Herzlich willkommen zu unserem 10 Minuten Kunsterklären. Wir haben heute als Kunstwerk sozusagen ein Buch definiert, wo wir dann im Ausstellungsraum die Originale dazu betrachten können und ich begrüße ganz herzlich die Anke-Jarina Kuhl aus Frankfurt. Vielen Dank. Das ist ja jetzt fast der Premiere bei 10 Minuten Kunst, wir haben es noch nie mit Publikum machen können. Das ist jetzt so praktisch die Feuertaufe. Es geht um dieses Buch. Ein wunderbares Buch, wo das Liebesleben der Tiere in drei großen Sektoren dargestellt wird. Die Anbahnung, der eigentliche Akt und wenn sie Nachwuchs haben, wie sie mit dem Nachwuchs umgehen. Du hast mit einer autorin zusammen gearbeitet die katharina von der dritte ist meine brüder zu viel zeit muss katharina von der garten ihr habt schon mehrere projekte gemeinsam gemacht und du hast erzählt, es ist ja eine schöne Zusammenarbeit. Auf jeden Fall, ja. Ich glaube, das war das zweite Buch. Sie ist Sexualpädagogin und hat als erstes Projekt mit mir Klär mich aufgemacht. Das ist ein Blog, eine Sammlung von Kinderfragen. Also sie arbeitet mit Grundschulkindern und erklärt denen eben zum Thema Sexualität, Körper, Entwicklung, Pubertät und solche Dinge, macht sie mit denen Projekte. Und hat dort über Jahre deren Fragen gesammelt, die sie anonym in eine Box geworfen haben. Und so ist das erste Buch entstanden. Und ich habe also diese Fragen illustriert, sie hat sie beantwortet. Und eine Frage, die immer kam in ihren Projekten, war, wie machen das denn eigentlich die Tiere? Und so ist praktisch die Idee zu dem zweiten Buch entstanden. Sie hat sich das mal zu Herzen genommen, hat gedacht, das muss ich mir mal genauer angucken, mal recherchieren und hat dann lange geforscht. Und so ist dieses Buch entstanden. Ist das ein Ping-Pong-System zwischen dir und der Autorin oder ist der Text fertig und du kannst dich dann in aller Ruhe über die Illustrationen stürzen? Also in dem Fall mit Katharina ist es tatsächlich eigentlich so, dass der Text fertig ist und ich dann mich darauf stürze. Sie arbeitet eine ganze Weile daran und ich kriege ein bisschen was mit davon. Wir sprechen auch drüber, aber letztendlich kriege ich das fertige Manuskript. Wenn ich dann anfange zu zeichnen und die Skizzen fertig habe, dann treten wir auf jeden Fall noch in Dialog, dann gucken wir nämlich, ob es vielleicht Dinge gibt, die in den Bildern sich besser ausdrücken lassen als im Text, ob man vielleicht Dinge einfach dann rausstreichen kann wieder aus dem Text, damit sich das nicht wiederholt, sonst ist es ja langweilig. Aber so im Groben ist es schon so, dass ich das fertige Manuskript kriege und dann dazu dann nachträglich die Bilder stelle. Und dann geht es um den Arbeitsprozess, deinen Arbeitsprozess. Wir haben, glaube ich, insgesamt aus dem ganzen Konvolut an die 130 kleine Zeichenblätter, die mit mehreren Skizzen bezeichnet sind, mitgenommen. Da gibt es aber noch wesentlich mehr und es gibt einen riesigen Stoß an Skizzen. Also wie ist so der Arbeitsprozess, wie gehst du an Zeichnungen heran? Vielleicht schauen wir exemplarisch mal ins Buch hinein und zeigen einmal eine Zeichnung hier. Da ist ein Pfau mit... dem Pfau mit der Feder. Wie geht's da los? Also... Also, bei dem Buch hatte ich den irrwitzigen Anspruch, dass ich zu jedem einzelnen Textabschnitt ein Bild mache. Ich wollte, dass die Kinder alles, was da beschrieben ist, in irgendeiner Weise dann auch visuell bedient wird, dass die sich das angucken können. Dann hab ich unglaublich viel recherchieren müssen. Also ich habe mich da wirklich völlig, ich habe das total unterschätzt, weil man ja natürlich viele Dinge einfach nicht einfach so aus dem Kopf zeichnen kann. Also da kläre ich mich auf, wo man dann einfach Figuren zeichnet, Mensch, Figuren und Situationen und kleine Cartoons, da muss man ja nichts recherchieren. Aber ich bin ja nun keine Spezial-Tierzeichnerin, deswegen habe ich wahnsinnig viele Vorlagen, also hauptsächlich von vielen Büchern mir besorgt. Und die Katharina hatte natürlich auch schon ganz viele Bücher, die sie mir dann weiterreichen konnte. Aber Gott sei Dank gibt es das Internet mittlerweile, wo man einfach die Tiernamen direkt, man kriegt ja dann einfach sofort Bilder zu jedem Tier. dann einfach sofort Bilder zu jedem Tier. Aber manche Dinge sind auch Herausforderungen gewesen, wie zum Beispiel, also ich musste in englischsprachigen Seiten, musste ich lange recherchieren, bis ich zum Beispiel die Abbildung eines Marienkäferpenises gefunden habe. Das war also nicht so einfach, ja. Wenn man da jetzt zu unserem Kartenmotiv schaut, also dieser Balzvogel, Fregattenvogel, das ist nicht nur der Vogel, den du darstellst, sondern du hauchst dem Vogel eine Seele ein, fast eine menschliche Seele. Also nicht nur dem Vogel, sondern allen Tieren, die da drinnen sind. Wie ist da der Arbeitsprozess? Das geht ja nicht von heute auf morgen. Da braucht man ja viele Skizzen wahrscheinlich, oder? Also es war auf jeden Fall die Idee, dass wir mit den Zeichnungen da so eine Ebene reinbringen, dass wir so eine Art Vermenschlichung dann und so eine Art von, dass man sich irgendwie identifizieren kann mit diesen Wesen, dass das auf dieser Ebene passiert, dass die Katharina sehr sachlich beantwortet oder schreibt und ich dann eben so eine Humorebene reinbringe, wobei ich nicht sagen kann, dass das ein wahnsinnig langer Entwicklungsprozess ist, bis zu den Witzen oder so. Ich habe einfach diese Textblöckchen und dann skizziere ich ganz viel dazu und es ist ja einfach so wahnsinnig, es sind so viele Informationen gewesen, dass ich gar nicht die Zeit hatte, mir zu jedem einzelnen Cartoon einen langen Entwicklungsprozess zu erlauben. Deswegen, das passiert schon relativ fix. Also das sind oft die ersten Sachen, die mir dann so einfallen tatsächlich irgendwie und diese sprechblasen die dort drinnen entstehen was man sieht zwei vögel und eine frisur sitzt voll super das ist von dir ja ja also da genau also diese die texte die in den bildern vorkommen die sprechblasen das ist alles dann von mir also es vielleicht mal so dass die katharina auch eine idee eine Idee hatte und ich das dann mit integriert habe. Aber eigentlich zu 98, 99 Prozent sind die Bildideen und Witze dann auch von mir. Was das Besondere an dem Buch ist, von meiner Sicht aus, ist, dass das eigentlich ein sehr natürliches Thema, das aber ein Tabuthema ist, dann auf so eine lockere Weise, aber sehr informativ bearbeitet wird. Und dass verschiedene Situationen so dargestellt werden, es ist das Natürlichste der Welt, aber das Natürlichste der Welt auch natürlich darzustellen, ist, glaube ich, gar nicht so einfach. Hat es so irgendwelche Stationen gegeben, es du nicht mehr gewusst hast wie du das machen sollst also gibt es zum beispiel so machen es die tiere also seite einige die schildkröten würde das machen sieht man dann hinten in der ausstellung also jetzt beim beim abbilden von tieren mit beim geschlechtsverkehr, da habe ich jetzt keine Schwierigkeiten. Das weiß ich nicht, das mache ich halt einfach so. Da denke ich nicht groß drüber nach, das fällt mir nicht schwer. Aber es gab Bilder, wo ich wirklich nicht wusste, wie ich es darstellen sollte. Also zum Beispiel gibt es diesen grässlichen Text über die Haiembryonen, die sich gegenseitig auffressen, die haben ja dieses Prinzip, dass im Mutterleib das stärkste Embryo dadurch überlebt, dass er die anderen Geschwister aufisst. Also was so abscheulich ist und da gibt es tatsächlich auch Aufnahmen davon, also kleine Filme, wo man Kameras in die Gebärmutter der Hai-Mütter gepflanzt hat und man das beobachten kann. Und das ist einfach so schauerlich das gedacht wie soll ich das zeichnen und das war glaube ich das allerletzte bild was ich dann gemalt habe und es ist aber jetzt so brutal da drin wie es in wirklichkeit ist ja so es ist tatsächlich so drin verlegerin sagte genauso muss es dann auch zu sehen sein aber da gibt es dann ebenso auf der ebene dann schon s, die einfach krass sind, wo man dann nicht so richtig weiß erst mal, wie. Wie kommt das Buch bei der Zielgruppe an ab Acht Jahrenstädt hinten? Weißt du da was? Hast du da Feedback? Ja, wir haben ja auch zum Teil Veranstaltungen damit gemacht mit dem Buch. Die finden das schon total spannend. Wie gesagt, das Buch ist ja durch das Interesse und die Neugier überhaupt entstanden, weil die da total interessiert sind, sich das halt konkret mal erklären zu lassen. Ich gehe nochmal zurück zum Entstehungsprozess. Also es gibt da jetzt einen Text und du versuchst jetzt die erste Skizze zu machen, eine zweite Skizze und dann kommt es zur Reinzeichnung. Wie schwierig ist es, von einer flotten Skizze zu einer flotten Reinzeichnung zu kommen? Die Skizze ist das Schwierigere. Also wenn die Skizze dann steht, dann ist sie relativ schnell durchgezeichnet und koloriert. Also die Herausforderung ist in dem Fall vor allen Dingen auch gewesen, es war eine sehr komplexe Zusammenarbeit mit dem Hersteller, also mit dem Grafikdesigner, der die Schrift gesetzt hat, weil wir ja unheimlich viel dann, das sind ja so viele Text- und Bildbausteine, die man irgendwie dann zusammenkriegen muss. Das war halt so eine Herausforderung, auch dass das dann auch alles passt. Das heißt, so ein Seitenblatt ist dann immer so in Kommunikation? Das war unglaublich viel Kommunikationsarbeit. Wir permanent telefonieren eigentlich und dauer dauernd rum und reagieren. Da habe ich jetzt Platz und mache doch noch mal in der Größe was. Das war ein ziemliches Flickwerk. Die Originale, wie wir dann sehen werden, sind ungefähr A4 groß, zum Teil ganz kleine Zeichnungen. Du hast gesehen, wie die wirken, wenn sie groß sind. Was sagst du dazu? Wie Carina das so wunderbar großgezogen hat, das finde ich ganz verblüffend, wie das funktioniert. Ja, das ist schön. Also gefällt mir total gut. Es sind dann einige, wie nennt man so eine Seite, die man so aufschaut. Aufklappseiten. Aufklappseiten drinnen, wo dann wirklich so eine Informations, fast mit Informationsgrafik und auch hier ist genau wieder dasselbe Prinzip, dass man Tiere sieht, die dann irgendwie so wieder vermenschlicht sind. Ich glaube, das zieht sich über das ganze Buch irgendwie. Also ich meine letztendlich, wenn man sich jetzt den Elefant anguckt, das, was da vermenschlicht ist, ist ja eigentlich immer nur das Auge. Das ist das Verrückte, dass das irgendwie immer funktioniert. ob man jetzt eine spinne oder eine heuschrecke oder ein känguru oder ein elefant zeigt wenn das auge eine pupille hat dann ist plötzlich hat es plötzlich sehen also das ist ja ich habe mir da jetzt herausgeschrieben dass du ja glaube ich so fast alle preise die sind im illustrationsbereich gibt schon abgeräumt hast. Also Eulenspiegelpreis, Deutscher Jugendliteraturpreis, Emes Sachbus Buchpreis, Lux des Monats, Comicbuchpreis, Max- und Moritzpreis. Wahnsinn! Und wie viele Bücher hast du schon illustriert? Es sind über 100. Also an 100 habe ich mitgewirkt. Manchmal ist es auch nur das Cover für einen Kinderroman oder so, aber ich habe an über 100 Büchern mitgewirkt. Wir haben das Glück gehabt, wie wir die Arbeiten abgeholt haben, bei euch einen kleinen Einblick in das Labor, das ist eure Ateliergemeinschaft, in Frankfurt zu bekommen. Das sind ja sechs, sieben, ich glaube sieben sollten es sein. Im Moment sind es sieben, ja. Sieben Illustratorinnen und Illustratoren zusammen, die in einer Art Büro gemeinsam arbeiten, jeder in seinem Raum. Wie weit wird da über solche Projekte gesprochen oder wird das hergezeigt und sagt, schau mal drüber oder ist das eher so, man trinkt gemeinsam einen Kaffee und geht dann wieder arbeiten? Ja, also es ist ein bisschen unterschiedlich, aber es ist vielleicht weniger, als du dir das jetzt vorstellst oder man das sich so denken könnte, weil wir ja nun tatsächlich alle auf der gleichen Etage arbeiten. Aber in der Regel ist es schon so, dass dann irgendwann, also dass man sich zurückzieht mit seinem Projekt in seinen Gestaltungsbereich und dann steht irgendwann das fertige Buch im Regal. Es gibt manchmal zwischen manchen von uns Austausch. Zum Beispiel Jörg Mühle hat an der gleichen Schule studiert wie ich, deswegen sind wir eher mal so auch im Gespräch. Aber Philipp zum Beispiel ist auch so jemand, Philipp Wächter, da sehe ich meistens gar nichts davon, bis das Buch ganz fertig ist. Also es ist eher die Ausnahme, dass wir jetzt darüber diskutieren oder so. Also wir haben ja auch, machen ja auch Gemeinschaftsprojekte, da ist ganz viel Austausch, da sprechen wir natürlich permanent drüber und zeigen uns, was wir machen, weil wir das ja miteinander dann abstimmen müssen, aber die Projekte, die jeder für sich macht, die macht er eigentlich ziemlich zurückgezogen. Also eher so das Kaffeegespräch? Zusammen Mittagessen und auch ein bisschen jammern darüber, wie anstrengend das Projekt vielleicht gerade ist. Aber dass man sich mal Rat holt oder so, ist nicht unbedingt so der Regelfall. Also es sind Einzelstellen mal vielleicht, wo man sagt, kannst du mal gerade da drauf gucken, was ist denn jetzt besser oder so. Aber meistens möchte man ziemlich in Ruhe gelassen werden. Wenn man jetzt so ein Buch anschaut, ich weiß nicht, wie viele Illustrationen insgesamt dann drinnen sind, es hat 145 Seiten, wie lange dauert so ein Projekt? Also das Buch, da habe ich vielleicht ein halbes Jahr dann ausschließlich daran gearbeitet, nichts anderes gemacht und die letzten drei Monate dann wirklich durchgeklotzt und auch noch eine Praktikantin gehabt, die mir dann beim Kolorieren geholfen hat, die dann Photoshop-Flächen angelegt hat, die ich dann nur noch färben musste. Also da habe ich tatsächlich noch Unterstützung geholt, weil es durch diese ganze Recherche, wie ich gesagt habe, die ich so unterschätzt hatte, dann so viel Arbeit war, ein halbes Jahr intensive Arbeit. Ja, also ich finde es ein sensationelles Buch. Jetzt haben wir sofort angesprochen. Herzlichen Dank für dein Kommen und für die Ausstellung, die wir machen durften mit dir oder dürfen mit dir. Und ich hoffe, es werden sehr viele Leute sehen. Ganz herzlichen Dank für die Einladung, freut mich sehr hier zu sein.