Guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Freut mich, dass ich Sie heute begrüßen darf. Das Oberösterreichische Literaturhaus im Stifterhaus ist immer bestrebt, Ihnen ein möglichst breites Spektrum dessen vorzustellen, was an literarischen Aktivitäten in unserem Bundesland und darüber hinaus passiert. Wir präsentieren renommierte Autorinnen und Autoren genauso wie Verlagspräsentationen oder Schriftstellerinnenvereinigungen bei uns im Haus. Heute freuen wir uns, Ihnen zwei Schreibende vorstellen zu dürfen, die einer neuen Autorinnen-Generation zuzurechnen sind. Bei allen inhaltlichen Verschiedenheiten der Bücher, die wir Ihnen heute vorstellen, so zeichnet beide Romane doch eine Gemeinsamkeit aus, und zwar eine ganz, ganz eigenständige Sprache. Während das eine Buch mit kurzen Sätzen auf höchstmögliche Prägnanz abzielt, oftmals auch Einwortsätze, jagt uns der andere Roman quasi mit ungeheurem Tempo durch die Handlung. Ich darf unsere heutigen Gäste begrüßen. Herzlich willkommen Martin Mader und Ida Leibetz-Eder. Danke fürs Kommen. kommen. Ida Leibetz, Edas zweiter Roman, aus dem wir heute hören werden, trägt den Titel Die Menschen, den Untertitel Apfel und Erde. Wie ihr 2015 erschienenes Debüt Lotusblüten ist auch ihr aktueller Roman im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen und zwar im Oktober des Vorjahres. Roman im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen und zwar im Oktober des Vorjahres. Die in Ottensheim geborene Autorin hat in Linz maturiert, studierte anschließend Rechtswissenschaften und Psychologie in Wien und ist derzeit am Hans-Gross-Zentrum für interdisziplinäre Kriminalwissenschaften an der Universität Graz tätig. Martin Mader stammt ursprünglich aus Tirol, wurde in Innsbruck geboren und wuchs im Bezirk Reute auf. Er studierte zuerst allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft sowie Philosophie in Innsbruck. Anschließend verschlug es ihn nach Gießen, wo er angewandte Theaterwissenschaft studierte. Seit der Spielzeit 2019-2020 ist er als Dramaturg am Landestheater Linz. Am Anfang wieder die Nacht, so der Titel des ebenfalls im Oktober des Vorjahres im Otto Müller Verlag erschienenen Romans, ist sein Debüt. Zu guter Letzt darf ich noch jenen Mann begrüßen, der uns durch den heutigen Abend führen wird. Ein herzliches Willkommen für unseren Moderator Erkan Osmanovic. Schön, dass du bei uns bist, Erkan. Erkan Osmanovic wurde in Tutin, Serbien geboren und wuchs in Wien auf. Er studierte Germanistik, Austrian Studies und germanische Literaturen in Wien und promovierte an der Universität Brünn, wo er im Rahmen des österreichischen akademischen Austauschdienstes zudem mehrere Jahre als Lektor tätig war. Heute verantwortet er in seiner Funktion als Programmleiter dem Bereich Wissenschaft im Leichkamp Verlag und ist Redaktionsmitglied des Magazins Buchkultur. Ich wünsche uns einen anregenden und interessanten Abend mit den Romanen von Ida Leibetz, Ida und Martin Mader und darf unseren Moderator Erkan Osmanovic auf die Bühne bitten. Ich danke Ihnen. Jetzt sollte man mich hören. Ich höre mich. Das ist sehr gut. Danke für die Einleitung, danke für die Einladung, danke für die Möglichkeit, das moderieren zu dürfen. Ich werde ganz kurz sagen, wie wir uns den Abend vorgestellt haben. Die Idee ist, dass wir, dass es doch zwei unterschiedliche Bücher sind, wurde schon erwähnt, dass wir sagen, wir machen auch separate Blöcke. Also zu Beginn wird Ida Leipitz wieder zu mir kommen, gleich lesen. Sie werden merken, man braucht gar nicht so viel Erklärung. Das wird, glaube ich, der Text ist sehr eingängig, die Anfangsszene. Dann werden wir kurz miteinander sprechen, dann gibt es wieder eine Lesung, wieder ein Gesprächsteil, weil das sehr, sehr gut funktioniert. Werden wir dasselbe wiederholen mit Martin Marder, den werde ich dann auch auf die Bühne bitten. Wir werden dasselbe Spiel nochmal spielen und am Ende gibt es nochmal einen gemeinsamen Block, wo ich dann beide auf die Bühne bitte. Und das ist dann auch die Möglichkeit für Sie, alle Fragen zu stellen. Ich weiß, es ist ganz schwer, Fragen zu stellen. Man hat viele Fragen, ich bin mir sicher, Sie werden viele Fragen haben oder Anregungen oder Kommentare, Kritik, Wünsche, alles Mögliche. Wenn Sie sich nicht trauen, was schade ist, wenn Sie sich nicht trauen zu fragen, gibt es sicher die Möglichkeit, die beiden auch nochmal persönlich anzusprechen. Sie sind, glaube ich, sehr, sehr glücklich, wenn sie mit einem gekauften Buch zu Ihnen kommen, das signieren lassen und dann nochmal Zeile für Zeile durchgehen, was wichtig war oder was sie nicht ganz verstanden haben oder Ähnliches. Das ist jetzt nur mal ein bisschen der Beginn. Ich sage es Ihnen gleich, ich bin kein Fan von langen Veranstaltungen, aber ich tendiere dazu, sehr viel zu sprechen, wie Sie merken. Ich werde es aber trotzdem versuchen, für Sie knapp zu halten. Also ich versuche, ich versuche, ungefähr 70 Minuten nicht zu überschreiten. Das heißt, volle Konzentration. Gleich für Ida Leibetzeder. Applaus Ja, ich werde gleich lesen. Müllviertel 1945. Stille. Der Lager, der Brief. Und Gras wucherte. Die Tiere schrien nach ihr. Apfelmus gehörte eingekocht, doch konnte sie nur sitzen. Sie saß und dachte daran, wie sie das von nun an mit der Holzarbeit erledigen sollte. Die Mauern ihres Hauses umrahmten sie und nur sie. Alte Gemäuer und sie, inmitten vieler Generationen. Ein Erbhof, ihr Erbhof. Die Grippe, die Kriege, die Not. Ihre Schritte waren immer lauter geworden auf dem gezeichneten Holz, durchzogen. Der Wurm war standfester gewesen als ihr Blut, fraß sich durch das Holz, ihr Fleisch fraß sich durch die Generationen, die Zeit, Wurm der Welt und unter ihr die Stiege fleißig abgegangen und doch traf jetzt ihr Beckenknochen auf das Holz, Knochen an Knochen, Gerippe an Gerippe, es war was blieb, der Hof. Die Katze kam und maunzte, strich ihr um die Füße, sah zu ihr hoch und maunzte wieder und rieb ihr Fell an den nackten, haarigen Beinen. Sie stand auf. Die Stiege ächzte. Die Angeln der Türe kreischten und ein Windzug donnerte sie zu. Die Krallen der Katze scherten über das Holz. Geduckt rannte das Vieh unter dem Lärm davon. Aus der Speisekammer kramte sie die Zuckerdose hervor, stellte sie auf die Anrichte. Sie ging in den Schuppen, sie holte den Korb, sie glaubte die Äpfel auf. Einen nach dem anderen. Dann schneller, dann mit beiden Händen. Sie schälte die Äpfel in gleichmäßigen Kreisen, halbierte sie, halbierte die halben, schnitt die Ecke des Strunkes ab, halbierte sie wieder und ließ sie in den Topf fallen. Rtsch, rtsch, schab, rtsch, plumps. Apfelmus. Sie aß es nicht. Klonk. Sie legte das Messerabschub den Sessel zurück, ging zur Haustür und über den Hof zum Schuppen. Die Dämmerung hatte eingesetzt. Die Grillen zirpten der Wärme nach. Spätsommer. Sie hörte, wie ein Apfel fiel und im Wald ein Schuss. Sie nahm einige Holzscheite vom Stapel, erst einen, dann schneller, dann mit beiden Händen, flüchtete. Ins Haus, dann in die Küche. dann mit beiden Händen, flüchtete, ins Haus, dann in die Küche. Sie nahm den kleinen Besen, kehrte jedes Holzscheit ab, stapelte sie im Ofen, zündete sie an. Als der Haufen unter Flammen stand, schloss sie das Ofentürl. Ein Becher Wasser, zwei Hände Äpfel. Sie ging in den Garten, Neumond, die Nacht war abends schwarz. Blind suchte sie die Äpfel im nachtnassen Gras, hörte sich atmen und im Wald den Schuss. Sie eilte in die Küche, griff zum Messer, schälte, entfernte die faulen Stellen. Rtsch, rtsch, schabrtsch, plumps. Das Feuer loderte, sie öffnete das Türl, legte ein Scheit nach, schloss es später. Ein zweiter Topf auf dem Ofen, Tropfen auf dem heißen Stein. In einem anderen brodelte es bereits. Zwei Becher Wasser, vier Hände Äpfel. Garten, Schuss, Schabr, Plumps, Brodeln. Drei Becher Wasser, sechs Hände Äpfel. Und als es am Herdwild kochte, hob sie die Schalen vom Boden auf, sortierte sie eine Reihe, hackte sie klein, schob sie zu einem Haufen, hackte sie klein, Haufen, klein gehackt. Das Messer schmetterte auf das Holzbrett nieder. Sie hob eine neue Hand Schalen vom Boden herauf, hacken, immer und immer wieder. Und als nichts mehr übrig war, da begann sie den Boden zu schruppen, schruppte ihn, schruppte ihn wund, den alten Boden. Es schäumte, es dampfte in der Küche. Sie zerrte den Fleckerlteppich unter dem Küchentisch hervor, zog ihn nach draußen und schlug auf ihn ein. Und es staubte, es rauchte im Hof. Und als die Sonne aufging, schrie der Hahn dreimal. Und sie stand schon vor ihm. Es rauchte im Hof. Und als die Sonne aufging, schrie der Hahn dreimal. Und sie stand schon vor ihm, griff in die Schüssel und peitschte die Körner auf den Boden. Und um sie wuselte die ganze Hühnerschar, pickte emsig, wuselte, pickte. Und der Hahn, aufgebracht vom Körnerregen, sträubte seine Flügel und tänzelte seitlich auf sie zu. Sie trat ihn weg mit einem Stoß. Und während er davon kollerte, blünderte sie die Nester. Und beim Melken schnauften die Kühe und ihren Händen. Und den Schweinen schmiss sie die Apfelreste auf die Schädel und die Katze scheuchte sie von der Milchkanne weg. Und dann saß sie draußen auf der Bank und kaute abwechselnd an einem Stück Brot und einem Apfel. Neben ihr ein Glas Milch und zwischen Schuppen und Scheune blitzten die vollbehangenen Obstbäume hervor. Und keiner sah, dass etwas fehlte. Keiner wusste, was sie tat. Die Hühner legten Eier, die Kühe gaben Milch, die Bäume trugen Äpfel und sie hatte nichts beizutragen. Inmitten dieser vollen Welt war sie ein leeres Gefäß. Und dann weinte sie doch. Was hat es auf sich mit diesen Apfelschälen? Wir hören da von einer Frau, die ganz alleine ist, so scheint es. Sie hört schreckliche Geräusche, so scheint es. Wir wissen ungefähr, wie es zeitlich verortet ist. Wieso dieses Apfelschälen? Ich glaube, es ist ein sehr selbstverständlicher Teil ihres Tages wie der Rest der Arbeit. Und es rahmt irgendwo sehr stark ihre Existenz ab, also quasi dieser Hof und diese Äpfel. Und dass man die Menge davon irgendwann einmal im Jahr trotzdem sehr stark überfordert und es vielleicht dann nochmal einen Zeitpunkt gibt, wo man über nichts anderes mehr nachdenkt, als wie das, wie man diese ganzen FWs verwertet und anträgt. Genau, und ich glaube, es ist einfach ein Teil ihrer Arbeit und diese Arbeit ist doch sehr, tragt sehr stark zu ihrem Selbstverständnis auch irgendwie bei. Also auch dazu sozusagen, dass sie als eine Menschen bezeichnet wird, wie der Buch liegt. Ja, in einer gewissen Weise glaube ich schon, dass Arbeit oder diese Art von Arbeit oder diese Verbundenheit mit dem Hof und dass das eigentlich alles in eins irgendwie übergeht. Also einerseits das, wie man lebt und andererseits das, was man eigentlich jeden Tag so tut. Und das wird dann irgendwie so zu der Existenz. Ich glaube schon, dass das sehr beschreibend für bestimmte Generationen irgendwie war. Und gerade wenn ich an meine Großeltern denke, dann hat es da irgendwie nicht so Arbeit und Freizeit gegeben, sondern das war irgendwie eins. Also irgendwo, ja, wahrscheinlich doch sehr was Menschenbezogenes. Und damit Sie es wissen, wir werden da noch weiter etwas hören, aber das baut sich aus. Also deswegen frage ich so nach, diese Interaktion mit der Welt, der ganze Roman schildert sozusagen vor allem oder hauptsächlich die Perspektive dieser Frau, die zu Beginn noch namenlos ist. Also ich will gar nicht spoilern, aber man erfährt den Namen dann doch irgendwann. Ich sage nicht wo und wann. Aber das heißt, wir haben der ganze Roman ist eigentlich eine, würde ich sagen, das Schildern eines Lebens. Eines weiblichen Lebens, eines Lebens, das vor allem durch Arbeit geprägt ist, wie du sagst. Das aber auch durch Ruhe geprägt ist oder durch Gewalteinwirkungen. Und auch durch eine historische Verortung, oder? Und auch durch eine historische Verortung, oder? Was möchtest du dazu sagen, wie das reingekommen ist? Ich werde ein bisschen mischen. Hast du zuerst gedacht, oder du hast es schon erwähnt, mit den Großeltern, war bei diesem Roman, dann frage ich ganz direkt, einfach die Idee, aha, ich habe da etwas von den Großeltern gehört, gelesen und mache daraus einen Roman oder war es sozusagen die Geschichte an sich und dann erarbeitet man sich das und sagt, ich setze das historisch in diese Zeit rein. Ich glaube, es war eher das Zeit, also was ich mir jedenfalls irgendwie mitgenommen habe, war dieser Zugang zur Sprache. Dass ich das Gefühl habe, dass ich das bei meiner Oma sehr stark erlebt habe, dass Sprache etwas Besonderes ist. Und auch, dass man sich die Zeit nimmt, zu lesen, ist keine Selbstverständlichkeit. und diesen Zugang irgendwie neben diesem sehr arbeitsbelasteten Leben irgendwo, das hat glaube ich auch grundsätzlich irgendwie für mich war das ein Ort von Inspiration oder vielleicht auch Irritation und die Verortung in die damalige Zeit, das hat sich dann eigentlich so ergeben. Ich glaube schon, in einer gewissen Weise liegt das ja in der Welt, in der ich auch aufgewachsen bin. Und wenn man recht viel herumstrauerns, dann wird man irgendwann über das Thema drüberfallen, denke ich. Und wenn das dann passiert, dann hat man glaube ich das Gefühl, man muss irgendwas damit machen. Und das ist da ein bisschen reingekommen. Jetzt bei dem Textausschnitt merkt man es, es ist dann doch, also wir haben eine Zeit, die uns vorgegeben wird ungefähr. Das heißt, man kann sich da eintauchen, aber es gibt nicht so viele Hinweise, sozusagen wirklich irgendwelche Objekte oder Ähnliches, dass man sagen, also man könnte ja genau, wenn ich es jetzt nicht besser wüsste, könnte ich ja sagen, das kann ja genau jetzt auch stattfinden irgendwo. Also war das bewusst für dich, dass du dann sagst, okay, es gibt einerseits diese zeitliche Verortung, aber gleichzeitig gebe ich nicht so viele Hinweise den Leserinnen selber, damit die nicht jedes Mal sagen, ah ja, stimmt, das ist damals passiert. Ah ja, stimmt, das ist damals passiert. Ah ja, stimmt, das ist damals passiert. Ja, voll. Also ich glaube, vor allem irgendwie auch, das ist ein bisschen das, was ich mit dem Titel irgendwo erreichen wollte. Der Titel lautet, wie er lautet, weil ich glaube, dass es eine Geschichte ist, die an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, mit einer anderen Person auch stattfinden könnte. Also es ist nicht die Geschichte von einer bestimmten Person, sondern es ist mir mehr um das Gange, quasi das Menschliche darin irgendwo zu erzählen und gleichzeitig ist es natürlich irgendwo individualisiert und irgendwo ist es auch eine Frau und die spielt glaube ich auch in einer gewissen Weise eine Rolle, eine starke Rolle. Genau, ja, also das mit dem Hinweis oder das Wagehalten, wo es jetzt wirklich tatsächlich historisch situiert ist, ist es vielleicht zum einen irgendwie das, die Idee, die da schon mitgeschungen ist, und zum anderen halt auch irgendwie ein bisschen die Annahme, dass das vielleicht für so eine Person jetzt die historische Verortung was ist, wo sie jetzt nicht jeden Tag irgendwie drüber nachdenkt. Also abgesehen davon, dass es sowieso in ein Leben mit einfließt, aber halt nicht so explizit. Dann würde ich dich bitten, vielleicht die zweite Passage weiterzulesen, das ist auch aus dem ersten Kapitel und für alle, die sich vielleicht fragen, nur als Wiederholung, wir befinden uns im Mühlviertel im Jahr 1945. Sie wartete, bis es vorüber war. Dann wusch sie sich das Gesicht in der Regentonne, band sich das Kopftuch neu und ging zum Hof von Hofer Franz. Es roch nach Saustall. Vor der Scheune stand der Karren mit dem Pferd eingespannt. Das Fell, nass unter dem Riemen, Schaum um die Trense. Ein fetzen Stoff an den Schiefern der Kipplade. Blau, weiß, blutig. Der Hund erhob sich in seiner Hütte, lief bellend auf sie zu. Sein Hinterteil schien rechts am Rumpf vorbeizuwollen. Die Ohren schlabberten, braunes Fell in der Sonne. Er stellte sich breitbeinig hin, Pfoten in die Erde gerannt, kläffte. Durch das Fenster sah sie das Gesicht der Frau des Hofer Franz verschwinden. Der Hund schnüffelte an ihrem Rock, er roch die Katze. Einige Zeit lang tat sich nichts. Bloß der Karren, das Ross und der Hund, der um sie herum schlich. Dann ein Krawall im Inneren des Hauses. Franz schob sich aus der Tür und hinter dem Küchenfenster tauchte wieder das Gesicht seiner Frau auf. Ihre Vorderzähne standen über. Hm, knurrte Franz wie sein Hund. Dass sie nicht mehr wusste, was sie fragen wollte, war nicht schlimm, weil sie jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, die Äpfel vor sich sah und es ihr wieder einfiel. Aber sie hatte nicht daran gedacht, dass zu fragen hieß zu sprechen. Sie hatte lange nicht gesprochen. Sie hatte nichts zu sagen sagen sie kannte auch die wörter gar nicht äpfel wusste sie die katze die hühner die schweine die kühe karren ross und hund und hannes aber das bliebe lieber ungesagt sie wollte bloß die äpfel los haben sie wollte bloß dass es gesagt war aber sie konnte es nicht sagen. Zusammen mit dem Haus war sie still geworden. Und gleich ging es ihr, als Franz sie auf seinem Karren ein Stück des Weges mitnahm. In ihrem Inneren war nichts, was nach außen hätte dringen können. Keine Laute für ein Wort, keine Worte für einen Satz, kein Gefühl, kein Gedanke, keine Bitte. Bloß die Katze, die Hühner, die Schweine, die Kühe. Immer wieder. Und Äpfel. So viele Äpfel. Und allmählich hatte sie Angst. Angst, dass sie es bereits verlernt hatte, doch jedenfalls verlernen würde. Zu sprechen. Sich zu unterhalten. Sich um die gegenseitigen Worte anzunehmen. Sprache zu pflegen. Sie hatte Angst, dass ihre Worte schimmelten, nass vom Schweiß ihrer Arbeit liegen gelassen, verrotteten sie, ungebraucht. Ja, sie hatte Angst, dass ihre Sprache sie verließ. Und mit der Sprache alles. Jedes Gefühl, das sie benannte, jeder Gedanke, den sie dachte, jede Erinnerung, die sie sich selbst beschrieb So auch Hannes, selbst er war ja nur noch Worte Inmitten dieser geformten Welt schien sie nicht einmal als Gefäß Sie stieg vom Karren und wusste, dass sie sich nun erhängen müsste Karren und wusste, dass sie sich nun erhängen müsste. Oben am Dachstuhl, am Heuboden, pünktlich zu Schwarzmond, Nahtstelle zwischen Abschluss und Neubeginn. Franz würde in der nächsten Woche kommen und die Äpfel holen und die Katze und die Hühner und die Schweine und die Kühe. Sie stolperte den Weg weiter in Richtung ihres Hofes. Hinter ihr ruckelte der Karren in Richtung Wald, über ihr zogen die Vögel, vor ihr lag ihr Hof. Die Katze hockte auf der Hausbank und trank aus dem Milchglas. Sie ging in den Schuppen, sie holte den Strick, legte ihn sich um die Schulter und ging ins Hausinnere. Sie sahen sich hinab. Sie stieg die knarrende Holzstiege hinauf, ging in das Schlafzimmer, sie öffnete die Schürze, knöpfte die Bluse auf, streifte den Unterrock ab und legte ihr Arbeitsgewand sorgfältig zusammengefaltet auf die Bettkante. Sie legte ihr Fechtergewand an. Das gehörte sich so. Sie öffnete die Schublade ihres Schreibtisches, wo sie alles Wichtige beieinander hatte. Sie wollte sie nicht herumstirlen wissen. Sie griff nach den Papieren, stieß mit ihren Fingern gegen etwas, zog Zettel heraus und sah das Buch und den Stift. Sie schloss die Lade. Durch die Fußbodenbretter tönten die Geräusche vom Stall zu ihr herauf. Sie öffnete sie. Sie schloss sie wieder. Sie ging nach unten, legte die Unterlagen geordnet auf den Tisch in der Stube und ging zur Haustür. Die Türschnalle noch in der Hand, machte sie kehrt. Sie stieg hinauf. Sie öffnete die Lade. Sie nahm das Buch und den Stift. Montag. Stille. Heute habe ich mit dem Franz gesprochen. Einatmen. Die Uhr tickte. Der holt sich meine Äpfel ab. Ausatmen. Draußen wechselte eine Amsel schnatternd den Ast. Den Bosskopf zumindest. Die anderen, sagt er, geben nichts mehr her. Um die verwummten, schorfigen Äpfel reißt sich niemand mehr, sagt er. Er zieht jetzt Jonagold und Gala. Da kann nichts mit. Das ist, was die Menschen wollen. Was wir wollen. Jonagold und Gala. Was will ich? wir wollen. Jonagold und Gala. Was will ich? Das tägliche Bemühen um das Grundlegende lastet mich aus. Nahrung gegen den Hunger und ab und zu ein Geldstück für das, was der Hof nicht hergibt. Ein paar Schuhe, ein Löffel Zucker, Stoffe zum Flicken. Was hätte sie daran geändert, diese Frage? Was bringt sie einem, wenn sie ja doch nicht wird, wie man möchte? Ja, wenn man will und nicht kann, dann fühlt es sich an wie einem angetan und dann, sie setzte den Stift ab, las und kratzte mit der Spitze des Bleis und nicht kann durch. Sie mochte nicht, dass es sich reimte, das fühlte sich so an so richtig. Sie schrieb der Worte wegen und schrieb nicht richtig. Und es doch nicht so wird punkt dann fühlt es sich an wie einem angetan dann erst merkt man die macht und dann sehe ich sie sehe ich sie sehe ihre gewalt erkenne sie und schaue auch in mein gesicht und weiß ich bin österreich Ich bin Österreich. Ich habe meinen Sohn erschossen. Sie legte den Stift ab. Sie klappte das Buch zu. Sie schloss die Lade. Sie ging nach unten. Der Boden war hell. Nach draußen die Sonne schien. Die Hühner gackerten. Franz würde die Äpfel holen. Vor dem Stall stand die volle Kanne Milch. Auf der Hausbank sonnte sich die satte Katze und die Welt wusste, Hannes war tot. Und sie stand auf der Schwelle und atmete. Etwas war gesagt. Wer ist dieser Hannes? Darf man das verraten? Darf man das verraten? Ja. Das Buch fängt eigentlich an dem Punkt an, wo sie den Brief erhält, dass nun auch der letzte ihrer vier Söhne im Krieg verstorben ist. Und sie ist damit eigentlich allein zum ersten Mal in ihrem Leben. Und wir verfolgen dann langsam sozusagen ihr auftauchendes Selbstbewusstsein, das sich auch wirklich in der Interaktion mit der Welt um sie herum sozusagen abbilden lässt oder abbildet. Man merkt, das ganze Buch ist auch von den Kapiteln, wenn man sich das anschaut, auch wenn man die Sprache merkt, da geht es, also sozusagen jeder Satz hat eine Mission, es geht nach vorne, es ist knapp gehalten. Man will eine bestimmte Idee, haben wir schon beim Gespräch ein bisschen ausgehört, abbilden. Bevor ich wieder zum Inhalt komme, gleich eine Frage. Wenn man sich das Buch anschaut, hat dieses Cover, dieser Umschlag auch eine bestimmte Funktion vom Text her? Hätte ich gedacht, Apfel sehe ich jetzt nicht, Erde vielleicht. Vielleicht nur zwischen den beiden. Hängt das auch mit dem Inhalt zusammen oder ist das selbst gemalt? Oder was ist dieses Cover? Das ist Agi Milde von der Inge Dick. Das ist eine Künstlerin vom Mondsee. Und jeder dieser Striche unterschiedlicher Farbe, die man da am Cover sieht, ist ein Foto, das zu einer gewissen Zeit am Tag, an einem Herbsttag, von einer weißen Wand gemacht wurde. Und dann sind quasi diese, all die ganzen Fotos, also quasi jeder dieser Striche steht für einen Zeitpunkt an diesem Tag. Das heißt, das ganze Cover bildet eigentlich das Licht an einem Herbsttag ab. Und das hat insofern natürlich schon eine Ähnlichkeit mit dem Buch, weil es zu selbem Jahreszeit irgendwo spielt. Das ist das eine. Und zum anderen liegt, glaube ich, irgendwo die selbe Idee zugrunde, das mal das das selbstverständliche wieder zu sehen lernt irgendwo das mit dem eigentlich jeden tag konfrontiert ist das würde ich natürlich unterstreichen man merkt auch über den kapitel titel also die sind sozusagen auch die abbildung eines tages eines ablaufs also man hat zuerst die stille dann kommt das wort das sind jetzt kapitel namen sinn schweigen frustration reflektion einsicht Abbildung eines Tages, eines Ablaufs. Also man hat zuerst diese Stille, dann kommt das Wort, das sind jetzt Kapitelnamen, Sinn, Schweigen, Frustration, Reflexion, Einsicht, Differenzierung, Distanzierung, Entschluss, Tat und dann noch das Nachwort. Aber sozusagen, das bildet sich ja sehr, sehr gut ab. Was mich noch interessiert hat beim Lesen, wir haben diese Lack darin, wir haben diese Frau auf diesem Erbhof, die ganz allein auf sich gestellt ist, nachdem jetzt der letzte Sohn auch als Deserteur erschossen wurde. Was ich ganz interessant fand, ist diese Passagen, die hast du ja jetzt am Ende bei dem zweiten Block auch vorgelesen, wenn sie dann selber schreibt, schreibt sie da als Lacknerin? Sie drückt sich sehr gut aus für jemanden, der sonst nicht mit Worten viel zu tun hat, sozusagen. Das fand ich ganz spannend, weil ich dann kurz irritiert war und dann, obwohl es so klar war, nicht wusste, ist das jetzt wirklich sie gerade, weil sie so gut formulieren kann? Ich glaube, das Ganze ist glaube ich von dem getragen dass das schreiben finde ja sehr starker erkenntnisprozess ist damit heben sie diese passagen natürlich irgendwie von dem anderen tatsächlichen gegebenen materiellen irgendwie sehr stark ab weil es rein was ist was für sich selbst und innerhalb ihrer eigenen grenzen funktioniert während gerade zu dem damaligen zeitpunkt das ganze leben sehr stark von äußeren grenzen bestimmt ist genau ich glaube das war es funktioniert auch gut weil man hat einerseits im apfel erde man hat man merkt zu Beginn, immer dieses in positiven und negativen Sinne bodenständige, sozusagen, und dann hat man diese Passagen, die im positivsten Sinne herumschweben, sozusagen. Und deswegen ist das, glaube ich, ganz, ganz spannend bei diesem Buch, wenn man das in die Hand nimmt. Ich empfehle noch einmal, nur 15 Euro, glaube ich, ich empfehle noch einmal reinschauen, bitte glaube ich, ich empfehle noch einmal, reinschauen bitte. Das sage ich auch beim anderen, das sind tolle Bücher. Das ist wirklich spannend, weil man, selbst wenn man es von den Großeltern, was du schon erwähnt hast, gehört hat, ähnliche Geschichten aus der Zeit, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Weil es einfach erstens sehr gut geschrieben ist und zweitens einfach diese beiden Ebenen super zusammenbringt. Mit diesen Lobesworten wollte ich dich von der Bühne schicken. Nein, aber vielen, vielen Dank für die Lesung, vielen Dank fürs Gespräch. Wir sehen uns dann gleich wieder. Ich werde ganz kurz etwas sagen, wir haben uns schon vorhin abgesprochen und ich bin sehr dankbar, dass er das auch nochmal macht. Ich habe schon erwähnt, wir werden dasselbe Prozedere sozusagen nochmal durchgehen. Allerdings muss ich dazu sagen, dieses Buch, wir haben es schon gehört, ist ganz anders geschrieben. Ist weniger geradlinig, sondern mehr mit ein paar Schwüngen. Ich würde sogar sagen, mehr Schwünge, Echos und ähnliches tauchen auf. Worum geht es in diesem Roman? Es geht um drei Freunde. Man könnte auch sagen, sie sind nicht nur durch Freundschaft verbunden miteinander, sondern zeitweise auch durch Liebe oder auch durch ganz andere Beziehungen. Es geht um drei Personen. Es geht um Nico, es geht um Carla und es geht um Judith, die alle drei vereint, dass sie aus Oberbach stammen, einer kleinen Ortschaft, einem kleinen Ort. Und im Jahr, in der Silvesternacht 1999, zum Jahreswechsel 2000, ist etwas Traumatisches passiert. Wenn ich jetzt sagen würde, was passiert ist, dann würden Sie das Buch vielleicht nicht kaufen. Deswegen sage ich es nicht. Aber es ist etwas, was so traumatisch ist, dann würden Sie das Buch vielleicht nicht kaufen. Deswegen sage ich es nicht. Aber es ist etwas, was so traumatisch ist, dass diese drei Leben, auch die nächsten 18 Jahre, die wir mitbekommen, sozusagen dadurch geprägt sind, bewusst, unbewusst. Wir haben einerseits dann Erzählebenen von Carla aus dem Jahr 2006, von Nico, bereits erwähnt, aus dem Jahr 2012 und von Judith aus dem Jahr 2018, die ein wenig zeigen, wie diese drei Freunde, nenne ich sie jetzt mal, sozusagen verbunden sind, einerseits durch dieses Trauma, aber auch durch alle anderen kleinen Traumata, die danach passieren, aber auch durch alle anderen kleinen Traumata, die danach passieren, in ihrem Leben, untereinander, miteinander, aber auch vor ihrem Leben passiert sind. Also wir bekommen da auch einen Schwung in die Geschichte, auch wieder in die NS-Zeit zurück und auf verschiedenen Ebenen. Ich will nicht zu viel sagen, ich übergebe gleich an Martin Marder. Er wird kurz noch etwas zur Passage sagen, aus der er lesen wird und dann gehen wir ins Gespräch. Vielen Dank und danke, dass wir hier sein dürfen. Wie schon angeklungen ist, die Erzählweise in meinem Buch funktioniert ein bisschen so wie ein Kaleidoskop. Man wird reingeworfen in drei Leben und muss sich sozusagen die Puzzleteile am Anfang so ein bisschen zusammensetzen. Und erst mit der Zeit wird das Bild immer klarer und ergibt so etwas wie ein Panorama, das sich, wie schon angeklungen ist, über 18 Jahre spannt von diesen drei Figuren. Aber auch die Geschichten der Eltern und der Herkunft dieser drei erzählt. Und ich möchte anfangen mit der Figur, die auch das Buch eröffnet, nämlich Carla. Und alle drei Figuren, kann man sagen, kennzeichnet nicht nur dieses gemeinsame Erlebnis in der Silvesternacht, das immer wieder auftaucht, sondern diese Figuren befinden sich auch in einer ganz konkreten Gegenwart. Und diese ganz konkrete Gegenwart, die ist auch gekennzeichnet von Umbruchssituationen. Also nicht nur die Vergangenheit macht den Figuren Sorgen, sondern auch ihr Leben, in dem sie gerade stecken. Und bei dieser Kala, mit der ich jetzt beginnen werde, ist es so, dass sie sich nach dieser Silvesternacht 99-2000 aus Oberbach fluchtartig in die Stadt geflohen ist, dort einen Mann namens Marcel kennenlernt und mit diesem Marcel einen sehr erfolgreichen Club aufbaut, einen Techno-Club, der in der Stadt, die namenlos bleibt, schon fast legendären Status hat. Aber im Jahr 2006, und da werden wir vielleicht dann auch noch darauf zu sprechen kommen, passiert auch politisch, stadtpolitisch einiges. Die Subventionen werden ihm entzogen, diesem Club geht es nicht wahnsinnig gut. Und auch der Marcel legt ein ganz seltsames Verhalten an den Tag. Das genau können wir vielleicht auch noch dann besprechen, aber das macht Carla Sorgen und plötzlich meldet sich auch Nico wieder und Nico und Carla waren in dieser Silvesternacht sehr eng beieinander und haben diese gemeinsam erlebt und dieses Zusammentreffen aus der Clubsituation und das Wiedermelden von Nico hat sie überfordert. Und das Buch setzt eigentlich ein mit einem Aufwachen aus einem Zusammenbruch, den sie am Abend oder am Vorabend erlebt hat. Und sie befindet sich mit Marcel in ihrer Wohnung und fängt an zu erzählen, was in dieser Silvesternacht passiert ist. zu erzählen, was in dieser Silvesternacht passiert ist. Wie das Aufschlagen eines Papiersacks, sage ich. Das Raketentreiben zu Silvester, der rabiate Raketenreigen über unseren Köpfen klang, als würde ein Sack aus Kraftpapier aufgeschlagen. Ein Rascheln, ein Papierrascheln, ein Kraftpapierrascheln, sage ich in den Raum, in den Taubenraum, nicht laut. Im Raum ist es nicht laut, da ist es taub im Raum, im Wohnraum, an dem der dunkle Flur angrenzt, ein abgedunkelter Flur, der zur Küche führt. Eine grün gekachelte Küche mit Therme drin, mit einer Gastherme drin, die sich entzündet und mich erschreckt, beinahe zu Tode mich erschreckt, jedes Mal aufs Neue, wenn sie mit letzter Kraft aus dem Delirium einer längst vergangenen Zeit erwacht. Die Wohnungstür ist aus dickem Holz, dahinter der Wohnraum, der Wohnraum als Schlafraum, hinter der Tür aus dickem Holz, die sich in der Sommerhitze so ausdehnt, so sehr ausdehnt, dass sie kräftiger ins Schloss gedrückt werden muss als in der kühleren Jahreszeit. Und hinter der Tür, da pocht es in meinem Kopf, die Taubheit in meinem Kopf, der Staub vor meinen Augen pocht, pocht und streut, zerstreut das Licht des Vormittags, das milchige Licht des späten Vormittags, das pulsiert, Licht, das rauscht, Licht, das schwoll und ich, angstvoll bis ans Herz, starre auf den Staubrausch, welcher teilt sich. Er richtet mich, denke ich, zum Angreifen, die Erinnerung zum Angriff bereit. Der Angriff aus dem Inneren, aus dem Erinnern heraus und nochmals sage ich zu Marcel, das rabiate Raketenrascheln über unseren Köpfen damals klang, als würde ein Sack aus Kraftpapier aufgeschlagen. Aufgeschlagen an Supermarktkassen, paff, paff, sie entfalten sich. Nico, findest du nicht? Nico, die Kraftpapiertaschen blähen sich auf mit einem Knall, bevor die Einkäufe dann darin verschwinden können. Rasch und die Einkäufe raschelnd darin verschwinden lassen zu können, paff, paff, in die Kraftpapiertaschen beim Villa etwa. können, rasch und die Einkäufe raschelnd darin verschwinden lassen zu können. Paff, paff. In die Kraftpapierdaschen beim Villa etwa. Kunde um Kunde. Das Papier sackt, Kraftpapierknallen, rief ich. Ein überlappender, sich überschlagender Rhythmus an den Supermarktkassen rief ich. Nico, warte. Wohin willst du eigentlich hin, keuchte ich. Doch keine Zeit mehr. Da war schon die Zeit nicht mehr. Nicht mehr wie sonst. Ich musste ihm hinterher. Die Zeit war ihm vielmehr zu etwas anderem geworden. Eine Zeit ohne ein Davor, eine Zeit ohne ein Danach. Ich musste ihm dann einfach hinterher, dem Nico. Du musstest ihm also hinterher, fragt Marcel, als er sich aufrichtet. Aus dem Halbschlaf, Halbgramm, Halbschlaf, langsam aufrichtet. Eine gefaltete Luftmatratze wallt sich da gerade auf, bekommt Luft, Luft in den Bauch, atmet aus dem Bauch, aus dem Bauch durch den Mund heraus, warm, Milchschaum warm und bitter. Etwas verbittert, denke ich noch, und schon stützt er sich auf, auf die Ellenbogen, auf die Ellenbogen drauf. stützt er sich auf, auf die Ellenbogen, auf die Ellenbogen drauf. Und er sieht mich an, irritiert und irgendwie auch erleichtert, da ich augenscheinlich doch noch sprechen kann. Seine Augen sind zart wie Glas, Glas aus viel zu wenig Schlaf. Die Schlieren auf den Pupillen sind Traumreste, sinniere ich. Und warte, warte, was? fragt er. Du konntest nicht anders? Musstest wem? Diesen Nico? fragt er. Was? Ihm hinterher, musstest wem diesen Nico, fragt er, was, ihm hinterher? Und ich weiß nicht, sagt er ehrlich, sagt er, Carla, ich verstehe es nicht, was war da los heute Nacht? Ich habe es dir doch immer wieder gesagt, sagt er, jedes Wort, ja jede Silbe betonend. Ich habe es dir doch immer wieder gesagt, ist das kein Spiel, dass das Zeug zu viel ist, dass es dir irgendwann zu viel sein wird, nur eine Frage der Zeit. Aber du, ach was, weißt du, mir ist jetzt auch egal, das musst du selber, flucht er. Und dann steht er auf, steht auf und wankt durch den Flur, wankt durch den Flur zur Tür, zur Toilettentür und verschwindet im viel zu engen Raum. Ein für ihn doch viel zu enger Raum, denke ich, mit den gesprungenen Fliesen, die sich langsam lösen, Fliesen, die sich aus den Fugen lösen und die Risse offenbaren, die Risse in der Wand, denke ich, hinter den gesprungenen Blumenmuster fließen, da zeigen sie sich. Marcel ist groß, fast 1,90 Meter und hager. Seine Haare sind graus und leuchtend, so goldlockig leuchtend, nicht nur im Vormittagslicht, beinahe goldbraun sind sie, ein ungewöhnlich schönes Braun. Die Augen hingegen grünstichig und blitzend, die Lippen spitz und schmal, die Nase zu einer leichten Kurve gebogen. Seine Garderobe besteht beinahe seit einem Jahr aus schwarzen C&A-Hemden sowie schnöden Korthosen, welche er mit ausgetretenen Sneakern kombiniert, die mitten im Zimmer liegen, die wie immer unter all meinen Dingen sich befinden. Und in meinem Kopf, da sticht's, da pocht's immer noch. Bis ich mich erinnere, mich wieder an mich selbst erinnere, wie ich irgendwann zu Marcel, du erinnerst mich noch immer an den schillernden Technotempelbesitzer, sagte. Oder vielleicht, ja, lass mal sehen. Und ich bildete kleine Schlitzer mit meinen Augen, spielte die Konzentrierte. In diesen schwarzen Hemden fiel auch an einen gentrifizierten Szenenpizzerienbesitzer. Das wird so nichts, radikaler müsste sie sein, deine Veränderung, die äußerliche, meine ich, um mit deiner Inneren mithalten zu können und versuchte sogleich, beschwichtigend zu grinsen, setzte gute Miene auf zum ernsten Treiben, zum ernsten Spiel, das sich spiegelt, sich an Marcel auch oberflächlich widerspiegelt. Es stimmt eben doch, man bekommt den Menschen zwar aus seiner hippen Fasanstraßenkaste, aber die Kaste bekommst du wiederum nicht so einfach aus dir selbst heraus, setzte ich noch einen drauf. Dann fiel mir noch ein, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr geht, als du, Marcel, unter die, ja, unter was eigentlich? Unter die Gentleman's Club Besitzer? Unter die Möchtegern-Zuhälter, die sich an die Garderobe ihrer Durchschnittsklientel anpassen wollen? Oder wie auch immer du jetzt aussehen möchtest, schob ich noch hinterher. Ich lachte locker und rollte doch so unsicher wie noch nie ein Stück Karton, das ich aus der Zigarettenschachtel gerissen hatte, zu einem Filter. Das heißt, wir sind im Jahr 2006 und erfahren eben von diesem Marcel, es wird angedeutet, dass wir dann sofort auf, dass diese Kleidung mit C und A benannt wird, also man denkt sich zuerst, warum? Ging mir so, dass man sagt, okay, kommt jetzt später H&M. Aber man merkt es, es ist auch schon angeklungen, dieser Club, dieser Club Koma, beziehungsweise dann Amok, wurde 2001 sozusagen gegründet, gemeinsam, oder übernommen von Marcel und Carla, wie schon angedeutet. Und man hat es zu Beginn ja mit dieser schürenden Figur zu tun, Marcel, sie deutet es auch schon an und ist deswegen so schockiert, nicht schockiert, aber sozusagen sieht es als erwähnenswert an, das nochmal mitzuteilen, dass jetzt diese C&A-Hemden getragen werden von ihm. Wir bekommen auch mit, dass etwas passiert. Du hast es schon angedeutet selber, es gibt nicht mehr so viel Geld sozusagen aus den bisher gewohnten Quellen. Wir sind im Jahr 2006, das heißt politisch ist etwas passiert. Es gibt nicht mehr die Förderung für so eine Art von sicheren Plätzen, wenn man so möchte. Das wird auch im Text so genannt. Und Marcel, so viel darf ich verraten, beginnt dann auf eher un so genannt, und Marcel, so viel darf ich verraten, beginnt dann auf eher unorthodoxe Art und Weise Geld für den Club zu beschaffen. Und zwar beginnt er, Apartments an Sexarbeiterinnen zu vermieten, beziehungsweise zur Verfügung zu stellen. Sozusagen, da nehme ich gleich eine Frage, die ich später anbringen wollte, gleich mit rein. Das heißt, bei dir geht es auch sofort in den ersten Zeilen auch sofort um dieses Soziale. Also verschiedene soziale Gruppen, verschiedene Personen aus verschiedenen tabuisierten Gruppen auch, wenn man so möchte, sind drin, aber auch die Politik spielt gleich mit rein. Wir hatten es vorhin auch mit der Zeit. Wie kam das? Gab es dazu erst diese Geschichte von diesen Figuren? Und dann hat man sich überlegt, die werde ich jetzt in diese Zeit reinsetzen, wo genau politisch folgende Sachen passiert sind? Oder war das Ja zuerst da, bei der Konzeption? Und dann sagt man, da setze ich jetzt die Handlung rein. Schwer zu sagen. Also bei der Konzeption, also ja, das spielt natürlich alles zusammen. Und mit ein Grund, die Ereignisse der Silvesternacht 99-2000 anzusiedeln, war, dass das die Zeit war, in der die erste schwarz-blaue Regierung vor der Tür stand. Es ist natürlich auch ein markantes Datum, es ist ein Millennium, so oft kommt das ja nicht vor. Und auch das, was wir heute Globalisierung nennen, hat zu dieser Zeit einen ersten großen Schub bekommen. Der Euro wurde ein Jahr später dann auch eingeführt in Österreich. wurde ein Jahr später dann auch eingeführt in Österreich. Also sehr viel politisch, also es eignet sich sehr viel politisch, was dann unsere Gegenwart noch prägen soll. Und das Jahr 99 und das Jahr 2006 haben in diesem Zusammenhang vielleicht, oder können in diesem Zusammenhang zeigen, dass nicht nur 99 schwarz-blau vor der Tür stand, sondern im Jahr 2006 dann auch tatsächlich schon eine ganze Zeit regiert hat. Und damit hat begonnen, was wahrscheinlich viele Kultureinrichtungen heute noch umso verschärfter spüren, aber damals hat das angefangen, das ist das, was man, glaube ich, Kulturkampf nennt, in dem bestimmte Dinge an den Rand gedrängt werden und auch ganz konkret mit Geldmittelentzug versucht wird, irgendwie weniger bedeutsam zu machen. Und warum die C&A-Hemden bei Marcel so markant sind, also wir haben es hier mit einer ganz exzentrischen, schillernden Figur zu tun, die auch immer auffallend gekleidet war und sich auch auffallend nach außen hin präsentiert und all diese Probleme, all diese Schwierigkeiten, die der bekommt mit seinem Club und dem auch irgendwie nachtrauert, was mal war und jetzt nicht mehr sein kann, ganz offensichtlich, drückt er auch in seiner Kleidungsweise aus, indem er plötzlich ganz schwarz und schlicht sich da präsentiert. Und zu den Sexarbeiterinnen, also so ganz klar ist das am Anfang nicht. Also man muss wissen, dass er gerne Spiele spielt und im Grunde genommen behauptet er nur, er hat ein paar Damen kennengelernt, die zu ihm in den Club einfach kamen, um zu feiern und die haben was gebraucht, wo sie wohnen. Und mehr macht er nicht. Also er lässt sie halt dort oben wohnen. Über seinem Club waren vorher Ateliers und verschiedene Vereine und Künstlerinnen drin und die können das plötzlich nicht mehr machen, weil die Gelder fehlen. Und so baut er das um und verdient halt damit Geld. Oder behauptet zumindest, dass er nur mit der Miete Geld verdient. Und ein Problem, das natürlich Carla und nicht nur Carla, sondern alle, die in diesem Club arbeiten, beschäftigt, die wissen nicht genau, wenn sie jeden Tag zur Arbeit kommen, wo arbeiten sie denn jetzt gerade? Arbeiten die in einem Laufhaus plötzlich, ohne dass er ihnen irgendwas sagt? Und zu allem Überfluss steckt der Carla auch immer wieder Umschläge voller Geld zu. Und ja, das ist die Situation, in der sie sich befindet und dann kommt plötzlich eben auch noch Nico und irgendwann war es dann zu viel und sie bricht zusammen. Und wir haben es schon ein bisschen gehört oder Sie haben es schon mitbekommen, also wir haben nicht zu viel versprochen, glaube ich, vom Erzählen her. Man hat diese Handlung, der man gut folgen kann, aber man merkt, da sind immer wieder diese, ich würde es jetzt so bezeichnen, diese Fetzen, diese Erinnerungsfetzen oder diese Assoziationen, ich habe vielleicht fast schon zu viel gesagt, aber sozusagen diese Anmerkungen, die auch im Text immer wieder reinspielen. Das heißt, obwohl man in dieser Zeit ist, eben jetzt 2006, hat man das Gefühl, man ist gleichzeitig auch in anderen Zeiten parallel unterwegs und die Handlung sozusagen setzt sich fort aus der Vergangenheit sozusagen in die Gegenwart. Ein Charakter, der schon erwähnt wurde von uns, eine Figur, ist Nico. Wir haben schon gesagt, seine Zeitschiene sozusagen werden wir nicht erzählen, aber ich möchte gerne etwas herausnehmen, was er mit reinbringt in den Text. das Gespenstische, die Gegenwart, wie soll ich sagen, beeinflussen oder es verunmöglichen, eine Zukunft zu erschaffen, eine eigene Zukunft zu haben, beziehungsweise jeder hat von uns eine individuelle Zukunft, das heißt, mehrere Zukunfte eigentlich zu ermöglichen. Da würde mich interessieren, beispielsweise, es kommt dann auch später, es kommen noch andere intertextuelle Verweise, war das auch ein Ursprungsgedanke beim Schreiben? Ja, also Mark Fisher werden nicht alle kennen, Mark Fisher war ein Literaturwissenschaftler aus Großbritannien und der wurde bekannt mit der These, dass eben rund um die Jahrtausendwende sich das Lebensgefühl verändert. Also während man in den 90er Jahren noch das Gefühl hatte, man hat eine Zukunft, man entwickelt sich auf etwas zu, gab es dann eine Art dystopische Wende, was eben auch mit Globalisierung zu tun hat. Und er macht das an der Musik fest. Während man in den 90er Jahren noch neue Entwicklungen, man denke an die berühmten Boygroups und in der elektronischen Musik, an Drum'n'Bass, das noch entstanden ist, also das war was Neues. Und ab diesem Moment, ab dem 2000er, zitiert man sozusagen die Vergangenheit und er macht das daran fest, dass so ein bisschen der positive Blick in die Zukunft schwindet und deshalb imaginiert man sich in eine Vergangenheit zurück und verromantisiert die auch ein bisschen. Ja, die war wahrscheinlich gar nicht so toll, aber dadurch, dass die Zukunftsaussichten so dunkel geworden sind, möchte man vielleicht sogar ein bisschen in Zeiten zurück, die einem scheinbar einfacher erschienen sind. Und ich glaube, damit hat er schon irgendwie so einen Punkt getroffen. Also man erinnere sich jetzt nur an den 80er Jahre Revival-Hype, der gerade anhält mit allen möglichen Serien und so weiter. Also es wird hier schon eine Form von Rückwärtswendung vollzogen, weil man irgendwie sich scheut davor, in die Zukunft zu blicken, weil die ja auch so unstet und ungewiss ist. Also wie bei den Figuren, wie schon gesagt, die immer wieder auf diese Silvesternacht zurückblicken, unbewusst bewusst. Ich darf nur noch ausführen, eigentlich das Buch ist wirklich perfekt für diese Zeit, weil man jetzt ja selber auch im Alltag merkt, Europa zumindest leider hat keine richtige Zukunftsvision. Man hat nur irgendwelche Zukunftsbilder aus der Vergangenheit, die nicht mehr so funktionieren. Und dann kommt man in diese Zwickmühle, die auch diese Figuren sehr, sehr gut erleben. Ich würde dich vielleicht gleich bitten, das nächste Kapitel zu lesen. Also wir überspringen sozusagen den Nico im Jahr 2012 und gehen weiter zu Judith und 2018. Und da, glaube ich, muss man im Vorfeld eigentlich nur wissen, diese Judith kommt aus einem sehr wohlhabenden Elternhaus. Ihr Vater ist in Oberbach eine sehr anerkannte Figur. Er war jahrelang Bürgermeister und Geschäftsführer des größten dort angesiedelten Unternehmens. Also sie ist sehr behütet aufgewachsen. Und trotzdem hat sie es aber auch nach dieser Silvesternacht rausverschlagen. Sie hat in der Zwischenzeit an der Unikarriere gemacht oder versucht es zumindest, war immer schon ein sehr politischer Mensch, der sich mit allen möglichen Dingen um sich herum beschäftigt hat und so auch ihre Studienwahl, aber auch sie steht vor einem Wendepunkt, denn ihre Unikarriere stagniert. Sie kommt sozusagen von einem gering beschäftigten Vertragsverhältnis ins nächste und der nächste große Sprung will nicht gelingen und da bekommt sie dann irgendwann einen Anruf von ihrem Vater und der bittet sie, ohne zu sagen, worum es geht, zu ihm nach Oberbach zurückzukommen und da steigen wir bei Judith ein, auf ihrem Weg zurück nach Oberbach zu ihrem Vater. Und natürlich kommen da Erinnerungen an ihre Kindheit und an Oberbach hoch. Nach Oberbach führt eine Passstraße. Eine Passstraße, die sich schmiegt, die sich an steile Felswände schmiegt, wie eine Katze um ein Bein. Und dann und wann, da bricht ein Stein, da brechen massive Felsbrocken aus den Wänden aus. Brechen, fallen, treffen auf der Straße auf mit dumpfem Grollen. Ein donnerndes Rollen, das abrupt im dichten Wald verebbt. Aber manchmal, manchmal auch die Katze, das Fuhrwerk, den Fiat Punto unter sich zerquetscht. Tödlicher Unfall nach Steinschlag. Die Passstraße eigentlich ein Massengrab, denke ich. Unter ihr, knapp vor dem Scheitelpunkt, auf gut 1500 Metern, liegt ein See. Die Straße führt am Sirenensee vorbei. Von einer Aussichtsplattform aus wird er gesehen. Wenn man stehen bleibt auf dem Parkplatz vor der mächtigen Burg und die Straße zu einer kleinen Aussichtsplattform quert. Die Burg ist Bestandteil einer größeren Wehranlage aus dem frühen Mittelalter. Sie diente als Kaserne, später dann als Zollstation. Heute beherbergt sie eine Raststätte. Eine Raststätte mit mehreren Restaurants und Gästezimmern und Duschen für die Fernfahrer. Und auf der Aussichtsplattform bietet sich Ihnen ein spektakulärer Blick auf den Sirenensee, wie es in den Broschüren heißt. Ein See, der zu Ihren Füßen in eine Schlucht gebettet liegt. Es empfiehlt sich dabei aber, das Geländer festzuhalten. Keine zwei Meter entfernt zwischen Burg und Aussichtsplattform verläuft nämlich die Passstraße, auf welcher die Sattelschlepper vorbeischeppern und den besonders Unglücklichen die Wahl bieten, sich entweder unter einen 40-Tonner zu werfen oder sich in die Tiefe zu stürzen. Von der Burg aus führen Trampelpfade abwärts zum See. Sie fallen steil von der Passstraße ab zu einem mittelalterlichen Gutsherrenschloss, das unweit des Sirenensees an der Waldgrenze liegt. Es ist historisch verbirgt, dass es bereits im 14. Jahrhundert von den Landesfürsten als Feriendomizil genutzt wurde. Insbesondere der Jagd wurde und wird hier nachgegangen. Man sagt, dass sogar Franz Josef I. hier der Hirschjagd frönte. Das Haus befindet sich jedenfalls im Besitz von Jagdpächtern, eine deutsche industriellen Familie, die das Gut bereits in der dritten Generation besitzt und jedes Mal, jedes Mal, wenn ich nach Oberbach fahre mit dem Bus, da wird mir schlecht, da wird mir und manch anderem Reisenden in den spitzwinkeligen Kurven schlecht und die Pause, die Pause bei der Plattform ist uns recht und ich mache ein paar Schritte, mache ein paar Schritte in die Schlucht zum Schloss und muss unweigerlich an Göring denken, an die Sätze von Hermann Göring. Die Jagd ist auch in politischer Hinsicht wichtig, auf der Pirsch lassen sich die Probleme oft leichter meistern als am grünen Tisch. Und dann weht Wind, oft leichter meistern als am grünen Tisch. Und dann weht Wind. Frisch weht der Wind mir um die Nase und auf all die früheren Einladungen, auf all die Einladungen an meinen Vater von lokalen und überregionalen Unternehmern zu Jagden, von Politikern zu gemeinsamen Jagdausflügen, folgten damals Karten. Dankeskarten meines Vaters mit einem Bild von mir und meiner Mutter. Ich, mein Vater und meine Mutter vor der Tanne im Garten, die vielen Dankeschreiben für schöne Hirschbrunfterlebnisse und die Wut als langlebige Glut in meinem Magen, schon als 16-Jähriger. Und auch heute wieder glühende Wut von 1999 in ein Heute, mit Strache in der Regierung, mit einem Wehrsportstrache in der Regierung, das Bild mit Tarnkleidung im Wald, das Gesicht vermummt und das Gewehr in der Heute, mit Strache in der Regierung, mit einem Wehrsportstrache in der Regierung, das Bild mit Tarnkleidung im Wald, das Gesicht vermummt und das Gewehr in der Hand, bereit zur Jagd, zur Menschenjagd. Da ist sie, die Wut dann, zum Greifen, fast plastisch, wie damals. Damals im Herbst 1999. Das Bild dann von Amon Goethe. Das Bild von Amon Goethe hielt ich ausgedruckt als Dankeschreiben in der Hand. Das Bild von ihm auf der Brüstung, auf der Balkonbrüstung mit dem Jagdgewehr an seiner Schulter und der Zigarette in seinem Mund. Doch ich wusste nicht. Im entscheidenden Moment wusste ich nicht mehr, wer das Bild im Kuvert bekommen sollte. Mein Vater? Seine Geschäftspartner? Vielen Dank für die unvergessliche Jagd, hatte ich auf die Rückseite geschrieben. Vielen Dank für alles, hatte ich auf die Rückseite mit Mamas Olympia getippt. Dein Reinhold R. Nein. Ich zupfte die Karte an der Schreibmaschine nach oben, zupfte vergebens an der Karte, bis sie riss, bis ein Riss, ein kleiner nur, am oberen Rand entstand. Man verwendet die Rolle an der Seite, hatte mir meine Mutter beigebracht. Und ich drehte nach oben, drehte die Karte vorsichtig wieder etwas nach oben und überschrieb, überschrieb Reinhold R. mit den besten Wünschen von mir, von Judith Renner. Eine behütete Kindheit lehrt das Lügen, denke ich jetzt auf der Aussichtsplattform stehend. Man lauscht den Erwachsenen, lauscht ihnen die Sprache ab, ahmt ihre Haltung, ahmt jeden Handstreich nach. Eine Welt aus Formen und Codes, die in die richtige Reihenfolge gebracht, etwas gelingen lassen, das ansonsten unerreichbar bleibt. Merkt ihr das? Ich lernte früh, was es heißt, angemessene Kleidung zu tragen, dass man die Schultern nach hinten ziehen und auf den aufrechten Gang achten soll. Ordnung ist das halbe Leben, die andere Hälfte Fleiß und Gottesfrucht. Unaufgeräumte Kinderzimmer sieht der Allmächtige ebenso wie jede Gemeinheit. Ja, jedem schlechten Gedanken kommt der Allsehende auf die Spur. Es würde nie etwas aus einem werden, wenn das nicht verinnerlicht ist. Wenn nicht verinnerlicht ist die Pflicht, die Heilige etwas zu werden. Zu werden, was für dich vorgesehen ist. Und dieses Werden, dieses Etwaswerden, sei das eigentliche Wesen, dem es nachzueifern gilt. Schwierig würde es werden. Eine Reise voller Unwägbarkeiten. Da kommt man nicht aus, auf die Hinterbeine deshalb mit dir. Auf diese müsse ich mich stellen, jetzt. Dein Vater ging zur Schule, bis er 27 war, bis er die höchste Stufe der Schulbildung gemeistert hatte, erklärte mir meine Mutter schon als Kind, stolz vor dem Schlafengehen. Universität wird jene Städte genannt, die es zu erreichen, die es zu meistern gelte. Deshalb lernen, lernen, lernen. Von Anfang an höre ich noch den Vater vor dem ersten Schultag im Gymnasium sagen. Sei brav, Judith, dass aus dir später etwas wird und nicht auf mich zurückwirkt, ergänze ich jetzt auf der Plattform still. Wir erfahren da, kommen wieder Kuverts vor, wieder die Bedeutung von diesen heimischen, diesen versteckten Inneren sozusagen, was sich auch in den Familiengeschichten, wie schon angedeutet, zeigt. Wir erfahren dann auch beispielsweise, dass bei Judith Renner eigentlich väterlicherseits der Name irgendwann mal angenommen wurde, anstatt Hofherr, das auch mit der NS-Zeit zusammenhängt natürlich. Wir erfahren das aber auch auf der anderen Seite bei Nico, da kann ich ganz kurz sagen, einerseits ist Ludwig Trenner aus einem sehr gut behüteten Haushalt, Nico sozusagen das krasse Gegenteil, aus einer Arbeiterfamilie. Wir erfahren auch, dass er vor allem dann diesen Stiefvater hat, den Herrn Böhm, der sozusagen mit der Geschichte seines Vaters wiederum, wie soll ich sagen, hausieren geht und erzählt, das war ein Widerstandskämpfer. Bis man eines Tages dann der Nico rausfindet, das ist jetzt auch nicht ganz die Wahrheit. Sozusagen da gibt es auch Hinweise, kein Kuvert, aber ein anderer Gegenstand, der dann zeigt, da ist vielleicht doch jemand eher auf der anderen Seite gewesen in der NS-Zeit. Wie soll ich sagen, war dir das wichtig, dass eigentlich jede Figur wirklich, also ich habe beim Lesen oft gesagt, dieses Kuvert, weil diese Umschläge kommen oft vor, dass eigentlich jede Figur mehrere Umschläge haben muss, weil man liest und auch die Nebenfiguren, die auftauchen, haben dann eigentlich auch jeder jeweils nochmal so eine geheime Botschaft, die sie immer mitschicken und du hast jetzt schön gehabt mit den Beschriftungen, aber die Beschriftungen sind eigentlich immer falsch. War das, wie soll ich sagen, war dir das wichtig, dass wirklich jede Geschichte, jede Figur auch in ihren Facetten tun gezeigt wird? Ja, also ich finde Figuren dann spannend, wenn es Ambivalenzen gibt, wenn es Widersprüche gibt, wenn es Verweise in die Vergangenheit gibt, die den Figuren vielleicht selber auch gar nicht so bewusst sind. Dass alle Figuren einen NS-Bezug haben, stimmt aber nicht ganz, denn die Carla, die am Anfang vorkommt, die kommt aus einer ganz anderen Ecke wiederum. Die Kommune, genau, und ist da sehr schnell oder hat schon als 13-Jährige versucht oder erfolgreich versucht, aus dieser Kommune rauszukommen und wurde dann die beste Freundin von Judith. Und ja, ich glaube schon in der Kindheit hat man gemerkt, dass das mehr ist als nur Freundschaft. Aber ja, dieser NS-Bezug, der ja aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommt, also das war mir auch wichtig zu erzählen, dass eigentlich der Vater von Judith, der eigentlich als großbürgerlicher Unternehmer sich viel stärker von seinem Vater versucht zu distanzieren, der ja auch Kriegsverbrechen begangen hat und daran beteiligt war, dieses Unternehmen, für das Reinhold Renner arbeitet, aus Oberbach rauszuboxieren, weil es in jüdischer Hand war. Und für ihn ist das sozusagen ein Moment, in dem man sich abgrenzt, während die sozialdemokratische Seite, die oftmals ja vielleicht sogar ein bisschen unverdächtiger erscheint als die großbürgerliche, also der Stiefvater von Nico in dem Fall, der brüstet sich oder hat sich lange Zeit damit gebrüstet, dass auch sein Vater ein Widerstandskämpfer war. Der war das aber gar nicht. Und man merkt so ein bisschen, also da spielt auch die Kreisky-Zeit mit rein, also das ist diese Anspielung auf den Konflikt mit Wiesenthal, wo damals der Kreisky eigentlich, wie hat man ihm vorgeworfen, oder was hat er vorgeworfen, das war eine Beschreibung, dass die Sozialdemokraten außen rot wären, also wie ein Punschkrapferl, aber innen braun. Und Kreisky ja gar nicht anders konnte, als zu versuchen, einen Schlussstrich zu ziehen. Und das hat ihm, glaube ich, bei sehr vielen ehemals NS-Leuten, die dann in der Sozialdemokratie gelandet sind, Sympathien eingebracht, dass er meinte, es muss mal Schluss sein mit dem Ganzen und so weiter und so fort. Und das fand ich spannend in der Recherche. Und wenn man heute das Jüdische Museum in Wien besucht, dann kann man sich diese Auseinandersetzungen Wiesenthal-Kreisky noch im Original mit den Tönen anhören. so einen Wiesenthal-Kreisky noch im Original mit den Tönen, mit den Originaltönen anhören. Und das war irgendwie für mich spannend, das auch mal so ein bisschen darzulegen oder versuchen, da mit einfließen zu lassen. Denn man darf nicht vergessen, also meine Oma war noch als Kind sozusagen in diese Zeit geboren, aber auch schon so weit entfernt, dass sie eigentlich gar nicht mehr wirklich darüber berichten konnte. Also wir sind jetzt schon relativ weit weg, muss man sagen, aber dadurch, dass die Einfallstore für den Rechtsradikalismus nach wie vor ja vorhanden sind, ist es wichtig, für mich ist es wichtig, immer wieder darauf zu sprechen zu kommen und das dann auch sozusagen über die Generationen hinweg, die jetzt schon zwischen mir und dieser Zeit liegen, zu versuchen, wo sind denn da Anknüpfungspunkte. Und du hast es schon erwähnt, bei der Recherche und demnächst, war das schwierig für dich, wenn du von der Bühne kommst und mit Stücken zu tun hast, das jetzt alles in ein Buch zu bringen, diese ganzen Ideen, also wenn man weiß, du musst quasi alles nur allein mit dem Text, ohne Schauspielerinnen, Schauspieler, war dieser, wie soll ich sagen, dieser Wechsel, war das schwer oder ging das eigentlich ohne irgendeinen, also für dich ohne irgendeine Hürde? Eigentlich gar nicht, weil es gab keine Hürde, weil ich komme zwar aus dem Theater und arbeite dort sehr gerne, aber Stücke schreiben kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, weil Dramatik, die ist unerbittlicher. Ich kann in der Dramatik nicht so weit ausholen. Das muss sozusagen ein Anfang und ein Ende haben und sich am besten, wie sagt man bei Aristoteles, am einen Tag erarbeiten. Also die Einheit von Handlung, Zeit und Ort. Und das muss man in der Prosa nicht. In der Prosa kann ich, wenn ich möchte, bei Tag Null beginnen und in der weit fernen Zukunft enden. Und diese Freiheit, die fand ich toll. Und ich glaube, dass das, was ich erzählen möchte, das, was ich schreibe, nicht für die Bühne geeignet ist. Also vielleicht zum Lautlesen und Sprechen das ja, vielleicht ist das sozusagen, da kommt das Theater rein, aber wie es geschrieben und wie es erzählt ist, würde, glaube ich, nicht für die Bühne funktionieren. Sag das nicht, man weiß nie. Man weiß nie. Es hat mich zwischendurch ein bisschen an dieses Wir schlafen nicht von der Art her. Richtig. Das würde ja dann auch zu einem Stück. Und irgendeinen Verrückten gibt es, der das dann noch in die Kuh bringen will. Vielen Dank. Dann würde ich jeder noch mal bitten, auf die Bühne zu kommen. Ich schaue kurz auf die Uhr, ich habe versprochen 70 Minuten, aber es werden vielleicht 75. Ich frage ganz kurz, bevor ich nochmal selber nachfrage, gibt es vielleicht jetzt jemanden, der sehr mutig ist, das geht in diesen Büchern mutige Menschen auch, der eine Frage stellen möchte. Ja, bitte. Vielleicht da vorne in der zweiten Reihe. Herr Marder, zum Titel, am Anfang wieder die Nacht. Nicht am Anfang war die Nacht, warum wieder die Nacht? Naja, also die Nacht, die Silvesternacht. Also es ist ein bisschen ein widersprüchlicher Titel, ist auch absichtlich so gewählt. Also wenn man am Anfang steht, kann ja nicht irgendwas wiederkommen eigentlich, aber bei den Figuren ist es so. Also die versuchen permanent sich aus dem, was sie erlebt haben oder aus dem, wo sie gerade drinstecken, zu befreien, aber sie schaffen es nicht. Die Vergangenheit und das, was sie beschäftigt, kommt immer wieder und vor allem diese Nacht kommt immer wieder. Deshalb am Anfang die Nacht. Vielleicht machen wir gleich weiter, weil dann setzt sich sonst der Stefan hin. Gibt es vielleicht gleich noch eine Frage? Nein, dann mache ich gleich weiter und vielleicht kommt dann wieder etwas auf. Jetzt haben wir sehr viel über Martins Buch gehört, jetzt hätte ich noch mal eine Frage. Ich habe ihn schon gefragt wegen der Arbeitsweise. Wir haben es schon gehört. Hier ist sozusagen jemand, der kommt aus dem Kultur-Literatur-Bereich, auch sozusagen Beruf, Beruf, bei dir auch, aber auch die Uni, aber auch Rechtswissenschaften, aber auch die Psychologie, sozusagen bei der Arbeit am Buch selber, gab es da dann auch irgendwie, wie soll ich sagen, für dich oder gibt es bei literarischen Texten einen Sprung, den du vornehmen musst, dass du sagst, jetzt schreibe ich nicht wissenschaftlich, jetzt ist das eindeutig Literatur, jetzt muss ich aufpassen, weil die Sprachen, also man merkt es ja, die Sprache ist ja viel, wie soll ich sagen, viel direkter. Und wenn man dann ein bisschen den Background hat, denkt man sich, na vielleicht kommt das auch daher, dass sie jetzt gewohnt ist, sich knapp zu halten und präzise sein zu wollen. Ich glaube tatsächlich, dass sie jetzt gewohnt ist, sich knapp zu halten und präzise sein zu wollen? Ich glaube tatsächlich, dass es für das Buch gar nicht so ausschlaggebend ist, woher ich irgendwie von der Profession komme, sondern woher ich komme. Und das ist halt irgendwie ein altes Müllviertel. Also ich glaube, mehr als die letzten sieben Jahre haben mich wahrscheinlich die 20 Jahre davor für das Buch inspiriert, genau, aber ja, natürlich wird es irgendwo, also ich glaube, vielleicht weiß ich es gar nicht so sehr, wie es einfließt, aber ja, wahrscheinlich, wenn man recht viel schreibt generell, aber ich glaube, ich muss mich eher beim wissenschaftlichen Schreiben zurückhalten, dass man denkt, das ist jetzt ein wissenschaftliches Schreiben, irgendwie, genau. Das heißt aber auch beim Schreiben selber, wir hatten das vorher schon, diese Geschichte, die verflochten ist durch sehr, sehr viele, also durch eine sehr lange Zeitspanne bei dir, wiederum kann man sagen, ist es eine viel, viel kürzere Zeitspanne. Ist es auch daher gegeben, dass dann auch die Sprache viel knapper sein sollte bei dir? Wir haben jetzt schon kurz gehört, alles tot ist, war deine Idee dann auch sozusagen, es sind mehrere Tage, aber dass man sagt, das ist gefühlt eine Woche, die hier passiert, so hatte ich es vom Gefühl her eigentlich gelesen. Ich glaube, es greift ein bisschen die Spracharmut irgendwie auf, die mit der damaligen Zeit und irgendwie mit dem Mühlviertel so assoziiert. Daran haltet sie vor allem, also diese Schwierigkeit irgendwie das eigene Erleben überhaupt zur Sprache zu bringen. Und was ich ganz ganz interessant finde noch bei dem Buch ist, da gibt es ein Nachwort. Ja. Das gibt es, das ist klar. Wie kam die Idee, dass man da noch ein Nachwort, also jetzt war das deine Idee, das fand ich total spannend, weil ich ganz irritiert war, ehrlich gesagt, zu Beginn. Das war eigentlich relativ, das war eigentlich für mich einfach klar, das möchte ich ja machen. Das war eigentlich von Anfang an klar, das möchte ich ja machen. Also das war eigentlich von Anfang an dabei eigentlich, genau. Ja, es hat das Buch nie ohne das Nachwort gegeben eigentlich. Das war von Beginn an, also es war dir klar, du müsstest diese Verweise geben sozusagen. Das ist spannend. Das fand ich total spannend, weil ich es so gar nicht kenne. Also das ist ganz, ganz interessant. Was ich euch noch beide fragen will, als Abschlussfrage vielleicht. Wir springen zurück. Das interessiert mich persönlich und Sie alle haben jetzt das Pech, dass Sie mithören müssen, aber das frage ich immer die Autorinnen und Autoren, weil es mich einfach sehr interessiert. Wenn man solche Bücher schreibt, die dann doch nicht, wie soll ich sagen, jetzt nicht, oder anders gesagt, die eher eine negative Seite haben oder doch sehr, sehr kritisch sind, muss man dazu eine bestimmte Uhrzeit schreiben, damit man das sozusagen hinbekommt. Das interessiert mich wirklich, also wirklich das Biologische, sagt man dann, das muss ich in der Nacht schreiben, das muss ich am Tag in den frühen Morgenstunden, an die mich das Cover erinnert hat, schreiben. Gibt es bestimmte Uhrzeiten, wo man solche Texte schreiben muss oder nur kann oder ist das unabhängig davon vielleicht, Martin? Also ja, kritisch kann das Buchisch ist das Buch auch. Aber ich würde nicht sagen, es ist negativ im Allgemeinen. Sondern ich glaube gerade Carla, die auch das letzte Kapitel erzählt, zeigt ja sehr schön, wie man es immer wieder schaffen kann, von vorne zu beginnen, auch wenn es nicht gelingt. Aber Gerd Voss hat ja mal gesagt, man muss scheitern, scheitern, besser scheitern und so ein bisschen, also Kala ist schon die Figur, die am meisten sozusagen dann versucht, ihr Schicksal zu gestalten und da auch zugegebenermaßen rücksichtslos agiert. Aber zu der Frage, wann man das schreibt, dadurch, dass ich ja tagsüber im Theater gebunden bin, ist die Nacht naheliegend. Also das hat aber nicht nur mit dem Inhalt zu tun. Also ja, entweder in der Nacht oder, und das mache ich tatsächlich fast noch lieber, frühmorgens aufstehen, Kaffee und sofort zum Schreibtisch. Also wenn man noch nicht ganz da ist und noch so halb im Traum hängt. Das ist eigentlich meistens die beste und produktivste Zeit. Und dann immer, dass man sich selber sagt, ich schreibe eine Seite, zwei Seiten, oder ist das dann egal? Das ist eher zeittechnisch. Man hat dann hoffentlich gute zwei Stunden. Und was in diesen zwei Stunden passiert, kann eine Seite sein, es kann mehr sein. Das ist unterschiedlich. Und was für mein Arbeiten sehr wichtig ist, ich schreibe, es ist vor kurzem Anolf Reiner gestorben, der seine Sachen übermalt hat, so ähnlich gehe ich vor. Also ich schreibe am Anfang relativ schnell und dann wird es immer wieder überarbeitet, überarbeitet, überarbeitet, auch was den Klang der Sprache betrifft. Also irgendwann ist es wie so eine Partitur, wo ich sozusagen ein Wort dahin schiebe und das andere wieder dahin. Und das kommt aber erst so im Laufe der Zeit mit vielem Überarbeiten. Also für mich ist das Überarbeiten eigentlich wichtiger als das Schreiben selber. Das heißt aber auch, wirklich nicht am Computer schieben, sondern wirklich dann Handy schreiben? Sowohl als auch. Also heißt aber auch, wirklich nicht am Computer schreiben, sondern wirklich dann Handy schreiben? Sowohl als auch. Also ich schreibe meistens am Computer, vor allem der Computer hat halt den Vorteil, ich kann schneller löschen, streichen oder woanders hinsetzen, aber ich brauche es dann auch immer wieder, das alles auszudrucken und dann mit einem anderen Medium sozusagen in der Hand zu arbeiten. Wie ist es bei dir? Ich habe gerade überlegt, also mit dem in der Früh aufstehen, mit dem kann ich mich irgendwie auch, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Das habe ich auch schon vorhin erlebt, dass wenn man irgendwie nach dem Aufstehen und sich zwei Stunden hinsetzt, dass da irgendwie, ich weiß nicht, da ist irgendwas da, was es gut funktionieren lässt. Aber ich habe ein bisschen das Gefühl, dass mehr als die Zeit der Ort ist, wo man gerade ist. Also wenn man einen guten Ausblick hat, dann schreibt sie sich leichter. Super, das heißt, jetzt habe ich ein bisschen einen Einblick über die Zeiten und den Umgang mit der Zeit. Ich glaube, von der Zeit her sind wir auch ganz in Ordnung. Wenn es keine Fragen mehr gibt aus dem Publikum, doch gibt es. Zu die Menschen. Es ist ja sehr viel Persönliches in dem Werk und gerade die Entwicklung die diese Frau durchmacht ist ja auch echt was Schönes und Befreiendes auch für den Leser und da wollte ich von dir wissen ob da in dieser Entwicklung auch viel Persönliches steckt oder ob das was du beobachtet hast konkret oder ob das eine Wun beobachtet hast, konkret, oder ob das eine Wunschvorstellung und ein Wunsch ist an viele Menschen, dass sie sich so befreien. Ja, also ich glaube, ich sehe es als etwas sehr Menschliches, weshalb ich mich nicht ausschließen würde. Genau. Das war die politische knappe Antwort. Aber vielleicht kann man das dann noch näher ausführen. Dann würde ich von meiner Stelle aus sagen, ich habe keine Fragen mehr. Und danke für die Aufmerksamkeit. Danke. Danke dir. Zum einen bin ich gespannt darauf, wenn die Feldstudie abgeschlossen ist von Erkan Osmanovic, wann lustige, traurige und pathetische Texte geschrieben werden, um welche Tageszeit, das wird die Literaturwissenschaft wahrscheinlich revolutionieren. Ich danke unseren Gästen Ida Leibezeder und Martin Marder und unserem Moderator Erkan Osmanovic. Ich habe eingangs erwähnt, dass wir im Stifthaus versuchen, eine möglichst breite Palette literarischen Spektrums hier abzubilden. möglichst breite Palette literarischen Spektrums hier abzubilden. Dienstag ein weiteres Beispiel dafür. Am kommenden Dienstag gibt es einen literaturwissenschaftlichen Abend, und zwar den Adalbert-Stifter-Gedenktag. Da werden wir die Ausgabe 11.2 der historisch-kritischen Gesamtausgabe von Albert Stifters Werken vorstellen. Es geht um Briefe an und von Stifter und wenn Sie das interessiert, wenn Sie mal was ganz anderes hören wollen, dann kommen Sie gerne. Hinten gibt es den Büchertisch bereitgestellt von der Buchhandlung Fürstlberger. Sie können die Werke erwerben. Die Autorin und der Autor sind gerne bereit zu signieren. Ich bedanke mich für Ihr Kommen und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.