Herzlich willkommen an diesem bereits frühlingshaft anmutenden Montagabend bei einer weiteren Ausgabe der Senderei der Stachel im Fleisch aus dem Studio von DorfTV in der Kunstuniversität Linz. Ja, antimuslimische Ressentiments und polarisierende Narrative erweisen sich auch in Österreich als ein immer größer werdendes Problem. Insbesondere die Themen Migration, Sicherheit und Integration werden immer öfter als Projektionsfläche genutzt, um Ängste zu mobilisieren und gesellschaftliche Gegensätze zu verschärfen. Was als sachliche Auseinandersetzung in Erscheinung tritt, folgt allerdings meist den Mustern einer pauschalisierenden und rassistisch motivierten Stimmungsmache, die weit über die politischen Debatten hinaus in den öffentlichen Alltag hineinwirkt. Für das Miteinander hat das schwerwiegende Folgen, denn gesellschaftliche Gruppen werden somit gegeneinander ausgespielt und die demokratischen Grundlagen des Gemeinwesens destabilisiert. Es geht also heute um das große Thema Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus, vor allem um die Frage, wer hat denn eigentlich ein Interesse daran, auf diese Karte zu setzen, beziehungsweise gerade natürlich auch für uns von DorfTV hier interessant im zivilgesellschaftlichen Kontext, wie man denn in weiterer Folge einer solchen Politik der Spaltung entgegentreten kann. Ich freue mich sehr, dass ich zwei berufene Gäste bei mir im Studio willkommen heißen darf zu diesem Thema, nämlich gleich neben mir sitzend Martina Tisberger. Sie ist Professorin für postmigrationsgesellschaftliche soziale Arbeit an der Fachhochschule Oberösterreich in Linz. Was damit genau gemeint ist, werden wir vielleicht im Gespräch noch erfahren. Und neben ihr sitzt Dunja Khalil. Sie ist Rechtsberaterin der Organisation mit dem langen Titel Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus. Kurz ausgesprochen die Dokustelle Österreich, so werde ich es auch heute im Laufe des Gesprächs ernennen. Ja, ich freue mich sehr, dass wir heute im Rahmen meiner Politikgespräche mit Vorwärtsdrang dieses so wichtige Thema auch angehen können. Ich will keine weitere Zeit verlieren, Frau Tisberg, ich beginne gleich mal mit Ihnen. Ich habe mir das nochmal genau rausgesucht. In Österreich, auch im historischen Kontext, hat der Islam seit dem Jahr 1912 eine gleichwertige religiöse Stellung wie das Judentum und das Christentum. Das heißt, der Islam ist offiziell den anderen Religionen gleichgestellt. Damit einhergeht auch ein besonderer Schutz für Professorinnen und Professoren der islamischen Lehre und so weiter. Schutz für Professorinnen und Professoren der islamischen Lehre und so weiter. Das ist letztlich auch beim geschichtlichen Rückblick doch auch Ausdruck einer multikulturellen Gesellschaft, damals in der Monarchie. Ich habe das jetzt auch nochmal herausgefunden, das war ja ganz erstaunlich, da waren ja sogar Muslime in der Leibgarde des Kaisers oder es gab sogar Imame, die waren Seelsorger im Kaiserreich. Dennoch, da hat sich im Laufe der fast mehr als eines Jahrhunderts sehr, sehr viel geändert. Eine wandelbare Geschichte, wie auch wir hier im historischen Österreich, mittlerweile auch Mitgliedstaat der Europäischen Union, mit dem Islam umgehen. Welchen Stellenwert, welchen Respekt wir ihm zollen. Und ich habe schon eingangs erwähnt, wir müssen da leider Gottes sehr, sehr viele negative Entwicklungen beobachten. Können Sie das mal auch ein bisschen kulturgeschichtlich kurz umreißen, wie denn diese Entwicklung zu beschreiben ist? Warum dient heute der Islam so vielen Menschen als Feindbild? Also das eine ist ja immer die offizielle Regelung, die rechtliche Situation und das andere ist die soziale Praxis im Alltag. Also die Religionen sind in vielen europäischen Staaten gleichgestellt und dennoch erleben wir natürlich massive strukturelle Diskriminierungen. Also das mag sein. Also es gab ja immer wieder solche Konjunkturen. Und um 1912 herum gab es sicherlich diese Politik irgendwie, die integrativ war. Es ist dann aber nochmal die Frage, inwiefern hat die Politik oder hat die offizielle Regelung sich wirklich in den Alltag hinein dekliniert. Also es gibt immer wieder solche Zeitpunkte, solche Stationen, solche Novellen. Irgendwie zum Beispiel 9-11, glaube ich, ist ein sehr, sehr wichtiges Datum. Also der Anschlag auf die Twin Towers und das Pentagon und so weiter, was man damals, glaube ich, schon so ein bisschen als Zeitenwende erlebt hat. Ich habe zumindest den Eindruck gehabt, dass da ganz, ganz massiv so eine antimuslimisch-rassistische Stimmung dann geschürt wurde. Ja, sodass dann plötzlich irgendwie alle Muslime als Gefahr erschienen. Also man hat da wirklich im Alltag einen richtigen Paradigmenwechsel erlebt. Und die muslimisch markierten Menschen am allermeisten. Also das habe ich sehr deutlich mitbekommen. Also davor, in meiner subjektiven Wahrnehmung, war der Islam immer wieder mal ein Thema oder auch nicht. Also es war einfach nichts Besonderes. Also wir erleben ja auch in den deutschsprachigen Ländern als Migrationsgesellschaften mit der sogenannten GastarbeiterInnen-Anwerbung, da gab es immer wieder solche Phasen, wo dann irgendwie über die MigrantInnen geredet wurde. Und dann vielleicht auch irgendwie die Türken als die Ersten, die quasi aus nichtchristlichen Kontexten gekommen sind, das dann immer wieder zum Thema wurde. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es so dermaßen problematisiert wurde wie nach 9-11. Und an sich, also im 19. und 20. Jahrhundert wurde ja eigentlich sehr, sehr viel Orientalismus betrieben. Also das war ja genau die Zeit, wo man quasi diese abendländische Kultur so ein Stück weit ausgearbeitet hat durch das Othering, durch dieses Verändern, wie das Edward Said beschrieben hat. Das sogenannte Morgenland. Ganz genau. Also der Okzidentalismus, der ist dadurch natürlich spiegelbildlich entstanden. Das sogenannte Morgenland. Konstruktionen des Orients entwickelt hat. Und das geschah vor allem in der Hochkultur, also in der Malerei, in den Romanen. Edward Said hat ja eine Diskursanalyse von so einschlagenden Romanen gemacht. Also das, was so dann auch letztlich die Masse gelesen hat oder was so die Kultur geprägt hat in Europa. Und da wird sehr, sehr deutlich, dass die Muslime, also überhaupt erst mal als Einheit konstruiert wurden. Das ist ja eine äußerst heterogene Welt, die muslimische Welt mit unterschiedlichsten Richtungen, unterschiedlichen Geschichten, Kulturen, soziopolitischen Ausrichtungen und so weiter. Die wurden alle vereinheitlicht und als der Orient beschrieben. Und als Kontrastfolie konnte sich dann eben der Okzident als positiv herausarbeiten. Also es war immer so, die Orientalen, in Anführungszeichen, das sind die dem Müsiggang Verschriebenen mit ihren Haarems, also immer so eine Oszillation zwischen Xenophobie und Exotismus. Also einerseits so Sehnsuchtsort irgendwie, von diesem Hammam und Sexualität, auch die illegitime Sexualität, was im Abendland alles verboten wurde, weil wir sind ja so moralisch integer und fortschrittlich usw. Und die Orientalen mussten dann all das bedienen, was wir nicht sein wollten. Und im Grunde genommen haben sich genau diese Bilder, also von dem Müsiggang, von der sexuellen Abweichung, von vor allem der Modernisierungsunfähigkeit, der Frauenfeindlichkeit, diese Bilder, sondern das hat sich so dermaßen in die Gesamtgesellschaft eingeschrieben, dass selbst die wohlmeinenden, eher linksorientierten, ich sag es mal bösartig gut Menschen, sich dabei ertappen müssen, dass sie rassistische Bilder reproduzieren, allein durch die Sprache. Also wenn wir uns mal die Sprache angucken, die ist so voller Licht- und Schattenmetaphorik, von schwarzen Kassen, aber weißen Westen und dem Schwarzfahren und was weiß ich nicht alles. Also alles Mögliche, was dunkel konnotiert ist und das hell konnotierte, das ist immer assoziiert mit dem Abendland und mit uns. Und so haben wir das im Grunde genommen seit Jahrhunderten im Alltag und man braucht sich gar nicht, also es gibt die Extreme, diese extrem migrationsfeindliche, antimuslimisch rassistische Propaganda oder Rhetorik oder die Diskurse rechtspopulistischer Parteien, aber ich würde sagen, in der Mitte der Gesellschaft hat sich dieser Rassismus ganz genauso sedimentiert. Wir werden über einige Aspekte noch zu reden haben. Frau Khalil, ich darf gestehen, ich habe diese Sendung ins Programm genommen, sehr stark unter dem Eindruck von Jahresbeginn 2026, als die rechtskonservative ÖVP, die immerhin auch in Österreich den Bundeskanzler stellt, mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit getreten ist, die wiederum Fußt auf einer Studie beauftragt wurde, der österreichische Integrationsfonds, das ÖEF, die im Wesentlichen ein Ergebnis vermitteln sollte, ein Ergebnis vermitteln sollte, nämlich, dass eine deutliche Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher im Zusammenleben mit Musliminnen und Muslimen sich unwohl fühle. Das ist natürlich äußerst haarsträubend, vor allem wenn man genauer hinsieht, dass da eigentlich überhaupt nicht daraus hervorgeht, was denn eigentlich dieses Unwohlsein genau ausmachen soll, wo denn Friktionen, Probleme tatsächlich im Zusammenleben, im Alltag auftreten, bis hin, dass natürlich bei der Befragung ganz offensichtlich viele Menschen ausgeschlossen wurden, denn befragt wurden nur jene, die über eine sogenannte Staatsbürgerschaft verfügen und dies halt nicht haben, obwohl sie hier am Gemeinwesen mitwirken, Steuern zahlen, nicht befragt wurden. Das ist natürlich etwas, was es unbedingt zu problematisieren gilt. Jetzt sind Sie tätig als Rechtsberaterin der Doku-Stelle, haben tagtäglich mit diesem Thema zu tun. Können Sie uns ein bisschen schildern, wie sich diese Islamfeindlichkeit oder auch dieser antimuslimische Rassismus tatsächlich für Menschen, Musliminnen und Muslimen im Alltag auswirkt, wie sich das konkret darstellt, beziehungsweise vielleicht Sie sind ja mittlerweile auch schon ein bisschen in der Adoleszenz als Organisation. Sie wurden 2014 gegründet, haben 2024 das 10-Jahres-Jubiläum gefeiert. Wie können Sie denn da auch gewisse Veränderungen oder Entwicklungen festmachen, die unsere Situation in Österreich beschreiben? Ja, wie Sie richtig sagen, wir haben 10 Jahre gefeiert letztes Jahr und haben den Report rausgebracht, wo wir Analysen gezogen haben, Statistiken und die Fälle nochmal veröffentlicht, die uns gemeldet wurden im Vorjahr. Und wir haben ganz klar erkennen können, dass die Fälle, die schon 2014 bei der Gründung uns gemeldet wurden, auch ein Thema waren zehn Jahre später. Das heißt, dass diese Lebensbereiche immer noch sehr relevant sind und dass sich in diesen zehn Jahren sozusagen nicht viel verbessert hat. Also es gibt eigentlich, was unser Report jedes Jahr sagt, ist, dass es keinen Lebensbereich gibt, wo man nicht antimuslimischen Rassismus erleben kann, sondern dass man wirklich in allen Lebensbereichen antimuslimischen Rassismus erleben kann. Das beginnt im Kindergarten, setzt sich in der Schule fort, im öffentlichen Raum, in Begegnungen mit Behörden, Magistraten, mit der schauen, wie geht es den Musliminnen wirklich in Österreichahren und Radikalisierung, Extremismusprävention, das sind alles Begrifflichkeiten, die wir sehr stark mit dem Islam und mit Muslimen und Musliminnen verbinden. Aber wer ist diese Gruppe auch? Und so wie auch Sie gesagt haben, es ist keine homogene Gruppe. Und das ist auch ein Grund, warum wir immer von antimuslimischem Rassismus sprechen und nicht von Islamfeindlichkeit, weil es ist nicht nur eine Feindlichkeit gegenüber Musliminnen, sondern da geht es auch wirklich um strukturelle Probleme. Das sind ja keine Einzelfälle. Wenn immer wieder Fälle gemeldet werden und das über Jahre hinweg, dann müssen wir uns eingestehen, dass wir da ein Problem haben, das auch strukturell ein Thema ist. haben, dass auch strukturell ein Thema ist. Und das ist auch etwas, wofür wir immer plädieren, dass diese Fälle, die uns gemeldet wurden, nur die Spitze des Eisbergs sind und dass die Dunkelziffer enorm groß ist und dass uns auch sehr viele Fälle nicht erreichen. Das heißt, wir versuchen eigentlich jetzt mittlerweile seit elf Jahren, Fälle zu dokumentieren, weil es einfach vorher niemand getan hat. Und natürlich, wenn es keine Zahlen gibt, dann gibt es keine Sichtbarkeit. Das heißt, vor elf Jahren war antimuslimischer Rassismus kein Thema. Es war wirklich so, als würden diese Dinge überhaupt nicht passieren, weil man das im öffentlichen oder im politischen Diskurs kaum benannt hat. Nicht, dass man es jetzt besser macht. Also wenn wir uns den öffentlichen Diskurs ansehen, da fehlt einiges. Aber immerhin gibt es schon so ein bisschen ein Gefühl dafür, dass es sowas gibt wie antimuslimischen Rassismus. Und ich glaube schon, dass wir da als Dokustelle einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, weil wir einfach die einzige Organisation sind, die spezifisch in Österreich zu diesem Thema Fälle liefert und auch Lebensrealitäten aufzeigt. Frau Diesberger, wir leben hier in Österreich in einem Land, das eine Geschichte hat, in der im 20. Jahrhundert doch eine Vernichtungsindustrie des Nationalsozialismus, vor allem gegen das europäische Judentum, auch unser kollektives Bewusstsein und auch Gedächtnis sehr stark geprägt hat. Wir sprechen da auch von einem Vernichtungsantisemitismus, der noch lange, lange in uns nachwirken wird und uns natürlich und hoffentlich beschäftigen wird. Aber ich habe eben den Eindruck, dass diese Thematik da schon auch dazu führt, dass man den Islam eigentlich fast ein bisschen aus den Augen verloren hat. So in der Wende Mitte des 20. Jahrhunderts, die Nachkriegsära, da gab es ganz andere Fragestellungen, da gab es sozusagen auch eine langsam prosperierende Wirtschaft, es ging bergauf, die Nachkriegsgesellschaften konnten sich wieder etwas leisten. Da war das nicht so sehr die Zeit der Feindbilder. Aber jetzt scheint diese Zeit wieder gekommen zu sein. Vielleicht können Sie auch noch einmal ein bisschen näher darauf eingehen, wie diese Feindbilder konstituiert werden, warum sie so wichtig sind, von welchen Problemen sollen sie ablenken, beziehungsweise auch noch einmal, was auch Frau Khalil gesagt hat, auch diese strukturellen Grundlagen dafür nochmal ein bisschen präziser zu beschreiben, damit wir das auch besser einordnen können. Also wie gesagt, Europa hat sich ja selbst herausgebildet vor der Kontrastfolie der außereuropäischen Welt. Und da spielen verschiedene Rassismen eine wichtige Rolle. Rastfolie der außereuropäischen Welt und da spielen verschiedene Rassismen eine wichtige Rolle. Also man grenzt sich ab von Afrika als Kontinent, den Europa als begrifflich so erfunden hat, auch mit sehr diversen Kulturen und Geschichten, mit bestimmten Markierungen, wie diese Bevölkerung wohl sei, so als ursprünglich, also ich sage es sehr ungern, aber dieser Begriff der Primitivität spielt da eine riesengroße Rolle. Und dann der Orient, ja, auch wiederum als so geografischer Kontext, der dann wieder von Europa mit bestimmten Merkmalen belegt wurde. Immer als Kontrastfolie, also es brauchte immer dieses konstitutive Außen, diese Negativfolie, um sich selber in einer bestimmten Art und Weise herauszubilden. Ich glaube, wir müssen auch ein Stück weit über Kapitalismus reden, um das zu verstehen. Also die europäische Migrationspolitik, die ist ja äußerst Janusköpfig. Also da gibt es einerseits die rassistische Narrative. Also wir sind bedroht. Nicht nur, also wir sind bedroht von allen möglichen MigrantInnen, aber vor allem von den Flüchtenden. Da gibt es dann immer solche Metaphern wie das Boot ist voll oder es gäbe sowas wie eine Überfremdung. Und dann natürlich mit Samuel Huntington das Feindbild, der ganze Islam, der vermeintlich nicht zu Europa passt oder zum christlichen Weltbild passt. Also dass das so zwei Kulturblöcke wären, die keinesfalls gut kooperieren könnten. Also es gibt diese Narrative, aber andererseits braucht der Kapitalismus ja immer eine Reservearmee. Jetzt 55er, 60er Jahre, das war der Babyboom, Vollbeschäftigung und so weiter, da musste man sich darum nicht kümmern, beziehungsweise es wurden ja Gastarbeiter in den Angeworbenen später dann irgendwie, also je nachdem, wie der Arbeitsmarkt aussah, war eben Arbeitsmigration willkommen oder auch nicht. Und die Narrative folgen dem. Also die Narrative folgen eigentlich immer quasi so diesem Bedarf. Jetzt braucht der Kapitalismus immer eine Reservearmee. Er braucht immer soziale Unterschichtung. Also so präkarisierte ArbeitnehmerInnen, die man einsetzen kann, wo man sie gerade braucht, aber die man nicht bezahlen muss, wenn man sie gerade nicht braucht. Also die eben nicht sozialversichert sind oder die man zumindest, oder die man ausweisen kann. Und die Narrative folgen genau dem. Ist es gerade nützlich oder ist es nicht nützlich? Also mir ist immer wieder in den Forschungen aufgefallen, dass wenn so eine ganze Gemeinde vermeintlich ein Problem mit Migration hat, vor allem deswegen, weil sich migrantische Familien angeblich so schwierig verhalten, gerade Kinder und so weiter, und die Bevölkerung dann eben diese feindseligen Narrative auch unterstützt, dann ist es ausgerechnet die Wirtschaft, die ja bekanntlich vor allem von konservativen Parteien irgendwie gestützt wird. Die mahnen dann Vorsicht, Vorsicht. Wir dürfen die nicht alle rausschmeißen. Also wir dürfen die nicht stoppen oder dürfen Migration nicht stoppen, denn dann bricht ja unsere Wirtschaft auseinander. Also es ist völlig klar, dass MigrantInnen gebraucht werden in den meisten europäischen Ländern. Aber man möchte sie eben nicht so ganz und gar partizipieren lassen. Also das ist ja immer diese Ambivalenz. Und deswegen werden diese antimuslimisch-rassistischen Bilder bedient und tauchen stark in Diskursen auf, wenn es gerade nützlich ist und vor allem natürlich rechtspopulistische Parteien, die das immer auf der Agenda haben, also die immer mit diesem Horrorbild von Überfremdung und unsere Sozialkassen, unsere Sozialsysteme gehen kaputt und überhaupt. Also es sind nämlich immer dieselben Bilder. Also das ist, wenn Sie auch sagen, vor zehn Jahren beschwerten, also so war die Erfahrung dieselbe von muslimisch markierten Menschen, der Diskriminierungserfahrung. Die Mehrheitsgesellschaft operiert auch immer mit den gleichen Bildern. Vielleicht nochmal mit anderer Dekoration, mit anderer Rahmung, aber der Orientalismus oder der antimuslimische Rassismus hat immer dieselben Bilder. Die unterdrückte Frau oder überhaupt die Pashas und die Patriarchen. Also es ist so, je mehr die Migrantinnen scheinbar Probleme wie Femizide und so weiter importieren, desto besser ist wohl die etablierte Gesellschaft. Aber wenn wir uns mal genau angucken, also solche Schlagzeilen-Geschichten wie Fritzl oder Kampusch oder sowas. Es gab ja genügend Geschichten, wo deutlich wurde, wie patriarchal unsere Gesellschaften nach wie vor sind, die deutschsprachigen, und auch welche sexuellen Perversionen wir wirklich im Alltag haben. Von daher, es ist absurd. Man braucht einfach immer diese anderen als Projektionsfläche und das wird so hoch. Und sie haben ja eine schlechte Lobby. Wie viele migrantische Communities sind in den Medien genug vertreten, um eine Gegenstimme, also das ist ja eine sehr mühsame Arbeit, oder die Seite der vom Rassismus Betroffenen, negativ Betroffenen, dann auch in der Öffentlichkeit repräsentieren zu können. Frau Halil, Frau Tiesberger hat den Begriff verwendet, muslimisch markierte Menschen. Ich finde das spannend. Ich darf kurz erzählen, ich bin hier in Oberösterreich in einer Kleinstadt aufgewachsen, in den 70er Jahren. Damals gab es eine ganze Menge von Gastarbeiterfamilien, auch aus der Türkei. Ich bin mit den Jungs, waren hauptsächlich Jungs, groß geworden am Spielplatz, Fußballplatz. Das Interessante ist, sie waren für mich Türken, aber sie waren für mich keine Muslime. Und deshalb, ich greife diese persönliche Erinnerung deshalb auf, weil es die Frage aufwirft, was markiert eigentlich einen Menschen als muslimisch? Und das bringt mich zu dem Punkt auch zur Frage, und das ist ja auch politisch, gerade auch im rechtsextremen Diskurs sehr, sehr heftig debattiert, sozusagen dieser muslimischen Merkmale, die immer wieder zur Aufregung herangezogen werden. Und ich habe da auch gefunden einen sehr spannenden Kommentar von Asma Ayad von Salam Oida vom 3. Jänner 2026 in der Tageszeitung der Standard, die sagt, dass die Gesellschaft wünscht und erzeugt immer mehr Druck, dass eigentlich Musliminnen und Muslime unsichtbar werden, dass sie quasi ihre Sichtbarkeit aufgeben, was immer diese Sichtbarkeit ist. Aber das kann nicht funktionieren und je größer der Druck wird, umso weniger funktioniert es und das erzeugt natürlich große Probleme, die allerdings nicht, sozusagen für die nicht die Musliminnen und Muslime selbst verantwortlich gemacht werden können. Welche Erfahrungen machen Sie damit, mit dieser Markierung und diesem Druck, dass man sagt, okay, entreißen wir Ihnen die Symbole? Ja, also ich glaube, wir haben es jetzt in den letzten Monaten insbesondere gesehen, auch mit den Diskussionen zum Kopftuchverbot, was ja auch ein Schritt in Richtung unsichtbar machen ist, unter dem Deckmantel des Schutzes für Frauen, weil tatsächlich Probleme größer gemacht werden oder kreiert werden, um bestimmte Regelungen oder Gesetze durchzusetzen, um auch vielleicht ein bisschen ein Machtspiel daraus zu machen. Bei antimuslimischem Rassismus geht es ja oft auch gar nicht darum, ist die Person wirklich Muslimin oder nicht. Das hat muslimisch gelesen, muslimisch markiert, weil sozusagen ein Mann mit einem Bart und dünklerer Haut oder eine Frau mit Kopftuch, das wird sofort muslimisch markiert. Es gibt ja auch viele Araber, die überhaupt nicht Musliminnen sind, aber die muslimisch markiert werden und dann auch einem zum Beispiel racial profiling durch die Polizei ausgesetzt sind, sodass sie da kontrolliert werden aufgrund ihres Aussehens. Das heißt, man markiert diese Personen als muslimisch und dann kann man sich natürlich überlegen, was verbindet man mit MuslimInnen? Und da haben wir heute schon viel gesagt, insbesondere eben im Sicherheitsdiskurs und Radikalisierung, Extremismusprävention und all diese Themen, die in den letzten Jahren so viel Bedeutung gewonnen haben und oft sehr eng mit Musliminnen und dem Islam gesehen werden, obwohl wir, wenn wir uns ansehen, der Verfassungsschutzbericht, der veröffentlicht wurde letztes Jahr, da war ja der Rechtsextremismus die Form, die am meisten Vorfälle da auch dokumentiert wurde. Und trotzdem hat man bei der Pressekonferenz die ganze Zeit aber nur von islamischem Extremismus gesprochen. Also da ist auch ganz klar erkennbar, welches Narrativ man öffentlich diskutieren möchte und was man eben sozusagen pushen möchte, um da mehr Hassspaltung zu generieren. Und dass das in der Politik super funktioniert, sieht man, weil man sieht auch die Wahlergebnisse in den letzten Jahren. Welche Parteien sind nun mit am stärksten vertreten und welche Politikerinnen machen das auch sehr erfolgreich. Und wenn das funktioniert, dann kommt natürlich der Kapitalismus wieder ins Spiel. Dann mache ich das, um noch mehr Macht, um noch mehr positive Wahlergebnisse zu erzielen, um auch meine Position irgendwie zu sichern in der Politik. Und ich glaube, es ist sehr wichtig, hier sehr reflektiert damit auch umzugehen und sich selber auch zu sensibilisieren und auch andere Perspektiven anzusehen, weil uns werden diese anderen Perspektiven und Lebensrealitäten nicht angeboten im öffentlichen Diskurs, auch nicht im politischen, weil es überhaupt keine Repräsentation gibt. Auch wenn wir uns ansehen, diese ganzen Programme zu Vielfalt usw. Es gibt immer nur Vielfalt im unteren Bereich, aber in den Führungspositionen und da, wo es wirklich darum geht, Entscheidungen zu treffen und irgendwelche Dinge umzusetzen, da spricht man dann nicht mehr von Vielfalt. Also Vielfalt ganz unten ja, aber dann, wenn es darum geht mitzubestimmen, dann ist die Vielfalt schon nicht mehr so einfach. Und deshalb auch in der Politik, wenn wir uns die PolitikerInnen anschauen, also einen Sohlan Mamda wird man nicht so schnell in Wien bekommen, glaube ich, einen muslimischen Bürgermeister. Aber auch sonst PolitikerInnen, also wie viele muslimische PolitikerInnen kennen wir und stellen wir uns vor, wir hätten sie, was würde mit denen passieren? Weil ja auch eine Kriminalisierung natürlich eine Rolle spielt und dieser Generalverdacht, den es auch insbesondere seit 9-11 gibt, dass man, das war ja auch in den USA so nach 9-11, dass man zu muslimischen Menschen gegangen ist und gesagt hat, ja okay, jetzt rechtfertigen sie sich und kommen sie jetzt mal in, sind sie da mit einverstanden, was da passiert ist und man kommt in dieses, ich muss mich erklären, ich muss mich rechtfertigen, damit dieser Generalverdacht irgendwie von mir abkommt und da sieht man schon die Narrative, wie das da gilt, also es ist nicht ein, wir begegnen uns auf einer Ebene und reden darüber, sondern nein, es gibt einen Generalverdacht und es gibt eine Kriminalisierung und es wird normalisiert, dass Menschen Stellung beziehen auch zu dem, was in Palästina passiert ist in den letzten Jahren. Zuberwade, Terroranschlag, da haben auch sehr viele, also da wurden uns sehr viele Fälle auch gemeldet, dass in den Schulen beispielsweise Kinder gefragt wurden, wie sie dazu stehen. Also wie sollen Kinder, warum sollen Kinder politisch jetzt irgendwie Expertise entwickeln und in diese Rechtfertigung kommen? Und das ist auch etwas, was wir beobachten, dass diese Rechtfertigung, jetzt habe ich so schnell geredet, aber dass diese Rechtfertigungsebene sehr stark sich durchzieht. Jeder Muslim steht dann für alles, was in der Öffentlichkeit Muslime angeblich getan haben, oder? Also für 9-11 muss ich dann irgendwie die Vierjährige im Kindergarten irgendwie legitimieren. Und genau das ist ja der Rassismus, weil diese Homogenisierung stattfindet. Das heißt, Personen sind keine individuellen Einzelpersonen mehr. Ich werde nicht mehr in meiner Individualität gesehen, sondern für einen Anteil von mir. Und das ist das muslimische Sein. Und was ich sonst alles so bin, ist irrelevant in dem Moment, weil in dem Moment bin ich nur das eine. Und mit diesem einen verbinde ich das, das, das. Das erleben allerdings natürlich auch viele Jüdinnen und Juden, die für die Israel-Politik überall auf der Welt verantwortlich gemacht werden. Frau Tiesberger, die Frau Khalil ist Repräsentantin einer Dokustelle. Es gibt in Österreich eine weitere Dokustelle, die sehr viel mit dem Thema zu tun hat, nämlich auch der große Komplex des Generalverdachts, die sogenannte Dokustelle Politischer Islam, eingerichtet durch die österreichische Bundesregierung schon vor einigen Jahren. Der politische Islam ist ein Schlagwort, wo keiner so genau weiß, was eigentlich damit gemeint ist. Viele operieren damit, sehr, sehr viele nutzen den Begriff, um sehr, sehr aggressiv, gewaltvoll, gerade auch gegen Musliminnen und Muslimen vorzugehen. sehr aggressiv, gewaltvoll, gerade auch gegen Musliminnen und Muslimen vorzugehen. Was hat es denn mit der Entwicklung dieses Begriffs auf sich? Diese scheinbare Politisierung auch des Islams, dass Menschen quasi grundsätzlich verdächtigt werden, terroristische oder was auch immer für Potenziale in sich zu tragen, auf die man genau aufpassen muss, die eigentlich zu überwachen sind, die strengen Regeln zu unterziehen. Woher kommt das eigentlich? Beziehungsweise, wenn wir das jetzt noch weiterdenken, um diese Debatte ist es etwas ruhiger geworden, aber dennoch, wenn man das konsequent weiterdenkt, wohin führt denn das eines Tages, wenn wir alle nur noch sozusagen verdächtigen, für uns eine Bedrohung zu sein? Ja, also ich muss vielleicht dazu sagen, ich bin ja keine Politikwissenschaftlerin oder Historikerin, sondern ich bin Psychologin und in der sozialen Arbeit Lehrend. Das heißt, ich beschäftige mich eigentlich eher mit dem Alltag einzelner Individuen und eben ihren Erfahrungen in Bildungseinrichtungen etc. Aber was mich immer wieder bei diesen Forschungsprojekten, die wir gemacht haben, wirklich stutzig gemacht hat, war, wie viele junge Menschen, also Sie sprechen jetzt den Extremismus an, den Salafismus vielleicht, den politischen Islam, also wie kommt es, dass Menschen über... Also mich hat sehr zum Nachdenken gebracht, wie viele Menschen, die wir interviewt haben, und es waren ziemlich viele, uns erzählt haben, dass sie eben beispielsweise mit ihren Familien aus allen möglichen Kontexten, die wir als islamisch lesen, als islamische Regionen lesen, nach Österreich migriert sind und die meisten dieser Familien überhaupt gar nicht religiös praktiziert haben. Also sie waren so wie die meisten auch in Österreich. Man geht irgendwie zu Weihnachten vielleicht in die Kirche, aber ansonsten wichtige Feste und so. Und so haben die vielleicht den Ramadan, im Ramadan gefastet und kein Schweinefleisch gegessen, aber darüber hinaus nicht viel praktiziert. Und diese Kinder haben dann eben je nach Konjunktur, also die eine erzählte zum Beispiel, das war sehr sinnbildlich, die sagte, am Anfang ging es ihr super, sie hatte total unterstützende LehrerInnen, sie war richtig gut in der Schule, sie war total engagiert und dann kam eben 9-11 und diese ganzen und dann so Nationalratswahlen und bestimmte Wahlplakate, die sorgen alle dafür, dass die Menschen dann immer das Gefühl haben, sie lesen diese Plakate und fragen sich, der Islam gehört nicht zu Österreich und was weiß ich. Also diese ganzen latenten rassistischen Botschaften dann auch und die Kinder, die kommen dann ins Jugendhaus und fragen, sagt mal, müssen wir jetzt Angst haben? Also sind wir Muslime jetzt sozusagen auf der Abschlussliste. Das fragen Jugendliche, die sich uns eigentlich wenig für Politik interessieren. Also ich habe sehr, sehr viele junge Menschen interviewt, die dann erzählt haben, naja, das hat mich eigentlich erst alles nicht interessiert. Mir war klar, wir sind jetzt in Österreich, meine Schulkameraden und so sind auch alles Österreicherinnen. Das hat uns gar nicht interessiert, wo jemand herkommt und was die Erstsprache war. Die Leute sprechen ja perfekt Dialekt nach einer Weile, die jungen Leute. Und dann kommen solche Ereignisse und dann kriegt man irgendeinen Lehrer, der dann ständig sagt, naja du, du wirst dich wahrscheinlich auch irgendwann mal radikalisieren und du bist ja und jetzt erzähl du uns mal, wie denkst du denn über 9-11 und da da da. Und dann werden die ständig als Repräsentantinnen von irgendeinem, von irgendeiner Gefahr repräsentiert. Und müssen sich ständig für irgendetwas rechtfertigen, von dem sie im Zweifelsfall gar keine Ahnung haben. Und von dem sie womöglich selber viel mehr bedroht sind. Also die Vorstellung, alle Muslime stünden jetzt hinter irgendwelchen terroristischen Aktivitäten, ist sehr absurd. Die meisten sind ja selber noch viel negativer davon betroffen, weil ihre Verwandten, die vielleicht noch in irgendwelchen Kontexten sind, vom IS oder sonst jemandem terrorisiert werden. Also die meisten sind ja damit überhaupt man so ein paar Jahre mit und hat irgendwie so das Gefühl, egal was man tut, egal wie man sich verhält, man gehört einfach nicht dazu. Man wird permanent verändert, man wird permanent sozusagen rhetorisch außerhalb der Gesellschaft versetzt. Wo kommst du eigentlich her? Diese Frage, woher kommst du, die ist zutiefst politisch, die ist zutiefst problematisch. Und nachdem sie das jahrelang erlebt haben, also gerade wenn man aufwächst, ist man noch nicht so stabil und können solche Ausgrenzungserfahrungen extrem destabilisierend sein und das Selbstbewusstsein total in Frage stellen. Und so viele Menschen fangen dann irgendwann an, sich der muslimischen Jugend Österreichs oder irgendwelchen Organisationen zuzuwenden, was positiv ist, weil sie da beispielsweise sehr viele Kopftuch tragende, gebildete, emanzipierte, selbstbewusste Frauen erleben, die Aspirationen für ihr Leben haben und die ihnen sehr konstruktive Vorbilder vorleben. Und es gibt eben auch einige, ein Student von mir hat es mal so formuliert, der in so einer WG für UMGs, unbegleitete minderjährige Geflüchtete, gearbeitet hat und eben erzählt hat, dass die haufenweise Anfeindungen durch die Nachbarschaft erleben. Also das sind diese ganzen 14, 15, 16-jährigen muslimisch markierten Jungs, die nur auf die Straße gehen müssen und angespuckt werden von jemandem. Oder irgendwo geht eine Scheibe kaputt, die waren es, obwohl sie 300 Meter weiter entfernt stehen. Die haben ständig solche Erfahrungen gemacht. Und er beobachtete, dass die tatsächlich immer ansprechbarer für salafistische Gruppen werden. Der wollte dann seine Masterarbeit mit dem Titel schreiben, warum die Salafisten die besseren Sozialarbeiter sind. Weil er feststellen musste ja, dass die meisten mehrheitsangehörigen SozialarbeiterInnen null Sensibilisierung für die Thematik haben und auch überhaupt gar nicht wissen, wie sie eigentlich eine Arbeitsbeziehung mit den jungen Menschen aufbauen können, während die salafistischen Jungs, die da unterwegs waren, das sehr gut konnten. Ich will damit sagen, im Grunde genommen malen wir als Mehrheitsgesellschaft mit diesen Feindbildern das Problem permanent an die Wand, bis es Realität wird. Das sind nicht die Menschen selber, die von sich aus irgendwie auf die Idee kommen, die sich von sich aus aus irgendeinem Nichts heraus radikalisieren, sondern die radikalisieren sich sehr häufig aufgrund ihrer Erfahrung des antimuslimischen Rassismus. Das mag völlig blödsinnig sein, weil sie sind nur mal zwei Wochen angefeindet worden. Aber wenn dann der Rechte vorbeikommt, der Salafist oder irgendjemand, und ihnen tolle Dinge erzählt und sie sich da über Social Media irgendwie einseppen, dann kann das sehr schnell gehen, dass so jemand auf eine blöde Ideologie kommt und da auch nicht mehr rauskommt. Genau das sind ja die Fragen, die wir uns stellen müssen. Also wie sieht so ein Radikalisierungsprozess überhaupt aus und was ist die Folge, wenn Menschen ständig an den Rand ged mit diesem öffentlichen Diskurs, dieser Normalisierung auch von antimuslimischem Rassismus. Und das sind die Fragen, die wir uns aber noch nicht stellen bis heute. Vor gar nicht allzu langer Zeit war hier im Studio Kenan Güngör zu Gast, auch zu einer Migrationsdebatte. Und Kenan Güngör diente auch als Berater oder war maßgeblich mitverantwortlich für das, was jetzt in Oberösterreich als sogenannte Hausordnung vorgelegt wurde. Ich habe sogar eine Sendung dazu gemacht, die kann man eigentlich fast nur satirisch angehen, einer Gesellschaft, die multikulturellll heterogen ist, was auch immer, eine gemeinsame Hausordnung aufzuoktroyieren. Es ging es um ein Stiegenhaus mit zwei Stockwerken und dass das allemal ausreichend gereinigt wird. Aber nein, und Kenan Güngör vertritt ja eine Formel, die auch in diese Hausordnung hier in Oberösterreich Eingang gefunden hat. Er spricht immer von 70-20-10, also 70 Prozent der Musliminnen und Muslime sind in Ordnung, die sind integriert, tragen bei und verhalten sich ruhig und verhalten es unauffällig. 20 Prozent, da weiß man es nicht so genau und die restlichen 10 Prozent, die sind echt radikal, extremistisch, vor denen muss man sich hüten. Ich habe mal versucht, das in meinem Kopf so ein bisschen in einem Gedankengang durchzuspielen, wenn ich in die Straßenbahn trete und dann treffe ich dort auf muslimisch markierte Menschen oder wenn ich glaube, sie seien muslimisch, also sie könnten es sein, dann habe ich natürlich jetzt sofort diese Formel im Kopf, fällt jetzt unter die 70%, 20% oder 10%, da kann man jetzt natürlich spötteln drüber, muss man auch manchmal ein bisschen spötteln, Da kann man jetzt natürlich spötteln drüber. Muss man auch manchmal ein bisschen spötteln. Aber nichtsdestotrotz, was ich hier erkenne oder zu erkennen glaube, ist ja eigentlich auch eine Spaltung nach innen. Hier werden ja auch muslimische Menschen in ihren sehr heterogenen Communities auch gegeneinander ausgespielt. Hier sind die Guten und hier sind die Schlechten. Und welche Wirkungen sehen Sie denn da? Wie wirkt denn sowas auf Menschen muslimischen Glaubens? Ja, also das, was uns Betroffene immer wieder melden, also gerade das Frauen, die viel Rassismus erleben, weil sie ein Kopftuch tragen, dass sie überlegen, es nicht zu tragen. Dass Menschen, die schon länger in mehreren Lebensbereichen hin Rassismus erleben, dass sie sich überlegen, in ein anderes Land zu ziehen, weil sie sagen, okay, ich werde immer von der Polizei kontrolliert, ich fühle mich nicht sicher, ich werde kriminalisiert, wenn man mich ansieht, weil ich einen Bart habe oder was auch immer. Also das Wohlbefinden von Musliminnen leidet sehr stark unter diesen Dingen und wir müssen uns fragen, was macht das mit unserer Gesellschaft, wenn wir auch Österreicher und Österreicherinnen haben, die hier geboren sind, Staatsbürger, die eine Bildung hier abgeschlossen haben, die wertvolle Teile unserer Gesellschaft sind, wenn die sich nicht mehr wohlfühlen und sagen, okay, wir möchten hier raus oder woanders hin oder wir tragen jetzt kein Kopftuch mehr, was haben wir dann dadurch erreicht? anders hin oder wir tragen jetzt kein Kopftuch mehr. Was haben wir dann dadurch erreicht? Mich würde es interessieren, diese 70-20-10-Formel, woher die kommt und ob es da auch irgendwie... Kennern Güngör. Ja, mit Kennern Güngör würde ich, glaube ich, in vielen Dingen nicht übereinstimmen. Aber was wir jedenfalls brauchen, und ich glaube, das ist das, wo wir auch heute schon öfters das angeschnitten haben, ist, dass wir eine Rep Ortschaften, wo kaum Musliminnen leben. Und wenn man dieser Menschen fragt, die sagen, ja, nein, Musliminnen sind böse etc. und sie dann fragt, na, wie viele kennen sie? Dann ist es oft so, dass sie eigentlich niemanden kennen oder mit niemanden eine Erfahrung gemacht haben. Es gibt schon Ausnahmen, die sagen, ja, ich hatte schon mal eine Erfahrung und die das dann irgendwie generalisieren. Aber Vorurteile entstehen vor allem in unseren Köpfen und das ist auch sehr stark von Medien geprägt, von der Politik geprägt. Und wenn wir das nicht kritisch hinterfragen, dann bleiben wir in diesen Vorurteilen. Und ich glaube, das ist auch etwas, was wir als Menschen mit berücksichtigen müssen, weil wir alle haben Vorurteile. Und es geht aber darum, also Vorurteile an sich sind ja nicht das Schlimme, sondern dann wird es böse, wenn man dann auch danach handelt und wenn die eigenen Handlungen davon beeinflusst werden und wenn man diese Vorurteile auch nicht hinterfragt. Und ja, wir müssen beginnen, uns die richtigen Fragen in Österreich zu stellen und das machen wir noch nicht. Frau Tisberger, wir haben heute schon mehrmals davon gesprochen, dass das Weltgeschehen meist eine sehr, sehr große Rolle spielt. Aktuell erleben wir wieder einen großen Krieg in Nahost. Israel gemeinsam mit den USA nimmt den Iran unter Beschuss. Auch da werden Loyalitäten eingefordert, in welche Richtungen auch immer. Bekenntnisse werden eingefordert. Stehst du zum Iran oder wendest du dich von ihm ab? Und wie verhältst du dich und das und das? Und die USA sind der Feind und Israel sowieso. Welche Bedeutung hat denn das? Wie wirkt das sozusagen beschleunigend, auch so diese antimuslimisch-rassistischen Sentiments noch zu verstärken? Ich weiß nicht, ob sich im Moment der Orthonormalverbraucher in der Mehrheitsgesellschaft noch auskennt. Was da gerade passiert, ist ja manchmal noch schwer nachvollziehbar. Wir wissen ja gar nicht, unter welcher Motivation der Iran aktuell angegriffen wird. würden diesem Mullah-Regime nachweinen, aber die Art und Weise, wie das geschieht, das destabilisiert ja die ganze Weltordnung irgendwie. Also das ist völkerrechtsrechtlich unglaublich problematisch. Ich bin mir nicht sicher, also wir müssen ja immer über die Mehrheitsbevölkerung reden. Die einzelnen, was weiß ich, Intellektuellen oder Minderheiten, die machen ja nicht die Wählerentscheidung letztendlich aus. Also von daher, ich weiß nicht, worum es Ihnen jetzt genau geht. Ich möchte nämlich, weil wir gar nicht mehr so viel Zeit auf unserer Uhr haben, dann allmählich auch dazu übergehen, ein bisschen strategisch nachzudenken, was wir jetzt eigentlich alle tun können. Gerade auch in unseren zivilgesellschaftlichen Kontexten. Da müssen wir natürlich auch ein bisschen Bescheid wissen über Dynamiken und Mechanismen. Denn wenn wir jetzt beispielsweise zu Jahresbeginn haben wir die ÖVP-Kampagne gehabt, okay, jetzt müssen wir hier wirklich dagegenhalten und so weiter und dann kommt plötzlich dieser Iran-Krieg wieder daher, der quasi alle Sentiments befeuert, regelrecht und eigentlich uns auch, die wir es gut meinen, die wir eher den Dialog suchen, das Miteinander, die Sichtbarkeit, quasi Partizipationsmöglichkeiten auch schaffen wollen, einräumen wollen. Wir sind ja wirklich wieder einen weiten, großen Schritt zurückgeworfen. Ich würde gerne auf diese Hausordnung zurückkommen. Also die Frage ist doch, jetzt mal wirklich müssen wir überlegen, wie kommt es zu dieser Formel? Wie soll das bitte untersucht werden? Das müsste eine sehr große Untersuchung sein. Ich bezweifle, dass diese Untersuchung wirklich gemacht wurde. Aber egal. Wenn 70 Prozent dieser vermeintlichen Muslime oder der MigrantInnen unproblematisch sind, warum gibt man dann so wahnsinnig viel Geld für so eine Kampagne aus, die mit Sicherheit nach hinten losgeht? Warum nimmt man das Geld nicht, um Organisationen zu unterstützen, die diese vermeintliche Integration wirklich fördern? Warum ist denen gerade jetzt in der sozialen Arbeit so viel Geld gestrichen worden? Also es gab so viele Initiativen oder auch Sozialarbeitseinrichtungen, die eben gerade im Migrationsbereich fantastische Arbeit geleistet haben. Die sind teilweise radikal weggestrichen worden. Und stattdessen macht man dann so eine Kampagne, die wahnsinnig viel Geld kostet und die im Grunde genommen wiederum alle MigrantInnen, und man liest sehr deutlich zwischen den Zeilen, es geht nicht allgemein um MigrantInnen, sondern in erster Linie um muslimisch markierte MigrantInnen, unter Generalverdacht stellt wiederum. je um muslimisch markierte Migrantinnen, unter Generalverdacht stellt wiederum. Sie sind, also im Grunde genommen kann man in dieser Hausordnung genau das reproduziert finden, was Edward Said schon über diese orientalistische Literatur und Kunst im 19. und 20. Jahrhundert geschrieben hat. Es sind genau dieselben Vorstellungen. Sie sind latent kriminell, sie können sich nicht anpassen, sie können nicht kommunizieren, sie schlagen immer gleich drauf los und, und, und. Also so genau dieses Gegennarrativ von rechtsradikalen Anschlägen. Dann gibt es manchmal so antirassistische Kampagnen, die und die gehören ja auch alle irgendwie zu Deutschland oder zu Österreich. Aber eigentlich gibt es keine solchen großen Kampagnen gegen den Alltagsrassismus, in Angriff genommen würde, also ich erlebe überhaupt zum Beispiel, es gibt jetzt irgendwie ein neues Curriculum für die LehrerInnen-Ausbildung. Da geht Elementarpädagogik-Ausbildung ist man gerade dabei, eben Integrationskindergarten heißt ja, dass Kinder mit Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt werden und in der Ausbildung Sensibilisierung dafür stattfindet. Und Gender ist auch noch so ein Thema, wofür einige ElementarpädagogInnen sensibilisiert werden. Aber Rassismus, Intersektionalität, strukturelle Dinge, die spielen in den Ausbildungen keine Rolle. Weil sie nicht ausreichend anerkannt sind, würde ich sagen. Also ich glaube nicht, dass wir in Österreich eine Anerkennung haben von was Rassismus eigentlich bedeutet für uns und welche Auswirkungen er hat. Weil sonst wären Vereine, die Antirassismusarbeit machen, besser finanziert. Wir haben in Österreich keinen Verein, der Antirassismusarbeit macht. Sei es jetzt generell Antirassismusarbeit oder wenn wir uns jetzt auch die Dokustelle anschauen, antimuslimischer Rassismus. Wir haben keine Förderungen momentan. Also wir arbeiten großteils ehrenamtlich und das ist auch etwas, was man eigentlich nicht selbstverständlich nehmen sollte. Und auch andere Vereine berichten darüber, dass sie entweder Geldstreich, also Streichungen erleben oder zum Beispiel die Antidiskriminierungsstelle Steiermark wurde geschlossen letztes Jahr, weil die Finanzierungen gestrichen wurden. Das heißt, wir erleben in Österreich, dass das nicht ernst genommen wird, dass das nicht anerkannt wird. Und ich würde ganz scharf sagen, dass wir in Österreich Rassismus als Problem nicht anerkennen. Und dass wir auch vielleicht nicht verstehen, was es bedeutet. Weil wenn wir uns ansehen, auch in unserer Bildung, wann lernen wir über Rassismus oder Diskriminierung? In der Schule habe ich nichts darüber gelernt, auf der Uni genauso wenig und in der Arbeit auch nicht. Das war immer eine freiwillige Auseinandersetzung mit diesem Thema. Und kann man von Menschen, von allen Menschen oder den Großteil der Gesellschaft verlangen, dass sie sich freiwillig damit auseinandersetzen? Das ist nicht besonders nachhaltig. Und im Gegenteil, also diese Bildungsmaterialien sind ja nach wie vor voll von Latentrassismus. Also mehr oder weniger die Expliziten fallen langsam raus, aber so die Impliziten, die latenten Rassismen und Sexismen auch, und Ableismen und so weiter, die werden ja nach wie vor reproduziert. Das heißt, die Menschen erwerben weiterhin rassistisches Wissen, das sie dann wieder reproduzieren. Es gibt ja auch eine Initiative, die das untersucht. Letztes Jahr wurde das präsentiert. Die haben Schulbücher in den Schulen untersucht, vor allem Geschichtsbücher und Geografie und so weiter. Und da wurden sehr viele rassistische Narrativen gefunden. Aber mir ist noch wichtig, jetzt geht es wirklich dann dem Ende zu, auch nochmal diese Machtmechanismen zu unterschauen. Auch Österreich ist hier als Bundesland ein sehr, sehr gutes Anschauungsbeispiel. Da hat das Sozial- und Integrationsressort nach der Wahl 2021 gewechselt in ÖVP-Hand, ist sozusagen jetzt ÖVP geführt. Da hat es dann gleich mal einen Paradigmenwechsel gegeben, der vollzogen wurde. Das Geld wurde weggenommen von jenen migrantischen Organisationen, gerade auch die feministisch selbstorganisiert sozusagen das als Selbstanspruch auch vertreten haben. Das Geld geht nur noch in die Vereine, die Deutschkurse anbieten. Sozusagen auch hier wieder eine ganz klare Separierung zwischen dem Guten und dem Bösen. Die werden sozusagen abgestraft durch Geldentzug. Was sollen wir daraus lernen? Das ist für mich jetzt auch ganz entscheidend, wie wir mit einer solchen Situation umgehen. Denn oft habe ich den Eindruck, das Ressort ist noch nicht in der Hand der FPÖ. Vor denen haben wir alle große Angst. Aber solange es die ÖVP leitet, die eigentlich mit den gleichen Grundsätzen, der gleichen politischen Programmatik an diese Thematik herangehen, da drücken wir ein Auge zu. Wie kann man da zu einer Stärkung auch der Szenen beitragen? Sie haben gesagt, Sie kriegen kein Geld. Wie kann man solidarisch einander unterstützen? Ja, Finanzen sind nicht immer eine einfache Frage, aber unterstützen kann man mit Spenden, mit darauf aufmerksam machen, dass es Organisationen wie die Dokustelle gibt, Sensibilisierung auch, also sich selbst weiterzubilden, vielleicht Bücher zu lesen, mal Artikel zu lesen, einen Podcast sich anzuhören oder eine Sendung sich anzusehen, um wirklich zu verstehen, was es bedeutet, weil wir haben leider eine Gesellschaft, die, wie ich schon erwähnt habe, nicht weiß, was Rassismus ist und die das sehr schnell mit Rechtsextremismus verbindet, aber die sich dann selbst aus dieser Schuld herausnimmt, weil sie sich denkt, okay, na, das hat nichts mit mir zu tun und doch hat es. Es hat mit uns allen zu tun und es ist für uns alle wichtig und wir müssen uns alle selber an der Hand nehmen und sagen, okay, wir müssen uns damit befassen und Organisationen auch unterstützen, die in diesen Bereichen arbeiten, sei es mit einer Spende oder sei es mit, dass ich einfach darauf aufmerksam mache, dass es diese Organisationen auch gibt oder gerade, wenn man nicht davon betroffen ist oder Zeugen oder Zeuge von einem Vorfall, dass man sagt, das kannst du der Dokustelle melden und du bekommst da kostenlose Beratung. Also sowohl informieren als auch sensibilisieren und dann natürlich, wenn man kann, auch finanziell unterstützen. Frau Tisberger, wie können denn die wissenschaftliche Forschung und die Lehre dazu beitragen? Ich arbeite, ich bin ja Professorin für die, also an der Fachhochschule Oberösterreich wurde überlegt, zu welchem Schwerpunktthema ein Master entwickelt werden könnte und die Praxis sagte unisono Migration. Migration ist das wesentliche Thema. Die Sozialarbeitsorganisationen sind sozusagen weiß und autochthonösterreichisch personell aufgestellt und immer mehr NutzerInnen haben Migrationserfahrung. Und die ProfessionistInnen müssen dafür sensibilisiert werden. Deswegen ist der Master entwickelt worden. Und das ist unsere inhaltliche Arbeit. Und meine Erfahrung ist, dass die Studierenden das mit sehr großem Interesse förmlich aufsaugen. Und dass sie diese Fähigkeiten, Händeringen brauchen für ihre Praxis. Und dass vor allem, also ich habe sehr viel Critical Whiteness Studies gemacht, diese hegemoniale Selbstreflexion so wichtig ist. Ich merke das als Sozialarbeiterin eben ganz, ganz stark, ob ich meinem Gegenüber das antimuslimischen Rassismus erlebt, als Repräsentantin der Mehrheitsgesellschaft gelte, die latent eben diese Rassismen reproduziert oder die sensibilisiert ist und ihre Erfahrung ernstend und nicht glaubt, nur weil ich ein Kopftuch trage, geht es bei mir jetzt irgendwie um patriarchale Themen, sondern nein, mein Kind hat ADHS und ich möchte gerne wissen, wie ich da mit den Lehrerinnen tue und so weiter. Manchmal sind die Leute so fixiert auf diese Themen. Also das zum einen. Ich finde, im Bildungsbereich kann man wahnsinnig viel machen und da wird es wahnsinnig viel gebraucht. Aber ich glaube, dass die Medien auch eine ganz, ganz wichtige Rolle spielen. Also mir fällt es immer wieder auf, egal welcher Beitrag über das AMS kommt, die Menschen, die da repräsentiert werden, die sind alle migrantisch markiert. Die haben alles sozusagen dunkle Haut, Kopftücher, blablabla. Und jetzt stimmt es, dass Migrantinnen überzufällig häufig von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber nicht, weil sie faul sind, wie es die migrationsfeindlichen Narrative wollen, sondern weil sie als erstes gefeuert werden, weil sie am prekärsten beschäftigt sind. Aber deswegen muss ich nicht immer solche Bilder zeigen. Das meine ich mit dem Latenten. Wenn ich über irgendetwas berichte, wer repräsentiert denn dieses Problemthema? Und wir brauchen einfach auch mehr nicht-weiße, nicht-autoton aussehende Repräsentantin. Niemand hat Probleme mit der kopftuchtragenden Reinigungskraft. Aber wie ist sie Primarin im Krankenhaus? Dann weigern sich Menschen, von ihr operiert zu werden. Daran müssen wir arbeiten. Ich würde mir wünschen, dass da mehr von medialer Seite aus, es ist viel passiert. Als ich anfing vor 20, 25 Jahren zu diesem Thema Rassismus zu arbeiten, gab es, glaube ich, keinen einzigen noch in Deutschland nicht weiße NachrichtensprecherInnen. Das ist inzwischen etwas anders. Das wird aufgegriffen. Solange die reale Bevölkerung nicht im symbolisch repräsentativen Raum, sprich den Medien oder den Institutionen repräsentiert sind, genau in dem Maß, wie sie in der Bevölkersehen nicht sehe oder in den Social Media, dass ich Lehrerin werden kann, Politikerin, Ärztin und in den Medien komme und irgendein Forschungsthema dann repräsentiere, woran soll ich mich dann orientieren. Ich brauche einfach diese Bilder. Also die Bevölkerung muss repräsentiert werden, so wie sie ist. Und wenn das nicht passiert, dann ist das nicht nur ein Indiz, sondern fast schon ein Beweis, dass ein struktureller Rassismus vorherrscht. Egal, welche Organisation wir nehmen, die Führungsetagen sind weiß, männlich. Und je tiefer wir in der Gehaltsklasse gucken, desto mehr migrantisch markierte und weibliches Personal finden wir. Und das ist struktureller Rassismus. Ich freue mich, dass Sie mir jetzt auch ein bisschen den Eindruck gegeben haben, es gibt auch positive Beispiele. Ich kenne aus persönlicher Anschauung beispielsweise hier in Linz Kindergärten und kann dort beobachten, wie selbst bei den Kleinsten in der Elementarpädagogik, zum Beispiel bei den 3- bis 6-Jährigen, schon wirklich vieles unternommen wird, das multikulturell so zu gestalten, dass die auch voneinander lernen können. Da gibt es dann ein Ramadan-Frühstück, wo die Kleinsten sich basal vertraut machen können mit anderen Traditionsformen. Aber bleiben wir noch mal ganz kurz bei den Medien. Ich weiß nicht, inwieweit Sie zur Sensibilisierung auch von Medien beitragen können. Ich erinnere nur daran, es gibt beispielsweise für die Klimapolitik, gibt es ja das Netzwerk Klimajournalismus, wo sich ja letztlich auch Medien verpflichten, da sozusagen immer wieder Klimathematiken, sozusagen wie eine Querschnittsmaterie, immer mit zu berücksichtigen, in jeder Form der Berichterstattung. Gibt es solche Überlegungen auch in Ihrer antirassistischen Arbeit? Arbeiten Sie mit Medien? Man muss ja sagen, dass migrantische Medien ja eigentlich weniger werden, wenn ich kurz nochmal erinnern darf an dieses doch sehr bedauerliche Wegbrechen von Biber mit viel Schaf, das ja doch eines der renommiertesten migrantischen Medien war, in Wien zumindest, sehr bekannt. Wir würden gerne mit Medien arbeiten, aber es ist ja immer eine Ressourcenfrage. Also ich habe ja schon erwähnt, dass wir gerade nicht gefördert sind und dass die finanziellen Mittel nicht ausreichen. Also wir versuchen gerade sozusagen die Grundsteine unserer Arbeit aufrecht zu erhalten und das ist, dass wir den Report veröffentlichen, dass wir Fälle dokumentieren und dass wir psychosoziale und rechtliche Beratung anbieten können. Was wir schon machen, ist, dass wir Workshops und Trainings geben. Und wir haben tatsächlich auch einen Workshop beziehungsweise ein Training mit dem Titel Rassistische Narrativen in Medien und wie man da das kritisch hinterfragen und auffangen kann und auch entgegenwirken. Aber die Anfragen, es liegt ja immer an den Anfragen. Wer möchte sich dazu weiterbilden? Wer möchte dazu sensibilisiert werden? Uns gibt es als Dokustelle, wir haben die Angebote. Dass jemand zu uns kommt und das anfragt, ja, dafür stehen wir offen. Aber ich bin ein Fan davon, dass man Sachen auch wirklich strukturell verankert und verpflichtend macht. Also auch gerade, dass man sagt, okay, den Medien muss es diese Einschulungen geben und diese Sensibilisierungstrainings, damit da auch eine Verbesserung eintritt, weil die Medien ja auch diese rassistischen Narrativen bedienen, die natürlich dazu führen, dass wenn nicht die Artikel von, also allein jetzt zum Ramadan gab es zum Beispiel diesen ganz skandalischen, also diesen Skandal von der Heute, die geschrieben haben, Kinder kippen reihenweise in der Schule um und das war aber um fünf Uhr in der Früh am ersten Tag vom Ramadan. Also da sind halt auch andere Motivationen da. Also das ist nicht nur ein, ah ups, das ist jetzt unabsichtlich passiert, sondern da werden auch Dinge absichtlich so berichtet, um gewisse Narrativen auch zu bedienen. Ich nehme das als Schlusswort. Kleine medienkritische Anmerkung noch zum Schluss, ist sehr, sehr hilfreich. Ja, ich freue mich, dass wir diese Debatte heute geführt haben. Eine Stunde reicht keineswegs dafür aus. Ich hoffe, dass im Programm von DorfTV das immer wieder auch zur Sprache gebracht wird. Ich darf mich sehr herzlich bedanken, Martina Tisberger, Tunja Khalil, für diese doch auch sehr erkenntnisreichen Ausführungen. Ja, natürlich wie immer darf ich mich bedanken bei den Zuseherinnen und Zusehern, die mit großem Interesse dabei waren. Ich kann schon verraten, die nächste Ausgabe von der Stachel im Fleisch ist bereits im Programm, nämlich für kommenden Mittwoch, 18. März, wiederum um 17.30 Uhr. Da widmet sich die Sendung der Stachel im Fleisch dem Thema Strafvollzug. Da liegt es ja in Österreich weitgehend im Argen. Warum ist das eigentlich so? Warum ist die Resozialisierungsrate in Österreich so gering? Beziehungsweise, warum wird das auch nicht breiter diskutiert? Ich freue mich wieder, wenn Sie dabei sind. Wie gesagt, Mittwoch, 18. März um 17.30 Uhr. Ansonsten wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend und auf Wiedersehen.