Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Anfang 2019 habe ich ein Buch herausgegeben und im ersten Titel heißt das Mythos Markt. Was meine ich mit Markt und warum bezeichne ich das als Mythos? Es geht um den Begriff der Markt oder die Märkte und dieser Begriff wird immer in Anführungszeichen gesetzt. Es ist diese Sprachverwendung. Es gibt hier etwas Übergeordnetes, das ist wie eine Person. Wir müssen uns dem unterwerfen, wir müssen dem Markt gehorchen, der Markt belohnt und bestraft wird. Um diesen Begriff geht es. Warum bezeichne ich das als Mythos? Was ist ein Mythos? Ein Mythos ist eine Erzählung, ist eine Geschichte. Es gibt kulturelle Mythen, es gibt nationale Mythen, es gibt auch Mythen in jeder Familie. Welche großartige Tat hat damals meine Großmutter gemacht? Da gibt es viele schöne Geschichten. Der Ausdruck Mythos wird aber von mir noch viel umfassender verstanden. Und zwar in der Art, wie ein Kulturhistoriker über ein mythisches Zeitalter reden kann. Im antiken Griechenland war der große Mythos die Ilias und dann die Odyssee, die Mythen von Homer. Und in diesem mythischen Denken wurden alle großen Naturvorgänge durch die Götter erklärt. Warum steigt die Sonne auf und geht wieder unter? Weil der Gott Helios die Sonnenscheibe mit seinen Pferden über den Horizont sieht. Alle Naturvorgänge werden mythisch erklärt. Und dieses mythische Denken ist dann durch das wissenschaftliche Denken abgelöst worden. Und im antiken Griechenland gibt es ja die Grundlagen unseres wissenschaftlichen Denkens. Vereinfacht sagt man von Mythos zum Logos, zum logischen Denken, zum wissenschaftlichen Denken. Wodurch zeichnet sich eine mythische Welterklärung aus? Durch drei Komponenten. Erstens, Teil und Ganzes werden vermischt, das werde ich gleich erklären. Zweitens, es geht um märchenhafte Wirkungen und drittens, es hat was mit Lebenswirklichkeit zu tun. Wie hat man in diesem mythischen Zeitalter die Fruchtbarkeit der Erde erklärt? Es ist die Göttin Demeter. Die Göttin Demeter macht es, dass ein Korn mehrfache Frucht bringen kann. Aber Demeter ist auch eine Göttin, sie kann auch irgendwo erscheinen. Das heißt, der Teil und das Ganze sind miteinander vermischt. In einem Samenkorn, in einem Korngetreide ist die Demeter enthalten und die Demeter ist gleichzeitig eine Person, die irgendwo sein kann und sie kann an verschiedenen Orten gleichzeitig sein. Der Teil und das Ganze sind miteinander vermischt, ich kann gar keine Trennung mehr machen. Ernten heißt dann, der Demeter zu huldigen. Essen bedeutet dann, die mythische Kraft der Demeter sich einzuverleiben. Was hat das alles mit wissenschaftlichen Modellen, mit Vorstellungen über die Wirtschaft zu tun? Meine Behauptung ist, dass genau diese drei Qualitäten in dem Begriff der Markt enthalten sind. Die erste Behauptung war die Vermischung zwischen Teile und Ganzes. Wenn man in die Lehrbücher der Ökonomie reingeht, dann beginnen die meisten Lehrbücher mit einem Reden über den Markt. Der Begriff wird gar nicht erklärt. Und jetzt gibt es ein Modell des Marktes und dieses Modell des Marktes ist ein sehr, sehr spezifisches Modell. Es ist das Modell der vollkommenen Konkurrenz, es basiert auf dutzenden Annahmen und es funktioniert nur bei ganz, ganz spezifischen Konstellationen. Man könnte sagen, es gibt ein Modell des Marktes und dieses Modell beschreibt Teilphänomene in der Wirtschaft. Als solches wäre das nicht problematisch. Man müsste dann immer fragen, wenn ich ein bestimmtes Modell in der Wirtschaft erklären will, sind die Vorbedingungen gegeben, kann ich dieses Modell anwenden, um dieses Phänomen zu erklären. In den Lehrbüchern macht man das ganz anders. Man redet über dieses Modell des Marktes in einer ganz, ganz umfassenden Weise. Im Grunde genommen werden alle wirtschaftlichen Vorgänge beschrieben. Es wird aber noch schlimmer. Man redet über die Wirtschaft als der Markt. Und noch mehr, man hat eine Vorstellung über Gesellschaft, nämlich über die Ordnung und das ist die Ordnung eines Marktes, eine Marktordnung. Das heißt, der Teil und das Ganze sind ungeheuer vermischt und man könnte jetzt immer sagen, was genau wird gemeint, das Argument wechselt die ganze Zeit die Ebenen. Und in diesem Hin und Her, in dieser Vermischung von Teil und Ganzes, kann das, was der Markt aussagt, gar nicht definiert werden. Wir können gar nicht die institutionellen Bedingungen angeben, dass wir von dem Markt reden können. Es ist ein mythisches Hin und Her. Das ist die erste Komponente. Die zweite Komponente ist, diesem Markt werden märchenhafte Aspekte zugeschrieben. Effizienz, das Wichtigste ist Optimalität und in diesem fiktiven Modell wird das dem Markt zugeschrieben. Die größten, tollsten, besten Wirkungen, die ein Ökonom sich denken kann, werden an dieses Bild von dem Markt gekoppelt. Und jetzt wird ihm mit dieser Denkvorlage, werden reale Phänomene so erklärt. Alles was gut ist im Kapitalismus ist Ausdruck des Marktes. Die absolute Armut ist gesunken, warum? Weil es der Markt gemacht hat. Die Arbeitsproduktivität hat sich seit der industriellen Revolution ungeheuer erhöht. Das ist die Basis unseres hohen Lebensstandes. Warum? Das ist der Markt. Und die schlechten Sachen in der Ökonomie, die müssen immer außerhalb erklärt werden. Die dritte Komponente eines Mythos ist, es hat mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun. Wenn ich in einer Kultur, in einer Gesellschaft drin bin, wo viele an den Markt glauben, dann ist das handlungsrelevant. wo viele an den Markt glauben, dann ist das handlungsrelevant. Das heißt, wenn es um irgendwelche Regeln des Kapitalismus geht, dann sagt man, das ist der Markt. Warum kann ich gegen Kinderarbeit in armen Ländern nichts machen? Das ist der Markt. Warum gibt es ökologische Probleme von Firmen? Das ist der Markt. Dagegen kann man überhaupt nichts machen. Das ist der Markt, dagegen kann man überhaupt nichts machen. Warum sind zum Beispiel in den Fleischfabriken diese Subunternehmer beschäftigt mit Personen, die relativ rechtlos sind? Das ist der Markt, man kann nichts dagegen machen. Jetzt auf einmal zeigt es in diesem Corona-Schock, dass die Politik ganz wirksame Schritte dagegen machen kann. Der Markt ist nur eine Behauptung, um gewisse Strukturen, um gewisse Privilegien, um gewisse Prozesse zu schützen. Wer darf angesichts des Marktes Forderungen erheben und wer wird durch den Markt diskursiv bestraft? Dem Arbeitslosen sagte man früher, du bist schuld an deinem Elend, weil du angesichts des Marktes versagt hast. Insgesamt haben wir jetzt eine ganz, ganz eigenartige Situation. Ein verborgenes Reden über den Markt, quasi eine Grundlage dieser Kultur und diese Kultur gibt sich ungeheuer rationell, effizient, technikorientiert und das Ganze ruht auf einem Mythos. Mein Ziel ist es, wenn ich Vorträge über das halte, dass die Personen, die das hören, erstens hellhörig werden, wenn sie immer dieses Reden von dem Markt, der Standortsicherung, der Globalisierung hören und zweitens, dass sie den Begriff der Markt niemals wiederverwenden. Wir müssen im Nachdenken über den Kapitalismus auch die Denkweisen über den Kapitalismus verändern. Und das Wichtigste, warum wir das brauchen, ist, sonst können wir die ökologische Krise nicht wirksam angehen. Danke für Ihr Zuhören.