Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte Sie sehr herzlich hier im Stifterhaus begrüßen. Alle zwei Jahre veranstaltet die Grazer Autorinnen-Autorenversammlung Regionalgruppe Oberösterreich eine lange Nacht der Gaff. Heuer findet sie hier bei uns im Stifterhaus statt. Eigentlich hätte sie schon im März stattfinden sollen und musste leider verschoben werden. Umso mehr freuen wir uns, dass es heute wirklich geklappt hat. Ich begrüße sehr herzlich die Sprecherin der Gaff Oberösterreich, die Präsidentin Dominika Meindl und den Initiator und Moderator dieser langen Nacht der Gaf Kurt Mitterndorfer. Herzlich willkommen. Die Lange Nacht bietet eine wunderbare Möglichkeit, Autorinnen und Autoren der Gaf entweder wieder zu begegnen oder sie neu kennenzulernen. 70 Mitglieder hat die Gaf Oberösterreichs, 17 von ihnen werden heute bei uns lesen. Viele von ihnen stellen seit Jahren kontinuierlich ihre neuen Bücher bei uns vor oder lesen hier im Rahmen von Veranstaltungen der Gaf. Ich begrüße sehr herzlich und freue mich, dass sie heute bei uns lesen werden. Die Autorinnen namentlich sind es Marlene Gölz, Judith Grober-Rizzi, Rudolf Habringer, Peter Hodiner, Johann Klebmeier, Erich Klinger, Hermann Knapp, Till Mayrhofer, Dominika Meindl, habe ich schon begrüßt, auch Kurt Mitterndorfer, Leopold Spoliti, Luis Stabauer, Wilfried Steiner, Elisabeth Strasser, Richard Wall, Andreas Weber und Erich Wimmer. Herzlich willkommen. Vielen Dank Ihnen allen fürs Kommen und wie die lange Nacht der Gaff nun ablaufen wird, werden wir von Kurt Mittendorfer erfahren. Ich wünsche uns einen anregenden Abend und übergebe das Wort. Auch von mir noch mal einen schönen Abend. Dankeschön fürs Kommen. Kurz zur Gaf oder gibt es, wenn der das eh schon öfter gehört hat, dann brauche ich mir das nicht antun und euch auch nicht, einen kurzen Überblick in die wichtigen Stationen. 1973 ist die Gaf in Graz gegründet worden, im Forum Stadtpark damals, unter anderem mit der Frau Seidelhofer, die noch immer unser Mitglied ist und schon relativ alt ist. Jetzt muss ich aufpassen, wie ich mich äußere und deswegen auch nicht mehr sehr mobil ist. Sie war jahrelang immer dabei bei den Längennächten. Die war da als Gründungsmitglied dabei. Dann ist es 1974, hat die Generalversammlung in Linz stattgefunden. Da hat es das erste Mal so etwas wie eine lange Nacht gegeben. Dann 1975, weil so viele Mitglieder in Wien schon gelebt haben damals, ist beschlossen worden, dass die Gaf nach Wien übersiedelt von Graz. Heißt noch immer, Grazer Autorenversammlung ist aber inzwischen schon lange in Wien ansässig. Also das Büro haben wir alle in Wien. Dann geht es weiter. Das ist nicht alles so wichtig, was wir da zusammengeschrieben haben. 1989 hat es die Regionalisierung gegeben. Ab 1989, und da ist in jedem Bundesland eine eigene Gruppe gegründet worden. Regina hat es schon gesagt, wir sind inzwischen bei 70 Mitgliedern gelandet. Und das ist, wir sind, glaube ich, die stärkste Gruppe in ganz Österreich, Regionalgruppe. Das war der kleine Überblick. Heuer haben wir das erste Mal alle möglichen Orten schon ausprobiert, wie man die Reihenfolge festlegt, ohne mich mit irgendjemandem zu zerkriegen. Ich habe von A bis Z gemacht, von Z bis A. Ich habe von der Mitte nach vorne und hinten, ich habe von vorne und hinten in die Mitte gemacht. Und irgendwann bei einer Sitzung, ich glaube, das war die Elisabeth Stasser, hat gesagt, man konnte ja auch einmal verlosen. Da habe ich mir damals gedacht, ja, das ist gut, da bin ich nicht schuld an irgendwas. Schnecken, ich bin sehr nett darauf hingewiesen worden, dass das nicht gut ist, was ich da schon wieder für eine Idee gehabt habe, weil es gibt Leute, die wollen das nicht. Die wollen genau wissen, vorher schon, wann sie dran kommen. Mein Hintergedanke war natürlich auch der, wenn man nicht weiß, dass man um 10 Uhr erst dran ist, muss man ja auch um 7 Uhr nicht da sein. Ich habe euch also alle deshalb daher verpflichtet, damit ihr da seid. Es hat nämlich wirklich einmal, und da habe ich mich sehr geärgert, eine Kollegin gegeben, die ist heute nicht hier, deswegen traue ich mir das so, und den Namen sage ich sowieso nicht, die ist kommend fünf Minuten vor der Lesung und ist fünf Minuten nachher wieder gegangen. Die ist, komme fünf Minuten vor der Lesung und ist fünf Minuten nachher wieder gegangen. Und das ist eigentlich nicht der Sinn von dieser Veranstaltung, weil man denkt, man sollte ja unter Kollegen ein bisschen trotschen, austauschen. Okay, also heuer das erste Mal per Los sozusagen. Die Reihenfolge ist wie folgt, draußen hängt es auch. Spoliti, Gruberizzi, Kleemeyer. Dann eine kleine Pause, es sind immer Beiträge von sechs Minuten ungefähr. Dann ist eine Pause mit sechs Minuten, ich bitte Sie und Euch auch in den Pausen nur zu wechseln, weil sonst ist da immer so eine ungute Geschichte, dass das laut wird. Nach der Pause Steiner, Mayrhofer, Gölz, wieder eine Pause. Hodiner, Klinger, Knapp, wieder eine Pause. Wimmerstraße, Mitterndorfer, wieder eine Pause. Weber, Stabauer, Wall, wieder eine Pause und dann noch Rudolf Habringer und Dominika Meindl. Und ich hoffe, dass die zwei nicht mit mir noch da sitzen und noch zwei, drei andere. Regina, du bleibst da, super. Du hast einen Skandaltext. Okay, wie gesagt, es sind drei, die immer lesen. Ein Block und dann eine kurze Pause. Da kann man raus, da kann man die wichtigen Geschäfte erledigen, Telefonate, sechs Minuten Pause und dann geht es herinnen weiter. Der Wechsel ist relativ kurz, das heißt schnell, schnell, schnell. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet, Film und Fernsehen sozusagen und Radio. Film und Fernsehen sozusagen und Radio. Wenn wer nicht zu hören sein will, auf Radio Froh zum Beispiel, der muss das bekannt geben, dann müssen wir ihn ausserschneiden, wenn er zu laut lacht oder zu laut klatscht, weil dann kriegen wir ein Problem natürlich. Okay, er ist nicht angekommen, ist ja wurscht. Ich freue mich auf alle Fälle, dass ich es geschafft habe, 17 Leute wieder unter einen halbwegs normalen Hut zu bringen. Ist manchmal nicht ganz einfach. Es hat geklappt und jetzt geht es wieder los. Nachher kann man natürlich noch da, Büchertisch habe ich vergessen, Büchertisch drüben im Café. Man kann dort auch ein Getränk zu sich nehmen, wenn man schon zu ermattet ist. Kaffee gibt es auch, habe ich gesehen. Also man kann sich erfrischen da drüben. Sonst noch was? Habe ich was vergessen? Dominika? Regina? Danke an Erich Klinger für die Technik Radio Froh und danke an DorfTV für das, dass sie es dann aufbereiten und uns zur Verfügung stellen. Kann man bald einmal auch bei DorfTV nachlesen, nachschauen, nachhören. Den Kollegen, der da die Technik macht, muss ich auch bedanken. Bei dem muss ich mich auch bedanken natürlich. Ich weiß leider nicht, wie er heißt, sonst sage ich das. Harald Starzer, bitte einen Applaus. Starzer, Harald Starzer, bitte einen großen Applaus für Harald Starzer, bitte einen Applaus für Harald Starzer. Danke, das war's. Schönen Abend. Ich lese heute einen kurzen Auszug aus einer längeren Browserarbeit. liegen bleiben. Ich werde heute nicht aus meiner Koje klettern. Ich müsste aufstehen. Ich habe meine mir derzeit von den Instrukteuren genehmigte Schlafzeit erreicht. Die Schlafkoje füllt sich mit Licht und Lärm. Endlich werde ich vom zentralen Wechselsystem mit anschwellenden Sirenen geheult und immer greller während dem Licht geweckt. Ich habe jetzt genau 10 Minuten Zeit aufzustehen und mich für meinen Arbeitseinsatz fertig zu machen. Eine Duschmöglichkeit gibt es heute nicht. Duschen ist mir derzeit nur jeden zweiten Tag erlaubt. Diese Vergünstigung, mehr duschen ist eine Vergünstigung, werden nach einem von den Instrukteuren kompliziert errechneten Belohnungssystem gewährt. Ja, es gibt Belohnungen, wo Belohnungen sind, könnte es auch Bestrafungen geben. Es gibt aber keine Strafen. Es gibt Maßnahmen. Mein heutiges Verhalten wird Maßnahmen nach sich ziehen, das ist mir bewusst. Ich habe für mich beschlossen, es heute zu tun. Ich werde heute nicht zur Arbeit gehen. Ich will das nicht länger. Ich werde mich auch nicht krank melden. Wenn ich mich krank melde, kommt mit Sicherheit innerhalb kürzester Zeit einer der Kontrolleure in meine Kabine und macht eine Feststellung. Diese Feststellung wird sofort an einen Instrukteur der zuständigen Kammer gemeldet. Innerhalb kürzester Zeit erscheint ein Praktiker mit einem Gehilfen. Praktiker sind ehemalige Ärzte, denen die Approbation entzogen wurde. Gehilfen sind Pfleger, hin und wieder auch noch Krankenschwestern, die Praktikern zugeteilt wurden. Der Praktiker wird mich untersuchen und wird feststellen, dass ich nicht krank bin. Der Gehilfe oder die ehemalige Krankenschwester wird keine erhöhte Temperatur feststellen. Der gemessene Blutdruck, die Herzfrequenz, die Sauerstoffsättigung, all diese Werte werden innerhalb der Norm sein. Und es wird mir kein Krankheitstag gewährt. Aber auch wenn ich mich nicht krank melde, wenn ich nicht pünktlich zur Arbeit erscheine, wird einer der Kontrolleure kommen, wird feststellen, dass ich mich nicht auf dem Weg zur Arbeit befinde und wird sofort den Kammerinstrukteur verständigen. Es wird kein Praktiker und auch kein Gehilfe kommen. Es wird der Instrukteur persönlich erscheinen. Es wird etwas dauern, bis der Kontrolleur kommt und es wird auch einige Zeit dauern, bis der Instrukteur eintrifft. Ich bleibe liegen. Das Wegsystem hat sich wieder ausgeschaltet. Ich bin müde, möchte jetzt aber nicht mehr einschlafen. Bald wird sich auch das Wegsystem wieder aktivieren. Ich drehe mich zur Seite und hole aus einer Ritze der Holzverschallung meiner Koje die von mir gesammelten und versteckten Zeitungsausschnitte. Zu Online-Archiven gibt es seit der großen Änderung keinen Zugang mehr. Es wird berichtet. Auch nach einer Woche gibt es noch kein Wahlergebnis. Langsam macht sich Unmut bei den Oppositionsparteien und den Medien breit. Laut Innenministerium wird in den nächsten Tagen mit einem Wahlergebnis zu rechnen sein. Umfragen zum Wahlverhalten waren bei dieser Wahl nicht mehr gestattet. Sie werden bald kommen und in meine Kabine eindringen. Als erstes werden sie mein Arbeitsbuch verlangen. Das Arbeitsbuch ist eine App, die auf meinem Phone installiert ist. Ein Phone, das jeder Arbeiter von seinem Dienstgeber zur Verfügung gestellt bekommt. Private Handys sind nicht mehr erlaubt. Sie kontrollieren meine Tätigkeit. Ich arbeite in einer Küche in einem riesigen Hotel in den Bergen. Ich bin Saisonnier, seit zwei Jahren mache ich diesen Job. 350 Kilometer von zu Hause entfernt, untergebracht in einem Container, ein ganzes Containerdorf steht hier mitten in den Bergen. Hinter den Hotelanlagen kaum einsehbar für die zahlreichen Touristen. Alle, die hier einen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen haben, Kellner, Köche, Zimmermädchen, kommen aus den Städten, wo es kaum noch Arbeit gibt. Seit der großen Änderung ist viel passiert. Das Arbeitsleben der Menschen hat sich verändert. Es gibt fast Vollbeschäftigung. Die wenigen Arbeitslosen heißen heute Dienstverweigerer. Sie werden von Kontrolleuren, Instrukteuren drangsaliert, erhalten kleine Einzimmerwohnungen, die als Microflats bezeichnet werden. Sie werden verpflegt, bekommen ebenfalls ein Fonds, kein Dienstfonds wie die Arbeiter, sondern ein einfaches Gerät, auf dem eine Finanz-App installiert ist. Auf dieses Fonds wird Ihnen wöchentlich ein geringer Taschengeldanteil aufgebucht. Mit Hilfe dieses Gerätes werden Sie natürlich auch, genauso wie die arbeitenden Menschen, rund um die Uhr kontrolliert. Aber ich habe Arbeit. Ich musste die Arbeit annehmen, weg von meiner Familie, in einem Container schlafen, muss eine bestimmte Schlafenszeit einhalten, die sich nach meiner Leistung in der Küche dieses Molochs von einem Hotel richtet. Ein Grund, dass es kaum Arbeitslosigkeit gibt, ist auch, dass fast nur mehr Männer arbeiten. In den Büros, in den Supermärkten, in den Schäfetaschen sowieso nur Männer. Die Frauen sind zu Hause, in den kleinen Arbeiterwohnungen. Es gibt nur mehr Arbeiter. Angestellte dürfen sich nur die Kontrolleure, Instruktöre, Kommandeure nennen. Man kennt sie an den T-Shirts, die sie als Uniform tragen. Die Arbeiter tragen Grau, die Kontrolleure gelb, die Instruktöre blau, die Kommandeure rot. Dankeschön. Ja, und die nächste Lesende ist Judith Gruber-Ritzi. Ja, schönen guten Abend. Ich lese heute einen kleinen Ausschnitt aus meinem neuen Roman Die schreckliche Stadt K. Der ist voriges Jahr am Vorabend des Herbst-Lockdowns erschienen. Das zum Thema Corona. Man darf die schreckliche Stadt K. durchaus als Geschichte weiblicher Selbstermächtigung lesen, wenn auch als leise, hat die Dominika Meindl in ihrer Rezension des Romans geschrieben. Wie immer gibt es eine weibliche Hauptfigur, das ist Rosa. Sie kehrt allein in die für sie schreckliche Stadt, mit schrecklichen Erinnerungen behaftete Stadt K in Griechenland zurück. Sie hat ihre Arbeit verloren und will sich nun während eines längeren Urlaubs über ihre Ängste, ihre Beziehungen zu den meist sehr dominanten Männern ihrer Umgebung und über viele ihrer unausgesprochenen Wünsche klar werden. In der Stadt K. hofft Rosa, einen Neubeginn machen zu können, hier neuen Halt und neue Sicherheit für ihr zukünftiges Leben zu finden und vor allem aus der Rolle ausbrechen zu können, in die sie sich ihr Leben lang gedrängt gefühlt hat. Bei ihrem ersten Aufenthalt in der Stadt K. hat sie mit ihrem Lebensgefährten Gerhard auch eine Wanderung in ein Dorf oben auf dem Berg, in den Bergen gemacht und nun allein hier in diese Stadt zurückgekehrt, geht sie noch einmal hinauf in dieses Dorf. Das erste Haus des Dorfes, wenn man von unten heraufkommt, ist das Gasthaus. Bis dorthin geht Rosa zurück, will etwas trinken, vielleicht eine Kleinigkeit essen, ebenso wie damals mit Gerhard, als sie auf dem Rückweg hier einkehrten. Rosa steigt also die Stufen hinauf zur Terrasse und setzt sich an einen der Tische. Von ihrem Platz aus sieht sie hinunter auf die Stadt K, die im Dunst liegt, links das Meer. Nur das Hotel sieht Rosa von hier nicht. Ob der Grieche mit der Goldrandbrille am Strand liegt, fragt sich Rosa und spürt auf einmal, wie sie sich am frühen Morgen gefühlt hat, als er so überraschend neben ihr stand und sie kaum ein Wort herausbrachte. Rosa sitzt da, schaut hinunter aufs Meer und auf die Stadt, umkreist mit ihren Gedanken den Griechen mit der angenehmen Stimme und erschrickt beinahe, als sie Schritte hört. Es ist die Wirtin, eine schlanke Frau mittleren Alters in einem bunten Kleid. Sie grüßt freundlich und Rosa bestellt Mineralwasser und Salat. Erst jetzt wird Rosa die Diskrepanz zwischen dem gespenstisch leeren, grauen Dorf und diesem Gasthaus so richtig bewusst. Dass das Dorf völlig anders auf sie wirkte als damals, kann sich Rosa nicht erklären. Überhaupt scheint ihr heute alles fremd zu sein, obwohl sie doch gehofft hat, hier Vertrautes wiederzufinden. Auf dem breiten Geländer, das die Terrasse zur Straße hinunter begrenzt, spaziert eine magere, langbeinige, rothaarige Katze mit schmalem Spitzenkopf. Rosa versucht sie anzulocken, aber die Katze setzt sich auf dem Geländer nieder, ohne Rosa Beachtung zu schenken und beginnt sich zu putzen. Damals, fällt Rosa ein, haben die Leute erzählt, dass die Katzen hier im Dorf das Chaos im Voraus gespürt hätten? Wie verrückt seien sie schon Stunden zuvor hin- und hergelaufen, hätten laut geschrien und nicht gewusst wohin. Rosa hat das damals geglaubt, bis sie es vergessen hat, bis sie beim Anblick von Katzen nicht mehr an das Chaos in der Stadt K denken musste. Das war aber auch das Einzige, das Rosa im Zusammenhang mit dem Chaos vergessen konnte. Erst jetzt fällt es ihr wieder ein. Dass die rothaarige Katze entspannt da sitzt und sich putzt, empfindet Rosa jedoch nur kurze Zeit als beruhigend. Denn bald wird ihr klar, dass sie nun ständig auf diese Katze starren wird, um jede Veränderung in deren Verhalten registrieren zu können und somit gewarnt zu sein. Obwohl die Vernunft ihr sagt, dass es nicht stimmt, ist sie bereit, sich darauf einzulassen. Ständig die Katze anschauen zu müssen, keinen Blick mehr von ihr wenden zu können, aus Angst Vorzeichen zu versäumen, schafft Unruhe. Bedeutet, jede Sekunde mit neuem Chaos zu rechnen, es geradezu einzuplanen, ja, darauf zu warten, es vielleicht sogar herbeizusehnen, denn nur das könnte Bestätigung geben, nur das könnte endlich Gewissheit schaffen und, so denkt Rosa sogar einen kleinen Moment lang, die Angst nehmen. Denn wenn das eintrifft, wovor sie sich so lange schon so sehr fürchtet, müsste doch in dem Augenblick die Angst verschwinden. Die Katze hat aufgehört, sich zu putzen und liegt ruhig und entspannt auf dem Geländer. Rosa steht auf und geht zu ihr hin, um sie zu streicheln. Doch noch bevor sie die Hand nach der Katze ausstreckt, springt diese auf und läuft in großen Sätzen davon, quer über die Terrasse, hinauf auf eine kleine Mauer und auf der anderen Seite wieder hinab, sodass sie Rosas Blicken entzogen ist. Danke. Ja, es liest jetzt Johann Kleemeyer. Ja, guten Abend. Danke Judith für die Ankündigung. Auch ich habe ein neues Buch, aus dem ich lesen werde. Ghana, Logbuch einer Reise, kurzer Ausschnitt, sechs Minuten, gut. Vor der Pandemie war dieses Gana schon ein Reiseblog. Ich habe das unterwegs geschrieben und direkt dann Tag für Tag so ins Netz gestellt mit Fotos. Während der Lockdowns ist dann die Sehnsucht nach dem Buch, also nach diesen Bildern und nach dem Text entstanden. Und dann haben wir ein Buch daraus gemacht, eben wir, ein Grafiker, Ulrich Tanzmeier, Sibylle Gandler und ich. Die Reise hat sechs Wochen gedauert. Es war zuerst ein kleiner Abschnitt in einem Kloster in Österreich, dann eine Studiengruppenreise nach Ghana, Pädagogische Hochschule Linz. Gruppenreise nach Ghana, Pädagogische Hochschule Linz. Und dann war ich einige Wochen alleine unterwegs und da möchte ich jetzt einen kurzen Abschnitt daraus vorlesen. Als ich endlich bereit zum Schlafen bin, verhindern Gottesdienstgesänge unmittelbar neben meinem Zimmer ein Einschlafen. Als nach einer Stunde kein Ende in Sicht ist, flüchte ich aus dem Zimmer. Abraham, der Nachtportier im Midway-Hotel, erklärt mir, als ich an ihm vorbeigehe, Quintampo ist eine Stadt, die niemals zur Ruhe kommt. Kind Dampo, sagt er, ist die Mitte und das Herz Ghanas. Kind Dampo ist eine sichere Stadt mit freundlichen Menschen. Welcome! Entlang der Straße herrscht Betrieb wie tagsüber. Die Frauen verkaufen ihre Waren auch um Mitternacht bei jedem ankommenden Bus, jetzt mit Öllämpchen auf dem Kopf. Oft haben sie auch jetzt ein Kind auf dem Rücken. Staubwolken mischen sich mit Auspuffgasen, wenn wieder ein Truck mit vergnügtem Testen der Folgetonhörner startet. An jeder ein wenig geschützten Stelle liegen jetzt Menschen in Decken gewickelt oder auch nicht, in der Hotelhalle, vor dem Hotel. Eine Brotverkäuferin schläft, vornüber gebeugt auf ihrem Verkaufsstand, allem Hupen zum Trotz. Ein Viehtransporter fällt mir auf. 20 Rinder, eng zusammengepfercht. Die Plan ist nach oben gerollt und dort, ein, zwei Meter über den Tieren, haben sich blinde Passagiere festgebunden. Sie schauen wie Hängematten aus. Als der Fahrer den Motorraumdeckel zuwirft, klettern die letzten schnell wieder hinauf. Weiter geht's, südwärts, Kumasi. Als ich ins Midway Hotel zurückkomme, rede ich wieder mit dem Nachbartier Abraham. Er ist 25. Moslem? Nein, Katholik. Sein Vater war Moslem. Am Totenbett hat er seinen Kindern freigestellt, Moslem oder Christ zu werden. Abraham sagt, das beste Hotel in Quintampo ist das Midway Hotel. Du fühlst dich hier wie daheim, es ist sicher. Abraham ist vom Beruf Lehrer. Er hat die Schule des Steilerordens in Quintampo absolviert. Die beste Schule in Ghana, sagt er. Abraham unterrichtet in einer Elementary School und macht gerade ein dreijähriges Fernstudium, damit er auch ältere Schüler unterrichten darf. Und zusätzlich seit Schulschluss, also in den Ferien, ist der Nachtbordier im Mitwehrhotel. Abraham strahlt Zuversicht, Freude, Begeisterung aus. Er ist vom Lehrerberuf überzeugt. Man muss mit ganzem Herzen dabei sein. Als Ort für ein Frühstück empfiehlt er mir die Dachterrasse des Hotels. Ich soll mir dorthin Kaffee bringen lassen. Und als ich mich verabschiede, verrät er noch, dass ich ihn an die Lehrer seiner Schule erinnere. Am Vormittag schaue ich lange dem Treiben in Quintampo von der Hotelterrasse aus zu. Ich habe keine Eile. Der freundliche Senior-Hotelchef gesellt sich zu mir. Aber der Wind fühlt sich kalt an. Wir holen beide eine Jacke. Wahrscheinlich wird es gegen Mittag erst wieder gegen Mittag warm, dann aber auch gleich wieder heiß. Die meisten Fahrzeuge sind überladen. Oft werden die Sitzbänke auf die Fahrzeugdächer gebunden, um zusätzlichen Laderaum zu gewinnen. Die Diertransporter sind tagsüber ohne blinde Passagiere unterwegs, wahrscheinlich weil es verboten ist. Der Schulbus einer christlichen Schule fährt vorbei. Grellbunte Aufschrift, Jesus hilft. Mich erfasst eine wehmütige Stimmung. Die unglaublich harten Lebensbedingungen der Menschen berühren mich. Keiner kann sich leisten, auf seine Gesundheit zu achten. Hier geht es ständig ums Überleben mit weiß-twinzig kleinen Geschäften. ständig ums Überleben mit weiß-twinsig kleinen Geschäften. Und trotzdem, ein Mädchen, vielleicht nicht älter als fünf, eine schwere Last auf dem Kopf, tanzt vergnügt bei der Hoteltür herein. Zwei vor, eins zurück, zwei vor, eins zurück. With God, Travel Tours, fährt vorbei. Die kleine Moschee gegenüber werde ich mir nicht anschauen. Die Straßenhändler haben ihren Kleinkram wieder auf die schwarzen Plastikplanen gelegt. St. Benedict's School fährt vorbei. Danke. Darf ich jetzt die Pause ankündigen? Okay. Und dann begrüße ich den Wilfried Steiner, der als nächster drankommen wird. Wilfried, bitte. Ja, schönen guten Abend. Schön, dass Sie alle da sind. Ich werde jetzt mit so einem, obwohl ich nicht sehr technikaffin bin, werde ich das jetzt so machen mit dieser Stoppuhr. Paff. Also, ich lese jetzt etwas ganz Neues, das habe ich vorgestern erst aus der Druckerei bekommen. Ein Essay, heißt Gustav Landauer oder die gestohlene Zeit. Und es geht hauptsächlich um die Periode der Münchner Räterepublik, um die Anarchisten rund um Gustav Landauer. Und da werde ich jetzt einfach den Anfang Ihnen zu Gehör bringen. Und da werde ich jetzt einfach den Anfang Ihnen zu Gehör bringen. Eins, das Nadelöhr der Anarchisten. Gleich am Anfang ein schiefes Bild, aber ich bin es nicht losgeworden. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Doch eher gelangt ein Reicher in das Reich Gottes als drei Anarchisten ins Wittelsbacher Palais. Das Nadelöhr steht hier auch für die kurze Zeitspanne, in der das Wunder wirkmächtig werden durfte, nämlich gerade einmal sechs Tage. Vom 7. bis zum 13. April 1919. Ein kleines Loch in der Zeit also, durch das die drei staatstragenden Anarchisten hindurch gelangten, diverse unorthodoxe Volksleute in ihrem Windschatten. 2. Hier kommt Landauer, soll er fortwährend gerufen haben, der Volksbeauftragte für Volksaufklärung, wenn er durch den Palast stolzierte. Volksaufklärung, wenn er durch den Palast stolzierte. Der Pazifist, Hölderlin-Liebhaber, Walt Whitman-Verehrer, Gustav Landauer, fast zwei Meter groß, hager, schmales Gesicht mit weistratigem Bart, die Haare wie Fahnengewächse vom Kopf abstehend. Wie gut kann man ihn sich so hochgemutsch reitend vorstellen, wenn man einmal Bilder von ihm gesehen, Zeilen von ihm gelesen hat. Doch die Quelle ist nicht ganz zuverlässig. Derjenige, der Landauer so beschreibt, ist Korrespondent des Chicago Daily Journal und ebenso berühmt für seinen Erfindungsreichtum wie für seine Zugaben zur Wahrheit. Als Drehbuchverfasser für fast alle Kultregisseure des großen amerikanischen Kinos wird er später zur Hollywood-Legende. Sein Name? Ben Hecht. Seine Zeitung schickte er 1919 nach München, um über die ungeheuren Vorfälle zu berichten. Hecht behauptet, er habe Landauer täglich interviewt. Hecht behauptet, er habe Landauer täglich interviewt. Jedes bayerische Kind im Alter von zehn Jahren ist dabei, Walt Whitman auswendig zu lernen, soll der Volksbeauftragte gesagt haben. Das ist der Eckpfeiler meines neuen Erziehungsprogramms. Zweifellos gab es auch andere. Eine der ersten Amtshandlungen Landauers war die Abschaffung der Prügelstrafe an Schulen. Drittens. Mr. Hecht ist nicht die einzige ungewöhnliche Verbindung Landauers zur glamourösen Welt der Filmstudios. Mark Nichols, Regisseur von Klassikern wie Wer hat Angst vor Virginia Woolf, Die Reifeprüfung oder Hautnah, wurde 1931 als Sohn von Brigitte Landauer geboren. Sie war die Tochter von Gustav Landauer und seiner zweiten Gattin Hedwig Lachmann. Eine Liebe, die wie ein Film begann. Als hätte der Großvater einem Interview des Enkels gelauscht, das dieser 109 Jahre später gab. Man muss die Liebe seines Lebens finden. Diese Maxime hatte Mike Nichols in einem Interview mit der Berliner Zeitung verkündet. Am 28. Februar 1899, 20 Jahre vor dem Ende, begegnet Gustav Landauer bei einer Veranstaltung mit dem Lyriker Richard Demel einer Frau, deren Anblick ihn so gefangen nimmt, dass er es nicht wagt, sie anzusprechen. Hedwig Lachmann, eine zierliche Gestalt mit blaugleißenden Augen und filigranen, fast durchsichtigen Händen, ist offenbar Demels Begleiterin. Umringt von Bewunderern, palliert sie über jedes Thema mit der gleichen Werf- und Scharfsichtigkeit, sei es Politik oder Religion, Poesie oder der neuste Stern am Theaterhimmel. Noch in der gleichen Nacht beginnt Landauer, ihr Briefe zu schreiben. Der erste enthält eine ungeduldige Botschaft. Wertes Fräulein, wer so vereinsamt ist, wer sich so nach der Seele der Frau sehnt wie ich, wer eine so innige Zuneigung gefasst hat wie ich zu Ihnen beim ersten Blick in Ihre Augen, der will nicht warten. Ich bitte Sie herzlich, lassen Sie es nicht schlimm kommen. Das Problem ist nur, er weiß nicht, wohin er seine Zeilen schicken soll. In einer Begleitnotiz an Hedwig klagt er, im Adressbuch waren sie nicht zu finden, meine hiesigen Bekannten haben den Kirschner nicht, in den verschiedenen Berliner Cafés, die ich um dessen Willen aufsuchte, liegt es auch nicht auf und zur königlichen Bibliothek war es schon zu spät. liegt es auch nicht auf und zur königlichen Bibliothek war es schon zu spät. Morgen gehe ich dahin und finde ich sie im Kirchner nicht, so muss ich es mit dem Einwohnermeldeamt probieren. Erst Tage später erfährt er ihre Anschrift, ausgerechnet von Richard Demel selbst. Und so erreichen sie Sätze wie dieser. Ich habe wieder, endlich wieder einen Menschen, für den ich gewachsen sein will. Tags darauf gesteht er ihr, mit einem Wort wahrgesprochen, ich möchte sie, mit ihnen reden und plaudern, ihr Auge sehen, mich an ihrer Frische erfreuen, ihr Freund sein können und ihnen etwas sein können. Die welt- und sprachgewandte Frau als Übersetzerin von Chandor Pettifü und Edgar Allan Poe hochgelobt, lässt sich vom Ton der Briefe verzaubern, bleibt aber vorsichtig. Ich bitte den Till Mayerhofer auf die Bühne. Applaus Guten Abend. Vor 100 Jahren, am 5. Jänner 1921, ich glaube, das ist auch das Geburtsjahr der Ilse Eichinger, wenn ich mich richtig erinnere, wurde in Kronolfingen im Berner Oberland Friedrich Dürrenmatt geboren. Und sein berühmtestes Theaterstück bis heute sind die Physiker. Und da kommt ein Satz vor, der, glaube ich, sehr gut passt, nämlich, was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Und so habe ich begonnen, vor mehr als einem Jahr 21 Punkte zu Corona anlässlich des 100. Geburtstages Friedrich Dürrenmats zu sammeln. Das ist mittlerweile die dritte Fassung, weil sich ja fast täglich oder wöchentlich etwas tut. 1. Jänner 2020. Der Ausbruch von Corona ist der Einbruch der Wirtschaft. 2. Diesem sehe ich ungerührt entgegen. 3. Vom Einschränken oder Sperren außer-europäischer Reiserouten fühle ich mich nicht betroffen. 4. Urlaub vom Ich zu nehmen, wäre manchmal wichtiger, ist aber sehr schwierig. November 2020, wir sind im Haushoferjahr und wollen in Steyr veranstalten. Sollte sich nichts ändern, sagt meine Frau, rücke die Betonwand für Sie immer näher. rücke die Betonwand für Sie immer näher. Winter 2020, 21. Jetzt habt's es, meine Toten. Sebastian K. im Zwiegespräch mit seiner Oma. Jetzt sei die Schräglage überschritten. Tun wir so weiter, werden demnächst wir alle zum Liegen kommen. Ach, wie wahr! Für Sie denke ich heute, Herr Kurz. Das ist eine Neuanmerkung. 7. Sagt er gegen Grillbarzer schon 1848, das ist ein Fluch von unserem edlen Haus, auf halben Wegen und zu halber Tat mit halben Mitteln zauderhaft zu streben. Hatte dieser Hofrat auch schon die österreichische Impfmoral vor Augen, frage ich mich. 8. Eine jahrhundertealte, seit K&K-Zeiten erfolgte Hofschranzen, sprich Freundal- und Co-Wirtschaft, kann, ergänzt von schwarz-türkisen Seilbahnschaften, Seil ist gleich Bahn, ist gleich Schaften, von chinesischen Fledermäusen nicht außer Kraft gesetzt werden. Oder doch? Neun, Dürrenmatt jedenfalls behielt Recht. Was einmal gedacht wurde, heute gechattet, würde man vielleicht sagen, was einmal gedacht, gechattet wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Dürrenmatt also behielt Recht, nicht aber unser Herr Bundespräsident mit so sind wir nicht, denn zehntens, so sind wir leider schon. Österreich steckt wieder einmal in der Krise und Dürrenmatt warnt in seinen Punkten, in seinen 21 Punkten zu den Physikern, eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Schallenberg? 13. Die Pest in Bergamo direkt vor Ort des ersten Epizentrums erschien 1882. Verfasser Jens Peter Jakobsen. 14. Die wenigsten Österreicherinnen haben je davon gehört, dafür offensichtlich aber von der neuen Partei MFG und sie in den Landtag und viele oberösterreichische Gemeinderäte gewählt. 15. Die österreichweite niedrige Impfrate bestätigt die pessimistische Ansicht. Ein Volk erhält jeweils die Politiker, die es verdienen. 16. Das offizielle Österreich, auch viele Experten sprechen vom Übergang der Pandemie in eine Endemie. 17. Außerdem ist gewollt, dass ÖsterreicherInnen so lange wie möglich leben und leiden, ob an Österreich oder an sich selbst oder an anderen Krankheiten. Davon aber nichts mitteilen, sondern selbst in der Minute ihres Sterbens kundtun, wie gut es ihnen insgesamt immer und sowieso und insbesondere in Österreich ergangen sei. insgesamt immer und sowieso und insbesondere in Österreich ergangen sei. Und jetzt, da sie aus dem Leben schieden, alles lieber verließen als ihr vielgeliebtes Österreich. 18. Auch die Einäugigen, die bekanntlich inmitten der blinden Könige genannt werden, sind gefährlich. Dringend zu suchen sind solche, die weder auf dem rechten noch auf dem linken Auge blind sind. 19. Die offene Büchse der Message-Control ist längst eine Pandemie der Amoral. 20. Österreich aber schimpft. 21. Wer jetzt noch nicht geimpft, tot, gelesen oder schon angesteckt ist, wird es demnächst sein. Ich freue mich, dass Marlene Gölz, die nach mir liest, offensichtlich getestet, genesen, geimpft, wie auch immer gesund anwesend ist. Danke. Ja, ich schließe mit dem Thema quasi an, ein bisschen anders, aber Corona. Ich lese zwei kurze Erzählungen und die erste trägt den Titel Corona Love Story. Nur selten erhielt er Post. Wenn, dann waren es Prospekte und Rechnungen. Dennoch freute er sich, wenn seine Frau rief, die Post ist da. Dann lief Herbert hinaus. Der Anblick des Kastenwagens erregte ihn. Dieses Postgelb, auch an trüben Tagen, leuchtete es. Reichte ihm die Briefträgerin ein Kuvert durch das geöffnete Fenster, lächelte er sie an und sie lächelte zurück. Blond war sie und viel zu jung für ihn. Immer geschminkt, aber dezent. Einmal hatte er sie in Zivil gesehen, gute Figur, die in der Postjacke gar nicht zur Geltung kam. Sie sind mir die liebste Kundschaft, meinte sie eines Tages, und dass er beinahe der Einzige wäre, der nie etwas bestellte. Sogar Steine lassen sich die Leute liefern, erzählte sie. Vorhin wäre ein Paket aufgerissen und da hätte sie hineingeschaut. Wie soll ich denn das tragen? Sehen Sie mich an. Ihr Lachen, es war, als ginge die Sonne auf. Steine, würden Sie sich Steine bestellen? Herbert, nimmst du Petersilie aus dem Garten mit rein? Herbert schämte sich. Um wie viel lieber hätte er mit der Briefträgerin über Steine geredet, als seiner Frau Petersilie zu pflücken. Als der Wagen zurücksetzte, beschloss Herbert, nicht länger der liebste Kunde sein zu wollen. Er bestellte online, was er nicht brauchte. Fast täglich ging die Sonne nun auf und er half der Briefträgerin, die schweren Pakete auszuladen. Sicherheitsabstand wurde keiner eingehalten. Wenn die Terrasse fertig gepflastert ist, dann lade ich sie ein, sagte Herbert, auf einen Kaffee. Er hatte sich diesen Satz vorher zurechtgelegt. Die Briefträgerin lächelte. Es werden gerade viele Terrassen gepflastert, meinte sie. Und dass sie gekündigt hätte. Ende des Monats bin ich weg, aberschte Herbert die lustigen Videos auf seinem Handy, um Speicherplatz freizugeben und die App zu installieren. Von dem Tag an war ihm die Briefträgerin noch näher. Er nannte sie nun Nadine, natürlich nur in Gedanken. Und manchmal, da flüsterte er heimlich ihren Namen, Nadine. Nadine. Und die zweite Erzählung heißt Wohnblock. Seit fünf Tagen habe ich sie nicht mehr gesehen. Jeden Tag hat sie geschaukelt, den ganzen Sommer lang, jeden Tag. Die schaukelt ja jeden Tag, zwei Stunden mindestens. Das ist doch nicht normal, hat die eine Nachbarin gesagt. Geht die nicht arbeiten, hat sie gefragt. Aber seit fünf Tagen schaukelt niemand mehr. Seit fünf Tagen wundert sich keiner mehr. Lass sie halt schaukeln, habe ich gesagt. Das stört doch keinen. Seit fünf Tagen stört sie keinen mehr. Seit fünf Tagen ist sie weg. Gott ruft jeden zu sich, hat die Vorbeterin gesagt in der Kirche. Aber Serena hat er nicht gerufen. Die ist freiwillig gegangen, hat sie gesagt in der Kirche. Ein Angler hat sie gefunden, in einem Auto, im See heißt es, voll mit Tabletten. Ihre Freundin auch, aber die ist nochmal davongekommen. Wenn die das in der Kirche so sagen, dann wird es schon stimmen, hat die Nachbarin gesagt. Sonst würden sie es ja nicht sagen. Ihr Abschiedsbrief, den hat sie nicht selbst geschrieben, heißt es. Vielleicht war es Mord? In einer Disco waren sie, in München heißt es. Drogen. Und vergewaltigt sind sie worden, wird erzählt. Kein Wunder, wird sie denken, die Nachbarin so leicht bekleidet, wie die Sarina immer herumgelaufen ist. Einem Jäger wollten die Mädchen das Gewehr entreißen, heißt es. Erschießen wollten sie sich. Früher, da sind solche Leute nicht mal begraben worden, hat die Nachbarin gesagt. Und dass die Eltern froh sein können, wird sie denken, dass die Tochter überhaupt einen Platz bekommt innerhalb der Friedhofsmauern. Die hat Brot weggeworfen, in den Restmüll, hat die Nachbarin gesagt. Brot? Wo kommen wir dahin, wenn die Leute Brot wegwerfen? In den Restmüll, hat die Nachbarin gesagt. Brot, wo kommen wir dahin, wenn die Leute Brot wegwerfen? In den Restmüll. Und die Mutter, die haben es eingeliefert. Die Freundin auch, nicht vernehmungsfähig, heißt es. Dass sie komisch ist, die Mutter. Beim Beten war sie gar nicht dabei. Nur der Vater, mit seiner neuen Frau und dem Kind. Fast keine Leute waren in der Kirche. Die hat keine Freundinnen gehabt, die Sarina, heißt es. Vorne ist die Familie gesessen, aber kondolieren wollte denen keiner. Sie hat immer gegrüßt, hat jemand gesagt beim Hinausgehen. Das muss man ihr lassen. Vor der Wohnungstür stehen noch ihre Schuhe. Da stehen immer noch ihre Schuhe vor der Wohnungstür, sagt die Nachbarin. Aber auf der Schaukel im Hof, da schaukelt niemand mehr. Danke. Wir dürfen jetzt eine Pause machen und nachher freuen wir uns auf Peter Rodiner. Schönen guten Abend. Ich lese aus dem Text, wenn unsere Spezies schwächelt, einen Corona-Text. Frühlingsanfang 2020, erster haubenloser Tag, punktgenau. Um Mitternacht, dann mehrfaches haubitzenhaftes Donnern. Das Gefühl dabei in der Kindheit mir vermittelt, jetzt greift auch noch der Russe an. Holt sich mit zwei, drei gezielten Schlägen das Corona-gelähmte Europa. Angst, hinauszuschauen, ob Atompilze zu sehen wären. Zuerst noch immer nicht klar, ob auch wirklich Gewitter. Wie der in seinem Tessinerhaus von der Außenwelt abgeschnittene, verwitwete Herr Geiser in der Mensch erscheint im Holozän, jener späten Erzählung von Max Frisch von 1979, der während nach tagelangem Regen die Hänge zu rutschen anfangen, ratlos Bagoden aus Knäckebrot baut und verschroben zwischen Polterdonner, Knalldonner oder Paukendonner unterscheidet. Zur Melodramatik neigend sehe ich das finis humani generis, ganz schnell kommen aus einer Ecke, aus der es keiner vermuten würde, wie bei den Sauriern. Obwohl die Menschheit alles tat, um sich mit System auszurotten, kam das Ende aus einer anderen Ecke. Es begann mit außertuerlichen Ferien. Eine Leichtigkeit überkam die Leute, während die Horrorzahlen exponentiell hochschnellten. Wie zum Spott erspross der Frühling schöner denn je und wurde erstmals, da die Hamsterräder blockiert waren, seit langem wieder wahrgenommen. Sie alle würden den Neuen, den Endtod, dahinge gehen, den, der ihrer Gattung den Garaus machte. Einer der wenigen, die sich noch in einen traditionellen Tod hatten abschwingen können, war jener 66-jährige Skifahrer, der sich bei einem Sturz den Skistock in die Brust gerammt hatte, die Fahrt noch fortsetzen konnte und später beim Mittagessen bewusstlos zusammengebrochen war. Wenn die Pandemie ihre Mäher anwirft, sind die, die noch eines alten Todes sterben, zusehends die Ausnahme. Wenn einer in die Pest, in den schwarzen Tod hinein, gerade noch einen nicht schwarzen Tod stirbt, durch herabfallenden Ast, ausgelöste Lawine, Blitzschlag, Unfall, so ist der wie ein Widerspruch, wie der Borst zur allgemeinen Chemrichtung des Verhängnisses, förmlich ein Gentleman, der sich in das alte Kapitel gerettet hat, bevor definitiv die geschwärzten Seiten beginnen. It's the end of the world as we know it. Kein stummer Frühling jetzt, wie Rachel Carson einst befürchtete, sondern ein durch die neue Stille redender, zwitschernder. Ich erinnere mich an die späteren 1960er, als ich mit der Großmutter abends durch die Siedlung ging und es ruhig wie jetzt war. Wie würden wir schauen, hören, riechen, wenn wir mit einem Schnipp, mit einem Umlegen des Schalters zurück wären in den 1960ern. Womöglich wollte man von dort nicht wieder retour ins Jetzt. Ich höre die Vögel, ihre Stimmen sind lauter. Sind sie unsere zwitschernden Totenglöcklein? Die Natur würde bei unserem Abgehen noch einmal so richtig schön, ja immer schöner. Kein Dramaturg hätte es so erfinden können, dabei ist alles so einfach. Die Natur gibt sich uns noch einmal in alter Fülle und entzieht sich uns, zeigt noch mal ihre Früchte und zieht sie weg, wie bei Tantalus. Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige, voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven oder voll süßer Feigen und rötlich gesprenkelter Äpfel. Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken, wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken. Odyssee, elfter Gesang in der Übersetzung von Voss. Es war der Philosoph Wilhelm Weisgedel, der von abschiedlichem Denken sprach. Die Welt wird von dem Abscheidenden, Verscheidenden, Verschieden. Sie zieht sich in ihr Leben zurück. Wir werden nicht eins mit der Erde, sondern die Erde wird wieder eins mit sich, während sie uns abscheidet oder wir uns von ihr abscheiden. Und sie leuchtet in ihrer alten Pracht abermals auf, zeigt uns, was sie uns hätte sein können, die, und das ist die List, nicht wir verspielten, sondern die wir uns selber verspielten. Ich denke auch an gewisse Sätze Adornos, wo das Utopische entzughaft von den Gegenständen und Landschaften abstrahlt, wie ein in Purpurpulver getauchtes Abendrot. Der Schwan, der Delfin schwimmt dank Photoshop wieder in Venedig ein, wie zu den Toretto's Zeiten. Nur Tage braucht er es, bis es sich klart, die Natur stünde zur Regeneration bereit, bis die Luft sich klart, das Wasser, bis wie in den letzten Tagen der Menschheit von Karl Kraus, Stunde um Stunde, eine Narrheit nach der anderen, die uns in Bann hielt und derentwegen wir uns entzweiten, von uns abfällt, sich abscheidet. Es ist ein Karneval mit Abschiedscharakter. Wir Menschen waren keine guten Noas. Wir hätten höchstens der Bordkanonier sein können, wie ihn die Zoosphäre sonst nicht hat. Mit immer größerer Destruktionsmacht, von Zins und Zinseszins gepeitscht, von den Nullen gefoltert und in die Megalomanie des abstrakten Hasards getrieben, unter dessen Blutsaftpresse das tausendjährige Holz der Urwälder schreit, hatten wir innerhalb zweier, dreier Generationen den Weltbestand bis knapp vor die Wand gefahren. Doch all die der Natur zugefügten Verluste kommen noch nicht den Verlusten gleich, die ein fernkünftig einschlagender Asteroid mit ziemlicher Sicherheit einmal wieder anrichten würde, den von allen Tieren hinieden einzig das sogenannte intelligente Tier technisch abzuwehren Verstände. deren Verstände. Möchte die Natur vorerst aufatmen, wenn wir Halbgotttiere, die das Maß verloren haben oder es nie hatten, von Bord gehen, ja in neue Zehn- und Hunderttausende, so nicht wieder Millionen Jahre fortwachsen, so hat sie doch ihren trefflichen Kanonier eingebüßt, den Bordschützen der Arche Noah und deren Ausschauhalter. Die unerwartet also doch noch lange nachblühende Erde wird dann das Verwilderte, schließlich recht bald als solches unkenntlich gewordene Grab sein, ihres größten Talents, des Animal Nobilissimum. Selbst Tapire könnten den Menschen verwunden haben, ihn übertauchend. Es kann sie getrost noch einmal 30 Millionen Jahre geben, in kaum je sich verändernder Gestalt. Sie sind Symbol für niemanden mehr. uralte Evolution des Erdgeists sich wieder selbst übereignet weiter. Neue Arten werden selbsttätig kommen, wie kein Mensch sie je erblickt und ersonnen. Es bleiben auf Erden unsere giftigen, schwerst verdaulichen Hinterlassenschaften, kein schönes Paket. Die Erbschaft der dann langsam korrodierenden, sich selbst überlassenen Atomkraftwerke. Könnte trotzdem die Evolution dies alles überwinden, überwachsen? Der aber wäre verschieden, abgeschieden, den man einst an der Wiege der Zivilisation gesungen hatte. Dies alles, diese ganze Natur sei ihm zuliebe geschaffen. Wie Moses das gelobte Land noch sah, ohne es betreten zu dürfen, so sehen wir die sich uns entziehende und in ihr Sein zurücktretende, gleichzeitig vor- und aufscheinende, eigentlich immer uns substanziell fremdgewesene Natur, auffahren in ihrem Sonnenwagen, wie sie uns doch noch unter die Räder bekam. Oder schaffen wir es? Wollten wir dann zurück in den alten Lärm, die alte Hast, die alte Verschwendung, den alten Verschleiß an Material und Mensch? Nicht würde die Lieblichkeit, die Dolcezza jenes Bühnenbildes vergessen, vor dem der Mensch Wochen und Monate lang in den Abgrund seines Endes sah. Das ist aus der Anthologie Corona, eine Anthologie herausgegeben von Helga Pregisbauer und Eleonore Weber, erschienen in Edition Transit 2021. Sehr zu empfehlen. Dankeschön. Ich darf an Erich Klinger übergeben. Vielen Dank. Nachdem wir jetzt die Apokalypse schon überwunden haben, oder schon hinter uns haben, kann ich mich beim Kurt und beim Stifterhaus und bei allen möglichen Leuten bedanken für das Zustandekommen dieser Veranstaltung. Ich hole jetzt trotzdem noch, also guten Abend. Unlängst bei meiner Grinberg-Praktikerin schaltete sich während der Körperarbeit der große Kühlschrank ein. Jetzt sind die Fische vom Horns wieder lebendig geworden, dachte ich in Erinnerung an die Aufnahme bei Hans Eichhorn im September vor zwei Jahren. Mail von Josef Schweinsteiger aus S. an das Team Stronach am 15. September. Als Landwirt in Ruhe weiß ich, was harte Arbeit ist. Ich habe meinem Sohn Berthold Anton Maximilian geraten, die Finger von der Politik zu lassen. Bis der Richtige kommt. Nein, nicht der Gräfatz. Wir am Land sind ja auch keine primitiven Bauernschädel. Zumindest nicht mehr als die Proleten in der Stadt, die ihre eigenen schlechter wählen. Pfeif auf die Grünen, diese hirnweichen Spinatfresser und auf die Bäumeflüsterer. Die haben auch keine Ahnung vom Tuten und Blasen und von der Landwirtschaft. Sogar die Kummer musste ich ihm ausreden in seiner Verzweiflung. Und dann ein Lichtstrahl am 14. September. Frank Stronach will für das Hochamt im Staat kandidieren. Und da habe ich zu meinem Buren gesagt, Berthold, da sind wir dabei. Und gefreut haben wir uns beide und einige Bier beim Kirchenwirt, auch für den Mesner, der dem schwarzen Bürgermeister immerhin den Allerwertesten kriegt, war mir das schon wert, dieser Jubel. Und dann beim Nachhausekommen, da war es zugegeben schon spät, steht die Sinzingerin, also die Nachbarin vor der Tür und sagt, alles erstunken und erlogen. Die schaut nämlich immer die Zipp mit dem Wolf vor der Tür. Alles erstunken und erlogen, sagt sie. Man solle gar nicht glauben, wie deppert die Medien sind, dass die auf so einen Blödsinn hereinfallen. Na, als ob der Strahnach nichts Besseres zu tun hätte, als gegen den Professor und den Hatschadenburgenländer wahlzukämpfen. Da ist mir das Lau heruntergehangen und meinem Burm, dem Berthold auch, und der wollte schon auf die Sinzigerin losgehen, aber da habe ich gesagt, halt ein Buhr, Gewalt ist keine Lösung. Und schauen wir jetzt einmal, ob das überhaupt stimmt, was die Sinzingerin, die ja auch nicht immer ganz richtig ist, im Kopf sagt. Also bitte, ist es wirklich nicht wahr, dass Straunach neu anfangen will? Und ist das wirklich alles für die Katz gewesen? Und ist das wirklich alles für die Katz gewesen? Und falls ja, wer zahlt mir meine Bier zurück? Bitteschön, Josef Schweinsteiger. Der Machtrausch. Biserker Landesgeschäftsführer und nun, da SPÖ und Grüne ressortbezogen wie ein Christbaum abgeräumt wurden, für Soziales, Integration und Jugend zuständig. Dank fortgesetzter Koalition mit der FPÖ noch trübere Aussichten als vorher, vor allem aber nicht nur für jene, die keine österreichischen Staatsbürgerinnen sind. Vor allem aber nicht nur für jene, die keine österreichischen Staatsbürgerinnen sind. Zeit für eine verstärkte außerparlamentarische Opposition und die ganz, ganz leise Hoffnung, dass SPÖ und Grüne nicht als Mitregierende, was sie der Jury noch de facto aber nicht mehr sind, sondern als Gegengewicht agieren. Es kommt ein Lied, das der Chor der Dreisenschiffer geschrieben hat. Dazu muss ich aufstehen. Grüße den Wolf. Also, den da hinten, den Wolf. Ich habe es schon mit daheim aufgenommen, aber jetzt ist es ein bisschen anders. Das Lied heißt Wir bauen einen Wald, falls ich das noch nicht gesagt habe. Wir bauen einen Wald. Wir bauen einen Wald. Bis die Zukunft weit und groß. Wir bauen einen Wald. Wir bauen einen Wald. Wir bauenin, wir fahren mit dem Klimafittenauto. Klimafittenauto, Klimafittenauto, in den Klimafittenwald hinein. Auf Biostraßen, die landschaftsschonend, ohne Verzicht und sauerköpfisches Gehabe die Wege bereiten für die guten neuen Zeiten die Wege bereiten, für die guten neuen Zeiten mit uns, mit uns, mit uns. Wir bauen einen Wald, wir bauen einen Wald, wie ist die Zukunft weit und groß? Wir bauen einen Wald. Die Wege bereiten für die guten neuen Zeiten mit uns. Mit uns. Mit uns. Danke sehr und als nächstes... Applaus Es muss das Mikrofon wieder desinfizieren, so ein Scheiß. Als nächstes kommt der Hermann Knapp. Applaus Ich bin nur ganz geflasht von dem hitverdächtigen Song. Ich möchte Sie in die Zukunft entführen, nicht weit, nur ein paar Wochen. In die Adventzeit und habe dafür mein neues Buch mitgebracht, Kein Weihnachten ohne Würstel, heiteres, romantisches, schräges und bissiges zur schönsten Zeit im Jahr. Ich bedanke mich auch beim Stifterhaus für die passende Dekoration. Ja und ich lese ein paar Auszüge aus seiner Geschichte aus dem Buch und die heißt Distelbauers letzte Weihnachten. Es war nicht sicher, ob der alte Franz Huber, der sich selbst Distelbauer nannte, nach dem Distelhof, den er bis zu seiner Pensionierung bewirtschaftet hatte, dieses Weihnachtsfest noch erleben würde. Dass der Distelbauer im Sterben lag, wusste er und das wussten auch alle anderen im Altersheim, wie es im Volksmund immer noch hieß, obwohl es zuerst im Pflege- und Betreuungszentrum und später in Seniorenresidenz umbenannt worden war. Heutzutage braucht eben alles von Zeit zu Zeit ein neues Mascherl. Dem Distelbauer war das egal. Er hatte das Altersheim bei seinem Einzug mit dem im eigenen schwarzen Humor Pension Friedhofsblick getauft und sah keinen Grund daran, etwas zu ändern. Denn wohin er von hier aus übersiedeln würde, war sonnenklar. Und der Umzug rückte immer näher, denn sein Lungenkrebs war weit fortgeschritten und ihm blieben nur noch Wochen, vielleicht Tage. Weihnachten würde ich aber schon gern noch einmal erleben, sagte der Franz öfter, auch wenn er sonst weit davon entfernt war, mit seinem Schicksal zu hadern. Als der Arzt ihm die schlechte Botschaft, dass er nun austherapiert sei, überbrachte, hatte er nur mit den Achseln gezuckt. Ich freue mich darauf, meine Maria wieder zu sehen und irgendeinen Tod muss man sterben. Ich bin 91 Jahre alt und schon lange bereit zu gehen, sagte der Distelbauer. Ins Altersheim war der Distelbauer vor zehn Jahren eingezogen und in all der Zeit hatte keiner der Bewohner und auch niemand vom Personal ihn je schlecht gelaunt oder frustriert erlebt. Er war wie ein alter Baum, den die Stürme des Lebens zwar beutelten, aber nicht brechen konnten. Nicht einmal als das Coronavirus das Altersheim in eine Festung verwandelte, keine Besucher herein und die Bewohner nicht einmal ihre Zimmer verlassen durften, hatte er seinen Humor verloren. Kurz aber überlegt, das Haus in Pension Alcatraz umzutaufen. Weil die Senioren jetzt ja quasi alle in Einzelhaft waren. Für ihn selbst war der Verschlusszustand nicht so schlimm, weil ohnehin niemand da war, der ihn hätte besuchen können. Viele andere Bewohner fühlten sich hingegen fürchterlich einsam, weil sie ihre Lieben nicht sehen konnten und sie hätten für regelmäßige Treffen gerne ein paar Monate Lebenszeit eingetauscht. Denn allein in ihrem Zimmer zu sitzen und auf den Tod zu warten, das war für sie ohnehin kein Leben. Angst vor dem Virus hatte der Dieselbauer keine. Wenn es ihn schneller als der Krebs zu seiner Maria zurückbrachte, sollte ihm das Recht sein. Die Diplom-Schwester Annabelle nannte den Disselbauern insgeheim den guten Geist der Pension Friedhofsblick. Denn selbst in den letzten Monaten, in denen er oft Hustenanfälle bekam, Blut spuckte und an Atemnot litt, hatte er immer ein offenes Ohr für andere Bewohner des Altersheim. Da war zum Beispiel die Frau Brisbischil. Sie hatte sich geistig längst von der Gegenwart verabschiedet und erzählte immer die gleichen alten Geschichten, die ihre Mitbewohner nicht mehr hören konnten, weshalb sie in ihre Zimmer flüchteten und die Türen zumachten, wenn sie sie über den Gang schlurfen hörten. Der Distelbauer hingegen, der das Bett inzwischen ohne Hilfe nicht mehr verlassen konnte, rief sie zu sich herein. Na, Frau Prisbischil, was gibt's denn Neues bei Ihnen? fragte er dann, wohl wissend, dass die alte Frau die Ironie in seinen Worten nicht wahrnehmen konnte. Und sie setzte sich zu ihm und erzählte ihm wohl zum hundertsten Mal, wie das damals gewesen war, als ihr Vater vom Grieb heimkam und zum Alkoholiker wurde, weil er die Gräuel nicht vergessen konnte und wie er seine Frau und seine Tochter geschlagen hatte. Dabei schien sie sich immer mehr in das kleine ängstliche Mädchen zu verwandeln, das sie damals wohl gewesen war. Der Distelbauer hörte ihr so andächtig zu, als vernehme er diese Geschichte zum ersten Mal und sie schien solchen Trost aus seiner Aufmerksamkeit und Anteilnahme zu ziehen, dass ihr Geist, wenn sie mit dem Erzählen fertig war, manchmal sogar für kurze Zeit in die Gegenwart zurückkehrte. Dann nahm sie die Hand des Distelbauern und sagte lächelnd, schade, dass wir uns nicht in unserer Jugend getroffen haben. Sie hätte ich vom Fleck weg geheiratet. dass sie nach den schlechten Erfahrungen mit ihrem Vater nie einen Mann so nahe an sich hatte heranlassen können, um eine ernsthafte Beziehung oder gar eine Ehe mit ihm zu führen. Daher lächelte er geschmeichelt, wenn sie ihm quasi einen Heiratsantrag machte und sagte sanft, das ist eine sehr große Ehre für mich, Frau Prisbischil, aber ich fürchte, meiner Frau der Maria wäre das nicht recht gewesen. Und dann kicherten sie beide wie zwei alberne Teenager. Auch für das Personal hatte der Dieselbauer immer ein gutes Wort übrig, sogar für die ruppige Bertha, wie die Bewohner insgeheim die Pflegerin nannten, die im ganzen Haus verschrien und gefürchtet zugleich war. Sie schaute immer grießgrämig rein und schien ihre Arbeit mit den alten Menschen eigentlich als ungeheuerliche Zumutung zu empfinden. Entsprechend war auch ihr Umgang mit ihnen. Der Distelbauer vermutete, dass sie aus irgendeinem Grund die ganze Welt zuwider war, aber sie beantwortete keine seiner Fragen. Wenn sie ihn wusch, dann fühlte sich der Franz hinterher, als hätte ihn seine Großmutter, Gott hab sie selig, über die Waschrumpel gezogen, die man zu ihrer Zeit noch verwendete, um feuchte Wäsche daran sauber zu reiben. Aber vielleicht lag es auch einfach an ihrer Statur, dass die ruppige Bertha nicht behutsamer sein konnte. Immerhin war sie knapp 1,90 Meter groß und hatte Hände wie Schaufeln. Der Disselberger fragte sich manchmal, ob die Pflegerin nicht früher ein Ringer gewesen war, der sich in eine Frau hatte umwandeln lassen. Das hätte vieles erklärt. Wenn die anderen Bewohner über die Ruppige Bärta schimpften, nahm er sie aber jedes Mal in Schutz. Bestimmt hatte sie eine harte Kindheit. Ich bin sicher, ganz tief drinnen in ihrem Herzen, wirklich ganz tief drinnen, ist sie eine Seele von einem Menschen, sagt er dann. Wenn dem so war, dann ließ die ruppige Bertha das aber niemals erkennen. Und als sie eine Kollegin einmal erzählte, was der Distelbauer vermutete, war ihr einziger Kommentar dazu, so ein alter Spinner. Den zarten Hauch eines Lächelns, der dabei für den Bruchteil einer Sekunde um ihre Mundwinkel spielte, bemerkte die andere Pflegerin nicht. Dankeschön. Ich darf jetzt die Pause ansagen und dann freuen Sie sich auf Erich Wimmer. Als nächster Erich Wimmer. Danke. Ich lese aus meinem Roman Die Eimannfrau, der ist im Vorjahr in der Schweiz erschienen. Und es geht darin um einen Stipendiaten, der ein halbes Jahr in der Villa einer verstorbenen Kunstmäzenin leben darf. Und der dort mit den Haushältern auch in Kontakt kommt mit der Familie, die die Villa betreut. Eine kleine Sequenz daraus. In der Zwischenzeit ist Pavel aufgestanden und hat aus Retos Zimmer einen Notenständer geholt. Kleines Konzert erklärt er und legt ein Notenheft auf die Ablage. Im nächsten Moment kommt sein Sohn, der zehnjährige Reto, aus der Tür mit seiner golden funkelnden Posaune, die uns während der letzten Monate schon so viel Freude gemacht hat. Das Instrument ist mindestens so groß wie sein Spieler und liegt wie eine Panzerabwehrrakete auf seiner Schulter. Ein Wunder, dass er unter diesem Gewicht nicht zusammenbricht. Am Anfang spiele ich ein Kinderlied, verkündet Reto, setzt das Mundstück an die Lippen, macht die Augen zu und bläst hinein in den Raum der Freiheit und des Glücks. Sofort kommt mir Hannah Arendt in den Sinn und ihre wunderbare Frage, wo sind wir, wenn wir in der Welt sind? Ein Kind, diese Erkundung, ist die Frage, wo sind wir, wenn wir Musik hören? Dank Reto weiß ich das nun zum ersten Mal in meinem bis dato ahnungslosen Leben. Schon beim zweiten seiner Töne tut sich mir eine Landschaft auf, das Nirwana. Aber dieses Nirwana ist nicht wie von den Weisen aller Zeiten verkündet, ein leerer, besinnlicher, lautloser Ort. Hier ist es ganz im Gegenteil nicht leer, sondern bevölkert mit einer Unzahl von sterbenden Vögeln. Sie möchten fliegen, können sich aber nicht mehr vom Boden erheben. Sie möchten stolz sein auf ihr erhabenes Gefieder, sind aber zerzaust, teilweise sogar, naja, etwas räudig und haben magere Köpfe, von denen seitlich völlig zerknittete Pflaumenfedern abstehen, deren Knittrigkeit noch mehr und eindringlicher von ihrer Hinfälligkeit erzählt als die fehlenden Federn. Kuckuck ruft's aus dem Wald. Aber nicht mit der dafür notwendigen kleinen Terz, diesem fröhlichsten aller Intervalle, mit dessen Hilfe man Kinder zur Musik verführt und zum Schlagen von Purzelnbäumen, sondern mit der großen Mollterz, dem Inbegriff von Trauer und Verfall. Retos Kuckucks Lied transzendiert den Frühling zu einem Herbst des Lebens, in dem die Blätter schon gefallen sind, während zwischen ihnen die sterbenden Vögel vergeblich mit ihren Flügeln schlagen. Ich bin derart ergriffen von der Kühnheit dieser Improvisation und dem visionären Gestus, mit dem Reto das Altbekannte neu auflädt, dass ich, der ich mich sonst wirklich beherrschen kann, verzweifelt und ungehemmt loslachen muss. Ich möchte das nicht. Ich möchte ihn, so wie von seinen Eltern beabsichtigt, loben und nicht lachen. Aber meine Erschütterung braucht ein Ventil. Und jedes Auflachen ist ein Kehrichtsack, in den hinein ich meine echte Fassungslosigkeit entsorge, die unter ihrer Oberfläche auch eine Schicht Entsetzen birgt über die Verstümmelung eines Liedes, dessen Vögel vor Zeiten durch einen strahlenderen Himmel flogen. Vögel vor Zeiten durch einen strahlenderen Himmel flogen. Ich erlebe hier, versuche ich mich zu ermahnen, die Dekonstruktion meiner überkommenen Hörgewohnheiten. Ich sollte dankbar sein über die unfassbare Kühnheit, mit der Reto seine Terzen wie einsame Riesen über die Herbstlehrenfelder meiner Ohrmuscheln schickt. Kuckuck, Kuckuck, ruft schauerlich aus dem vermodernden Wald. Hätte Hitler ein öffentliches Begräbnis bekommen, hier wäre die Musik dazu. So verabschiedet man einen Tyrannen auf nie mehr Wiedersehen. Weder als Körper, noch als Geist, noch als Ideologie. Rethos Lied macht mich komplett fertig. Meines tiefster Not geborenes Lachen irritiert die Hausleute. Warum lachst du? Fragt mich Philippe, Retos Mutter, nach dem Lied, das offensichtlich nur die Eröffnung eines Reigens darstellt. Aus lauter Freude rufe ich, wegen der tollen Fortschritte. Das ist ja unglaublich, was der Reto alles dazugelernt hat, in der Zeit, seit ich da bin. Weil wie ich im Oktober gekommen bin, da hat er nur einzelne Töne gespielt, von denen ich damals nicht wusste, ob sie aus einem Instrument oder aus einer Maschine zur Unkrautvernichtung kommen. Aber das sage ich natürlich nicht laut dazu. Und jetzt, wo erst Februar ist und ich wieder abreisen muss, fahre ich fort, spiele ich schon so tolle Lieder. Das ist ja ein Riesenfortschritt, ganz toll. Und das in so kurzer Zeit. Und das in so kurzer Zeit. Ich steigere mich in eine Art Lobrausch und glaube plötzlich selber an das, was ich sage. Nur so funktioniert Überzeugungsarbeit. Aber weil das trotz all meiner Euphorie nicht hundertprozentig reicht, greife ich zur äußersten Maßnahme, zum allerletzten Killer-Argument. Nicht nur, um vielleicht den einen oder anderen der verstorbenen Vögel wieder zum Leben zu erwecken, sondern auch, um der ganzen Welt zu beweisen, wie ernst ich es meine mit meinem Lob. Ich hoffe, beginne ich, also ich hoffe, ich hoffe, du spielst uns jetzt noch was. Philippa scheint dieser Wunsch zu befrieden, auch wenn sie sich bezüglich meines lauten Lachens noch nicht ganz sicher ist. Reto blättert in seinem Notenbuch und findet etwas Schönes. Ich spiele jetzt den Schulschwänzer-Blues, verkündet er. Das klingt doch gut, zögere ich den Anfang seines Anfangs verbal hinaus, was nicht so recht funktionieren will. Retus stößt ins Horn, als müsste er nicht nur die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen, sondern auch an der Stelle, wo die Mauerreste liegen, ein Loch ausheben. die nicht nur mit Tonschritten und Tonsprüngen arbeiten, sondern mit melismatischen Schleifklängen, die ja auf der Posaune besonders gut zu spielen sind. Ich fühle mich, als verlöre ich die Bodenhaftung. Eine Rutschpartie beginnt. Auf nassem, glitschigem Laub drifte ich haltlos von zu Tode betrübt bis zum von Tode besiegt. Ich kann sie schon sehen, die anderen, diese Phalanx aus Skeletten aller jemals verstorbenen Menschen, die am Grund des Dücks Ahnungs- und Ruhe und augenlos in schaurigen Kreisen durch ihr ewige Ohnmacht ziehen. Genau dort, Siedl dreht da seine Musik an. Eben dort werden die unbegleiteten Toten begleitet von der zwanglosen Zuversicht eines zehnjährigen Knabens. Mir schaudert vor dieser Allegorie, als wäre ich selbst schon eines dieser Gerippe, aber es gelingt mir auch hier am Leben zu bleiben, in Summe etwas weniger hyänenhaft zu lachen und schlussendlich wieder am lautesten zu applaudieren. Angespornt von dieser meiner Begeisterung entschließt sich Reto spontan zu einer sofortigen Zugabe. Dankeschön. Nach mir liest meine liebe Kollegin Elisabeth Strasser. Ich habe heute eine Textcollage aus zwei Geschichten aus diesem Buch mitgebracht. Stellen wir uns einmal die Stimmung kurz vor einem Gewitter vor und schauen wir, was weiter wird und wem wir begegnen. Die menschliche Fantasie erfand ihre Götter in Stunden wie diesen. Sie konnte kaum anders, als sich über oder in den Wolken ein Reich vorzustellen, in dem mächtige Wesen hausten, in dem Licht und Dunkelheit, Schatten und Glanz miteinander kämpften, mit Sturmgebraus, Blitze wie Speere schleudernd und mit Donnerstimme grollend. Donnerstimme grollend. Gewaltig mussten diese Mächte sein und ihre Macht reichte bis auf die Erde und teilte sich ihr mit. Bald würde der Kampf am Himmel auf sie übergreifen, bald würde der Sturm durch die Bäume peitschen, würden Regen und Hagel niederprasseln und Blitze von ohrenbetäubenden Donner begleitet durch die Luft zischen. Doch noch war es still. Jugend hat immer etwas von Genialität. Die Art, die Welt neu zu sehen und ihr neue Fragen zu stellen, auch wenn dieselben Fragen in jeder Generation gestellt worden sind. Für den einzelnen Menschen sind es immer neue Fragen, denn jeder Mensch lebt nur einmal und erlebt alles einmal das erste Mal und denkt und begreift alles einmal das erste Mal. Und jedes neue Sehen und Fragenstellen hat etwas von Genialität. wenn die Fragen nicht von der Art sind wie jene, die mein Schulkollege Markus damals unserem Physiklehrer gestellt hatte. Dieser hatte die Frage vordergründig ins Lächerliche gezogen, hintergründig aber gewiss Markus' Genie erkannt, dass fähig war, derartige Fragen zu stellen und überhaupt auf sie zu kommen. Mittlerweile hat Markus eine Professur für Astrophysik und ist ein international anerkannter Forscher mit Aussicht auf Nobelpreis. Die Wolken. Es war wahrlich ein Schauspiel, musste Helga denken, irgendwie sogar schön, schaurig schön. Doch sie wollte auf jeden Fall zu Hause sein und ihren Einkauf erledigt haben, bevor das Gewitter, das bestimmt kam, losging. Sie spürte den Schweiß von ihrem Haarensatz über Nacken und Rücken laufen. Trotzdem ging sie noch etwas schneller. Sie hatte ihr Büro früher verlassen, als die noch zu erledigende Arbeit es erlaubt hätte. Diese musste auf morgen warten. Und wer weiß, das konnte man insgeheim immer feststellen, ob es überhaupt noch ein Morgen gab. Der Himmel sah jedenfalls ziemlich nach Weltuntergang aus und den verbrachte man wohl besser in den eigenen vier Wänden als im Büro. den eigenen vier Wänden als im Büro. Die Angst ist das größte Übel, so hatte mein Bruder Andreas gesagt. Nicht die reale Furcht, diese sei lebensnotwendig, sondern die Angst als Feigheit. Die Angst vor dem Leben, die stärker sein kann als die Angst vor dem Tod. Die Angst davor, seinen eigenen Weg zu gehen, die Angst vor den anderen, vor der Meinung der Mehrheit. Mein Bruder war oft in Fettnäpfchen getreten, hatte andere vor den Kopf gestoßen, erzürnt oder beleidigt. Nicht aus Rücksichtslosigkeit oder Böswilligkeit, sondern aufgrund fester Überzeugung seines Standpunktes. Blamiert hatte er sich nie. Vielleicht aus dem Grund, weil er keine Angst davor hatte. Lukas hatte seine Mutter quengeln lassen und seine Joggingschuhe angezogen. Jetzt wolle er noch weg, wodurch gleich ein Gewitter komme. Es ist schon schrecklich schwül. Leute, die bei schwülem Wetter laufen gegangen sind, haben schon einen Herzanfall bekommen. Und das waren keineswegs nur alte Leute. Klar, Leute bekommen immer Herzanfälle aus irgendwelchen Gründen. Leute, die zu viel Stress haben. Leute, die sich langweilen. Wenn man vor lauter Angst, womöglich einen Herzanfall zu bekommen, es unterlässt, überhaupt zu leben, kann man sich gleich begraben lassen. Menschen sind nun einmal sterblich und irgendwann trifft es jeden. Es kommt nur darauf an, bis dahin wirklich gelebt zu haben, was nichts anderes heißt, als dass man auch mögliche Irrtümer begeht und sich möglichen Gefahren aussetzt. Wie sagt man einem Menschen, dass er nur mehr wenige Monate zu leben hat? Das ist ein Problem, vor dem Mediziner unter Umständen stehen. Wie sagt man einem Menschen, dass man ihn liebt, wenn Gegenliebe nicht erwartet werden kann? Das ist ein Problem, dem sich jeder und jede Liebende stellen muss. Wie, sagt man der Menschheit, das hier Ende nahe ist? Die Angst ist die Wurzel allen Übels, aller Missverständnisse, aller Feigheit und Unaufrichtigkeit. Die Angst vor der Wahrheit. Doch die Wahrheit ist in Wahrheit nicht angsteinflößend, sie ist einfach und schön und gut. Nur die Wirklichkeit ist erbärmlich, weil sie nichts ist als die Kämpfe der Angst untereinander und die Angst vor den Ängsten und die Ängste vor der Angst. Und das größte Unheil über die Menschheit haben stets die Mitläufer gebracht. Der größenwahnsinnigste Diktator hätte nichts ausrichten können ohne Mitläufer. Doch die gab es immer und die wird es immer geben. Applaus Als nächstes hören wir Kurt Mitterndorfer. Applaus Applaus Die meisten von euch wissen, dass ich mich seit vielen Jahren mit der Situation von Flüchtlingen hier bei uns beschäftige. Und seit vielen Jahren darüber schreibe. Drei kurze Texte heute wieder zum Thema. Also drei kurze Texte heute wieder zum Thema. Der erste ist von einem Mann, der in Moria war. Der zweite ist von einer Frau, die eben so dort war. Und der dritte ist von einer Frau, die dort war und jetzt in Österreich lebt. Man kommt ihr nicht an, dieser Feuchtigkeit, dieser Nässe. Man kommt dir nicht an, alles ist feucht, zumindest feucht. Du kriegst die Feuchtigkeit nicht weg, selbst wenn es am Tag halbwegs warm wird draußen. Wenn du dich in die Sonne stellst, irgendwo unten am Meer zum Beispiel oder weiter hinten bei den Olivenbäumen. Du spürst die Wärme zwar, solange du in der Sonne stehst, aber kaum, dass die Sonne hinter einer Wolke verschwindet, spürst du sie wieder, diese Feuchtigkeit. Sie kriecht wieder aus deinem Hemd heraus, aus deiner Hose, aus deinem Haar, aus deinem Bart. Du kannst nichts tun gegen sie. Sie ist unsichtbar, unhörbar. Du sp schon so schwer ist von der Feuchtigkeit und von der Nässe und vom Dreck, dieser Schlafsack, den du tagsüber draußen auf das Zelt hängst, das auch nass ist, du hängst ihn trotzdem drauf, weil du hoffst, dass er trockener wird, wenn die Sonne auf ihn scheint, aber dann musst du ihn wieder hineinlegen in das Zelt und den, der auch in diesem Zelt wohnt, auch in diesem Zelt schläft, bitten, auf ihn aufzupassen, dass ihn niemand stiehlt, diesen verdammten Schlafsack, während du dich um das Essen für euch beide anstellst, in dieser Stunde, die du dort stehst und wartest auf das Essen, besser gesagt auf die Verpflegung. Denn essen kann man das, was sie dir dort meistgebend nicht nennen, dieses kalte, klebrige Zeug, dass du nicht essen willst, weil es so eigenartig fremd riecht und schmeckt, dass du aber essen musst, weil du essen musst. Essen musst, dich ernähren musst, damit du nicht krank wirst. Du brauchst dieses Essen, damit du halbwegs Kraft hast. Kraft, dich zu wehren. Zu wehren gegen diese Feuchtigkeit, gegen diese Kälte, diese Unmenschlichkeit. Dieser Dreck, das geht nicht weg, egal was du tust, das kriegst du nicht weg. Überall dieser Dreck, den schleppst du herein in dieses Zelt. Er ist überall. Da kannst du noch so vorsichtig sein, den bringst du nicht weg. Du hast ihn an den Füßen, er klebt an den Schuhen, er klebt an deinem Rock, den bringst du nicht mehr weg. Du brauchst nur kurz hinausgehen vor das Zelt und schon stehst du in diesem Dreck. Am Weg zur Toilette nichts als Dreck. Überall, wo du hingehst, nur Dreck, Morast, der kleben bleibt an deinen Schuhen, deinem Rock. Du kriegst ihn nicht weg, wie du den Dreck in dir selbst nicht wegkriegst. Den Dreck in dir, der wächst und wächst. Noch sieht man ihn nicht, aber du spürst ihn, diesen Dreck. Und du weißt nicht, was du tun sollst mit all dem Dreck. Du kriegst ihn nicht los, den auf dem Boden nicht und den in dir nicht. Er klebt an deinen Schuhen und deinen Füßen und deinem Rock, der eine, und klebt an deiner Gebärmutter, der andere. Du kriegst sie nicht weg. Wärst du doch nicht auf die Toilette gegangen damals in der Nacht, dann wäre dir das nicht passiert. Und jetzt siehst du ihn alle paar Tage, diesen Dreckskerl, wenn du zur Toilette gehst. Und er schaut dich an und du weißt, was er denkt und du spürst, was er denkt, dieser Dreckskerl. Und du kannst dich nicht wehren gegen diesen Blick, der dich verfolgt. Dich verfolgen wird, egal wo du hingehst, egal wohin du gehen wirst. Er wird dich verfolgen, dieser Blick. Du wirst ihn nicht vergessen, diesen Blick, diesen dreckigen Blick, diesen dreckigen Kerl, diesen verdammten Aufseher, dieses Schwein von Sicherheitsmann, diesen verdammten Aufseher, dieses Schwein von Sicherheitsmann, der da mitten in der Nacht über dich hergefallen ist, hinter der Toilette. Nie wirst du ihn vergessen. Ich habe mich erst hier in Österreich kennengelernt, hat sie zu mir gesagt. Sarah aus Afghanistan. Und ich habe sie mit großen Augen angeschaut und dann hat sie weitergeredet. Alles, was mir in Afghanistan verboten war, was ich nicht einmal gedacht habe, was ich mir nie hätte vorstellen können, das habe ich hier gelernt. Nicht nur die Sprache, ja natürlich zuerst die Sprache, aber so viele andere Dinge habe ich hier gelernt. Ich gehe alleine auf die Straße, ich fahre mit dem Fahrrad, ich frage Menschen, die ich nicht kenne, nach dem Weg. Ich gehe einkaufen. Ich kaufe Sachen nur für mich. Manchmal kaufe ich sogar kleine Dinge, obwohl ich sie gar nicht brauche, nur weil sie mir gefallen. Ich treffe mich alleine mit Männern. Ich trinke mit ihnen Kaffee und rede mit ihnen. Ich habe österreichische Freundinnen. Ich frage sie, was ich wissen will und sie geben mir Antworten. Antworten auf meine Fragen, auf meine Fragen, von denen ich in Afghanistan gar nicht gewusst habe, dass es sie gibt. Hier habe ich gelernt, dass ich auch über persönliche Probleme reden darf und mein Mann macht es genauso wie ich. Probleme reden darf. Und mein Mann macht es genauso wie ich. Hier dürfen wir miteinander lachen, wenn uns danach ist, ohne dass die Eltern, die Onkeln und Tanten in den Kindergarten und in die Schule bringen, ohne dass seine Freunde ihn verachten. Hier habe ich schwimmen gelernt. Hier habe ich gelernt, vor vielen Leuten zu reden. Hier habe ich Eislaufen gelernt. Hier habe ich gelernt, wie man Putenschnitzel macht. habe ich Eislaufen gelernt. Hier habe ich gelernt, wie man Putenschnitzel macht. Hier habe ich gelernt, dass ich mich mit Freunden mit Wange berühren, begrüßen und verabschieden darf. Hier habe ich gelernt, dass ich auch Nein sagen darf. Hier in Österreich habe ich gelernt, was Leben bedeutet. Dankeschön. Die Sechs-Minuten-Pause und dann Andreas Weber. Guten Abend. Ich lese aus Morden-Lind. Das erste Kapitel hat den Titel Zuletzt. Niemand wusste von uns. Ich stand auf der Plattform des Aussichtsturms, der hinter B etwa 50 Meter hoch aus dem Hochwald ragt, wartete auf sie, schloss die Augen und sah sie, spürte sie, hörte ihr Lachen. In mir war Freude, denn unsere Geschichte war unmöglich, aber seit drei Wochen die Wirklichkeit ihres und meines Lebens. Wir trafen uns nicht zum ersten Mal hier oben, wo wir schon viele Stunden uns gemeinsam aus allem Forträumen miteinander verbracht hatten. Vor dem Ausblick über den Wald, über die sanften Wellen dieser Landschaft, über die Landesgrenze hinaus bis an den Horizont bedeckt. Viel zu früh da genoss ich jede Sekunde des Wartens, bis sie auf dem Parkplatz unter mir halten, aussteigen, mir ihren Blick zuwenden und zu mir heraufeilen würde. Ich saß mit meinem Walkman auf der Bank auf der Spitze des Turms, hatte Miles Davis im Ohr und flog mit dieser Musik über den Wald hinaus, hinein in das, was ich mir unter Unendlichkeit vorstellte. Verständlichkeit vorstellte. Doch dann sah ich, wie zum ausgemachten Zeitpunkt einer dieser klobigen Mercedes-Geländewagen unten hielt. Die Tür neben dem Fahrersitz ging auf und nicht sie, sondern ihr Ehemann, der nicht nur von Bildern auf Wahlplakaten und aus den Regionalfernsehkanten stieg aus. Seine Füße steckten in Havelschuhen, an seinem massigen Körper hing ein waldgrüner Umhang, ein Jägerhut, den tatsächlich ein Gamsbart zierte, saß auf seinem Kopf. Vollendung des Widerwärtigen, dachte ich oben stehend. Er sah zu mir und grinste, nickte mir zu, bevor er sich auf den Weg nach oben machte, schnaufend mit vielen Pausen in immer kürzeren Abständen innehaltend. Als er mir gegenüberstand, schwitzte er, aber Triumph war in seinem Gesicht, als er sagte, du wartest vergeblich auf sie, sie wird nicht kommen. Er sah schwer atmend zu Boden, lachte plötzlich schallend und sagte, sie wird nie wieder zu dir bei und mit dir kommen. Eure Geschichte ist aus und vorbei, dafür habe ich gesorgt. Ich erschrak. Er setzte sich auf die Bank, grinste wieder. Keine Angst, ich denke nicht daran, mir wegen so einer Schlampe die Hände schmutzig zu machen. Ich bin hier, um dir einen Auftrag zu erteilen. Er zeigte dabei mit Begeisterung im Gesicht auf die Mappe, die er sich unter seinen Arm geklemmt hatte. Was will diese lächerliche Figur von mir? Ich sah ihn kopfschüttelnd an und sagte, dass mich seine Partei noch weniger als die Politik im Allgemeinen interessierte. Man liebt dich. Daher willst du für mich arbeiten oder dabei nichts verdienen, sondern mich dafür bezahlen, dass ich nichts über dich sage. Mein Blick war eine Frage. Er klappte seine Mappe auf, die er mir vor mir sitzend stolz entgegenhielt. Ich sah eine aus Fotos und bunten Grafiken bestehende Zeitschrift im Layout und hörte ihn sagen, ich weiß Dinge über dich, von denen du nicht willst, dass sie in der Zeitung stehen oder dass dein Chef sie weiß. Ich antwortete, was über mich in der Zeitung steht, ist mir so egal wie mein Chef und mein Job ist das krisensicherste Geschäft der Welt. Als hätte ich geschwinden, sagte er, du musst zugeben, mein Angebot ist ein spannendes Projekt. Mein Konzept wird dich überzeugen. Meinte er Mitarbeit bei dieser Zeitschrift? Ich stand ihm mit in die Hüften gestemmten Händen gegenüber und ärgerte mich über das Du, mit dem er mich anredete. Ich tat an das Geländer des aus dicken Rundhölzen gefügten Turms, sah hinaus in die Landschaft und wollte in der unendlichen Schönheit des Waldes verschwinden, wollte in diesem großen Aufgehen mich darin auflösen und weg und nicht mehr da sein. Aber ich musste mit einem dicken und dummen Menschen auf dem Turm stehen. Der Anblick des Waldes rettete mich. Da stand der neben mir sitzende Mann auf, trat neben mich und drängte mir die aufgeschlagene Mappe von der Seite vor meinen Blick. Ich sah nicht hin, er gab keine Ruhe, bis ich einen Blick hineinwarf und Namen las. Von Heimatdichtern, die naiv-kitschigen Blödsinn schrieben und von Gemeinden und Landesregierungen gefördert wurden, worüber ich mich früher, als mich Literatur noch interessierte, geärgert hatte. Na, was sagst du? Ich stand neben ihm, roch sein billiges Rasierwasser und sah das von ihm blau geschlagene Gesicht der Frau vor mir, die ich liebte. Und plötzlich war alles rot in mir vor Zorn. Und plötzlich war alles rot in mir vor Zorn. Ich schloss einen Augenblick meine Augen, sah dann hinaus in die Ferne zum Horizont, atmete über den Wipfeln der Bäume des Geheimrat des Goethes tief durch, legte ihn vollendet der Ruhe, so als wollte ich nun den ausführlichen Blick, um den er mich gebeten hatte, in seinem Abbewerfen, mit einem Arm um seine Schultern, trat dabei hinter ihm und gab ihm einen Tritt, sodass er mit dem Bauch gegen die Brüstung flog. Plötzlich war in mir Kraft, die mich platzen ließ. Ich bückte mich, packte den Überrumpelten an den Füßen, hob sich hoch und warf ihn über das Geländer, so schnell, dass der abstürzende Politiker nicht einmal zum Schreien gekommen war, bevor ich ihn dumpf aufschlagen hörte. Ich trat vor und sah nach unten. Der Boden, Büsche, Sträucher, alles war übersät mit den Blättern der Konzeptmappe. Der Mann lag in der Mitte, ein wenig verrenkt, als würde er auf den Brücken liegen schlafen. Nur der verdrehte Winkel, in dem sein Kopf auf diesem großen Stein lag und in einer rasch ausfließenden Blutlache zu versinken schien, passte nicht zu diesem Eindruck. Ich hatte es eilig, lief die Stiege hinunter und sammelte die Blätter ein, eilte hinauf und sah fünf weitere Seiten aus der Natur leuchten, holte sie und machte mich auf den Weg durch den Wald in das Dorf, wo ich mein Auto auf dem Marktplatz geparkt hatte. Auf Schritt hörte ich Gesang und Stimmen durch den Wald herauf näher kommen. Schaffte es gerade noch, mit einem Sprung in Deckung zu gehen. Lag mit angehaltenem Atem hinter einer auf dem Boden liegenden Fichte und hörte, wie zwei Meter neben mir Wandersleute vorbeimarschierten, plötzlich stehen blieben und zu rätseln begannen, wie mächtig wohl die Kraft gewesen sein musste, die hier gewirkt hatte, um diesen Baumriesen zu stürzen. Ich schloss die Augen und hielt den Atem an, als ich hörte, wer in der Nähe treten wollte, um sich dieses Naturwunder auf der Nähe anzuschauen, bis einer, der Durst hatte, zum Weitergehen drängte. Die Schreie und die Aufregung beim Fenden des Abgestürzten hörte ich nicht mehr auf dem Weg zurück in die Stadt. Mir war heiß. Danke. Es folgt Luis Stabauer. Schönen guten Abend. Ich lese aus dem Manuskript des aktuellen Romanes, also der in Arbeit ist, sein Genick brach nicht, weil auch mit Corona. Steyr, 1. Jänner 2021. Scheiße, jetzt schaue ich schon ein Jahreskonzert. Alter, es fehlt nicht viel und ich gehe noch in die Oper. Gott sei Dank ist die auch zu. Der Dezember und Weihnachten waren Urfahrt. Sonst hätte ich mich nicht für diese Online-Lehrveranstaltung angemeldet. Die Selbstwertung bei Kierkegaard und Nietzsche. Die Referentin hatte am Anfang Kant zitiert. Kein Mensch aber hat Recht auf Wahrheit, die anderen schadet. Meine Frage, ob die Lügen der Besitzenden bei den Lohn- und Machtabhängigen nicht notwendigerweise zu aktiven Widerstandsformen führen müsse, beantwortete sie nicht. Die zweite Frage wurde ebenfalls übergangen. Warum weiß kaum jemand, dass vor 86 Jahren in Steyr Menschen von Austrofaschisten ermordet wurden? Bei der Selbstschaffung und bei der Selbstüberwindung von Kierkegaard flogen meine Gedanken weg. Hin zu Maria Aras Tagebüchern. Pepe aus Uruguay hatte sie mir letzten Sommer zugeschickt. Wir hatten einander über das Attack-Netzwerk kennengelernt. Ich nahm mir fest vor, Marias Aufzeichnungen auszuwerten und in unsere Attack-Gruppe einzubringen. Vor einem Jahr hatten wir die Geschichte Sepp Aras diskutiert. Jemand vermutete, dass Sepp Ara einen Sohn gehabt hatte. Ich übernahm die Suche. Dann kam die Pandemie. Im September 2020 traf ich Joe. Wir redeten lange. Ich plante ihn zum nächsten Attacktreffen einzuladen. Meine Notiz vom 13. September 2020. Marias Bücher sind saugeil zu lesen. Sie haben meinen Sommer gestaltet. Reisen ist ja nicht. Vorgestern mit Joe telefoniert und heute mit ihm eine Runde gedreht. Oben am Waldrand in Steyr. Adresse und Telefonnummer habe ich von einem KP-Aktivisten. Warum ist Joe kaum jemandem bekannt? Seltsam. 86 ist er, fährt mit dem Fahrrad und wagt mit den Stöcken in einem beachtlichen Tempo. Drei Monate, nachdem die Christlichsozialen seinen Vater stranguliert haben, wird er in Steyr geboren. 20. Juni 2021. Endlich, wir konnten einander wieder treffen. Ich kam etwas spät. Joe hatte mit seiner Frau vor dem Haus gewartet und sie hatten wissen wollen, was Attac ist und warum wir jetzt nach dieser langen Zeit ihren Joe befragen. Beide wunderten sich über unser Interesse. Ich versprach sie weiter zu informieren. Heute war Joe mein Überraschungskast. Vier Frauen und vier Männer saßen in der Runde. Die früher üblichen Umarmungen und Pusserln wagte niemand. Alle strahlten und hielten mir die Faust entgegen. Mit einigen hatte ich telefoniert, manche zufällig getroffen, von anderen hatte ich nichts gehört. Nach dem Begrüßungsritual blickten alle auf Joe. Erwin, unser Koordinator, stand auf und streckte ihm die Faust entgegen. Herzlich willkommen, feiern, dass du da bist. Wie bist du auf uns aufmerksam geworden? Joe lächelte und deutete mit seiner offenen Rechten auf mich. Das ist Joe, sagte ich. Mit ganzem Namen heißt er Josef Heindler und er ist der Sohn Sepp Aras. Erwin verbeugte sich. Dann applaudierten alle. Ulrike, die Gastgeberin in Mensch und Arbeitsteuer, wiederholte langsam. Der Sohn Sepp Aras? Du musst 87 sein. Gerald, wie hast du Joe gefunden? Das erzähle ich gleich. Das erzähle ich gleich. Zuerst wird alles ist Lüge, auch die Wahrheit. Alles ist Wahrheit, alles, alles, alles. Lüge, Lüge, Lüge, Lüge die Lüge. Wir werden sie vergessen, die Lüge, Lüge die Lüge. Mehr brauchst du nicht, Lüge, Lüge, Lüge. Aber Joe ergänzte, egal was passiert, am Ende werden wir tanzen. Danke. Danke. Begrüßen wir Richard Wall. Dichter sind Lügner, hat einmal jemand gesagt? Nicht nur ein Lyriker, sondern auch ein Übersetzer aus dem persischen und arabischen Friedrichsvater. Ich lese einige Gedichte aus der Zeitschrift Wildlese, allemal nach, aus der Sommernummer. Die Vertimenti 1. Ein böser Traum dringt in den Tag hinein mit einem Hang zur Wiederkehr. Oh nein, den Traum zu leben, hieße Mörder werden. Von sich selber vorzulaufen, bringt nichts ein. Ich roll mich lieber wohlig aus als Strudelteig, mit Mehl, schön fladrig, flach und feig. Versuch mich als gestaltlos und inkognito, substanzlos wie ein Hauch, nur außenrum ein Kleid. Wie war das mit dem Golem drin in Prag? Geteigt aus Lehm, behaucht mit einem Schlag, lebendig, gar nicht bröckelig und matsch, beschützte er den Schem im Mund das Judenvolk in Prag. Der Moldau dunkler Grund ist kaum bekannt, so wie mein Traumproblem in Teig gebrannt. Dies als frische Ware an die Frau zu bringen, bin ich Marathon von Haus zu Haus gerannt. Zwei. Ein Schneefeld, unverspurt, mein Schreib- und Löschpapier, fällt mir nichts ein und auf, spiel ich Klavier. Wem nützt schon ein Gedicht, dem Henke und dem Händler nicht? Der Fuchs zieht seine Spur, es ist schon vier. Ich sollte nicht zählen, sondern lieber Zeichen setzen, übers Weiß herbeigewehtes Fächern und spielerisch in Sätzen, im Treibeis vieler Fragezeichen, hell erklingen lassen, was driftend zueinander findet, ohne Krücken oder Stelzen. Herbeigesehntes wie Fermale Deites liegt im Schneefall, leise im Flockentanz, habe ich nun Schritt zu halten auf der Reise, weil aus dem Gehege von krummen Krümelgeistern empöre ich mich empfehl auf meine Weise. Ich erkretsch mir nicht den Sinn der Streusalzrechnung, von hier ein schlapplappiger Bestrebung und Belebung, von Tschinderasser Kugelflieg und Heilmembeil. Vom Verhandlungstisch steh auf, wer frei ist von Bestechung. Drei. Umlichtet, ausgeleuchtet ist das Heer der Keime. Dennoch ist uns fremd das Dunkle, noch nicht Stubenreine. Das sich glockig bei Gelegenheit nach außen stülpt. Daumenschrauben für die Viren gibt es keine. Ein Burkenkäferhemd beflügelt hübsche Mädchenträume, begeben sich, vertret, bekleidet in macho-freie Waldesräume. Die sind längst gegendert, Rammelgänge wurden abgedichtet, radikal befreit vom geilen Kupferstecher, alle Nadelbäume. Dankeschön. Applaus Pause und dann Rudolf Habringer. Nach der Pause. So, wir versammeln uns zur letzten Runde, zum letzten Tour. Ich lese einen kleinen Ausschnitt aus dem im Frühjahr erschienenen Roman Leirichs Zögern. Der Protagonist Gregor Leirich, ein Historiker, arbeitet an einer Uni, lebt allein, ein bisschen ein schrulliger Typ. Er fährt nach einem Vortrag, dass es in seiner Familie offenbar noch einen Bruder gibt, von dem er nichts gewusst hat und begibt sich auf die Suche dann nach dem. Und im Roman selber gibt es auch ein paar andere Ebenen, auch eben die Ebene des wissenschaftlich arbeitenden Historikers, der dann privat sozusagen konfrontiert wird, zu recherchieren. Aber ich habe einen kurzen Ausschnitt ausgewählt, der eigentlich zu seiner Berufssituation dazugehört. Kurz darauf rief mich Minkler vom Sozialforschungsinstitut aus Wien an und teilte mir lapidar mit, dass er für sein neues Projekt über Vertreibigt gehabt habe und für die ich als Mitarbeiter vorgesehen war, sei aus finanziellen Gründen abgelehnt worden. Minkler geriet an dieser Stelle deutlich hörbar ins Stocken. Auf Deutsch gesagt, ich bin draußen, fragte ich. In dem Fall ja, sagte Minkler. Sie schreiben ja nicht, dass das Projekt nichts taugt. Sie schreiben, dass wir den Teil vorläufig aufschieben sollen, sagte Minkler. Auf einem Zettel notierte ich mir ein paar seiner Absagephrasen. Vorläufig auf Eis gelegt. Nächstes Jahr wieder ansuchen. Ich kann dich ja nicht zwingen, nach Wien zu ziehen, sagte er. Na eben, sagte er. Ich notierte, na eben. Tut mir leid, dass ich dir heute nichts Besseres berichten kann, sagte er. Und so, fragte er. Ich notierte, und so. Man schlängelt sich durchs Leben, sagte ich. Ich notierte und so. Vogel. Die Pointe des Witzes sparten wir uns längst. Wir rissen den Joke nur mehr an. Na dann, sagte ich. Alles klar, sagte ich. Meine Antworten kamen nicht sehr überzeugend. Es tut mir leid, wiederholte Minkler schließlich. Neues Spiel, neue Chance, sagte er. Vielleicht klinken wir uns demnächst ja in der Vertriebenenforschung ein. Dann bist du natürlich wieder an Bord, sagte er. Vielleicht klinken wir uns demnächst ja in der Vertriebenenforschung ein. Dann bist du natürlich wieder an Bord, sagte er. Ich notierte. Natürlich wieder an Bord. Und malte spontan ein kleines Schiffchen neben die Worte. Der Rest des Gespräches gehörte Minkler. Ich spürte seine Erleichterung, dass ich nicht geflucht hatte oder wütend geworden war. Er war froh, wenigstens die Ressourcen für sein Team in Wien für die nächsten zwei Jahre gesichert zu haben. Mensch, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie mich das nervt, sagte er. Dieses ewige Ansuchen, sagte er. Ich notierte noch einmal ein Wort. Es war das letzte, das auf dem Zettel stand, als er auflegte. Mensch. Mir fiel unpassenderweise das Verb Minkelin ein, das ich aus meiner Kindheit kannte und schon lange nicht mehr gehört hatte. Minkelin meinte, dass etwas schlecht roch, faulig oder modrig war. Ich wusste nicht genau, in welchem Zusammenhang ich dieses Wort je gehört hatte. Ich sah einen abgeschalteten Kühlschrank vor mir, den jemand versehentlich geschlossen hatte. Beim Öffnen nach längerer Zeit minkelte es einen an. Ich stellte mir Minklers Büro vor wie einen Kühlschrank, der schon eine Zeit lang vom Stromnetz genommen und abgeschaltet war. Minkler saß in seinem angeschimmelten Büro und minkelte genervt vor sich hin. Auf seinem Tisch lag ein Blatt mit der Überschrift, das ewige Ansuchen. Ich brach den Gedanken ab, kurz bevor die Moralpolizei einschritt. Über Familiennamen riss man keine Witze, vielleicht stammte diese meine schlechte Eigenschaft aus meiner Internatszeit. Dann war sie auch schon zur Stelle, die Polizei meines schlechten Gewissens. Ehe ich mich versah, sah ich mich nun doch einem Vernehmungsbeamten gegenüber sitzen, der mir schäbige Diskriminierung und eine herabsetzende Äußerung über einen unschuldigen Wiener Historiker vorwarf. Zu meiner Verteidigung hatte ich eben nur das schwache Internatsargument vorzubringen. Dort hatten wir aus den Familiennamen der Zöglinge Spitznamen gemacht, die oftmals den Betroffenen nicht recht gewesen waren. Der Vernehmungsbeamte beugte sich über den Schreibtisch und sah plötzlich aus wie mein Deutschlehrer im Gymnasium. Der sah mich jetzt trocken an und sagte, lieber Gott, nimm mir alles, nur die Ausrede lass mir. Dann stellte er mir einen schriftlichen Verweis aus. Der Vormittag war fast vergangen, ich musste noch auf die Uni. Aus Ärger über das Telefonat mit Minkler schlitterte ich prompt in die nächste Fantasie. Bei einem Kaffee in einem Schanegarten auf der Landstraße schlüpfte ich in die Rolle des Casting Directors für eine Studie eines sozialwissenschaftlichen Projekts mit dem Titel »Sexualbiografien in der Fußgängerzone«. Meine Aufgabe bestand darin, Forschungshypothesen über vermutetes Sexualverhalten von Passanten aufzustellen. Ich betrachtete die Kaffeetrinker in meinem Umkreis und versuchte anhand von Äußerlichkeiten Hypothesen über deren Sexualpraxis, Häufigkeit, Vorlieben, Devianzen anzustellen. Am Nebentisch saß eine junge Frau, die sich die Ohren zugestöpselt hatte und leichte rhythmische Bewegungen zu einer Musik machte, die ich nicht hören konnte. Mir fiel auf, dass sie ihre Finger mit dreierlei Nagellack lackiert hatte. Sofort war mir klar, dass jeder Versuch von den verschiedenen lackierten Nägeln auf die sexuellen Vorlieben ihrer Trägerin zu schließen, wahnwitzig war. Mein Versuch geriet zum reinen Desaster. Mein Projekt schlitterte von Anfang an in eine wissenschaftlich nicht haltbare Abhandlung über Äußerlichkeiten. Mir fiel ein, dass ich am Morgen von einer Studie gelesen hatte, die belegte, dass dicke Menschen häufig stigmatisiert und ausgegrenzt würden und dass ein Großteil der Deutschen dicke als unästhetisch betrachteten. Mein Forschungsansatz lief etwa in die gleiche ressentimentgeladene Richtung. Kurz streifte mich ein Blick der Frau. Vielleicht bemerkte sie, dass ich sie gemustert hatte. Nun musterte sie mich, als wolle sie sagen, Hey Dicker, lass es gut sein. Ich frage dich ja auch nicht, mit wem du es treibst. Ich spürte, dass ich mich für meine alberne Fantasie genierte. In meiner Vorstellung saß ich nun an meinem Schreibtisch und zerriss auf der Stelle den Förderungsantrag für diese Sexualhistorien. Dieses ewige Ansuchen, das Leben als ewiges Ansuchen, als ein Dauerbegehren, das gestillt sein wollte. ein Dauerbegehren, das gestillt sein wollte. Die Worte Minkeln und zu Fleiß kamen zumindest auf die Kandidatenliste für die Ausstellung aussterbender Wörter. Auch dem Wort Mirpzahl, das ich vor ein paar Tagen aufgeschnappt hatte, wollte ich weiter nachgehen. Und das Los will es so, das Schicksal, Moira, sagen die Griechen. Zum Schluss kommt unsere Regionalsprecherin Dominika Meindl. Was heißt Nürbzal? Christine Mack hat bei der Facebook-Abstimmung gewonnen. Was lese ich heute vor? Ich lese einen kurzen Teil aus dem Romanmanuskript vor, an dem ich gerade arbeite, wobei gerade Zeitung von sieben Jahren umspannt. Das rein fiktional, ein Mann mittleren Alters ist in der Krise, passt super zum Helden von Rudi Habringer. Es heißt übrigens München, ja? Nicht München. Die Raumforderung An einem Samstag im Frühling, an dem Böen die dicken Sperlinge aus dem Flieder wehten und diese so schnell wieder in ihre Positionen zurückflatterten, als zöge sie ein Gummiband zu den Zweigen, überraschte mich das Gefühl, dass ich ab jetzt glücklich werden könnte. Der Eindruck der Sinnlosigkeit, den ich mir beim Wegwerfen des Erbes meines Onkels zugezogen und den die Trennung von Katharina natürlich noch vertieft hatte, verlor seine erdrückende Last, wahrscheinlich, weil ich endlich halbwegs so lebte, wie ich es mir vorgestellt hatte. weil ich endlich halbwegs so lebte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Den ganzen Vormittag sah ich aus dem Fenster auf die abernden Bergrücken, trank eine Tasse Kaffee nach der anderen und malte mir eine Zukunft aus, einenren durch, die ich mir vorgenommen hatte. Am Nachmittag landeten Stare im Berg Ahorn, eher eine Bande als ein Schwarm, doch sie knarzten und fiepten und spotteten so fröhlich von den Ästen herab, dass mich eine sinnlose Freude überkam. Meine Arbeit machte mir, nachdem ich mich an die Anforderungen und vor allem die Eintönigkeit gewöhnt hatte, in all diesen Jahren meistens weder Sorgen noch Probleme noch Freude. Das Einkommen reichte gut für mich selbst und die Alimente. Im Amt musste ich keine großen Rechenschaften abliefern. Ich profitierte vom minderen Wert der Literatur im Fördergefüge und blieb lange unbehelligt. Zu meinem Unbehagen begann sich das zu ändern, als meine vorgesetzten Digitalisierung, Narrative, Leuchtturmprojekte und Disruptionen in ihren Korrespondenzen und Weihnachtsansprachen schreiben ließen. Während der Zeit, in der ich auch aus meinem privaten Paradies vertrieben wurde, geriet der neue Kulturdirektor in Fahrt, sodass ich mich mit etlichen neuen Zuständigkeiten belastet sah, als ich wieder einen klaren Kopf für die Arbeit hatte. Ausschreibungen, Leitbilder, Mission Statements, das hatte ich doch vermeiden wollen. Ich musste schon froh sein, nicht auch noch das unendliche Interview übernehmen zu müssen, das mit dem jeweiligen Landeshauptmann in der Kulturpublikation meiner Abteilung zu führen war. Eine monatliche, sehr lange Variation der Frage, Herr Landeshauptmann, wie wichtig sind Kunst und Kultur für die Gesellschaft? Und der LH-Antwort, von meiner Seite her ein klares Bekenntnis zum kulturellen Standort des Landes und dann immer zu beenden mit Danke für das Gespräch, Herr Landeshauptmann. Ich schrieb jetzt Texte wie künstlerisches Schaffen formuliert und die verrennte Narrative über gesellschaftliche Wirklichkeiten, die als Spiegelungen und Abbilder ein neues Verständnis dieser Wirklichkeiten ermöglichen und würzte sie mit Diversität und Vielfalt, was selbstverständlich nichts daran änderte, dass die Manuskripte, über die ich zu richten hatte, ausschließlich von Menschen namens Stötterbauer, Huber und Weismann kamen. Irgendwann kam der Auftrag, ein, zwei tote Schriftstellerinnen mit Regionalbezug herauszusuchen, nach denen man ein neues Frauenstipendium benennen könne. Aber nach meiner Frage, warum es kaum halb so hoch dotiert sei, wie die nach Stifter und Bernhard benannten, hörte ich nichts mehr in dieser Sache. Rein fiktional. es zutun als links. Mit ehrlichem Gleichmut hatte ich es jahrelang den Kolleginnen überlassen, an meiner Stadt in die Fachteams und Steuerungsgruppen und Gremien und Beiräte aufzurücken. Ich hing durchaus an meinem Arbeitsplatz, mir reichte alles, was mich beschäftigt hielt, weil für mich das eigentliche komplizierte Leben an der Eingangspforte des Amtes aufhörte. Und ich war dankbar, nicht in einer Marketingagentur der Tourismusabteilung gelandet zu sein, wie die meisten meiner Studienfreunde. Nach der Arbeit im Literaturarchiv hatte ich mich in meiner Ratlosigkeit auf einen Probemonat bei der lokalen Tageszeitung eingelassen. Die älteren Redakteure vermittelten mir in den ersten beiden Wochen, mein Deutsch sei unbrauchbar und in den beiden letzten, dass ich ein Motivationsproblem habe, da es mir nicht gelang, meine Unlust zu verbergen, an einem Sonntag zur Jahreshauptversammlung des Grammerstädtener Kameradschaftsbundes zu fahren. Die Anstellung beim Land sah ich lange noch als meine Rettung, meine geschützte Werkstatt. Zugleich empfand ich ständig ein schlechtes Gewissen gegenüber den Lyrikerinnen und Heimatdichtern und Autorinnen und Performancekünstlern, die so dafür brannten, das zu schaffen, was ich oft als Mühsal weglas. Diese neun jungen Menschen in eng sitzenden Anzügen über mir, die für ihre Sache so glühten wie die Künstler, aber ganz andere Ziele verfolgten, versetzten mich in milde Panik. Sie würden nicht nur meinen Sarkasmus angesichts ihrer Betriebswirtschaftsfrasen sofort durchschauen, sondern vor allem mein fehlendes Feuer. Deswegen ging ich an einem Samstag in ein Herrenmodengeschäft und ließ mir zwei teure Dreiteiler verkaufen, in denen ich mich von da an zumindest äußerlich verschanzen konnte. Nie wieder trug ich Turnschuhe in der Stadt. Sobald ich aber in mein Haus kam, war das Erste, meine Uniform abzulegen und in meine verschlissenen Wanderhemden und Jogginghosen zu schlüpfen, als wären sie meine wahren Vierwände. Danke sehr. Danke sehr. Mit an Dorfer Kurt, lieber Altpräsident, wirst du noch was sagen? Danke. Dann sage ich ganz speziell dir Danke für die lange Nacht, die du ausrichtest. Und heute wieder ist mein Stolz für euch als Sprecherin dienlich sein zu dürfen. Nur mal angewachsen, es ist mir eine große Ehre und ich habe recht viel Freude mit der Gaf Oberösterreich. Danke Stifterhaus und danke ans Radio Froh, Erich Klinger. Applaus