Sehr geehrte Damen und Herren, seien Sie ganz herzlich willkommen hier im Hause Adalbert Stifters am Vorabend des sogenannten Stifter-Gedenktages. Morgen jährt sich der Todestag des Dichters, Malers und Landesschulinspektors zum 158. Mal. Seien Sie herzlich willkommen zur Vorstellung eines weiteren Bandes der historisch kritischen Ausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters. Sie erscheint seit 1978 im Kohlhammer Verlag Stuttgart, wird von je einem deutschen und einem österreichischen Hauptherausgeber betreut und von einem Zentralredaktor sowie wechselnden Bandherausgeberinnen und Herausgebern erarbeitet. Heute Abend werden wir über einen Band mit Briefen Adalbert Stiefters aus dem Zeitraum 1849 bis 1853 sprechen. Er wird sich recht bald zu den hier versammelten bisher erschienenen 45 Bänden der sogenannten HKG-Gesellen, Sie sehen die grauen Bände hier versammelt. Wir freuen uns sehr, an diesem Abend die Mitwirkenden an diesem Band 11.2, so die Bandnummer, hier in Linz begrüßen zu können. Dr. Daniel Ehrmann, Tätiger an verschiedenen Universitäten, derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Buchwissenschaften der LMU München. Universitätsprofessor Dr. Wolfgang Hakel, Innsbruck, dort bis 2018 am Institut für Germanistik. Dr. Johannes John, Bayerische Akademie München, Bandherausgeber und Zentralredaktor der HKG, Lehrbeauftragter an der LMU und Universitätsprofessor Dr. Wolfgang Wiesmüller-Insbruck, Hauptherausgeber der historisch-kritischen Ausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters, in Nachfolge von Universitätsprofessor Dr. Alfred Doppler, über dessen Bedeutung als Stifterforscher er auch heute abschließend vortragen wird. Seien Sie alle herzlich willkommen bei Stifter mit Stifter. Was erwartet Sie im Folgenden? Relativ viel. Am Beginn des Abends steht ein Vortrag von Daniel Ehrmann, der in der Korrespondenz der Jahre 1849 bis 1853 angeschnittene Themen skizzieren wird, diesem Haus seine Bemühungen um eine Anstellung im Bildungswesen mit wechselnden Tendenzen Richtung Wien oder doch Oberösterreich, die Arbeit am Bund des Steines und schließlich am Nachsommer und vieles andere mehr. Er wird die Briefe auch in einen größeren Kontext stellen und ein paar von ihnen zeigen. Danach werden ausgewählte Briefe, Briefstellen zu hören sein. Einmal mehr wird Alfred Rauch, Stifter, seine Stimme leihen. Wir begrüßen Alfred Rauch ganz herzlich im Hause Stifters. Vielen lieben Dank für dein Kommen und die Bereitschaft, dich wiederum auf Stifter einzulassen. Schön, dass du da bist. Im Gespräch werden wir nach der Lesung kurz ein wenig hinter die Kulissen einer Editionswerkstatt blicken und zum Abschluss wird, wie schon angesprochen, die Lebensleistung eines der profundesten Kenner von Stifters Werk und Leben gewürdigt. Wolfgang Wiesmüller wird an den im Frühsommer 2025, kurz vor Vollendung seines 104. Lebensjahres, verstorbenen Universitätsprofessor Dr. Alfred Doppler, gebürtigen Oberösterreicher, Tätiger an der Universität Innsbruck und bis ins Jahr 2021 Hauptherausgeber dieses editorischen Großunternehmens erinnern. Ihnen allen einen erkenntnisreichen und auch heiteren Abend mit Adalbert Stifter und unseren Gästen. Applaus Meine Damen und Herren, es freut mich sehr, dass Sie den Weg durch immer noch etwas unwirtliches Wetter hier zu uns gefunden haben, um sich einen Band vorstellen zu lassen, der, wie Sie gehört haben, die Briefe Adalbert Stifters aus den Jahren 1849 bis 1853 enthält und den ich gemeinsam mit Petra Maria Dallinger, das hat sie Ihnen noch nicht gesagt, gemeinsam bearbeitet habe unter tatkräftiger Unterstützung von Professor Wolfgang Hackel, der eben auch heute da ist. Diese fünf Jahre, in denen sich die gesamte Habsburger Monarchie mit den politischen, sozialen und institutionellen Auswirkungen der Märzrevolution konfrontiert fand, waren auch für Stifte von vielen privaten Turbulenzen und Veränderungen geprägt. Sein Umzug nach Linz, der schon genannt wurde, war bestimmt das Wichtigste dieser großen Veränderungen und Ereignisse. Zugleich fällt in diese Zeit aber eine schriftstellerisch sehr produktive Phase, in der Stifter die Publikation der Studien und dann der bunten Steine abschließen sowie neue Buchprojekte beginnen konnte. Am folgenreichsten für sein Leben war aber, wie gesagt, die Übersiedelung nach Linz und das alles dokumentiert sich in insgesamt 171 Briefen, die in diesem Band versammelt sind. Nun, da wissen Sie wahrscheinlich schon ungefähr, was sie inhaltlich erwartet und die Textgattung braucht eigentlich auch gar keine Erläuterung mehr, denn was ein Brief ist, das brauche ich Ihnen bestimmt nicht noch einmal zu sagen und ich tue es auch ganz bestimmt nicht. Das überlasse ich Jochen Golz, der viele Jahre lang Leiter des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar war, denn er wird es ja wissen. In seinem Artikel für das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, wo Sie das Zitat, die Definition hinter mir sehen können, schreibt er, ein Brief ist erstens ein nicht fiktionaler, zweitens an eine explizit genannte bzw. angeredete Person gerichteter, drittens, nicht zur weiteren Veröffentlichung bestimmter Text. Und das ist sicher eine ganz taugliche Definition und sie trifft die meisten Briefe ganz gut. Ich habe Ihnen ein paar mitgebracht, die nicht völlig zufällig ausgewählt sind. Sie stammen nicht von Eurer Bittstifter, die Sie hier sehen. Und Sie sollen Ihnen ein paar Problembereiche im Umgang mit Briefen im Allgemeinen vorführen. So ist das erste Kriterium bei GOLZ, dass es sich bei Briefen um nicht-fiktionale Texte handelt, was zunächst so viel heißen soll, als dass es sich nicht um Literatur, nicht um Fiktionen handelt. Obwohl wir dem leicht zustimmen können, finden sich immer viele Beispiele, bei denen die Informationsvermittlung offenbar komplexer gelagert erscheint. In dem Brief etwa, den Sie in der linken oberen Ecke sehen können und den Anna-Louisa Karsch am 1. Juli 1761 an Johann Wilhelm Ludwig Gleim schrieb, ist zugleich eine kleine Szene kodiert, die sich aber nur im Zusammenspiel von einem, in diesem Fall schwer lesbaren Text und der Briefmaterialität entfaltet. Der Brief beginnt folgendermaßen und wenn Sie mögen, können Sie auch mitlesen. Die itzt niederfallende Träne, die gehe hin und sage ihm, dass ich den ganzen Wert seiner Freundschaft fühle. Die Verfasserin, die in ihren Publikationen auch vor allem als naive Dichterin voll natürlichem Talent inszeniert wurde, stellt sich hier selbst auf eine bemerkenswerte Weise dar. Sie schreibt in einem Zustand der Rührung, der von dem Schreiben selbst auszugehen scheint, nämlich von der Reflexion auf das freundschaftliche Verhältnis zu ihrem Förderer Gleim. Zugleich, und das scheint mir der bemerkenswerte Punkt, gleich. Zugleich, und das ist mir, scheint mir der bemerkenswerte Punkt, sehen wir auf dem Blatt Spuren von Wasserflecken, die materiell zu dokumentieren scheinen, was der Text zunächst nur trocken behaupten kann. Damit wird nun etwas zum Teil der Nachricht, das nicht oder jedenfalls nicht auf dieselbe Weise wie ein Text gelesen werden kann. Auch in unserem Band finden sich solche Briefe, die mehr aussagen als ihr Text. Hier etwa schreibt Stifter an den Hofjuwelier Josef Türk, mit dem er in Wien gut befreundet war und den er zutraulich lieber Pepe nennt, Zitat, einen unendlich langen Brief wollte ich schreiben, aber buchstäblich keine Zeit. Daher verzeih dieser Käsezettel, um die Sendung nicht noch länger zu verzögern. Und tatsächlich sehen wir hier einen offenbar aus einem größeren Briefbogen, relativ unregelmäßig zurechtgeschnittenen Zettel, der in einem für Stifter sehr nachlässigen Schreibduktus verfasst ist. In den wenigen Zeilen haben wir auch zwei Betonungen durch Unterstreichung und einen nachträglichen Zusatz. Alles zunächst Zeichen von geringer Sorgfalt. Damit verweist schon die Materialität des Briefes auf das nahe Verhältnis zwischen Schreiber und Empfänger und Stifter unterzeichnet auch mit einem Zitat, herzlichen Gruß und Kuss von deinem unveränderlichen Freunde. Warum der Brief aber unbedingt und trotz allen Zeitdrucks geschrieben werden musste, verweist auf einen Punkt, der die Freundschaft in den kommenden Jahren erheblich trüben sollte und, das ist ein wichtiger inhaltlicher Aspekt zugleich, der den ganzen Bann durchzieht. Seit der Revolution von 1848 nämlich bemühte sich Stifter, der zuvor vor allem als Hauslehrer sein Brot verdiente, zunehmend um eine feste Anstellung im öffentlichen Dienst. Nachdem er zunächst Hilfsdienste für den Linzer Stadthalter übernommen hatte, standen ihm seit Ende 1849 gleich zwei Stellen als Schulinspektor, nämlich in Wien oder Niederösterreich und in Oberösterreich in Aussicht. Die Ernennung aber und damit auch das Gehalt zögerte sich aber Monat um Monat weiter hinaus und erfolgte dann erst im Juni 1850, also mehr als ein halbes Jahr später. Auch weil Stifter bereits eine große Wohnung direkt an der Donau mietete, hier im Haus, geriet er immer wieder in Geldnöte. Weil Stifter vielfach entweder um Geld oder um Aufschub der Kreditrückzahlungen bitten musste, finden sie dann in unserem Band auch viele Bitt- und Entschuldigungsbriefe an unterschiedliche Empfänger. Der gut betuchte Türk hat ihm ein Darlehen gewährt, dass Stifter hier in diesem Brief bereits mit einiger Verspätung erst zurückzuzahlen beginnt. Die Materialität ist dabei nun insofern aufschlussreich, als sie auch vorführt, dass Stifter die Geldleihe zunächst als einen Freundschaftsdienst auffasste, was Türk durchaus nicht so sah. In unserem Band finden Sie zwar keine Abbildung in der Briefe, aber im Apparat zumindest diskursive Hinweise auf die überlieferte Gestalt. Also hier den Hinweis auf das kleinere Format und auf den flüchtigen Duktus. Und vielleicht ist das gleichzeitig eine Einladung, eben auch die Kommentare, wir haben zwei Kommentare zu lesen, nämlich einerseits einen gleichsam als Vorwort fungierenden Überblickskommentar, der Ihnen also einen Einblick in die wichtigsten Themenbereiche geben soll, die in den Briefen verhandelt werden. Und dann gibt es aber hintendran nach den Briefen jeweils zu den Briefen einen Stellenkommentar, der historisch konkrete Erläuterungen gibt von einzelnen Zusammenhängen, von einzelnen Begebenheiten und Personen und etwas, das leicht überblättert und überlesen wird, eben auch einen Apparat, der solche Hinweise wie hier eben auf die materielle Gestalt, die Überlieferung dieser Briefe bietet. Und das kann manches Mal ein bisschen trocken sein, aber eben manches Mal auch einen Hinweis geben auf sehr spannende Zusammenhänge. Man könnte sicher über alle dieser von mir mitgebrachten Briefe noch länger sprechen, ich will sie aber nur kurz auf zwei Dinge hinweisen, die allgemein vielleicht für den Briefverkehr der Beginnenden moderne von Bedeutung sind. Das eine ist die Rolle der nicht textuellen Elemente in den Briefen, die Sie links unten im Teil eines längeren Schreibens von Johann Wolfgang Goethe an die Gräfin Stolberg, also die Zeichnung seines Arbeitszimmers, und rechts, ganz rechts, in einem teils sehr zotigen Brief von Wolfgang Amadeus Mozart an seine Base Maria Anna sehen können. Auch hier wird jeweils etwas vermittelt, das mehr ist als der Text und das sich zugleich nicht einfach in Worten ausdrücken lässt. In einem solchen Fall mussten wir daher auch in unserem Band eine kleine Abbildung einfügen, nämlich in jenem Brief an Karl Thunberger, in dem Stifter um die Fahndung nach einer mysteriös verschwundenen Hutnadel bittet und diese Hutnadel zur besseren Identifikation eben auch bildlich verübermittelt hat. Sie sehen das in der Mitte eben, wo das in dem Brief ganz natürlich steht, in Klammer der Hinterzeichnung davon. Und wir haben eben versucht, diesen Eindruck zumindest, soweit es geht und möglich war, in dem Band zu dokumentieren. Alle Editionen und Briefeditionen sind da keine Ausnahme, sind in unterschiedlichem Grad mit Übersetzungen befasst, indem sie eben das, was wir etwa in einer Handschrift räumlich geordnet sehen können, in den Druck oder in einen digitalen Text überführen müssen, der dann dafür auch einstehen können soll. Bilder sind ein Aspekt dieses Problems, Zusätze ein weiter und das sehen Sie hier, mit zwei Gedichten aus dem Xenienkomplex schließt, die Goethe dann nach Erhalt des Briefes um ein weiteres Xenion erweitert und damit also den Brief zu einem Arbeitsmanuskript macht. Da haben wir eben ein Problem, wie man mit diesen unterschiedlichen Redegattungen umgehen soll. Denn wir erfahren in so einem Brief unmittelbar einen deutlichen Stilbruch, zu dem ich gleich noch etwas sage, aber Ihnen zunächst noch ein wenig den Rahmen der Briefkommunikation eröffnen will. Neuigkeiten brauchen Boten, ohne Boten keine Botschaften. Darauf hat unter anderem Jochen Hörisch hingewiesen und konstatiert, dass die Geschichte des Post- und Botschaftenwesens ungewöhnlich überschaubar sei, denn sie zerfalle, Zitat, schlicht in zwei Epochen. Er meint damit eine Epoche, in der Körper und Botschaften noch aneinander gekoppelt waren und eine, in der Telegraphen- und Funktechnologien die Übertragungsgeschwindigkeit radikal erhöhten und die Kommunikations- von den Verkehrswegen trennten. Tatsächlich fand dieser kulturhistorisch bedeutsame Umbruch, also etwa die Einführung des Telegraphenwesens und dessen Auslaufer können wir in den Digitaltechnologien heute noch alltäglich bemerken, schon zu Stifters Lebzeiten statt. Doch es gibt eine noch viel grundsätzlichere Unterscheidung, die für Stifter auch viel wichtiger war und die man anhand der Briefe in unserem Band auch auf interessante Weise, glaube ich, nachvollziehen kann. Es geht um die Differenz zwischen mündlicher und postaler Kommunikation und die Beziehungen, in denen sie bisweilen zueinander stehen. Dieses Verhältnis wird bei Stifter in dem Moment besonders aufschlussreich, und darum ist das für unseren Band so wichtig, indem man nach Linz übersiedelt. Denn nun werden die Beziehungen und Begegnungen des Alltags zu Briefkontakten, die den Unwägbarkeiten des Schriftverkehrs unterliegen. Die drängende Post, der begrenzte Raum und die zum Teil lange Laufzeit der Briefe, all das wird zum wichtigen und von Stifter auch häufig thematisierten Faktor dieser geänderten Kommunikationssituation. Durch den Umzug nach Linz, von dem mehr als ein Jahr lang gar nicht klar ist, ob er ein dauerhafter sein wird, begegnen uns nicht nur mehrere neue BriefempfängerInnen, die häufig dem Wiener Freundeskreis entstammen, es ändern sich immer wieder auch Stiftersadressen. Denn auch wenn er in Linz nur innerhalb desselben Hauses umzog, so war er doch mehrmals in Wien und auch auf Dienstreise und musste also immer wieder temporäre Anschriften mitteilen, was insbesondere die Korrespondenz mit seinem Verleger Gustav Heggenast betraf, der immer wieder sehnsüchtig und ungeduldig auf Manuskript-Sendungen warten musste. Auch wenn umgekehrt Heggenast in Wien war, musste Stifter ihn durch einen Mittelsmann, nämlich durch Karl Gerold, einen Buchhändler in der Innenstadt, also einen menschlichen Boten, zu erreichen versuchen. Ich lese Ihnen den Brief zu diesem Umschlag nicht vor, aber es ist ein sehr wichtiger Brief und Sie werden einige dieser Briefe ja aus viel geübterem Mund gleich noch vorgeführt bekommen. Der Brief ist eben deswegen auch wichtig, weil Stifter darin schreibt, dass er den Verleger eben nicht in Wien besuchen wird, weil er sich die Reise nicht leisten kann, sich zugleich aber für einen Vorschuss von 150 Gulden bedankt und, ganz besonders wichtig, den Verkauf des Verlagsrechts an den Studien ins Spiel bringt. Dieser Verkauf ist insofern ein wichtiger Punkt, als sich dabei, und Stifter weiß das ganz genau zu diesem Zeitpunkt bereits, Autor und Verleger fast unlösbar aneinander binden. Also wenn der Verleger das ganze Verlagsrecht der Studien hat, ist Stifter auch für seine Werkausgabe, mit der er jetzt schon zu liebäugeln beginnt, an eben den Verleger Heckenast gebunden. an Heckenast schickte, der zu dem Zeitpunkt nur kurzzeitig in Wien wehte. Viel heikler als eine solche vermittelte Briefsendung war aber, selbst zum Boten zu werden. Das führt vielleicht eine Episode vor Augen, in der sich Stifter im November 1849 auf den Weg nach Wien machte, um unter anderem ein Manuskript der Studien für Heckenast zu überbringen. Doch bereits vor Grein endete seine Reise, als das Dampfboot in einem der berüchtigten Donauwirbel scheiterte. Stifter und Amalia konnten zwar heil an Land gebracht werden, der Verbleib des Manuskripts blieb aber zunächst unklar. Zitat, gestern litt ich Schiffbruch auf dem Hunia, so heißt das Dampfboot. Ich hatte den Schluss des Manuskripts von sechs im Koffer, das ich in Wien auf die Post geben wollte. Durch Rohheit eines Schiffskapitäns wurde ich von dem Koffer getrennt. Er ist mir zwar auf morgen Abend versprochen, aber es könnte doch ungewiss sein. Stifter hat den Koffer noch zurückbekommen, aber er verließ sich für Manuskript-Sendungen künftig lieber auf die Post. Das Beispiel zeigt es bereits an. Briefe kann man als Delegationen verstehen, indem sie die Wege beschreiten, die sonst Menschen etwa boten zu gehen hätten. Umgekehrt sind aber Briefe in ähnlicher Weise boten, denen es bisweilen schwer fällt, neutrale Container für Informationen zu sein. Wir haben das im Fall des Käsezettels an Türk schon gesehen. Es betrifft aber auch viel subtilere Dinge wie den verwendeten Schreibstil. Vor allem ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt der Stil in Briefen an Bedeutung zu gewinnen. So schreibt ein junger Jus-Student im Dezember 1765 an seine Schwester, Zitat, Mädchen, ich habe eh so Lust, mich mit dir zu unterreden und eben diese Lust bewegt mich an dich zu schreiben. Diese Lust bewegt mich, an dich zu schreiben. Es ist natürlich der junge Goethe, der sich hier am Briefstil seiner Schwester Cornelia stört und ihr daher Fernunterricht im Briefschreiben anbietet. Den Grundsatz formuliert er auf gewohnt markige Weise. Zitat, merke dies, schreibe nur, wie du reden würdest und so wirst du einen guten Brief schreiben. Er beginnt zugleich mit einer Kritik ihres letzten Briefes, indem er einzelne Wörter und Phrasen verbessert. Etwa, Zitat, abzwecken ist kein Briefwort. Sagst du es im gemeinen Leben? Alltagssprache wird hier also zum Ziel und zur Norm des privaten Briefs erhoben. also zum Ziel und zur Norm des privaten Briefs erhoben. Abzulehnen ist dagegen sowohl der Verwaltungs- als auch der Literaturstil. Zitat, verlauten will ist kurial, ist nicht besser, durchleben ist poetisch. Bei Stifter können wir nun interessante Abweichungen von dieser impliziten Norm beobachten. So lässt sich in den Briefen an Vorgesetzte wie den Stadthalter für Österreich-Opter Enz Alois Fischer oder den Ministerialrat im Unterrichtsministerium Franz-Seraphin Exner eine Schreibweise ausmachen, die Goethe gewiss als Kurial abgelehnt hätte. In Schreiben an Verehrer seiner Bücher verwendet er hingegen eine deutlich blumigere Sprache, die wohl auch von den Empfängerinnen als ungewöhnlich und vielleicht am anderen Ende der Skala als poetisch wahrgenommen wurde. Im Durchgang durch den Band wird so auch deutlich, wie flexibel Stifter seine Schreibweise an die jeweiligen AdressatInnen anzupassen wusste, um bestimmte Effekte zu erreichen und um ein bestimmtes Bild von sich selbst zu zeichnen. Damit bin ich bereits bei meinem letzten Punkt angelangt, den Repräsentationen. Wie er und sein Werk wahrgenommen wurden, war Stifter sehr wichtig. Deshalb litt er besonders an jenem von Karl Mayer gestochenen Porträt in der Libussa, in dem er, wie er gegenüber Heckenast klagt, wie ein streitsüchtiger Schuster aussehe. Mir bleibt nichts über, um aus dem jetzigen Kummer herauszukommen, als mein nächstes Buch sehr, sehr schön zu machen. Das nächste Buch war Bunte Steine und ausgerechnet dort fielen die Stiche noch schlechter aus. Wahrscheinlich gerade weil sie nicht ihn selbst, sondern seine Figuren zeigten, reagiert Stifter entrüstet. Zitat, welcher Schreck, da ist alles verfehlt. Die Bilder stören also und verändern nämlich den, wie Stifter es selbst nennt, Totaleindruck des Werks. Und das ist der Grund, warum er ihnen eine so große Bedeutung beimisst. Überhaupt war Stifter auch in seinen Briefen darum bemüht, ein ganz bestimmtes Bild von sich selbst zu zeichnen, nicht nur in der Korrespondenz mit Dichterkolleginnen wie Emilie von Binzer und Betty Paoli, sondern auch und wohl am intensivsten gegenüber Luise von Eichendorff, der jüngsten Schwester des Spätromantikers Josef von Eichendorff. Die fünf in unserem Band fallenden Briefe ergeben einen gewissen Vorgeschmack auf den später noch intensiven Austausch mit Luisa von Eichendorff. Dabei bedienen sich die Briefe an sie einer Schreibweise, die an literarische Vorbilder wie etwa Wilhelm von Humboldts Briefe an eine Freundin denken lassen. Darauf hat Alfred Doppler sehr deutlich hingewiesen. Sie sind aber für Stifter vor allem ein Ort, um sich selbst als Dichter der Natürlichkeit darzustellen. Im März 1852, während der Arbeit an den bunten Steinen, schreibt er etwa, Zitat, Ich kann Gott nicht genug danken, dass er mir ins Herz gegeben hat, die Feder zu nehmen und Dinge niederzuschreiben, wie sie mir ungefähr im Gemüte waren. Ich habe wirklich keinen Verdienst an meinen Arbeiten. Ich habe nichts gemacht. Ich habe nur keinen Verdienst an meinen Arbeiten. Ich habe nichts gemacht. Ich habe nur das Vorhandene ausgeplaudert. Stifter will seine Werke also auf ähnliche Weise gelesen wissen wie Karsch ihre Briefe. Als Ausdruck eines momentanen Affekts und eines reinen Herzens. Vielleicht liegt in dieser Funktion, die Werke auf bestimmte Weise lesbar zu machen, auch ein Anreiz, Stiftersbriefe selbst zu lesen, von denen Ihnen jetzt Alfred Rauch einen gewissen Vorgeschmack bereiten wird. Applaus Adalbert Schifter an Josef Türk, Linz, Donnerstag, 26. April 1849. Lieber teurer Freund, da ich von dir Abschied nahm, dachte ich wahrlich nicht, dass es auf so lange sei. Das arme Erziehungswesen, der Sündenstuhl seit 2000 Jahren. Wenn man irgendwo alles vernachlässigen will, so ist es ganz gewiss allemal das Erziehungswesen. Dann muss man Revolutionen überstehen und muss Bürgerkriege führen, die tausendmal mehr kosten und unsägliches Blut und Elend herbeiführen, Tausendmal mehr Kosten und unsägliches Blut und Elend herbeiführen, bis das verwahrloste Volk durch die eisernen Gründe belehrt ist, die man ihm in der Kindheit leichter durch Worte beigebracht hätte. Ich habe oft Tage, wo mir das Herz brechen möchte. Jetzt nimmt man allerlei Anläufe, aber das oberste Prinzip steht noch nirgends fest, dass nämlich Erziehung die erste und heiligste Pflicht des Staates ist. Denn darum haben wir ja den Staat, dass wir in ihm Menschen sein. Und darum muss er uns zu Menschen machen, dass er Staatsbürger habe und ein Staat sei, uns zu Menschen machen, dass er Staatsbürger habe und ein Staat sei, keine Strafanstalt, in der man immer Kanonen braucht, dass die wilden Tiere nicht losbrechen. Man bessert jetzt in den bereits bestehenden Anstalten immer herum, als wie wenn jemand am Senegal einen eisernen Ofen hätte, der ihn in der Regenzeit allemal verdirbt und ihn allemal mit neuen Bleche flickt. Ich habe hier manche derlei Arbeiten gehabt. Wie war ich dabei traurig? Ich bin von dem hiesigen Landesschief, mit dem ich auf einem sehr freundlichen Fuße stehe, zum allgemeinen Referenten oder er wollte eigentlich haben, Chef der optoensischen Schulen und Studien vorgeschlagen. Die Sache liegt bei dem Ministerium. Wenn seine und meine Gedanken in Erfüllung gingen, dann hofften wir viel. Aber man wird unserem Wirken Hindernisse genug legen. Wenn meine Kraft in was immer für einer Richtung bei diesem Unternehmen nützlich sein kann, rechne unbedingt darauf. Denn wenn ich auch schon 15 Jahre immer über schlechten Unterricht klagte, so ist seit einem Jahre die Sehnsucht, Volk und Jugend zu heben und zu bilden, zum herrschenden innigsten Gefühle in mir geworden. Wenn ich nicht die Freude an der Welt verlieren soll und das Grab als ein gutes, ruhiges Bett ansehen. Denn wo ich nicht lieben kann, mag ich nicht leben. denn wo ich nicht lieben kann, mag ich nicht leben. Wenn du einige Augenblicke findest, schreibe mir einmal das Nähere. Alles herzlich innigst Liebe und Schöne an deine Angehörigen. Dein Adalbert Stifter Adalbert Stifter an Franz Exner, Linz, Freitag, 9. November 1849. Euer Hochwohlgeboren, ich habe mit lebhafter Freude aus Ihrem Geehrten vom 5. des Monats gesehen, dass das Unterrichtsministerium bei der Neugestaltung unseres Unterrichts- und Erziehungswesens auf meine bescheidenen Kräfte Anspruch macht. Indem ich das ehrende Vertrauen tief empfinde und indem ich einem alten Wunsche nachgebe, bei der Veredelung unseres Volkes werktätig mitzuwirken, folge ich dem Rufe recht gerne. starktätig mitzuwirken, folge ich dem Rufe recht gerne. Nur muss ich bemerken, dass im Frühjahre der Herr Landesschiff von Oberösterreich, Dr. Alois Fischer, an mich die Anfrage stellen ließ, ob er mich zu einem Schulrat für Oberösterreich vorschlagen dürfe, worauf ich bejahend antwortete und ihm in dieser Beziehung meine Mitwirkung zusagte. So glaube ich, dass es am zweckmäßigsten wäre, wenn ich selber nach Wien käme, mich Ihnen vorstellte und um Ihren gütigen Rat bete. Ich werde das nächste Dampfboot, nämlich Sonntag, benutzen und montags die Ehre haben, zu Ihnen zu kommen. Indem ich den herzlichsten Dank für Ihr freundliches Schreiben ausdrücke, zeichne ich mit ausgezeichneter Hochachtung Euer hochwohlgeborenergebens der Diener Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an Josef Axmann, Linz, Donnerstag, 22. November 1849 Lieber teurer Freund, es waltet ein eigener Unstern über meiner Wiener Reise. Montag am 19. des Monats war ich auf dem Dampfboot de Hunniad, um nach Wien zu kommen. Aber wir scheiterten in Grein und ich musste mit der Frau wieder nach Linz zurück, weil wir zu einer Weiterreise auf offenen, langsamen Fuhrwerken nicht gekleidet waren. Aber ich komme doch bald, und zwar auf immer hinab. Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen, das du aber bewahren musst, bis ich dir das Ausplaudern erlaube oder bis es in den Zeitungen steht. Das Unterrichtsministerium hat mir die Gymnasialschulratstelle für Wien angetragen, im Range und Gehalte eines Regierungsrates. Und ich habe die Stelle angenommen. Darum wollte ich zu einer vorläufigen Besprechung hinabkommen. Jetzt aber warte ich das Dekret ab, das nächste Tage ausgefertigt wird und komme dann gleich ganz und gar. Weil meine Zeit gedrängt ist, da wir mit den Vorbereitungen zur Ankunft des Kaisers voll aufzutun haben, so sage ich deiner Frau nur noch viele Grüße von uns beiden, umarme dich im Geiste und bleibe dein alter Freund Adalbert Stifter. Dein alter Freund Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an Alois und Albert Keindl. Wien, Samstag, 15. Dezember 1849. Liebe teure Freunde, nur in Schnelligkeit ein paar Zeilen. Ich danke euch für eure Zuneigung und Liebe, die sich in euren Briefen ausspricht. Ich lege den höchsten Wert darauf, weil ich die größte Hochachtung gegen euren Charakter empfinde und weil eure Güte und Trefflichkeit mir die aufrichtigste Liebe einflößte. Darum melde ich euch auch mit vieler Freude, dass ich für Oberösterreich bleibe. Der Minister hat mich ausgezeichnet empfangen und ist mit Bereitwilligkeit in meine Vorschläge eingegangen. Ich werde mündlich alles mitteilen, denn ich komme sehr bald hinauf. Ich kann nicht ausführlicher schreiben, weil ich gar keine Zeit habe. Mit wahrer, unveränderlicher Liebe und Treue, euer Freund Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an J. Mörner, Linz, Freitag, 26. September 1851. Hochgeehrter Herr, es wäre schon lange her meine Pflicht gewesen, Ihr Liebesschreiben zu beantworten. Aber eines Teils mangelte die Zeit, da alle Arbeit bei Gründung der neuen Realschule hier auf meinen Schultern lag. Andererseits wollte ich die Antwort auf ein mir so angenehmes Schreiben nicht übereilen, daher die Verzögerung. Jedoch die Zeit ist noch nicht im Überflusse da, und wenn daher trotz der Hinausschiebung noch Übereilung sichtbar ist, werden Sie mir es gütig verzeihen. Sie hatten ganz recht, mich in Wien zu vermuten, denn 22 Jahre lebte ich in Wien. Seit 1840 ging ich häufig im Sommer auf ein paar Monate nach Oberösterreich, wo ich meine Jugend zugebracht hatte. Und im Oktober 1848 ging ich nicht wieder nach Wien zurück, sondern blieb auch im Winter in Linz. nicht wieder nach Wien zurück, sondern blieb auch im Winter in Linz. Im Sommer 1849 berief mich der Unterrichtsminister auf eine Stelle nach Wien, die ich aber als mir zu schwierig ablehnte und dafür um Leitung des Volksschulwesens in Oberösterreich bat, was mir zugesagt wurde. So kam ich nach Linz. Österreichbad, was mir zugesagt wurde. So kam ich nach Linz. Im Winter sehne ich mich sehr nach Wien, wo ich liebe Freunde habe, viele Anregungen durch Kunst und durch Umgang mit gebildeten Menschen erhalte, was hier natürlich in viel geringerem Maße vorhanden ist. Dafür entschädigt im Sommer eine herrliche Natur, die mich umgibt, zu der ich fleißig Wall fahre und die mich, wenn sie ihr Schneegewand antut, doch auch kurze Zeit nach Wien gelangen lässt. Man kann sich eben sein Schicksal nicht immer bestimmen. Und ich hätte es für Sünde gehalten, dort, wo man meine geringe Kraft in einer so wichtigen Sache wie Erziehung der Menschen in Anspruch nimmt, mit Nein zu antworten. Ich habe keine Verdienste, habe in der Tat lediglich ganz und gar nichts als ein gutes Herz. Und habe auch gar nichts aufgeschrieben, nach gar keiner Kunst gestrebt, nichts zutage gebracht als dieses gute Herz. Ich halte freilich viel auf ein solches. Und der gelehrteste, geistigste Mensch ohne gutem Herzen hat mir immer etwas sehr Unheimliches. Wogegen der, welcher, wie man hierzulande sagt, das Herz auf der Zunge trägt, mich gleich gefangen nimmt. Andererseits sage ich es aber auch recht gern und recht aufrichtig, dass es mich immer sehr freut, ja beinahe kindisch freut, wenn mir Anerkennung und Teilnahme für meine Schriften entgegenkommt. Namentlich von fühlenden Frauen, weil ja gerade das Herz von dem Herzen verstanden wird, nicht von dem Kopfe, so wie man ja auch eine Musik nicht riechen kann. So wie man ja auch eine Musik nicht riechen kann. Aber ich beziehe die Teilnahme nicht auf mich als Dichter. Ein Dichter bin ich gar nicht. Ein Dichter ist gar etwas Hohes, Herrliches. Sondern es ist so, ich verehre das Reine, das Hohe, das uns, weil es uns über uns selbst erhebt, auch beseeligt. Diese Verehrung mag in meinen Schriften widerscheinen. Und das ist es, was mich immer so freut, dass auch andere für dieses Hohe fühlen, dass sie auch der Sache zugetan sind, der ich recht viele, ja alle Menschen zu Freunden wünsche. Dies gibt mir eine wahrhafte Freude, ohne eitel sein zu dürfen. Ich habe nie, gar nie in meinen Schriften erreicht, was ich gewollt habe. Das Geschriebene war immer gegen das Gedachte so kalt, leer und holperig. Ich weiß daher recht gut, dass so vieles fehlt. Der Ton für Höheres und Edleres mag in Ihnen ja angeschlagen sein. Wärme ist gewiss in Ihnen, die Aufrichtigkeit des Willens auch. Das alles regt an, aber das Beste dichten edle, fühlende, lesende Seelen erst hinzu. Wenn auch oft unbewusst, wenn auch wortlos. Aber gewiss, sie dichten das Buch erst in das Buch. Und freuen sich, wenn sie ihr lebendiges Herz da schlagen fühlen. So ist es ja so oft. Wir können ja dem anderen nie uns selbst geben. Nur einen schwachen Anfang, den führt er dann aus und liebt uns, wenn er gut ist und hasst uns, wenn er selber nichts taugt. Aber wie wäre es denn, wenn sie eines Tages auf das Dampfboot gingen und des anderen Morgens an meiner Tür anklopften? Ich wohne Nummer 1313, ein paar hundert Schritte vom Landungsplatze. Unser Oberösterreich wäre es schon ein wenig der Mühe wert, wenn Sie schon aus Norddeutschland den Süden besuchen, dass Sie es auch besehen. Es ist ein schönes Land, ein herrliches Land, das schönste im Kaisertume. Vielleicht wäre ein Ausflug ins Hochgebirge möglich, besonders in den jetzigen wunderschönen Tagen. Mich selber finden Sie in einer freundlichen Wohnung an der Donau, in deren Fenstern ein kranzprächtiger Hügel liegt und in der am Innern eine treffliche, geliebte Gattin waltet. Sie müssten mir aber, wenn sich dieser Vorschlag verwirklichen ließe, ein paar Tage vorher schreiben, damit ich nicht etwa zufällig am Tage Ihrer Ankunft auf einer auswärtigen Schule abwesend bin. Mit den besten Grüßen, Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an Gustav Heckenast, Linz, Dienstag, 30. November 1852. Lieber teurer Freund, gestern erhielt dich die Vignetten zu den bunten Steinen. Welcher Schreck, da ist alles verfehlt. Der Künstler hat nach einer eingelernten Manier gearbeitet, nicht nach der Natur. Und diese Manier ist noch dazu alles Talentes ledig. Darum sind alle Gesichter dieselben. Dicker Oberkopf, wie Kinder, die Wasser im Haupte haben. Ganz gleiche geistlose Augenbrauen, Augenschnitt und Augenlider. Dieselbe Nasenline, ohne Charakter. Dicke Wangen, ohne Grachnitt und Augenlider. Dieselbe Nasenline ohne Charakter. Dicke Wangen ohne Grazie und Sanftheit. Kleiner Mund in der faden, nicht sagenden Art der bildenden Modesjournalen. Und wo Hände vorkommen, krötenartig. Die Kleider sind nicht studiert, sondern oberflächlich als Gemeinplatz behandelt. Erster Band. Keine Spur, dass dieser Knabe mit dem weinerlichen, starren Ausdruck der entschlossene Pechbrennerknabe ist, der das pestkranke Mädchen rettet. Da könnte jeder Knabe der Welt sein, so wenig Pechbrennerartiges hat er an sich. Aus einer Patsche helfen kann dieser gewiss nicht. Die Haare sind eine Baumwollperücke. Die Handlung, dass er in den Hut greift, um dem Mädchen etwas zu geben, ist die unglücklichst gewählte, weil wir ihn stets hineingreifen sehen. Als hielte er etwas in den Hut und bewahrte und betrachtete es, zum Beispiel ein Vogelnest. Diese Handlung ist auch der wenigsten innerlichkeitfähig. Gab es denn keine andere? Seine Kleider sind so banal, dass sie nichts sagen. Der Künstler kennt die Trachten der Gegend nicht. Solche Mäntelchen, wie dieses Kind hat, tragen bei uns nur durchreisende Soldatenkinder. Aber diese Mäntel werfen dann natürlichere, nicht so filzartige Falten. Im Gestrippe hat sich das Kind ein sauberes Bettlein gemacht mit einem Steine unter dem Haupte, während es im Texte heißt, dass es in dem Brombergestrippe lag, als ob es hineingeworfen worden wäre. Die Gestrippe sind noch am besten, obwohl auch manieriert, indem sie Glockenblumen abgerechnet keinem Geschlechte angehören. Sie sehen, dass nichts klappt und trifft. Von Poesie ist endlich keine Spur da. Zweiter Band, noch viel schlechter. Ist das der Schusterknabe? Naiv, beobachtend, wissbegierig, tatkräftig. Das Angesicht ist das schlechteste und stümperhafteste. Es ist geradezu elend, wie es häufig Anfänger machen. Sind das Haare? Sind das Wangen? Sind diese Augen in diesem Antlitz möglich? Etc. Und muss das Mädchen diesen Ausdruck einer Lappin haben? Ist dies das zutrauliche, hingebende Ding, das im Nordlichte den Heiligen Christ zu sehen glaubt? Dieses Kind sieht nie einen heiligen Christ. Nun die Lage. Die Kinder waren ihrer Meinung nach im Hinabgehen begriffen und fanden nur den Weg nicht, verzweifelten aber keineswegs und da hörten sie einen Hörnerklang und schrien, um sich zu melden. Haben sie dazu diese theatralische Stellung gewählt? Eine Modellgruppe, wie sie ein schlechter Schauspieler anordnen würde? Der Knabe hebt die Hand, als ob er deklamierte. Er setzt den Fuß vor, als ob der Schauspieler Scholz das Hilferufen parodieren wollte und schlägt den Arm um die Schwester, um die Gruppe abzurunden. Das tut er im ganzen Texte nie, weil er nicht sentimental ist und keine Gefahr kennt. Wie sind die Kinder auf den Stein geraten, auf dem sie stehen? Sind sie hinaufgestiegen, um als Modell auf einem Stative zu stehen oder um dort nachdrücklicher zu schreien? Da sie in ihrer Wanderschaft von der Klage getroffen wurden, blieben sie stehen und riefen. Wie hat es übrigens der Stein gemacht, dass er bei dem fürchterlichen Schneefalle nicht überhüllt wurde? Hat er auf die Kinder gewartet, dass sie auf ihn steigen und auf ihn schreiben werden? Hat er so steile Seiten, dass kein Schnee haftet? Und ist er so hoch? Keines von beiden? Aber er ist von dem übrigen Grund, in dem riesigen Fußstapfen sind, so hervorgerückt, dass er den Kindern einen Schemel abgibt wie albern. Schemel abgibt, wie albern. Noch eins. Die Schuhe haben sich die Kinder unmöglich bei dem berühmten Schuster in Gscheid machen lassen. Das sind Tietemannsche Schuhe, keine Gebirgsbundschuhe aus dem Gscheidertale. Ein einziger der angeführten Umstände würde dem Bild nicht schaden, aber alle zusammen machen es abgeschmackt. Der Totaleindruck, den die Vignetten machen, ist der von ordinären Kindergeschichten und ich fürchte, dass viele Käufer aus den bloßen Anblicken der Bilder vor dem Buche vorübergehen. Solche sinnliche, vorweggenommene Eindrücke schaden dem Texte sehr. So wie ich umgekehrt überzeugt bin, dass der geistige, herrliche Heideknabe von Geiger dem Heidedorfe nicht wenig in die Schuhe geholfen hat, wäre ich Verleger. Ich würfe die Vignetten weg. Nicht, als ob ich das von Ihnen verlangte. Die Sache geht vielleicht auch gar nicht mehr. Aber das bitte ich herzlich, kein Bild mehr machen zu lassen, ohne mir die Zeichnung zu zeigen. Da ich die Sache vom künstlerischen Standpunkt nehme und die Beziehungen zu dem Texte beurteilen kann, so ist Ihr Interesse gewiss nicht schlecht aufgehoben. Und besser, keine Bilder als gemeine. Auch Nacharbeiten nach trefflichen Bildern haben ihr Missliches. Nachzeichner und Nachstecher verschlechtern und verwässern die Sache zur Fabriksarbeit. Ich dichte recht fleißig, aber kein Termin. Erleben Sie wohl tausend Grüße von uns beiden. Ich musste mein Herz erleichtern. Ich leide überhaupt an Stichen. Von meinem Gesicht ist ein kläglicher in der Libusse 1852 Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an Gustav Heckenast Linz, Donnerstag, 9. Juli 1853 Lieber teurer Freund, von einer der schönsten Amtsreisen aus dem Gebirge zurückgekehrt, schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Am liebsten würde ich diese Eindrücke schildern. Allein ich lasse diese Dinge auf das Rosenhäuschen und die alten Umgebung unseres Vogelfreundes einfließen und setze mich zurecht, von Geschäften zu sprechen. Das Buch, welches ich gerne Nachsommer heißen möchte, ist fast schon ganz fertig. Die Zustände darin sind mir geläufig und liegen mir als Materiale im großen Vorrat im Herzen. Was auch der Grund sein mag, dass ich nicht nur leichter arbeite als im historischen Romane, sondern dass ich auch von demselben gerne zur Erholung eine Partie des Nachsommers des Vogelfreundes hernehme und entweder neu arbeite oder feile. Der Roman hat eine wissenschaftliche Seite, die von vornherein in keines Menschen Seele liegt, sondern die er sich erst erwerben muss, das Geschichtliche. muss, das Geschichtliche. Dieses muss so treu angeeignet werden, dass Dichter und Leser in der Luft jener vergangenen Zeit atmen und die Gegenwart für sie nicht ist. Dies allein gibt Wahrheit. Aber zudem ist nicht das historische Wissen allein genug, dies gebe nur ein hölzernes Gerippe, sondern das historische Mitleben. Dieses gibt den Gestalten Fleisch und Blut. Ich hoffe sehr, dass Sie dieses Leben finden werden. Selbst die erfundenen Figuren müssen in die Zeit passen, dass der Leser sie nicht wegzudenken vermag. Diese Aneignung der Vergangenheit als eines jetzt mitlebenden Teiles des Dichters ist das Schwerste. Es setzt große historische Vorarbeit, inniges Eingehen und Liebe zur Vergangenheit des Menschen und Vergessen seiner selbst voraus. Das Leichteste ist dann die dichterische Verklärung des Stoffes zu einem Schönheitsbilde, welches den Menschen entzückt und erhebt. Ich sage das Leichteste, weil es in der Seele des Dichters ohne sein Zutun waltet und webt. Freilich für den, in dem es nicht waltet, ist es das Schwerste oder es ist ihm geradezu unmöglich. Wie viel, wie wenig ich da leisten werde, liegt in des Himmels Schoße. Ich weiß es nicht, aber aus dem Ernste und der Ergriffenheit, die oft während der Arbeit in mir ist und mich ohne das Gegenwehrhilft überkommt, dürfte zu schildern sein, dass auch andere Seelen werden erfasst werden. Ich will Ihnen den Nachsommer, wenn er fertig ist, zum Lesen schicken. Herausgeben dürfen wir ihn erst nach dem Roman. Ich bitte, folgen Sie hierin meinem poetischen Instinkte und dringen Sie nicht auf die Herausgabe. meinem poetischen Instinkte und dringen sie nicht auf die Herausgabe. Ich will gerne zu heiterer und ruhiger Arbeit von materiellen Dingen unbeirrt sein. Und das lästigste, ja geradezu jede Kunstarbeit tötende Gefühl, wenigstens bei mir, ist der Gedanke, werde ich diesen Monat mit dem Geld auskommen. Mein Gehalt von 1500 Gulden wäre für Hausbackenheit vollkommen hinreichend, wenn höchstes Streben Haushaltungsseligkeit wäre und man sich mit der Gattin hinsetzt und verteilte, wie man es diesen Monat einrichten werde und sich freute, wenn es an der Schnur mit Essen, Trinken, Kleidern geht, wie vorberechnet. Das ist bei mir nicht. Das Amt macht Ehrenanforderungen. Ich bin ja als der Schule angehörig der schlechtes, besoldete Rat, die ich, wie die anderen Räte auch, ja oft, um nicht einen hindernen Stache in die Brust zu haben, freigiebiger erfülle. So ist es namentlich mit allen Wohltätigkeitsforderungen, welche jetzt weit mehr an mich kommen und bei welchen mein Herz mich öfter betört. Endlich ist bei dem Künstler, wenn er es auch nur in Worten ist, Kunstgenuss, ein Brotbedürfnis. Ohne dessen Befriedigung er abstirbt und dann selber statt Brot kaum mehr Klein hervorzubringen imstande ist. Hierzu gehören kleine Ausflüge, Reisen zu edlen Freunden in die Hauptstadt und andererseits. Ich muss des Romans halber nach Prag, um die Örtlichkeiten des Ratschins zu studieren, in der Hin- und Rückreise in Rosenberg verweilen. Und Nürnberg, Nürnberg habe ich noch nicht gesehen. Das Meer noch nicht, von dem ich mir einen ganz großen Reichtum von Bildern verspreche. nicht von dem ich mir einen ganz großen Reichtum von Bildern verspreche. Und endlich, dass ich einem Freunde, der mich überrascht, eine Suppe und eine Flasche guten Weines vorsetzen kann, ohne fürchten zu müssen, in den Segel ein heilloses Loch zu reißen. Wo sind Bücher, Bilder, ein altertümlicher Schrein? Die Preise sind in Linz fast in Gulden wie vor sechs Jahren in Wiener Währung. Ich bedarf daher eines Zuflusses. Die größte Neugierde ist in mir, wie Ihnen der Roman gefallen wird. Aber ich sende Ihnen nur einen ganzen Band. Ich glaube, wenn ich jetzt kein Amt hätte, ich würde etwas Tüchtiges leisten. Eine solche Arbeits- und Schaffensfreudigkeit ist in mir. Gott gebe Gedeihen. Leben Sie wohl. Alles Liebe und Gute zu Ihrem Ehestande. Und Gott gebe Ihnen alles Glück, das Sie so reichlich verdienen. Von mir und Gattin die besten Wünsche an Sie und Ihre Gattin. Adalbert Stifter. Adalbert Stifter an Luise von Eichendorf, Linz, Sonntag, 10. Juli 1853. Hochgeehrte Freundin, ich habe heute ein Schreiben von Ihnen erhalten, das mich und meine Gattin in große Unruhe versetzt, weil wir daraus ersehen, dass sie krank waren und dass sie mit einer tiefen Betrübnis ihres Gemüts behaftet sind. Obwohl ich sehr viele Geschäfte habe, die mir oft des Tages kaum eine Stunde für mich lassen, muss ich Ihnen doch in Schnelligkeit einige Zeilen schreiben und sie unseres tiefsten, herzlichsten Anteils versichern. Die Frau sagt, dass wenn sie in Wien wäre, sie sogleich zu ihnen hinausfahren würde. Dass sich die Frau begleiten würde, können sie sich wohl denken. Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, dass sie wieder vollkommen genesen werden und dass sich dann die trübe Stimmung, die offenbar eine Folge ihres Unwohlseins ist, heben werde. Wir sind ihnen durch die Zuneigung, die sie uns, ohne dass wir eine Anlassung dazu gegeben hätten, geschenkt haben, sehr nahe gebracht und müssen Ihnen dafür dankbar sein. Wenn Ihnen meine Schriften Freude gemacht haben, so sind sie mir keinen Dank schuldig, so wenig wie sie der Sonne dankschuldig sind, dass sie scheint, sondern dem, der sie gemacht hat. Und endlich macht mir ihre Freude wieder Freude und so hin bin ich eigentlich eigennützig. Wenn trotz unserer Fehler der persönliche Umgang mit uns ihnen angenehm ist, wie aus ihrem ganzen Benehmen gegen uns hervorgeht, so mag es wohl Überschätzung der unbedeutenden guten Eigenschaften, die wir haben, sein, was sie zu dieser Stimmung bringt. Wir wünschten nur sehnlichst, dass wir näher bei ihnen sein und öfter mit ihnen zusammenkommen könnten. Sie sollten sich ihren trüben Stimmungen nicht so hingeben und sollten mehr dagegen kämpfen. Besonders ist irgendeine körperliche Arbeit, oft selbst ein Spaziergang, ein gutes Mittel dagegen. Also wäre ich in Wien, so würde ich es mir zur Freude machen, sie öfters zu besuchen. Und wenn ich es vermag, sie zu trösten. Ich hoffe viel von ihrem Umgang mit ihrem vortrefflichen Bruder. Die Tiefe ihres Gefühls, die Richtigkeit ihres weiblichen Blickes macht mir viel Freude und zieht mein Gemüt zu ihnen. Aber die Erregbarkeit ihrer Nerven, vorzüglich zu schmerzhaften Empfindungen, beunruhigt mich, obwohl leider dieses Übel selbst oft gerade bei tief fühlenden Gemütern ist. wo leider dieses Übel selbst oft gerade bei tief fühlenden Gemütern ist. Auf längere Zeit werden wir sie wohl nicht besuchen können. So oft mich aber mein Weg nach Wien führt, werde ich an ihre Tür klopfen und mich freuen, sie wohlzufinden. Viele herzliche, schöne Grüße von uns beiden, Linz am 10. Juli, dem Namenstag meiner Frau, 1853, Adalbert Stifter. Nachschrift. Ich sollte von der armen, weißen Mietz nichts schreiben, um sie nicht an sie zu erinnern, aber die Frau, die diesen Brief las, billigt es nicht. Wenn ein Mensch, besonders ein Einsamer, sich an etwas erfreut, sei es eine Blume, sei es ein Tier, so ist es unmenschliche Rohheit, ja Niederträchtigkeit, ihm dieses Ding zu zerstören oder zu töten. Ich wäre in Ihrem Falle ebenfalls in die tiefste Entrüstung gekommen. Reisen Sie, sobald es Ihre Gesundheit zulässt, zu Ihrem Bruder. Stifter. Gracias. Grazie. Nach diesem sehr lebendigen Stifter hinter die Kulissen zu treten, ist jetzt gar nicht so einfach. Wahrscheinlich hätten Sie viel mehr Fragen über den Text, über das, was wir gehört haben. Wir werden aber doch versuchen, das Mysterium um eine historisch-kritische Ausgabe vielleicht ein bisschen zu erhellen. Es ist in wenigen Worten schwer zu fassen, vielleicht, wenn man eine historische kritische Ausgabe noch nicht in Händen hatte, was sie von einer Gesamtausgabe, Werkausgabe, Leseausgabe unterscheidet. Ich versuche es in ganz, ganz kurzen Worten. Eine HKG bietet einen verbindlichen Text auf Grundlage der in der Regel handschriftlichen Textzeugen, der Erstdrucke, inklusive, Daniel Ehrmann hat es schon gezeigt, einer Überlieferungsgeschichte und auch einer Beschreibung dieser handschriftlichen Zeugen. Also das, was im Text nicht steht, was aber vielleicht auffällig ist, was an Korrekturen vermerkt werden soll, wird hier mitgeliefert. Die Überlieferungsgeschichte stellt dar, wo sich eine Anschrift heute befindet. Sie bringt die Adresse, also das, was teilweise natürlich auch interessant ist, wenn man sich anschaut, wie der Brief von A nach B, wohin der kommt. Wenn Stifter Heckenast schreibt nach Wien und der Brief wird nach Pest nachgeliefert oder vom Pest dann noch aufs Landgut Heckenast nach Marot, so lässt sich das anhand der Poststempel nachvollziehen. Was dann zu diesen jetzt eher technischen Angaben kommt, ist die bereits auch angesprochene Einführung in die Themen eines Bandes und im Fall der Briefbände auch in den Gesamtkorpus aller Briefe. Das sind nach aktueller Zählung, ich glaube 1049 Briefe, die von Stifter überliefert sind. überliefert sind. Nach aktueller Zählung sage ich deshalb, weil alle paar Jahre ein noch unveröffentlichter und damit unbekannter Stifterbrief auftaucht. Also es verändert sich auch immer wieder der Gesamtkorpus. Und was dann noch dazu kommt, ist für jeden einzelnen Brief sind das Erläuterungen zu Begriffen, zu Personen, zu unterschiedlichsten Themen, die Sachwissen, sprachliche Besonderheiten, historische Zusammenhänge, alltagsgeschichtliches und dergleichen mehr erklären, erläutern, wo man davon ausgehen kann, dass das entweder heute auch in Fachkreisen nicht bekannt ist oder jedenfalls nicht mehr allgemein zugängliches Wissen ist. Und da gibt es dann gleich ein paar Dinge, die die Kollegen vielleicht dazu erzählen werden, nämlich die Frage, was erläutert man und wie kommt man an diese biografischen Daten zum Beispiel oder an dieses Sachwissen, das Ihnen hier in einer historisch-kritischen Ausgabe geboten wird. Vielleicht zum Einstieg, wie tut man, dass man zur Handschrift kommt? Wo kommen die Handschriften sind, oder so gesagt, am Beginn der Arbeit ist das Briefverzeichnis, in unserem Fall aus dem Jahre 2007, wo einmal angegeben wird, wo der Brief liegt, ob eine Handschrift vorhanden ist oder ob es nur eine Abschrift oder eine Kopie oder nur eine Druckfassung, vielleicht auch nur einen Teildruck dieses Briefes gibt. Und dann ist eben auch die Angabe, wo dieser Brief sich befindet. Im Großen und Ganzen kann man sich darauf verlassen, beziehungsweise muss man sich damit begnügen. Begnügen ist es nicht unbedingt immer. Nicht immer. Vergnügen ist es nicht unbedingt immer. Nicht immer. Schwierig wird es, wenn man sich nicht zufrieden gibt, dass ein Brief als verschollen oder im Privatbesitz, also unbekannt und nicht einsehbar ist, was angegeben wird. Da ist die notwendige Recherche manchmal recht schnell erledigt, wenn etwa sich herausstellt, dass das Archiv, in dem der Brief wäre oder gewesen wäre, im Zweiten Weltkrieg abgebrannt ist, wie beispielsweise das Archiv der Stadt Prag. Manchmal führt aber auch Sturheit zum Erfolg, wie ich an diesem Beispiel, an diesem Brief von Ann-Levin Schücking vom 21. November 1853 zeigen möchte. Da steht in diesem Briefverzeichnis Privatbesitz, Hausarchiv der Familie Schücking in Sassenberg. Und als Erstdruck wird angegeben, die Publikation vom Buch Chorwiecki, eine Ergänzung zur Prag-Reichenberg-Gesamtausgabe, wo neue Briefe eben publiziert wurden. wo neue Briefe eben publiziert worden sind. Wenn man sich damit jetzt, also ich habe dann nachgeschaut bei Buchowiecki, da ist allerdings dann angegeben, dass dieser Brief nicht ursprünglich erst gedruckt in Buchowiecki erschienen ist, sondern dass er verweist auf einen Artikel eines Germanisten in den USA, der in der Germanic Review 1948 erschienen ist. dankt dieser Herausgeber dem Enkel des Briefempfängers, Lewin Ludwig Schücking, ein Anglister, Professor an der Universität Erlangen, dass er ihm diesen Brief zur Verfügung gestellt hat. Zum Hausarchiv gab es keine Informationen, auch im Internet war nichts zu finden. Allerdings fand ich dann Hinweise darauf, dass es einen Nachlass des Autors Schücking in der Universität und Landesbibliothek Münster geben könnte. Die Antwort darauf war nett und freundlich, aber auch die Information, dass tatsächlich dort ein Teilnachlass liegt, aber dass darunter kein Brief von Adalbert Stifter ist. kein Brief von Adalbert Stifter ist. Die nächste Überlegung war, dass vielleicht der Nachlass des verstorbenen Professors dann eventuell an der UB Erlangen liegen könnte. Auch hier die freundliche Antwort, dass dort allerdings nichts zu finden ist. Dafür aber der Verweis auf einige Institutionen, in denen sich Teilnachlässe des Professors befinden könnten. Unter anderem die Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek der Stadt Dortmund, das Nelly Sachs Archiv, um es kurz zu machen, auch dort die Bestätigung, dass es tatsächlich Briefe von Lenin-Schücking gibt, allerdings keiner von Stifter oder an Lenin. dass auch das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster einen Teilnachlass des Professors verwahrt. Der war allerdings nicht mehr kuratorisch, oder ist nicht mehr kuratorisch betreut. Daher dauerte es noch einige Tage, bis ich dann die positive Antwort bekam, dass wir tatsächlich dann den Brief in Händen hatten. Also ungefähr sechs Wochen von der ersten Anfrage an die UB Münster bis zur endgültigen Nachricht, dass der Brief tatsächlich vorhanden ist. Etwas anders ist es mit zwei Briefen, der eine an Wenzel Huber, den Studienfreund und Arzt von Stifter, und der zweite an den Redakteur der Presse, an Leopold Schweitzer. Von diesen Briefen existiert laut Verzeichnis an in St. Martin bei Neufelden befindet. Auch für den anderen Brief existiert ein Brief, eine Kopie im Adalbert Stifter-Institut, also hier, und dazu ein Brief, das sich vom früheren Direktor des Instituts, Dr. Lachinger, der schreibt, dass sich der Brief im Familienarchiv des Grafen Czernin in Neuhaus in der Tschechischen Republik befindet und ein Mitarbeiter des Landesarchivs ihm eine Kopie mitgebracht habe. Daraus ergibt sich nun die Frage, wenn so eine relativ neue, junge Kopie vorhanden ist, muss dann nicht eigentlich auch der Brief vorhanden sein. Dem war nicht ganz so, weil einige Anfragen, zum Beispiel auch von Dr. Dallinger oder weitere Interventionen, zu keinem Ergebnis geführt haben. Auch ein erster Versuch von mir ging ins Leere, weil ich irrtümlich nicht an das Bezirksmuseum in Budweis geschrieben hatte, sondern an das Bezirksarchiv. sondern an das Bezirksarchiv. Die Anfrage im Bezirksmuseum daraufhin führte schließlich zum Erfolg und genauso auch für den Brief an Schweizer im staatlichen Bezirksarchiv. auch vom Erfolg gekrönt, obwohl es auch da etwas Beharrlichkeit brauchte, bis alles sozusagen in die Gänge gekommen ist. Aber schlussendlich konnten wir wirklich auf die Originale zurückgreifen, was für die Transkription und für die Textkonstituierung schon von wesentlichen Vorteilen wahr. Darf ich vielleicht kurz was ergänzen hierzu? Mein Name ist Johannes John. Es schmeichelt mir immer, wenn ich als Zentralredaktor vorgestellt werde in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Stifter Arbeitsstelle. Also die Stifter Arbeitsstelle in München sehen Sie hier vollzählig vor sich versammelt. der Arbeitsstelle in München, sehen Sie hier vollzählig vor sich versammelt. Ich will dazu ergänzen, bestenfalls, wenn wir eben jetzt ein Digitalisat von so einem Brief haben und wir haben von 1.400 Briefen fast alle Digitalisate, habe ich in München, eine Arbeitsplattform eingerichtet, die von den Mitarbeitern extern zugänglich ist. Und da sind für alle Briefbände, also auch für diesen Band 11.2, Brief für Brief die Digitalisator abgelegt. Das heißt, die sind zugänglich, die kann man sich auf den Bildschirm holen. Vielleicht wissen einige von Ihnen, wie Stifter in seinen poetischen Werken gearbeitet hat, wo er bis zum Ende korrigiert hat. Das ist natürlich eine unglaubliche Arbeit, das zu transkribieren oder im Apparat darzustellen. Briefe, Daniel, du hast das anklingen lassen, sind in der Regel mit ganz wenigen Korrekturen oder Streichungen. Das heißt für uns, wir können quasi die Arbeit am Bildschirm machen. Und das ist ein nicht zu unterschätzender ökonomischer Faktor, sowohl zeitlich als auch wirklich wirtschaftlich. Das heißt, wir müssen, dürfen für letzte Überprüfungen dann nach Prag fahren, zum Beispiel ins Stifterarchiv, wo die Sachen aber dann in einem Tag geklärt werden. Das ist also unglaublich, was da passiert. Das ist das eine, die Kolleginnen und Kollegen können jederzeit zugreifen auf die Digitalisate und wenn es mal so weit ist, dass ich die Manuskripte in München habe und zusammenfüge, dann ist genauso auf einem anderen Verzeichnis sichtbar, was im Augenblick passiert. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen können von außen Tag für Tag verfolgen, was ich tue, wie weit ich bin und so weiter mit farblichen Markierungen, die ich jetzt nicht erklären muss. und so weiter mit farblichen markierungen die ich jetzt erklären muss und ich war auch mal jung aber wenn ich mir überlege wie wir noch vor drei vier jahrzehnten gearbeitet haben dann sind das quantensprünge und wir haben zum beispiel dass in einem jahrzehnt die amtlichen Schriftenstifters in drei Text- und drei Kommentarbänden machen können, weil uns das Oberösterreichische Landesarchiv 20.000 Seiten Digitalisate zur Verfügung gestellt hat. Die müssen auch erstmal durchgearbeitet werden, aber stellen Sie sich mal vor, was das für eine Arbeit gewesen wäre noch in den 80er, 90er Jahren. Punkt. Ja, jetzt gehen wir davon aus, wir haben unsere 170 Briefe in Form von Digitalisaten dort, wo die Handschriften überhaupt noch vorhanden sind. Das ist in unserem Band Gottlob beim allergrößten Teil der Fall. Nur in ganz wenigen Fällen müssen wir auf den ersten Druck zurückgreifen oder auf Abschriften, sogenannte Abschriften, wo also eine zweite Person, oftmals Stifters Freund und Nachlassverwalter Johannes Arbrent, einen Brief abgeschrieben und dabei leider auch manchmal redigiert hat. So kompliziert ist es nicht in allen Fällen. Wir haben beispielsweise aus Tartu einen Stifterbrief ganz unkompliziert per E-Mail bekommen, zur freien Verfügung. Also die Technik macht heute tatsächlich manches möglich, nicht nur schnelles Anfragen, sondern auch schnellen Transfer. Wir haben jetzt also den Text. Was tun wir nun? Eine große Problematik ist, glaube ich, im ersten Arbeitsschritt, was soll man kommentieren? Man hat hier einen Brief, wo Stifter beispielsweise beschreibt, dass er schnell den Brief fertig machen will, weil die Postzustellung oder die Postabholung gerade erfolgen wird. Jetzt interessiert es uns vielleicht, wie oft ist die Post in Linz geholt worden und wie oft konnte man sie abgeben und wo konnte man sie abgeben? Gibt es einen Briefkasten, ja oder nein? Aber so weit sind wir noch nicht. Wie entscheiden wir, was überhaupt zu kommentieren ist? Wie hast du da getan, Daniel? Ja, genauso wie du es gerade angesprochen hast. Man überlegt ein bisschen in den Texten, was sind wichtige Informationen, um diesen Brief zu verstehen. Was sind wichtige Informationen, um diesen Brief zu verstehen? diese Überlieferungssituation zum Beispiel ein Unterschied ist, während uns bei literarischen Werken und daher kommt, ein wichtiger Motor für die moderne Editionswissenschaft gewesen ist eben diese genetische, also die Entwicklungsgeschichte des Textes, nachzeichnende Textkritik, das fällt so ein bisschen aus und da sind wir entlastet. Was aber Briefe erforderlich machen, Sie erinnern sich, nicht fiktionale Texte, also irgendwie faktual auf die Wirklichkeit bezogen. Was sie also nötig machen, ist viel an Realität, an Kontext zu erläutern. Eben so etwas wie, wenn die Erwähnung der Briefzustellung ist, dann ist das eine Information, die man nicht voraussetzen kann als etwas, das alle LeserInnen schon wissen und auch nichts, was sie durch einen einfachen Griff in ein physisches oder digitales Lexikon ohne weiteres sich erschließen können. Also das ist eine solche Information. Also das ist eine solche Information. Und so geht man also diesen Brief durch und versucht also zu identifizieren, was sind Sacherläuterungen, also tatsächlich Gegenstände, wie zum Beispiel, die vermeintlich auch naheliegend sind, aber eben manches Mal historisch es dann doch nicht sind, sowas wie der Punsch, der offenbar zeitgenössisch aus Brandwein und sauren Säften und ein bisschen Zucker manchmal zusammengepanscht wurde und gar nicht so appetitlich sich ausnimmt. Und Personen, die man eventuell nicht kennen kann und die wir bis heute zum Teil nicht kennen, etwa der heute so eindrücklich vorgestellte, als Briefempfempfänger vorgestellte J.Mörner ist uns ein anhaltendes Rätsel. Wir wissen nicht, wer das ist und es ist ja völlig unerhört, dass Stifter ausgerechnet einen solchen Brief an eine Person schickt, zu der er keinen weiteren Kontakt hat und der offenbar eben auch nicht angetan ist, um all diese schönen, blumigen Worte, mit denen er sein eigenes Werk beschreibt, weiter zu verbreiten, an die Öffentlichkeit zu bringen. Also was Briefkommentierung nötig macht, ist also den Brief als einen relationalen Text in gewisser Weise zu verstehen und sichtbar zu machen. Also die Beziehungen, die Briefe zu anderen Briefen aufmachen, also eine Konversation nachvollziehbar zu machen, aber eben auch die Beziehungen, die diese Briefe zur Realität haben und durch die sie eben dann verstehbar sind. Ich habe es beim Setzen der sogenannten Lämmer, also der Stellen, die man erklären, erläutern soll, habe ich mich dort schwer getan, wo Dinge so allgemein bekannt ja doch sind. Also kommentiert man Heinrich Heine oder Johann Sebastian Bach oder dort, wo man selber gar nichts weiß und nicht recht einen Anhaltspunkt hat, wie finde ich denn jetzt eine bestimmte Person. Bei Mörner, den haben wir nicht gefunden, aber etliche andere hat Wolfgang Hakel gefunden und kreuz und quer durch die Weltgeschichte verfolgt mit den Hilfsmitteln, die heute zur Verfügung stehen. Das ist zum einen beispielsweise Anno. Das sind digitalisierte Zeitschriften, wo man auf Volltextsuche gehen kann und dort eine Person vielleicht findet, Kuraufenthalt im Partitial, Sterbeanzeige, was auch immer. 20 Millionen Seiten. 20 Millionen Seiten, da steht schon einiges drinnen. Und dann kann man, wenn man geschickt ist, auf Matricula Online weiter tun, oder? Ja. Eine Bemerkung noch zu den quasi selbstverständlichen Dingen. Wir haben, obwohl das ich komme ja auch aus Linz oder Oberösterreich, für uns selbstverständlich ist, sind die topografischen Angaben, oder die meisten topografischen Angaben, aber auch die haben wir relativ konsequent erläutert. Zum einen, weil wir nicht annehmen können, dass alle Leser, und wir nehmen ja an, dass es nicht nur Leserinnen und Leser in Oberösterreich oder in Österreich gibt, nicht unbedingt alle Ortschaften kennen. Zum Zweiten sind manche Ortschaften in einer stifterischen Schreibweise, sage ich jetzt einmal, niedergeschrieben. Dann kommt noch dazu, dass manche Ortschaften gerade im Böhmerwald oder rund um den Oberplan inzwischen verschwunden sind. Also auch da gibt es immer wieder Motivationen dazu. Mit den Personen ist es so, dass wir uns ja von vornherein vorgenommen haben, alle Personen nach Möglichkeit zu, zumindest minimal, zu erläutern, nicht nur die Bekannten oder nicht nur die, die eine hohe Position hatten. Das beginnt schon beim ersten Brief Stifters an Amalia Stifter am 3. Jänner 1849 aus Wien. Da schreibt er, dass er den Neujahrtag mittags bei Pachner zugebracht habe und dass die Großmutter einen Toast auf die Scheiber ausgerichtet habe, in den alle gerne eingestimmt haben. Die Prag-Reichenberg-Ausgabe erläutert weder Pachner noch die Großmutter. Pachner selbst war noch relativ einfach. Das ist Anton Ignaz Ferdinand Freiherr von Pachner von Eckensdorf. Das ist Anton Ignaz Ferdinand Freiherr von Pachner von Eckensdorf. Übrigens, die Familie stammt ursprünglich aus Oberösterreich. Von dem gibt es einen Eintrag im österreichischen bibliografischen Lexikon. Das geht ja noch. Die Großmutter, da wird es schon schwierig, weil theoretisch könnten es vier Großmütter sein, wenn Pachner verheiratet war, dann könnten ja auch die Großmütter seiner Frau infrage kommen. Lexikon, biografischen Lexikon, entschuldigen Sie, sind im Übrigen zwar nicht die Eltern angegeben, sondern die Großeltern, und zwar der Anton Ignaz Josef Freiherr Pachner von Eckensdorf und der frühere Bürgermeister, der kurzzeitige Bürgermeister Josef Edler von Leb. der kurzzeitige Bürgermeister Josef Edler von Leb. Von diesen möglicherweise vier Großmüttern fallen zwei weg, weil wie es zu sehen ist, Partner von Eckensdorf erst 1949, also im Laufe des späteren Jahres des Briefes, geheiratet hat. Und hier wahrscheinlich dann seine, diese Sängerin ist zwar aus Wien gebürtig, aber unwahrscheinlich, dass die Großmutter mütterlicherseits, also die Frau von Anton Josef Edler von Leb, die Theresia Josepha Anna von Hennenberg, ist eben bereits 1946 verstorben. Dadurch ergab sich, dass die Großmutter eben diese genannte geburtige Anna Maria von Bernhardt ist. Es ist insofern überraschend, und das ist sozusagen auch der Punkt für diese Beispiele, dass eben weibliche Biografien viel schwieriger zu finden sind oder nicht vorhanden sind, weil sie nicht in Lexika auftauchen. Und diese Großmutter war immerhin doch eine sehr tüchtige Frau, denn sie hat nach dem frühen Tod ihres Mannes die Papierfabrik mit ihrem Sohn weitergeführt. Papierfabrik mit ihrem Sohn weitergeführt. Also man kann sich schon wundern, dass hier niemand, dass sie so schwer zu finden ist und es auch keine weiteren Informationen über sie gibt. Ein anderes Beispiel ist eine kurze Notiz, ein kurzes Schreiben Stifters an Fräulein Leopoldine Scheibert. Für den ersten Monat großen Dank, leider das Verdienst größer als der Lohn, schreibt er. Zum Glück, hier ist eine Handschrift, eine Abschrift der Handschrift dann auch noch einmal von Vorteil, denn es existiert eine Abschrift und in dieser Abschrift ist vermerkt, dass es sich bei dieser Scheibert um die Leopoldine Scheibert, eben die Tochter der befreundeten Familie Josef und Teresa Scheibert handelt und dass die mit einem Herrn Hertlein verheiratet war. Jetzt ist der Weg so gegangen, dass über die Rechercheplattform GERNET Ort und Datum der Hochzeit gefunden werden konnten. In der Folge ließ sich dann auch die Geburtsmatrike in St. Florian finden, ebenso die Sterbematrike ihres Mannes. Das ist eben diese Notiz in dieser Abschrift. Und dann war aber die, also die Geburt und dann war aber die Frage, wann ist das Todesdatum. erscheint die Witwe noch im Lehmann, im sogenannten Lehmann, das ist ein Adressenverzeichnis der Stadt Wien. Dort ist sie noch als Witwe des Militärs Hertlein ausgewiesen. Später war sie nicht mehr zum Fink, daher die erste Vermutung, gestorben vermutlich 1889. Das war die erste Version. Die nächste Version war dann, dass wir eine weitere Recherche auf GeaNet geführt haben, zur Trauungsnatur ihrer Tochter, wo sie als Brautmutter noch angeführt war, und zwar im August 1900. Das war also die Frage, gestorben vermutlich nach 1900. Und wenn man sich dann noch nicht zufrieden gibt, dann überlegt man weiter und denkt, naja, vielleicht hat die Mutter dann doch bei ihrer Tochter gewohnt. Und tatsächlich hat sich herausgestellt, dass in der Pfarre, wo die Tochter gewohnt hat, im Totenregister das Sterbedatum oder auch die Matrike zu finden war und dann sozusagen dieses letzte Rätsel, dieses kurzen Eintrages gelöst war, dass sie also 1905 in Wien in Rossauch gestorben ist. Ein anderes, noch kurioses Beispiel, weil es auf eine Besonderheit der österreichischen ein Brief an Gustav Heckenast. In diesem Brief beklagt sich Stifter, dass er hier von der höheren Welt so ziemlich abgeschnitten sei, außer wenn er auf seinen Reisen vereinzelte höhere Menschen finde, zum Beispiel den obersten Seidel von Adelstern und dessen Tochter Lidin. Zum Beispiel den obersten Seidel von Adelstern und dessen Tochter Lidi. Die Daten des Oberst ließen sich relativ leicht eruieren anhand diverser militärischer Handbücher. Bei der Tochter war es deutlich schwieriger. Lidi, das ist die große Form von Ludmilla. Hier gab es verschiedene Informationen, die so typisch sind. Verheiratet mit dem K. und K. Hauptmann aus mecklenburgischem Uradl oder Mutter des Malers und Volkskundler Hugo von Bremen. Man erinnert sich an das Grab von Stifters Mutter, wo am Grabstein nur steht, hier liegt Schilders Mutter, ohne weitere Angaben. Aber es fanden sich dann wieder auf MyHeritage, auf einer Online-Plattform für genealogische Forschungen, diese beiden Angaben. Ein Angaben, Geburt 12. Mai 1827 in Osternberg, Pfarrkirchen, Niederbayern, Bavaria, gestorben am 7. September 1860, Osternberg, Pfarrkirchen in Niederbayern. Das stellt sich schnell heraus, dass diese Angaben falsch sind, denn Osternberg ist nicht in Bayern, in Pfarrkirchen, sondern Osternberg ist das Gut, auf dem der Vater damals gewohnt hat und das Gut, auf dem Stifter die Familie besucht hat. die Familie besucht hat und geboren ist sie dort. Die Suche dann in den Matriken des Ortes bzw. der Pfarre Ranshofen, wo das dazugehört, haben keinen Eintrag in diesem Zeitraum einer Geburt gefunden. Allerdings, das Sterbedatum, die Sterbematrik ließ sich finden und da stellt sich heraus, der Fehler war, dass die Hausnummer als Geburtsdatum angegeben, als Tag angegeben wurde. Sie ist am 24. September 1860 in Obermberg-Ranzhofen gestorben. Und eine wichtige Information dazu, dass diese Frau eben gebürtig zu Mainz war. Stellt sich die Frage, was macht ein österreichischer Offizier in Mainz. Da brauchte ich dann auch etwas Nachhilfe in Geschichte. Ihr Vater war als Hauptmann des 3. Böhmischen Jägerbataillons beim Festungskommando zu Mainz stationiert. Denn nach dem Abzug der napoleonischen Besatzung waren preußische und österreichische Truppen zur Sicherung der Stadt und der Festung in Mainz eingezogen. Sie blieben bis 1866. Also von daher ist es logisch oder verständlich, dass eine Tochter dort geboren ist. eine Tochter dort geboren ist. Die Matriken der Diözese des Bistums Mainz sind nicht online einsehbar. Das Bistum selbst schreibt, dass sie keine Hilfe in genealogischen Fragen leisten kann. Jetzt habe ich mich an das Stadtarchiv gewandt. Die haben festgestellt, dass es zu Ludmilla von Steidl in den Zivilstandsregistern keine Einträge gibt und dass sie auch kein Kirchenbuch des 3. Böhmischen Jägerbataillons hätten. Daraufhin habe ich mich doch an das Diozesanarchiv gewendet. Die waren sehr freundlich und haben zwar auch nichts vorweisen können, aber haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass das österreichische Bataillon das Recht auf eigene Matrikenführung hatten und dass die Kirchenbücher daher sich im österreichischen Staatsarchiv, im Kriegsarchiv befinden müssten. ein Kriegsarchiv befinden müssten. Dem bin ich dann nachgegangen und habe dort angefragt und tatsächlich wurde mir das bestätigt. dass diese Matriken anders als andere Dokumente des Staatsarchivs nur unter Aufsicht des zuständigen Beamtens eingesehen werden können, also nicht einfach in den Forschungssaal gegeben werden können und man sich entsprechend einen Termin ausmachen müsse und so weiter und so fort. Weil die Zeit knapp war, habe ich den Herrn angerufen und er hat mir das dann noch einmal bestätigt und er hat mir aber den Tipp gegeben, dass die Kirche der Heiligen, die Kirche Jesu der Heiligen der letzten Tage, den gesamten Bestand dieser Kirchenbücher des Kriegsarchivs digitalisiert habe und sie über FamilySearch gratis zur Verfügung stellen. Ich habe nach etwas Mühe diesen Eintrag gefunden und habe dann tatsächlich den 12. Mai als Geburtstag in Mainz gefunden. Geburtstag in Mainz gefunden. Das Nebeneinander von streng reglementierter Einsichtnahme in Akten und das gleichzeitige Open-Source-Angebot ist natürlich eines der nachhaltigen Erfahrungen für den leitgeprüften Erläuterer und Kommentator. Das war so ein besonderes Highlight noch. Kommentator. Das war so ein besonderes Highlight noch. Wir lassen jetzt das Detektivspielen sein. Ich sage nur Fußnote, man kommt auch auf Friedhöfe und bis zu den Heiligen der letzten Tage. Was einem nicht hilft, ist die KI bislang, aber darüber werden wir jetzt nicht weiterreden. Ich glaube, das Geheimnis, wie aus all diesen Informationen, aus diesen verschiedenen Dingen, Digitalisaten, Apparaten, diakritischen Zeichen, Textzeugen, Beschreibung, Erläuterungen, ein Band der historisch-kritischen Ausgabe wird, das bleibt das Geheimnis der Zentralredaktion. Das werden wir vielleicht ein anderes Mal lösen können, dieses Rätseln. Ich sage Ihnen noch, wenn es Sie interessiert, die Post wurde ab 1850 herum in Linz dreimal täglich zugestellt, dreimal täglich abgeholt und es gab auch schon Briefkästen. Und jetzt danke ich den Herren für den Einblick in die Werkstatt der HKG und wir schreiten zum letzten Akt des heutigen Abends. Gracias. Vielen Dank. Ich schätze, Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Zeit ist schon sehr fortgeschritten. Ich möchte Sie bitten, mir noch 15 Minuten Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Es scheint mir angebracht, am heutigen Stiftergedenktag Alfred Doppler nicht nur als Herausgeber der Stifterausgabe zu würdigen, sondern auch in Erinnerung zu rufen, welchen herausragenden Stellenwert er im Rahmen der Stifterforschung eingenommen hat. Im Stifterhandbuch, das 2017 erschienen ist, belegen die zahlreichen Einträge im Personenregister, wie präsent Alfred Doppler in der Stifterforschung gewesen ist. Dopplers Arbeiten über Stifter sind ganz wesentlich an der in den 1970er Jahren beginnenden Entwicklung neuer Zugänge zu seinem Werk beteiligt. Haftete Stifter lange Zeit das Image eines konservativen bisweilen reaktionären Biedermeier-Dichters an, so entdeckte man zunehmend die Spannungen und Brüche unter einer geordneten Oberfläche und brachte die Komplexität und Vielschichtigkeit seiner poetischen Verfahrensweise zum Vorschein. Damit hat die Literaturwissenschaft die Rezeption Stifters grundlegend verändert und neue Lektüre-Möglichkeiten seines Werks eröffnet. verändert und neue Lektüre-Möglichkeiten seines Werks eröffnet. Denn Simplifizierungen von Stifters Botschaften unter Berufung auf sein sanftes Gesetz setzt Doppler seine kritischen Analysen entgegen, in denen er die Spannungen und Gegenläufigkeiten in Stifters Texten sichtbar macht. Das gilt insbesondere für Zitat Stifters fragwürdige Analogie von Natur- und Sittengesetz, die Doppler unter dem Titel Schrecklich schöne Welt darlegt. Stifter versuche, das Sittengesetz, mit dem das Zusammenleben der Menschen geregelt werden soll, im Naturgesetz zu verankern. Gesetz zu verankern. Dabei relativiert er die zerstörerischen Kräfte beider Bereiche, indem er sie nur als einseitige Auswirkungen des allgemeinen lebenserhaltenden Gesetzes ansieht. Doch diese theoretische Analogie von Natur und Sittengesetz erweist sich in der Lebenswelt und in den Schicksalen seiner Figuren vielmehr als Antagonismus. Der Wunsch nach dem sanften Gesetz findet sowohl in der Gewalttätigkeit der Natur als auch in den Zwängen der gesellschaftlichen Moral einen mächtigen Gegenspieler. Und diese Zitat Gewaltherrschaft ist als dunkle Unterströmung in den stifterischen Texten anwesend und taucht deren Oberfläche in ein Zwielicht von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. Von daher erzeugen auch die Naturbeschreibungen, die als besonderes Charakteristikum von Stifters Oeuvre gelten, keine idyllischen Räume, sondern die Natur steht dem Menschen oft fremd und teilnahmslos gegenüber. Schon in seiner ersten Erzählung, der Condor, gibt es eine Fremdheitserfahrung, in der die Erde ihre Vertrautheit verliert und der Himmel sich in einen schwarzen Abgrund verwandelt. Nach Doppler bleibt der Abgrund, ein Motiv der Literatur, dem er sich schon in seiner Habilitationsschrift gewidmet hat, Zitat, eine beständige Erfahrung für Stifter. Und alle seine literarischen Modelle und Konstruktionen sind Versuche, dieses Abgrunderlebnis zu bestehen. Das Thema Natur ist, wie auch im Werk Stifters, eine Konstante in Dopplers Untersuchungen. Es geht um die verschiedenen Ausgestaltungen und Perspektivierungen der Natur bei Stifter, wie beispielsweise in seinem Aufsatz Naturbeschreibung als Menschendarstellung. Im Unterschied zur klassisch-romantischen Literatur wird die Natur bei Stifter nicht als symbolische Spiegelung des Inneren der Figuren eingesetzt, vielmehr geht es um die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur. In den Beschreibungen der Natur wird beispielsweise die Wechselwirkung von Lebensraum und Lebensform sichtbar. Die Figuren sind in ein Naturgeschehen eingebunden, das sich, Zitat, als spannungsreiches Gegenüber von Heil und Unheil, von gelassener Ruhe und plötzlich hereinbrechender Katastrophe erweist. Von daher erklärt sich die Bedeutung der kultivierenden Tätigkeit in vielen Erzählungen Stifters, insbesondere in seinem Roman Der Nachsommer als, Zitat, ein utopischer Versuch, die Welt, wie sie ist, in eine Welt zu verwandeln, wie sie sein könnte. Als besonderer Natur- und Landschaftsraum durchzieht das Bild des Waldes Stifters Werke. In seiner Untersuchung zum Waldmotiv bei Adalbert Stifter betont Doppler die biografische Prägung Stifters, von den Eindrücken seiner Kindheit und Jugend im Herkunftsraum des Böhmerwaldes bis zum wiederholten Aufsuchen von Waldgegenden in den Lackerhäusern am Fuße des Dreisesselbergs oder in Kirchschlag Berlins. In den Walddarstellungen seiner Erzählung erweist sich dieser Naturraum durchaus als ambivalent. Zitat, er kann zur gelassenen Selbstfindung des Menschen beitragen, er wird aber auch zum Zeichen für die Ausgesetztheit des Menschen gegenüber Naturkatastrophen, Leidenschaften und einem unbegreiflichen Schicksal, wie beispielsweise in der Erzählung Hochwald. Das Waldmotiv führt uns zu Stifters historischem Roman Vitico. Dieses Werk wurde von Doppler gemeinsam mit mir im Rahmen der historisch-kritischen Stifter-Ausgabe herausgegeben. Im Zuge dieser umfangreichen editorischen Tätigkeit haben editionsphilologische und interpretatorische Aspekte einander fruchtbringend ergänzt. So in Dopplers Aufsatz, der Organismus ist gegliedert und es fehlt nur die Textierung, ein Zitat von Stifter. Stifters poetische Verfahrensweise im Vitico. Darin zeigt er, wie sich Stifter im Zuge seiner exzessiven Revisionen und Korrekturen seines Textes an jene poetischen und stilistischen Prinzipien herangearbeitet hat, die den Roman letztlich auszeichnen und den unverwechselbaren Wittiko-Stil ausmachen. Hier lässt sich das poetische Verfahren der Wiederholung anschließen, das Doppler mit dem Waldmotiv verknüpft. Unter dem Titel Wittiko, der Wald und die Waldleute, das Stilprinzip der Wiederholung in Adalbert Stifters Wittiko, wird vorgeführt, wie Stifter dasprinzip der Wiederholung« in Adorbert Stifter's Vitico, wird vorgeführt, wie Stifter das Stilmittel der Wiederholung einsetzt. Die Wiederholung wird, Zitat, »aus dem stetigen, sich immer wieder erneuernden Wachstum des Waldes abgeleitet. Damit wird die lineare Zeit des Erzählablaufs in eine zyklische verwandelt. des Erzählablaufs in eine zyklische verwandelt. Die vielen auf der stilistischen Wiederhandlungsebene vorgenommenen, oft sich dem Absurden annähernden Wiederholungen erzeugen, Zitat, eine Langsamkeit, die sich querlegt zur fatalen Beschleunigung unseres Zeitalters, das sein Heil in der Geschwindigkeit und Flexibilität sieht und ein Höchstmaß von Schnelligkeit fordert. In dieser Entschleunigung liegt für Doppler die besondere Aktualität des Vitico und erweist sich darin eins mit Sten Nadolnis' Entdeckung der Langsamkeit und Peter Handkes' Langsam im Schatten. Alfred Doppler hat sich auch der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte Stifters gewidmet. In seiner Untersuchung der Nachrufe zu Stifters Tod macht er deutlich, welches Bild des Dichters seine Rezeption über Jahrzehnte geprägt hat. In den Nachrufen werden nämlich bereits jene Muster sichtbar, die für weite Strecken der Rezeptionsgeschichte Stifters charakteristisch geworden sind. Zum einen werden seine Werke, Zitat, als Trost für Zeiten der Unruhe, des Krieges, des Aufruhrs und der Hektik angepriesen. Zum anderen dienen die aus seinen Werken destillierten Reinheits- und Erbaulichkeitsformeln zur Charakterisierung eines christlichen Haus- und Familiendichters. zur Charakterisierung eines christlichen Haus- und Familiendichters. Die Neubewertung Stifters in den 1970er Jahren erfolgte auch durch die österreichische Gegenwartsliteratur. Unter anderem hat sich Thomas Bernhardt mit Stifter auseinandergesetzt und sich an ihm auf ambivalente Weise abgearbeitet. Es ist daher kein Zufall, dass sich in Bernhards Prosa Parallelen zu Stifters poetischer Verfahrensweise finden. Der Zusammenhang von Landschaft, Schicksal und Seelenvorgängen, wie er in Stifters Erzählung Kalkstein besonders ausgeprägt ist, wir haben im letzten Herbst bei der Jubiläumsfeier hier eine großartige Lesung aus dieser Erzählung durch den Schauspieler Gerhard Liebmann erlebt. Lesung aus dieser Erzählung durch den Schauspieler Gerhard Liebmann erlebt. Der Zusammenhang von Landschaft, Schicksal und Seelenvorgängen ist auch in Bernhards Roman Frost zu beobachten. Darin lebt der Maler Strauch, ein Stifterleser, zurückgezogen in der Enge eines Gebirgsdorfes, was seinem Lebens- und Weltverständnis entspricht. Person und Landschaft erscheinen wie bei Stifter als Einheit. Es werden aber auch Gegenläufigkeiten zwischen Stifter und Bernhard Sichtbar, denen Doppler unter dem Titel Wechselseitige Erhellung nachgeht. Sowohl in Bernhards Komödie Alte Meister als auch in seinem letzten Roman Auslöschung ein Zerfall, werden Bezüge zu Stifters Nachsommer erkennbar. So trägt Reger, die Hauptfigur in den Alten Meistern, Züge des Freiherrn von Riesach aus dem Nachsommer, allerdings in Form einer Umkehrung. Während in Riesachs Rosenhaus die Bewunderung der Alten Meister, so werden sie dort genannt, zu einem feierlichen Ritual geworden ist, bei dem Harmonie und Schönheit zum Lebensmaß werden, wird sie bei Bernhard zur Komödie im Kunsthistorischen Museum. Ihren Titel verdankt sie allerdings Stifter, eben alte Meister. Bernhards Auslöschung wiederum ist eine konkrete Negation des Nachsommers. Das reine Familienleben, das im Nachsommer begründet wird und in die Zukunft hinein dauern soll, endet bei Bernhard mit einer Abdankung der Familie Murau in einer groß angelegten theatralischen Totenfeier und wird so zu einer Konterkarierung der stifterischen Vorlage. Während Stifter eine gefährdete Idylle beschreibt, so zeigt Bernhard, was daraus geworden ist. Und dieser Prozess wirft seinerseits ein erhellendes Licht auf die Bruchlinien im Nachsommer, die sonst kaum wahrnehmbar wären, weil sie dort zugedeckt werden. Ich komme zum Schluss. Im Zuge der Vorbereitungen für die 11. Abteilung der historisch-kritischen Stifter-Ausgabe, die dem Briefwechsel Stifters gewidmet ist, hat Alfred Doppler in mehreren Untersuchungen eine Gesamtcharakteristik Stifters als Briefschreiber entworfen und damit ganz neue Perspektiven für die Kommentierung der Briefe eröffnet. Er zeigt verschiedene Rollen auf, davon war heute ja auch schon die Rede, er zeigt verschiedene Rollen auf, die Stifter als Briefschreiber einnimmt und die sich in einem breiten Gattungsspektrum der Briefe niederschlagen, von den Freundschaft- und Herzensbriefen wie an der Luise von Eichendorff bis hin zu den Geschäftsbriefen mit Heckenast. Dopplers langjährige Beschäftigung mit den Briefenstifters findet ihren Niederschlag in einer überblicksartigen Einführung in den Gesamtbriefwechsel, die den Bänden der 11. Abteilung der historisch-kritischen Ausgabe vorangestellt wird. So auch im Band 11.2 Briefestifters von 1849 bis 1853, der hier präsentiert wurde, womit sich der Kreis des heutigen Abends schließt. Ich danke Ihnen für Ihre Geduld. Vielen herzlichen Dank für die Vorträge, die großartige Lesung, fürs kurze Gespräch und vor allem für Ihre Aufmerksamkeit, für Ihr Kommen. Vielleicht interessiert Sie etwas zu Stifter. Der Büchertisch ist gefüllt, wenn auch nicht mit der historisch-kritischen Ausgabe. Die bestellen Sie bitte in der Buchhandlung und lassen sich dort über den Preis informieren. Wir laden Sie ein, das Literaturcafé ist geöffnet, vielleicht heben Sie noch ein Glas auf Stifter, der morgen seinen 158. Todestag hätte. Vielen herzlichen Dank, auf Wiedersehen. Applaus