Wie ist die Situation in Linz? Am 26. September finden in Oberösterreich die nächsten Landtags- und Gemeinderatswahlen statt. In Linz werden Gemeinderat und Bürgermeister, Bürgerin, Bürgermeisterin gewählt. Der Linzer Stadtkulturbereich hat sich das zum Anlass genommen für eine Gesprächsreihe mit Politikerinnen der Linzer, der im Linzer Gemeinderat vertretenen Parteien, mit den Kultursprecherinnen und den Kulturverantwortlichen. Heute das dritte Gespräch in dieser Reihe. Mein Gast, Gerlinde Grün, Gemeinderätin für die KPÖ. Danke fürs Dabeisein. Danke für die Einladung. Ich sage kurz, worum es in dieser Gesprächsreihe geht. Wir wollen uns ein Bild davon machen, was die Menschen in Linz kulturpolitisch in der nächsten Gemeinderatsperiode erwartet, welche konkreten Projekte, Ideen, Perspektiven es gibt, aber auch, wo ganz grundsätzlich bei den unterschiedlichen Parteien die jeweiligen Schwerpunkte liegen. Parteien die jeweiligen Schwerpunkte liegen. Also wofür stehen die Parteien im Gemeinderat kulturpolitisch und interessant natürlich auch, worin unterscheiden sie sich dann auch. Ja, vielleicht ein paar Worte zum Linzer Stadtkulturbäirat. Ich bin der Vorsitzende des Linzer Stadtkulturbäirates, mache diese Gespräche gemeinsam mit meinen Kollegen, Kolleginnen aus dem Vorsitzteam. Der Beirat wurde 2001 ins Leben gerufen, ist ein Beratungsgremium für die Stadt Linz und besteht aus maximal 24 Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Bereichen, nicht nur Kultur im engeren Sinn, sondern auch Kunst, Wissenschaft, Bildung, Schulen, Universitäten. Ja, ich bin hier heute in meiner Funktion als Vorsitzender des Staatskulturbeirates und darf noch einmal, Gerlinde, dich herzlich hier begrüßen, beziehungsweise danke für die Einladung, weil ich bin ja eigentlich bei euch. Aber da kommen wir gleich dazu. Kurz zu deiner Biografie. Du bist seit 2009 im Linzer Gemeinderat für die KPÖ beruflich. Du hast Geschichte studiert, hast als Sozialpädagogin gearbeitet und hast gerade gesagt, du bist derzeit hauptberuflich Gemeinderätin und wahrscheinlich als einzige Gemeinderätin der KPÖ sowieso mit mehr Arbeit als vielleicht die anderen Kolleginnen belastet. Ja, wir sind hier, wir haben uns ja bei dieser Reihe vorgenommen, dass wir an Orten die Gespräche machen, die für die jeweiligen Interviewpartner kulturell, künstlerisch besonders wichtig, interessant sind. Und wir sind heute in der Melicher Straße 8. Das ist nicht nur das Parteibüro, die Homebase der KPÖ in Oberststreich bzw. Linz, sondern, wie du mir geschrieben hast, Gelinde, auch ein Haus der Kultur. Wie hast du das gemeint? genannt. Es ist ein Haus, das linke Geschichte atmet. Wenige Menschen in Linz, die im Kulturbereich aktiv gewesen sind, haben uns noch nie besucht. Also es ist ein Haus, das aufgeladen ist, auch für mich persönlich aus Emotionen. Es ist natürlich auch mein politisches Zuhause. Das Haus hat eine recht interessante Geschichte. Das Haus ist 1910 gebaut worden. Wenn ihr euch die Melchiorstraße anschaut, das ist eine Straße mit sezionistischen Stil, früher in der Vorstadt gebaut und ursprünglich ist das Haus gebaut worden für die Boschacher Bierbrauerei, weil in diesem Haus ist das Flaschenbier abgefüllt worden. Da sind die Brauereipferde herübergefahren und das, wo wir vorne raus das Haus, da ist diese Flaschenbierabfüllanlage gewesen. Und in den 60er Jahren hat die KPÖ dieses Haus erworben, weil in diesem Haus war, das war ein Pressehaus, nämlich für die KPÖ-Tageszeit und die Neue Zeit. Darum steht ja auf der einen Front von unserem Haus ist Neue Zeit, da eine Zeitung drauf. Und hier drinnen haben Persönlichkeiten gearbeitet wie der Franz Kain, der Franz Kain auch Kapitän, Gemeinderat, Schriftsteller und Widerstandskämpfer, der Karl Wiesinger, auch ein Literat, ist in diesem Haus ein- und ausgegangen. In diesem Haus haben schon sehr viele Lesungen, Feste stattgefunden und es hat eine Zeit lang auch einen eigenen Kulturverein gegeben, der halt Vernissagen gemacht hat. Also es ist ein Haus, das umfassend kulturell genutzt wird. Derzeit ist es so, dass das Haus, das obere Stock wird genutzt für Musikateliers. Wir haben Tonstudioerinnen. Bei uns ist es auch ein Billion der Künstler hat da sein Atelier, weil für unsere politische Tätigkeit nützen wir eigentlich nur den ersten Stock aus Bürobräumen. Ja, es ist ein Haus, das sehr lebendig ist. Wir haben eine eigene Bibliothek und Kultur ist für uns halt sehr wichtig. Und es ist auch in dem Sinn für uns sehr wichtig, weil wir auch selber gern veranstalten. Bleiben wir gleich beim Hauptthema dieses Gesprächs, nämlich Kultur. Vielleicht Kultur im engeren Sinn gemeint. Gesprächs, nämlich Kultur, vielleicht Kultur im engeren Sinn gemeint. Ich habe mir in der Vorbereitung das Wahlprogramm für die Wahlen 2021 angeschaut, was ihr da in ein paar Seiten, ihr skizziert hier ein sehr katastrophales Bild von Wirtschaft und Gesellschaft. Und dann heißt es einmal, es gilt solidarisch aus der Krise zu kommen. Was kann die Kultur, was kann die Kunst dazu beitragen, aus der Krise zu kommen? Ich denke einmal, das, wie ich Kultur und Kunst sehe, ist einfach für mich wichtig. Kultur und Kunst gibt Anstöße, Denkanstöße. Kultur und Kunst ermöglicht eine Weltsicht, die anders ist als der Mainstream und das ist für mich die Hauptaufgabe der Kunst. Und ich denke, in der Krise, in der wir uns momentan befinden, also die Pandemie, die wir erleben, ist ja jetzt nicht der Beginn einer Krise, die wir haben, sondern die Krise gibt es ja schon sehr viel länger. Es ist ja nicht so, dass jetzt alles plötzlich schlecht geworden ist und vorher war alles gut, so ist es ja nicht, sondern die Pandemie hat dazu geführt, dass diese gesellschaftlichen Widersprüche, die es gibt, auch im Kunst- und Kulturbereich, vor allem für die Menschen, die dort arbeiten, weil sie halt sehr wenig verdienen, die ganze Krise hat das jetzt noch mal verschärft und noch klarer zu Tage gebracht, was alles in dieser Gesellschaft nicht rund läuft. Und ich denke, der Beitrag von Kunst und Kultur zur Überwindung der Krise ist meiner Ansicht nach eine andere Weltsicht einzubringen und auch Praktiken eines solidarischen Zusammenhalts zu entwickeln. Ich möchte die Gelegenheit nützen, nicht nur über die konkreten Ideen, Überlegungen zu diskutieren, sondern schon auch das Grundsätzliche anzusprechen, Visionen, Utopien. Üblicherweise, wenn man über Kultur diskutiert, geht es meistens ums Budget, es geht um vielleicht konkrete Projekte, gegen oder für die jemand eingestellt ist. Aber wenn man es grundsätzlich betrachtet, was müsste sich eigentlich an der Kulturpolitik insgesamt und besonders hier in Linz ganz grundsätzlich ändern? Das große Thema und das verfolgt ja die Kulturpolitik schon seit Jahren in Linz, ist, wie kann man es schaffen, dass man die Menschen, die Kultur produzieren und für uns gestalten, so absichern in ihrer Existenz, dass sie nicht prekarisiert sind und am Rande leben müssen. Ich denke, das große Thema ist nach wie vor das, wie schaffe ich es, dass ich Menschen, die im Kulturbereich tätig sind, so absichern kann, dass sie sozial versichert sind, dass sie ein Auskommen haben, dass sie ihre Miete zahlen können, dass sie ein bisschen was ansparen können. Und ich denke, das ist für mich die Basis, was geändert werden muss, dass in dem Bereich einfach auch existenzsichernde Gehälter vorhanden sind. Also das ist kein neues Thema, sondern umso mehr stellt sich das jetzt in der Krise. Wie können Menschen, die halt in dem Bereich ihr Brot verdienen oder halt ihr künstlerisches Ideen ausleben, so abgesichert werden, dass sie gut durch die Zeit kommen. Jetzt ist wahrscheinlich die wirtschaftliche Absicherung der Kunst- und Kulturschaffenden, ich sage jetzt mal wahrscheinlich für fast alle Parteien, ein wichtiges Thema. Die Unterstützung gerade der freischaffenden Künstlerinnen war auch in den bisherigen Gesprächen oder der freien Szene ein wichtiger Punkt. Was wäre da das Besondere einer kommunistischen Kulturpolitik, wenn man so will? Was würde euch da unterscheiden von den anderen, die ja auch für die Absicherung der Kunst- und Kulturschaffenden eintreten? Ich denke, es ist ja bekannt, die KPU bekennt sich zum Beispiel zu einem bedingungslosen Grundeinkommen. Und ich denke einmal, der Schritt hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle Menschen könnte darüber laufen, dass man mal ein Grundeinkommen für Menschen schafft, die im Kunst- und Kulturbereich tätig sind. Weil wir wissen, gerade in diesem Bereich gibt es sehr viel Lebensverhältnisse, die am Rand stehen und umprekarisiert sind. Ich denke einmal, der erste Schritt, den ich für notwendig halten würde, war für Menschen, die in diesem Bereich beschäftigt sind. Und das fängt jetzt wirklich an von der Reinigungsfrau, weil für mich ist ein Kunstprozess jetzt nicht nur der oder der Mensch, der das momentan schafft, sondern es gehört halt das Ganze rundherum dazu. Das fängt an beim Tontechniker, geht über die Grafikerin, geht hin bis zu denjenigen Menschen, die draußen stehen und da buddeln und dann auch noch das Catering machen für die Situation, dass man die Menschen durch ein Grundeinkommen einmal absichert, dass sie zumindest ihre Existenz gesichert haben. Ich denke, so etwas in die Richtung würden wir brauchen. Das ist ganz klar. Das ist jetzt keine kommunalpolitische Lösung, weil ein Grundeinkommen, das ist was, das muss ja auf Bundesebene gelöst werden. Das kann jetzt die Stadt alleine nicht lösen. Also ein Grundeinkommen als Voraussetzung dafür, um überhaupt arbeiten zu können, gewissermaßen die Voraussetzung für das, was dann an Angeboten überhaupt bestehen, existieren kann. Aber wenn, das ist auf der einen, das ist gewissermaßen der budgetäre Zugang, die Menschen mit den Mitteln ausstatten, die sie brauchen. Aber was wäre der inhaltliche Zugang? Was sollen die dann kulturell, künstlerisch produzieren? Wie sollen die Angebote sich ausschauen? Wie sollen die sich weiterentwickeln? Ich denke mal, ich gehe jetzt von dem aus, was ich zumindest als Konsumentin von Kunst und Kultur gerne haben möchte. Also ich bin zum Beispiel ein Mensch, ich habe das Glück gehabt, von meinen Eltern, ich komme aus einer Arbeiterfamilie, aber meine Eltern haben sehr großen Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder gute Bildung bekommen. Meine Eltern haben sehr großen Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder gute Bildung bekommen. Meine Eltern haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass gelesen wird. Ich denke einmal, was für mich wichtig ist, dass das, was kulturell erschaffen wird, gemacht wird, dass das irgendwas ist, was die Gesellschaft inhaltlich weiterbringt. Ich hätte gerne Angebote, die dort ansetzen, wo ich Menschen berühren kann, in ihren alltäglichen Sorgen und Problemen und einfach Räume öffne, um zu überlegen, wie kann denn die Welt anders geschaffen sein als momentan. Nämlich momentan haben wir eine ungerechte Welt, aber wie kann sich die Welt verändern, dorthin, dass Menschen besser zusammenleben können, auch angesichts der großen Herausforderungen, etwa der Klimakrise, die vor uns stehen. Es ist klar, nach der Pandemie kann es zumindest für mich nicht so sein, dass wir wieder zurückgehen in den Ursprung davor, weil der war auch nicht gut. Also ich glaube, Kunst- und Kultur kann da einen wichtigen Beitrag dazu schaffen, unsere Denkräume über Alternativen, wie wir leben wollen, zur Verfügung zu stellen. Das war mein Anliegen des Heligerden. Wenn du schon ansprichst, die Zeit vor der Pandemie. Jetzt geht es ja schon langsam schrittweise wieder los, oder man muss fast sagen, es geht wieder so weiter wie vor eineinhalb Jahren. Wäre jetzt nicht die Zeit, um gerade im Kulturbereich andere Maßstäbe, andere Strategien anzugehen, beispielsweise im Zusammenhang mit der Massenkultur, mit dem Spektakel? Das ist immer wieder eine Frage, die kommt. Wie geht man um mit der sogenannten Spektakelkultur? Ich denke einmal, die Kritik an der Spektakelkultur ist insofern berechtigt, weil das einfach eine kulturelle Auseinandersetzung mit der Kunst zur Verfügung steht, die rein konsumistisch ist und die Menschen nicht dazu auffordert, selber tätig zu werden. Also diese Kritik teile ich. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass es Angebote gibt, wo Menschen selber teilhaben, sich an Kunst- und kulturellen Prozessen beteiligen können. Das wäre einmal wichtig. Aber da muss ich halt einmal hinausgehen, aus der Blase der Menschen, die schon kulturell interessiert sind und die Voraussetzungen haben und zu Menschen hingehen, die keinen Zugang haben. Ich habe lange als Sozialarbeiterin gearbeitet mit vor allem langzeitbeschäftigungslosen Menschen, die null Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Sozialarbeiterin gearbeitet mit vor allem langzeitbeschäftigungslosen Menschen, die null Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Und ich habe das immer dazu genutzt. Ich habe immer einen freien gestalteten Vormittag mit ihnen nutzen können und ich bin dann immer mit ihnen gerne ins Kunstmuseum gegangen, um einfach mit ihnen moderne Kunst zu diskutieren. Und ich habe mir immer bewusst Ausstellungen ausgesucht, die jetzt nicht das Gängige sind, sondern etwas Besonderes. Und das war für mich immer eine großartige Erfahrung. Es waren sehr viele Menschen, ältere Menschen, die aus dem Arbeitsprozess rausgefallen sind, weil sie schon körperlich nicht mehr in der Lage waren. Es waren so viele Menschen mit migratischem Hintergrund, die vorher nie die Chance gehabt haben, einen kulturellen Prozess zum Beispiel in einer Form von Museum teilzunehmen. Ich halte Kunst und Kultur für ganz etwas Wichtiges, weil man muss dort hinbringen zu den Menschen, die bis jetzt keinen Zugang dazu haben, um ihnen auch die Chance zu geben über Kunst und Kultur Neues zu erfahren, neue Möglichkeiten zu haben. Ich denke, das ist ein großes Manko, das wir in dieser Stadt haben, dass kulturelle Angebote, die es gibt, die sehr gut sind und sehr vielfältig sind, aber nicht dorthin kommen, wo Menschen sind, die bis jetzt noch keinen Kontakt zu Kultur und Kunst haben. Ich denke, das war eine ganz wichtige Sache. Das war auch da dann mal rausgehen aus der Innenstadt mit kulturellen Angeboten und dorthin gehen, wo die Menschen sind, die bis jetzt keinen Zugang gefunden haben. Ich glaube, das ist sogar im Kulturentwicklungsplan drin. Da geht es immer um die, das hat man ja schon erkannt, wie kann man zum Beispiel Menschen mit migrantischem Hintergrund mehr einbinden in das kulturelle Geschehen. Aber bis dato, wie wir wissen, ist da noch nicht so viel passiert. Und ich halte das für ganz wichtig, dass man das auch dorthin trägt. Damit hast du zwei Problemfelder angesprochen, die auch immer wieder im Stadtkulturbäuerrat diskutiert werden, nämlich einerseits das migrantische Publikum, Menschen mit Migrationshintergrund in den Kultureinrichtungen, am Kulturangebot und andererseits generell das Thema der sogenannten Kulturfernen. Und was vielleicht auch noch mitschwingt, ist die Distanz oder Nähe zum kulturellen Angebot an sich. Die Kulturmeile an der Donnerlände ist von hier vielleicht 10, 15 Minuten zu Fuß entfernt. In fünf Minuten ist man ja bei einem Auto dort, also im Grunde genommen ganz nahe, aber trotzdem, selbst hier in der Melicher Straße hat man das Gefühl, man ist draußen. Was könnte die Stadt konkret unternehmen, um die kulturfernen, sag ich es nochmal unter Anführungszeichen, stärker ins Angebot hineinzunehmen? Also zum Beispiel, wir haben in unserem Haus auch den Verein Umut, das ist ein türkisch-politischer Verein. Und ich denke mal, man sollte da nicht hochnäsig sein und behaupten, diese Menschen leben keine Kultur. Vielleicht ist es genau umgekehrt, dass sich die Stadt oder die etablierte Kulturszene nicht interessiert für das, was in den migrantischen Vereinen passiert. Weil da passiert ja genauso Kultur. Aber es wird halt nicht als solche wahrgenommen. Ich denke einmal, es wäre wichtig, dass man halt hingeht, wo es solche Vereine schon gibt und mit denen darüber spricht, wie kann man denn da, wie kann man denn tun, wie können denn wir von euch partizipieren und ihr von uns. Ich denke, es ist immer so, es wird immer, es wird weniger mit den Angenommenen gesprochen, es wird über sie gesprochen, aber man redet nicht mit ihnen, was denn da ein Angebot war, was interessant ist. Ich denke, das ist immer so ein bisschen, ein wenig hochnäsig, wie man damit umgeht. Man geht nicht hin, zu einer sagt, was braucht ihr, was wollt ihr, was interessiert euch, sondern man schlägt, man gibt etwas vor, was es schon gibt und was man glaubt, das gefällt uns oder das gefällt den Etablierten und setzt es einem vor die Nase. Und ich denke, da kann viel passieren, wenn man das anders angeht. Also du meinst, es geht nicht nur um Vermittlungsarbeit, es gibt ein Angebot im Museum und dann überlegt man, wie kann ich das vermitteln, sondern es geht um die Frage, wie schaut das Angebot überhaupt selbst aus. Genau. Wir haben ja schon als Stadtkulturbeirat vor sechs Jahren eine Gesprächsreihe dieser Art gemacht und du warst damals auch schon zu Gast. Das Gespräch hat 2015 Thomas Diesenreiter für den Stadtkulturbeirat geführt und er hat das Gespräch damit begonnen, das heißt, es hat auch Baustelle Kultur geheißen, mit der Aussage, dass in der damals letzten Gemeinderatsperiode relativ wenig Baustellen im Kulturbereich gelöst wurden. Wie schaut es jetzt, sechs Jahre später aus? Hat man die Baustellen in der Kultur abgearbeitet oder sind sie vielleicht sogar noch neu dazugekommen, verschärft? Ich denke einmal, dass wenig geschehen ist. Es hat auch einen Grund, wir dürfen nicht vergessen, in der letzten Gemeinderatsperiode ist es ja schon so gewesen, dass es ein Kürzungspaket gegeben hat. Im Rahmen dieser angeblichen Budgetkonsolidierung hat die Stadt ein Sparprogramm gefahren, das ja auch im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich durchgeführt worden ist und das kann nur kontraproduktiv sein, wenn man vorher Papiere beschließt, die ja nicht schlecht sind, aber die halt Investitionen erfordern. Also diese Sparpolitik oder Kürzungspolitik, die die Stadt gemacht hat, wir erinnern uns, die Stadt hat Stadtbibliotheken eingespart, die Stadt hat zum Beispiel das Gratisessen in den Kindergarten eingespart, also sie ist da wirklich, ich sage einmal, nicht sehr klug vorgegangen in diesem Prozess und natürlich, wenn ich kein Geld einstecke, kann ich nicht recht für sie verändern. Das funktioniert einfach nicht. Wir sehen sie jetzt, machen sie es. Jetzt haben sie es zumindest richtig erkannt während Corona, dass man sagt, man muss investieren, wenn man etwas überwinden will und haben jetzt zum Beispiel investiert in die freie Szene und im Kulturbereich mit Geld. Das war der richtigere Weg, also als Kürzungspolitik zu betreiben und dann zu glauben, es kann sich da etwas verändern. Das ist eigentlich, rückblickend ist ja diese Gemeinderatsperiode ein Auf und Ab gewesen. Genau. Nämlich der Anfang war gleich ein Sparprogramm mit der Diskussion, dann auch der Widerstand aus der Szene. Ein Teil der Sparmaßnahmen hat man wieder abfedern können. Dann hat es dann 2019 zum ersten Mal seit vielen Jahren eine kleine Rechercheerhöhung gegeben. Also immerhin 250.000 Euro für den Bereich der freien Förderungen, wobei etwa zwei Drittel davon, kann man sagen, in die sogenannte freie Szene fließen würden. Und dann im letzten Jahr die Corona-Krise. Und zum ersten Mal hat man im letzten Jahr eigentlich wirklich das Gefühl gehabt, es wird über die soziale Lage der Kunst- und Kulturschaffenden ernsthaft diskutiert. Gefühl gehabt, es wird über die soziale Lage der Kunst- und Kulturschaffenden ernsthaft diskutiert. Mittlerweile flankiert vielleicht von diesen Förderprogrammen vom Landbund und hat man aber das Gefühl, dass dieser Stellenwert, den die Kunstschaffenden gehabt haben, schon wieder weg ist vom politischen Radar. Ja, das ist sicherlich eine Einschätzung, die ich teile. Es ist ja keine Frage, dass auf die Kunst- und Kulturbeschäftigten in der Anfangsphase vollkommen vergessen worden ist und lange Zeit überhaupt nichts getan worden ist, um hier aktiv zu werden. Es hat ja da auch heuer noch Aktionen gegeben. Ich kann mich erinnern vom Kulturverein Festival des politischen Liedes, der hat Aktionen gemacht Hunger auf Kunst und Kultur und hat Martin Lutherplatz zu Kundgebungen aufgerufen, um auf die Situation der präkarisierten Beschäftigten im Kulturbereich hinzuweisen. Man muss sagen, man hat es hängen gelassen. Es ist anscheinend so eingeschätzt worden, dass Kunst und Kultur nicht wirklich wichtig sind. Man hat darüber hinweg geschaut und hat eher geschaut, dass man an anderen Baustellen herumschaufelt. Und vor allem dürfen wir auch nicht vergessen, sehr viele, die schon sehr gut versorgt sind, haben dafür geschaut, dass sie noch etwas Abgraben kennen von den Förderungen. Und was vielleicht bewusst worden ist in vielen Menschen, die gerne Kunst und Kultur konsumieren, dass die Abwesenheit von der Möglichkeit, Kunst und Kultur zu haben, dass das doch nicht sehr angenehm ist. Also ich glaube, da ist schon sehr vielen Menschen bewusst worden, dass das schon ein wichtiger Teil unseres Lebens ist, so ein Angebot zu haben und dass das fehlt, wenn es nicht da ist. Ich glaube, da ist schon ein Bewusstseinsschub passiert. Was jetzt aber natürlich die soziale Lage im Kunst- und Kulturbereich hat, da muss man sagen, da gibt es ja auch Unterschiede. Das hat ja nicht alle gleich getroffen. Wer eine fixe Anstellung gehabt hat in einem Kulturhaus, der hat sich ja darüber retten können über Kurzarbeit und diese ganzen Geschichten, der war vielleicht jetzt direkt weniger betroffen als jemand, der prekär oder auf Honorarbasis arbeitet, der viel dran gekommen ist. Da gibt es ja auch große Unterschiede bei den Menschen, die dort arbeiten. Und ich denke, was jetzt nötig wäre, ist, dass sich diejenigen, die jetzt in dem Bereich arbeiten und die Erfahrung jetzt gemacht haben, so kann es nicht weitergehen, jetzt sich nicht wieder zurückziehen und sich mit dem begnügen, was sie mit den bosamen Begnügen, die halt hinkaut werden, gerade in Wahlzeiten wird ja viel versprochen, sondern dass sie sich anfangen zu organisieren und halt wirklich einzufordern, dass auch Menschen, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiten, einen anständigen Lohn brauchen, weil die müssen wie alle anderen Menschen genauso ihre Miete zahlen, die haben genauso ihre familiären Verpflichtungen, die müssen genauso ein bisschen was auf Zeiten, wenn ebenfalls ein Notfall passiert, dass die genau dieselben Bedingungen brauchen wie andere auch. Und ich denke, das ist ein ganz wichtiger Erkenntnisprozess und es wird wie überall auch aus der Erfahrung der Arbeiterbewegung so sein, ohne gute Organisierung wird man diesen Zustand nicht überwinden können, weil oben wird es keine Geschenke geben, weil wir wissen, wo die Geschenke wirklich landen. Und eine wichtige Frage noch dazu, das ist jetzt ja die Frage, wer wird die Kosten der Krise bezahlen? Man muss wahrscheinlich wieder über kurz oder lang mit Einsparungen und Konjunkturpaketen in die andere Richtung denken. Damit zu rechnen, ja. Du würdest dir dann, wenn ich es richtig verstehe, einfach mehr Widerstand, mehr Organisation aus der Kunst und Kultur selbst erwarten. Im letzten Gespräch hat das… Ich kann keine Zurufe machen, aber ich würde es empfehlen, sage ich einmal. Man kann zurückblicken in der Geschichte, wie Kämpfe um soziale Rechte und Arbeitsrechte erfolgreich waren. Und erfolgreich waren sie dann, wenn sie Menschen, die zu Ansicht gekommen sind, sie werden um ihre Existenz betrogen, weil andere sich einfach das Geld holen, das eigentlich ihnen zustehen würde, dass das ohne Organisation und Zusammenhalt und Traubleiben nicht funktioniert. Sie werden es nicht herschengen, sage ich. Was könnte der Stadtkulturbeirat als Beratungsgremium der Stadt Linz dazu beitragen, die Situation nachhaltig zu verbessern? Ich denke einmal, man sollte den dort Anwesenden, Politikern und Politikerinnen, die auch im Stadtkulturbereich hin und wieder vorbeischauen oder regelmäßig hoffe ich, dass man das denen jedes Mal wieder sagt, so schaut es aus, so geht es uns, die Geschichten kennen wir, was soll man tun, ihr habt so viel Geldsackerl, euch betrifft es nicht, aber was ist mit uns? Wir müssen genauso wie alle anderen, genauso wie der Bauingenieur, genauso wie eine Frau, die an der Kasse arbeitet. Oder wir müssen genauso unsere Mieten zahlen, wir haben genauso unsere Kinder zu versorgen. Und wie stellt sich das vor, wenn wir in unserer Existenz nicht besser dastehen? Geht es nicht. Man muss einem das glaube ich immer wieder sagen, weil ich, weil ich bin jetzt ja auch schon lange im Gemeinderat und ich muss sagen, die Menschen, die dort drinnen vertreten sind und Gemeinde und Gemeinderäte, sind überwiegend Menschen, die keine sozialen Nöte kennen aus der eigenen Erfahrung und darauf angewiesen sind, dass immer wieder gesagt wird und schon schaut es aber wirklich aus. Man muss es ihnen sagen. Auch wenn sie es nicht hören wollen. Ja, also zwei Dinge möchte ich noch ansprechen. Das eine, du hast es kurz angemerkt, im Staatskulturbeirat sitzen die Politikerinnen und Politiker. Es gibt ja gemeinsame Treffen aus Stadtkulturbeirat und Gemeinderätinnen und Kulturschuss, also alle, die sozusagen für die Kultur innerhalb der Stadtpolitik Verantwortung tragen. Du bist als Gemeinderätin der KPU hier beratend, sozusagen, aber nicht stimmberechtigt in diesem Ausschuss. Im Ausschuss werden Ideen, Initiativen vorgebracht, diskutiert, beschlossen und dann sozusagen umgesetzt von der Kulturverwaltung. Welche Möglichkeiten hast du da als einzelne Gemeinderätin mit einer Initiative hier etwas zu bewirken? Ich habe insofern einen Sonderstatus, weil wenn man nur ein Mandat hat, hat man eingeschränkte politische Rechte. Das ist ja, wenn man nur ein Mandat hat, hat man ja kein Antragsrecht. Das ist ja, wenn man nur ein Mandat hat, hat man ja kein Antragsrecht. Und unser Haupt-, also das Hauptmittel, wie man halt dann arbeitet, sind halt Anfragen an die zuständigen Staatssenatsmitglieder und über Anfragen kann man ja was ins Rollen bringen. Das ist ein Instrument, was eigentlich recht gut funktioniert. Im Kulturbereich fällt mir ein, ich habe vor, ich glaube das war letzten Jänner, das war knapp vor der Pandemie, eine Anfrage gestellt an den Herrn Bürgermeister, wie schaut es denn aus bei den Straßenbenennungen in Linz in der Verteilung zwischen Männern und Frauen? Und der Herr Bürgermeister hat diese Anfrage dann auch beantwortet und es ist herausgekommen, was jetzt nicht groß verwunderlich ist, dass es in Linz ein großes Missverhältnis von Straßenbenennungen nach Männern und Frauen gibt, nämlich über 500 für Männer und 47 nur sind nach Frauen benannt. Und das hat ein bisschen an die Höhe geschlagen. Es hat zumindest so viel an die Höhe geschlagen, dass das Thema irgendwie bewusster geworden ist und der Bürgermeister davon abgegangen ist, hinkünftig nur Männer mit Straßennamen zu ehren und zu beglücken, sondern es gibt jetzt die Initiative, dass man in Linz am Süden Straßen jetzt bevorzugt nur Frauen benennt. Jetzt kann man sagen, ja, Straßenbenennungen, ist das denn etwas Wichtiges und ist das notwendig? Ja, es ist schon sehr notwendig, weil der öffentliche Raum ist ja so etwas wie, man erzählt auch die Geschichte der Stadt, ja, im öffentlichen Raum spielt sich vor allem über Benennungen von Gebäuden und Straßen da einiges ab und wer da nicht abgebildet ist, der ist auch nicht erinnerungswürdig. Also man kann auch mit Anfragen etwas bewirken. Natürlich, wir haben uns engagiert zum Beispiel für freie Plakatierflächen in Linz. Es ist ja so, dass es in Linz noch immer so ist, dass es derzeit nur vier Stellen in Linz gibt, wo man frei plakatieren kann. Freies Plakatieren ist aber wichtig für Vereine politischer oder auch kultureller Natur, um halt ihre Veranstaltungen oder Ideen ankündigen zu können. Und es gibt ja in Linz ja auch eine Initiative in die Richtung seit 2018. Und da muss man halt immer dranbleiben und nachfragen zuständig. In dem Fall ist halt die Frau Fechter. Und jetzt habe ich halt wieder mal eine Anfrage gestellt in der letzten Sitzung des Gemeinderates und gefragt, ja was ist denn weitergegangen? Habt ihr jetzt endlich dafür gesorgt? Es ist ja auch so, dass es sein muss. Habt ihr dafür gesorgt, dass es solche Plakatierflächen kostenlos geben wird. Und die Frau Stadträtin hat es auch in der letzten Gemeinderatssitzung beantwortet. Jawohl, sie haben jetzt Plakatierflächen ausgewählt, wo das möglich sein soll, aber es ist immer noch so, das Ganze liegt noch bei der oberösterreichischen Polizeidirektion, da muss erst freigegeben werden. Also man kann schon ein bisschen was bewirken, aber mit einem Mandat kann man keine Wunder, man kann was initiieren, aber man kann keine Wunder wirken, sage ich einmal, das geht nicht. Man kann im Kleinen, aber... Aber aus diesen Initiativen, Stichwort Plakatierflächen, ist dann doch etwas entstanden auch. Plakatierflächen ist dann doch etwas entstanden auch. Jetzt, wir hatten im letzten, also in der noch laufenden Gemeinderatsperiode einmal die Diskussion zum Beispiel über die Reform des Linzfestes, wo eine ganze Weile darüber diskutiert wurde, es braucht gewissermaßen eine Neuauflage eines mehr oder weniger infrage gestellten, veralteten Formates. Also da hat es sozusagen eine kurze Zeit zumindest eine aufgeregte Diskussion darüber gegeben. Am Ende herausgekommen ist dann ein Musikfestival, mit dem eigentlich alle Beteiligten ganz gut leben können und zufrieden sind. Eigentlich ein erfolgreicher Prozess, der initiiert wurde damals auch über ähnliche Prozesse, wie du gerade geschildert hast. Jetzt nehme ich das mal als Beispiel. Beispiel Linzfest Reform. Wo würdest du in der nächsten Gemeinderatsperiode noch Reformen andenken? Was könnten Initiativen sein von dir? Naja, das kommt jetzt natürlich darauf an, wie die Wahl ausgeht. Es ist halt die Frage, wir hoffen natürlich, dass wir bei dieser Wahl stärker werden und ein zweites Mandat erreichen, um unsere Aktionsfähigkeit im Gemeinderat zu verbessern und selbstständig Anträge stellen zu können. Kulturpolitisch, wie gesagt, mir ist immer wichtig die soziale Absicherung von Menschen. Also ich denke, ganz egal, was ich hacken muss, um mein Leben zu finanzieren, ich denke, wichtig ist, dass ich meine Existenz gesichert habe. Ich glaube, eine ganz wesentliche Geschichte, die es braucht, ist, das voranzutreiben, dass die Kulturszene in Linz endlich die Förderung bekommt und die langfristigen Verträge, die sie braucht, um gut planen zu können und da entsprechend Gehälter zahlen zu können. Ich denke, das ist eine ganz wesentliche Sache. Das ist ja nicht erledigt, das geht ja weiter. Das brauchen wir sicherlich. Was auch wichtig ist, es gibt natürlich auch einen Raummangel. Es ist ja so, wir kennen das von unserem Haus. Wir haben ja selber junge Künstlerinnen und Künstler bei uns im Haus. Und es ist uns bekannt, also zum Beispiel in dem Soll, der wird zur Verfügung gestellt, auch für Theatergruppen, die ihre Proben machen. Wir brauchen mehr Räume, damit auch neu entstehende Initiativen sich entwickeln können. Das ist kein Geheimnis und das sagen wahrscheinlich viele andere, die sich ein bisschen damit beschäftigen, auch, dass es das braucht. Ich denke, was es auch braucht, und man kann Kulturpolitik nicht von dem anderen trennen. Ich beobachte ja in den letzten Jahren in der Stadt, man muss sich überlegen, was tut man mit dem öffentlichen Raum? Ich denke einmal die Verbotspolitik und Vertreibungspolitik, die sich diese Stadt in den letzten zehn Jahren gegenüber von Randgruppen geleistet hat, gegenüber Bettlern, Obdachlosen, gegenüber Jugendlichen aus der Öffentlichkeit, wenn man das einfach nicht mehr haben will und den öffentlichen Raum einfach der Kommerzialisierung feil bietet. Das ist auch etwas, was Kunst und Kultur betrifft. Und da braucht es dringend eine Kehrtwende, damit man wieder wegkommt und den öffentlichen Raum zurückerobert für die Menschen und nicht weiter nur der Vermarktungsindustrie ausliefert. Ich glaube, das sind drei ganz wesentliche Dinge. Eine soziale Absicherung, eine Verbesserung der Subventionen, Räume und vor allem ein anderer Umgang mit dem öffentlichen Raum und den Menschen, die sich dort bewegen. Also das sehe ich als die wichtigsten Dinge, die ich mir vorstellen kann, wo man etwas erreichen sollte. Muss, muss. Gut, dann sage ich danke für das Gespräch. Ich bedanke mich auch. Wir haben einen Einblick bekommen in die unterschiedlichen sozusagen Schwerpunktsetzungen und Ansätze der Kulturpolitik der Linzer KPÖ. Das war jetzt die dritte Ausgabe unserer Gesprächsreihe Baustelle Kulturpolitik. Wie man gehört hat, Baustellen wird es auch in Zukunft, gerade in diesem Bereich, geben. Ich sage danke fürs Zuschauen und danke, Gerlinde Grün, fürs Gespräch. Dankeschön.