Die nachfolgende Sendung ist mit Unterstützung des Umwelt- und Klimaresorts des Landes Oberösterreich entstanden. Die Verantwortung für die globale Erwärmung wird seit Jahrzehnten zwischen Politik, Industrie und Konsumentinnen und Konsumenten hin und her geschoben. Was können wir Einzelne wirklich zur Bewältigung der Klimakrise beitragen? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten suchen wir nach Auswegen und Lösungen. Die wöchentliche Informations- und Diskussionssendung der Freien Medien in Oberösterreich. Herzlich willkommen zu dieser Ausgabe von Klima und Du. Am Mikrofon begrüßt Marina Wetzelmeier und bei mir im Studio von Radio Froh ist Ulrike Schwandner zu Gast von der Kunstuniversität Linz. Hallo. Hallo. Hallo. Hallo. Du bist genauer gesagt im Management von Base Habitat. Das ist ein Studio der Architekturabteilung und seit mehr als 20 Jahren beschäftigt euch mit der Frage, wie kann man nachhaltig bauen und wie auch Materialien verantwortungsvoll einsetzen. Und gerade die Baubranche ist ja ein Bereich, wo man im Klimaschutz mehr machen könnte oder sollte. Also das Thema ist auf jeden Fall sehr relevant, denn der Bausektor verursacht ein Drittel der globalen CO2-Emissionen. Und der CO2-Fußabdruck hat sich in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt und laut Prognosen wird sich der bis 2050 noch einmal verdoppeln. Ein großer Teil der Emissionen entsteht aufgrund von zementhaltigen Materialien, Ziegeln und Metallen. Da gibt es eben eine Studie dazu, die kürzlich veröffentlicht worden ist. Meine Frage ist jetzt zu diesen herkömmlichen Materialien, die wir da kennen, was ich auch aufgezählt habe. Was macht denn diese Baustoffe in Bezug auf Klima so problematisch oder was verursacht denn diesen hohen CO2-Fußabdruck? Die Materialien brauchen sehr viel Energie in der Produktion. Zement zum Beispiel wird ja gebrannt und er hat auch einen sehr großen Anteil an Sanden, die auch eine limitierte Ressource sind. Das heißt, ich brauche einfach für die Produktion dieser Materialien sehr, sehr viel Energie. Das ist jetzt sehr viel CO2 ausgestoßen. Und das zweite Problematische an diesen Materialien ist, dass sie einfach in großer, großer Menge eingesetzt werden. Und in diesem Bauvolumen, das wir auf der ganzen Welt haben, das einfach sehr überdimensional ist, wenn man genau schaut, fällt es dann natürlich noch mehr zu Gewicht, dass man einfach Materialien hernimmt, die einen großen Fußabdruck haben durch den Ressourcenverbrauch und dass wir auch sehr viel Müll produzieren im Sinne dessen, dass wir Gebäude bauen, die oft eine Immobilienanlage sind, die vielleicht auch in dieser Dimension gar nicht gebraucht werden. Das sind dann Prestigebauten oder auch jetzt bei uns zum Beispiel sehr viele Supermärkte auf der grünen Wiese, die geplant sind, dass sie nach 10, 20, 30 Jahren wieder abgerissen werden. Das heißt, es wird sehr viel kurzfristig geplant sozusagen und gebaut und das macht mit dann Grund, wieso so viele Ressourcen verwendet werden und so viel, genau, CO2-Ausstoß entsteht aus dieser Branche. Also es gibt verschiedene Hebel da anzusetzen. Wir kommen dann eh auch noch dazu, du hast es angesprochen, es wird sehr viel gebaut, zu viel Neues und es gibt ja auch Potenzial, dass man bestehenden Bestand, es gibt ja gleichzeitig auch viel Leerstand, dass man den dann nutzt. Wie erwähnt, dass eben die CO2-Emissionen weiter steigen würden in der Baubranche, wenn es so weitergeht. Und ForscherInnen fordern oder sprechen davon, dass es eine globale Materialrevolution braucht hin zu zirkulären Baustoffen. Und ihr forscht ja oder arbeitet ja auch mit zirkulären Baustoffen. Was ist jetzt, du hast eben die zementhaltigen Materialien beschrieben und was quasi das Klimaschädliche daran ist. Was ist jetzt die Alternative und was macht die dann klimafreundlicher? Genau, also man muss einfach die richtigen Baustoffe einsetzen, je nachdem was gebraucht ist. Es gibt natürlich auch Situationen am Bau, wo Beton ein idealer Baustoff ist. Die Frage ist nur, dass man eben sehr genau überlegt, welches Material welche Eigenschaften hat und eben dann den richtigen Zweck erfüllt. Das Zirkuläre in der Architektur ist eben, also einerseits kann man Materialien verwenden, die von sich aus zirkulär sind. Wir haben bei Bishabitazet Beginn an, das war eigentlich unser Start, dass wir den Lehmbau in die Architekturausbildung integriert haben. Das heißt, Lehm ist ein Baustoff, der in weiten Teilen der Welt vorhanden ist. Also unterhalb der Humusschicht findet man Lehm und der Lehm ist geeignet für verschiedene Bautechniken, die eben auch wieder unterschiedliche Anforderungen erfüllen können. Und Lehm ist 100% zirkulär, also Material, das kennt jeder. Man hat Lehm, er wird hart, man kann den Lehm wieder einweichen in Wasser und er löst sich wieder auf. Das heißt, das kann ich endlos oft wiederholen, ohne dass das Material an Qualität verliert. Also das ist wirklich absolut kreislauffähig. verliert. Also das ist wirklich absolut kreislauffähig. Das heißt natürlich auch, dass ich dann im Bauen die richtige Technik verwenden muss und den richtigen Entwurf, damit eben diese Verletzlichkeit gegenüber Wasser eben zu keinem Nachteil wird, sondern ich standhafte Gebäude errichten kann, die eben über Jahrhunderte stehen und die, wo eben der Lehm brillieren kann. Das heißt, Lehm muss man dann grundsätzlich mischen, wenn ich jetzt ein Haus habe und die Mauern aus Lehm ziegeln machen möchte? Genau, es gibt verschiedene Techniken. Also ich kann Lehm tragend einsetzen, das ist die Stampflehmtechnik hauptsächlich, wo man in einer Schalung den Lehm hineinstampft. Also die Schalung schaut aus wie eine Betonschalung. Der Lehm wird hineingeschüttet, relativ trocken und verdichtet. Und durch dieses Verdichten wird das Material hart. Und da ist Lehm gemischt mit Sand und Schotter. Aber es gibt eben auch andere Techniken. Es gibt die Wellertechnik, in der man Lehm mit Stroh mischt. Die kann auch lasttragend sein. Und dann gibt es aber auch die Adobe-Technik. Das sind ungebrannte Ziegel aus Lehm. Die kann man lasttragend bauen. Und die andere Technik, die in Deutschland sehr verbreitet ist, aber ein bisschen gibt es auch in Österreich, die Fachwerkbauten, wo es eine Holzkonstruktion gibt zum Beispiel, die dann mit Lehm ausgefacht ist. Also es gibt eine große Bahnbreite an Techniken und man muss einfach schauen, was für das Gebäude, für die Klimazone ideal ist. Und das Grundsätzliche für Lehm ist eben das, dass man schaut, dass die Feuchtigkeit vom Boden her aufgehalten wird. Also ich brauche eine kapillarbrechende Schicht, die kann den Lehmboden nicht direkt auf die Erde stellen, wo eben Wasser von unten aufsteigt oder auch Schlagregen an die Wand spritzt. Und ich muss schauen, dass der Lehm von Regen geschützt ist. Das ist das Um und Auf im Außenbereich. Im Innenbereich ist dieses Thema eh nicht so zentral, weil es natürlich dort einen Wasserangriff nicht so gibt. Aber das ist ganz essentiell und wenn man eben die Techniken beherrscht und weiß, wie man plant und baut, gibt es Gebäude, die sich halten. Es gibt in afrikanischen Ländern Lehmbauten, die über tausende Jahre alt sind. Ein Teil der chinesischen Mauer ist aus Lehm gebaut. Also es gibt Beispiele für Lehmbau, der funktioniert. Schwierigkeit ist ein bisschen die, dass oft eben eine schlechte Architektur mit Lehm verbunden wird. Dann sieht man die negativen Folgen, dass sie eben irgendwie Wände abbröckeln. irgendwie Wände abbröckeln, dass sie in Südamerika zum Beispiel ist ein großes Thema, dass man sagt, okay, da siedeln dann Insekten in diese Strohlehmwände ein, die das Gebäude dann zerstören und so. Also da gibt es dann sehr viele Vorurteile und negative Erfahrungen, die aber eben nicht auf dem Material beruhen, sondern auf der falschen Verwendung. Und das ist das, was wir eben versuchen, auch in der Architektur zu vermitteln, dass Studierende einfach das Materiallehm verstehen und diese Techniken kennenlernen und dann auch richtig planen können. Weil das Schlechteste ist, mit Lehm zu planen und das falsch zu machen und dann ein Gebäude zu haben, das eben nicht funktioniert und kaputt wird. Die Techniken müssen aber dann nicht nur die Architektinnen kennen, sondern ja auch die Personen, wenn man sich eine Baustelle vorstellt. Handwerkerinnen kennen, sondern ja auch die Personen, wenn man sich eine Baustelle vorstellt, da sind sehr viele Personen mit Fachwissen, HandwerkerInnen beschäftigt. Wie bekannt sind denn da dann die Techniken? In Summe noch viel zu wenig bekannt, leider. Aber es gibt auch HandwerkerInnen und auch ausführende Unternehmen, die sich zunehmend für Lehm als Baumaterial interessieren. In Österreich gibt es seit einigen Jahren, seit 2018, das Netzwerk Lehm, wo sich Universitäten, Handwerksbetriebe, Forschungseinrichtungen, Architekturbüros zusammengeschlossen haben, die sich mit dem Lehm als Baustoff beschäftigen. Wir versuchen auch hier viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen, Bewusstsein zu schaffen, aber vor allem auch die Institutionen vernetzen, die mit Lehm bereits arbeiten, weil auch das sehr, sehr wichtig ist, um sie gegenseitig zu stärken, um Know-how auszutauschen, sodass nicht jeder wieder bei Null anfangen muss. Es gibt eine Liste von Handwerksbetrieben auf der Website zum Beispiel, wo man schauen kann, welche Firmen, welche Handwerksbetriebe arbeiten mit Lehm. Solche Schritte sind sehr, sehr wichtig. Und was wir im Netzwerk Lehm auch probieren, ist in die Ausbildung zu gehen. Also es gibt in Deutschland oder auch in der Schweiz auch ein Lehmbaunetzwerk. In Deutschland gibt es seit vielen Jahren eine Lehmbauausbildung. der Schweiz auch ein Lehmbaunetzwerk. In Deutschland gibt es seit vielen Jahren eine Lehmbauausbildung. Jeder, der ein Handwerk abgeschlossen hat oder ein Architekturstudium, kann dann diese Lehmpfachkraftausbildung machen und diese Techniken lernen. Das gibt es in Österreich nicht. Das heißt, es ist auch relativ schwierig für einen Handwerker, eine Handwerkerin zu sagen, ich will Lehmbauer sein in Österreich, weil es eben diesen Beruf nicht gibt. Und jetzt versuchen wir in Österreich auch eine Ausbildung anzubieten und da denken wir in zwei Richtungen. Das eine ist zu sagen, welche Tools kann man jemandem anbieten, der sich spezialisieren möchte auf Lehmbau. Das heißt, da gibt es dann Theorieinputs, Workshops und ein Praktikum, das man machen muss beim Handwerksbetrieb. Das wäre jetzt diese eigene Lehmbauausbildung. Und das andere ist aber, wo wir auch sehen, dass es extrem wichtig ist, in diese Richtung zu gehen, ist zu sagen, man muss in alle Schulen, die mit dem Bau zu tun haben, also HTLs, Lehrlingsausbildung, ich muss in alle diese Bereiche den Lehmbau einfach als ein Baumaterial integrieren, sodass es ein ganz selbstverständliches Material ist. Man lernt zu bauen mit Holz, mit Stahl, mit Glas und man lernt auch mit Lehm zu bauen. Also einfach das Material aus der Nische zu holen. Es ist kein exotisches Material, es ist ein ganz selbstverständliches Material. Und ich glaube schon, dass in diesem Sinn viel möglich ist, weil es genau darum geht, dass es kein Hippiematerial ist, irgendwas, dem man nicht vertraut. Es gibt sehr viele Fakten über Lehm, es gibt sehr viele Recherchen. Man kann Lehmbau und das Material genauso unterrichten, wie ich Holzbau unterrichten kann oder wie ich Stahlkonstruktion unterrichten kann. Und da sehen wir schon auch, dass es immer mehr Lehrer, Lehrerinnen gibt aus HTL zum Beispiel, die uns kontaktieren und sagen, sie möchten gerne Lehmbar integrieren in das Curriculum der Schulen. Ich glaube, das ist gerade so ein bisschen ein Wendepunkt. Oder zumindest spürt man, dass die Nachfrage mehr wird. Da gibt es seit 20 Jahren, vor 20 Jahren war diese Nachfrage nicht da. Wir merken das jetzt. Und bei all diesen Veränderungen, die man initiieren will, also wir arbeiten ja auch daran, dass sich Architektur verändert, darum auch unser Untertitel Architecture for Change. Wir sehen eben diese negativen Auswirkungen der Architektur, wie sie jetzt praktiziert wird. Und alle Veränderung braucht ein Netzwerk an Leuten, die zusammenarbeiten und auch ganz wichtig ist, dass man mit den Leuten arbeitet, die Veränderung wollen. Also nicht zuerst die Leute überzeugen, die sowieso skeptisch sind und sich nicht für das Material begeistern, sondern mit denen arbeiten, die sagen, okay, ich sehe den Bedarf, ich würde gerne mein Haus aus nachhaltigen Materialien bauen, eben diese Leute zu vernetzen und zu unterstützen und so dann auch zu schaffen, dass man eben mehr Beispiele, mehr gebaute Beispiele hat, das Ganze mehr sichtbar wird und eben aus dieser Nische des Exotischen hinkommt zu einem regulären Baumaterial. Wie du es ja erwähnt hast, du hast Fachwerksbauten erwähnt, also das heißt in Mitteleuropa ist ja das Material durchaus bekannt und hat ja auch eine Art Tradition. Auf alle Fälle, auf alle Fälle. Man merkt es auch sehr genau, je nach Region, welche Materialien halt verfügbar waren. Bei uns im Mühlviertel hat man halt mehr mit Granitsteinen gebaut, aber es hat dennoch, fast jede Gemeinde in Österreich hatte eine Lehmgrube und der Lehm wurde eben ergänzend dann verwendet zu den anderen Materialien, die verfügbar waren. Und genau, in Niederösterreich gibt es jetzt in diesen Weinkellergassen viel Lehmbauten auch. Und auch diese ungebrannten Lehmsteine gibt es mehr in Niederösterreich. Auch findet man nur in alten Häusern. Genau, also an sich ein sehr, sehr spannendes Material. ungebrannten Lehmsteine gibt es mehr in Niederösterreich. Auch findet man in alten Häusern. Genau. Also an sich ein sehr, sehr spannendes Material. Und das Spannende am Lehm ist ja auch, dass er eben eigentlich überall vorkommt. Natürlich kann man Lehm als normierten Baustoff kaufen. Aber wenn ich das nötige Know-how habe, könnte ich mir auch selber einen Lehmbutz mischen. Genau. Das ist auch eine Übung, die wir gerade mit den Studierenden machen. Das heißt, die Studierenden, die packen auch mit an. Wir haben ja auch mal ein anderes Interview gehabt für Radio Froh und da hast du es auch erzählt, es ist wichtig im Studium, dass die Studierenden auch Erfahrungen an der Baustelle machen können. Genau, das ist extrem wichtig. Das ist auch so ein zentrales Element von der Arbeit von Base Habitat, dass wir sagen, eine Architektin, ein Architekt kann nicht nur Pläne am Computer oder am Papier zeichnen, sondern man muss den gesamten Bauprozess verstehen, man muss die Akteurinnen im Bauprozess kennen, man muss wissen, was die Herausforderungen auf der Baustelle sind. Und wir machen halt diese kleine Übung im Sinne, wir machen keine Großbaustellen mit unseren Studierenden, aber sie müssen im Rahmen des Studiums nicht nur Materialworkshops, also Hands-on-Workshops absolvieren, sondern auch wirklich drei Monate auf einer Baustelle verbringen, wo sie sich mit Lehm, Kalk, Holz sanieren, was auch immer für Themen dann relevant sind, beschäftigen. Und das Interessante ist schon, dass man das wirklich merkt, dass es ein Unterschied ist, ob ich vor einem Plan sitze oder wirklich auf einer Baustelle bin, wo ich dann merke, oh, da gibt es noch Details, die ich mir zwar dachte, dass sie durchdacht sind, sind aber nicht durchdacht. Man muss Änderungen vornehmen. Man lernt einfach diese andere Perspektive des Handwerkenden kennen. Und das ist extrem wichtig. Gerade wenn man eben will, dass es in der Architektur Veränderung gibt, muss man aus diesen Sektoren denken. Das sind die Handwerker und die Umsetzer, die Architektinnen, dann gibt es die Fachplanerinnen und es ist noch viel zu sehr separiert voneinander. Wir müssen zu einer Architektur kommen, in der man Architektur als Prozess verstehen, in der viele Akteurinnen mitspielen, die aber auch wirklich von der Planung bis zur Umsetzung immer wieder auch in Kontakt sind, weil man nur so voneinander lernen kann. die einen über die anderen schimpfen. Die Handwerker können das nicht umsetzen, die Architektinnen planen so ein Blödsinn. Und das immer noch, also das führt uns nicht zu einer zirkulären Architektur in keinster Weise. Es führt uns nur dahin, wenn man verschiedenes Know-how und Wissen, das es in allen Bereichen gibt, verbindet und eine Möglichkeit findet, wie man gut zusammenarbeiten kann. Seid ihr da vielleicht auch in Kontakt, wenn wir darüber gesprochen haben, dieses Studio, das gibt es seit 20 Jahren, also Base Habitat, gibt es da schon AbsolventInnen, die dann gerade in dem Bereich da jetzt eine Veränderung durchführen? Natürlich gibt es AbsolventInnen. Also es nimmt jeder auf alle Fälle dieses Wissen und die Neugier und auch das Selbstvertrauen mit in die Berufswelt. Diese Materialien, also wir arbeiten ja nicht nur mit Lehm, auch mit Fasern, die zu kennen und das schon auch selbstbewusst einzubringen. Natürlich in einem klassischen Architekturbüro wird jetzt in der Regel nicht mit Lehm gebaut, aber es sind dort sicher auch wichtige Rädchen, die das immer wieder mal einfordern oder vorschlagen. Und es gibt viele schöne Projekte, Masterarbeiten, wo Studierende auch mit echten Projekten arbeiten und tolle Vorschläge und Entwürfe machen für Alternativen zum herkömmlichen Bauen. Und auch dieses Netzwerk unter den Absolventinnen ist wichtig. Wir haben in Linz in der Architekturabteilung sehr viele kritische Studierende, die einfach die herkömmliche Architekturpraxis hinterfragen. Und diese Menschen zu verknüpfen und sie in Kontakt zu halten, ist auch ein sehr wichtiger Beitrag. Weil es immer wieder mal darum geht, zu sagen, sich auszutauschen, wer wo Projekte gemacht hat, Fragen zu stellen, wie man was lösen könnte. Also dieses gemeinsame Auftreten ist sicher auch ganz, ganz wichtig. Und es gibt ja auch einen internationalen Austausch. Im Sommersemester waren ja BES Habitat Studierende in Portugal. Da gab es auch jetzt in der Kunstuni eine Ausstellung dazu. Kannst du darüber kurz was erzählen? Genau, das war eine dieser Baupraktika, die ich erwähnt habe, wo Studierende eben im Prinzip ein Semester, also drei Monate auf einer Baustelle sind. Unsere ersten Projekte waren sehr international, vor allem im globalen Süden, vor 20 Jahren noch. Jetzt versuchen wir viel mehr in Österreich zu arbeiten und auch in Europa in einem kulturellen Kontext, den wir auch besser verstehen. Eine Baustelle ist eine Herausforderung, da muss ich mich nicht unbedingt in den absolut kompliziertesten, unbekannten Kontext setzen. Und dieses Projekt in Portugal läuft jetzt das dritte Jahr, glaube ich, dass Studierende dort sind. Und das ist für uns auch sehr wichtig, dass man eben eine gute Partnerschaft aufbaut mit den Leuten, in dem Fall in Portugal, sodass man sich einfach kennt und weiß, wie man arbeitet und was man erwartet voneinander. Und dort sind wir Unterstützerinnen für eine Kooperative, die Stasão Cooperativa in Casablanca, die ein leerstehendes Bahnhofsdorf wiederbeleben möchte. Also das war ein kleines Dorf mit 200 Einwohnerinnen, von denen ein Großteil für die Bahn gearbeitet hat. Jetzt stehen ganz viele Häuser leer, weil es diese Arbeiterinnen und Arbeiter nicht mehr gibt. Und die Kooperative möchte wieder ein belebtes Zentrum für die Region dort schaffen. Und da gibt es sehr viele leerstehende Gebäude, Stampflehm, normaler Ziegel. Sie haben sehr viele Eisenbahnschienen verbaut, haben wir festgestellt. Also unterschiedliche Techniken, unterschiedliche Zustände der Gebäude. Und wir versuchen mit den Studierenden einzelne Gebäude zu sanieren, sodass sie eben für diese Kooperative und für die Community vor Ort genutzt werden kann. Genau, da geht es ganz extrem um den Umgang mit Bestand. Also das haben wir so ein bisschen am Rand angesprochen, aber ein wichtiger Schritt für Nachhaltigkeit in der Architektur ist, den Bestand zu nützen. Und das ist in dem Fall in Portugal das zentrale Thema. Es gibt ein Bestandsgebäude, man muss schauen, wie ist der Zustand von dem Gebäude, welche Materialien muss man austauschen, welche kann man auch von einem Gebäude im anderen dann wieder einbauen und wie kann man eben mit Bestand planen. Und das ist eine sehr, sehr spannende Aufgabe auch für Architektinnen und Architekten und sehr wichtig. Ein anderer Ansatz der Planung, ich fange nicht vor einem weißen Papier an oder vor einem leeren Screen, sondern ich habe ein Gebäude, mit dem ich mich zuerst einmal auseinandersetzen muss und das ich auch verstehen muss. Und dadurch lernt man auch sehr viel über Architektur. Ist ja auch für Österreich relevant, das haben wir am Anfang ja kurz angesprochen. Es gibt ja viele Leerstände, das heißt, ich kann auch ein Gebäude, das ein ganz anderes Grundmaterial hat, so klassischer Betonbau, kann ich dann auch mit nachhaltigen Materialien, mit zirkulären Baustoffen umbauen, aufwerten? Genau, also wenn man jetzt mit dem Bestandsgebäude arbeitet, ist das Erste, um zu schauen, aus welchen Materialien besteht und was kann erhalten bleiben und was muss man verändern. Also man wird jetzt nicht eine Betonwand ersetzen durch eine Lehmwand, wenn die Betonwand an sich funktioniert. Man kann natürlich mit Putzen arbeiten, um eben Raumqualität zu verbessern. Aber beim Arbeiten mit dem Bestand geht es in erster Linie darum zu schauen, was ist an Bestand da? Wie kann ich die Flächen umgestalten, damit sie meiner Neunutzung gerecht werden und dann die richtigen Materialien finden? umgestalten, damit die es eben einer Neunutzung gerecht werden und dann die richtigen Materialien finden. Wir waren Partner in einem Projekt in Stadelbaura, gemeinsam mit den Materialnomaden aus Wien und einigen anderen Partnerinnen aus Österreich, haben wir uns dort mit einem Einfamilienhaus beschäftigt, aus den 50er Jahren, das umgebaut werden sollte, nämlich einerseits von diesem klassischen Einfamilienhaus, Vater, Mutter, Kind, Konstellation hin zu einem offenen Gebäude, wo mehrere Familien wohnen können, Einzelpersonen, wo man arbeiten kann in dem Gebäude. Also es sollte einerseits von dieser Logik Vater, Mutter, Kind, ein Kinderzimmer wegkommen zu einer neuen Nutzung. Das war die eine Übung und das andere war zu sagen, okay, wie kann man das Gebäude mit wiederverwendeten Bauteilen umbauen. Und dort haben wir auch mit unseren Studierenden dann Lehm-Workshops gemacht. Wir haben dort Lehmputze aufgetragen, einen Stampf im Boden eingebracht, also eben Lehm kombiniert mit dem Bestand. Aber es ging auch sehr viel darum, zum Beispiel altes Holz, das ausgebaut worden ist, also Bauholz aus einem Gebäude, das abgerissen wurde, dann dort wieder einzubringen. Also genau, da ist nicht an erster Stelle der Gedanke, dass ich unbedingt überall Lehm draufpacken muss, sondern dass man schaut, was ist da, wie funktioniert das Gebäude und was muss ich verändern. Aus Sicht der BewohnerInnen, wenn man jetzt ein Einfamilienhaus hat, wie lebt es sich denn oder arbeitet es sich denn in einem Lehmbau? Interessant ist schon, dass man das wirklich spürt, wenn ein Gebäude aus natürlichen Baumaterialien gebaut ist. Wir haben ein Beispiel, es gibt auch alle Projekte auf unserer Website dokumentiert. Wir haben ein Projekt gemacht in Vorarlberg, das heißt Hege Wendels. Hegenberg, das heißt Hege Wendels. Da wurde ein altes Bauernhaus umgebaut und es war ursprünglich aus Holz gebaut, mit Moos isoliert, also wirklich ein sehr altes Gebäude und die Besitzerinnen wollten das umnutzen und wir haben eben dann das Holz behalten und nur innen mit Lehm und Hackschnitzel eine isolierende Schicht aufgetragen und wirklich auch nur Lehmputze verwendet. Und es ist wirklich unglaublich, wie man das spürt, wenn man in so ein Haus hineingeht. Das atmet, wo man einfach spürt, es gibt ein gutes Raumklima, es gibt keine Schimmelprobleme, weil der Lehmputz die Feuchtigkeit reguliert. Das ist schwer zu beschreiben, aber es ist spürbar, dass die Raumqualität eindeutig besser ist in so einem Gebäude. Was wäre denn jetzt zum Beispiel auch ein nachhaltiges Dämmmaterial? Lehm an sich dämmt nicht sehr gut, außer mit einer großen Wandstärke. sehr gut, außer mit einer großen Wandstärke. Man kann Lehm aber mit diversen Fasern mischen, also Stroh, Hanf, Hackschnitzel, also wirklich alle Fasern, die es gibt, kann man im Prinzip mit Lehm kombinieren, sodass dann eben das Stroh oder diese Fasern die Dämmwirkung übernehmen. Bei diesem Gebäude in Vorarlberg war wirklich diese Isolierung aus Hackschnitzel und Lehmschlämmer, das war 97% Hackschnitzel und 10% Lehm. Also da ist dann eben der Lehm nur das Material, das die Fasern zusammenhält sozusagen. Aber natürlich gibt es auch viele andere Isoliermaterialien. Es gibt in Oberösterreich die Firma Isolena, die seit vielen Jahren mit Schafwollisolierung sie beschäftigt und da ein Vorreiter ist. Es gibt in Oberösterreich die Firma Isolena, die sich seit vielen Jahren mit Schafwollisolierung beschäftigt und da ein Vorreiter ist. Es gibt Stroheinblastdämmung. Also es gibt wirklich diverse Materialien, die entwickelt worden sind, die man auch regulär am Markt kaufen kann. Und da geht es einfach auch darum, das richtige Material zu finden. Und da geht es einfach auch darum, das richtige Material zu finden. Wir sind an einem Forschungsprojekt auch oder mit der JKU, die zu dem Thema forscht, in Kontakt, wo es um das Thema Pilzmyzel geht. Auch ein spannendes Isoliermaterial, das man auch wachsen lassen kann in der Form, wie man es dann braucht. Auch kombinierbar mit Lehm. Also es gibt eigentlich sehr, sehr viele Möglichkeiten und das merkt man schon, dass da gerade auch immer mehr Firmen gibt, die Produkte entwickeln und forschen. Und genau, das zahlt sich sicher aus, da mal einen Blick über die herkömmlichen Isoliermaterialien hinauszuwerfen, bevor man sich eine Styropor-Isolierung auf die Außenwand klatschen lässt, mal zu schauen, was es sonst gibt. Und da ist auch wieder das Gleiche, man muss das richtig anwenden, eben vor Feuchtigkeit schützen, was auch immer, damit das Material dann brillieren kann. Aber wenn man sich jetzt dafür interessiert, das heißt, es gäbe schon Ansprechpersonenfirmen, du hast es auch genannt, es gibt auch eine Liste auf eurer Website von Netzwerk Lehm, beispielsweise mit Handwerksbetrieben. Es gibt Möglichkeiten. Es gibt Möglichkeiten, genau. Natürlich kennen auch viele Architekturbüros diese Materialien schon. Da geht es auch darum, da schon mal nachzufragen, beziehungsweise dann einfach nachfragen, nachfragen, nachfragen, diese Materialien aufstöbern und das könnte noch viel mehr verbreitet sein, aber es ist gerade am Entstehen und wenn man sich interessiert, findet man schon die Materialien. dass diese Materialien, wenn man jetzt in Hinblick auf die Klimakrise schaut, ja eigentlich mehr verbreitet sein sollten, dann in naher Zukunft vielleicht schon. Ein Problem, das ja viele Menschen dann oft sehen, in der Umsetzung sind ja dann trotzdem auch die Kosten. Wie sieht es da aus mit Förderungen, Unterstützung? Genau, mit Förderungen schaut es schlecht aus, glaube ich, leider. Aber es ist auch da so, dass natürlich die Lobby der herkömmlichen Baumaterialien sehr stark ist, dass es halt auch ein Routineablauf ist. Es gibt alle Netzwerke fertig, das flutscht sozusagen. Wenn man da jetzt eine Veränderung reinbringen will, ein neues Material, ist das ein Aufwand. Man bewegt sich in einem unbekannten Terrain. Das funktioniert nicht so leicht. Derzeit sind die Kosten höher. Also es gibt Lehmputze, die sich sehr durchgesetzt haben mittlerweile. Die sind leicht zu kaufen. Sie sind noch teuer, aber damit sie günstiger werden, muss einerseits die Nachfrage steigen und das andere Thema wäre, und daran arbeiten ja im Prinzip auch viele, die sich für Klimaschutz einsetzen, ein Stück weit Kostenwahrheit zu erreichen, dass man eben bei Baumaterialien auch die Produktionskosten, die Transporte, die Müllabfallkosten, die entstehen, mit einberechnet und so einen Preis für Materialien kriegt, der ein Stück weit mehr den Tatsachen entspricht, außer nur einen billigen Dumpingpreis für Beton, den ich halt dann massenweise einsetze. den ich halt dann massenweise einsetze. Genau, also das ist ein großes Thema. Natürlich wird das auch viel diskutiert unter den Lehmbauerinnen oder unter denen, die sich für eine andere Architektur einsetzen. Aber wenn man immer nur darauf wartet, dass es billiger wird, wird es auch nicht passieren. Also das heißt, wir versuchen eben da, wie ich schon erwähnt habe, diese Netzwerke zu stärken. Wenn ich mal als Baufirma einen Anbieter für Lehmbuts habe, dann kann ich den genauso einfach engagieren und es ist nicht mehr so extra Aufwand. Ich glaube, es geht sehr viel in diese Richtung. Natürlich wäre es spannend, das würden wir auch gerne mal machen, in einem größeren Wohnbau zum Beispiel mit Lehm zu arbeiten. Wobei auch da man schon immer wieder mal Leute trifft, die sagen, das wäre spannend, das sollte man mal probieren. Das passiert jetzt nur in einer großen Masse. Es gibt natürlich Innovationsbrauchen, aber wenn man optimistisch sein will, dann glaube ich schon, dass das mehr werden wird. Und wenn man sieht, wie gut die Materialien dann funktionieren, dass auch die Nachfrage steigt. wenn man sieht, wie gut die Materialien dann funktionieren, dass auch die Nachfrage steigt. Als Beispiel für Veränderungen oder Umdenken, das ist schon ein paar Jahre her, in der Architektur werden auch Holzbauten genannt. Wie steht ihr jetzt in der Architekturabteilung zu Holzbau? Ist das nachhaltig? Auf alle Fälle ist es nachhaltig. Auf alle Fälle ist es nachhaltig. Natürlich muss man schauen, wenn man ganz genau reinzoomt, wo kommt jetzt das Holz her, das verbaut wird. Also wenn jetzt österreichische Firmen dann in China mit Holz aus Österreich bauen, kann man sagen, vielleicht ist das nicht das Nachhaltigste. Aber grundsätzlich ist das Baumaterial Holz ein sehr nachhaltiges, zirkuläres Baumaterial auch. Holz bindet CO2 im Wachstum. Wichtig ist, dass ich auch hier das Holz, damit ich es lange verwende im Bau und eben nicht kurzfristig baue. Und man sieht im Holzbau, welche Dimensionen man erreichen kann, wenn Forschung und Entwicklung da intensiv daran arbeiten, also welche Spannweiten mit Holz mittlerweile möglich sind, wie man mit Computer die ganzen Holzelemente schneiden, leimen, sonst wie kann, sieht man, dass einfach sehr, sehr viel möglich ist. viel möglich ist. Genau, das ist eigentlich für uns eine sehr hoffnungsvolle Perspektive, eben zu sehen, wie Holz es geschafft hat von diesem Image, das ist jetzt ein Baracke, ein temporäres Wohnen in der Nachkriegszeit, bis hin zu Holzhuchhäusern und ganzen Stadtteilen, die aus Holz gebaut sind. Da sieht man, dass es möglich ist und dass das Material Dinge leisten kann, die man zuerst gar nicht gedacht hat. Genau, und ich denke, dass es auch für die Menschen, die zu diesen Themen forschen, dann auch spannend ist zu sehen, also man motiviert sich dann gegenseitig und sieht dann plötzlich, was möglich ist. Und ich denke, das ist so ein bisschen die Hoffnung für unsere Zukunft, wenn man jetzt sagt, CO2-Ausstoß, Klimawandel. Ich denke, das ist meine persönliche Meinung, dass die Hoffnung darin liegt, dass eben Menschen, die sich interessieren für Alternativen, forschen und Neues entwickeln und so Dinge entstehen können, die mir eben aus der jetzigen Perspektive für unmöglich halten. Dann würde ich sagen, wir schließen mit dieser Hoffnung, wir schauen positiv in die Zukunft. Danke Ulrike Schwantner, dass du im Studio von Radio Froh zu Gast warst heute. Vielen Dank für die Einladung. Danke sehr. Und ich bedanke mich bei den Hörerinnen und Hörern und bei den ZuschauerInnen auf DorfTV fürs Einschalten. Alle Infos und die Sendungen zum Nachhören gibt es unter cba.media. Bis zum nächsten Mal. Auf Wiederhören. Klima und Du. Die Verantwortung für die globale Erwärmung wird seit Jahrzehnten zwischen Politik, Industrie und Konsumentinnen und Konsumenten hin und her geschoben. Was können wir Einzelne wirklich zur Bewältigung der Klimakrise beitragen? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten suchen wir nach Auswegen und Lösungen. Die wöchentliche Informations- und Diskussionssendung der Freien Medien in Oberösterreich.