Was für ein schöner Ausblick. Wenn die Häuser nur erzählen könnten. I love you. Bücher. Ich liebe es, in vergangene Zeiten einzutauchen. Beim Lesen bekomme ich das Gefühl, mit den Menschen verbunden zu sein, die vor mir gelebt haben. Als würden sie direkt zu mir sprechen. Empfang der Kaiserbraut Elisabeth 1854 in Linz. Da war sie gerade einmal 16 und auf dem Weg zu ihrer Hochzeit nach Wien. Wie sie sich damals wohl gefühlt hat. Es hat ihr bestimmt oft die Luft abgeschnürt. Nicht nur das Korsett, sondern auch der Druck, am Wiener Hof zu bestehen. Elisabeth entdeckte das Reisen für sich. Züge, Schiffe und Kutschen waren bald ihr eigentliches Zuhause. So konnte sie dem Korsett des höfischen Lebens entfliehen. Der Kaiser blieb zeitlebens geprägt durch seine militärische Erziehung, die auf Drill und Pflichtbewusstsein beruhte. Das Reich, über das Franz Josef regierte, war um 1910 mit rund 51 Millionen Menschen das drittgrößte Land Europas. Während der Kaiser Neuerungen skeptisch gegenüberstand, endete sich die Welt um ihn herum in rasantem Tempo. Die Veränderungen waren besonders in Wien sichtbar, das durch die Einwanderung aus allen Teilen der Monarchie zur fünftgrößten Stadt der Welt wuchs, mit über zwei Millionen Menschen. Im noch eher verschlafenen Linz mit einer Bevölkerungszahl von knapp 60.000 verlief das Wachstum vergleichsweise gemächlich. Aber Linz bemühte sich, in den neuesten Errungenschaften wie Kaufhäusern und Straßenbahnen mit der Metropole Schritt zu halten. Was für ein reges Treiben an der Landstraße um die Jahrhundertwende. Straßenbahn neben Pferdefuhrwerk, Bäuerin neben adeliger Dame. Was ist das für ein großes Geschäft? Das erste moderne Linzer Warenhaus, das Kaufhaus Kraus und Schober. Als erstes Gebäude in Linz verfügte es sogar über einen elektrischen Aufzug. Ah, hier ist das. Der Hauptplatz sieht schon fast genauso aus wie heute. Es ist ganz schön viel los. Damals hieß er aber Franz Josefsplatz. Ab 1880 verkehrte eine Pferdetramwei in der Stadt. 1897 wurde sie von der elektrischen abgelöst. Die erste Straßenbahnlinie verlief vom Bahnhof bis nach Urfahr. 1898 bewältigte erstmals die Bergbahn den steilen Anstieg auf den Pöstlingberg. Auch die ersten Buslinien nahmen ihren Betrieb auf. Automobile waren ein noch seltener Anblick im Stadtbild. Ein besonders aufsehenerregendes neues Verkehrsmittel war das Luftschiff. Am 18. März 1911 landete der Militärlenkballon Le Boudy in Linz. Aufregend. Trotz der vielen neuen Möglichkeiten, für weite Strecken waren nach wie vor Schiffe ein wichtiges Transportmittel. Über 300 Jahre lang gab es einen Seitenarm der Donau, den sogenannten Fabriksarm, und eine Insel in der Donau, die Strasserinsel. Ab 1872 ersetzte eine Brücke aus Eisen die alte Holzbrücke. Nach dem Bau der neuen Brücke versandete der Fabriksarm und wurde zu einem hygienischen Problem, da hier die Abwässer von Linz landeten. Deswegen wurde er zugeschüttet. Linzer Städtische Schwimmschule. Ah, das heutige Parkbad. Und im Hintergrund die Eisenbahnbrücke. Obwohl die Industrialisierung in Linz im Vergleich zu anderen europäischen Regionen weniger ausgeprägt war, siedelten sich auch hier einige Großbetriebe an, wie die Tabakfabrik oder die Lokomotivfabrik Kraus. Der Linzer Vorort Kleinmünchen wurde mit seinen Textilfabriken zu einem Zentrum der Baumwollindustrie. Die Frankfabrik, die günstigen Kaffeeersatz produzierte, gab später einem gesamten Stadtteil seinen Namen, dem Frankviertel. Um den heutigen Hessenplatz, den damaligen Marktplatz, entstand die Neustadt mit schachbrettartigem Grundriss. Unweit davon wurde das allgemeine Krankenhaus ausgebaut. Mit der Anbindung an die Kaiserin-Elisabeth-Bahn von Wien nach Salzburg errichtete man am Rande der Stadt den Staatsbahnhof, den heutigen Hauptbahnhof. Repräsentative Gebäude wurden zu jener Zeit häufig historistisch gestaltet, eine architektonische Stilrichtung, die auf vergangene Epochen zurückgreift. die auf vergangene Epochen zurückgreift. Mit dem Mariendom ist beispielsweise die Neugotik ganz prominent vertreten. Sein Grundstein wurde bereits 1862 gelegt, aber erst 62 Jahre später erfolgte die feierliche Einweihung. Als der Mariendom noch eine einzige große Baustelle war, präsentierte die Pfarrkirche Ebelsberg ihre neue moderne Innengestaltung. Mosaike, Gold, Ornamenteorenen Leopold Forstner. Das Francisco Carolinum, da war ich erst vor kurzem in einer Ausstellung. Interessant, wie Bilder damals präsentiert wurden. Das war eine Ausstellung der Malschule Rosa Scherer. Frauen hatten lange keinen Zugang zu einer akademischen Kunstausbildung. Wie unfair. Wer Künstlerin werden wollte, war auf Privatunterricht angewiesen. März. Ein Fanfarenstoß. Verheißungsvoll und voller Erwartung. Man wiegt sich in der Hoffnung erfüllt zu sehen, was dieser Titel verspricht. März steht für Aufbruch. 1913 riefen die Brüder Franz und Clemens Brosch, Franz Sedlacek, Hans Pollack, Anton Lutz und Heinz Bitzan aus Protest gegen den, wie sie fanden, viel zu konservativen oberösterreichischen Kunstverein, die Künstlervereinigung März ins Leben. Die junge Gruppe wollte damit Bewegung in die eingefahrenen Bahnen des Linzer Kunstbetriebs bringen. Der Künstler Clemens Brosch wurde von der Kritik als größte Begabung hervorgehoben. Beeindruckend. Linz, die Stadt meiner großen Enttäuschung. Ich war zum ersten Mal in Linz und ging sofort zur Dienstvermittlung. Ich bekam einen Hundsplatz. Das war im Hotel Budweis in Urfahr. Die Dienstboten bekamen nie etwas Frisches zu essen, immer das, was schon verdorben war. In diesem Haus kamen wir nie vor Mitternacht ins Bett und wir hatten Wanzen. Das sind ja unvorstellbare Lebensumstände. Man kann schon sagen, dass die Erinnerungen von Käthe Dirnesberger ein generelles Bild der Zeit widerspiegeln. Es waren meist junge Frauen vom Land, die von ihren Familien von zu Hause fortgeschickt wurden, um in der Stadt Arbeit zu finden. Sie haben dann als Stubenmädchen oder Kindermädchen in reicheren Haushalten gearbeitet. Ihre Leben waren oft geprägt von Armut, katastrophalen Arbeitsbedingungen und nicht selten auch sexueller Ausbeutung. Wurden sie schwanger, verloren die Frauen in der Regel ihre Anstellung und damit auch Unterkunft und Verpflegung. Daneben fanden junge Frauen auch vermehrt Arbeit in den Fabriken. Frauen war es generell untersagt, sich politisch zu organisieren. Was allerdings die Fabriksarbeiterin Marie Beutelmeier nicht davon abgehalten hat, sich für Frauenrechte zu engagieren. Mutig. Der Großteil der Arbeiterwohnungen bot triste Verhältnisse. Meist handelte es sich dabei um feuchte Kellerräume. In Einzimmerwohnungen hausten oft mehrere Menschen auf engstem Raum. Zur Untermiete wurden sogenannte Bettgeher aufgenommen, denen das eigene Bett überlassen wurde, während man in der Arbeit war. Nur Angehörige des Großbürgertums oder Industrielle konnten sich mehr Zimmerwohnungen leisten. Sie bewohnten zum Teil ein ganzes Stockwerk, die Belle Etage. Für Frauen aus bürgerlichen Kreisen war im 19. Jahrhundert die Rolle der Hausfrau und Mutter vorgesehen. Es war ihnen nicht erlaubt, höhere Schulen zu besuchen. Das änderte sich in Linz 1889 mit der Gründung des Mädchenlyzeums. Ganz schön unpraktisch, so ein Badeanzug. Trotzdem waren Besuche der öffentlichen Badeanstalten beliebt, selbstverständlich getrennt nach Geschlechtern. Im Winter ging man gern auf Eislaufplätze. Die Menschen unternahmen außerdem gerne Spaziergänge, besuchten Sportveranstaltungen und Jahrmärkte oder stiegen aufs Fahrrad. Wer es sich leisten konnte, spielte Tennis. Gleichzeitig blühte die Vereinskultur auf. Eine neue Attraktion stellten ab 1897 die als lebende Fotografien beworbenen Wanderkinos dar. Das erste Ortswestekino wurde 1909 eröffnet. In den damaligen Kaffeehäusern hätte ich mich bestimmt wohlgefühlt. Aber bitte nur in Begleitung eines Mannes. Es galt als unschicklich für eine Frau, allein in ein Lokal zu gehen. Auch bei politischen Debatten wurde Frauen sehr deutlich gemacht, dass sie nichts mitzureden hatten, vom Wahlrecht ganz zu schweigen. Lauter Männer. Das ist der Gemeinderat von Urfa, das damals noch eine selbstständige Stadt war. Auch im Linzer Gemeinderat sah es nicht anders aus. Spannend. Eine Demonstration vor dem Landhaus. Ja, denn selbst für Männer war das Wahlrecht lange Zeit alles andere als demokratisch. Nicht jede Stimme war gleich viel wert. In der Monarchie war Linz eine Hochburg der Deutschnationalen. Sie witterten die Gefahr einer vermeintlichen Slavisierung und polemisierten gegen tschechische Arbeitskräfte in der Stadt. Linzer fliegende Blätter. Deutsche, besorgt den Einkauf eurer Julgeschenke nur bei Deutschen. Solche Zeitungen, in denen hasserfüllt gegen Juden gehetzt wurde, lagen in den Kaffeehäusern auf und hingen in Schaukästen. Das ist ja grauenhaft. Ob der junge Hitler, der ja damals in Linz zur Schule ging, von solchen Artikeln beeinflusst wurde? 28. Juli 1914. Kaiser Franz Josef hat Serbien den Krieg erklärt. Die Menschen drängten sich vor den Aushängen der neuesten Zeitungen. Abends zogen viele jubelnd durch die Straßen der Stadt. Hoch Österreich! Hoch der Kaiser! Serbien muss sterben! Ich verstehe das nicht. Warum diese Begeisterung? Für mich ist das so schwer verständlich. Viele junge Männer meldeten sich freiwillig. Das Zeichen, tauglich für den Krieg zu sein, waren sogenannte Rekrutenbuschen, Kunstblumen, die man sich ansteckte. Auch im Linzer Schloss, der damaligen Schlosskaserne, versammelten sich im Zuge der allgemeinen Mobilmachung die Soldaten für die Abfahrt an die Front. Die allgegenwärtige Propaganda verbreitete Siegesmeldungen und beschönigte das Kriegsgeschehen. Doch die Realität sah ganz anders aus. Schon im Herbst 1914 kehrten immer mehr Verwundete von den Kampfgebieten zurück. Da die Spitäler bald überfüllt waren, mussten auch öffentliche Gebäude wie die Römerbergschule oder das Petrinum in Urfa als Unterkünfte für Verletzte dienen. Die Front lag weit weg von Oberösterreich, doch es gab in Linz mehrere Lager für Kriegsgefangene. Vor allem Russen und Serben. Auch die Zivilbevölkerung, die sogenannte Heimatfront, wurde stark eingebunden. Schulkinder sammelten Altmetalle und strickten warme Kleidung für die Soldaten. In vielen Berufsfeldern ersetzten Frauen die Männer, etwa bei der Linzer Straßenbahn als Schaffnerinnen oder Fahrerinnen, aber auch bei der Eisenbahn oder in der Rüstungsindustrie. Und noch dazu mussten sie ihre Familien versorgen. Was für eine Herausforderung! Lebensmittel waren rationiert, sodass man nur begrenzte Mengen an Mehl, Fett, Zucker oder Brot erhielt. Dafür mussten sich die Menschen sehr lange anstellen, oft um zu hören, dass nichts mehr da sei. Im Oktober 1915 brachen in Linz die ersten Hungerunruhen aus. Eine Gruppe von Frauen, angeführt von Marie Beutelmeier, wandte sich an den Bürgermeister und den kaiserlichen Stadthalter mit den Worten Sie wären nicht gekommen, um allerhand zu wünschen, sondern sie würden einfach verlangen, mit ihren Kindern wenigstens ein halbwegs menschenwürdiges Leben führen zu können. Immer mehr Menschen waren auf öffentliche Kriegsküchen angewiesen. Unvorstellbar. Die Linzer Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Hedda Wagner verfasste Antikriegsgedichte, dieses im November 1917. Sternenklare Winternacht, in heilgem Schweigen, wie sanfter Trost quillt es aus deinem Dunkel. Es grüßt hernieder, feierlich und fragend, das weltenferne, goldene Lichtgefunkel. Und was vernehmen deine ewgen Sterne, Wenn sie herniederschauen Zur kranken Erde? Oh, Dass doch endlich, Endlich Friede werde! you you