Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Norske Lagerfamilie Nettokalei Als die Sammlung Verbund gegründet wurde, 2004, also vor 17 Jahren, habe ich mir gedacht, es wäre gut, mit einem bestimmten Jahrzehnt zu beginnen. Das war das 1970er-Jahr. In dieser Zeit sind viele Künstlerinnen weg von der Malerei hin zu völlig neuen Ausdrucksformen und da ist auch mir aufgefallen, dass es viele feministische Werke gibt, die ja noch in keinem Museum sind und dann habe ich halt immer mehr begonnen zu forschen und viele Künstlerinnen haben auch ihre Werke 40 Jahre lang, die haben Dachboden, aber in den 70er Jahren haben sie viel ausgestellt und irgendwie ist dann so ein Forschungsschwerpunkt für die feministische Kunst entstanden. Vielleicht für uns alle ist es natürlich so, dass wir uns auch in die Generation unserer Mütter zurückversetzen. Das waren ja vorwiegend die Kämpfe, die die ausgestanden haben. Das waren ja vorwiegend die Kämpfe, die die ausgestanden haben. Und viele Dinge kann man natürlich nicht mehr so wirklich nachvollziehen. Welche Einschränkungen welche in dieser Zeit noch gegolten haben. Und umso toller ist es auch zu sehen, dass Künstlerinnen weltweit sich dagegen auch verwehrt haben und einen progressiven Weg eingeschlagen sind. In dieser Zeit war die Situation von Künstlerinnen besonders schlecht, also dass kaum Künstlerinnen ausgestellt worden sind, dass es kaum Künstlerinnen die Präsentation im öffentlichen Raum gegeben hat. Ich habe dann auch eine Untersuchung gemacht zur Situation der Darstellung der Repräsentation der Frau im öffentlichen Raum. Es hat zu dieser Zeit vor allem die ganze Palmas Werbung gegeben, wo die Frau sehr sexy, wo man Plakatwände voll mit Frauen gesehen hat. Dann hat es die Marienstatuen gegeben, dann hat es die Justitia gegeben, dann hat es allegorische Frauenfiguren im öffentlichen Raum gegeben. Aber es hat dann Arbeiten über die unbekannten Soldaten gegeben, also Denkstätten und Denkmäler. Es hat Denkmäler für die Erbauer von Brücken gegeben und es hat einige Denkstafeln von einer Frau gegeben, von der Stadt Graz. Da habe ich diese Untersuchung gemacht, die habe ich dann auch öffentlich vorgelegt, den Stadträten. Wobei dann auch schon, also die waren auch entsetzt. Und ich habe dann die Forderung gemacht, ein Denkmal der unbekannten Hausfrau. Das ist dann eigentlich nicht realisiert geworden. Stattdessen sind im Burggarten dann doch drei Frauenpösten aufgestellt worden. Also das war so der Anfang, dass doch auch Gedenkstätten für Frauen errichtet worden sind. Und ich habe dann im öffentlichen Raum die Telefonnummer des Grazer Frauennotrufs realisiert. Das war also die Zahlenkombination der Telefonnummer aus dem Rosterstall, so in der Höhe von 2,20 Meter im öffentlichen Raum im Zentrum der Stadt Graz wurde die dann aufgestellt. Also 1978, natürlich habe ich vorher lange Fotografie gemacht, aber ich war keine bewusste Feministin. Ich habe Fotografie gemacht, um zu verdienen, ein Fotostudio gehabt und das war also eine ganz, eigentlich sehr tolle Sache, aber Fotografie war keine Kunst damals. Fotografie, das hast du verwendet und hast Geld damit verdient, wenn es gut gegangen ist, das war auch alles. Und dieser Kampf, den haben wir wirklich, wirklich durchgesetzt, dass Fotografie auch Kunst wird und als Kunst anerkannt wird. Und das ist gewaltig gewesen. Das hat lange, lange, lange gebraucht. Also ich wollte auch provozieren mit den Bildern. Und was dazu auch noch zu sagen ist, die waren ja dann ausgestellt im Ateliertheater 1981 und diese Bilder mussten dann abgehängt werden noch vor der Premiere, weil der Theaterdirektor, also dem wurde gedroht mit einer Anzeige wegen Verletzung des Pornografiegesetzes und der Verletzung religiöser Gefühle. Also das war sozusagen eine Erfahrung, die ich gemacht habe mit diesen Bildern. Und die zweite Erfahrung auch mit einer Ausstellung in Wien im Künstlerhaus. Da hat es eine Veranstaltung gegeben, Literatur im März. Und da habe ich Bilder ausgestellt in dieser Art. Und da habe ich dann wirklich, wie ich abhängen wollte, also die waren alle ohne Rahmen, habe ich Bilder von mir im Papierkorb gefunden. Also das hat so aggressiv gemacht, diese Bilder, dass Leute sie heruntergerissen haben, zerknüllt haben und in den Papierkorb geworfen. Also das war schon eine sehr starke Erfahrung, was meine Bilder auslösen. Das war einfach so, wie gesagt, ich habe sehr jung geheiratet, schnell Kinder bekommen und habe gesehen, dass das nicht alles ist, was mein Leben ausfüllt. Also ich bin da sehr stark auf diese Rolle Kinderküche und so weiter fixiert worden und ich habe mir aber irgendwie immer mit meinem Mann auch eine Art Mitarbeit vorgestellt und das ist aber irgendwie nicht zustande gekommen, weil ich nicht frei genug da war, weil ich ja angehängt war. Und letzten Endes habe ich mich dann aber auch aus dieser Situation gelöst, weil das für mich zu frustrierend war und bin dann meinen eigenen Weg gegangen. Und so in der Reflexion dessen, was ich hinter mir gelassen habe, habe ich dann diese Serien gemacht. Also einerseits dieser Bügeltraum, wo ich reflektiert habe, dass das Bügeln eigentlich eine schöne Geschichte ist, weil man so viel nachdenken kann. Und diese Selbstreflexion hat aber ergeben, dass ich sozusagen völlig allein in dieser Ehe war, wie eine Witwe. Und darum bin ich dann auf dem Bügeltisch gelandet. Habe aber vorher natürlich schon auch etwas von Expressionismus und Surrealismus gewusst. Also das hat sich bei mir da auch ein bisschen gespiegelt. Die Künstlerinnen haben wirklich damals eine Geschichte erzählen wollen und mit diesem neuen Medium, mit der Fotografie, viele sind kleine Schwarz-Weiß-Fotografien, also man muss schon hingehen, sich das genau anschauen, aber dann versteht man auch, um was es den Künstlerinnen dann versteht man auch, um was es den Künstlerinnen geht. Also dass sie sich zum Beispiel so eingeschränkt fühlen mit der Vorstellung, dass die Gesellschaft nur die Rolle der Hausfrau, Ehefrau und Mutter für eine Frau sieht. Also dagegen haben sie sich zum Beispiel sehr gewehrt, die Künstlerinnen. Ich habe mich schon sehr früh damit beschäftigt, zum Beispiel in den Schulbüchern. In der Volksschule habe ich schon Arbeiten von Frauen gesucht, also Malereien. Und da ist mir nur die Käthe Kollwitz aufgefunden, die Norbertin Breslan Roth. Und das waren sehr eindeutige Bilder, nämlich Frau als Mutter. Und erst später habe ich dann gesehen, Käthe Kollwitz hat sehr engagierte Arbeiten gemacht. Und das war so ein einseitiges Bild, das da vermittelt worden ist. Und ich habe dann immer die Identitäten von Frauen versucht zu ergründen. Also meine Mutter war nicht eine typische Hausfrau, meine Oma war nicht eine typische Hausfrau. Also die waren sehr selbstständig. Jetzt bin ich im Dorf aufgewachsen, habe ich zum Beispiel alle Küchen im Dorf besucht. Küchen im Dorf besucht. Und ich habe dann von Grafen die Küche bis zum Arbeiter und Kaisler und alle Küchen, alle Bauernhöfe die Küchen angeschaut und natürlich damit die Frauen auch besucht. Und das war für mich irgendwie wie eine Feldforschung, würde ich sagen. Begonnen habe ich mit dieser Art von Zeichnungen 1979. Und das war eine Zeit, so vier, fünf Jahre, wo ich Bilder gezeichnet habe, die ich im Nachhinein dann als Befreiungsbilder bezeichnet habe. Wo es einfach mir gegangen ist um Befreiung meiner Sexualität. ist um Befreiung meiner Sexualität, wo die Zeit irgendwie geprägt war von Lust ist Sünde, der Mann will nur das eine von dir und sozusagen Sexualität war für mich... Es ist jetzt schwierig, das irgendwie auszudrücken. Aber wie ich dann eben allein war, war mir das ein ganz großes Bedürfnis, das alles wirklich gut zu reflektieren. Und ich habe ja quasi so meinen eigenen neuen Lebensweg gesucht. Und der hat sich dann eben ausgedrückt in diesen Fotoserien, die ich also auch praktisch von mir aus erfunden habe. Ich wusste gar nicht, dass es das auch schon gibt. Und ich habe gar nicht das Gefühl gehabt, dass ich jetzt Kunst mache. Fotografiert habe ich, seitdem ich 16 war. Und so bin ich also dazugekommen, den Fotoapparat auf mich selbst zu richten. Und wie gesagt, ich bin keine Schauspielerin. Ich hätte das nicht machen können mit jemand anderem zusammen. Da ist diese Arbeit, der Hausmeister und sein Schatten. Und das ist in meinem Haus gewesen, da habe ich immer wieder gesehen, dass dieser Kerl dort steht, so richtig so, und jetzt mach das, und das hast du gar nicht getan, hörst du, und so. Und die ist hin und her gelaufen, die hast du nur als Schatten gesehen, weil sie immer gearbeitet hat, und er ist so auf einer Säule so richtig angelehnt. Und ich war keine Feministin, gar nichts, aber ich habe gesehen, das ist nicht in Ordnung, was da passiert. Und das habe ich fotografiert und habe drei Fotos gemacht. Und da gibt es eben nur mal dieses eine, wo du sie als Schatten ziehst und er steht so da. Anita Münz, eine Künstlerin, die hat, sie selbst nennt das Befreiungsbilder, also sehr erotische Zeichnungen gemacht und auch dieses Tabu der Selbstbefriedigung thematisiert und mit viel Ironie, überhaupt ist Ironie so ein roter Faden durch die Ausstellung. Hier sieht man eigentlich sehr schön, wie stark ich mich eingeschränkt gefühlt habe. Hier das linkerste Bild, das heißt der Pflock. Und da sieht man irgendwie wirklich die Einengung und dieses Nicht-aus-sich-heraus-Können. Aber dann, natürlich wollte ich das nicht akzeptieren und habe überlegt, Natürlich wollte ich das nicht akzeptieren und habe überlegt, beim zweiten Bild sieht man auch sehr schön die Suche. Das heißt Muttermilch, dieses Bild. Und da sieht man, die Muttermilch, also die Nahrung muss ich bei mir selber finden. Also die Muttermilch, Symbol für das beginnende Leben, ist in dem Fall, das suche ich bei mir selber. Finde ich, zeigt dieses Bild sehr schön. Und das dritte Bild ist da hier, also da beginne ich schon, das alles eben noch mehr in Frage zu stellen, die Verbote nicht zu akzeptieren, die in meinem Kopf da waren und einfach aus der Erziehung und der ganzen Umgebung gegeben waren. Also eben sozusagen die Hand, die da irgendwie ermahnt, aber gleichzeitig die Hand, die durchgestrichen ist, bitte, das akzeptiere ich nicht, wo ich auch schon meine Vulva zeige und verschwitzt lächle. Und das vierte Bild dann sozusagen wirklich wie eine Art Explosion, wo ich einfach meine Sexualität entdeckt habe und auch Selbstbefriedigung für mich entdeckt habe. Also das war ja überhaupt ein Tabuthema. Ich habe ja früher als junges Mädchen gedacht, es können sich nur Männer selbst befriedigen und das war verboten. Also das wurde sozusagen unter der Decke irgendwo gemacht, aber Frauen, dass Frauen sozusagen auch eben sich selbst befriedigen können. Das war wirklich neu für mich und das habe ich dann entdeckt und habe angefangen, solche Bilder zu malen. Die Künstlerinnen in der Ausstellung sind sehr international, also aus den USA, afroamerikanische Künstlerinnen aus Westeuropa, aus Osteuropa, aus Lateinamerika, auch aus Asien. Also es ist sehr international und es zeigt eben auch, dass diese Bewegung, dass es wirklich eine Bewegung war. Und diese Künstlerinnen haben das erste Mal in der Kunstgeschichte das Bild der Frau völlig neu geschaffen, nämlich aus der Perspektive der Frau. Und das macht sie so zu Pionierinnen, also zu Vorreiterinnen. Und insofern habe ich auch diesen Begriff feministische Avantgarde geprägt. Avantgarde bedeutet eben, Vorreiterposition zu haben in der Kunstgeschichte. Und in der Kunstgeschichtsschreibung ist das ein bisschen vernachlässigt worden. Und mit dieser Ausstellung hier im Lentus und auch mit diesem Begriff wollen wir eben, dass die Künstlerinnen ihren Platz in der Kunstgeschichte bekommen und dass sie dann auch für die nächsten Generationen sichtbar sind. Was ganz spannend ist, dass man sieht, dass viele Künstlerinnen ästhetisch ähnliche Formulierungen gefunden haben, ohne dass sie sich untereinander gekannt haben. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie in einer ähnlichen sozialen Situation sind und ähnliche Themen gehabt haben. Aber ob es jetzt international so einen Unterschied gibt, naja, wir haben gerade ein Werk von Gabriele Stötzer aus dem ehemaligen kommunistischen Land, nämlich aus der DDR, erworben. Und da sieht man zum Beispiel, die konnte auch nicht die westlichen feministischen Künstlerinnen kennen und hat eigentlich sehr ähnlich gearbeitet. Also man könnte fast sagen, dass mehr in Amerika die Rollenspiele mehr präsenter sind. Aber gibt es auch in Italien, Marcella Campagnano. Aber eine gute Frage, müsste man sich näher anschauen. Ich erinnere mich selber an meine Politisierung oder auch Entwicklung, wo ich selber auf bestimmte Fragestellungen gestoßen bin. Und das war schon zum Beispiel im Zuge meiner Aufnahmearbeit an der Universität in Wien, da habe ich über die Moders und Becker geschrieben. Und die hat ja auch, man kann ja sagen, es gibt ja schon eine erste Frauenbewegung und das ist die zweite, die hier bei uns dargestellt wird. Aber auch in der ersten Frauenbewegung waren ja auch schon Künstlerinnen tätig. Frauenbewegung waren ja auch schon Künstlerinnen tätig und da war es halt klar, eigentlich wurde ja verboten nach Paris zu gehen und dort die neuen Strömungen zu rezipieren, weil es nicht adäquat war, dass eine Frau alleine irgendwo hingeht. Und das zu sehen, mit welcher Persistenz und Kraft sich Frauen dann doch entschlossen haben, ihren eigenen Weg zu gehen, das hat mich schon extrem beeinflusst und auch in meinem eigenen Lebensweg ein bisschen geführt. Ich war bei einem dritten Frauenfest und es war lustig, aber ich kam erst spät um 10 Uhr mit meiner Kamera und die Intakt, ich war bei der Intakt, die hat mir gesagt, geh hin, schau dir das einmal an, Frauenfest. Und ich gehe hin in die Kölneseckgasse und das war alles Fenster. Du hast gesehen, die Frauen tanzen drinnen und lustig sein und essen und alles. Und wir konnten nicht rein. Es war zugesperrt und wir sind mindestens 100 draußen gewesen. Und dann habe ich mir gedacht, jetzt gehe ich die Stufen rauf und fotografiere das. Und was sehe ich? Ein paar Männer, es waren sicher drei oder vier, Stoppelfrisur, Hubertus Mantel, typisch für damals, und ich habe mir gewusst, das ist die Polizei. Und die sind so umgegangen mit den Frauen, geht's weiter, und auf die Trott, und dann habe ich einen Satz gesagt, und das war das Orge, ich habe gesagt, bitte tun Sie Ihre Aggressionen nicht an uns Frauen ausleihen. Dieser Satz hat genügt, links, rechts, ein Polizist hinter mir, Gämmer, Gämmer, Exempel statuieren, auf die Wachstube. Und die haben mich zum weißen VW gezerrt und da musste ich mich hinein... Ich hab mich so hingeschärft, ich denke nicht dran, ich geh da nicht rein. Und dann kam, mein Glück, ein Polizist, ein älterer, ein besonderer, weil die drei waren junge Leute. Und der hat gesagt, na Burschen, was ist denn los? Dann haben die gesagt, ja, und die war randaliert, randaliert. Und dann nimmt sie es auf, wie sie heißt und so weiter, und das war's. Und dann habe ich aber das, was das Arge war, ich habe ja kein Geld gehabt, nichts, und es kamen also wirklich so Anzeigen ins Haus. Aber ich war so fertig, weil ich ja auch die Japaner erlebt habe mit Konzentrationslage in Indonesien und das war alles dieses Machotum und dieser Wahnsinn, ich war fertig. Und ich habe mir gedacht, das muss ich jetzt, unbedingt muss ich mich jetzt fotografieren. Da wurde ich auf mich selbst geschmissen und habe mich fotografiert in diesem Zustand. Wie fühle ich mich? Meine Ohnmacht, meine Wut und das weiter. Und das habe ich also dann, das sind meine Sekundenskulpturen. Die Hände sind genau, ja, das zeigt wirklich meine Wut, meine Angst, meine Schwierigkeiten mit dieser Polizei, die damals wirklich sehr stark war. Zeichnung ist für mich ein sehr spontanes Medium. Also ich nehme einen Blumenstift oder Bleistift oder auch Kuli und zeichne. Da brauche ich nicht irgendwie Farben vorbereiten. Also ich nehme jetzt im Nachhinein an, dass ich deswegen dieses Medium gewählt habe. Weil ich habe ja diese Zeichnungen, da überlege ich nicht vorher. Also nach wie vor, wenn ich zeichne, ich überlege nicht vorher, wie das Bild komponiert sein soll, sondern sehr spontan entstehen diese Zeichnungen. Also die Grazer Künstlerin Veronika Dreyer, sie hat ihr Porträt fotografiert, viermal, und hat in dieses Fotopapier hineingestochen, hat zuerst ihren Mund vernäht mit schwarzen Fäden und dann ihre Nase und dann die Augen und dann schließlich auf der vierten Fotografie waren das ganze Gesicht übernäht. Und so Nähen ist auch so ein Akt der Haushaltsarbeit. Und auf der anderen Seite auch wurde dadurch die Identität oder die Individualität der Frau völlig zum Verschwinden gebracht. Also das war so ein Gefühl, was diese Künstlerin transportiert haben in ihren Werken. Da gibt es eine wunderbare Arbeit von Karin Mack. Also sie hat eine Fotoserie gemacht zum Hügeln, klassische Hausarbeitsarbeit, und hat sich dann schwarz gekleidet, als würde sie zu einem Begräbnis gehen, hat sich auf das Bügelbrett draufgelegt, hat die Augen geschlossen, die Hände fallen lassen und hat so den Tod der Hausfrau ausgerufen. Nein, ich habe gar keine Gegenstände. Ich habe immer nur Selbstporträts gemacht. Na ja, gut, das ist ein Gegenstände einer Hausfrau, der mitspielt. Und genauso diese Bratspieße oder die Rouladenspieße, die ich dann ins Foto gesteckt habe. Auch das ist für mich ein ganz großes Befreiungsmoment gewesen, diese Serie, meine ganze Aggression praktisch zuerst mal eine Anleihe zu nehmen an der Werbung. Weil ich mit diesem Marmeladeglas, das ist ja typisch Objektfrau, die etwas anderes zu präsentieren hat. Und dann aber die Zerstörung dieses Fremdbildes durch Hausfrauenspieße. Also viele Hochglanzmagazine propagieren ja den makellosen weiblichen Körper und die Frau muss immer nett und adrett sein. Und zum Beispiel gibt es da Eva Bartum, eine polnische Künstlerin, die in Berlin lebt. Sie hat sich selbst zweigeteilt. Das eine Gesicht ist jung und das andere Gesicht hat sie vom Visagisten altmalen lassen, um eben darauf hinzuweisen, wie sehr alte Frauen im öffentlichen Diskurs nicht vorkommen. Rollenspiele, also viele Künstlerinnen haben so eine richtige Lust gehabt, sich immer in andere weibliche Identitäten zu verkleiden und haben das dann auch mit Perücke und Schminken und Mimik, zum Beispiel Cindy Sherman. Wir haben ja den Früh das Katalog Ressoné mit Cindy Sherman gemacht, das zum Frühwerk als Studentin war. Und dann sieht man auch daneben eine italienische Künstlerin, die auch eine Hausfrau zeigt, eine Prostituierte, eine Schülerin, ganz verschiedene unterschiedliche Identitäten. Es ist spannend zu sehen, diese Künstlerinnen haben sich nicht gekannt und haben aber zur selben Zeit ähnliche Rollenspiele gemacht. Die Künstlerinnen haben meistens mit ihren eigenen Körpern die Performances gemacht. Das heißt, sie haben eh kein Geld gehabt, um ein Modell zu nehmen. Und haben dann diesen weiblichen Körper. Ja, es gibt auch viel Nacktheit, aber es ist eigentlich kein Selbstporträt. Der weibliche Körper taucht nicht auf als Selbstporträt, sondern als Chiffre oder als etwas, was ein Beispiel ist für viele Frauen, die in dieser Situation sind. Und weil wir jetzt hier vor Hannah Wilke stehen, also sie hat so einen, wenn man so will, markenlosen Körper, wunderbar sehr sexy Körper und ihr wurde zum Beispiel vorgeworfen, ah, du bist so hübsch und so, du verkaufst ja deine Kunst eh nur mit deinem schönen nackten Körper. Und dann hat sie durchaus ganz hart geantwortet, beware of fascist feminism, also untereinander, haben die dann gesagt, hat sie das halt zurückgewiesen. Und später dann, wie sie dann älter war und krank war, hat sie dann wieder mit ihrem nackten Körper, der nicht dem Schönheitsideal entsprochen hat, wieder Performances gemacht. Und da hat man eben gesehen, dass sie wirklich nicht um diese Sexiness gegangen ist, sondern dass sie einfach etwas ausdrücken wollte. Zum Beispiel in dieser Performance verwandelt sie sich mit Pin-Up-Hosen von Maria Magdalena bis zum Jesus oben ohne. Aber es gibt dann auch so positive Momente, wo zum Beispiel Annegret Solter den Faden durchschneidet und sagt, die Frauen können sich aus dem Patriarchat damals in den 70ern selbst befreien, sie haben die Kraft. Und diese Künstlerinnen haben auch vieles geleistet, dass sie Künstlerinnen viel mehr geschätzt werden im Kunstbetrieb. Die Augusta Kronheim haben wir natürlich auch kennengelernt im Zuge der schönen Ausstellung, die Brigitte Reutner im Nordico vorbereitet hat. Und das war schon toll zu sehen, was die Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre oder auch bis in die 80er Jahre auch an politischer und feministischer Arbeit geleistet hat. Und gerade da auch in diesem Umfeld doch einer sehr dominanten, bäuerlichen, traditionellen Umgebung hat sie sich behauptet und sehr, sehr klar bestimmte Fragestellungen gezeichnet und angesprochen. Ich meine, es stimmt, es ist spät, aber umgekehrt, wir forschen da jetzt schon 17 Jahre, es forscht die Sammlung Verbund zu diesem Thema und wir hatten auch schon vor zehn Jahren, 2010, eine große Ausstellung zur feministischen Avantgarde in Rom. Und da hatten wir eben Werke von 25 Künstlerinnen und mittlerweile sind es 83 Künstlerinnen. Ja, erfreulicherweise, das ist ja auch eine Erweiterung, die passiert ist, sind viele österreichische Positionen dazugekommen. Und wo man eben gesagt hat, man schaut ein bisschen genauer, was ist in dieser Zeit passiert. Wir kennen die Entdeckung jetzt quasi von Pertelmann über den Pavillon in Venedig, die großen Monographien, die eben auch Gabriele Schorr gemacht hat und auch die Ausstellungen, aber die Ausstellung zeigt hier, dass es noch eine Reihe von weiteren Künstlerinnen zu entdecken gibt. Und das finde ich extrem fair und gut, dass das jetzt passiert. Es ist spät, aber einige der Künstlerinnen können es noch erleben und die waren ja heute auch da bei der Pressekonferenz und werden am Abend da sein. Das finde ich, man merkt auch, wie ihnen das guttut. Thank you.