Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren im Stifterhaus. Mein Name ist Stefan Kögelberger. Es freut mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Anfang letzten Jahres hatten wir hier im Stifterhaus die Absicht gefasst, eine neue Art literarisches Gesprächsformat für das Programm zu entwickeln. Als möglicher moderator schwebte mir persönlich stefan kutzenberger vor weil ich ihm nicht unterstellen möchte dass das stifterhaus verwanzt hat muss es sich wohl um eine art quantenfeld theoretische verschränkung gehandelt haben jedenfalls hat er sich bei mir dann im frühjahr 2024 gemeldet mit der idee für eine veranstaltung unter dem Titel Lesung aus keinem Buch. Weißt du noch? Lesung aus keinem Buch. Aus heftigen Hin- und Hergeschreibe wurde letztlich das, was uns heute erwartet, ein Gesprächsformat, das Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben soll, über etwas zu sprechen, das ihnen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit wichtig scheint. Stefan Kutzenberger hat mit nahezu grenzenloser Bescheidenheit im Ankündigungstext verlautbaren lassen, Zitat, mit Beispielen aus den Werken der Eingeladenen und der gesamten Weltliteratur entspinnt sich eine lebendige und unterhaltsame Debatte. Zitat Ende. Als ersten Gast für diese Reihe, die unter dem Titel »Reden wir über« steht, konnten wir Theresa Präauer gewinnen, die ich herzlich begrüßen darf. Danke fürs Kommen, Theresa. Theresa Präauer wurde in Linz geboren. Sie blieb leider nicht sonderlich lange hier. Bereits damals zeigte sich also schon ein recht untriebiger Charakter. Sie ist in Graz und St. Johann in Pongau aufgewachsen, studierte Germanistik in Salzburg und Berlin und Malerei am Mozarteum in Salzburg und der Akademie der Bildenden Künste Wien. Salzburg und der Akademie der Bildenden Künste Wien. Bereits ihr Debütroman für den Herrscher aus Übersee, erschienen 2012, wurde sie mit dem Aspekteliteraturpreis ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche weitere Preise, Nominierungen, Stipendien. Für ihr jüngstes Buch, Kochen im falschen Jahrhundert, das 2023 erschienen ist und auch am Büchertisch aufliegt, erhielt sie den Bremer Literaturpreis. Es gäbe wahrlich noch vieles über Theresa Breau zu sagen, zu ihrer Arbeit als Illustratorin, als bildende Künstlerin, über ihre Poetikdozenturen in den USA und Deutschland, aber ich denke, das ist nicht meine Aufgabe heute, sondern obliegt unserem Moderator. Ich habe ihn namentlich bereits genannt, möchte ihm aber nicht seinen Willkommensapplaus stehlen. Schön, dass wir dich gewinnen konnten. Herzlich willkommen, Stefan Kutzenberger. Danke fürs Kommen. Stefan Kutzenberger wurde ebenso wie Theresa Preau in Linz geboren, er hielt es etwas länger hier aus und begann nach dem Schulabschluss sogar in Linz zu studieren, Gitarre und Fagott an der Bruckner Uni sowie Sozialwirtschaft an der Kepler Universität. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, mag er sich vielleicht gedacht haben und verlagerte, als ihm die Zeit reif dafür schien, sowohl Lebensmittelpunkt als auch Arbeitsschwerpunkte nach Wien. Fortan lautete seine Berufsbezeichnung Student der vergleichenden Literaturwissenschaft und des Spanischen. Als Autor ist Stefan Kutzenberger mit seiner Romantrilogie über die literarische Figur Stefan Kutzenberger in Erscheinung getreten. Im finalen Band, der 2022 erschienen ist und den Titel Kilometer Null trägt, wurde der literarische Stefan Kutzenberger, viele werden es vielleicht wissen, leider auf Seite 1 erschossen. Eine Fortsetzung ist somit eher nicht zu erwarten. Wie dem auch sei, unsere heutigen Gäste haben sicher Talent oder sie sind einfach wirklich arbeitswütig. Wir werden sehen. Ich übergebe das Wort an Stephan Kutzenberger. Vielen Dank. Vielen, vielen Dank, Stephan, für die schönen, einführenden Worte. Ja, wir haben Premiere von dem neuen Gesprächsformat hier im Stifterhaus. Sprechen wir über, nein, reden wir über heißt es. Reden wir über und dann kommen drei Punkte. Ursprünglich habe ich gedacht, nennen wir das Reden wir über Geld. Weil wenn man sich als Schriftstellerinnen und Schriftsteller privat trifft, redet man selten über Literatur und meistens über Geld. Was den Witz bewahrheitet, er sagt, treffen sich Bankdirektoren, reden sie über Kunst, treffen sich Künstler, reden sie über Geld. Und darum war meine Idee, dass wir einfach ein privates Gespräch zwischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern auf die Bühne holen, um zu zeigen, wie das so hinter den Kulissen abläuft. Wir haben aber den ganz großen Vorteil gehabt, die große Idee auch von Stefan, dass wir Theresa Prehauer als erste Gästin einladen. Theresa Brehauer als erste Gästin einladen und die hat gleich das Konzept einmal verbessert, dran geschliffen und hat gesagt, es wäre doch spannender, wenn wir mehrere Themen haben oder vielleicht überhaupt, dass sich der Gast das Thema aussuchen kann. Und das ist natürlich eine sehr kluge Idee gewesen und so machen wir das ab jetzt. Also reden wir über Drrrr und heute Talent. Ja, dass wir Theresa hier haben, ist natürlich eine große Freude, weil erstens ist sie die erste Schriftstellerin, die ich jemals kennengelernt habe. Ich habe mir Zeiten meines Lebens eigentlich als Schriftsteller gesehen, aber erst mit 45 Jahren dann meinen ersten Roman veröffentlicht. Und bis dorthin habe ich nur für die Schublade geschrieben, weil ich gewusst habe, wenn man einen Roman unverlangt zu einem Verlag schickt, wird der nicht gelesen, aber man hat wenig Chancen. Teresa hat es trotzdem geschafft. Sie hat sich einfach unverlangt wo gemeldet und ist sofort genommen worden, was schon auch ein Qualitätszeichen ist. Glück glaube ich auch, dass es wirklich so ernst genommen worden ist, aber es ist schon von Anfang an ein Zeichen, dass wir es hier mit einer sehr ernsthaften Schriftstellerin zu tun haben. Sie ist aber die erste, die ich kennengelernt habe, privat auf einem Geburtstagsfest und sie ist mir vorgestellt worden, Teresa veröffentlicht jetzt einen Roman. Und ich war so eingeschüchtert, dass ich kein Wort zu ihr gesagt habe. Sechs Jahre später habe dann ich meinen ersten Roman veröffentlicht. Und plötzlich war es nicht mehr so besonders, mit einer Schriftstellerin zu reden. Und nach und nach bin ich drauf gekommen, das sind ja eigentlich auch normale Menschen. Und da es normale Menschen sind, kann man mit ihnen auch ganz normal reden und ich freue mich sehr auf das heutige Gespräch. Theresa, reden wir über Talent. Genau, Talent. Warum hast du dieses Thema gewählt? Schönen Abend auch von meiner Seite. Danke für die Einladung. Ich liebe ja so Gesprächsformate, auch als Publikum. Ich höre dem gern zu. Manchmal ist es auch schade, so wie in Amerika, dass das Q&A, die Frage- und Antwortspiele, so überhand nimmt und es gar keine Lesung mehr gibt. Deswegen haben wir gesagt, es gibt auch einen ganz kurzen Leseteil heute Abend. Das Talent habe ich mir deswegen ausgesucht als Begriff, weil es einerseits ja dem Geld so nahe ist, also so von der Wortherkunft. Du wirst wahrscheinlich auch zum Talent im Altbabylonischen etwas sagen können, lieber Stefan. Und weil es auch so ein Wort ist, das schwierig ist. Also ich habe da so eine nicht ganz angenehme Beziehung zu diesem Wort. Es ist vielleicht ein bisschen auch wie das Wort Kreativität. Das trifft schon zu, man schafft und schöpft etwas, kreare. Aber es ist auch irgendwie unangenehm, weil das Wort so in komischen Zusammenhängen auftaucht und ich finde bei Talent ist das ähnlich. Das ist so ein angenehm, unangenehmes Wort und doch ist man damit sehr konfrontiert, wenn man so anfängt, diesen Berufsweg zu gehen oder vielleicht schon im Studium, vielleicht schon in der Schule und ich habe ja einen Roman geschrieben, der heißt Johnny und Jean, der ist vor über zehn Jahren erschienen und da geht es auch darum, dass man irgendwie in seiner Schulklasse so vielleicht die Begabteste oder Zeichnerin oder der begabteste Zeichner ist, dann kommt man auf die Uni, macht diese Aufnahmeprüfung und sieht, dass man so einer oder eine von vielen ist und das ist dann irgendwie so diese erste große Enttäuschung, die damit einhergeht und so geht es irgendwie auch das ganze Leben, dass man immer wieder in so neue Zusammenhänge geworfen wird, wo man auch merkt, dass Talent allein nicht reicht. Und Talent braucht wahrscheinlich Übung und Lehre. und was ich noch dazu sagen möchte, ist, dass, ich habe mal so diesen Satz gelesen, das Talent würde auch die Pflicht, ich muss da mal mein Mikro ein bisschen vielleicht verschieben, das Talent würde auch die Pflicht mit sich bringen, mit diesem Talent umzugehen, wenn man denn von sich meint oder andere es einem zuschreiben, also wenn man meint, es zu haben, dieses Talent. Und das würde mich eben interessieren, was bedeutet es, diese Pflicht damit umzugehen, weil ich denke, dass man bei diesem Beruf Schriftstellerin oder auch in der Bildenden Kunst sich oft so fragt, ist es gewollt, ist es erwünscht, ist es sinnvoll, ist es erfolgreich? Und dann diese Antwort zu geben, es ist vielleicht das Talent, das mir die Pflicht aufoktroyiert, damit umzugehen. Das wäre sozusagen die Frage, die ich an dieses Wort stelle. Ja, dann werden wir heute die Antwort finden, würde ich sagen, auf diese große Frage. Das Thema finde ich wirklich ganz wunderbar und jeden, der mir gesagt hat, wir reden heute über Talent, hat sofort eine Meinung dazu gehabt. Also es betrifft uns ja in vielen Bereichen. Jeder ist irgendwo talentiert oder auch nicht. Und ob es Talent überhaupt gibt, wir werden es sehen. Ich würde sagen, beginnen wir ganz vorne, du hast Babylon schon angesprochen, beginnen wir mit der Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus. Dazu muss man aufstehen. Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus, Matthäus 25, das Gleichnis von den anvertrauten Talenten Silbergeld. Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte, hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte, Herr, fünf Talente hast du mir gegeben, sieh her, ich habe noch fünf dazu gewonnen. Sein Herr sagte zu ihm, sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn. Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte und sagte, Herr, du hast mir zwei Talente gegeben, sieh her, ich habe noch zwei dazu gewonnen. Sein Herr sagte zu ihm, sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herren. Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte und sagte, Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, du sammelst, wo du nicht ausgestreut hast. Weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine. Sein Herr antwortete und sprach zu ihm, du bist ein schlechter und fauler Diener. Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückgehalten. Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis. Dort wird heulen und Zähne knirschen sein. Lesung aus dem Evangelium. Ja, starke Aussage hier in der Bibel. Denn wer hat, dem die wird gegeben und er wird Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. Das klingt wie ein politischer Kommentar zur Gegenwart. Ist aber als Matthäuseffekt bekannt. Der Matthäuseffekt ist in den 60er Jahren dann in der Sozialwissenschaft entwickelt worden und besagt eben, dass das nicht mehr für Geld gilt, sondern auch für andere Phänomene, also nicht mehr für Reichtum, sondern auch für Erfolg, Anerkennung, Preise. Das heißt, ist man einmal erfolgreich, wird man automatisch erfolgreicher. Hat man einen Preis, bekommt man einen zweiten Preis, weil eben dem, wer hat, dem wird gegeben. Es ist also etwas Kapitalistisches hier, dass mit den Talenten, nachdem eben Talent tatsächlich eine Währung war in der damaligen Zeit, wir wollen aber die Talente nun nicht als Geld, sondern metaphorisch sehen. Das Gleichnis wird normalerweise aus Aufforderung gelesen, die von Gott gegebenen Fähigkeiten und Gaben zu nutzen. Wer seine Talente einsetzt, der wird belohnt. Das heißt, Talente, die man bekommen hat, die man in die Wiege gelegt bekommen hat, soll man nicht verkümmern lassen. Kennt man aber seine Talente? Das ist die Frage. Ich bin erst letzten Sommer draufgekommen, dass ich ein unglaubliches Talent zum Kirschkern-Weitspucken hatte. 52 Jahre meines Lebens habe ich nicht gewusst, dass ich absolut und nicht nur ein bisschen, wir haben ein großes Fest gehabt mit über 50 Leuten und dann einen Kirschkern Weitspucken veranstaltet und ich war bei Weitem der Allerbeste. Also das ist offensichtlich ein großes Talent, das ich aber verkümmern habe lassen und ich hoffe, der Herrgott ist mir nicht zu kramen. Andererseits ist die Frage, ob die Talente, die ich glaube, anders zu haben, vielleicht gar keine sind und nur so weiter betrieben werden, indem man es eben gern macht, dass man Sachen gern macht. Das ist eben die große Frage auch. Ist man gut in den Sachen, die man gerne tut? Oder tut man die Sachen gerne, in denen man gut ist? Ich glaube, das ist so ein bisschen auch die Grundfrage, wenn es um Talente geht. Heute soll es vor allem um literarisches Talent gehen. Wir sind ja schließlich in einem Literaturhaus. Was ist also das? Was ist literarisches Talent? Gibt es das überhaupt? Ist es die Fähigkeit, eine Geschichte zu erzählen? Ist es die Fähigkeit, mit Sprache zu jonglieren? Die Frage nach dem literarischen Talent ist im Endeffekt auch eine Frage, was ist Literatur? Also eine der ganz großen Fragen, die wir heute nicht klären können, weil sie nicht zu klären ist. Diese Definitionsvorschläge sind mannigfaltig und es gibt kein richtig und falsch. Da kann jeder sich selbst natürlich eine eigene Arbeitsdefinition basteln. Was ist Literatur oder auch was ist literarisches Talent? Als Arbeitsdefinition versuche ich es so, dass vielleicht das Wesen vom literarischen Talent, das ist die Fähigkeit im literarischen Schreiben, eine Verbindung zwischen Menschen herzustellen, eine Brücke zu bauen und überliterarische Texte, Gefühle und Ideen zu vermitteln. Um das zu erreichen, reicht natürlich Talent nicht. Das ist wie beim Sport. Wenn man Talent zum Laufen hat, ist man deswegen nicht gleichzeitig einer der besten Läufer. Um dann wirklich gerade im Sport bei der Weltspitze mitspielen zu wollen, und nichts Geringeres haben wir vor in der Literatur, ist hartes Training nötig. Also zu sagen, ich bin ein talentierter Läufer, wird einen überhaupt nirgends hinbringen. Da muss man trainieren, trainieren, trainieren, um dann zu sehen, wie weit einen das Talent trägt. Und sein volles Potenzial entfalten zu können. So schärfen wir also auch unsere Fähigkeiten im Schreiben. zu können. So schärfen wir also auch unsere Fähigkeiten im Schreiben. Wir müssen schreiben, schreiben, schreiben, um dann erst wirklich erkennen zu können, was in uns steckt. Wir arbeiten also an unserem Handwerk, um das Ausmaß unseres Talents zu erkennen. Im Sport ist natürlich der Vorteil, dass man das so klar messen kann. Also man fährt, wenn wir jetzt gerade Skifahrsaison haben, man fährt den Hang runter und dann weiß ich auf die hundertstel Sekunde genau, wie schnell ich war. Und ich weiß sogar genau, bei welchem Tor ich wie viel hundertstel verloren habe. Wir haben es leider nicht so leicht, oder Gott sei Dank. Bei uns ist es von Anfang an sehr vage einzuschätzen, wie ist ein Text zu bewerten? Ist er erst Weltspitze oder doch nur Provinzniveau? Ist er überhaupt literarisch? Wie kann man ihn einstufen? Also das ist bei künstlerischen Errungenschaften immer sehr, sehr schwierig hier das einzuordnen. Aber es dürfte ein Bedürfnis zu sein, es trotzdem immer wieder zu versuchen, ein Ranking der künstlerischen Fähigkeiten zu gestalten. Schon seit dem Mittelalter gibt es Sängerwettstreite, in der Antike gab es auch schon Sängerwettstreite, in denen eben der beste Sänger und in dem Fall auch der Lieddichter gekürt worden ist, also mit einem klaren Ranking. Und dieses klare Ranking ist heutzutage die Longlist und die Shortlist und die zahlreichen Literaturpreise, die es gibt. In dem Moment, in dem man einen Preis bekommt, wird aus dem Talent im Sinne von Fähigkeit und Begabung, aber in dem Moment, wo man einen Preis bekommt, wird aus dem Talent wieder eine Währung. Das ist der Moment, wo dann aus der Begabung das biblische Talent wird, ein Preis Geld. Und diese Umdrehung zwischen Kunst und Kapital ist auch in der Soziologie von Pierre Bourdieu untersucht worden. Und er nennt das die Kunst, aber vor allem die Literatur mit symbolischem Kapital arbeitet. Es ist interessant, dass alle anderen Felder mit Kapital das Ranking bestreiten. Das heißt, wer am meisten verdient, ist auch sozial am meisten angesehen. Der Chirurg, der am meisten verdient, ist anscheinend auch einer der besten Chirurgen. Und das ist in allen Feldern so, laut Pierre Baudieu. Und auch in der Kunst, also auch im Kunstmarkt, bei Bildern ist es auch so. Das teuerste Bild ist anscheinend das beste Bild. In der Literatur aber nicht. da ist die große Ausnahme. Die Bestseller-Autorinnen, die Fantasy-Autorinnen, die Young Adults, die Romans, die jetzt so boomen, die unendlich viele Bücher verkaufen, werden mit Naserümpfen vom literarischen Betrieb betrachtet. Also hier ist diese direkte Einwirkung von viel Geld verdienen und dadurch große Kunst schaffen nicht gegeben. Und laut Pierre Baudet gibt es da den Moment, dass wir, wenn wir Literatur schaffen, symbolisches Kapital anhäufen und nicht echtes Kapital. Und das symbolische Kapital sind eben Preise, literarische Reisen, Schreibwerkstätten, Auftritte in Literaturhäusern, der Verlag, bei dem man schreibt, das symbolische Kapital und so weiter. Aber irgendwann kommt der Tag, wo man das symbolische Kapital dann in echtes Kapital umtauschen kann. Also ganz ähnlich wie beim Talent. Die Frage, die wir uns heute stellen, aber was ist dem Talent? Ist Talent tatsächlich angeboren? Haben die Leute, die hier auf dieser Bühne seit Jahrzehnten auftreten, tatsächlich alle literarisches Talent? Warum nicht? Sonst würden sie es nicht tun. Wenn man hier sitzt, glaubt man, literarisches Talent zu haben. Aber ist es so? Oder ist es doch antrainiert? Ist Talent angeboren? Es hat einen ungarischen Pädagogen und Schachtrainer gegeben, namens Laszlo Polgar, der glaubte, dass Talent nicht angeboren ist. Und er hat ganz bewusst seine Kinder dazu bestimmt, dass sie Schachmeister werden. Und hat schon bevor die Kinder auf der Welt waren, einen Plan erstellt, wie er sie erziehen wird, damit sie Schachmeister werden. Und hat schon bevor die Kinder auf der Welt waren, einen Plan erstellt, wie er sie erziehen wird, damit sie Schachmeister werden. Er hat drei Töchter gehabt, alle sind ähnlich alt wie wir, in den 70er Jahren geboren und alle drei sind Schachweltmeisterinnen geworden. Also erstaunlich, also der hat das wirklich durchgezogen, hat gesagt, Genialität oder Genies werden gemacht, nicht geboren. Wie ist es jetzt mit der Schriftstellerei? Wie ist es da mit angeborenen Begabungen? Das Problem ist ja, dass jeder schreiben kann, also man kann sich da nicht distinguieren, indem man sagt, ich kann schreiben, das können wir alle. Dadurch kann man sich auch leicht überschätzen. Das ist wie beim Tischtennis, jeder kann ein bisschen Tischtennis spielen, aber wenn man das mit dem olympischen Tischtennis vergleicht, sind das zwei Paar Schuhe, das ist einfach ganz was anderes. Trotzdem, als die letzte Olympiade war, hat man Leute auf der Straße interviewt, ob sie glauben, beim olympischen Tischtennisturnier mithalten zu können. Und 60 Prozent der Männer, die Frauen waren da gescheiter, 60 Prozent der Männer haben gesagt, ja, ja, sie glauben, sie haben in der Jugend manchmal gespielt, die können da durchaus mithalten. Also, sie machen erstens einmal geschlechterspezifisch, dass die Männer da wirklich ein Problem haben mit der Selbsteinschätzung, aber auch eigentlich, was für Arroganz das ist. Zu glauben, dass man sich gleichsetzen kann mit jemandem, der das wirklich als Beruf macht und sein ganzes Leben dem widmet. Und das tun wir ja eigentlich. Wir widmen unser Leben dem Schreiben. Ob wir deswegen halt besser schreiben, wie Leute, die ab und zu aus Lust und Tolerei sich hinsetzen und was schreiben, das sei dahingestellt. Werden wir sehen. Thomas Mann sagt, ein Schriftsteller ist ein Mensch, dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten. Das ist doch eine interessante Definition der Schriftstellerei. Stimmt das? Meint er damit, dass Schriftsteller nicht nur schreiben, sondern immer wieder überarbeiten und feilen und polieren, bis der Text dann so funkelt wie die Bücher von Teresa? Ist das das literarische Talent? Nicht, dass man schreibt, sondern dass man überarbeitet. Kann man davon ausgehen, dass alle, die hier im Laufe der Jahre auf der Bühne gelesen haben, überarbeitet haben und dass das den Unterschied ausmacht? So viele Fragen, die wir jetzt im Laufe des Abends versuchen zu beantworten. Ich möchte noch ganz kurz diese Zweideutigkeit, die du angesprochen hast, wenn jetzt jemand sagt, du bist talentiert, dass man das nicht als Kompliment nimmt eigentlich, sondern dass man denkt, naja, wie klingt das denn, wenn man sagt, du bist eine talentierte Schreiberin, klingt falsch irgendwie. Und in Little Women von Louisa May Alcott gibt es ein schönes Zitat, da wird einer Protagonistin gesagt, sie ist talentiert und sie sagt, Talent is not genius. Das heißt, Talent ist nicht Genialität und wir streben nach mehr. Wir wollen nicht talentiert sein, wir wollen genial sein. Genie würden wir also gern genannt werden, aber talentiert lieber nicht. Undisträger zu mir sagt, ich bin talentiert, würde ich sagen, danke. Aber Thomas Bernhard hat mit einem Rundumschlag darauf reagiert. Thomas Bernhard darf man nicht ungestraft talentiert nennen. Er schrieb einen offenen Brief, in dem er Canetti vernichtete und als Totschlagargument wieder das Wort Talent verwendete. Also Canetti hat ihn in einer Rede zu seinem Ehrendoktorat der Universität München, ist auf Bernhard eingekommen, durchaus kritisch und hat ihn talentiert genannt. Und darum geht er jetzt auf den Ehrendoktor ein. Der neue Ehrendoktor Canetti, der Aphorismusagent der Jetztzeit, der also zum Ehrendoktor geboren ist, der vor rund 40 Jahren eine begabte Talentprobe als fantastische Blendung abgelegt hat, ruft sich sozusagen als selbst inszenierte Komödie der Eitelkeit in einem Anfall von akuter, sicher aber doch galoppierender Senilität auch noch zum einzigen Dichter aus. Senilität ist rührend, die Arroganz eines Kreises Spätlingsvaters und skurrilen Torschlussphilosophen, der, wie gesagt, vor 40 Jahren eine begabte Talentprobe abgelegt und in der Zwischenzeit als eine Art Schmalkant und Kleinschoppenhauer durch inkonsequent, konsequent sein Niveau verloren und in der Universität München in tatsächlich dummen Sätzen schamlos auch seinen Kopf auf nichts gestutzt hat, ist peinlich oder auch nur grotesk. Also er vernichtet hier die Blendung der Roman, für den Canetti eben den Nobelpreis bekommen hat, als Talentprobe und beweist hiermit, dass das Talent ein zweischneidiges Schwert ist. Denn das Talent muss erst einmal eingelöst werden. Talent ist etwas Unfertiges, eine uneingelöste Beigabe, das uneingelöste Potenzial zum Genie. Wer talentiert ist, ist noch Amateur. Löst man es ein, wird man entweder Genie oder Profi. Aber genial ist in unserem Sprachgebrauch ohnehin Schnellwehr. Auch ein Rennpferd, wie Robert Musil im Mann ohne Eigenschaften festhält. Also ich habe mir das ja gewünscht, so ein Impulsreferat, dass wir mal den Begriff abstecken. Und es gibt so vieles, Stefan, auf das ich da eingehen möchte. Und auch, wo man vielleicht einhaken und womöglich auch widersprechen könnte. Einhaken müssen wir bei der Frage, ich bin ja so ein schlechter Gastgeber, untalentiert. Stimmt, ich nehme ungern mit Wasser vorlieiert, was möchtest du denn trinken? Ich würde wahnsinnig gerne ein Glas Weißwein haben. Weißwein, helles Wasser reicht nicht. Warum nicht Cremant? Ist schon abgearbeitet, mich dran in dem falschen Jahrhundert. Ich wurde jetzt sehr oft eingeladen und auch auf Quiche. Und es ist immer wieder Quiche und Cremant. Ist gar nicht so originell. Cremant ist super, wenn es ein guter Cremant ist und Quiche ist auch super, wenn es ein guter Quiche ist, natürlich. Aber hatte ich echt viel. Also wenn es einen Weißwein gäbe, wäre super. Schauen wir mal. Na bitte. So, Zufall. Ich glaube, der ist gut. Domäne Krems, grüne Weltlinie. Wunderbar. Also während der Herr Kutzenberger einschenkt, mache ich mal meine kleinen Widersprüche oder Fragen auf zu dem, was du gesagt hast? Ja, bitte. Ich würde auch sagen, bei diesem Wer hat, dem wird gegeben, irgendwie trifft das auch auf viele Bereiche unseres Lebens tatsächlich zu. Aber ich glaube, es gibt auch so etwas wie die Lust, jemanden zu demontieren, der gerade hochfliegt. Und gerade auch in der Literatur, wenn jemand mehrere Bücher veröffentlicht hat, die vielleicht gut besprochen worden sind oder sich gut verkauft haben, dann beim Nächsten zu sagen, das ist jetzt eine absolute Katastrophe, so die Lust des Kritikers, der Kritikerin, so die Erste zu sein, die erkennt, dass da doch nichts dahinter sei. Also auch wer hat oder wer bekommen hat, dem wird auch gern entzogen, womöglich. Die Frage ist auch, ich habe selber gesagt, Talent muss wahrscheinlich auch und ähnliche Begriffe sind Begabung, Anlage, Gabe, Fähigkeit, muss wahrscheinlich auch mit Lehre und Übung, also muss vielleicht nicht mit einem Literaturstudium oder Literaturwissenschaftsstudium einhergehen, aber mit der Auseinandersetzung mit Literatur, wahrscheinlich muss das auch nicht sein. Vielleicht gibt es auch eben diese Naturgenies, die nie einen Text gelesen haben und sehr in der Abgeschiedenheit leben und trotzdem sich literarisch betätigen. Also das ist jetzt alles cum granosalis zu nehmen, aber für mich ist es jedenfalls so, dass das Schreiben vom Schreiben kommt und dass das Schreiben auch vom Lesen kommt und vom Leben. des Lebens oder der Auseinandersetzung mit dem Leben, sondern das Lesen ist wie so ein vermittelter Zugang zur Welt und kein unmittelbarer und das macht es ganz stark aus. Also das hat auch mit Stil und Form zu tun und manchmal muss ich auch zugeben, dass das Schreiben viel damit zu tun hat, dass man sich sehr lang seine Gedanken macht, vielleicht auch etwas beobachtet, es ausbrütet, dann sehr lang in diesem Text feilen kann, wenn man so arbeitet. Und das klingt vielleicht schon durch, dass ich so arbeite. Ich bin so eine Feilerin und ich ziehe daraus eine große Lust, Wort für Wort zu arbeiten an meinen Texten. Und deswegen ist mir auch so wichtig, so ein Wort einzukreisen und das zu verstehen oder da über einen Begriff so wie Talent zu sprechen oder Talentchen, wie Goethe das nennt. Das habe ich heute gefunden im schönen Grimms-Wörterbuch, in dem ich auch gerne immer online nachschlage, was die Grimms so gesammelt haben zu einzelnen Begriffen. Er sagt übrigens, helfen mir alle Künstler alt und jung, mein Talentchen zuzustutzen und zu erweitern. Also es einzuhegen, nicht ausufern zu lassen und gleichzeitig zu erweitern, also vielleicht auch über die eigenen Grenzen dann wieder hinaus zu gehen. Ich glaube, dass dieses so für sich etwas ausbrüten und an dem feilen und dann so mit einem Schlag in die Öffentlichkeit zu gehen, dass das auch was Fieses hat, auch was, wo man sich vielleicht nicht ad hoc hick et nunc einmischt, sondern erst verspätet kommt. Und übrigens, das habe ich beobachtet und ich habe es möglichst spitz und pointiert formuliert. Und jetzt gebe ich es euch zum Fraß. Ihr könnt eigentlich mit mir auch gar nicht eins zu eins darüber sprechen. Das ist nicht die Aufgabe, dass die Autorin mit ihrem Buch rumreist, außer ins Stifterhaus und zu Lesungen. Aber im Grunde bin ich nicht die Begleiterin des Buchs, sondern das Buch ist ja so ein Ding, das sich dann auch von mir irgendwann gelöst hat und auch ohne mich existiert und im Zwiegespräch mit dem Leser und der Leserin. Und deswegen ist vielleicht auch die Frage, weil der Sport auch angeklungen ist, ich glaube, es hat was mit dieser Übung und der Lehre zu tun und mit dem Anwenden. Und gleichzeitig ist die künstlerische Arbeit dann auch nicht mit dem Sport vergleichbar. Ich glaube nicht, wenn man ganz lange trainiert, zu schreiben, dass man unbedingt Autorin werden wird und will auch überhaupt. Will man diesen Lebensentwurf überhaupt für sich in Anspruch nehmen und das auch aushalten. Und da ist mir so ein zweiter Goethe-Satz heute aufgefallen. Ich werde jetzt nicht den ganzen Amt Goethe zitieren, aber einfach noch einmal. Und zwar sagt er, die Talente und Kräfte, die ich habe, brauche ich für mich selbst gar zu sehr. Und damit kann ich auch viel anfangen, dass es mitunter auch schwierig ist, als Schriftstellerin und als Schriftsteller für andere zu sorgen oder eine Familie zu haben. Haben auch viele und es gelingt vielen, aber es ist auch etwas, das einen sehr in Anspruch nehmen kann. Das geht jetzt schon so in Richtung Geniekult, aber sagen wir mal, die Türen und Tore sind da ja in beide Richtungen geöffnet, in Versagen und Genie oder Selbstüberschätzung und totaler Selbstkritik. Und wahrscheinlich braucht es das alles. Also, dass sich selbst stutzen und etwas zustutzen hat, was mit Selbstkritik zu tun. Und das Erweitern hat auch was mit einer produktiven Selbstüberschätzung zu tun. Ja, ich glaube, unser Künstler-Künstlerinnen-Bild ist noch immer aus Romantik gekommen. Wir haben dieses Bild des einsam schöpfenden Genies, auch wenn wir wissen, dass der Alltag ganz anders ist. Ja, aber gleichzeitig muss man auch vielleicht so ehrlich sein. Es ist auch schwer, in der Gruppe zu schreiben oder es ist wahrscheinlich schwer, am Küchentisch mit Kindern zu schreiben. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich sie einfach nicht habe. Aber wenn ich auf meine Neffen aufpasse, weiß ich, dass ich mich danach niederlegen muss und nicht mehr schreiben kann. Vielleicht noch ein schnelles Gedicht, aber mehr wäre nicht mehr möglich. Also es hat schon sehr viel auch mit Rückzug zu tun, um sich konzentrieren zu können. Beim Schreiben stimmt das schon. Ohne das jetzt heilig sprechen zu wollen, diesen Rückzug. Aber der Alltag ist ja trotzdem nicht nur vom Schreiben bestimmt. Man macht Lesereisen, man schreibt Projektanträge und das gehört ja auch alles dazu zum Beruf. Es ist eigentlich ein sehr ambivalentes Berufsbild, wenn man es so betreibt, wie wir es betreiben, machen ja auch nicht alle so. Aber eben in der Öffentlichkeit da aus sich raus zu gehen und laut zu sprechen und kommunikativ zu sein, verbindlich zu sein, diese Bühne zu erobern, auch sich diese Publizität zuzutrauen, wie in der Zeitung zu veröffentlichen und dann mit etwas und für etwas zu stehen im weitesten Sinne, und dann mit etwas und für etwas zu stehen im weitesten Sinne, ist ja fast gegenläufige Bewegung zu dieser Konzentration, dem Rückzug und der Stille, die es unbedingt braucht. Also zum Lesen ja auch ganz stark. Ja, es ist schön, dass du die Leserin schon öfters erwähnt hast, weil ich finde, das ist ganz wesentlich. Wir brauchen nicht nur talentierte Schriftsteller, wir brauchen auch talentierte Leser und Leserinnen. Das stimmt, ja. Weil mir kommt vor zur Zeit, jeder schreibt und keiner liest und wir brauchen wirklich mehr leser und leserinnen müssen stolz darauf sein dass man niemand sagt ich bin ein talentierter leser das haben ganz selten aber das wäre ganz wesentlich dass man sagt ich bin stolz darauf dass ich ein guter leser bin was wäre ein guter leser eine gute l Kofferlis Borges hat es gesagt. Er ist viel stolzer, dass er ein guter Leser ist, aber ein guter Autor ist ihm eigentlich egal. Borges hat das gesagt, ja. Was ist ein guter Leser? Ja, ich habe jetzt das schöne Erlebnis gehabt, über meinen ersten Roman Friedinger hat jemand eine Masterarbeit geschrieben und auf die bin ich zufällig drüber gestolpert. Ich gebe Lehrveranstaltungen auf der Uni und nächstes Semester gebe ich eine Lehrveranstaltung über Autofiktion und habe im Katalog nachgeschaut, was gibt es zur Autofiktion Neues. Und da kommt dann diese Masterarbeit zu meinem eigenen Buch, an dem ich es gelesen habe. Und das war schon beeindruckend. Arbeit zu meinem eigenen Buch, an dem ich es gelesen habe, und das war schon beeindruckend. Das war so eine Freude zu sehen, wie ein Mensch der 100 Seiten ganz intensiv sich mit dem eigenen Werk auseinandersetzt. Und das war ein guter Leser. Der hat wirklich alles, alle noch so kleinen Hinweise, die ich schon lange vergessen habe, rausgegeben. Ganz ein genauer, exakter Leser, der das perfekt argumentiert hat und wirklich die kleinsten Hinweise aufgeschlüsselt hat. Und trotzdem einen Genuss daraus gezogen hat, denkst du? Und ich hoffe. Das geht ja auch einher. Also ich glaube, dass sich das nicht widersprechen muss. So ein auch ein intellektuelles Lesen und Sprechen kann durchaus eines sein, das mit Lust und Unterhaltung verbunden ist. Also diese Trennungen sind sowieso manchmal nicht so zielführend. Und ich glaube, dass es schon Spaß machen kann, über Sprache und Stilmittel nachzudenken. Und dafür muss man sie halt kennen. Und klar, es war wahrscheinlich einiges verstaubt in unserem Deutschunterricht oder noch vor einigen Jahren, aber dass es jetzt so darauf hinausläuft, dass literarische Texte nicht mehr gelesen werden, vielleicht nur noch Werbetexte und dass halt die Medienkompetenz geschult wird, alles was wichtig ist und auch seine Meinung zu äußern, zu formulieren, das ist ja alles nötig. Aber es ist irgendwie auch schade, was da verloren geht, denke ich. Das kann man noch kritischer sagen, würde ich schon meinen. Klingt wahrscheinlich sehr nostalgisch. Aber es ist eine Katastrophe, dass in der Schule keine Literatur mehr unterrichtet wird. Ja, ich bin auch der Meinung. Also ihr habt zwei Töchter, die beides maturiert haben, die haben beide kein einziges Buch gelesen in zwölf Jahren Unterricht. Das ist schon bitter. Und das ist schade, weil es einem für sein Leben, also ich glaube, für mich war das enorm wichtig, das Lesen als Kind schon und sehr beglückend. Und diese Texte, die man da liest, das sind lauter Texte, die ich in der freien Wildbahn noch nie gesehen habe. Die gibt es eigentlich nicht. Das sind so künstliche Formen, die kein Essay sind, keine journalistischen Arbeiten, sondern irgendwie so Konstrukte. Also Wissen ist sicher nicht abträglich fürs Lesen. Also darum, was du gesagt hast, würde ich sehr unterschreiben. Literatur kommt aus der Literatur. Ja, nur das, was ihr dann vorgeworfen werden könnte, wäre, dass sie so ein Elitenprogramm ist. Und das wäre auch schade, wenn sie dadurch durch dieses, dass eben, wenn wir jetzt nur mehr Goethe zitieren würden, wird es wahrscheinlich, also nicht das Publikum hier, aber irgendwer anderer wird schnell einschlafen und denkt, das ist fad oder veraltet oder blöd. Aber ich glaube, dass man über das auch so reden kann, also sich das zueignen kann. Ich komme jetzt auch nicht aus dem unglaublich etablierten Bildungshaushalt, wo der Brockhaus im Regal gestanden ist, sondern meinen Eltern war Bildung schon sehr wichtig, aber es war für sie ein sehr fragiles Gut. Und vielleicht war es für mich nicht mehr so fragil, aber damit dann weiterzugehen und zu operieren und dann aber auch nicht in Ehrfurcht zu erstarren, das ist vielleicht dann später die Aufgabe. Aber wenn ich sage Literatur, dann meine ich eine Goethe und meine einfach aus allem, was ich jemals gelesen habe und aus dem kreiert man dann automatisch die neue Literatur. Oder nicht automatisch, wir wissen ja mit Gottfried Ben, ein Gedicht entsteht äußerst selten, es wird gemacht. Ich habe schon sehr gern Germanistik studiert. Und das ist aber auch nicht nötig, um Schriftstellerin zu werden. Aber es gibt einem halt so ein Handwerkszeug mit, das man dann auch wieder ablegen kann, wenn man möchte. Genauso wie ich im Malereistudium. Manche haben sich das auch so gewünscht und vorgestellt, dass wir jetzt so in Woche zwei lernen wir Acrylmalerei und in Woche drei Ölmalerei. So war es eben nicht. Manche haben sich das auch so gewünscht und vorgestellt, dass wir jetzt so in Woche zwei lernen wir Acrylmalerei und in Woche drei Ölmalerei. So war es eben nicht. Es war mehr so stark, so für sich ein Thema zu finden und sich zu fragen, wieso zeichne ich überhaupt und was interessiert mich an dem, was ich sehe und an dem, was ich übersetze aufs Papier oder neu schaffe am Papier. Und es war ganz stark jede Woche, ich habe am Mozarteum in Salzburg studiert, beim Dieter Klein-Peter, es war jede Woche Sprechen über Visuelles. Und das waren entweder die Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich studiert habe, oder Malerei der Kunstgeschichte oder Gegenwart, oder Filme und so weiter, also alles, was visuell ist. Und jede Woche darüber zu sprechen, ohne dass man eigentlich ein Netz hat, das einen auffängt, weil man ja spontan improvisiert und auch vor der Gruppe etwas entwickeln muss. Also mal nur etwas zu beschreiben, hier ist es rot, da ist es schwarz und dann erst in die Interpretation zu gehen. Und das hat für mich so viel mit meinem Schreiben zu tun oder was mich da interessiert. Zuerst einmal mich über die Beschreibung einer Sache zu nähern und die Meinung außen vor zu halten, wie es vielleicht im Sport auch heißt, weil die Meinung so schnell was drüber klatscht und so top oder flop sagt. Und die Leistung des Beschreibens ja eine ist, die dann auch im Schreiben, so in der langsamen Verfertigung der Gedanken etwas entwickelt. Du hast Doppelbegabung, ist ja gar nicht so häufig. Doppeltalent. Als Doppeltalent. Als Doppeltalent. Als Doppeltalent. Als Doppeltalent, genau. Wie ist es mit dem Talent, mit dem Doppeltalent? In welchen der zwei Kunstformen ist Talent wichtiger oder offensichtlicher? Ich dachte immer beim Zeichnen, also eben, ich erzähle das vielleicht so als Anekdote, als ich dann eben irgendwann aufgenommen war im Studium, dachte ich mir, ja, der eine, der Christoph hieß der, der kann so wahnsinnig gut zeichnen, der ist irgendwie so der beste Künstler. und er hat vielleicht sich auch gar nicht dann so entwickelt. Er ist dann auch nicht diesen künstlerischen Berufsweg gegangen. Der mir dachte, komisch, der zeichnet doch so gut. Ich finde den den Besten. Und eigentlich haben mich die anderen, die dann so kritzig-kratzig machen, mich irgendwie genervt. Oder neben mir bei der Aufnahmeprüfung hat jemand sein Bild zerrissen. Und ich war so, hä? Weil irgendwie war ich auch begeistert, dass ich, ich habe damals so Goldfische eingereicht bei meiner Aufnahmeprüfung und ich war so stolz, dass ich die Goldfische so wiedergeben kann, dass sie so ganz naturalistisch ausschauen. Ich habe mir gedacht, das ist eigentlich die höchste Kunst. Und davon dann, das war halt mit 18, und davon dann wegzugehen, das ist vielleicht die Aufgabe. Und es hat mich, es hat mich nicht vom Schönen unter Anführungszeichen wegzugehen, aber da den Begriff zu erweitern und ich habe dann auch, das ist auch noch so eine Erfahrung aus dem Studium, ich habe dann oft Sachen gesehen, die mich wahnsinnig genervt oder gestört haben, zum Beispiel der japanische Fotograf Araki, der ist mir irgendwie wahnsinnig auf die Nerven gegangen mit seinen gefesselten, weißhäutigen, zarten Frauen. Irgendwie fand ich das so abgeschmackt. Und ich habe mir gedacht, was nervt mich daran? Ich möchte es verstehen. Ich möchte eigentlich meine Verständnisgrenze erweitern. Und ich glaube, dass das, was mich eben nervt oder was uns stört, dass uns das nur die Grenze aufweist unseres Denkens. Und das heißt nicht, dass ich es danach, wenn ich es durchdacht haben werde, gut finden muss, sondern dass ich herausfinde, was ist da zu entdecken. auch damit umzugehen, was mich irritiert oder was ich nicht verstehe, wo man eigentlich so schnell sagt, das nervt mich, das finde ich schlecht, da fahre ich so drüber. Also mal nicht drüber zu fahren, sonst mal zu beschreiben. Aber dass dieser Christoph mit 18 schon sehr gut realistisch gemalt hat, ist das Talent? Ja, ich würde schon sagen, dass der sehr talentiert war und dass dann die Aufgabe war, entweder was damit zu machen oder nicht. Und dazu gehört dann schon eben dieses Gutsein. Allein reicht ja nicht, diesen Berufsweg zu gehen. Da musst du ja irgendwie viel aushalten und weitermachen wollen. Das sind oft vielleicht auch gar nicht die besten Schreiber oder Zeichner, die weitermachen. Also irgendwie brauchst du vielleicht auch diesen narzisstischen Motor, dass du auf die Bühne willst oder dass du deinen Namen gerne in der Zeitung liest. Das ist ja oft so fast rewarding genug, weil es ja monetär manchmal auch schwieriger ist, diesen Weg zu gehen. Das ändert sich ja Gott sei Dank vielleicht auch irgendwann oder hat sich geändert. vielleicht auch irgendwann oder hat sich geändert. Aber es gibt noch weiterhin, so als kleines Promom am Rande, auf jeder Party die Frage danach, kannst du davon leben? Oder wenn Leute eben nicht lesen, dass sie zum Beispiel mich auch fragen, ob ich schon ein Buch veröffentlicht habe, das ist dann auch ganz lustig. Also diese Partyfragen, die regen mich auch gescheit auf. Also da ärgere ich mich immer wahnsinnig, versuche mich nicht zu ärgern. Ich fand das interessant, was du gesagt hast, auch am Anfang, dass das symbolische Kapital so hoch ist, solange wir uns noch verständigen können über im weitesten Sinne eine Art Qualität von Literatur, die ja auch nicht festgeschrieben ist, solange gilt das symbolische Kapital noch irgendwie und mehr als dann das monetäre, oder wie man es bezeichnet. Und da wollte ich auch noch was sagen, weil mich interessiert ja immer so Wortherkunft. Ich habe nicht Griechisch gehabt, leider nur Latein in der Schule. Hast du Griechisch gehabt, Altgriechisch? Also irgendwie heißt es, glaube ich, Talanton, das Talent. Und das ist dann wirklich so diese Maßeinheit gewesen und dann so in der frühen Neuzeit wirklich nochmal aufgegriffen und hat sich dann so als Metapher auf eben die Begabung eines Menschen bezogen, dann so im 18. Jahrhundert. Und es gibt sowas, das schaue ich immer nach, vielleicht mögen Sie sowas auch. Das ist im Internet, ist das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, DWDS. Und da gibt es Wortverlaufskurven für jedes Wort. Und da habe ich eben Talent eingegeben und da sieht man dann so, also es war bei uns so, jetzt wenn man das 20. Jahrhundert betrachtet, in den 60er Jahren hat es so einen Aufschwung genommen. Kann man sich irgendwie eh vorstellen im Sprechen über Kunst und ist auch jetzt weiterhin relativ prominent. Ein mittelhäufiges Wort, auch das wurde gezählt und kam auch so von 1800 bis 1840 häufig vor. Da kann man uns aus der Literaturgeschichte ja auch vorstellen, wieso das prominent war. Und dann gibt es auch noch das Wortschatzportal der Uni Leipzig. Das findet dann, schreibt so fest oder erforscht, welches Wort vor und nach dem Wort jeweils kommt. Also was kommt vor Talent und was danach. Und das sagt ja auch was aus über unser Bild und unser Sprechen. Also wahrscheinlich ist es bei Talent, ist es sehr viel so künstlerisches Talent, großes Talent. Damit ausgestattet wäre das Wort, was danach kommt. Und die Grimms sind auch immer so eine Fundkiste, wie mit Begriffen in unterschiedlicher Zeit umgegangen wurde und die haben dann immer auch bestimmte Zitate aus der Literatur. Begriffe schreibe, nutzt mir dann mein Talent vielleicht gar nicht so viel, sondern mein Wissen darüber, dass es diese Schätze gibt, mit denen ich dann operieren kann. Aber das bloß wiederzugeben wäre vielleicht für einen literarischen Text öde, das wäre rein informativ, das dann im literarischen Text auch literarisch einzubauen ist dann so die nächste Aufgabe. Es so wie selbstverständlich wirken zu lassen und dieses Wissen auch nicht so sehr auszustellen, wie ich es heute mir doch gönne. Ja, du hast angekündigt, wir werden nicht nur reden, sondern auch lesen, um das amerikanische Format zu vermeiden. Ist jetzt der Zeitpunkt dafür? Ja, ich würde sagen, genau. Eine kleine Talentprobe. Ja, magst du das anmoderieren? Du weißt, welcher Text kommt. Phil Collins. Genau. Du weißt, welcher Text kommt. Filter Collins. Genau. Mehr weißt du nicht? Weiß ich nicht. Nein, moderiere ich selber an. Aus dem Erzählband Das Glück ist eine Bohne wird Teresa Breauer eine Talentprobe geben. Naja, also das ist ein Text. Das Buch Das Glück ist eine Bohne ist eben eine Sammlung von Geschichten, erschienen 2021. Und der Text hat mit dem heutigen Thema irgendwie zu tun, aber im Grunde nicht ganz explizit, sondern so unterschwellig. Es ist eigentlich ein Text über Sport und über das Snowboarden lernen und über das Tanzen und vielleicht über das musikalische Talent und was das alles mit dem Aufwachsen in den Bergen zu tun hat. Also beim Zuhören können Sie sich vielleicht das Talenthaftige des Textes so dazu reimen, wieso ich den ausgewählt habe. Aber es ist so halb aufgelegt, sagen wir mal so. ausgewählt habe, aber es ist so halb aufgelegt, sagen wir mal so. Und der Text, da kann man sich vielleicht auch drauf einstellen, wie lange dauert das jetzt, sagen wir mal so sieben Minuten, dann kann man seine Aufmerksamkeitsspanne auch darauf hinhalten. Also über Phil. Phil ist eigentlich die Kurzform von Philip David Charles undart verheddert gehabt hat, dass ich aus Solidarität und Pflichtbewusstsein auch genötigt gewesen bin, eine weitere Tal- und Bergfahrt mit Phil einzulegen. Weil die Berge bei uns in den Alpen sehr hoch sind, kann eine ums Dreifache verlängerte Fahrt schon so lange dauern, sehr hoch sind, kann eine ums Dreifache verlängerte Fahrt schon so lange dauern, dass man von seinem Sitznachbarn ein Geheimnis erfahren kann, wie das von seinen drei Vornamen und seine wildesten Träume und Wünsche. Der Wunsch von Phil ist es, an jenem Nachmittag in Alpendorf im Pongau auf dem Weg hinauf zum Gernkogel gewesen, auf seinem Übungsbrett Crazy Creek eine sportliche Figur zu machen. Meine Zielformulierung vor dem Abrissski in der Buchau-Hütte hat somit gelautet, Phil das Bogenfahren beizubringen. Das Gute am Snowboarden ist, dass man es relativ rasch dazu bringt, den Berg sturzfrei hinunter zu kommen. Beim Skifahren dauert das viel länger. bringt den Berg sturzfrei hinunter zu kommen. Beim Skifahren dauert das viel länger. Es ist trotzdem von Vorteil, wenn man auch für Snowboarden schon etwas Bergerfahrung mitbringt. Phil hat in diesem Winter des Jahres 1996 auf keinerlei Bergerfahrung zurückgreifen können. Dafür hat er die Alpen umso mehr geliebt und mit ihnen den ganzen Skizirkus, wie man das dort wahrscheinlich immer noch nennt. Noch ein Tag im Paradies. Another day in Paradise. Phil ist jeden Morgen pünktlich gewesen, alle fünf Tage, die sein Anfängerkurs bei mir gedauert hat. Um neun haben wir uns immer beim Ausstieg der Bergstation getroffen und uns zuerst einmal aufgewärmt. Ich bin als Privatperson keine treue Freundin des Aufwärmens, aber im Job habe ich mich natürlich vorbildlich gezeigt. Phil hat einen riesigen Overall getragen, wie er damals bei Skifahrern noch eine Zeit lang üblich gewesen ist. Und mich haben sie von oben bis unten in Rot-Weiß-Rot gesteckt gehabt. und mich haben sie von oben bis unten in Rot-Weiß-Rot gesteckt gehabt. Erstens hat unsere Skischule Skischule Rot-Weiß-Rot mit Verleih, Verkauf, Service Skistadel geheißen und der Alois und der Ritchie von der Skischule werden auch geglaubt haben, dass ihnen die Farben gut stehen. Schließlich handelt es sich dabei um die Farben der Nationalflagge. Dementsprechend hätte Phil ja im britischen Union-Check über die Piste stolpern müssen. Phil ist aber türkis-gelb-rosa schillernd gewesen. Wir haben allmorgendlich die Beine gegrätscht und die Arme gekreist, uns gebeugt und gestreckt. Wir haben fest eingeatmet und fest ausgeatmet und sind zum Abschluss dreimal mit Skiheil die Piste hinuntergerollt. dreimal mit Ski-Heil die Piste hinuntergerollt. Nein, auf der Bergstation stehen geblieben und haben uns weiter aufgewärmt. Mit den Gedanken an die rot-weiß-rote Vergangenheit hat das Heil für mich immer eine unangenehme Doppelbedeutung gehabt, aber Phil hat das Rufen einfach funny gefunden. Die beiden Skischulbesitzer auch und die anderen 2000 Touristen an diesem Tag auf dem Berg wahrscheinlich auch. Von mir aus sollen sie sich weiterhin Heil wünschen, Die Schulbesitzer auch und die anderen 2000 Touristen an diesem Tag auf dem Berg wahrscheinlich auch. Von mir aus sollen sie sich weiterhin heil wünschen, nämlich Segen, Glück und Sturzfreiheit. Aber die Doppelbedeutung bekommt man nicht mehr aus den aufgewärmten Muskeln, auch nicht bei Minusgraden und auf 1700 Höhenmetern. Ich habe als Schülerin einige Saisonen lang den Winterurlaub, den Winterurlaubern das Snowboarden in den Alpen beigebracht. Und ich habe selbst auch einiges gelernt dabei. Zum Beispiel, dass man, wenn man links abbiegen will, nicht sagt, go left, sondern left hand side. Für Politik und Sprache ist auf den Bergen wenig Zeit. Da ist es von Vorteil, wenn man die korrekten Begriffe flott parat hat. Meistens sind es deutsche Touristen gewesen, die ich unterrichtet habe, aber eben manchmal auch Engländer wie Phil. Am ersten Tag kann man den Leuten nur beibringen, wie sie das Board im Sitzen anschnallen und sich damit aufrichten. Fast jeden Anfänger muss man so immer wieder aufs Neue aus dem Sitzen hochziehen. Dann fällt er sofort vornüber und auf einen drauf und man liegt mit ihm wieder im Schnee. Es ist hart, den ersten Vormittag gemeinsam durchzustehen, wenn dem tapferen Sportsfreund die Mütze wieder und wieder ins Gesicht rutscht und ihm schon die Eisklümpchen von den Wimpern hängen und er knallrot ist und schwitzt und sich das Heulen beinahe verkniffen hat. Am ersten Nachmittag dann gibt es aber erste Erfolge. Einen halben Bogen vor dem Hinfallen zum Beispiel, dann noch einen. Und am folgenden Tag kommen die Leute immer motiviert auf den Berg und am dritten sogar voller Übermut. Da fahren sie schon den berühmten Hügel hinunter. Man kann ihnen dann noch das Benutzen des Sessellifts zeigen und auch während dieser Fahrt ein wenig verbales Lokalkolorit einflechten. Zu viel habe ich gesagt, dort unten ist die Burkauhitten. Der Phil hat versucht, den österreichischen Dialekt nachzuahmen, Burkauhitten, und wir haben beide sehr lachen müssen. Auch darüber, dass er vermutlich ja ein musikalisches Gehör hat und im Österreichischen dann doch so daneben greift. Ich rechne es viel trotzdem hoch an, dass er es zumindest versucht hat und dass er eben auch über sich selbst hat lachen können. Bei jener Talfahrt damals im Sessellift, während der ich sich Phils Fangriemen wieder vom Bügel heruntergeflochten habe, hat er mir auch verraten, dass er sich den Humor für seinen Job hat schwer erarbeiten müssen. Seit dem Ausstieg von Peter ist Phils Band unvergleichlich erfolgreicher gewesen, aber mancher Fan und vor allem die Kritik hat ja die Abwendung von Prog-Rock nicht verzeihen können. Fan und vor allem die Kritik hat ihr die Abwendung vom Prog-Rock nicht verzeihen können. Phil hatte sich ja vom Drummer zum Liedsänger entwickeln müssen und das hat die Band erst groß gemacht. Sie haben Welthits geschrieben und Phil hat später für seine Kompositionen sogar einen Oscar bekommen, aber manchmal reicht das alles nicht. Phil hat es all die Tage nicht aufgegeben, sich elegant in die Kurven zu legen. Und doch ist er dabei jedes Mal nur im Schnee gelandet. Kann sich jemand daran erinnern, wie er und die zwei anderen aus Phils Band damals auf dem Sender MTV durchs Video gestiegen sind? So mit roboterhaft angewinkelten Armen und steifen Beinen? Ja, genau so ist Phil in seiner Skimontur und den Hardboots den Hang hinaufgeklettert, das Brett in der Hand. Und weil ihn im Ski-Overall niemand als den berühmten Sänger erkannt hat, hat er auch kaum Freundschaften auf dem Berg knüpfen können. Im Jahr 1991 hat er ja I Can't Dance gesungen und das hat leider auch wirklich gestimmt. Er konnte überhaupt nicht tanzen. Wir sind jeden Abend nach dem Snowboarden in die Buchau-Hütte eingekehrt und haben Hölle, Hölle von Wolfgang Petry mitgegrölt und dazu getanzt. Einer geht noch leicht, haben die Leute dazwischen intoniert und viel dabei mit Jackie Bull zugeprostet. Dancing to the Light ist ja 1996 gerade in den Hitparaden gewesen, aber wenn es beim Après-Ski gespielt worden ist, ist Phil jedes Mal sofort aufs Klo gerannt und hat bloß ungerührt den Einheimischen dabei zugesehen, wie sie ins Licht tanzten oder Tequila mit Zimt und Orange aus dem Nabel der Kellnerin schlürften. Trotz des Erfolges von Dance into the Light hat Phil Presseberichte verkraften müssen, in denen Sätze geschrieben standen wie Even Phil Collins must know that we all grew wary of Phil Collins. Selbst Phil hätte demnach wissen müssen, dass man seiner überdrüssig geworden war. Kein Wunder, dass es sich jeden Abend beim Abrischi hat vorlaufen lassen, bis es wieder hell geworden ist. Bei unserer dreimal zu langen Liftfahrt hat Phil dann die Melancholie gepackt. Dass er am Vorabend zu viel Jacky Bull getrunken und daher auch zu wenig Schlaf für einen aktiven Tag auf dem Berg gehabt hat, mag seinen Teil dazu beigetragen haben. Wohl auch die Tatsache, dass seine Ehe mit Jill gerade erst in die Brüche gegangen war. Lily Collins war da erst sieben Jahre alt. Und Phil hat sich gerade wegen seiner Tochter viele Vorwürfe gemacht. Die herrliche Aussicht auf den Sonntagskogel hat da auch nicht mehr geholfen. Ich selbst habe zu dieser Zeit auch noch nicht wissen können, dass er später noch Oriane treffen wird und noch viel später Dana. Und dass Lily einmal als Schauspielerin erfolgreich sein wird und als Model und als Kolumnistin. Vielleicht ist es aber auch gut, dass ich ihn damit noch nicht habe trösten können, sonst hätte ich ihm bei diesem Wissen auch das mit seinem bald ertaubenden linken Ohr sagen müssen. Ich habe eher versucht, ihn mit technischen Details abzulenken und ihm zum Beispiel erzählt, dass seine Bindung nicht regular, sondern goofy ist, weil sein rechter Fuß beim Fahren vorne steht. Oder dass meine Bindung in einem steilen Winkel steht, sodass ich mit meinem asymmetrischen Raceboard Oxygen KR59 carven kann. Phil hat daraufhin gesagt, dass er glaubt, bei Frauen und bei Bindungen mehr der Freestyler zu sein. Und dass er einmal ein Board mit Softbindung haben will, mit dem er kleine Tricks und Sprünge wird machen können. Yeah, hang loose, habe ich gerufen. Von meiner Faust den Daumen und den linken Finger weggestreckt, um Phil den Bordergruß beizubringen. Phil hat mir die Hand entgegengehalten und auch hang loose gemurmelt. Aber unter seinen Fäustlingen hat er die Finger nichtgegen gehalten und auch hang loose gemurmelt, aber unter seinen Fäustlingen hat er die Finger nicht einzeln auseinander strecken können, um den Gruß sichtbar zu zeigen. I missed again, hat er dann leise gesagt. Ach Phil, habe ich geantwortet und ihn kameradschaftlich in die Schulter geknufft. Und dann, Bügel hoch, festhalten Phil, die Nose des Snowboards hochhalten, sobald wir bei der Bergstation ankommen. Jetzt den hinteren Fuß auf das Rutschpad stellen. Very good, very good. Und Phils schmale Lippen haben sich zu einem stolzen Lächeln geformt. Ich muss zugeben, Phil ist, bevor ich ihn kennengelernt habe, für mich unter allen Popmusikern der Unsympathischste gewesen. Als wir aber die Tage am Berg verbracht haben, habe ich auch seine verletzliche Seite gesehen. Klar, er hat in seinem Leben viel Mist produziert, sogar sehr viel Mist. Aber ich muss zugeben, In the Air Tonight ist eigentlich ganz ordentliches Handwerk. Und bei The Studio zeigt Phil auch seine funkige Seite. A groovy kind of love kann man auch gelten lassen. In der Buchau-Hütte damals am Ende des Abends in der Engtanzphase ist das schon okay gewesen. Danke. Ja, vielen Dank, Theresa. Ordentliches Handwerk ist ja ein bisschen ein Todesurteil, auch wenn wir gerade über Talent reden. Oder auch nicht. Andererseits ist auch das, was wir gerade gesagt haben. Eifersucht ist ja keine schöne Regung, aber wenn man in der Literatur redet, ist es das größte Kompliment. Bei deinen Texten bin ich mir eifersüchtig, das ist das größte Kompliment. Bei deinen Texten bin ich immer eifersüchtig einfach über die Brillanz, wie du einzelne Wörter handhabst. Jedes einzelne Wort ist mit Liebe wohin gepflanzt worden. Das spürt man einfach und es gibt keinen falschen Ton. Danke, mein Lieber. Liebe wahrscheinlich und Ironie und Suffisanz und manchmal Wut und manchmal Trotz und manchmal indirekt irgendwo dagegen zu halten. Es gibt da mehrere Bewegungen, glaube ich. Ja, aber um zur Kernfrage zurückzukommen. Ist das Talent deine Handhabung der Wörter oder ist das tatsächlich Arbeit? Ja, sicher mindestens beides oder eben auch mehrerlei. Was mir auch noch eingefallen ist, weil wir gesagt haben, wie entwickelt sich Talent oder wie erkennt man es, wenn wir es jetzt als positiven Begriff hier verwenden wollen. Ich glaube, was es zum Beispiel auch bei uns zu Hause gab, war immer so ein, nicht, dass es das braucht. Also ich mache hier keine dogmatischen Aussagen, ich versuche es zu vermeiden. Aber was bei uns sicher förderlich war, so am Familientisch war so, es gab immer ein Gespräch über einzelne Wörter oder auch so ein Verächtlichmachen und Augenrollen bei anderen Begriffen. Also zum Beispiel mein Vater, der hat in Linz Produktdesign studiert und meine Mutter, wenn sich ein Friseur Hairdesigner nannte in St. Tanninpongau, hat sie das auf die Palme getrieben. Da hat sie keine Lässigkeit gehabt, das ein bisschen lockerer zu sehen in dem Fall. Aber es war eigentlich immer ein Gespräch über Wörter und auch mein Großvater, der ein Mensch war mit wenig Bildung, der hat trotzdem immer so einen Wortwitz gepflogen und Karlauer war wichtig und Reime und Scherze mit Wörtern und Begriffen. Ich glaube, dass das schon was ist, was man irgendwie auch trainieren kann und was man vielleicht, mir fällt halt meine Mutter so ein, weil sie auch in Oberösterreich geboren ist und weil es familiär bedingt, wir uns morgen sehen werden bei einem Begräbnis. Aber sie hat irgendwie immer so gesagt, ich habe euch in Sprache gebadet und hat damit so ihre Muttermilch gemeint und schon auch das Vorlesen und so weiter. Das hat jetzt auch alles so das Aufwachsen, das Sprechen, vielleicht, dass es den Elternbildung wichtig war, hat ja auch so ein bisschen so einen Ruch, wie das Talent, das so ein bisschen was von Streber oder Bravsein oder wie auch immer hat. Also da muss man glaube ich dann schon auch was ein bisschen Raues dagegen setzen und die Begriffe dann nicht so beweihräuchern. Aber das Genie ist natürlich auch etwas, was mit so einem Kult daherkommt und auch nicht immer wahnsinnig sympathisch ist und auch nicht immer zu Glanzleistungen neigt. Mir ist noch eingefallen, dass ich mal als Malerin Ende 20 in Oberösterreich die Talentförderprämie bekommen habe. Ich weiß nicht mehr genau, wann es war. Ich war vielleicht 29 und wollte ja auch bildende Künstlerin werden. Das hat sich eben verändert. Ich bin jetzt Schriftstellerin, die oft mit dem Visuellen zu tun hat, wie ich auch besprochen habe und noch etwas, was mir eingefallen ist zum Talent, so jetzt im Nachdenken und beim Herfahren war, auch in meinen frühen Zwanzigern war ich an der Sommerakademie und der Assistent des Malers Anzinger ist gefragt worden von einem Typen, der mit mir geknutscht hat also irgendwie komische konstellation hat gesagt und hat sie talent und dieser assistent vom anzügen hat gesagt ihr talent steht noch am anfang und das war irgendwie so schrecklich und im Grunde auch der totale Upturn. Und ja, also das Talent hat so schwierige Verlaufskurven. Ja, so weit sind wir gekommen. Es bleibt schwierig. Wir haben jetzt schon über eine Stunde gequatscht. Vielleicht, nachdem es ein Begriff ist, der doch uns alle betrifft, in den unterschiedlichsten Formen, öffnen wir das Plenum. Gibt es Fragen aus dem Publikum oder Anmerkungen? Wie schaut es aus bei euch und dem Talent? Ich weiß auch nicht, ob wir beantwortet haben, ob man Talent braucht oder nicht. Das ist so ein bisschen offen geblieben, aber vielleicht gibt es ja Meinungen dazu. Vielleicht könnt ihr das für uns beantworten. Ich heile mit dem Mikro dann immer zu Ihnen. Nur eine kurze Anmerkung von mir. Ich lebe nicht in der Literatur. Ich bin Physiker, aber ich interessiere mich für Bildende Kunst und auch für Literatur. Und was ich so als Laie weiß, ist, speziell in der Bildenden Kunst, ob man bekannt und berühmt wird oder nicht, hängt ja nicht nur vom Talent ab, sondern auch sehr stark, ob man gewissen Strömungen dazu passt, die gerade en vogue sind, weil mit Malern kann man sehr viel Geld verdienen und die Kunstwelt, die Galerien wissen, wie man das macht und wenn einer gerade in diese Geldverdienströmung dazu passt, dann wird er hochgehypt und alle anderen, die Galerien wissen, wie man das macht und wenn einer gerade in diese Geldverdien-Strömung dazu passt, dann wird er hochgehypt und alle anderen, die vielleicht genauso viel Talent hätten nach gewissen Kriterien, die spielen keine Rolle, weil sie da nicht zur Strömung dazu passen. Und ein bisschen so wird es wahrscheinlich in der Literatur auch sein. Es gibt gewisse Richtungen und Strömungen und auch das Gespräch spielt eine Rolle. Viele Jahrhunderte hat es talentierte Frauen gegeben, die hatten keine Chance. Heute kommt mir vor, eher umgekehrt. haben ihm einige Agenten gesagt, hätte er es leichter, jetzt als Mann hat er es nicht so leicht, weil jetzt eher die Frauen in gewissen Dingen und auch in der Literatur es leichter haben zur aktuellen Zeit. Das nur als Anmerkung. Ja, da geht es mehr um Moden oder so. Was mich aber interessieren würde, ist der Beruf des Physikers. Glauben Sie, dass jemand, der kein Talent für die Physik hat, trotzdem Physiker werden kann, Physik studieren kann? Ich glaube, es ist genau wie in der Literatur, wenn man sich dafür interessiert, tut man sich leichter, weil sonst lehnt man es ab. Aber wie viel Rolle Talent und wie viel Neigung hat, das haben Sie am Anfang erwähnt, das ist die gute Frage. Ich weiß es nicht, ich kann es nicht sagen. Macht man es gerne, wenn man es gut macht, oder macht man es gut, wenn man es gern macht? Ich weiß es nicht. Mir fehlt ein bisschen was im Sinne von, wir sind in einem Literaturhaus. Gut, da geht es um Literatur, aber Talent ist ja viel globaler. Und ich als eingfleischte Pädagogin denke mir einfach, in den vielen Jahren, die ich Pädagogin war, konnte ich beobachten, alle diese Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen, weil ich bis vom Kindergarten bis an die Kunstuni, an eine Uni, alle Altersstufen vor mir gehabt habe. sehr wichtig, nicht Kindern was beibringen zu müssen. Ihnen etwas, was mir der Lehrplan anschafft, zu lehren. Sondern ich war immer in meiner pädagogischen Laufbahn eine Beobachterin. Und da beobachtete ich natürlich auch, was in den Kindern steckt. Und in jedem Kind steckt, ich sage es sogar, ein Talent. Ein gewisses Talent. Da gibt es den einen, der den Kasperl macht in der Klasse. Der wird meistern, damit er Ruhe gibt. Nein, der hat auch Talent. Und wir Lehrer, ich bin ja jetzt in Pension und kann nichts mehr ausrichten, aber ich könnte dazu sagen, was in unseren Schulen fehlt, zu schauen, jedes Kind anzuschauen. Ich war froh, wie das Beispiel gekommen ist vom Spucken. Und selbst einer, der am weitesten spucken kann, ist doch eine tolle Sache. Aber das gilt nichts. Das gilt nicht und das stimmt nicht. Und nur eine Geschichte möchte ich kurz erzählen. Also Talent kann man auch einen Anstoß geben. Also Talent kann auch sein, dass jemand jemanden trifft, der durch seine Persönlichkeit, sein Interesse, sein Tun, jemanden sozusagen, wie sagt man da, einen Anstoß gibt. Zum Beispiel hatte ich einen Jungen in einer zweiten Klasse, der ein sehr kopflastiger Typ war. Er mochte nicht turnen, er mochte nicht malen, er mochte nicht singen, aber er war, wie man so sagt, blitzgescheit. Ja, so weit man das. Er ist heute zum Beispiel in einer Universität in Amerika, aber er schreibt mir immer noch, und warum er mir schreibt, war folgendes. Ich habe mit meinem Sohn, als er Geige gelernt hat, den Lehrer gebeten, weil ich mein Leben lang mir gewünscht habe, ich möchte Geige lernen. Das war in unserer Familie nicht möglich, weil wir zwei Knaben, zwei Mädchen, früher haben die Buben Geige gelernt und die Mädchen Klavier. So, jetzt habe ich mit meinem Sohn und habe nach einigen Monaten die Geige in die Schule mitgebracht. Ich habe gekratzt schrecklich, weil Geigen lernen als Erwachsener, das ist nicht anzuhören. Das ist wirklich schlimm. Aber ich habe sie mitgehabt und habe da durch diese eine Geste, einen Buben, der war so begeistert, er will Geige lernen und geht nach Hause und wünscht sich das bei den Eltern. Die Mutter ist zu mir hingekommen, wie können Sie das tun, wir sind eine komplett unmusikalische Familie. Und dann habe ich gesagt, das glaube ich nicht, denn wenn er das möchte, ich gesagt, das glaube ich nicht. Denn wenn er das möchte und da bin ich ihm jetzt das Talent sozusagen kann man auch hervorkitzeln. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, was Sie sagen, genau. Ich danke Ihnen, dass Sie so nah dazugehört haben. Das würde ich auch sagen, es ist so ein Gegenüber, das können Freunde sein, das können Lehrer sein, die Eltern, Peergroup. Das ist sicher sehr, sehr wichtig, so jemanden zu haben, wo man sich gesehen und erkannt vielleicht und verstanden fühlt. Und auch als anerkannte Schriftstellerin ist es nicht so, dass man immer in einem Bad von Zustimmung schwimmt und auch die Selbstzweifel nicht weniger werden, aber ich versuche damit auch produktiv umzugehen. Ich glaube, dass die Selbstzweifel ein guter innerer Kritiker sind für Texte und es braucht dann auch die Selbst, ich sage es immer etwas übertrieben, Selbstüberschätzung, um überhaupt sich vielleicht rauszuwagen und auch mehr zu wagen am Papier, als man vielleicht auch mündlich oder im Gespräch, ich habe die Partys erwähnt, auf Partys, da denke ich mir immer, ich habe den flotten Spruch doch nicht so ganz parat, den ich bräuchte, aber es gibt mir dann Stoff für Texte und ich bin auch zum Beispiel sehr dankbar einem Deutschlehrer, den ich jahrelang hatte, der mit uns, also der hatte gar keine Angst mit jungen Menschen Kafka zu lesen, Paul Zählern, Ingeborg Bachmann und das mit einem hohen Anspruch zu machen, aber das war natürlich nicht für alle was. Das war für mich so fast lebensentscheidend. Für andere war es wahrscheinlich der Horror, weil die wollten eher so vielleicht so Programmen, jetzt nicht wissenschaftliche Arbeit über Hand geschrieben, aber ich fand das irgendwie geil. Hattest du auch so gegenüber? Mehr unter den Freunden. Also unsere Deutschlehrerin war ganz extrem schlecht. Das ist schade, ja. Da haben aber drei aus meiner Klasse Literaturwissenschaft studiert, was ja absolut überdurchschnittlich ist. Also irgendwas muss sie trotzdem ausgelöst haben. Ja, und so Lehrer lösen was aus. Also wie Sie jetzt auch gesagt haben, die Dame gesagt hat, dass sich jemand jetzt noch meldet und er ist wahrscheinlich auch schon in unserem Alter oder noch älter. Also manchen Lehrern ist man, glaube ich, sein Leben lang dankbar. Ja, so schaut es aus mit dem Talent. Haben wir das Talent gut über die Runden gebracht, nur ganz wenig aufgeklärt leider. Das heißt, Sie müssen mit der Hausübung weiterzudenken und zu überlegen, was für Talente sind Ihnen in die Schuhe gegeben worden. Und wie der Herrgott sagt, lassen Sie die Talente nicht verkümmern. Ja, auf das machen wir weiter in unseren jeweiligen Gebieten, tun wir das Beste und hoffen, dass alles fröhlich weitergeht. Wir sehen uns beim nächsten Mal wieder, wenn es heißt, reden wir über und wir wissen noch nicht über was. Und danke, danke. Carissa Treauer. Und danke, danke. Theresa Treauer. Stefan Kurzenberger. Vielen herzlichen Dank, Stefan Kurzenberger. Super Trommelwirbel im Übrigen. Und Theresa Prehauer, ich hoffe, es hat Ihnen gefallen und Sie beehren uns vielleicht schon wieder am Dienstag, wenn Andrea Winkler ihre Buchpremiere hier bei uns macht. Der Roman heißt Mitten im Tag und ist brandneu. Kommen Sie gut nach Hause. Und wir sind noch an der Bar, haben wir gesagt, falls es noch dringende Fragen gibt. Theresa Preau ist noch lange an der Bar. Nein, ein Scherz. Danke.