dass weiße Frauen Women of Color und schwarze Frauen retten wollen, aber nur vor Schwarzen und auf Kalle nach Männern. Auch das ist eine alte kontinuität, wo es darum geht, was wird sichtbar und was nicht. Wir wissen aus der Kolonialzeit, dass sexualisierte Gewalt von kolonialen Herren gegenüber schwarzen Frauen überhaupt nicht thematisiert wurde. Sie war gesellschaftlich akzeptiert und war sogar straffrei. Versus das Bild des besonderen gewalttätigen Mannes in den Medien. Wir wissen zum Beispiel, oder ich weiß nicht, in welchem Ghana gab es, oder nochmal anders, in Ghana, in einer bestimmten Region, werden Sie sehr viele Menschen sehen, die heller sind als in anderen Regionen Ghanais. Und wenn man nachfragt, ist es eine Region, wo es mehrere Heime gegeben hat, also christliche Heime, für Kinder, die entstanden sind von Kolonialherren, die eben einheimische Frauen vergewaltigt haben. Das heißt, es gab sogar Einrichtungen dafür, diese Kinder unterzubringen. Und man sieht es noch an der Hautfarbe heute an, dass diese Kinder offensichtlich andere Herkünfte haben als die Männheitsbevölkerung. Interessant ist aber gleichzeitig, ich glaube, es ist immer dieses Bild in den Kolonien, dass eben die einheimischen Männer besonders gefährlich wären. Wir wissen, dass es zum Beispiel immer wieder Lünschjustiz gegeben hat, wenn man versucht hat, einheimische Männer darüber zu kriminalisieren. Und die Kontinuität heute ist tatsächlich aus meiner Sicht eben diese Überfokussierung von Gewalt gegen Frauen als interethnische Gewalt in Communities, die als muslimische konstruiert werden. Das heißt, ich habe 15 Jahre lang in einer Beratungsstelle gearbeitet, wo asiatische Frauen mit weißen Männern verheiratet waren, die auch sehr viel Gewalt erlebt haben. Das war aber nie im Fokus. Immer im Fokus ist die Debatte von Gewalt innerhalb der Communities, also wir betreut haben, kamen im Diskurs eigentlich kaum vor. Und eine Vorstellung wäre genau diese Idee, dass sie gegen die Ehebestandszeit protestieren. Also das ist die Zeit, wo Migrantinnen mit dem einheimischen Mann verheiratet sein müssen, um einstelliges Aufenthaltsrecht zu kriegen. Und sie sehen, dass die drei Personen, die als Männer verkleidet sind, alle eine Maske tragen. Und die Maske ist eigentlich nicht das Stereotyp eines deutschen Mannes, sondern eher das Stereotyp eines deutschen Mannes, sondern eher der Stereotyp eines Migrationsgeschichte. Und das ist auch interessant, weil das natürlich dieses Bild zementiert von Gewalttäter sind vor allen Dingen die migrierten Männer. Das ist eben eine Organisation, die sie selbst feministisch nennt. Gegen Ende würde ich noch mal zu den Zuschreibungspolitiken und Zivilisierungsmissionen kommen. Ein bisschen Zeit habe ich noch. Spannend ist, wenn wir uns diesen Begriff Zivilisierungsmissionen angucken, das ist ein klassischer Begriff aus der kulturellen Zeit, wo es immer darum ging, die anderen eben zu zivilisieren. Und in dieser Zivilisierungsmission spielen Frauenrechte eine sehr wichtige Rolle, sind beinahe eine Währung geworden. Ein Beispiel möchte ich Ihnen geben aus einem Frauenhaus in Berlin, was mich wirklich erschüttert. Es ist ein autonomes Frauenhaus, was aber sagt, großzügigerweise, sie nehmen Frauen mit Kopftuch auf, aber wenn die Frauen in die Beratung gehen, muss die vorher ihr Kopftuch absetzen. Und wenn man nachfragt, also ich habe natürlich nachgefragt, was ist das für eine absurde Idee, und dann haben sie gesagt, naja, diese Frauen wissen nicht, wie sich Freiheit anfühlt und deswegen zwingen wir sie, hier quasi Freiheit zu erahnen, damit sie dann die richtigen Entscheidungen treffen. Psychodynamisch ist das sehr interessant, weil zum einen sind im Frauenhaus eigentlich nur Frauen und Kinder. Das heißt, es wäre wahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis die Frauen vielleicht ohnehin ihr Kopftuch nicht im Frauenhaus tragen würden. Aber gleichzeitig, was ist das für eine absurde Idee? Und wenn ich mich ohne Kopftuch nicht angezogen fühle, wie unentspannt bin ich dann in der Beratung? Das heißt, als Beraterin muss ich doch wollen, dass die Person sich entspannt, dass die Person sich mehr öffnet mit dem, was sie trägt oder eben auch nicht trägt. Aber es ist eine interessante Idee aus einer feministischen Perspektive, dass ich eine Regel aufstelle und sage, Kopftuchverbot bei feministischer Beratung im Haus. Dann nehmen wir mal dieses Bild des wilden Anderen, aber auch die Konstruktion der hilfsbereiten weißen Männer und Frauen. Und damit einhergeht immer, und das ist auch psychodynamisch ganz interessant, die Aufwertung der sogenannten Wir-Gruppe, also der Aufwertung der weißen Gruppe. In dem Moment, wo die Gewalttäter vor allem die Anderen sind, kann ich mich als weißer Mensch natürlich sehr aufwerten, weil ich dann zumindest eine Idee habe von, also in meiner Community passiert sowas eher nicht. Jin Harika Wong hat einen ganz spannenden Begriff dafür kreiert, und zwar spricht er von Invented Traditions, also erfundenen Traditionen. Das ist ein ganz spannendes Begriff, weil er sagt, zum Beispiel im Kontext von Deutschland, wird Deutschland häufig als sicherer Ort für Frauen konstruiert, wo Vergewaltigungen geahndet werden, wo die einheimischen Männer nicht gewalttätig sind und so weiter. Und wir wissen, dass das alles nicht stimmt. Wir wissen, dass in Deutschland, in Österreich, in allen Ländern der Welt glücklicherweise Vergewaltigungen stattfinden, dass die Ahndungen vor Gericht eher mittelmäßig sind und einheimische wie nicht einheimische Gewalttäter sind. In dem Moment, wo ich aber quasi die anderen zu den Gewalttätern erkläre, erkläre ich gleichzeitig oder erfinde ich gleichzeitig Traditionen, die einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Das ist für mich ein entspannendes Konzept. Und das will ich Ihnen als Redner mal zeigen. Das ist eine Plakataktion, die unter anderem auch Telefon gemacht hat. Und auch das ist spannend. Ich habe Ihnen jetzt das deutsche Beispiel mitgebracht. Also Sie sehen einen Frauenkörper, also eigentlich einen Frauenhintern und eine Hand, die durchgestrichen ist. Und dieses Plakat gab es in vielen Sprachen. Und auch da denke ich, das ist wirklich interessant, weil es scheint die Fantasie zu geben, dass es Männer geben könnte, die aus Ländern kommen, die das nicht wissen. Also was ist das für eine wahnsinnige Idee über die sogenannten anderen? Also gibt es ernsthaft die Fantasien, dass es Menschen auf der Welt gibt, die denken, ich kann unautorisiert eine Frau am Hintergrund? Wohl nicht. Und das ist eben das Spannende, dass man mit solchen Bildern eben dieses Bild zementiert von die einen sind aufgeklärt, die anderen sind eher die Barbaren, die man in solchen Sachen unterrichten muss. Und deswegen komme ich am Ende zu den Irritationen in den Erklärungsansätzen. Ich glaube, das ist wichtig, dass wir uns die auch noch mal angucken. Zum Beispiel wissen wir, dass es eine statistisch höhere Anzahl von Migrantinnen in Frauenhäusern gibt. Das ist, glaube ich, etwas, was wir nicht wegkriegen können. Aber interessant sind die Erklärungsmuster. Und ein Erklärungsmuster ist natürlich eine kulturalisierende Erklärung. Die gibt es immer wieder, vor allen Dingen von Seiten der Politik. Aber, das finde ich ganz spannend, das ist ein Konzept, also eine Idee von Gaitanides, der darauf hinweist, dass er sagt, Zitat, mit der Überrepräsentation in den sogenannten Endstationen der sozialen Arbeit, wie zum Beispiel in Frauenhäusern, geht eine Unterrepräsentation von Migranten vor allen Dingen in den präventiven Bereichen der sozialen Dienste einher. Das finde ich eine ganz spannende Idee, dass er sagt, das ist die Kritik an die präventiven Bereiche, dass sie sagen, die erreichen Migranten und Migrantinnen nicht. Und deswegen kommen sie häufig in sogenannte Endstationen, wie Frauenhäuser, Drogenkliniken und so weiter. Andere Wissenschaftler reisen auf Lack of Social Resources hin. Das heißt, wir müssen uns auch die ökonomische Situation angucken, eine soziale Schichtzugunglichkeit angucken, aber auch die Anzahl der Kinder angucken. Was wirklich nicht passiert, wir wissen, dass zum Beispiel, ich mache immer, das ist eigentlich gar kein Witz, also wenn ich zum Beispiel unter meinen Kollegen frage, wenn es bei euch Gewalt gäbe, wo würdet ihr hingehen? Würde die Hälfte, Entschuldigung bitte, die Wohnung ist meine, der Mann müsste gehen. Die andere Hälfte würde sagen, naja, ich habe eine Kreditkarte. Das heißt, die soziale Schicht zu Gründlichkeit und die ökonomische Situation sind natürlich sehr, sehr wichtige Marker, wer ins Frauenhaus muss, wer nicht ins Frauenhaus muss. Und das ist häufig eben bei Migration nicht mitbedacht, dass es eben auch eine Schichtzugehörigkeit ist, die eben eine ökonomisch schwächere Position darstellt und gleichzeitig der Rassismus auf dem Arbeitsmarkt und im Wohnungsmarkt, der dafür sorgt, dass sich Frauen deutlich länger in Frauenhaus sind. Und das ist das Problem bei diesen Statistiken, dass da eigentlich, also da werden so Bestandnahmen gemacht, also welche Frau ist heute im Frauenhaus. Da wird aber geguckt, ob die durchschnittliche Dauer von Migrantinnen deutlich höher ist als von einheimischen Frauen. Und wenn man nachfragt, ist dem so und es hat sehr viel zu tun mit dem Rassismus auf dem Wohnungsmarkt. Das heißt, auch da müssen wir nochmal eine andere Auswertung finden. Auch das, eine weitere Untersuchung aus Deutschland, die im Wohnungsmarkt dasselbe Problem hat, dass sie feststellen, Frauen türkischer Herkunft werden vergleichsweise häufiger und schwerer von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt betroffen als deutsche Frauen. Und wenn man aber in die Studie genau guckt, kann man eigentlich die Gruppen gar nicht miteinander vergleichen, weil die emigrierten Frauen deutlich mehr Kinder hatten, deutlich weniger Einkommen hatten, deutlich weniger Bildung hatten und deutlich seltener eine Arbeitsstelle zu verfügen hatten. Das heißt, auch da müssten wir die sozialen instanzen mit berücksichtigen, bevor wir so eine aussage treffen zu sagen, frauentypische herkunft sind deutlich häufig auf körperliche situationen gewandt. ich glaube, ich sollte sehr schnell zum ende kommen. ich würde vielleicht dann mit dieser folie tatsächlich enden. ich finde, das können wir auch gerne nochmal mehr diskutieren. Weil das Problem ist mit diesen rassistischen, feministischen Traditionen, dass ich in der Praxis zuerst gestellt habe, Anzeigebereitschaft bei den Frauen sinkt. Das heißt, das können wir Feministinnen ja nicht wollen, wenn es um Gewalt geht und der Gewalttäter selber Herkunft war, dass die Frauen eben eher nicht Anzeige erstatten, schon gar nicht, wenn die Aufenthaltsstatus von der Ehe abklingt. Also das müsste man so machen. Das ist, glaube ich, der eine Punkt. Der andere Punkt ist, und gerade bei geflüchteten Frauen häufig so, dass es eine zusätzliche Leidität gegenüber dem Täter gibt, dass sie wissen, der war zwar ein Gewalttäter, aber die Flucht hat sie vielleicht auch nochmal mehr verbunden und sie wollen nicht, dass eben die Polizei, die Staatsanwaltschaft und so weiter gegen diese Männer vorgeht. Das ist der eine negative Aspekt und natürlich gleichzeitig, das ist wirklich meine letzte Studie, sind die Zementierung von kolonialrassistischen Bildern. Das heißt nicht-stereotype Lebensentwürfe bleiben unsichtbar und damit fehlen auch Identifikationsfiguren für andere Women of Color. Wir wissen, dass Women of Color sehr unterschiedliche Lebensentwürfe haben, aber bestimmte werden sichtbar, bestimmte bleiben eben unsichtbar. Und diese Haltung, the best is the best, ist etwas, was in der Critical Race Theory schon sehr lange thematisiert wird, aber diese Haltung im feministischen Kontext sorgt auch dafür, dass eben bestimmte Communities sich zurückziehen und Letty Wolk nennt es, es trägt dazu bei, kulturellen Nationalismus zu befördern. Gleichzeitig, und das finde ich wirklich auch sehr tragisch, gibt es Trennlinien in der feministischen, aber auch in der christlichen Männlichkeitsbewegung, das können wir eigentlich nicht wollen. Und all diese rassistischen Dispose trauen auch dazu bei, dass Gewaltteben in der Dominanzgesellschaft unsichtbar werden und nur zu Themen der sogenannten Anderen erklärt werden. Vielen Dank. Vielen herzlichen Dank, liebe Dieter. Ich hätte jetzt schon ein paar Anmerkungen, die mir ein bisschen unter den Fingern, unter den Nägeln trennen, aber ich glaube, wir lassen es jetzt. Ich freue mich schon auf die Diskussion, dann im Anschluss und danach können auch Fragen eingebracht werden. Vielen, vielen Dank. Es war sehr aufschlussreich, denke ich, für uns alle. Und ja, ich möchte dann aber gleich weiterführen zu Lucenir, zu deinem Vortrag. Im Mittelpunkt dieses Vortrags steht der Umgang mit diesem zunehmenden Trend, den Nivedita jetzt auch schon angesprochen hat, und zwar der Kulturalisierung von Gewalt. Und bei Lusenir wird es jetzt mehr auch um die Bekämpfung, also wirklich um Strategien gehen, die angewendet werden können, wenn Migrantinnen und geflüchtete Frauen ihre eigenen Gewalterfahrungen für sich definieren und dann selbst auch Strategien dagegen entwickeln. Anhand konkreter Beispiele werden einige rassismuskritische Faktoren sowie Hindernisse und Herausforderungen für deren Umsetzung dargestellt. Genau, Lucienir, ich würde dich dann gleich bitten um deinen Vortrag und wir freuen uns schon darauf. Dankeschön. für dieses so wunderbare und notwendige Konzept. Und ich freue mich auch jetzt anschließend, diese super Präsentation von Daniela Dieter, ein paar Gedanken dazu auch für die Diskussion zu präsentieren. Wie Sangeeta gesagt hat, das zentrale Thema meines Vortrags ist die Frage nach Spielräumen für eine Arbeit jenseits der herrschenden kulturalisierenden Gewaltkonzepte. Gibt es die wirklich? Kann man fragen. Spielräume sind sozusagen Räume des Widerstands gegen Gewalt und ich glaube fest daran, dass sie nicht nur gibt, sie zu erkennen und anerkennen? Ich beginne mit einem Anschluss an die Rede meiner Vorrednerin. zu erkennen und anerkennen, ist es ganz wichtig, sich daran zu erinnern, woher die herrschende kulturalisierende Gewalt stammen. Das herrschende kulturalisierende Gewaltkonzept ist kein neues Phänomen. Historisch gesehen können wir in der kolonialen Wertenarrative eine phänomenale Umkehrung erkennen, die grausamste Gewalt verüben, beschuldigen diese Volke des Mangels an Scham, Moral und Wert. Mit anderen Worten, die gewalttätigen Kolonisatoren bezeichnen sich selbst als Träger überlegene Werte und stellen sich die Mission, wertlose Völker zu retten. Wir erachten diesen historischen Zusammenhang als grundlegend für das Verständnis der geltenden Diskurse und Politiken gegen Gewalt an Frauen. Ich habe am Anfang gesagt, wir erachten, ich denke gerade an die fast 30 Jahre Erfahrung mit Beratungsarbeit von Maiz. Dahinter steht die Pseudologik, die Europa in den Mittelpunkt der Moral und Bastion wahrer Werte und damit gewaltfrei im Gegensatz zu unzivilisierten, also barbarischen und gewalttätigen anderen. Dieser eurozentrischen Logik entsprechen, wenn über Gewalt gegen Migrantinnen die Rede ist, wird in der Regel an ungebildete, nicht emanzipierte Frauen, passive Opfer der Gewalt und Migrierten oder geflüchteten Männer gedacht. Das ist eher, was Nivedita auch vorher gesagt hat. Rassismus und Paternalismus sind also zwei Seiten derselben Medaille, diese Narrative. Diese Narrative gehört dekonstruiert werden. Ich möchte nur auf einige offensichtliche Aspekte in dieser Rede aufmerksam machen. Migranten ist nicht gleichbedeutend mit nicht emanzipierten Frauen. Migrantinnen und arme Frauen wären häufiger betroffen in häuslicher Gewalt als Nicht-Migrantinnen und Frauen aus der Oberschicht. Ja, und wie sollen wir dann verstehen, dass viele Akademikerinnen betroffen von Gewalt durch ihre europäischen Partner werden. Betroffenen von Gewalt ist nicht per se passives Opfer. Das heißt, migrierte und gefütterte Menschen, Frauen, wehren sich und entwickeln Strategien, um sich zu verteidigen, den Angreifer zu vermeiden und oder ihnen entgegenzutreten. Migrierten oder geflüchtete Männer wären in allgemein böse und gewalttätig. Aber wenn ein österreichischer bzw. ein europäischer Mann gewalttätig ist, wird das Problem individualisiert und pathologisiert. Ja, das sind nur ein paar, ein wenige Beispiele. Da wir in Mainz sowohl mit Migrantinnen arbeiten, die mit österreichischen Männern verheiratet sind, als auch mit solchen, die mit Männern bzw. Menschen aus ihrem eigenen Land verheiratet sind, können wir die Art von Gewalt vergleichen, die Frauen in beiden Situationen betreffen. Und wir haben sogar, würde ich behaupten, mehr Erfahrung mit Migrantinnen, die in sogenannten binationalen Konstellationen leben. Die Erfahrungen in unserer Beratungsstelle zeigen, dass insbesondere Frauen in binationalen Beziehungen überdurchschnittlich oft in Formen von Gewalt betroffen sind. Frauen, die sich an uns wenden, sind auf mehr miteinander verbobenen Ebenen von Gewalt betroffen, auf struktureller, physischer und psychischer Ebene, inklusive sexualisierter Gewalt. Und Rassismus gehört dazu selbstverständlich. selbstverständlich. Auf der strukturellen Ebene erfahren Migrantinnen Gewalt unter anderem in Form von restriktiven Einwanderungsbestimmungen, die sogenannten Migrationsregelungen, sowie Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheits- und Sozialsystem. Diese strukturell gewaltvollen Rahmenbedingungen führen zu einer Schwächung der Migrantinnen, sowohl in ihrer gesellschaftlichen Position als auch in ihrer Position innerhalb der Familien. So entstehen zum Beispiel durch die Kopplung des eigenen Aufenthaltstitels an jenen des Ehepartners Abhängigkeitsverhältnis. Diese Situation, diese Abhängigkeitsverhältnisse begünstigen weitere Gewaltformen. Somit geht mit struktureller Gewalt eine erhöhte Vulnerabilität einher, auch von anderen Gewaltformen betroffen zu sein. Diese Formen institutioneller und struktureller Gewalt sind oft nicht die primäre Auslöser für eine Krisensituation, können jedoch als sekundäre Situation verhindern, dass die Betroffenen sich der Gewalt entgegenstellen kann, dass sie Angst vor institutionellen Konsequenzen beziehungsweise gesetzliche Regelungen ihr den Weg versperrt haben. Die häufig erlebten physische oder psychische Gewaltformen finden meistens sozial im Nahraum statt. Über Gewalt in der Familie zu sprechen und gegen die Täter etwas zu unternehmen, fällt Migranten jedoch oft sehr schwer, unter anderem aus der Angst heraus, den Aufenthaltstitel und oder die Kinder dem Partner zu verlieren. Das muss man wirklich nicht vergessen in dieser Diskussion. Das Thema Scheidung bringt demnach eine große Unsicherheit bezüglich der Auswirkungen auf das Leben der Frau und der Kinder mit sich. Die aus dieser Unsicherheit entstandene Angst führt auch dazu, Gewaltbeziehungen weiter zu ertragen. Das oftmals fehlende soziale Netz verstärkt die Abhängigkeit von meistens österreichischen Partnern und trägt ebenso dazu bei, dass die betroffenen Frauen nur schwer aus Gewaltbeziehungen ausbrechen können. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie der Zusammenhang von struktureller und familiärer Gewalt wirkt. Die real existierende Gefahr der Ausweisung, der Abschiebung nach einer Scheidung kann zur Folge haben, dass Frauen in lebensbedrohlichen Gewaltbeziehungen ausharren müssen. Migrantinnen in binationalen Ehen erfahren darüber hinaus Sexismus und Rassismus sowohl auf individueller als auch auf struktureller Ebene. So erschweren Formen des strukturellen Rassismus trotz gegenteiliger Beteuerung von Expertinnen der Wohnungsvergabe in der Praxis zum Beispiel oft den Zugang zu einer geeigneten Wohnung. Diese wird unter anderem durch häufige Intransparenz bei der Vergabe und erschwerten Zugang zu Beratung und Informationen deutlich. Ähnlich und zum Teil noch größere Hürden stellen sich Migrantinnen bei der Arbeitssuche entgegen. Sichtbar wird dies unter anderem durch einen erschwerten Zugang zur Arbeit, durch ungleiche Verteilung von Menschen mit und ohne migrantischen sogenannten Hintergrund, unterschiedliche Berufsbranchen und beruflichen Hierarchien, geringe Entlohnung und prekäre Arbeitsverhältnisse. Besonders betroffen sind davon auch Frauen. In der Arbeitsmarkt rassistisch und sexistisch segregiert, begünstigt dies wiederum die Abhängigkeit in Gewaltbeziehungen. Migrantinnen in internationalen Ehen sind im Gegensatz zu ihren Männern, die über ein bestehendes Netz Familie, Freunde verfügen, sehr häufig allein ohne ihre Herkunftsfamilie in Österreich. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwierig, sich in eine Beziehung gegen eine ganze Struktur zu positionieren, die auf der Seite des Mannes steht. Hinzu kommt meist fehlende existenzielle Absicherung, Wohnung, Versicherung, unzureichende Informationen aufgrund unterschiedlicher Konzepte zwischen Herkunft und Österreich, falsche Informationen durch ihre Männer sowie oft auch schon Versagensängste. Ganz wichtig ist es hier zu betonen, dass diese lange Liste von Schwierigkeiten überhaupt nicht an die Fähigkeit oder Unfähigkeit der Frau mit dem Leben umzugehen, sondern mit struktureller Gewalt und fehlender Zugänge, die eine total ungleiche Situation, was Rechte anbelangt, verursacht. Das ist ganz wichtig. Also es ist keine Opferperspektive, es ist schon Opfer von einer strukturellen Situation, aber nicht per se. Und was sagen über die Situation der Geflüchteten aus, die internationalen, strukturellen, wirtschaftlichen, institutionellen, polizeilichen Gewalt unter anderem ausgeliefert sind, sogar unter Verweigerung der Menschenrechte? sind, sogar unter Verweigerung der Menschenrechte. Eine Frau oder Person, die sich als Frau identifiziert, verlässt ihr Zuhause bzw. Herkunftsland aufgrund von Verrückung, das heißt aufgrund von Gewalt. Auf der Flucht könnte die sexualisierte Gewalt durch Grenzpolizei, SchmugglerInnen oder humanitäres Hilfspersonal erfahren. Drittens, in Österreich angekommen, erfährt die Person hochwahrscheinlich Rassismus, einschließlich antischwarzen Rassismus, Antiromaismus oder antimuslimischen Rassismus auf der Straße und im Alltag. Sie könnte auch mit Sexismus, sexualisierten Übergriffen, Trans- und Homofeindlichkeit konfrontiert werden. Wenn Gewalt in der Unterkunft passiert und die Person die Unterkunft verlässt, kann das strafrechtliche Konsequenzen für sie haben. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, die aufgrund ihres Namens oder anderen gelesenen Zuschreibungen ausgewählt werden. Es werden das Erschwerde finden, eine eigene Wohnung. Asylheim. Die Bedrängtheit, die in der geflüchteten Unterkunft kann Stress- und Gewaltdynamiken in der bestehenden Beziehung verstärken. Weiterhin kann es zu sexualisierten Übergriffen sowie zu trans- und homofeindlich motivierter Gewalt in die Unterkünften kommen. Das sind nur ein paar Beispiele. Jetzt kommen wir zu Strategien langsam. In einer sich verändernden heterogenen Gesellschaft stellt die Entwicklung von wirksamen Strategien gegen Gewalt und Diskriminierung eine große Herausforderung dar. Individuelle Lebensumstände beeinflussen sehr oft die Risikofaktoren für Gewaltbelastung. Methoden und Werkzeuge zur Gewaltprävention sollten daher nicht nur auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet sein, sondern sich auch auf spezifische Rahmenbedingungen fokussieren. Ein rassismuskritischer Ansatz, welcher die wechselseitigen Zusammenhänge gesellschaftlicher Positionen, in deren Rahmen sich jeweils individuelle Lebensumstände bewegen, analytisch greifbar. Das ist unabdingbar, Gewalt in ihrer facettenreichen Komplexität nicht nur zu erkennen und benennen, sondern auch der Wicht zu bekämpfen. Mit seiner Hilfe, Hilfe von dieser rassismuskritischen Ansatzmanöver werden Mechanismen, soziale Hierarchien, Machtstrukturen und dominante Kulturen verstehbar und dekonstruierbar. Eine vor allem auf die Polizeiarbeit ausgerichtete Sozial- und Beratungsarbeit halte ich für sehr freigültig. naiv und widersprüchlich zu erwarten, dass MigrantInnen vor allem über aber geflüchtete Frauen und Menschen, die sich auch als Frauen identifizieren, immer sehr negative Erfahrungen mit der Polizei hierzulande machen, plötzlich darauf vertrauen, dass die Polizei sie schützt, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt werden. Und was ist mit den anderen unzähligen Formen von Gewalt und Täterin? An wen sollen sie sich wenden? Wo Schutz suchen? Im Gegensatz zu kulturalisierenden Gewaltkonzepten, was wäre nach einer rassismuskritischen Perspektive für die Gewaltbekämpfung unabdingbar? dafür wäre, das Wissen der Betroffenen im Zusammenhang mit Gewalt zu berücksichtigen. Dies bedeutet insbesondere die Berücksichtigung von erstens ihrer Erfahrung und Verständnis von Gewalt, zweitens ihrer Bedürfnisse und Vorstellungen zur Gewaltprävention und drittens der von ihnen eingesetzten Strategien und ihre Netzwerke gegen Gewalt. Um dies zu tun, um mehr Ergebnisse zu erzielen, braucht es mehr als viel Ideal, guten Willen, politischen Willen und ein feministisches oder rassismus-konzept. Dies setzt ausreichende Rahmenbedingungen und Ressourcen vor. Hier geht es, in diesem Teil geht es um die wachsende Schwierigkeit Finanzierungen für Konzepte außerhalb der neokolonialen und neoliberalen Logik zu bekommen. Die Ressourcen fließen hauptsächlich im reformistischen Konzept der sozialen Arbeit, die dem paternalistischen, regionalen Modell einer eurozentrischen Kulturmatrix entsprechen. Im Aufrufen zur Einreichung von Projektvorschlägen zum Thema Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Kontext von Integration sind die kulturalisierenden Definitionen bereits vorgegeben. Und darüber hinaus ist es praktisch unmöglich, Ressourcen zu beschaffen. Ich gebe jetzt ein Beispiel. Ein gutes Beispiel dafür war ein Projekt, das wir in Maiz letztes Jahr konzipiert haben, laut Aufruf Maßnahmen zur Stärkung von Frauen und Mädchen im Kontext von Integration. Basiert auf Expertise und Erfahrungen, die wir in unserer 25-jährigen Arbeit unter dem Motto Migrantinnen wehren sich gegen Gewalt, die Mais gesammelt haben, haben wir ein Projekt zur Verbesserung von Strukturen im Kampf gegen Gewalt an migrantischen und geflüchteten Frauen und Mädchen, darunter auch Sexarbeiterinnen in Österreich, konzipiert und eingereicht. Unsere Idee war, ein Observatorium gegen Gewalt in Österreich zu entwickeln, also gegen Gewalt an diese Zielitung der Daten sollte migrantischen Gefl zur Unterstützung und Strukturverbesserung. Unser Plan in diesem Projekt wäre, die Betroffenen zuerst zu hören, um ihre Narrative und Ideen über Formen des Widerstands gegen Gewalt wahrzunehmen und danach als zweites auf diese Grundlage, Prozesse zur Verbesserung von Strukturen im Kampf gegen Gewalt an migrantischen und geflüchteten Frauen und Mädchen inklusive Sexarbeiterinnen zu entwickeln. Das Projekt zielte auf die Entwicklung eines permanenten Informationssystems ab, das Input für die Gestaltung und Umsetzung öffentlicher Maßnahmen zur Verhütung und Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen diese Zielgruppe liefern sollte. Im Rahmen des Observatoriums würden verschiedene Aktivitäten zu unterschiedlichen Akteuren stattfinden. Und mit diesem Observatorium wollten wir zusammengefasst erstens eine systematische Erfassung von Daten in Bezug auf die multiplen Formen von Gewalt leisten, die diese Zielgruppe in Österreich erfahren. Zweitens Erfahrungen mit dem bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebot in Österreich erhoben. Drittens die auf der Analyse der angeleiteten Daten eines Empfehlenskatalog für eine migrationssensible Arbeit mit Betroffenen von Gewalt und Multiplikatoren aus Beratungs- und Bildungseinrichtungen erstellen, der dazu beitragen sollte, das Beratungsangebot zielgruppengerecht zu gestalten, um Zugangsbarrieren zu verringern. Viertens, ein Ausbau des Beratungsangebots von MAIS mit dem Schwerpunkt auf Migration und Gewalt, Trauma und Ermächtigung. Fünftens und letztens die Öffentlichkeitsarbeit zum Themenkomplex Migration und Gewalt im Fokus nehmen, mit dem Ziel, eine Veränderung der Wahrnehmung in die Medien stark kulturalisierende Darstellung von Gewalt in Gang zu setzen. Wir haben betont, dass wir mit dem Projekt nicht nur mit der Sammlung und Bereitstellung von Daten arbeiten würden, sondern vor allem mit einer kritischen Analyse, die die sexuellen Herkunfts- und Klassenunterschiede anerkennt. Diese werden in der Konstruktion von Wegen der Anerkennung des Dialogs und der kollektiven Konstruktion von Auswegen aus der Gewalt eingebettet. Zentrales Anliegen des Projekts wäre die Stärkung von Migranten und geflücht, Frauen und Mädchen und damit die Leistung eines Beitrags zur Gleichstellung und Selbstbestimmung. Das ist ein Zitat, ja, dieser Beitrag zur Gleichstellung und Selbstbestimmung. Und das war quasi das einzige Zitat, das wir aus dem Aufruf herausfischen konnten. Das andere war unglaublich kulturalisierend, dass das nicht brauchbar war. Dieses praxisbezogenen transdisziplinären und kritischen handlungsorientierten Projektskonzept wurde abgelenkt. Zugesagt wurden vor allem Projekte von Mehrheitseinrichtungen, wahrscheinlich, weil es geglaubt wird, nach der kolonialen eurozentrischen Perspektive, dass sie selbstverständlich besser wissen, wie die Migrantinnen und Migranten, Frauen und Mädchen, und was sie brauchen. Punkt aus. Punkt aus? Sicher nicht. Aus dem Punkt wollen wir ein Koma machen. Wir weigern uns, zu Dienstleistern des neoliberalen und neokolonialen Staates verwandelt zu werden. Wir arbeiten mit öffentlichen Geldern, um eine möglichst ungerechte Verteilung der Ressourcen, die allen gehören, zu erzwingen. Und mit diesen spärlichen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, versuchen wir ständig, den Frauen zuzuhören, welche Art von Unterstützung sie brauchen und von uns erwarten. Versuchen wir gemeinsam mit den Betroffenen und nicht Betroffenen Frauen Strategien zu entwickeln, um Gewaltprävention zu treiben. Versuchen wir, die Formen des Schutzes und der Unterstützung, die es in ihren Communities oder in ihren Netzwerken gibt, herauszufinden und sie zu stärken, zu unterstützen und zusammenzuarbeiten vor allem. Versuchen wir uns kritisch zu populistischem und rassistischem Diskurs und Gewalt zu positionieren, wie zum aktuellen Fall um die Ermordung des 13-jährigen Mädchens in Österreich vor zwei Wochen. Fokus zu Verhalten, Strukturen und nicht auf die Identität oder ethnische Herkunft der Beteiligten. Versuchen wir hinzuweisen auf die Verhältnisse zwischen Mikro- und Makrostrukturellen Gewalt. Versuchen wir bewusst Räume zur Reflexion und professionelle Reflexivität auf Metaebene zu schaffen, denn die Thematisierung und Bekämpfung von Gewalt können selbst Gewalt werden, wenn blinde Flecke nicht wahrgenommen werden. Das ist unsere Erfahrung. Mehrfach zu Gehörlichkeiten ist die Perspektive, aus der wir gegen Gewalt und Skriminierung arbeiten. Und da sind wir nicht allein. Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die mit dem gleichen Ansatz arbeiten, ist extrem wichtig für uns, da wir eine kleine Organisation sind. Und ohne diese Allianzen sind wir noch schwächer. Die Arbeit von, ein Beispiel, den ich jetzt außerhalb von unserer Arbeit gern betonen möchte, ist in Berlin das Kollektiv Transformative Justice, Gerechtigkeit jenseits von Gefängnis und Polizei arbeiten und zwei Publikationen mit Toolkit und viele Beispiele schon veröffentlicht haben. Das ist eines davon. Und das finde ich eine spannende Grundlage für weitere Reflexionen, Diskussionen mit politischen AktivistInnen in antirassistischen Szenen und darüber hinaus. Auch die Arbeit von Les Migras in Berlin ist für uns eine wichtige Referenz. Aber ich möchte jetzt nicht lange Beispiele geben, das können wir in der Diskussion weitermachen. Anschließend möchte ich Maria Dumar Castro-Barrella und Frau Mischel aus ihrem Buch Die Dämonisierung der Anderen paraphrasieren, was uns zur Diskussion anregen soll. was uns zur Diskussion anregen soll. Wie kann Gewalt thematisiert, ich habe es ergän von rassismuskritischen Strategien, für den Kampf, den ihr führt, den wir auch gemeinsam führen. Genau. Bevor wir jetzt weiterkommen zur spannenden Diskussion zwischen euch, möchte ich uns zu einer kurzen Pause einladen. Fünf Minuten hätten wir jetzt gesagt. Und in der Pause würde ich gleich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bitten, sich Fragen zu überlegen oder noch ein bisschen genau über das Gesagte nachzudenken und wir treffen uns dann um 17.25 Uhr für die Diskussion zwischen Lucinia und Neve Dieter. Danke sehr. you you you you you you you you you you you you you you you you Thank you. ¿Buenas? Vielen Dank. you you you So, es geht jetzt gleich weiter. Wir warten noch ganz kurz auf ein paar Teilnehmerinnen vor Ort und dann geht es schon weiter. Ich denke, wir können weitermachen. vor Ort und dann geht es schon weiter. Ich denke, wir können weitermachen. Genau, ich würde jetzt gerne euch beide, Neve, Dieter und Rosinia, nach euren anregenden Vorträgen einladen, miteinander in ein Gespräch zu kommen, vielleicht genau einfach zu schauen, was bei euch offen geblieben ist, was euch genau am Thema der anderen noch interessieren würde. Ich fand es wirklich ganz spannend zu sehen, wie ähnlich die Erfahrungen sind und das ist eine gute, aber auch eine schlechte Nachricht, weil es zeigt, dass der rassistische Diskurs unabhängig von Ort funktioniert. Und das macht mich richtig sorglich. Hörst du mich? Ja? Okay. Und bei dieser Kulturalisierung, also ich bin langsam so satt mit diesem Hängen an Kulturalisierung, dass ich manchmal denke, und da wollte ich wissen, was deine Ideen dazu sind, ob man nicht kreativ zum Beispiel der hegemonialen oder der Dominanzgesellschaft Spiegel vorhalten müsste. Ich mache das an einem Beispiel, das ist vielleicht ein bisschen schräg, aber ich übertreibe tatsächlich extra. Also das eine war das Beispiel mit der Bibel, dass man wirklich, wenn es einen Femizid gibt von einem Österreicher, dass man irgendwas aus der Bibel raussucht und sagt, der Mann hat ja nur christlich gehandelt, also um die Absurdität zu zeigen. Oder, um es noch schlimmer zu wundern, also bei den Christen, ich muss dann auch immer so lachen, aber das ist ja das, was permanent bei muslimischen Personen passiert. Also dass man wirklich quasi den Spiegel umdreht und sagt, merkt ihr, wie absurd das ist? Also merkt ihr, wie absurd es ist, dass man eins zu eins überträgt, was in der Bibel vor 2000 Jahren geschrieben worden ist, für eine Tat heute. Und ich glaube, dass man das dann eher merken würde. Und ich gehe vielleicht noch mal ein Stück weiter mit einem Beispiel, was vielleicht noch schlimmer ist. Und zwar, wenn wir uns angucken, was in österreichischen Kellern so passiert. Ich meine damit Fritzl und Kampusch. Solche Fälle kenne ich aus Deutschland nicht. Wie absurd wäre das, wenn ich das kulturalisieren würde. Also wirklich übertreibend im Sinne von was ist los in österreichischen Kellern? Vielleicht sollte man in Österreich es verbieten, Keller zu bauen. Also man kann es so ad absurdum führen, dass die andere Seite, glaube ich, merken würde, wie absurd das ist. Weil ich bin langsam so verzweifelt. Also gerade was Kultivation angeht, bin ich wirklich verzweifelt, weil es gar nicht mehr aufhört. Da wollte ich wissen, was du davon hältst oder ob das eine völlig abstruse Idee ist. Mit der Wissenschaft komme ich nicht weiter. Ja, es ist spannend, dass du das fragst, weil eigentlich wollte ich dich fragen, ob du da Ergebnisse siehst aus deiner Arbeit im universitären Bereich, wie deine Erfahrung ist. Und ich habe da gar nicht aufgelistet, diese Ebene der Kulturarbeit bzw. künstlerische Arbeit, weil ich halte eine Menge davon. Ich glaube schon, dass mit performativer Arbeit, wo Irritationen verursacht werden, einiges an Potenzial mindestens hat, dass Menschen diese tief, so wirklich ganz tief verinnerlichte Logik vielleicht ein bisschen, ja, mindestens, naja, infrage gestellt wird. So quasi, aha, das ist vielleicht nicht die einzige Möglichkeit, die Welt zu sehen. Vielleicht gibt es auch andere Perspektiven. Ich finde wirklich, dass eine Kombination von Bildungsarbeit und künstlerischer Arbeit eine Tragweite hat. Und wünsche mir, dass viele junge Leute, die in diesem Bereich studieren oder schon studiert haben, dass sie das Thema immer mehr auch arbeiten. Ich weiß, es ist in Wien aus der Bildung der Kunst einige Projekte in die letzte Zeit, vielleicht schon längst, aber mir ist bewusst von den zwei letzten Dekaden einiges gemacht wurde, finde ich schon wichtig. Aber natürlich die Arbeit in die Beratungsstelle, wo die Situationen dann kommen, das ist ganz wichtig. Wir arbeiten aber nur mit dem Zielgruppen der migrierten oder geflüchteten Frauen und leisten eigentlich nicht eine Aufklärungsarbeit für die Gesellschaft, außer wenn es innerhalb der Kulturarbeit Projekte gemacht werden für ein breites Publikum. Aber ja, ich halte viel schon von Irritation und Provokation von dieser Situation, wo die Leute herausgefordert werden, eine andere Brille zu setzen quasi. Naja, und ich finde, zu der Frage, die du mir gestellt hättest, passt eigentlich ganz gut eine Übung, die ich oft mache mit Studierenden, aber auch in Fortbildungen. Und die arbeitet auch mit Irritation. Und zwar bitte ich Sie als Aufgabe, eine E-Mail zu beantworten. Die E-Mail lautet, liebe Kollegin, wir haben uns letztes Jahr in dem Kongress in Istanbul kennengelernt. Ich bin Mitarbeiterin des Frauenhauses in Istanbul. Morgen kommt zum ersten Mal eine deutsche Frau in die Beratung. Ich würde Sie gerne kultursensibel beraten. Was muss ich tun? Freundliche Grüße, Meltem Aktas. Und dann müssen die Leute, das ist ja genau der Spiegel. Und da gibt es die irsten Ideen. Also dass man dann wirklich anfängt zu sagen, so was wie Deutsche geben sich die Hand. Absurd. Weil das sehr viel vom Milieu abhängt. Oder Deutsche sind pünktlich. Absurd. Meine Studenten sind Deutsche sind pünktlich. Absurd. Meine Studenten sind überhaupt nicht pünktlich. Das heißt, wenn Sie so ein Paket zusammenstellen, kann ich das immer wieder zurückwerfen und sagen, also den die Absurdität zeigen. Und manche erkennen aber, indem sie quasi sich verallgemeinern sollen, die Absurdität dieser Idee. Und ich mache die Zulassung schon sehr, sehr lange. Und die kommt aus der Praxis, weil ich habe ja mit sehr vielen thailändischen Frauen gearbeitet und tatsächlich solche E-Mails, ich würde sagen, zwei bis dreimal im Jahr bekommen. Kein Witz. Also morgen kommt zum ersten Mal eine thailändische Frau, was muss ich machen, kulturspezifisch. Je nach Laune habe ich dann sowas zurückgeschrieben wie, ach, das ist ja nett, schicken Sie mir doch erst mal ein Paket, damit ich Deutsche gut beraten kann. Dann revanchiere ich mich gerne mit der Heiligen Paket. Ich habe nie ein Paket bekommen. Und da funktioniert die Irritation total. Das ist aber eher in dem Bereich Fortbildung, Weiterbildung, Ausbildung. Und genau diesen Spiegel würde ich gerne quasi in die Gesamtgesellschaft raustragen, aber auch in der Praxis, weil ich finde gerade der Bereich Kulturalisierung ist etwas, in der Wissenschaft ist es zu Ende diskutiert. Es ist so klar, dass Kulturalisierung nichts anderes ist als Rassismus. Es ist nur ein neues Gesicht von Rassismus. Aber das nach außen zu tragen, in der Praxis, ist wirklich eine Herausforderung. Ich glaube, wir brauchen genau solche Irritationen und machen uns vielleicht auch angreifbar. Aber weil du sagtest, ihr macht keine Öffentlichkeitsarbeit, vielleicht wäre das spannend, den Blick der Migrantinnen, mit denen ihr arbeitet, auf die österreichische Gesellschaft und das vielleicht ein bisschen zu übertreiben und die Irritation sichtbar zu machen. Ja, haben wir schon einige Projekte schon vor Jahren, wo wir vielleicht, ich kann mir ein bisschen erzählen, das ist, glaube ich, einer der ersten Projekte, also Ausstellungen, die wir gemacht haben, wo Sätze geschrieben wurden von Teilnehmerinnen von Deutschkurs und sie haben die typischen Sätze geschrieben, was sie, wie sie österreichische Menschen wahrnehmen. Die duschen sich nicht so oft. Solche Sachen, ich weiß nicht, es waren ein paar Beispiele, ihre Sichtweise. Da ist ganz groß dann in einer Ausstellung, dass die Menschen sehen, okay, so quasi die Spiegel um, in eine umgekehrte Richtung gerichtet. Genau. Vielleicht könnte das auch... Ja? Ich wollte aber sagen, da muss der Radio sagen. Ich finde das super spannend und das nochmal, und zwar wirklich auch schichtdivers zu machen. Also wirklich, weil der Blick über die Migranten ist immer die von der Schicht benachteiligten, ungebildeten und so weiter. Ich bin ja selbst nach Deutschland migriert mit 13 Jahren und war erschüttert. Ich war erschüttert über das Schulniveau, über das schlechte Schulniveau. Also ich komme eben aus der Oberschicht, ich war auf einer sehr guten Schule und war erschrocken. Ich habe wirklich gedacht, oh mein Gott, was sind das für Barbaren? Wirklich. Also ich komme eben aus der Oberschicht, ich war auf einer sehr guten Schiede und war erschrocken. Ich habe wirklich gedacht, oh mein Gott, was sind das für Barbaren, wirklich. Also ich war ernsthaft erschüttert darüber, kein Mensch konnte Englisch. Also aus einer indischen Perspektive macht das überhaupt gar keinen Sinn, glaube ich, ist es vielleicht an der Zeit, weil mich das so ärgert. Mich ärgert dieses Bild über uns alle so, dass ich denke, okay, wenn ihr das Bild nicht ändert, dann hört ihr, wie wir euch mal gesehen haben oder immer noch sehen, weil das zeigt die Absurdität. Ja, was ich beobachte ist, dass diskursiv viele Leute lernen sozusagen, einen kritischen Diskurs zu verwenden, aber die Praxis geht nicht mit einher. Und das ist wirklich ein sehr großes Hindernis für die Arbeit. Weil von Diskurs her konnte man sagen, es sind Verbundischen Diskurs und die Praxis ist aber rassistisch. Hast du diese Erfahrung auch? Wie siehst du das? Ich kann dir auch zwei Beispiele nennen, die ich sehr spannend finde. Und zwar, das eine ist die Dankbarkeitserwartung. Wir wissen, dass in der sozialen Arbeit Dankbarkeit nicht etwas ist, was wir erwarten können. Wir kriegen Geld für das, was wir machen. Und ich habe viele Jahre in meinem Leben in der Praxis gearbeitet und die Klientinnen waren überhaupt nicht dankbar. Es ist ihr gutes Recht, nicht dankbar sein zu müssen. Und ich finde, dass im Kontext von sozialer Arbeit mit Migrantinnen und mit Beflüchteten diese Dankbarkeitserwartung nur plötzlich wieder da ist. Dass es dann Beschwerden darüber gibt, dass die Migrantinnen so undankbar sind. Ich denke, wie kommt das? Und das sind Leute, die sonst theoretisch sehr gut über Rassismus sprechen können. Aber in solchen Handlungen merkt man das. Dass sie sagen, wir haben so viel Geld beantragt, so schöne Angebote gemacht, die kommen nicht. Die sind einfach nicht dankbar. Oder sie sind einfach nicht so gebildet, dass sie zu einer Veranstaltung kommen. Also all diese Bilder. Und ein anderes Beispiel, das fand ich auch sehr spannend, und zwar die direktive Beratung. Wir wissen ja zum Beispiel, dass wenn wir Klientinnen beraten, dass ich sage doch einer Klientin nicht, was sie zu tun hat, sondern ich sage ihr alles, was ich zu dem Thema weiß und dann trifft sie ihre Entscheidung. Und ich habe jetzt mehrere Beobachtungen gehabt und auch eine Bachelorarbeit, wo eine Studentin festgestellt hat, dass wenn es um eine Schwangerschaftsberatung geht und die schwangere Frau schon mehrere Kinder hat, nicht formal gebildet ist und eine Migrantin ist, dass es keine offene Beratung mehr ist, sondern es ist eine direktive Beratung, wo sehr deutlich wird, dass die Beraterin eigentlich denkt, reicht doch jetzt mit den Kindern. Also wenn wir uns das feministisch angucken, ist es desaströs. Wenn wir uns das unter Rassismus angucken, ist es genauso desaströs, weil das ist wirklich diese Idee von wer soll Kinder kriegen und wer nicht. Das ist wirklich hochgradig problematisch und ich finde, in solchen Handlungen erkennt man die Tragweite. Deswegen die Beobachtung mache ich auch, dass viele so auf der theoretischen Ebene alles wiedergeben können, aber wenn wir in die Praxis gucken, wird mir ganz anders. Ja, danke für diese Beispiele. Ich bin zwiespältig, was die Arbeit in der akademischen Ebene anbelangt. Ich finde es wichtig, dass Menschen mit gewisser Erfahrung und Perspektive das machen, um diese Möglichkeit auch den Studierenden zu geben, dass sie vieles hinterfragen, dass sie viel Auseinandersetzung machen. Auf der anderen Seite sehe ich immer diese Gefahr, Auf der anderen Seite sehe ich immer diese Gefahr, dass gewisse Jargons, gewisse Begriffe, gewisse Diskurse gelernt werden und verwendet werden, ganz leer von Bedeutung und vor allem nicht mit einer begleitenden, passenden Handlung dazu. Und für das würde ich total gerne auch das Publikum hören, was da für Erfahrungen gibt, für Kommentare. Vielleicht gibt es auch Fragen.