Danke für die Einladung, danke für die Gastfreundschaft hier bei euch. Schön, dass wir heute gemeinsam den Nachmittag gestalten können. Ich habe an Sie eine erste Frage. Wer von Ihnen hat den Schleifen bereits gelesen? Niemand. Das ist aus zwei Gründen sehr gut. Erstens, der Buchverkauf freut sich hoffentlich im Anschluss. Das ist auch eine Verkaufsveranstaltung. Und zweitens, Sie können mir nicht widersprechen, wenn ich Ihnen jetzt, ich habe es nämlich gelesen, sage, was mir auf und dazu eingefallen ist. gelesen, sage, was mir auf und dazu eingefallen ist. Im Herbst 1948 haben Franziska Denk und Otto Mandl, das sind mehr oder weniger die beiden Protagonisten in diesem Buch, zum ersten Mal brieflichen Kontakt. Ein Briefverkehr, der mehr als 80, nein nicht ganz 80 Jahre später, nämlich 2021, im Zollnay-Verlag erschienen ist. Ein Buch nur aus leeren Seiten, weil die Briefe, die die beiden jungen Menschen einander über den Atlantik hinweg zugeschickt haben, genau das waren, leere Blätter. Bereits hier stellen Sie sich vielleicht die Frage, wohin das Ganze führen soll. Mit das Ganze meine ich Schleifen, den Roman von Elias Hirschl, wobei so sicher ist diese Autorenschaft nicht, weil auch Franziska Denks im Zschollnei-Verlag erschienene Autobiografie Schleifen heißt. Wenn wir die Buchdeckel von Elias Hirschels, bleiben wir dabei, weil er heute da ist, schleifen, nach der Lektüre zuschlagen oder auf dem Kopf tragen, darf ich das mit deinem demonstrieren, das sieht dann so aus, diesen Hinweis verstehen Sie nur, wenn Sie das Buch gelesen haben, könnten wir aber auch Franz Kafkas Der Prozess gelesen haben. Weil, wie wir erfahren, in Kafkas Roman alle anderen Bücher, Texte, die gesamte Geisteswelt zu finden ist, wenn wir nur den darin enthaltenen Interpretationsvorschlägen folgen, die sich bei jeder Wiederholung der Lektüre ändern. Versitationsvorschlägen folgen, die sich bei jeder Wiederholung der Lektüre ändern. Aber vielleicht ist auch der Prozess auf Franziska Denks Mist gewachsen, wie beispielsweise auch die Existenz eines Herrn Kernfink, der an einer Zersplitterung der göttlichen Sprache in tausend Einzelsprachen durch menschliche Überheblichkeit glaubte, auf den sich jedoch bereits Franziska Denks Eltern, also bevor Franziska ihn erfunden hat, in ihrem Nachdenken über die Welt bezogen haben. Kurz gesagt, Schleifen führt uns hin zu einem aus sprachphilosophischen Exzessen und, ich zitiere, akademischen Hirnwichsereien, erwachsenem Irrsinn. Aber nochmals zurück zu 1948. Franziska Denk ist 17, Otto Mandl 14 Jahre alt. Beide leben im Exil. Franziska in Amerika, Otto in England., beide waren in Wien geboren worden. Franziskas Eltern, Margarete Denk und Karl Steinbrück, verkehren im sogenannten Wiener Kreis, das wird im Buch nicht wirklich genannt, dort heißt es Lesekreis, um den Logiker Kurt Gödel, den Physiker Moritz Schlick und den Philosophen Ludwig Wittgenstein und haben sich zur Aufgabe gemacht, die Völker dieser Welt zu jener von Savogini angenommenen göttlichen Ursprache zurückzuführen. daran erinnert, mit einem Kindertransport nach England verschickt worden. Franziska war nach Moritz Schlicks Ermordung am 22. Juni 1936, ein wirklich historisches Datum, denn vieles in diesem Buch ist nicht historisch, obwohl es historisch anmutet, mit ihren Eltern nach Amerika emigriert. Beide, Franziska und Otto, haben zu diesem Zeitpunkt unabhängig voneinander bereits gewalttätige Spracherfahrungen am eigenen Körper gemacht. Als Kind bekommt Franziska jede Krankheit, von der sie hört. ein Symptom. Spricht also jemand in ihrer Gegenwart etwa vom Pest, werfen sich auf ihre Haut Pestbollen auf etc. Otto hingegen erfährt Sprache sehr bewusst als ein stumpfes, aber tödliches Messer, so nennt es mal sein Vater. Menschen um ihn herum deuten das Wort Mensch so lange um, bis er als Jude nicht mehr unter diese Spezies fällt. Sind diese kindlichen Erfahrungen ausschlaggebend für alles Weitere? Für Franziskas und Ottos Sprachbesessenheit? Sie von den Lauten kommen, den Buchstaben, aus der Sprache gebildet wird, eher von Zeichen, die die Mathematik bildet? Oder ist das nur eine küchenpsychologische Brücke von mir, die ich da baue? Ist nicht eigentlich alles auf die Wanner, die Bewohner von Vanata, der Insel in der Südsee zurückzuführen? Erfüllt sich im Laufe von knapp 400 Zeiten nicht all das, was der Vanata-Schamanin erscheint und wovon Franziskas Vater von seiner letzten missionarischen Reise auf einer Postkarte erzählt, er dort ums Leben kommt. Aber ist in diesem Buch überhaupt irgendetwas verlässlich, auf irgendetwas anderes zurückzuführen? Wohl eher nicht. Eines ist sicher, Franziska und Otto denken, während ihrer geradezu verzweifelten Versuch, Otto denken, während ihrer geradezu verzweifelten Versuch, eine sprachliche Weltordnung zu schaffen, auf ihrer Suche nach der präzisestmöglichen Beschreibung von Welt, mit Besessenheit jeden ihrer Denkansätze so lange weiter, bis in der Regel nichts mehr davon übrig bleibt und sie selbst im hohen Alter verschwinden oder für verschwunden gehalten werden. Es kann nämlich sein, Otto lebt nach wie vor wie andere verirrte Touristen auf einem Tokioer Kreisverkehr, also auf der Insel. Zehn Spuren führen da herum und dorthin verirren sich die Touristen. Jetzt im Ernst, Besessenheit, das wissen wir aus anderen Zusammenhängen, kann zur Radikalisierung und auch zu Totalitismus führen. Und so leid es mir für uns Leserinnen, LiteraturliebhaberInnen, Sprachverliebte auch tun mag, Beschäftigung mit Sprache muss nicht in Welterkenntnis münden, sie kann auch zur Weltvernichtung führen, zumindest in Wahnsinn, zu Terror völliger Unklarheit und Beliebigkeit. führen, zumindest in Wahnsinn, zu Terror völliger Unklarheit und Beliebigkeit. Eine besessene Beschäftigung mit Sprache kann uns zu einer Sektenführerin machen oder zu Untertanen, die sich irgendwann mit Benzin überschütten und selbst anzünden. Und da Elias Hirschel dies mit einer großen Besessenheit tut, mit derselben Besessenheit wie Franziska Denk, bedeutet für mich der Auftritt von Franka Sendig, der Germanistin im Deutschen Literaturarchiv Marbach, eine zwischenzeitlich wohltuende Ablenkung. Franka Sendig organisiert ein Symposium zu einer Frage, die unser Gehirn nach Denks und Mandels gedanklichen Eskapaden entspannen lässt. Sie organisiert ein Symposium zu der Frage, ob Franziska Denk und Otto Mandel gefickt haben. Eine Frage, die sich die meisten Literaturwissenschaftlerinnen laut Hirschl auf Seite 148 entschleifen, abends bei einem bis fünf Bier dann doch oft stellen, zum Beispiel Thomas Bernhard, hat er jetzt gefickt oder nicht? Mein Beitrag zu dieser Diskussion, falls sich hier im Raum jemand ausführlich mit dieser Frage beschäftigen möchte oder damit beschäftigt, ich habe einen fast 88-jährigen Freund, der wiederum mit einer Freundin von Thomas Bernhard befreundet war, die Zeit ihres Lebens behauptet hat, Bernhardt habe nicht gefickt, er habe, ich zitiere, die Sache ins Taschentuch erledigt. Muss das jemand wissen? Will das jemand wissen? Warum nicht, wenn man auf der Suche nach der Energie hinter einer Besessenheit ist? Mag das durchaus relevant sein? Thomas Bernhards Besessenheit? Franziska Denks Besessenheit ist, mag das durchaus relevant sein. Thomas Bernhards Besessenheit, Franziska Denks Besessenheit, Otto Mandels Besessenheit, Elias Hirschls Besessenheit. Vor circa genau einem Monat habe ich geträumt, diese Veranstaltung hier in Sirningen moderieren zu müssen, ohne das Buch gelesen zu haben. Ich hatte im Traum und tatsächlich Schleifen am Schreibtisch liegen, aber noch nicht einmal zur Hand genommen. Und nun sollte ich darüber referieren und Elias Hirschel befragen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nichts über das Buch, abgesehen vom Titel, Schleifen, ob Verb oder Substantiv, keine Ahnung. Das können schön gebundene Bänder sein oder es kann eine Anspielung auf ich drehe Schleifen, also ich tue Sinnloses oder ich schleife ein Gebäude. Im Traum blieb mir Zeit, diese Frage zu beantworten. Also beschloss ich, auf Biografisches auszuweichen. Und mir fiel ein im Traum, dass mir eine sehr gute Freundin erzählt hat, Elias Hirschl sei mit ihrer Tochter ins Gymnasium gegangen. Und aus verlässlicher Quelle, die nicht die Tochter ist, wisse, dass Elias Hirschl kein guter Turner war. Im Traum dachte ich, darüber öffentlich zu reden sei ungehörig, aber es war zu spät, um es rückgängig zu machen. Es war bereits ausgesprochen und es war ja nur ein Traum. Nach der Nacht, in der ich diesen Traum gehabt hatte, begann ich schleifend zu lesen. Bereits auf Seite 50 notierte ich, das ist alles absolut wahnsinnig, wo soll das bloß enden? Vermutlich in einem Albtraum. Nach Beendigung der Lektüre schien mir die einzige Rettung vom Zwischenall dem Verloren gehen, Jim Bloom zu werden. Jener Jim Bloom, den die Schamanin auf Vanata, Sie erinnern sich, kommen hat sehen, ich habe mich regelrecht danach gesehnt, Jim Bloom zu sein. Weil mittlerweile auch alle anderen Jim Bloom geworden waren. Jim Bloom zu sein, weil mittlerweile auch alle anderen Jim Bloom geworden waren. Ich habe mich danach gesehnt, ein Teil dieses kollektiven Bewusstseins zu werden, dieser Schwarmintelligenz, mich darin aufzulösen, so zu sprechen wie alle anderen Jim Blooms, so zu denken wie alle anderen Jim Blooms und so wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben und als Jim Blum sagen zu können, herzlich willkommen Jim Blum, alias Elias Hirschl. Schön, dass du da bist. Danke. Eine erste Frage, kennst du die Serie Pluribus? Das wurde ich in den letzten Tagen jetzt echt schon drei oder vier Mal gefragt. Das glaube ich in den letzten Tagen jetzt echt schon drei oder viermal gefragt. Das glaube ich. Genau, weil die ist halt vor einem Monat rausgekommen und endet und mein Buch endet genau gleich wie die ganze Serie verläuft anscheinend. Genau. Ich auch. Da sie so spät rausgekommen ist, hätte ich eher den Verdacht, die haben von dir abgeschrieben als umgekehrt. Chronologisch müsste das so sein. Ja, genau. Vielleicht für Sie, wenn Sie die Serie nicht kennen, dort die spielt damit, dass die ganze Welt sich, also alle Bewusstseins, alle Gehirne schalten sich gleich. Es gibt sozusagen eine Schwarmintelligenz und etwa zwölf Menschen auf der ganzen Welt sind an diesem Prozess nicht beteiligt und die haben natürlich jetzt ein Problem. Genau, und alle anderen sind einfach die gleiche Person geworden. Genau, das hat zwei wunderbare Effekte, nämlich erstens, sie können niemand anderem böse sein. Also sie können keine Gewalt ausüben. Und jeder kann alles. Das führt in der Serie zu wunderbaren Szenen. Nämlich der Pilot steigt aus. Oder umgekehrt ist es schöner. Die Putzfrau steigt ins Flugzeug. Sie kann sozusagen auch das Flugzeug steuern. Sie steigt aus. Sie kann operieren. Also alle können alles. Und daran erinnert unser Jim Bloom in dem Nummer. Genau, gegen Ende des Buches werden immer mehr Personen zur gleichen Person und die Person heißt eben Jim Bloom und es gibt verschiedene Theorien, wo das dann herkommt, aber vermutlich gab es einen Patienten Null, der zufälligerweise Jim Bloom hieß und von dem ging das dann aus. Und bei mir führt es nicht zu Allwissen, sondern es führt eher dazu, dass die Leute einfach nicht mehr reden, weil sie keine Informationen mehr auszutauschen haben, weil sie es eh schon wissen. Weil ich muss auch nicht unbedingt mit mir selber Informationen austauschen, weil ich weiß ja schon, was ich weiß. Und deswegen haben die Leute dann keinen Grund mehr, miteinander zu interagieren eigentlich und stehen halt einfach nur brumm und sind eigentlich relativ, weiß ich auch nicht, glücklich, aber relativ zufrieden irgendwie so, genau. Hast du die Serie gesehen? In der Serie sind sie, glaube ich, dezidiert glücklich. Ja, sie sind glücklich. Ja, dort sind sie dezidiert glücklich. Bei mir sind sie so ein bisschen, ja, man weiß nicht ganz. Sie sind irgendwie ruhig. Kürzen wir das ab. Eine Empfehlung, schauen Sie sich das an bei Amazon oder Apple TV leuchtet es. Zurück zum Buch, vor allem zurück zum Titel. Ich habe was vorbereitet. Oh, wunderschön. Kannst du erklären, was das ist, was es mit dem Buch zu tun hat, was es kann? Es ist vermutlich eine Möbius-Schleife. Ich finde gut, dass ich das jetzt mal nicht selber basteln muss, weil ich muss ja das schon dreimal selber basteln. Es gibt ein sehr schönes Video. Es gibt inzwischen mehrere Videos. Genau, eine Möbius-Schleife ist eine mathematische Form, die nur eine Seite hat und nur eine Kante. Das heißt, wenn man entlang einer Kante hier fährt, kommt man überall entlang, ohne jemals absetzen zu müssen. Und im Buch selber, die Mutter von Franziska Denk dreht irgendwann völlig durch und schreibt ihre wissenschaftlichen Arbeiten nur noch auf Möbius-Schleifen, weil sie sich dann wiederholen können. Aber sie hat noch eine wunderbare andere Eigenschaft. Genau, wenn man sie durchschneidet. Ich habe alles vorbereitet, wie in einer Kochsendung. Wenn man sie in der Mitte durchschneidet. Ich demonstriere das, weil du das Mikro entwandert hast. Zerfällt sie nicht in zwei Schleifen, sondern bleibt nach wie vor eine Schleife, die jetzt aber um 540 Grad verdreht ist, statt um 180 Grad. Genau, es ist immer noch eine... Das Traurige ist, ich dachte, das geht so weiter, aber wenn man die nochmal durchschneidet, sind es zwei. Ach so. Und die Erklärung ist, dass wenn man eine... Ursprünglich hat es eine Seite. Wenn man eine Seite durchschneidet, hat man ein Band mit zwei Seiten. Wenn man die durchschneidet, hat man dann zwei Bänder mit vier Seiten. Das macht dann irgendwo doch Sinn. Möbius-Schleife, weil ein Herr Möbius das, glaube ich, Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal beschrieben hat. Du hast schon gesagt, die Möbius-Schleife taucht zum ersten Mal mit der Mutter auf, mit Margarete Denk. Vielleicht verfolgen wir noch ein bisschen die Geschichte von den beiden. Also Tochter Franziska Denk geht mit den Eltern nach Amerika, wir haben es gehört. Der Vater geht mit amerikanischem Militär in die Südsee, die wollen dort Stützpunkte aufb hat. Genau, er will den Leuten die göttliche Ursprache beibringen, von der er selber nicht genau weiß, welche es ist, aber er arbeitet sich so rückwärts vor von irgendwie Latein, Hebräisch, Aramäisch, Phönizisch und schaut, wie weit er es bringen kann. Die Tochter währenddessen, das passiert glaube ich schon noch in Wien, heilt sich selbst zu einem gewissen Grad von der angesprochenen Krankheit, indem sie Krankheiten in toten Sprachen spricht und so verliert sie diese Mittel. Genau, das funktioniert dann wie so Totimpfstoffe quasi und sie impft sich so mit toten Sprachen gegen die lebendigen Sprachen und heilt sich aber nicht vollständig, sondern das kriegt dann immer wieder Rückfälle und genau das führt dann zu den von dir vorhin schon angesprochenen leeren Briefen zwischen Da gibt es aber dazwischen noch ein Step, den ich erwähnen möchte. Der Vater stirbt nämlich auf einer Südseeinsel. Genau, der stirbt dort. Die Mutter verfällt mehr oder weniger dem Wahnsinn, nicht zuletzt, weil sie zum Beispiel auf eine Schleife schreibt, Gott sei Dank ist Gott tot. Gott sei Dank gibt es keinen Gott sei Dank. Gott sei Dank gibt es keinen Gott sei Dank. Gott sei Dank gibt es keinen Gott sei Dank. Und sie liest es und liest all ihre Texte immer wieder, packt dann Schleifen, packt Pakete von Schleifen in Briefkuverts und verschickt sie an diverse Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen in der ganzen Welt. Mit Absender Psychiatrie, wo sie gerade ist. Ja, die Mutter ist nämlich starke Alkoholikerin und sie raucht so stark, dass die Tochter, wenn sie nicht hören würde, dass die Mutter auf ein Diktaphon spricht, denken würde, die Bibliothek steht im Brand. Die Mutter kommt schließlich in die Psychiatrie und verschwindet 1942. Ja, weiß ich jetzt nicht, wie ich glaube. Ich weiß es. Es wäre überhaupt eine schöne Frage, dich nach gewissen Dingen im Buch abzufragen, weil es stehen so viele Informationen drin, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass du dich noch an alle erinnern kannst. Also die Mutter verschwindet, die Tochter wird von einem Amt übernommen, landet schließlich auch in der Psychiatrie und jetzt schließe ich den Bogen zu Otto Mandl. Otto Mandl, der in England lebt, nämlich in Oxford praktischerweise, wo auch eines dieser Pakete mit den Schleifen hingekommen ist, das fällt ihm in die Hand und er schreibt der Absenderin und dieser Brief landet in der Psychiatrie, in der die Mutter saß und jetzt die Tochter sitzt. Und deshalb bekommt sie das Kuvert ausgehend. Und die Ärzte lesen nur, aha, an einer Frau denkt, naja, das wird wohl die sein. Und dadurch entsteht diese Brieffreundschaft zwischen den beiden. Und dieser stille Briefverkehr scheint mir, und ich glaube, es ist irgendwann auch so beschrieben, als eine der schönsten Zeiten in ihrem Leben. Ja, ich glaube, weil sie sich da auch so zu, genau, am Anfang hat sie halt so Rückfälle, so Krankheitsrückfälle, vor allem, wie sie dann mit Otto Mandl über ihre Krankheit schreibt, dass sie eben Krankheiten bekommt, wenn sie davon liest, und das führt dann dazu, dass sie sich nur noch leere Briefe schicken, weil die halt dann nichts auslösen, und die leeren Briefe werden immer länger und immer intimer auch irgendwie. Und genau deswegen gibt es dann eben bei Joyner den Sammelband mit den gesammelten leeren Briefen in einer dreibändigen 2000-Seiten-Ausgabe, was ich so ein bisschen das Problemlosere oder die unproblematischere Version findet von Briefwechsel Bachmann und Frisch zum Beispiel. Bei leeren Briefen kann man zumindest nicht wissen, was man da offenlegt gerade. Aber dadurch freuten die sich an, ohne zu reden. Und dann 1952 geht, ich glaube Otto ist dann schon nach Berlin gegangen, Franziska folgt ihm nach Berlin, sie ziehen zusammen. Die Frage, ob sie auch gefickt haben, bleibt unbeklärt. Wird von den Germanisten diskutiert, jahrelang. sie unter anderem die Objektsprache entwickeln. Das Ganze führt bei beiden zu einer Radikalisierung, mehr aber noch bei Franziska. Otto trennt sich von ihr. Die Geschichten enden in Japan, wie gesagt, entweder auf der Insel eines zehnspurigen Kreisverkehrs, beziehungsweise in Ostia, wo die Nonverbalisten, eine Gruppe um Franziska Denk, dann dort einen kleinen Mikrostaat gründen und dem wir auch später nochmal begegnen werden. Das allerdings ist eigentlich nur das Gerüst, in das Elias Hirschl nun Wahnsinnigkeiten hängt. Kannst du uns ein bisschen davon erzählen, erstens, wie das, vielleicht gar nicht, wie das ganze Buch entstanden ist, aber wie diese einzelnen Geschichten, diese sprachphilosophischen Exkurse, wie das alles entstanden ist in den letzten Jahren? Genau, also ich glaube, so die älteste Geschichte aus dem ganzen Buch, die kommt erst gegen Ende irgendwann vor und die ist 2016 entstanden. Lustigerweise in Japan, hat aber nichts mit Japan zu tun, sondern das ist diese Kafka-Geschichte, die gar nichts mit Japan zu tun hat, aber da war ich gerade auf Urlaub etwa drei Wochen in Japan. infolgedessen immer mehr einzelne Entwürfe und Geschichten entstanden, die halt alle so zum Thema Sprachphilosophie und Suche nach der perfekten Sprache gehandelt haben. Und 2018 ist dann so die zentrale Geschichte eigentlich mit Franziska Denk und Otto Mandl entstanden, um die sich dann der ganze Rest so herumrankt. Und dann lag es erst mal drei, vier Jahre lang, weil ich keinen Verlag dafür gefunden habe und dann war zwischen 2021 und Ende 2025 so die Hauptarbeit, das alles zusammenzuführen und umzuschreiben. Ich habe einen Verdacht. Ich weiß nicht, wie weit Sie auf Social Media unterwegs sind. Es gibt doch erstaunlicherweise im Jahr 2026 den 2016er TrendTrend. Ich weiß nicht, ob du das kennst, alle Leute posten im Moment Fotos von 2016. Ist denn diese Geschichte, das 2016, dein erster Text entstanden, denn wahr oder gehört es zu diesem Internet-Trend? Das stimmt, ich habe versucht nachzurechnen, wann das war. Vielleicht sind Teile noch ein bisschen älter, aber ich glaube, das ist eine substanzielle Geschichte, wo ich genau verorten kann, wann die entstanden ist. Eigentlich will ich damit sagen, nachdem man das Buch gelesen hat, man traut ja nicht über den Weg. Ich habe auch eine Freundin von mir empfohlen, ich soll einfach lügen auf der Bühne. Das könnte ich auch mal machen. Ich glaube, du lügst andererseits. Dazu bin ich zu höflich. Andererseits, naja nicht ganz, weil es gibt einen anderen Trend, den ich festgestellt habe, vielleicht ist es kein Trend, aber mir ist er untergekommen, mir ist es sowohl bei Kaiser Müllecker als auch bei Streowitz, Autoren schreiben mittlerweile in ihre Texte hinein, was sie offenbar als Fragen von Moderatoren oder Moderatorinnen oder aus dem Publikum nicht hören wollen. Das heißt, sie erfinden Figuren. Bei Kaiser Müllecker eine junge Autorin, die fantasiert, wie sie dann auf der Bühne mal sitzen wird und was für Fragen oder für läppischen Fragen. Und es gibt auf Seite 286 eine Stelle, weißt du, worauf ich anspringe? Ja, es gibt auf 286 wir sind mittlerweile in Ostia, es gibt ein zweites Symposium, das von der Germanistin initiiert wird. Und in diesem... Du weißt es. Da sitzen Zivilpolizisten und versuchen sich dann unauffällig als Germanisten auszugeben und fragen dann halt so... Und die fragen, wie kommen sie denn auf ihre Ideen? Können sie denn davon leben? Ich verstehe das Ende des ihre Ideen? Können sie denn davon leben? Ich verstehe das Ende des Buches nicht. Können sie mir das erklären? Ich werde dir am Schluss dieser Veranstaltung das Ende des Buches erklären. Die Frage, wie kommst du auf Ideen, führt, wenn man das Buch gelesen hat, eher zu der Frage, unter welchen Drogen hast du eigentlich dieses Buch geschrieben? Unter Koffein. Es ist sehr viel Kaffee, aber ansonsten nichts. Okay, dann würde ich vorschlagen, wir hören mal rein, damit Sie auch eine Ahnung haben, wie das klingt. Und wir gehen nach Berlin. Das Ganze spielt Ende der 70er Jahre. Und Franziska Denk entwickelt eine Sprache, die sich Objektsprache nennt. Schauen wir mal, was wir noch dazu lernen müssen. Genau, ich erkläre ein bisschen was vorher. Sie haben inzwischen so eine Art Institut gegründet, das aber auch einfach eine Art Kommune geworden ist, wo hauptsächlich eher ärmere Studenten auch wohnen zum Teil. Und es ist das Institut für angewandte Sprachforschung. Und Ziel dieser Sprachforschung ist eben, so eine perfekte Sprache zu erschaffen und damit vor allem Deutsch und Englisch abzulösen, aber eigentlich alle Sprachen abzulösen. Und diese Sprache soll ganz exakt sein. Also sie soll wirklich alles ganz, ganz, ganz genau benennen. Und das Problem dabei ist, dass man immer genauer werden müsste. Also es gibt dann nicht nur ein Wort für Glas, sondern es gibt dann ein Wort für diese spezifische Art von Glas. Aber das muss sich wieder unterscheiden zu der Art von Glas, obwohl das genau dieselbe Art von Glas ist. Aber das eine steht links, das andere steht rechts. Und genau, die wird immer spezifischer, die Sprache. Und das Problem ist, dass dadurch die Wörter immer länger werden. Und genau, an der Stelle steigen wir ein. Beispielsweise referierte ein bestimmtes Zeichen auf ein kleines Bruchstück eines Ziegelsteins, der von einem Studenten während einer Demonstration gegen die OPEC-Staaten durch das Fenster eines Polizeipräsidiums etwa 100 Meter vom Institut für Angewandte Sprachforschung entfernt geworfen worden war. Das Zeichen verortet seinen Signifikanten, also dieses kleine abgebrochene Stück des Ziegelsteins, bis ins kleinste Detail im vierdimensionalen Koordinatensystem des Universums. Bis ins kleinste Detail im vierdimensionallichen Koordinaten, die Hintergrundgeschichte der Ziegelmasse des Lehms, die Geschichte des Bodens und des ganzen Landstriches, in dem sich der Lehm einst befunden hatte, den Wandel dieser Landschaft über die letzten Jahrmillionen, Jahrmilliarden bis zur Entstehung der Erde, des Sonnensystems, der Galaxie, des Galaxienclusters, des Superclusters, der großräumigen Struktur des Kosmos, des sichtbaren und nicht sichtbaren Universums bis zurück zum Urknall. All diese Eigenschaften mussten ihr Gegenstück in einem einzigen individuellen, unverwechselbaren Zeichen finden, in einer Insignie, die sie genau innerhalb der Taxonomie alles Seienden verorten kann. Und das wäre halt lexikonlang, wenn man das machen wollen würde, oder noch länger. Irgendwann sah Denk ein, dass der einzige praktikable Weg, all diese Informationen in einem einzigen Symbol zu vereinen, war, das betreffende abgebrochene Stück Ziegel einfach selbst zu seinem eigenen semiotischen Zeichen zu machen. Wollte man also mündlich auf dieses etwa zwetschgengroße Ziegelbruchstück referieren, nahm man einfach das betreffende Ziegelbruchstück in den Mund und spuckte es aus. So wie jeden anderen Begriff auch. So wussten alle sofort intuitiv, was man meinte und auf welchen Gegenstand man sich bezog. Die Objektsprache war geboren. Eine Sprache, die zugegebenermaßen etwas unpraktisch ist, da sie ausschließlich ermöglicht, sich über Dinge und Ereignisse zu unterhalten, die klein genug sind, um in den eigenen Mund zu passen. Trotzdem zeichnet sie sich durch eine absolut exakte Begriffsfindung aus. Jeder sagt genau das, was er meint, da ihm das, was er meint, bereits auf der Zunge liegt. Missverständnisse waren so gut wie ausgeschlossen, außer jemand kannte den Gegenstand nicht, den sein Gegenüber ausspuckte. Oder man hatte ihn aus Versehen zerkaut oder verschluckt. Die Gespräche beim jährlich stattfindenden Objektsprachekongress drehten sich daher vor allem um Murmeln, Kaugummis, Lutschtabletten, Bonbons, sowie um das Essen, an dem sich die Teilnehmer gelegentlich verschluckten, oder den erbrochenen Alkohol, der nach einer durchzechten Nacht in dem einen oder anderen Objektsprecher wieder hochkam. Auch die eigene Spucke war ein häufig angesprochenes Themenfeld. Eine eigene Spucke war ein häufig angesprochenes Themenfeld. Die Sprache verschwand leider, als die Teilnehmer anfingen, einfach Sätze auf Zettel zu schreiben. Diese zerknüllten, sich in den Mund stopften und wieder ausspuckten, sodass sie mit den Signifikanten, also der Zettel mit Text darauf, auf den Signifikaten, also der Zettel mit Text darauf, verwiesen. Irgendwann wurden die Zettel dann wegreduziert, sodass nur noch die Sätze und Wörter übrig blieben, die die Sprecher sich vor die Füße spuckten. Eine absolut einzigartige Sprechtechnik, in der man durch geschickte Manipulation von Luftwellen auf eben jene manipulierten Luftwellen referiert. Diese ganz spezielle Art des Sprechens, die zugegebenermaßen sehr an die normale Art des Sprechens erinnert, unterscheidet sich von ihr jedoch in ihrer Präzision und zeitlosen Universalität, wie Sprechende der Objektsprache immer noch beteuern. Leider lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wie viele Objektsprache-SprecherInnen es heute noch gibt, dass sie sich inzwischen in keinem einzigen Punkt mehr von normalen Menschen unterscheiden würden. Was du jetzt geschickterweise ausgelassen hast, du hast das am Beispiel des Glases beschrieben, es gibt davor ein Beispiel, nämlich den Hamster, der sozusagen in einem immer länger werdenden Wort genannt wird, wo ich gedacht habe, der arme Autor, wenn er daraus vorlesen muss, wird es kompliziert, aber vielleicht gibst du uns eine Kost. Ich lese das allerletzte. Ah, ich steige da einfach ein. Ich habe es ein einziges Mal probiert. Das ist, by the way, angelehnt an Sprachen, die es wirklich gab. Also die Objektsprache nicht, also das Ausspucken gab es nicht. Aber es waren, glaube ich, ernst gemeinte Vorschläge. Genau. Die Sprache ist so aufgebaut, dass man einen Grundstock hat an Zeichen quasi. Also man hat zum Beispiel einen Kreis und der Kreis bedeutet dann alles, was existiert generell. Wenn man einen Strich unter dem Kreis macht, bedeutet das alles Lebendige. Wenn man dann irgendwo noch eine Welle dran macht, heißt das alles Säugetiere und sowas und dann kann man das immer genauer eingrenzen und zu jedem dieser Zeichen gibt es halt eine spezifische Silbe auch, damit das Ganze aussprechbar ist. Das ist halt die Hinarbeit und danach ist sie abgelöst worden von, man nimmt das Objekt einfach in den Mund. Genau, es ist Existierende, Om, Lebendige, Ome, Säugetiere, Omego, Nagetiere, Omegon, Hamster, Omegoni, Zwerghamster, Omegoniru, Zwerghamster, die im Jahr 1979 leben, Omegoniru, Lalitubogdan, Zwerghamster, die im Jahr 1979 in Deutschland leben, Omegoniru, Lalitubogdan, Niholupan, Faldaldosni Moulnisu. Zwerg kamst du dem Jahr 1979 in West-Berlin leben. Ich überspringe jetzt ein bisschen das... Zwerg kamst du dem Jahr 1979 in West-Berlin leben und einer Besitzerin namens Dora Claire gehören und Pfiffi heißen. Wir glauben dir nicht, dass dafür Koffein reicht. Das ist, was ich vor allem wirklich großartig an meiner Arbeit finde, ist, dass man das dann einer Lektorin gibt und darüber diskutiert wird, ob da jetzt irgendwas ausgebessert gehört und ob das Sinn macht, auch wie man das abteilt und so. Das wollte ich dich ohnehin irgendwann fragen. Jetzt frage ich dich jetzt, gibt es irgendjemand, der dich einbremst? Ich glaube, das Problem war dann eher, dass es ganz viele Exkurse in dem Buch gibt und die wachsen halt in alle Richtungen an und deswegen habe ich mir dann immer mal wieder, ja, ich selber im Endeffekt, also weil ich habe mir irgendwann selber mehrmals Schreibverbot erteilt, weil ich das sonst die ganze Zeit umarbeite und ich habe dann eine Version halt mal der Bettina Wörger vom Jollneu Verlag geschickt und gesagt, okay, jetzt gebe ich dir die Version und damit darf ich nichts mehr ändern. Und bis du mir nicht sagst, arbeite da weiter, mache ich jetzt nichts mehr, weil ich damals auch noch, also das ist parallel zu den letzten zwei Büchern entstanden und dann, genau, halt immer schauen, wo man gerade weiterarbeitet. Das beantwortet eine andere Frage. Aber es wurden Sachen rausgekürzt, tatsächlich, es war noch viel länger und dann sind ein paar Sachen rausgeflogen, dank dem Lektorat. Und das war auch gut, glaube ich. Du arbeitest um oder du schreibst in einem Guss? Ich arbeite extrem viel um und ich verschiebe auch, was wann ist. Bei dem war es auch absurd. Genau du hast, glaube ich, momentan die Jahreszahlen besser im Kopf als ich. Irgendwann habe ich mir wirklich ein riesiges Plakat an die Wand hängen müssen, einfach nur, um die Chronologie im Kopf zu behalten, wann was passiert. Und ganz bestimmte Sachen können auch nur in bestimmten Jahren passieren. Andere kann man noch ein bisschen verschieben vielleicht, aber es gibt was, was sich auf die Demokratie in der Mongolei bezieht und die gibt es halt erst seit den frühen 90ern oder Ende 80er und früher kann das nicht passieren halt und dann gab es ein paar. Gutes Stichwort, darauf werde ich nämlich zu sprechen kommen. Erstens, so ein Buch entsteht ja nicht im luftleeren Raum. Also was für literarischen Bezüge hast du, was kennst du an Literatur, die ähnlich funktioniert oder auch nicht? Was ist da dein Kosmos, in dem du dich bewegst? Es ist, also es ist auch, das ganze Buch ist eingeleitet. Hallo, hallo, jetzt. Das ganze Buch ist eingeleitet mit einem Zitat von Jorge Luis Borges, glaube ich spricht mit aus. Zitat von Jorge Luis Borges, glaube ich, spricht mit aus. Ein halt argentinischer, vor allem Kurzgeschichten Autor, der, glaube ich, in den 90er Jahren gestorben ist und der wirklich absolut großartige Kurzgeschichten geschrieben hat, die alle gleichzeitig so philosophische Gedankenexperimente sind und jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, ich habe irgendeine gute Idee in Bezug auf Sprachphilosophie oder sowas, schaue ich dann doch mal bei ihm nochmal nach, ob er die nicht eh schon vor 70 Jahren mal irgendwo aufgeschrieben hatte. Und er hat halt wirklich Sachen teilweise in so Wegwerf-Fußnoten nebenbei notiert, die die irrsten Ideen sind, aus denen er nichts gemacht hat. Also aus denen er die dann gar nicht ausformuliert hat. Und genau, auf denen sind immer wieder Bezüge drin. Und von der Form her eigentlich gar nicht, weil er halt keinen einzigen Roman geschrieben hat, auch gemeint hat, das ist ihm zu aufwendig. Und er tut halt dann in Kurzgeschichten so, als gäbe es einen Roman. Also er hat ganz viel über fiktionale Bücher auch geschrieben. Er hat ganz viele Rezensionen über Bücher geschrieben, die es nicht gab, die aber dazu geführt haben, dass Leute, die bei seinem Verlag kaufen wollten, manche argumentieren, er hat dadurch Geld eingestrichen, man weiß es nicht ganz. Genau, und von der Buchform her eher, ich habe ganz viel von Terry Pratchett gelesen und Marc Z. Danielewski und Walter Mörs und die haben alle ganz lustige Fußnoten immer. Also die haben immer so komische kommentierende Fußnoten, die dann den Text einordnen oder zum Teil einfach nur sagen, nein, das stimmt jetzt nicht, was da oben behauptet wird und so. Also ganz lustige Meta-Ebenen einziehen. Kurz zur Erklärung, weil niemand von Ihnen das Buch gelesen hat. Es besteht aus verschiedensten Textsorten und eine wesentliche Textsorte ist die Fußnote. Das ganze Buch endet auch in einem Fußnoten-Wahnsinn. Aber es gibt auch Essays, es gibt Briefe, es gibt alles. Es ist eine Collage aus verschiedensten Textsorten. Da vielleicht noch ganz kurz genau zu dieser Collage aus verschiedenen Textsorten, weil da kam die Idee nicht her, aber das hat mich dann bestätigt, dass der deutsche Autor Juan Guse hat 2019 den Roman Miami Punk veröffentlicht und ich habe ein Jahr vorher war ich mit ihm auf das heißt Autorentagung in Greifswald in Norddeutschland und da habe ich mit dem über das Projekt geredet, was bei mir halt so in den Anfangsstadium war und ich habe halt das Gefühl gehabt, das funktioniert absolut nie im Leben so und er hat genau zu dem Zeitpunkt an genau sowas auch gearbeitet und hat mir wirklich Mut gemacht von wegen, na das kann, hau einfach alles rein, was du Lust hast. Dann kann man es schon irgendwie verbinden. Und sein Roman liest sich auch genauso. Das ist halt alles so, bei ihm halt noch viel länger, ich glaube so 800 Seiten. Und er hat halt jeden Exkurs reingehaut, den er noch wollte. Jetzt gibt es aber nicht nur dich als Autor, sondern es gibt auch Franziska Denk und Otto Mandl als Autoren. Also auch die haben ein literarisches Werk geschaffen. Kannst du uns ein bisschen was über deren literarisches Werk sagen? Du hast schon die Geschichte mit der Mongolei angesprochen. Also es gibt eine Nessee über die drittstärkste Partei der Mongolei. Genau, also es ist die Otto Mandl selber, ich rede auch so als gäbe es die, aber er war halt Experimentallyriker oder ist Experimentallyriker und macht sehr, sehr seltsame komische Gedichte, die sich dann alle wie so mathematische Ableitungen lesen, zum Teil mit so wahren Sätzen drin, also irgendwie Sätze, die sich selber aufzählen, die ihre eigenen Buchstaben zählen und so Zeug. Genau, eher so auf der lyrischen Seite, auf der kürzeren Seite. Und Franziska Denk schreibt dann aber auch völlig ihre Romanprojekte, die man von vorne und hinten lesen kann, wo Ausschnitte davon drin sind quasi. Und dann bringt sie ein Buch raus, das den Titel mehr oder weniger trägt, die drittstärkste mongolische Partei und das Interessante an dem Buch ist, dass es kein fester Titel ist, sondern der Titel des Buches verändert sich, je nachdem, welche Partei in der Mongolei gerade die drittstärkste ist in den Umfragen. Das hat den schönen Effekt, es gibt sozusagen Wahlen in der Mongolei. Dieser Essay ist von Denk, glaube ich. Ich glaube, es ist ein Roman auch. Ein Roman von Franziska Denk wird von der drittstärksten Partei aufgegriffen. Sie wird dadurch so erfolgreich, dass sie zuerst stärksten Partei wird, woraufhin wieder jemand auf den dritten Platz zurückrutscht und sozusagen das wird ein ewiger Kreislauf und ein wunderbares Beispiel, wie Text sozusagen in Wirklichkeit eingreifen kann. Sie veröffentlicht immer wieder Sachen, die aus dem Nichts heraus Sachen erzeugen. Es gibt den Musiker Angorong, wo sie einfach nur behauptet, das ist der beste minimalistische Musiker der Welt. Angorong ist ein Verkäufer für Stinky Tofu, für so fermentierten, frittierten Tofu in Taiwan. Und er hat Zeit seines Lebens nie Musik gemacht. Er hatte auch nicht vor, Musik zu machen und er hat nie versucht, Musik zu machen. Und das macht ihn zum perfekten, minimalistischen Musik gemacht, er hatte auch nicht vor, Musik zu machen und er hat nie versucht, Musik zu machen und das macht ihn zum perfekten, minimalistischen Musiker, weil er das nie auch nur drüber nachgedacht hat. Und sie schreibt einen Essay darüber, wie perfekt sein Werk ist und daraufhin wird er berühmt und wird überall eingeladen, an Opernhäuser, um dort Tofu zu frittieren, an die, ich glaube, nach Mailand, nach Wien und gewinnt auch Preise und geht an dem Ruhm zugrunde. Und landet wieder als Tofu-Verkäufer. Und landet wieder als Tofu-Verkäufer, nachdem er so einen ganzen Popstar-Aufstieg und Fall hatte. Ich habe vorgestern eine, nein, gestern, ich habe gestern eine E-Mail bekommen, ich sage jetzt nicht von wem, aber wo dann drin stand, mehr oder weniger, ob ich so journalistisch, ob ich da an etwas mitwirken will. Und wunderschön formuliert, ganz viele Fehler auch noch drin. über dem sein Werk oder so irgendwie und dann beendet mit, ich lese jetzt erstmal ihr Buch und bin bis Montag nicht da. Und anscheinend hat ich besonders das Buch noch nicht gelesen, weil es gibt Angrungen nicht. Aber ich kann auch eine Stunde lang über ihn reden. Auf den kommen wir nochmal. Du hast irgendeinen... Warte, du sprichst zu viel die Batteries aus. Ich möchte noch auf ein Gedicht zu sprechen kommen, weil ich habe in meiner kleinen Vorrede schon erwähnt, das Buch hat mich immer wieder an Freunde von mir erinnert. Ich weiß nicht warum und offenbar habe ich ziemlich crazy Freunde, unter anderem einen Freund, der Wolfgang Heisig heißt. Und darauf kam ich auf ihn. Ich erkläre es dann, warum. Ich glaube, es ist von Franziska Denk. Es ist eine unglaublich interessante Leseerfahrung. Ich habe selten ein Buch gelesen, wo ich so gerne versucht habe, jemand anderen Geschichten daraus nachzuerzählen. Was zur Folge hatte, dass man diese Geschichte natürlich verfälscht und selbst etwas dazu dichtet. Also das hatte ich sonst bei keinem Buch. Aber kannst du etwas über dieses Gedicht sagen? Es ist... Lies es doch erstmal vor. Ich lese einfach mal vor. Genau, das Gedicht geht Frankfurt, Riga, Antwerpen, Nizza, Zürich, Istanbul, Sofia, Kopenhagen, Amsterdam, Detroit, Essen, New York, Kairo. Was man daran verstehen muss, sind die Anfangsbuchstaben. Genau, die Anfangsbuchstaben bilden Franziska Denk und die einzelnen Wörter sind Abflugziele am Flughafen Berlin-Tegel, nachdem Franziska Denk Bombendrohungen an diverse Flughäfen in Europa gestellt hat, einfach nur um die Abflugtafeln so zu verändern, dass ihr Name aufploppt. Genau. einfach nur um die Abflugtafeln so zu verändern, dass ihr Name aufploppt. Genau. Und ich musste, weil das etwas mit einzelnen Buchstaben zu tun hat, an meinen Freund Wolfgang Heisig denken, das Motiv BACH, sagt dir was? Also der Familienname von Bach, der ja nur aus Noten besteht. Und mein Freund Wolfgang hat gerne Gedichte geschrieben, sogenannte Nadeldruck-Kuräle, weil er es noch zu einer Zeit gemacht hat, als es noch Nadeldrucker gab, wo er Gedichte verfasst hat, die nur aus Notennamen bestanden. Und das klang dann etwa so schade, dass Adar, das badische Schaf des BASF-Geheges Eschbach, das Pitschis, Gejas, Schachasse, Saar, Haschisch, Besar, Seefisch, Haschee, Aas des Chefs, die Gabischis. Und das hat er dann noch gesungen, Note für Note. Also es gibt tatsächlich reale Menschen, die ähnlichen Wahnsinn fabrizieren. Ich meine, ich bin ja auch real. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Und ich habe ihn angesichts dieser Veranstaltung gefragt, warum machst du eigentlich sowas? Und er kam dann mit einer musiktheoretischen Abhandlung, die mich nicht interessiert hat. Aber mich würde interessieren, wenn man jetzt bei Franziska Denk und Otto Mandl den ganzen Wahnsinn beiseite schafft, warum machen die das? Oder hast du an den Figuren selbst kein Interesse und sie dienen dir nur dazu, diese Wahnsinnigkeiten darstellen zu können? schon auch vor allem um deren Einstellung zu Sprache und was sie jeweils für negative Gefühle auch dazu haben, weil ansonsten hätte das ganze Buch auch keinen narrativen Drive, dann würde es nirgendwo hingehen. Aber woher kommt diese Einstellung der Sprache? Ich habe vorhin so, wo ich dann gesagt habe, das ist vielleicht ein bisschen küchenpsychologisch, das aus ihrer Kindheit zu erklären, aber was hast du für eine Beziehung zu deinen Figuren, die man ja eigentlich liebhaben kann, obwohl sie beide, vor allem sie, in eine totale Radikalität abdriften? Ich glaube, mit ihr kann ich dann irgendwann nicht mehr so mitfühlen, weil die halt immer radikaler wird und irgendwann auch so zur Terroristin. Aber dass man so Hass auf Sprache entwickelt zum Teil, kann ich schon nachvollziehen, aber gleichzeitig ist es auch so sehr wertschätzt und liebt auch. Ich habe einfach nur, was diese ganzen komischen Experimente angeht, was ich halt schön finde, ist, dass ich einfach in einem Roman dann behaupten kann, es gäbe dieses Buch, wo irgendwas auf 100 Seiten durchgezogen wird, ich aber nur drei Seiten daraus als Beleg präsentieren muss quasi und man glaubt dann beim Lesen zumindest, es gäbe das Buch vielleicht. Elias, du arbeitest so brav mit. Ich arbeite so gut auf den nächsten Punkt. Gleich zu dem Textbeispiel. Hören wir doch etwas aus Transita. Da ist es nämlich genau so, das ist ein 100-seitiger Roman oder eine 100-seitige Kurzgeschichte, wo es drei Seiten in dem Buch gibt. Willst du vorher was sagen oder dann möglicherweise auf diesem riesigen Kreisverkehr in Tokio und man findet dann noch ein Manuskript, das er dabei hatte und das heißt eben Transit und es ist eine 100 Seiten lange Novelle und die ist seiner, also die waren nie verheiratet, aber eben, die ist Franziska Denk gewidmet. Franziska Denk gewidmet. Und jedes Wort in Transit darf genau nur ein einziges Mal vorkommen. Und in der Philosophie, die die beiden auch haben, bedeutet das im Endeffekt dann, dass jedes Wort nach seiner Verwendung eigentlich vernichtet ist. Dass wenn es verschriftlicht ist, ist es weg. Und deswegen wollen die beiden auch die Sprache abschaffen, beziehungsweise eine Sprache erschaffen, die lebendig ist und wo jedes Wort sich sofort wieder verändert, nachdem man es ausgesprochen hat. Und in dieser Novelle verschwindet jedes Wort, nachdem man es verwendet hat und man darf es nicht nochmal verwenden. Regeln sind aber, man darf einzelne Wortteile schon nochmal verwenden. Wenn man jetzt Wasser verwendet, darf man auch nochmal Mineralwasser schreiben, aber man darf nicht dasselbe Wort auf dieselbe Art nochmal verwenden. Genau, das sind die letzten drei Seiten daraus. Man erwacht eines Morgens, linke Bettseite, kalt, glatt, leer, schluckt Tabletten, trinkt Espresso, bindet Schuhe, knöpft Hemd, Hose, Jacke, sperrt ab, kein Abschiedsbriefseite, kalt, glatt, leer. Schluckt Tabletten, trinkt Espresso, bindet Schuhe, knöpft Hemd, Hose, Jacke, sperrt ab. Kein Abschiedsbrief, keinerlei Kündigung, einfach sprachlos blau machen. Tagebücher zerrissen, Fotoalben zerfetzt, Bilderrahmen abgehängt, Manuskripte, Briefe, Notizzettel geschreddert, leert beide Konten, kauft Tickets, immer abreisen, niemals ankommen, nie Heimatgefühle entwickeln, keine Wurzeln schlagen, Brücken abbrennen, verbrannte Erde hinterlassen, Spuren verwischen, Fußabdrücke zertreten, Indizien mit Selbstzerstörungsmechanismus, Tintenkiller, Quantenradierer, nur noch von einem Ort zum anderen, Schlafen auf Tankstellen, Bahnhöfen, Nichtorten, Mineralwasser, Kaffee aus Plastikbechern, Automaten, Kekse, Chips, S-Bahn, Flughafen, Check-In-Schalter. Ziel auswählen, setzen. Raucherkammern, eingegrenzte Wartezonen, Leben als Geschleuster, Passant, Abgefertigter, Bodenpfeile, Pässe, Fingerabdruckscanner, biometrische Gesichtserkennung zwischen Tür, Angel, Klimaanlage. Es verschwimmt. Menschen sprechen unsichtbare Sprachen. Mikro-Kreole. Identische Plastikböden. Infrarotsensoren. Papierhandtuchspender. Hände trockner. Tiefspüler. Starten. Landen. Wiederholen. Rom. Tel Aviv. Istanbul. Dubai. Phnom Penh. Shanghai. Taipei. Manila. Kopien. Boardingansagen. Mir bleibt genug Geld für sieben Tage. Zehn ohne Essen. Plastikstühle, Schlafplätze, Waschbecken, Duschen, Zeit vergeht da anders, Reisezeit, Überbrückungszeit, anorganische Unterhaltungen, Fragen, Platzwechsel, fehlendes Gepäck, beschädigte Fracht, niemand redet wirklich, Dokumente identifizieren, Handgesten sind Wegweiser, ausgeschilderte Toilettenstandorte, nonverbale Signale, Exitschilder, Gebetsräume, Notausgänge, Duty-Free, Passivität, Führung, Wörter fließen, sie verschwinden in aseptische Luft, löschen sich selbst, kollektive Demenz, stehenbleiben, nicken, Ausdrücke zerfallen im Gebrauch, Burn after Reading, Flugziele entfallen, Anzeigetafeln, Boardingaufruf, Destination unkenntlich verschwommen, Karte zeigen, Reisepass, Busshuttle, Airbus A330, Aluminiumtreppe, fluoreszierende Leuchtstreifen, 27F, Fensterplatz, niederlassen, Tischchen hochklappen, aufrechte Position einnehmen, abwarten, anrollen, abheben, Wetterbericht. Flughöhe, Falltiefe, Außentemperatur, heiße Getränke, gekühlte Drinks, Tee, Cola, Bier, Wein, Tomatensaft, verflossenes Lieblingsgetränk, Erinnerungen, Flashbacks. Geboren werden, Kindheit, Jugend, Eltern, Schule, Freunde, Studium, erste Partnerschaft, große Liebe, Nackenhaare, Oberlippengeruch, leuchtende Regenbogenhäute, halbe, warme, ewige Sätze, Geheimsprachen, Gefühlswelten, Jahrzehnte, Alterszweisamkeit, gemeinsame Reisen, Urlaub, Weltreise, Sehenswürdigkeiten, dieses Strahlen, ihre glühende Züge. Bitten, Hoffnungslosigkeit, Testament, Abschied, Weinen, Einsamkeit, Alltag, Depression, Routine, Abkapselung, Ablenkung, Angst, Frustration, Unfähigkeit, Vergiss Zähneputzen, verabsäumt Körper, Hygiene, Denken, Fingerspitzen, Wangenrot, Gänsehaut, diese unvergleichlich hochgezogenen Mundwinkel, Wangenrot, Gänsehaut, diese unvergleichlich hochgezogenen Mundwinkel, Dreck, Gestank, Juckreiz, Schreie, Ernüchterung, Desillusion, Leere und dann irgendwann innere Ruhe, Akzeptanz, Einsehen, Erwachen, einen Entschluss fassen, zu gehen, Augen aufschlagen, Flugzeugkabine, Turbulenzen, Kurzatmigkeit, Luftlöcher, Medikamente, Herzklopfen, Seitenwind, Wirkstoffe, biegende Tragflächen, Anfall, Unschärfe, Atemnot, Panik, Gurt öffnen, trotz Anschnallzeichen, Aufstehen, Schwindel, Kopf, Boden, Schweiß, Fieber, flirrende Wellen, Wolken, Zirrus, Cumulus, Pazifik, Okinawa, Vanata, Franziska. Drehungen, Wirbel, strahlender Horizont, weißer Grund, weicher, brauner Filz. Tränen, Lachen, Erkundigen, Sorge, umstehende Sitznachbarn, Bordbesatzung, helfende Hände. Kreislauf, Befinden, Buchstaben entschwinden meinen Stimmritzen durch Sitzreihen. Das ganze Alphabet fliegt bis ins Cockpit. Was zurückbleibt, ist unfassbare Ordnung. Sprachliche Konstrukte zerbröseln. Beine hochlagern, Glas Wasser, Beatmung, Herzdruckmassage. Arme ausbreiten, lächeln, springen. Derselbe Fluss, rauschen, vibrieren. Ihr Gesicht ein letztes Mal sehen, fallende Haare, Hals, herunterbeugende Schultern. Hier muss der Himmel sein, alles wird verglimmern. Die Stewardess fragt mich nach meinem Namen, ich wage nicht, ihn auszusprechen. Sie sehen, das Buch ist nicht nur lustig. Ich finde das einen unglaublich schönen poetischen Text. Nochmal kurz zu dieser Philosophie. Die Idee ist, sobald das Wort ausgesprochen ist, erlischt das Wort oder erlischt das Ding. Und hier ist in diesem Fall, er löscht ja auch Franziska aus. Genau, es gibt dann auch noch eine kleine Fußnote, die darauf verweist, dass er eben dadurch, dass er ganz am Ende Franziska schreibt, hat er sie damit auch zumindest aus diesem Werk gelöscht oder zumindest damit, genau, hat er abgeschlossen so ein bisschen. Das ist einfach nur rein technisch zum Schreiben. Ich fand das sehr lustig, weil wenn man das wirklich auf 100 Seiten machen wollen würde, müsste man sich vorher ganz, ganz, ganz genau überlegen, wo man überall die Artikelpräpositionen und Pronomen versteckt, weil man von denen nur ganz wenige zur Auswahl hat. Und der ganze Rest sind halt Nomen und Verben und Adjektive. Was eine eigene Poesie fabriziert, wie wir. Was eine eigene Poesie fabriziert, wie wir. Genau. Und wenn man halt ganze Sätze haben will, muss man die sausparsam einsetzen, wo man sie halt... Selbst bei drei Seiten. Selbst bei drei Seiten. Wie überprüft man, dass du nichts wiederholst? Ich habe dann immer wieder... Es waren so viele Doppelungen noch drin in einem Lektoratsdurchgang. Jetzt bin ich ziemlich sicher, dass nichts mehr drin ist. Aber halt immer wieder einzelne Wörter, auch alles immer wieder per STRG F durchsuchen, ist furchtbar sauanstrengend. Ich komme jetzt nochmal zu meinem erwähnten Traum zurück. Bitte. Was warst du eigentlich für ein Schüler? Und zwar, ich meine das auf zweierlei Dinge bezogen. Also warst du ein guter Deutschschüler und die Frage stellt sich noch mehr, ein guter Mathematiker? Ich glaube immer schon guter Deutschschüler und Mathematik dann erst so mit 17 oder so und vorher eigentlich nicht. Und du kennst dich aus in dem, was du da schreibst? Ja, das schon. Es ist ja nicht alles erfunden. Du baust ja auf mathematische oder philosophische Systeme. Mathematik in dem Buch ist erstaunlich wenig erfunden. Oder wenn es erfunden ist, dann ist es angelehnt an echte Sachen. Und ein Freund von mir, der Aaron Dahl, der hat, der ist wirklich Doktor der Mathematik und hat mich dann auch beraten, was manche Sachen angeht. Und eine Formel hat er mir designt, die alle möglichen Wörter ausspucken soll, also die alle möglichen Buchstabenkombinationen in dem Fall, glaube ich, im englischen Alphabet dann ausspucken soll, also die alle möglichen Buchstabenkombinationen im, in dem Fall glaube ich, im englischen Alphabet dann ausspucken soll und das ist anscheinend gar keine so einfache Frage. Er hat mir dann wirklich so ein kleines Paper zurückgeschickt, das er extra deswegen geschrieben hat irgendwie und das fand ich sehr nett. Genau, und das ist auch drin. Es ist sehr hässlich, die Formel. Am Anfang ist eine Formel, die halt so ganz knapp ist und die quasi auch so bedeuten soll, jedes Wort oder jedes mögliche Wort und die ist eine Formel, die halt so ganz knapp ist und die quasi auch so bedeuten soll, jedes Wort oder jedes mögliche Wort und die ist völlig falsch, also die bedeutet gar nichts. Er hat dann die korrekte Formel gemacht, die überhaupt nicht ästhetisch schön ist. Alle sagen übrigens, die dieses Buch lesen, sie beginnen das Buch zu lesen, irgendwann beginnen sie den Computer zu öffnen und zu googeln. Und irgendwann, ich weiß nicht, nach wie vielen Zeiten, gibt man das auf, weil man hat verstanden, es gibt sehr viele Dinge, aber es gibt sehr viele Dinge auch nicht. Sie sind einfach erfunden. Genauso wie, und das ist ja nicht nur ein Prinzip von dir, Elias, das ist auch ein Prinzip deiner Protagonistin. Es ist ganz wunderbar, ich weiß nicht, ob darin auch eine Wissenschaftskritik, zumindest eine Wissenschaft, sich über Literaturwissenschaft lustig machen drin steckt, sie erfindet Quellen für ihre eigenen Arbeiten und deponiert sie in Bibliotheken, um sie quasi dann zu finden und verwenden zu können. Sie denkt sich nicht nur Quellenangaben aus, sondern sie fälscht historische Werke von ganzen, oder faked ganze Biografien von angeblichen historischen Philosophen. Meine Frage nach Elias als Schüler hat einen zweiten Teil, was mich fast mehr interessiert. Wie warst du in dem sozialen Ort Klasse? Also warst du der Klassenkasper oder warst du der Klassenliebling? Oder wie war das? Wie stelle ich mir das vor? Ich kann nur mal sagen, ich glaube, Deutschschularbeiten waren immer so am Rande. Entweder eine Eins- oder völlige Themenverfehlung. Da war es dann immer so am Rande. Das erzählt aber nichts über das Klassengefüge. Ja, darüber möchte ich auch sagen, glaube ich. Ich musste wieder an deinen Freund denken, an Robert Schwarzbauer. Robert Schwarzbauer war ein Mitschüler von mir und der kam mit so Dingen an, wie ich esse ab jetzt jeden Tag einen Mandel, weil dann kriege ich keinen Krebs. Bis hin zu alle Werke von Erich Däniken, Gott hab ihn selig, er ist gerade gestorben, gelesen zu haben. Robert Schwarzbauer, nur ein kurzer Exkurs, wurde dann aus einem rechtsradikalen Impuls zum Islam konvertiert, also ernsthaft, und hat einen antisemitischen Blog betrieben. Und ich dachte mir, Elias Hirschel, wir werden es jetzt nicht erfahren, hat vermutlich, das wissen wir, dann irgendwann einen anderen Weg eingeschlagen. Aber wo ich denke, die beiden könnten etwas gemeinsam gehabt haben, Robert Schwarzbauer war hochintelligent. So stelle ich mir dich auch vor. Also ich glaube, es lief nie wirklich Gefahr, rechtsrad. So stelle ich mir dich auch vor. Also ich glaube, es lief nie wirklich Gefahr, rechtsradikal zu werden. Das glaube ich auch nicht. Ich glaube, wir haben jetzt zweimal oder dreimal schon über diesen Tokio-Kreisverkehr gesprochen. Es gibt darin eine Stelle. Magst du die nochmal vorlesen? Ja, kann ich jetzt auch mal so. Ichst du die nochmal vorlesen? Ja. Ich habe versucht, die möglichst abzukürzen. Genau. Die Vorgeschichte dazu ist einfach, es verschwinden in Tokio immer mehr Menschen. Und man weiß nicht genau, wo die hin verschwinden. Es gibt verschiedene Theorien. Und irgendwann merkt man aber, die meisten Menschen verschwinden alle in der Nähe eines riesigen Kreisverkehrs. Und dann schickt die Polizei. Aus verschiedenen Gründen kann sie den Verkehr nicht anhalten, weil das völliger organisatorischer Wahnsinn wäre. Und sie können auch nicht wirklich mit Drohnen reinfliegen, weil durch den Verkehr ergibt sich so eine Art Wirbelsturm um die Verkehrsinsel herum und sie versuchen dann mit Drohnen ganz, ganz hoch in das Auge des Sturms reinzutauchen und werden dann aber von irgendwas abgeschossen und können dann eine Drohne wieder retten und merken, sie wurde abgeschossen von einem angespitzten Selfie-Stick und werden dann immer verwirrter, was das soll. Und irgendwann liefern die dann ihren endgültigen Bericht ab. Einige Monate und Dutzende zerstörte Drohnen. Später hatte die Sonderkommission endlich ihren Abschlussbericht zusammengestellt. Sie schlussfolgerte, dass durch das Fehlen von Warnschildern oder Fußgängerüberquerungsanlagen anscheinend immer wieder ahnungslose Touristen einer optischen Illusion zum Opfer fielen. Der Autoabgaswirbelsturm des Kreisverkehrs interagierte irgendwie so mit dem Sonnenlicht, sodass man von außen die Breite des Kreisverkehrs massiv unterschätzte. Das Licht kam derart gestaucht beim Auge des Touristen an, dass er der Meinung war, es wäre ohne weiteres möglich, in einem verkehrsberuhigten Moment, wenn die Autos von Pollenansammlungen ausgebremst wurden, dort gibt es ein riesiges Pollenproblem, das ist eine ganz andere Story nochmal, aber es gibt massive Pollenbüschel, die wehen da die ganze Zeit durch. In einem Moment, wenn die Autos von Pollenansammlungen ausgebremst wurden, vom Außenstreifen zur Verkehrsinsel zu gelangen und so eine Zeit- und energieeffiziente Abkürzung zu nehmen, statt einmal komplett um den ganzen Kreisverkehr herumlaufen zu müssen. Dazu komme eine Art, man könne es nicht besser sagen, seltsamer, aber verführerischer Geruch, der stetig von der Insel herbeiwehte und die TouristInnen zusätzlich anlockte. Dabei endet dieses Vorhaben immer auf dieselbe Weise. Nach etwa einem Drittel des Weges erkennt der bedauernswerte Thor, wie sehr er die unglaublichen Ausmaße des Kreisverkehrs unterschätzt hat. Etwa ab dem zehnten Fahrstreifen sieht er dann am Horizont auch schon die nahende Front aus heimkehrenden Pendlern in ihren SUVs, PKWs und Mopeds. Und wenn sich der Fußgänger dann schließlich mit einem letzten wagemutigen Sprung gerade noch vor der Stoßstange eines schwarzen Hammers auf das Gras der Verkehrsinsel retten kann, da merkt er, wie fatal seine Entscheidung war. Der Strom der Autos nimmt vor seinen ungläubigen Augen immer weiter zu, es tut sich keine einzige Lücke mehr auf und die steinernen Minen hinter den Lenkrädern würdigen ihn keines Blickes mehr, denn sie wissen, er ist jetzt verloren. Wenn sich der Tourist so dann aufrichtet, seine beige Cargo-Hose, seine weißen Tennissocken und sein kariertes Hemd richtet, checkt, ob seine Kamera unversehrt geblieben ist und sich schließlich umdreht, da bemerkt er die anderen. Über Jahrzehnte entstand auf dieser Weise eine größere Gemeinschaft auf der Verkehrsinsel. Die BewohnerInnen der Insel nennen sich Raundo. Ihre Mitglieder wohnen in Zelten, die sie aus vorbeiwehenden Einkaufstaschen, Zigarettenstummeln und Plastikverpackungen aller Art bauen. Die um die Insel herum wehenden Pollenbüschel weben sie zu kunstvollen Teppichen, zu Kleidung und Überdachungen und ernähren sich neben selbst angebauten Früchten und Gemüse auch von überfahrenen Madern, Hunden, Katzen, Tauben sowie achtlos weggeworfenen Lebensmitteln, die sie von dem inneren Fahrstreifen auflesen. Reifen auflesen. Da es sich bei den Gestrandeten ausnahmslos um Touristen handelt, ist ihre ethnische Zusammensetzung äußerst divers, wenngleich die meisten aus wohlhabenderen Industrienationen stammen und beinahe alle beige Cargo-Hosen tragen. Daher auch die in den Fachkreisen übliche Beschreibung der Rando als Cargo-Kult. Das ist ein Soziologie-Anthropologie-Witz. Wurscht. Durch die unterschiedlichen Herkünfte der Inselbewohner hat sich über die Sprache eine ganz eigentümliche Kreol-Sprache entwickelt, die Begriffe und Phrasen aus über 150 verschiedenen Sprachen aufweist. Auffällig ist dabei, dass sich, obwohl kein einziger Japaner je auf der Insel gestrandet ist, dennoch einige japanische Phrasen in die Sprache der Raundo eingeschlichen haben. So begrüßen sich die Insulaner etwa zumeist mit Tuire wa doko desuka? Wo ist die Toilette? Zum Essen oder Trinken wünscht man sich ein freundliches Suido misu wa nome masuka? Ist das Leitungswasser trinkbar? Und verabschiedet sich danach mit Visa de hara masundu-Sprache, Raundi, ist allerdings eine wilde Mischung aus allen möglichen Sprachen und Dialekten. Die Grammatik schrumpft in den ersten Jahren der Gemeinschaftsbildung auf das absolute Minimum zusammen, das man zur einfachsten Verständigung benötigte. Doch je mehr Mitglieder die Kultur bekamen, desto komplexer wurden auch die raundischen Syntax und Semantik. Gleichzeitig vermischten sich die vielen sprachlichen Ausdrücke und brachten unzählige Neologismen hervor, die die Anpassung der Raundo an ihre neue Umgebung widerspiegeln. Beispielsweise sind die meisten Raundi-Wörter einsilbig und weisen viele harte Konsonanten auf, sodass sich die Phoneme gut dazu eignen, den allgegenwärtigen Verkehrslärm zu überschreien. Auch die anderen Fähigkeiten der Raundi passten sich hervorragend an die neuen Lebensumstände an. An der Fließart des Verkehrs können sie zum Beispiel auf die Wochentage schließen. An der Bereifung der Autos erkennen sie den Wandel der Jahreszeiten. Nur anhand der Fahrgeräusche können sie zwischen einem Benziner und einem Diesel unterscheiden und angeblich kennt ihre Kultur über 100 verschiedene Wörter für Auto. Der Kalender der Rando kennt nur zwei Jahreszeiten, die Sommerbereifung und die Winterbereifung. Des Weiteren hat jeder Monatszyklus acht große Stoßzeiten zu Beginn und zu Ende jedes Wochenendes. Und jeder Tag hat zwei kleine Stoßzeiten von 7 bis 9 und von 15 bis 18 Uhr. Ein Auto braucht im Durchschnitt sechs Minuten für eine Umrundung des Kreisverkehrs. Mit diesen Werkzeugen lassen sich dann Daten und Uhrzeiten formulieren. Die Autos fungieren wie Sekundenzeiger einer befahrbaren Uhr. Das klingt zwar unnötig kompliziert, jedoch ist der Kalender der Rando in vielen Aspekten um vielfaches effizienter als sein gregorianisches Pendant. Zu jeder zwanzigsten großen Stoßzeit halten die Rando ein heiliges Ritual ab. Dabei laufen sie so lange am Ufer der Insel entlang und ahmen den Lockruf des gemeinen, zurücksetzenden LKWs nach, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrechen und durch die inhalierten Autoabgase Visionen empfangen. Die Person, die dabei als letzte aus ihrem Delirium erwacht, wird bis zur nächsten 20. großen Stoßzeit zur Vertretung Gottes auf Erden ernannt, sie bestimmt fortan über das Abhalten von Feierlichkeiten, darf sich das erste Stück eines frisch überfahrenen Tieres nehmen und muss mindestens ein neues Kapitel zur Inselmythologie hinzufügen, die seit Anbeginn der Zeit vom Zentrum der Insel ausgehend spiralförmig in den Boden geritzt wird, bis sie entweder den ersten Fahrstreifen erreicht oder meistens es zu regnen beginnt. Nach Ablauf ihrer 20-stoßzeitigen Regentschaft wird eine neue Gottheit ernannt und die alte Gottheit wird dem ewig fließenden Verkehr geopfert. Die Insulaner nehmen sie dabei unter Jubelrufen auf ihre Schultern und tragen sie zum Rand der Insel, wo sie sie so weit wie möglich in Richtung des äußersten Fahrstreifen werfen. Dies soll die Schutzheiligen des Roadkills gnädig stimmen. Da das Opfer zumeist ohnehin nur auf dem inneren Fahrstreifen landet und sofort von einem Auto erfasst wird, ist das Ritual meistens ein Erfolg. Die geopferte Gottheit wird so dann vom Fahrstreifen gekratzt und gemeinschaftlich verzehrt, wobei der neuen Gottheit natürlich der erste Bissen zusteht. Zunächst wird jedoch der geopferten Person mit einem kurzen Gebet gedhrt, wobei der neuen Gottheit natürlich der erste Bissen zusteht. Zunächst wird jedoch der geopferten Person mit einem kurzen Gebet gedankt, man wünscht sich gegenseitig ein herzliches Isters Leitungswasser trinkbar. Durch ihre große Diversität, die so gut wie alle Sprachfamilien zusammenführt, konnten die Raundu über die Jahre hinweg den effizientesten Begriff für jedes einzelne Ding herausfiltern. Wenn es im Englischen kein Wort für etwas gibt, dann kann einem womöglich ein chinesischer Begriff aushelfen und umgekehrt. Die Präzision der Sprache stieg rapide an. Die InselbewohnerInnen hatten nicht nur 100 Wörter für Auto, sondern auch 100 Wörter für Schnee, für Wolken, für Regen, für Erde, Bäume, Äste, Zweige, Blätter, Fasern, Teilchen. Ihre Augen weiteten sich, ihre Ohren und Nasen auch. Sie sahen Farben, die kein Adler je gesehen, hörten Töne, die kein Hund je gehört und rochen Aromen, die kein Nasenbär je gerochen hatte. Für alles, was existierte, gab es endlich ein passendes Wort. Die Raundo reagieren äußerst aggressiv auf jeglichen Kontaktversuch von außen. Die Stadtverwaltung Tokio und der Staat Japan als Ganzes erkennen das Autonomierecht der Raundo an und werden die Gemeinschaft in Zukunft in Ruhe lassen, solange sie keinen Krieg mit unbeteiligten Autofahrern anfängt. Bis dahin werden lediglich ein paar Warnschilder aufgestellt, die Touristen in Zukunft über die Gefahren des Kreisverkehrs informieren sollen. Die Inselgemeinschaft überlässt man sich selbst und ihrem gewählten Schicksal. Im abgasinduzierten Delirium liegen sie dem innersten Fahrstreifen zugeneigt am Ufer der Verkehrsinsel und flüstern den vorbeifahrenden SUVs leise die letzten Fragen der Menschheit zu. Und flüstern den vorbeifahrenden SUVs leise die letzten Fragen der Menschheit zu. Wo geht es hier zum Bahnhof? Bis wann gibt es Frühstück? Gibt es hier WLAN? Ist die Terrorgefahr hier sehr hoch? Ist die Malaria-Gefahr hier sehr hoch? Könnte ich die Rechnung haben? Nehmen Sie Dollar? Nehmen Sie Euro? Nehmen Sie Visa? Ja, Herrr gott was nehmen sie denn eigentlich wir kommen fast zum ende ich hätte noch zwei. Ich habe unlängst einen Autor moderiert, der war etwa zehn Jahre älter als du und im Nachgespräch hat er zu mir gesagt, weißt du, mich beschäftigt, dass ich eigentlich nicht für meine Generation schreibe, weil in den Veranstaltungen Menschen sitzen, die wesentlich älter sind als ich. Mit Ausnahmen trifft das hier auch zu. Machst du dir Gedanken über dein Publikum, für wen du schreibst? Ich hänge gleich die zweite Frage an. Du wirfst den Leserinnen und Lesern da einen ziemlichen Brocken hin. Was hoffst du denn, womit sie dann, wenn sie das Buch zugeschlagen haben, weiterleben können? Ich, also einerseits versuche ich immer auszublenden, dass das Buch dann letztendlich irgendwann gedruckt wird und das wer liest dann auch. Oder ich versuche nicht darüber nachzudenken, wer jetzt die Zielgruppe sein könnte oder sowas, weil mich das, glaube ich, beim Schreiben total verwirren würde, weil ich mir dann Gedanken drüber mache. Also ich will mir eben keine Gedanken drüber machen, welche Themen jetzt gerade gut funktionieren oder was wen interessieren könnte oder so. Wo ich mir dann schon Gedanken mache, ist einfach nur, ist es allgemein verständlich? Gibt es irgendwelche kompletten Anschlussfehler irgendwo? Weil ich für mich selber weiß, was im Hintergrund ist, gibt es irgendwelche kompletten Anschlussfehler irgendwo, weil ich für mich selber weiß, was im Hintergrund passiert, aber das steht vielleicht gar nicht drin und dann sind Leute halt extrem verwirrt, wenn sie es lesen. Das dann schon, aber ich stelle mir niemanden spezifischen vor, eigentlich, der das dann liest. Ich glaube, manchmal überrascht es mich dann selber, wer dann genau die Bücher liest, so beim letzten ein bisschen, weil das war halt so eigentlich fast ausschließlich Social Media und Internet-Thematik. Und es waren trotzdem zum Teil auch eher ältere Leute bei Lesungen, was ich super finde. Bei dem, keine Ahnung, wie das jetzt dann ausschaut. Ich weiß gar nicht, ob der Verlag überhaupt seine Aufschlüsselung hätte, wer was kauft oder so. Die Not dieses Autors war, dass er das Gefühl hatte, nicht für seine Generation zu schreiben. Ich will jetzt den Namen nicht nennen. Aber das hat ihn beschäftigt. Ich finde das eine nicht uninteressante Frage. Das dann, ja, weiß ich jetzt nicht. Ich weiß überhaupt nicht, wie sich das jetzt altersmäßig verteilt bei den Lesern. Die Frage streiche ich, was der Leser damit anfangen soll. Ich sage Ihnen noch kurz, wie es mir am Schluss ging, nach diesem ganzen Wahnsinn zerfällt alles. Es zerfällt eigentlich alles. Und man ist aber nach 350 Seiten, so ging es mir, als Leser so weit, dass man irrsinnig froh ist, dass alles zerfällt. Also, dass es keine Zeit mehr gibt, dass man nicht mehr weiß, wer wen erfunden hat, dass es kein Individuum mehr gibt und vor allem, dass man nicht an jemanden wie Kafka glauben muss, weil Kafka eigentlich, man weiß es auch nicht, ob er existiert oder nicht. Also du hast mich mit diesem Buch von vielen befreit und das war ein großes Glück. Vielen Dank dafür. Ich habe mir angewohnt, Lesungen oder Lesungsmoderationen immer mit einem Musikstück zu beenden, das in dem Buch vorkommt. Es gibt in jedem Buch Musikstücke, das habe ich mittlerweile gelernt. Die Auswahl war hier nicht sehr groß, deshalb hören wir jetzt von John Cage das Stück 4 Minuten 33. Sie kennen es, Sie müssen ein bisschen mitarbeiten, Sie stellen sich hinter uns ein riesiges Orchester vor mit Dirigent oder Dirigentin und Orchester und Dirigent oder Dirigentin tun genau nichts. Ich würde vorschlagen, wir hören da ein bisschen rein und ich spreche dann drüber. Das Musikstück beginnt jetzt. Vielen Dank, Elias Hirschel. Wir setzen das Gespräch morgen im Stifterhaus fort. Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch hin. Dann sind wir nämlich angeregt, wirklich weiter zu sprechen und uns nicht zu wiederholen, weil so eine Veranstaltung einfach zieht. Wiederholen hat eine seltsame Dynamik. Aber um die Dynamik zu verändern, würde ich vorschlagen, ich biete dir jetzt einfach für morgen das Siegwort an. Wir sehen uns morgen auf der Bühne, dann hat das Ganze einen anderen Drive. Ich kann auch gegenteilige Sachen behaupten. Das wäre auch schön. Ich stelle dieselben Fragen und du erzählst mir andere Dinge. Vielen Dank fürs Dasein. Dort gibt es Bücher zu kaufen. Elias wird signieren und ich bitte ihn, meines zuerst zu signieren. Sehr gut. Vielen, vielen Dank fürs Gespräch. Vielen Dank fürs Kommen. Dankeschön. Bitte.