Applaus jetzt auch sehr herzlich nach diesem heiteren, oder ich habe gar nicht gewusst, dass der Martin Wassermeyer so humorvoll sein kann, aber bei uns geht es jetzt ein bisschen ernster weiter, aber nicht nur. Also wie gesagt, Literatur im Dorf ist für mich eine wunderbare Serie oder Sendungsserie, weil man ausführlich und substanziell über Texte und mit literaturaffinenden Menschen sprechen kann und nicht nur plaudern, wie es ja auch schon manchmal ist in den Medien. Aber der Erfinder von Literatur im Dorf dieser Serie ist Otto Tremetsberger. Er sitzt neben mir. Ich begrüße dich ganz herzlich. Und zu ihm muss ich auch nicht recht viel sagen. Du warst ja heute schon auf der Bühne. Aber an dich die Frage, beziehungsweise es ist eher eine Vermutung, ich nehme an, du hast Literatur im Dorf deswegen auch gegründet, wenn man es so sagen kann, weil du das Gefühl gehabt hast, es ist ein Defizit oder du möchtest irgendwie ein anderes Konzept. War das so? Das ist sicher ein ganz wichtiges Motiv gewesen, über die Frage nachzudenken, wie man Literatur, zeitgenössische, regionale Literatur verstärkt im DorfTV sichtbar machen kann, zeitgenössische, regionale Literatur verstärkt im DorfTV sichtbar machen kann, dass es eben ein Defizit gibt dazu. Und wir haben in den Inputs heute Vormittag bei der Martinet immer wieder gehört, dass es den Medien sehr schlecht geht und dass der Journalismus unter Druck ist und die Medienfreiheit unter Druck ist. Und ein Aspekt des Journalismus, der immer schon traditionell in Schwierigkeiten steckt, das ist einfach der Kulturjournalismus. Und da gibt es auch eine breite Diskussion dazu und innerhalb des Kulturjournalismus. Und das ist der Journalismus, über den wir reden, ist der Literaturjournalismus. Reden ist der Literaturjournalismus ein Aspekt, der sehr oft und immer mehr wahrscheinlich unter die Räder kommt in den traditionellen Medien und nachdem ich selbst auch publiziere, publiziert habe und literarische Texte veröffentlicht habe, hat mich das Thema oder die Frage, wie kommt Literatur ins Dorf eigentlich immer beschäftigt und es ist ja nicht nur die Sendung, die du jetzt seit mittlerweile über fünf Jahren machst, siebeneinhalb, sondern es sind ja auch viele andere literarische Inhalte mittlerweile auf DorfTV und das ist schon sehr erfreulich, weil es eben genau Inhalte sind, die in der Ausführlichkeit und in der Tiefe kaum sonst einen Platz hätten. Das hast du jetzt gerade angesprochen. Also du bist ja auch an andere Orte gegangen. Da möchte ich dann auch noch mit dir sprechen. Aber was mir besonders wichtig war, ist auch so die Sprache in ihrer Bandbreite, also auch sichtbar zu machen. Also ich habe jetzt nicht nur Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Gast, sondern auch Kritiker, Übersetzer. Dann zum Beispiel auch eine Psychologin, die in der Justizanstalt Garsten Schreibkurse hält mit den Insassen. Und auch einmal eine ukrainische Linguistin, die die Schimpfworte, die Wiener Schimpfworte untersucht hat und dabei darauf gekommen ist, dass Trottel immer noch der wichtigste oder das am häufigsten gebrauchte Schimpfwort ist. Und die anderen beiden, die möchte ich Ihnen jetzt ganz gerne ersparen. Aber du bist, wie gesagt, ja auch an andere Orte gegangen. Wie hast du, was war da deine Intention dazu? Also ich finde das Format, wie es du hast im Sender, sozusagen diese klassische Studiosituation, die da vielleicht eher ein bisschen nachgebaut wurde, ist ein sehr spannender Zugang. Es ist einfach, das versinnbildlicht die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen, ohne Inszenierung, ohne das übliche Zamtame, immer wenn es um Literaturformate geht, dann wird immer etwas dazu quasi addiert, damit es vielleicht doch spannend sein könnte für Zuschauerinnen und Zuschauer. Aber dieses pure Gesprächsformat ist auf jeden Fall ganz eine wichtige Ebene. Aber gleichzeitig geht es, gerade Literatur findet ja nicht nur im Studio statt, sondern die findet ja in den Häusern statt, im Stifterhaus, in den Ateliers, wo immer Leute ihre Texte produzieren und präsentieren. Und es gibt auf Dorf unglaublich viele sozusagen auswärtige Literaturaufzeichnungen und Literaturgespräche, die auf Sendung gehen. Aber nichtsdestotrotz, dieses pure Format im Gespräch, fast eine Stunde ein Gespräch zu führen. Das ist ein Format, das man eigentlich sonst wo in dieser Form gar nicht mehr sieht. Und eins möchte ich noch sagen, weil du ein paar Punkte da angesprochen hast, da geht es nicht nur um Literatur, sondern du hast auch Kritikerinnen und Leute, die sich mit Literatur beschäftigen in deinen Sendungen zu Gast. Das ist auch etwas, was man in dieser Sendung merkt. Und das ist auch ein Grundprinzip von DorfTV. Da geht es nicht immer nur um die Kunst und um die Kultur, sondern es geht immer auch um den gesellschaftlichen Zusammenhang, um die Diskussion darüber. Und das ist ja das, was du in deinen Gesprächen und das, was ich auch versucht habe herauszuarbeiten, über die Literatur hinaus, was bedeutet das eigentlich für unser gesellschaftliches Zusammenleben, auch auf politischer Ebene? Ich habe ja auch 30 Jahre in einem öffentlichen Sender gearbeitet und da wäre das zum Beispiel nicht möglich gewesen. Da war auch immer die Frage, wie es eingangs schon geheißen hat, Literatur im Fernsehen, das klappt einfach nicht. Und dann ist eben Literatur bebildert worden und ich finde oft auch sehr auf Kosten der Autorinnen und Autoren. Es ist dann sowas wie Entertainment und Literatur und ich finde, das klappt eigentlich sehr gut. Also so wie es Dorf der Frau macht, also ohne uns jetzt zu loben. Aber ich glaube, es klappt eigentlich recht gut ohne, ich sage es jetzt mal ganz salopp, ohne den Schnickschnack. So will ich es auch sagen und wenn man das ganze Thema Podcast anschaut, wo auch eigentlich nur oft gesprochen wird und diskutiert wird, warum nicht einmal das Wort und das Gespräch in den Vordergrund rücken und nicht die Inszenierung darüber. Ein Aspekt ist ja, aber ich muss sagen, da kenne ich mich überhaupt nicht aus, ist ja auch KI und wie es sich weiterentwickelt und wie es auch unsere Literatur prägt oder prägen wird. Hast du dich damit schon beschäftigt? Hast du dich damit schon beschäftigt? Nur in meinem konkreten Arbeitsumfeld, also in meiner Arbeit, aber nicht in meiner literarischen Arbeit. Ich habe einmal versucht, einfach scherzhaft mir einen Text im Stile von Peter Hand geschrieben zu lassen und es ist tatsächlich sehr, ich muss sagen, nicht beeindruckend, aber sehr beängstigend, was dann am Ende des Tages dabei rauskommt. Also ich fürchte, die Entwicklung, was KI betrifft, was Literaturproduktion betrifft, da fürchte ich, so wie generell vielleicht ein bisschen der Eindruck entstanden ist bei der Martinier, dass keine guten Zeiten auf Medien zukommen, da fürchte ich auch, das wird eine schwierige Sache. Aber ich nehme an, oder sagen wir mal, ich bin so optimistisch zu glauben, dass in so einer Situation, wo sich sehr vieles wandelt, und das ist ja momentan auch der Fall, dass sich dann auch immer wieder Nischen finden. Also auch, ich weiß nicht, zum Beispiel ein Verlag, der auf Crowdfunding beruht oder so. Also hast du diese Hoffnung auch? Also ich glaube, das ist auch ein bisschen ein Grundmotiv von mir, was Literatur im DorfTV betrifft. Es braucht vielleicht nicht unbedingt Verlage oder es braucht vielleicht nicht unbedingt klassische Medien. Auf DorfTV mit Literatur präsent zu sein, ist eine Form des Publizierens. Das ist nicht nur vom Literaturjournalistischen her eine Form des Berichtetwerdens, sondern es ist einfach eine Möglichkeit, mit seiner literarischen Produktion sichtbar, hörbar, zugänglich zu werden. haben über deinen Roman gesprochen, vor sieben oder acht Jahren. Und ich habe gestern auf der Mediathek von DorfTV nachgeschaut und das Video ist über 8.800 Mal schon angeklickt worden. Das heißt nicht, dass alle 8.800 das Video gesehen haben, aber reingeschaut haben, erfahren haben, dass du einen Roman geschrieben hast, dass wir darüber gesprochen haben. Also ich finde, diese Sichtbarkeit, die wir über dieses einfache Produzieren, das einfache Medium DorfTV herstellen können, das finde ich einen ganz wichtigen kulturpolitischen Anspruch unserer Arbeit bei DorfTV. Also ich bemerke überhaupt, dass Literatur im Dorf eine sehr, sehr gute Internetpräsenz hat und sehr, sehr oft, wirklich sehr oft angeschaut wird. Natürlich, wie du sagst, werden sich nicht, man darf sich nicht der Hoffnung hingeben, dass das dann bis zum Ende natürlich angesehen wird. Aber was ich so bemerke, vor allen Dingen bei den jungen Autorinnen und Autoren, ich verstehe das auch, weil sich natürlich sehr, sehr vieles verändert hat. Es ist so die Überlegung, wie positioniere ich mich am Markt? Wie komme ich am Markt weiter vorwärts? Und du hast angesprochen, du bist ja auch Schriftsteller einer Erzählung und eines Romans. Wie nimmst du es wahr? Also wenn man in eine normale Buchhandlung hineingeht, dann wird man zunächst einmal überfordert von der unglaublichen Fülle an literarischer Produktion, die es offensichtlich gibt. Es werden tausende Bücher publiziert und veröffentlicht und sich sozusagen in so einem Markt gewissermaßen zu bewähren, das ist ja fast ein aussichtsloses Unterfangen. Und ich glaube, und das wissen eh die meisten, dass nur sehr wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Österreich wirklich von der literarischen Produktion leben können und dass sehr viel auch davon abhängt, was man sonst macht, von Lesungen begonnen bis hin zu Aufträgen. Also es ist schwierig, sozusagen am Markt zu existieren und ich finde, wenn man in die zweite, dritte, vierte Reihe der österreichischen Autorinnen und Autoren schaut, das sind wahrscheinlich die allerwenigsten darunter, die tatsächlich von dem, was sie produzieren und machen, wirklich halbwegs ein Auskommen haben. Und es geht, ich finde, da geht es halt einfach sozusagen, was bei DorfTV auch um den Versuch, diese ganzen Bemühungen zu stärken. Jeder kennt das aus eigener Erfahrung, jeder Bericht über deinen Roman, jede Übertragung, das ist ganz wichtig als Referenz. Und Dorf der Frau ist eine wichtige Referenz. Es ist nicht nur als Medium eine wichtige Referenz, sondern als Dokumentation, sozusagen, es macht einen sichtbar mit seiner, ihrer Arbeit. Und diese Rolle sich etablieren, als Schriftstellerin, als Schriftsteller, die Unterstützung von Dorf-Defo, diese Rolle, die finde ich ganz wichtig. Da hast du recht. Gabi Käpplinger, um zum Ende zu kommen, hat es ja angesprochen, wenn ich mich richtig erinnere, ganz am Anfang, natürlich, es kann sich alles weiterentwickeln. Und ich überlege mir auch immer wieder, wie kann sich die Sendung weiterentwickeln? Was kann man für neue Aspekte hineinbringen? Wo siehst du so die Perspektiven, Otto? Eine Perspektive könnte sein, dass man versucht, ein bisschen auch nicht wegzukommen, sondern ergänzend zu dem langen, intensiven Format auch kürzeren Formaten dann auch in Kooperation mit anderen Medien, über Großmediarbeit, über die Sozialmedien oder in Zusammenarbeit mit den freien Radios, irgendwie gewissermaßen auch noch über Dorf hinaus noch andere Plattformen nutzen zu können. Und da sind vielleicht kürzere Formate auch eine ganz spannende Option. Also du meinst jetzt auch in Form von Gesprächen oder dann doch irgendwie anders gestaltet? Auch in Form von Gesprächen. Da bin ich auch nicht der Experte von kürzen Formaten, aber ich glaube, kürzere Formate sind sicher ein Aspekt, der nicht uninteressant ist. Literarisch, also jetzt sagen wir mal, was die Literatur betrifft, wie optimistisch bist du oder wie pessimistisch bist du? Spontan würde ich sagen, weder noch. Also ich glaube, dass die Bedeutung und die Rolle von unseren Medien, von den Community-Medien, gerade im literarischen Bereich, wird sicher immer wichtiger werden. Und ich finde es oft sehr schade, dass wenn es um die Defizite in der Literaturberichterstattung geht, dass dann immer über den ORF gesprochen wird und über das, was der ORF wieder nicht macht und so weiter, sondern dass man eher auf das Positive hingeht und sich anschaut, was passiert eigentlich in den Community-Radios, in den Community-TVs. Da passiert so unglaublich viel. Ich glaube, es gibt keinen Schriftsteller, keine Schriftstellerin in Oberösterreich oder in Linz, die nicht irgendwann einmal einen Beitrag im Gast einer Sendung einen kurzen Text auf DorfTV sprechen, zeigen hat dürfen. Wobei natürlich eine Ausdünnung festzustellen ist, in den Medien, also in den gängigen Medien, würde ich mal sagen. Aber die Glocke hat geläutet, ich fühle mich um Jahrzehnte jünger. Also danke dir ganz herzlich, Otto, für dieses Gespräch und alles Gute. Alles Gute auch dir als Schriftsteller natürlich. Danke und alles Gute dir und für deine Sendung. Ja, danke. io anche