Musik Musik Musik Musik Musik Musik Danke zuerst einmal für die Einladung zu diesem Interview. Mein Name ist Reinhard Leitner, ich bin gebürtiger Linzer, ich bin hier hinter der Tabakfabrik in der Frauenklinik, als es sie noch gab, zur Welt gekommen, 1971. Ich bin auch hier aufgewachsen, drei Straßen weiter in der Stelzer Straße und mein Vater war Zollwachebeamter und hat hier als die Fabrik noch aktiver sogenannte Hausbeschauen, also Hausverzollungen durchgeführt und hat mich schon als kleinen Buben mitgenommen. Und mich hat das fasziniert, mich haben die Maschinen fasziniert, mir haben die, ja, also der Geruch, der viele Leute gestört hat, auch in diesem Viertel, aber ich habe den alles angenehm empfunden. Also der allererste Job, da habe ich im Sommer Zeitungen ausgeführt, ich weiß nicht mehr, entweder mit dem Fahrrad oder schon mit dem Moped, das kann ich mich schlecht erinnern dran. Und in aller Hergottesfruhr und die Fabrik hier hat auch Zeitungen gekriegt, was weiß ich, also für die Direktion, die Nachrichten und die Kranenzeitungen ungefähr, ich glaube es waren die Nachrichten. Und da bin ich halt um vier oder fünf in der Früh und hab da ins Postfach die Zeitungen angegibt und da war ein sehr svenierter Herr, ich glaube der ist mit dem Hund spazieren gegangen und hat mich gefragt, was ich da mache. Ich habe gesagt, ja, Zeitungen ausliefern. Der hat mich dann gefragt, was ich da verdiene. Und ich habe es halt gesagt, weil ich glaube, da bin ich pro Zeitung gezahlt worden mit, ich weiß nicht mehr wie viel, aber nicht viel. Und er hat auch gesagt, nein, das ist eher bescheiden. Und hat dann gemeint, ob ich mehr verdienen möchte. Ich sagte, ja selbstverständlich. Dann hat er mir eine Visitenkarte gegeben und ich habe das recht fest, also Austrater Park, das war der Herr Direktor Lindle, und hat gemeint, ich soll doch um, keine Ahnung, um 9 Uhr da vorbeischauen bei ihm im Büro. Und ein, zwei Tage später habe ich dann keine Zeitungen mehr ausgeführt, sondern war da herinnen. Und dann bin ich ja durch Zufall wieder in die Firma gekommen, weil eine bis heute liebe Freundin war Managerin in der Werbeabteilung in Wien. Und die hat knapp vor Weihnachten 1990 jemanden gebracht, der viele hundert, ich glaube es waren sogar über tausend Weihnachtspakete macht. Und ja, das habe ich gemacht und offensichtlich waren sie zufrieden mit mir. Und dann bin ich in der Firma hängen geblieben. Und das war zuerst ein Nebenjob neben dem Studium. Und irgendwann wurde dann eine Vollzeitbeschäftigung daraus. Ich war dann längere Zeit in der EDV, wie man das damals noch nannte. Jüngere Menschen werden das gar nicht mehr kennen, heute sagt man IT. Und die letzten Jahre meines Berufslebens bei Osterder Park war ich Logistikmanager für Österreich. Und dazu muss ich aber sagen, mein Hauptarbeitsort war Wien, aber ich war natürlich in ständigem Kontakt mit der Fabrik in Linz und mit den Kolleginnen und Kollegen hier. Ich war 23 Jahre im Unternehmen und ich habe zuerst in der Werbeabteilung gearbeitet. Das war so klassisch wie der Studentenjob, da bin ich auch im Hudre-Wudre-Kostüm herumgelaufen. Dann in der EDV ist es darum gegangen, das ist immer wichtiger und wichtiger geworden. Das war in genau den 90er-Jahren,, wo immer neue Anwendungen implementiert wurden. Ich habe dann auch längere Zeit Help-Tests gemacht. Da ging es darum, Probleme zu lösen, neue Software zu installieren. Diese Dinge wollte ich. Als Logistikmanager ging es dann hauptsächlich darum gegangen, die Produktionsplanung mit den Fabriken und auch mit unserer Großhandelsdochter, mit Tobakoland, abzustimmen. Also ganz zugespitzt formuliert, die Zigaretten sollten nie ausgehen, aber es sollten auch nicht zu viele auf Lager liegen. Ich gehe es von hinten an, es hat nicht jeder geraucht, es haben viele Kolleginnen und Kollegen geraucht. Es hat damals auch noch Deputatzigaretten, so hieß das. Also Zigaretten waren ein Teil des Gehalts, des Lohns. Das heißt, man hat eine gewisse Menge Zigaretten, das war ungefähr ein Packerl pro Tag, durfte man, also hat man zusätzlich zum Gehalt bezogen. Das haben wir noch den Pensionisten gekriegt. Man durfte allerdings keine Zigaretten mit aufs Gelände nehmen und auch nicht raus, weil Zigaretten sind natürlich, wenn sie versteuert sind, sehr wertvoll. Und da ging es darum, dass man schwimmt, dass man Diebstahl verhindert. Das heißt, wenn ich aus Wien gekommen bin und meine eigenen privaten Zigaretten eingesteckt gehabt habe, hat man es da beim Quartier in ein Fach deponieren können. Es hat hier in der Fabrik unter Anführungszeichen Zigaretten aus der laufenden Produktion zu freien Entnahme gegeben. Durfte man allerdings nicht überall rauchen, so darf man sich das nicht vorstellen. Also ich meine, Tabak ist nun auch nicht äußerst feuergefährlich. Es hat leider hier auch mal Ende der 70er Jahre einen großen Brand gegeben, übrigens in diesem Gebäude. Und das heißt, es gab so spezielle blaue Raucherzonen, in denen man rauchen durfte. Das war die eine Seite. Und wenn man das Gelände wieder verlassen hat, hat es die sogenannte Visitation gegeben, die ist noch ein Zufallsprinzip passiert. Also wenn man das Gelände wieder verlassen hat, hat es die sogenannte Visitation gegeben, die ist noch ein Zufallsprinzip passiert. Also wenn man die Stempelkarte reingesteckt hat und rausgegangen ist, das war eine Lampe aufgeleuchtet, dann musste man also die Taschen herziehen, wo man eh keine Zigaretten rausbringt. Und insgesamt muss man sagen, es ist vielleicht ein wenig übertrieben, von einer Festung zu sprechen, aber das Gelände war natürlich aus Sicherheitsgründen sehr hermetisch abgeriegelt. Also diesen freien Durchgang, den man heute kennt, den hat es damals nicht gegeben. Der war. Ich meine, Austria-Dapak, als es sich noch gab, hat eine weit über 200-jährige Firmengeschichte gehabt, ist das zweitälteste Tabakunternehmen der Welt gewesen, muss man heute leider sagen. Und man war stolz. Ich muss auch sagen, ich habe in meinem ganzen Berufsleben, es waren wirklich durchwegs exzellente Kolleginnen und Kollegen, mit denen es wirklich ein Freude war, wenn man zusammenarbeiten konnte. Die Firma war bekannt für gute Sozialleistungen, auch für gute Bezahlung. Man war wirklich stolz, wenn man hier arbeiten konnte. Sie war auf jeden Fall prägend, weil der Begriff, der Name Tschickbude für die Tabakfabrik, den hat jede Linzerin, jeder Linzer, wahrscheinlich jeder Oberösterreicher kennt. Man hat schon gewusst, was da los ist. Und obwohl es auf der einen Seite ein sehr abgeschlossenes Areal war, war auf der anderen Seite die Firma natürlich sehr präsent, weil das ist gegangen von Führungen, die regelmäßig gemacht worden sind, also begonnen auf Schulklassen, haben damals noch Zigarettenfabriken besuchen dürfen. Das ist ziemlich lang gegangen. Die Leute waren begeistert, wenn sie das gesehen haben, wie das hier läuft, die hochautomatisierte Produktion. Es hat einen Fußballverein gegeben, der eine durchaus regionale Bedeutung gehabt hat. Also die Firma war im Linzer Bewusstsein durchaus präsent. Also da herinnen, ich kann es nur für die gesamte Firma sagen, weil für mich hat sich das von Wien aus abgespielt, aber es war eigentlich überall dasselbe. Es ist ein Legendär geworden, zum Beispiel die jährlichen Skitreffen, wo Kolleginnen und Kollegen aus ganz Österreich, wir hatten ja viele Standorte, leider hatten wir, sich getroffen haben, traditionell in Bad Hofgastein, wie man so im Jänner, Februar war das. Und das war zum Beispiel ein jährliches Highlight. Und der Sportverein Osterder Park war insgesamt sehr aktiv. Es hat Sektionen gegeben, eben von Ski über Fußball, Motorsport, Tennis und ja, Betriebsausflüge und so weiter und so fort. Also der Zusammenhalt innerhalb der Firma, innerhalb der Belegschaft war sehr groß. Naja, es hat sich in den letzten 30 Jahren schon baulich viel verändert. Hier hinten war das ziemlich große alte Frauenklinik. Daneben so eine Art, das war glaube ich sogar einmal ein Bauernhof, mit großen Grünflächen. Das ist heute alles zugebaut. Dasselbe Richtung Donaulände runter, wo jetzt dieses Ärztezentrum ist. Das waren ebenfalls Freiflächen. Da unten in dieser Schrebergartensiedlung, meine Eltern hatten da einen Schrebergarten. Also es waren noch halbwegs viele Städte. Und das war natürlich in meiner Kindheit auch toll, weil da hat es auch entsprechende Abenteuerspielplätze gegeben. Naja, das war ganz verschieden. Also da hinten, neben der Fabrik, Richtung Honauer Straße ist, also die Firma, da sind wir wieder beim Thema Sozialleistungen, hatte auch eine eigene gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft, die Firma Ridenhof, die günstige und schöne Wohnungen gebaut und zur Verfügung gestellt hat. Da hinten, das sind zum Beispiel solche Ridenhofwohnungen, die hat es auch über ganz Österreich gegeben. Ich habe zum Beispiel auch in Wien in so einer Wohnung gewohnt. Viele andere haben sich eine Häusl gebaut und sind aus dem Müllviertel oder aus der Linzer Umgebung zugependelt. Es waren auch viele Kolleginnen und sind aus dem Müllviertel oder aus der Linzer Umgebung zugebündelt. Also es waren auch viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Müllviertel hier. Zwei, die Zufriedenheit mit dem Job war sehr hoch. Auf der anderen Seite natürlich auch der Fleiß, das muss man sagen. Es ist eine unglaubliche Wertschöpfung geschaffen worden und jetzt gröbere Konflikte gab es nicht. Der Betriebsrat war auch entsprechend stark und wenn sich Konflikte angebannt hätten, dann ist das im Vorfeld schon kollegial erledigt worden. kollegial erledigt wurden. Es war dann so, ich war mit an der Schließung dieser Fabrik beteiligt, weil man das natürlich planen musste. Das war mein Job, so etwas zu planen und ich habe das gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen umsetzen müssen. Und das hat weh getan. Das hat wirklich weh getan, wenn man sieht, dass diese stolze Fabrik, diese Fabrik war das Flaggschiff des Unternehmens. Und ich habe dann das Unternehmen verlassen und habe mich mit meiner eigenen Zigarettenmarke, mit der Chick, selbstständig gemacht. Und da hat mich dann wieder relativ verschlungen, also der Weg wieder zurückgeführt nach Linz, weil ich gesehen habe, okay, hier tut sich was auf dem Gelände, das ist nicht tot. Und mir war es dann, weniger aus rationalen, aber aus emotionalen Gründen sehr wichtig, dass der Firmensitz meiner Firma genau hier ist, in der Tabakfabrik Linz. Also mich fasziniert es nach wie vor, es ist ein interessantes Genussmittel, es ist immer noch so, es ist eine hochinteressante Pflanze. Es ist, weltweit gesehen bedeutender wirtschaftsfaktor das braucht man nicht kleinreden und es ist fasziniert mir einfach fasziniert also warum leute rauchen was sie rauchen in welche situationen in guten wie in schlechten Zeiten und das begleitet die Menschheit jetzt schon ziemlich lange. Und ja, ich arbeite gern mit Tabak, ich arbeite sehr gern mit Tabak. Immer noch. Das wäre ein Herzenswunsch, dass sich die Tabakfabrik als Gelände, als Institution, aber auch als soziale Gemeinschaft so gut weiterentwickelt, wie sie das seit 2009 gemacht hat. Das wäre mein Wunsch.