Guten Tag, mein Name ist Julia Pöhringer. Ich darf Sie sehr herzlich zur ersten Sendung der Serie Perspektiven begrüßen, die wir 2026 haben. Bei mir zu Gast, und darauf bin ich sehr stolz, ist die Regisseurin Katharina Weingartner. Bei mir zu Gast, und darauf bin ich sehr stolz, ist die Regisseurin Katharina Weingartner. Wir werden über das Gemeinschaftsprojekt sprechen, das demnächst ins Kino kommt. Stoff, ein Spitzengeschäft, eine Doku, spannende Wirtschaftskrimi. Kinostart ist am 30. Jänner. Und Katharina, du hast gesagt, es gibt Premieren in Wels und Linz. Am 4. Februar zuerst in Wels und dann in Linz. Sehr gut. Bitte Tickets besorgen und unbedingt diesen Film anschauen. Jetzt möchte ich dich kurz vorstellen. Der Generation FM4 bist du natürlich bekannt als quasi Erfinderin von Tribe Vibes und Dope Beats, der ersten Hip-Hop-Sendung Österreichs. Aber dich begleitet nicht nur der Hip-Hop, sondern du bist Journalistin, Regisseurin, Autorin, Produzentin auch, Labelbegründerin, hast sehr lange in New York gelebt. Also Wahnsinn, was deine Bandbreite ist. Aber möchtest du es dem Publikum kurz erzählen, weil ich finde deinen Werdegang so spannend, dass du quasi mehr oder weniger direkt vom Radio zum Film gekommen bist, was ein unüblicher Weg ist, oder? Ja, also gelernt habe ich das alles nicht, außer Schlagzeug spielen in der Schule noch. Also ich komme eigentlich aus der Musik, würde ich sagen. Aber ich finde, dass Filme machen schon auch ein sehr musikalisches Werk, also Handwerk ist. Da geht es sehr viel um Rhythmus. Und deswegen ist der Weg für mich gar nicht so unlogisch. Und beim Radiomachen finde ich, kann man Geschichten erzählen so lernen wie eigentlich nirgendwo sonst, weil man ja immer ohne Bild arbeitet. Und das heißt, man wird sehr genau. Und ja, von dem her ist das alles recht logisch. Stoff, ein Spitzengeschäft. Jetzt erzählen wir kurz, erzähl du kurz, schaffst du das kurz zusammen zu machen, um was es in diesem Film geht? Also erst einmal ist es kein gewöhnlicher Film, weil es ist eine Arbeit von vier Regisseurinnen und es ist eine Arbeit, die über fünf Jahre entstanden ist. Also ein sehr bruttloses Geschäft, würde ich jetzt mal sagen. Aber wir haben, Annette und ich, Annette Baldorf, die Vorarlberger Kurregisseurin, wir sind beide aus Vorarlberg, und ich, wir haben uns in Dakar, bei der Art Dakar gefragt, am Textilmarkt, wieso da immer noch so viele Vorarlberger Firmen präsent sind, weil wir gedacht hatten, das ist alles schon längst nach China gegangen, das Geschäft. Nachdem wir beide aus Vorarlberg kommen, aber uns immer mit Themen aus der großen, weiten Welt beschäftigt haben, aber nie vor der eigenen Haustüre gekehrt haben, weil das ist im White Innocence Diskurs eine wichtige Aufgabe. Da haben wir uns gedacht, erstellen wir uns jetzt. Und haben nicht gewusst, was da auf uns zukommt. Und da haben wir dann bald beschlossen, wenn wir uns die Textilgeschichte in Vorarlberg anschauen sollten, wir mit Kolleginnen aus Westafrika zusammenarbeiten, haben uns für Nigeria entschieden und dort mit zwei nigerianischen Regisseurinnen das Projekt dann begonnen. Zuerst war es übrigens ein Radiofeature von WDR. Das haben wir mit einer Autorin und Künstlerin aus Lagos, Jumoke Sanbo, gemacht. Dann war es ein Film und jetzt ist es auch noch ein Forschungsprojekt und ein Kunstprojekt. Also es ist eine jahrelange Auseinandersetzung, die wissenschaftlich, künstlerisch quasi ihre Ausformungen gefunden hat. Das ist eigentlich ideal, oder? Ja, es ist nur… Viel Arbeit. Ernette ist unterrichtet, sie ist Professorin auch noch auf der Bildenden. Es war uns im Grunde jetzt schon eigentlich so wichtig, das Thema ist und so toll es ist, dass wir diesen Anstoß geben können, ohne die entsprechende Infrastruktur. Es ist fast unmöglich für zwei Personen, das zu stemmen. Also das war schon jetzt... Das heißt, das ist, ich kann mich erinnern, du hast mir erzählt, das ist natürlich, ihr denkt ja schon lange darüber nach, wie man Dokus macht und was es dabei auch zu beachten gilt. Ich habe diesen schönen Text, den ihr geschrieben habt, nach einer Podiumsdiskussion, oder eine verschriftlichte Podiumsdiskussion ist das ja eigentlich. Dass jede, dass die Aufgabe des Dokumentarfilms auch ist, Selbstreflexion und politische Verantwortung zu übernehmen und auch Hierarchien und Differenzen sichtbar zu machen. Der ist ja Text, den habe ich wirklich als bahnbrechend empfunden, weil er auch sehr kritisiert, wie dieses dann doch sehr männlich geprägte Dokumentarfilmwesen in Österreich halt auch wieder ins Ausland fährt, dort die Leute filmt, man nimmt das wieder zurück, diese Bilder, dann geht das Bildungsbürgertum ins Kino, findet die Leute arm. Leiden. And that was that, mehr oder weniger. Genau, Mitleid, aber auch keine politische Agency zu geben den Leuten. Also über die Leute sprechen, nicht mit den Leuten sprechen. Jetzt war euch merklich ganz wichtig, das anders zu machen. Und wie war da der Prozess, das anders zu machen? Ja, also das war schon sehr lange uns klar, dass es so nicht geht. Und ich war ja auch Teil dieser Art des Filmemachens, also mit meinem letzten Film durchaus. Bin auch auf sehr viele Konflikte gestoßen und finde diese Arbeit im Nachhinein auch sehr problematisch. Aber immerhin war es mir irgendwie bewusst und hat auch was ausgelöst. Und es war auch ein Grund, warum ich Produzentin werden wollte, weil es gibt keine Produktionsfirma in Österreich auf keinen Fall, aber vielleicht auch nicht einmal in Mitteleuropa, die dieses dekoloniale Filme machen, sich auf die Fahnen geschrieben hat. Und was aber schwierig ist, ist es, um die Fördergelder zu machen, die es hier gibt, für sowas. Also es ist ganz einfach, mein Team zu packen und fünf Fernreisen auf alle Kontinenten zu buchen und dort mit meinem weißen Team, sei es auch ein Frauenteam, die Menschen dort abzulichten. Was nicht funktioniert, ist, diese Bilder den Menschen dort auch dann zur Verfügung zu stellen. Und das finde ich sehr, sehr problematisch. Darum haben wir auch bei meinem letzten Film schon dann wirklich alles drangesetzt, dass wir diesen Film auch in Kenia oder in Ostafrika zeigen können und haben auch eine ziemlich erfolgreiche Impact-Kampagne gestartet, die bis heute anhält. Aber bei dem Film wollten wir es ganz anders machen. Wir waren einmal in Lagos für das Radiofeature von WDR. Das kann man übrigens immer noch nachhören. Das heißt Spitzengeschäfte. Auf der WDR-Webseite findet man das. Es ist ein zweistündiges Radiofeature, wo sehr viel Recherchearbeit reingeflossen ist. Und beim Film haben wir dann quasi neu angefangen und die Annette hat ein Drehbuch geschrieben, zuerst zusammen mit Jumoke und dann mit Joanna, das wirklich die zwei Teile unabhängig voneinander erzählt. Und es ging wirklich darum, in Nigeria wurde eine ganz eigene Geschichte um eine Protagonistin entwickelt, also in Vorarlberg. Und unsere Diskussionen, die wirklich jahrelang gedauert haben, wo die Annette und ich auch sehr viel gelernt haben, gingen darum, dass wir diese Vorstellung hatten, okay, wir erzählen jetzt gemeinsam über Kolonialismus. wir erzählen jetzt gemeinsam über Kolonialismus und unsere Kolleginnen in Nigeria haben gesagt, das ist euer Problem, das ist uns wurscht, das interessiert uns nicht. Bei uns geht es um Female Empowerment. Wir schauen uns diese tollen Ladies an, was die kreiert haben. Diese Marktfrauen, die quasi Influencerinnen waren und einen ganz unglaublichen Modetrend mit ganz viel Einkommen für das arme kleine österreichische Dorf Lustenau, also was die geschaffen haben und was diese Frauen vor allem auch im Vergleich zu den österreichischen Frauen aus der Zeit, 60er, 70er Jahre für Positionen in ihrer Gesellschaft gehabt haben, das war das Hauptthema und das war sehr interessant für uns, diese Erfahrung, wie wir da auf Granit gestoßen sind. Sklaverei, Kolonialismus, das geht uns bis daher. Jetzt seid ihr euch damit auseinander. Es ist ja auch total vernünftig, das dann dort zu lassen, wo es herkommt und was zu lösen ist. Nur um kurz diesen inhaltlichen Sack noch zuzumachen. Es geht wirklich direkt um die Geschäftsbeziehungen zwischen Vorarlberg und Lagos, wo ein Jumbo-Jet voller Spitzen pro Woche in den 80ern quasi hingeflogen worden ist und das damit verdiente Geld schwarz in Kofferweise wieder auf Umwege seinen Weg nach Österreich fand. auf Umwege seinen Weg nach Österreich fand. Und gleichzeitig kriegen wir eben auch einen total interessanten Blick auf diese Modeszene dort. Also wenn man merkt, wie blöd man selber ist, man denkt sich immer so, ja, weiß ich nicht, Mailand und Paris und dann sieht man, was dort abgeht und denkt sich so, Wahnsinn. Ich finde mir sehr aufgeend, dass meine eigene Überheblichkeit erstmal in diesem Film sehr klar geworden ist. Und es gibt eine ganz, ganz tolle Szene, wo die zwei Töchter von dieser sehr wichtigen Protagonistin, die quasi auch große Teile von diesen Spitzen importiert hat, dann in Vorarlberg zu Besuch sind und sagen, ja da, wie unsere Mutter quasi schon diesen Markt geleitet hat und einfach ganz vielen Frauen Jobs gegeben hat, waren die Frauen daheim und der Mann hat das Geld verdient. Und ich habe mir gedacht, das ist der erste Film, den ich gesehen habe, der aus so einer Perspektive über Österreich spricht. Und davon braucht man eigentlich noch viel, viel mehr, oder? Ja, um uns ein bisschen den Kopf zurechtzuhalten. Ein ganz lustiges Detail, das kommt im Film gar nicht vor, aber das fällt mir gerade ein. Sie hat erzählt, dass ihre Mutter, ihre T, die Protagonistin, hat erzählt, ihre schon verstorbene Mutter, wenn die mit ihren anderen Kolleginnen da nach Lustinau gekommen ist, haben sie am Wochenende einen Flug nach London gebucht, weil sie das Wochenende in Vorarlberg nicht so, sie haben einfach nicht verstanden, wie man in dieser Langeweile existieren kann und sie nach London gegangen Party machen. Sehr gut, total nachvollziehbar. Ja, auch weil man, also auch das Finanzielle, weil man dann sieht, man denkt, lauter arme Leute, also es ist irgendwie, es ist wirklich jedes Vorurteil, das man irgendwie hat, in der eigenen Blödheit oder vor allem Uninformiertheit. Ich habe das, wie gesagt, ein ganz toller Film, aus vielerlei Gründen, aber das war einer davon, wo ich mir gedacht habe, das braucht es wirklich viel öfter. Jetzt fängt es an mit dieser Geschäftsbeziehung, dann sehen wir diese wirklich ja auch irgendwie florierende, blühende auch Modeszene, auch mit Influencerinnen und Influencern und super spannend. Und dann, also je weiter zurück die Geschichte geht, desto ärger wird es dann ja eigentlich. Ja, da sind wir einige... Das war in der Recherche auch so, also man hat quasi irgendwie... Ja, wir hatten also überhaupt keine Ahnung, beziehungsweise glaube ich Schallklappen an, weil wir uns für diese Themen ja, wir haben lange in New York gelebt, beide dort und wir haben uns immer für alle diese Themen interessiert, zurück auch in die Geschichte und in Vorarlberg eigentlich gar nicht und haben dann angefangen auch mit, es gibt einen sehr guten Historiker dort, Meinrad Pichler, der sich schon damit beschäftigt hat. Der hat uns dann auf eine Familiengeschichte gestoßen und da haben wir dann weiter gegraben. Und auch die Geschichte dieser Familie in Savannah, Georgia als Baumwollimporteure dort recherchiert. Und sind dann über einen Textilhistoriker in Deutschland auf die Leinengeschichte gekommen. Also das Ganze geht noch weiter zurück. Die Baumwolle und Kolonialismus ist ja ziemlich bearbeitet. Aber dass es schon viel früher Leinenproduktionen in Österreich gegeben hat, die als Tauschmittel für Versklavte nach Westafrika gegangen ist, das war für uns ganz neu. Und ich glaube auch, also das hat in Österreich noch nie irgendjemand, weder in der Wissenschaft oder sonst irgendwie gefunden oder besprochen. Österreich tut sich immer so abputzen, weil es durch die geografische Lage mit Kolonialgeschichte nichts zu tun hat und selber quasi keine Kolonien gehabt. Und dann merkt man, dass das halt wirklich direkt profitiert hat von der Arbeit versklavter Menschen. Nämlich nicht um sieben Ecken, sondern einfach direktissima, oder? Ja, also die sehr erfolgreiche Vorarlberger Industrie basiert ziemlich vollständig auf dem Baumwollanbau in den Plantagen der amerikanischen Südstaaten. Und es waren auch Vorarlberger Familien direkt beteiligt an dem Geschäft in den USA. Also der eine Neffe des Begründers der ersten Textilfabrik in Vorarlberg oder der ersten Textilfabrik Österreichs, der war der erfolgreichste oder der größte Baumwollhändler von ganz Georgia und auch selber Besitzer von versklavten Menschen und auch Sklavenhändler. Menschen und auch Sklavenhändler. Und das war für uns, ich meine, es sollte eigentlich überhaupt keine Überraschung sein. Es ist nur in Österreich sehr gut gelungen, uns allen Frau zu machen. Ich kann mich erinnern an dieses Gefühl als Jugendliche, zumindest damit haben wir nichts zu tun. Da kann ich mich ganz gut erinnern, dass ich mir gedacht habe, zweiter Weltkrieg, dass ich mir gedacht habe, zweiter Weltkrieg, Work on Board, ja, darf nicht. Genau, ganz genau. Und dann so lange da nicht zu überlegen, wo kommt eigentlich unser ganzes Geld her, was tut das, das ist da nicht. Mir ist sehr aufgefallen, dass wir selber da keine kritischen Fragen gestellt haben, wo wir doch alle sonst kritisch hinterfragen. Mir ist auch auffallend, dass das nichts war, worüber man in der Schule gelernt hat. Also man hat schon über die versklavten Menschen in den Südstaaten gehört, aber alles war weit weg. Ich war weit über 30, wie ich den berühmten Viktor-Adler-Text über die Ziegelböhmen gelesen habe, der auch schon über 100 Jahre alt ist. einen Viktor-Adler-Text über die Ziegelböhmen gelesen habe, der auch schon über 100 Jahre alt ist, und mir gedacht habe, naja, das ist aber sehr ähnlich, das System, wie soll man das in der Schule nicht gelernt? Naja, wir haben immer gedacht, die bösen Briten, die bösen Portugiesen, die bösen Spanier und so weiter, aber wir glücklicherweise nicht. Ihr macht ja in dem Film etwas, was total toll ist. Jetzt befasst sich diese Doku doch an einer, wie soll man sagen, sehr großen Bandbreite an Beziehungen in vielerlei Hinsicht. Also geografischen Beziehungen, Machtverhältnissen. Und ich kann mich noch gut erinnern, wie du mir gesagt hast, ihr werdet das einfach, um das darzustellen, werdet ihr das ganz anders darstellen und welche Methode, und ich muss gestehen, bevor ich den Film gesehen habe, nicht viel darunter vorstellen kann. Und wie habt ihr diese Beziehungen sichtbar machen können und diese Abhängigkeitsverhältnisse? Weil ihr macht so etwas, was ich noch in gar keinem Dokumentarfilm jemals gesehen habe. Ja, also wir wollten auf keinen Fall diese Gewalt und den Rassismus reproduzieren, was ganz sicher passiert wäre, wenn wir einen konventionellen Weg gewählt hätten, also Interviews mit Beteiligten und so weiter, also so eine Talking-Heads-Doku. Diese Gefahr, das hat uns auch überhaupt nicht interessiert. Auch so irgendwie, wie das auch leider im österreichischen Dokumentarfilm oft gemacht wird, hier die Schuldigen hinter dem Ofen hervorzuholen und an den Pranger zu stellen und alle anderen sind dann die Guten. Also wir haben sehr gut verstanden, dass wir Teil dieses Systems sind. Wir wären nicht da quasi ohne Angst nach New York ausgewandert. ohne Angst nach New York ausgewandert. Also wir haben gewusst, im Notfall können wir ins Vorarlberger Landeskrankenhaus nach Melkirch geairliftet werden und so weiter. Also diese europäischen Sicherheiten, diese Privilegien, die wir da genießen, die waren uns sehr bewusst. Und die kommen ganz direkt aus der Arbeit der Versklavten, aus den Baumwollplantagen. Und das war uns ein Anliegen, dass wir uns das System anschauen, wo wir auch profitieren. Und wir haben ein Jahr lang überlegt, wir haben überlegt mit Theater und mit allen möglichen Methoden. Und eine Freundin, die Katharina Taschner, eine ganz tolle Künstlerin, hat uns dann auf das aufmerksam gemacht. Und das war, ich glaube, in zehn Minuten war die Sache klar. Es klang einfach so nach genau dem, was wir die ganze Zeit gesucht haben. Und ich muss dazu sagen, die Annette und ich hatten keine Ahnung, was das eigentlich ist. Also wir kannten Aufstellungen, Familienaufstellungen und so weiter. was das eigentlich ist. Also wir kannten Aufstellungen, Familienaufstellungen und so weiter. Aber dass das auch auf politische Systeme angewendet wird und dass das auch eine Erfindung aus dem Umfeld von Freude ist und so weiter, das wussten wir nicht. Das hat ein Schüler von Freude eigentlich erfunden. Und das nennt sich Sozialdrama? Soziodrama. Soziodrama, Entschuldigung. Es gibt Psychodrama, es gibt Soziodrama, Soziodrama. Beschäftigt sich mit politischen sozialen Systemen. Also es ist ein bisschen ähnlich wie die Familienaufstellung, aber geht eben nicht um das Private, das Individuelle, sondern um das System. Und das hat uns interessiert. Und dann haben wir zwei ganz tolle SoziodramatikerInnen in Wien gefunden, die diesen Weg mit uns gegangen sind. Und die Aufnahmen für den Film waren dann eigentlich, also das Soziodrama in Vorarlberg war in einer ehemaligen Stickerei-Halle. Und das hat nur drei Tage gedauert. Aber das wirkt sehr intensiv, oder? Wie war das? Also im Film ist ja nicht viel davon übrig geblieben, aber diese Ausschnitte. Es ist ja nicht viel davon übrig geblieben, aber diese Ausschnitte sind sehr... Also ich glaube, zehn Minuten, nachdem wir die Kamera eingeschaltet haben und das erste Soziotrauma gemacht haben, ist dem ganzen Team die Tränen runtergeronnen. Es war so intensiv sofort. Da ging es um Gastarbeit und die Beteiligung von GastarbeiterInnen an der Textilindustrie in Vorarlberg. Das finde ich auch total interessant, wie quasi so ein Machtsystem sofort weitere Machtsysteme zeitigt, oder? Das zeigt diese Doku ja extrem gut. Also ihr macht quasi eigentlich nur ein kleines Fass auf und plötzlich geht es überall. Also die Geschenke, die die türkischen GastarbeiterInnen dann am Ende des Urlaubs mitbringen müssen, für die VorarbeiterInnen am besten aus Gold, damit sie ihren Job behalten können. Und auch das von dieser Industrie, nicht ganz das ganze Bundesland, aber wirklich, das hat ja viele Familien erhalten, oder? Nein, es hat das ganze Land zu Wohlstand gebracht. Was nicht heißt, dass es nicht jetzt auch noch arme Menschen in Vorarlberg gibt, aber trotzdem im Großen und Ganzen ist es, ich glaube, das Silicon Valley von Österreich und die Wucht, mit der das aus der einen Soziotra... der Tochter einer Textilarbeiterin aus der Türkei, wie das aus ihr herausgebrochen ist, das hat sie selber völlig überrascht. Sie ist eigentlich Krankenhausmanagerin und ist eigentlich ein sehr Manager-Typ. Aber das war so instant, war der Schmerz da. Und ich habe zur Kamera vorher gesagt, abdrehen, abdrehen. Ich habe mir gedacht, sowas Intimes kann man doch nicht filmen. Ich habe ihr gesagt, abdrehen. Gott sei Dank hat sie sich dann meiner Regieanweisung widersetzt und hat voll drauf gehalten. Und wir haben die Szene dann derjenigen gezeigt und sie hat gesagt, sie findet es sehr gut, wenn das an die Öffentlichkeit kommt. Weil es drückt so viel Schmerz aus, so viel Unterdrückung und Brutalität und Gewalt, die da in den Fabriken, wirklich an den GastarbeiterInnen aus der Türkei. Das waren die Ersten in Österreich, waren in Vorarlberg in der Textilindustrie. Wir waren da die Vorreiter. Ja, toll. Aber wie gesagt, es brechen diese Dinge auf, die halt oft in Dokus dann auch irgendwie unbenannt bleiben, weil man plötzlich, ihr habt so einen Weg gefunden, auch quasi inhaltlich und auch künstlerisch mit Gefühlen umzugehen, was ja, glaube ich, das Allerschwierigste ist bei solchen Stoffen dann noch dazu. Und plötzlich kann man das bebildern, weil Dinge aufbrechen und aus Leuten herausbrechen. Also ich habe das sehr beeindruckend gefunden und einfach ein ideales Werkzeug eigentlich. Natürlich ist es irgendwie, man muss halt das mit Umsicht einsetzen, weil es ist nicht wurscht, was dann passiert und es können Dinge passieren und man muss sich dann auch dadurch begleiten und kann sich einfach sitzen lassen in ihrem Schmerz oder was auch immer. Es bricht ja auch Wut auf oder so. Absolut, ja. Man merkt auch, wer gern manche Gespräche beenden wird. So, jetzt haben wir schon genug geredet über Ausbeutung, jetzt reden wir mal über was anderes. Wo dann auch klar wird, das ist eine klassische genervte, weiße Perspektive, die ich nie, also die dann auch noch Stopp sagen kann. Genau, also diese ganze Bandbreite spielt sich dann in diesem Raum ab, in dem Circle, wie das in Nigeria bei der Premiere beim African International Film Festival waren sehr viele junge Leute, die haben sehr viel gefragt und die haben das immer das Circle genannt. Und dann habe ich mir gesagt, wir wollen auch einen Circle, wir wollen unsere Geschichte auch so bearbeiten. Die fanden das auch ganz toll, wie wir damit umgegangen sind. Aber was noch interessant ist, ist, dass diese Gruppe nach drei Tagen so zusammengeschweißt war. Auch die, die gesagt haben, stopp, das reicht uns jetzt, das ist anstrengend. Also die sind dann zu mir gekommen und wollten weitermachen. Und wir haben dann lustigerweise eine kleine Unterstützung von der Stadt Feldkirch bekommen, wo sehr viel von dem, also die erste Textilfabrik in Österreich war in meiner Heimatstadt, in Feldkirch. Und haben es dann tatsächlich geschafft, ein FWF-Projekt hat Janette dann an Land gezogen. Und wir arbeiten jetzt weiter soziodramatisch seit fast einem Jahr in Vorarlberg zu diesen Themen. Und das ist unglaublich, was da weitergeht. Also irgendwie Geschichtsumschreibung würde ich es nennen. Es ist ein kleiner Kreis, aber dadurch, dass man die Geschichte dort erlebt und auch so wirklich was mit den Emotionen verbindet, was spürt, glaube ich, dass etwas bewegt wird. Also wenn das aus dem Kreis dann weitergegeben wird, was hier für Verbindungen, emotionale Verbindungen stattfinden können, auch transgenerational, glaube ich, dann glaube ich, dass etwas angestoßen werden kann. Total, man merkt auch diesen Druck, den das ausübt, aber auch wegnimmt. Es ist ein total interessantes Spiel, aber es ist auch ganz unesoterisch. Also es ist jetzt nicht irgendein... Ja, da waren wir uns nämlich nicht ganz sicher am Anfang. Ja, aber ich weiß noch, wie du mir das erzählst. Ich dachte so, was macht sie da? Aber es macht total Sinn und man hat echt den Eindruck, auch zum Verdeutlichen von Konflikten ist es ein super Werkzeug, auch von Konflikten, wo man noch gar nicht weiß, wie sie ausschauen. Also um zu merken, wo Zusammenhänge sind. Aber man muss mutig sein, man muss sich auf das einlassen und man muss es begleiten. Also es ist, glaube ich, nichts, was man zum Vergnügen mal kurz ausprobieren kann, weil da passiert einfach zu viel. Aber ich habe auch sehr toll gefunden, die eine deiner Protagonisten, das ist ja Greta Bösch, die quasi selber diese Spitzen verkauft hat und sie gesagt hat, sie ist eigentlich, hat sie nicht Spitzen verkauft, sondern was schwarz-gelb. Geldschmugglerin. Geldschmugglerin war sie eigentlich. Ja. Aber die auch schon mit einer Distanz zu sich selbst sich zuschaut, was sie da getan hat und das ist ja auch sehr klar. Das ist auch sehr angenehm und toll gefunden, bei dieser Perspektive auch auf das, wovon man Teil war, zu betrachten, weil die Gelegenheit hat man ja auch gar nicht so oft, oder? Ja, ich fand das erstens ganz toll, dass einmal eine Frau in dem Alter so eine Rolle spielt. Und das macht sie ja ganz toll. Und wie mutig sie sich dem öffentlichen Diskurs dort entgegenstellt, weil in Vorarlberg wird über das eigentlich nur geschwiegen. Gerade jetzt wieder gab es zwei Jubelgeschichten in der VN und in einer Feldkirche Stadtzeitung über die Familie Garnal und was sie nicht alles für Vorarlberg getan haben. Also sie hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben und dann eben jetzt im Film sich in ihrem Alter noch da so zu positionieren, ist in einem Land wie Vorarlberg wirklich mutig. Und da sind wir auch sehr dankbar, dass sie das gemacht hat. Aber was ich noch zum Soziodrama sagen wollte, das habe ich jetzt schon wieder vergessen, was wollte ich sagen? Kommt wieder. Ja, also dass wir das nach wie vor jetzt, wir treffen uns fast alle sechs Wochen und arbeiten weiter. Und das ist unglaublich, was da alles rauskommt. Ah ja, genau das wollte ich sagen. Ich war so angefixt nach den drei Tagen, dass ich zum Soziodrama-Weltkongress gefahren bin mit meiner Nichte, die eine Psychotherapieausbildung macht. In Budapest war das ausgerechnet. Da haben sich Menschen aus der ganzen Welt getroffen. Also weit über tausend. Es ist eine riesige Bewegung. Und ich habe dann selber an so emotionalen, soziodramatischen Aufstellungen teilgenommen. Teilweise zum Ukraine-Russland-Krieg, zur Situation in Israel, Gaza. Ukraine-Russland-Krieg, zur Situation in Israel, Gaza. Das war so heftig. Und ja, ich finde das eine ganz starke Methode für einen Film, für einen Dokumentarfilm. Ich glaube auch, dass man hört hin und wieder jetzt etwas, was in die Richtung gemacht wird. Und es werden ja auch ganz viele Drehbücher aufgestellt. Um zu schauen, wie es funktioniert, oder? Ja, es macht Sinn. Also unser nächster Film, eben über ein oberösterreichisches Thema, da machen wir eine Drehbuchaufstellung mit der Sozio-Dramatikerin. Was wird das werden? Erzähl mal. Stärker als die Angst, ein Film über die Anna Hackl, die inzwischen 94-Jährige, die als 14-Jährige mit ihrer Mutter zwei Häftlinge, die aus Mauthausen geflohen sind, versteckt hat. Ein Film von der Elke Groen, den ich als Produzentin begleiten darf. Und da ist es auch alles sehr kompliziert, das transgenerationale Trauma auch. Und die LG ist auch auf der Suche nach den ukrainischen Nachkommen, die jetzt im Krieg, mitten im Krieg stecken. Und das alles dann mit Kameras zu begleiten, braucht sehr viel Umsicht. Ja, es widerspricht doch auch irgendwie, das ist eines meiner Lieblingsthemen immer im Gespräch mit der Katrin Rassataritz, dieses wir bauen Filme immer um die Heldenreise und nichts, was interessant ist oder wo es um Widerstand geht oder wo es um Gruppen geht, lasst sie jemals mit dieser blöden Struktur der Heldenreise, die wir aber so internalisiert haben, erzählen. Das heißt, man muss eigentlich, wenn man andere Geschichten erzählt, das allein reicht inhaltlich nicht. Man muss ganz neue Formate und Formen dafür erfinden. Und ich finde auch in eurer Doku sieht man das so schön. Diese Geschichten hören nicht an einem bestimmten Punkt auf und sind dann fertig erzählt und das war's. Sie wirken bis heute auf ganz vielen Ebenen nach und dann muss man eben beim Erzählen, also ich denke mal, es ist ein langer Prozess, bis man dann sowas findet oder viel schwieriger, als zu sagen, da geht es um diese eine Person, die gegen sieben Widerstände... Ja, es ist auf eine Art ein therapeutischer Prozess und es muss auch so begleitet werden eigentlich. Und man muss sich sehr bewusst sein, was man da eigentlich auch auslöst, wenn man Menschen vor die Kamera holt und so weiter. Vor allem, wenn die Machtgefälle so unklar sind, also eigentlich klar sind, wie zwischen Nord und Süd. Ich glaube, ich tue mir echt schwer mit diesem ganzen Kanon an Dokumentarfilmen jetzt im Nachhinein, auch mit denen ich mein Leben verbracht habe, die ich eigentlich bewundert habe und so weiter. Gerade wenn sie so von weißer, männlicher Autorenschaft sind und so Helden diese Filme unter Lebensgefahr oder was auch immer produziert haben. Karl May auf Doku. Ja, es ist bis heute, glaube ich, die dominante Dokumentarfilmerzählung in Mitteleuropa. Und ich finde das sehr problematisch. Ich finde es eigentlich nicht so. Es ist auch oft, ich finde es auch immer, aber ich habe auch lange gebraucht, um das zu lernen, es ist auch oft die europäische Perspektive extrem uninteressant auf Dinge. Und halt auch total verlogen oder steht sie selber im Weg. Also das, was man selber voraussetzt von sich oder vom eigenen Land oder von der Herkunft, ist ja auch oft ein Missverständnis. Naja, aber vor allem auch, was ich lang praktiziert habe, dann in diese Länder zu gehen und so zu tun, also ob man dann die andere Perspektive einnehmen könnte, da macht man sich ja was vor. Das funktioniert ja nicht. Und das ist das, was glaube ich, wir jetzt langsam anerkennen sollten. Aber das heißt, was dann auch fehlt, ist ein Filmfördersystem, das kollaborative Prozesse zulässt. Tell me all about it. Aber ich muss sagen, dass ich da in der österreichischen Filmförderung, also ich habe auch schon mit einem deutschen Produzenten zusammengearbeitet, mit einem großen deutschen Produzenten, wo da so gar nichts an Bildung da war, in diese Richtung. Kolonialismus, also alle diese Dinge, nada. Der leider für alle seine Projekte immer alles Geld gekriegt hat, was er wollte. Aber in Österreich gibt es zumindest, also in der Wiener Filmförderung und in der österreichischen Filmförderung gibt es schon Diskussionen dazu in den letzten Jahren. Und da habe ich nicht das Gefühl, dass ich auf taube Ohren stoße. Es gibt auch in Bezug auf, wer in Österreich Filme macht, inzwischen zumindest Diskussionen. Ja, ich finde, es hat sich in den letzten Jahren tatsächlich merklich was verändert. Also zumindest vom Diskurs her kommt mir vor, auch von den Dingen, die entstehen. Aber trotzdem, manchmal habe ich wieder das Gefühl, wir leben unter einem Stein. Also beides gleichzeitig ist wahr wahrscheinlich. Ja, also ich weiß glaube ich nicht mehr Leben, aber ich kämpfe schon sehr lange dafür, dass hier neue, dass hier Diskussionen angestoßen werden und dass man sich schon überlegt, wer mit welchem Equipment ausgestattet, sprich mit den Geldern, die wir uns durch koloniale Beteiligung erwirtschaftet haben, in diese Länder gehen, die wir ausgebeutet haben, wo wir das alles extrahieren. Aber diese Bewegung gibt es zum Beispiel in afrikanischen Ländern sehr stark. Ich war mit dem letzten Film beim Fespako Film Festival. Das ist das wichtigste, alle zwei Jahre stattfindete Film Festival in Obertogo in Burkina Faso. Und dort gab es einen zweitägigen Workshop zu dem Thema. Wir spielen da nicht mehr mit, wir machen jetzt unser eigenes Ding und so weiter. Wo kriegen wir das Geld her? Da sind die untereinander organisiert. Es gibt zwischen Kenia, Südafrika, Nigeria, Kamerun, Burkina Faso, einige Länder mit großer Film-Tradition. Senegal gibt es sehr interessante Decolonial Filmmaking, nennen sie das teilweise. Also auch, dass man in diesen Ländern versteht, dass man sich diesen weißen Kamerablick nicht mehr einfach hingeben muss, dass man auch nicht unbedingt kooperieren muss, wenn die Bedingungen nicht stimmen und eine eigene Filmindustrie hat, schon länger. Nigeria, ich meine Nollywood. Können wir eh alle einpacken daneben. Also das sagt auch die Chioma, unsere Co-Regisseurin Chioma Onyenwe, ist auch Produzentin in Lagos. Die hat das im Gegensatz zu mir richtig gelernt. Die war auch meine Mentorin, weil ich war bei dem Film jetzt das erste Mal allein verantwortliche Produzentin und war im Mentorinnenprogramm und habe mir als Mentorinnenprogramm und habe mir als Mentorin Chioma ausgesucht in Lagos, was sehr ungewöhnlich war natürlich, weil erstens ist sie viel jünger als ich, aber sie kommt eben aus Nigeria und das war schon eine interessante Konstellation, aber sie kann produzieren. Im Gegensatz zu mir, ich tue ja nur so, wie ich könnte. Und habe viel von ihr gelernt. Und das ist auch so eine Arroganz von uns. Also die erste Co-Produzentin, die ich an Bord hatte, eine ganz tolle Nollywood-Filmproduzentin, eine feministische, die hat dann nach einem Jahr gesagt, Leute, so ein Zeitaufwand für das Geld, das kann ich mir nicht leisten. Eine Juristin, die hat leider das Projekt verlassen, obwohl sie inhaltlich sehr viel beigetragen hat. Und auch wirklich eine tolle Dramaturgin und Businessfrau. Und ich habe mir gedacht, das ist noch ein breiter Weg, bis wir solche... Ja, das ist aber auch, also Produzentinnen haben wir ja leider nicht viel in Österreich. Das, glaube ich, merkt man auch der Dokumentarfilmwelt halt schon immer an, oder? Ja, also ich habe das immer so ein bisschen erlebt, also ich kenne viele Frauen aus der österreichischen Filmbranche, die aus der Notproduzentin geworden sind. Nicht, weil sie Produzentin sein wollten, sondern weil sie niemanden gefunden haben, der ihre Filme produziert. Und ich weiß nicht, ob die Allegorie stimmt. Aber es kommt mir so vor wie quasi die Mehrfachbelastung, die die Frau sowieso schon hat, weil sie dann auch noch die Kinder großziehen muss. Beim Filmemachen ist es quasi, dass man nur quasi den kreativen Input liefert und sich den Film ausdenkt, sondern in Wahrheit muss man selber nur organisieren, finanziert kriegen und vielleicht noch nebenbei Kinder großziehen. Und so erlebe ich das bei wirklich sehr vielen Regisseurinnen aus Österreich. Und da fehlt dann merkliche Infrastruktur. Absolut. Also ich mache das auch nur deswegen, habe aber auch noch drei Kinder nebenbei und meine Mutter zu pflegen und irgendwie ist es schon ein ganz schöner Spagat. Also ich würde mich sehr gern auf die kreativen Prozesse konzentrieren. Aber mit seiner uralten Produzentin, das sind auch unterschiedliche Berufe. Man kann sehr schlecht mit sich selber über das Budget streiten. Absolut. Und auch in dieser Rolle war es überhaupt nicht ideal, dass ich nicht als Produzentin klar mit der Regie sprechen konnte, weil ich ja Regie war. Es war nicht ideal, aber ich hoffe nur, dass es jetzt ein paar jüngere Frauen gibt, die Produktion studieren oder sich für Produktion interessieren und die sich auch für solche Geschichten, also feministische, dekoloniale Prozesse interessieren und vielleicht eines Tages in unserer Tür klopfen und dann für das wenige Geld, was wir verdienen in der Branche überhaupt arbeiten wollen oder können. Ja, also diese Arbeit muss man sich auch erst einmal leisten können. Das ist gar nicht so einfach. Ja, das ist das nächste Problem, weil das beschränkt natürlich total, wer es sich leisten kann, in der Branche zu arbeiten, länger in der Branche zu bleiben und wer ohne Kinderbeihilfe hätte ich das nicht geschafft. Ich habe mehr oder weniger in der Zeit von der Kinderbeihilfe gelebt, aber jetzt, wo meine Kinder ausziehen, ist das auch vorbei. Ja, schwierig. Man fragt sich, ob wir um das europäische Dokumentar, will man dieses Problem auch haben? Ja, ich finde es, gerade als Feministin schwierig, ich finde, man bleibt ein bisschen stecken, wenn man sich über dieses althergebrachte Modell ständig echauffiert. Weil ich schaue mir diese Filme nicht mehr gerne an. Hotel ständig echauffiert, weil ja, ich schaue mir diese Filme nicht mehr gerne an. Ich merke das aber auch, ich schaue mir auch keine Männerbands mehr gerne an. Ich bin so voll von diesen Bildern und Tönen. Ich bin sehr auf der Suche nach neuen Sprachen, neuen Formen. Wir haben jetzt übrigens ja auch die Dona Noir Film Days in Wien rund um unseren Film, also unser Film ist der Eröffnungsfilm, aber da laufen so tolle Filme, zum Beispiel How to Become a Guinea Fowl. Der war bei uns, hat nie einen regulären Kinostart gehabt. Ich weiß noch, ich habe den in Cannes gesehen und war komplett so What the the fuck ist das? Der Programmtext wäre wahrscheinlich ein Drama über einen Missbrauch und das wäre so die völlig falsche Vorstellung von diesem Film evoziert. Also ein wilder, lauter, lustiger, komplett bizarrer, extrem mitreißender, ganz berührender, ganz stiller, ganz brutaler. Aber auch die Form, das ist ja fast was soziodramatisches, was da stattfindet. Wo man sieht, wer wie auf Missbrauchsvorwürfe reagiert, wenn es betrifft, wenn es nicht betrifft, wo es ums Geld geht. Aber die Frauen. Super. Wann ist das? In Wien? Das muss man schauen. Stadtkino-Programm. Aber mit dem wunderbaren Team vom Stadtkino, Viktoria, Welzer, hier speziell erwähnt, haben wir... Also korrigiert hat es der Simon Inou und zusammen mit der Viktoria, die wollte schon lange für Black History Month was machen und das ist jetzt das Programm, das Kinoprogramm zum Black History Month, auch um andere, diverseres Publikum ins Kino zu holen. Man hat ja gesehen an den Erfolgen von Edelweiß oder Austro-Schwarz, die unglaublich gut angekommen sind, beide fast ohne Budget gemacht wurden, diese Filme. Was es für ein Bedürfnis gibt. Also es gibt auch einen Kinderfilm am Samstag, Supermodo aus Kenia und dann gibt es einen Film, von dem die Thürma Onyenwe unsere Chor-Issueserin produziert hat. Das ist ein Film, der von einem Kollektiv gemacht wurde in Lagos. Ein Spielfilm, ein ganz toller. Der heißt Nach der Queen, der Queen, der Queen of Lagos. Jetzt habe ich ein Blackout. Entschuldige, Thüroma, falls du das siehst. Es geht jedenfalls um eine große Fischerinsel mitten in Lagos, die jetzt gerade abgerissen wird. Also dieser Spielfilm nimmt den Abbruch von dem ganzen Dorf in der Stadt vorweg und es geht auch um eine ganz starke Frauenfigur. Und interessanterweise haben das, glaube ich, sieben RegisseurInnen zusammen gemacht. Aber das ist schon total interessant, was für Spielformen denkbar sind. Und da finde ich, also gleichzeitig ist ja Film was, was total eigentlich in der Theorie und auch in der Praxis sehr flexibel ist. Und immer, solange gibt es die Kunstform noch nicht, sagen wir, sind wir großzügig, sagen wir 130, 140 Jahre oder 35. Die Erfindung des Kinos ist noch lange nicht beendet. Also wir fangen ja eigentlich gerade erst an und diese spielerische Art, aber auch aus der Notwendigkeit, neue Formen zu finden des Erzählens, ist super spannend und ich glaube, da wird in nächster Zeit noch ganz anderes passieren, als wir haben halt immer den Fehler begangen, die Auteur-Theorie und ein immer weißer, immer europäischer, na okay, manchmal amerikanischer Meister erzählt halt immer seine Meistergeschichten. Aber das ist eigentlich das Uninteressanteste, finde ich, im aktuellen Weltkino. Also das machen nicht einmal mehr die, die es früher gemacht haben, machen es noch so. Sondern suchen sie Drehbuchautorinnen, suchen sie, also mit dem ist es over. Und es ist ja, Kino ist einer, oder Filmemachen ist einer der kollaborativsten Prozesse to begin with, oder? Es ist ja genau das Medium, wo ja sowieso hunderte von Leuten mitarbeiten müssen. Also eigentlich hat es die idealen Voraussetzungen. Ja, es müssen die Hierarchien hinterfragt werden natürlich, aber so Kollektive hat es ja oft schon gegeben. Auch im Video- und Medienbereich. Ich habe in New York mit Paper Tiger TV und DipTish TV gearbeitet. Das waren meine ersten Erfahrungen überhaupt mit Film und Video. Die haben meinen ersten Film auch koproduziert, Paper Tiger TV. 2001 glaube ich war das. Und da habe ich sehr viel gelernt diesbezüglich und das war immer schon sehr antihierarchisch, sehr feministisch, divers. Da gibt es jetzt eine ganz tolle Ausstellung in London zu Paper Tiger TV. Ich hoffe, dass sich in Wien irgendjemand dafür interessiert. Ich würde sie so gerne nach Wien holen. Wo diese Kollektive gemeinsam, also in dem Fall Wands News, aber trotzdem gerade jetzt, wo es so wichtig wäre, eben solche Medien wieder zu erobern. Die haben über Things gearbeitet, DirecTV, so wie DorfTV, genau so. Und halt diese Indie-Medien oder was es in den USA alles gegeben hat, das wäre sehr gut, auch auf den geförderten Filmen ein bisschen zu übertragen oder auch da vielleicht ein bisschen strengere Kriterien anzusetzen. Wie geht so ein Team miteinander um? Ja, und was für Themen werden überhaupt jetzt im österreichischen Film, speziell im österreichischen Dokumentarfilm, behandelt? Ja, der österreichische Film spiegelt im aktuellen Zustand noch nicht die Diversität des Landes Österreich wieder, wenn man es vorsichtig so formulieren dürfen. Ja, wenn man sich allein die Stadt Wien anschaut. Ja, ja, Wahnsinn. Ich vermisse diese Fernsehserien, die das abbilden. Es gibt es ist ein Verzicht auf eine riesige Bandbreite an Stoffen, den ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, wenn ich ehrlich bin. Inzwischen schreiben auch, es gibt schon mehr geschriebene Frauen, aber die schreiben wieder alle nur Männer. Österreich ist manchmal sehr bizarr, aber das ist Fernsehen jetzt wieder. Das heißt, ich darf Sie alle noch mal ins Kino schicken. Ab 30. ist Starttermin. Genau, am 30. ist die Premiere in Wien. Am 31. gibt es in Wien eine Vorführung mit einer sehr interessanten Diskussion unter dem Titel Österreich kolonial. Diskussion. Und es gibt dann, man sieht das dann im Programm, also das die Donau-Noir-Film-Days sind rund um dieses Wochenende, aber das Black History Month-Filme gehen dann das ganze Monat. Und da sind wirklich richtige Schmankerl dabei, die man sonst nicht so sehen kriegt. Genau. Und auch in Linz bitte ins Kino gehen. Stoff, ein Spitzengeschäft ab 30.01. ins Kino. Wir haben jetzt für Sie auch noch einen Trailer zum Anschauen. Viel Vergnügen. Als junge Frau, meine Mutter kommt nach Lagos und öffnet ein Geschäft in Gotha. Sie hat Frauen aus überall in Europa gebracht. Sie hat angefangen, in Lace zu handeln. Und so kamen die Austrians. Den Wohlstand, den man über Europa, begann sie, in Lace zu handeln. Und so kamen die Austrians. Den Wohlstand, den man hier sieht, haben wir Westafrika zu verdanken. Ich habe gehandelt mit Stickereien, war früher in Europa tätig und der europäische Markt war kaputt. Man hat gesagt, so, geh mal nach Afrika und schau, wie man da verkauft und vor allem, wie man das Geld wieder heraufbringt. Dann kam das Ende, dann hat der nigerianische Staat Einfuhr von Luxusgütern verboten. Der austrianische Regierung sagte den Menschen, sie sollten nicht mit dem Geld sparen. Wir haben es offiziell als Verkaufsverkauf exportiert und in Nigeria ist es ein Verkauf von Schulbüchern. Wir sind ein Kont continent with 54 countries. We have the capacity. Are you saying that you can produce on scale? Of course, we can produce 100,000. And if we think about the long arc of history of linen, cotton, slavery, comes right back to the extractive relationship between Black people, Black bodies and Europeans. Die Zauberung kommt direkt zurück zu der extraktiven Beziehung zwischen schwarzen Menschen, schwarzen Körpern und Europäern. Ich finde, es geht weniger darum, sich die ganze Schuld auf sich zu laden. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen für Vergangenes, was noch immer Auswirkungen in die heutige Zeit mit sich trägt. sich trägt. Danke dir Katharina, dass du bei mir zu Besuch warst. Ich freue mich sehr. Danke Julia. Und freue mich auch schon auf deinen nächsten widerständigen Film, der ja quasi schon im Werden ist. Vielen Dank dir. Danke für die Einladung.