Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Literaturinteressierte, ich heiße Sie herzlich willkommen hier bei uns im Stifterhaus. Es freut mich sehr, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind. Mein Name ist Sarah Püringer und ich darf Sie ganz kurz in den Abend einführen. sind. Mein Name ist Sarah Püringer und ich darf Sie ganz kurz in den Abend einführen. Wir haben heute eine Autorin zu Gast, die dem Stifterhaus seit vielen Jahren eng verbunden ist und regelmäßig hier liest und die schon allein aufgrund ihrer beeindruckenden schriftstellerischen Produktivität eine Ausnahmeerscheinung darstellt. Seit Beginn ihrer Tätigkeit als freie Schriftstellerin im Jahr 1990 hat sie nicht weniger als 26 Bücher veröffentlicht, das heute Präsentierte eingeschlossen. Ich darf Sie nun ganz herzlich hier begrüßen im Stifterhaus, herzlich willkommen Sabine Scholl. Sabine Scholl, die 1959 in Christgierchen geboren wurde, widmet sich in ihrem Schreiben einer Vielzahl von Themen. Immer wieder kreisen ihre Texte um weibliche Lebensschicksale, um Fragen von Herkunft und Heimat, um biografische Prägungen. Themenfelder, die sich auch in ihrem neuen Roman finden. Die zweite Haut, so der Titel, ist Mitte Oktober 2025 bei Weißbuchs erschienen. Längere Auslandsaufenthalte führten Sabine Scholl nach Chicago, New York und Nagoya. Aus ihrem umfangreichen Werk hat sie zuletzt hier im Stifterhaus ihren Roman Transit Lissabon präsentiert, der ebenfalls 2024 bei Weißbuchs erschienen ist. Sie wurde auch vielfach für ihr literarisches Schaffen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Raurisser Literaturpreis 1992, dem Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien 2006, dem Anton-Wildgans-Preis 2018, dem Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur 2019, sowie dem Preis der Stadt Wien für Literatur 2022. Zudem erschien 2024 ein Rampeporträtheft, das Person und Werk von Sabine Scholl würdigt. In die zweite Haut blickt die promovierte Germanistin entlang von Stoffen, Fäden und des Nähens auf ihre Kindheit zurück. Handarbeit begleitet nicht nur sie selbst und ihre Brüder beim Aufwachsen, sondern steht exemplarisch für eine ganze Generation. Die Erzählerin wächst unter prekären Bedingungen in einem kleinen oberösterreichischen Dorf auf, wo sie von der Mutter gleichsam ins Leben eingenäht wird. Anhand einzelner Kleidungsstücke entfaltet sich die Geschichte eines ganzen Lebens. Armut und Ausgrenzung, Scham, aber auch das beharrliche Ringen der Erzählerin um Emanzipation. Als Studentin, als Schriftstellerin und als Mutter. Sabine Scholl hat eine literarische Sprache gefunden für die tiefen Wunden des Lebens. Für die Scham der Armut, für den Mangel an mütterlicher Zuwendung, für die nachhaltige Prägung durch Herkunft. Die zweite Haut büriert tief und lässt unweigerlich an die Werke von Annie Ernaux denken. Bevor wir nun zur Lesung kommen, darf ich Ihnen unsere heutige Moderatorin vorstellen. Sie kennt das Werk der Autorin bestens und hat 2024 auch das Rampe-Porträtheft zu Sabine Scholl herausgegeben. Ich freue mich, Sie heute bei uns begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen, Christa Gürtler. Christa Gürtler wurde 1956 in Linz geboren und war ab 1984 als Lektorin an den Universitäten Salzburg und Klagenfurt tätig. Zahlreiche Buchpublikationen, Herausgaben, Aufsätze sowie Artikel und Rezensionen für unterschiedliche Medien zeugen von ihrer literarischen Auseinandersetzung mit der österreichischen Gegenwartsliteratur, mit Genderthemen und mit Schriftstellerinnen, unter anderem mit Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek und Barbara Frischmuth. Ganz herzlich möchte ich auch die TeilnehmerInnen unseres Literaturcafés begrüßen. Das Literaturcafé ist bei uns im Haus unser Buchclub. Es wird dann im Anschluss an die Lesung auch ein paar Fragen geben, die wir gemeinsam ausgearbeitet haben. So viel schon mal vorab. Ich wünsche uns allen einen anregenden Abend mit Sabine Scholl und Christa Gürtler und darf nun das Wort übergeben. Vielen Dank. Ja, schönen guten Abend auch von unserer Seite. Vielen Dank, Sarah Püringer, für die Einführung und Vorstellung. Ich brauche da gar nicht mehr so viel zur Vorstellung von Sabine Scholl ergänzen. Wir wollen Ihnen Einblicke in dieses neue Buch, die zweite Haut, vermitteln und haben uns gedacht, dass wir das abwechselnd in einem Gespräch und Lesungsabschnitten tun werden und Ihnen dann damit hoffentlich Lust machen, das Buch zu lesen. Vielleicht haben manche von Ihnen es ja auch schon gelesen. Eine Leseempfehlung vielleicht auch noch ganz zu Beginn. Sie haben ja schon gehört, dass es ein Rampeheft gibt zu Sabine Scholl mit ganz vielen Texten von ihr und über sie. Und das liegt auch, wie ich gesehen habe, am Büchertisch. Also wenn Sie intensiver sich mit dem sehr umfangreichen Werk von Sabine Scholl beschäftigen möchten, dann sei Ihnen dieses Rampeheft ans Herz gelegt. ist, dass sie eben sehr vielfältig ist, dass sie Literaturwissenschaftlerin ist, dass sie Literatur hat, wie man sich den Beruf der Schriftstellerin vorstellen kann, muss, wenn man ökonomisch davon leben will, dass man da eben mehr als Bücher schreiben muss und dass man sich da auf ganz verschiedenen Ebenen eben mit Literatur beschäftigen muss. Ganz besonders, vielleicht zeichnet Sabine Scholl auch aus, dass sie im Bereich der Literatur ganz viele Projekte mit anderen Autoren, Autorinnen macht. Das ist gerade im Bereich der Literatur, vielleicht im Gegensatz zu anderen Kunstformen, nicht so häufig, denn das Schreiben ist einerseits ein einsames Geschäft und die Kooperationen sind da nicht so vielfältig. Bei ihr gibt es tatsächlich ganz viele Beispiele dafür. Die zentralen Themen ihrer Bücher, es ist schon genannt worden, die Auseinandersetzung auch mit fremden Kulturen, die Erinnerungskultur, vor allem auch was den Krieg in unserem Land betrifft, also den Ersten und Zweiten Weltkrieg und in den letzten Jahren ganz zentral auch die Reflexion von Herkunft und Klassismus. Diese Themen hat Sabine Scholl auch nicht nur literarisch, sondern eben auch in verschiedenen Veranstaltungsprojekten bearbeitet. Sie schreibt auch in verschiedenen Genres, sie schreibt Essays, sie schreibt Romane, Prosa-Texte, sie schreibt seit einiger Zeit von Frankfurt nach Berlin übersiedelt ist, während ihre theoretischen Texte, sie hat auch eine große Lust für Literaturtheorie, kann man sagen, Lust für Literaturtheorie, kann man sagen, und ihre Essays erscheinen im Wiener Sonderzahlverlag, also zwei Verlage, die jeweils auch diese verschiedenen Ebenen ihres Schreibens repräsentieren. Sabine Scholl ist in Schlüsselberg in Oberösterreich aufgewachsen, sie wusste aber bald, dass sie diesen Ort verlassen muss. Sie hat ihn nach der Motura dann verlassen, dass sie weggehen musste. Sie hat in Wien Germanistik studiert und hat ihr Studium mit einer Dissertation über Unika Zürn abgeschlossen, hat sich dann auch mit Unika Zürn bei einer Werkausgabe engagiert und ihr ist es mit zu verdanken, dass wir überhaupt etwas von Unika Zürn wissen, glaube ich. Also auch da sehen wir schon sehr früh, dass es eben die Beschäftigung mit Literatur auf verschiedenen Ebenen bei ihr gibt. Sie erkundet biografisch und literarisch nicht nur fremde Welten, sie ist neugierig auf das, was passiert dann nach der Scheidung als Alleinerzieherin gelebt und mehrmals als Gastprofessorin in Nagoya, in Leipzig und am Institut für Sprachkunst in Wien unterrichtet. Seit 2019 ist Wien wieder ihr Lebensmittelpunkt und da hat es sich auch gut getroffen, dass sie dann 2019 tatsächlich den Kulturpreis des Landes Oberösterreich bekommen hat, gerade als sie eben übersiedelt ist. Rosen, der 1991 erschienen ist, hat Sabine Scholl die heile Bilderwelt, könnte man sagen, ihrer ländlichen Heimat entzaubert und sich vom Haus der Kindheit verabschiedet. 30 Jahre später beschäftigt sie sich wieder in ihrem jüngsten Roman, Die zweite Haut, mit ihrer Herkunftsgeschichte und reflektiert, wie sehr die Herkunft ihre Lebensgeschichte, aber auch ihre Literatur, vor allem aber auch ihre Position im Literaturbetrieb beeinflusst und geprägt haben. Schon in ihrem Roman Wir sind die Früchte des Zorns, der ist 2013 erschienen, bilden Fäden und Textilien metaphorische Schnittstellen zwischen Generationen von Frauen. Aus feministischer Perspektive schreibt Sabine Scholl an gegen die Geschichte des Zorns in der Hoffnung auf ein positives Verständnis von Mutterschaft, für das sie keine Vorbilder hat. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist es auch, die in diesem jüngsten Roman, das zweite Haus, zentral im Mittelpunkt ihrer Reflexionen, ihres Romans steht. Und auch das Thema Kleidung, das schon in die Früchte des Zorns eine große Rolle gespielt hat, spielt wieder eine sehr zentrale Rolle. in den vorangegangenen Büchern, die im Schatten, die im Licht und wir haben es schon gehört, in Transit Lissabon, das hier ja auch präsentiert worden ist, mit Frauenbiografien beschäftigt und dich quasi mit der weiblichen Seite des Krieges, vor allem des Zweiten Weltkrieges eben beschäftigt, mit vielen Leerstellen, mit dunklen Flecken, die vor allem eben diese Frauengeschichte betrifft und hast gezeigt, dass Frauen eben diese Zeit ganz unterschiedlich erlebt haben, sicher auch davon abhängig, in welchen Milieus sie groß geworden sind. Frauen, jetzt was den Band, die im Schatten, die im Licht betrifft, sind sehr breit. Es gibt Täterinnen, es gibt Mitläuferinnen, es gibt Opfer, es gibt Widerstandskämpferinnen. Bei Transit Lissabon geht es dann um Frauen, die im Exil waren. Wie ging es den Frauen im Exil? Auch etwas, worüber wir relativ wenig bisher wissen. Gab es jetzt eine, nach diesen beiden Büchern, eine besondere Motivation für dich, dich jetzt noch einmal ganz persönlich, ganz autofiktional, wie man heute sagt, mit deiner Herkunftsgeschichte zu beschäftigen? Eine Herkunft, die immer wieder, wie es ja auch in dem Buch dann dargestellt wird, die immer wieder, wie es ja auch in dem Buch dann dargestellt wird, aus den sogenannten prekären Verhältnissen. Du hast ja nie sozusagen die Stimme der Autorin, die gab es immer in deinen Büchern, du hast sozusagen sehr oft Dinge, die du selbst erlebt hast, eingearbeitet, aber eben fiktionalisiert und im Gegensatz waren deine Romane, denke ich, nicht so direkt autofiktional. Aber jetzt hast du das tatsächlich nicht mehr verschoben, es gibt keine anderen Namen, es gibt jetzt tatsächlich sozusagen ein, früher hätte man gesagt, autobiografischer Roman von dir. Gab es da einen Anlass? Ja, wie fast bei allen Büchern ist es so, dass es nicht nur einen Anlass gibt, sondern eigentlich mehrere Dinge, die dann so zusammenkommen. Und dann plötzlich kriegt man halt diesen Impuls, dass man das jetzt machen möchte oder dass es sich auch auszahlt, sich dem Thema zu widmen. Und ich glaube, das war zum Beispiel, einerseits war es mein Projekt, das ich gemacht habe mit anderen Autorinnen, wo ich versucht habe herauszufinden, über ihre Herkunft und ihre Wege in die Literatur, also eben die auch aus Verhältnissen kommen, wo das nicht allzu ideal ist, die eben auch aus Arbeiterfamilien kommen oder aus migrantischen Familien kommen. Und also das war das Projekt, mit dem habe ich viele Gespräche geführt. Und natürlich habe ich dann irgendwann auch gedacht, ja, ich möchte es für mich selbst auch mal ausprobieren, wenn ich mir dieses Ziel setze, dass ich wirklich das schaue, ja, wie war das, wie war das mit dem Haus, wie war das mit dem Geld, wie war das mit der Ausbildung, wie war das mit, was haben wir besessen? Welchen Besitz? Und so weiter. Also diese Themen, die halt mit der gesellschaftlichen Position zu tun haben, aber eben jetzt keine höhere Position sind. mal so eine erinnerungsarbeit machen und dann war es aber tatsächlich auch dieses eine moment dass ich ja jetzt dann vorlese wo ich da in venedig war und etwas gesehen habe was mich total überrascht hat und eigentlich emotional sehr tief getroffen hat. Und man kann eigentlich nicht wirklich über was schreiben, wenn man nicht die Emotion auch mit dabei hat. Also man kann nicht beschließen, ja, ich mache das jetzt so und ich plane und dann schreibe ich das so runter. Man braucht immer ganz, ganz viel, auch diese emotionale Beteiligung. Und das ist eben für mich so passiert. Soll ich das jetzt dann gleich lesen? Ja, vielleicht eine Frage noch, weil der Name Anne Ernaux schon gefallen ist. Hat die Literatur oder hat die Debatte darüber vielleicht auch eine Rolle gespielt? Ja, sicher. Also es war, stimmt, das war noch ein Punkt, gespielt. Ja, sicher. Also es war, stimmt, das war noch ein Punkt war, dass ja die politischen Verhältnisse so schwierig geworden sind und es war tatsächlich, ich habe ja in Berlin gelebt, es war tatsächlich dann das Erstärken der AfD, wo alle dann drüber nachgedacht haben, auch die Schriftsteller, ja, was ist da los, was passiert mit der Gesellschaft und wie können wir als Autoren da irgendwie reagieren. Und man hat wirklich verzweifelt gesucht und dann hat man eben diese französischen Autoren entdeckt, wie Eribon und eben Annie Arnaud, die eben diese Entfremdung der unteren Schichten von der bestimmenden Elite und das Verschwinden der Mittelschicht auch thematisiert haben. Und die das in Verbindung gesetzt haben mit dem Demokratieverlust oder mit der Demokratiemüdigkeit. Und darum glaube ich ja, dass wenn man anfängt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, dann klingt das zuerst einmal so ganz privat, aber im Grunde ist es, glaube ich, hochpolitisch und ich dachte dann, es ist schon wichtig, einfach auch aus der Perspektive von Menschen zu berichten oder eines Aufwachsens zu berichten, die einem nicht so privilegiert sind. Und denen auch sozusagen, indem ich meine Geschichte erzähle, auch Verbindungen herzustellen zu Menschen, die es vielleicht ähnlich erlebt haben. Und das dachte ich dann, das ist schon eine wichtige Aufgabe, weil das war auch ein bisschen in den Gesprächen ist das immer rausgekommen, wenn ganz wenig Menschen, die aus unteren Schichten kommen, in den Literaturbetrieb überhaupt reinkommen, wovon erzählen dann die anderen, die aus privilegierten Schichten, die erzählen ja wieder nur von ihrer Welt. nur von ihrer Welt. Und meistens, oder wenn sie über ärmere Menschen sprechen, sprechen sie eben mit weniger Gefühl oder eben sozusagen mit einem Blick von oben nach unten. Und man kann sich schon vorstellen, dass also die Literatur sehr, sehr, sehr lange eben von diesen bürgerlichen oder eben höheren Schichten sehr, sehr geprägt und die Welt, die uns auch in den Büchern entgegenkommen ist, davon geprägt war und das finde ich nicht richtig und deshalb wollte ich wirklich diesen Wegen nahe gehen und einfach auch zeigen, was da drinnen steckt, welches Erbe habe ich. Also die anderen erben halt riesige Häuser und Villen am Meer und was weiß ich, alles und Firmen. Und ich erbe sozusagen eigentlich nichts Materielles, aber es ist ja doch etwas. Und ich wollte das sozusagen auch nachforschen, was da sozusagen am Positiven, auch für mich und für das, wie ich mich dann weiterentwickele, drinnen steckt. Ich glaube, jetzt sind wir bereit. Ja, jetzt ist der Punkt. Kein Mensch ist mir gleichzeitig so nah und so fern wie meine Mutter. Nur durch dünne Fäden bin ich mit ihr verknüpft, mit wenigen Nadeln an sie geheftet. Ich bin schwach, gebunden, aufgewachsen. Biennale in Venedig. Die Türen zu Palästen, die ansonsten verschlossen bleiben, sind für die Ausstellungen geöffnet. Ich streife durch die Stadt, gehe vertraute Wege, freue mich, sie wiederzuerkennen. Trete in den Garten eines Palazzos, drücke das Tor zur Kapelle auf, finde in ihrem Inneren riesige metallisch glänzende Köpfe von Barockengeln und einen violett gestrichenen Beichtstuhl. Die Lippen der Putten sind mit Pflastern verklebt. Sie müssen den Mund halten, dürfen ihre Sünden nicht verraten. Eine Glocke hängt über einem Tisch, auf dem Papierstreifen und eine Box mit Schlitz verteilt sind. Besucherinnen sollen ihre Geheimnisse aufschreiben und um Erlösung bitten. Was ist mein Geheimnis? Ich nehme ein Stück Papier und überlege, mir fällt nichts ein. Plötzlich schreibe ich, dass ich meine Mutter nicht lieben kann, stecke den Streifen in die Box, läute die Glocke, verlasse die Kapelle, von mir selbst überrascht. In den Ausstellungshallen mustere ich Wollbilder, geflochtene Drähte, die an Obstkörbe erinnern. Ich nähere mich Kunstwerken aus mir vertrauten Materialien, Stoff, Leder, Papier, Fäden, Perlen, gestricktes, gesticktes, nähte Fransen, weiche Erzählungen, die mir nahe gehen. Ich will danach greifen, weil sie mich ergreifen, lasse mich durch den polnischen Pavillon führen, dessen fünf Meter hohe Wände mit aus Stoffresten genähten Bildteppichen bedeckt sind. Weibliche Geschichte wurde von Roma-Frauen angeleitet, auch die Künstlerin Malgorsata Mirgatas angefertigt. Das von Mutter gebastelte Wandbild eines Eisenbahnzugs, Lokomotive mit Waggons als Schutz auf der kalten Mauer unseres Kinderzimmers kommt mir in den Sinn. Die Kuratorin sagt, das Schmerzhafteste ist, die Verbindung zur Herkunft zu kappen. Indem die Frauen stolz darauf sind, was sie geschaffen haben, werten sie sich auf. Die Aussage trifft mich. Was habe ich eigentlich verloren, indem ich den Ort verlassen habe, wo ich aufgewachsen bin? Den Garten, die Nähkunst, die strickenden Omas und häkelnden Tanten und das Kochen, das handwerkliche Geschick meines Vaters, was ist geblieben? Verspüre ich Schmerz darüber, mich entfernt zu haben? Ich inspiziere die Nadel, die im Wandteppich steckt. Die Kleider, die Mutter mir nähte, sind längst verschwunden. Ich besitze nur Fotos. Doch wo ist der Geist dieser Gewänder? Ansonsten keine Umarmungen, keine Liebkosungen, sondern nur zuschneiden, anheften, Schultern zurechtdrücken, Saum abstecken, bei dem ihr Körper dem meinem nahe kam. Und später das Bewundern des Werks, das ich war, wenn ich ein Kleid trug, in dem sie mich hinaus in die Welt schickte, als Beweis ihrer Fähigkeit, als Botschafterin ihrer Kreationen wurde ich veröffentlicht und mein Vater hat mich fotografiert. Erstkommunion. Da ist dieser Zweifel, ob wirklich alles gut ist. Ob es reicht, ein weißes Kleid anzuziehen aus einem Stoff, der leicht glänzt. Kleid anzuziehen, aus einem Stoff, der leicht glänzt, ob die Scherpe in meinem Rücken bloß fester gezogen werden muss und schon wird das Leben leicht. Ich bin mir nicht sicher, spreite meine Finger gegen den gebauschten Rock in der Anstrengung, das brave Mädchen zu sein, wie es von mir verlangt wird. Strähnen schlüpfen aus der geordneten Frisur, bevor noch der große Auftritt kommt. Ich bemühe mich, aber mein Lächeln ist nicht rund. Die Nähte halten meinen kleinen Körper kaum zusammen. Ich muss Acht geben, darf nicht hinfallen, mich nicht schmutzig machen. Das ist das Wichtigste. Als Mädchen begreife ich nicht, dass der Ort, an dem wir wohnen, in schlechtem Ruf steht. Die Aufteilung des Hauses in eine gute und eine schlechte Hälfte nehme ich als gegeben. Nie, fragen wir nach. Bei den Nachbarn drüben stinkt es, wird erklärt. Ihre Räume, ihre Kleider, ihre Körper, sie waschen sich selten. Dabei halte ich auch den Geruch auf unserer Seite schwer aus, ekle mich vor Schweinen- und Hühnertreck, vor Kühen, vor Misthaufen und fürchte die Ziegen. Keiner trinkt ihre Milch, keiner isst ihr Fleisch. Ihre schmalen Bernsteinpupillen stiehren Blöde in die Welt. Die Bewohner der schlechten Seite sind nahezu unheimlich. Sie bringen sich selbst um, sind geistig behindert, aber sie haben knatternde Mopeds, die sie andauernd putzen und reparieren. Sie mieten und besitzen nichts. Unser Großvater schon. Wer das geschafft hat, während des Kriegs als vielfacher Vater die Hälfte des Bauernhofs zu erwerben und mit welchem Geld, bleibt ein Rätsel. Niemand gibt Auskunft. Das Haus ist anrüchig, vor allem bei denen, die es nicht kennen. Bessergestellte wollen sich ihm nicht nähern, wollen nicht, dass ihre Kinder sich dort herumtreiben. Die Asozialen werden verachtet. H, die ledige Mutter mit dem übergewichtigen Sohn, die kinderreiche Familie F, O-Dati und O-Mami, allein beim Hören ihrer Namen soll es uns den Magen umdrehen. Die Familie M fasst alle Selbstmörder. Später, als alle entweder gestorben oder ausgezogen sind, wohnt eine türkische Familie in diesen Räumen. Mit ihren Kindern ist Spielen erlaubt. Sie lernen in ein paar Wochen Deutsch. Jahre danach müssen sie zurück in die Türkei, als der Vater seine Arbeit in der Fabrik verliert. Nur die älteste Tochter bleibt allein wohnen, dann läuft auch ihre Aufenthaltsgenehmigung aus. Danach kommen Rumänen. Danach leert sich das Haus. Als Kinder ist uns die schlechte Meinung über unsere Gegend aber völlig egal. Wir sollen uns hüten, sagen die Eltern, nicht mit den Kindern der anderen Seite des Hauses verkehren. Die kriegen keine festen Mahlzeiten und ihre Sprache sehr verdorben, behaupten die Eltern. Wie das Cowboy-Indianer-Spiel, das ich mit dem Nachbarsjungen heimlich durchziehe. Als ich merke, dass Vater mich beobachtet, breche ich mitten im Satz ab, den ich mir zurechtgelegt habe, obwohl ich weder Western noch Comics kenne, die sind bei uns nicht erlaubt. Peinlich, dass ich sein Verbot missachte. Ich fühle mich schlecht. Gleich wird Vater mich zu den dummen Kindern zählen. Und der Nachbarjunge tut mir leid, weil ich umstandslos verschwinde. Gerade war ich so stolz darauf, dass ich das kann, dieses Cowboy-Indianer. Dabei haben wir gar keinen Fernseher. Ständig missachten wir Kinder das Verbot, bewegen uns über die Grenze. Um die Leiden der Bewohner auf der anderen Hälfte kümmert sich keiner. Stattdessen werden sie abgeschrieben. Die Eltern wollen verhindern, dass wir von den schlechten Seiten des Lebens erfahren. Aber wir Kinder sind aufmerksam, beobachten genau und hören alles mit. Trotzdem kapieren wir nicht, was es bedeutet, nicht normal zu sein. Das Wort psychische Krankheit existiert nicht. Das Wort zurückgeblieben sagt uns nichts. Das Wort behindert kommt uns oft unter. uns nichts. Das Wort behindert kommt uns oft unter. Wir sind umgeben von Menschen, denen etwas fehlt, die zwar erwachsen sind, aber nicht fähig, selbstständig zu leben. Als Kind erscheint mir das Schlimmste, dass ihre Sprache so eingeschränkt ist, dass ich sie kaum verstehe. Ihre Eltern haben sie auf einem Bauernhof, wo meine Großmutter kocht, abgegeben. Dort werden sie betreut. Großmutter passt auf sie auf. Manche von ihnen dürfen nicht ins Freie. Oft erzählt sie von heiklen Vorfällen. Und auch die Söhne der M dürfen keinen Führerschein haben, weil sie untauglich sind. Deshalb drehen sie den Motor ihrem Moped so laut auf. Ohne Moped auf dem Land bist du verloren. Wir beide. Jeden Hochstand muss ich hinauf. Keine Leiter bleibt unbestiegen von mir, auf. Keine Leiter bleibt unbestiegen von mir, weil Spaziergänge sonntags in weißen Strumpfhosen so langweilig sind. Na, was willst du, scheint Mutters Blick zu fragen. Ihr Haar ist toupiert, sie hat auf eine Sprosse Platz genommen, eine schlanke Figur in engem Wollrock. Ich hänge hinter ihr auf dieser Leiter, sportlich. Nur mit einem Bein und einem Arm halte ich mich fest, aufgeputzt. Eine weiße Schleife am Kopf, eine Wollige am Hals, am Kleid aus kratzig grünem Stoff. Ich werde es euch zeigen. Ich bin entschlossen und der Wille zur Freiheit macht mich groß. Ich hebe mich ab. Der Limonadenmann wird an der Kurve halten. Ich stehe mit Mutter vor dem Tor zur schlechten Seite des Hauses und warte. Sie blickt nach links und rechts. Das kleine Dreieck, Schnittfläche zwischen der verbotenen Hälfte und der guten, ist unser Platz. Mutter ist nervös, befürchtet, dass eine der Frauen aus dem Tor tritt und sie mehr Worte mit ihr wechseln muss als bloß einen Gruß. Sie will die Limonade nicht kaufen, weil sie teuer ist, weil wir Kinder die Flaschen so schnell leeren, weil wir besser den von ihr selbst aus Himbeeren gepressten Saft konsumieren sollen, weil wir rülpsen, wenn wir die Limonade zu rasch schlucken, weil in dem trüb-orangen Gebräu zu viel Zucker enthalten ist und wir dann nicht essen wollen, was sie kocht. Ich muss mit ihr warten, weil sie die Kiste nicht allein nach Hause tragen kann. Ich muss mit ihr warten, weil sie die Kiste nicht allein nach Hause tragen kann. Ihre Geldbörse mit dem goldenen Schnappverschluss hat sie unter die Achsel geklemmt. Sie nimmt die Münzen nicht gern heraus, gibt mir nie welche in die Hand. Am besten gefällt mir die silbrige 5-Schilling-Münze. Das ist viel Geld. Auch mit 1 Schilling lässt sich was anfangen. 1 Schilling kann in den Automaten an der Bahnstation gesteckt werden, ein Dreh nach rechts und eine ovale in Staniol verpackte Schokolade fällt heraus. Ein Schilling schenkt mir Großvater an der Bahnstation, wenn wir ihn dort besuchen. Als der Lastwagen dann brummend hält, stürmen die Bewohnerinnen heraus und kaufen Bierkisten, Limonadenkisten. Keine Ahnung, wie die sich das leisten, wo sie doch kaum arbeiten, aber Bier muss sein, Bier trinken die andauern, behauptet Mutter. Scheppernd wird uns eine Kiste hingestellt, sie schnappt den Verschluss, ihre Börse aufkramt, Münzen mit gekrümmten Fingern, die sie dem Fahrer hinhält, ihr Gesicht starr, die Lippen verzogen. Warum schaut sie so? Ich schäme mich für ihre leise Stimme, ihre stockernden Worte. Sie macht das nicht richtig, ist nicht bestimmend genug. Ich wünsche mir, dass sie laut und unbekümmert ist wie die anderen Frauen. Die reden vor sich hin, ohne zu überlegen. Und ich schäme mich, dass ich mich für meine Mutter schäme. Die Kleidungsstücke für uns Kinder sind vorwiegend weiß, rot und schwarz. Die drei Phasen der Göttinnen. Weiß, die Unschuld in Blusen, Schleifen, Strümpfen, Schuhen, Grenzen. Rot in Miedern, Jacken, Hüten, Rosen. Schwarz in Kleidern, Hosen, Mänteln. Die Frauen sind Blumen, die Männer sind Bäume in Braun und Grün. Schwarz aber ist die häufigste Farbe meiner Kindheit, weil schwarz die Männerjacken sind, die übrig bleiben, die Trauerkleider der alten Frauen, die gestorben sind. Ich darf eine Rasierklinge in die Hand nehmen und Nähte aufschneiden. Millimeter für Millimeter arbeite ich mich durch den Stoff, bedacht weder meine Finger noch die Textur zu verletzen, schlitze die Kleider auf, zerstöre die Geschichten der Frauen, die sie trugen. Grauer Staub hat sich in der Enge der Nähte verfangen. Ich zupfe Fadenreste aus dem Stoff, kleine Löcher bleiben. Das Gedächtnis des Kleides, einer Form von Leben. Ich blase die kleinen, grauen, gewattelnd fort. Muss niesen. Auf dem Land wird nicht von Klasse gesprochen, sondern nur von Rot und Schwarz. Rot oder Schwarz entscheidet darüber, wie und wo du wohnst. Es gibt nichts Drittes, außer die Obdachlosigkeit. Die Blauen sind noch irrelevant. Als ein Wiener Rentnerpaar neben uns einzieht, lernen wir bürgerliche städtische Vorgaben kennen, welche die Frau an uns exerziert, indem sie vorgibt, uns als halbwegs gebildet einzuschätzen und deshalb als einzige Familie, mit der sie Umgang haben will. Vater macht sich über ihre Gewähltheit lustig, Mutter will diese Bekanntschaft nicht. Sie hat wie ich Angst vor Hunden oder umgekehrt, die Angst vor Hunden habe ich von ihr. Im Haus lauert der Geruch von Tieren, sogar im Esszimmer. Landkinder können derartige Leidenschaften nicht verstehen. Die Städter lieben ihre Hunde mehr als die eigenen Kinder. Ihre Tochter hat einen Proleten geheiratet, den die Nachbarin verachtet. Meine schlechten Essmanieren, also eigentlich deren Abwesenheit, interpretiert ihr Mann als natürliches Verhalten. Aber ich habe nie anderes gelernt, als über kräftiges Zulangen meine Dankbarkeit gegenüber Essenanbietenden zu kommunizieren, weil es außer Essen und Kleider keine Kommunikation in unserem Zuhause gibt. Ein Enkel dieser Nachbarin wird Schauspieler. Wenn er zu Besuch kommt, denkt er sich Szenen aus, die ohne Mitspieler nicht funktionieren. Er stößt mich von einem unsichtbaren Seil, das er pantomimisch auf unserem Rasen ausgelegt hat. Ich falle hin, wie geplant. Vater findet, dass der Junge übertreibt, dass er überspannt ist. Eines seiner härtesten Urteile über Menschen, die nicht seiner Klasse angehören. Überspannt heißt zu viel, zu unnötig, das braucht keiner, das zerreißt ja bei näherer Betrachtung oder Überlastung. Vater ist Wächter der Klassengrenzen. Wer darüber hinaus will, wird disquil qualifiziert. Mutter macht mit bei diesem Spiel und bei ihr ist auch Wut dabei, Unmut, aus Hilflosigkeit. Überspannt findet Vater, dass die Schinkenfleckerl der Nachbarn im Rohr überbacken sind. Das sei nicht nötig, meint er. Übertrieben auch, wenn jeder einen Teller für den Salat bekommt. Salat kann von allen aus einer in der Mitte stehenden Schüssel gegessen werden. Alle Worte, die mit über beginnen, werden nicht gebraucht. Übertrieben, überspannt, überheblich. Das ist zu viel. Wieder die Natur. Dieses psychische Kapital haben meine Eltern von ihren Eltern geerbt. Stolz auf deren Aufstieg vom Kleinhäusler zur gekauften Bauernhofhälfte wird nun vom eigenen Haus geträumt. gekauften Bauernhofhälfte, wird nun vom eigenen Haus geträumt. Seine Großmutter, erzählt Vater, musste Wasser zum Trinken, zum Kochen, zum Waschen aus einem Brunnen holen, der eine Viertelstunde Fußweg von der Keusche, in der sie wohnten, entfernt lag. Sie pumpte das Wasser, sie schleppte das Wasser täglich mehrmals. Die Menge des verbrauchten Wassers zeichnete sich ein in der Zeit, die es kostete, das Wasser zu holen, die körperliche Anstrengung, es Eimer für Eimer zu transportieren. So wird die Wasserleitung im eigenen Haus zum höchstmöglichen Fortschritt, zur Kostbarkeit. Alles darüber hinaus scheint unnötig. Genügsamkeit wird als Reichtum erfahren. Klassen werden nicht infrage gestellt, sondern bestätigt, die Ordnung der Gesellschaft gefestigt. Dankeschön für diese ersten Passagen aus deinem Roman. Wie kann man sich denn den Prozess des Schreibens, der Entstehung vorstellen? Ich weiß nicht, ob Sie das, also du hast es ja auch gesagt, dass dein Vater dich immer fotografiert hat. Und der Roman besteht eigentlich darin, dass es immer wieder Fotos gibt, die du entdeckt hast oder die dir gehören, die du gefunden hast. die du gefunden hast und die Dinge, die du auf den Fotos siehst oder die Kleidungsstücke, die es ja nicht mehr gibt, die beschreibst du und kann man sich das so vorstellen, die lösen eben dann Erinnerungen aus oder wie bist du da herangegangen? Waren die Fotos das Erste? Hast du auch Gespräche geführt, zum Beispiel mit deinen Brüdern? Nein, also ich habe natürlich immer Gespräche mit meinen Brüdern geführt, aber es stellt sich ja heraus, dass jeder ja doch immer wieder eine andere Perspektive erinnert. Und also wenn jetzt mein Bruder schreiben würde und würde jetzt diese geschichte schreiben würde eine andere trauer werden ja aber ich wollte vor allem eben diese geschichte mit der mutter und mit diesem erbe des nähens und der kleider nachforschen und da ich keine kleider mehr habe diese genäht hat war natürlich die Quelle, wo ich mir das noch genau anschauen konnte und da ist mir das zum Beispiel dann so aufgefallen, dass wir ja immer so inszeniert waren für die Fotos von meinem Vater und dass das eben so eigentlich auch seine Kunst war, uns da so hinzustellen und auch so als Beweis. Also da steckt ja ganz viel dahinter. Ein Foto ist ja nicht ein Foto, sondern es ist auch ein Werk von jemand, der hat einen bestimmten Blick auf Menschen oder eben auch auf ein Haus und versucht das eben da festzuhalten. Und das sind ja praktisch eben wie kleine Geschichten. Und ich habe es dann eben auch so verstanden als kleine Geschichten, aber der Hauptfokus ist schon, dass ich mir genau anscha Also das ist ja dann auch schon wieder eine Geschichte oder eine Geschichte unseres Verhältnisses. Oder ein Bruder wollte sich nie schön anziehen und ist dann einfach immer, bevor es zum Foto kam, auf dem Misthaufen gelaufen. Also da stecken auch so viele Geschichten und Erinnerungen drinnen. Deshalb wollte ich die dann so, die sind dann immer so eingeschoben in den Erzähltext, immer diese Beschreibungen von den Fotos. Also sozusagen die kleinen Texte, das sind die Fotos. Also ich habe sie dann Fototexte genannt. Ja, die durchziehen den ganzen Roman. Diese Fototexte, diese Fotos aber selber werden nicht abgebildet. Also es gibt keinen Fototexte, diese Fotos aber selber werden nicht abgebildet. Also es gibt keinen Fototeil. Das einzige Foto ist das auf dem Cover und das ist ein Foto, wo es im Gegensatz zu dem, was du beschreibst, doch eine Nähe zu deiner Mutter gibt. Ich glaube, auch das kann man verschieden sehen. Also die Verlegerin hat zu mir gesagt, ja, das ist so typisch, weil eben die Mutter dreht sich da wieder weg von dir. Und du schaust in eine völlig andere Richtung, bist da mit irgendwelchen Gedanken. Ich habe da auch ein Spielzeug in der Hand und das meinte sie sozusagen. Ja, es gibt diese Nähe, aber es ist eigentlich nie wirklich ein Aneinander oder Zueinander. Also diese Kälte oder diese Nichtbeziehung zu deiner Mutter spielt in dem Roman eine ganz große Rolle. Diese Mutter, die immer für die Kinder schneidert und eigentlich die Kleidung versucht, auch für die Brüder herzustellen. Oft eben, du hast diese Stelle ja vorgelesen, eben auch aus Kleidern, die sie bekommt und auch aus Männerkleidern, wo sie dann für die Tochter schwarze Kleider näht, die dann nicht besonders gut ankommen in der Schule. Und die Tochter fühlt sich, du fühltest dich wohl auch nicht immer richtig angezogen mit den Kleidern. Gleichzeitig gibt es... War das unsere Verbindung? War das die Verbindung? Das war unsere Verbindung, ja. Also sozusagen, da war immer ein Stoff dazwischen oder auch eben eine Idee von ihr, wie sie mich sehen wollte natürlich auch, ja. auch noch gemacht ja die durfte eben dann mehr so die prinzessin sein und die hat dann ebenso seinen kleider bekommen weil sie da ja einfach sie da war sozusagen schon in einer anderen lebensphase und mutter tochter war eben problematisch mit enkeln ging es ein bisschen besser wie hast du das eigentlich selber erlebt dass du da ja immer auch mitgeholfen hast, mitgearbeitet hast eigentlich bei deiner Mutter. Nein, ich habe nicht mitgearbeitet. Nein, das war so, das musste ich mir, also sie wollte eigentlich nicht so gern, dass ich da dabei bin, das habe ich mir erkämpft, dass ich da bei ihr sein durfte. Also das war was Außergewöhnliches, dass sie ist da so gesessen mit ihren Sachen, mit den weil sie hat ja nicht nur für mich genäht sie hat ja für viele andere Leute auch genäht und dass ich da zum Beispiel mit den Knöpfen spielen durfte oder eben irgendwie so mit den Fetzen halt herumspielen das war eher so meine Versuche ihr zu nähern, glaube ich. Also ich wollte ihr halt irgendwie nahe sein, aber da war dann jemand die Maschine dazu, die Nähmaschine dazu. Hast du das Gefühl, weil es gibt ja in dem Text und auch in früheren Texten immer wieder auch Überlegungen, was hat das Nähen mit dem Schreiben zu tun? Und ganz früh, ganz am Anfang des Romans, gibt es ja diese Stelle, wo du dann dir dieses Schnittpapier besorgst und dir denkst, dass du dann eben mit Papier etwas entwerfen wirst. Hast du da auch viel profitiert für dein Schreiben von diesen Nähen? Also so direkt natürlich nicht, aber weil das ja sozusagen in dem Plan für mich absolut nicht vorgesehen war, dass ich jemals schreibe und Künstlerin werde. Aber im Rückblick jetzt. Im Rückblick sehe ich da schon sehr viele, ich habe natürlich dann sehr viel beobachtet, was macht sie da, wie macht sie das. Und ich habe, glaube ich, sozusagen durchs Zusehen nähen gelernt. Also ich weiß bis heute so ungefähr, wie man das macht. so ungefähr, wie man das macht. Aber natürlich, klar, es gibt dann schon viele Ähnlichkeiten, wie zum Beispiel, dass ich ja auch, wenn ich schreibe, oft so Stoffe, also Inhalte nehme, die schon woanders sind, aber dann schneide ich mir ein Stück heraus und nähe dann das mit einer anderen Geschichte zusammen. Also man kann das schon so sehen. Also auch das Recycling sozusagen von alten Texten oder Geschichten, die mir jemand erzählt, dass ich die dann so einarbeite in etwas, was ich zum Beispiel entworfen habe. Und auch dieses langwierige Stich für Stich, das ist auch sehr ähnlich. Dieses langwierige Stich für Stich, das ist auch sehr ähnlich. Das ist ja auch eine sehr langsame Kunst, Buchstabe zu Buchstabe, Stich für Stich, Zeile für Zeile, Naht für Naht. Da steckt doch eigentlich sehr viel mehr drinnen. Man weiß ja auch von den alten Mythen, dass das Weben und das Schreiben und das Gedichteschreiben Zeile für Zeile ja auch sehr oft verglichen wird mit dem Faden, der sich im Webstuhl hin und her zieht. Und das, ja, ich glaube, das kläre ich vielleicht nie, ich die ganze Zeit. Ja, man kann es metaphorisch verstehen, aber man kann es auch rein technisch praktisch schon verstehen, weil du ja auch keine durchgehenden linearen Geschichten schreibst, sondern man könnte sagen, du hast so eine Art Patchwork-Stil, der eben immer sozusagen dann einzelne Teile zusammenfügt, wie es das jetzt eben erzählt wird. Genau, von den Mustern, dass sozusagen da kommt ein Stück von einer Figur und dann kommen andere, dann kommt die wieder, dann wiederholt sich das Muster, klar, man könnte das alles so erzählen. Zeit genommen, darüber nachzudenken, als ich dieses Buch geschrieben habe, dass da eben dann doch sehr viel war, was ich irgendwie weitertragen konnte, halt in einem anderen Medium, aber doch. Wo du auch sagen kannst, das ist dein Erbe. Ja, ganz richtig, genau, das ist mein Erbe. Wir haben jetzt Stellen gehört, wo ganz klar schon auch herauskommt, wie geschlossen das System Familie war. Also dass der Vater es sozusagen eigentlich vorgegeben hat, dass es ganz wichtig war, ordentlich zu sein, dass es ganz wichtig war, sich einzuordnen, nichts in Frage zu stellen. Sich einzuordnen, nichts in Frage zu stellen. Die Rollenverteilung zwischen Vater und Mutter war wohl sehr traditionell. Aber die Mutter hat sich ja dann durch das Nähen doch auch Geld verdient. Ja, das war so ihr Raum, den sie sich geschaffen hat, ihre kleine Freiheit. Den Raum, den sie sich geschaffen hat, ihre kleine Freiheit, ja. War die nur ganz klein oder war diese Arbeit schon wichtig für sie? Natürlich war sie wichtig, aber sie hat damit jetzt nicht sehr viel finanzielle Gewinn davon haben können. Also so, dass sie dann jemals, was weiß ich, jetzt mal selbstständig oder irgendwas, nein, nein, nein, das war alles nicht. Im Buch heißt es ja mal, dass der Vater, also wir haben jetzt ja diese Stellen gehört von diesem Haus, das zweigeteilt war und eben von der Trennung von Familie und den anderen Bewohnern. Und dann baut der Vater ja ein Haus. Er ist Eisenbahner, aber er ist auch Handwerker. Ein guter Handwerker. Ein guter Handwerker. Etwas, was viele von uns kennen und was ja üblich war in den 50er, 60er Jahren, dass man eben ein Haus baut. Es heißt aber auch dann, dass dieses Haus, das der Vater baut, Es heißt aber auch dann, dass man nichts kaufen muss, dass sie kocht und kocht und kocht, obwohl sie selber eigentlich gar nichts isst oder eigentlich am wenigsten isst oder gar nicht isst. Und das ja auch bis zu dem tatsächlich fast Verschwinden geht oder mit dem sich selbst auslöschen. Also diese Mutterfigur hat ja schon ein gewissermaßen tragisches Leben. Wie hast du das als Kind erlebt? Kannst du dich da erinnern? Ja, also ich schreibe das ja eh auch, also uns kam das ja alles völlig normal vor. Das war so, ja, alle waren so. Da gab es halt, und wenn was abgewichen ist, war das immer etwas Schlimmes. Also unsere Großmutter hat ein sehr, sehr hartes Regime über ihre Kinder geführt. Und da konnte man, also eigentlich dauernd war man irgendwie schuldig, weil man wieder etwas falsch gemacht hat, was ihr nicht recht war und so. Und meine Mutter hat dem nichts entgegengesetzt. Sie ist halt sehr passiv gewesen. Und als Kind denkst du halt, ja, das ist ja völlig normal, weil alle immer sagen, man muss normal sein. Aber ich bin dann erst viel später draufgekommen, dass sie ja eigentlich wirklich große psychische Probleme hatte, aber das habe ich als Kind nicht so gemerkt, weil als Kind fühlt man sich auch immer schuldig und denkt sich, was habe ich jetzt schon wieder gemacht? was habe ich jetzt schon wieder gemacht? Die Mutter ist schon wieder in so schlechter Laune und warum? Und sie redet nicht. Also man fühlt sich ja dauernd schuldig oder versucht ununterbrochen irgendetwas zu tun, damit vielleicht diese Situation nicht so schwierig ist, damit vielleicht es ihr wieder besser geht und so. Und das ist natürlich so eine Co-Abhängigkeit, die ich sehr spät überhaupt bemerkt habe. Also das war mir gar nicht klar als Kind. Und es wurde ja auch nie darüber gesprochen, dass es jemandem psychisch schlecht geht oder sowas. Mein Vater ist ja heute noch ein totaler Gegner der sogenannten Psychologie. Also er sagt immer, das braucht man nicht. Das ist völlig irrelevant. Und kann man sich mal vorstellen, wie das dann... Also da traut man sich natürlich überhaupt nie, irgendwie was zu äußern, dass es einem vielleicht gerade nicht gut geht oder so. Für dich war sozusagen im Gegensatz zu den Brüdern auf alle Fälle dieses Überschreiteniten der Geschlechterrollen viel schwieriger. Es geht auch sehr oft um Scham. Deine Eltern wollten nicht, dass du ins Gymnasium gehst. Du hast es dann aber geschafft im Gymnasium. Aber was sie dann schon noch erreicht haben, dass du nicht am Gymnasium bleiben durftest, sondern in die Handelsakademie gehen musstest, weil sie schon Angst hatten, dass du dann vielleicht deinen Weg sozusagen nicht so vorgeschrieben oder dein Leben anders verlaufen wird, als es dein Vater, aber auch deine Mutter sozusagen geplant haben. Ja. Scham ist ein ganz zentraler Begriff, auch der immer wieder vorkommt. War das dann für die Brüder doch um einiges leichter? Also das weiß ich nicht, ob es wirklich leichter war. Also für meinen kleinen Bruder, der ist sehr viel jünger, also acht Jahre jünger als ich, der hat praktisch das ganze Haus und die Eltern für sich gehabt. Er sagt, für ihn gab es selten ein Problem. Und mein Bruder, der drei Jahre jünger ist als ich, der hat es schon. Also der hat ja auch, der hat seinen Schulabschluss gemacht und ist am nächsten Tag aus dem Haus gezogen. Also der hat sofort das Haus verlassen. Aber ich glaube, ich wollte ja, dieses Buch wollte ich wirklich konzentrieren, vor allem auf meine Mutter und weniger auf meinen Vater. Und meine Mutter hat ja auch zu mir sozusagen ein spezielles Verhältnis gehabt, das sie so nicht gehabt hat zu den Brüdern. Und deshalb ergeben sich da auch diese Unterschiede. Vielleicht machen wir jetzt einen Sprung und du liest mit deiner Stelle eigentlich einen Sprung zu zwei Passagen, in denen du dann auch im Buch schon erwachsen bist und zurückschaust. Genau, in denen ich nach Wien komme. Also ich habe dann die Handelsakademie fertig gemacht und habe dann durchgesetzt, also bin einfach nach Wien gegangen und habe gesagt, ich studiere, obwohl die Eltern das nicht wollten. Golf kein Musikinstrument. Mir fehlt die soziale Ähnlichkeit mit meinen Mitstudenten. Ich bin haltlos, lerne rasch, oft aber das Falsche. Mein erstes Zimmer erhalte ich durch die Vermittlung einer kollegialen Tochter aus höherem Haus, deren Familie diese Wohnung in der Hauptstadt besitzt. Dieses frühere Dienstbotenzimmer war ohne Heizung, da die Angestellte dort ohnehin nur schlief und bis dahin in warmen, herrschaftlichen Räumen beschäftigt war. Zum Anlass meines Einzugs lädt mich die Vermieterin zum Mittagessen, Suppe und Marillenknödel. Jungswirt von einem Mädchen vom Land betreut. Ich bin nervös, passe nicht an diesen mit Silberbesteck und Stoffservietten gedeckten Tisch, nehme die falsche Gabel, steche in die gekochte Frucht, die Saft über das weiße Tischtuch verspritzt. Die Bröseln sind nicht wie bei Mutter zuckrig und karamellisiert, sondern schmecken trocken und brotig. Sie halten sich nicht auf meinem Teller, verbreiten sich über deren Rand. Meine fehlenden Manieren wären in dieser bürgerlichen Wohnung deutlich. Ich dachte, allein durch die Großstadt, das Studium und meine Belesenheit wäre ich in der besseren Gesellschaft angekommen. Dabei bin ich bloß ein Landei in Hippie-Kleidung, das die Grundregeln guten Benehmens nicht kennt. In der Großstadt regieren damals Barbourjacken und Lodenmäntel, die klarkanten Metallplättchen an den handgenähten Schuhen der Männer, die Tweedjacken, hier Neseln, die zum geheimen Kreis der besseren Bezirke gehören oder zumindest zu tun. Die Mädchen tragen Kilts, Wollpullover, weiße Blusen, Loafer, die Uniform der Konservativen. Viele von ihnen treiben sich im Umkreis der Studentenorganisation der Rechten herum. Dieses Spiel mit der Auserwähltheit seit Generationen liegt wie ein undurchdringlicher Schleier über der Innenstadt. Wir lieben es, in langen, bunt gefärbten Röcken herumzustreifen, hüten uns aber, einen Laden, eine Bar, ein Restaurant zu betreten. Fehlende finanzielle Mittel und provinzielle Ehrfurcht hält uns davon ab. Wir schauen nur von außen hinein und stellen uns vor, wie es wäre. Bis heute meine ich den Dünkel in den musternden Blicken von Boutique-Besitzerinnen zu spüren und fühle mich nicht wohl, befürchte, dass sie mich durchschauen. Allein, dass sie sich leisten können, ihr Geschäft im ersten Bezirk zu verorten, macht sie zu etwas Besonderem. Vermächtnis wird in das Gedächtnis des Körpers und unbewusster Körperschemata integriert. Denkschemata, quasi in den Körper eingewachsene Formen symbolischer Macht, die weitergegeben werden oder eben nicht, schreibt die Soziologin Hanna Bublitz. Das Wort Macht steckt nicht ohne Grund im Ausdruck Vermächtnis. Eine andere heilige Zone bildet der Staatsfernseher in einem westlichen grünen Bezirk. Eine Festung und jeder Parkplatzwächter, noch die kleinste Sekretärin, ist in diesem Gebäude von dem Geruch des Auserwählten umgeben, sich hier drinnen bewegen zu dürfen. Ich habe einen kleinen Nebenjob ergattert, soll eine Verantwortliche beim Lektorat von Drehbüchern unterstützen. Sie ist wirklich nett. schweben nahezu zehn Zentimeter über dem Boden, zurückgeworfenen Hauptes ob ihrer Wichtigkeit und natürlich nieseln sie. In der Folge befreunde ich mich mit dem Kindermädchen der Vermieterin. Auch sie fühlt sich fremd. Von einem Bauernhof stammend ist sie das erste Mal in der Großstadt. An ihren freien Tagen schlendern wir durch die Straßen, gönnen uns Fritten und Cola. In die bliche wohnung werde ich nie mehr eingeladen als ich jahrzehnte später einen literaturpreis erhalte stellt sich mir beim anschließenden empfang eine dame vor ihre familie stammt aus derselben gegend wie ich sofort erkenne ich ihren Nachnamen. Die Vermieterin erinnert sich nicht an mich. Durch die Auszeichnung bin ich ihr für ein paar Sekunden gleichgestellt. Von den Häppchen, die serviert werden, bekomme ich nichts ab, dass sich die vornehmen Gäste gierig darauf stürzen, sie von den Tabletts reißen und in sich stopfen, ohne Benimm. Die, die den Habitus der herrschenden Klasse verinnerlicht haben, wissen intuitiv, wann es in Ordnung ist, bestimmte Regeln zu brechen. Reinhauen, lautstark kauen, schmatzen, sprechen, während der Bissen sich im Mund befindet, alles ist erlaubt. Wenn wir bei Bauern zu Besuch sind und Speckangeboten erhalten, fressen wir ohne Zurückhaltung los, als wären wir unterernährt. Zu Hause wird das Speck rationiert, wird alles rationiert, also greifen wir zu, wenn wir außerhalb der Mahlzeiten Leckerbissen erhalten. Also greifen wir zu, wenn wir außerhalb der Mahlzeiten Leckerbissen erhalten. Ich giere nach Schlagoberts, den Großmutter sonntagnachmittags nur liebsamen, weil gehorchenden Schwiegertöchtern und Enkeln serviert. Wir sind nicht mitgemeint. Ich versuche mich an ihren Tisch zu schmuggeln. Mutter schimpft, dass ich mich anbiedere. Kuchen gibt es sonntags auch zu Hause. Mir aber scheint nichts verlockender als die zuckersüße weiße Masse, die sofort im Mund zergeht und ich beneide die anderen. Essen außerhalb unseres Haushalts anzunehmen, wird von Mutter nicht gern gesehen, weil es wirkt, als würden wir von ihr nicht ausreichend ernährt, weil sie sonst etwas zurückgeben muss, weil andere Mütter dann schlecht über sie reden. Nur wenn Großmutter uns zwingt, was ich mir oft wünsche, dürfen wir nicht Nein sagen. Aber nie bin ich in ihrer Nähe, wenn sie nach Essern sucht, weil sie zu viel gekocht hat. Ein einziges Mal werde ich zu übrig gebliebenen Pfirsichknödel geladen. Danach ist Mutter beleidigt, weil ich zu Hause keinen Hunger mehr habe. Essen ist neben Kleidern das Einzige, was sie uns bieten kann. Keine Umarmung, kein Lob, keine lustigen Worte, nur Marmeladebrote. Lass sich diese Gnade unberührt, bedeutet das Verrat. Sie nimmt sich zu viel heraus, heißt es über die Älteste der vielköpfigen Familie aus der verfemten Hälfte des Bauernhauses. kopfigen Familie aus der verfemten Hälfte des Bauernhauses. Als Kindermädchen bei Bessergestellten hält sie sich nicht an Regeln oder ist es nicht bewusst, dass sie ihren niedrigen Status akzeptieren soll, verwechselt sich mit der Dame des Hauses, die sie für ihre Dienste bezahlt, aber nicht will, dass das Mädchen sich als Familienmitglied fühlt. Die Gewissheit, dass es immer Menschen gibt, die sich über einem befinden, muss vom Kind auf erlernt und respektiert werden. Solchen Besitz wie die Mitschülerin, deren Eltern eine Konditorei oder die andere, deren Eltern ein Hotel besitzen oder den der Fabrikantentochter werde ich ein Leben lang nicht aufholen. Das ist mir früh klar. Nie werde ich den Status des Hineingeborenseins in eine höhere Klasse erreichen. An einem Tisch mit Unternehmern, ihren Gattinnen und Nachkommen zu sitzen, Gespräche zu führen, als gäbe es diese Unterschiede nicht, fällt mir nicht leicht. Bin ich entspannt, verrate ich mich umso schneller. Hält mir nicht leicht. Bin ich entspannt, verrate ich mich umso schneller. Natürlich sind jene mittlerweile gnädig genug, nicht sofort die Verachtungskeule hervorzuholen. Gesprochen wird darüber nicht, stets muss ich damit rechnen, mich zu blamieren. Vor dem Hörsaal warten wir auf Einlass. Vier Frauen, die Germanistik studieren. Alle wollen Schriftstellerinnen werden. In diesem Wunsch haben wir uns gefunden. Ich bin geehrt, mich in ihrem Kreis aufzuhalten. Sie haben bürgerlichen Background und die besten Gymnasien besucht heute ist eine von ihnen direktorin eines renommierten kunstmuseums eine andere malerin und universitätsprofessorin die dritte beamte in einem museum die soziologin publis schreibt in symbolischen kämpfen um soziale Positionen wird ein kulturelles Erbe übertragen, das fundamentale soziale Ungleichheiten bestätigt. In einer anderen Szene sitze ich mit drei Kollegen im Kaffeehaus, Philosophiestudenten aus akademischen Familien. Zwei davon sind mittlerweile Universitätsprofessoren, einer Sohn eines anerkannten Malers, bietet Firmen philosophische Dienste an. Aufgrund meiner Herkunft verfüge ich nicht über gleichsam in den Körper eingewachsene Formen sozialer Macht. Bis heute bekleide ich keine feste Position, habe kein festes Einkommen. Damals durchschaue ich nicht, woher meine Unruhe rührt, spüre, dass ich andauernd zu spät bin, dass Unmengen an Wissen fehlen. Ich lese wie verrückt, gestatte mir im ersten Semester keine freie Minute ohne Buch. Sogar während des Kochens und Essens lese ich. Aber es reicht nie. Mein Studium bleibt holprig. Entweder haue ich ab für Wochen oder Monate oder wechsle die Studienrichtung, beschließe völlig abzubrechen, kehre dann wieder zurück. Ich fordere Dozenten heraus, indem ich trotzige Arbeiten abgebe, die sie zu heftigen Ermahnungen herausfordern oder die sie einfach ablehnen. Mein Versagen deute ich um in eine Kritik an der Institution. Zwischen den Seminaren an der Universität will ich alles Mögliche werden. Wie meine Freundinnen. Sängerin, Musikerin, Performerin, Künstlerin, Töpferin, Schmuckdesignerin, Schamanin, Modedesignerin, Model und und und und und. und, und, und, und, und. Ich werde nichts davon. Verplempere Zeit, jobbe, reise, feiere, tanze, mache Nächte durch, nehme Drogen, aber immer schreibe ich, lese ich. Vielen Dank. Ich glaube, das ist schon deutlich geworden, dass dieser Roman nicht nur, unter Anführungszeichen, eine individuelle Geschichte erzählt, sondern eben schon auch die Geschichte einer Generation und die Geschichte auch einer Klasse und dieses Zugehörigkeit oder Fremdbleiben ist ja etwas, was auch andere Menschen haben und auch natürlich diejenigen, die dann doch im Literatur- und Kulturbetrieb gelandet sind wie du. diejenigen, die dann doch im Literatur- und Kulturbetrieb gelandet sind wie du. Und du hast eben während oder vor, bevor du diesen Roman geschrieben hast, ein Projekt in der Alten Schmiede gemacht, dessen Ergebnisse auch in einem Buch eben im Sonderzahlverlag veröffentlicht worden sind, mit dem Titel Haben und Gehabe zu Klasse und Herkunft in der Literatur. Was würdest du denn sagen, ist die wichtigste sozusagen vielleicht oder einige wichtige Erkenntnisse, die du daraus gewonnen hast oder vielleicht auch die dann für dein Buch oder in dein Buch eingeflossen sind? oder in dein Buch eingeflossen sind? Ja, ich glaube, das war dann schon tatsächlich die politische Dimension des Ganzen. Also, das ist ja immer sozusagen, je schwieriger es ist, in eine Institution zu kommen, desto weniger wird dann in entscheidenden Positionen in den Institutionen auch wahrgenommen, wie es anderen Menschen geht. Also wo sind die Privilegien, wer hat die privilegierte Position und denkt überhaupt nicht daran, dass es sozusagen auch noch andere gibt, die nicht so einfach einen Zugang haben und dass da ein Bewusstsein dafür fehlt und dass es sich schon total lohnt, das zu behandeln. Es war nämlich auch so, dass ich habe da viele Veranstaltungen gemacht und eben Autorinnen eingelesen und die Institution, wo ich das gemacht habe, die wollte das einfach überhaupt nicht machen. Die hat irgendwie, das ist überhaupt kein Interesse gestoßen und ich musste richtig kämpfen. Und dann war das so, dass im Laufe der Veranstaltung, es sind immer mehr und mehr und mehr Leute gekommen und es haben sich immer mehr und mehr Leute auch bei mir gemeldet, persönlich, haben mir Mails geschrieben und so, dass sie so froh sind, dass man endlich auch über dieses Thema spricht. Also, dass es eben nicht alle die Wohnung bezahlt bekommen und das Studium bezahlt bekommen von den Eltern, sondern dass es eben auch viele andere Wege gibt und daraus sich dann bewegt, also auch ein Fokus, was weiß ich, in der Universität oder eben in der Literatur oder auch in der Kunst oder auch in der Musik. Also das müsste eigentlich alles mitgedacht werden, tut es aber meistens nichtleichheiten gibt in unserer Gesellschaft, dass die aber kaum mehr diskutiert war noch immer ein wahnsinnig wichtiges Thema, wo ich auch nicht aufhören möchte, darüber zu sprechen. Und das ist vielen unangenehm, das muss man auch sagen. Also es gibt wirklich Leute, die sich dann so wegdrehen und das Thema wechseln und das einfach nicht hören wollen. Und daran merke ich eben, wie tabu das noch immer ist. wie tabu das noch immer ist. Dein Buch kann man auch lesen als Selbstermächtigung, als Schriftstellerin. Wenn du jetzt zurückblickst oder wenn du es interpretieren musst, ist es eigentlich auch, ich habe zuerst das Buch erwähnt, von den Früchten des Zorns, ist es auch im Schreiben, im Artikulieren, ist es auch ein versöhnliches Buch bezogen auf deine Mutter und deine Herkunft. Es gibt ja immer wieder auch die Angst, was man an die Kinder sozusagen weitergibt, an die Tochter, den Sohn, die beiden kommen ja dann auch vor. Und du wirst jetzt zum Abschluss auch noch eine ganz kurze Stelle lesen, in der es um diese beiden Kinder geht, aber vielleicht eben noch zu diesem Versöhnen. Ja, du hast gerade erwähnt dieses Phänomen der Weitergabe. Also das glaube ich eben auch, dass sozusagen auch eben gewisse Traumata oder sozusagen psychische Beschädigungen über die Generationen weitergegeben werden und dass es eben sehr lange dauert bis man das überhaupt realisiert dass es so ist weil das junge Mensch glaubt mir ja immer ja ich lebe mein Leben ich bestimme alles selbst aber dass man da so ein Gepäck mitschleppt von dem eben wie man aufgewachsen ist oder eben wie die Eltern einen geprägt haben oder die Nachbarn oder was immer und dass es eben nicht immer die tollen Sachen sind, sondern auch wirklich schwierige, was das ist und auch, um es nicht an meine Kinder genauso weiterzugeben. Weil das immer so passiert, wenn man selbst in Krisensituationen ist, dann switcht man plötzlich auf so Geleise emotional und macht dann Dinge, die man eigentlich gar nicht möchte, aber das ist wie so ein Automatismus. und mache dann Dinge, die man eigentlich gar nicht möchte, aber das ist wie so ein Automatismus. Und dann merkt man ja, das hat meine Mutter auch so gemacht oder mein Vater hat auch dann so und so. Und das möchte man ja nicht. Und deshalb war das für mich auch immer wichtig, sozusagen meine Herkunft zu klären und dann auch zu schauen, welche Spuren gibt es dann trotzdem, also natürlich möchte ich nur die positiven hier nennen. Welche Spuren gibt es dann trotzdem? Also ich meine, es ist schon witzig zum Beispiel, dass meine Tochter jetzt in der Modebranche arbeitet. Also kein Mensch hatte das gesagt, dass sie das machen soll, aber sie tut es. Und meine Mutter hat immer so wenig gegessen. Was macht mein Sohn? Er ist Koch. Also irgendwie, auch das hat keiner in der Familie jemals ihm vorgegeben, aber es ist so. Ja, aber das ist natürlich immer, wenn man sich mit seiner Vergangenheit beschäftigt, ist schon eigentlich so der Impuls, dass man einfach schauen möchte, dass man einen Sprung weitermacht und dass die Kinder das nicht auch alles genauso durchleben müssen, sondern vielleicht ein bisschen freier werden von diesen Vorhergaben. Ja, und jetzt lese ich dann noch so ein ganz kurzes Stück, weil es geht natürlich dann auch, wie meine Kinder auch benäht werden von meiner Mutter und wie das wiederum auf meine Kinder sich auswirkt. Und mein Sohn ist der totale Modefreak, also sehr, sehr wichtig, Styling für ihn. Textilien sind das einzig Wertvolle, das Frauen ohne eigenes Vermögen verschenken können. Frauen haben in Truhen und Kästen Stoffe und Kleider liegen, sind Trägerin des Weichen, der gewebten Erinnerung. Als Gastgeschenke sind Textilien ein Mittel der Kommunikation zwischen Gastgeberin und Gast. Seit Mutter Enkel hat, arbeitet sie sich in deren Gedächtnis, indem sie Kleider für die Kleinen näht. Sie hat immer mehr zu tun, weil immer mehr Kinder geboren werden. Durch die genähten Kleider, die gestrickten Mützen und Pullover stärkt Mutter ihre Nachkommen. Sie behütet die Kleinen, stärkt uns, die wir nun Eltern sind, entlastet uns von Kosten, die wir für die Kinder haben. Was anderes kann sie nicht geben. Keine Zeit, keine Sorge. Sie hält es nicht länger aus als ein paar Stunden mit den Enkeln. Muss in ihren Garten, zu den Blumen, zum Gemüse, das Wasser braucht und frische Erde. Lässt uns zurück. Indem sie näht, erzählt sie von dem, was sie sich für ihre Nachkommen wünscht. Indem sie näht, erzählt sie von dem, was sie sich für ihre Nachkommen wünscht. Die Kleider für meine Tochter festlich und elegant. Mutter verwendet samt weiße Krägen, frische Farben, freche Schnitte, schwere Wolle. Zu meiner Hochzeit verwendet sie Seide für die Kleider der Enkelinnen. Liefert farblich passende Haarbänder mit im Geschenkpaket. Meine Tochter darf Prinzessin sein für einen Tag oder gar mehrere. Mutter bringt Kuchen mit zu Besuchen, überreicht Trophäen ihres Gartens, riesige Zucchini und Gurken, Gewachsen und ihre Hand. Frische Steinpilze, gesammelt im Wald und auf der Alm. Wir verleiben uns ihre Geschenke dankbar ein. Mutter ist nicht mit. Durch die Kleider, die sie meiner Tochter näht, kommt Mutter aus ihrem Nähzimmer heraus. Die Arbeit ihrer Hände reist nach Portugal, nach Arizona, nach Chicago, New York, Paris, nach Galicien, Asturien, Lissabon und später nach Berlin. Meine Tochter trägt die Botschaft ihrer Großmutter am Körper. Wir werden darauf angesprochen. Cinderella, ruft eine Kellnerin in Chicago begeistert. Das Kleid in Blau ist mit gerüschen Ärmeln und miederähnlichem Oberteil an traditionellen Dirndl-Formen orientiert, von denen wiederum die Zeichner von Disney sich inspirieren ließen. Prinzessinnen-Style wird von meiner Tochter in hunderten von Zeichnungen reproduziert, auf denen Frauen enge Oberteile, weite, bauschige Röcke tragen mit rüschen sowie mächtigen Dekolletes mit Ansätzen von Brüsten. Sie wird nicht müde davon. mächtigen Dekolletes mit Ansätzen von Brüsten. Sie wird nicht müde davon. Am Strand von Kaschkais stolziert sie in einem weiten Wintermantel aus orangem Wollstoff mit cremefarbigen Borten verziert, mit Kapuze. Mehrmals werden wir gefragt, woher wir dieses Kleidungsstück haben und wo es zu kaufen sei. Mutters lange, düstere Stunden an der Nähmaschine zahlen sich aus. Unsere wechselhaltige Fremdheit wird für Momente gelöst. Indem ich zwar eine Doktorarbeit geschrieben habe, promovierte und dann doch eine erwartete Frauenrolle einnahm, die einer Mutter. Das bildet Gesprächsstoff zwischen uns. Vielen Dank. Applaus noch ein paar Minuten Zeit für Fragen des Literaturclubs. Bitte. Achso. Die erste Frage war, welche Bedeutung hatten Stoffe, Fäden und das Nähen für ihr eigenes Aufwachsen? Warum spielt der Handarbeit für viele Frauen ihrer Generation eine so zentrale Rolle? Warum spielt es eine Rolle? Weil es eigentlich noch dazugehört hat, sozusagen zu den Aufgaben. dazugehört hat sozusagen zu den aufgaben man konnte ja noch nicht so viel kaufen also man musste das einfach selbst machen wenn man einen roten pullover haben wollte man konnte nicht einfach und wenn man hat auch nicht das geld ja also auch wenn es ein irgendwo zu kaufen hatten wir nicht das geld also das war völlig selbstverständlich dass man die ganze Zeit diese, dass ja auch die Männer kriegten die Pullover und die Socken. Das hat zum Teil ihrer Arbeit zu ihren Aufgaben gehört. Und viele haben es ja auch gern gemacht, wenn sie sich zusammen getroffen haben in der Gruppe und haben dann eben getratscht und haben was gemacht. Also es ist auch eine soziale Sache gewesen. An welche Leserinnen haben Sie beim Schreiben gedacht? Wie stehen Sie zu der Einordnung von Die zweite Haut als sogenanntes Frauenbuch? Ja, also ich habe eigentlich überhaupt nicht ich schreibe nie Frauenbücher ich schreibe Bücher, in denen Frauen wichtig sind, weil Frauen eben wichtig sind und eigentlich so oft nicht genug gewürdigt wird, was sie eigentlich auch alles leisten eben deswegen habe ich zum Beispiel auch dieses Frauen im Krieg Romane, die ich ja noch weitermache, geschrieben, weil das immer zu kurz kommt. Das ist eigentlich mein Motor oder was ich als meine Aufgabe verstehe. Ich sehe einfach viel mehr und interessante Lichter auf die Leben und die Arbeiten von Frauen. Und ich glaube, dass das für Männer auch wichtig ist, das zu wissen. Also ich würde das gar nicht sagen, dass das jetzt nur, auf gar keinen Fall, einfach jeder, der irgendwie auch was mit Kleidern anfangen kann oder eine Tante oder eine Mutter oder eine Oma hatte, die auch gestrickt hat und genäht hat. Also es ist auch ein Gespräch, wenn ich das erzähle, einfach nur so in einer Runde und da sitzen Männer und Frauen, jeder erzählt dann etwas. Also da hat der eine die Tante und so weiter. Also ich würde das überhaupt nicht, das ist nur in Frauen gerichtet. Hoffentlich. In Ihrem Roman Die zweite Haut thematisieren Sie das Ringen um Emanzipation und mit einer bestimmten sozialen Herkunft. Sehen Sie diese Konflikte als generationsspezifisch oder setzen Sie sich auch in nachfolgenden Generationen fort? Welche Bedeutung hat dabei die Perspektive der Tochter im Roman? Ja, die Tochter ist da, das haben wir jetzt alles gar nicht gesagt, das ist ja dann sozusagen auch nochmal eine Geschichte von mir als Mutter mit meiner Tochter ist, wo dann eben die Haut und zwar die wirkliche Haut eine große Rolle spielt und wo ich eben das Gefühl hatte, dass zwischen mir und ihr gibt es eben schon die Nähe, also wo sie sozusagen schon Haut an Haut sind und wo eben ganz wenig Distanz dazwischen ist. Und es war eigentlich auch so ein gemeinsamer Heilungsprozess, diese Geschichte mit meiner Tochter. Also die hat uns wirklich nochmal sehr nahe aneinander gebracht. Mehr müssen wir ja nicht verraten, sondern das können Sie vielleicht dann auch nachlesen. Aber es geht in die nächste Generation weiter und was die sozialen Benachteiligungen und so weiter betrifft, natürlich gibt es das immer mehr. Also ich meine, wo die Mittelschicht verschwindet und immer mehr Leute Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen, alleinerziehende Mütter ihre Miete zu bezahlen und so. Also das würde ich sagen, der Fokus muss unbedingt mal wieder darauf gerichtet werden. Ja, vielen Dank. Okay. Danke auch. Ja, eine noch. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Eine. Ja, das ist schon ein wichtiges Moment, weil das ist ja etwas, was einen normalerweise davon abhält, über so etwas zu schreiben, dass man die Angst hat, dass man eben von den Beteiligten als Verräterin, dass man die Angst hat, dass man eben von den Beteiligten als Verräterin, weil man eben etwas Geheimnisse, oder was ja keine Geheimnisse sind, aber eben etwas in die Öffentlichkeit bringt, was andere Menschen eben vielleicht finden, dass es nicht in die Öffentlichkeit gehört. Aber das heißt, ich bin natürlich eine Verräterin in gewisser Weise und es gibt ja auch Familienmitglieder, die mich da sehr, also jetzt nicht wegen dem Buch, aber auch wegen einem anderen Buch, sehr verurteilen und ja, also es ist immer so ein bisschen knapp, kurz vor der Klage, also man muss da schon aufpassen, aber ich denke mir dann, ja, aber gerade dann will ich mir auch nicht das Wort verbieten lassen, wenn es schon so heikel ist. Ja, dann danke für die Fragen aus dem Publikum und ein herzliches Dankeschön an Sabine Scholl und Christa Gürtler für die Lesung, das Gespräch und die Moderation. Schön, dass Sie heute bei uns waren. Danke. Und bevor wir zum Abschluss kommen, möchte ich Sie auch noch auf den Büchertisch hinweisen, der sich wie gewohnt hinten am Ausgang befindet. Sie können dort gerne das Exemplar von Die zweite Haut erwerben und es sich auch im Anschluss signieren lassen. Noch eine kurze Anmerkung, der Büchertisch ist heute mit der Buchhandlung Neugebauer zustande gekommen. Besuchen Sie uns auch gerne am kommenden Dienstag wieder. Um 19.30 Uhr begrüßen wir Mieze Mintusa und Anna Dresker, die beide ihren neuen Roman vorstellen werden. Die Moderation übernimmt Dominika Meindl. Ich hoffe, Sie haben den Abend genossen. Bis bald wieder hier im Stifterhaus. Vielen Dank und auf Wiedersehen.