Was ist die Sprache? rund um mich herum, immer rundum und sofort. Wir kommen gegen unseren Willen weiter. Zur Hölle mit uns sage ich ihr manchmal, sie dreht sich, sie antwortet nicht, sie lässt uns geschehen. Ilse Eichinger, Meine Sprache und ich erschienen 1968 im literarischen Jahrbuch der Stadt Linz, stillere Heimat. Herzlich willkommen, sehr geehrte Damen und Herren, in der Literaturgalerie im Stifterhaus zur Eröffnung der Ausstellung Das grüne Märchenbuch aus Linz, Ilse Eichinger 1921 bis 2016. Wir freuen uns sehr über Ihr aller Kommen. Stellvertretend für die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von Kunst, Kultur und Bildung, begrüßen wir sehr herzlich den Kulturdirektor der Stadt Linz, Dr. Julius Stieber, Rektor Prof. Dr. Franz Kepplinger, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz, Landeskulturpreisträger Christian Steinbacher. Wie schön, dass Sie da sind und wie schön, dass Sie alle hier bei uns sind. Die Beziehung von Ilse Eichinger zu Linz, biografisch wie in ihrem Schreiben, ist eine sehr enge. Sie ist bekannt, aber in der Wahrnehmung von Person und Werk eher eine Fußnote, selbst in der Literaturwissenschaft. Ähnliches gilt für die jahrzehntelange Auseinandersetzung der Autorin mit Adalbert Stifter, der einen Bezugspunkt in poetologischen Überlegungen wie im Denken Eichingers bildet, in den Anfängen ihrer Veröffentlichungen und zum Ende. Dass Linz eine eminente Rolle spielt hinsichtlich tiefer Prägungen der Kindheit, insbesondere was die spannungsgeladene Konstellation der Ehe der Eltern Ludwig Eichinger und Dr. Bertha Eichinger betrifft, wie oft Linz beschrieben wird, wie stark es sich einschreibt ins Werk, das macht diese Ausstellung vermutlich erstmals in dieser Konsequenz und Dichte an Belegstellen und Zeugnissen sichtbar. Fragen, wie ein Werk in seiner Zeit steht, woraus es gewissermaßen gemacht ist, wie eine bestimmte Zeit mit all ihren politischen Rahmungen und Implikationen, wie ein individuelles Leben in einen literarischen Text hineinwirken, in einem Werk aufgehoben sind, diese Fragen stellt sich nicht nur die Literaturwissenschaft, sie beschäftigen uns alle als Leserinnen und Leser. Besonders reizvoll ist es freilich, unbekanntere Seiten aufzuschlagen, zu zeigen, wie literarische Texte aufeinander reagieren, sich zueinander verhalten, denn gewissermaßen hat immer alles mit allem zu tun. Stifter mit Eichinger, Eichinger mit Linz, Linz mit dem Schreiben vieler, die man aufs Erste nicht mit diesem Ort, dieser Stadt assoziiert, deren Werk sich aber durch eine veränderte Perspektive anders erschließen lässt, neu verstanden werden kann. anders erschließen lässt, neu verstanden werden kann. Manche vermeintlichen Randbereiche bekommen durch einen veränderten Blickwinkel manchmal eine zentrale Stellung. In diesem Sinne versteht sich die Ausstellung als Beitrag, Ilse Eichinger neu zu lesen, mit ihren Texten aber vielleicht auch Linz anders zu sehen. Für das mit so großer Kompetenz und wissenschaftlichen Sorgfalt erarbeitete Konzept einer Eichinger Lektüre aus Linz heraus, für diese wunderbare Ausstellung, danken wir ganz herzlich der Kuratorin, Doktorin Christine Ivanovic. Sie wird sie im Anschluss durch die Linzer Jahre und das Linz im Werk von Ilse Eichinger begleiten. Vielen Dank für dieses grüne Märchenbuch. Peter Karlober hat einen literarischen Raum geschaffen und gestaltet, Ilse Eichingers Linz, das außen sichtbar wird, vielleicht ist es beim Herkommen aufgefallen, und einen Raum, der sich gleichermaßen nach außen öffnet. Der Blick aus den Fenstern, eine Premiere, fällt auf ein Zitat. Literatur geht hinaus und kommt herein. Peter Karlhuber und seinem Team, insbesondere Gerhard Spring, der die Ausstellungsgrafik verantwortet, danken wir von ganzem Herzen für die Zusammenarbeit. Sie können sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit die Verwandlung des Raumes bedeutet. Geholfen haben Hannes Stockinger und Renato Utz, Helga Reimeyer und Lena Karlhuber. Ein besonderer Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen im Institut, die nicht nur hinter den Kulissen mitgewirkt haben, besonders Mag. Claudia Lehner für umfassende Recherchen und einige Entdeckungen. Danken möchten wir auch der Familie Ilse Eichingers für großzügiges Entgegenkommen in Hinblick auf die Rechte. Eine kleine Leerstelle zu einer Veröffentlichung Ludwig Eichingers in der NS-Zeit ist geblieben, eine Leerstelle, die wir hoffen, durch Nachverhandlungen noch schließen zu können. Aufgrund der Pandemie waren Archive lange Zeit nicht zugänglich. Sie wissen es, der für die Ausstellung Zentrale Nachlass Ilse Eichingers im Deutschen Literatur-Mabach konnte erst zu einem sehr späten Zeitpunkt eingesehen werden. Der Katalog mit umfangreicher Dokumentation ist in Drucklegung und wird voraussichtlich in den nächsten Wochen erscheinen. Präsentiert wird er am 11. Jänner 2022 in einer eigenen Veranstaltung. Schon heute besteht aber die Möglichkeit zur Subskription, das heißt sie bekämen ihn, sobald er ausgeliefert ist. Worauf wir Sie hinweisen möchten, das ist ein kleines Heftchen mit einem Text Eichingers zu Adalbert Stifter, das neue Lied. Eine kostenlose Gabe zur Ausstellung, die uns freundlicherweise ermöglicht, hat der Fischer Verlag. Ilse Eichinger war in diesem Haus einige Male zu Gast. Wir erinnern uns sehr gerne daran. Erinnerung begreift sich nicht zu Ende, steht gegenüber dem Haus zu lesen. So ist es, sehr geehrte Damen und Herren, Ihnen allen einen guten Abend bei Ilse Eichinger. Applaus und mitarbeiterinnen dieses instituts ich bin ein bisschen sprachlos im moment ich bin selber überwältigt dass nach einer doch sehr langen und sehr intensiven arbeitsphase dieser traum den wir gemeinsam geträumt haben wirklichkeit geworden ist es ist fast wie in einem märchen Frau Dr. Dallinger hat als erste dieses Projekt möglich gemacht, indem sie einschränkungslos das Konzept der Ausstellung akzeptiert hat und in jedem Moment dieser Arbeit es genauso einschränkungslos und von vollem Herzen unterstützt hat. Und dazu kommen Claudia Lehner, die die gute Seele dieses Projekts im Haus ist, die immer wieder uns auf wichtige Punkte aufmerksam gemacht hat und uns ermöglicht hat, dass wir auf dem Teppich bleiben, auf dem Sie jetzt stehen, den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Peter Karlhuber kann ich überhaupt nicht genug danken. Er ist derjenige, der Eichinger verstanden hat, gelesen hat, mit mir zusammen um dieses Konzept gekämpft hat. Und Gerhard Spring war der gute Geist dahinter, der all diese Schriftfantasien tatsächlich auch Wirklichkeit hat werden lassen. Ich bin sehr, sehr froh, dass wir diese Ausstellung heute hier gemeinsam anschauen dürfen, dass die Ausstellung hier eröffnet wird. Ich muss dazu sagen, es ist das erste Mal, dass es eine Ausstellung über Ilse Eichinger überhaupt gibt. Eine Ausstellung im deutschsprachigen Raum, eine Ausstellung in Österreich. Und ich bin sehr froh, dass diese Ausstellung ausgerechnet hier an diesem Ort in Linz stattfindet. Es werden viele mit großen Augen nach Linz schauen und möglicherweise auch nach Linz kommen, um zu sehen, wo diese Autorin, die sie als deutsche Autorin für sich reklamieren, die sie als österreichische Autorin für sich reklamieren, als Wiener Autorin vor allem, als österreichische Autorin für sich reklamieren, als Wiener Autorin vor allem, dass diese Autorin eigentlich Linzer Wurzeln hat und dass ihr Werk sehr eng und intensiv mit Linz verbunden ist. Es gibt in der Ausstellung ein ganz diskretes, unauffälliges Objekt und ich wüsste gerne, wer dieses Objekt von Ihnen schon entdeckt hat. Es steht in der Ecke in einem kleinen Tischchen. Es ist die einzige wirkliche, fast die einzige wirkliche Leihgabe in dieser Ausstellung. Es ist ein Gästebuch der Familie Eichinger. Ein Gästebuch, das uns die Tochter Ilse Eichingers, Miriam Eich, großzügigerweise geliehen hat, zur Verfügung gestellt hat für diese Ausstellung. Und in diesem Gästebuch gibt es einen Eintrag vom 2. Mai 1922. Zu diesem Zeitpunkt sind die Zwillinge Ilse und Helga Eichinger sechs Monate alt. In dem Gästebuch steht drin, Ilse und Helga, sie leben hoch, Tante Clara, das ist die Schwester der Mutter von Ilse Eichinger, Ilse und Helga Eichinger, die 1939 nach England emigrieren musste, die aber schon von Anfang an die Mädchen unterstützt hat, vor allen Dingen später die emigrierte Zwillingsschwester Helga nach ihrer Immigration nach England ganz stark gestützt hat. England ganz stark gestützt hat. Unterhalb dieses persönlichen familiären Eintrags gibt es einen Eintrag, der für Linz besondere Bedeutung hat und diesen Satz möchte ich heute zum Leitsatz für diese Ausstellung nehmen. Der Satz lautet, ein Heim, das Kultur atmet, fordert zum Wiederkommen auf. Ich nehme diesen Satz als Leitsatz für das Heim, das wir hier diskutieren, das wir hier präsentieren, das Heim, das Zuhause, in dem Ilse und Helga Eichinger groß geworden sind in Linz. Ich nehme diesen Satz aber auch in weiterem Sinne übertragen für die Heimat, aus der sie gekommen ist, für die stillere Heimat, wie der literarische Almanach dieser Stadt heißt, und für das Haus, das Heim, das Ilse Eichinger jetzt in diesen Monaten hier von Neuem gefunden hat, das Stifterhaus, in dieses Haus, das so kulturatmet, kommt man gerne wieder. Es fordert zum Wiederkommen auf und ich hoffe, dass Sie diese Ausstellung vielleicht nicht nur einmal besuchen und sagen, ich habe die Ausstellung kann, die Stimme, die diesem Text das Leben gegeben hat, auch wieder zu hören. Der Satz, den ich zitiert habe, ein Heim, das Kultur abmitfordert zum Wiederkommen auf, stammt von keinem Geringeren als Dr. Ernst Goref. 1922 noch lange nicht der sozialdemokratische Oberbürgermeister dieser Stadt. Zu dieser Zeit war er im Haus Eichinger vor allem deshalb, weil er ein Freund von Ilse Eichingers Vater Ludwig Eichinger gewesen ist. Es ist ein Heim, das Kultur atmet. Ludwig Eichinger, selbst geboren 1892, hat bereits im Alter von 21 Jahren von sich reden machen. Sie sehen in dem Erinnerungskasten, der ihm gewidmet ist, einen kleinen Zeitungsausschnitt aus der Neuen Freien Presse in Wien, in der sich tatsächlich die Notiz findet, Herr Fachlehrer oder Herr Lehrer, glaube ich, er war damals gar noch nicht Fachlehrer, Herr Lehrer Ludwig Eichinger hat einen fulminanten Vortrag über Literatur in Linz gehalten. Das schreibt die Neue Freie Presse in Wien 1903. Im selben Jahr gibt Ludwig Eichinger eine Anthologie heraus mit dem Titel Heimat der Literatur Oberösterreichs gewidmet. In dieser Anthologie finden sich acht Texte von ihm selbst, Gedichte und Prosatexte. Es finden sich Texte von Hermann Bar und vielen anderen. Dieser junge Lehrer war sehr ambitioniert, er muss eine emphatische Persönlichkeit gewesen sein, denn immer wieder finden wir in den folgenden zehn, zwanzig Jahren Zeitungsberichte über Vorträge, die er gehalten hat, über die Literatur mit großer Begeisterung, die auch ansteckend gewirkt hat. Er hat im Linz nicht nur als Lehrer eben gewirkt, an Schulen seine Vorträge gehalten, er hat sie auch in der literarisch interessierten Öffentlichkeit gehalten, er war einer derjenigen, der den Eichendorff-Bund mit ins Leben gerufen hat, war sein erster Schriftleiter und hat hier doch eine gewisse Rolle im literarischen Leben der Stadt Linz gespielt, lange bevor die Zwillinge zur Welt gekommen sind. Ludwig Eichinger hat 1920 die Ärztin Dr. Bertha Krämer geheiratet. Dr. Bertha Krämer kam aus einer jüdischen Familie. Sie hat in Wien die Schule der Eugenie Schwarzwald besuchen können, hat dort maturiert und ist dann eine der ersten Frauen gewesen, die in Wien Medizin studieren konnten. gewesen, die in Wien Medizin studieren konnten. Nach ihrem Studienabschluss 1915 ist sie sofort als Ärztin in Kriegslazaretten eingesetzt worden. Sie hat dort sehr tapfer, sehr engagiert, sehr bravourös gearbeitet und hat nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Stellung in mehreren Kliniken in Wien inne gehabt, zuletzt im Frauenhospiz Jordanstraße. Nach ihrer Eheschließung mit Ludwig Eichinger ist Dr. Bertha Eichinger nach Linz umgesiedelt und die Kinder sind noch einmal in diesem Frauenhospiz, in dem sie vorher gearbeitet hat, in Wien geboren, sind aber dann seit ihrer Geburt in Linz aufgewachsen. Die Kindheit, an die Eichinger sich erinnert, ist eine Kindheit, die in einem Heim, das Kulturatmet stattgefunden hat. Der Vater ein engagierter Literat, dieter eine engagierte ärztin sie hat obwohl sie zwillinge zu versorgen hatte unauffällig weitergearbeitet sie hat sich sehr stark eingesetzt für die aufklärung junger frauen und mädchen für die gesundheitsfürsorge und sie ist schon 1925 zur ersten jugend amtsärztin der Stadt Linz, das war eine ganz neu geschaffene Institution, berufen worden. Wir haben einige Dokumente aus der Zeit der frühen Kindheit, wobei ich dazu sagen muss, dass Ilse Eichinger erst in ganz späten Jahren, erst nach 2000 in ihren Erinnerungstexten auch diese Zeit in Linz erwähnt, in ihren früheren Texten kommt diese Periode eigentlich nicht vor. An den Texten, die sie in dieser spätesten Phase in ihrem Spätwerk publiziert hat, fällt auf, dass es Texte sind, die ich gerne vergleichen würde mit Walter Benjamins Kindheit um 1900. Es ist eine Art Linzer Kindheit um 1925, die hier beschrieben wird. Eine Kindheit in einer bürgerlichen Atmosphäre, sehr wohl behütet, über der gleichwohl schon die Schatten der Katastrophe, die sich wenig später abzeichnet, zu sehen sind. Sinnbild dieser Katastrophe ist das Kindermädchen, das die Familie engagiert. Wir haben durch die Recherchen, in denen ich hier vom Haus massiv unterstützt wurde, kuriose Dokumente gefunden, beispielsweise eine Anzeige, die die Familie in der Zeitung aufgibt, weil sie ein Kindermädchen sucht für die beiden Zwillinge. Das Kindermädchen, das sie dann gefunden haben, hieß Emma Schrag und Eichinger schreibt immer wieder, dass diese Emma Schrag schizophren gewesen sein soll, gerade erst aus der Irrenanstalt entlassen worden war und nichts besseres wusste, als die beiden Mädchen immer wieder mit festem Griff, wie von den Wachmännern, die sie gewohnt war, zu dieser Irrenanstalt zu führen. Dieses Bild der Irrenanstalt und der freundlichen Irren, die die kleinen Mädchen dann durch die Ritzen der Mauer zu sehen bekommen und mit denen sie ein bisschen sich austauschen, werden zum Gegenbild für die Irrendinge, die dann in der Folge zu erleben waren. die dann in der Folge zu erleben waren. Zu diesen irren Dingen gehört auch zunächst das Zerbrechen der Familie. Der Vater erweist sich als Biblioman. Ilse Eichinger beschreibt, dass er mehrere Gesamtausgaben derselben Autoren immer wieder kaufte, dass er so viel Schulden gemacht hat, dass schließlich die Mutter sich gezwungen sah, den Vater vor die Wahl zu stellen. Entweder entscheidest du dich für die Kinder und mich oder für die Bücher. Und der Vater hat sich für die Bücher entschieden. Demzufolge trennen sich Ludwig und Bertha Eichinger. Bertha Eichinger, bleibt sehr freundlich bestehen, entwickelt sich ein intensiver Briefverkehr zwischen Ilse Eichinger und Ludwig Eichinger. Und wir können vor allen Dingen in den schwierigen Jahren des Krieges verfolgen, wie intensiv der Vater die Tochter unterstützt. Wir wissen seit Längerem, dass das Schreiben, die Motivation zum Schreiben für Ilse Eichinger in der Trennung von der Zwillingsschwester am 4. Juli 1939 gründet. imaginäre Katastrophe unter den schlimmen Umständen, unter denen dieses geschah. Jetzt Eichhörniger fängt an, Tagebuch zu schreiben, imaginäre Briefe und Berichte an die Tochter zu schreiben, aber das haben wir gewusst, aber jetzt aus diesen Dokumenten, die wir von dem Vater gesehen haben, wird klar, dass sie tatsächlich ernsthafte literarische Versuche schon unternimmt. ernsthafte literarische Versuche schon unternimmt. Natürlich kann sie unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs diese Versuche nicht publizieren, aber sie wird vom Vater anhaltend unterstützt. Und ich zitiere einmal aus einem Brief, den der Vater an Ilse Eichinger schickt, kurz vor ihrem 23. Geburtstag am 1. November 1944. Hier schreibt Ludwig Annelse Eichinger, du feierst wieder Geburtstag, deinen 23. diesmal, und du bist ungehalten, dass du noch immer gar nichts erreicht hast. Das ist wie so vieles im Leben nur teilweise richtig. Vom bürgerlichen Blickwinkel aus gesehen hast du wenig erreicht, aber von einer höheren Warte aus betrachtet bist du in diesen Jahren unermesslichen Leids vieles geworden. Ich glaube an dich, weil ich deine verschiedenen Schöpfungen kenne und mit mir glauben auch andere an dich, die von dir wissen. Dein Bestreben geht ja nicht dahin, ein bescheidenes und stilles Bürolämpchen zu bleiben. Du wirst einmal mit der Flamme des Wortes in die Herzen leuchten und sie aufrütteln und wärmen. Das ist meine Zuversicht und auch mein Stolz wie meine Freude. Ich denke, das ist ein sehr bemerkenswerter Brief und manche von uns würden sich wünschen, dass sie von ihren Vätern in derselben Weise frühe Anerkennung und so uneingeschränkte Anerkennung gefunden hätten. Es ist aber auch die Mutter ein wichtiges Vorbild für Ilse Eichinger, diese emanzipierte, selbstbewusste Frau, die ihre Karriere als Ärztin verfolgt, die gleichzeitig uneingeschränkt auch für ihre Kinder natürlich dasteht. Zum Teil haben sie wiederum durch Vermittlung von Claudia Lehner, haben sich da diese spannenden Dokumente hier im Archiv der Stadt Linz gefunden. Zum Teil haben wir sie auf anderen Wegen ausfindig machen können. Es hat sich herausgestellt, dass sie sehr stark an Psychologie interessiert war, dass sie mit Alfred Adler in persönlichem Kontakt stand und als sie sich hier um diese neu ausgeschriebene Stelle als Jugendamtsärztin der Stadt Linz beworben hat, kann sie von Alfred Adler einen handgeschriebenen Empfehlungsbrief beibringen, der ihre Eignung und ihre Qualitäten unterstützt. Auch dieses Dokument können Sie in dem Kasten sehen. Bertha Eichinger war auch eine Frau, die von Kultur beseelt war. Sie war nämlich, auch das hat sich jetzt erst kürzlich in der ganzen Breite gezeigt, auch als Komponistin tätig. Es haben sich über 50 Partituren von ihr enthalten, in der ganzen Breite, vom Wiener Lied über den Tango bis zu Schlagern. Und sie war auch nicht müde, solche Kompositionen zum Beispiel bei Schlagerwettbewerben einzureichen und ist dann auch entsprechend belohnt worden, hat Preise errungen und wird in der Zeitung auch erwähnt. Sie publiziert diese Kompositionen, das ist eine wichtige Anekdote am Rande, aber nicht unter ihrem Namen Dr. Bertha Eichinger, sondern unter dem Namen Dr. Bert Inger. Als Frau glaubte sie damals, keine Chance zu haben in diesem Konkurrenzfeld und es gibt dann eine sehr nette Zeitungsnotiz aus der Linzer Tagungspost, die triumphierend sagt, wir haben es herausgefunden, das ist unsere Bertha Eichinger, unsere Jugendamtsärztin, von der wir hier so viel Gutes erlebt haben. Ich möchte ein kleines Dokument auch noch vorlesen, das vielleicht diesen Einfluss der Mutter auf die junge Autorin Ilse Eichinger belegen kann oder ganz kurz illustrieren kann. Vermutlich im Winter 1943 schickt Ilse Eichinger ein kleines Büchlein an ihren Vater zu Weihnachten. In dieses Büchlein trägt sie säuberlich Gedichte ein. Es sind über 20 Gedichte, aber nicht nur Gedichte. Das Büchlein hat den Titel Gedicht und Aufsätze von Ilse Eichinger und unter diesen Aufsätzen gibt es einen Aufsatz, der beginnt mit der Frage, hat Shakespeare recht mit dem Wort Schwachheit, dein Name ist Weib. Es klingt also wie ein Schulaufsatz, wie eine Vorgabe für einen Schulaufsatz, den sie hier aufgreift in ihrem Aufsatz und mit Entschiedenheit verneint sie diese Frage und schreibt, Shakespeare hat nicht recht. Es ist seiner Willkür überlassen, die Frauenfiguren in seinen Stücken schwach darzustellen. Aber diesen Satz auf das Leben zu beziehen, ihn als Zitat zu nehmen, ist nicht möglich. Dass die Frau im öffentlichen Leben stehen muss, ist klar. Denn so wie in der Familie müssen sich auch hier Mann und Frau ergänzen. Und wenn der Staat die Berufstätigkeit der Frau hindern will, untergräbt er seine eigenen Fähigkeiten. Und schließlich, eine paar Zeilen weiter, heißt es, es gibt viele Beispiele in der Geschichte und in der Jetztzeit dafür, dass die Frau stark ist. Und es liegt an jeder Frau, sich selbst zu beweisen. Ich denke, das ist ein starkes Wort von einer angehenden Autorin, die hier versucht, ihren Weg in einer Zeit zu finden, wo sie weder als Frau noch als jüdische Frau Grund hat, solche Stärke auszudrücken und solche Stärke auch einzufordern. Sie schreibt diesen Aufsatz in das Büchlein an den Vater. Es ist eine Botschaft auch über die Anerkennung der eigenen Mutter. Wir haben von Ilse Eichinger für beide Eltern, für Vater wie für Mutter, skurrile Zeugnisse einer kleinen Hommage. An die Mutter hat sie einen Text geschrieben, wahrscheinlich in späteren Jahren, lange nach dem Krieg, möglicherweise zu deren 75. Geburtstag. Dieser Text ist unveröffentlicht geblieben, ist auch nicht veröffentlichtbar. Wir haben ihn an der Kastentür innen einmal aufgeführt. Der Text heißt Grillpanzer. Es ist eine Radiosendung, wo unter anderem ein Interview mit der berühmten Bertel Eichinger geführt wird. Eine groteske, kleine, komödienhafte Glosse am Rande. Auf die Mutter bezogen werden kann auch einer der letzten Texte hier in unserer langen Ausstellungswand, der Text Jeanne. Das ist ein Dialog, wie ihr Ilse Eichinger sie eigentlich in den 50er Jahren geschrieben hat. In diesem Dialog beschäftigt sie sich mit einer berühmten Frau der Geschichte, der Jeanne d'Arc, die für sie eine ganz wichtige Rolle gespielt hat und der Text ist wiederum eine groteske, weil er eine Begegnung zwischen Jeanne d'Arc auf dem Scheiterhaufen und ihrer Mutter beschreibt, in der die Mutter ängstlich darum bemüht ist, dass doch jetzt wirklich auch alle kommen und hier diesen Scheiterhaufen anzünden, damit die Geschichte so läuft, wie sie laufen soll, damit die Jeanne d'Arc auch wirklich als Märtyrerin sterben kann und nicht sieht, dass sie durch ihre Intervention eigentlich schon die Geschichte, den Ablauf der vorgesehenen Geschichte stört. Eine bitterböse Groteske, die vielleicht auch etwas über das Verhältnis zwischen Issa Eichinger und ihrer Mutter, die sehr ehrgeizig gewesen sein soll, zum Ausdruck bringt. Dieser Text ist nur im literarischen Jahrbuch der Stadt Linz erschienen, von Eichinger sonst nicht publiziert worden. von Eichinger sonst nicht publiziert worden. Vielleicht kann ich von dort aus rückwärts noch einmal ganz kurz eingehen auf das Haupt, das Kernstück, das Herzstück dieser Ausstellung. Das sind die hier durch Stehlen jeweils repräsentierten und in den Büchern präsenten Jahrbücher, in denen Ilse Eichinger seit 1952 und bis 1981 regelmäßig publiziert hat. Als wir die Ausstellung aufgebaut haben, hat Peter Karlhuber zu mir gesagt, ach, hätte sie doch ein paar weniger Texte publiziert, die Wand wird zu eng, es ist zu viel. Es ist sehr, sehr spannend, in diesem Zeitraum von fast drei Jahrzehnten diese Jahrbücher sich Stück für Stück anzuschauen, aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist es ein Teil der Geschichte, der Literatur, der Kultur, die diese Stadt atmet. Zum Teil ist es sehr deutlich sichtbar, auch eine Geschichte der gesellschaftlichen Veränderung, der politischen Veränderung, der ästhetischen Veränderung. Sie sehen das an den Covers, die sich entwickeln über die Jahre hinweg. Hier gibt es sehr viel zu entdecken. Wir haben jetzt auch nicht alles kommentieren und erklären wollen. Dieses Haus lädt zum Wiederkommen ein, diese Bücher in die Hand zu nehmen und einmal durchzublättern, wer war hier verantwortlich, was ist hier eigentlich passiert, in welchen Kontexten stehen hier die Texte von Ilse Eichinger. Für die Eichinger Interessierten ist andererseits dieser fast zufällige Ausschnitt, den die 19-Jahr-Bücher bieten, eine willkommene Gelegenheit, einmal die Entwicklung von Ilse Eichinger in dieser wichtigen Phase, in der die wichtigsten Texte ihres Werkes nach der größeren Hoffnung und vor dem Spätwerk entstehen, einmal nachzuverfolgen, wie sich ihre Schreibweise, wie sich ihr Sprechen verändert. Wir haben am Anfang in den ersten Jahrbüchern der frühen 50er Jahre Texte, die so realistisch anmuten, aber immer magische Momente in sich enthalten. Es sind Texte, in denen es fast immer um das Verschwinden geht und das Verschwinden von Personen, das von ihrer Umgebung nicht wahrgenommen wird. Es ist das Trauma der Ilse Eichinger. Die zentrale Geschichte aus dieser Phase ist die Geschichte, die Sie in diesem Kokon, der mir jetzt am nächsten hängt, einmal hören können. Wir haben diese Hörstationen eingebaut. Es ist die Geschichte, die wir aber auch hier in der Kopfseite der Ausstellung versucht haben, zur Darstellung zu bringen. Einer der berühmtesten Erzählungen von Eichinger überhaupt mit dem Titel »Wo ich wohne«. Die Geschichte einer jungen Frau, die erleben muss, dass ihre Wohnung nicht wie erwartet im dritten Stockim, wo die Wohnung im Haus abrutscht. Und es ist die Geschichte eines Untergangs, der von der Umgebung ignoriert wird, übersehen wird. Niemand stößt sich daran, niemand wundert sich, niemand kommt zu Hilfe, niemand kann befragt werden. Die Sprachlosigkeit, die in dieser Geschichte zum Ausdruck kommt, wenn die Protagonistin in dieser Ich-Erzählung immer wieder sagt, ich würde gerne den fragen oder ich würde den, aber ich kann ja nicht und er fragt sowieso nicht, ist das Eindrucksvollste an diesen Texten. Immer wieder geht es bei Ilse Eichinger um Sprache, um Sprache als Handlung, Sprache auch als verantwortungsvolle Handlung die Frage, was passiert, wenn ich ein Wort ausspreche, welche Wirklichkeit hat dieses Wort, was bedeutet diese Setzung und von diesem Problem zeugen die Texte vor allem in dem mittleren Bereich der Ausstellung, wo es um das Bauen von Dörfern geht, wo Bestandteile eines Dorfes gesetzt werden, wie in einem Holzbaukasten von Kindern, wo aber verhandelt wird in der Geschichte, im Dialog der Protagonisten, was passiert, wenn ich das Dorf hier hinsetze und wenn ich es mehr an den Wald oder mehr an den See setze. Es ist ein Dialog, der davon handelt, wie verantwortungsvoll sprachliche Setzungen sind, wie verantwortungsvoll sprachliche Setzungen sind, wie wichtig es ist, Sprache mit dieser Verantwortung, mit dieser Reflexion zu bedenken. Wir haben die Ausstellung so aufgebaut, dass Sie jeweils das Jahrbuch in die Hand nehmen dürfen. Es ist eine Ausstellung ohne Originale mit den Büchern, in denen die Texte erscheinen, in denen die Texte in den Kontexten, in denen sie hier publiziert wurden, zu lesen sind. Und Sie werden vielleicht entdecken, dass ein paar Dokumente oder Erläuterungen am Rande hier auch ein bisschen dem Leseverständnis nachhelfen wollen. dem Leseverständnis nachhelfen wollen. Zuletzt möchte ich vielleicht noch ganz kurz eingehen auf den Autor, dem wir verdanken, dass wir hier in diesem Haus diese Ausstellung machen durften und von dem Herr Dr. Dallinger gerade schon gesagt hat, wie wichtig, wie bedeutungsvoll er für Ilse Eichinger gewesen ist. Nach dem Erscheinen ihres Romans Die größere Hoffnung erlebt Ilse Eichinger mehrfach Begegnungen mit dem Werk von Adalbert Stifter. Eine wichtige Szene erwähnt sie immer wieder in mehreren ihrer Texte, das ist die Wiederbegegnung mit einem ihr längst aus der Jugend bekannten Text, mit dem Bergkristall, den sie in einem englischen Antiquariat in einer zweisprachigen Ausgabe liest. Und dieser Text in England, in dem Raum, der für die Schwester zum Fluchtraum geworden ist, wird plötzlich der Durchgang durch die Fremdsprache, wir hatten die Fremdsprache gerade auch schon, Fremdsprache, wir hatten die Fremdsprache gerade auch schon, zu einem neuen Medium, um Stifter, diesen wichtigen Autor ihrer Kindheit, neu zu denken. Und die Geschichte Bergkristall von den beiden Kindern, die im Schnee verloren gehen, die fast gestorben wären und die in letzter Minute in der Weihnachtsnacht gerettet werden, wird von Ilse Eichinger erkannt als eine Geschichte, die auch von ihr selbst und ihrer Schwester handelt. Und die große Frage, die sich seither stellt, ist, sind wir wirklich gerettet worden? Was bedeutet diese Rettung aus dem Fastuntergang? Und wie lebt man weiter nach dieser Erfahrung? Eine Frage, die sie bis zu Ende nicht beantworten kann. Frage, die sie bis zu Ende nicht beantworten kann. 1955 verfasst sie dann einen ganz bemerkenswerten Text über Adalbert Stifter, der uns eben auch in dieses Haus hier geführt hat. Sie hält am Rundfunk einen langen Vortrag über das Werk von Adalbert Stifter, in dem sie eigentlich weniger über Stifter selbst spricht, als über die Art, Stifter zu lesen. Und es ist eine Leseanweisung, es ist eine Poetik des Lesens, die ich eben auch nur empfehlen kann, weil man davon sieht, wie Eichinger selbst zu lesen wäre, wie genau man beim Lesen hinschauen kann und was man plötzlich sehen kann, wie das Lesen und das Sehenlernen einander zuspielt, wie das Lesen und das Sehen lernen einander zuspielt, wie die Landschaft, von der gesprochen wird und die Landschaft, die der Text selbst entwerfen kann, zusammenkommen. Ilse Eichinger hat über Albert Stifter einen sehr witzigen Text geschrieben, Frau Dr. Dallinger hat ihn gerade schon angesprochen, der Text heißt »Das neue Lied«, Der Text heißt Das neue Lied. Das ist ein ebenfalls wieder grotesker Dialog, der 1956, ein Jahr nach diesem Rundfunkvortrag entstanden ist. Und sie schickt diesen Text an Karl Kleinschmidt, an den Redakteur des literarischen Jahrbuchs, zur Publikation. Und da dieser nicht sofort reagiert, ist sie nervös und meint, vielleicht könnte dieser Linz-Bezug doch ein bisschen problematisch sein und sie zieht den Text zurück und gibt anstelle dessen einen anderen Text, erstes Semester von einer Medizinstudentin an seiner Stelle in den Alma nach. Wir haben, wie erwähnt, dank des Fischer-Verlags die Möglichkeit gehabt, Ihnen diesen Text noch einmal abzudrucken und mit zwei Fotos zu versehen, die aus dem Nachlass von Ilse Eichinger stammen, die sich auf diesen Text beziehen. In dem Text steht Adalbert Stifter aus dem Grab noch einmal aus und redet mit der Wirtin vom Gasthof zur ewigen Ruh. Er kann diese ewige Ruhe nicht finden und nach diesem Dialog erst kann er sich wieder zurückziehen. Es ist für Sie ein ganz wichtiger Text, der eigentlich schon in dem Rundfunkvortrag vorbereitet gewesen ist. In dem Text heißt es, dass der Dichter sagt, ich kann die Erde nicht mehr tragen, ich kann diese Stadt nicht mehr tragen. Und im Rundfunkvortrag hatte sie gesagt, es gibt eigentlich ein besseres Denkmal, als das Ihnen alle bekannte Denkmal von Stifter gegenüber dem Kaffeehaus. Es gibt diesen schmalen, hohen Obelisken auf dem St. Barbara Friedhof. Und dieser Obelisk, so Eichinger, drückt die Klarheit, die Präzision und die schwebende Ruhe Stifters besser aus. Dort, und nicht bei seinem eigentlichen Denkmal, war es mir auch plötzlich, als trüge Stifter diese Stadt Linz, die sich, seit er sie in seinen Feldblumen schilderte, so sehr verändert hat. Als trüge er sie und hielte sie zusammen, obwohl auf dem Grunde ihrer Audörfer jetzt riesige Stickstoffwerke stehen und eine rote Wolke oft über der Stadt hängt und sich vor den Hügeln legt. Dort kam ja auch die Hoffnung, und das ist der zentrale Begriff für Eichinger, dort kam ja auch die Hoffnung, dass er in dem Maße, als wir ihm näher kommen, auch uns tragen und zusammenhalten und der Ordnung näher bringen kann, dem Augenblick der Stille in der äußersten Geschwindigkeit. Ich möchte dieses Wort von Eichinger, das auf die Lektüre Adalbert Stifters gemünzt ist, Ihnen gerne mitgeben. Vielleicht finden Sie so einen Ort der Ruhe in der äußeren Geschwindigkeit in dieser Ausstellung. so einen Ort der Ruhe in der äußeren Geschwindigkeit in dieser Ausstellung. Bitte kommen Sie in dieses Haus, das Kultur atmet, wieder und bitte lesen Sie Ilse Eichinger. Ich danke Ihnen für Ihr heutiges Kommen. Ja, damit ist die Ausstellung offiziell eröffnet. Wir laden Sie ein, bleiben Sie noch hier, trinken Sie. Eine Kleinigkeit können wir Ihnen anbieten, so sicher es in diesen Zeiten halt möglich ist. Vielen Dank und einen schönen Abend noch.