Schönen guten Abend, liebe Damen und Herren, grüße euch liebe Freunde. Ich begrüße euch zur Vorlesestunde im DorfTV und wünsche einen interessanten Abend. Guten Abend, danke für die Einladung und die Bereitstellung dieser Möglichkeit an alle. Ich habe die Gelegenheit genützt, mein persönliches Publikationsarchiv, das vorwiegend aus Beiträgen für Anthologien besteht, neu und übersichtlicher zu ordnen und beginne mit einem Text, der in den Facetten 2004 abgedruckt war und der heißt Das Ende des Regens abwarten. Beinahe 48 Stunden ist es her, das Regen einsetzte, leicht ohne Andeutung des Beharrens. Die erste Steigerung des Regenfalls ließ ich meinen Liegeplatz verlassen und eine Bank unter Waldbäumen aufsuchen. Von diesem grün bedachten Platz aus schaute ich in den Regen, bis der schon heftige Wasserfall das Blätterwerk zu durchdringen begann. heftige Wasserfall das Blätterwerk zu durchdringen begann. Von andauernden Wasserstrichen begleitet das Schauen, mitunter ungeduldiges Zuwarten, Auftrocknen und dann wieder den Grautönen der Nässe aussetzen. Den von der Unterkunft aus wahrgenommenen Geräuschen, vom Aufkommen des Regens am Boden, von Zu- und Abnahme der Intensität des Regenfalls nachgehen, Eindrücke aufspüren und zusammenfließen lassen. Das wuchtige Vorbeiströmen der Wassermassen im Flussbett der Alm, die vielfältigen Klangwelten von zu Bächen vollgesogenen Rinnzahlen in Durchlässen aus Metall und Beton. Eindrücke in Bildern und Bewegungssequenzen wahrnehmen. Der eigene Film und seine Schnittstellen und Überblendungen. Das zu einem Regenbach verwandelte Rindsaal, dessen Wasser nicht mehr in die Alm abfließen kann. Überschwemmt eine Wiese, der angrenzende Vorhof wird etwa zur Hälfte von der Wasserdecke eingesäumt. Versunkener Weg, ein Weidezaun und Bäume als Anhaltspunkte im geweiteten Flusslauf, vor Scharnstein ins Ufer übergehende hausnahe Flächen, die zusehends vom Fluss eingenommen werden. Weiter abwärts die Verbindungsbrücke zum Sägewerk, wenige Handbreit vom nahezu vollständigen Eintauchen in die Strömung entfernt. Das Sägewerksareal auf etwa gleicher Höhe mit dem Übergang, der noch benützbar scheint. Gedrängte Felder. Der Wasserablauf an der Oberkante einer Stützmauer, den ich vorerst, verwundert über die Positionierung, in seiner sprühenden Heftigkeit als kleinen Wasserfall einordne. Einkaufszentrum Pettenbach. Der ortsgrößeangepasste Konsumwelt und der Dach. Kaffee mit einrieselnder Radiobeschallung, gekürzte Verweildauer. mit einrieselnder Radiobeschallung, gekürzte Verweildauer. Erkundung bislang blinder Flecken in meiner Ortsgeografie und Weiterfahrt zur Bahnhaltestelle Wülfling. Ausgedehntes Land, eingesäumt und durchzogen von Hügeln, bisweilen Aufhellungen, die den Anschein erwecken, als würde in nächster Zeit der Regen aufhören. Auf dem letzten Stück Weg Auskundschaften der Bewegungsspielräume auf klitschigem, von Wasserlachen durchzogenen Terrain. Versuch einer gedanklichen Rekonstruktion von Standort und baulicher Beschaffenheit der Haltestelle Wasserhub, die durch die Haltestellen Diensthofer-Siedlung und Wilfling ersetzt wurde. Altestellen-Diensthofer-Siedlung und Wilfling ersetzt wurde. Ansatzweise ist durch Streifen der Umgebung Annäherung an eine genauere Orientierung. Rückfahrt nach Grünau, Verlassen der Hochebene und Wiedereintauchen in das Tal entlang der Alm, Verhaltenes Wahrnehmen der Blickpunkte und Flächen aus der Bewegung in die Gegenrichtung. Entlang eines Dachvorsprungs und der Konturen der bis zur Hausmauer reichenden, vom Bahndamm aus abfallenden Weide suchen Schafe, dicht beieinander stehend und von Nässe gezeichnet, Schutz vor dem Regen. In all den Stunden mitunter Trostlosigkeit, wenn der anhaltende Regen von dunklen Wolken getragen wird. Am Tag der Abreise erneut ein sanftes Vordringen in das Tal Richtung Schindelbach, diesmal eine Abzweigung gewählt und entlang des Hollerbachs eingetaucht in ruhende Landschaft, vom Fahrrad abgestiegen und noch ein Stück bergauf zurückgelegt, ein Wirtschaftsgebäude aus Holz auf der ersten Anhöhe vorgefunden und unter dem breiten Dachvorsprung auf abgelagerten Rundhölzern vorerst Rast gehalten und schließlich diesen Platz als Umkehrplatz, als Ort des Verweilens vor der Rück- und auch Heimfahrt bestimmt. Platz als Ort des Verweilens vor der Rück- und auch Heimfahrt bestimmt. Mitunter durchzieht ein leichtes Schaudern meinen Körper, der Feuchtigkeit wegen die bei der Herfahrt in verhaltenem Regen durch die vielen Schichten Gewand, die ich mangels ausreichenden Regenschutzes über meiner Haut trage, gedrungen ist. Ich versuche meiner Unruhe auf die Spur zu kommen, überschreibe Gedanken, Ich versuche, meiner Unruhe auf die Spur zu kommen, überschreibe Gedanken, fertige Skizzen für anstehende Erledigungen, beginne diese Erzählung und gerate nach wenigen Zeilen ins Stocken, akzeptiere vorerst nicht, dass mein Kopf nicht mehr weiterarbeiten will und gebe schließlich, als die Anspannung bedrohlich wird, nach. Umherschauen, in die Landschaft einziehen, nimmt wieder in breiteren Bündeln Raum im Gefüge der Aufmerksamkeit ein. In Stunden verlaufen Stimmungen ineinander, verändern sich mit Form Dichte und Farbtönen der Wolken, dem Sichtbarwerden und Wiederverhüllen von Bergstreifen und Gipfeln. Der Regen wird zusehends schwächer, mündet in ein leichtes Nieseln, vereinzelt werden blaue Streifen am Himmel sichtbar. Helligkeit nimmt überhand, auch wenn die Bewölkung noch zu dicht ist, um Sonnenstrahlen durchzulassen. Dann, einige Minuten lang, ein erst erstes Inhalten des Regens. Und ausgehend von diesem Text ist es mir dann möglich gewesen, ein Buch in der Edition Linz zu veröffentlichen. Das ist mein einziges solistisches Buch. Die anderen Texte sind in Anthologien, also wie zuletzt in der Rampe über Eugenie Kain. Und ich lese da heute einen Ausschnitt aus diesem Buch, den ich bislang noch nicht gelesen habe. Also weder im Radio noch sonst wo bei Lesungen vor Publikum. Gesang der Vögel im Park, in den Bäumen und Sträuchern nahe der Küchenfenster. Würde gerne noch bleiben, um diesen Klängen nachzuspüren. Mich, wenn es wärmer ist, ans offene Küchenfenster setzen oder in die Wiese legen und zuhören. Wie jener Vogel, den ich schon sehr deutlich heraushöre, seine Komposition wiederholt und variiert, seine Position verändert. Auch den Eichkätzchen, die sich so behende in den Bäumen auf Ästen und Zweigen bewegen, würde ich gerne noch bis in den Herbst hinein zusehen. Als ich weggegangen bin am Nachmittag von zu Hause, war es draußen wie an einem Herbsttag, schon mit dem nahenden Winter im Genick. Dabei sind es die Blätter, die noch vom Herbst übrig geblieben waren, die der Wind jetzt von den Bäumen holt. Und der kalte Wind, der sich wieder breit macht, leitet nicht in den Winter über, sondern in das Hinauszögern des Frühjahrs. Doch der Schnee ist Schnee von gestern, selbst wenn er nochmals kurz die Erde bedeckt und es grünt. Die Pflanzen haben genügend Kraft, trotz schnell wechselnder Temperaturen und eisiger Winde aus dem Boden herauszuwachsen, weiße Tupfen dicht beieinander, aus dem Boden herauszuwachsen, weiße Tupfen dicht beieinander, Buschwindröschen, Sumpfdotterblumen in kleinen Waldstücken. Ich bin traurig, weil ich von diesem befristeten Zuhause weg muss, akzeptiere die Spielregeln, anstatt verrückt zu spielen und zu sagen, ich wohne hier, das ist mein Haus, meine Wohnung. Ich weiß doch ganz genau, dass ich zwar früher in Linz gewohnt habe, aber seit 1. März in Gmunden lebe. Und hier in diesen Räumen sieht es doch eindeutig nach mir aus. Sicher, es fehlt noch einiges an Inventar, das einstweilen in Linz geblieben ist. Aber es sieht danach aus, als wohnte ich hier und wo sonst, als dort, wo ich wohne, würden Bildfahrpläne im Hintergrund, signifikante Veranschaulichung von Zeit und Bewegung, Wegstrecken platziert sein. Nur kein Stillstand, kein Zurückfallen in das Unbewegliche. Etwas weiterbringen, mich dazu befähigen, etwas in Gang zu bringen, Ideen nicht versanden lassen. Nicht zu viel nachdenken, sondern handeln. Je mehr ich mir über etwas den Kopf zerbreche, desto komplizierter und undurchschaubarer bzw. schwerer durchführbar wird es. Nicht kopflos sein, aber mich nicht mehr auf diese Kopflastigkeit einlassen. Spüren, was ich will und das Denken dazu gebrauchen, dort hin zu gelangen. Ja, und dieser Raum da in Gmunden, das war das Atelier vom Land in der Villa Stoneboro in Wittgenstein. Zum Haus Sumreraus 96 hätte ich einen Text ursprünglich ausgesucht, aber das ist dann alles zu lang geworden. Ich habe nur herausgefunden, dass diese Inschrift im Haus Sumreraus 96, die mich dazu bewogen hat, die Sendereihe, die ich von März 2000 bis Mai 2011 geführt habe und nachher an die Wally Rettenbacher weitergegeben habe, die war die Freuden, die in der Heimat wohnen suchst du vergebens in fernen Zonen. Und ich bin dann draufgekommen, dass diese Inschrift vom Vater von Christian Denkmaier war. Achso, ja. Okay, Entschuldigung. Nein, Gott, nein, es ist so wie bei den schlechten Pornos, wo die durchstehen und woanders hinschauen. Also diese Hausinschrift war vom Vater von Christian Denkmeier. Und der hat da acht Jahre drinnen gelebt, bis dann sein Vater als Postmeister nach Neumarkt im Müllkreis gegangen ist. Ich sehe die Kamera ehrlich gesagt nicht gut. gegangen ist. Ich sehe die Kamera ehrlich gesagt nicht gut. Walter Piller, ich möchte mich kurz an den Walter Piller erinnern. Es ist glaube ich, ich habe wenig Menschen oder wenn überhaupt ganz wenig andere Menschen getroffen, mit ganz wenig anderen Menschen zu tun gehabt, die im Augenblick eine derartige Intensität zu leben imstande waren als Walter. Walter Pieler ist am 01.01.2018 gestorben und ich hatte stellenweise sehr viel mit ihm zu tun. Über Ilse Eichinger, die habe ich zwar nicht persönlich gekannt, aber ich habe einen kurzen Mail an die Pamela Neuwirth bei Radio Froh geschickt, als ich ein sehr interessantes Buch von der Ilse Eichinger entdeckt habe. Ich bin kürzlich auf unglaubwürdige Reisen gestoßen mit Reisefotos, die zwischen 2001 und 2004 im Standard und 2007 erstmals als Fischertaschenbuch veröffentlicht wurden. Die kurzen Erzählungen entstanden zumeist im Kaffeehaus, teils auch im Unfallkrankenhaus. In ihnen vermengen sich Gegenwart und Vergangenheit. Auch ihre Linzer Vergangenheit bringt sie zwischendurch zur Sprache. Eine ihrer Reisen führt von der Innenstadt nach Niedernhardt, wohin Eichinger und ihre Schwester vom Kindermädchen geführt wurden, von einem Kindermädchen, das irrtümlich aus der Psychiatrie entlassen wurde, wie Eichinger schreibt. Das ist jedoch nur eine winzige Fußnote in einem ganzen Universum, das in einer Art Short Stories zutage kommt, in dem Eichinger teils lakonisch mit der Distanz einer an Erfahrungen reichen Person, die sich jedoch nichts auf diese Erfahrungen einbildet, Erlebnisse aus mehreren Jahrzehnten mit geschichtlichem Wissen, Begegnungen und Befunden zu Vorgängen der Jetztzeit auf wenige Sätze reduziert. Diese Sätze tragen aber in sich, wozu andere Schreibende ein Vielfaches an Zeiten benötigen würden, was ich nicht wertend oder gar abwertend meine. Bei Eichinger spürt und bemerkt man, dass mit der Zeit auch ein Verdichtungsprozess im Erinnern stattfindet, der nicht mehr durch Abzweigungen in eine mögliche Vielzahl an Details abzulenken vermag. Es bleibt also eine sprachliche Essenz über, die auch Ausdruck der präzisen Handhabung von Sprache im Sinne eines Nichtzulassens von Verzerrungen oder Schleichwegen aus der Wirklichkeit ist. Für eine Lesung im Botanischen Garten habe ich damals im Dezember 2014 kurze Texte zusammengesucht, die kurz vor dieser Lesung entstanden sind. Einer dieser Texte war »Hden- und Heldinnenmut. Und ich habe damals bei dieser Lesung gesagt, das ist der am schwersten verdauliche Text. Und wahrscheinlich trifft es auch jetzt zu. Helden- und Heldinnenmut. Das Eindringen in kleine Dörfer im Morgengrauen. Verschleppen von Kindern, das Erschießen von Kindern, die versuchen zu fliehen vor ihren Peinigern. Das Anhalten eines Reisebusses und das Aussieben der Insassen in jene, die aus dem Koran zitieren können und jene, die das nicht können. Letztere werden zur Strecke gebracht. Das Töten von Menschen auf einem Marktplatz durch ein Selbstmordattentat. Ein zweites Attentat nach dem Eintreffen der Hilfskräfte. Was mit mir los ist, dass ich mich nach solchen Meldungen nicht sofort übergeben muss, weiß ich nicht. Ein Text, der auch bei Radio Froh als Kommentar der Woche Verwendung gefunden hat, stammt aus dem Jahr 2015 und heißt Krieg gegen den Terror und damals der Johanna Mikl-Leitner, Innenministerin und ihren Verbündeten gewidmet. Die Innenministerin träumt vom kleinen Krieg gegen den Terror. Da dürfen gepanzerte Fahrzeuge und Transporthubschrauber für die Polizei nicht fehlen. Und Visionen permanenter Überwachung und Bespitzelung. Die Vorratsdatenspeicherung, ein Instrument pauschaler Verdächtigung, soll natürlich auch wiederum verstärkt zum Einsatz kommen. Entschuldigung. Und bei der Gelegenheit räumen wir auch gleich gründlich im eigenen Haus auf und fügen den deutlichen Fortschritten bei der Justiz, die in Schauprozessen gegen Linke, Tierschützer und vermeintliche Schlepper, deren Verbrechen darin bestand, sich gegenseitig auf der Flucht aus nicht mehr erträglichen Verhältnissen geholfen zu haben, manifest wurden. Ein breites Übungsfeld der Polizei hinzu. Diese Operation ist schon seit Jahren im Gange. Am 1. Mai 2009 wurden in Linz bei der alternativen Kundgebung zum 1. Mai Polizisten aus fadenscheinigen Gründen gegen demonstrierende Rabiat. Diesem kleinen Versuchsballon in der Provinz folgte unter anderem 2014 die Räumung der Pizzeria Anarchia in Wien. Bei dieser Solidaritätsaktion der Polizei für die Besitzer des Hauses Müllfeldkasse 12 am 28.07.2014 kamen über den gesamten Zeitraum der Räumung 1454 Beamte zum Einsatz. Unter diesen Einsatzkräften befanden sich auch Beamte der Einsatzeinheit Wega. Diese brachten auch ein gepanzertes Spezialfahrzeug sowie Wasserwerfer zum Einsatz. Dem massiven, auch zur Sperre von Straßenzügen herangezogenen Polizeiaufgebot, das auch Beamte aus anderen Bundesländern umfasste, standen 19 Besetzerinnen und Besetzer sowie eine etwas größere Gruppe von die Besetzerinnen von außen unterstützenden Personen gegenüber. gegenüber. Am 12.01.2015 fordert die vom Treffen europäischer Innenministerin in Paris zurückgekehrte Innenministerin der Republik Österreich angesichts des europaweit drohenden islamischen Terrors die Aufrüstung der österreichischen Polizei. Mir kommt diese Sicherheitsoffensive bedenklich vor. Ebenso wie mir das Amt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung suspekt ist. Ich befürchte, dass die Attentate in Paris ein willkommener Vorwand sind, auch gegen innere Feinde noch massiveres Rüstzeug zu bekommen. Wir müssen uns gegen extreme Bedrohungen zur Wehr setzen, was auch heißt, die Einsatzkräfte der Polizei so gut als möglich zu schützen und schnellstmöglich von Punkt A nach Punkt B zu bringen, so die Argumentation der Innenministerin für die geplante Aufrüstung der Polizei. Man muss nicht naiv sein, um dieser Plausibilität nicht folgen zu können. Angst ist eine schlechte Beraterin. Ein großer Sprung für eine Anthologie oder die vorletzte Anthologie des fröhlichen Wohnzimmers mit dem Titel Sammlung, habe ich einige Gedichte geschrieben und eingeschickt und dann bin ich darauf gekommen, dass ich einen Formfehler begangen habe und eine Vorgabe, eine wesentliche Vorgabe, hinsichtlich des Versmaßes von Fritz nicht berücksichtigt habe. Daher sind diese Gedichte dann nicht abgedruckt worden und stattdessen ein passendes Gedicht. Aber eines dieser nicht abgedruckten Gedichte ist ganz kurz und stammt aus dem September 2020, heißt Urlaubsgedicht. Katzen kennt Klein Wien kaum. Paudorf bellt. Futterkatzen sind verschwunden. Das waren alles Orte, die zwischen Herzogenburg und Krems vorzufinden sind, in einer sehr schönen Landschaft, wo der Stift Göttweig auch in der Nähe ist. Ein kurzes Gedicht, das ich auf eine Postkarte geschrieben habe, die 1998 für die Bewerbung der Lange Nacht der Gaff bzw. die Broschüre, die damals entstanden ist, verwendet wurde. Da habe ich auf diese Postkarte an meine Freundin geschrieben, nachdem ich eine eher turbulente Szene mit einem Wachdienst, ähnlich wie bei uns in Linz, in Graz beobachtet habe. Auch in Graz wacht Ordnung über tobende Steirer. Weiter geht es mit einem Text aus der fröhlichen Wohnzimmer-Anthologie. Wurscht, Anthologie ist Anthologie. Was es mit dem Text auf sich hat, sage ich nachher. Nachher. Am Anfang war Felder, Bezau, Natterncafé, Buschbahnhof, Unterm Torf, Räu T, Plattenschall, Mell Au, Kartenmischen, Enterbe, Stag im Brand, Hirschau, Blankfälle, Oberm Torf, Schnepp, Vau, Sauhof, Au, Au, Au. Der Stein schlagt tausend Lux, hernieden in Wieden, strecken in Schrecken, Lügen aus Lugen, Schopp, Pernau, flieht aus Diet, ins lichte Grau, nächst Niederau. Rieses Reise endet beim Amt gemein und fehlt ein D. Eindrücke auch am Heimweg. Den Irrweg eines Geistlichen durch genaue Instruktionen beendet. Bahnsteig 1, S-Bahn Richtung Lindau. Wer in die Schweiz gelangen will, braucht weltlichen Beistand, wenn er im falschen Zug sitzt. Und das am Anfang war Felder, bezieht sich auf diesen Vorarlberger Schriftsteller und eine Ausstellung im Museum und die Namen, die ich da verwendet habe für dieses Gedicht, sind Ortsnamen, die man, wenn man mit dem Bus dorthin fährt, passiert, also Orte, die man dort passiert. Der Text, den ich jetzt lesen werde, ist namenlos und ist für die letzte Ausgabe der Anthologien im fröhlichen Wohnzimmer, zumindest hat es so geheißen. Diese Anthologie heißt, je schneller man sich bewegt, desto langsamer vergeht die Zeit. Und dieser Text, genauso wie die Anthologie, wurde heuer im Frühjahr veröffentlicht, also kam frisch aus der Druckerei und den lese ich jetzt. Die Zeit als fortwährendes Ärgernis, als zivilisationsbedingter Stressfaktor. Andacht vor dem Herde, vereitelt angestrebte Pünktlichkeit, doch meistens bloß zum Teil. Die Zeit als flexible Grundlage betrieblicher Abläufe. Der Leerwagenzug zum Kalkwerk fuhr heute eine Stunde früher. In vielen meiner Träume wird wie im Film Zeit verdichtet. Traumhafte Erlebnisse innerhalb längerer Zeitspannen laufen in nur wenigen Minuten ab. Je näher Haltestelle oder Bahnhof, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ich den Zug versäume oder mit nur geringem Zeitpolster am Bahnsteig einlange. Gerade erst hat der Schnellzug Wels passiert, schon nähern wir uns Hörschingen. In Schnellbahnzügen mit Halt in allen Stationen entsteht zumeist der Eindruck, die Fahrt würde abweichend zur tatsächlichen Fahrzeit länger dauern. Dass die Zeit bei schneller Bewegung langsamer vergeht, kenne ich vor allem aus Situationen ohne Zeitdruck, ungeachtet dessen, ob ich mich aus eigener Kraft fortbewege oder ob ich bewegt werde. Ich möchte mir die Zeit nehmen, den Kopf wieder frei zu bekommen vom Übermaß an Nachrichten. Und zum Schluss habe ich mir einen Text ausgesucht aus einem der mittlerweile zahlreichen X-Blätter, und zwar aus dem Blatt aus der Ausgabe Nummer 3, die dann eigentlich die Nummer 4 war, wo Illustrationen, Grafiken und Zeichnungen von der Ausstellung Klein kariert gelocht, die begleitend zur langen Nacht der GARF 2015 in der Linzer Studienbibliothek zu sehen war. Und 2019 ist dann ergänzt mit Texten dieses XXX-Blatt erschienen, das man sicherlich auch beim Kurt bzw. beim Christian Stöger, die Hausgeschichte ist mittlerweile, hat eine Fortsetzung erhalten, aber ich lese den zweiten Teil dieser Version, die in diesem X-Blatt drinnen ist. Das sollte sich noch ausgehen. Ich pfeife auf dein neues Dach, sagt Klara, und heizen tun wir immer noch für die Vögel, hat der Rauchfangherer gesagt. Das Dach sieht aber jetzt komisch aus, meint Manuel. Das Dach hat eine Beule bekommen und wenn man mit dem O-Bus vorbeifährt, glaubt man, das Dach gehört zu einem anderen Haus. Jetzt spinnst du auch schon Murdin Franz an. Gemeinsam fahren sie mit dem Lift in den vierten Stock, um im Vorraum der Wohnung von Clara und ihrer Mutter zuzusehen, wie ein Arbeiter im WC fluchend ein gusseisernes Abluftrohr demontiert. Das gute Stück zerbröselt ihm unter den Händen. Damit muss man in einem Altbau rechnen, meint dazu der herumgeisternde Teilhausbesitzer, dem die Wohnungen im vierten Stock gehören. Der rote Kater von Frau Mumpelgeier pinkelt ihm daraufhin ans Bein. Irgendwie könne er den Kater gut verstehen, sagt der Arbeiter, als der Teilhausbesitzer außer Reichweite ist. Er habe schon viel erlebt, aber eine dermaßen schwindsüchtige Konstruktion sei ihm bis jetzt nicht untergekommen. Clara beginnt lauthals zu lachen. Franz zeigt ihr den Vogel und geht oder fährt ab. Manuel fängt den roten Kater ein und bringt ihn zurück zu Frau Mumpelgeier. Der Höhlenbewohner tritt aus seinem Dachkammerl hervor und fragt, wo denn sein Meister geblieben ist. Klaras Mutter kocht Kaffee für sich und den Arbeiter, während die immer noch lachende Klara im Stiegenhaus beginnt, die Müllsammlung des Höhlenbewohners die Stiege hinunterzuwerfen. Piesinger, auch Bauherr genannt, und Baufrau Sophie kommen die bereits zerbröselnde Treppe zwischen Dachgeschoss und viertem Stock herunter, ignorieren die immer noch stinkende Fischdosen und anderes Zeugwerfende Klara ebenso wie den jammernden Höhlenbewohner und betreten die Wohnung von Klara und ihrer Mutter. wärmenden Höhlenbewohner und betreten die Wohnung von Klara und ihrer Mutter. Puh, bei euch pfeift's aber, sagt der Bauherr. Ist euer Häusl nicht dicht? Sophie, ich brauch einen Schnaps. Die Baufrau reicht ihm die Flasche mit dem Enzi an. Der Bauherr nimmt einen kräftigen Schluck, schnurrt sich einen Tschick vom Arbeiter, tritt auf die Schwelle zum Häusl und zündet sich die Zigarette an. Sekunden später zerreißt es die Klo-Muschel mit Getös und Schall. Piesinger sinkt wie in Zeitlupe zu Boden. Daraufhin gespenstische Ruhe. Fast. Denn der Höhlenbewohner stimmt nun ein Klagelied von den von Trümmern der Klo-Muschel am Kopf getroffenen Bauherrn an. Frau Bankroth aus dem ersten Stock entsteigt dem Lift und verkündet lauthals, dass man in diesem Haus seines Lebens nicht mehr froh sein kann. Der Teilhausbesitzer versucht, über die von Klara vermüllte Stiege zu seinem Besitz vorzudringen, vergeblich. Nach dem fünften Anlauf bleibt er erschöpft auf dem Berg von Dosen und Plastikflaschen liegen. Klaras Geschichte endet vorerst an dieser Stelle. Danke sehr, es kommt der Gurt. Nur mehr kurz, kurz, kurz, kurz, ja, solange es nicht das Sepatium ist. kurz, so zu sagen. Kurz, ja. Solange es nicht eine Sepatierung ist. Danke, Erich, fürs Lesen, fürs Kommen. Danke Ihnen und Euch fürs Zuschauen, Zuhören. Wir sehen uns wieder, hoffentlich, in 14 Tagen, wieder am Abend, 19.30 Uhr, wenn es heißt Vorlesestunde bei Dorf TV. Danke.