Wir wollen in den nächsten Monaten der Schließung heute unseren Veranstaltungsbetrieb wieder aufnehmen und Sie hier bei uns im Stifterhaus begrüßen zu können. Herzlich willkommen! Wir beginnen unser Veranstaltungsprogramm mit den Präsentationen der Bücher Hotel Weitblick von Renate Silberer, erschienen im Verlag Rehmeyer und Scherjau und Plan von Robert Stehr, erschienen im Passagen Verlag. Die Veranstaltung hätte ja schon am 15. März stattfinden sollen. Wir freuen uns umso mehr, dass es heute wirklich geklappt hat. Ich begrüße Renate Silberer und Robert Störse herzlich. Herzlich willkommen. Die Moderation des heutigen Abends hat die Autorin und Journalistin Birgit Schwaner übernommen. Vielen Dank dafür und ebenfalls herzlich willkommen. So unterschiedlich die beiden Bücher von Renate Silberer und Robert Sterr sind, so haben sie doch einige sehr interessante Berührungspunkte. Birgit Schwaner wird nach den Einführungen und Lesungen mit Robert Sterr und Renate Silbere auch ein Gespräch führen. Wir dürfen uns also auf einen sehr anregenden Abend auf 90 Minuten freuen. Ich bitte Birgit Schwanerke mich für die Einladung. Sehr, es ist noch ein bisschen ungewohnt wieder. Noch ein bisschen ungewohnt wieder. Zunächst einmal möchte ich etwas sagen zu Renate Silberers erstem Roman. Es sind vorher Erzählungen erschienen. Hotel Weitblick. Sie wird als erste lesen. Und wie es halt mit dem Lesen ist, hat jeder Leser im Grunde, egal wenn zehn Leute das gleiche Buch lesen, am Schluss ein anderes Buch gelesen, indem er auch einen beträchtlichen Teil von sich selbst mitliest, wie schon Marcel Proust beschreibt und bei mir ist noch eine Koinzidenz mit einem anderen Buch passiert, als ich mich mit diesen beiden Büchern beschäftigt habe. Deswegen eine kurze Ablenkung. Ich war dabei, Wolfgang Hildesheimers Masante zu lesen. Da kommt übrigens auch Linz vor. Das ist in den 70er Jahren geschrieben und handelt unter anderem ein bisschen davon, dass der Ich-Erzähler von Hildesheimer in diesem Buch von Namen besessen ist. Das heißt, er nimmt sich zum Beispiel einen Kirchenkalender und denkt sich Biografien zu diesen Namen aus oder er geht in Wien die Blutgasse entlang und stellt sich anhand der Namen an den Klingeln vor, wer dort wohnen mag und mit Lebensläufen. Und Blutgasse weist schon darauf hin, dass die ganze Sache nicht nur so spielerisch und so unschuldig ist. hat der ehemalige Übersetzer bei den Nürnberger Prozessen, Hildesheimer, auch eine Menge Kriegsverbrecher zum Beispiel vor Augen, die, wie er mit Entsetzen beobachtet, einfach weiterleben wie vorher. Kriegsverbrecher, Mitläufer und die Strukturen des Nationalsozialismus, die sich weiter fortpflanzen. die Strukturen des Nationalsozialismus, die sich weiter fortpflanzen. Und von hier führt eine erste Spur zu Renate Silberers Hotel Weitblick. Auch wenn es um vieles andere geht, aber das ist eigentlich auch ein zentrales Moment. Das ist eigentlich auch ein zentrales Moment und zwar in diesem Hotel Weitblick wird der Herr Marius Tankwart sozusagen auf vier Ungeheuer des Neoliberalismus losgelassen und muss feststellen, dass sie durch eine Erziehung nach nationalsozialistischen Maximen bestens auf ihre Managerkarriere im Neoliberalismus vorbereitet wurden. Also diese Parallele liest man immer wieder mit, in der es eben nicht um Empathie geht, sondern um Macht und das Recht des Stärkeren. Und das fängt schon bei der Kindererziehung an. Aber der Reihe nach. In Renate Silberers Roman lesen wir von einem Wochenende. Das Buch strukturiert sich in die drei Tage Freitag bis Sonntag und das Geschehen ist angesiedelt an einem Ort, nämlich im Landhotel Weitblick, im Gegensatz zur Engstirnigkeit natürlich. zur Engstirnigkeit natürlich. Hier soll der besagte Dr. Marius Tankwart, der ein erfolgreicher Konsultant ist, ein Assessment-Seminar leiten. Das englische Assessment, das werden wahrscheinlich alle wissen, aber ich sage es nochmal, heißt Bewertung, Beurteilung. Und dieser Herr Tankwart hat die Aufgabe, unter drei Bewerbern und einer Bewerberin um den Geschäftsführerposten einer Werbeagentur, die in seinen Augen am besten dafür geeignete Person zu bestimmen und zu empfehlen. Für die vier Personen, die sich zum Seminar einstellen, ist es also eine Prüfungssituation. Aber auch für Marius Tankwart, der uns im ersten Satz des Buches wissen lässt, ein Mensch ist mehr als sein Beruf, viel mehr. Und wir wissen als Leser schon, ohne dass ich jetzt viel verraten will, das will ich nämlich nicht, weil dieses Buch ist auch sehr spannend, wir haben es hier mit Figuren zu tun, für die eine so einfache Erkenntnis, dass ein Mensch mehr ist als sein Beruf, alles andere als nahe liegt und alles andere als selbstverständlich ist, weil sie sich im Wesentlichen durch ihre Karriere und ihre Machtposition im Beruf definieren und auch bereit sind, natürlich dafür sehr viel aufzugeben. dafür sehr viel aufzugeben. Kurzum, man könnte auch sagen, es sind die Menschen, die uns auch als erfolgreich vorgeführt werden, natürlich. Auch für den Consultor stellt sich aber dieses Seminar als Schwellensituation dar. Wir erfahren nämlich am Anfang, also es ist ein Buch, das füge ich jetzt mal an, in dem nehmen wir als Leser wechselnde Perspektiven ein, auch wechselnde Ich-Perspektiven. Die fünf Personen, die vorkommen, von denen lesen wir abwechselnd im inneren Monolog und wie sie sich auch gegenseitig beschreiben. Das heißt, jede dieser Personen ist uns mit dem subjektiven Blick einer anderer dieser Personen von außen erkennbar und wir schlüpfen quasi dann auch in den Kopf jeder Person. Das Ganze ist, das werden Sie dann hören, wenn Renate Silberer liest, hören, wenn Renate Silberer liest, sehr fein, auch rhythmisch und in den ganzen Wechseln melodisch geschrieben vom Stil her. Und dieser Consultor, der Marius Tankwart, das kann ich vielleicht sagen, ist die Person, die einem wahrscheinlich am sympathischsten sein wird, mit der man sich auch aufgrund des Buches insoweit geneigt ist zu identifizieren, weil es fängt mit ihm an und endet mit ihm. Und er stellt sich, es ist alles auch Ich-Form, also es ist immer so ein innerer Monolog, Es ist alles auch Ich-Form, also es ist immer so ein innerer Monolog, wo aber die Personen für sich selber sprechen, also sich selber auch vorstellen. Mich hat es ein bisschen an etwas ganz Entferntes erinnert. Es gibt ein Gedichtband von Edgar Lee Masters, der beschreibt einen Friedhof und geht von den Namen, von den Grabsteinen aus, also auch wieder Namen, und lässt die Personen selber aus ihrem Leben erzählen. Dieses Moment schwingt hier auch mit, indem diese vielen, diese Ichs sich immer wieder erinnern. Wir blicken also auch in Fragmente ihrer Kindheit, könnte man sagen. Und der Marius Tankwart ist der, der sich halt am Anfang vorstellt. Ich habe Ihnen schon den ersten Satz gesagt. Und er macht das stichwortartig. Und er beschreibt von einem Wendepunkt in seinem Leben, das war die Begegnung mit einer alten Dame im Kaffeehaus mit der Frau Mundkolt. Und durch diese Freundschaft ist er dazu gekommen, seine Karriere zu hinterfragen und zu beschließen, dass er, man kann einfach sagen, dass er jetzt endlich leben will. Man kann auch mit Dodara sagen, dass er sich endlich auf den Weg zu seiner Menschwerdung macht, nämlich auch dazu erstmal Gefühle zuzulassen, würde man auch sagen können. Jedenfalls beschließt er auszusteigen und nach diesem Seminar mit allem aufzuhören und nach Mexiko zu fahren. Das heißt, es ist für ihn auch eine Situation, in der er quasi noch einmal mit seinem alten Beruf konfrontiert ist, von dem er sich aber innerlich schon verabschiedet hat. Und gleich am Anfang erfahren wir auch, warum. Also er erzählt halt auch von seiner Kindheit. Wir erfahren bei jeder Person auch etwas über die Mütter. Also es ist auch ein Buch über Empathielosigkeit von Müttern, der versucht wird, auf den Grund zu gehen. Das macht der Herr Tankwart. Und es ist gleichzeitig auch eine Versuchsanordnung, die den neoliberalen Typus Machtmensch, der ja doch aller Orten gefeiert wird, der uns auch aus den Bildschirmen entgegenblickt. Also es ist im Buch einmal die Rede davon, in unserer Zeit wurde das neutrale Gesicht, das keine Regung zeigt, zum Wert erhoben. Und wenn man da so an einige Politikerinterviews der letzten Tage denkt, weiß man eigentlich schon sehr genau, was auch gemeint ist. Ja, und dieser Herr Tankwart schreibt halt zum Beispiel über die Gefühllosigkeit seiner Mutter und deren Mutter, die natürlich im BDM erzogen wurde, Nationalsozialismus, und ist einer für ihn erschütternden Erkenntnis auf der Spur. Und die macht sich an einem Buch fest. Dieses Buch ist ein Erziehungsratgeber der Nazizeit, der Erziehungsratgeber. Der wurde genannt, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, von einer gewissen Johanna Haare, die Erziehungsbeauftragte unter Hitler war, auch so nette Bücher geschrieben hat, Märchenbücher wie Mutter, erzähl uns von Hitler. Und die ist, was wieder so den Bogen auch für mich zum Hildesheimer dann geschlagen hat aus den 70er Jahren. Dieses Buch von ihr ist erst mal in den 70ern und auch in den 80ern natürlich um das Wort Deutsch und um einige eindeutige Anspielungen bereinigt, veröffentlicht worden und galt auch damals noch als das Buch, was die meisten Mütter gelesen haben. Ich habe es auf Wikipedia gelesen. Ich habe es auf Wikipedia gelesen und er hat sich auf Karteikarten Zitate notiert, die werden immer wieder zwischendurch angeführt und es stellt sich dann zunehmend heraus, dass die drei Männer und die Frau, mit der er das zu tun hat, genau auf diese Art erzogen wurden. Und ich muss dazu sagen, es kam ein Zitat vor, nach dem wurde ich auch erzogen. Es geht also darum, dass man zum Beispiel schreiende Kinder wegsperrt, bis sie ausgeschrien haben. Es fängt damit an, dass man angeblich aus Hygienegründen der Mutter den Säugling wegnimmt und dass man Kinder halt nicht, wie der Ich-Erzähler Tankwart sagt, zur Liebe erzieht, sondern vor allem dazu, sich zu behaupten, das Thema Macht spielt natürlich eine große Rolle, Macht der Eltern. Ich könnte es jetzt mit dem Begriff auch schwarze Pädagogik natürlich zusammenfassen. Und die Frage, die halt immer mitspringt, ist, wie weit sich diese Strukturen, es heißt einmal auch über Generationen von Generationen, wurden die Mütter zur Fühllosigkeit erzogen ihren Kindern gegenüber und die Kinder natürlich auch wieder haben entsprechende Charakterstrukturen entwickelt. Und Renate Silberer lässt halt quasi in einer Versuchsanordnung vier typische Managerfiguren, die aber alle sehr realistisch, das heißt auch sehr nachvollziehbar beschrieben sind. Man meint, man kann denen vor der Tür begegnen. Die sperrt sie quasi in diesen Seminarraum, der dann auch noch den Namen Harmonie trägt, zusammen mit einem Consultant zusammen, der im Augenblick die innere Balance verloren hat und überhaupt nicht mehr vorhat, das zu tun, was von ihm erwartet wird, nämlich die anderen zu bewerten. Also Sie können sich vorstellen, wie das Ganze sich zuspitzt. Sie können sich vorstellen, wie das Ganze sich zuspitzt. Diese Personen sind zum Beispiel, da gibt es, in deren Köpfe wir natürlich auch immer wieder schlüpfen, da gibt es zum Beispiel den Macher Horst, der mit einer Musiklehrerin Veronika zusammenlebt, die er eigentlich gar nicht versteht. Und immer wenn es Probleme gibt, möchte er ihr was kaufen, schöne Kleider, Schmuck. Und wenn man das liest, weiß man, da hat er gar keinen Auftrag im Grunde. Und der sich abends entspannt, indem er unter dem Namen Bahamas Joe in Internetforen für die Leistungsgesellschaft, natürlich für Recht und Ordnung und gegen Migranten eintritt. die Leistungsgesellschaft, natürlich für Recht und Ordnung und gegen Migranten eintritt. Dann gibt es als nächsten Anwärter Franz, den Familienvater und Motorradfahrer, der gerade von seiner Frau verlassen wird und den Kindern, die ihm vorwirft, er ist zu selten zu Hause, der sich aber den anderen gegenüber als glücklich verheiratet darstellt und versucht die Fassade zu wahren, während er heimlich auf seinem Candy zur Entspannung das Video einer Performancekünstlerin sieht, die immer wieder gegen eine Wand läuft. Und schließlich Helmut, das ist derjenige, der am ehesten auch so Spuren eines Zwangscharakters zeigt, der fühlt sich nur beim Laufen an, wird bezeichnenderweise von den anderen drei Hyänen nur mit seinem Nachnamenkrieger angeredet. Also man kennt das schon im Büro, wenn da sich alle duzen und einer wird nur mit Nachnamen angeredet, mit Du. Der eine Essstörung hat, ein Psychiater und das bleibt natürlich auch alles geheim. Und schließlich die einzige Frau, Annette, mit dem unerfüllten Kinderwunsch, ihren Panikattacken und ihrer Designertasche namens Neverfull. Diese vier, alle mit ferngesteuerter Gier natürlich auf den Geschäftsführerposten, werden bereits durch die einfachste Seminaraufgabe aus dem Lot gebracht. Sie sollen nämlich, also das ist dann erstmal sehr schön, sie sollen das Wort Julie erklären, für was das steht. In der Folge sollen Sie, das kennen vielleicht einige von Ihren Seminaren, die Sie besucht haben, jeder einen Baum zeichnen oder Sie sollen diese Übung machen, wo zwei Menschen aufeinander zugehen und sich dabei in die Augen schauen. Und daran scheitern halt diese Karrieremenschen sehr. Und im Zuge gerät alles zunehmend aus dem Lot. Und wir erfahren eigentlich auch, sagen wir so, es ist wie ein literarisches Psychogramm auch, dieses bewunderten Typus unserer Zeit, dieses neoliberalen Karrieristen, weil wir erfahren halt einerseits die Verdrängungsmechanismen dieser Menschen, wir erfahren von ihren Strategien, von ihren Intrigen, als nichts mehr hilft, verbünden sich die Einzelkämpfer, die einander belauern und einander durchschauen, in einer Gruppe gegen den Consultor, der natürlich das Funktionieren stört. Und insoweit ist es auch, damit möchte ich schließen, eine Erzählung über das Funktionieren. Und zwar wie dieser Anspruch, funktionieren zu müssen, Menschen zerstört, auch in unserer Zeit. Und gleichzeitig eine Darstellung, woher der kommt. Und daher ist es halt auch eine im Kleinen, es ist wie ein psychologisches Kammerspiel, aber natürlich, wenn man weiterdenkt, eine sehr fundamentale Kritik an dieser Gesellschaft und ihren Werten. Aber jetzt lasse ich endlich Renate Silberer lesen. Danke. Applaus Danke Birgit für die schöne Einführung. Jetzt weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein. Es sind so viele andere Kolleginnen, deren Verlags, deren Bücher erschienen sind im Frühjahr 2020, im Sommer 2020 und jetzt im Frühjahr 2021, die kaum Lesemöglichkeiten hatten und umso mehr freue ich mich jetzt, hier zu sein und das Buch vorstellen zu dürfen. Ich werde mit dem Anfang beginnen und dann vielleicht mal zwischendurch etwas sagen. Ein Mensch ist mehr als sein Beruf, viel mehr. Ich weiß das, aber ich weiß es noch nicht lange. Bis vor einem Jahr habe ich mich ausschließlich anhand meiner Tätigkeit definiert und ich war stolz im Ranking der 100 erfolgreichsten Konsalter Österreichs unter den Top 50 aufzuscheinen. Hatte mein Karriereziel erreicht. Ich wollte ja nichts anderes als Erfolg und Geld. Das waren meine Impulsgeber. Bis mein Leben Tschulpi wurde. Natürlich ist Tschulpi kein Wort im herkömmlichen Sinn. Ich habe es erfunden. Es ist zu meinem Wort geworden. Seine Bedeutung hat sich in mir entwickelt, prozesshaft würde ich sagen, nicht linear. Sobald ich beginne, mich einer Sache anzunähern, begleitet Tschulpi mich wie ein Freund. Als hielt er das Wort meine Hand, wenn ich weiß, dass ich weitermachen werde in meinem mir näher kommen, aber Angst davor habe, Zusammenhänge zu entdecken, die mir nicht gefallen könnten. Wenn ich nicht wirklich sehen will, was ich mir zeigen könnte und es mich dennoch drängt hinzusehen, weil da etwas ist, das lange verborgen sich endlich zeigen kann. Jeder Mensch sollte ein Wort für sich alleine haben, eines, das ihm Halt gibt. Ich habe mich darauf eingelassen, herauszufinden, wer ich bin. Ich habe ja, was habe ich eigentlich? Ich habe Eckdaten. Name Dr. Marius Tankwart, Familienstand ledig, Geburtstag 9. April 1971, Geburtstag, 9. April 1971, Einkommenssituation hervorragend, Lebenszufriedenheit, verbesserungswürdig. Sehr verbesserungswürdig habe ich gestern noch zu Frau Mundgold gesagt, gezwinkert und gelacht. Sie hat erst geschwiegen, mich dann doch gefragt. Marius, sag, wirst du dein Abschiedsseminar nun so gestalten, wie du es für richtig hältst? Daran besteht kein Zweifel, habe ich geantwortet, obwohl ich Zweifel habe. Sie weiß das und ich weiß, dass sie weiß und dass ich weiß. Wir haben uns angesehen und sie hat mir mit ihrem liebevollen Blick Aufmerksamkeit geschenkt. Dann hat sie mir eine zweite Tasse Tee eingegossen und gesagt, Marius, dein Rucksack steht gepackt in deiner Wohnung, dein Flug nach Mexico City ist gebucht. Ja, habe ich gesagt, one way. Und sie hat geantwortet, ab Sonntagabend hast du den Lebensabschnitt als Consultor hinter dir. Komm, nimm dir noch einen Keks. Es ist dann so, dass der Marius an diesem Tag Geburtstag hat und seine Mutter hat ihn schon angerufen und ruft ihn ein zweites Mal an. Das Telefon vibriert. Mama, sie wird nicht aufhören, mich anzurufen, bis ich die ganze Geschichte gehört habe. Ich dachte, du magst es, wenn ich dir vom Beginn deines Lebens erzähle. Nein, Mama, ich meine ja, entschuldige, ich habe viel zu tun. Und jetzt willst du nicht einmal mehr mit deiner Mutter sprechen. Du hast dich sehr zu deinem Nachteil verändert. Mama, bitte. Von den Schmerzen habe ich dir noch erzählen können. Du, ist das zu viel verlangt, einmal im Jahr? Schließlich ist das deine Geburt gewesen und dich scheint das nicht zu interessieren. Stundenlang hat das gedauert und du hast nicht einmal die paar Minuten für mich. Weißt du, wie wahnsinnig froh ich gewesen bin, mich nach der Anstrengung endlich ausruhen zu können? Eine Woche bin ich im Krankenhaus geblieben und das, ja, ich muss sagen, das war die schönste Zeit überhaupt. Ich habe mich geschont und einmal, da habe ich dich gebadet und du warst so zerbrechlich. Ich habe am Anfang nicht gewusst, wie ich dich berühren soll, ohne dir wehzutun. Die Schwestern waren mir wertvolle Ratgeber, das sage ich dir. Und gern habe ich dich angeschaut. Jeden Tag bin ich den Gang entlang zum Säuglingszimmer gegangen und habe dich durch das Fenster betrachtet. Nach ein paar Minuten hat die Schwester dich wieder zurück in das Bett gelegt und ich bin in mein Zimmer gegangen. Meistens ist er am Besuch gekommen, so viele Besucher hatte ich und alle haben sie dich angeschaut. Deine Tante Anne und dein Papa natürlich, er war sehr stolz auf dich damals. Da war die Welt noch in Ordnung, nicht Mama? Ich meine es nur gut mit dir. Weißt du, es gibt etwas, das ich herausgefunden habe, das beschäftigt mich seit längerem. Ich wollte mit dir darüber reden. Marius, ich werde dich jetzt nicht weiter stören. Alles Gute noch einmal für dich und einen schönen Tag. Sie hat aufgelegt und ich habe ihr wieder nichts vom Hintergrund Johanna Haras erzählt, der Frau, die ihre Richtlinien zur Kindererziehung geprägt hat. Sie hätte mir sowieso nicht zugehört, hätte stattdessen einen ihrer Sprüche gesagt, entweder Erziehung ist Sache des Hausverstands oder nach der Entbindung beginnt die Erziehung. Sie hätte, wozu quäle ich mich? Ich könnte mich um den Nachhall meines Traumes kümmern oder mir vorstellen, wie ich durch Mexiko reise und irgendwo in einer Hängematte liege, direkt am Strand unter Palmen und zwischen den Blättern schaut der Himmel hindurch und ich schlafe und schlafe und trinke je nach Verlangen Kaffee oder spaziere den Strand entlang. In Mexiko will ich einfach da sein und sehen, was geschehen wird. Nicht sonst. Ich kann es kaum mehr erwarten. Doch jetzt, nach diesem Telefonat, wünscht sich das Immergleiche in mir noch immer, dass Mama, ich werde bald 50 und es ist ein Kopfschütteln. Johanna Hara, wer soll das sein, würde sie mich fragen und schnell hinzufügen, ich habe diesen Namen nie gehört. Ich würde erwidern, Johanna Hara war die Erziehungsbeauftragte des Dritten Reichs und Oma war im Bund deutscher Mädel. Was glaubst du, wurde ihr dort beigebracht? Ich werde es dir sagen. Sie hat gelernt, wie die zukünftige deutsche Mutter ihre Erziehungsaufgaben zu erfüllen hat und welche Maßnahmen anzuwenden sind, um den Nachwuchs zu einem Nationalsozialisten zu erziehen. Das stimmt nicht, würde Mama sagen. Das wüsste ich und ich habe nie davon gehört. Es ist kein Geheimnis, dass Oma beim Bund deutscher Mädel war. Das meine ich nicht, wäre ihre Antwort. Von so einer Erziehung habe ich nie gehört. Und Marius, das war damals einfach so. Oma musste bei diesem Bund sein. Du, alle mussten. Sie hat dort ja nur gehandarbeitet und bei Ernten mitgeholfen. Wo sind die Karteikarten? Im Rucksack, da, ein benutztes Taschentuch, der Kugelschreiber, die Schere, Taschentücher, der Klebstoff, Bleistifte, eine Lochmaschine, meine Sonnenbrille, die Wasserflasche. Hier sind die Unbeschrifteten zwischen den Beschrifteten. Da sind die Karten mit den Zeichnungen. Ah, hier ist diejenige, die ich suche. Nach der Abnabelung wird das Kind erst einmal beiseite gelegt und für 24 Stunden in einem abgedunkelten Raum, frei von Nahrung und fern der Mutter verwahrt. Johanna Hara. Ja, es geht dann weiter, dass die Teilnehmer anreisen und sich selbst vorstellen während der Anreise. Und dann ist ein erstes Zusammentreffen, ein gemeinsames Abendessen und sie machen die erste Übung und dann ist der erste Abend vorbei und Marius interessiert sich dann. Marius schreibt dann einen Gesichtsvermerk. Gesichtsvermerk Hotel Weitblick, 9. April. Gesichtsvermerk Hotel Weitblick, 9. April. Das Gesicht. Bleibt es ein Ort für überhastete Nachrichten? Für unschiffrierte Meldungen, schnell und schneller. Meldungen, die auseinander treiben, was zusammen zu gehören scheint. Nase, Stirn, Augenbrauen, Mund- und Wangenpaar. Mein Blick schreckt sie auf, versetzt sie in Aufruhr, Knochigkeit. Dahinter, was ist da, die geheime Struktur des Unsichtbaren, die Unterwelt? Mein Gesicht zerfällt in Bereiche, die mir unzugänglich sind. Es scheint, als würden diese Bereiche nicht zur Sprache gehören, als blieben sie ausgeklammert in ihrer Unbeschreiblichkeit. Warum nur ist der Blick in den Spiegel so punktuell? Ist es vielleicht nicht dieser Blick, der in eine Betrachtung wachsen sollte, sondern ein anderer, ein noch nicht gewagter? Und diesen anderen, diesen noch nicht gewagten Blick, den sucht der Marius. Und es ist jetzt der nächste Tag und die Teilnehmer treffen sich im Seminarraum. Der Marius sagt, wie Sie sehen, habe ich den Raum für unseren heutigen Vormittag umgestaltet. Setzen Sie sich bitte auf einen der Sessel im Kreis. Wir werden den Tag mit Ihren Blitzlichtern beginnen. Lassen Sie kurze Momente Ihrer Befindlichkeit aufleuchten und uns teilhaben an dem, was Sie beschäftigt. Helmut, als Ersten möchte ich Sie einladen, sich zu äußern. Noch während ich spreche, hole ich einen Kugelschreiber aus der Hemdtasche, öffne mein Begleitheft und sehe ihn an. Er weicht meinen Blick aus. Helmut nickt in die Runde. In seinem Magen rumort es, es ist der Hunger. Die Körperempfindung des Hungers ist ihm vertraut. Er bereut seinen Verzicht auf das Frühstück nicht. Stattdessen hat er ausführlich geduscht und am Ende noch sehr kaltes Wasser über seinen Körper fließen lassen. Ich notiere. Ein konturlos wirkendes Gesicht sehe ich vor mir. Es gibt wenig unkontrollierte Bewegung darin. Zuckt etwa der Mundwinkel, nein, und die Augen? Ich kann nicht in sie hineinsehen, da ist eine Sperre, als wäre ein Tatortband um sie herum gespannt, das mir sagt, nicht weiter, nur bis hierher. Ich sehe Augen, die mich drängen, ihnen fern zu bleiben, während ich ihnen sagen höre, unsere Agentur ist modern und dynamisch. Wir alle lachen auf unseren Teambildern. Wir sind glücklich. Wir zeigen, dass wir gerne arbeiten. Helmut hält einen Moment inne, denn Arbeit, so sagt er, soll in unserer Agentur keinen Zwang darstellen. Wenn ich hier beispielsweise aus dem großen Fenster blicke, sehe ich Wald und Felder und ich finde mich in der Natur wieder. Auch mein Büro ist lichtdurchflutet und ich habe es mit viel Grün gestaltet. Der Kriegler und seine angebliche Naturfreude, denkt Franz. Mir hätte das einfallen sollen, nicht dem. Bei dem ist alles nur Show. Kriegler, Kriegler, passt du nur auf. Während des Sprechens wird dieses Gesicht weicher, schreibe ich in mein Begleitheft. Jedoch gibt es nichts von sich preis. Vielleicht ist weich das falsche Wort. Es wird feingliedriger. Doch der Ausdruck wirkt einstudiert. Das Lächeln maskenhaft. Helmut spricht indessen vom Pflanzen. Er sagt, Palmen stehen vor dem großen Fenster in meinem Büro und auch im Eingangsbereich der Agentur wuchert es grün. Ich mag das. Es bewirkt, dass ich zwar weiß, ich bin hier, um zu arbeiten, aber das Büro selbst erinnert mich nicht ans Arbeiten müssen. Kein Müssen drängt sich nach vorne und das ist mir wichtig. Er lächelt. Ja, es gibt mir die Freiheit, die ich schätze. Als Geschäftsführer der Agentur würde ich mich für diese Freiheit einsetzen. Danke, ich gebe das Wort weiter. Franz sagt, bevor ich hergefahren bin, habe ich noch die Umsätze des vergangenen Jahres studiert. Ich blättere eine Seite weiter, schreibe, Gesichtsvermerk Franz. Ist eine Traurigkeit in den Augen, eine Niedergeschlagenheit, ich meine ein verwundetes Gesicht zu sehen, eins, das wohl oft an überdimensionale Ansprüche und Forderungen gebunden war. Ich muss sagen, wir haben viel erreicht, referiert Franz. Aber jetzt ist ein neues Jahr und ich finde, wir sollten darüber sprechen, was wir erreichen wollen und wie wir es erreichen wollen. Ich denke an einen Spirit der Mega-Wachstumsmentalität. Was hinter diesen Augen vorgehen mag, ist wohl seit der Kindheit mit der Schuld der Heimlichtuerei gebranntmarkt. Ich entdecke es sofort, erkenne es wieder. Wie erinnert es mich nur an mich selbst? Da ist dieses Vertraute, die Art und Weise, wie er die Stirn runzelt, sich kleine Schweißtropfen bilden, während er spricht. Sein Lächeln ist nur scheinbar echt. In ihm ist wohl auch die Angst verborgen, Unzulässiges zu tun, ohne zu wissen, was das Unzulässige nun eigentlich ist. Einen Käfer zertreten, aus dem Fenster springen, sich auf die Straße legen und ein Lied singen. Sehe ich etwas von mir in diesen Gesichtsvermerken oder sehe ich Franz, Helmut, Horst, Annette? Ich weiß es nicht. Frau Mundgold würde jetzt ohne Zögern sagen, lass dich auf den Gedanken ein, Marius, geh hinein und sieh, was geschehen wird. Franz, sein Mund spricht, die Worte, aber die Augen, sie schweigen. Wir wollen am Markt gewinnen, wir wollen unser Geschäft verdoppeln. Franz' Stimme wird enthusiastischer. Ja, ich weiß, das ist ambitioniert, aber wir können das schaffen. Wir als Team mit dem Führungsprinzip des Primus Inter Pares. Dieses Prinzip, wir kennen es alle, basiert auf dem Führungsstil des unterstützenden Führens. Reflexiv, rational, empathisch. Er nickt. Ist da ein beinahe verborgenes Grinsen, ein leichtes Hochziehen des linken Mundwinkels zu sehen? Danke, Franz. Wen bitten Sie weiterzumachen? Annette. Sie setzt sich an den vorderen Rand des Sessels und richtet ihren Oberkörper auf. Der untere Rücken schmerzt, darüber sieht sie hinweg. Sie sagt, 80 Prozent unserer Innovationen entstehen durch die zufällige, ungeplante Kommunikation. Annette schreibe ich, da ist doch etwas Hochmütiges in ihrem Gesicht, Arroganz vielleicht. Ein Gesicht, das auf Distanz hält, sieht uns jetzt gerade an. Aber dennoch wirkt es eigentümlich harmonisch. Trügerisch, ich bin nicht sicher. Annette sagt, zwei Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen treffen sich im Pausenraum. Sie kommen ins Gespräch über Alltägliches, ihre Freizeit, worüber auch immer. Ich bin sicher, einer der beiden nimmt ein Fragment aus diesem Gespräch mit und nutzt es für seine Arbeit. Das heißt, es ist oft das Prinzip des Zufalls, aus dem heraus sich eine Basis für Neues bildet. Versteht ihr? In Annettes Augen leistet viel Tiefe, die Tiefe, für die es sich lohnt, lebendig zu sein. Ist es diese untere Schicht, der Teil, der allem zugrunde liegt? Ich bezeichne dieses Zufällige als unseren Verbündeten, sagt Annette. Und das bedeutet, wir benötigen eine stärkere Gesprächskultur in der Agentur. Meine erste Aufgabe als Geschäftsführerin würde ich darin sehen, die Agentur wohnlicher zu gestalten, mehr Sitzgelegenheiten und Kaffee-Ecken einzurichten, sprich die Räume gewähren zu lassen und dadurch Begegnungen bewusst einzubeziehen. Sie pausiert, denn wir wissen, Gespräche, die den Input fördern, finden nicht am Schreibtisch statt, sondern beispielsweise an der Kaffeemaschine. Annette lächelt in sich hinein. Geht doch, denkt sie, und euch werde ich es noch zeigen. Sie lehnt sich zurück und spielt mit dem goldenen Elefanten, der an ihrer Kette hängt. Marius interessiert das alles nicht mehr wirklich, sondern er stellt sich diese Frage. Wann habe ich angefangen, Johanna Haras Erziehungsleitlinien auf meine Karteikarten zu übertragen? Jetzt in der Erinnerung scheint es, als wäre ich irgendwann in einem Türrahmen gestanden und hätte hinausgehen wollen, aber konnte es nicht. Ich musste bleiben. Es gab ja immer etwas, das mich zurückhielt, ein Wagnis einzugehen. Darüber habe ich oft mit Frau Mundgold gesprochen, dass ich mich wie angekettet fühle an meine Herkunft, meine Familie. Sie hat mir die Bücher von Johanna Hara gegeben. Ich habe sie gelesen und ich habe geweint. Mein weinendes Ich, die Vergeblichkeit. Plötzlich konnte ich sie spüren, meine verzweifelten Kinderrufe hören. Mama, hier bin ich, vor dir stehe ich. Siehst du mich denn nicht? Aber sie hat keinen Platz für mich gehabt. Ich musste folgsam sein, hatte mich unterzuordnen, wie sie es vor mir musste. So wurde es weiter gegeben von Generation zu Generation. Für die Nöte eines Kindes ist keine Zeit. Ein Kind hat zu funktionieren, sich den Gegebenheiten anzupassen. Später werden die Münder der Teilnehmer wieder Worte über Leistung sprechen und ich werde mich fragen, wie oft ich das Wort leistungsbereit in meinen Seminaren schon gehört habe und wieder denken, dass es immer ein Füllwort ist, eine Floskel, die sich jederzeit in einen Satz einbauen lässt. Ich weiß nicht, ist nur Zeit, oder? es immer ein Füllwort ist, eine Floskel, die sich jederzeit in einen Satz einbauen lässt. Helmut sieht sein Gesicht. Es ist wie ein Kraut, als ob die Haut nicht ausreichend mit Blut versorgt würde. Er sieht ein Haar aus seinem Nasenloch wachsen, nimmt die Pinzette und zupft es aus. Seine Stirn entfalten, seine Augen blicken ihm entgegen. Er schaut kurz in sie hinein, dann blickt er wieder auf seine Nase. In den Augen verweilen will er nicht zu lange. Zu spät. Schon sieht er sich mit seiner Familie am Esstisch sitzen. Auch der Vater ist da. Die Erinnerung muss sein Wochenende streifen. Helmuts Mundwinkel fallen nach unten, als hätte er die Kontrolle über sie verloren. Mit einer Hand stützt er den Mund und sein Spiegelbild blickt ihm entgegen. Ja, sagt er. An das Aufdecken meiner Schwächen und Untugenden während des Sonntagsfrühstücks erinnere ich mich genau. Ich höre noch das chemische Gelächter. Der Hohn, der Sohn, das Ohr im Chor, flüstert er seinem Spiegelbild zu. Helmut dreht den Wasserhahn auf. Seine Hände greifen ins kalte Wasser, die Handschüsseln sammeln es und er schleudert das Wasser gegen den Spiegel. Die Tropfen verstellen sein Gesicht. Wie ein Schluchzen hinter einer verborgenen Maske rinnt das Wasser den Spiegel hinunter. Lass dich auf nichts ein, Helmut, flüstert seine Ohrstimme. Arbeite an deiner Fassade, mach alle Lichter an, wasche dein Gesicht, die Ohren, wasch dich in den Achselhöhlen, trinke ein Glas Wasser, ein zweites, geh hinaus in die Natur, laufe, laufe, als könntest du vor all dem davonlaufen. Helmut nickt sich zu. Seinen Laufpullover und seine Laufjacke hat er griffbereit auf dem Bett. In der Nachtischlade liegt eine Packung Traubenzucker. Er steckt zwei Stück in die Jackentasche. Ich laufe, ich lebe, sagt er. Es ist ja nicht schwer. Ich kann alles schaffen. Nichts ist unmöglich. Ich reiße mich zusammen. Nichts wird preisgegeben. ist schon fortlängst im Wald zwischen den Sträuchern eingegraben bei den Wurzeln. Helmut, nein, Helmut, stopp, diese Gedanken bringen dich nicht weiter. Lass los, mach dich frei. Der Inhalator ist in der Jackentasche. Jetzt die Schuhbänder binden und die Tür verschließen. 1-2, 1-2. Ich will nicht, will die Karteikarten nicht mehr nehmen, will nicht lesen, was auf ihnen geschrieben steht. Stattdessen greife ich nach Tschulpi, schlage das Heft auf und schreibe. Wörter, die im Körper schlafen und aus mir herauskommen, um mich zu berühren, sind wie eine wärmende Hand. Darf diese Hand alles schreiben, auch wenn das Geschriebene schwer zu wiegen vermag, in der Angst vor dem sich mehr und mehr öffnenden Zusammenhang. Ein Bruch, Einbruch in einen Traum, in dem jeder Buchstabe sich bewegen, ja tanzen, springen darf, ganz ohne Furcht vor gebrochenen Knochen. Die Wörter schreibt die Hand und die Hand hält den Stift und die Augen schließe ich, während ich aufeinander zuschreibe, nicht wissend, wohin ich mich bewege. Ich möchte etwas über die Wirklichkeit erfahren. Doch wie oft bleibt der Gedanke im Stift, das Wort ohne Körper. Vertrauen möchte ich mir und den Menschen und mit ihnen Balkons an Häuser bauen. Danke. Ja, und als nächstes darf ich Robert Stehr ankündigen mit seinem in grün gehaltenen Buch, Prosatext, Plan. Ich könnte eigentlich auch Erzählung sagen, weil auch hier wird erzählt. Die Regina Pinter hat schon gesagt, es gibt so verschieden, diese beiden Bücher sind doch auch Parallelen, sind zwei verschiedene Perspektiven, die auch, wie ich schon sagte, zum Beispiel auf das Funktionieren geworfen werden. Und so anders das Buch von Robert Stehr ist, so geht es doch auch hier um das Funktionieren und um die Ordnung, aber nicht um das selber Funktionieren, sondern vor allem um das Funktionieren der Welt um ihn herum, um das Funktionieren der ganzen Infrastruktur. herum, um das Funktionieren der ganzen Infrastruktur. Wenn ich um ihn herum sage, meine ich einen Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive wir hier alles erfahren. Fangen wir mal an, also es fängt an mit dem ersten Satz, den lese ich hier auch vor. Da sehen Sie auch schon dann die Unterschiede. Ich schlage die Bettdecke zurück und stelle die Füße fensterseitig auf den Boden. Mit diesem Satz beginnt Robert Steers Ich-Erzähler eines Tages im wahrscheinlich 21. Jahrhundert seiner Aufzeichnungen. Ab nun kann man ihn lesend 138 Seiten oder 43 Tage begleiten. Und tut dies, kommt mir vor, ein wenig mit dem Gefühl, Voyeur oder Voyeurin zu sein, das Tagebuch eines anderen zu verfolgen, der darin eigentlich mehr für sich als für uns, für seine Leser, notiert, wie er von morgens bis abends die Zeit verbringt, was er träumt und vor allem, welches Ziel er verfolgt. Dazu gleich, diese Haltung des Ich ist halt schon mal ein Unterschied zu den Ichs bei Renate Silberer, was wir gerade gehört haben, auch zu Herrn Tankwart vor allem, bei denen es sich stärker um klassische Ich-Erzähler handelt, die von ihrer Haltung her, man erkennt es auch daran, dass sie immer wieder auch was erklären, was erzählen, sich erinnern, stärker zum Du eines Hörers, einer Hörerin, eines Lesers, einer Leserin orientiert sind. Das ist in Plan nicht der Fall. Hier hat eben der fiktive männliche Ich-Erzähler, dessen Dasein halt auch Satz für Satz in den Leserköpfen Kontur annimmt, seinen Blick zumindest halb von uns abgewendet als Leser. Wir sind nicht mit einbezogen oder nicht impliziert. seinen Blick zumindest halb von uns abgewendet als Leser. Wir sind nicht mit einbezogen oder nicht impliziert. Es gab einmal ein literaturwissenschaftliches Buch, das wurde ein Standardwerk so in den 90ern, das hieß Der implizite Leser, war von Wolfgang Iser, glaube ich. Da ging es darum, dass ein Schreibender beim Schreiben immer seine Leser mitdenkt. Das machen auch viele, die Tagebuch schreiben. Aber hier hat man den Eindruck, dass es dieser Ich-Erzähler vor allem auch für sich macht. Und zwar ist es, das werden Sie dann auch hören, ein sehr gleichmäßig geschriebener, fast auch protokollartiger Text. Also es bleibt uns, anders als bei Renate Silberer, bleibt uns bei diesem Ich zum Beispiel auch das Innenleben verschlossen. Also Mitteilungen über Gefühle finden hier nicht statt, können nicht stattfinden, so wie die Figur angelegt ist. stattfinden, so wie die Figur angelegt ist. Und man könnte auch sagen, dass dies protokollhafte oder auch sachliche ein Teil eigentlich auch der Stärke und Konzentriertheit dieser Erzählung ausmacht. Man merkt plötzlich als Leser, man ist genau dadurch bei der Stange gehalten, eben auf diese Art, weil man immer wieder herausfinden will, was ist denn das jetzt für ein Ich? Was macht der eigentlich? Was fühlt der? Und wir haben immer nur Anhaltspunkte von außen. Also er beschreibt sich wie von außen. Es bleibt von Beginn an also für uns die Frage, wer hier spricht und schreibt. Mit was für einem Charakter hat man es zu tun. Und man will ja auch dessen Geschichte kennenlernen, wenn man sich auf diesen Text einlässt. Doch dieses Kennenlernen, was beim Lesen halt auch immer ein sich identifizieren wollen ist, erhält hier eine Abfuhr. Auch wieder ein Unterschied zu den Ichs bei Renate Silberer, die sich halt auch erinnern. Da ist das Besondere auch, dass wir dazu gebracht werden, uns zum Beispiel auch mit Charakteren zu identifizieren, streckenweise, die uns alles andere als sympathisch sind. Man mag ja immer auch so ein bisschen sich treiben lassen, das geht hier auch nicht. Also dieser Raum, innerhalb dessen man sich so identifizieren könnte, der bleibt leer oder je nachdem frei. Es bleibt also immer eine bestimmte Diskanz, etwas Unverständliches. Und wir sind von diesem Ich, das habe ich jetzt schon gesagt, weiter entfernt als von den jetzt in Anführungszeichen neoliberalen Ungeheuern im Hotelweitblick. jetzt in Anführungszeichen neoliberalen Ungeheuern im Hotelweitblick. Dieses Ich gehört gewissermaßen auch in die Reihe der literarischen Sonderlinge und Exzentriker kafkaesker Natur, könnte man sagen. Das werden Sie auch hören. Es hat, anders als die Ichs bei Renate Silberer, keinen Namen. Es erzählt uns nichts über seine Herkunft, nichts über seinen Beruf, es ist einfach da. Von Tag zu Tag an einem namenlosen Wohnort, den man sich als Linz vorstellen könnte. Und auch die 43 Tage, in die der Text untergliedert ist, haben kein Datum. Wir erfahren nicht einmal, welche Wochentage es sind. Es gibt keine Jahreszahl, es gibt immer wieder nur mal Hinweise auf das Wetter, mal regnet es, mal sitzen Menschen bei Sonnenschein auf den Bänken im Park. Also auf den ersten Seiten hat man den Eindruck, man hat es im Grunde mit einer Serie protokollierter im Großen und Ganzen zunächst nach dem gleichen Muster ablaufender Tage zu tun, aus dem sich die Tage dieses Erzählers zusammensetzen. Bis auf den letzten, den 43. Tag, werden diese Tage beendet oder das ist so eine Markierung, eine Grenze von der zwischengeschobenen Albträumen, die quasi die andere Seite dieses verschlossenen Protokolls darstellen, Weil dieser Erzähler, der halt, da komme ich gleich dazu, von der Ordnung besessen ist, davon besessen ist, Ordnung zu schaffen, hat jede Nacht einen in Variationen Je nachdem fällt er mal herunter, er steigt mal auf, mal ist oben Licht, mal sind an den Seiten Fratzen, die mal beleuchtet sind, die ihn mal verhöhnen. Mal dreht sich dieser ganze Schacht, als wäre er in einer Waschmaschinentrommel. Dieser Albtraum gliedert eigentlich dann immer wieder auch den Text. Also wir haben diese zwei Teile, Tagesablauf, Albtraum, die sich immer wieder abwechseln. Und in diesen Albträumen scheint auch eine Verletzlichkeit, eine Angst und ein Gefühlschaos zum Ausdruck zu kommen, dass der Grund für die Eigenart dieses Ich-Protokollanten scheint oder besser für seine Obsession, so heißt es aber treffend auch auf dem Klappentext, die mit einem Wort benannt werden kann, Ordnung. Denn wir haben es, ohne zu viel verraten zu wollen, mit einem der Sonderlinge zu tun, der sich als sozusagen personifiziertes Paradox, was allerdings auf jeden Menschen zutreffen mag, wie man lesend immer mehr erkennt, dem Ordnung schaffen verschrieben hat, der einerseits den eigenen Tagesablauf genau organisiert hat und nur zu gern, ja unwillig, von diesem geordneten, geregelten, ritualisierten Ablauf abweicht. Der morgens mit dem Fensterseitigen Aufstehen, dem Öffnen der Fenster in einer bestimmten Reihenfolge, dem Öffnen der Kastentür, dem Duschritual ist genau geregelt, was von oben nach unten passiert, das Abduschen und das Einreiben, dem jeden Tag, jede Mahlzeit protokollierten Frühstück beginnt. Und andererseits wird dieser Mensch aber davon umgetrieben, einen Plan für eine besser funktionierende, das heißt geordnete Stadt, letztlich dann geordnete Welt mit allem Drum und Dran zu entwerfen. Diesen Plan beginnt er jetzt erst mal, entwickelt er täglich am Computer. Er wird in seinem Tun immer nur unterbrochen von der einzigen Bezugsperson oder ständigen Kontaktperson, von der man erfährt. Das ist, ich sage jetzt mal seine Freundin Carla, aber das ist auch eine Beziehung, quasi On-Off-Beziehung, wo sie ihm immer signalisiert, wir müssen reden und er ignoriert es, er erschrickt, wenn es so weit ist, man trifft sich im Kaffeehaus, kommt aber im Gespräch nicht zusammen und so weiter, aber diese Kala tritt immer wieder auf und kommt halt, wie das Menschenart ist, immer wieder als Störfaktor in den Versuch, Ordnung zu schaffen. Ja gut, der Plan wird am Computer entwickelt, nimmt natürlich auch verschiedene Varianten an. Es gibt dann letztlich Plan A, Plan B, Plan C und erscheint, man weiß nicht genau, ob es den wirklich gibt, aber erscheint im Auftrag eines ominösen Clubs, der nicht weiter benannt wird, angefertigt zu werden. Und diese Clubmitglieder rühren sich immer wieder mit Kritik bei dem Ich-Erzähler. Das verdrängt er, aber natürlich, wir erfahren es, weil er auch davon schreibt und sich darüber ärgert. Sie rühren sich meistens nicht in Person, sondern vermittelt, also weniger zugänglich über technische Geräte, zum Beispiel per Telefon oder E-Mail. Und per E-Mail. Und per E-Mail treffen auch immer wieder anonyme Warnungen ein, was die zunehmend kafkaeske Atmosphäre, die immer wieder auch hier unter der Decke schwelt und auszubrechen droht oder überhandzunehmen droht, verstärkt. Man erfährt nicht den genauen Auftrag, man bleibt also da auch im Ungewissen, falls es den überhaupt gibt, weil vielleicht ist dieser Auftrag, von Seite zu Seite hat man den Verdacht, wie auch der Club, eine Erfindung des Erzählers, um seinen Plan zu legitimieren. Man kennt es und weiß es, der Kampf gegen die Unordnung des Lebens ist zum Scheitern verurteilt, desto mehr je umfassender man ihn führt. Und so schwebt hier unter der Decke der Worte der sachlich protokollierten Tage, der Überlegungen zur neuen und besseren Ordnung von Parkbänken und anderen sogenannten, so heißt es nämlich amtlich, nehme ich an, Funktionselementen wie Papierkörbe und so weiter, so heißt das nämlich amtlich, nehme ich an, Funktionselementen wie Papierkörbe und so weiter, oder zur Beseitigung von störenden Bänken oder das Ganze hat ja auch für mich eine ziemliche Komik gehabt. Also man kennt ja den Typen dessen, der manisch Ordnung schaffen will und dabei das größte Durcheinander anrichtet. Hier kommt zum Beispiel dann die Überlegung vor, dass man erstens mal, weil der Verkehr so stockt, dass man die Kreuzungen beseitigt, stattdessen überall Kreisverkehr einführt und am besten die Ampeln abstellt, damit der Fußgängerfluss besser in Bewegung kommt. Und als nächster denkt man, es wird alles natürlich wesentlich chaotischer im Namen der Ordnung, als es sei. Ab ungefähr Tag 25 nimmt die Obsession Fahrt auf und der Titel ist eben auch dann passend, weil letztlich rückt der Plan in den Mittelpunkt und unterwirft eigentlich diese Idee mit dem Plan, unterwirft alles, so weit es dann auch dieser Ich-Erzähler und das ist halt auch, habe ich am Anfang auch mit der Serie gemeint, wo die Tage erst sehr gleichförmig sind. Man erkennt zunehmend, dass er von dieser Ordnung abweicht, weil jetzt diese Obsession da ist, diesen Plan unbedingt durchzuführen. Und vor allem erst einmal bekannt zu machen. Da fängt er zum Beispiel an, seinen Tagesablauf etwas zu vernachlässigen. Da fängt er zum Beispiel an, seinen Tagesablauf etwas zu vernachlässigen. Plötzlich überlegt er, er könnte ja auch die eigene Wohnung optimieren, versucht die Möbel umzustellen. Dann die kafkaesken Erfahrungen unserer Zeit, die Kontaktaufnahme mit Ämtern natürlich, mit einem Stadtrat, wo er weggeschickt wird, Formbriefe treffen ein, schließlich gibt es auch ebenso formal die Erlaubnis, eine Veranstaltung für das Anliegen des Plans abzuhalten. es wird alles weiter organisiert. Es gibt dann die Idee, man muss FIPS dafür gewinnen, wie es halt auch normale Organisationen machen. Da bekommt er auch wieder nur Formbriefe, begeisterte Formbriefe von Rockmusikern, die ihn alle ermutigen. Zwei, eine Sängerin, ein Musiker und Vertröstungen natürlich von den Beamten und so wird das Ganze eigentlich, es steigert sich, ich will jetzt nicht mehr verraten, ich habe parallel in einem anderen Buch gelesen und da habe ich auch wieder eine Formulierung aufgeschnappt, die mir zu diesem hier passend schien. Und zwar war es eine Formulierung von HC Artmann und die lautet Geometrischer Wahnsinn. Also das kommt in diesem Buch auch zu tragen. Und jetzt um, natürlich gibt es viele, viele, viele andere Aspekte auch noch. Es gibt auch in diesen Aspekten Ähnlichkeiten oder Motivähnlichkeiten zu Renate Silberer. Aber noch als Schlusswort, nach dieser von Robert Steers einsamen Stadtplaner aus eigener Berufung erzählten Geschichte, es ist ja nur ein Ausschnitt aus seiner Geschichte, weiß man einmal mehr, warum gegenüber jeder Forderung nach Recht und Ordnung Wachsamkeit geboten ist. Auf andere Weise als Renate Silberer und am Beispiel eines weniger etablierten Außenseiters führt unter anderem auch der stärke Plan vor Augen, wie Ordnung und Kontrolle zusammenhängen. Der Wunsch nach dem einen ins andere kippen wird, wenn man ihn nur nachdrücklich betreibt oder sich betreiben lässt. Wenn man beginnt, salopp gesagt, den Menschen der Ordnung unterzuordnen. Endstation Faschismus sozusagen und das schwingt hier auch mit. Also auch dieses Buch ist sehr aktuell und auch gesellschaftskritisch, aber natürlich Literatur für die schöne Einführung und danke an alle fürs Kommen. Ich lese jetzt gleich nach Start des Computers, ein paar Sekunden, fünf sogenannte Takes aus dem Textplan. Es geht gleich los. Plan, Take 1. Ich schlage die Bettdecke zurück und stelle die Füße fensterseitig auf den Boden. Mit Schwung stemme ich den restlichen Körper aus dem Bett. Ich öffne das linke der zwei Fenster, beide Flügel und hänge das Bettzeug zum Lüften aus dem Rahmen. Mache die Türen der beiden Kleiderschränke auf und öffne mit einem kräftigen Ruck die Ladenderwäschekommode. Ich gehe ins Wohnzimmer und ziehe beide Flügel des rechten Fensters auf. Ich beuge mich hinaus, schaue auf den morgendlichen Verkehr und die Gruppen von Jugendlichen, die zu den nahegelegenen Schulen strömen. Ich gehe ins Bad und schließe die Tür hinter mir. Ich drücke Pasta aus der Tube auf die Bürste und putze die Zähne. Leichtes Bluten beim Massieren des Zahnfleischs. Das Blut, vermischt mit Wasser, spucke ich ins Waschbecken. Die Zahnbürste wasche ich unter fließendem Wasser aus. Von unten nach oben, von den Füßen bis zum Gesicht, richte ich den Wasserstrahl aus dem Duschkopf auf die Haut. Das Einseifen des Körpers erfolgt in die entgegengesetzte Richtung, nur das Gesicht spare ich zunächst aus, um als letztes gründlich mit Seife zu waschen. Das Abschließen der Duschen mit lauwarmen Wasser beginne ich wieder an Füßen und Beinen und arbeite mich hinauf zu Hals und Kopf. Während des Abtrocknens summe ich eine Melodie, öffne dann das kleine Badezimmerfenster und lasse frische Luft in den dunstig-feuchten Raum strömen. Den nassen Fliesenboden wische ich mit einem Tuch, das ich um die Bürste des Besens wickele. Sobald ich mit dem Ankleiden fertig bin, koche ich Wasser auf und hänge einen Beutel mit Schwarzteeblättern in eine Schale. Während das Wasser heiß wird, schließe ich die Fenster mit Ausnahmen von jenem im Bad und mache die Türen der Schränke und Kommoden zu. Mit dem frisch aufgegossenen Tee setze ich mich an den Holztisch im Wohnzimmer, der mir als Esstisch dient. Ich hole ein Stück Obst aus dem Kühlschrank und blätter in der Zeitung. Eine halbe Stunde später wechsle ich ins Nebenzimmer an den Arbeitstisch. Dort liegen Unterlagen, die geordnet werden müssen. Das nimmt einige Minuten in Anspruch. Dann schalte ich den Computer ein und beginne mit der Arbeit, setze das Pfeilen und den Plänen fort. Jede Stunde unterbreche ich die Arbeit für eine kurze Pause, höre Musik und gehe im Zimmer auf und ab. Nach mehreren Stunden des Pfeilens und Tüftelns an den sich immer wieder ändernden Plänen schließe ich die Datei und suche im Internet nach benötigten Informationen. Nach Beendigung der Arbeit am Computer spiele ich eine Disc mit klassischer Musik und lege mich auf die Couch. Für Müdigkeit schlafe ich ein, schrecke an einer besonders eruptiven Stelle des Musikstücks hoch. Als die Musik zu Ende ist, stehe ich ruckartig auf, hole ein Staubtuch aus der Abstellkammer und wische damit über die glatten Oberflächen der Wohnung. Esstisch, Arbeitsfläche, Couchtische, Bücherregal, Kommode. Ich lege das Staubtuch zurück auf die Ablage neben dem Besen, um den noch das Aufwischtuch gewickelt ist, und wische die Böden. Zum Abendessen koche ich ein Nudelgericht und verfeinere es mit verschiedenen Gewürzen und Kräutern. Dazu trinke ich ein Glas Wasser und setze die Lektüre der Zeitung fort. Das schmutzige Geschirr wasche ich nach dem Essen der Spüle ab. Die sauberen, noch nassen Töpfe und Teller staple ich auf der Ablage neben dem Spülbecken. Da es zu früh für die Nachtruhe ist, schalte ich nochmals den Rechner ein und lese neue Nachrichten in meinem E-Mail-Account. Auf zwei von ihnen beschließe ich nicht zu antworten. In der zuletzt gelesenen Nachricht findet sich ein Hinweis, der mich stutzig macht. Ich muss im Nachgehen dem Club darüber berichten. Der Hinweis beschäftigt mich zu stark, dass ich im Bett liegend längere Zeit nicht einschlafen kann. Im Traum falle ich kopfüber in einen Schacht. Durch die kreisrunde Öffnung schaue ich auf den sich rasch entfernenden Himmel. Während des Fallens drehe ich mich um die eigene Achse. Ringsum von den Wänden des Schachts starren mich verzerrte Fratzen an. Die Fratzen grenzen höhnisch. Sie öffnen ihre Münder und blasen mir heißen Dampf ins Gesicht. Immer tiefer falle ich. Kurz vor dem Aufprall auf dem Boden des Schachts erwache ich. Take 2 Kurz vor dem Aufwachen träume ich vom Park und von der Straße. Autos fahren in gleichmäßigen Abständen, nicht so langsam, nicht so schnell. Keiner hupt oder schert aus. Im Park spielen Kinder friedlich mit Bällen. Ich reiße das linke Schlafzimmerfenster auf und schüttle die Bettwäsche aus, bevor ich sie zum Lüften in den Fensterrahmen hänge. Die Türen der Kleiderschränke mache ich weit auf, um ausreichend Luft durchströmen zu lassen. Im Bad säubere ich den Körper besonders gründlich, vermeide Rötungen oder Wundscheuern von Hautpartien, welche die Folge zu heftigen Reibens mit Seife und oder Waschlappen sein könnten. Beim Trinken des Frühstückstees verbrühe ich mir beinahe die Zunge. Bevor ich mich an die Arbeit mache, läutet das Telefon. Warum ich mich noch nicht gemeldet habe, will das Mitglied des Clubs, mit dem ich gestern gesprochen habe, wissen. Heute Abend um 19 Uhr, sagt der Mann. Als ich ihn fragen will, wo das Meeting stattfinden wird, hat er schon aufgelegt. Am späten Vormittag sind viele Menschen unterwegs. Einige von ihnen marschieren ruhig und zügig durch die Straßen. Sie haben nicht viel Zeit zu verlieren, ohne übertriebene Eile an den Tag zu legen. Andere hingegen scheinen mehr oder weniger planlos in den Tag hineinzulaufen. Die Ströme von Menschen, der Verkehrsstrom zu dieser Tageszeit werden die latente Gefahr in eine Art Chaos zu kippen. Ein aus dem Ruderlaufen strukturierter Abläufer in der öffentlichen Ordnung ist für die Zukunft nicht auszuschließen. Das Café ist brechvoll mit Gästen. Carla ist noch nicht da. Als sie kommt, begrüßen wir uns kurz, bevor ich sie erwartungsvoll anblicke. Weißt du, wo die Clubmitglieder sich das letzte Mal getroffen haben? Frage ich leise. Sie schüttelt den Kopf. Wie kommst du darauf, dass ich das wissen könnte, sagt Carla und schaut an mir vorbei Richtung Bar. Nachdem der Kellner Carla einen Espresso und mir eine Melange gebracht hat, verstecken wir uns hinter unseren Tassen, trinken und lassen den Blick durch den Raum schweifen. Wann triffst du dich mit den Mitgliedern? bricht Carla das Schweigen. Um 19 Uhr. Soll ich mitkommen? fragt sie. Als ich die Antwort schuldig bleibe, trifft Carla Anstalten, aufzubrechen. Ich bestelle eine weitere Tasse Kaffee, worauf Carla irritiert reagiert und nach knappem Gruß das Kaffee im Eilschritt verlässt. Ich bezahle meinen und Carlas Kaffee und schlage den kürzesten Weg nach Hause ein. Der direkte Weg zum Haus ist blockiert durch eine Straßensperre. Als ich Passanten nach dem Grund für die Blockierung frage, gibt keiner eine Antwort. Mein Unmut steigert sich zur Wut darüber, einen Umweg nehmen zu müssen und kostbare Zeit zu verlieren. Ich stelle mir vor, die Verantwortlichen für diese Verkehrsbehinderung mit Vorwürfen mangelnder Planung, mutwillig provozierter Desorganisation zu konfrontieren. Wie Angeklagte stehen die Männer, auch Frauen, gesenkten Hauptes vor mir, während ich ihnen ihre Verfehlungen und Versäumnisse Punkt für Punkt mit erhobener Stimme, deren Lautstärke sich zum Schreien steigert, entgegenschneudere. Meine Anklage mündete den Vorwurf, keinen Plan zu haben bei der Gestaltung und Lenkung des städtischen Verkehrswesens. Während ich auf dem Umweg nach Hause über leere Getränkedosen stolpere, zeichne ich in Gedanken einen verbesserten Stadtplan mit umgestalteten Straßenzügen, Parks und Verkehrslinien. Alles könnte klarer, strukturierter und effizienter sein. Zu Hause angekommen, stelle ich mich ans Wohnzimmerfenster und lasse den Blick über die Umgebung schweifen. über die Umgebung schweifen. Take 3. Ich erwache in der Morgendämmerung. Ich variiere den morgendlichen Startvorgang, indem ich zuerst die Fenster im mittleren und im Arbeitszimmer öffne, bevor ich jene im Schlafzimmer aufmache und, wie immer, die Bettwäsche aus dem Rahmen hänge. Beim Duschen experimentiere ich mit der Wassertemperatur. Zum Frühstück trinke ich starken Kaffee. Ich laufe zur Bushaltestelle und lese auf der Anzeigetafel, dass der Linienbus zehn Minuten Verspätung hat. In der Straße, wo sich das Amt des Planungsstadtrats befindet, gehe ich in die linke Richtung und stehe nach wenigen Schritten vor der richtigen Adresse. Ich atme tief durch und gehe ins Hochbatter, klopfe an die Tür und betrete den Eingangsbereich. Sie wünschen, fragt mich eine unfreundlich blickende Frau unbestimmten Alters, als ich schnurstracks auf die mit dem Namen des Stadtrats bestellte Tür zusteuere. Ich möchte Ihren Chef sprechen, antworte ich mit Nachdruck in der Stimme. Haben Sie einen Termin, erwidert die Frau Barsch. Erst jetzt bemerke ich eine Anzahl Leute, welche im hinteren Teil des Raumes auf Holzbänken sitzen. Ich bin wegen der Reformpläne hier, die ich dem Herrn Stadtrat per Mail übermittelt habe. Es ist dringend, insistiere ich mit zunehmend lauter Stimme. Die Vorzimmerdame sieht mich verständnislos und abweisend an, zwei der Wartenden heben die Köpfe. Das sagen alle, sagt die Frau genervt. Was ich dem Stadtrat zu sagen habe, sagen keineswegs alle, rufe ich ungehalten. Alle mal herhören, wende ich mich an die Leute auf den Sitzbänken, als der Stadtrat die Bürotür öffnet und in den Warteraum tritt. Was soll der Lärm, fragt der Mann von oben herab und fixiert zuerst die Sekretärin, dann mich. Bevor diese Frau nach einem raschen Seitenblick auf mich etwas erwidern kann, ergreife ich die Initiative und wende mich direkt an den Verantwortlichen. Sehr geehrter Herr Stadtrat, Sie erinnern sich gewiss an mein Ihnen vor wenigen Tagen zugesandtes Mail, in dem ich Ihnen meine Kritikpunkte und Reformvorschläge bezüglich des Lebens im öffentlichen Raum unserer Heimatstadt unterbreitet habe. Ich möchte, wenn Sie etwas vorzubringen haben, lassen Sie sich einen Termin geben, sagt der Politiker gleichgültig, fragt in Richtung der Wartenden, wer ist der Nächste und verschwindet in seinem Büro. Während ich perplex vor der Sekretärin stehen bleibe, sagt sie, der nächste freie Termin ist in einem Monat, ich kann sie gern vormerken. In einem Monat blitzartig drehe ich mich um und stürme in das Büro des Politikers. Den erschrockenen Ruf der Sekretärin und das aufgestörte Murm der Wartenden ignoriere ich. Als ich vor dem Schreibtisch des korpulenten Mannes stehe, in seine geröteten Augen schaue, prallen wir beide zurück und sagen eine Zeit lang nichts. Während ich mich setzen und seiner kurzen Rede anheben will, schlägt der Stadtrat mit der flachen Hand auf die liederne Schreibunterlage seines Arbeitstisches und bezeichnet mein Verhalten als Ungeheuerlichkeit, welche er sich unter keinen Umständen bieten lassen werde. Ich kontre mit dem Vorwurf der Ignoranz gegenüber meiner Eingabeinitiative. Auf mein digital übermitteltes Schreiben hätte ich lediglich eine nichtssagende Antwort erhalten. Ein kurzfristiger Termin für eine Unterredung sei laut seiner Sekretärin nicht möglich. Es sei eine Frechheit, wie mit engagierten Bürgern wie mir umgesprungen werde. Was zum Teufel wollen Sie? Was glauben Sie, wie viele Bürger mich jeden Tag wegen irgendwelcher Sachen sprechen wollen? Und jetzt gehen Sie. Wir blicken einander wütend und voller Abneigung an. Ich bringe kein Wort der Erwiderung hervor. Am ganzen Leib zitternd mache ich abrupt Kehrt, laufe aus dem Büro und schlage die Tür hinter mir zu. Beim Durchqueren des Vorraums würdige ich die Sekretärin und die wartenden Menschen keines weiteren Blickes. Auf der Treppe zum Ausgang stolpere ich und halte mich am Geländer fest. Der unmögliche Kerl hätte nicht die Kuzpe, mich derart brüsk abzuwimmeln, stünden nicht einflussreiche Menschen, sogenannte Pressure Groups, hinter ihm, die es dem Mann ermöglichen, um die Zukunft des Zusammenlebens in dieser Stadt besorgte Menschen wie mich wegzuschicken und ihre Anliegen zu ignorieren. Ich stoße zwei Männern, die mir partout nicht ausweichen wollen, den linken bzw. rechten Ellenbogen in die Seite. Die beiden, offenbar miteinander bekannt, wenden sich gleichzeitig mir zu. Können Sie nicht aufpassen, plafft mich der Größere der beiden mit lauter Stimme an. Die Männer bauen sich mit bedrohlicher, wirkender Körperhaltung vor mir auf. Ich trete einen Schritt zurück und fixiere abwechselnd den einen und den anderen. Wer hat hier nicht aufgepasst? Erwidere ich gereizt. Darum bemüht mir die aufkeimende Angst vor den grobschlächtig aussehenden Typen nicht anmerken zu lassen. Inzwischen sind einzelne Fußgänger auf uns aufmerksam geworden und stehen geblieben. Als meine Angreifer dies bemerken, drehen sie sich abrupt um und gehen davon. Ich vermeide jeden Blickkontakt mit den Umstehenden, atme tief durch, erhebe mich und gehe schwankenden Schrittes weiter. Ich durchwandere Viertel unserer Stadt, in denen ich lange nicht oder überhaupt noch nie gewesen bin. Jede Straße, jeder Platz und jeder Park, die ich durchquere, bestätigen mir aufs Neue, dass ich richtig liege mit meinen Ambitionen. Wer das nicht erkennt oder nicht erkennen will, ist entweder ein Egoist, Ignorant, verantwortungslos oder alles zugleich. Alle Ignoranten zusammen, mit denen ich bis dato konfrontiert wurde, lassen mich an meiner Mission nicht zweifeln. Ich werde den Weg, den ich eingeschlagen habe, weitergehen. Widerstände müssen auf dem Weg geräumt, Kampfgefährten gewonnen werden. Nach dem Heimkommen lege ich mich auf die Couch und wickele mich in die Decke. Im unruhigen Schlaf, der mich nach wenigen Augenblicken übermannt, träume ich vom Chaos, welches hinter jeder Hausecke lauert. Autos stoßen frontal zusammen, Benzin fließt aus leckgewordenen Tanks auf die Fahrbahn, Menschen schreien vor Wut und vor Schmerz. Keiner hilft dem anderen, einige gehen aufeinander los. Abfallkübel quälen über, Ratten springen durch den Müll, Kinder weinen vor Schreck. Im Schacht, in dem ich gefangen bin, ist es feucht und heiß. Ich rudere mit Armen und Beinen, doch ich kann weder hinauf noch hinunter. Insekten befallen meinen Körper. Leises Stöhnen, spitze Schreie. Take 4 Duschen und Anziehen sowie Mundhygiene müssen an diesem entscheidenden Tag besonders sorgfältig durchgeführt werden. Schließlich repräsentiere ich eine zukünftige Reformbewegung, deren Initialzündung heute an diesem Nachmittag erfolgen wird. Auf dem Weg zur Versammlungsfläche im Park fallen mir beschädigte und abgerissene Plakate auf. Im Park fallen mir beschädigte und abgerissene Plakate auf. Auf den Bänken und Wiesen rund um die Fläche sitzen Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts und reden angeregt miteinander. Es ist gut, wenn der Reformkonvent von vielen verschiedenen Menschen besucht wird. Leute aus allen Gesellschaftsschichten sollen sich meiner Bewegung anschließen. In weniger als einer Stunde starten wir. Von mehreren Seiten nähern sich Passanten dem Veranstaltungsgelände. Erst jetzt fällt mir auf, dass die Klarsichthüllen mit den Hinweisen nicht mehr an Bäumen und Pfosten kleben. Wahrscheinlich haben interessierte Personen sie mitgenommen. Eine halbe Stunde vor Beginn des Konvents sitzen etliche Leute, die meisten jüngeren Alters, auf der Wiese in der Sonne. Klima und Atmosphäre stimmen. Jemand ruft nach mir. Ich drehe mich um und erblicke einen der Nachbarn, die ich lange nicht gesehen habe. Freut mich, dass Sie sich Zeit nehmen, sage ich und schüttelte dem Nachbarn die Hand. Zeit wofür? fragt der Mann und schaut mich verständnislos an. Für die Bürgerversammlung, erwidere ich. Okay. Der Nachbar hebt die Hand zum Gruß und schlendert über die Wiese davon. Kurz darauf läutet das Telefon in meiner Tasche. Carla. Wann kommst du? Frage ich gereizt. Ich schaffe das jetzt nicht. Treffen wir uns später im Café, meint Carla unbekümmert. Ich unterbreche augenblicklich die Verbindung und bin versucht, das Telefon ins Gras zu werfen. Knapp vor dem definitiven Start des Konvents vermeine ich erwartungsvolle Blicke auf mich gerichtet zu sehen. Mein ohnehin schon hoher Adrenalinpegel steigt weiter. Ich spüre die Motivation, es gelingt mir, den Ärger über Carla zu vergessen. Ein paar Männer, deren Alter schwer schätzbar ist, steuern auf mich zu. Sie wirken unsicher, nervös, als sie vor mir stehenbleiben und fragen, ob hier die angekündigte Versammlung stattfindet. Ich nehme Haltung an und bestätige den Männern, dass sie hier genau richtig seien. Ich freue mich über ihr Erscheinen. Die Gruppe bleibt direkt vor mir stehen und bringt mich förmlich. Ich entschuldige mich bei der Gruppe. Es ist zwei Uhr und die Versammlung beginnt. Wir starten jetzt, rufe ich in den verschiedenen Richtungen, wo die Teilnehmer auf Bänden und der Wiese sitzend warten. Zunächst reagiert niemand auf meinen Zuruf. Ich muss lauter rufen, um mich gegen den im Park herrschenden Lärmpedel durchzusetzen. Die Männer der Gruppe schauen mich erwartungsvoll an. Nach dem dritten Aufruf, bei dem mich der Größte der Männer akustisch unterstützt, antwortet eine Frau, die mit einer Freundin auf der am nächsten stehenden Bank sitzt. Warum schreien Sie denn so? Weil ich jetzt beginnen und die Leute nicht länger warten lassen möchte. Beginnen womit? Wenn Sie nicht zu unserem Reformkonvent gekommen sind, ersuche ich Sie, woanders hinzugehen, sage ich ungeduldig. Gehen Sie doch woanders hin, wir wissen nichts von einer Konvention, keifen die Frauen unisono. Von der Wiese ruft ein Mann herüber, wir wollen unsere Ruhe haben. Wenn auch, mit Ausnahme der Gruppe, bis jetzt niemand auf meinen Eröffnungsruf reagiert hat, räusper ich mich, ein weiteres akustisches Zeichen setzend, entsprechend laut und beginne zu sprechen. Einige wenige drehen sich nach mir um und mustern mich von oben bis unten. Ich steigere die Lautstärke und lege größeren Nachdruck in die Stimme. Langsam müssten diejenigen, welche auf der Wiese und die in diese säumenden Bänken sitzen, aus ihrer Lethargie erwachen und sich um den Redner, mich, scharen. Der Konvent hat begonnen, ich halte die Öffnungsrede. Unmittelbar vor und seitlich von mir steht die Männergruppe, der harte Kern sozusagen. Ihre Mitglieder applaudieren nach jedem zweiten Satz, den ich sage. Sie fungieren als Anheizer. Weiter weg stehenden und sitzenden Versammlungsteilnehmern verstellen sie allerdings die Sicht auf den Redner. Erste Wortmeldungen, Zwischenrufe kommen noch während meiner Rede. Ich unterbreche und ersuche die Betreffenden, ein paar Minuten mit ihren Diskussionsbeiträgen zu warten. Eine kleine Gruppe junger Frauen und Männer kommt näher. Was soll das Geschwafel? Lassen Sie uns in Ruhe. Die Leute hier, eine sich aggressiv gebärdende Frau, Wortführerin der Gruppe, beschreibt mit der Hand einen großen Bogen. Wollen das nicht hören? Meine Gruppe öffnet den Halbkreis, den sie um mich gebildet hat und dreht sich nach der aggressiven Frau und ihrem Gefolge um. Wollt ihr Streit, sagt einer meiner Anhänger halblaut. Ich suche abzuwiegeln und ein Gespräch zu beginnen mit diesen Leuten, die einige Meter entfernt auf der Wiese stehen geblieben sind. Wenn auch nicht alle wegen des Konvents hier sind, so glaube ich doch, dass ich bei vielen Menschen Interesse wecken kann. Bemühe ich mich, ruhig zu bleiben. Für diesen Schwachsinn wollen sie Unterstützer finden. Einer der Begleiter der Frau greift sich an die Stirn. Darauf brechen diese Leute in Lachen aus, drehen sich abrupt um und gehen davon. Einer aus meiner Gruppe macht Anstalten, ihnen nachzulaufen. Ich halte ihn am Arm zurück. Bevor ich weiterspreche, überblicke ich das Veranstaltungsgelände. Die Anzahl der Anwesenden ist kleiner geworden. Haben sie schon genug gehört? Keine Lust oder Bereitschaft, sich einzubringen? Auf die können wir verzichten, sagt einer aus der Gruppe stoisch. Ich schaue ihn an, zucke die Achseln. Die Kerngruppe meiner Anhänger hat sich um mich geschart. Von den Nachbarn ist keiner gekommen, auch niemand von denen für die Stadtplanung Verantwortlichen hat sich blicken lassen. Nicht einmal die beiden Popmusiker, die im Mailverkehr ein gewisses Interesse an meinem Anliegen geäußert, es für cool befunden haben, sind gekommen. Unter den gegebenen Umständen verzichte ich darauf, die Eröffnungsrede zu beenden. Aus Enttäuschung über die Ignoranz und Gleichgültigkeit der Menschen in dieser Stadt werde ich vorläufig keinen zweiten Termin für eine Versammlung ansetzen. Eine Reformkeimzelle hat sich gebildet. Die Männer meiner Gruppe haben sich nicht verabschiedet, sie stehen, im wahrsten Sinne des Wortes, zu mir. Ich danke euch fürs Kommen, sage ich und schüttle jedem der Gruppenmitglieder die Hand. Wir wollen mehr über deine Initiative erfahren, sagt einer von ihnen. Unbedingt stimmen die übrigen Männer zu und nicken freundlich. Ich betone meine Freude über die Unterstützung. Gleich morgen, schlage ich vor, könnten wir uns wieder treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wenn jeder aus der Gruppe bestimmte Aufgaben zur Umsetzung meiner, unserer Reformbestrebungen übernehme, sei ein Erfolg letzterer möglich, seien dringend notwendige Maßnahmen auch ohne breite Unterstützung realisierbar. Erzähl uns morgen mehr, dann schauen wir weiter, sagt einer aus der Gruppe, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hat. Wir vereinbaren ein Treffen für den nächsten Tag, ich schlage das Gasthaus in der Nähe meiner Wohnung vor und beschreibe den männenden Weg. Als die Gruppe außer Sichtweise ist, laufe ich am schnellsten den Weg nach Hause. Es ist höchste Zeit für die tägliche Ruhephase. Obwohl mein Atem vor Aufregung und Ärger unregelmäßig geht, schlafe ich auf dem Sofa nach wenigen Augenblicken ein. Als ich erwache, ist die Nacht hereingebrochen. Es ist Schlafenszeit, Kopfschmerzen und Üblichkeit plagen mich. Ich gehe zum Straßenseitigen Fenster, öffne es und atme tief durch. Dann gehe ich zu Bett und versuche wieder zu schlafen. Erst im Morgengrauen verfalle ich einen kurzen Schlummer. wieder zu schlafen. Erst im Morgengrauen verfalle ich an den kurzen Schlummer. Der Schacht, in den ich gefallen bin, erweitert sich zur Höhle. Im Dunkeln tappe ich vorwärts und stoße mit dem Kopf gegen Felsvorsprünge. Im Traum spüre ich keinen Schmerz. Benommen Roppig über den staubigen Boden. Aus weiter ferner Musik. Take 5. Am Morgen gilt mein erster Gedanke dem Fortschritt der Interventionen durch die Mitglieder unserer Gruppe. Dieser Tag wird neue Aktionen, Veränderungen bringen. Ich beeile mich mit den morgendlichen Verrichtungen, ohne es an Genauigkeit fehlen zu lassen. Ich öffne Fenster und Schränke, lüfte die Bettwäsche und gehe ins Bad, um die Zähne zu putzen und zu duschen. Ich kleide mich an, koche Kaffee und esse ein Butterbrot. Um die einzelnen Initiativen besser koordinieren zu können, ist es erforderlich zu wissen, wer an welchem Einsatzort BUBIT beschäftigt ist. Gut möglich, dass einige Mitglieder der Gruppe MDGs sich bereits untereinander vernetzt haben. So entstehen schlagkräftige Unterabteilungen, bestehend aus einer überschaubaren Anzahl von Gruppenmitgliedern, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen, an verschiedenen Orten in der Stadt aktiv werden. Meine lenkende Hand ist vonnöten, um die Aufgaben und Einsatzorte systematisch den UAS, Unterabteilungen sowie Einzelkämpfern zuzuweisen. Neben dem Einsatz im Feld, auf den Straßen, in den Parks, in Geschäften und Lokalen sind direkte politische Interventionen unter Drucksätzen der sogenannten Entscheidungsträger von entscheidender Bedeutung für die Umgestaltung des Lebens in unserem Gemeinwesen. Bloße Anregungen, seien sie auch mit Nachdruck vorgebracht, fruchten nichts bei diesen Leuten. Meine Mitarbeiter werden Ultimaten stellen, im direkten Gespräch auf die Notwendigkeit grundlegender politischer Veränderungen drängen. Die Entscheidungsträger werden auszuführen haben, was wir wünschen. drängen. Die Entscheidungsträger werden auszuführen haben, was wir wünschen. Es gilt, vollendete Tatsachen zu schaffen. Den Verkehrsfluss behindern die Straßenblockaden, sind zu beseitigen, Parkbepflanzungen vorzunehmen. Für die Nutzung öffentlicher Plätze sind generell striktere Regeln durchzusetzen. Zähigkeit und Beharrungsvermögen sind notwendige Eigenschaften der Mitglieder unserer Einsatztruppe. Dass die Männer, welche sich mir angeschlossen haben, diese Charaktermerkmale besitzen, bezweifle ich nicht in den Augenblick. Das konzertierte Zusammenspielen nicht nur der Einsatzkräfte an verschiedenen Schauplätzen, sondern vor allem jenes letzterer mit den Kollegen, die auf die Politiker einwirken, muss immer wieder neu koordiniert werden. Jeden Tag, so beschließe ich, geht eine Direktive von der Zentrale hinaus an die im Einsatz befindlichen MDGs. Die Direktive mit der Nummer 1 enthält Folgendes. Die über die Stadt verstreuten Einsatzorte und Zeiten, durchzuführende Aktionen, Verantwortungsträger, die unter Feuer genommen werden müssen. Umfang und Breite der täglichen Aktionen hängen von der Anzahl zur Verfügung stehender MDGs ab. Ich werde mit meiner ganzen Autorität darauf pochen, dass möglichst immer alle oder die meisten von ihnen einsatzbereit sind. Nur wer sich mit Feuereifer für unsere Sache einsetzt, kann Mitglied unserer Gruppe sein. Zaudern und zögerliche Haltung dulde ich nicht länger. Wer nicht auf Abruf bereitsteht, öfter als einmal ein diesbezügliches Zeitproblem rückmeldet, hat mit Konsequenzen zu rechnen. Diese können Ausschluss, Verwarnung oder andere Disziplinierungsmaßnahmen bedeuten. Nur mit starker Geschlossenheit und Disziplin können wir unsere Pläne in die Tat umsetzen. Nur auf diese Weise kann unsere Bewegung die Oberhand gewinnen. Pläne in die Tat umsetzen. Nur auf diese Weise kann unsere Bewegung die Oberhand gewinnen. Das Panorama der Schauplätze, Situationen und mit diesen verbundenen Aktionen wird sich befruchtend auf den weiteren Verlauf unserer Mission auswirken. Hier in der Einsatzzentrale der Kommandobrücke geht ein reger Gedankenaustausch zwischen den MDGs untereinander sowie zwischen Ihnen und mir von Stadten. Dieser Austausch bildet die solide Basis für meine Entscheidungen. Wichtige Entscheidungen muss die Führung treffen. Als Gründer und Mastermind unserer Reformgruppe ist meine Position an ihrer Spitze unangefochten. Ich beschließe, Direktive Nummer 1 sofort nach dem Hochfahren des Rechners an den Mailverteiler mit den Adressen aller MDGs abzuschicken. Um sicherzustellen, dass die Direktive auch tatsächlich befolgt wird, erwäge ich für morgen einen Inspektionsrundgang zu einzelnen Einsatzorten. Beruhigt beginne ich die frühabendliche Ruhephase. Ich spiele laute Orchestermusik und schlafe trotzdem sofort ein. Einige Takte der Orchestermusik wiederholen sich ständig. Bevor ich aufstehe und die Stopptaste drücken kann, schlafe ich erneut ein und träume vom Spaziergang durch einen idyllischen Garten. Langstielige Sonnenblumen wachsen regelmäßig in Abständen die Höhe. Laubbäume mit ausladenden Ästen, die im Luftzug eines milden Windes wippen. Weitere Blumen in verschiedenen Farben verströmen intensiven Duft. Vom dicksten Ast eines der Bäume am Rand des Gartens pommelt eine Gliederpuppe. Sie hängt an einem Seil, das um den Hals geschlungen ist. Ich trete näher und schaue der Puppe ins Gesicht. Das Gesicht trägt meine Züge. Ich weiche zurück und erwache. Der Laserabtaster springt zwischen verschiedenen Passagen auf der Disc hin und her. Ich finde Gefallen an diesem hörbaren Chaos und stelle den Regler auf halbe Lautstärke. Ich esse eine Schnitte Schwarzbrot mit einer dünnen Schicht Aufstrich, trinke ein Glas Wasser. Eine Viertelstunde später beschließe ich den Tag und gehe zu Bett. Die Wände des Schachts, in dem ich auf und abfahre, sind aus Glas. Hinter dem Glas stehen Puppen mit grell geschmieden Gesichtern. Schwelle von Wasser fließen das Glas hinunter. Die Konturen der Puppengesichter verschwimmen. Danke für die Aufmerksamkeit. So, jetzt gibt es Gespräch. Ja, zunächst einmal gibt es Fragen im Publikum an die Autoren? An den Autor und die Autorin? Nein, gut. Dann wollte ich euch beide eigentlich fragen, wer zuerst antworten möchte. Mich interessiert im Grunde, wie ihr auf die Ideen zu euren Büchern gekommen seid, wie das entstanden ist, was war der erste Gedanke, wie ist es beim Schreiben für euch dann weitergegangen? Vielleicht ja. Okay, also bei mir, ich weiß nicht genau, ich habe vor über 20 Jahren Pädagogik studiert und so, und Heilpädagogik, und habe während meines ganzen Studiums nie etwas von oder über Johanna Hara gehört. Und das war erst viel später, dass ich auf sie gestoßen bin. Und es war dann sehr bald klar, dass ich ein Buch über NS-Erziehungsmethoden schreiben möchte und wie sie eventuell weiterwirken oder weiterwirken könnten. Und ich habe dann sehr lange und sehr viel recherchiert und eigentlich hat sich aus der Recherche heraus ergeben, Menschen in einem Hotel aufeinandertreffen zu lassen, wo sie dann isoliert miteinander tun. Und gequält werden zum Glück. Ich habe ja mit den Namen, ich habe nachgeschaut. Also erstmal habe ich bei Google, ich habe mich mit dem Namen Mundgold, habe ich mich gewundert, man kann natürlich umdrehen, Nazis und Goldmund, denkt man sofort dran. Aber ich habe tatsächlich eine Karriere-Coach-Frau gefunden, die ihre Firma Mundgold genannt hat, also genau irgendwie da reinpasst. Dann habe ich einen Dankwart, Dankwert gefunden, der Soziologie-Professor war und eine Zeitschrift über demokratische Erziehung herausgegeben hat, also insoweit habe ich gedacht. Und hast du dir viel Gedanken über die Namen gemacht? Überhaupt nicht. Gar nicht? Gar nicht. Weil ich habe nämlich gedacht, das passt so gut, Dankwart ist ja jetzt kein typisch, ist ja ein altdeutscher Name und Tankwart kommt ja daher, weil damals gab es ja noch keine Tankwarte. Und ich fand das nämlich sehr schön, weil Tankwart heißt ja eigentlich Wächter, also Wart des Gedankens oder des Gedenkens. Und dazu ist ja dann die Szene passend, dass in die enttäuschten Manager abfällig als Tankwart bezeichnen. Also auch hier wieder so ein Unverständnis. Und wie ist es dir dann mit dem Schreiben? Wie hat sich das zusammengesetzt mit diesen verschiedenen Personen, die ja alle doch sehr profiliert sind, auch in ihrer Kindheitsgeschichte? Oder in den Fragmenten, die man erfährt natürlich. Also ich habe ziemlich lange an dem Buch geschrieben, ich glaube vier Jahre und immer wieder und ich konnte auch nicht immer weiterschreiben. Und es war eher, also ich habe sehr viel über nationalsozialistische Erziehung gelesen, über wie sie weiterwirkt, auch über, ich habe auch Interviews gemacht und da war auch sehr bald so ein Stopp oder so eine Grenze, wo dann keine Antwort mehr kam. Und ja, also hauptsächlich ist das das Thema des Buches für mich. Und das Rundherum, dass das Manager sein ist, das hat sich so ergeben. Also ich wollte keinen Familienroman schreiben. Ja, klar, aber es ist genau passend und dadurch ist irgendwie noch was ganz anderes, eine ganz andere Sichtweise hat sich eröffnet. Also ich fand das sehr interessant, weil ja auch bei diesen Managertypen, auch wie sie mit Autosuggestion dann arbeiten immer, wie auf eine ganz andere Art als dein, ich erzähle, auch mit den Allmachtfantasien, mit denen sich jeder von denen dann antreibt, um irgendwie, um weiterzumachen. Also es waren dann, es war einfach so, es ist eigentlich aus der Recherche heraus entstanden, auch die Personen, auch wie sie sind, es ist da sehr viel von dem, was ich mir quasi auch angelesen habe oder herausgefunden habe. Weil für mich war zum Beispiel interessant, also ich habe auch so eine schweigende Mutter zu Hause, die ist 96, war auch noch beim BDM. In den 60ern, 70er ging es ja für die jungen Autoren immer um die schweigenden Väter, aber bei dir sind eben auch diese schweigenden Mütter, die im Zweifelsfall die Lippen zusammenpressen, ein Thema, was glaube ich sonst zumindest literarisch nicht so Beachtung gefunden hat bis jetzt. Ja, dann frage ich mal Robert, wie bist du auf die Idee zu deiner Figur? Der inhaltliche Ansatz und die formale Struktur, diese Tage, oder man könnte auch sagen, diese so eine Art Loop-Struktur, man ist immer zum gleichen zurückgekehrt, hat sich irgendwie eigentlich so sukzessive, so einen Ausgangspunkt entwickelt. Wobei ich dann, wie ich zu schreiben begonnen habe schon ziemlich, also nicht im Einzelnen natürlich, aber so vom Ablauf ziemlich genau wusste, worauf es hinauslaufen soll. Und so diese, man kann sagen, diese Geschichte der Obsession und das immer weitere Planentwickeln eigentlich von ganz eng von zu Hause ausgehend immer in der Wohnung rotiert, eigentlich in der Wohnung, kann man sagen, immer dasselbe. Kreise und dann wie ein Stein. Bis sich das zum Ende immer mehr steigert zu einer totalitären Vision, einer durchorganisierten Gesellschaft. Wobei da natürlich schon Punkte auch drinnen sind, durchaus gute Ansätze sind, kritikwürdig, das ist jetzt nicht so, dass dieser Ich-Erzähler, so weit es überhaupt der Figur ist, das kann man streiten, man hat ja schon gesagt, ich schreibe keine Figuren, aber was nicht. Das ist auf jeden Fall eine Figur. Schon eine Figur. Das sollte kein, das ist nicht direkt ein Sympathieträger, aber es ist auch kein Antipathieträger. Bei diesen Managern bei Drenate, soweit ich sie bis jetzt gehört habe, ist es schon klar, dass das natürlich eher ekelhafte Typen sind. Aber es ist gemischt, also durch diese Erinnerungen versteht man auch. Wenn ich jetzt eine Antipathie-Figur entwickelt hätte, dann würde das Ganze nicht klappen. Weil dann stößt man sich von Anfang gleich ziemlich ab und denkt sich, um Gottes Willen, sollte man eigentlich mit der, so protokollarisch mit, von immer mehr diese Räder des Denkens hineinkommen. Ich habe auch gedacht, mit diesem Ordnungsgedanken, der dann irgendwie so ins Größenwahnsinnige geht, das geht natürlich auch und hat auch seine Komik dadurch, dass der Ich-Erzähler eben jemand ist, der ein Außenseiter ist. Kann man froh sein, dass das niemand ist, der Macht hat und von sowas besessen ist. Ja, weil man kennt, er hat keine Macht. Er ist ja auch ein Querulant. Ja, ja, freilich. Und auch wegen dieser für mich hier Schlüsselszene mit dieser Versammlung, die er einberufen hat. Alles ist abgerissen, die Plakate und Dinge. Es ist eigentlich niemand da, außer diesen paar Typen, wo sich dann nachher, also da zwischen vierten und fünften Take herausstellt, dass es einfach eine Stammtischgruppe ist und das Gasthaus, wo sie sich treffen, wo die schon alle sitzen, das ist der Stammtisch von denen. Und dann kommt da gar nichts zustande und er imaginiert sich und fantasiert sich auch in das hinein, dass überall seine Einsatzgruppen hat. Und das kriegt natürlich sowas irgendwie Faschistoides oder wie auch immer ich will das aber diese Ausdrücke kommen im Text nicht vor das will ich auch nicht nein, nein, das darf auch gar nicht ich habe aber noch nie noch nie das Motiv von dem Schacht im Albtraum 42 Mal so variiert gesehen wie in diesen Miniaturen das Das ist ein Kindheitstraum von mir, den ich wirklich gehabt habe. In so vielen Varianten? Nein, das nicht. Das ist ein klassischer Traum, der Falltraum. Ich kann mich nur an das erinnern, ich bin den Kopf runtergestützt in den Schacht, eher rund und auf der Seite sind verschwommene, verschiedene zerte Gesichter, Fratzen, eher albtraumhaft. Und immer bevor ich, also Kopf über, immer bevor ich unten aufgestoßen bin, aufgekommen bin, bin ich aufgewacht. Du bist aufgewacht, das Klassiker. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal geträumt habe, aber es war eher in der Kindheit, vielleicht noch Jugend, aber viele Male geträumt. Interessant. Ich habe nämlich gedacht, man hätte fast diese 42 Miniaturen untereinander stellen können. Es ist immer eine Variation von einem. Es wäre ein eigener Text. Es wäre ein eigener Text. Und hast du, das heißt, du hast das nicht als eigenes geschrieben, sondern wirklich so, wie es da steht in der Reihenform? Ja, ich habe dann überlegt, wie ich die zuordne. Dann habe ich gesagt, das sollte aber eher irgendwie so Zäsuren sein, die gar nicht jetzt zu viele Assoziationen direkt zu dem hervorwenden. Das ist natürlich im Ganzen von der Ebene, in Bezug hat das schon klar. Aber nicht jetzt das genau da, das genau da. Diese Tüftelei wollte ich dann lassen. Danke. genau da, das genau da, diese Tüftelei wollte ich dann lassen. Ah, danke. Und die Orte, war für Sie wertes Publikum, war Linz erkennbar? Muss es nicht sein. Im Text von Robert, nein. Und das Landhotel, da gibt es viele. Mit dem röhrenden Hirsch an der Wand. Aber am Park habe ich eher an den Volksgarten gedacht, der ist nicht weit von hier. Für mich war es besonders spannend, dieser Bruch mit dem Schacht. Also ich habe es teilweise wirklich sehr amüsant gefunden. Und dann immer dieser Bruch mit diesem Schachttext, also das war spannend. Das war eine super Struktur von Klaus und Felix. Danke. Gibt es sonst noch Fragen, Anmerkungen an die Autorin, Autor? Bevor Sie von Kafka gesprochen haben, gibt es auch eine Spur in die Literatur, in einen literarischen Text oder in eine Referenzfigur. Ich meine, jetzt so direkt nicht. Ich meine, sicher bin ich schon Kafka-Freier, Bernhard reibe ich mich ein bisschen, aber Kalkwerk ist einer der schon Favoritentexte von mir, von Bernhard. Aber so direkt, das habe ich hat, ich möchte direkt eine Referenz dazu bilden, das wollte ich nicht. Das war ja auch eher meine Assoziation. Und ich bin auch drauf gekommen durch diese verschwommenen, indifferenten Geschehnisse. Also dieser Club bleibt anonym, es ist irgendwas unheimliches man man beobachtet ihn wie er zunehmend sich isoliert aber gleichzeitig in diesem ordnungswahn denkt er hat er hat da seine treuen anhänger und die clubmitglieder und weiterplant und kafka ist ja stellenweise auch sehr komisch also das das hat mich, das war so eher die Assoziation, die ich jetzt da dem Robert auferlegt habe. Ja. Eine Sequenz in der Erzählung, da erinnere ich mich sehr an den Prozess, das ist nur eine umgekehrte Situation, der Erzähler klagt in seiner, das ist glaube ich eine Traumsequenz, klenz, die Behörden, die das gesagt haben, klagt er ganz scharf an. Da habe ich die direkteste Passage gesehen, Kafka, also das Kafka-S, beschrieben immerhin, aber da ist es mir sehr evident geworden. schrieb immer mit, aber da ist es mir sehr evident geworden. Was mir noch aufgefallen ist, ich meine, Sie hatten ja in der Einführung, dass ja doch sehr viel, meines Erachtens sehr genau gesagt und getroffen hat. Da war eine Sache, die mir aber auch aufgefallen ist, dass der Ich-Erzähler, der ja gerade in seinem, was er stark dann nach außen agiert, und ist eigentlich, wenn er nach, er lebt seine Wohnung eigentlich immer als so Schutz- und Todsburg und ist auch, die dann wirklich, kommt immer erschöpft nach Hause und schläft, wird müde und schläft ein. Also das ist auch so eine Spannungssituation für mich oder so Gegensätze, die mir sehr stark aufgetan sind. Ja, wenn es keine Fragen mehr gibt, dann bedanke ich mich im Namen vom Stifterhaus auch bei Ihnen, dass Sie diesen ersten Veranstaltungsabend nach so langer Zeit wieder so eine schöne Veranstaltung gemacht haben mit Ihrer Anwesenheit und möchte Sie noch auf den Büchertisch am Ausgang verweisen und wünsche noch einen schönen Abend. Vielen Dank. Thank you.