Vielen Dank, vielen Dank. Wir sind hier im Rathaus, im alten Rathaus der Stadt Linz. Herzlich willkommen zum heutigen Folgeslam im Zuge der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen, die wir veranstalten mit dem Frauenbüro der Stadt Linz. Ganz kurz, wir möchten uns einmal ganz vorstellen, wer wir zwei sind und dann erklären wir euch, was wir heute machen und wie der Abend hier stattfinden wird. Neben mir ist meine wunderbare Co-Moderatorin, die Lisa Agostini. Und bitte vor den Bildschirmen und die fünf Leute, die hier im Raum sind außer uns, einen herzlichen Applaus für die Lisa. Danke, danke. Ja, heute zu meiner Rechten, meine wunderbare Co-Moderatorin. Sie ist in Beyonces Worten irreplaceable. Bitte Applaus für Katrin Socher. Vielen Dank. Ich merke, die Millionen ZuschauerInnen vor dem Fernseher schenken wirklich hier ganz viel Liebe durch die Bildschirme. Vielen Dank dafür zunächst einmal. einmal. Was sind 16 Tage gegen Gewalt an Frauen? 16 Tage, das beginnt mit dem 25. November, nämlich mit dem internationalen Tag, dem internationalen Gedenktag der Opfer von Gewalt und nämlich in dem Sinne besonders Frauen und Mädchen. Diese 16 Tage enden dann mit dem 10. Dezember und das ist der internationale Tag der Menschenrechte. In diesen 16 Tagen finden seit 1991 weltweit in 187 verschiedenen Ländern Veranstaltungen statt, die besonders auf das Menschenrecht eines gewaltfreien Lebens hinarbeiten sollen beziehungsweise diese Bewusstsein in der Gesellschaft schaffen sollen. Und seit mittlerweile fünf Jahren können wir auch in diesem Sinne hier mitwirken, nämlich Lisa, mit was wirken wir mit? Wir machen mittlerweile seit fünf Jahren, eben im Zuge der Tage gegen Gewalt gegen Frauen, einen Poetry Slam in Kooperation mit der Stadt Linz und dem Frauenbüro Linz. Und ja, auch dieses Jahr, Gott sei Dank, dürfen wir wieder mit dabei sein und haben für euch heute fünf großartige Künstlerinnen mitgebracht, die für euch heute da performen werden. ist es so, dass wir natürlich eigentlich auch kein Voting haben werden. Und ihr kennt das üblicherweise beim Slam so, dass es eine Jury gibt, die das entscheidet. Aber nachdem wir heute vor den Bildschirmen seid und wir eure Schreie, auch wenn sie noch so laut sind oder eure Jubelrufe nicht hören können, haben wir heute auf ein Voting verzichtet und haben deswegen einfach eine Slamshow gemacht. Das heißt, wir werden fünf großartige Poetinnen und Herren in zwei ablaufen. In der ersten Runde werden sie themenspezifische Texte bringen. Ihr werdet in dieser ersten Runde sehen, wie vielfältig Gewalt gegen Frauen ist, weil sie werden diese verschiedenen Themen inhaltlich behandeln. In der zweiten Runde sind die Poetinnen frei. Das heißt, auch wenn wir hier und da vielleicht noch themenspezifische Texte holen werden, können sie uns doch in ihrem Leben von ihrem Leben erzählen, was auch immer Sie möchten. So viel zum Ablauf. Aber ein Slam hat Regeln, Lisa. Und wie sind die? Regel Nummer eins. Bei einem Poetry Slam gibt es ein Zeitlimit. Und das haben wir heute festgelegt auf ungefähr fünf bis acht Minuten. Das heißt, wir sind heute sehr tolerant, ausnahmsweise, weil wir niemanden von unserer Bühne wegknuddeln können, dürfen sie performen, bis der Text zu Ende ist. Ich meine, wir können sie mit zwei Meter Distanzliebe versuchen, wegzuboostern. Ich meine, ich glaube, unsere Liebe reicht, aber die Boosterkraft reicht nicht. Beim Impfen hilft sie schon, also geht Impfen so nebenbei. Genau, also selbstgeschriebene Texte innerhalb von fünf bis acht Minuten. Ich glaube, haben wir das schon gesagt, selbstgeschriebene Texte? Haben wir noch nicht gesagt, genau. Die Poetinnen, wie sie hier vorne stehen, haben selbstgeschriebene Texte. Das heißt, bitte zollt ihnen Respekt und hört ihnen zu, wenn es denn leicht zu Hause geht zum Zuhören. Und das sollte doch möglich sein. Hört ihnen zu und genau, nehmt vielleicht ein bisschen mit, was sie euch heute zu erzählen haben und zu sagen haben. Was noch, Lisa? Regel Nummer drei. Keine Verkleidungen und Requisiten. Das bedeutet, alle, die heute hier stehen und für euch live performen übrigens, tragen das, was sie anhaben im normalen Leben. Falls das ein Magier- oder Clownskostüm oder dergleichen sein sollte, dann ist es deswegen, weil sie es schon den ganzen Tag übertragen oder weil sie es einfach geil finden und deshalb oft anhaben, beruflicherweise wegen oder sonst was. Genau, aber so schauen die einen ganzen Tag lang aus. Die Lisa und ich dagegen haben es natürlich für euch heute hier festgemacht. Ich habe extra meine Glitzerjacke ausgewählt und rausgesucht. Und meinen wunderschönen Herzohrring, damit ich euch Liebe schicken kann. Und die Lisa in dem natürlich wunderschönen dunkelgrünen Kleid, weil es ist Weihnachten. Berechtigter Grund natürlich, es ist Weihnachten, deshalb trage ich ein Kleid. Ein dunkelgrünes Kleid. Genau. Die letzte Regel, und die gilt normalerweise unserem Publikum, die lautet, respekt the poet. Ich kann euch jetzt leider nicht sagen, seid bitte leise, weil zu Hause vor dem Bildschirm Kinds anstoßen, laut sein, mitgrölen, mitschreien. Bitte füllt es mit und gebt alles, was ihr Kinds da haben, vor dem Bildschirm. Genau, und das ist es eigentlich soweit zu der Regel. Damit könnten wir eigentlich direkt heute in die Slam-Show starten. Sollen wir anfangen mit der ersten Poetin, die hier auf die Bühne kommt, Lisa? Ich wäre bereit. Unsere erste Starterin des heutigen Abends hat momentan sehr viel Stress. Also eigentlich steckt sie gerade mitten in der Matura, soweit ich weiß, und ist voll beschäftigt. Lockdown, Lernerei, Ende nie. Was gibt es noch über sie zu sagen? Sie ist eine großartige Poetin aus Oberösterreich, die uns schon seit Jahren begleitet. Sie hat angefangen auf unseren U20-Bühnen, die wir mit unserem Verein Postscriptum eben hier in Oberösterreich veranstalten. Und eigentlich gibt es nicht mehr mehr zu ihr zu sagen, außer dass sie großartig ist und fantastisch. Und deswegen spendet eure Liebe und Applaus für Barbarina. Dankeschön für diese superschöne Anmoderation. Und danke, dass ich heute da sein darf. Ich werde in meinem Text über Frauen reden, aber es sind natürlich alle Flinterpersonen mit gemeint, weil gerade die recht viel Gewalt erleben. Und in meinem Text kommt eine Passage vor, die lautet My body, my choice, my mouth, my voice. Our body, our choice, our mouth, our voice. Und auch wenn ihr jetzt gerade nicht da sein könnt, aber ich möchte euch trotzdem einladen, zu Hause bei dem Teil, wo es um unseren Körper und um unsere Stimme geht, einfach mitzureden, wenn ihr Lust habt. Wenn deine Brüder über meine Schwestern lästern und du sagst, Feminismus ist von gestern, dann halte ich fest an und jetzt bin ich dran. Ich hoffe, mittlerweile wissen alle schon, dass Kommentare, dass Drohungen zu dem werden, wo wir heute die Zahl 30 schreiben. Zitat. Ich bin verwirrt. Wenn der Körper einer Frau zum Schlachtfeld wird, wie kleinkariert das Mindset von Hans und Peter ist, wie oft du vergisst, dass der Körper ihr gehört. Hast du mich gehört? My body, my choice, my mouth, my voice. Our body, our choice, our mouth, our voice. Egal wie kurz mein Rock, wie frech mein Zopf, wie offen mein Knopf, wie verdreht dein Kopf. Lass mich verdammt nochmal in Ruhe und respektiere mich. Ich habe das Gefühl, du verstehst einfach nicht, dass ich keine persönliche Einladung bin für dich. Yes means yes and no means no. However I dress, wherever I go. Wenn eine Frau nachts alleine unterwegs ist, sollte es selbstverständlich sein, dass man die Straßenseite wechselt. Doch du verwechselst in Ruhe lassen mit Auslassen über Frauen, die Männer hassen, weil sie sie ungefragt anfassen, beim Party machen und am Menschenmassen. Sie einfach abpassen in engen Gassen in den Zehner zu den Schwachen. Doch wieso sind noch immer stereotypisch patriarchale Gedanken in dir verankert? Ist das nicht schon langsam zu sehr gealtert? Für viele immer noch Alltag und es folgt eine nach der anderen Gewalttat. Beziehungsdrama, Tat aus Eifersucht, Mord aus Liebe, Rosenkrieg. Wie wäre es mit einem Versuch, Dinge so zu benennen, wie sie wirklich sind? Doch von dem sind wir ganz weit weg, wenn unser Hauptproblem ist, dass du dich vor einer Frau erschreckst, die ihre Körperhaare nicht bedeckt. Oder du findest das, oh geil und na das zart dich voll, du findest ja Frauen mit Büschen unter den Armen eh richtig toll. Aber die Kompetenz, die du trotzdem nicht erwirbst, ist, dass du mit all deinen Wertungen den Körper einer Frau sexualisierst. My body, my choice, my mouth, my voice. Our body, our choice, our mouth, our voice. Egal ob psychisch oder körperlich, Gewalt muss für die Täter schambesetzt sein, nicht für die Opfer. Was du wegen so einem Sachverhalt schon mal bei einem Anwalt, üb dich in Geduld. Man braucht dann halt wegen dem beschissenen Gesetz einen Psychodoktor. Du trägst keine Schuld. Und weil es noch so schön zum Thema passt, ein ganz kurzer Exkurs. Kurz gesagt, mir wäre es so gern wurscht, aber wenn ein Slammaster von minderjährigen SlammerInnen für sein Studium anzügliche Fotos erfragt, dann bin ich geplagt, ein Verstand ist gefragt, der hoffentlich sagt, es ist 5 nach 12 Schlag. Hab die Gesetze gefragt, keines davon sagt, dass man dagegen etwas machen kann. Grau, Zone, verstaubt, Zone, patriarchale Gesetze von keinen Frauen, sondern man only, bin lonely, alleine zwischen, war minderjährig, aber 14, also ehemündig, aussichtslos, weil er aus freien Stücken und auf den Bildern gar nichts Exquisites sieht. Doch was ich hier sehen kann, das ist das strukturelle Problem. Und ja, ich werde das Wort patriarchal schon wieder in den Mund nehmen und es laut ausspucken, sodass es alle gehört haben müssen. Und wenn ich sage, das Patriarchal tötet, dann meine ich das auch so. Ich hoffe, in diesem Staat gibt es wen, der errötet, denn wir wurden von dieser Gleichberechtigung belogen. Die Regierung schweigt und toleriert, schau halt, wo du bleibst und was mit dir passiert, ist ja nicht so, als wäre es ein Thema, das passiert. Wie ich angefangen habe, diesen Text zu schreiben, haben wir noch die Zahl 26 geschrieben. Es wurde keineswegs übertrieben und wie notwendig manchmal schonungslose Ehrlichkeit ist. Ich hoffe, dass keiner je wieder vergisst, dass der Körper einer Frau ganz alleine ihr gehört. Hast du uns jetzt gehört? Hast du uns jetzt gehört? My body, my choice, my mouth, my voice. Our body, our choice, our mouth, our voice. My body, my choice, my mouth, my voice. Our body, our choice, our mouth, our voice. Das war Barbarina. Wie ihr in den Texten jetzt erzählen werdet, ist Gewalt vor allem gegen Frauen sehr, sehr vielschichtig. Das heißt, das fängt nicht immer nur bei expliziter physischer Gewalt an, wo dann Narben und Male bei Frauen hinterlassen werden, die für alle offensichtlich werden, sondern, wie ihr hört, fängt Gewalt auch ganz oft schon in der Psyche an oder einfach nur, indem man, dass man Druck aufbaut, indem man Schuldgefühle verursacht oder sonst in irgendeiner Art Druck auf Frauen ausübt, sodass sie sich zu einem Verhalten genötigt fühlen, indem sie ohne den Druck sonst nicht wären oder was sie sonst nicht machen würden. Genau, das ist ein erster Teil dieser vielschichtigen Gewalt, die Frauen erleben. Im nächsten Teil wird es ein bisschen anders. Lisa, wer ist denn die nächste Auftretende? Unsere nächste Poetin ist weit gereist, eigentlich, um genauer zu sein, aus dem fernen Wien, unserer Bundeshauptstadt. Ursprünglich kommt sie eigentlich aus Hamburg, also nur viel weiter weg, studiert aber derzeit in Wien Journalismus und ist seit meines Wissens nach fünf Jahren bereits bei uns, drei Jahren bei uns und hat schon mehrere Bundeskanzler miterlebt und Vizekanzler. Schauen wir mal, wie das noch weitergeht. Bitte klatscht ganz laut gegen die Bildschirme. Nicht so fest, dass sie nicht kaputt werden und wir ausgeschalten sind. Und deshalb gebt alles für unsere nächste Starterin. Shafia Kawaya. Entschuldigung, verwechselt. Entschuldigung, verwechselt. Ja, danke schön. Ich freue mich sehr, heute Abend hier sein zu dürfen. Und wie Katrin gerade schon gesagt hat, es gibt unterschiedliche Formen von Gewalt. Ich habe lange gebraucht, um das selbst zu verstehen, dass Gewalt auch schon viel früher anfängt. Aber genau, deshalb habe ich einen Text darüber geschrieben. Und viel Spaß damit. Manchmal trägst du so viel Wut in dir, so viel Hass, Abgrund tiefer Hass und wenn der Marianngraben die tiefste Schlucht ist, dann spürst du 11.000 Meter tiefen Hass, Marianngraben tiefen Hass. Manchmal weißt du nicht, wohin mit deiner Wut. Sie überfällt dich wie brennendes Wasser, durchflutet sie deinen Körper, bis deine Hände ganz taub und kribbelig werden. Du zerknüllst das Taschentuch in deiner Hand, drückst so fest zu, dass es schon weh tut, So sehr, dass deine Fingerkuppen schon anfangen zu pulsieren. Manchmal weißt du nicht, wohin mit deiner ganzen Wut. Deine Mutter hat immer versucht, deine Erinnerungen, das Bermuda-Dreieck, das Vergessen zu schieben. Alles vergessen, die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen, am Meeresboden verrotten lassen. Du hast die Seiten aus deinem Tagebuch gerissen, weil die Erinnerung zu schmerzhaft war. Die Erinnerung an deine Eltern, die wieder miteinander gestritten haben, sich wieder angeschrien haben, angebrüllt haben. Du weißt nicht mehr, wo du warst. Standest du im Türrahmen und hast versucht, sie zu beruhigen? Oder hast du dich in ein Zimmer geflüchtet? Unter die Decken, zwischen die Kissen mit Kopfhörern im Ohr, die noch an deinen Discman angesteckt waren. Du weißt nicht mal, wo du warst, aber als du wieder in der Küche warst, war überall Blut. Alles war rot, der Boden, die Fliesen, die Küchenschränke, alles in rotem Blut getränkt. Und dein Herz hat kurz ausgesetzt. Für eine Sekunde hast du aufgehört zu atmen und dann die Luft wieder ausgestoßen, als du die zerrissene Saftpackung am Boden gesehen hast. Roter Saft, kein Blut, es ist kein Blut, hast du dir wieder gesagt, nur Saft, Antioxidantien-Saft. Die Erinnerung kommt wieder, du weißt es wieder. Du warst in der Küche und deine Eltern haben sich angeschrien, dein Stiefvater hat deiner Mutter die Saftpackung aus der Hand geschlagen mit so einer Wucht, dass sie auf den Boden schleuderte und in zwei riss. Überall Saft in der Küche. Dann lass dich mich halt überfahren, interessiert ja eh niemanden. Hat deine Mutter geschrien und ist aus dem Haus gestürmt. Du saßt noch auf dem Küchenboden und hast versucht, das Blut, den Saft aufzuwischen. Du hattest Angst, deine Mutter schon auf der Straße liegen zu sehen. Aber sie stand da unterm Carport, barfuß. Auf dem Stapel alter Zeitungen, die du damals noch ausgetragen hast. Sie stand da und zog gierig und verzweifelt an ihrer Zigarette. Tränen überströmt und mit verwischter Mascara. Du erinnerst dich wieder. An das Geschrei, das Türenknallen, an den Schlüssel, der sich umgedreht hat, du warst dir nie sicher, ob deine Mutter sich manchmal im Bad eingesperrt hat. Du hast gehört, wie sie leise geweint hat, aber es war fast nur ein Wimmern. An diesen Tagen hat es sich angefühlt, als würdest du deine Mutter verlieren. weint hat, aber es war fast nur ein Wimmern. An diesen Tagen hat es sich angefühlt, als würdest du deine Mutter verlieren. Immer wieder hast du deine Mutter verloren, aber vielleicht war es auch nie deine Mutter. Vielleicht war es immer nur die Ehefrau deines Stiefvaters. Und immer wieder ist sie zu ihm zurückgegangen und immer wieder hat sie sein Verhalten entschuldigt und immer wieder hat sie gesagt, er meint es nicht so. Er ist nun mal so, sei nicht so sensibel, er hat sich ja nie geschlagen, hat sie gesagt, als ob das die einzige Möglichkeit wäre, jemandem Gewalt anzutun. Du wurdest angeschrien, weil du den Rhabarberpudding umgerührt hast, du hast Fernsehverbot bekommen, weil du das Taschentuch nicht tief genug in den Mülleimer gesteckt hast und dann eine Diskussion angefangen hast. Das ist keine korrekte Art, die Taschentücher zu entsorgen. Du warst zu dumm für alles, immer zu dämlich, einfach nur unglaublich dämlich. Wie dämlich kann man denn sein? Also sowas dämliches habe ich ja noch nie gesehen. Dämlich, dämlich, dämlich, dumm, dumm, einfach nur dumm, unfähig, zu nichts zu gebrauchen. Hörst du das, Mama? Das sind Schläge. Verbale Schläge und Schreie als Mittel seiner Erziehung. Oh Mama, du hast nie was gesagt. Mama, warum hast du mich allein gelassen, hättest du gerne gefragt. mich allein gelassen, hättest du gerne gefragt. Manchmal lagst du nachts noch lange wach in deinem Bett unter der Dachschräge und hast die Leuchtsterne angestarrt. Und du hast dir so sehr gewünscht, so sehr, dass er einfach nicht wiederkommt. Dass er einen Autounfall hat, dass er aus deinem Leben verschwindet, dass du alleine bleibst. Du und deine Mutter, anstatt er und seine Ehefrau. Und dann ist der Mann von deiner Großcousine gestorben und du hast dich so schlecht gefühlt. Die Leuchtsterne haben deine Gebete erhört, aber es hat den Falschen getroffen. Und du hast dich geschämt. So sehr geschämt, weil du deinem Stiefvater den Tod gewünscht hast. Du hast dich gefragt, ob du ein Psychopath bist. Ein Soziopath bist, was mit dieser Wut ist, die du fühlst, mit diesem Hass, diesen Marianngraben, tiefen Hass, mit dieser Angst, dieser unglaublichen Angst, deinen Stiefvater so bedrohlich, dass du in seiner Anwesenheit gar nicht existieren konntest, weil jeder Schritt beobachtet wurde, jeder Fehltritt bestraft wurde, Schreie und verbale Schläge als Mittel seiner Erziehung. Und am tiefsten Grund war trotzdem das Verlangen, geliebt zu werden. Du hast so um seine Liebe gekämpft, aber nie auch nur einen Tropfen davon bekommen Und du konntest nie weinen Keine Tränen ist je deine Wangen hinuntergerollt Du wolltest ihm nicht auch noch diese Genugtuung geben Er war sich auch so der Macht bewusst, die er über dich hatte Du hast nicht geweint, du hast immer alles runtergeschluckt Jeden Schlag eingesteckt und manchmal Manchmal hast du das Gefühl zu zerbrechen, zu zerbersten, in zwei zu reißen, wie die Packung Antioxidantien, Saft, so viele angestaute Gefühle in deiner Brust, deinen Händen, deinen Beinen, Hals, Kopf, Körper, so viel Wut in dir. Und du weißt nicht, wohin mit all dieser Wut, mit all diesem Hass, wohin mit all diesem Marianngraben tiefen Hass. Das war Shafia Kawai. Ja, ein kleiner Fakt nebenbei, so klein ist er gar nicht, sondern eigentlich sehr tragisch, um ehrlich zu sein. Jede fünfte Frau in Österreich ab 15 Jahren erfährt körperliche bzw. sexualisierte Gewalt. Die dunkle Ziffer wollen wir uns, glaube ich, gar nicht erst ausmalen, wie viele Frauen das dann sind. Aber nur, um einmal darauf aufmerksam zu machen, dass das eigentlich eine wahnsinnig hohe Zeue ist und echt heftig. Um sexualisierte Gewalt geht es auch im nächsten Text bei der nächsten auftretenden Poetin. Sie kommt aus Türen, aus Niederösterreich, studiert schon seit einigen Jahren jetzt in Wien auf Lehramt Philosophie, Psychologie, Englisch. Ich glaube, ich habe ein Fach vertauscht, aber es ist unfassbar viel. Diese Frau ist supergescheit. Bitte klatscht sie auch vor den Bildschirmen auf der Bühne, die großartige und fantastische Elena Sato. Danke, es freut mich echt heute hier stehen zu dürfen und über so ein wichtiges Thema reden zu können. It's all around us. Vor Corona habe ich mich mit einem Freund unterhalten. Das Single-Leben nervt, hat er über den Rand seines Laptops geraunt. True that. Erst gestern, kurzer Blick, um zu kontrollieren, dass der Professor nicht in der Nähe war, habe ich ein so heißes Mädchen kennengelernt. Natürlich auf der Tanzfläche rumgemacht, like you do. Aber dann wollte sie nicht noch mit zu mir kommen. Stattdessen wollte sie mir nur ihre Nummer geben. Das ist schon die dritte diese Woche. Was haben diese Frauen nur? Vielleicht Angst? I feel it in my fingers. I feel it in my toes. The love that's all around us. And so the feeling grows. Alles um uns rum ist Liebe und Harmonie. Doch das stimmt nur in der Theorie. Uns wird beigebracht, die Emotion, die unser Leben steuert, sei die Liebe. Doch wieso ist es so oft nur Gänsehaut, die ich kriege? Zum Beispiel, wenn ich allein auf den Zug warte. Und ja, vielleicht wolltest du wirklich nur Feuer oder Geld für eine Karte. Doch mir war die Situation nicht geheuer. Geh nicht allein. Bleib im Lichtschein. Lass ihn nicht rein. Behalte deine Schlüssel zwischen den Fingern. und ja, vielleicht wolltest du wirklich nur Feuer oder Geld für eine Karte, doch mir war die Situation nicht geheuer. Geh nicht allein, bleib im Lichtschein, lass ihn nicht rein, behalte deine Schlüssel zwischen den Fingern, denn so, mein Kind, kann man das Risiko verringern. Und ach, wie lustig, dass diese Frauen denken, dieser FaceTime-Anruf wird sie beschützen. Doch was sollen wir tun, wenn all diese Tipps nichts nützen? Denn ich bezweifle, dass jede fünfte Frau weltweit danach gefragt hat, dass jede fünfte Frau weltweit falsche Hoffnungen geweckt hat, dass jede fünfte Frau weltweit danach gefragt hat. Dass jede fünfte Frau weltweit falsche Hoffnungen geweckt hat. Dass jede fünfte Frau weltweit unvorsichtig war. Es war die Kleidung. Na klar. Und jeder weiß, love is all around us. Doch pass dich an, wenn jemand in der Nacht an der Tür klingelt, dann geh nicht ran. Geh nicht allein durch den dunklen Gang und am Telefon flehen wir unsere Freundin an. Bleib dran. Am Nachhauseweg, es ist spät und da steht eine Gruppe und starten. Ich gehe alleine in der Nacht. Sind es deine bohrenden Blicke oder doch die Love all around us? Warum mein Herz jetzt Hüpfer macht und du rufst? Das Kleid steht dir gut. Ich schließe meine Jacke. Du denkst, was hat die denn für eine Macke? Mach ich doch nur ein Kompliment. Und meine Gefühle sind ambivalent. Denn war die Gefahr überhaupt existent? Ich will dich nicht beleidigen. Ich bin nur vorsichtig, um mich zu verteidigen. Ja, ich weiß, du wirst mir ziemlich sicher nichts tun. Doch ziemlich ist mir halt nicht sicher genug. Ist ja gut, nicht alle Männer. Aber was soll ich sagen? You might not be the imposter, but you're kinder sus. Lass es mich dir erklären, sodass du es verstehst, bevor du das nächste Mal die Augen verdrehst, wenn die Frau vor dir ihr Tempo erhöht. Es geht nicht um dich, sondern um unsere Sicherheit. Wir wollen dich nicht beleidigen, aber vorsichtig kann man sich immer noch am besten verteidigen. Es geht nicht darum, dass es dich kränkt. Ihr T-Shirt ist schweißgedrängt, sie bekommt kaum Luft und ihr Herz rast. Denn woher sollte sie in dieser Situation wissen, dass du keine Gefahr warst? Es geht nicht um dich, sondern um unsere Sicherheit. I feel it in my fingers, I feel it in my toes, the love that's all around me, and so the feeling grows. Alles um uns rum ist Liebe und Harmonie, doch irgendwie stimmt das nie. Ich war auf dem Nachhauseweg von einem Slam, also einem Auto mit quietschenden Reifen mit dem Wegabschnitt. Vor lauter Hämmern meines Herzens konnte ich kaum hören, was der Fahrer mir zurief. Scheiß Feministenschlampe. Das war kein Fremder. Das war jemand, der meine Texte kannte. Jemand, der noch zuvor im Publikum gesessen hat. Deine Abendbeschäftigung war mir Angst zu machen. Der Schwachen, die alleine nach Hause geht. Und wie kann ich da glauben, dass uns nur Liebe umgibt, wenn andere Leute Unbehagen zu deiner Belustigung beitragen? Solange ich mich erinnern kann, wurde uns eingeschärft. Steige zu niemandem ins Auto ein. Du darfst nicht zu nett sein, aber auch niemanden verärgern. Pass auf dein Glas auf und achte darauf, dass du nicht zu viel trinkst. Und auch wenn die anderen es nicht verstehen werden, schau, dass du deine Freundin mit aufs Klo nimmst. Und wieso wurden wir ständig daran erinnert? Weil wir alle diese Geschichten in unserem Umfeld sehen, denn bei jeder fünften Frau ist es schwer, dem aus dem Weg zu gehen, jede fünfte Frau. Anna, Bella, Cora, Dana, Elisabeth arbeitete für ein halbes Jahr in einer Marketingfirma. Zuerst war alles prima, dann kamen die Überstunden. Die sexuellen Awards in ihre Chefs hat sie unterbunden und kurz darauf hat sie deshalb ihr Kündigungsschreiben vorgefunden. Fiona, Grazia, Holly, Ivana, Julia planten das dritte Date bei sich und wir wissen alle, was die Etikett beim dritten Date verspricht, doch kurz davor sagte sie, das wolle sie nicht. Aber um aufzuhören war nein kein ausreichender Grund für dich. Aber um aufzuhören, war Nein kein ausreichender Grund für dich. Kathi, Lula, Maytal, Nadia, Olivia. Auf einer College-Party ist sie das erste Mal Alkohol trank. Ihr schmeckte das Bier, doch sie schmeckte die Tropfen darin nicht. Und seitdem kann sie nichts Alkoholisches mehr trinken, als die Erinnerung daran, die in der Kehle sticht. Because I can still feel their phantom fingers. I can smell them on my clothes. Is it love that's all around me? Because my fear grows. Es gibt Leute, die haben Angst, auch wenn du dir das nicht vorstellen kannst. Und ja, zum Glück ist ein großer davon unbegründet. Unbekümmert sind wir trotzdem nicht in jeder Situation. Egal wie gut deine Intention, sieh bitte ein, du weißt nicht, was vorgeht in der anderen Person. Because it's written on the wind, it's everywhere I go. So if you really respect my boundaries, come on and let it show. Das war Elena Sato. Wie ihr hört, Gewalt gibt es nicht nur in einer sozialen Schicht, sondern über alle Schichten hinweg, in allen Berufsgruppen, in allen möglichen Familienverhältnissen. Und so auch eben, wie in diesem Text gehört, fängt Gewalt nicht tatsächlich bei physischer Gewalt an, sondern kann oft beim Kompliment anfangen, das unbekommen ist. Das Druck aufbaut, kann bei Einladungen, Getränkeinladungen anfangen, wo Druck aufgebaut wird auf die Frau, dass sie ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen soll. Ganz viel in dieser Aufklärungsarbeit, die in diesen 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen stattfindet, geht es darum, nicht Männer per se als TäterInnen darzustellen, oder als Täter in dem Fall, sondern es geht darum, einfach Aufklärung zu schaffen, wie tagtäglich Frauen Gewalt erleben in kleinen bis in schwere, große Situationen. Es geht darum, dass Männer sich ihres Verhaltens bewusst werden und dieses möglicherweise adaptieren und das patriarchalische Verhalten versuchen abzulegen, das leider in einer Gesellschaft nach wie vor oft vorherrscht. Aber kommen wir zur nächsten Frage. Genau, thematisch geht es jetzt passend natürlich weiter für euch mit einer großartigen Künstlerin. Sie kommt ebenfalls aus Wien, wie bereits Schafir. Und genau, sie arbeitet dort im Sozialbereich, genauer gesagt mit geflüchteten Familien und steht nicht nur als Künstlerin auf der Bühne, sondern normalerweise eventuell auch als Moderatorin. Bitte streamt sie auf die Bühne und heiße sie herzlich willkommen, die großartige Fanny Vermoes. Hallo, freut mich voll hier live oder nicht live oder aufgenommen zu sein. Ich muss euch den Raum ein bisschen beschreiben, weil ich den sehr eindrucksvoll finde. Da die zehn Männer, die da auf mich herunterschauen mit ihrem Smileface. Also schauen alle ziemlich genervt. Ich glaube, Politik ist anstrengend, hat man so das Gefühl, wenn man so in die Blicke dieser zehn Bürgermeister ohne Innen leider blickt. In den Zwanzigern bis zu bis zu den 60ern, glaube ich. Ich hoffe, es werden noch viele Räume mit Frauen folgen, Bürgermeisterinnen, wäre sehr fein. Du bist das Opfer, geschau dir einmal an, dein Rock ist so kurz, der darf dich gern fest am Arsch aufhören. Was? Du findest mich auf einmal oder näher? Das würde dir schon gefallen beim Geschlechtsverkehr. Zwei Frauen. Sie streifen in der Nacht durch den Park. Da spübert sie's lang. Kein Kind, der schreit so wie am Tag. In der Ecke beim Tisch ein Sandlerhuck, der dreht sich kurz um, bevor sie die Spritze rein trugt. Aber sonst ist es ganz still, außer dieses seltsame Gefühl. Es schleicht sie leicht in die Köpfe der Frauen und lässt sie nimmer mehr ihrem Bauchgefühl vertrauen, das flüstert. Abhauen. Was glaubst denn du, was du mit deinem aufreizenden Aussehen riskierst? Sicher nicht, dass die eine Zertelchen die Arme schließt. Weißt du, was sie gern mit dir darat? Die Frau ist am tiefen Gespräch über Studium und Geld, über die große Liebe und was man sie sonst halt so nach dem Fortgehen erzählt. Sie bleiben kurz stehen, verabschieden sich. Die eine geht rechts, die andere links. Von jetzt an, für die eine das Schicksal beginnt. Es wird ein Spießrutenlauf und ein ungutes Gefühl steigt in ihr auf. Angst klettert vom Rücken bis in die Schulter empor. Auf einmal ist ihr jemand ganz nah. Haucht ihr ins Ohr. Na, sind wir allein unterwegs? Du bist mir gleich aufgefallen. Sein Griff ist fest und ihr Ohr misst dicht an ihren Rücken gepresst. Wenn ihr nicht schreist, passiert dir nichts, hört dich sowieso keiner. Nicht einmal der Sandler drüben, der wichst. Was ist das mit euch Frauen, dass ihr euch immer so anbieten müsst? Verstehst nicht, dass du mit dein Leben riskierst? Er greift dir zwischen die Beine und hält sie dicht an ihn, gepresst. Na schau, was du alles gefallen lässt. Seine Bewegungen werden schneller und sein Griff wird immer fester, seine Zunge gleitet über ihren Hals und nein, nein, das ist noch nicht alles. Seien wir uns einmal ehrlich, so eine Frau zu begehren, das ist schon herrlich. Und wenn sie sich dann bucht, ist mir egal, ob sie schluckt oder spuckt, solange sie das befriedigt, was ich als normalen Trieb sehe. Also wer kann es mir verwehren? Mein natürliches Begehren. Kannst du jetzt verstehen, warum ich mir die ausgesucht habe? Ihr Herz, das bocht wie Wüt. Es ist Angst, die sie spürt, die sie starr macht und betäubt. Wenn du jetzt versuchst, wegzurennen, dann kommst du nicht weit. Was Spitzes baut sich in ihr Fleisch. Er will sie bezwingen um jeden Preis. Du bist selber schuld, weil der Körper mir zu verstehen gibt, dass er sowieso keinen Ausweg mehr siegt. So steht sie da, benommen und sagt ganz zittrig, ich bitte, lass mich gehen, ich werde keinem davon erzählen. Sie kneift die Augen zu. Weil vielleicht will er, wenn sie sich ruhig verhört, nicht mehr von ihr. Aber nein, bitte nicht. Sie wird immer größer, sagt er. Sag, weißt du das nicht? Dein Flehen, das macht mich ganz scharf. Also sei jetzt kusch, lieb und brav. Ich will, dass wird lauter. Und sie fleht ihn einmal noch bittend an, ob er sie nicht endlich loslassen kann. So greift er ihr noch einmal gierig unters Shirt, bis er von der Seite Schritte hört. Ein Pärchen am Heimweg. Sie passieren die beiden, sie schauen kurz auf, aber reagieren nicht auf ihr Leiden. Es wird weggeschaut und weitergegangen. Und die Person bleibt allein nicht in ihrer Situation gefangen. Was würde ich tun? Frage ich mich oft. Würde ich was sagen? Hätte ich eine Kraft? Ich weiß es nicht. Aber was gewollter an Menschen passiert, das gehört zur Sprache gemacht. Lieber handeln statt wegschauen, nicht nur in dieser einen Nacht. Das war funny vermuts. Liebe Menschen da draußen, ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr tagtäglich Nachrichten schaut oder eure Nachrichten-Apps auf dem Handy aufmacht. Aber es erschüttert eigentlich fast jede Woche irgendwie die Nachricht, dass wieder eine Frau umgebracht worden ist. Und um euch da vielleicht einmal Zahlen zu geben, in Österreich werden seit 2010 zwei bis drei Frauen pro Monat ermordet, bis zum heutigen Zeitpunkt. Wenn wir da die Mordversuche mitrechnen, dann sind wir bitte bei sechs Frauen pro Monat. Ja, ich glaube, mehr muss man dazu gar nicht mehr sagen, aber es ist einfach wichtig, dass man darauf aufmerksam macht, wie heftig das alles ist. Genau. Und bitte schaut hin in Zukunft, wenn ihr Gewalt seht und sei es einfach nur, dass jemand Druck ausübt. Zeigt Zivilgarage, geht hin oder meldet euch bei Einrichtungen, wenn euch das selber irgendwie betrifft. Dazu kommen wir aber dann später nochmal. Texten kommt Laura Helmich. Sie ist aus Oberösterreich und ist auch schon seit Jahren bei uns auf den Bühnen aktiv. Momentan im Lockdown konnte sie sich jetzt endlich nach Hause zurückziehen, in ihr Heim in Kemmerten, zu ihren zahlreichen Katzen, die ihr jetzt ein heimeliges Gefühl über Weihnachten geben werden. Aber umso schöner ist es jetzt, dass sie es trotzdem aus ihrem heimeligen Ort hierher geschafft hat, in den Renaissance-Saal des alten Linzer wie sagt man? Rathaus. Rathaus, vielen Dank. Bitte gerne, dafür sind wir zu zweit. Genau. Bitte auch sie streamt hier auf die Bühne, wie die Lisa zuerst gesagt hat. Klatsch und Applaus vor den Bildschirmen für Laura Helmich. Hallo. Also ich beschäftige mich in meinen Texten viel mit sexualisierter Gewalt, weil das ein Thema ist, das mich irgendwie zu verfolgen scheint. Und ein trauriger Fakt am Rande, ich war vor zwei Jahren schon mal dabei bei diesem Slam, damals noch nicht übers Internet. Damals noch nicht übers Internet. Und in der Zwischenzeit habe ich einfach schon wieder zwei autobiografische Texte über sowas schreiben können, was irgendwie sehr, sehr traurig ist und sehr dafür steht, wie dringend wir das brauchen. Ja, voll. Mein Text heißt Ein offener Brief an die Pornoindustrie oder als ich den Glauben an die Menschheit verlor. Wir sehen zwei nackte Menschen nebeneinander liegen. Aus dem Titel wissen wir, dass es in der Nacht davor einen One-Night-Stand gegeben hat. Sie liegt mit dem Rücken zu ihm und schläft. Er wacht mit einem Ständer auf. Er kuschelt sich von hinten an sie und fängt an, ihre Brüste zu kneten. Fünf Minuten später, er knetet immer noch an ihr herum, hat er vor, Brot zu backen oder was. Es ist faktisch nicht möglich, so lange weiter zu schlafen, während an dir rumgespielt wird. Weitere zwei Minuten später wacht sie langsam auf und sagt, lass das, ich bin müde. Er macht weiter. Sie flüstert leise, aber dennoch hörbar, ich will das gerade nicht. Er fährt ihr zwischen die Beine. Sie meint, nein. Er winkelt ihr Bein an und fährt in sie. Ich springe in der Zeit etwas nach vorne. Als die Seite fertig geladen hat, macht sie es sich gerade auf seinem Schoß gemütlich. Noch bevor er in sie hineingleitet, stöhnen sie. Da tut sich bei mir die Frage auf, wie ist das anatomisch möglich? Spürst du schon die Aura um den Penis herum? Ich springe wieder in der Zeit, er kommt gerade, bei ihr weiß man das nicht so genau. Sie schreit schon die ganze Zeit wie am Spieß, wobei am Spieß hier ein Wortspiel ist. Zwei Minuten später, er zieht sich an, während sie im Bett liegt und ihn anhimmelt. Was man aus einem Nein alles machen kann, sagt er und geht. Zurück im realen Leben. Wir sehen mich, wie ich einfach nur einen Sonnenschirm online verkaufen will. Ich sage, du sollst mir besser nicht zu nahe kommen, weil ich gerade auf Corona getestet werde. Das ist dir egal, sagst du und umarmst mich fest. Ich bin verwirrt, sch hinten an die Brüste. Lass das, sage ich. Du suchst nach meinem Nippel an einer Stelle, wo anatomisch gar kein Nippel sein kann. Geh weg, sage ich, und du greifst zwischen meine Beine. Lass das, schreie ich, während du darauf wartest, dass ich auf dich klettere. Ich stoße deine Hand weg und befreie mich aus deinem Griff. Du stehst mir gegenüber und grinst mich einfach nur an. In deinem komischen Kopf war das wahrscheinlich einfach nur eine Art, mich zu versuchen, mich zu verführen. Kleiner Tipp zwischendurch, wenn du das willst, geh mit mir ins Kino oder so. Ob wir uns mal treffen können, fragst du. Nein, sage ich. Ob ich dich nicht in die Wohnung lassen will. Nein, sage ich. Ob ich dir nicht was zu trinken anbieten will? Fragst du. Nein, antworte ich. Dass es doch unfreundlich vor mir ist, dir nichts zu trinken anzubieten, sagst du. Ist es nicht, sage ich. Hast du einen Freund, fragst du. Ja, meine ich. Da lässt du mich endlich in Ruhe. Ich rege mich umso mehr auf. Warum respektierst du einen Mann, den du nie davor gesehen hast, mehr als eine Frau, die 20 Mal laut und deutlich Nein sagt? Was ist nur falsch mit dir, dass du mein Nein nicht akzeptierst? aufgeklärt werden, aber dann bis zum Sex ihre einzige Vorlage Pornos sind, ist es dann das, was wir ihnen vermitteln wollen? Dass du, wenn eine Frau Nein sagt, nur lang genug an ihr rumrubbeln musst, bis sie auf dich raufklettert? Liebe Pornoindustrie, ich will nicht sagen, dass du schuld daran bist, dass ich gegen meinen Willen angefasst wurde, aber ich glaube schon, dass diese Filme durchaus dazu beitragen. Ich schreibe diesen Text drei Wochen nach dem Übergriff und ich habe immer noch Angst. Angst davor, dass du wiederkommst und Schlimmeres mit mir machst. Angst davor, dass du mir aus Wut, dass ich dich angezeigt habe, etwas antust. Ich habe mir einen Taschenalarm gekauft und mich für einen Selbstverteidigungskurs angemeldet. Aus Angst, dass nicht nur du diese Vorstellung von Frauen und Sex hast. Und ich glaube, sehr viele Frauen, egal ob sie davor jemals belästigt wurden, kennen solche Ängste. Und solange Frauen nachts schneller gehen als tagsüber, um möglichst schnell am Bahnhof, bei der Bushaltestelle, an der Eingangstüre oder am Auto anzukommen, gibt es Gründe zu kämpfen. Und liebe Pornoindustrie, dieses Bild zu vermitteln gehört nicht dazu. Nein heißt nein. Aber genauso heißt lass das, nein, oder fass mich nicht an, oder ich will heute nicht, oder ich habe es mir anders überlegt, oder vielleicht später, oder ich fühle mich nicht wohl damit, oder ich mag das nicht. Wenn es kein enthusiastisches Ja ist, ist es ein Nein. Und das gilt es endlich zu begreifen. Vielen Dank. Das war Laura Helmich und damit beschließen wir die erste Runde der Texte oder dieser Poetry Slam Show und möchten auf etwas hinweisen, was das Frauenbüro der Stadt Linz nämlich für dieses Jahr, diese 16 Tage, organisiert hat. Es läuft über 16 Tage hinaus, aber in diesem Zuge ist es sozusagen publik geworden und einfach in dieser Kampagne entstanden. Es geht nämlich hier um diese zwei Plakate. Lisa und ich halten jeweils eins davon nach oben. Es gibt zahlreiche mehr. Es sind so Sprechblasen und es soll einfach darauf hinweisen, dass Nein ein Nein bedeutet oder dass nicht jede Person einfach so geschlagen werden kann, natürlich aus welchen Gründen auch immer, sondern dass das einfach Gewalt ist natürlich. Es gibt zahlreiche verschiedene Texte, bitte schaut einfach mal online nach und wenn ihr findet, euch spricht eine Nachricht an, beziehungsweise ihr wollt eine Nachricht verbreiten, diese Dinge könnt ihr einfach online bestellen, diese Sprechblasen und dann überall aufhängen, wo auch immer euch das Wichtige scheint. Zudem gibt es allerdings auch diese großartigen Sticker, und zwar mit der Nummer 0800, dreimal die 2, dreimal die 5, das ist die Nummer der Frauenhelplein. Wie gesagt, das sind Sticker, die können Sie auch sehr gerne bestellen. Und ja, ich finde, die sollten irgendwie überall aufliegen, damit Frauen Bescheid wissen, wo sie sie melden können, wenn sie Gewalt erfahren oder wenn sie sie irgendwie betroffen fühlen oder helfen wollen und unterstützen wollen. Und ihr könnt diese Sticker tatsächlich überall hinhängen, denn sie Gewalt erfahren oder wenn sie sie irgendwie betroffen fühlen oder helfen wollen und unterstützen wollen. Und ihr könnt diese Sticker tatsächlich überall hinhängen, denn sie sind statisch, das heißt, sie kleben nicht wirklich da und irgendjemand muss sie dann wegputzen, weil es so durchpagrindig schon ist oder so. Nein, sie können immer wieder neu hingehängt und auch wieder abgenommen werden, aber abnehmen will man sie nicht, natürlich. Ich habe selber diese Sticker schon auf zahlreichen öffentlichen Toiletten zum Beispiel gesehen oder quasi in Räumen oder in Bars und so weiter, wo relativ schnell doch Übergrifflichkeiten zust sie überall in der ganzen Stadt, in ganz Oberösterreich, unterstützt bitte diese Kampagne gegen Gewalt an Frauen eben noch bis zum 10. Dezember. für die zweite Runde. Wir haben jetzt alle Künstlerinnen, die ihr bereits gesehen habt, noch einmal hier für euch und würde sagen, wir starten gleich wieder mit der ersten Künstlerin. Genau, die erste Künstlerin in dieser Runde ist auch die, die die ganzen Slams-Show heute gestartet hat. Wie bereits gesagt, sie ist aus Oberösterreich, sie ist fantastisch. Bitte, bejubelt sie über eure 5G-Netze auf die Bühne. Hier ist Bavarina. Danke, danke. Den zweiten Text, den ich mitgebracht habe, den habe ich geschrieben, wie der eine Lockdown gerade vorbei war und der nächste uns noch bevor gestanden ist. Und das war für einen Themenslam im Thema Digitalisierung und ich habe mir gedacht, ja, irgendwie passt das ja jetzt auch nicht so schlecht, weil ihr schaut ja gerade vom Bildschirm aus zu. Genau, und er heißt Steuerung entfernen. Steuerung entfernen. Es geht mir auf die Nerven. Wie viele Gedanken musst du verwerfen, bevor du dir eingestehst, dass es nicht mehr geht. Scrollst du noch oder lebst du schon? Mittlerweile ist es wie eine Bedrohung. Drohnenflüge, Social-Media-Lüge. Sind deine Augen auch schon müde? Vom vielen Bildschirm schauen. Das Leben kommt mir vor wie ein Traum. Aus kaltem Weiß ist das der Preis fürs immer dabei sein, bereit sein und scheinbare Freiheit. FOMO, Fear of Missing Out, Thousands of Doubts about Images of Nobody and My Body. Steuerung entfernen, es geht mir auf die Nerven. Wie viele Gedanken musst du verwerfen, bevor du dir eingestehst, dass es nicht mehr geht? Wenn man die Fortschritte außer Betracht lässt, ist es der Stress, den wir daran verachten. Was macht das mit einem, immer und überall dabei zu sein? Und den Text nicht mehr zu wissen. Ach, was für ein schlechtes Gewissen ich habe. Was macht es mit einem immer und überall alles und nichts zu wissen? Zeit verfliegt, verbissen durch die Welt zu gehen und nicht zu sehen, wie beschissen du aussiehst. Wie Zombies, nur von dem leuchtenden Rechteck angetrieben, treibt es die trieblos scheinenden, durch Trieb gesteuerten Wesen zu den Zeitdieben. Zeitdiebe, ja genau das sind diese Kanäle mittlerweile für mich geworden. Offen oder verborgen geben sie es zu, was sie mit einem tun oder nicht mehr tun lassen. Wann hast du das letzte Mal gelassen, den Moment genossen? Ich kenne nur wenige, die das können und ohne sie zu benennen, ist bei mir für sie Beründerung gesprochen, während ich meine Zeit vergossen habe, so wie ich es mit meinen Blumen viel zu selten tue. Ich will Ruhe. Ich will nicht mehr hören, was los ist mit dem Morgenstern, wer wann wen um welche Ecke gebracht hat oder wissen, wie ich ankomme beim Betrachter. Steuerung entfernen, es geht mir auf die Nerven, wie viele Gedanken musst du verwerfen, bevor du dir eingestehst, dass es nicht mehr geht. Ein bisschen eingestanden habe ich es mir selber schon, aber noch nicht ganz. Ich könnte jetzt quälen und erzählen, wie oft ich Instagram schon gelöscht habe, aber eben noch fast. Zusammengefasst bin ich selber nicht besser, lass mir viel wegnehmen vom Zeitfresser, Kritik so scharf wie ein Messer, das seit zehn Jahren nicht mehr geschliffen wurde. Würdest du die Bürde auf dich nehmen, die deine Würde eingestehen und einfach den Moment leben? Ich finde, das klingt ziemlich verlockend und eigentlich habe ich echt viel Bock eh, aber tun tut man es dann trotzdem nicht, weil es ja so viel Spaß macht. Und mit ganz viel Maß und etwas Ziel läuft das Spiel ja eh nie schief. Steuerung entfernen, es geht mir auf die Nerven. Viele Gedanken musst du verwerfen, bevor du dir eingestehst, dass es nicht mehr geht. Und bevor du gehst oder nicht gehst, weil du wahrscheinlich gerade gemütlich zu Hause sitzt. Bevor du gehst, eine Frage habe ich noch. Ohne hohen und ohne zu drohen, scrollst du noch oder lebst du schon? Dankeschön. Das war Barbarina. Die wir das vielleicht ganz am Anfang erwähnt haben, aber jetzt vergessen haben, in der zweiten Runde nochmal zu sagen. Die Poetinnen sind jetzt in der zweiten Runde frei inhaltlich. Einige werden nochmal und ein Wunder. Ja, bitte wärmt sie auf die Bühne in euren Jogginghosen mit hoffentlich einem guten Getränk in der Hand und im besten Fall Popcorn-Nachos mit Salsa oder Käsesoße. Käsesoße, okay. Streamt sie auf die Bühne, heißt sie herzlich willkommen Shafia Kawai. Ja, Dankeschön. Ich dachte, ich bleibe thematisch beim Thema. Ich bleibe inhaltlich beim Thema. Genau, wie gesagt, wir haben gerade schon festgestellt, Gewalt ist sehr vielfältig und oft ist aber auch ein Problem, dass man Gewalt gerade in der Familie nicht so mitbekommt, beziehungsweise dass es oft nicht als Gewalt irgendwie erkannt wird, beziehungsweise ging es mir so. Und der folgende Text, der geht auch ein bisschen darum und er trägt den Titel Männers. Meine Cousine hat sich letztes Jahr zu Weihnachten ein Spiel gewünscht. Kacka-Alarm. Drückt den Pümpel, bis Mr. Kacka raus springt. Mr. Kacka ist eine braune Wurst mit Händen und Augen und einem breiten Grinsegesicht. Hui, da ist er ja. Steht auf der Packung neben Mr. Kackas grinsendem Gesicht, die Hände gestreckt wie Hui-Buh. Hui, da ist er ja. steht auf der Packung neben Mr. Kackas grinsendem Gesicht die Hände gestreckt wie Hui-Buhi. Da ist er ja. Und meine Cousine sitzt vor der Kloschüssel mit dem Pümpel in der Hand und schaut zu Mr. Kacke auf, als sei er der heilige Messias. Das Spiel gibt's wirklich und das ist auch wirklich genauso auf die Packung aufgedruckt. Wenn Mr. Kacke dann herausspringt, schreien die Kinder Hui, da ist er ja und müssen versuchen, Mr. Kaca dann herausspringt, schreien die Kinder, da ist er, ja, und müssen versuchen, Mr. Kacka zu fangen. Ich habe den Text auch länger nicht gemacht, I'm sorry. Meine Cousine liebt das Kacka-Alarmspiel. Sie saß da bestimmt eine halbe Stunde mit dem Pümpel in der Hand und hat sich immer gefreut, wie verrückt der Mr. Kacka rauskam. hat bestimmt eine halbe Stunde mit dem Pümpel in der Hand und hat sich immer gefreut, wie verrückt der Mr. Kacka rauskam. Alle sagen immer, die Jugend von heute, aber die, die das sagen, sind doch die gleiche Boomer-Generation, die solche Spiele überhaupt erst entwickeln. Okay, ich meine, früher gab es auch schon zicke, zacke Hühnerkacke, aber ich habe lieber SOS Affenalarm gespielt. Lotti Karotti, das magische Labyrinth oder Sagerland. Denn shitty Männer, meine persönlichen Mr. Kackers, hatte ich auch so in meinem Leben. Ist doch nur ein Spiel, meinte mein Onkel, als er sein Bein in meine Kniekehlen gedrückt und mich auf den Boden geworfen hat. Und ich konnte mich nicht mehr bewegen. Du tust mir weh, habe ich gesagt, aber er hat nicht losgelassen. Judo ist ein Kampfsport, das muss man halt aushalten, hat er gesagt. Stell dich nicht so an. Meine Uropa hat mir auf WhatsApp geschrieben, Judo ist ein Kampfsport, das muss man halt aushalten, hat er gesagt. Stell dich nicht so an. Meine Uropa hat mir auf WhatsApp geschrieben, das Einzige, was ihm noch Freude bereitet, ist das Masturbieren. Und meine Mutter hat gesagt, ich soll ihn blockieren. Und wie blockiere ich ihn im echten Leben, hätte ich gerne gefragt, aber Mama hätte nur gesagt, tja, Familie kann man sich halt nicht aussuchen. Und bei der nächsten Familienfeier hat meine Cousine freudig gerufen, ui, da ist er ja, und ist in seine offenen Arme gelaufen. Weglaufen wollte ich, als mein Opa mich nach ein paar Flaschen Bier und ein paar Gläsern Rotwein abknutschen wollte und mich festgehalten hat. Und ich konnte mich nicht aus seinem Schraubstockgriff entwinden. Hab dich nicht so, hat er gelacht und seine schiefen gelben Zähne entblößt. Entblößt habe ich mich gefühlt im Reisebus in Marokko. Ich habe aus dem Fenster geschaut und die Leute beobachtet und mein Blick hat denen zwei Männer auf dem Motorrad gekreuzt. Sie haben nicht weggeschaut. Und ich habe den Blickkontakt gehalten, weil ich dachte, das ist ein Spiel. Wer zuerst blinzelt, hat verloren. Aber für sie war das kein Spiel, sondern ein Flirtversuch. Und der eine hat mich angeschaut. Lüstern, schmierig, eklig. Und obwohl ich ihm von meinem Sitz im Bus aus überlegen war, habe ich mich unterlegen gefühlt. Ich habe Angst bekommen, bin in meinem Sitz zurückgesunken und habe die Gardine zugezogen. Ich habe meine Mutter davon erzählt. Meine Mutter hat nur gelacht und gesagt, aber das musst du doch wissen. Wir sind in einem muslimischen Land, du darfst den Männern nicht in die Augen schauen, das gehört sich nicht für eine Frau. Bin ich schon eine Frau, hätte ich gerne gefragt, weil ich war erst zwölf. Noch ein Mädchen eigentlich, aber ich hatte schon meine Periode und sie haben gesagt, jetzt bist du eine Frau. Dass nicht alle, die ihre Periode haben, Frauen sind und nicht alle Frauen ihre Periode haben, das hat mir damals niemand gesagt. Also habe ich nicht gefragt, ob ich überhaupt schon eine Frau bin. Ich habe gefragt, warum ich die Männer nicht anschauen darf, aber die Antwort nicht verstanden. Ich habe nicht verstanden, warum ich nicht mit dem netten fremden Mann mitgehen durfte, weil er war doch nett zu mir. Ich dachte mir, da ist er ja. Und habe zu ihm aufgeschaut, als sei er der heilige Messias. Weil er hat die Jungs verjagt, die mir aufgelauert sind, mir den Weg versperrt und mich getreten und geschubst haben. Er hat mir ein Taschentuch für meine Tränen gegeben und mich auf sein rosa Fahrrad gesetzt. Setz dich, hat der Polizist als nächstes gesagt und ich musste dem Beamten von einem netten fremden Mann mit dem rosa Fahrrad erzählen. Das war ein Mitschnacker, hat meine Mutter aufgebracht, gerufen, weil man in Norddeutschland so die Männer nennt, die Kindern Fotos von Kaninchen zeigen und sie dann mitnehmen, mitschnacken. Aber wenn selbst nette Männer auf rosa Fahrrädern potenziell gefährlich und böswillig sind, wen kann man dann noch glauben, habe ich mich gefragt. Wenn ich selbst schuld daran bin, weil das Männer mich lüstern anschauen, weil ich es provoziert habe, auch wenn ich nur, wer zuerst blinzelt hat, verloren spielen wollte. Was soll man noch machen, wenn die eigenen Verwandten Grenzen überschreiten, die sie wegwischen mit einem Mensch? Ärger dich nicht. Denn das ist kein Spiel, wenn du Angst hast, dass du nachts nicht nach Hause kommst, bevor dich jemand aus dem Hinterhalt wegkickt, wie die Holzfigur auf dem Spielbrett, wenn du Angst hast, dass du nachts nicht nach Hause kommst, bevor dich jemand aus dem Hinterhalt wegkickt wie die Holzfigur auf dem Spielbrett. Wenn du Angst hast, dass jemand hinter der nächsten Hausecke hervorspringt wie Mr. Kacke aus der Kloschüssel. Dann ist das keine Paranoia, das ist Angst. Weil das ist kein Spiel. Und wenn es eins wäre, dann hättest du schon von Anfang an verloren. Das war Shafia Kavaya. Ich habe hier nochmal ein anderes Sprechblasenplakat von der Kampagne 16 Tage gegen Gewalt an Frauen. Genau, dass ihr seht, es gibt, ich glaube, insgesamt 15 verschiedene, aus denen ihr auswählen könnt. Haltet euch nicht zurück. Verteilt hier in der ganzen Stadt. Und so kommen wir schon zur nächsten Starterin. Die nächste Starterin war logischerweise auch in der Vorrunde schon da. Es ist mir eigentlich eine Freude. Ich habe sie schon ewig lang nicht mehr gesehen. Das letzte Mal noch vor dem Lockdown haben wir gemeinsam getanzt bis in die frühen Morgenstunden. Ich war danach so k.o. Ich musste drei Tage schlafen. Aber nichtsdestotrotz freut es mich sehr, dass wir uns heute in Distanz wiedersehen und vielleicht dann später in Distanz noch miteinander einen kurzen Tänzchen aufführen können. dann später in Distanz noch miteinander einen kurzen Tänzchen aufführen können. Nicht vor der Kamera. Freut euch nicht zu früh. Bitte applaudiert sie nochmal auf der Bühne mit euren Getränken in der Hand. Beschreit sie und bejubelt sie auf eurem Bildschirm. Ja, das könnt ihr heute machen. Hier ist für euch nochmal Fanny Famos. Da muss ich ja fast auf die Bühne tanzen. Das war angesagt. Aufgelegt. Wie der Wiener sagt. Meine Mama ist endlich in Pension. Ich bin urfroh. Warum? Wer wird es hier bei dem nächsten Text erfahren? Ja, da macht einfach alles Sinn. Ich möchte nicht vorgreifen, weil es dann immer so schön ist, wenn da die ZuschauerInnen plötzlich draufkommen. Wow, der Twist. Hätte ich was gedacht. Genau. Wir sitzen zu dritt beim Tisch. Der Radio ist laut und es dröhnt in meinen Ohren. Wir hören Radio Wien, weil dort spielt es immer noch die beste Musik. Die Mama hat gekocht irgendwas mit Fleisch. Bei uns gibt es immer Fleisch, weil sagt die Mama, Fleisch hat es bei uns früher nur am Sonntag gegeben. Ja und jetzt können wir es in all seinen Formen jeden Tag genießen. Zum Frühstück, zum Mittagessen und am Abend. Jeder Tag ist also Sonntag. Wenn die Mama über ihre Arbeit redet, stöhnt der Papa genervt auf und sagt, also ich würde mir das alles nicht freuen lassen. Die Mama und ich schauen uns dann immer genervt an. Papa, du verstehst das nicht, sage ich dann mit Nachdruck. Es ist schon okay, dass der Papa da einer anderen Meinung ist als wir, denn er war nie in einem Sozialberuf tätig. Er hat sich nie in seiner Arbeit auch um die Gesundheit anderer Personen kümmern müssen. Dann erzählt meine Mama weiter über ihre Patientinnen, die sie als Krankenpflegerin täglich versorgt. Die ist so alt wie ich und hat es einfach nicht mehr geschafft, betont Mama immer wieder. Sie war schon zu schwach. Sie erzählt mir, was sie alles anziehen muss, um zu einer Covid-19-Patientin gehen zu können. Sie beschreibt mir detailliert, welche Schritte und Reihenfolgen sie beachten muss. Zuerst muss er die Hände desinfizieren. Aber halt gescheit. Alle Flächen der Hand, den Daumen und das Handgelenk darfst du ja nicht vergessen. Außerdem muss das 30 Sekunden lang einwirken lassen. Dann kommt der Einmalschutzmantel. Der wird über den Hals und da unten bei der Hüfte mit einem Band zusammen gemacht. Dann kommt die Hauben, damit die Haare nicht kontaminiert werden. Als nächstes setzt der FFP2-Schutzmasken auf, manchmal auch FFP3. Da musst du vor allem schauen, dass du wirklich da oben bei der Nase abschließt. Nachher setzt er auch noch eine Schutzbrühe auf und als letzter kommt da die einmalen Handschuhe dran. Und als letzter kommt da die einmalen Handschuhe dran. Die werden aber über das Bündchen des Mantels drüber gestülpt. Und jetzt kannst du das Patient in dein Zimmer betreten. Auch das Ausziehen der Schutzkleidung besteht aus mehreren Schritten, die von einer regelmäßigen Händedesinfektion nach jedem ausgezogenen Schutzbekleidungsstück begleitet wird. Allein nur mühsam zu schaffen. Der Papa stöhnt wieder auf. Ma, können wir nicht einfach über was Schöneres reden? Fragt er in die Runde. Ich verstehe ihn sehr gut. Der Papa redet nicht gern über diese schierchen Dinge. Als ich noch zu Hause gewohnt habe, hat er immer gesagt, wenn ich etwas Schlimmes sehen will, dann schaue ich die Nachrichten an. Ja, und das tut er auch täglich. Von 18 bis 0 Uhr werden Nachrichten geschaut. Um 18 Uhr die ZIB 18, um 19 Uhr Bundesland Heute, um 19 Uhr die 19.30 Uhr die großen Nachrichtenzeit im Bild, um 21.50 Uhr die ZIB Flash, um 22 Uhr die Zipp 2 und um 23 Uhr die Zipp Nacht. Gut, denke ich mir. Gut, dass meine Eltern nur drei Sender haben. Ich verstehe schon, ich verstehe es wirklich. Mir wäre das auch ein bisschen zu viel Drama am Tag, wenn mir meine Partnerin dann auch noch vor dem ganzen Nachrichten-Marathon Horror-Stories aus ihrer Arbeit berichten würde. Genug ist genug. Kurz muss ich in mich hineinlachen, weil mir die Situation so absurd erscheint. Da holt mich meine Mama wieder zurück in die Gegenwart. Aber lang darfst du nicht drinnen bleiben. Das hältst du auch nicht aus unter dem ganzen Quant, beschreibt meine Mama jetzt wieder etwas leiser. Ich hätte schon längst was gesagt, das ist ja nicht normal, wirft der Papa wieder ein. Meine Eltern beginnen zu diskutieren. Jetzt haben beide genug. Meine Mama von Papas Nörgelein und der Papa von Mamas nervige Geschichten über die Arbeit. Mit einer Selbstverständlichkeit räumt meine Mama den Tisch ab und die Küche auf. Selbstverständlich, denke ich mir. Ja, ist ja einfach alles selbstverständlich. Während ich fünf Monate lang blöd in meinem Zimmer hocke, Klopapier horte und Katzenvideos schaue, fehlt es anderswo massiv an Arbeitskräften. Und um 18 Uhr gehen wir dann alle raus und spenden Applaus. Äh, Moment. Applaus gibt euch nicht mehr Arbeitskräfte. Auch nicht mehr Geld. Was? Keine besseren Dienstverträge? Komisch, wofür klatschen wir nochmal? Ich höre gern zu, wenn mir meine Mama von ihrer Arbeit berichtet. Weil ich dann das Gefühl habe, dass sie mir dadurch auch sehr viel über sich selber erzählt. Sie redet nicht gerne über sich selber. Aber seit der Pandemie haben sich ihre Geschichten meist nicht zu einem Happy End gewandt. Es ist halt scheiße, wenn du mit einer Nierenerkrankung im Krankenhaus liegst, dich dort dann auch noch an Covid-19 infizierst und stirbst. Daran ist nichts mehr happy und das geht halt nicht spurlos an einem vorüber. Du wischst dir versteckte Tränen aus dem Gesicht und ich tue so, als würde ich es nicht bemerken. Sonst würde ich wahrscheinlich selber anfangen zu weinen. Ich bin froh, dass du endlich in Pension gehst. Ich glaube, das erste, was ich sehe, hat der Papa die letzten drei Jahre immer wieder betont. Und zu Recht. Weil du hast deine Pensionierung immer wieder aufgeschoben. Eigentlich hättest du auch schon vor der Pandemie in Pension gehen können, bist du aber nicht. Ich bin froh, dass du jetzt zur Ruhe kommen kannst. Ich bin froh, dass du nicht jeden Tag mehr mit dem Tod konfrontiert wirst und ich bin froh, dass du so lange stark warst. Deine Arbeit ist nicht selbstverständlich, denke ich, schlürfe dabei meinen Kaffee. Also iiih, beginnt der Papa. Ja, ja, ja, würde mir das alles nicht gefallen lassen, beenden meine Mama und ich den Satz. Aber ich weiß halt auch, dass Care Work nicht bei der Eingangstür deiner Wohnung aufhört. Ja, liebes Publikum, das war Fanny von Moos. Genau, ich hoffe, ihr seid bereit für den vorletzten Text des heutigen Abends. Deshalb würde ich sagen, lehnt euch in euren wahnsinnig gemütlichen Computersesseln zurück. Macht euch bereit. Auf die Couch nochmal breitlegen. Vielleicht nochmal ein frisches Getränk holen. Die Lisa und ich plappern dabei noch ein bisschen. Ah, okay. Sehr gerne. Ich weiß nicht, wie lange die Leute brauchen, um sich ein frisches Getränk zu holen. Oder vielleicht einfach mal… Es kommt drauf an, wie weit der Kühlschrank weg ist. Ich hoffe, der Kühlschrank ist sehr nahe. Ich glaube, wir haben genug. Okay, dann bitte heißt Sie willkommen auf der Bühne, die wahnsinnig gern gesehene Gästin und großartige Frau hier und jetzt für euch Elena Sato. Ja, Ich habe einen relativ neuen Text mitgebracht. Wie in Zeitlupe steigst du in die U-Bahn ein. Du nimmst mir gegenüber Platz und dann, wie könnte es auch anders sein, verschwindet dein Blick in meinem Ausschnitt. Es freut mich sehr, in Bordeaux 4 Richtung Hütteldorf begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Elena Saat und ich bin auf dieser Reise Ihre Unterhaltung. Schon verfluche ich mich, dass ich nicht daran gedacht habe, mir eine Jacke anzuziehen, um dieser Situation zu entfliehen. Die mir wohlbekannten Schauer machen es unmöglich, mich zu entspannen. Ich will den Blick nicht heben, um nicht deinen aufzufangen. Doch der haftet nun seit fünf Stationen an meiner Haut wie ein ekliges Pflaster. Ist das Begaffen von Frauen, die mindestens 30 Jahre jünger sind als du, dein Laster? Ich probiere etwas an meiner Sitzposition zu verändern, ohne zu offensichtlich zu sein. Will dir nicht zeigen, welche Macht du über mich hast. Will nicht, dass du weißt, wie hilflos ich mich fühle, wie klein. Da leckst du dir über die Lippen. Schon fühle ich, wie all die Erinnerungen an ähnliche Situationen hochkommen, wie sie wie kleine Käfer meine Haut hochkrabbeln, atmen ein, aus, ein. Und dabei bist du mir gegenüber nicht einmal allein. Denn neben dir sitzt deine Frau, zu der ich nun Hilfe suchen schaue, doch dann nennt die Durchsage meine Station. Schnell gehe ich zur Tür, da hält jemand meinen Arm zurück. Als ich mich umdrehe, sehe ich aber nicht ihn, sondern die Frau, die mir während sich die Türen öffnen zurahnt, du hältst dich gefälligst fern von meinem Mann, du Bitch. Ich bin ich, bin ich, bin nicht dein Unterhaltungsprogramm. Manchmal komme ich mir vor wie ein Aquarium in einem China-Restaurant. Es ist nicht der Grund, warum man das Restaurant besucht, aber es ist eine nette Ablenkung, während man wartet. Es ist nicht sinnvoll, aber doch rechnet anzusehen und während man nichts Besseres zu tun hat, ein guter Trick der Langeweile zu entgehen. Wie im Fitnessstudio, wo eine Workout-Session schnell zu einem Erfolge-Big-Brother wird. Man angestarrt wird, ganz unscheniert. Da habe ich ja auch hautenge Kleidung an. Ist doch klar, dass so etwas passiert. Natürlich kann man da nicht in Ruhe trainieren und dass die Männer wegen einer Abfuhr gleich ihre Manieren verlieren, ist ganz normal. Das ist doch noch lange kein wirklicher Skandal. Kein Wunder bei dem Testosteron, das hier ausgeschüttet wird. Ich bin einfach nur überempfindlich, hysterisch und verwirrt. Ich bin nicht dein Unterhaltungsprogramm. Eine Freundin von mir hatte Geburtstag und wie das für uns typisch, nahmen wir gleich die Tanzfläche in Beschlag. Mein Tanzziel ist so, ich habe vergessen, dass Menschen existieren und ihrer mehr so, ich werde heute komplett eskalieren. Und deshalb mag ich sie. Doch so ganz verstehe ich sie leider nie, auch diesmal nicht, als sie mich fragte, ob sie mich küssen kann. Denn ihren Freund, den tönt das so an. Ich bin ich bin, ich bin nicht dein Unterhaltungsprogramm. Ja, ich stehe oft auf Bühnen und arbeite in der Kinderanimation. Aber siehst du den Unterschied zwischen Auftritten und dieser Situation? Ich existiere nicht dafür, dich zu unterhalten. Wie würdest du dich fühlen, wenn sich andere Leute dir gegenüber so ver sichtet? Richtig, am besten gleich die Kamera rausholen. Was wollen sie denn noch machen? Etwa die Polizei holen? Du bleibst da entspannt, denn du weißt, das ist strafrechtlich nicht relevant und den Papierkram auch nicht wert. Fühlt euch doch geehrt, dass überhaupt jemand euch ansehen will. Ich werde beobachtet und bleibe still, fühle mich unwohl und bleibe untätig und ich bin unfähig zu handeln. Aus Angst, aus Scham, aus Unsicherheit, aus Höflichkeit bleibe hier und wünsche das jetzt in die schon Vergangenheit. Ich bin unfähig zu handeln. Aus Angst, aus Scham, aus Unsicherheit, aus Höflichkeit. Bleibe hier und wünsche das jetzt in die schon Vergangenheit. Ich bin ich, bin ich, bin nicht dein Unterhaltungsprogramm. Kleider machen Leute. Und du wolltest bei diesem Nicht-Halloween-Event hervorstechen aus der Meute. Damit niemand das Blick dich meidet. Also warst du als Dracula verkleidet. Die perfekte Ablenkung, dass deine eigentliche Midlife-Crisis schon länger zurückliegt, denn du bist ja schließlich unsterblich, alterslos, der unheimliche Sagen und wobei ein Verführer junger Mädchen, denn auf diese machst du doch am liebsten Jagd. Und so landet dein Blick auf mir, die sich gerade an der Garderobe ihre zusätzliche Leggings auszieht. Es ist dir egal, dass dich schon jeder ansieht und ich dich frage, ob du ein Problem hast. Im Laufe des Abends eröffnet sich keine Gelegenheit, mich zu verunsichern, die du verpasst. Du wartest vor der Damentoilette und winkst mich zu dir, unbeirrt davon, dass ich so tue, als gäbe es dich nicht. Du gehst uns nach, tanzt uns an, denn meine Gefühle, die zählen für dich nicht. So viele Männer sagen, sie respektieren Frauen, doch sind wir oft nicht mehr wert als ein Aquarium. Schön anzuschauen und eine nette Ablenkung. Dass ich mich unwohl fühle und du mir meinen Tag vermisst, ist für dich völlig unwichtig. Denn alles, was dir Freude bringt, ist doch richtig. Ich bin ich, bin ich, bin nicht dein Unterhaltungsprogramm. Und du bist du, bist davon überzeugt, mich für deine Zwecke verwenden zu können. Und ich sensible kann dir nicht einmal diese harmlosen Freuden vergönnen. Denn wofür stellt man sonst ein Aquarium im Restaurant auf? Wieso sonst befindet es sich dort, wo du bist? nicht einmal diese harmlosen Freuden vergönnen. Denn wofür stellt man sonst ein Aquarium im Restaurant auf? Wieso sonst befindet es sich dort, wo du bist? Ob jetzt im Lokal, im Schwimmbad, im Fitnessstudio oder in der U-Bahn. Du hast ja schließlich nichts getan. Dass deine Haltung Frauen gegenüber falsch ist, ist dir nicht bekannt. Und ja, ich werde oft Bitch genannt, aber das macht mich noch lange nicht zu einem Tier, das man anstarren kann. Ja, manchmal komme ich mir vor wie ein Aquarium im China-Restaurant. Also denkt bitte daran. Nicht an das Glas klopfen, denn es erschreckt die Fische. Dankeschön. Elena Sato. Dann kommen wir auch schon zur letzten Poetin, die heute diesen Abend oder diese Slamshow jetzt beschließen wird. Es bleibt eigentlich nichts mehr zu sagen, außer dass es mich unfassbar freut, dass sie diesen Abend mit einem Spiel für uns und für euch beenden wird. Haltet die Stifte und das Papier bereit. Hier ist für euch Laura Helmich. Ja, hallo nochmal. In meinem zweiten Text geht es um Vergewaltigung, also Triggerwarnung an dieser Stelle. Anfang des Jahres ist etwas passiert, was mich sehr den Boden unter die Füße weggezogen hat. Und ich habe das sehr wenigen Menschen erzählt, aber die, die es erzählt haben, haben sehr scheiße darauf reagiert. Und daraufhin habe ich einen Text geschrieben, der Bullshit Bingo heißt, in dem ich halt so dumme Dinge aufzähle. Das sind genau sechs Aussagen und wenn ihr vier davon kennt, würde es mich freuen, wenn ihr auch vor den Endgeräten Bingo schreit. Das ist in persona cooler, aber naja. Bullshit Bingo. Es ist noch nicht lange her, seit ein Mann, den ich gedatet habe, meine Liste an erlebten Übergriffigkeiten um einen Punkt erweitert hat. Neun Monate, um genau zu sein. Und ich habe es auch noch gar nicht zu vielen Menschen erzählt, aber trotzdem durfte ich mir Dinge anhören, die kein traumatisierter Mensch jemals hören sollte. Diese Dinge taten mir mehr weh, als er es jemals konnte und deswegen möchte ich sie hier aufschreiben. Erstens. Aber hast du denn wirklich Nein gesagt? Weißt du, welche Sätze am meisten wehtun? Die, die man schon selbst oft gedacht hat. Und wenn du wüsstest, wie oft ich ekelregt unter der Dusche stand und dachte, hätte ich es mehr kommunizieren müssen, würdest du wahrscheinlich nicht fragen. Also nein, ich habe nicht ausdrücklich nein gesagt, aber ich kann das gerade nicht gesagt. Sollte das nicht reichen? Zweitens, also ich kenne da jemanden, die hat viel Schlimmeres erlebt. Ja cool, danke für die Info. Überlebende von sexualisierter Gewalt haben ja nicht schon sowieso viel zu oft das Gefühl, es sei nicht schlimm genug, was ihnen passiert ist. Da hilft diese Aussage enorm, wirklich. Und seit wann ist es eigentlich wieder im Trend, Schicksale zu vergleichen? Nur weil jemand nach der Vergewaltigung auch noch getötet wurde, macht das meine Erfahrung doch nicht angenehmer, oder? Was erwartet man denn, wenn jemand sowas sagt, dass ich aufspringe und mein Leben genieße? Drittens, siehe es doch als Kompliment. Lass mich das kurz einordnen. Du hast ein hübsches Lächeln, kann ein Kompliment sein. Du siehst heute so glücklich aus, das gefällt mir, kann ein Kompliment sein. Warst du beim Friseur, der neue Schnitt steht dir, kann ein Kompliment sein. Warst du beim Friseur, der neue Schnitt steht dir, kann ein Kompliment sein. Und auch hierbei kann es sein, dass der Person, der du es sagst, es unangenehm ist. Und überhaupt, warum haben wir überhaupt das Bedürfnis, Menschen ständig ungefragt zu sagen, was wir an ihrem Aussehen gut finden. Um auf den Punkt zu kommen, jemanden gegen den Willen anzufassen, kann nie ein Kompliment sein. Niemals. Viertens. Aber du hast dich doch danach noch mit ihm getroffen. Da kann ich ihm ja gar keinen Vorwurf machen. Lass mich kurz zusammenfassen. Ich habe mich mit ihm getroffen. Er hat Dinge mit mir gemacht, die ich nicht wollte. Bis hierhin würdest du ihn zur Sau machen, oder? Cool. Dann habe ich mich nochmal mit ihm getroffen, weil mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht klar war, wie schlimm das eigentlich war, was er gemacht hat. Und er hat nochmal Dinge mit mir gemacht, die ich nicht wollte. Und wegen dem Fakt, dass ich ihn nochmal sehen wollte, kannst du ihm beide Taten keinen Vorwurf machen. Macht Sinn. Fünftens. Das hat er doch bestimmt nicht böse gemeint. Ja, klar. Als er mich in die Brust gefasst hat, wollte er bestimmt nur meinen Puls tasten. Wer weiß denn nicht, dass man den Herzschlag am besten über dem Herz fühlt und nicht am Hals oder am Handgelenk. Vor allem habe ich ein D-Körbchen, das dämpft das bestimmt nicht. Oder vielleicht war es auch nur seine verkorkste Art, mir zu zeigen, dass er mich mag. Wer weiß das schon? Sechstens. Aber nur deswegen kannst du ihn doch nicht anzeigen. Das zerstört doch sein Leben. Ich glaube, dir ist nicht bewusst, welchen Einfluss das auf mein Leben hat. Ich gehe nicht feiern, ich habe massive Vertrauensprobleme, ich laufe ständig mit Angst herum, bekomme Panikattacken beim Sex oder auch nur, wenn ich einen Menschen sehe, der meinem Peiniger ähnlich schaut. Ich glaube, recht viel mehr, als er mein Leben zerstört hat, kann ich seines gar nicht ruinieren. Und selbst wenn, hätte er es verdient. Die Leben von TäterInnen sollten viel unwichtiger sein als das der Überlebenden. Aber Laura, wie soll man denn mit Menschen umgehen, die einem sagen, dass sie solche Erfahrungen gemacht haben? Gute Frage, danke. Hierbei kommt es darauf an, wie lange das Erlebte her ist. Bei meinem Text über meine Missbrauchserfahrung als Kind ist es mir nicht mehr so wichtig, wie Menschen darauf reagieren, weil ich relativ gut damit klarkomme. Wenn die Erfahrung gerade erst gemacht wurde, ist es schon schwieriger. Vielleicht bist du die erste Person, die davon erfährt und deine Reaktion wird für immer im Gedächtnis bleiben. Es gibt kein Patentrezept für eine richtige Antwort. Gedächtnis bleiben. Es gibt kein Patentrezept für eine richtige Antwort. Mir persönlich hat es sehr geholfen, wenn ich ernst genommen wurde und mir gezeigt wurde, dass ich nicht alleine bin. 97% aller Frauen, um genau zu sein. Und trotzdem fühlen sich Betroffene wahnsinnig allein und schämen sich für das Erlebte. Zeige ihnen, dass es keinen Grund dafür gibt. Vermittle ihnen, dass sie keine Schuld daran tragen, ganz egal, wie sie sich verhalten haben. Was ich mit diesem Text sagen will, eine übergriffige Erfahrung ist schon traumatisch genug. Mich persönlich haben die Reaktionen darauf aber viel fertiger gemacht als der Übergriff an sich. So viele Menschen erleben das. Lasst uns endlich füreinander da sein, anstatt Bullshit-Bingo zu spielen. Dankeschön. Das war Laura Helmig. Bevor wir jetzt den Abend beschließen und nochmal alle Poetinnen auf die Bühne holen, möchte ich diese Gelegenheit nutzen und tatsächlich hier auf diese Nummer nochmal verweisen. Die Frauen-Helpline, die 0800 3x2 3x5. Wenn ihr betroffen seid oder jemanden wisst, der betroffen ist und ihr gerne helfen wollt, bitte ruft diese Hotline an, haltet euch nicht zurück und helft. Und ja, wir wissen und wir werden sehen, dass die Corona-Krise noch langfristig sehr viel Druck auf Frauen ausüben wird und auch, dass da die Gewalt, wenn wir nicht bald etwas dagegen tun, zunehmen wird. Frauen arbeiten hauptsächlich in diesen Pflegeberufen oder im Handel. Sie sind seit einigen Jahren oder seit fast zwei Jahren jetzt völlig im Druck ausgesetzt, müssen sehr viel arbeiten. Andererseits wissen wir, dass Frauen sehr lange nach Krisen arbeitslos bleiben, wenn sie ihren Job in der Krise verlieren, was die Abhängigkeit innerhalb der Familie nochmal verstärkt und somit ein Hilferuf nach außen hin für Frauen schwieriger wird. Gleichzeitig wird der Druck für Männer als Einkommensbringer in der Familie erhöht. Wenn ihr Männer seid, die ihr Druck erlebt oder die ihr wisst, okay, ihr merkt, ihr werdet sauer oder ihr könnt mit eurer Gewalt oder mit eurem Gedanken nicht umgehen und wollt sie irgendwie rauslassen. Es gibt auch Männerhotline. Bitte nehmt sie in Anspruch, meldet euch dort und überhaupt, liebes Publikum, wie ihr da draußen seid, schaut hin, reagiert, klärt auf und ruft diese Nummer an. Danke. Damit rufen wir jetzt nochmal alle Poetinnen auf die Bühne, wie sie hier heute aufgetreten sind. Das wären Laura Helmich, Barbara Riener, Elena Sato, Fanny Famos und Shafia Kawai. Genau, wir können einmal das Ding hier auf die Seite stellen, dann seht ihr alle nochmal, auch wir in Distanz. Vielen Dank, dass ihr heute da wart. Vielen Dank, dass ihr eure Geschichten mit uns geteilt habt. Wann auch immer ihr Fragen habt, ihr könnt auch nochmal gerne auf die Internetseite des Frauenbüros Linz schauen. Es ist stadtlinz.at slash Frauen. Genau, die Seite solltet ihr vielleicht hoffentlich eingeblendet sehen, wenn ich jetzt die richtige Internetseite angesehe. Perfekt. In diesem Sinne wollen wir uns natürlich auch nochmal ganz herzlich bedanken, eben bei der Stadt Linz und ganz speziell beim Frauenbüro Linz, dass wir seit fünf Jahren da sein dürfen und eingeladen werden. Und vor allem wollen wir uns bedanken bei DorfTV, die diese Sendung heute hier übertragen haben, aufgezeichnet haben. Vielen Dank an die ganze Technik, die dahinter steht. Das heißt, großartig. Diese Sendung wird dann als Video on Demand vermutlich zur Verfügung stehen. Das heißt, ihr könnt sie jederzeit gerne wieder nachschauen. Wir waren das Verein Postscriptum, Lisa und ich, die das mit euch organisiert haben, oder organisiert haben, Entschuldigung, die wir mit euch diesen Abend hier verbracht haben. Wenn auch immer ihr nochmal ein Puls-System sehen wollt, es gibt themenspezifische und nicht themenspezifische, bitte schaut auf unserer Internetseite vorbei, www.postscriptum.at. Das seht ihr nicht eingeblendet, weil wir wissen, ihr könnt euch das merken. Damit... Vielen Dank für die Organisation, für die Einladung und ein riesengroßes Dankeschön an die wunderbare Moderation des heutigen Abends. Danke. Dann ab. Dankeschön. Thank you.