Klima und Du Die Verantwortung für die globale Erwärmung wird seit Jahrzehnten zwischen Politik, Industrie und Konsumentinnen und Konsumenten hin- und hergeschoben. Was können wir Einzelne wirklich zur Bewältigung der Klimakrise beitragen? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten suchen wir nach Auswegen und Lösungen. Die wöchentliche Informations- und Diskussionssendung der Freien Medien in Oberösterreich. Die nachfolgende Sendung ist mit Unterstützung des Umwelt- und Klimaresorts des Landes Oberösterreich entstanden. Sehr geehrte zuhörende Menschen im freien Radio Freistaat und Zusehende von DorfTV. Ich darf herzlich begrüßen zu einer weiteren Ausgabe der Sendereihe Klima und Du. Grüßen zu einer weiteren Ausgabe der Sendereihe Klima und Du. Dieses Mal geht es um das Thema Atomenergie, Atommüllendlager und einem geplanten, unter Anführungszeichen, Atomversuchslabor in Temmelin, nur 50 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze entfernt. Dazu darf ich meinen Gesprächsgast Dr. Aaron Frittaler begrüßen. Hallo. Ja, hallo. Und an der Technik sitzt Moritz Wegscheider. Herzlichen Dank für die Unterstützung. Aaron, du bist, ich habe mir deine Biografie ein bisschen angeschaut und werde es kurz mal vorlesen. Du bist Aerosolphysiker, Biolandwirt, betreibst ein Sachverständigungsbüro, Physiker und Meteorologe sowie auch IT-Experte. So ist es, ja. Und dann würde ich nochmal ganz kurz ein bisschen weiter ins Thema einführen. Und zwar im Dezember 2024 hat der tschechische Energiekonzern CES ausgesprochen, ein Umweltprüfungsverfahren für den Bau eines neuen kleinen Atomreaktors, einem sogenannten SMR, in Temmelin gestartet. Es war davor auch schon in Temmelin, ist ein aktueller Atomkraftwerk und es ist nach wie vor in Planung, dass da noch weitere Atomreaktoren gebaut werden. Das ist schon länger im Gange und das sollte auch dann mit SMRs passieren. geplant, Atommüllendlager zu bauen. Und durch das, dass es quasi wieder neu aufgerollt wird, braucht es ein neues Umweltprüfverfahren, ein sogenanntes UVP-Scoping-Verfahren. Über das werden wir Sie dann auch noch im Laufe der Sendung unterhalten. Aber da kommen wir jetzt einmal zu der ersten Frage. Können wir ein bisschen weiter über die SMRs sprechen? Und was ist da der Unterschied zu anderen Reaktoren? über die SMRs sprechen und was ist da der Unterschied zu anderen Reaktoren? Ja, also ein SMR ist ein sogenannter Small Modular Reaktor, also ein kleiner modularer Reaktor. Das ist per Definition von der Internationalen Atomenergiebehörde der IAR, ist das ein Gerät, welches eine elektrische Abgabeleistung von bis zu 300 Millionen Watt, also 300 Megawatt elektrisch leisten kann. Das, was hier entsprechend in Temelin beantragt worden ist, in einem UVP-Scoping-Verfahren einmal vorzuprüfen, im UVP-Scoping-Verfahren einmal vorzuprüfen, ist ein Reaktor, der eine elektrische Abgabeleistung von 500 Megawatt haben soll, elektrisch. Und damit ist es definitionsgemäß nicht einmal ein Small Modular Reaktor. Okay. Wie viel, also das hört sich noch sehr, sehr, sehr viel an. Also das sind 300 Megawatt, hast du gerade vorgesprochen. Kann man das vielleicht ein bisschen, mit wie viel Haushalte kann ich da zum Beispiel versorgen? Oder wie viel Energie ist das? Das ist sehr viel Energie. Ich habe jetzt leider Gottes diese Frage nicht erwartet und daher natürlich auch nicht die Zahlen im Kopf, wie viele Haushalte das sind. Auch nicht die Zahlen im Kopf, wie viele Haushalte das sind, aber es ist eine große Energie. Und du hast es gerade vorher gesagt, eigentlich die Leistung, die in Temmeling geplant ist, entspricht gar nicht mehr einem Small Modular Reactor. Er ist sicher nicht mehr small. Er mag vielleicht modular sein, aber er ist sicher nicht mehr small. Was genau zeichnet denn einen sogenannten SMR aus im Vergleich zu anderen Reaktoren? Oder wie viele Reaktoren gibt es an sich, Atomreaktoren? Ja, also von den Small Modular Reaktoren, also den SMRs, ist bisher noch gar kein Gerät gebaut worden. Und es sind eigentlich bisher nur Geräte, die am Reistisch vorhanden sind, also Konzeptgeräte. Man hat bisher keine Ahnung, wie so ein Gerät performen wird. Man hat keine Idee, wie gut und zuverlässig so ein Gerät funktionieren wird. Es steht aber ein bisschen die Idee hinter den SMR, also gerade auch der Modularisierung, dass man sozusagen Reaktoren von der Stange bauen kann. Während es bisher so ist, dass jeder Reaktor, der gebaut worden ist, ein sehr genau für die Anwendung und für die Situation und für den Ort zugeschneidertes Gerät ist, ist ein Small Modular Reaktor von der Grundidee her eher irgendetwas, was austauschbar sein soll. Genau das ist auch das, was die Betreiber, die da angesucht haben, auch tatsächlich als Projektlösung verkaufen wollen, nämlich vier verschiedene Reaktoren, die sie dann vielleicht einsetzen können, wo sie sich bis heute noch nicht einmal entschieden haben, welcher Reaktor denn nun tatsächlich dort gebaut werden soll. Das zeigt eigentlich, dass man die Idee der Austauschbarkeit hier verfolgt, Das zeigt eigentlich, dass man die Idee der Austauschbarkeit hier verfolgt, aber das ist natürlich von einem Risikostandpunkt her unsinnig. Also wenn es quasi diese SMRs noch gar nicht wirklich gibt, sondern die einfach mal technisch oder einfach mal sozusagen gedanklich existieren. Welche Sicherheitsrisiken gehen da eigentlich mit her, mit so einem Gerät oder mit so einem Reaktor eigentlich wirklich da zu experimentieren? Was erwarten Sie denn die BefürworterInnen und was sind da die großen Gegenstimmen davon? Und das hört sich für mich extrem willkürlich und sogar ein wenig unverantwortlich an. Also ein Gerät, zu dem es bisher keine Erfahrungen gibt, ist natürlich ein Gerät, wo es eben keine Erfahrungen dazu gibt. Also das ist ja genau der Inhalt. Das heißt, ich kann auch, ich tue mir auch sehr schwer, in ein solches Gerät jetzt zu sagen, was genau spezifisch seine Probleme sind, die es hat, die es entwickeln kann, welche spezifischen Risiken es hat. wollen hier vier verschiedene Modellreaktoren quasi beantragen und einer von denen wird es dann halt werden. Und sie wollen als Projektlösung irgendwie quasi so ein Maximum aller möglichen Ausfallszenarien generieren. Aber das ist Unfug, weil ich habe immer für ein spezifisches Gerät eine spezifische Wahrscheinlichkeit für ein Eintreten von irgendwelchen Ereignissen. Und das ist gerätespezifisch. Und ich kann jetzt nicht hergehen und in dem Reaktor quasi einfach die Komponenten willkürlich tauschen, weil plötzlich ist das ein anderer Reaktor. Also ich halte es für hochgradig problematisch, um es gelindet zu sagen. Hochgradig problematisch, wie eben der Projektwerber in Temmelin hier vorzugehen versucht. Und deswegen habe ich auch konkret gegen dieses Projekt als Privatperson meine Stimme erhoben. Du hast 2015 eben auch ein Schreiben an das Bundesministerium für Umweltschutz eingereicht. Mit der Bitte um Weiterleitung, ja. an das Bundesministerium für Umweltschutz eben auch eingereicht. Mit der Bitte um Weiterleitung, ja. Es hat dann eine Pressekonferenz vor kurzem stattgefunden, eben auch mit Umweltlandesrat von Oberösterreich mit Stefan Keineder, wo das eben dann auch, wo große Sorgen auch ausgesprochen worden sind, wo auch Österreich versucht rechtlich nur Schritte dagegen einzuleiten und wo eben auch auf das UVP-Scoping-Verfahren hingewiesen worden ist. Und wo eben auch auf das UVP-Scoping-Verfahren hingewiesen worden ist. Dieses Umweltprüfungsverfahren hat in Temmelin auch nicht stattfinden können, weil eben diese Reaktoren noch so unerforscht sind. Was genau passiert denn bei so einem UVP-Scoping-Verfahren eigentlich? Also wir müssen vielleicht ein bisschen mehr ausholen zu dem Thema. Verzeihung. Wir haben einerseits das Scoping-Verfahren und wir haben danach angeschlossen in Tschechien das eigentliche Umweltverträglichkeits- Prüfungsverfahren, das UVP-Verfahren. Das Scoping-Verfahren ist eine Vorstufe, die in manchen Ländern Europas üblich ist, zum Beispiel auch Polen, aber nicht in Österreich. In Österreich ist es so, wenn jemand einen Antrag macht, und ich weiß das von meiner beruflichen Tätigkeit, wenn jemand einen Antrag macht, dann ist dieser Antrag als Basis für die Umweltverträglichkeitsprüfung heranzuziehen. Punkt. dieser Antrag als Basis für die Umweltverträglichkeitsprüfung heranzuziehen. Punkt. Ich halte das Verfahren, so wie wir es in Österreich machen, für ein bisschen schwierig, weil es dem Projektwerber die Möglichkeit an die Hand gibt, eine Gestaltung vorzunehmen von dem Projekt, ohne dass sich jemand noch einmischen kann in die Gestaltung. Und das ist das Schöne an einem Scoping-Verfahren, so wie es eben auch in Tschechien originalerweise stattfindet jetzt, ist, dass ich mich am Anfang einmal einbringen kann und sagen kann, hey Leute, da müsst ihr hinschauen und dort müsst ihr hinschauen und das ist ein Problem und dieses ist ein Problem. Und sie darauf aufmerksam machen, Leute, so könnt ihr das nicht abwickeln, weil das gibt ein Problem nachher in der Bewertung vom UVP-Verfahren. Und vielleicht könnt ihr auch welche Alternativen prüfen. UVP-Verfahren haben, ist, dass wenn sozusagen der Antrag gestellt ist, dann macht er halt irgendeine Alternativenprüfung und niemand kann sich mehr dazu äußern, welche Alternativen geprüft worden sind. Und das ist natürlich ein bisschen willkürlich und diese Willkürlichkeit nützen Antragsteller in Österreich auch und das ist in Tschechien mit dem Scoping-Verfahren etwas besser gelöst, weil hier kannst du ihnen vorab sagen, schaut euch das bitte genauer an. Und was sind jetzt dann eigentlich genau sozusagen die Probleme gewesen an dem Scoping-Verfahren, was dann in Temmelin gemacht worden ist? Naja, also die haben einen Antrag eingereicht. Ich habe einen Aspekt mit diesen vier Reaktoren schon benannt. eingereicht. Ich habe einen Aspekt mit diesen vier Reaktoren schon benannt. Sie haben ein Projekt eingereicht mit einer unzureichenden Information, wo man ihnen halt einfach auch dazu sagen hat, müssen Leute, hier fehlt ganz viel. Schon für das Scoping-Verfahren und daher habe ich ihnen doch auch durchaus einiges ins Stammbuch hineingeschrieben, in der Hoffnung, dass das vielleicht aufgegriffen wird. Und jetzt ist mir noch eine Frage zu den SMRs an sich eingefallen. Die existieren ja schon länger, das ist jetzt kein... Am Konzept, ja. Okay, am Konzept. Es gibt aber schon Reaktoren, die benutzt werden. Kleinere Reaktoren, zum Beispiel eben auch auf amerikanischen Schiffen oder in U-Booten. Auch in russischen Schiffen. Auch in russischen Schiffen, genau. Zum Beispiel eben auch bei Eisbrechern wird diese Energie genutzt. Atomeisbrecher, Atom-U-Boote, Kampf-U-Boote, die haben alle einen kleinen Reaktor an Bord. Die funktionieren und sind ohne großes Sicherheitsbedenken. Oder gibt es da auch, also mir ist jetzt nicht in Erinnerung, dass zum Beispiel das eine oder andere U-Boot zum Beispiel einmal untergegangen ist aufgrund von einer kleinen Kernschmerzen. Wer glaubt, dass wir aus der militärischen Schiene und der Geheimhaltung irgendetwas erfahren werden, wenn es nicht so unumstößlich ist, dass die Öffentlichkeit es erfahren muss? Täuscht sich. Also ich glaube, dass da genug passiert. Ich bin überzeugt davon, dass da genug passiert und man stelle sich nur einfach einmal vor, ein solches Atomobot wird abgeschossen in einer kriegerischen Handlung. Frage beantwortet. Gut. Österreich hat an sich ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, was eben auch die anti-atompolitische Haltung eingeht. Wir sind umgeben von Ländern, die eben anders denken. Energie als grün bewertet und jetzt passiert sozusagen ein, unter Anführungszeichen, so wie eben Umweltdienstrat von der Österreich-Stefan-Kenneders auch benannt hat, ein Atomversuchslabor direkt an der österreichischen Grenze. Gibt es eine Möglichkeit, ich meine es werden auch teilweise rechtliche Schritte eingeleitet gegenüber Tschechien und Temmelin, aber gibt es grundsätzlich eine Möglichkeit, wie sich Österreich da schützen kann oder ist zum Beispiel auch die atompolitische Haltung von Österreich unumstritten? Schwindel ist, aber wir haben in Österreich definitiv eine gute und meines Erachtens gesunde Haltung zu einem Risiko. Österreich hat das seinerzeit mit der Abwahl von Zwentendorf bewiesen und ja, letztlich haben Tschernobyl, das 1986, also das ist fast 40 Jahre her, ist für unseren Kontinent sehr eindeutig und sehr deutlich bewiesen, was es bedeutet, wenn so ein Reaktor un die dort waren, nicht mehr gekühlt werden können, weil zum Beispiel eben diese Tsunamiwelle die Dieselgeneratoren behindert hat, dass die einen Notstrom liefern, damit der Reaktor nachgekühlt werden kann. Das ist nicht so wie bei einer Glühlampe, dass man sich vorstellen kann und jetzt zack, schalte ich das Ding aus, sondern das Ding ist heiß. Und da drinnen laufen Reaktionen ab und die brauchen eine Weile um abzuklingen. Und genau diese Nachwärme muss weggekühlt werden, wann der Reaktor stillgelegt werden soll. Und genau das ist das Problem gewesen, warum dann eben entsprechend es zu einer Kettenreaktion in Fukushima Daiichi gekommen ist, weil eben diese Nachwärme dann in Verbindung mit Wasser und in Verbindung mit dem Mantelmaterial Zirkon Knallgas produziert hat, also eine Mischung Wasserstoff und Sauerstoff, weil das Zirkon als Katalysator das Wasser zerlegt hat und der Hitzeeinwirkung und damit hat eine kleinste Situation genügt, um halt eben diese Reaktoren zum Explodieren zu bringen und das war halt dann die traurige Folge von Fukushima. Und wenn wir uns überlegen, wie viel Energie es bedeutet hat, Tschernobyl in irgendeiner Form die Schäden davon zu beheben und wie viel Energie es bedeutet hat für die Japaner, die haben ja den Boden abgetragen rund um Fukushima, abgetragen, rund um Fukushima, das durchzuführen, dann frage ich mich angesichts von den paar Jahren Betrieb, paar Jahren ist natürlich schon ein paar Jahrzehnte Betrieb von Atomreaktoren, mit derartigen Unfällen, da frage ich mich dann nachträglich schon, ob das energetisch effizient ist. Die einige Jahre, die jetzt gerade angesprochen werden, das sind wirklich nicht wenige. Im Zuge von meiner Recherche ist es da um Lagerungen, also es gibt so mehrere Zwischenstationen und Zwischenlager, wo dann die Brennstäbe immer unterschiedlich abgekühlt werden. Von einem Zeitraum von den ersten circa sechs bis sieben Jahren, dann weiter bis zu 30 Jahre. Raum von den ersten circa sechs bis sieben Jahre, dann weiter bis zu 30 Jahre und im Endeffekt so ein Brennstoff beziehungsweise eben auch radioaktiver Müll, der eben dann dementsprechend aus den Kraftwerken entsteht, der muss eigentlich gelagert werden mit bis zu einer Million Jahre. Das kann man sich eigentlich fast nicht vorstellen. Ich habe aber eben auch auf der anderen Seite gehört, das sind auch wieder diese einigen Jahre, das kann man sich eigentlich fast nicht vorstellen. Ich habe aber eben auch auf der anderen Seite gehört, das sind auch wieder diese einigen Jahre, bis zu 200.000 Jahre, da vielleicht kann man das auch noch ein bisschen klarer formulieren, wann ist denn eigentlich so ein radioaktiver Abfall nicht mehr für Menschen gefährlich? Das kommt auf den radioaktiven Abfall drauf an und das kommt auch darauf an, was bei welchem Vorgang wie entsteht. Der radioaktive Zerfall als solches, so wie er in den Kernkraftwerken heute genützt wird, ist ein Zerfall, der mit statistischen Wahrscheinlichkeiten verschiedene Atome, radioaktive Atome, produziert. radioaktive Atome produziert. Und die haben dann je nachdem, was für Material daraus entstanden ist, auch verschiedene Dauern, um abzuklingen. Man nennt das die sogenannte Halbwertszeit. Die Halbwertszeit ist jene Zeit, in der die Aktivität auf die Hälfte von ihrem ursprünglichen Wert abgesunken ist. Also sprich, wenn ich eine Substanz habe, die in ihrer Menge und Masse, sagen wir mal, 1000 Zerfälle pro Sekunde heute liefert, das sind 1000 Becquerel, dann wäre das sozusagen in der Halbwertszeit, wären es dann nachher nur noch 500 in der Sekunde. Okay, und weil wir eben dann auch, ich denke mal so, bei einem Atomkraftwerk muss man auch, und gerade wenn ein neues Projekt eben angedacht wird, wie zum Beispiel auch in Temmelin, dann muss man diesen Atommüll auch mit bedenken und wie man diese Brennstäbe, nachdem sie eben verbraucht worden sind, dann später auch lagert oder eben dann so weit sicher gestaltet, dass sie nicht mehr gefährlich sind für Menschen oder halt einfach wirklich so weit, was eigentlich meiner Meinung nach fast unmöglich ist, wenn wir halt wirklich von diesen einen Millionen Jahren sprechen. Wird das überhaupt mitgedacht in Temmelin? Darf ich vielleicht dazu noch ein Beispiel bringen? Gerne, ja. Den Homo sapiens, die ersten Funde, gehen 300.000 Jahre zurück. Und jetzt reden wir hier von einer Zeit von bis zu einer Million Jahre, bis das Ding nicht mehr gefährlich ist. Bitte, wie wollen wir über die Zeit die Kommunikation überhaupt aufrechterhalten, dass da etwas Gefährliches irgendwo in der Erde schlummert? Ich halte das schon alleine für hochproblematisch. Weil wer ist in der Lage, dieses Radioaktivitätssymbol zum Beispiel in einer Million Jahre auch noch zu interpretieren? Die genaue Definition zu dem Thema ist die Atomsemiotik. Da habe ich mich dann dazu auch schon ein bisschen weiter auseinandergesetzt. Extrem interessant, extrem spannend, aber es bildet sich dann immer wieder am Ende von dem Ganzen, wenn man eben daran denkt, dass das so eine lange Zeit spannende Knoten im Hirn sind. Ja, es ist technisch nicht auflösbar. Vielleicht wird man mal in der Lage sein, in irgendeiner Form diesen Müll unschädlich zu machen. Das können wir nicht wissen. Das sind heute unbekannte physikalische Techniken. Teilweise, man versucht es teilweise mit gewissen Methoden, den radioaktiven Müll unschädlicher zu machen. Aber auch das sind Sachen, die natürlich auch davon abhängen, was für ein Atommüll konkret jetzt in welcher Zusammensetzung auch tatsächlich vorliegt. Und was wir sicher nicht schaffen werden, ist zum Beispiel die Giftigkeit von Plutonium zu beseitigen, denn Plutonium als Substanz, selbst wenn sie nicht radioaktiv ist, ist giftig. Die Ukraine, also das ist ein ganz aktuelles Beispiel, eben im Rahmen vom Ukraine-Krieg zeigt dort eigentlich, wie unsicher Atomenergie eigentlich ist und wie angreifbar bei krisenpolitischen Situationen. nochmal angesprochen worden ist, also diese Sorge schwingt auch mit. Inwieweit ist eigentlich dann Atomenergie sicher, auch zum Beispiel innerhalb von der EU, wenn an den Grenzen Kriege geführt werden, jetzt auch nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Nahen Osten, was den Iran betrifft? Also wir müssen uns einmal simpel vorstellen, dieser Small Modular Reaktor, der da jetzt beantragt worden ist, ist geplant für eine Laufzeit von 60 bis 80 Jahren. Wissen wir, ob die Europäische Union in 20, 30, 40 oder 50 Jahren überhaupt noch existiert? Ob dieses an sich großartige Friedensprojekt dann noch lebt? Wissen wir, ob inzwischen der Putin nicht irgendwo einmarschiert ist? Nein, wir wissen es eben genau nicht. Und daher dürfen wir uns auch darauf nicht verlassen. Und daher ist es technisch definitiv ein Problem, wenn ein Krieg vorliegt, weil ein Krieg kann immer dazu führen, selbst wenn es nicht gewollt ist von den Seiten her, dazu führen, dass ein Reaktor getroffen wird. Und weil du den Iran angesprochen hast, nehme ich jetzt Bezug auf diesen zwölf Tage andauernden Krieg zwischen Israel und Iran, wo Israel sich um sein Atomkraftwerk in Dimona gefürchtet hat, dass irrtümlich vielleicht dort auch eine Rakete vom Iran hineinfliegt. Denen war durchaus bewusst, dass hier großer Schaden passieren kann. denen war durchaus bewusst, dass hier großer Schaden passieren kann. Und ich denke, dass das auch im Zusammenhang mit Zaporizia, um jetzt wieder auf die Ukraine zurückzukehren, ich denke, dass das ganzzustellen, weil es so hübsch ist und schön ist und weil ich jetzt dort ein bisschen Energie brauche und dort ein bisschen Energie brauche, weil ich vielleicht dort ein Rechenzentrum betreiben möchte oder dort irgendetwas anderes betreiben möchte und es geschickt ist, wenn ich die Energie gerade dort jeweils vor Ort habe, dann habe ich aber das prinzipielle Problem, dass keiner mehr überblickt, wo kann ich denn hinschießen, wenn es geschossen wird. Und dann wird es auch mit Sicherheit passieren. Die Wahrscheinlichkeit dazu steigt einfach. In Oberösterreich eben auch, weil bei uns sozusagen auch das Anti-Atom-Komitee sitzt, herrscht ein großes Bewusstsein gegenüber Atomenergie. Gott sei Dank. Und welche Risiken es auch dazu gibt. Aber wie ist das, wie wird zum Beispiel auch, da würde mich interessieren, vielleicht weißt du das auch, die Bevölkerung rund um Tschechien oder rund um Tämmerlin auch darüber informiert, was da eigentlich gerade abgeht und wie ist da die Haltung zum Beispiel auch in Tschechien gegenüber dieser Energie? Also es ist leider für uns so, dass viele Länder eine sehr positive Grundeinstellung zur Atomenergie haben. Ich kenne einige Leute, die würden mit mir bis aufs Messer hinaus streiten, um es einmal so zu formulieren, dass das gescheit ist, Atomkraft zu haben und dass das sicher ist und und und. Ich sage dazu, der größte Fehler beim Atomkraftwerk ist der Faktor Mensch. Er ist das eigentliche Risiko. Weil entweder hat er was nicht gescheit geplant, siehe Fukushima, oder aber er hat sich dumm gespielt, siehe Tschernobyl, oder aber er spielt sich dumm, siehe Saporischer, was hoffentlich nie passiert und, und, und. Also der größte Faktor zur Störung eines Atomkraftwerks ist leider Gottes der Mensch selbst. Und daher sollten wir uns selbst an der Nase nehmen und nicht sagen, ja, die Technik ist sicher. Nein, wir sind unsicher. Wir Menschen sind für den Betrieb eines Reaktors die größte Gefahr. Und eine Sache, die zum Beispiel auch in dieses Scoping-Verfahren sehr intensiv hineingebracht hat, du hast am Anfang schon gesagt, ich bin IT-Sachverständiger. Meine große Leidenschaft im Bereich der IT ist die Computersicherheit. Und da habe ich sehr genau gesagt, worauf zu achten ist und vor allen Dingen, auf was zu achten ist. Und wir haben gerade, wenn ich wieder 60 bis 80 Jahre Laufzeit nehme, wo waren wir EDV-technisch vor 60 bis 80 Jahren? In den Kinderschuhen. Da gab es kein Internet. Da gab es fast gar nichts. Und genauso wird das in 60 bis 80 Jahren sein. Und wir stehen jetzt an dem Punkt, wo Quantencomputer aufkommen. Und Quantencomputer werden sehr schnell in der Lage sein, wenn sie größer werden und stärker werden, sehr schnell in der Lage sein, zum Beispiel Kryptografie zu brechen. Dann gibt es keinen geheimen verschlüsselten Verkehr mehr. Man versucht das zu kompensieren, indem man geeignete Protokolle entwickelt, Computerprotokolle entwickelt, die das eben verhindern und und und. Aber es ist immer ein Wettlauf. Und es ist immer ein Wettlauf auch hier mit den Hackern. Und wenn eine Organisation, wenn ein Staat, so wie es in der Ukraine und in Russland passiert ist, aufeinander losgeht, dann habe ich nicht nur den Krieg, den ich sehe, sondern ich habe auch einen hybriden Krieg, der dahinter steht. Und der hybride Krieg, der dahinter steht, kann die Infrastruktur treffen. So war es zum Beispiel, ich habe das aus einem Artikel heraus von einem ungarischen Kollegen gelesen, sehr eindrucksvoll beschrieben, was Russland und der Ukraine sich im Vorfeld rund um den Beginn des Krieges infrastrukturmäßig in der EDV angetan haben. Und nur ein Beispiel zu nennen, die Russen haben es geschafft, bei einem großen Telekom-Provider in der Ukraine praktisch alle Kundendaten verschwinden zu lassen und niemand mehr konnte ein Handy verwenden. Wenn ich jetzt notfallsmäßig einen Mitarbeiter rufen muss, weil vielleicht das Atomkraftwerk ein Problem hat, kann daraus ein Problem entstehen. Kann ich das aber dann auch noch so zusammenfassen, weil dieser Gedanke schwebt immer noch im Kopf mit, kann eines Tages Atomenergie sicher sein oder scheitert es immer am Faktor Mensch? Kann sogar außerdem Atomenergie funktionieren, ohne dass der Mensch da überhaupt was damit zu tun hat, sondern kann es nur rein von Robotern, von Technik und von Computern gesteuert werden? Also Atomkraft funktioniert, wir brauchen nur in die Sonne schauen, nur ist es dort keine Kernspaltung, sondern eine Kernfusion. Sie funktioniert ohne unser Zutun, weil es uns Menschen nicht gegeben hat, als die Sonne entstanden ist und uns Menschen wird es nicht mehr geben, wenn es die Sonne noch immer gibt. Allerdings werden sich die Prozesse in der Sonne ändern. Und die Erde unbewohnbar machen. Das Problem ist der Mensch. Und ich glaube, der Mensch ist das größte Risiko für die Atomkraft. Der Mensch selbst ist das größte Risiko für sein eigenes Bestehen. Beim Scoping-Verfahren habe ich dann auch noch gelesen, dass, wie du auch vorher gesagt hast, es werden auch Alternativen geprüft. Also wirklich unabhängig von Atomenergie gibt es auch noch eine andere Art von erneuerbarer Energie, die in Frage kommt. Die Frage möchte ich gerne noch an dich weiterstellen. Gibt es sie? Weil eben, es ist zwar, glaube ich, die effizienteste und die ökologischste Art, Energie zu gewinnen, aber eben auch die riskanteste und die gefährlichste. Also ich glaube nicht, dass Atomkraft ökologisch ist, weil wenn man auf das Zeug so aufpassen muss, wie man aufpassen muss, frage ich mich, ob das ökologisch ist. Wer weiß, was da in 500.000 Jahren in einem Berg passiert, wo das Ding quasi verschüttet worden ist. Das wissen wir nicht. Das zweite ist, wir Menschen sind das Problem. Und wir Menschen müssen uns selbst bei der Nase nehmen. Und so wir nicht aufhören, Kriege zu führen, ist sowieso die Frage einer energetischen Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Weil wie viel Energie kostet ein Krieg? Mal ganz abgesehen vom menschlichen Leid. Okay. Das war meine letzte Frage. Dann sage ich vielen herzlichen Dank an dich, Aaron, dass du bei mir zu Gast im Studio warst und dass man Sie kurz über die SMRs, die Small Modular Reactors, und dem Projekt in Temmelin unterhalten haben dürfen. Und ich sage auch an die Technik, Marit Zweigscheider, vielen herzlichen Dank für die Unterstützung. Und auch an die zusehenden Menschen von DorfTV, vielen herzlichen Dank fürs Zuschauen und an die zuhörenden Menschen vielen herzlichen Dank fürs Einschalten. Das war eine weitere Ausgabe der Sendereihe Klima und Du. Mein Name ist Marie-Therese Jahn und vielen herzlichen Dank für den Besuch, für die Unterstützung, fürs Zuhören und Zusehen. Auf Wiederhören. Die Sendung Klima und Du ist mit Unterstützung des Umwelt- und Klimaresorts des Landes Oberösterreich entstanden. Klima und Du Die Verantwortung für die globale Erwärmung wird seit Jahrzehnten zwischen Politik, Industrie und Konsumentinnen und Konsumenten hin und her geschoben. Was können wir Einzelne wirklich zur Bewältigung der Klimakrise beitragen? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten suchen wir nach Auswegen und Lösungen. Die wöchentliche Informations- und Diskussionssendung der Freien Medien in Oberösterreich.