Danke, dass DorfTV unser Gespräch, unseren Vortrag aufzeichnet. Mein Name ist Peter Eigelsberger. Ich bin hier am Ort für die Dokumentationsstelle zuständig. Ich bin auch die Ansprech sich am meisten Zeit nehmen darf von uns, wenn jetzt jemand zum Besuch kommt. Ich darf heute durch diesen Abend Sie führen und auch noch einen Platz am Podium nehmen zum Gespräch. Lehrende. Sie hat Philosophie studiert und Kunstwissenschaften, hat in Linz promoviert, ist heute in ihrer Praxis tätig als philosophische, psychologische Beraterin und sie ist heute hier Schriftstellerin, weil sie das Buch mit Mathilde geschrieben hat, das sie uns vorstellen wird. Ich möchte auch den Raphael Besenbeck begrüßen, der dann nach mir Worte sprechen wird. Er ist vom Verlag der Provinz und hat das Buch verlegt. Und er darf dann nach mir an die Reihe kommen. Und an ihn anschließend, und ich möchte ihn jetzt begrüßen, kommt Oliver Seifert. Mathilde war eine Frau, die in Tirol in einer Einrichtung war. Der Oliver ist der Historiker des Krankenhauses in Hall, ein guter Freund des Lern- und Gedenkorts, der uns immer wieder begleitet. Er ist mein Tirol-Joker. Wenn ich mal nicht kompetent Auskunft geben kann und es geht um eine Tiroler Person, dann landet irgendwann einmal das Telefon in meiner Hand oder ich schreibe ihm eine E-Mail, weil der Oliver für mich quasi in Tirol allwissend ist. Und wenn ich Hilfe brauche, frage ich ihn gerne. Und heute haben wir gedacht, Sie sollten den Oliver auch kennenlernen, weil es um ein Tiroler Opfer geht und der Oliver am besten in dieses Thema einführen kann und darum freut es mich, dass er heute aus Innsbruck hergefahren ist und möchte Sie noch mal herzlich willkommen heißen und gerne an den Raphael übergeben. Dankeschön. Schauen wir mal, wie gut das Mikro geht. Nein, geht sehr gut. Genau, ich darf heute von Verlag Bibliothek der Provinz einerseits den Büchertisch betreuen, andererseits kurz sprechen, meiner Freude Ausdruck verleihen, dass dieses Buch bei uns erschienen ist und später auch gerne zur Verfügung stehen für Interessierte. Ich bin ja netterweise, spannenderweise angekündigt als Historiker, was insofern stimmt. Ich war davor an der Universität als Historiker, bin aber jetzt in Funktion von Verlag da. Und das Buch, das verlegt wurde, ist ja ein Roman, betitelt als Roman. Ich weiß nicht, ob das später noch darauf eingegangen wird. Für mich ist es deshalb auch ein tolles Buch und ich habe mich sehr gefreut, wie die Alexander Gossett von uns zugekommen ist, weil diese Schnittstelle historisches und literarisches, die ist eine, die ist für die Zunft, und ich hoffe, ich sage jetzt nichts, oder die Kollegen können immer gerne darüber widersprechen, aber für die Zunft vielfach eine, ein Stachel, mit dem man irgendwie umgehen muss. Einerseits ist es die Gefechtswissenschaft, andererseits ist es eine Geschichte, die dann geschrieben wird und die erst durch ihre Aufarbeitung und durch ihre Darstellung dann tatsächlich diese Drastik und diese Wirkung entfaltet. Es geht weit zurück, da ist zum Beispiel einer, auch aus der Zunft, der Herr Momsen hat sogar den Literaturnobelpreis bekommen. Heutzutage eher undenkbar, würde ich mal meinen. Aber es zeigt schon, dass das eine Schnittstelle ist, die immer wieder sehr zentral zu einer Fragestellung in der Geschichtswissenschaft gemacht wurde. Ich habe jetzt ein Stück, ein anderes Buch von uns auch in der Hand, also vom Verlag. Den gibt es jetzt schon doch eine Weile. Und das ist aus der langen Zeit des Schaffens von Richard Pils, auch in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte hier. Grundsätzlich auch ein großes Danke natürlich. Das ist ein wunderbarer Ort, um das Buch auch zu präsentieren. Danke von unserer Seite auch. Und das sind tatsächlich Dokumentsammlungen, Briefe von Eltern, von Eltern,hörigen, von Insassen einer Pflegeanstalt in Gallneukirchen, die dann nach Hartheim gebracht wurden. Und dadurch, dass es eine Dokumentsammlung ist, ist das Spannende, man hat da direkt die Quelle in der Hand. Und die Quelle an sich hat schon eine sehr große Stärke. Wenn man da zum Beispiel reinschaut, das ist nur ein kleiner Ausschnitt, ein Schriftstück dann an eine Schwester dieser Anstalt. Menschen umgegangen. Ich werde die Vorstellung nicht los, dass sie noch schlecht behandelt wurden. Und was man dann dort mit ihnen getrieben hat, daran darf ich gar nicht denken. Was für eine erbarmungslose Welt. Das ist jetzt der Originalton. Aber der Originalton der Quelle, der liegt vielleicht irgendwo und ist gar nicht wirklich zugänglich. Das braucht dann jemanden, der mit dem auch arbeitet, mit dem umgeht und den transportiert, ihn unter die Menschen bringt. Und das ist dann ein Stück, das der Alexander gemacht hat. Und das finde ich toll. Und ich finde es auch schön, dass heute dieses Buch präsentiert wird am Internationalen Tag gegen Frauengewalt. Mit diesen Worten übergebe ich. Dankeschön. Ja, auch von mir einen schönen Abend. Das mit dem Allwissend würde ich gerne wieder relativieren. Also wir bemühen uns jeden Tag, mehr zu wissen, aber zum Allwissen gerade auf dem Gebiet der NS-Euthanasie ist es natürlich sehr weit. Es ist eine sehr schwierige Quellenlage und ich freue mich heute jetzt Ihnen sozusagen eine Hintergrundfolie geben zu können, eine Hintergrundfolie zu dem Roman, über den wir dann hören werden, mit Mathilde. Es gibt natürlich eine Schnittstelle, da werden wir vielleicht dann im Gespräch auch noch darauf zurückkommen, eine Schnittstelle zwischen Alexandra Gossetti und meiner Person, weil wir uns bei uns in Halle im Archiv getroffen haben. Und mir geht es jetzt darum, einfach einen historischen Rahmen innen aufzuzeigen, Wie kann man sich die Zeit, in der Mathilda in psychiatrischen oder auch anderen Pflegeeinrichtungen verbracht hat, wie kann man sich das vorstellen? Ich möchte Ihnen einfach einen kleinen Rahmen zeichnen. Mal schauen, ob das Gerät funktioniert. Sie sehen hier eine Ansicht der Heil- und Pflegeanstalt, halt in Tirol. Mathilda war hier seit 1920. Die Anstalt gibt es schon viel länger. Sie sehen hier gegründet 1830 als Kaiserlich-Königliche Irrenheilanstalt. Was ich immer sehr interessant finde, deswegen nehme ich die Zitate oft gern dazu, wenn Sie ganz oben schauen, Anstaltsstatuten 1830. Der Zweck der Anstalt ist nicht so sehr bloße Verwahrung der unglücklichen Irren, als vielmehr die Heilung derselben. Also man startet mit einem sehr hehren Ziel los. Man nennt das in der Forschung oft ein Heilungsoptimismus, eine Heilungseuphorie. Man versucht, Institutionen zu gründen, die den Menschen in ihrer Notlage helfen. Und wir können jetzt einen sehr weiten Sprung machen, wenn Sie das Zitat 100 Jahre später unten anschauen. Sanitätsbericht 1929 zu eben dieser Anstalt. Die Anstalt dient natürlich hauptsächlich Verwahrungszwecken. Eine zielbewusste Therapie wird wenig oder gar nicht betrieben. Heilungen sind ungemein selten. Das ist jetzt ungefähr die Zeit, in der Mathilda gerade die Heil- und Pflegeanstalt Hall wieder verlässt und in eine andere Betreuungseinrichtung kommt. Das heißt, da liegen 100 Jahre dazwischen. Der Anspruch, heilen zu können und zu wollen, ist völlig aufgegeben. Es sind Verwahranstalten, die die Menschen über lange Zeit in ihrer Obhut behalten. Es sind geschlossene Anstalten. Wenn Sie hier auf diesem Luftbild, das aus den 1960er-Jahren ist, schauen, man sieht überall rundherum die Mauern. Es ist nach innen gesichert mit Gittern und so weiter. Also es ist wirklich eine Verwahrenstalt, was man eigentlich von Anfang an nicht sein wollte. Zu diesem Versorgungsnetz dazugehören auch die sogenannten Versorgungshalsen. Ich gehe davon aus, dass es wahrscheinlich in Oberösterreich oder wo immer Sie herkommen, ganz ähnlich strukturiert ist. in Oberösterreich oder wo immer sie herkommen, ganz ähnlich strukturiert ist. Das heißt, es gibt ein ganzes Netz an Einrichtungen, die sich vom Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen oder mit geistigen Beeinträchtigungen kümmern. Dazu gehören eben diese Versorgungshäuser. In Tirol waren es drei, nämlich Ried, Imst und Nazareth. Wenn Sie mal in Ruhe sich den Gedenkort durchschauen, auch diese Versorgungshäuser sind unten aufgelistet, wenn es um die Institutionen geht, woher die Opfer kommen. Also auch alle diese Institutionen waren betroffen dann von der NS-Euthanasie. Sie sehen schon an den Gründungsdaten, das passiert ziemlich zeitnah zu der Psychiatrie. Und zwischen diesen Versorgungseinrichtungen gibt es ein sehr enges Netz des Austausches. Das heißt, Patienten, Patientinnen, die lange Zeit in Hall sein, wo die Ärzte mittlerweile in einen Behandlungs-Pessimismus verfallen, aber sagen, es braucht keine medizinische Begleitung mehr, die kommen dann in diese vorgelagerten Versorgungshäuser. Wenn es dort wieder zu Problemen kommt, ist der Weg retour wieder sehr schnell. Und wenn Sie dann später vielleicht einmal auch diesen Roman mit Mathilda lesen, werden Sie sehen, da ist genau dieser Austausch. Irgendwann ist die Zeit in der Heil- und Pflegeanstalt beendet und man kommt in eine vorgelagerte Betreuungsverwahrungseinrichtung. Im Fall von Mathilda ist es diese Einrichtung, nämlich das St. Josefs-Institut Mills bei Hall. Es ist nur wenige Gehminuten von der Heil- und Pflegeanstalt Hall entfernt, ist vorwiegend für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, aber auch mit leichten psychischen Beeinträchtigungen. Auch hier sehr ein reger Austausch. Die Ärzte von Hall sind auch zuständig für die medizinische Betreuung im St. Josefs-Institut. Und in dieses St. Josefs-Institut kommt die Mathilda 1928. Und sie verbleibt dann dort, bis dann in der NS-Zeit die NS-Euthanasie losstartet und Mathilda hier dann zum Opfer wird. Hier noch ein kurzer Einblick. Das sind alles Fotos aus der Heil- und Pflegeanstalt Hall. Da muss man nicht immer nur von den Institutionen reden. Dort leben Menschen, dort verbringen Menschen fast ihr ganzes Leben. Mir ist jetzt beim Vorbereiten eben natürlich ein bisschen selektive Fotoauswahl, aber was mir schon aufgefallen ist, dass viele unserer historischen Fotos immer im Kontext Arbeit seien. Also das war sehr wichtig auch zu zeigen, dass die Menschen dort arbeiten, dass sie einen Nutzen haben, dass sie betreut sind. Vor der Zeit des Nationalsozialismus oder ein paar Jahrzehnte davor ist die Arbeit noch weniger ein Selektionskriterium für den Lebenswert eines Menschen, sondern es ist eine therapeutische Funktion. Also es geht um die Leute einfach zu beschäftigen, aber natürlich auch um eine Nützlichkeit für die Institution. Also wir sehen hier Patienten und Patientinnen entweder bei verschiedenen Tätigkeiten im Gartenbereich und so weiter. Wenn man jetzt Fotos aus diesen Versorgungshäusern oder aus dem St. Josef-Institut zeigen würde, sind die ganz ähnlich. Die sind fast immer mit Landwirtschaften bestückt. Die Patienten und Patientinnen arbeiten dort. Und was auch ein verbindendes Moment ist, das ist mir auch jetzt nochmal bewusster geworden bei der Vorbereitung für diese Ausführungen. In all diesen Institutionen, also alle Versorgungshäuser und das St. Josefs-Institut werden von barmherzigen Schwestern geleitet und auch in der Heil- und Pflegeanstalt sind auf den Frauenstationen ausschließlich barmherzige Schwestern in der Pflege, auch in der NS-Zeit. Das müsste man vielleicht auch einmal vergleichen, ob das in anderen Bundesländern auch ähnlich ist. Auf jeden Fall alle später vor der Euthanasie betroffenen Einrichtungen in Tirol und Vorarlberg sind barmherzige Schwestern in der Pflege, wie gesagt auch über die NS-Zeit hinaus. Stichwort NS-Zeit, NS-Euthanasie im GAU Tirol Vorarlberg. Die führende Figur ist Dr. Hans Tschermak, Sie sehen ihn hier rot eingetreist. Man würde heute sagen Sanitätsdirektor, Er ist zuständig für alle Anstalten. Er ist überzeugter Nationalsozial die Fäden zusammenlaufen. Im Jahr 1940 starten die Vorbereitungsarbeiten für die sogenannte NS-Euthanasie. Dazu gehört die Erfassung der Einrichtungen. Es gibt zwei verschiedene Meldebögen. Meldebogen 1 ist jener Meldebogen, wo Patienten und Patientinnen erfasst werden. Und der Meldebogen 2 ist jener, wo die Einrichtungen erfasst werden. Sie sehen hier den Meldebogen aus dem St. Josefs-Institut Mills, jener Institution, in der zu dieser Zeit Mathilda als Pflegling, wie es damals geheißen hat, aufgenommen ist. Das St. Josefs-Institut umfasst 215 Betten, wird, wie ich schon gesagt habe, von barmherzigen Schwestern geführt, von 23 geistlichen Schwestern werden die Menschen dort gepflegt. Interessant im Zusammenhang mit Mills ist, dass beide Meldezettel, also Meldebogen 1, Meldebogen 2, von den Schwestern direkt ausgefüllt werden. Im Unterschied zu Hall, dort kommt die Expertenkommission oder Ärztekommission, Externe, die dort diese Zettel ausfüllen. Ich bin noch nicht forschungsmäßig schlau geworden, wieso in Mills das den Schwestern überlassen worden ist. Auf jeden Fall füllen die diese Meldezettel aus, Meldebögen aus und dann ist es so, dass diese Meldebögen dann später als Grundlaube für die Transportlisten herhalten müssen. Die ersten Transportlisten für Mills werden im Dezember 1940, also ziemlich genau vor 85 Jahren, an die Einrichtung geschickt. Sie haben hier einen Ausschnitt aus einem dieser Transportlisten. Sie sehen, Mathilda erfasst auf dieser Liste schwachsinnig, taubstumm, so ist die Beschreibung für sie. Ich habe noch eine zweite Person, nämlich die Ilse Geitze, offen gelassen, wo ganz eine ähnliche Beschreibung ist, Geistes-Schwach-Zornes-Ausbrüche. Geiz sie offen gelassen, wo ganz eine ähnliche Beschreibung ist, Geist des Schwachzohnes, Ausbrüche. Es ist insofern interessant, weil man sieht, bei dieser Transportliste ist offensichtlich das Hauptkriterium eben der Grad der geistigen Behinderung, aber auch die Arbeitsfähigkeit. Sie sehen auf der anderen Seite eine Liste mit 43 Pfleglingen, die von der zuständigen Schwester gestrichen worden sind. Also sie hat sich eingesetzt, diese Menschen von den Listen zu streichen. Ich werde dann später noch ein bisschen näher darauf eingehen, was das für ein Dilemma für den Handel der Personen natürlich betrifft. Also das kann man sich durchaus vorstellen. Hier wird jetzt dann die Verantwortung so groß, dass man darüber entscheidet, wer darf da bleiben und wer darf nicht da bleiben. Und das führt dann auch in der Nachkriegszeit vor Gericht zu einigen unangenehmen Fragen an die handelnden Personen. Der Transport von Mills wird am 10. Dezember 1940 durchgeführt. Der Transport von Mills wird am 10. Dezember 1940 durchgeführt. Am selben Tag werden auch aus der Heil- und Pflegeanstalt 179 Menschen ebenfalls zum Bahnhof in Hall gebracht, mit dem Zug nach Linz und dann weiter von Linz hierher nach Hartheim und einen nach Linz-Niedernhardt. Insgesamt 707 ermordete Menschen, von denen eben Mathilde eine ermordete Frau war. Nur zu betonen, es ist bei uns in Gau die größte Opfergruppe. Und auch die, über die wir dann in der Nachkriegsseite, ich werde das dann nochmal kurz ausführen, am allerwenigsten und am spätesten geredet worden ist. Das Ganze war eine Geheimaktion, das ist Ihnen wahrscheinlich bekannt. Mit der Geheimhaltung hat es überhaupt nicht hinkaut. Man sieht an diesem Schreiben 1942 von einem Gesundheitsamt in Bregenz, in der letzten Zeit wurde die Wahrnehmung gemacht, dass Angehörige von Geisteskranken, die in den Grauheil- und Pflegeanstalt Hall und Mills untergebracht sind, die Heimbeförderung der Kranken mit allen Mitteln zu erreichen suchen. Da diese Erscheinung gehäuft auftritt, erstatte ich Meldung hiervon. Das heißt, die Menschen wissen, was los ist. Sie versuchen, die Leute rauszukriegen. Das war bei den ersten Transporten in Tirol noch nicht so der Fall, weil da hat man noch nicht gewusst, was passiert jetzt eigentlich. Das heißt, je mehr Transporte abgeführt werden, umso größer dann auch der Widerstand. Ein sehr beeindruckendes Dokument, das betrifft jetzt ein Opfer aus der Heil- und Pflegeanstalt Hall, deren Mutter einen sehr gehanischten Brief an den Anstaltsdirektor Dr. Klebelsberg schreibt. Ich zitiere nur ein paar Auszüge. Das ist einmal der Eintrittssatz, wo man auch genau sieht, die Frau fragt nicht nach, was ist mit meiner Tochter, was ist mit ihr passiert, sondern sie fällt mit der Tür ins Haus und sagt, ihr habt sie umgebracht. Und das ist, wenn Sie am Datum schauen, 9. Mai 1941, also da ist in Tirol gerade einmal vier Monate oder fünf Monate seit dem ersten Transport vergangen. Und sie legt dann am Schluss noch nach, sie schreibt diese qualvollen Tage unserer lieben armen Olga vom 20. März bis zur Vernichtung, die werden sie in eigenen Kreisen zu spüren bekommen. Es gibt einen Hörer, der ihnen den Boden heiß machen wird, wie er ihnen gebührt. Also man kann das, glaube ich, gar nicht als mutig genug einschätzen, dass sie sich wirklich diesen Brief an den Anstaltsdirektor schickt und sich beschwert und sich damit auch sehr antreifbar macht. Also wir wissen nicht, ob ihr dann was passiert ist, ich gehe mal davon aus, nicht. Aber es ist doch ein sehr großes Zeichen von Mut, sich so einzusetzen, nachdem die Aschenohne der Tochter dann von Hartheim gekommen ist. Nach dem Krieg dauert es bis 1949, bis in Tirol ein Prozess durchgeführt wird. Es wird eine Person gegen eine Person zu Gericht gesetzt und auch verurteilt, nämlich der schon erwähnte Sanitätsdirektor Dr. Hans Tschermak. Acht Jahre schwerer Kalker kann man hier lesen. Er ist wenige Monate nach seiner Verurteilung schon wieder frei. Es wird ihm die Vorhaft angerechnet, er wird begnadigt. Medizin, Uni Innsbruck und Ärztekammer bemühen sich sofort darum, dass er wieder als Arzt arbeiten darf, was Gott sei Dank nicht gelungen ist. Also das Gericht hat sich dagegen ausgesprochen. Er hat dann sein weiteres Leben in Linz verbracht, hat als Pharma-Referent gearbeitet und ist dann auch in Linz in den 1970er Jahren gestorben. Und etwas anders die Lage bei Dr. Heinz Krebelsberg. Er ist der Anstaltsdirektor von Heil und bei Schwester Oberin Erharda Händlmeier. Sie ist die stellvertretende Schwester Oberin von Mills. Sie sind nicht angeklagt, sondern Zeugin. gefallen lassen, weil natürlich die Frage auftaucht vor Gericht, nach welchen Kriterien hat man gestrichen und wieso hat man manche Menschen nicht abtransportiert und andere schon. Und die Schwesteroberin argumentiert dann so, dass sie keine richtigen Kriterien gehabt hätte und sich deswegen auf die Arbeitsfähigkeit konzentriert hat. Was man allerdings auch in der Liste sieht, ich habe es ja schon erwähnt, Ilse Geuze, die Zweite auf der Liste, da war, dass es auch oft mal den Eindruck hat, es geht eher auch um eine Lästigkeit von Patienten. Wen haltet man zurück und wen haltet man nicht zurück? Dass eben Patientinnen oder Patienten, Pfleglinge, die eher aufmüpfig seien oder sehr pflegeaufwendig seien, dann auch weniger Chancen hatten, auf diese Streichungsliste zu kommen. Wo man schon sieht, dieses moralische Dilemma. Die Schwestern, aber auch anstatt direkt der Klebelsberg, der auch 80 Personen in Hall gestrichen hat, die setzen sich für die Patienten ein, involvieren sich aber gleichzeitig auch in das Schlimme. Also wenn man dabei bleibt, um Schlimmes zu verhindern, kann man ein Teil verhindern, aber man ist auch ein Teil des Schlimme. Also wenn man dabei bleibt, um Schlimmes zu verhindern, kann man ein Teil verhindern, aber man ist auch ein Teil des Schlimmen selber geworden. Und das ist natürlich dann im Nachhinein fatal. Wie gesagt, sie sind beide nicht angeklagt, sondern als Zeugen. Und dabei bleibt es auch. Der Dr. Klebelsberg wird bis 1950 weiterhin als Arzt arbeiten in Hall und geht dann in Pension. Wie geht es dann weiter? Also mit dem Gerichtsverfahren ist dann erst einmal das Kapitel Euthanasie beendet, geschlossen und es dauert sehr lange, bis eine Aufarbeitung in Gang kommt. Und das ist nicht nur in Tirol so, in Tirol vielleicht sogar noch verzögerter und es dauert noch länger, bis eine gewisser Erinnerungskultur in Gang kommt. Die erste Publikation in Tirol erscheint 1984, Widerstand und Verfolgung vom Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand. Interessanterweise damals schon das erste Mal die Namen, also alle Namen genannt. Insofern kommt es einem ein bisschen absurd vor, dass dann später in den 1990er, 2000er Jahren die Diskussion um die Namensnennungen erst einmal aufkommt. In Tirol sind seit 1984 alle Namen der Euthanasieopfer bekannt. Insofern macht eigentlich Re-Anonymisierung überhaupt keinen Sinn, beziehungsweise ist es sogar ein Rückschritt in der Erinnerungskultur. Das erste Gedenkzeichen wird auf dem Klinikgelände in Innsbruck errichtet von der dortigen psychiatrischen Klinik, obwohl diese gar nicht involviert war, aber sie fühlt sich doch auch in dieser Psychiatrie-Tradition verantwortlich und errichtet dieses Gedenkzeichen. Es ist nach einem Motiv von Oswald Schirtner, der in Gugging ein Art-Prut-Künstler in den 1960er, 70er, 80er Jahren war. Nach seiner Vorlage ist dieses Gedenkzeichen errichtet worden. Noch sehr schwer lesbar. Es steht nur drauf, wieder das Vergessen. Mittlerweile gibt es eine Ergänzungstafel, die darauf verweist, dass es für die Euthanasie Opfer ist. Also es war auf Anheb damals nicht so wirklich erkennbar, für wen steht denn dieses Denkmal. Aber es war das erste und hat dann doch mehrere weitere Gedenkmäler zur Folge. Es hat bei uns in Tirol ein großes Gedenkprojekt eines Künstlers gegeben. Das ist ja zum Teil auch in Hartheim angedruckt gewesen. Temporäres Denkmal, Prozesse der Erinnerung 2004 bis 2007, das sich vor allem auf die Opfer der Heiligenpflegeanstalt Hall bezogen hat. Der Künstler hat Gemeinden angeschrieben und hat sie auffordert, eine Straße nach Opfern zu benennen, was in manchen Fällen auch wirklich gemacht worden ist. Sie sehen hier unten, das ist eine Brücke, die auch nach einem Opfer benannt worden ist. Also die Gemeinden haben das teilweise wirklich dann auch umgesetzt. Und dieses Kunstprojekt führt dann dazu, dass eine Vielzahl von Gedenkzeichen an Euthanasieopfer errichtet werden in Tirol. an Euthanasieopfer errichtet werden in Tirol. Die letzte genaue Erzählung war 2019, waren es 21 Gedenkzeichen jetzt nur in Tirol. Mittlerweile wird es weit über 30 sein. Das heißt, es entstehen jetzt immer mehr Gedenkzeichen. Sie sehen hier ganz verschiedene Formen von Stolpersteinen, über Denkmäler, Gedenktafeln. Gedenktafeln in Hartheim, wie für Alois erwähnte, die die Angehörigen dort angebracht haben. Also es gibt ganz unterschiedliche Varianten von Gedenkzeichen mittlerweile und es geht weiter. Das heißt, seit es jetzt auch, weil dann noch darauf zurückgekommen, in Hall das Archiv gibt, gibt es einfach auch eine Anlaufstelle neben Hartheim, wo man Informationen kriegen kann. Das sind die Gedenkzeichen, die im St. Josefs-Institut errichtet worden sind. Hier unten sind die Gedenktafeln 1998 an der Friedhofsmauer angebracht, auch jetzt in der Ästhetik der 1990er Jahre noch. Und hier unten ein Denkmal, auch direkt beim St. Josefs-Institut, das jetzt seit letztem Jahr dort steht, das an die ermordeten Menschen aus dem St. Josefs-Institut erinnert. Also das sind Nachbildungen oder Nachbildungen kann man nicht sagen, sondern freie Gestaltungen einer Keramikkünstlerin, die für jedes einzelne Opfer hier eine Figur gestaltet hat. Das ist der Gedenkkort in Hall. Also der ist angegliedert oder sozusagen in Kombination mit unserem historischen Archiv. Es erinnert, da ist jetzt kein Gedenkzeichen an die Matilda, weil ja hier erinnert wird an jene Menschen, die aus Hall abtransportiert worden sind. Es gibt hier Metallstilen für jedes einzelne der 360 Opfer aus Hall mit namentlicher Erwähnung und woher die Menschen gekommen sind, wann sie geboren sind, wo sie geboren sind. Und es gibt auch auf dem Gedenkkort, man sieht es jetzt da nur am Rande, kann man es nur erahnen, da gibt es einen sogenannten Informationsterminal, wo man auch kurze Biografien der Opfer lesen kann. Ich habe es schon erwähnt, in Kombination mit dem historischen Archivinhalt zu denken, wo ich arbeite und hier kommt jetzt die Verbindung zu Alexandra Gussetti, die ja damals, ich weiß jetzt gar nicht mehr wann genau, mit mir in Kontakt getreten ist und wo wir uns dann geschaut haben, was ist als Spurensuche möglich. Und da ja die Mathilde Throm in Hall als Patientin war, liegen bei uns die Patientenakten, die dann auch einsehbar sind für Angehörige und für wissenschaftliche Forschung. Das heißt, dieses Archiv bietet sehr gute Möglichkeiten und die Möglichkeiten werden auch genutzt von Angehörigen. Es sind, glaube ich, eine der wenigen, wenn nicht die einzige psychiatrische Anstalt in Österreich, die die Akten noch selber hat, weil unser Landesarchiv meint hat, sie hätten keinen Platz, jetzt sind sie bei uns im Haus geblieben. nimmt, jetzt sind wir sehr froh, weil das, was der Peter schon erwähnt hat, er ist privilegiert, sich für Angehörige Zeit zu nehmen, das trifft für mich genauso zu. Wenn man in einem Landesarchiv, da kriegt man die Akten vorgelegt, da hat jetzt niemand Zeit, viel mitzuschauen, das heißt, das ist bei uns schon der Mehrwert, dass Angehörige einfach Auskunft kriegen und begleitet werden. Man sieht hier den Aktendeckel und es gibt eben verschiedene Dokumente, die dann ermöglichen, ein Leben zu rekonstruieren, zumindest in Teilen zu rekonstruieren. Hier nur zur Illustration ein paar Schnipsel, die dann auch in diesem Roman von Alexander Gossetti Eingang gefunden haben. Ein Zitat von unserem Gedenkkort, und damit möchte ich dann jetzt in den zweiten Teil überleiten. Die Spuren, die die Opfer hinterlassen haben, sind meist sehr spärlich, zumindest aber lassen sich in den Archivakten und Familiennachlässen Erinnerungsscherben finden. Aus diesen Scherben können fragmentarische Bilder zusammengesetzt werden. Die Arbeit an den Lebensgeschichten ist ein offener Prozess. Jede neue Information, jede neue Erinnerungsscherbe verändert, verfeinert und vertieft unser Wissen von den Ermordeten oder wirft neue Fragen auf. Für den Austausch, die Zusammenschau und das Zusammenfügen der Scherben bietet das historische Archiv in Verbindung mit dem Gedenkortraum. Und genau das, finde ich, ist auch mit Alexander damals passiert und deswegen freut es mich auch, dass ich heute jetzt die Möglichkeit gehabt habe, ein bisschen den historischen Rahmen und Hintergrund hier zu zeichnen. historischen Rahmen und Hintergrund hier zu zeichnen. Und ich finde auch, so ein Roman ist ein sehr schönes Gedenkzeichen. Ich weiß nicht, Alexander, ob du mit dem Begriff zufrieden bist, aber für mich ist es natürlich als Archivar oder als Historiker sehr schön, wenn aus diesen historischen Forschungen etwas entsteht, seien es Gedenkzeichen, seien es Erinnerungszeichen und dann umso mehr ist es auch ein Roman. Insofern war ich jetzt halt sehr froh, hier dabei sein zu dürfen. Und ich würde jetzt einladen, Alexander, dass wir jetzt zum zweiten Teil, wegen dem Sie ja hauptsächlich auch da sind, nämlich zum Buch übergehen, wo ist der Peter, der ist auch da, und dass wir uns jetzt dem Buch zuwenden. Und so als Übergangsfrage, weil die beiden kommen, ist eben mir auch wichtig, weil ich mir im Vorfeld auch überlege, was interessiert mir, oder was könnte die Alexandra fragen, weil ich ja viel mit Angehörigen zu tun habe im Archiv. Und die haben ganz unterschiedliche Zugänge. Und sie haben auch ganz unterschiedliche, selber ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Und das, was mich aber immer wieder beschäftigt, ist eigentlich die Frage, was treibt einem nach so langer Zeit an, sich mit Menschen zu beschäftigen, die man eigentlich gar nicht gekannt hat. Weil mittlerweile, es kommen keine direkten Angehörigen mehr, die Opfer gekannt haben. Es kommen zu mir Leute, die die Menschen aus Hörensagen, Erzählungen kennen. Und trotzdem merkt man aber eine tiefe emotionale Verbundenheit oft. Und eben das wäre so meine Frage jetzt, um in diesen Teil einzusteigen, was eigentlich bei dir das Ausschlaggebende war, sich mit dieser Familiengeschichte irgendwie zu befassen, den Schritt ins Archiv zu machen und dann noch mehr diese Lebensgeschichte oder auch diesen Weg, den du ja auch beschreibst, dann mit der Öffentlichkeit zu teilen. für diesen Rahmen da. Herzlichen Dank für die nette Einführung und den tollen Vortrag. Es ist ein unglaublich schöner Rahmen. Und ja, ich freue mich sehr, dass ihr alle gekommen seid und dass es euch interessiert. Also, das finde ich total schön. Vielen Dank, trotz des Wetters heute. Sind wir laut genug? Leicht ein Mikro. Aber leugt der Mikro? Aber ich habe eigentlich ein Mikro. Das ist nur fürs Fernsehen. Achso, okay, gut. Aber jetzt ist es besser. Aber ich glaube, es hat jeder verstanden, was ich jetzt gesagt habe. Also zu dieser Frage, ich möchte auch dir erzählen, wie diese Begegnung mit Mathilde war, also wie das für mich war. Und genau, also so im Februar 24 war das tatsächlich so, dass ich mit meiner Cousine Lisa, die jetzt auch da ist, wir machen öfter Ausflüge, weil wir gern Zeit miteinander verbringen und wir gesagt haben, ja, wir fahren nach Hardheim, um wieder einmal so einen Nachmittag mit Gedenken zu verbringen und hierher zu fahren einfach. Und wie auch immer, vielleicht war es die richtige Zeit, vielleicht war es einfach der richtige Tag in irgendeiner Weise. Wir sind dann hier gewesen und es war niemand da, es waren Semesterferien, es waren keine Schulklassen da und so. Und wir sind dann mit Peter ins Gespräch gekommen und in irgendeiner Weise war es so, dass ich so eine tiefe Ahnung zulassen konnte. Ich habe gewusst, da gibt es irgendjemanden, aber das war sehr, sehr dunkel, sehr verschüttet. Irgendwie habe ich da so eine Ahnung und ich konnte diese Ahnung, irgendwie war das möglich, die aufsteigen zu lassen und habe dann gesagt, ja bei uns, ich glaube, da gibt es auch irgendjemanden und Peter hat gesagt, ja, schauen wir nach bei den Daten und dann habe ich tatsächlich diesen Auszug in der Hand und denke, das kann nur die Schwester von meinem Großvater sein. Und ich erzähle das deswegen auch so, weil in dem Moment, und ich erinnere diesen Moment, und ich glaube, die Lisa auch, sehr genau, weil so eine Welle an Emotion da war. sehr genau, weil so eine Welle an Emotionen da war und ja und wir haben dann geredet und dann sind das App dann natürlich wieder ab und wir sind dann hinausgegangen und ich habe es wirklich so empfunden Mathilde war ab dem Zeitpunkt bei mir also das habe ich wirklich so empfunden, Mathilde war ab dem Zeitpunkt bei mir. Also das habe ich wirklich so empfunden und ich habe mir gedacht, zu Beginn, also ich erzähle das auch deswegen, genau, weil natürlich macht mich jedes Opfer betroffen. Und natürlich ist es jetzt gar nicht so bedeutsam, ob man jetzt verwandt ist oder nicht, aber es war diese Welle an Emotionen. Und das war schon etwas, was dann irgendwie sehr bemerkenswert war. Du hast gesagt, du hast emotionale Verbundenheit. Die war einfach da. Und ich habe mir gedacht, ich lese jetzt ein paar erste Anfangszitate, wo diese Stimmung vielleicht deutlich wird. Ich wache auf und sehe Mathilde. Ich treffe mich mit Freunden. Mathilde begleitet mich. Ich gehe raus, arbeite, lebe, schlafe, wache, träume und treffe Mathilde. Sie ist stets zugegen. Ich will es so. Gut, dass sie da ist. Ich wusste von ihr, so dunkel wie die Scham, die sie umgibt, so dunkel, so vage wusste ich von ihr. Eines Tages kam sie zu mir. Sie kam an einem kalten, grauen Februartag. Mathilde rief mich lautlos, sprachlos, ein liebevoller Schatten. Mathilde rief mich lautlos, sprachlos, ein liebevoller Schatten. Sie zog mich heftig und doch sanft in ihre Zeit. Unverhofft nahm ich ihre Gegenwart auf und folgte ihr in ihre Welt. Eine junge Frau in ihren Dreißigern, eine junge Frau, freundlich, lächelnd, kam in mein Leben und blieb. Das ist so die Stimmung, so habe ich das auch empfunden. Und natürlich ist es dann noch nicht so, dass man sich denkt, und jetzt schreibe ich ein Buch darüber, sondern es war so mal die Idee, eine Gedenktafel. sondern es war so mal die Idee, eine Gedenktafel und ich habe dann gewusst, es gibt in unserer Verwandtschaft noch einen Großcousin, den Hermann aus Salzburg, der ist auch da, der Hermann, freue mich, dass du da bist und habe ihn kontaktiert, wir hatten eigentlich überhaupt keinen Kontakt vorher und Hermann wusste gar nichts von Mathilde und das war dann schon so eine erste sehr schöne Beziehung. Also wir haben gedacht, wir machen eine Gedenktafel. Und dann, wie der Oliver gesagt hat, ich habe dann erfahren, man kann sich Krankenakte schicken lassen und ich war immer noch irgendwie ziemlich ahnungslos, glaube ich. Ich habe mir die Krankenakte dann schicken lassen und wir haben dann Kontakt gehabt und du hast mir das geschickt. Und dann waren da diese Zeilen und gerade diese ersten Zeilen, diese sehr harten, sehr es ist sehr hart zum Lesen, diese Krankenakte, diese ersten Zeilen, die haben mich dann sehr da ging es schon irgendwie so, die lese ich vielleicht auch vor, da wollte ich dann schon wissen. Hall, Tirol, 30. November 1920 Ist in Begleitung der Mutter gekommen. Keine Verletzungen, nur eine Laus gehabt. War bei der Aufnahme ruhig. Verabschiedete sich ganz nett von der Mutter. Und dann geht es weiter in diesem Krankenakten, die Aufnahme, die Aufnahmegespräch mit dem Arzt und es kommt so durch, trotz dieser harten Zeilen, dass da eine freundliche Frau mit ihrer Mutter gekommen ist und dann aufgenommen wird und auf die Frage der Ärzte immer so ein freundlicher Mensch, der offenbar gewohnt war, dass man ihr zugewandt ist, die verwirrt ist, weil sie jetzt in einer Krankenanstalt ist, in einer Psychiatrie und ja, sie ist gehörlos. Und dann dieses Wissen zu wollen, wer ist sie und wer ist die Mutter, die ihre Tochter da in die Psychiatrie bringen muss. Und dann hat das irgendwie begonnen zu recherchieren und einzutauchen. der Beginn und ich habe mir gedacht, um diesen ersten Teil jetzt ein bisschen abzuschließen, ich habe mir dann immer überlegt, was man lesen kann und ich habe mir gedacht, ich lese dann einen Auszug aus diesem Aufenthalt in der Psychiatrie und dann später einen Auszug aus dem Milz, wo wir jetzt gehört haben, aus dem Pflegeheim Milz. Und ich hatte die Chronik, also eine Chronik von meinem Vater zur Verfügung, die mir sehr als Quelle war und natürlich die Krankenakte, diese Stimmung der Psychiatrie der 30er Jahre und dann die Chroniken von Mills, also um mir ein bisschen vorzustellen, wie kann man sich vorstellen, diesen Alltag in einer Einrichtung für Beeinträchtigte in den 30er Jahren. Und habe dann eben recherchiert und bin immer mehr eingetaucht und dieses Bild einer, ja, einer, also Mathildes Familie, die, also sie sind zusammen geboren und ich habe, ohne das vorher zu wissen, eine Familie entdeckt, die sehr fortschrittlich für ihre Zeit war und Matilde als sehr gut aufgehobene Tochter mit sieben Geschwistern und das war sehr überraschend für mich, weil ich habe mit dieser Vaterfamilie eigentlich ganz wenig gewusst. Ja, aber jetzt bevor ich da weiterrede, lese ich jetzt mal vor. Aber kann man das Mikrofon behalten? Genau. Okay, gut. Und zwar ist das jetzt also die erste, also Brille brauche ich auch noch. Moment. Also Brille brauche ich auch noch. Es geht los mit der Familie und mit dem Aufwachsen, das spoilere ich jetzt nicht, aber diesen Abschied wie die Mutter, die Mathilde, genau nach 20. Ja, also auch nicht die besten und so familiäre Not, existenzielle Not. Und ja, ich sehe Mama Katharina, wie es ihr ans Herz ging, spüre ihre Liebe, fühle ihre Verzweiflung. Ich stelle mir vor, wie sie ihre Mathilde im Winter 1920 an der Hand nahm. Ihr erklärte, sie würden verreisen in die alte Heimat nach Tirol. Vielleicht zeichnete sie ein Bild von den Bergen, von den Brüdern, von der Eisenbahn. Da fahren wir hin, Mathilde. Ich stelle mir vor, wie Mathilde sich freute, wie sie merkte, irgendwie gehe es jetzt nach Hause, mein Gott, wir fahren nach Tirol zurück. Mutter, welche Freude, wie schön. Keine enge Wohnung mehr. Sie freute sich auf die großen Brüder. Ich stelle mir vor, sie machten sich schön für die Reise. Vielleicht gab es auch einen Besuch bei den Brüdern und Schwägerinnen in Zams, bei den kleinen Nichten und Neffen. Fünf Kinder hatte Bruder Adolf schon. Den dreijährigen Eugen von Bruder Josef sah sie da zum ersten Mal. Zurück in Tirol, wie schön. Bestimmt würde es bald ein neues Zuhause in den Familien der großen Brüder geben. Hall, 30. November 1920, das ist das Zitat, ist in Begleitung der Mutter gekommen. Keine Verletzungen, nur eine Laus gehabt. War bei der Aufnahme ruhig. Verabschiedete sich ganz nett von der Mutter. Wie die Mama wohl nach Hause fuhr? Mathilde allein lassen, geht das überhaupt? Einlassen, geht das überhaupt? Man würde sich gut kümmern, versicherten sie ihr in der Anstalt. Mathilde gehöre in eine Krankenanstalt, hatte ihr der Arzt beinahe vorwurfsvoll erklärt. Schon längst wäre das gut gewesen, sie sehe ja selbst, wie Mathildes Zustand sei. Vorerst müssen wir sie hier behalten, abklären, beobachten, später dann komme vielleicht ein Pflegeheim in Frage. Der Mama ging's ans Herz. Ihre Mathilde in der Krankenanstalt? Muss das denn wirklich sein? Sie habe alles richtig gemacht, versicherten sie ihr. Medizinisch richtige Pflege sei alles, was bedürftige Menschen wie Mathilde brauchten. Sie müsse jetzt stark sein, es sei das Beste so. Ich sehe, Katharina, wie sie versuchte, ihre Zweifellammer, Patientin, mit zwei Fingern zum Fenster und macht eine abweisende Bewegung. Es wäre möglich, dass sie damit andeuten will, dass sie auch fort will. Als ihre Kleider abgenommen und in das Magazin getragen wurden, ging sie wiederholt zur Türe der Aufbewahrungsraumes, klopfte, drängte hinein und wollte im Kasten nach den Kleidern suchen. Wenn sie auf ist, setzt sie sich zu den anderen hin und versucht beim Domino oder Kartenspiel mitzuhelfen, hebt die Karten auf, legt sie nieder, aber ohne jedes Verständnis. Gibt man ihr Flecken zum Faden ausziehen, macht sie diese Arbeit sachgemäß. Ende Aufzeichnung Krankenakte. Also das ist so die Stimmung, ebenso wie die Mathilde in die Psychiatrie kommt. wie die Mathilde in die Psychiatrie kommt. Habt ihr Fragen oder soll ich weit von zuhören? Weiter. Mache ich weiter, okay. Und was für mich ganz sehr berührend war oder interessant war, ist eben so im Hintergrund, die Familie, also sie ist von der Familie in Zams geboren und die sind dann eben ausgrund von existenzieller Not nach Salzburg. Von Salzburg ist dann die Mutter mit ihr nach Hall gefahren, hat sie nach Hall gebracht. Da war Mathilde 30. Und ja, so, Mathilde war es natürlich nicht. Ein freundliches, helles Wesen, das habe ich ja schon gesagt, tauchte auf und ist verwirrt und wird dann auch gewalttätig und es geht ihr immer schlechter. Und irgendwann fügt sie sich. Also diesen Weg hat man gut nachvollziehen. Irgendwann fügt sie sich. Irgendwie merkt sie, so muss man sich da verhalten, damit man in Ruhe gelassen wird. Und diesen Weg bin ich mit Mathilde gegangen, in der Psychiatrie, vielleicht zu dieser Stimmung. Entschuldigung. Das ist jetzt zuerst so ein Besuch des Bruders. Es gibt ja immer wieder auch diese Hinweise, hatte Besuch und so und von Verwandtschaft. Ich bin auch diesen Weg ihrer Geschwister, war da einiges recherchiert. Ja, das ist jetzt so ein Besuch des Bruders. Also zuerst Zitat Krankenakte. 26. Juni 1921 hatte Besuch, lachte, war freundlich. Anscheinend erkannte sie den Besuch auch. Zeigte beim gestrigen Besuch eine große Freude durch das Minenspiel und durch Gebärden. Ende Krankenakte. mich sanft an sich, ich fühle sich hinter mir, lasse mich ein, tauche ab, tauche mit ihr unter die Oberfläche eines Zeitgefüges, das mir nach und nach vertrauter wird. In Salzburg und Tirol ging der Alltag weiter, man schrieb herzliche Briefe. Adolf, Josef und die Schwiegertöchter erzählten der Mutter liebevoll von ihren Kindern, von kleinen und großen Geschehnissen, von einem Leben, das trotz der kargen Zeiten halbwegs gut war. Eines Tages schrieb die Mutter, stell dir vor, Adolf, der Friedrich hat sich verliebt, eine Fesche ist sie, die Rosa, arbeitet wie euer Bruder in der Brauerei, in der Kantine, er hat sie schon öfter mitgebracht. Sie wird ihm eine gute Frau sein. Im Herbst schon wollen sie heiraten, warum auch nicht. Müssen wir halt zusammenrücken, wird schon gehen. Alle freuten sich für den Bruder, der nun endlich wieder ganz der Alte war nach dem schrecklichen Krieg. Josef besuchte seine Schwester in der Anstalt, brachte ein Foto von Friedrich und Rosa, zwei verliebte Leute, sonntags beim Wandern auf den Geisberg. Mutter, kannst dir gar nicht vorstellen, wie sich Mathilde gefreut hat. Er habe ihr eine Kirche aufgemalt, hatte ihr gezeigt, dass die beiden heiraten und einen Ring am Finger haben würden wie er. Wie sie gelacht hat, Mutter, dann seien sie sogar im Garten gewesen, spazieren. Sie habe ihn geneckt wie früher. Siehst du, ist doch ganz die Alte, mach dir keine Sorgen, sicher, ein bisschen traurig sei sie schon gewesen, als er wieder ging. Die Mutter zweifelte, es ging ihr ans Herz. Sie will bald selber hinfahren, wenn die Zeiten besser sind. Es wird besser, alle sagen das. Mathilde schlief gut dieser Tage. Vor Freude beruhigte sie. Bald wird sie mit Josef mit der Eisenbahn nach Salzburg fahren, wird alle wieder sehen. Mutter, Tini, Friedrich. Gut sieht er aus am Foto, der kleine Bruder, so schön die Braut. Der Mama brach's das Herz. Friedrichs Hochzeit ohne Mathilde. Sei gescheit, Mutter, es geht nicht. Wer soll sie holen, wo bringen wir sie unter? Sie ist das Leben draußen jetzt nicht mehr gewohnt. Außerdem, die Ärzte haben sicher auch was dagegen. Tät ihr nicht gut, so herausgerissen aus allem? Mathilde wartete auf die großen Brüder. Mit der Eisenbahn nach Salzburg fahren, wie schön. Adolf und Josef werden schon aufpassen, dass alles klappt. Mathilde wartete. Die Mama war verzweifelt. Fahr zu ihr, Friedrich. Zeig ihr, dass wir an sie denken, auch wenn sie nicht dabei sein kann. Krankenakte, Hall, 5. September 1921, weinte beim gestrigen Besuch fortwährend, war überhaupt den ganzen Tag trauriger Stimmung. Ende. Aufzeichnen, Krankenakte. Ja, Mathilde taucht in dieses Leben ein. Sie wird, ja, es wird immer schwieriger für sie und ich glaube, es ist irgendwie sehr, was auch noch sagen soll, also sehr, sehr gut nachvollziehbar. Und da lese ich vielleicht jetzt auch noch eine Stelle dran. Genau. Das ist jetzt so wieder in der Jetzt-Zeit beginnt es. in der Jetzt-Zeit beginnt es. Milde Septembertage folgten drückender Sommerhitze. Seelenpause tat gut. Nach ein paar Wochen nehme ich Mathildes Spuren wieder auf. Komm mit, winkt sie mich zu sich. Kannst es anschauen, kannst an meiner Seite bleiben, kannst es sehen. Jetzt, es wird dunkel, sehr dunkel. Nacht für Nacht, verzweifelte Wut, schwere Wellen steigen auf, dumpfer Schmerz, alles muss raus. Ich fühle ihre verschwommenen Abgründe lautlosen Zorns, Trauer, schwer, schlaflos. guter Zeitpunkt, um abzudrehen, aufzuhören. Ich muss das nicht, niemand muss. Könnte diese Geschichte an Abgrundoberflächen zu Ende bringen? Tja, so war das damals, sollten wir nie vergessen. Gut recherchiert, grausame Psychiatrie, herzloser Umgang mit Beeinträchtigten, Entwicklungsstränge nachverfolgen, Kontexte recherchieren, bravo Applaus. Gut gemacht, wieder ein Stück Geschichte aufgearbeitet. Mathilde, entschwunden auf Gedenktafeln, geehrt und vergessen. Tage vergehen, Herbstkühle lässt mich weit atmen. Mein Verständnis wird tiefer. Ich begreife, dass wir, um verstehen zu können, bei den Opfern bleiben müssen. Ein alleiniges Betrachten abstrakten vergangenen Zeitgeschehens macht wissend, macht betroffen, fördert Verständnis, berührt jedoch zu wenig, um Wiederholbarkeiten abzuwenden. Zeitschleifen folgen ihren Bahnen, steigen auf, vergehen, tauchen wieder auf, wieder und wieder. Menschen bleiben in ihren gut ausgespurten Gewohnheiten, wollen einfachen Wahrheiten folgen, wird schon nicht so schlimm sein, wie leicht man sich doch trösten lässt. Gut gemacht, flüstert sie mir zu, bleib bei mir. Ich vertraue ihr, schiebe meine Müdigkeit zur Seite, folge ihr. Sieh nur, flüstert sie, sieh mein Warten. Nacht für Nacht schlaflos. Endlich kommt der Bruder. Ich drücke meine Hände fest in seine, nicht loslassen, hol mich, lass mich nicht allein. Ich sehe, dass er versteht, sich sorgt, mir glaubt, mich nicht vergisst. Er sieht mich an, geht weg, kommt wieder. Anders jetzt. Ja, schon gut, streichelt meine Hände, will mich besänftigen. Ich sehe in seinem Gesicht, dass er sich von den Pflegern beruhigen ließ. Sie hat es doch gut bei uns, alles gut. Ich will ihn drücken, glaub ihnen nicht, es tut so weh. Glaub ihnen nicht, nicht weggehen. Er zögert. Ich sehe seine Angst. Glaub ihnen nicht. Nicht weggehen. Er zögert. Ich sehe seine Angst. Geht wieder fort. Josef, es brennt in mir. Er wird doch wiederkommen. Er wird es den anderen erzählen. Ich muss bereit sein, wenn sie mich abholen. Muss mir meine Kleider holen, mich anziehen, bereit machen, dem Josef zeigen, dass ich gleich mitkommen kann, wenn er wiederkommt. Die Schwester teert mich weg. Alles wieder weggenommen. Erschöpft. Wütend. Zornig. Ja, das war so die Stimmung in der Psychiatrie. Für mich war ganz klar, ich will keine distanzierte Dokumentation schreiben, sondern will mich tatsächlich einlassen und irgendwie einmachen. Es ist mir immer vollkommen wie, wenn man sich an eine Wand lehnt, die ja irgendwie verstellt war. Also ich wusste nichts. Und auch dieses Leben von Mathilde war verhüllt oder auch so mit Scham bedeckt, eher so verhüllt in der Familiengeschichte. Mir ist immer vollkommen wie, ich lehne mich an eine Wand und hoch und hoch und warte, was sie zeigen wird. So erste Bilder irgendwie gehen lassen und einfach warten, was sie zeigen wird. ja, und so ist dieser Roman entstanden und diesen Weg zu gehen. Ja, so mal aufs Erste. Frage? Du hast jetzt erwähnt das Verhüllte, das Geheimnisvolle, das Versteckte. Was ich oft sehe bei Anfragen von Angehörigen ist, wir reden oft in der Forschung von den Angehörigen und dann kommt man drauf, in einer Familie gibt es ganz verschiedene Angehörigen ist, wir reden oft in der Forschung von den Angehörigen und dann kommen wir drauf, in einer Familie gibt es ganz verschiedene Angehörige. Manche lehnen sich an die Wand und hören, andere wollen sich weit von der Wand entfernen. Wie war das bei dir in der Familie? Hat das einen Prozess ausgelöst oder Interesse geweckt oder auch Widerstände geweckt, dieses Verhüllte verhüllt zu lassen oder der Enthüllung irgendwie dazu beizutragen. Ja, wie ich schon erwähnt habe, habe ich erst einmal eben den Großcousin, der Herr Hermann, der Herr Dardois, kontaktiert. Und das war schon einmal eine sehr herzliche Unterstützung und von meiner Familie, meine Tochter, die heute auch da ist, die das auch sehr interessiert hat und auch meine Enkeltochter, die ist 22 und die ist leider krank, sonst wäre sie angekommen, die ist in Wien und die hat das auch auch sehr interessiert. Also ich habe da große Unterstützung gehabt. Und was für mich eben sehr erstaunlich war, ist die Familie von Mathilde um die Jahrhundertwende war ja eines, habe ich nicht gewusst, wie gesagt, das war eher so aufgetaucht, eine sehr fortschrittliche Familie, eine sehr liebevolle Familie. Und diese Schuld, diese Scham kam daher, dass die, das waren Antifaschisten. Und die haben ganz genau gewusst, wie diese Nachricht kam, Mathilde wäre an einer Lungenentzündung verstorben, dass sie ermordet wurde. Und die haben sich natürlich heftige Vorwürfe gemacht. Hätten wir sie zu Hause betreut, hätte sie vielleicht überlebt, hätten wir sie geholt, was man natürlich nicht weiß, ob das möglich gewesen wäre. Aber dieses, und das ist was, was glaube ich stellvertretend für viele Geschichten ist, dass es dann nicht möglich ist, wobei man überhaupt nicht weiß, ob das möglich gewesen wäre, sie zu holen, aber dass dann eben sie Familien eingraben und Schuld verhindert zu handeln, verhindert ganz viel und erdrückt. Und in diesen Selbstvorwürfen, die haben da nicht mehr rausgefunden. Und für mich war so, glaube ich, ganz eine wichtige Geschichte, eben mich an diese Wand zu lehnen und durch diesen Schuldnebel irgendwie durchzuhören und diese Schuld ein Stück weit auch zu heben oder aufzulösen. Und so dieses lichte Helle da wieder hervorzubringen, weil wer bin ich, um zu urteilen? Erstens einmal und zweitens war auch der Zeit geschuldet. Also und wahrscheinlich haben die Familie halt gehofft, die sind am christlichen Pflegeheim, die werden schon Netzwerke haben, die haben eine Landwirtschaft, das geht ihr gut oder so. Ja und das, ich weiß es nicht, es war einfach so, dass ich habe mich gar nicht so wahnsinnig viel gefragt. Ich habe es einfach gemacht. Und ich glaube, es ist einfach ein ehrliches Buch. Und was ich vielleicht auch noch so aufgeschrieben habe, dass ich das unbedingt sagen möchte. Man kann jetzt vielleicht sagen, ja, das ist ein Buch, gut, dass es geschrieben wurde, aber muss man nicht lesen, weil das ist eben so schwer und so. Da möchte ich unbedingt sagen, dass natürlich bleibt es diese ungeheuerliche Geschichte, aber ich glaube auch, dass dieses Buch sehr viel Heilsames zur Verfügung stellt. Es geht um transgenerationale Traumata und es geht um diese Auflösung von Schuld. Und es geht darum, dass es eben geht, also dass es einen Weg gibt, wie man da hinhören kann, ohne in die totale Verzweiflung mit hineinzukippen, sondern berührbar zu bleiben, natürlich auch in einer Distanz, aber berührbar zu bleiben, dass es einfach geht, dass es gute Wege gibt, um diese Geschichten zu heben. Und ich glaube, mir war auch wichtig, dass es was sein soll, ein Roman, der hinausgehen kann, also der vielleicht für viele in irgendeiner Weise, wo viele Anbindung finden können. Fragen? Es ist so, dass Sie natürlich sich jederzeit jetzt auch einbringen können, wenn Sie eine Frage an die Alexandra haben. Ich mag gar Werbung für dieses Buch machen, weil ich gehöre zu denen, die es vorher ablesen durfte. Am Anfang mit sehr wenig Begeisterung, als dich Alexandra das geschickt hat, jetzt bringe ich es doch, weil wir haben uns einmal über das unterhalten, dass man natürlich doch allerlei einmal geschickt gekriegt in die Gedenkstätten, weil jemand irgendwas schreibt. Da ist man manchmal schon sehr reserviert und denkt sich ja, oh Gott, nicht schon wieder. Und als die Alexandra das geschickt hat, 2025 im Frühling, es ging zu ständig läutet das das Telefon, dran ist der Thomas Hackl, der seine Doku fertig macht, die vielleicht viele von Ihnen gesehen hat und braucht das und braucht das und man hat viel um die Ohren und es ist genau das, wann kommt man dazu, in der Freizeit ein Buch zu lesen, weil in der Arbeit, ich bin nur 20 Stunden da, ist einfach gar nicht die Zeit, dass ich mir das hinsetze und sage, ich lese jetzt. Also die Begeisterung war mäßig zu Beginn. Als ich dann endlich die Zeit gefunden habe, reinzulesen, war ich recht schnell sehr begeistert, dass das einmal doch ein ganz anderer Zugang ist, frischender. Frischhändler, ja, bei aller Traurigkeit er doch seine auch schönen und emotional angenehmen Episoden hat. Ich weiß auch noch, wo ich das Buch dann fertig gelesen habe und dir dann endlich Rückmeldung gab. Und zwar saß ich in einem Hotelzimmer in Mailand. Es hatte draußen 36 Grad. Ich wartete darauf, dass der Bruce Springsteen dann endlich nach San Siro kommt und habe da das Buch im Bett liegend in dem klimatisierten Zimmer dann endlich fertig gelesen, um da Alexandra rückzumelden. Und ich glaube, meine ersten Worte waren Danke für dieses Buch. Und es ist sehr gelungen und ich bin froh, es gelesen zu haben und dass du immer getrennt hast, dass endlich mal Rückmeldung kommt. Und das wollte ich einmal sagen, weil ich bin gerne ein bisschen ehrlich und wir haben über das geredet, wir haben dann gemeinsam gelacht, weil die Alexandra ja auch Verständnis hat dafür, dass sie sich vorstellen kann, dass nicht jeder eben schreiben kann, die Alexandra Kahn schreiben. Und vielleicht, es ist natürlich schon sehr eigenartig, kann man sagen, dass Mitte Februar 1924, als ich Mathilde begegnet bin, 14 Tage vorher hast du in Milz den Vortrag gehalten, das erste Mal in Milz über die NS-Zeit. Also so eine Gleichzeitigkeit. Ich habe ja davon überhaupt nichts gewusst und im Sommer ist in Mills in dem St. Josef-Institut dieses Gedenkmal mit den Figuren, was ihr gesehen habt, entstanden. Ich habe so das Gefühl, dass so Aufarbeitung in Wellen passiert. Irgendwie ist es scheinbar Zeit, dass diese Milzer Opfer in irgendeiner Weise mehr in die Oberfläche kommen. Und aus welchem Grund auch immer war ich Teil dieser Welle. Und ich bin sehr dankbar, Teil dieser Welle gewesen sein zu dürfen. Also ich bin irrsinnig dankbar, dass mich Mathilde erwischt hat. Also weil ich wahnsinnig viel gelernt habe und weil es eine schöne Begegnung ist. Also vielleicht auch diese sehr erstaunliche junge Frau, die sie da trotz ihren Weg findet, durch die Psychiatrie durch und dann in Milz als Allah, ihr zu folgen und dieser Familie im Hintergrund und so. Also ich bin sehr dankbar und ich habe auch gelernt, dass es geht. Also man muss nicht in diese totale Verzweiflung kippen, in diesen totalen Schmerz, sondern man kann offen und berührbar bleiben, weil die Opfer haben nichts, wenn wir jetzt in diesen kompletten Opferstatus kippen, sondern wenn man einfach ihnen zuhört. Und das habe ich versucht zu tun, einfach zuzuhören und schauen, was sie da zeigen wird. Und natürlich kommt mir ein bisschen zugute, schon meine Arbeit in der psychologischen Beratung, Lebensgeschichten zuzuhören, das ist ein bisschen so natürlich auch das täglich Brot. Also mit dem bin ich vielleicht ein bisschen vertraut. Aber schon immer wieder still zu werden und dann zu merken, stimmt das jetzt? Es gibt im Roman auch mal so eine Phase, wo ich das Gefühl gehabt habe, jetzt ist sie nicht mehr da. Erscheinbar bin ich irgendwo falsch abgehoben und dann habe ich wieder ein bisschen gewartet und so, ja, und dann die Wand wieder, mich wieder an die Wand, wie immer wieder zurück. Und die Herausforderung ist, weil ich sage es ganz ehrlich, wie ich das Buch bekommen habe jetzt, habe ich mir gedacht, es ist eigentlich ein dünnes Buch. Ich meine, ich habe es am Anfang gewusst, ich möchte es nicht mehr haben als 130 Seiten, aber dann habe ich mir gedacht, ich tue ein bisschen dünn. Aber jetzt stehe ich wieder dazu, weil ich habe ich mir gedacht, das tue ich ein bisschen dünn. Aber jetzt stehe ich wieder dazu, weil ich habe gewusst, es sollte so ein Zug sein. Und die Herausforderung war tatsächlich, nicht in Nebengeschichten abzuzweigen. Da hätte es unglaublich super Nebengeschichten gegeben. Den Mathildes Vater, der einer der Gründer der Sozialdemokratischen Partei in Tirol war, also ein ziemlicher Held. Und da hätte es wirklich super Abzeigungen bekommen. Aber nein, es nicht zu tun, wirklich ihr zu folgen. Und darum ist es auch eine, hat es nur 130 Seiten. So, ich lese jetzt, ich habe mir gedacht, vielleicht jetzt eine etwas freundlichere, oder ein bisschen eine andere Szene. In Mils, in dieser Pflegeeinrichtung, die haben ja auch Landwirtschaft gehabt, da gibt es jetzt erst einmal so ein bisschen in die Stimmung und dann den Besuch der Mutter. Also das ist natürlich fiktiv. Man weiß nicht, ob die Mutter tatsächlich einmal dort war. Aber es ist gut vorstellbar und ich glaube, es ist ein bisschen zeitlos, weil diese Hilflosigkeit den beeinträchtigten Familienangehörigkeiten, das ist was, glaube ich, ganz Zeitloses. Aber zuerst die Stimmung von Mills, ein bisschen, damit man sich das ein bisschen vorstellen kann. gewalttätig geworden und hat sie da einiges mitgemacht, weil sie einfach, ja, kann man sich gut vorstellen, nicht verstanden hat, warum sie dort ist. Und dann hat sie irgendwie verstanden, sich einen Weg zu suchen, sich zu fügen, zu entsprechen und kommt dann nach Mils. Haben wir gehört oder Oliver erzählt, dass das Patienten von Hall dann auch in diese Pflegeeinrichtung kommen, da hat es eine Landwirtschaft gegeben, da war natürlich jetzt das Leben etwas anders. Also sie kommt aufgenommen am 3. Mai 1928. es, zeitig aufstehen, egal ob du müde warst, traurig oder dich etwas krank fühltest. Frühmorgens zur Messe kein Erbarmen, eiserner, unerschütterlicher Start in den Tag. Wir saßen aufgereiht in den Bankreihen der Kapelle. Im Sommer erfrischte uns feuchte Kühle, im Winter erstarrten wir in beißender Morgenkälte. Wir schmiegten unsere Körper aneinander, wiegten uns müde hin und her, fielen in einen seltsamen Tanz. Ich sah murmelnde Lippen, müde Gesichter, versuchte den Rhythmus der anderen nachzuahmen, aufstehen, Niederknien hinsetzen. Dann gab es Essen und Wiedergebete. Tagsüber durfte ich vorerst im Haus mithelfen, Wäsche waschen, aufhängen, falten und in Körbe legen. An Sonntagen mussten wir nicht arbeiten, durften rasten, saßen in der Wiese oder im Hof. Ich sehe den Alltag dieser Zeit, viele Menschen, Männer, Frauen und Kinder mit ihren Beeinträchtigungen. Ich folge ihnen in die Küche, in den Garten, aufs Feld. Kinder mit ihren Beeinträchtigungen, ich folge ihnen in die Küche, in den Garten, aufs Feld, sehe Männer in Begleitung der Knechte in der Landwirtschaft und im Holz arbeiten, sehe Frauen unter klösterlicher Anleitung Handarbeiten, Waschen und Putzen. Die distanzierte Atmosphäre von Hall wich einer mitleidsvollen, manchmal harten, manchmal liebevoll entrückten Zuneigung. unbeseitsvollen, manchmal harten, manchmal liebevoll entrückten Zuneigung. Mathilde wusste rasch, welcher Schwester man vertrauen durfte und vor welcher man sich besser in Acht nahm. Du siehst, flüstert sie mir zu, wie schnell ich lernte. Einzelne Schwestern waren schnell zornig, straften uns für Nichtigkeiten, andere waren lieb und geduldig. Ab und zu schlugen sie uns auch. Dann zogen wir uns zurück und trösteten einander. Es fiel mir von Woche zu Woche leichter, in der Menge unterzutauchen, konnte in diesem Treiben lautlos verschwinden, bedurfte nichts, glitt lautlos durch die Tage, Durch die Tage konnte andere trösten und tat es gerne. Und dann geht es da so weiter und dann dieser Besuch der Mutter. Vorerst war dumpfer Alltag eingezogen. Mathilde wusste, hier würde ihr Zuhause sein, immer, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Von hier ging es nirgendwo hin. Besser sich im Alltag einrichten, bedingungslos. Hauswirtschaft, Waschküche, große gusseiserne Behälter, erhitztes Wasser, Unmengen an Wäschestücken mit groben Bürsten schruppen. Schwestern und BewohnerInnen hatten alle Hände voll zu tun. Mathilde war durch die viele Arbeit etwas abgehärtet, dennoch schmerzten Gelenke und Glieder. Schleppende Müdigkeit ließ Augen brennen. Alle älteren BewohnerInnen litten wie sie an rheumatischen Erkrankungen und Gliedersteifigkeit. Mathilde versuchte ihre Schmerzen geschickt zu verbergen. Ihr Körper schmerzte lautlos. Entzündungen auf der Haut, Ekzeme im Gesicht kehrten zurück. Innere Stille weltenboten Schutz, Heimat, Trost. Was würde es schon nützen, kränklich zu erscheinen, besser sich verschließen, nichts wollen, nach außen zufrieden wirken, so gut es ging. Im Laufe der Jahre hatte sie ein paar Freundinnen gefunden, zwei davon gehörlos wie sie selbst. Es gelang sich zu verständigen, Verbundenheit zu schaffen, Zugang für andere unerwünscht. Die Sommer waren erträglicher, Körper schmerzten weniger. Auf warmen Wiesen liegend träumen, in duftende Tiroler Bergluft eingehüllt zu ihren Lieben fliegen. Die Brüder kamen anfangs regelmäßig. Josef verstand es gut, der Schwester von draußen zu berichten, zeigte ihr Bilder von Nichten und Neffen, von Haus und Garten, von Familienfeiern. Bruder Friedrich erschien verlässlich jedes Jahr um die Weihnachtszeit, brachte Strickpullover, Socken, Fäustlinge, Marmelade und Speck. Gemeinsam wurde man älter. Adolf und Josefs Kinder waren erwachsen geworden und selbst die kleiner Bruder Friedrich ging schon auf die 40 zu. Ich sehe Mathilde ihre Brüder an der Hand nehmen, sehe sie über Wiesen und Feldwegestreifen. Sie wusste, dass Menschen von draußen sich vor der Begegnung mit beeinträchtigten BewohnerInnen in Gemeinschaftsräumen ängstigten. Hier war ihr Zuhause unverrückbar Hoffnung begraben, Sehnsucht in Träume gebannt. Irgendwann in diesen ersten Jahren schickte Adolf seiner Mutter zwei Zugfahrkarten, ein Geschenk zu ihrem nahen Geburtstag im September. Die Tiroler Brüder hatten entschieden, wann, wenn nicht jetzt, wäre es an der Zeit, dass die Mutter nach Tirol reise. Noch war sie rüstig, in ein paar Jahren wäre es vermutlich zu anstrengend. Marie sollte die Mutter begleiten, ein wenig Aufhellung konnte ihren einsamen Tagen nicht schaden. Mutter, wir holen euch in Innsbruck ab, schrieb Josef, könnt bei uns wohnen, wir haben Platz genug. Wir holen euch in Innsbruck ab, schrieb Josef. Könnt bei uns wohnen, wir haben Platz genug. Mama Katharina freute sich unendlich. Kein Tag verging ohne irgendeine kleine Vorbereitung. Mathilde freute sich auf ihre Lieben. Josef hatte ihr den Besuch angekündigt. Trotz der Freude spürte sie ein Brennen im Herzen. Darf man sich auf etwas freuen, das dann vielleicht doch nie kommt? Die Reise im Spätsommer verlief gut. Fühlte sich beinahe wie Urlaub an. Josefs Familie nahm Katharina und Marie herzlich auf. Nichten und Neffen kamen zum Abendessen. Eine freundliche Klosterschwester öffnete die Pforte, begleitete die Gäste in den Garten. Josef, Marie und die Mutter. Adolf war dem Besuch ferngeblieben, offenbar als Wagenmeister im fernen Feldkirch bei der Eisenbahn unabkömmlich. Man solle kurz warten. Marie sah sich vorsichtig um, nahm Mathildes Zuhause beklommen in sich auf. Lärmende Kinder kamen angelaufen, zupften an den Kleidern der Gäste, wollten Katharina und Marie mit sich ziehen. Jüngere und ältere Frauen sahen von Gartenarbeiten auf und winkten lachend. Marie traf auf ihre Mutter, erkannte die Schwester, Mathilde traf auf ihre Mutter, erkannte die Schwester, Mathilde traf auf ihre Mutter, erkannte die Schwester, den Bruder. Freundlich lächelnd gab sie den Gästen die Hand. Der Mama brach's das Herz, was hatte sie erwartet? Küsse, Umarmungen, leuchtende Augen. Verlegen, steif, lächelnd saß die Runde um einen kleinen Tisch im Garten. Eine Klosterschwester brachte Apfelsaft, Wasser und etwas Brot. Katharina hatte viele Fotos mitgebracht, Bilder aus Salzburg, Bilder von Maries, Zenzis und Kathis Kindern, allesamt schon ziemlich erwachsen. Katharina schrieb ihrer Mathilde einfache Wörter auf, wie früher. Mathilde nahm den Stift und fügte ihre Wörter wackelig hinzu. Katharina rückte ganz eng an Mathildes Seite, legte ihr den Arm um die Schulter. Langsam war es wie früher. Andere Frauen drängten an den Tisch, neugierig, was es dann zu sehen gab. Die Frauen drängten an den Tisch, neugierig, was es dann zu sehen gab. Mathilde gab ihnen lachend einen Stupser, deutete ihnen wegzugehen, wollte ihre Gäste nicht verschrecken. Josef ließ die Frauen bald allein, besichtigte die Ställe und das hauseigene Sägewerk, sprach mit Knechten über Land und Forstwirtschaft froh um sichere Gespräche, da kannte er sich aus. Nach einer Stunde gab Mathilde zu verstehen, dass sie nun hineingehen müsse. Ja, natürlich, wir kommen morgen wieder. Dann zeigst du uns die Werkstätten, die Küche und was es sonst noch gibt. Mathilde nickte. Die Mama nahm Mathilde in den Arm ein kleiner Kuss auf die Wange, auf raues Gesicht. Fast war die Stimmung aufgetaut, ein wenig leichter. Wir nehmen Kuchen, Mick, backen heute noch einen Strudel, den magst du so. Kaum hatte sich die Pforte geschlossen, öffnete sich Mamas Herz, sie weinte bitterlich. Was hatte sie erwartet, es war zu spät. Morgen würden sie wiederkommen. Meine Damen und Herren, möchten Sie was wissen von der Alexander? Haben Sie Fragen? Wenn das noch nicht der Fall ist, möchte ich noch etwas Interessantes hinweisen. Erstens, dass es mich total freut, dass der Koso Hermann mit ist, weil ich finde es immer total schön, da würde mir der Oliver sicher zustimmen, wenn solche Begegnungen an Orten stattfinden, die etwas bewirken, die Familien zusammenführen. Wir kennen indes, der Oliver hat es kurz angedeutet, ja auch, dass von einer Familie eine Person kommt, die was wissen will und die allein kommt an so einen Ort wie Hartheim oder nach Halle ins Archiv, weil sonst keinen kratzt aus der Familie oder weil der Mut vielleicht nicht da ist, sich so einem Thema zu stellen. Und darum finde ich es immer wunderbar, wenn auf einmal Familien zusammenkommen. Und vor allem bin ich nur unter dem Eindruck meines letzten Besuchs heute Nachmittag, wo eine Familie aus Niederösterreich, wo der Großvater hier in Hartheim ermordet worden ist. Und sie haben mitgebracht einen Verwandten, der in Graz lebt, den sie zum zweiten Mal sieht und von ihm nichts wusste. Und sie vertragen sich gut und es ist eine Herzlichkeit gewesen und man sieht das auch, eine Vertrautheit, das würden sie sich ihr ganzes Leben kennen. Und das ist einfach wunderschön, weil man an so einem Ort wie Hartheim oder in Hallen Teil eines Prozesses sein kann oder einen Prozess der Zeit begleiten kann. Das macht das, was wir machen, nicht so an der Arbeit, sondern das ist echt einfach schöne Erlebnisse, dass unsere Aufgaben weit mehr als Arbeit sind. Versprecher, meine Güte. Ich sehe nur das Fernsehen da. Das ist ja höchst auf Bann. Ich möchte auf eine Sache noch hinweisen, weil es bei uns in den Kreisen immer wieder, sind wir mal angefragt worden, auch von Institutionen, von Verbänden, noch Gehörlosenopfern der Aktion T4. Und die sind sehr, sehr schwer zu finden, weil Gehörlosigkeit oder Schwerhörigkeit keine psychiatrische Diagnose ist. Oft, wenn man erst einen Krankenakt in der Hand hat, ist vielleicht schon der erste Eintrag hört schlecht oder so. Und natürlich wächst Mathilde in einer Zeit auf, in der sie keine vernünftige Form von Unterstützung widerfährt. Und so eine Form von Aggressionen kann ja auch auf die Gehörschwäche zurückzuführen sein, wie man heute weiß. Und darum ist es auch toll, dass die Alexandra eben diese Geschichte von der Mathilde erzählt. Weil wie gesagt, wir sind oft schon anfragt worden und ich finde die Leute nicht in den Datenbanken. Die findet man tatsächlich dann nur, wenn man den Akt in der Hand hat, weil meistens die Diagnose, die dann gestellt wurde, der angeborene Schwachsinn ist. Das ist die psychiatrische Diagnose und im ersten Satz erfährt man oft, ja, die Person hat eine Hörbehinderung gehabt. Heute würde man fördern, damals kann es zur falschen Zeit am falschen Ort ein Todesurteil sein. Was ich vielleicht noch erzählen möchte, also die erste Idee war natürlich auch der Gedenktafel, die ist im Innenhof. Vielen Dank für diesen schönen Platz im Innenhof. Die Gedenktafel, die Hermann und ich uns überlegt haben, also den Text überlegt haben. Und das war so der erste Gedanke, also der Mathilde so ein Stück Würde zurückzugeben. Und jetzt im Nachhinein denke ich, ist ein bisschen groß dran fast, weil vielmehr sie lernt mir, wie es gehen kann, also sie lernt mir oder dieser Prozess hat mir gelernt, wie das gehen kann, wie man quasi in dieser Berührbarkeit bleiben kann und diese Geschichte erzählen kann. Also ich denke, wir können so wahnsinnig viel lernen von diesen Geschichten. Also ich habe mich dann auch im Zuge des Schreibens sehr mit Hannah Arendts Begriff der Berührbarkeit auseinandergesetzt, weil sie ja Hannah Arendt bezeichnet Berührbarkeit, um tatsächlich zu verstehen. Also Berührbarkeit fördert denkendes Verstehen. Mit dem habe ich mich dann auch viel beschäftigt. Habe dann auch zu dem Thema, zu ähnlichen Themen, ein Kepler-Salon gemacht im Frühling. Und ein anderes Thema, das Hannah Arendt auch noch behandelt, ist Geschichten erzählen. Also das, und da habe ich eben das Buch mitgebracht und würde jetzt gerne noch ein Zitat von Hannah Arendt vorlesen, das so ein bisschen dieses Spannungsfeld historische Fakten und Geschichten thematisiert. Weil natürlich muss es gut recherchiert sein. Natürlich muss es einen geschichtlichen Hintergrund haben, der steht. Und dann ist das, glaube ich, das, was natürlich die Kunst kann, in dem Fall eben das Schreiben kann, Geschichten zu erzählen. Es entstehen Personen, Hintergründe und die fangen zum Agieren an. Und natürlich, wie sie die unterhalten, das wissen wir nicht. Wir wissen ganz viel nicht. Aber ich würde ganz gerne da jetzt Hannah Arendt selber sprechen lassen, ganz kurz. Und auch nehmen Sie ein Original mit. Und auch nimmt sie ein Original mit. Das ist Hannah Arendts Wahrheit und Lüge in der Politik, zwei Aufsätze. Denn was wir unter Wirklichkeit verstehen, ist niemals mit der Summe aller uns zugänglichen Fakten und Ereignisse identisch und wäre es auch nicht, wenn es uns je gelänge, aller objektiven Daten habhaft zu werden. Wer es unternimmt zu sagen, was ist, kann nicht umhin, eine Geschichte zu erzählen. Und in dieser Geschichte verlieren die Fakten bereits ihre ursprüngliche Beliebigkeit und erlangen eine Bedeutung, die menschlich sinnvoll ist. unheimliche Beliebigkeit und Erlangen eine Bedeutung, die menschlich sinnvoll ist. Dies ist der Grund, warum alles Leid erträglicher wird, wenn man es einer Geschichte eingliedert oder eine Geschichte darüber erzählt. Insofern, Berichterstattung zum Geschichten erzählen wird, leistet sie jene Versöhnung mit der Wirklichkeit, von der Hegel sagt, dass sie das letzte Ziel und Interesse der Philosophie ist. Also Hannah Arendt hat sich sehr viel mit diesem Thema der Verbindung von historischen Fakten und von diesen Geschichten erzählt, also wie dann auch Geschehnisse verstehbar werden können. Das war mir jetzt auch noch wichtig zu erzählen. Darf ich es dir nochmal geben? Ich habe mal aufgeschrieben, dünn, Rufezeichen. Dünn ist gut, weil, also so dünn finde ich es abgesehen davon auch nicht, aber das ist nicht so dick, dass man es niemandem jetzt auch, wenn jetzt ein Angehöriger denke, die ins Archiv kommen, wo man denkt, also mir sind jetzt viele, viele Begegnungen eingefallen, wo ich nicht unbedingt will, mein Buch oder andere Bücher, die man historisch drüber schreibt, den Leuten zu empfehlen, weil ich das Gefühl habe, der Erkenntnisgewinn ist vielleicht kleiner, als würde es erschlagen sein. Und insofern ist das ein Zugang, wo man durchaus vorstellen kann, dass das Leuten hilft, die auf der Suche sind und vielleicht auch unter dem Eindruck aktueller Anfragen. Das ist ja ganz eine häufige Schnittmenge, ist genau dieses Transgenerationale, dass Leute und zwar aus verschiedensten Bereichen daherkommen, die selber vielleicht im therapeutischen Bereich arbeiten oder selber Diagnose, Betroffenheit haben, auf der Suche nach irgendwas sein und dann im Archiv auf einmal vorstellig werden. Und da ist es sicher eine Möglichkeit, auf eine leichtere Art und Weise vielleicht einen Weg zu finden. Und insofern weiß ich schon einige, denen ich das empfehlen kann und werde auf jeden Fall. Ja, und ich hoffe, es interessiert euch. Also ich hoffe, ihr seid gespannt auf Matildas Geschichte. Und wie gesagt, ich kann nur mal sagen, natürlich bleibt es diese ungeheuerliche Geschichte, aber ich glaube, dass das Buch tatsächlich auch sehr viel Heilsames zur Verfügung stellt. Und dass es in einer Weise auch etwas Zeitloses ist. Und es hat auch immer wieder eine Schiene in die Gegenwart, weil es war schon ein bisschen spooky. Also so letzten Herbst, wie da beim Schreiben war, war ja bei uns diese Möglichkeit einer sehr rechten Regierung ist im Raum gestanden. Und ich bin in Vorträgen gewesen im Wissensturm in Linz, da ist es übergangen über Faschismus 30er Jahre und auch diese Parallelen zur Jetztzeit. Und ich habe mir gedacht, Wahnsinn, also ich bin gerade dran, so eine Geschichte zu schreiben und es ist jetzt wieder so heftig da, dass es nie wieder, dass irgendwie so wieder abhanden kommt. Und das ist auch ein Teil des Buches. Also es ist nicht nur die Geschichte, sondern es hat immer auch so diese Überleitung in die Jetztzeit und in dieses Geschehen. Und ich glaube, auch deswegen ist es, glaube ich, ganz wichtig. Und darum war meine Enkeltochter eine wichtige Testleserin mit ihren 22 Jahren, weil ich mir gedacht habe, ich möchte es auch so schreiben, dass das auch junge Generationen lesen kann, dass man dabei bleibt und dass es auch etwas hat, was vielleicht ein Beitrag ist tatsächlich zu einem nie wieder. Und wie nah wir oft dran sind, Dinge zu vergessen und wie wichtig es ist, immer wieder hinzuschauen. Ja. So, aber wollt ihr noch was wissen? Applaus