Die Figuren der Autorin Romina Pauk-Kreisler Fünf Bewohnerinnen und Bewohner eines Großstadthauses mit ihren Vorlieben, Marotten und auch Abgründen. Diese Figuren hat sich die Autorin Romina Pleszko gekreilt und führt sie uns mit schonungslos, unbarmherzig, aber auch mit viel Humor und Ironie vor. Silvana Steinbacher begrüßt Sie herzlich bei Literatur im Dorf. Zu Gast ist also heute Romina Pleschko und wir werden hauptsächlich über ihr Romandebüt Ameisenmonarchie sprechen, auch darüber, wie sie die Figuren wachsen hat lassen, wie sie meint und auch über ihr schillerndes Leben. Sie war auch Schauspielerin und Make-up-Artist und eine sei aber auch von diesem Romandebüt schon gleich vorneweg verraten. Es kann mitunter gefährlich werden, eine Salami unbeaufsichtigt im Kühlschrank liegen zu lassen. Grüß Gott, Frau Pleschko. Grüß Gott, danke für die Einladung. Jetzt, wenn wir zu diesen Figuren kommen, wenn wir jetzt nur ein paar herausnehmen, ein Gynäkologe, der eigentlich mit weiblichen Körpern wenig anfangen kann, eine Verkäuferin von Kosmetikartikeln, die sehr unter Druck steht, weil sie mit dem Alter kämpft und eine Ehefrau, die Salami essen, immer mehr verstummt. Was mir so aufgefallen ist, trotz dieser Unterschiedlichkeit, es sind doch eigentlich Menschen, die die Fähigkeit zu wirklichen Kontakt oder Beziehungen nicht haben oder schwer haben. Ja, sehr richtig. Es eint sie ein bisschen die Unfähigkeit in Beziehung zu treten oder in Beziehung zu bleiben untereinander. Das ist richtig beobachtet tatsächlich. Und das war so beabsichtigt eigentlich auch, nehme ich an, wie Sie die Figuren sozusagen kreiert haben. Ja, genau. Also gerade so bei diesen, das sind ja drei Figuren, sonst sind die ja nie verwandt, aber da ist dieser Gynäkologe Senior und Gynäkologe Junior und eine Ehefrau und da hat man eigentlich eher so das Gefühl bei dieser Familie, sie stören einander eher. ist also eine dynastische Situation, also wie manchmal bei Ärzten, dass man die Praxis übernehmen sollte, dass da gewisser Druck herrscht auf den Junior, der ja schon bezeichnenderweise ein Junior ist, also im Prinzip nur so ein Abziehbild seines Vaters sein soll. ja, die finden nicht zueinander. Ja, also die Gattin ist im Dachgeschoss quasi mehr oder weniger eingesperrt oder freiwillig in Quarantäne. Das ist zwar nur zu einer Zeit geschrieben, wo alle frei waren und ausgeflogen sind, aber es hat teilweise, wenn ich es jetzt wiederlese, was von einer freiwilligen Selbstisolierung in einer sehr ausweglosen Beziehung und auch Zukunft. Also das heißt, Sie haben das Buch geschrieben, wie von Corona noch gar keine Rede war. Nein, genau. Ich habe Ende 2017 oder so begonnen zu schreiben. Und es war fertig und Corona hat dann begonnen. Und ich habe mir gedacht, okay, also ich würde in Corona-Zeiten wahrscheinlich nicht so einen Roman schreiben, ich würde die Leute rausgehen lassen, ein bisschen was erleben und so, aber damals war das nur der Zauber, drinnen zu bleiben, nichts zu erleben. Fast ein bisschen prophetisch. Und diese Figuren sind ja, finde ich, auch erwartungslos oder sie werden erwartungslos im Laufe der Handlung. Ja, also es war eine gewisse Herausforderung beim Schreiben, eine passive Hauptfigur zu haben. Also die Magdalena, die lässt sie eigentlich durchtreiben. Also die Magdalena, die lässt sie eigentlich durchtreiben. Also die treibt mal arm, mal weniger arm durch diesen Roman durch und das so zu gestalten, dass das drumherum das auch ein bisschen abfedert und so. Das war schon die Herausforderung beim Schreiben und das ist schon teilweise eine sehr abgeklärte Grundhaltung dieser Figuren. Also ich stelle mir das sehr schwer vor. Es ist wirklich gelungen, muss ich sagen. Aber trotzdem, es ist mal so von Beginn an, finde ich, es ist sehr schwierig, wenn man so eine völlig passive Figur hat und dann die Figuren rundum auch nicht wirklich so das Gegenteil darstellen, dass die dann sehr agil um diese Figur treiben, sondern eben auch, also jetzt nicht passiv, die sind ja alle in ihren Berufen, aber trotzdem, sie sind jetzt nicht gerade vital. Nein, es hat eine gewisse Statik in dem Ganzen. Also zur Magdalena kontrastierend ist dann schon ihr Gatte, ist dann schon ihr Gatte, der zumindest sehr kommunikativ aktiv ist und sie eigentlich auf Deutsch niederredet. Und sie verstummt ja immer mehr und ist halb sediert, halb zurückgezogen in ihrer Ereignislosigkeit. Aber diese Figuren haben sie schon in Situationen gebracht, die man jetzt aushalten muss die so wirklich unter Druck ist, sich jung zu erhalten oder jung aussehen zu wollen und die ja schon noch die Hoffnung hat, sie könnte sozusagen ihren Status verbessern durch eine Beziehung. Aber es ist eigentlich auch bei denen, die noch eine Beziehung haben wollen, scheint es doch so zu sein, dass man den Partner, den man sich wählt, dann auch noch zurecht verbessern muss. Karin ist speziell, dieser sehr spezielles Exemplar, sehr opportun. Sie weiß um ihre Möglichkeiten, sie hat eine ganz reale Sicht auf die Gegebenheiten, zum Beispiel, dass sie eine Tochter hat und Alleinerzieherin ist und dass das kein Vorteil ist für den Marktwert, den sie immer ganz genau austariert, indem sie sehr viel auf Social Media unterwegs ist und diese ganzen Scheinwelten inhaliert und da gern dabei wäre. Aber sie weiß, sie kann da nicht teilhaben momentan. Es gibt ihr Leben nichts mehr. Also das reale Leben, das ist begrenzt. Das ist einfach sehr begrenzt. Genau, und diese Scheidung war ein Makel, diese Trennung. Das war nicht im Plan, dass man auf einmal wie beschädigte Ware ist. Also die nimmt das ganz, ganz pragmatisch und schaut dann, wie ihre Möglichkeiten sind und weiß natürlich auch, dass ein F Schönheitsideale oder unrealistische Schönheitsideale. vom Markt bringen und redet sie da auch Möglichkeiten schön oder Männer zurecht und hat ja dann nur einen Glücksfall sozusagen in diesem Buch. Aber weil Sie das Social Media angesprochen haben, wo ja dann auch vieles auch dann natürlich nur in der Vorstellung passiert. Sie haben ja das schon so als Stichwort gegeben, der Marktwert, der natürlich ganz genau austariert wird. Aber mich erinnert das manchmal auch so ein wenig, wenn Menschen auf Social Media unterwegs sind, auch auf Partnersuche. Das erinnert ja fast so ein wenig, als wenn sie sich ein Produkt zulegen wollen. Also man streicht an, was man sich wünscht. Und wenn das dann irgendwie nicht die Vorstellungen erfüllt, dann zieht man sich zurück. Bei der Ware schickt man sie halt wieder zurück und kriegt eine neue. Aber so ein wenig hat mich das erinnert. Genau, es ist ein bisschen so wie eine personalisierte Werbeveranstaltung. Also man verkauft sie bestmöglich und hofft, den höchsten Preis zu erzielen. Bevor wir weiterreden, möchte ich zwar ein paar Dinge doch schon angesprochen, möchte ich aber doch noch ein bisschen was zu Ihrer Biografie sagen. Nina Pleszko ist 1983 in Gmunden geboren, hat dann nach der Matura ein Schauspielstudium absolviert, ist dann auch aufgetreten und anschließend waren Jahre, wo sie als Make-up-Artist gearbeitet hat. Sie war in Hamburg und in Tokio und lebt eben jetzt wieder in Wien. Und sie hat einige Stipendien bekommen und vor ein paar Jahren eben den Writer in Residence von ORF3. Weil sie gesprochen haben, eben so auch von dem Social Media und so. Also ich weiß es nicht, ob das also so ihre Intention auch war. Also es kommt schon ein bisschen auch durch, so die sehr überhöht natürlich, wir mal ein gewisses Niveau entwickelt? Also eine gewisse Schicht, das ist ja so die höhere Schicht eigentlich eher. Ja, also es war nicht bewusst. Ich finde, es hat sich für diese Figur dann einfach speziell angeboten. Also so eine Figur wäre nicht mehr realistisch. Die Karin, meine vier. Genau, zum Beispiel. Die Karin wäre nicht mehr realistisch ohne Social Media. Das hat so Orientierung. Also es ist ja Teil der Vereinsamung. Sie ist alleinerziehend und im Berufsleben. Da werden drumherum nicht so viele Möglichkeiten sein. herum nicht so viele Möglichkeiten sein. Man kann aber dann sehr gut erleben im Internet oder erleben, indem man an Erlebnissen von anderen Teilhabe hat. Und ich glaube, das bleibt nicht aus. Diese Möglichkeit gibt es und die allermeisten Menschen würden das in der Situation dann an nützen. Was mir bei Ihren Figuren aufgefallen ist, so die weiblichen Figuren, die tragen eigentlich Namen. Da ist die Karin und die Magdalena. Bei den männlichen ist es der Herb Senior, Herb Junior, der Nationalratsabgeordnete und ein Mann namens Klaus, der auch immer als ein Mann namens Klaus bezeichnet wird. Wollten Sie da eher so die männlichen Figuren in die Distanz schieben oder was lag da hinter? Ja, also bei den Herbst ist es eindeutig das Dynastische. Also der allmächtige Patriarch, der dann seinem Sohn den gleichen Namen gibt, der ist dann einfach der Junior und der Sohn macht auch dann das Gleiche beruflich. gewesen und deswegen hat er diese distanzierte Bezeichnung. Das ist ein Mann namens und bitte zum Einfüllen wäre er möglich. Der ist so der Archetyp von jemandem, der so in der Lebensmitte draufkommt, dass er bei weitem nicht das erreicht hat, wo er sich hingeträumt hätte. Und jetzt relativ destruktiv versucht, seinen Status irgendwo zu stabilisieren oder sein Ego. Und das passiert in seinem Fall ja, verbunden mit der Karin-Geschichte, sehr viel online. Aber der hat ja schon ein bisschen pathologische Züge. Und der Nationalratsabgeordnete, der ist schön, weil der entwickelt sich halt dann zum Minister in dem Ganzen. Der hat nur eine Metamorphose vor sich. Also der Nationalratsabgeordnete von der völlig unwählbaren Partei. Da muss man auch dazu sagen. Ja, also hoffe ich nicht, dass das eine Prophezeiung in irgendeiner Form sehr bald wieder sein wird. Aber Sie haben gemeint, was ich sehr interessant finde, Ihre Figuren wachsen. Wie kann man sich das vorstellen? dass sie eigentlich keinen plan gehabt hat beim schreiben also ich habe nicht die geschichte gehabt und und man dann die figuren dazu ausgedacht und dann sagt da wird das passieren da wird das passieren und da das und dann verstrickt ich das miteinander und und und so wird's gemacht und an die arbeit sondern da war zuerst eindeutig die magdalena da als Figur. Die war da und dann ist der Rest drumherum entstanden, die anderen Figuren. Also zuerst ihr Familie und dann hat sie dieses Haus ganz gefüllt. Und da passiert sehr viel unterbewusst beim Schreiben oder zumindest bei mir, ich kann nur von mir sprechen, dass ich das nicht ganz im Griff habe und dass man im Nachhinein immer ein bisschen Mut maßen muss, was da wirklich passiert ist. Man könnte auch lügen oder falsch liegen eigentlich, weil in dem Moment, wo ich das dann schreibe, passt es. Aber da ist ein Teil von mir, der da unterbewusst abläuft und den will ich gar nicht so genau anschauen. Ich habe da immer ein bisschen Angst, dass das dann nicht mehr funktioniert oder dass ich selber das Interesse verliere. Also bei mir ist das so, wenn ich zu genau weiß, wo Geschichte hin sollte, wenn ich mir das zu genau überlege, dann fühlt sich das ein bisschen wie vorgefertigtes Schreiben an und dann verliere ich so diesen Zugang, diesen so unbedarften Zugang zu dem Ganzen. Und da ist es wichtig, dass man diese Zeit geben kann, dass da immer wieder was passiert. Also es ist wirklich so, wie es wächst was und man erntet es, man schreibt und dann ist auch manchmal wieder nichts da und dann braucht es wieder Zeit, aber das füllt sie eigentlich immer von selbst quasi. Also das habe ich gar nicht so, da habe ich kein, das weiß ich eigentlich gar nicht, wie das dann passiert und bin mir nicht sicher, wie das auch wissen möchte. Es sind ja Episoden, also es sind Episoden, die sind sehr kurz eigentlich. Und wo sie immer eine Figur in den Mittelpunkt stellen, die kann dann durchaus auch eine andere treffen am Lift oder wo auch immer. Aber es sind halt eher kurze Begegnungen, beziehungsweise bei einigen entwickelt sich auch etwas. Also das durchaus. Und wenn Sie jetzt mal die Figuren haben, dann wächst die Handlung? Oder wächst die Handlung auch? Ja, ich glaube, ich habe ein bisschen einen szenischen Zugang zu dem Ganzen. Ich komme ja auch vom Theater und ich habe lange Zeit nur dramatische Texte gelesen. Also wirklich jahrelang rein dramatische Texte gelesen. Und ich lasse mich dann gern von den Figuren durchtragen. Also ich schreibe die Figuren in Situationen, die dann gar nicht im Buch vorkommen. Also ich mache mit denen sowas wie Ausflüge. Also es kann sein, dass wenn meine Figur nicht greifbar genug ist, also ich würde da so richtig reinkriechen, wenn meine Figur nicht greifbar genug ist, dann setze ich sie in eine Situation, die mich interessiert, in irgendeine problematische, und dann schreibe ich, wie sie diese Figur verhalten würde. Das hat nichts im Buch verloren, das ist nur dann für mich persönlich, um die wieder näher zu kriegen. Also ich habe da so ein bisschen an, wahrscheinlich ein bisschen an schauspielerischem Zugang da hineinkriechen zu wollen, in jeden Einzelnen. Also ich bin sehr eng mit allen fünf, aber wenn sie teilweise ein bisschen unsympathisch sind, habe ich trotzdem die ganzen Beweggründe und die ganzen Untiefen der Figuren da auch schon mit durchwandert im Schreibprozess. Und dann tragt mich das auch durch diese Handlungen durch, weil die drängen sie wirklich auf dann bei den Figuren? Also so als Grundsituation, weil man einfach eine interessante Grundsituation hat. Wie ist es, wenn jemand sie um die Kinder gekümmert hat und sehr in den Hintergrund getreten ist, wie die Magdalena, und einen sehr dominanten Mann hat. Und dann ist die Zeit des Ruhestands steht bevor. Und wie geht man da innerfamiliär damit um? Weil eigentlich ist das ein Rückzug ins Private, was ja für die Magdalena nicht schwierig ist, die kennt das. Aber für jemanden wie diesen alten Patriachen nämlich schon. Und da finde ich dieses Grundsetting sehr interessant, wie sie dann Situationen umdrehen können. Also dann im letzten Lebensdrittel dann eigentlich die Frau, die Oberhand gewinnt oder gar so ein bisschen Rache gelöst hat, eventuell. Also man merkt ja, seine Situation verschlechtert sie dann aus Gründen massiv. Und auf einmal spült es die Magdalena an die Oberfläche. Kann sich sehr schnell ändern. Genau, und das ist natürlich hoffnungslos übertrieben und sehr, sehr scharf skizziert. Aber so in den Grundlagen ist es ja dann doch relevant, wenn ein dominantes Berufsleben mit sehr viel Erfolg und Status und einer Position. Er hat ja das erreicht, was er wollte eigentlich als Einziger. Aber zum hoffnungslos übertrieben muss ich sagen, das ist Gott sei Dank, weil Literatur ist ja nicht Leben. Aber mir fehlt, weil Sie jetzt von den Figuren gesprochen haben, Robert Schindl hat einmal gesagt in einem Gespräch, hat er gemeint, manchmal biegt eine Figur ab und man weiß nicht warum. Ich habe das sehr schön gefunden. Kennen Sie sowas auch? Ja, also die biegen bei mir dann tatsächlich öfter ab. Und kommen nicht mehr. Weil sie merken, diese Figur passt da jetzt eigentlich nicht hinein. Genau. Oder sie kommen auch wieder zurück. Ich bin da sehr tolerant mit Ausflügen meiner Figuren. Sie nehmen sie wieder auf. Die dürfen einmal ausfliegen und dann nehme ich sie wieder auf. Jetzt ist natürlich die Frage, wenn Sie das Setting haben und die Figuren, Wenn Sie jetzt das Setting haben und die Figuren, dann ist ja, welche Sprache wählt man? Für das Setting und für die Figuren, die man hat, das muss man sich ja dann überlegen, wie erzählt man die Geschichte, die man vielleicht jetzt im Kopf hat? War da für Sie von Anfang an klar, dass Sie, wie Sie eben angesprochen haben, auch die Überhöhung und den Humor und die Ironie wählen für diese Geschichte? da drinnen ist essentiell, um auch da wieder Spannung abzubauen beim Lesen. Es ist ja eigentlich vom Grundthema her düster, traurig. Es ist Einsamkeit, Beziehungslosigkeit. Das ist jetzt wirklich was, wo man dann vielleicht einmal wieder Ventil braucht, um quasi den obersten stau abzulachen und man der abgelacht ist dann passt wieder mehr rein in den leser und in die leserin ja also mir geht es zumindest so wenn ich was lese und es ist nur düster ist mir das dann oft zu zu einseitig und hat den punkt wo man dann sagt so und jetzt nicht weiter bei mir das dann auch oft zu einseitig und man hat den Punkt, wo man dann sagt, so und jetzt nicht weiter bei mir. Und dann geht so ein bisschen der Vorhang runter. Und eigentlich finde ich, gibt es kaum tragische Sachen oder traurige Sachen, die nicht auch diesen Gegenpol haben, dass es aus einem nur leicht veränderten Blickwinkel dann komische Elemente hat, seltsamerweise. Also mir ist das schon oft passiert, dass ich in den unpassendsten Situationen einfach dann nur dieses Komische vor mir gesehen habe. Also das ist dann wahrscheinlich auch mein... Ich glaube, sehr tröstlich. Also wenn man es jetzt wirklich vom realen Leben sieht, ist eigentlich auch, also ich kenne das auch von mir, bei jeder Situation, in der man jetzt verzweifelt oder in einer Situation, die sehr unangenehm war und wenn man so einen Rückblick hat, dann hat die immer irgendwie auch was Skurriles oder irgendetwas, worüber man dann in der Vergangenheit auch schmunzeln oder lächeln kann. Das ist sehr tröstlich, finde ich auch. Ich möchte ein wenig jetzt auch über Ihr Leben sprechen, bevor wir wieder auf die Literatur kommen, weil es ja auch sehr viel mit Ihrer literarischen oder einiges mit Ihrer literarischen Entwicklung zu tun hat. Wir haben einiges schon erwähnt. Sie haben nach der Matura in Gmunden und nach der Kindheit und Jugend in Gmunden sind Sie dann weggegangen aus der Stadt und sind nach Wien gegangen auch, oder? Und haben dort ein Schauspielstudium absolviert und hatten auch mehrere Bühnenauftritte. Jetzt schauen wir uns vielleicht einmal auf der Bühne an, bitte. Genau. Wenn Sie vielleicht da etwas erzählen. Das ist uralt. Das war nur in der Ausbildung am Konservatorium bei Friede Ott. Und das war, ich glaube, eine Inszenierung von, das war damals von Michaela Scheder, leider schon verstorben. Die Kinder von Edward Bond, das war ein sehr düsteres, apokalyptisches Endzeitstück. Genau das Richtige für einen Haufen junger Menschen. Und Sie sind die Schauspielerin, damit wir uns orientieren können, mit dem Rosa, mit dem Grauen. Ich hocke da so, mit diesen geflochtenen Haaren. Und ich glaube, ich betrauere gerade einen Toten. Aha. Also das war eher in sehr, sehr, sehr, also Sie sind ja immer noch jung, aber in sehr, sehr jungen Jahren. Das war in sehr jungen Jahren. Das muss fast 20 Jahre aus sein mittlerweile. Wie sieht das aus? 18, 17 Jahre. Ja, sowas. Und Sie haben dann auch einige Auftritte oder Engagements gehabt. Und dann interessanterweise, also diese Weiterentwicklung kenne ich eigentlich bisher noch nicht, dann waren Sie mehrere Jahre Make-up-Artistin, hauptsächlich in Hamburg. Genau, ich habe zehn Jahre in Hamburg gelebt, also fast zehn Jahre. Genau, ich habe zehn Jahre in Hamburg gelebt, also fast zehn Jahre. Und dort hat im Bereich, das war Werbung, Printmedien, Modenschauen, sowas. Wenn wir noch ein paar sehen könnten, vielleicht, genau. Also ein unüblicher irgendeinen Kalender oder so von irgendeinem Verband. Ja, das war im Wald und da hat es alle möglichen Shooting-Orte gegeben, auch vom Hochstand. Also man kommt da an wirklich interessante Orte. Ich habe einmal ein Shooting auf einem Kasernendach gehabt in Kiel für Dachpfannen. Und dann haben wir, glaube ich, noch eins, und zwar ein Kindershooting. Genau, da braucht man dann ein bisschen unterhaltsame Fähigkeiten, um die Kinder bei Laune zu halten. Der war sehr süß, das war in Kapstadt und das war für so einen Katalog und da war man irgendwo in der Einöde an einer Tankstelle im Nirgendwo und das hat rundherum zu brennen angefangen. Die war es nur, dass wir dann geflüchtet sind und da war überall Rauch und so. Es war ein bisschen ein arges Shooting, aber da war es nur okay und wir haben nur Faxen getrieben. Also das heißt, das hat so funktioniert, dass Sie engagiert worden sind? Genau, ich war vertreten von einer Agentur und die hat dann die Aufträge herangeschafft. Man war wirklich extrem viel unterwegs. Immer eben im Winter gern in Kapstadt. Da ist halb Hamburg nach Kapstadt übersiedelt. Da hat man dann immer Leute getroffen, die man das ganze Jahr in Hamburg nicht sieht. Aber im Winter war dann die ganze Werbeszene in Kapstadt oder ja, man ist auch innerhalb von Deutschland viel herumgefahren und hat alles Mögliche gemacht. Das war sehr interessant und man lernt natürlich viel Menschen kennen. Ja, ja. Und wie lang haben Sie es gemacht? Ich würde sagen so acht Jahre ungefähr so intensiv. Ach doch. Ja, und mit dem Umzug nach Österreich hat sich das dann, also ich bin zwar in der Agentur geblieben und habe einige Jobs in Österreich gemacht, aber das war dann wieder weniger. Also man kann nicht seinen Kundenstamm in Hamburg lassen und glauben, in Österreich geht es genauso weiter, da müsste man wieder als neu aufbauen. Aber da habe ich mich dann auf das Schreiben konzentriert, wieder zurück in Österreich. Also das war nicht parallel oder das war dann also schon das eine Kapitel war abgeschlossen und dann hat dann... Es ist so ein bisschen aneinander gegriffen. Also in Hamburg habe ich begonnen, mich zu orientieren. Also ich wollte ganz schlicht wissen, ob das gute Resonanz kriegt, wenn ich schreibe. Also wie die Resonanz einfach ist und habe dafür bei Wettbewerben eingereicht, zum Beispiel beim FM4 Wortlaut und habe dafür Kurzgeschichten geschrieben. Und war ja dann eigentlich relativ bald, gell? Genau, die war gut und das hat mich sehr gefreut. Und da habe ich aber immer nur Kurzgeschichten geschrieben. Also einfach, wenn dann ruhige Zeiten waren im Make-up-Job, wenn ich dann gewusst habe, jetzt habe ich mal zwei Wochen keine Buchung, dann habe ich eine Kurzgeschichte schreiben können und habe die eben dann eingereicht und habe gewusst, ich würde aber mehr machen. Das hat dann so überhand genommen, dass es mich eigentlich viel mehr in diese Richtung gezogen hat. Aber dann habe ich zwar Kinder nur bekommen in Hamburg und habe gedacht, ist das auch erledigt? Und danach war Österreich wieder am Plan. Und in Österreich habe ich es dann wirklich umgedreht. Da habe ich dann einfach mehr geschrieben und hin und wieder als Make-up-Artist dann nur dazu gearbeitet. Und dann ist das immer größer gewachsen, bis es dann jetzt diesen Stellenwert hat. Und meinen Sie, dass Sie jetzt beim Schreiben bleiben? Oder weil es sind doch sehr viele verschiedene Stationen, die Sie schon in jungen Jahren hinter sich haben. Also zuerst die Schauspielerei, dann Make-up-Artist, also unterschiedlich. Und das Schreiben, gut, Sie sind jung, Sie können noch sehr vieles ändern, aber ist jetzt einmal so das Schreiben für Sie das, wo Sie bleiben wollen? Es war es eigentlich immer. Also diese Wankelmütigkeit hat eine Struktur darunter tatsächlich. Ich habe mich beim Schauspiel falsch eingeschätzt zum Beispiel. Also ich bin ja wirklich rein über die Literatur zum Schauspiel gekommen. Immer schon sehr textsüchtig gewesen. Und habe mir gedacht, das wäre vielleicht gut für mich. Das muss doch irgendwie funktionieren. Und dann habe ich aber relativ schnell bemerkt, dass ich keine Bühnenperson bin. Ich liebe das alles mit dem Theater. Und ich freue mich an den Karrieren meiner Ex-Kollegen von damals und beobachte das gerne und finde das toll. Aber für mich war das mehr so, dann hinter den Kulissen zu sein. Und als Make-up-Artist war ein großer Aspekt, mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun zu haben. Und dabei aber nicht so wichtig zu sein, also nicht selber irgendwas produzieren zu müssen außer Handwerk. Also nicht als Schauspielerin ist man so gefordert als eigene Persönlichkeit. Und ich würde mich dann ein bisschen mehr zurücknehmen können, um mehr zu beobachten. Und das war aber auch schon dem Schreiben sehr zuträglich. Also ich habe die Literatur umkreist, quasi bis ich es dann irgendwann zugeschnappt habe. Also ich weiß es nicht, aber man hat überhaupt den Eindruck, wenn man dieses Debüt liest, sie würden es sehr genau beobachten. Also ist das der Fall und in welcher Form? Ja, ich glaube schon, dass es der Fall ist. Ich mag das einfach. Also ich lerne einfach auch gerne Menschen kennen und die reden auch gerne mit mir. Und als Make-up-Artist zum Beispiel kriegt man immer ganz nervöse Menschen in die Finger und die werden dann auch offener tatsächlich. Und man kriegt dann alles Mögliche erzählt und hat so ein bisschen eine psychologische Unterfunktion in dem Ganzen. Und mir war das immer wichtig, mich da nicht irgendwo einzuordnen, also immer im gleichen Biotop zu sein. Also keine Ahnung, ich bin jetzt Schauspielerin und bin nur mehr unter Schauspielern. Und das passiert natürlich schnell, egal in welchem Beruf. Und deswegen habe ich dann mich immer wieder dazwischen abgeschüttelt und bin irgendwo anders hingegangen oder habe irgendeinen anderen Beruf angefangen, um wieder mal umzurühren, also im Umfeld, im Soziologischen. Ich glaube, dass ich da sehr viel gesammelt habe fürs Schreiben. Wenn da nicht viel echte Unterlage wäre, würde man wahrscheinlich gar nicht glauben. Dann würde man sagen, das ist ganz jenseits von Gut und Böse. Da kann ich gar nichts damit anfangen, weil das klingt ja alles so erfunden. Das heißt, Sie haben dann auch recht profitiert von Ihrer Arbeit als Make-up-Artist und schon allein vom Psychologischen her und von den Gesprächen mit den Personen, die Sie geschminkt oder was auch immer haben, die ja auch dann so in einer Situation waren, in der sie sonst nicht in so einer entspannten, ruhigen Situation waren und sich vielleicht dann geöffnet haben. Ja, also ich habe es auch schon als Kind gehabt. Also meine Mutter hat Germanistik studiert, da war ich so im Volksschulalter und sie hat mich immer zum Lernen mitgenommen ins Kaffeehaus. Und da habe ich mich aber dann irgendwie selbst beschäftigen müssen. Da hat es verschiedene Methoden gegeben und unter anderem habe ich immer gern Gespräche belauscht oder Personen mal angeschaut. Warum redet dieses Ehepaar nichts miteinander? Das sieht man schon in der Geschichte in meinem Kopf. Das sieht man relativ oft. Das ist mir schon als Kind aufgefallen. Vielleicht hat sie da schon die Magdalena im Meer eingepflanzt. Und ja, also ich glaube, ich mache das einfach automatisch. Weil Sie die Magdalena angesprochen haben schon jetzt einige Male, diese Salami, die, ich weiß nicht, wollen Sie zu dieser Salami schon etwas verraten, die zieht sich schon sehr durch, durch die ganze Geschichte. Genauso wie die Federn, die sie überall von ihrem Morgenmantel lässt. Aber die Salami ist durchaus gefährlicher. Die Salami ist gefährlicher, obwohl sie ordentlich Federn lässt im Roman. weil sie ordentlich federn lässt im Roman, ist es doch so ein bisschen der Ausdruck dafür, wie sehr ihr Mann ihre Entwicklung eigentlich im Griff hat. Bis hinein in den wirklichen Gemütszustand und ja, nur so allmächtig als Arzt. Also das ist ganz bewusst eine Arztfamilie, weil das ja oft auch dieses, das ist jetzt blöd, aber dieses Gott in Weiß Ding ist. Er hat ja schon ein bisschen Allmachtsfantasien. Er wechselt zum Beispiel seine drei Ordinationsassistentinnen so alle zehn Jahre mal aus gegen andere, die dann wieder zehn Jahre jünger sind. Genau, da gibt es ein Zeitfenster. Ja, ja. Ich möchte auch noch auf den Titel des Romans zu sprechen kommen. Ich habe kurz mal recherchiert, weil es mich interessiert hat, was gibt es denn so mit dem Titel Ameisen? Also da gibt es unter anderem von einem Bernier Verbet, also es ist ein Franzose, ich hoffe, man spricht ihn so aus, der hat geschrieben einen Roman Die Ameisen und da geht es darum, dass die Insekten einen Vernichtungsfeldzug gegen uns führen, gegen die Zivilisation. Und dann gibt es noch einen Roman von einem Ameisenforscher Edward O. Wilson, der in Südstaaten Epos geschrieben hat. Also da geht es wirklich direkt um die Ameisen, aber bei Ihnen geht es eigentlich, begegnet einem eigentlich keine Ameise. Nein, das stimmt. Es war so ein bisschen diese Ameisenbau-Struktur, die mich da sehr inspiriert hat. Ja, das Duhaus. Ja, ja. Mit einer traurigen, royalen Figur im Dachgeschoss. Also die Ameisenkönigin klingt ja schön, aber es ist eigentlich eine sehr traurige Aufgabe. Man sieht nie das Tageslicht und man ist dafür da, die Eier zu legen. Und das war so eine Grundinspiration, die ich gehabt habe für diesen Roman, wo sie dann auch die ganzen anderen Figuren wirklich auch eingefügt haben. Es läuft, ich weiß nicht, sehr viel über den Duft, über Parfümierungen und so Spuren, die da gelegt sind. Ein bisschen so ein Insekten-Trubel da reinzuarbeiten, so einen Insekten-Trubel da reinzuarbeiten. Das war in der Grundstruktur von diesem Ameisenbau sehr inspirierend am Anfang. Sie haben gemeint, Sie haben einmal versucht zu schauen, wie ist die Resonanz auf Ihr schriftstellerisches Arbeiten und das war ja dann eigentlich recht gut, wie gesagt. Und unter anderem haben Sie da eben die Literaturinitiative Writer in Residence vor einigen Jahren gewonnen. 2019, genau. 2019. Und das war ja verbunden, das ist so die Besonderheit eigentlich, dass Sie mit einer Mentorin arbeiten konnten. Genau, ja. Können Sie da etwas Näheres sagen über Ihre Erfahrungen? Ja, also das war damals mit der Ursula Poznanski. Und dieses Stipendium war ein Monat Aufenthalt im Hotel Wasnerin. Also wirklich quasi der Super-Checkpoint. Wo ist das? Das ist in Bad Osssee. In Bad Osssee. Auch nicht schlecht, gell? Überhaupt nicht schlecht. Also ganz und gar nicht schlecht. Also man hat wirklich, ich habe Ruhe gehabt zum Arbeiten, köstlichste Verpflegung. Ich habe mich wirklich einmal um gar nichts gekümmert, also auch überhaupt keine Ausrede gehabt, irgendwas rauszuschieben oder zu prokrastinieren. Und habe da wirklich in Endzügen diesen Roman fertiggestellt. Und immer wieder war ich dann in Kontakt mit meiner Mentorin, mit der Ursula Poznanski, und wir haben dann zum Abschluss dieses Stipendiums auch gemeinsam dort eine Lesung abgehalten. Das war sehr schräg, das war der Tag, an dem das Ibiza-Video erschienen ist. Das war der Release-Day vom Ibiza-Video. Ist da überhaupt wer gekommen? Ja, doch. Es waren Hotelgäste, aber die waren eigentlich schon sehr müde. Da muss man sich eigentlich bedauern, weil das ist nicht gerade der Tag, den man sich wünscht. Es war ein Song-Contest. Es hat alles kosmisch gegen uns gesprochen, aber wir haben wirklich ein gutes Publikum gehabt und haben die ganzen Wellness- und Saunamüden-Gäste, weil am Abend ist man wirklich erledigt in diesem Hotel, haben wir auch wieder gut belebt bekommen. Und das war einfach ein ganz besonderer Abend. Ich erinnere mich an den so ganz detailliert, weil diese Stimmung so eigenartig war, wie dieses Video erschienen ist und dann diese gemeinsame Lesung. Und ich bin bis heute wirklich in gutem Kontakt mit Ursula Poznanzka. Das hat sich auch wirklich nicht verlaufen nach dem Stipendium. Und ich freue mich jedes Mal, wenn wir uns sehen. Jetzt ist es pandemisch ein bisschen schwierig, aber ja. Und das hat dann so funktioniert, dass Sie sich in Abständen getroffen haben? Sie haben mir die Texte gezeigt, die Sie geschrieben haben? Genau, ich habe stückweise meine Texte bekommen. Also zu Beginn waren das nur die ersten 30 Seiten und dann immer so stückweise weiter. Und dann bespricht man, also auch zum Thema Lesung und so. Ich war da einfach nicht erfahren. Also ich bin immer noch nicht erfahren, weil ich ja keine Lesungen mache momentan. Und da war das wichtig, also da habe ich auch profitiert einfach von so einer erfahrenen Autorin, die zig Lesungen andauernd hat und es sind ganz simple Dinge, die man eigentlich auch nicht weiß oft und wo es toll ist, wenn man wen ausfragen kann nach Lust und Laune, also wie es mit Verlagen läuft und wie einfach die Arbeitsstruktur ist von anderen Menschen. Man denkt immer, vielleicht ist man selbst so faul und schafft nur so wenig. Ursula Poznanski ist eindeutig viel fleißiger als ich, aber trotzdem ist das einfach interessant zu erfahren, wie da die anderen Autoren-Realitäten ausschauen. Weil es ist ja so ein bisschen einsamer. Wie geht es Ihnen mit der Kritik? Ich kann mir vorstellen, manche Autorinnen, also überhaupt manche Menschen, reagieren sehr entmutigt bei Kritik. Andere finden es als bereichernd. Wie geht es Ihnen da? Ja, also ich bin ein bisschen eine cholerische Person tatsächlich. Ich bin gleich auf 180 und reg mich auf. Aber das ist auch schnell wieder vorbei. Also ich habe ein schlichtes Gemüt für Kritik, die wird kurz ganz intensiv durchgekaut. Manches davon akzeptiert man dann auch, anderes regt dann einfach nur vielleicht auf kurzfristig und dann zieht das auch wieder durch. Und ich glaube, wenn man das nicht loslassen kann, ist es blöd eigentlich. Das ist wirklich ein Hemmschuh für weitere Arbeit. Aber mir geht es eigentlich mit jeder Art resonant so. Ich versuche mich da ein bisschen rauszuabstrahieren aus dem Ganzen. Es ist zwar natürlich etwas Positives für Angenehmer, das braucht man nicht sagen, aber es ist trotzdem auch hemmend, finde ich. Schon? Ja, weil man denkt dann, wenn jemand sagt, keine Ahnung, jetzt ganz einfach gesagt, ich finde das toll, dass du so einen Humor in deinem Text hast, mach das weiter so, dann hat man immer im Kopf, man muss jetzt unbedingt, man darf sie gar nicht verändern. Man müsste jetzt immer das Gleiche machen. Man sieht Erwartungen und die man erfüllen soll. Und wenn jemand sagt, schreib doch mal was Lebensbejahenderes und nicht so düstere Figuren, dann hat man das, ja, dann ist das sowieso schwierig für mich. Und eigentlich ist es ja so, dass die Leser und Leserinnen die Autoren suchen müssen und nicht machen. Also jeder kann, was er kann und dann ist ein großer Pott an Möglichkeiten und daraus kann man sie dann als Leser oder Leserin auswählen. Naja, diese Ratschläge zu geben, was man schreiben soll, das ist schon sehr überlegend. Ja, also das ist ganz extrem. Ist ja keine, wie soll ich sagen, keine Literatenspeisekarte oder wie auch immer, wo man aussucht. Man kann es ja probieren. Ich möchte noch ein wenig zum Humor kommen, weil der eben doch bei Ihnen so wichtig ist. die mir doch bei Ihnen so wichtig ist. Passiert Ihnen das eigentlich einfach oder ist es ganz gezielt, dass Sie bei Texten einfach humoristisch an einen Text herangehen? Ich glaube, diese Figuren sind nicht sympathisch eigentlich. sind nicht sympathisch eigentlich. Und dann ist dieser Zugang einfach, also der Grund, warum ich die Figuren mag, ist dann, weil ich eben diesen Blickwinkel immer wieder mal verändere. Das ist nicht absichtlich, ich glaube, dann wäre das seltsam, sondern es ist einfach Grenzen und alles, aber ich glaube, ich wechsle gern zwischen den Betrachtungsweisen, ganz automatisch. Sie haben ja einmal gemeint, in einem Interview haben Sie gemeint, dass Sie finden, dass der Humor in der zeitgenössischen Literatur oder in der Literatur, die jetzt entsteht, eher eigenartig. Also Sie haben es jetzt betrachtet wie Scheide benannt. Was mich gewundert hat, weil ich eigentlich doch recht viele humoristische oder ironische Texte, gerade auch bei Autorinnen und Autoren, die so in ihrem Alter sind, finde, immer wieder? Ja, also es war einfach sehr viel Thema. Also ich war da einfach überrascht davon, dass das so viel Thema ist. Also manchmal, kommen Sie vor, als hätte man ein Witzebuch geschrieben. Also dass das wirklich thematisiert worden ist und dass sie manche Menschen oder Kritiker dann erschwert, um das einzuordnen, aber die würden das gerne, da ist ein dringliches Bedürfnis, das wo einordnen zu können und ich finde, dass gerade der deutschsprachige Raum ein bisschen sehr, sehr streng ist mit diesem Trennen in E und U. ist mit diesem Trennen in E und U. Da gibt es ganz andere, also im englischsprachigen Raum ist das überhaupt nicht so ein Ding, da gibt es die Hybriden und das funktioniert. Da ist man hierzulande ein bisschen strenger, finde ich. Oder im deutschsprachigen Raum, dass man das eher getrennt hat. Ist das jetzt was Ernstes? Ist das quasi Literatur oder was ist das jetzt? Aber ich meine, es gibt ja viele hochqualitative Autorinnen und Autoren, die sehr humoristisch schreiben. Also E und U, die Unterteilung ist überhaupt schwierig, aber wenn man schon davon spricht, dann ist ja U eigentlich eher so die ziemlich einfach geschriebene Unterhaltung und E ist eben das Gegenteil. Aber meiner Meinung nach hat das nicht so sehr mit Humor zu tun, aber ich habe jetzt nicht die Begriffe kreiert. Ja, es ist eh immer schwierig, überhaupt Definitionen zu kriegen in dem Bereich. Man redet immer so leichtherzig über die Sachen Und dann, ich möchte nicht wissen, was Menschen antworten. Also wenn man zehn Menschen fragt, was ist der Literaturbegriff für dich? Und ab wo hört ein Werk auf, Literatur zu sein? Oder wo fängt es an, Literatur zu sein? Dann hat man wahrscheinlich acht verschiedene Antworten bei zehn befragten Personen. Und dann schwimmt man manchmal. Also ich glaube schon, Mir ist aufgefallen, es gibt schon einige Menschen, die brauchen einfach diese Zuordnung ganz streng. Und ich bin da vielleicht eher unbedarft. Also einfach mit einem intuitiven Zugang. Ich kann mir das vorher nicht fragen. Ich kann nicht so literaturtheoretisch rangehen an das Schreiben, das ist mir nicht möglich, weil dann ist das Schreiben, also es funktioniert so nicht für mich. Jetzt ist dieses Buch abgeschlossen und ist schon was Neues in Planung oder so? Schön wär's, schön wär's. Ich brauche dringend, dass die Pandemie mal sich beruhigt. Dass ich nicht im Homeschooling mit allen Familienmitgliedern zu Hause hocke und eigentlich keine Zeit finde zum Schreiben. Oder diese wenigen Zeitfenster kann man dann auch nicht so produktiv nutzen. Ich brauche ein bisschen diese Langeweile, diesen faden Alltag, wo ich weiß, ich habe den Vormittag zum Schreiben fertig. Und es ist Licht am Ende des Tunnels und ich sondiere auch schon ordentlich und werde demnächst da wirklich loslegen. Also es wird wirklich Zeit. Ich bin schon ganz also wirklich unruhig. Ich fühle mich auch schon eingesperrt. Sie arbeiten ja militärisch, gell? Ja, militärisch. Das heißt, also wirklich so ein strenges, ein sehr, sehr strenges Zeitfenster. Muss ich, weil ich bin eigentlich extrem faul. Also ich bin grundlegend, könnte ja einfach nie wieder was machen. Also immer schon. Und das reicht mir nicht. Also ich mache mir dann schon Pläne, wie das mit dem Schreiben überhaupt funktionieren kann. Also ich weiß, wenn ich mir nicht ein gewisses Setting baue, dann wird das nichts. Es ist Familie ja überhaupt wahrscheinlich auch notwendig. Genau, und ich brauche es einfach niederschwellig. Weil wenn ich fünf Hindernisse überwinden muss, um zu schreiben, dann kratze ich am ersten Hindernis und lege mich dann zur Seite und mache nichts. Das muss ich richtig aufdrängen. Ich muss mich da zwingen, das zu machen, weil das immer schon sehr herausfordernd und anstrengend ist, immer dem eigenen Unvermögen so ins Auge zu schauen. Also man muss ja wirklich selbst aushalten beim Schreiben. Man sieht ja, was man als nett kann. Das ist schon sehr, also man sieht auch manchmal, was man kann, aber es ist schon ein sehr schonungsloser Blick auf einen selbst. Man kann nicht nur die Figuren schonungslos betrachten. Ja, wobei, meinen Sie nicht, dass das auch in jedem Bereich der Fall ist? Es gibt immer einen besseren Wissenschaftler, einen besseren Sportler. Also wenn man dann nicht beginnt, könnte man nie mit etwas starten. Also das wäre sehr deprimierend. Das stimmt, aber dass es bessere und schlechtere gibt, also damit habe ich mich gut abgefunden schon. Aber es ist mehr so die eigene Erwartung, die man hat, wenn man was schreibt, also was man von sich selbst abverlangt. Und wenn das einfach nicht funktioniert oder wenn man sie verzettelt und man muss auch sehr viel, eine hohe Frusttoleranz dann auch dazwischen haben, um dann auch diese Erfolge zu kriegen. Und das Schönste ist immer, wenn man gut geschrieben hat, da bin ich dann exzellent gelaunt den Rest des Tages. Da gibt es dann Muffins für alle. Aber wenn das eben nicht funktioniert, dann da krabbt man sich manchmal richtig in so ein für alle. Aber wenn das eben nicht funktioniert, dann da krabbt man sich manchmal richtig in so ein Loch rein. Also wenn das so drei Wochen quasi immer schlechter wird oder so, dann muss man da auch wieder raus. Man wäre doch eigentlich gern nett zu sich und würde sagen, ach, lass das mit dem Schreiben. Mach halt was anderes. Geh spazieren oder so. Also ich glaube, diese Art Schweinehund ist einer der schlimmsten. Ist dazu zu überwinden, ja. Dann danke ich Ihnen ganz, ganz herzlich, dass Sie da waren. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. In diesem Sinne auch viele Muffins, die dann kommen, wenn Sie gut geschrieben haben. Also zu Gast war heute Romina Pleschko. Wir haben über ihren Roman Ameisenmonarchie gesprochen, der bei Crema e Ungeria erschienen ist. Auch über ihre Figuren, die wachsen und vor allen Dingen auch über den Humor und vieles andere mehr. Ich möchte Sie noch aufmerksam machen auf einen Podcast mit einer Lesung von Romina Pleszko, die ab 23. April online ist und auch im Stifterhaus unter im Arbeitszimmer-Podcast. Silvana Steinbacher wünscht Ihnen noch einen schönen Tag. Behalten Sie Ihre Zuversicht und vor allen Dingen auch Ihren Humor. you