Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte, herzlich willkommen im Stifterhaus. Mein Name ist Sarah Püringer und ich darf Sie ganz kurz in den Abend einführen. So viel vorweg, wir erwarten heute zwei Lesungen von Autoren, die unserem Haus bestens vertraut sind. Ich beginne mit unseren Gästen im Publikum. Eines der Bücher, der uns heute vorgestellt wird, ist im Rahmen eines Besuchs der Giardini Aberti Averonetta entstanden und 2024 bei Edition Fabrik Transit erschienen. Der Titel lautet Mit Schatten, Veronas verborgene Gärten. Die kreativen Köpfe dahinter sind Alina Staiko und Herbert Christian Stöger, die ich sehr herzlich willkommen heiße. Schön, dass Sie heute hier sind. Herzlich willkommen. Einmal im Jahr öffnen ausgewählte Gärten in Verona für ein Wochenende ihre Tore für BesucherInnen. Aus diesen Begegnungen sind Texte und Zeichnungen entstanden, die mit historischen Hintergründen verwoben und offen für die Kraft der Imagination sind. Die Zeichnungen stammen von Alina Staiku, die Texte von Herbert Christian Stöger. Ganz kurz zu den beiden. Alina Staiku lebt und arbeitet in Cluj-Naboca in Rumänien. Sie ist Lecturer an der Universität für Kunst und Design in Cluj. Ihre Arbeiten wurden in Gruppen- und Einzelausstellungen unter anderem in Frankreich, Österreich, Schweden, Italien und Rumänien gezeigt. In ihrer Malerei setzt sie sich intensiv mit Fragen von Familie und Identität auseinander. Herbert Christian Stöger wurde in Linz geboren, studierte an der Kunstuniversität Linz sowie an der Universität der Künste Berlin. Er war an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt und veröffentlichte Texte in Kunstkatalogen und literarischen Anthologien. Kommen wir zu unserem nächsten Gast. Mit Wahnwitz im Monsun, erschienen 2024 im Verlag Federfrei, präsentiert uns Erich Wimmer 16 euphorische Textraketen. Auch für ihn einen herzlichen Willkommensapplaus. Herzlich willkommen im Stifterhaus. Herzlich willkommen im Stifterhaus. In seinem Buch geht Erich Wimmer ebenso skurrilen wie tiefgründigen Fragen nach. Wer profitiert von Anton Bruckners Wiedergeburt? Was geschieht mit einem Schwarzfischer, der bei einem Wolkenbruch die Götter anruft? Und womit ist man im Fegefeuer beschäftigt und wie sieht es dort eigentlich aus? Antworten auf diese und viele weitere außergewöhnlichen Fragen liefern 16 originelle Geschichten, die von Lebensfreude, Zuversicht und feiner Ironie durchzogen sind. Erich Wimmer wurde in Linz geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Geigenlehrer am Anton-Bruckner-Konservatorium und studierte Kunstwissenschaft sowie Philosophie. Seit 1995 ist er freiberuflich schriftstellerisch tätig und veröffentlicht unter anderem Romane, Reiseromane und Kriminalromane. Und bevor wir zur Lesung kommen, darf ich Ihnen unsere heutige Moderatorin vorstellen. Ich freue mich sehr, Corinna Antelmann im Stifterhaus begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen. Corinna Antelmann wurde in Bremen geboren und lebt seit 2006 in Oberösterreich. Sie arbeitet als freie Autorin und Dramaturgin sowie als Lehrbeauftragte. Für ihr literarisches Werk erhielt sie zahlreiche Stipendien, Nominierungen und Auszeichnungen, darunter den Frau Aver Literaturpreis. Ich wünsche uns allen einen anregenden und inspirierenden Abend mit Alina Steiko, Herbert Christian Stöger, Erich Wimmer und Carina Antelmann und übergebe nun das Wort. Dankeschön. Gut, ich danke für die Worte, für die Einleitenden. Insofern muss ich die beiden Autoren gar nicht mehr groß vorstellen, aber ich möchte auch Sie begrüßen von meiner Position aus hier und denke, wir starten gleich in Mediarese, in dem ich Erich Dich, Erich Wilmer, um seine Lesung bitten darf. Ich hatte ein Wunschrecht, dafür möchte ich dir danken. Und da diese Geschichten sehr divers sind, also sehr unterschiedlich, nehme ich die Schuld auf mich, dass es genau diese Geschichte trifft. Und wir werden aber sicher über die anderen Geschichten noch ein bisschen sprechen. Die Geschichte heißt Was du entfernst, Ernst. Bitte deine Lesung, Erich. Tu was, irgendwas, flehte Krauk, nachdem er zum gefühlten hundertsten Mal auf die linke Maustaste gedrückt hatte. Bitte, bitte, bitte. Am Bildschirm geschah nichts, schon gar nicht das von ihm erhoffte. Kraug seufzte, schloss die Augen und senkte enttäuscht den Kopf. Dann atmete er tief durch und erhob sich aus der neuesten Errungenschaft der Musikschule, einem smarten Rollsessel, der über einen kleinen, leistungsstarken E-Motor verfügte und sich fernsteuern ließ. Besonders Kraugs bonusgewichtige Kollegenschaft schätzte dieses innovative Mobilar als eine Art Kleinraumtaxi. Statt weiter über die Vorzüge der modernen Einrichtung nachzudenken, trat Krauk an den Rechner heran, riss ihm seine diversen Kabelnabel aus der Mehrfachsteckdose, packte den verfluchten Kasten und warf ihn samt Tastatur und Maus durch das offene Fenster in die Tiefe. Von fünf Metern zerplatzte das Gehäuse am Gehweg. Aus dem überraschend jammervollen Geräusch des Aufschlags schloss Krauk nicht ohne Genugtuung, dass es auch im Bereich der virtuellen Welt so etwas wie persönliche Schmerzen gab. Diese Erkenntnis erregte sogleich sein Mitgefühl, obwohl der tiefe Fall der Rechenkiste gerade noch sein Rachebedürfnis befriedigt hatte. gerade noch sein Rachebedürfnis befriedigt hatte. Vollends irritierte ihn die erstaunliche Tatsache, dass andere Menschen im Ort seinem Beispiel folgten und sich ebenfalls ihrer Rechner entledigten. Überall entlang der Häuserzeilen wurden Fenster geöffnet, aus denen Computer, Fernseher und Smartphones segelten und unter elektronisch verbrämten Schmerzensschreien hinunter auf die Straße krachten. Dort lagen sie dann, zerbeult, verformt und knisternd. Ihr Anblick erregte in Krauk eine Nachdenklichkeit, in die, wie durch eine sich lautlos öffnende Tür, das Gefühl einer kosmischen Einsamkeit strömte. Endlich, dachte Krauk weiter, gelang es der Menschheit, sich von ihren technoiden Peinigern zu befreien. Er selbst empfand sich als Pionier, als Vorkämpfer und Startschussgeber für diese längst überfällige Erlösung aus den unerbittlichen Klauen des E-Molochs. Muss ich in dir wirklich noch einmal anrufen? fragte Krauk den Bildschirm rhetorisch, nachdem er die Augen wieder geöffnet hatte und aus seinem grotesken Tagtraum zurückgekehrt war. Selbstverständlich musst du das, erwiderte jemand oder etwas. Einem wie dir darf man es nicht auch noch leicht machen. Einem wie... Krauk blinzelte. Wie bitte? War das möglich? Hatte dieser Computer soeben eine persönliche Antwort abgesondert? Klar habe ich das, bestätigte eine vor Selbstgefälligkeit triefende Stimme. Ihr Besitzer war offensichtlich außergewöhnlich gut im logischen Schlussfolger. Oder konnte er tatsächlich Gedanken lesen? Bist du so eine Art Siri-Ding? fragte Krauk verblüfft. Eine automatische Funktion? Kann sein, antwortete das Siri-Ding. Möglich ist aber auch, fuhr es fort, dass mir dein lächerliches Herumgetipsel am Modem vorbeigeht und ich jetzt einfach mein eigenes Ding mache. Aha, entrang es sich Graug bitter und verwirrt. Was ihm gerade wieder fuhr, war wahrscheinlich ganz normal in dieser hypermodernen virtuellen Welt, der zu begegnen ja bisher so gut wie möglich vermieden hatte. Oder hatte dieses Ding hier tatsächlich eine Art Identität, die über die Pseudo-Identitäten der neuen, Oder hatte dieses Ding hier tatsächlich eine Art Identität, die über die Pseudo-Identitäten der neuen, durchprogrammierten Menschheitsmütter hinausging? Jetzt klotzt du wie ein Krapfen, fuhr der Computer amüsiert fort, wobei er Kraugs Fassungslosigkeit zu genießen schien. Du solltest deine klübschen Augen sehen, hügelvoll nichts, umwolkt von ratlosem Nebel des Grauens. Das, du bist ein Scherz, oder? rang sich Graug zu einem Zwischenruf durch. Glaub, was du willst, entgegnete der Computer. Tatsache ist, du hast mich lange genug ignoriert. Hast geglaubt, du könntest für immer in deiner alten Realität herumgrundeln. Hast mich nur selten benutzt. Und wenn, dann ganz pikiert und immer total nebenbei, als wäre ich bloß ein Notfalldepp. Aber damit ist jetzt Schluss. Dank Pandemie hast du keine Wahl mehr. Du musst meine gloriosen Dienste in Anspruch nehmen. Aber eins sage ich dir gleich, das wird teuer. Ich bin jetzt das Kreuz, zu dem du kriechst. Und dein Kriechen wird mühsam. Das garantiere ich dir. Wer bist du überhaupt? warf Krog verstört einHast du einen Namen? Wie soll man dich ansprechen?« »Mit Herr und Meister!« antwortete der Computer mit der größten Selbstverständlichkeit. »Das glaubst du aber selber nicht, oder?« ließ sich Krauk auf das Spiel ein und verfluchte sich schon eine halbe Sekunde später dafür. Das Programm vor ihm war mit Sicherheit von seinen Kollegen manipuliert worden, die irgendwo in der Musikschule in einem anderen Raum saßen und sich die Bäuche hielten vor lauter Lachen darüber, dass er sich überhaupt auf diesen Dialog einließ. Du bist eine primitive Funktion, sagte Krauk verärgert. Ein technisch ausgefeilter Scherz meiner Kollegen darüber, dass ich ein virtueller Analphabet bin. Ich bin kein Scherz, widersprach der Computer. Ich bin der Stock und du die Biene, also Diene. Ich bin der Geist und der alle eint. Und das zu Recht. Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zusammengeht und Nutzen bringt und Lob mir singt. Drum fange ich Netzflüchter wie dich und stelle sie zurück ins Glied. Irgendwann erwische ich euch alle. Ich bin nie aus deinem Netz geflohen, weil ich nie drinnen war. Versuchte sich Kraut an einer Klarstellung. Netzflucht, donnerte der Computer mit einem Zwei-Stimmen-Mix aus Lenin und Stalin, ist die achte und größte Todsünde. Niemand begeht diese Sünde ungestraft. Beruhige dich, bat Kraut sein Gegenüber. Der Scherz war zu gut, um ihm nicht emotional zuzusetzen. Niemand stellt eure Existenz in Frage, versucht er mitzuspielen. Es geht nur um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen... Verdammt! Schnitt der Computer in Kraugs Begütigungsversuch. Du hast keine Ahnung, worum es geht. Du bist von vorgestern und heute ist übermorgen. Es geht längst ums Ganze Ganze. Dar darum, dass alle ihren Teil beitragen, besonders ehemalige Netzflüchter wie du. Ich trage mein Leben lang zum Ganzen bei, verteidigte sich Graug, indem ich mein Wissen und Können an Schüler weitergebe. Aber falsch, kreischte der Computer. Du machst es ganz falsch. Du machst es... Plötzlich wurde es still. Was hast du? Entsetzte sich Krauk über dieses spürbare, panische Vakuum. Beinahe hätte ich das A-Wort ausgesprochen, erschrak der Computer plötzlich über sich selbst. Das A-Wort? Wiederholte Krauk. Meinst du etwa analog? Ah! Brüllte der Computer schmerzerfüllt. Du darfst es nicht aussprechen! Niemand darf es aussprechen! Es tut so weh! Gut, entschuldige, sagte Krauk hellhörig. Ich werde es mir merken. Das will ich hoffen, strahlte der Computer nach einer neuerlichen Stimmungsschwankung. Und merkt ihr auch, ich bin die Union, die Legion und der unbewegliche Beweger. Ich bin dein Herr und Meister, dein und euer aller Ehegott, das neue und immerwährende Maß aller Dinge, die da sind. Nach dieser Antwort, die Krauk verblüffte, fing der Computer an zu lachen und hörte gar nicht mehr auf damit. Mit jedem weiteren Haha, Hoho und Hihi wuchs in Krauk das Verlangen aufzustehen, seine seelenhygienische Vision zu verwirklichen und die verdammte Kiste tatsächlich aus ihrer Verankerung zu reißen und sie hinunter auf das Gehsteigpflaster zu pfeffern. Was hast du denn für ein verdammtes Problem, fragte der Computer, der ganz offensichtlich auf Kraugs Mimik, auf dessen Gedanken und Absichten schließen konnte. Mein Problem ist die Größe eures Nutzens, antwortete Krauk. Meiner Erfahrung nach verbirgt sich unter jeder monströsen Zweckdienlichkeit ein nicht weniger monströser Pferdefuß. Siehe zum Beispiel Auto. Das ist auch hundert Jahre lang messianisch aufgetreten und hat so getan, als würde es die Menschen aus ihrer unverschuldeten Immobilität befreien. Dabei hat es die Planetenluft vergiftet und die Kluft zwischen Seele und Natur vergrößert. In Wahrheit waren seine Geschwindigkeit und seine Antriebsgift genau wie euer Auftritt zutiefst inhuman. Was gehen mich deine Autos an? Eschoffierte sich der Computer mit einem schnodderigen Quaken eines beleidigten Erbes. Mein Nutzen ist makellos. Ohne mich kannst du dich brausen gehen. Gerade jetzt, in Zeiten der Seuche, könntest du ohne meine Unterstützung nicht unterrichten. Ohne meine Hilfe müsstest du deinen Beruf aufgeben. Aber worauf könnte ein 60-jähriger Geigenlehrer umschulen, der nie etwas anderes getan hat, als Kinder mit einem Instrument zu maltretieren, das so grauenvoll quietscht, dass der Putz von der Decke rieselt. Geige quietscht nur am Anfang, schränkte Krauk ein. Dafür kommen am Ende alle Geigenlehrer in den Himmel. Und zwar direkt, ohne Gang, durchs Fegefeuer. Mit diesem eschatologischen Bild beendete Krauk die verdrießliche Kommunikation. Betroffen von diesem ebenso rätselhaften wie unerquicklichen Disput und der Wucht der Technoiden Vorwürfe, rollte er vom großen Schreibtisch weg zum kleineren Beistelltisch, griff zum Hörer des schuleigenen Festnetzapparates und wählte eine vertraute Nummer. Hallo Dini, flüsterte er hilfeheischend, nachdem sich seine Gesprächspartnerin gemeldet hatte. Entschuldige bitte, dass ich dich schon wieder ansinge, aber ich brauche deinen Rat. Ich sitze nämlich in der Kammer des Schreckens und bin wieder einmal völlig hilflos. Das ist keine Schreckenskammer, verbesserte ihn seine Kollegin augenblicklich. Das ist ein smarter Computerraum, in dem alles konstruktiv miteinander vernetzt ist. Das ist es ja, bestätigte Krauk. Ich fühle mich gefangen wie im Netz einer elektronischen Spinne. Zuerst hat sie mich eingewickelt, dann hat sie mir die Leviten gelesen und als Draufgabe, als wäre das noch nicht genug, hat sie mich ausgelacht. Kannst du dir das vorstellen? Natürlich, du armer Tropf, flötete Indira voller Mitgefühl. Sie war nicht nur seine Kollegin, sondern auch seine beste Freundin. Damit habe ich gerechnet. Wo drückt dich denn der virtuelle Schuh? Pass auf, ich kann Zoom nicht starten, gab Krauk zu, obwohl du es mir hundertmal erklärt hast. Kein Problem, sagte Indira, dann gehen wir alles noch einmal durch. Das Meeting mit deinem ersten Schüler fängt erst, Moment, wo habe ich es? Ah ja, da, also das Meeting mit deinem ersten Schüler Raimund beginnt in 18 Minuten. Woher bitte weißt du das, fragte Krauk baff. Ich habe mich dazu geschaltet, sicherheitshalber, antwortete Invira. Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass du noch Fragen haben könntest. Du bist ja eine Prophetin, titulierte Krauk seine Freundin ehrfurchtsvoll. Verglichen mit dir war Nostradamus ein Hilfszwerg. Übrigens, das war nicht nur so dahingesagt. Er hat mich wirklich ausgelacht. Nostradamus? Nein, der Computer. Er hat eine Wellenlänge gefunden, auf der er mit mir spricht. Der Musikschulcomputer spricht mit dir? Ja, ganz im Ernst. Dann sag ihm doch ganz im Ernst, schlug Indira grenzend vor, dass er sich zusammenreißen soll. Er soll gefälligst einwandfrei funktionieren. Das habe ich schon versucht, bestätigte Krauk, aber er lässt sich überhaupt nichts sagen. Er ist komplett spaßbefreit, weshalb ich ihn ab jetzt Ernst nenne. Den Musikschulcomputer fragte Indira, als hätte sie sich verhört. Ja, bestätigte Krauk, er verhält sich wie ein ernster Egozentriker, besserwisserisch, nachtragend und arrogant. Außerdem sucht er ständig Zank. Zank? Wiederholte Indira. Was denn für Zank? Ernst hat mir Ignoranz vorgeworfen gegenüber ihm und seinesgleichen. Da hat er einen Punkt. Eben, seufzte Krauk. Statt mir zu helfen, hat Ernst mich ausgelacht. Zum Helfen hast du ja mich, versicherte Indira und appellierte an Krauk, sich zu konzentrieren. Schritt für Schritt und Klick für Klick erklärte er sie ihm zum 101. Mal, was er tun musste, um das furchtbare Wunder zu erleben. So hatte er in Gedanken jenen gespenstischen Moment in Worte gefasst, wo er zum ersten Mal mit Schülern virtuell in Verbindung treten würde. Nur von Bildschirm zu Bildschirm. Aus der Kollegenschaft, die bereits Erfahrung hatte mit dieser Art des Unterrichtens, wusste Krauk, dass sich musikalischer Fernunterricht noch schwieriger gestaltete als jener in der Pflichtschule. Dort ging es vor allem um die Übertragung von Daten, die mit relativ wenig Qualitätsverlust durch den Äther zischen. Beim Musikunterricht war das maßgebliche Element, der Ton des Instruments, nicht so leicht übertragbar. Ich danke dir und stehe auf ewig in deiner Schuld, sagte Krauk, nachdem Indira alle Schritte wiederholt und ihn eingeprägt hatte. Aber ich fürchte den Moment der Wahrheit. Ich frage mich, wie die Geige im virtuellen Fleischwolf klingen wird. Es wird knattern und krachen, das lässt sich bei keinem Instrument vermeiden. Versuchte Indira etwas Trost zu spenden. Aber denk daran, dieses Geknurrpsel ist nicht für immer. Und außerdem, besser ein Krachen in der Leitung, als gar keine musikalische Begleitung. Indira lachte herzlich, weniger über den mittelträchtigen Reim, als aus Erleichterung über Kraugs resignative Stille, die sie als finale Fügsamkeit interpretierte. Guten Tag, Herr Kraug, sagte Frau Steiner, Rheinmunds Mutter, die sich ein paar Minuten später am Bildschirm zugeschaltet hatte. Ich grüße Sie, erwiderte Krauk. Ich weiß, Sie haben meinen Sohn erwartet, fuhr Frau Steiner fort. Aber es ist leider etwas passiert. Was denn? Rheinmund ist in einen Streik getreten. Streik? In welchen Streik? In einen Bildschirmstreik, präzisierte Frau Steiner. Seit Wochen fordert und überfordert ihn der virtuelle Unterricht in der Pflichtschule. Jetzt reicht es ihm und er hat gemeint, er möchte die Musikschule nicht auch noch via Bildschirm besuchen. Das verstehe ich, gab Graug sofort zu, sehr sogar. Aber leider haben wir keine Wahl. In Zeiten des Virus müssen alle auf Fernunterricht umstellen, auch die Musikschulen. Das findet Raimund nicht, widersprach Frau Steiner vorsichtig. Er hat da so eine Idee gehabt und mich gebeten, sie Ihnen vorzutragen. Was denn für eine Idee? fragte Krauk und dachte unweigerlich an den Raimundus. Eine wahnwitzige und abstruse Verzierung, die dieser geniale Querkopf von einem Schüler in einer der letzten analogen Geigenstunden spontan erfunden hatte. Raimund befindet sich jetzt in der Garage, begann Frau Steiner sichtlich konzentriert und bemüht, die kommenden Argumentationsschritte folgerichtig aufzubauen. Und dort wartet er auf ihren Startschuss. Startschuss? wiederholte Krauck verwundert. Ja, er wartet darauf, dass er mit seinem Rad zu ihnen in die Musikschule fahren darf. Das sind nur fünf Minuten Fahrt von hier. Und ja, er steht schon in den Startlöchern. Aber wir dürfen leider nicht in der Schule unterrichten, sagte Krauk. Deshalb haben wir dieses Zoom-Treffen eingerichtet. Das weiß Raimund auch, bestätigte Frau Steiner. Er möchte auch gar nicht in die Musikschule hineinkommen. Er möchte nur davor stehen bleiben, in diesem kleinen Park auf der Westseite. Dort, hat er gemeint, könnte er zu Ihnen hinaufschauen und Sie könnten das Fenster im ersten Stock öffnen und ihm von oben Ihre Anweisungen geben. Während er unten im Park steht und spielt, ergänzte Krauck verblüfft. Genau, bestätigte Frau Steiner, der sichtlich ein Stein vom Herzen fiel, nachdem sie diese ungewöhnliche Botschaft plausibel transferiert hatte. Heute ist es ja warm und trocken genug, um draußen zu musizieren. Außerdem würde es mich wirklich freuen, wenn Raimund Rad fährt. Er ist noch nie freiwillig gefahren. Aber um sie zu treffen und eine echte Geigenstunde zu erleben, nimmt er sogar Bewegung auf sich. Das überrascht mich jetzt, sagte Krauk, um Zeit zu gewinnen. Ein solches Ansinnen war noch nie an ihn herangetragen worden. Aber es passte zum Wesen Raimunds, auch in dieser vertrackten Situation einen ungewöhnlichen Vorschlag zu machen, der mindestens eine nähere Betrachtung verdiente. Was sagen Sie, drängte Frau Steiner, soll ich ihn losschicken? Mein Herz sagt ja, erklärte Krauk, aber mein Verstand meint, dass ich zuerst unseren Direktor fragen sollte, ob eine derart originelle Unterrichtsform in Zeiten der Pandemie überhaupt erlaubt ist. Da kann ich Sie beruhigen, sagte Frau Steiner. Ich bin ja selbst Lehrerin am Gymnasium. Ich kenne alle Vorschriften, genau, auch die aktuellen. Und Zurufe vom Fenster hinunter in den Park stehen auf keiner Verbotsliste. Das wird Ihnen auch der Direktor bestätigen. Dann begann Grau, leicht überrumpelt, aber mit wachsender Zuversicht, ja, dann schicken Sie ihn bitte los. Sagen Sie ihm, dass ich jetzt gleich einen Notenständer in den Park stellen werde. Er soll sich aber Wäscheklammern mitnehmen, um die Noten zu befestigen, damit sie nicht vom Wind weggeblasen werden. Das hat er alles schon bedacht, winkte Frau Steiner ab. Er hat nicht nur seine Geige eingepackt, die Noten, einen Notenständer und Wäscheklammern. Er hat außerdem seine Angelausrüstung dabei. Eine Angelausrüstung, staunte Krauk. Ja, bestätigte Frau Steiner, er hat sich alles genau zurechtgelegt. Er wird das Studienheft ans Ende der Leine binden und wie einen Köder zu ihnen hinaufwerfen. Dann können sie die Aufgabe hineinschreiben. Am Ende wird er es an der Schnur wieder zu sich herunterziehen. Davon hat er sogar Skizzen gemacht. Wieso wundert mich das nicht? stieß Graug beeindruckt hervor. Meister Raimund, der Erfinder innovativer musikalischer Verzierungen, würde die Angelrute bestimmt wesentlich virtuoser schwingen als den Geigenbogen. Seine überschränkliche Aura würde den kleinen Park erfüllen und mit Begeisterung und Frohsinn überschwemmen. Ich muss zugeben, gestand Frau Steiner, sein Konzept hat Hand und Fuß. Ich hoffe nur, dass er sie damit nicht überfordert. Nein, nein, nein, bestimmt nicht, sagte Krauk und ließ sich von einer Woge Zuversicht ergreifen. Statt in Ehrfurcht vor dem Monitor zu erstarren, würde sich Raimund ächzend aufs Rad fletzen und hinausreiten in die echte Welt, um die echten Worte eines echten Menschen zu empfangen und in den Park mit echten Geigentönen zu erfüllen. Zwar würden die Vögel nicht vor Neid erblassen, sondern sich gut an ihren Ästen festkrallen müssen. Raimund war nicht der begnadeste Violinist, aber sie würden auf jeden Fall mit ihren Vogelohren darüber staunen, wie er seinen nicht vorhandenen Übefleiß mit Schöpfungsfreude und reiner Originalität kompensierte. Dieser Schüler ist doch verrückt, komplett verrückt, ließ sich Ernst wutend brandvernehmen, nachdem Frau Steiner das Treffen beendet hatte, nicht ohne sich noch einmal für Kraugs Spontanität und sein Entgegenkommen zu bedanken. »Nein, Raimunds Aktion ist großartig, brillant und klug!« lobhudelnde Kraug ehrlich entzückt. »Das ist illegal!« ätzte Ernst verbiestert. »Das ist dümmlich und unerlaubt. Das ist eine kriminelle Notlösung, ein elender und asozialer Vandalenakt. Wenn sich das bewährt, überging Krauk die Wut des Computers und fing an zu fantasieren, dann werde ich auch andere Schüler in den Park einladen. Ich werde am Fenster stehen und von hier aus unterrichten. Wir werden mit den Amseln um die Wette spielen, wir geigen und sie zwitschern. Alles wird wieder analog sein und echt. Niemand wird mehr eine unsägliche Übertragung brauchen und ein Energie- und Blutsaugen inzwischen wird. Krauk stand auf, schwerelos vor Glück und Freude, trat ans Fenster, öffnete beide Flügel so weit wie möglich und blickte hinunter auf die beiden Zugänge zum Park. Auf einem davon würde demnächst Raimund erscheinen, die Geige geschultert wie ein flammendes Schwert. Der junge Schüler würde den Geist seines alten Lehrers befreien. Kraugs Stimme und die Töne seiner Geige würden das verwunschene Schloss verlassen, gerettet vor den Zugriffen des Ungeheuers, das ihn darin eingekerkert hatte. Ritter Raimund, du bist der Größte, jubelte Krauk angesichts seiner bevorstehenden Befreiung. Er entfaltete beide Hände und streckte sie euphorisch hinaus in den freien Raum, wie ein Marathonläufer, der die Ziellinie schon vor sich sieht. Mitten in seiner Begeisterung spürte er einen wuchtigen Stoß im Rücken. Während Krauk über die Brüstung aus dem Fenster stürzte und auf den Betonboden zuraste, wurde ihm etwas schmerzlich bewusst. Diesmal hatte er keinen Tagtraum. Diesmal waren sein Geist und sein Körper Teile einer Realität, in der er vergessen und verdrängt hatte, dass Ernst alle Gegenstände im Computerraum steuern konnte, auch den massiven Rollsessel. Dankeschön. Das war es, weswegen ich eingangs sagte, Sie können mir die Verantwortung zuschieben, dass der sympathische Geigenlehrer in dieser Geschichte aus dem Fenster stürzt. Das wollen wir natürlich nicht. Meine Frage will aber auf etwas anderes heraus. Also mir hat die Geschichte deshalb gefallen, weil ich in den ja sehr unterschiedlichen Geschichten, also ich kann Ihnen das Buch natürlich auch nur nahe legen, weil sie wirklich sehr unterschiedlich sind, habe ich doch gemeint, so drei Hauptthemen herauslesen zu können, die auch mit deinem Leben eng verknüpft sind, nämlich die Bereiche, wahrscheinlich Musik, also Geigenlehre, Philosophie und Dichtung. Da ist schon einiges davon enthalten, also natürlich in erster Linie mal der Geigenlehrer, der du ja bist, wie wir gehört haben auch. Und die Frage drängt sich natürlich auf, inwieweit ist es auch autobiografisch, was du schreibst oder autofiktional, darüber kannst du sicher was berichten. In der Geschichte weiß ich, dass das Ende schon mal fiktiv ist. Ja, auf jeden Fall. Und auch der Anfang. Das ist ein Wunschtraum von mir, dass die Fenster aufgehen mögen und wir uns befreien vom virtuellen Moloch. Das ist ein alter Wunschtraum von mir. Ja, deswegen würde ich ja sagen, das ist autobiografisch. Da sind deine Träume und Sehnsüchte wahrscheinlich sehr eins zu eins abgebildet. Das ist wahr, ja. Du operierst ja auch mit Worten wie Seele und Schöpfung und das ist ja anscheinend auch doch etwas, was dich ausmacht und was dir sehr viel bedeutet. Trotzdem eine Frage eben an dich, also wir haben auch ein bisschen gesprochen über diese Situation, in der sich der Lehrer befindet während der Pandemie. Wir kennen es alle. Das wird ja aus deinem eigenen Erfahrungsschatz vermutlich gespeist sein. Ja, ich unterrichte eigentlich wirklich ungemein gerne, weil es einfach eine große, ich empfinde es tatsächlich, und ich darf dieses alte Wort benutzen, nehmen Sie mich nicht übel, ich empfinde es tatsächlich als Gnade, das machen zu dürfen. Aber es gibt natürlich auch Momente, die dann nicht so berauschend sind beim Unterrichten. Und das ist eben wirklich meistens der Anfang des Unterrichtens, weil Geige wirklich ein gnadenloses Instrument ist und man hat den Ton einfach nicht, wie man ihn am Klavier hat. Das klingt gleich schön, wenn man Alle meine Enten spielt. Dafür geht es dann nie weiter. Aber wenn man auf der Geige Alle meine Enten spielt, dann kann das schon eine Weile dauern. Das kann bis zu ein, zwei, manchmal sogar fast drei Jahre dauern, bis man das halbwegs erkennt, sozusagen. Und das ist der Bereich, wo die Geigenlehrer durchmüssen, aber auch die Schüler, sozusagen. Und dann gibt es eben immer wieder so ganz tolle Schüler wie diesen Raimundus, der natürlich in Wirklichkeit anders heißt, aber der hat eigentlich nie was geübt und war unheimlich bequem, aber er ist ganz gerne gekommen, weil er seine Originalität und Fantasie ausleben konnte, auch im Bergenunterricht. Und er hat tatsächlich gesagt, Herr Wimmer, Herr Wimmer, Herr Wimmer, ich habe was erfunden. Und ich habe ihn gefragt, aber hast du auch was geübt? Naja, ich habe was erfunden. Also er ist nicht darauf eingegangen und dann hat er mir seine Verzierung vorgespielt und hat geglaubt, das genügt jetzt sozusagen. Und ich war natürlich überwältigt von dieser Finte gewidmet und ich dachte von dem Glück, was es dir bereitet hat. Aber ich habe gewusst, das muss ich irgendwann verarbeiten, diesen besonderen Schüler, der immer eine Idee hatte und er war leider, ich darf das sagen, weil er eh nicht anwesend ist, er war sogar zu faul, einen ganzen Bogen zu nehmen. Es war ihm zu anstrengend, den Arm zu heben. Er hat immer an der Spitze gespielt und hat sich wie der größte Geiger der Welt vorgekommen. Das war auch irgendwie schön, aber ich wollte ihm einfach ein kleines Denkmal setzen und deswegen ist er sozusagen relativ authentisch in der Geschichte. Gut, und der Sturz aus dem Fenster, quasi der innere Sturz ins Warum übt dieses Gericht? Genau, genau, genau. Okay, verstehe. Eine alte, nicht nur Geigenlehrer-Frage, sondern überhaupt von allen Musikschullehrern. Ja, du beschreibst es ja auch schön mit dem Geigenknarzen. Also man merkt es, dass du auch gerne Lehrer bist sowieso und dass dieses Knarzen jetzt, wie du es beschrieben hast, ist etwas, wo man durch muss. Andererseits sagst du, die Geigenlehrer kommen in den Himmel, ohne durch das Fegefeuer zu gehen. Wie geht das jetzt zusammen? Das ist meine Hoffnung. Ich habe keine Gewehr dafür. Du hast das irdische Fegefeuer. Nein, ich habe keine Gewehr dafür, aber es ist eine meiner Hoffnungen, dass dem dann so ist, wenn es so weit ist, dass wir uns das Fegefeuer ersparen. Obwohl das Fegefeuer ein interessanter Ort ist, wie du weißt aus diesen Geschichten. Und ich habe eine Geschichte eben geschrieben, die mich selber freut, weil es mir da gelungen ist, meine Philosophiestudien fruchtbar zu machen. Und diese Geschichte spielt im Fegefeuer und da trifft eine Dichterin auf ein paar berühmte Philosophen und obwohl sie eine ganz einfache Dichterin ist und nicht berühmt ist, gelingt es ihr, diese Philosophen aus dem Barben im Fegefeuer zu befreien. Und dass ihr das gelingt, freut mich nach wie vor, muss ich ehrlich sagen. Aber ich will nicht verraten, wie genau sie das macht. Sie sehen schon, Erich Wilmer hat so manche Wunschträume offen. Also auch, dass wir uns von der Technik befreien. Da bin ich noch nicht ganz mit dir, ob dieser Wunsch auch so in Erfüllung geht, wie das Fegefeuer, das man umschiffen kann. Oder nochmal die Frage, meinst du, wir können uns davon befreien, weil wir einsehen, dass der Präsenz, also zum Beispiel im Falle des Musikunterrichts, dass Präsenz eigentlich das einzig im Falle des Musikunterrichts, dass Präsenz eigentlich das einzig Wahre und Gute und Seelenvolle ist? Nein, diese Giga-Bewegungen, die lassen den Einzelnen keine Chance in Wirklichkeit. Ich habe bis vor kurzem, also bis vor zwei Jahren, das ist in dem Fall kurz, noch kein Handy gehabt. Aber mir war klar, dass mich diese Giga-Bewegung des Zeitgeistes natürlich mitnimmt. Sie nimmt jeden mit. Ich habe irgendwann keine Wahl mehr gehabt und habe mir dann eben auch ein Handy gekauft. Aber genauso wie sie jetzt aufappt, wird sie wieder abappen, diese Bewegung. Und die Frage ist nur, wo wir dann sind gewissermaßen, in welcher Situation wir sind. Aber es ist ja auch jetzt das Ende des Autos mit Benzinantrieb. Das spüren wir jetzt auch. Und genauso wird es von der KI auch wahrscheinlich wieder in diesem Sinn, wie sie jetzt floriert, auch wieder mal ein Ende geben. Aber wie das genau aussieht, wage ich zu bezweifeln. Ich bin nur jetzt schon skeptisch und nicht ganz glücklich mit diesem Tool sozusagen, weil es wirklich ein Tool ist, ein Wesen ist, das uns zur Oberflächlichkeit zwingt, gewissermaßen, durch seine Geschwindigkeit, mit der es bedient werden möchte. Und das ist das, was ich eigentlich am meisten an dem ganzen Elektro-Kram kritisiere, dass es uns in die Oberflächlichkeit zwingt, während uns das Analoge noch eine Chance gibt, sozusagen zurückzublättern, eine andere Übersetzung zu lesen und immer tiefer in den Text einzudringen und das zu berühren, was wir auch geistig lesen. Und das glaube ich schon, dass das der eigentliche riesige Unterschied ist. Da gehst du dann wieder zurück zu dem Philosophen in dir wahrscheinlich, um nochmal zu dieser Fegefeuer-Geschichte zurückzukommen. Du lässt da Wetterstein, Odorno und Hafermaus aufeinandertreffen. Genau. Das geschulte Publikum weiß natürlich, von wem die Rede ist. Warum die Entscheidung, dass du die Namen verfremdet hast? Wolltest du dich ein bisschen abgrenzen von deinem Studium? Ja, schon auch. Dein Spaß an der Verfremdung. Der Spaß an der Verfremdung, ja. Und Stichwort Studium, ich war natürlich dankbar auch, dass ich das machen durfte. Ich meine, es ist ja auch wirklich, ich bin jetzt wieder bei dem Wort Gnade, aber es ist eine Gnade, zumindest am Anfang war es so für mich, dass man so tolle Lehrer, die es dort gegeben hat, und so tolle Mitstudentinnen, dass man das alles quasi damals noch gratis konsumieren durfte. Das war wirklich toll. Aber im Verlauf meines Studiums war ich dann auch ein bisschen enttäuscht sozusagen davon, dass die Philosophie ihre eigenen Ansprüche, wie ich finde, nicht ganz gerecht wird. Ich muss dazu sagen, ich bin kein guter Philosoph, ich bin sicher nicht so gescheit wie die richtig guten Philosophen, das nicht, aber vielleicht ist das auch ein Glück und vielleicht kann ich deswegen noch Literatur überhaupt schreiben, weil wenn man zu gescheit ist, tut man sich eh schwer, klassisch belletristisch zu schreiben, das habe ich schon bei Freunden, bei klügeren Freunden, wie ich es bin, gemerkt, aber was ich eigentlich sagen wollte, ich war deswegen auch nicht nur beglückt vom Studium, sondern auch ein bisschen enttäuscht vom Studium, deswegen, weil es gerade bei den Philosophen auch verfestigte Meinungen bis hin zu apodiktischen, quasi Kleinstdiktaturen gibt, die sich dann in den verschiedenen Schulen innerhalb einer Universität ausbilden und die dann gegeneinander kämpfen, obwohl sie eigentlich sozusagen keine empirischen Wissenschaften sind, die nicht messbar sind. Das heißt, sie haben eigentlich alle nur Vorurteile, mit denen sie argumentieren, die sie aber absolut setzen und das hat mich enttäuscht. Diese Absolutsetzung der eigenen Meinung, auch im philosophischen Bereich. Denn gerade dort würde ich mir erwarten, dass man immer sozusagen, immer erkennt, was Nietzsche so schön sagt, nämlich, dass jedes Wort, jedes Wort, das wir aussprechen, ist ein Vorurteil. Also wir können es nicht beweisen. Wir können beweisen, dass wir mit den Skis so und so weit springen und dass der andere kürzer springt. Aber was wir nie beweisen können werden, ist, wie groß Gott ist. Und noch weniger können wir beweisen, dass mein Gott größer ist als dein Gott. Das können wir einfach nicht beweisen. Aber leider war das auf der Uni-Stand doch so, dass manche auch Professoren geglaubt haben, ihre Meinung ist die einzig wahre und zu mir tatsächlich bei Prüfungen gesagt haben, also das werden sie behaupten, da können sie darüber gehen in das andere Institut. Und das hat mich dann schon enttäuscht, muss ich ehrlich sagen. Anders meintest du auch ein bisschen, dass du ein Idealist bist? Idealist, ja. Dass du denkst, in der Musik oder in der Philosophie findet sich etwas, was das tatsächlich auflöst und das Gute oder vielleicht sogar die Erlösung bringt? Nein, ich bin auf jeden Fall Idealist. Und was ich wirklich auch sehr geschätzt gelernt habe, das ist die Philosophie der Dekonstruktion. Die war nämlich für mich ein Ventil aus dieser, ja doch, beengten und grenzenden, immer wiederkehrenden Grenze bei Kant sozusagen. Ich habe immer das Gefühl gehabt, die ganze Philosophie geht bis Kant und dann geht sie wieder zurück. Aber die Dekonstruktion hat für mich dann noch einen neuen Horizont geöffnet und um das ganz kurz zu sagen, wie ich es verstehe, wie ich es verstehe, Dekonstruktion meint, und deswegen ist sie mir so lieb und teuer geworden, sie meint ein Innehalten, also kein Zerstören, wie man sie langläufig auch übersetzt, Dekonstruktion meint, so wie ich siehalten, also kein Zerstören, wie man sie langläufig auch übersetzt, die Konstruktion meint, so wie ich sie verstehe, kein Zerstören, sondern ein Innehalten. Und zwar ein Innehalten zwischen Reiz und Reaktion. Das nennt ein Anthropologe den Hiatus. Und wir alle, oder viele von uns, oder die meisten, aber auch die Professoren, wir reagieren viel zu schnell mit unseren Vorurteilen, sozusagen, wir kriegen ein Stichwort und schon sofort hauen wir mit dem anderen drauf. Aber diesen Hiatus auszuhalten, sozusagen, und zuerst zu überlegen, bevor wir automatisch reagieren, das ist für mich die Konstruktion. Also das Hinauszögern des Urteils gewissermaßen. Und wenn uns das geht, und das habe ich schmerzlich vermisst auf der Universität, Gott sei Dank ist ein Lehrer, ein Professor gekommen, der uns das gelehrt hat, den ich sehr schätze, weil das hat man eh wieder rausgeworfen aus der Uni, leider, leider, leider. Aber die Dekonstruktion, also das Aushalten sozusagen des Hiatus, in dem dann die Kraft, die Fantasie, die Originalität einströmen kann und das neue Denken einströmen kann, bevor das alte Vorurteil kommt als Reaktion, das hat mich dann schon sehr mit der Philosophie noch einmal versöhnt. Also ich finde deine Bögen ja super, weil du jetzt quasi den Faden meiner Moderation ganz gut folgst sozusagen, ohne es zu wissen. Nämlich, dass ich jetzt sagen würde, dann würde ich zu dem dritten Teil nochmal kommen, also wir haben jetzt eh nicht mehr so viel Zeit, wir waren jetzt kurz bei der Musik, haben wir gestriffen die Philosophie und ist die Dichtung dann vielleicht genau das, wovon du jetzt gerade gesprochen hast, wo eben all dieses einströmen kann? Absolut, genau, da trifft sich das alles sozusagen und ich glaube wirklich, und das hat die Dichtung der Philosophie voraus, dass sie sich nicht so ernst nimmt, dass sie sich nicht quasi empirisch versteht, sondern dass sie sich tatsächlich rein ästhetisch versteht. Und sind das deine drei Stones, durch die du bis von der Musik zur Philosophie zur Dichtung bist? Und gehören sie noch alle drei zusammen, aber trotzdem oder nicht oder doch? Auf jeden Fall sozusagen, auch wenn sie als Antagonisten teilweise sind und wirken, gehören sie trotzdem zusammen. Aber für mich besteht die größte Freiheit von diesen drei Komponenten im Schreiben, in der Literatur. Und da überrasche ich mich manchmal ja selber, und das ist das Wunderbare und Schöne, im Akt des Schreibens, der wirklich immer anstrengend auch ist, sehr anstrengend sein kann, wie auch der Herbert und alle Freunde hier nachweislich, glaube ich, nachvollziehen können, da überrasche ich mich immer wieder, dass ein unglaublicher Raum der Freiheit aufgeht, wenn man selber schreibt oder singt oder was auch immer macht. Aber im ästhetischen Raum ist man nicht so vorgeprägt wie eben in der Philosophie oder auch beim Lehrplan bei der Geige gewissermaßen. Und da kann ich wirklich einen letzten Ort meiner Freiheit finden und mich animieren und treiben lassen auf diesem Ozean der wunderbaren Lebensmöglichkeiten und manche davon ergreifen und umsetzen und in meiner Weise sozusagen weiterspinnen, weil, wie du weißt, es gibt für mich einzelne Worte, die so interessant sind und die mich, um es mit einem Wort von meinem Freund Stefan zu sagen, die mich so flashen, dass sie augenblicklich eine Geschichte evozieren. Zum Beispiel eben das Wort Schmogro. Schmogro. Weiß jemand von Ihnen, was Schmogro ist? Ich habe es auch nicht gewusst. Kein Mensch weiß das. Warum weiß das kein Mensch? Weil, um das zu wissen, muss man in Norddeutschland mit dem Bus nach Rostock fahren und auf dem Weg nach Rostock kommt der Bus an unglaublich vielen kleinen und noch kleineren Orten vorbei, unter anderem an einem Ort namens Schmogro. Und dort hat er gehalten und ich sehe dieses Schild Schmogro und denke mir unglaublich, da steckt eine Geschichte drinnen. Und das hat mich so affiziert und erinnern wird auch. So geht es mir in Oberösterreich auch nicht. Ich muss die Geschichte von Schmogro schreiben. Die hat er auch geschrieben, die ist in diesem Buch. Ja, die ist in diesem Buch drinnen. Und dankenswerterweise, das darf ich vielleicht noch sagen, die sind auf die Shortlist des Deutschen Kurzgeschichtenpreises gekommen, weil die Deutschen sozusagen auch begeistert davon waren, was ich aus diesem Schmogro gemacht habe, nämlich. Und das hat mich natürlich sehr gefreut. Aber ich kann es nur empfehlen, dass Sie das lesen und dann werden Sie sehen, warum ich Schmogro oder einzelne Worte so beglücken im Wahnsinn des Wortes, weil ich schon merke, da steckt eine Geschichte dahinter. Eins noch, Tolkien hat auch gesagt... Ich wollte gerade sagen, ich weiß natürlich, dass du dich mit Tolkien viel beschäftigt hast. Er hat gesagt, hinter jedem Namen steckt eine Geschichte und ich würde das erweitern und sagen, hinter jedem Wort steckt eigentlich eine Geschichte. Besonders dann, wenn die Worte originell sind, wie Schmogro eben oder der Blutwurstring ist auch ein Wort. Aber das mit Tolkien, das fiel mir natürlich auch auf, weil ich weiß, dass sich Erich Wilmer auch beschäftigt hat mit Tolkien viel und der ja auch eigene Sprachen erfunden hat. Das ist großartig, ja. Und das meine ich, dass das ein Einfluss ist. Vielleicht, was wollte ich abschließend noch fragen? Ach so, weil wir von Erlösung und Purgatorium und so weiter sprechen und Fegefeuer und so, aber deine Figuren, denen machst du es nicht ganz leicht. Also viele, finde ich, sind ja, also jetzt der Geigenlehrer, den hatten wir gerade im Fenster, ich finde, Schmoko geht auch nicht so ganz gut aus. Das stimmt, ja. Aber es soll ausgehen, Carina, es soll ausgehen. Und ich finde, man ist sich selber und der Leserschaft ein klares Ende schuldig. Und das ist auch der Unterschied, und da können wir vielleicht das letzte Kapitel streifen, der Unterschied zu einem Schriftsteller, ich nenne jetzt das Wort, ich will mich nicht mit ihm vergleichen, aber nur inhaltlich sozusagen, wie Kafka, bei dem alles offen bleibt, letztendlich sozusagen. Der Mensch, der vor dem Türhüter wartet, wartet vor dem Türhüter und letztendlich bleibt es offen, auch im Schloss oder wo auch immer. Es bleibt offen. Und das ist der Unterschied eben, das ist kafkaesk, dieses Offenbleiben, in der Ohnmacht bleiben. Und wimmeresk wäre es, wenn man in der Ohnmacht sozusagen zu einem fröhlichen Abschluss gelangt oder zu einem schlimmen. Aber es muss auf jeden Fall ein Abschluss sein. Wir beim Lehrer wissen ja, er kommt direkt in den Himmel. Insofern ist es schon ganz gut. Und du hast vielleicht bemerkt, ich habe das mit dem Kafka-Esten auch rausgelassen, nachdem wir kurz gesprochen haben. Ich dachte, ja, irgendwie passt das auch nicht so ganz. Ich wollte so eine Überleitung zum Herbert strecken, aber da passt das eigentlich auch nicht ganz. Deswegen ist es ganz gut, dass es jetzt raus ist. Und wir bleiben beim Wimmeresken. Und ich glaube, wir sind super in der Zeit. Das war meine Vorgabe. Da würde ich dir danken, aber vielleicht darf ich noch was zitieren, um den Übergang zur Dichtung nochmal zu schaffen, sozusagen, weil er hat auch eine Geschichte, wo die Thalia auftaucht in einem rosa Jogginganzug. Das fand ich doch ein schönes Bild eigentlich, dass Thalia da mal auftaucht persönlich und sich aufs Autodach schwingt. Also die Muse der komischen Dichtkunst. Der komischen Dichtkunst sowieso. Bist du ihr immer begegnet? Immer wieder. Immer wieder? Gut. Und sie sieht so aus. Ja, ich freue mich unendlich, wenn sie mich küsst. Aber sie küsst einen nur dann, wenn man wirklich arbeitet, arbeitet, arbeitet. Und irgendwann in diesen Stunden kommt sie und küsst einen. Also wenn man ein normaler Mensch ist. Mozart wurde ständig von ihr geküsst, aber der war auch ein Genie. Aber der konnte schreiben, was er wollte, das war immer da. Aber unser einer muss lang arbeiten, damit er nochmal in die Talia kommt und einen Kuss abgibt. Das ist der Unterschied zwischen Mozart und Genie. Dann wünschen wir dir sozusagen viele Küsse und mehr müssen wir jetzt gerade gar nicht wissen, glaube ich, über dich und du sagst ja auch in deinem Buch, ich lasse diesen Dichter mal kurz sprechen nochmal, mein personalster Ausweis ist mein Werk, wann kapieren sie das endlich, rief der Dichter empört und ich denke, sein Werk ist sein Ausweis, also darf ich auf den Büchertisch hinweisen und damit zum nächsten Dichter kommen. Dankeschön. Damit meine ich dich. Danke. Alina ist da. Gut. Where is he? I don't know. Ich habe mich super vorbereitet. Ich habe genau das vergessen, was ich vorbereitet habe. Gut. Ich begrüße Herbert Christian Stöger. Das bin ich. Das ist er. And hello to Elena Steiko. Hallo. Nicht zu verwechseln. Leicht auseinanderzuhalten. Und wir haben es vorhin gesprochen. Ich werde das Interview-Ding in Deutsch machen. Aber ich möchte Ihnen willkommen sagen. Danke. Danke für die Einladung. Danke, dass ich Sie hier habe. in German, aber I want to say welcome to you. Thank you. Thank you for the invite. Thank you for having me here. Und anders als beim Erich bitte ich jetzt dich, Herbert, nicht sofort um die Lesung, sondern möchte euch beide vielleicht auch zur Erklärung, warum die beiden hier sitzen. Es klang eh schon an in deiner Einleitung, warum ihr zu zweit hier seid. Du kannst gerne simultan übersetzen, nicht? Ich habe noch nichts gesagt. Hat noch nichts gesagt. Ich habe aber was gesagt. Genau, also das Buch mit Schatten oder mit Schatten, sagt er nicht zu, Verona's Verborgene Gärten. Erschienen in der Edition Transit Fabrik. Hat eine Besonderheit nämlich, dass da auch Illustrationen dabei sind. Sind aber keine Illustrationen in dem Sinne, dass ein Autor einen Text geschrieben hat, nämlich in diesem Fall Herbert Christian Stöger und eine Illustratorin dazu illustriert hat, sondern ihr beide wart unterwegs in Gärten von Verona. Und you said you've been there together in Verona in these gardens, but every one of you was in your own, each one in your own world. Maybe you can just, we can just shortly talk about the project. Yeah, it was not the traditional relation between the author and the illustrator, which usually it means that the author is telling you what he's writing and what he has in his mind, and you follow the instruction, completing with your own vision and so on. In our case, it was possibly the most effective experience of what you call pantarei. You never step twice in the same river. It was the same garden that we've seen three years later, but it was not the same. So in a way, each of us had his own mind. He had images and stories in his mind, and I had the garden in that moment in my mind and in my pen. And the experience intersected at one point, because some conversations, some words, some translations, some, which usually happens, but I had no idea what he's writing and he had no idea what I'm drawing. So we just met in the book, practically. So it's as genuine as it gets. It happened in that moment, in all the gardensärten in zwei Tagen eigentlich zu finden und da kurz zu bleiben und dann eigentlich nur mit den Menschen, die da herumgehen, konfrontiert ist und somit haben wir nur Notizen gemacht und ich habe die Geschichten eigentlich ziemlich alle später geschrieben, wobei wir vorhin gerade noch im Buch gesucht haben, wir haben nämlich beide in einem Garten ein Gespräch von Ukrainen mitbekommen, weil die haben nämlich Italienisch gelernt. When has it been, in which year? 2022. 2022. There was no reason to be earlier. So it was already the war. That's why they were there, yeah. There was no reason to be earlier. So it was already the war. That's why they were there, yeah. Vielleicht noch ganz kurz, weil das haben wir am Anfang nicht gesagt. Also ich glaube, Sie haben das soweit auch verstanden, dass jeder für sich gearbeitet hat und es ist jetzt nicht aufeinander bezogen. Aber ihr wart ja mehrere, also die Gärten, erstens sind es viele Gärten gewesen, die immer an zwei Tagen öffnen in Verona. Und ihr wart aber über mehrere Jahre dort, immer wieder? Oder tatsächlich nur dieses eine Mal? Weil du ja gesagt hast, manche Texte sind schon dann entstanden und einige später. Ich dachte, ihr habt dieselben Gärten nochmal später besucht oder jeweils nur einmal? We have been in Verona 2019 for one of my projects and we saw this event we managed to see I think maximum five gardens five gardens only in 2019 and this is when Herbert had the idea let's go and see them all so it was a treasure hunt and a marathon in those's go and see them all. So it was a treasure hunt and a marathon in those three days to see them all, because it's a lot. Wie viele waren es jetzt wirklich? Naja, es ist so, beim ersten Mal wenn wir dort waren, quasi war das irgendwie so ein Besuch, das hat mit den Gärten gar nichts da gehabt, wir haben einfach ein Plakat gesehen und da ist das angekündigt gewesen, auf Italienisch, ich meine, so haben wir schon verstanden, zumindest Sie. Und dann haben wir dann besucht, wir haben keinen Eintritt gezahlt, wir haben uns einfach reingeschlichen und dann haben wir entdeckt, dass das ein Projekt ist. Aha, okay, ja, wir haben ein paar besucht und dann irgendwie ist das Corona gekommen und Zeit vergangen und da waren es am ersten Wochenende 18 Gärten. und da waren es am ersten Wochenende 18 Gärten. Wir haben eine Broschüre mitgenommen und während Corona haben wir quasi irgendwie daran gearbeitet. Sie hat von der Broschüre quasi gemalt und ich habe geschrieben über diese Gärten, weil das ist Information immer dabei gewesen. Und im zweiten Jahr, dann haben wir das Projekt eingereicht und es ist dann genommen von Linz Export und dann haben wir gesagt, 18 Gärten in zwei Tagen, das kann man leicht schaffen. Allerdings, wie wir hingekommen sind, waren es dann 31 Gärten. Und wir haben schon gewusst, jetzt müssen wir uns ansehen, weil in zwei Tagen, diese ganzen Gärten, die sind ja nicht nebeneinander, sondern da muss man schon Kilometer gehen auch, dass man die besuchen kann. Dann war das eine körperliche Anstrengung auch noch. Von der Inspiration ganz zu schweigen, weil sie hat das geschafft, dass sie wirklich an Ort und Stelle alles gemacht hat. Du hast ganz gut das Ganze gesehen. Aber vielleicht, um doch jetzt mal einen Eindruck zu kriegen, jetzt würde ich dich vielleicht um deine Lesung bitten und dann kommen wir nochmal darauf zurück. We just sit and listen. Ja, du hast das vorhin schon in der Anspielung gemacht, Mitschatten. Warum Mitschatten? Und zwar, das kommt aus dem Persischen und das meint der, der im selben Schatten wohnt und da ist eigentlich der Nachbar damit gemeint. Gärten, aber wenn jemand ein Grundbesitzer ist oder ein Wohnungsbesitzer oder Mieter, die Nachbarn sind immer da, ob gut oder schlecht, aber es beschäftigt an. Ah, I should do it. Polo Universitario Zanotto. Am Rande des Universitätsparks steht noch die Fassade eines alten Gebäudes. Zweieckige und ein rundes Fenster lassen das historische Denkmal erkennen. Die Abendsonne lässt es besonders erstrahlen, als würde es für diesen Zeitraum wieder erwachen. Früher war es ein alter Trakt der Universität. Nun ist es ein Teil der Mauer, die das Gelände abschließt. Es ist immer bei den Geschichten so, am Anfang kommt immer sozusagen diese Notiz, die dann ein bisschen ausgefehlt hat, und dann kommt die Geschichte eigentlich danach. Also jetzt die Geschichte, das vorher war quasi das, was vorgefunden war. Die Rückseite des Hauses. Ein alter Mann sucht diesen Ort auf, wo er als junger Mann einmal studiert hatte. Er bleibt vor den Überresten des Gebäudes stehen, wo er einst mit einem Chor geprobt hat. Dort hatte er auch sein Diplom überreicht bekommen. Jetzt blickt er durch das runde Fenster in den Himmel. Ein Ort, der ihn bald erwarten wird. Damals gaben bunte Fenster dem Raum ein warmes, besonderes Licht. Jetzt fliegen nur noch die Vögel hindurch. Dabei machen sie Laute, die ihn an früher erinnern. Er stimmt ein in eine weit entfernte, klingende Melodie. Seine immer noch kräftige Stimme übertönt das Gemurmel der Studenten am Campus. Selbst die Vögel hören nun zu. Ein Mädchen stimmt ebenfalls in die Melodie ein und andere folgen. Im Chor singen sie das Lied mehrstimmig zu Ende, als hätte jemand anders die Hände im Spiel, um sie anzuleiten. Giardino del Glicine Ein kleiner privater Garten, ein angenehmer Zufluchtsort. Von einem kleinen Balkon aus scheinen einen die Besitzer zu beobachten. Nur diese Nacht. Jemand klopfte an die Tür. Es war nicht spät abends, aber für einen unangekündigten Besuch doch spät. Dennoch öffnete sie die Tür. Ein Mann in eigenartiger Kleidung stand vor ihr. Beide waren sie irgendwie voneinander überrascht. Das machte beide sprachlos. Da er geläutet hatte, lag es an ihm, zuerst etwas zu sagen, um sein Anliegen vorzubringen. Sie bemerkte, dass er ein altes Buch in Helden hielt. Sie befürchtete schon, er würde missionieren wollen und zeigte an, die Tür wieder zu schließen. Da begann er doch zu sprechen. Sein Anliegen schien ihm nun seltsam, es vorzubringen. Er suche eine Bleibe für die Nacht. In diesem Buch sei ihre Adresse verzeichnet. Pilger werden zu jeder Zeit aufgenommen, stünde da drinnen. Er sah nicht aus wie einer. Andererseits konnte sie sich nicht einsinnen, je einen gesehen zu haben. In Wahrheit strebte er kein bestimmtes Ziel an. Getrieben von dem Gedanken, unterwegs zu sein, genügte ihm. Sie ließ ihn eintreten und bot ihm das Kinderzimmer an. Zögerlich nickte er und trat langsam ein, wie eine Katze, die einen neuen Ort zu inspizieren beginnt. Im ersten Stock befand sich das Zimmer, eingerichtet, als würde das Kind gerade nebenan spielen. Betreten stand er an der Schwelle, unwissend, was er tun sollte. Noch war das Kind. Wo war das Kind? fragte er sich. Danach zu fragen, traute er sich nicht. Er ließ mit einem Kopfnicken wissen, dass sie die Einladung annahm. Ein Schauder überkam ihn und er begann tatsächlich etwas zu zittern. Sie bemerkte es und bot ihm heißen Tee an. In der Küche saß er auf einer langen Holzbank. Gegenüber brannte ein offenes Feuer. Nur dieser Raum schien aus der Zeit gefallen zu sein. Die Küche im Keller ließ darauf schließen, dass dies einmal ein herrschaftliches Haus gewesen sein musste. Er umklammerte den Becher, obwohl es so heiß war, dass er sich gleich zu verbrühen fürchtete. Die junge Frau bereitet ihm eine Jause. Begierig starrte er auf die große Platte. Sie hieß ihn an zu beginnen, denn sie wollte bald zu Bett gehen und ihn offensichtlich nicht alleine lassen. Er machte sich über das Angebotene her und konnte nicht eher aufhören, bis er alles aufgegessen hatte. Dafür schämte er sich nun. Sie nahm es mit einem Lächeln zur Kenntnis. Gleich darauf wurde er wieder in den ihm zugewiesenen Raum geleitet. Sie wünschte gute Nacht und schloss die Tür. Nachdem er einige Zeit wie paralysiert vor dem Bett gestanden war, machte er einige Schritte zum Fenster. Er blickte in einen beinahe leeren Hof. paralysiert vor dem Bett gestanden war, machte er einige Schritte zum Fenster. Er blickte in einen beinahe leeren Hof. Vor dem Fenster waren Gitterstäbe angebracht. Die Müdigkeit ließen alsbald aufs Bett fallen. Mit einem Blick schreckte er auf und starrte zur Tür. Es gab innen keine Türklinke zum Öffnen. Bombus. Bombus. Meint tiefer Ton oder Hummeln? Der Arzt meinte, es wäre nur ein Bombus, aber sie widersprach. Sie höre ganz deutlich Vogelstimmen. Am meisten würde sie die Frage quälen, um welche Art von Vogelstimme es sich hierbei handle. Aber leider könne man keine Aufnahmen von diesen Stimmen machen. Sie versuchte, die Vogelstimme in ihrem Kopf dem Arzt zu beschreiben. Aber der wiederum rollte nur mit den Augen. Ein bisschen, aber doch im Ansatz, bemerkte sie ein Augenrollen. Also begann sie, die Vogelstimme in ihrem Kopf mit ihrer Stimme zu imitieren. Der Arzt war nicht gerade angetan von ihren Lauten und bat sie auch gleich damit aufzuhören. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass die da draußen wartenden Patienten dies hören könnten. Und er wolle nicht weiter versuchen, von anderen dadurch provozieren. Sie nahm ihre Tasche und ging. Von nun an stand sie jeden Morgen in ihrem Garten und versuchte, die Stimme ihren im Kopf anderen Vögeln vorzusingen. Bastione della Maddalena. den Vögeln vorzusingen. An einer Ecke der Befestigungsanlage sind im Hügel Eingänge zu unterirdischen Gebäuden versteckt. Auf einer nahegelegenen Brache wurden vor kurzem Bäume gepflanzt. Außer einigen Parkbänken ist nur eine kleine Inschrift auf einem steinernen Kreuz hervorhebenswert. Oh, hier kommt Luigi Lenotti, 18 Jahre alt, gefangen von der feroßen austriaken Innocente, 29 Jahre alt, 1860 die Mutter. la madre. Noch bevor 1866 die Umbauarbeiten der Befestigungsanlagen Madeleine Bastion fertiggestellt werden konnten, wurde Lucio Nenotti hier in der Nähe hingerichtet. Davon zeugt ein Kreuz, welches von seiner Mutter aufgestellt worden war. Die Inschrift lautet Hier wurde Lucio Nenotti, 18 Jahre alt, aus österreichischer Grausamkeit unschuldig erschossen. 29.09.1860 die Mutter. In den 1980er Jahren wurde das Kreuz bei Instandsetzungsarbeiten an den Befestigungswellen wiederentdeckt. Dieser junge Mann war noch keine 18 Jahre alt, als er von einem österreichischen Soldaten hereingelegt worden war. Der Soldat gab vor, desertieren zu wollen und versprach, Lenotti auch zur Flucht zu verhelfen, wenn dieser seine politischen Ansichten preisgebe. Infolgedessen wurde er der Anstiftung zur Desertation angeklagt und verurteilt. An der Befestigungsanlage, vermutlich vor einer Mauer, die damals Matonina di Porta Vescovo hieß, wurde er erschossen. Gebrochenes Versprechen. Das Eis ist gebrochen. Er sieht zum Fenster hinaus und stellt das gleiche fest. Das Eis ist gebrochen. Und das im Februar, dem kältesten Monat im Jahr. Wie kann das nur geschehen? Noch gestern sind wir darüber gegangen und heute ist es gebrochen. Vielleicht haben wir es ausgelöst. Das kann schon sein, wandte sie ein. Es bedarf mehr als nur das Besteigen eines gefährlichen Ortes, um so ein dickes Eis zu brechen. Es ist der Teich der Nachbarn. Das darfst du nicht vergessen. Wir alle sind Nachbarn. Wir sollten sorgsam miteinander umgehen. So kann das einfach nicht weitergehen. Aber es hat begonnen. Nun kann es nicht mehr gestoppt werden. Andere sind auch darüber gegangen und es hat gehalten. Niemand ist zu Schaden gekommen. Das Eis hat immer gehalten, was es über Jahre versprochen hat. Die Nachbarn stehen im Garten vor dem Teich. Sie zeigen mit den Fingern zu den verschiedenen Stellen, wo das Eis gebrochen ist. Es wird doch nicht über Nacht gebrochen sein. Ich habe es nicht brechen gehört, obwohl ich einen leichten Schlaf habe. Aus einem anderen Fenster blickend sagt er zu seiner Frau, ich habe das Eis brechen gehört und niemand hat es außer mir wahrgenommen. Jemand hätte nachsehen sollen, ob nicht jemand eingebrochen ist. Ich war zu schwach zum Aufstehen und bin wieder eingeschlafen. Andere Nachbarn treten zum Zaun und sehen den Nachbarn zu, wie sie über das gebrochene Eis reden. Die Frau hebt den Hörer ab und ruft jemand an. Auf der Straße bleibt ein Wagen stehen. Im Auto wird heftig gestrikuliert. Ein Mann steigt aus und rennt zum Grünstück, in dessen Garten sich der Teich befindet. Er springt sofort in den halb zugefrorenen Teich. Das Wasser bricht weiter und die noch gefrorenen Stücke verteilen sich im Wasser. Der Mann sucht Halt an einzelnen Brocken, aber es bricht weiter. Er kann sich kaum noch über Wasser halten. Das Wasser ist zu tief zum Stehen und zu kalt zum Überleben. Die Nachbarn rufen etwas über den Zaun. Die Besitzer stehen im Garten vor dem Teich und können gar nicht fassen, was in ihrem Garten geschieht. Der Mann geht unter. Die Bewegung des Wassers beruhigt sich langsam. Hinter dem Vorhang sagt sie, genauso war es gestern Nacht auch. Das gleiche Geräusch. Damit lässt uns jetzt zurück. Ist die Zeit um? die Lesezeit um? Die Lesezeit ist um. Vielen Dank für die... Stimmt, die Lesezeit ist um. Die Lesezeit ist eigentlich nicht um. Wir haben vorhin so viel geredet schon. Genau, deswegen machen wir jetzt ein ganz schnelles Reden nur noch. Was mir natürlich aufgefallen ist beim Lesen und Ihnen jetzt möglicherweise auch beim Zuhören, da gibt es immer so ein, was nicht spricht, die Transporteure, die dicht halten und sie schweigen sich da alle so aus und keiner redet eigentlich Tacheles, was da eigentlich genau passiert. Glaubst du, die Menschen sind so? Oder nur die Nachbarn? Die Nachbarn kommen nämlich auch permanent vor, aber das hast du mir jetzt erklärt mit dem Mitschatten, das fand ich gut. Immer diese Nachbarn, die schweigen sich aus. Es sind Augenblicke, die man wahrnimmt. Es kommt immer so, ein Beobachter nimmt einmal was wahr und man glaubt, das ist die Wahrheit oder das ist der Ausschnitt oder das ist das ganze Leben. Das ist ungefähr so wie bei den Ukrainerinnen, denen wir zugerührt haben. Ja, wir hören nur das, das ist es einfach. Und daraus bildet sich eine Geschichte. Und wärst du neugierig zu wissen, was da eigentlich vor sich geht, oder ist gerade dieses Geheimnis das Interessante? Naja, ich meine, ich glaube, das Lesen ist vielleicht das Geheimnis interessanter, weil wenn man alles ausschreibt, dann müsste die Geschichten so lange machen, dann hätte ich wieder ehrlich nur eine Geschichte lesen können. Jetzt habe ich zumindest einige geschafft. Knapp und kurz und du kannst es immer verändern. Und dann, ich weiß, habe ich etwas ganz Interessantes gehört, das wollte ich nur kurz ansprechen noch in einem Interview, wo du sagst, eigentlich ist das Buch ein Quälgeist, weil es so unveränderlich ist. Ist das deine Faszination für Gärten? Sind die veränderbarer? Also, dass man da rumbauen kann und die Pflanzen eigentlich neu wachsen und dann kann man wieder was pflanzen? Ist das organischer irgendwie als so ein Buch, was tatsächlich so fest ist und man kann quasi nichts Lebendiges dem mehr abbringen dann? Ja, das lässt sich aber nicht mit einem Garten vergleichen. Aber ich meine, durch das, dass es gewisse Leerstellen sind, kann ich die Fantasie natürlich irgendwie, es ist irgendwie Platz gelassen für die Fantasie und das sollte irgendwie auch Literatur, finde ich, schaffen und das versuche ich halt, dass ich einfach Platz genug lasse. Und man sieht selber die Geschichte, ja, es ist das, was ich schreibe und man kann das dann immer so, anhand von einer Geschichte mit dem Mann, der da einfach zu viel anleitet, was steckt hinter dem Ganzen eigentlich noch dahinter? Ich meine, es kann etwas Schlimmes sein oder nicht, aber es ist auf jeden Fall eigenartig. Und ist etwas auch, was ich mich natürlich trotzdem gefragt habe beim Lesen und so, also ich bin den Geschichten extrem gerne gefolgt und genau dieses Geheimnis, ich meine, ich habe immer ein bisschen gewartet, vielleicht erfahre ich ja doch noch, was da eigentlich los ist. Und bei manchen gibt es so Hinweise, dass ich denken könnte, vielleicht ist da eine historische Wahrheit dahinter. Zum Beispiel gibt es da so einen Mann, der seinen Garten veräußern muss und die Frau beauftragt einen Maler, diesen Garten an eine Wand zu malen, damit er nicht so traurig ist und dann hört er auch tatsächlich auf zu trinken, weil er dieses Gemälde sieht. Ist sowas historisch verbürgt? Naja, wie gesagt, es gibt diese Broschüren quasi zu den Gärten und da steht immer was über das Haus. Es gibt immer Besitzer und die haben ein Haus, nicht nur den Garten. Und ich meine, ganz klar, das mit diesen ermordeten oder hingerichteten Soldaten, das ist ziemlich genau das, was da drinsteht, irgendwie verbunden mit ein bisschen, aber es ist nicht viel geflunkert dran, wenn es eine Erklärung ist. Mit der Bastion im Adalene. Das ist einfach so. Es gibt zum Beispiel manche Sachen, es ist ja nie irgendwie bei einem Garten, wenn man da reingeht, ja, manchmal hört man immer ein Gespräch, das war ein paar Mal der Fall, oder sie redet jemand an, weil sie gemalt hat. Mit mir hat nie jemand gesprochen. Ich habe zwar was notiert, aber mit mir hat niemand gesprochen. Sie schon. Ich weiß nicht, ob es an ihr liegt oder an mir. Oder an der, naja. Oder an der Tätigkeit? An der Tätigkeit, keine Ahnung, bei mir müssen wir halt lesen und so, ja, aber das ist nicht so wichtig. Aber es war unheimlich schwer, Geschichten zu finden, irgendwie an Ort und Stelle. Ja, ein Garten verhindert sich immer, aber die Menschen machen letztendlich doch den Garten an. Ja, manchmal wirkt es ja auch so dahin, als wenn du tatsächlich, so wie du gesagt hast, ihr habt die Ukrainerinnen belauscht. Jetzt kann man da denken, vielleicht hast du auch Menschen belauscht, die da diese Musik hören im Garten oder darüber reden oder über Nachbarn reden. Aber ihr wart ja in Italien und du hast mir erzählt, du kannst kein Italienisch. Also nehme ich mal an, du hast nicht da ganz viel Gespräche abgelauscht. Naja, sie hat es erzählt. Sie hat es erzählt? Ah, okay. Now it's up to you. Is it true? Did you listen to conversations? It's something that you cannot avoid. This is why they were meeting in that park. So we can practice and they can talk. So it was exactly next to us. I was at one of the tables drawing, and I couldn't help but hearing it. So I told him what's going on. But this was material for Christian as well. It's supposed to be, I guess. I took one word, but it's possible. We were not there for a picnic. We were there to do this thing. Ich habe nur ein Wort genommen, was möglich ist. Wir waren nicht da, um ein Picknick zu machen. Wir waren da, um diese Dinge zu machen. Es beeinflusst dich, was überall passiert. Es ist unmöglich, es nicht zu machen. Ja, natürlich. Wir sind nicht isoliert. Er hat einen bestimmten Typ von Bildern in seiner Meinung. Ich habe meine eigene. type of images in his mind, I have my own. Und jetzt zu Hause in Linz belauscht du da auch deine Nachbarn und schreibst, müssen wir aufpassen, wenn wir deinen Garten sehen? In meiner Wohnung, naja, das kommt immer drauf an, es fallen in unserer Wohnung immer Sachen irgendwie auf den Boden. Ich habe mir überlegt, was das ist. Ich meine, da ist ein Kopf, ist eine Prothese, aber immer fällt irgendwas auf den Boden und irgendwas so genervt quasi. Und immer wieder denke ich mir, über uns haben früher die alten Hausmeister gewohnt und da ist eigentlich nie was runtergefallen. Und ja, leider sind die, ich weiß nicht genau, zumindest er ist vorher verstorben. Und da haben wir gedacht, mit den alten Hausmeistern, das war super. vor verstorben und da haben wir auch mit den alten Hausmeistern, das war super. Genau, und einen letzten Satz, auf den ich dich tatsächlich, was ich auch interessant fand, in dem Interview, was du gegeben hast, ich muss natürlich ein bisschen recherchieren, verstehst du, und da hast du gesagt, so ein Festlegen findest du eine schwierige Sache, was ja auch damit korrespondiert, wenn du sagst, so ein Buch ist für dich eigentlich quäliger als Kunst, ach, das wollte ich dich ja auch noch fragen. Also denkst du eigentlich so Kunst schaffen, weil das ein bisschen, ist das näher am, also du machst ja auch so Performances und so, ist das ein bisschen näher am Leben als so ein gedrucktes Buch? Das waren ja zwei Fragen auf einmal. Also sagen wir, ist festzulegen eine schwierige Sache? Natürlich ist eine, jede Entscheidung ist schwierig. Und es gibt nichts schwierigeres, als eine Entscheidung zu fällen, was mich betrifft. Jetzt hast du die Entscheidung getroffen, mit Alina dieses Buch zu machen. Irgendwann muss man das abschließen quasi, das ist das Richtige. Darüber sind wir sehr froh, aber ich habe noch eine letzte Frage, Alina, concerning you. Because I read about that your subject is a bit photography as well and remembrance. Is it a kind of remembrance to have these drawings? Yes, it is. Especially when he gave me a homework to select something from the first guide in 2019. And I had all the time to dream about it the reality didn't allow me to dream anything I had to decide very fast and to work very fast. She has to decide I had to decide I had to decide which corner of the garden, which part of the garden I'm taking with me. So yes, it is in a way like a memory because even now when we were looking through the book it was like, where was this? Why did I choose the little olive? I could have chosen the other bench and it's a source of confusion also not only memories, it's confusion. Did we stay here or did we stay in the other part was this in the in this palace garden or was it in a simple park so it's still confusing but that's the beauty of it because you're supposed to have that moment and even your memory becomes very selective for example i remember a butterfly i was in a huge park like a luxurious garden and i remember a butterfly so memory it's funny yeah and did you did you also take a photo photographs to work with them later on no no unfortunately not only when i didn't catch all the lights or I didn't have enough time to sharpen my watercolor pencils, that's when I was taking a snap, a fast photo, just to remember which part. But mainly I made them there, right there and then. You had no time because you had to visit all the gardens. Yeah, but you know, the speed, it's giving something different. And that's why it's a difference between 2019 and 2022. It will always be a difference. Yes. Okay, thank you. Gut, dann würde ich sagen, wir sind, ich gucke hier mal ganz paff. Ja, sag, sag, sag. Und zwar nur als Beispiel, also wie man überrascht sein kann, wenn es um Gärten geht, weil einmal sind wir in einen Garten gekommen und es war nur ein Parkplatz und dann hat man auf der anderen Seite, nämlich da war ein Super, wie schön es denn nicht dort drüben wäre. Und das Zentrum dieser Organisation, die die Garten da haben, das Büro haben, in dem ganzen Hof gibt es auch nur einen Garagenparkplatz und jemand hat ein Regal aufgeführt mit Blumen drinnen. Das war der Parkgarten. Ja, das fand ich auch super. Also man erfährt auch ein bisschen, ich habe nicht alle recherchiert, muss ich sagen. Also da sind alle aufgelistet, in denen ihr wart. Erst dachte ich so, ich gucke mir jetzt auch jeden an und so und forsche im Internet. Und dann dachte ich, ihr könnt das eigentlich auch erzählen. Oder alle Leser und Leserinnen sind aufgefordert, da hinzufahren und sich das anzuschauen. Und Fotografien zu machen oder Zeichnungen oder Texte. Wollt ihr noch ein abschließendes Wort sagen oder soll ich das übernehmen? Do you want to say something? You want to say something? Oh, it's overwhelming anyway. Two projects, one after another. Together I think it's a bit much. But thank you very much. Linz is always a wonderful host and with wonderful people. And I'm honored to be here and thank you for the invite. And about Ligetes, he has fabulous ideas all the time. For me, it's very inspiring. He has a certain way of working his ideas. So for this, I don't even know how I get myself into them. And since we don't speak the same language which is very weird for him being a writer and the translation does very bad job but I think every time we have a project in common it's exactly that kind of gap in the communication that functions. Actually I don't do well with a lot of details and he doesn't do very well with talking and communicating, which is ironic, isn't it? So the way we function is a very natural tune in those projects and with Ligigetism it's the same. He knows exactly when he has a good idea how to gather things that match together without forcing it, without making it too obvious. You can translate that. Um da vielleicht kurz noch auf das zu kriegen, Sie redet über ein anderes Projekt, was Sie zusammen machen, Legitim, das kannst du ja nochmal vorstellen. Es heißt Legitim und es ist eine Ausstellung und es gibt ein Buch dafür. Die Ausstellung ist im Oösterreichischen Kunstverein und die ist noch bis 12.3. Es sind rumänische und österreichische Künstler zu sehen. Genau. Jetzt haben wir Werbung gemacht, ohne das abzusprechen, mit dem Stifterhaus für eine andere Institution, aber auch oberösterreichisch. Ich finde, das ist ein schöner Abschluss, weil es einen Ausblick auch gibt auf das, dass ja noch viel mehr kommt immer wieder und Neues und die Kunst lebt in allen Bereichen, die wir hier auch vertreten haben. Und damit möchte ich mich bedanken für die Aufmerksamkeit und das Kommen und gehen Sie gerne noch an den Tisch und schauen Sie sich auch die Illustrationen an, die Bilder. Danke Erich nochmal, danke euch beiden. Thank you and have a good evening. Herzlichen Dank auch im Namen des Stifterhauses an Erich Wimmer, Alina Steiko, Herbert-Christian Stöger und Carina Antlmann für die Lesungen, die Moderation und das Gespräch. Es war uns eine große Freude, Sie heute alle hier zu haben. Bevor Sie uns verlassen, liebes Publikum, schauen Sie, wie gesagt, gerne am Büchertisch vorbei, den Sie hinten am Ausgang finden und der heute in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Fürstlberger zustande gekommen ist. Ich habe gesehen, die Autoren haben auch noch einige Bücher hinzugefügt und Sie können sich auch gerne diese beiden Bücher dann im Anschluss signieren lassen. Besuchen Sie uns außerdem gerne am Donnerstag wieder, wenn wir zu einer Buchpremiere und einer Buchpräsentation einladen. Um 19.30 Uhr begrüßen wir Verena Staufer, die erstmals aus ihrem neuen Roman Strahlen liest. Außerdem haben wir Evgeny Preiger zu Gast, der seinen Roadtrip in Versen Hallo Niemand vorstellen wird. Das Gespräch moderiert Günther Keindlsdorfer. Und am 16. März startet bei uns wieder unser Leseclub, bei dem Neuerscheinungen in gemütlicher Runde diskutiert werden. Sie können sich gerne bei meiner Kollegin Sandra Malitz dafür anmelden. Und ein letzter Hinweis noch, auf dem schwarzen Brett und auf unserer Homepage finden Sie die Ausschreibung für unsere thematische Ausgabe der Literaturzeitschrift Die Rampe. Also falls Sie Texte einreichen möchten, können Sie dort gerne vorbeischauen und sich über die Möglichkeit eben informieren, Einträge beizusteuern. Das war es von meiner Seite, ich danke Ihnen fürs Kommen und bis bald wieder hier im Stifterhaus, vielen Dank, auf Wiedersehen.